| I n h a l t : | [01. Teil] [02. Teil] [03. Teil] [04. Teil] [05. Teil] [06. Teil] [07. Teil] [08. Teil] [09. Teil] |
| [Translation-Service] |
D I E B E I N A H - K A T A S T R O P H EWie ein Leser das ICE-Chaos in Köln erlebte
Der Schrecken sitzt immer noch tief. Am Mittwoch Nachmittag sprang bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof ein ICE aus den Gleisen. Einer unserer Leser erlebte das Geschehen aus unmittelbarer Nähe. Als Fahrgast im ICE 518 wurde er Zeuge des Chaos auf der Hohenzollernbrücke.
Aus: Rheinische Post, Düsseldorf, 10. Juli 2008, 13.00 Uhr MESZ (Panorama) von PHILIPP STEMPEL. [Original]DÜSSELDORF (RPO). In einem Artikel auf unserem Leserportal OPINIO schildert er unter dem Namen JKDM anschaulich seine Erlebnisse am gestrigen Nachmittag [9.7.2008]. Nicht als Fahrgast im entgleisten ICE, aber als unmittelbar beteiligter Augenzeuge.
In Mannheim hatte er seine Reise angetreten. Eigentlich mit dem Ziel Duisburg. Doch sein Zug kam bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof unvermittelt zum Stehen. Ein Holpern, ohrenbetäubendes Quietschen, dann der abrupte Stillstand. Der aus den Triebzügen "Wolfsburg" und "St. Ingbert" zusammengesetzte ICE 518 stoppt. Der vordere Teil steht auf den Gleisen der Hohenzollernbrücke, der hintere noch im Bahnhof.
![]()
Am 9.7.2008 am Hauptbahnhof von Köln nachmittags entgleister ICE 518 vom Typ ICE 3. (Foto: 9.7.2008 KStA)
Bei den Bahn-Angestellten im Zug herrscht ein heilloses Durcheinander, erzählt der Augenzeuge. Auch unter den Fahrgästen macht sich Unruhe breit. Schaffner laufen aufgeregt durch die Gänge. Gerüchte machen unter den Reisenden die Runde. Ein Unglück? Ist jemand überfahren worden? Keiner ahnt, was los ist. Auch nicht die Bahn-Angestellten. "Zugführer sofort Kontakt mit Lokführer aufnehmen Zugführer sofort Kontakt mit Lokführer aufnehmen", schallte es aus der Durchsage.
Die Reisenden bleiben noch lange im Ungewissen. Keiner kann ihnen sagen, was passiert ist. Erst Minuten später erfolgt eine Lautsprecherdurchsage: "Der Zug kann aufgrund eines schwerwiegenden technischen Problems die Fahrt nicht fortsetzen wir haben eine sogenannte 'Zugtrennung' zwischen den Wagen 24 und 25 Reisende in dem Bereich werden gebeten, an ihren Plätzen zu bleiben!", beschreibt unser User das Erlebte.
Später bittet die Bahn die Fahrgäste, den Zug zu verlassen. Die Reisenden, deren Waggons auf den Brückengleisen zum Stehen gekommen sind, werden dem Augenzeugenbericht zufolge durch Rettungskräfte aus dem Zug geholt. Unser Leser hat Glück. Er befindet sich im hinteren Teil, kann einfach aussteigen und auf den Bahnsteig. Von Entgleisung sagt niemand etwas.
Mit der Informationspolitik der Bahn ist JKDM alles andere als zufrieden. "250 Reisende haben wohl das Recht zu erfahren, was mit dem Zug geschehen war", bemängelt er. Die Erleichterung aber überwiegt. Er sei nur froh, dass sich die Entgleisung nicht auf offener Strecke zwischen Frankfurt und Köln ereignete, so sein Fazit.
JKDM hat seinen Augenzeugenbericht in unserem Leserportal OPINIO als eigenständigen Artikel veröffentlicht. (...) Bei OPINIO schreiben Leser für Leser. Erlebnisse, Meinungen, Erfahrungen hier schreiben Sie.
Die Ursache der Entgleisung ist immer noch ungeklärt. Eisenbahnbundesamt, die Bundespolizei und Bahntechniker haben einem Bericht des WDR zufolge die Ermittlungen aufgenommen. Gleis und Zug werden überprüft.
Da die Kölner Brücke, auf der das Radkreuz des Zuges aus unbekannter Ursache aus den Schienen gesprungen war, eine der meistbefahrenen Bahnbrücken Europas ist, kam es am Mittwoch [9.7.2008] im Zugverkehr zu erheblichen Beeinträchtigungen.
8 Stunden lang war der Verkehr blockiert, bis das Nadelöhr wieder frei war. Gegen Mitternacht hob ein Kran den entgleisten ICE wieder auf die Schienen. Die Panne hatte sich bundesweit mit erheblichen Verspätunge bemerkbar gemacht. Am Donnerstag Morgen [10.7.2008] lief der Bahnverkehr wieder reibungsfrei an. [mehr]
D I E B E I N A H - K A T A S T R O P H EStaatsanwaltschaft ermittelt wegen ICE-Unfall bei Köln
Aus: AFP-Meldung, 11. Juli 2008, 12.37 Uhr MESZ (Panorama). [Original]
KÖLN (AFP). Im Zusammenhang mit dem ICE-Unfall am Kölner Hauptbahnhof hat jetzt auch die Kölner Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Es werde wegen des Anfangsverdachts der Gefährdung des Bahnverkehrs gegen Unbekannt ermittelt, sagte ein Behördensprecher auf Anfrage. Die Überprüfung der ICE-3-Züge nach dem Unfall führte zu massiven Behinderungen im Bahnverkehr. Mehr als 80 ICE-Verbindungen fielen aus, wie die Deutsche Bahn mitteilte.
I C E 3
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.Hintergrund der Ermittlungen sind Aussagen von Passagieren, die dem Bahnpersonal bereits nach der Abfahrt des Zuges von Frankfurt in Richtung Köln verdächtige Geräusche gemeldet haben sollen. Dies führt für die Ermittler zu dem Verdacht, dass Räder oder Achsen bereits bei der Fahrt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke beschädigt gewesen sein könnten. Die Staatsanwaltschaft schaltete einen Gutachter ein und will zudem die Bahnpassagiere als Zeugen befragen.
Nach Angaben der Bahn hatte eine defekte Radsatzwelle einen Teil des ICE 518 am Mittwoch [9.7.2008] bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof aus den Gleisen springen lassen. Das Unternehmen rief deshalb 61 von insgesamt 67 ICE-3-Zügen in die Werkstätten [Ed-18.7.2008: was aber auf Anordnung der EBA (Aufsichtsbehörde) erfolgte]. 6 Züge blieben nach Angaben eines Sprechers von dem Check ausgespart, weil sie erst vor kurzem überprüft worden waren. Die Bahn machte keine Angaben dazu, wie lange die Überprüfungen dauern werden. [mehr]
D I E B E I N A H - K A T A S T R O P H EViele offene Fragen nach dem ICE-Unfall
Aus: DPA-Meldung, 11. Juli 2008, 22.36 Uhr MESZ (Wirtschaft). [Original]KÖLN/BERLIN (dpa). Der am Kölner Hauptbahnhof entgleiste ICE-Zug ist kurz vor dem Unfall vom Bahnpersonal wegen verdächtiger Geräusche gestoppt worden. Unklar war am Freitag [11.7.2008] noch, ob diese von zwei Bahnsprechern bestätigte Notbremsung den Zug entgleisen ließ.
Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen unbekannt wegen Gefährdung des Bahnverkehrs aufgenommen. Am Freitag wurde ein Großteil der baugleichen ICE-3-Züge von der Deutschen Bahn zur Überprüfung in die Werkstätten geholt. Dadurch fielen mehr als 60 Fernzüge aus, weitere Züge fuhren nur eingeschränkt.
Wenige Tage nach dem Unfall sind damit noch viele Fragen offen: Haben die Zugbegleiter zu spät reagiert, als ihnen Passagiere von verdächtigen Geräuschen berichteten? Hat das Bahnpersonal tatsächlich die Notbremse gezogen, und ist der Zug deswegen entgleist? Von Seiten der Deutschen Bahn gab es am Freitag [11.7.2008] unterschiedliche Erklärungen zum Ablauf der Ereignisse am vergangenen Mittwoch [9.7.2008].
  Auch 10 Jahre nach dem ICE-Unglück von Eschede verfügen deutsche Hochgeschwindigkeitszüge ICE noch immer über keine elektronische Überwachung der Fahrgestelle im Betrieb.
Das sagen Berliner Verkehrsexperten, die das ICE-Unglück von 1998 genau verfolgt haben. Vermutlich sei dieses Versäumnis auch ein Ergebnis des Sparkurses der Deutschen Bahn wegen des geplanten Börenganges, heißt es. Oder konnte der Siemens-Konzern solche Sicherheitstechnik nicht liefern, obwohl man 10 Jahre Zeit hatte?Wie zwei Bahn-Sprecher in Berlin mitteilten, wurde der Zug durch eine Notbremsung der Zugbegleiter gestoppt. Die Leitung der Bahn- Pressestelle für Personenverkehr dagegen wollte diese Information weder bestätigen noch dementieren [Ed: im InfoRadio-Berlin heißt es am 12.7.2008, daß ein Mitreisender die Notbremse gezogen habe]. "Das Zugpersonal hat den Zug gestoppt wie, entzieht sich unserer Kenntnis", hieß es. Nach der Bremsung war der Zug mit einem Achsbruch aus dem Gleis gesprungen. "Ob das eine die Ursache des anderen ist, wird derzeit ermittelt", sagte einer der Bahn-Sprecher weiter. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt.
Die Überprüfung der ICE-Züge sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, hieß es bei der Bahn. Reisende müssten das Wochenende über noch mit Einschränkungen beim Fernverkehr rechnen. Vor allem der ICE-Verkehr über Köln und Frankfurt nach München und Stuttgart sowie zwischen Frankfurt und Paris ist betroffen. Ein Ersatzverkehr, vor allem mit IC-Zügen, werde eingerichtet. Zudem zeige sich die Bahn kulant bei der Erstattung von Fahrscheinen. Am Montag [14.7.2008] sollen laut Rausch alle Züge wieder planmäßig fahren.
![]()
Eine solche Radsatzwelle des ICE 518 ist in Köln am 9.7.2008 am Ansatz eines Rades gebrochen. Die Frage ist nun, ob des ein Ermüdungsbruch aufgrund eines Materialfehlers war. Dann müßte die Bahn für die ICE-3-Züge insgesamt wohl 864 neue Radsatzwellen aus anderen Werkstoffen entwickeln und produzieren lassen. (Grafik: 7.2008 DB/afp)
Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums in Berlin sagte, die Bahn habe die Behörde "sehr zeitnah" über die Untersuchung der ICE-Züge informiert. Das Bundesministerium nehme keinerlei Einfluss auf die Ermittlungen zu dem Unfall. Das werde den Experten des Eisenbahn-Bundesamtes [EBA] überlassen.
Zu den möglichen Konsequenzen, falls die Achse des Kölner ICE in voller Fahrt gebrochen wäre, wollte sich Rausch nicht äußern. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt-Köln werden mehr als 300 Kilometer in der Stunde erreicht. Vergleiche mit dem Zugunglück bei Eschede durch einen gebrochenen Radreifen lehnte die Bahn ab [Ed-18.7.2008: obwohl ihr diesbezüglich die eindeutige EBA-Einschätzung bereits vorlag]. Bei einem der schwersten Bahnunglücke in der Geschichte des Unternehmens waren am 3. Juni 1998 im niedersächsischen Eschede 101 Menschen ums Leben gekommen und 105 verletzt worden.
Bahn von Unfällen verfolgt
Auch in diesem Jahr haben Unfälle der Bahn bereits für Aufsehen gesorgt. So raste am Freitag [11.7.2008] erneut ein Zug in eine Schafherde. Bei dem Unglück einer Regionalbahn zwischen Bensheim und Lorsch (Hessen) wurden 52 Tiere getötet. Menschen wurden nicht verletzt. Bereits Ende April war ein ICE am Landrückentunnel bei Fulda mit Tempo 220 in eine Schafherde gerast und entgleist. Dabei waren 19 Menschen verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Bahn, weil ein Zugführer zuvor der Betriebsleitzentrale in Frankfurt gemeldet hatte, dass er in entgegengesetzter Richtung ein Schaf überfahren hatte. [mehr]
D I E B E I N A H - K A T A S T R O P H EStaatsanwalt ermittelt nach ICE-Unfall
Nach dem ICE-Unglück in Köln hat die dortige Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Insgesamt 6 Zeugen berichten von ungewöhnlichen Geräuschen vor dem Unfall, 5 von ihnen informierten das Zugpersonal und wurden zunächst ignoriert.
Aus: Süddeutsche Zeitung, München, 12. Juli 2008, Seite ?? (Panorama) von HANS LEYENDECKER und DANIELA KUHR. [Original]KÖLN/BERLIN (SZ). Nach dem ICE-Unfall in Köln vom Mittwoch [9.7.2008] hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Gefährdung des Bahnverkehrs aufgenommen. Die Bahn rief am Freitag [11.7.2008] 61 ICE-Züge in die Werkstätten, nur 6, die erst kürzlich überprüft worden waren, fuhren weiter. Für Zehntausende Reisende kam es zu Verspätungen. Auch in den nächsten Tagen ist mit Behinderungen zu rechnen.
Die Kölner Staatsanwaltschaft leitete die Ermittlungen gegen noch unbekannte Mitarbeiter der Bahn ein. Den Strafverfolgern liegen insgesamt 6 Zeugenaussagen von Reisenden vor. 5 von ihnen hatten angeblich am Mittwochnachmittag das Zugpersonal des ICE 518, der auf der Fahrt von München nach Dortmund war, kurz nach dem Verlassen des Bahnhofs Frankfurt-Flughafen auf "Klappergeräusche" aufmerksam gemacht.
Die Reisenden saßen in Wagen 23, der später verunglückte. Sie hatten sich gleich nach dem Unfall in Köln bei der Bundespolizei gemeldet. Nach ihren Darstellungen soll ein Zugbegleiter ihnen gesagt haben, die Geräusche seien "normal". Der Zug fuhr dann auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Köln und erreichte Geschwindigkeiten von mehr als 300 Stundenkilometern.
Ein sechster Zeuge hat sich erst später bei der Polizei gemeldet. Er war in Siegburg ausgestiegen und hatte den Zugbegleiter auf die Geräusche aufmerksam gemacht. Seine Warnung wurde offenkundig ernst genommen.
Wie aus Bahn-Kreisen verlautete, hat das Zugpersonal auf der Fahrt nach Köln dann nach der Ursache der Geräusche gesucht. Bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof zog dann ein Zugbegleiter kurz vor dem Einschwenken auf die Hohenzollernbrücke die Notbremse. Wagen 23 sprang aus den Schienen, die Radsatzwelle war defekt.
Behinderungen für Zehntausende Reisende
Die Staatsanwaltschaft will jetzt weitere Zeugen vernehmen und einen Gutachter damit beauftragen, den Unfallhergang zu rekonstruieren. Für die weiteren Ermittlungen wird entscheidend sein, ob die Geräusche typisch oder untypisch für Probleme mit der Radsatzwelle des Zuges waren. Nach Angaben der Bahn hat es einen solchen Unfall bislang noch nicht gegeben.
![]()
Am 9.7.2008 am Hauptbahnhof von Köln nachmittags entgleister ICE 518 vom Typ ICE 3. (Foto: 9.7.2008 KStA)
Vor 10 Jahren sind durch den Bruch eines Radreifens nahe Eschede 101 Reisende ums Leben gekommen. Knapp 2 Minuten vor dem Unglück war ein Zugbegleiter von einem Passagier auf merkwürdige Geräusche angesprochen worden. Ein Gutachter hat ihn später von dem Vorwurf befreit, er habe nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen.
Für Zehntausende Reisende kam es am Freitag [11.7.2008] zu Behinderungen. Auch am Wochenende sei noch mit Verspätungen und Ausfällen zu rechnen, sagte eine Sprecherin der Bahn. "Erst am Montag [14.7.2008] werden wieder so gut wie alle Verbindungen regulär fahren." Der Ausfall trifft die Bahn mitten in der Hauptreisezeit; in 5 Bundesländern beginnen an diesem Wochenende die Sommerferien.
Die Überprüfung eines einzigen Zuges dauert laut Bahn etwa 8 Stunden. Der ICE 3 ist seit dem Jahr 2000 in Betrieb. Bislang habe es noch nie Probleme mit den Radsätzen gegeben, so die Bahn. Der Hersteller des Zuges, der Siemens-Konzern, schickte ein Krisenteam nach Köln, um die Ursache für den Bruch der Achse zu finden. Siemens hat mehr als 60 Züge des Typs ICE 3 in seinem Krefelder Werk gebaut. Derzeit hat der Konzern Großaufträge für eine Weiterentwicklung des Zuges aus China, Russland und Spanien vorliegen. Siemens will angeblich prüfen, ob die Panne auch Auswirkungen auf die neuen Züge habe, hieß es in Branchenkreisen. [mehr]
D I E B E I N A H - K A T A S T R O P H EFahrplan-Chaos Bahn checkt alle ICE-3-Züge
Nach dem Zug-Unfall mit einem ICE-Zug in Köln stellt sich erneut die Frage nach der Sicherheit: Die Bahn überprüft derzeit 61 ICE-3-Züge per Ultraschall. Das hat Folgen für den Fahrplan: Zehntausende Deutsche müssen ihre Reisepläne ändern, Behinderungen wird es wohl noch bis Anfang kommender Woche geben.
Aus: Die Welt, Berlin, 12. Jul 2008, Seite ?? (Wirtschaft). [Original]KÖLN (dpa/AP/dma/lw). Zehntausende von Bahnreisenden waren am Freitag [11.7.2008] bundesweit von Zugausfällen bei der Deutschen Bahn betroffen. Grund: Nach einem Unfall mit einem Intercity-Express (ICE) im Kölner Hauptbahnhof überprüft der Konzern einen Großteil seiner ICE-3-Züge, insgesamt sind es 61. Ihre Achsen und Räder werden untersucht, weil die Techniker nicht wissen, wie es zu dem Schaden an einer Radsatzwelle des Kölner Zuges kam.
Die Überprüfung eines Radsatzes dauert laut Bahn eine halbe Stunde, jeder Wagen hat 4 Radsätze, ein ICE hat 8 Wagen. "Einschränkungen wird es noch bis Anfang nächster Woche geben", kündigte Bahnvorstand Karl-Friedrich Rausch an.
Insgesamt sind rund 90 Fahrverbindungen ausgefallen, teilte der Konzern mit. Einschränkungen habe es vor allem im Ruhrgebiet, Köln und Frankfurt am Main sowie bei der ICE-Verbindung Frankfurt-Paris gegeben. Der "überwiegende Teil" der deutschen Fernverbindungen sei von den Zugausfällen aber nicht betroffen gewesen. Für aktuelle Informationen über Fahrplanänderungen stünden die kostenlose Telefonauskunft unter der Nummer 08000/996633 und die Internet-Adresse bahn.de/aktuell (www.bahn.de/aktuell) zur Verfügung.
Ermittlungen gegen die Deutsche Bahn
Unterdessen leitete die Staatsanwaltschaft Köln Ermittlungen gegen den Konzern ein. "Wie haben einen Anfangsverdacht der Gefährdung des Bahnverkehrs", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln.Bei dem Unfall in Köln war ein ICE-3 aus Frankfurt am Main wegen einer defekten sogenannten Radsatzwelle aus den Schienen gesprungen und hatte über Stunden den gesamten Zugverkehr blockiert. Personen waren nicht zu Schaden gekommen. Der Vorgang wird derzeit von einem Gutachter untersucht.
Die Räder oder Achsen des Zuges sollen schon deutlich früher beschädigt gewesen sein, womöglich sogar schon bei Verlassen des Bahnhofes am Frankfurter Flughafen. Passagiere sollen sich mehrfach bei Zugbegleitern über verdächtige Geräusche beschwert haben. Möglicherweise sei der Zug mit Rad- oder Achsendefekt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Köln gefahren, wo Geschwindigkeiten von bis zu 330 Kilometer pro Stunde erreicht werden.
Die Deutsche Bahn dementierte den Bericht. "Der in dem Bericht erweckte Eindruck, das Fahrpersonal des ICE 518 habe am 9. Juli nicht auf Hinweise von Fahrgästen über atypische Fahrgeräusche reagiert, ist schlichtweg falsch", teilte das Unternehmen mit. Das Fahrpersonal sei entsprechenden Kunden-Hinweisen nachgegangen und habe gemäß den Vorschriften die notwendigen Maßnahmen ergriffen. "Konsequenz dieses korrekten Verhaltens war, dass der ICE 518 durch das Personal am vergangenen Mittwoch [9.7.2008] um 16.11 Uhr bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof gestoppt und somit möglicher Schaden abgewendet wurde", hieß es weiter. [mehr]
D U R C H E S C H E D E N I C H T S G E L E R N TEin Fahrgast zog die Notbremse
Nach dem ICE-Unfall in Köln haben Fahrgäste der bisherigen Darstellung der Bahn widersprochen, nach der Bahnmitarbeiter den Zug gestoppt haben. Wie der WDR am Sonntag berichtete, soll nach Angaben von mehreren Mitreisenden ein Fahrgast die Notbremse gezogen haben.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 14. Juli 2008, Seite 28 (Weltspiegel). [Original=art1117,2571349]
![]()
STUTTMANN-Karikatur Notbremse (verkleinert). (Grafik: 14.7.2008 stuttmann)
KÖLN (dpa). Der WDR zitiert einen Augenzeugen, dem nach eigenen Angaben schon kurz nach dem Anfahren in Köln klar gewesen sei, dass der Zug entgleist war. "Es war einfach offensichtlich, dass ein Rad schon über die Schwellen humpelte." Er habe dem vorbeikommenden Zugbegleiter dann zugerufen, dass der Zug entgleist sei. Der habe aber nichts unternommen. Ein Fahrgast habe dann die Notbremse gezogen.
Eine weitere Augenzeugin bestätigte die Angaben. Ein Fahrgast sei "an die Notbremse gesprungen" und habe den Zug angehalten. Hinterher hätten sich Fahrgäste bei ihm bedankt. Ein Bahnsprecher wollte den Bericht am Sonntag [13.7.2008] nicht kommentieren und verwies auf eine Mitteilung der Deutsche Bahn AG vom Freitag [11.7.2008]. Darin hieß es: "Das Fahrpersonal ist entsprechenden Kunden-Hinweisen nachgegangen und hat gemäß den Vorschriften die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Konsequenz dieses korrekten Verhaltens war, dass der ICE 518 durch das Personal (...) bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof gestoppt und somit möglicher Schaden abgewendet wurde." [mehr]
B E H Ö R D E Z U I C E - U N G L Ü C KBahn wollte Auflagen des Eisenbahnbundesamtes verhindern
![]()
Hinweis zum Artikel vom 14.7.2008 und Kommentar auf der khd-Page. (Grafik: 2008 khd)
ICE-3-Züge fuhren weiter.
Aus: Kölner Stadt-Anzeiger, 17. Juli 2008, 18.03 Uhr MESZ (Presse-Mitteilung). [Original]KÖLN (ots). Noch 2 Tage nach der Entgleisung des ICE 518 "Wolfsburg" im Kölner Hauptbahnhof am 9. Juli hat sich die Deutsche Bahn AG Auflagen des Eisenbahnbundesamtes (EBA) zur Kontrolle ihrer Züge widersetzt. Dies berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger [18.7.2008] unter Bezug auf einen EBA-Erlass an die Bahn vom 11. Juli.
So habe die Bahn noch am 11. Juli Einspruch dagegen eingelegt, dass alle Züge, die mehr als 60.000 Kilometer zurückgelegt haben, einer Kontrolle unterzogen werden sollten. Die Bahn setzte die ICE-3-Züge bis zum Abend des 10. Juli zumindest auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt weiter ein.
Der Bahn gelang es nach dem Bericht der Zeitung aber nicht, das Amt umzustimmen: Der Einspruch der Bahn habe "leider keine neuen Gesichtspunkte enthalten", die das Amt "zu einer Änderung des mündlich erlassenden Verwaltungsaktes veranlassen würden", teilte die Behörde dem Unternehmen mit.
Besonders kritisierte das EBA, dass die Bahn den "kürzestmöglichen Zeitraum für die Rissfreiheitsprüfung" der Radlager "als deutlich zu hoch angesetzt" habe. Zugleich ordnete das Amt "die sofortige Vollziehung dieses Bescheides wegen Gefahr im Verzug als Notstandsmaßnahme im öffentlichen Interesse an. Ein unveränderter Weiterbetrieb der Triebzüge BR 403/406 [ICE 3] ist mit erheblichen Gefahren für Leib und Leben verbunden." [mehr]
Lebensgefahr für eine "Vielzahl von Menschen"
Die ICE-Entgleisung im Kölner Hauptbahnhof hätte in einer Katastrophe enden können: Nur dank des Schritttempos wurde ein Unglück wie in Eschede verhindert zu diesem Urteil kommt die zuständige Aufsichtsbehörde.
Aus: Spiegel Online 17. Juli 2008, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]
ERFURT/KÖLN (reh/amz/dpa/AP). Nach Einschätzung des Eisenbahnbundesamts sind die Passagiere des notgebremsten ICE in Köln nur knapp einer Katastrophe entgangen. Ursache für die Entgleisung des ICE auf der Kölner Hohenzollernbrücke war nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen eine defekte Radsatzwelle.
![]()
Am 9.7.2008 am Hauptbahnhof von Köln nachmittags entgleister ICE 518 vom Typ ICE 3. (Foto: 9.7.2008 KStA)
Eine Sprecherin der Behörde bestätigte am Donnerstag [17.7.2008] den Wortlaut des Schreibens, das am vergangenen Freitag [11.7.2008] der Bahn zugesandt worden war. Darin wurde angeordnet, die ICE-3-Züge aus dem Betrieb zu nehmen und zu überprüfen. Ein unveränderter Weiterbetrieb der Triebzüge der Baureihen 403/406 sei "mit erheblichen Gefahren für Leib und Leben verbunden".
Wäre die Radsatzwelle des Zuges bei der normalen Streckengeschwindigkeit bis zu 300 Kilometern pro Stunde gebrochen, "hätte sich mit nicht unerheblicher Wahrscheinlichkeit eine Katastrophe wie zum Beispiel in Eschede ereignen können", heißt es in einem Bescheid der Aufsichtsbehörde an die Bahn.
Der Bruch einer Radsatzwelle führe unweigerlich zum Entgleisen des Zuges, schrieb das Eisenbahnbundesamt weiter: "Das Leben einer Vielzahl von Menschen ist unmittelbar in äußerster Gefahr." Am vergangenen Mittwoch [9.7.2008] war ein ICE 518 bei der Abfahrt am Kölner Hauptbahnhof wegen einer defekten Radsatzwelle entgleist.
I C E 3
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.Der ICE 3 ist die modernste Baureihe der deutschen Hochgeschwindigkeitszüge. Die Radsatzwelle wird nun von einem unabhängigen Gutachter untersucht. [mehr] [Kommentar]
D I E B E I N A H - K A T A S T R O P H EKeine Schäden an untersuchten ICE-3-Zügen
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 21. Juli 2008, Seite 24 (Weltspiegel). [Original=xxx]
FRANKFURT/MAIN (AP). Eineinhalb Wochen nach dem Unfall eines ICE-3 in Köln hat die Bahn die außerplanmäßige Kontrolle aller baugleichen Züge abgeschlossen. Bei den über 60 untersuchten Fahrzeugen wurden keine Auffälligkeiten festgestellt, teilte Bahnsprecher Jürgen Kornmann am Sonntag [20.7.2008] mit.
Die ICE-Beinah-Katastrophe
Ein Artikel aus dem
khd-research.net.Fachleute vermuten, dass der Bruch einer Radsatzwelle bei dem Unfall nicht auf einen Materialfehler, sondern auf eine äußere Beschädigung zurückzuführen sei. [mehr]
B E R L I N E R S - B A H NICE-Unfall vorhersehbar
Aus: Junge Welt, 21. Juli 2008, Seite 1 (Titel) von WINFRIED WOLF. [Original]Laut einer aktuellen Umfrage hat nach dem Kölner Zugunfall nur noch ein knappes Drittel in der Bevölkerung "Vertrauen in den ICE", das Flaggschiff der Deutschen Bahn. Die schwindende Kundenbindung könnte sich noch beschleunigen. Denn der Bahn-Vorstand sagte nicht die Wahrheit, als er den Bruch einer ICE-3-Achse am 9. Juli als "nicht vorhersehbar" bezeichnete. Für das Gegenteil gibt es aus der Praxis und der Theorie Belege. Der Vorstand der Bahn AG handelte demnach grob fahrlässig, und er gefährdete das Leben vieler Menschen, als er nach dem Kölner Unfall die ICE-3-Züge noch rund 40 Stunden lang mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 Kilometern pro Stunde quer durch Deutschland verkehren ließ. Die Aufsichtsbehörde EBA (Eisenbahn-Bundesamt) hatte per schriftlichem Bescheid am 11. Juli anweisen müssen, die Flotte aus dem Verkehr zu ziehen und überprüfen zu lassen.
Es war nicht der erste Achsenbruch. Am 2. Dezember 2002 entgleiste in Gutenfürst ein neuer Diesel-ICE (ICE-TD VT 605). Ursache war der Bruch einer Radsatzwelle. Die Bahn behauptete, es handle sich um ein einmaliges Ereignis. In das entsprechende Drehgestell sei versehentlich eine zuvor beschädigte Achse eingebaut worden. Im April 2003 gab das Eisenbahn-Bundesamt jedoch bekannt, daß alle Achsen aller 20 ICE-TD-Garnituren bei Belastungstests versagten. Die Bahn schob Ende 2003 alle ICE-TD aufs Abstellgleis. Seit Frühjahr 2008 rollen einzelne Diesel-ICE wieder auf besonderen Strecken, auf denen sie aber nicht mehr mit ihrer Höchstgeschwindigkeit eingesetzt werden.
Gut eine Woche nach dem Kölner ICE-Unfall meldete sich Vatroslav Grubisic zu Wort. Der 75jährige Professor lebt heute im Ruhestand und gilt als "Räder-Papst". Er war für das Fraunhofer-Institut in Darmstadt Gutachter der Anklage im Prozeß um das Zugunglück von Eschede 1998. Seine in SPIEGEL online wiedergegebene Grundaussage zum jüngsten Achsenbruch: "Es wurde bereits bei früheren Messungen bestätigt, daß die Radsatzwellen der ICE-3-Reihe für die hohe Belastung zu niedrig dimensioniert sind. (...) Dadurch haben die Radsatzwellen nur eine beschränkte Lebensdauer. Die Frage ist, wie hoch diese Lebensdauer ist: Wenige Jahre bis zum ersten sichtbaren Anriß, bevor anschließend der totale Bruch entsteht? Oder die geforderten 30 Jahre?"
Grubisic kritisiert die bisher gültige EU-Norm, die unzureichend ausgelegt sei: In Testreihen hätten "die Höchstwerte der Spannungen die Normwerte um bis zu 19 Prozent auf den Laufradsätzen und um 17 Prozent auf den Treibradsätzen überschritten. Damit ist fraglich, ob diese Wellen eigentlich die Dauerfestigkeiskriterien nach Normen erfüllen." Der Experte unterstützt deshalb verkürzte Wartungsintervalle von 60.000 Kilometern, um die Achsen mit Ultraschall auf Risse zu untersuchen. Dies bedeute jedoch, "daß die Wagen etwa alle 2 Monate auf den Prüfstand müssen". Das sei teuer und aufwendig.
Grubisics Erkenntnisse wurden erstmals 2006 veröffentlicht. Ein aktueller Artikel zum gleichen Thema erschien im Frühjahr im Magazin ZEV Rail, das unter anderem von Karl-Friedrich Rausch herausgegeben wird. Rausch ist Mitglied im Bahn-Vorstand und dort verantwortlich für den Fernverkehr.
Wenn die DB AG weiter zögert, eine Garantie für die von 300.000 auf 60.000 Kilometer verkürzten Wartungsintervalle zu geben, dann liegt das nicht nur an den Kosten. Die Bahn hat dafür überhaupt nicht die Reserven an ICE-Garnituren. Sie müßte ein halbes Dutzend neue bestellen, was jedoch mit jahrelangen Lieferfristen verbunden wäre. Kurzfristig und gewissermaßen zum Auftakt des Börsengangs müßte die Bahn also den Fahrplan auf den ICE-3-Strecken deutlich ausdünnen. [mehr]
S-Bahnzüge haben Risse im Boden und fahren weiter
Unternehmen sieht keine Gefahr für Passagiere / Für die modernste Baureihe gilt weiter Tempo 80.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 26. Juli 2008, Seite 7 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]BERLIN (Tsp). Die S-Bahn lässt Fahrzeuge mit Rissen im Fußboden rollen. Eine Reparatur soll frühestens im Oktober beginnen. Da die Risse ständig kontrolliert würden, bestehe keine Gefahr für die Fahrgäste, heißt es bei dem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. Betroffen ist die Hälfte der 60 noch einsetzbaren sogenannten Viertelzüge der Baureihe 485, die aus je zwei Wagen bestehen. Sechs Viertelzüge sind bereits nicht mehr für den Fahrgastverkehr zugelassen, weil die Risse zu groß waren. Wie teuer die Reparatur wird, ist noch nicht bekannt.
![]()
Berliner S-Bahn Zug der Baureihe 485. Obwohl nicht uralt, haben die Böden bereits Risse. (Repro: 2007 khd)
Die Risse seien im Frühjahr bei Routinekontrollen entdeckt worden, sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Da keine tragenden Teile betroffen seien, könnten die Fahrzeuge aber weiter eingesetzt werden. Sie fahren unter anderem auf der S 9 zwischen Spandau und dem Flughafen Schönefeld. Die Fußböden würden alle 7 Tage kontrolliert, um festzustellen, ob die Risse sich vergrößert haben. Bisher sei der Betrieb nicht gefährdet.
Allerdings mussten bereits 6 Viertelzüge aus dem Verkehr genommen werden, weil die Risse "auffälliger" waren, wie es in einer Mitarbeiter-Information der S-Bahn heißt. Diese Fahrzeuge werden nun als Versuchszüge eingesetzt, um die Rissentwicklung weiter zu beobachten; unter anderem mit Bremstests.
Gemeinsam mit der Aufsichtsbehörde [EBA] dem Eisenbahn-Bundesamt in Bonn erstelle man jetzt ein Sanierungskonzept, sagte Priegnitz. Fest stehe, dass die sogenannten Bodenwannen ausgetauscht werden. Je Viertelzug werde man dafür etwa eine Woche benötigen.
Risse waren schon in den vergangenen Jahren aufgetreten. Sie seien aber offensichtlich ungenügend repariert worden, heißt es in der Mitarbeiter-Information. Die Züge der Baureihe 485 waren in den 80er Jahren für die Reichsbahn der DDR entwickelt und im damaligen Lokomotivwerk in Hennigsdorf (heute Bombardier) gebaut worden. Von den 170 gelieferten Viertelzügen hat die S-Bahn bereits einen
Großteil verschrotten lassen. Weitere Züge sind abgestellt. Da ihre Zulassungsfristen abgelaufen sind, müssten sie erst aufwendig instandgesetzt werden, ehe sie wieder eingesetzt werden können. Solch teure Hauptuntersuchungen will sich die S-Bahn allerdings ersparen. Fahrzeugreserven gibt es kaum noch, weil die S-Bahn, um Kosten zu sparen, den Bestand stark reduziert hat.
![]()
Berliner S-Bahn Zug der Baureihe 481. Obwohl das die modernste Bauart ist, gibt es doch Bremsprobleme. So dürfen nur Tempo 80 gefahren werden. (Repro: 2007 khd)
Bereits zuvor hatte die S-Bahn Probleme mit Fahrzeugen. So dürfen die 500 Viertelzüge der Baureihe 481, der modernsten der Flotte, bis voraussichtlich Ende 2009 statt mit Tempo 100 nur mit maximal 80 km/h fahren, weil deren Bremssystem nach einem Unfall umgestellt werden muss.
Wegen technischer Mängel musste auch die BVG im April 2007 vorübergehend einen Teil ihrer neuesten U-Bahnen stilllegen. Dort hatte es Mängel an den Achslagern gegeben. Nachdem Anfang Juli ein ICE der neuesten Bauart im Kölner Hauptbahnhof entgleist war, nahm die Bahn diese Züge außer Betrieb, bis sie überprüft waren. Dazu musste sie allerdings dem Vernehmen nach erst vom Eisenbahn-Bundesamt gezwungen werden. So weit ist es wegen der Risse an den S-Bahnen noch nicht. Nach Auskunft der Sprecherin Bettina Baader habe das Bundesamt der S-Bahn bisher keine Auflagen erteilt.
D I E B E I N A H - K A T A S T R O P H EICE in Augsburg wegen ungewöhnlicher Geräusche gestoppt
Aus: DPA-Meldung, 4. August 2008, 17.12 Uhr MESZ (Wirtschaft).AUGSBURG (dpa). Wegen ungewöhnlicher Geräusche ist am Montagvormittag [4.8.2008] in Augsburg ein ICE mit 170 Fahrgästen gestoppt worden.
Der Hochgeschwindigkeitszug vom Typ 1 [1. Generation] war auf der Fahrt von München nach Berlin. Die Passagiere mussten den Zug verlassen, der leer nach München zurückfuhr, bestätigte am Montag [4.8.2008] eine Bahn-Sprecherin Informationen der Augsburger Allgemeinen.
Ein Bahnmitarbeiter habe den Zug gestoppt. Die Fahrgäste konnten den Angaben zufolge kurze Zeit später mit anderen Zügen weiterfahren. Der betroffene ICE soll in München technisch überprüft werden.
D I E B E I N A H - K A T A S T R O P H EBürgerbündnis zeigt Bahn-Vorstand an
Das Bündnis "Bürgerbahn statt Börsenbahn" hat wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr Strafanzeige erstattet. Die Bahn habe die Intervalle zwischen den Wartungen immer weiter ausgedehnt, obwohl Probleme bekannt gewesen seien.
Aus: Kölnische Rundschau, 4. August 2008, 12.07 Uhr MESZ (Lokales). [Original]KÖLN (dpa). Nach dem ICE-Unfall in Köln vor 4 Wochen hat ein Bürgerbündnis Strafanzeige wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr gegen den Bahn-Vorstand gestellt. Die Bahn habe in den vergangenen Jahren die Zeiträume zwischen den Überprüfungen der Radsatzwellen der ICE 3-Züge mehrfach verlängert, teilte das Bündnis "Bürgerbahn statt Börsenbahn" (BsB) zur Begründung mit. Ziel des Unternehmens sei es dabei gewesen, im Hinblick auf den geplanten Börsengang die wirtschaftliche Bilanz zu verbessern [Ed: dabei sollen binnen 4 Jahren 1 Milliarde Euro "Sondergewinn" erzielt worden sein].
Auf einer Kölner Rheinbrücke war am 9. Juli ein ICE 3 wegen einer defekten Radsatzwelle entgleist. Bei der Staatsanwaltschaft Köln lag die Anzeige nach Angaben eines Sprechers am Montag [4.8.2008] noch nicht vor.
BsB-Sprecher Winfried Wolf sagte, die Radsatzwellen seien ursprünglich alle 60.000 Kilometer gewartet worden. Dies sei in den vergangenen Jahren sukzessive auf alle 300.000 Kilometer ausgedehnt worden und dies, obwohl sich Ermüdungserscheinungen an den Achsen seit längerem abgezeichnet hätten.
Nach dem Unfall in Köln hatte die Bahn die 61 Züge der ICE 3-Baureihe vorübergehend aus dem Verkehr gezogen und überprüft. Dabei waren keine Sicherheitsmängel festgestellt worden. Die Bahn hatte aber angekündigt, dass die Fahrzeuge künftig vorsichtshalber wieder alle 60.000 Kilometer überprüft werden sollten.
Bei dem Unfall in Köln war niemand verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und wartet zurzeit noch auf ein technisches Gutachten.
Das BsB ist nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss von Bahn-Experten, die den geplanten Börsengang der Deutschen Bahn AG kritisieren. Das BsB ist Mitglied im Bündnis "Bahn für Alle", zu dem insgesamt 16 Organisationen gehören, darunter Gewerkschaften, Naturschutzverbände und politische Jugendorganisationen [Ed: darunter Attac, BUND, Grüne Jugend, IG Metall, Jusos, Robin Wood und VCD]. [mehr]
D I E B E I N A H - K A T A S T R O P H EBahn weist Berichte über Probleme mit ICE-Radwellen zurück
Aus: DDP-Meldung, 14. August 2008, 18.24 Uhr MESZ (Wirtschaft). [Original]HAMBURG/BERLIN (ddp). Die Deutsche Bahn (DB) hat Berichte zurückgewiesen, wonach es bei Radsatzwellen der ICE-Hochgeschwindigkeitszüge weiterhin Probleme gebe. Die Sicherheit der ICE-Radsatzwellen stehe außer Frage, erklärte die Bahn am Donnerstagabend [14.8.2008].
Zuvor hatten das ARD-Magazin "Monitor" und "Spiegel Online" berichtet, es gebe Bedenken wegen der "Dauerfestigkeit" von ICE-Radsatzwellen. Diese Erkenntnisse stünden offenbar im Zusammenhang mit der Suche nach den Ursachen der Entgleisung eines ICE im Kölner Hauptbahnhof vor gut einem Monat.
"Die Spekulationen um die Sicherheit der ICE-Radsatzwellen entbehren jeder technischen Grundlage", teilte die Bahn mit. Bahnindustrie, Radsatzhersteller und die Deutsche Bahn als Zugbetreiber "gehen von einer uneingeschränkten Sicherheit der ICE-Flotte aus", sagte DB-Vorstand Karl-Friedrich Rausch.
Die Radsatzwellen seien gemäß den zugrundeliegenden europäischen Normen hergestellt und wiesen die notwendige Sicherheit im Einsatz im Hochgeschwindigkeitsbereich auf. Dies sei durch viele Tests belegt.
Rausch sagte weiter, die Radsatzwellen der ICE-3-Fahrzeuge wiesen bereits eine Laufleistung von insgesamt mehr als 3 Milliarden Kilometer auf, ohne dass bei den regelmäßigen Ultraschall-Untersuchungen Anzeichen für Rissbildungen festgestellt worden seien. Infolge des Bruchs einer solchen Welle am 9. Juli in Köln habe die DB alle Radsatzwellen der betreffenden Bauart zusätzlichen Ultraschall-Überprüfungen unterzogen. Alle Untersuchungen seien ohne Befund hinsichtlich eventueller Rissbildungen gewesen. Bei dem Unfall in Köln habe es sich daher um einen Einzelfall gehandelt, der noch abschließend geklärt werden müsse. [mehr]
Behörde verpflichtet Bahn zu häufigeren Prüfungen
Das Eisenbahnbundesamt hat die Bahn zu kürzeren Prüfintervallen für Radsatzwellen von Zügen vom Typ ICE3 verpflichtet. Die Behörde bestätigte SPIEGEL-Informationen, wonach die Probleme mit der Festigkeit der Radsatzwellen größer waren als bislang öffentlich bekannt.
Aus: Spiegel Online 14. August 2008, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]
BONN (reh/dpa/AP). Die Hochgeschwindigkeitszüge der Deutschen Bahn vom Typ ICE3 mit bestimmten Radsatzwellen müssen ab sofort häufiger auf den Prüfstand als bisher.
Die ICE-Beinah-Katastrophe
Ein Artikel aus dem
khd-research.net.Das Eisenbahnbundesamt forderte das Unternehmen schriftlich auf, "die mechanisierte Ultraschallprüfung der Treib- und Laufradsatzwellen aus dem Werkstoff A4T wiederkehrend in einem verkürzten Prüfintervall durchzuführen", gab die Behörde bekannt. Nach Informationen des SPIEGEL hat die Bahn selbst Bedenken betreffs der "Dauerfestigkeit" von Radwellen. Der Bruch einer Radsatzwelle hatte in Köln Mitte Juli zur Entgleisung eines ICE der dritten Generation geführt.
Nach SPIEGEL-Informationen hat die Bahn 2 Schreiben an das Eisenbahnbundesamt (EBA) verfasst, in denen die Bahn Bedenken wegen der Dauerfestigkeit von Radwellen äußerte. Wie ernst die Gefahr eingeschätzt wird, ergibt sich aus den Kompensationsvorschlägen, die der Eisenbahnbetriebsleiter der DB Fernverkehr AG in 2 Briefen am 5. und 8. August an das EBA aufzeigt.
Um den Druck auf besonders beanspruchte Laufradsätze in den mittleren Waggons zu mildern, wird demnach folgendes überlegt: Zum einen sollen kürzere Untersuchungsintervalle eingeführt werden. Da die Last in den mittleren Waggons am größten ist, könnten zum anderen dort die Toiletten stillgelegt werden. Weil dann keine "Betriebsstoffe (Frisch- und Abwasser)" mitgeführt werden müssen, könne "die Last des Wagens um 735 Kilogramm" reduziert werden.
Im zweiten Schreiben schlägt der Fernverkehrsbetriebsleiter vor, an den Mittelwagen die zum Fahrbetrieb offenbar nicht notwendige Wirbelstrombremse abzuschalten, um die "Kraftbeanspruchung an den Wellen" zu reduzieren. Das habe noch einen "erheblich größeren Effekt" als die Reduzierung der Wassermenge.
Die betroffenen Schnellzüge verkehren auch zwischen Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Bei den französischen Nachbarn werden die Bremsen offenbar wieder zugeschaltet, da dort aufgrund der "Reservierungspflicht" mit einer "reduzierten Reisendenzahl" gerechnet wird.
Eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde bestätigte zudem, die Deutsche Bahn habe zuvor mitgeteilt, dass bei mehreren ICE-Zügen der Baureihe 3 Achsen nicht den europäischen Zulassungsnormen entsprächen.
Bahn weist Berichte zurück
Die Bahn hat Berichte über angebliche Sicherheitsmängel an Achsen und Rädern von ICE-3-Zügen energisch zurückgewiesen. "Die Spekulationen um die Sicherheit der ICE-Radsatzwellen entbehren jeder technischen Grundlage", erklärte das Unternehmen. "Bahnindustrie, Radsatzhersteller und die Deutsche Bahn als Zugbetreiber gehen von einer uneingeschränkten Sicherheit der ICE-Flotte aus", sagte Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch am Donnerstag [14.8.2008] in Berlin. Nach schlüssigen Berechnungen, die auch dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) vorlägen, "steht die uneingeschränkte Betriebssicherheit der jetzt zusätzlich zu überprüfenden Radsatzwellen für die Züge der DB außerfrage", hieß es.Nach der Entgleisung des ICE-Zuges in Köln waren von vielen Seiten Zweifel an der Sicherheit laut geworden. Die zuständige Kölner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet. Seitdem gehen nahezu täglich Hinweise über mögliche Sicherheitsmängel ein.
In Fachzeitschriften und von Experten wird das Problem der Dauerfestigkeit von ICE-Achsen und Radsatzwellen seit Jahren kontrovers diskutiert, wie SPIEGEL ONLINE schon unmittelbar nach dem Unglück berichtete. Eine der Publikationen wird pikanterweise sogar von einem Bahnvorstand [Ed: Karl-Friedrich Rausch himself] mit herausgegeben.
Nach Informationen des ARD-Magazins "Monitor" sollen die europäischen Zulassungsnormen an den Laufradachsen in 17 ICE-Zügen der Baureihe 406 [ICE 3] nicht eingehalten worden sein. "Monitor" zitiert Professor Vatroslav Grubisic, der als Gutachter im Fall des Eisenbahnunglücks von Eschede tätig war, mit den Worten: "Im Prinzip durfte man solche Achsen nicht einbauen." [mehr]
Mehr zu diesem Thema:
[19.07.2008): Kölner Bahn-Unglück: Experte zweifelt an Sicherheit von ICE-Radsatzwellen] (SPIEGEL ONLINE)
[14.08.2008: Kölner Zugunglück: Bahn kämpft mit Problemen an ICE-Radwellen] (SPIEGEL ONLINE)
| Rubriken dieser Bahn-Präsentation | |||
|
|
|
|
|
| Zur Site-map des »khd-research.net« | |||
|