Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 1 khd
Stand:  17.7.2008   (12. Ed.)  –  File: Bln/Ex/Bombenkrieg_ist_zurueck_1.html


Diese Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über die nachhaltigen Folgen des Bombenkriegs des 2. Weltkriegs berichtet wird. Denn in Berlin und Umgebung werden auch über 60 Jahre nach Kriegsende (1945) noch immer reichlich Blindgänger gefunden.

Meistens werden diese nicht explodierten Fliegerbomben im Untergrund bei Bauarbeiten entdeckt. Und jedesmal fühlen sich dabei ältere Anwohner, die noch selbst den Krieg mit den Fliegeralarmen erlebt haben, zurück in den furchtbaren Bombenkrieg versetzt. Aber sie erinnern auch immer wieder daran, daß wir das den Nazis zu verdanken haben, die 1939 einen mörderischen Krieg entfesselten.


Fliegerbomben — Verbreiten noch immer Angst und Schrecken (1)

I n h a l t :


Auch nach 60 Jahren noch immer Bomben aus dem 2. Weltkrieg

BERLIN – 1.3.2001 (khd). Im 2. Weltkrieg (1939–1945) sollen über Berlin rund 1/2 Million Fliegerbomben unterschiedlicher Art abgeworfen worden sein. Experten schätzen, daß davon mindestens 5 % Blindgänger waren, was rund 25.000 Bomben wären. Unklar ist, wieviel insgesamt davon in den letzten 60 Jahren gefunden und entschärft worden sind.

Von britischen, amerikanischen und russischen Flugzeugen wurden vor allem zwischen 1943 und 1945 Sprengbomben, Luftminen, Brandbomben und Phosporkanister auf Berlin abgeworfen. Besonders gefährlich waren die sogenannten „Blockbuster“- Bomben (Wohnblock-Knacker), die in Kombination mit Brandbomben ganze Wohnblöcke auf einen Schlag in Schutt und Asche legen konnten.

16.7.2008 (khd). Im InfoRadio-Berlin sagt ein Experte des Kampfmittelräumdienstes anläßlich des überraschenden Bombenfunds in Wilmersdorf, daß noch etwa 3000 bislang unerkannte Fliegerbomben in Berlins Untergrund vermutet werden. Es bleibt also noch einiges zu tun, um diese noch immer todbringenden Hinterlassenschaften des Krieges zu beseitigen.

Nach der Statistik der Berliner Stadtplanungsverwaltung sind seit 1947 in Berlin exakt 7.325 Blindgänger entschärft worden, die oft erst bei Bauarbeiten gefunden wurden. In Berlins Umgebung (Brandenburg) gefundene Bomben sind in dieser Zahl nicht enthalten. Wieviel Bomben bereits vor 1945 bzw. vor 1947 entschärft wurden, ist offensichtlich nicht bekannt.

Jeder Bauherr kann heute einen kostenlosen Bombencheck seines Grundstücks beim Senat beantragen. Mit Hilfe von alliierten Luftbildern aus der Zeit der Bombenabwürfe wird dann das Grundstück überprüft und auch mit speziellen Magnetsonden abgesucht.

Mehr zu diesem Thema:
[00.00.2005:
Erinnerungen an den Bombenkrieg in Berlin]  (DIETER E. ZIMMER)
[17.01.2006: Fotos von Bombenfunden in Berlin]  (BERLINER POLIZEI)
[15.07.2007: Zweiter Weltkrieg]  (WIKIPEDIA)
[29.12.2007: Fliegeralarm]  (WIKIPEDIA)
[12.01.2008: Luftmine]  (WIKIPEDIA)
[20.03.2008: Blindgänger und Entschärfung]  (WIKIPEDIA)
[05.05.2008: Brandbombe]  (WIKIPEDIA)



Ganz Berlin sitzt auf der Bombe

Aus:
Berliner Morgenpost, 8. August 2004, Seite ?? (Berlin) von GUNTRAM DOELFS. [Original]

BERLIN (BM). Nach den erneuten Bombenfunden im Müggelsee wollen Experten des Bundes und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am kommenden Dienstag über eine komplette Absuche des Sees nach Bomben und Granaten verhandeln. "Wir müssen da umgehend ran", sagt Jürgen Wittkamp, zuständiger Koordinator für Kampfmittelbeseitigung bei der Senatsverwaltung.

Wie berichtet, wurden binnen knapp 4 Wochen nun schon 18 Granaten aus dem Müggelsee gefischt, bei denen es sich nicht um alliierte Fliegerbomben, sondern um deutsche Granaten handelte. Bis auf das ungefährdete und geöffnete Freibad Müggelsee bleibt der betroffene Bereich im nördlichen Müggelsee bis auf weiteres für Sportboote, Taucher und Schwimmer gesperrt. Für die Kampfmittelbeseitigung im Müggelsee ist der Bund verantwortlich, da der See als Bundeswasserstraße klassifiziert ist. Das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt des Bundes ziert sich aber, denn eine komplette Absuche würde "bis zu 50 Millionen Euro kosten", so Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung.

Nicht nur der See selbst birgt tückische Relikte des Zweiten Weltkrieges, sondern auch das umgebende Gebiet. In der Krummendammer Heide und in der Mittelheide nördlich des Sees entdecken nach einem Zufallsfund eines Mitarbeiters des Gartenbauamtes Kampfmittelräumer immer mehr Explosives. Die abzusuchende Fläche wird stets größer, weil ständig neue Munition gefunden wird, darunter bislang 9 Bomben und eine Luftmine.

Besonders im Ostteil der Stadt gibt es Probleme. Während im Westen mit Hilfe alliierter Luftbildkarten schon seit Jahrzehnten gezielt nach Blindgängern gesucht wird, wird dies im Osten nur punktuell praktiziert. Im Westen wurden die Seen bereits in den 50er- und 60er-Jahren abgesucht – mit ähnlich erschreckenden Resultaten. "Am Sandwerder im Wannsee haben wir damals zirka 50 Sprengkörper aus dem See gefischt", so Willkamp.

      Baustelle Pettenkofer Straße 1994
^   Die Baustelle an der Pettenkofer Straße in Berlin- Friedrichshain, wo bei den Bauarbeiten am 15.9.1994 eine amerikanische Sprengbombe explodierte und 3 Bauarbeiter in den Tod riß.   (Repro: 2007 – khd)
Trotz der jahrzehntelangen Suche sitzt Berlin noch immer sprichwörtlich auf der Bombe. Etwa 450.000 Tonnen Bomben wurden von den Alliierten abgeworfen, davon sind 5–15 Prozent nicht explodiert. Willkamp schätzt, dass 2500–4000 Blindgänger noch immer im Boden stecken. Alles ist vertreten: Sprengbomben mit 250 oder 500 Kilogramm Gewicht, Phosphorbrandbomben oder monströse Luftminen mit einem Gewicht von 2 Tonnen und mehr.

Mit jedem Jahr wächst aber die Gefahr, dass die Blindgänger von selbst detonieren. Das kam bereits vor, wie etwa 1983 am Hasenhegerweg in Buckow. Verletzt wurde damals glücklicherweise niemand, aber es entstand großer Sachschaden. Dennoch gab es schon Tote im Umgang mit Blindgängern. Am 15. September 1994 starben in der Pettenkofer Straße in Friedrichshain 3 Bauarbeiter, als sie beim Bohren in einer Baugrube den Zünder einer Fünf-Zentner-Bombe trafen und diese explodierte.

Während ein Großteil der jetzt gefundenen Müggelsee-Granaten verhältnismäßig ungefährlich ist, weil die meisten über einen Aufschlagzünder verfügen, der nur bei hoher Druckbelastung explodiert, sind viele Fliegerbomben mit gefährlichen chemischen Langzeitzündern versehen, die sich mit der Zeit chemisch verändern und mürbe werden. "Sprengstoff wie TNT vergammelt selbst nach Jahrzehnten nicht" sagt Polizeifeuerwerker Detlef Jaab, der mit 7 Kollegen die tödlichen Hinterlassenschaften des Krieges in Berlin entschärft. Für ihn ist es "erstaunlich, dass noch nichts passiert ist".

Seit 1990 wurden 225 Bomben entschärft, insgesamt wurden seit 1948 rund 10.000 Sprengkörper geborgen. Entwarnung ist aber längst nicht in Sicht. So markieren die Bombensucher bei der Senatsverwaltung gefährdete Gebiete mit roter Farbe. "Für uns ist ganz Berlin rot – innerhalb des S-Bahn-Ringes sogar dunkelrot", erläutert Willkamp.

Ausgerechnet in dieser Situation wird aus Geldmangel am Personal gespart. Für die vorbeugende Bombensuche bei der Senatsverwaltung gibt es 4,5 Stellen, bei Detlef Jaabs Truppe werden zwei ausscheidende Kollegen im nächsten Jahr nicht mehr ersetzt. Dabei wird die lebensgefährliche Arbeit Berlins Feuerwerker nach eigenen Schätzungen wohl noch Jahrzehnte beschäftigen.



Um 20.24 Uhr flog der Zünder weg

Unter den Linden lag eine Bombe und legte die Ost-City lahm / Staus bis zum Bahnhof Zoo.

Aus:
Berliner Zeitung, 9. Dezember 2005, Seite ?? (Berlin) von LUTZ SCHNEDELBACH und MARCEL GÄDING. [Original]

BERLIN. Die Bombe lag gleich hinterm Alten Fritz. Bauarbeiter hatten sie gegen 15 Uhr an dem Reiterstandbild Unter den Linden mit einem Bagger freigelegt. Sie stand kerzengerade mit dem Zünder nach unten in 3 Meter Tiefe. Entschärfer der Polizei begutachteten den Stahlkoloss. Er wog 500 Kilogramm – 250 Kilogramm Sprengstoff, 250 Kilogramm Bombenkörper – und stammt aus England. Der chemische Langzeitzünder schien intakt. Der Sprengstoffexperte Dirk Wegner und seine Männer ließen das Areal absperren. Von der Glinkastraße bis zur Spandauer Straße ging für Autofahrer nichts mehr. Später stauten sich die Autos bis zum Bahnhof Zoo. Wenig später durften auch Fußgänger nicht mehr durch. Zehntausende Menschen waren betroffen. Am Abend wurde die Bombe mit einer kontrollierten Sprengung unschädlich gemacht.

Kurz nach 16 Uhr sprang der Feuermelder im Haupthaus der Humboldt-Universität an. Studenten und Dozenten mussten das Gebäude Unter den Linden verlassen. Zur selben Zeit lief der Direktor des Hotels Unter den Linden, zusammen mit seinen Mitarbeitern durchs Haus und bat die Gäste auf der zur Fundstelle gelegenen Seite ihre Zimmer zu verlassen.

Auch die Besucher der Autosalons im Lindencorso, im Museum Deutsche Guggenheim und in der Staatsbibliothek waren betroffen. In der Staatsoper wurde die Generalprobe für Mussorgskys "Boris Godunow" abgesetzt, weil das Haupthaus geräumt werden musste. Das Maxim-Gorki-Theater erhielt nach eigenen Angaben von der Polizei grünes Licht für einen Inge-Keller-Abend später am Abend im Foyer.

  CHRONOLOGIE
Aus: Berliner Zeitung, 9.12.2005.
500.000 Tonnen Sprengmaterial warfen die Alliierten während des Zweiten Weltkrieges über Berlin ab. Etwa 15 % explodierte nicht. Immer wieder werden Weltkriegs-Bomben bei Bauarbeiten entdeckt. Einige Beispiele aus den letzten Monaten:

November 2005: Mehr als 15.000 Menschen müssen in Lichtenberg ihre Wohnungen verlassen – die bis dahin größte Evakuierung in Berlin nach dem Krieg. Ein Baggerfahrer hat eine 250-Kilogramm schwere Bombe in der Alfred-Kowalke- Straße gefunden. Die Evakuierung und Entschärfung dauert mehr als 7 Stunden.

September 2005: US-Verteidigungsminister Donald Rums- feld nimmt an einer Nato-Tagung in Berlin teil. Nach der Landung in Tegel wird neben seiner Maschine eine Bombe gefunden. Sie ist beim Rasenpflanzen entdeckt worden.

Januar 2005: An der Freybrücke in Spandau wird ein 500-Kilo-Fliegerbombe aus England gefunden. Sie ist beim Ausbaggern der Fahrrinne der Unterhavel entdeckt worden. Die Entschärfer hieven den Koloss in einen mit Sand gefüllten Prahm und drehen anschließend den Zünder aus der bis zu 30 Millimeter dicken Stahlhülle.

Dezember 2004: Beim Ausbaggern der Fahrrinne des Westhafenkanals stoßen Bauarbeiter auf eine 500-Kilogramm- Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Im Umkreis von 1 Kilometer werden alle Häuser geräumt. Der Verkehr ruht über Stunden. Die Häftlinge in Plötzensee, die in Zellen untergebracht sind, die in Richtung Westhafen liegen, werden verlegt, bis die Bombe geborgen ist.
Eine Stunde später stieg am Fundort die Spannung bei den Schaulustigen und die Nervosität bei der Polizei. Gegen 17 Uhr rannte eine Hundertschaft Polizisten über den Weihnachtsmarkt am Opernpalais und forderte in forschem Ton die Leute auf, den Platz zu räumen. Wer nicht schnell genug seinen Glühwein getrunken hatte, musste damit rechnen, dass ihm die Tasse aus der Hand geschlagen wurde. Die Polizisten drängelten und schoben, sie schubsten und brüllten. "Ich hab Glück gehabt, dass meinem Kind nichts passiert ist", sagte eine empörte Mutter aus Pankow. Polizeisprecher Bernhard Schodrowski gab später eine Sprachregelung vor: "Wir haben sicher und sehr schnell auch gegen den Widerstand einiger Besucher den Weihnachtsmarkt geräumt. Die Sicherheit geht vor."

Was Schodrowski nicht sagte: Beim Drehen der 60 Jahre alten Bombe hatten die Entschärfer ein Klicken im Zünder wahrgenommen. Zwar war auch danach nicht ganz klar, wann der Langzeitzünder zünden wird. Doch dass die Entschärfer die Lage ernst nahmen, merkten die Schaulustigen daran, dass innerhalb weniger Minuten mehrere Rettungs- und Notarztwagen sowie Löschautos der Feuerwehr auffuhren.

Die Chance, dass die Bombe explodiert, lag bei 50 Prozent. Keiner wusste ob die chemischen Prozesse zur Auslösung des Zündmechanismus' bereits in Gang gesetzt waren. Umso sicher wie möglich zu gehen, entschlossen sich die Fachleute, den Zünder aus der Stahlhülle zu sprengen. In solch einem Fall wird der Koloss aufgebohrt und eine Sprengschnur um den Zünder gelegt. Die mit 2,4 Gramm Sprengstoff versehene Schnur wird anschließend gezündet. Durch den Druck wird der gesamte Zünder herausgeschleudert und damit vom TNT in der Bombe getrennt. Die Entschärfer nennen diese Technologie "Low-Order-Methode". Sie wurde von der Berliner Polizei entwickelt und wird in allen Bundesländern angewandt.

Gegen 20 Uhr waren die Vorbereitungen abgeschlossen. Um 20.24 Uhr gab es eine beeindruckende Erdfontäne, der Bombenkörper platzte auf und der Zünder flog weg. Um den Alten Fritz nicht zu beschädigen, hatten die Polizisten Sand aufschütten lassen. Dem Preußenkönig auf seinem hohen Ross und auch dem Sockel aus Marmor ist nichts passiert. Zurück blieb eine Grube.



Fliegerbombe in Berlin-Steglitz

Wegen der Entschärfung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg mußten am Montag in Berlin-Steglitz rund 500 Wohnungen evakuiert werden.

Aus:
Berliner Morgenpost, 24. Mai 2005, Seite ?? (Berlin). [Original=722615.html]

BERLIN-STEGLITZ (dpa). Eine 500 Kilogramm schwere russische Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg ist am Montag abend [23.8.2005] in Berlin- Steglitz mehrere Stunden nach dem Fund entschärft worden. Wie die Polizei mitteilte, war der Sprengkörper am Nachmittag bei Ausschachtarbeiten für ein Mehrfamilienhaus in der Kniephofstraße freigelegt worden. Erst am späten Abend konnte der Polizeitechnische Dienst die Bombe erfolgreich entschärfen. Anschließend wurde sie zum Sprengplatz im Grunewald gebracht.

Zuvor waren rund 500 Wohnungen im Umkreis der Fundstelle aus Sicherheitsgründen evakuiert worden. Die Anwohner, darunter auch viele ältere und kranke Menschen, wurden teilweise in einer benachbarten Schule, einem evangelischen Gemeindehaus sowie in BVG- Bussen vorübergehend untergebracht. Das Areal zwischen Thorwaldsen-, Kniephof- und und Bismarckstraße wurde für den Verkehr vollständig gesperrt. Insgesamt waren rund 70 Polizeibeamte und 12 Feuerwehrleute im Einsatz. Ursprünglich war die Polizei von einer 250-Kilo-Bombe ausgegangen.

Um 21 Uhr konnte endlich Entwarnung gegeben werden. Für Polizei-Feuerwerker Bernd Nieter (60) war das die 120. Großbombe seiner Karriere, die er erfolgreich unschädlich machte. Die Entschärfung dauerte so lange, weil die beiden Zünder labil und stark verformt waren. Noch in diesem Jahr geht Nieter in Pension.



E I N   S C H W I E R I G E R   F A L L

Bombenfund in Wilmersdorf

Eine 500-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat die Feuerwehr in Berlin-Wilmersdorf in Alarmbereitschaft versetzt. Alle Gebäude im Umkreis von 600 Metern wurden geräumt. Die Bewohner müssen in Notunterkünften lagern. Entwarnung gibt es erst um Mitternacht [Ed: es wurde vormittags].

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 15. Juli 2008, 20.56 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original=art270,2573038]

BERLIN (ddp). Der Fund einer 500-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat am Dienstagnachmittag [15.7.2008] in Wilmersdorf zu einem Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften geführt. Der Fundort in der Mecklenburgischen Straße 92 wurde weiträumig abgesperrt, Evakuierungen waren geplant, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Betroffen waren rund 12.000 Menschen. Gegen Mitternacht soll die Bombe von Spezialisten entschärft werden.

Die Experten wollten die Bombe, die über einen komplizierten chemischen Langzeitzünder verfügt, zunächst am Fundort unschädlich machen. Am Abend entschlossen sie sich jedoch, den Blindgänger mit einem Spezialfahrzeug in den nahe gelegenen Volkspark Wilmersdorf zu bringen, wie der Polizeisprecher sagte. "Die Kollegen sind optimistisch, dass sie das schaffen", fügte er hinzu. In der Grünanlage sollte sie den Planungen zufolge gegen Mitternacht entschärft werden. Die zunächst vorgesehene Evakuierung eines Krankenhauses konnte durch die dadurch geschaffene größere Entfernung wieder abgesagt werden.

Kleiner Bagger stößt auf die 500-Kilo-Bombe

In einem Umkreis von 500 bis 600 Metern um die Fundstelle wurde am späten Abend mit der Evakuierung von Häusern und Büros begonnen. Dazu klingelten Beamte an den Türen und erläuterten den Bewohnern die Situation. Als Notunterkünfte für all jene, die nicht zu Freunden und Bekannten gehen konnten, wurden Goethe- und Diesel- Gymnasium vorbereitet.

Ein Krisenstab kümmerte sich um die Koordination der Evakuierung. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren mit rund 400 Kräften im Einsatz. Alarmiert worden waren auch Spezialisten der Gasag und der Berliner Wasserbetriebe.

Die 500-Kilogramm-Bombe war am Nachmittag gegen 15.40 Uhr bei Ausschachtungsarbeiten mit einem kleinen Bagger gefunden worden. Sie lag den Angaben zufolge zwischen Bürgersteig und Eingangstür eines Hauses.

Geplant waren auch eine Sperrung der Autobahn zwischen den Abfahrten Bundesplatz und Konstanzer Straße in beiden Richtungen. Ebenfalls vorgesehen war die mögliche Schließung von jeweils zwei umliegenden S- und U-Bahnhöfen. Die Evakuierung des Sankt Gertrauden-Krankenhauses in der Paretzer Straße wurde hingegen abgesagt. Die Klinik verfügt über 400 Betten und eine Intensivstation. "Diese Aktion wäre ein echter Kraftakt gewesen", sagte ein Arzt. [mehr]



500-Kilo-Bombe in City entdeckt

Bomben-Alarm in Wilmersdorf!

Aus:
Bild-Zeitung, 16. Juli 2008, Seite ?? (xxx). [Original=xxx]

      Brit. 500-kg-Fliegerbombe in Wilmersdorf 2008
^   Britische 500-kg-Bombe in Wilmersdorf, die mit einer Ausbausperre des Säure-Langzeitzünders versehen war. Dieser wurde am 16.7. abgesprengt.   (Foto: 15.7.2008 – dpa)
BERLIN (bild.de). Bei Bauarbeiten in der Einfahrt der ehemaligen Städtischen Kindertagesstätte in der Mecklenburgischen Straße wurde gestern gegen 15.30 Uhr eine 500-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

Die erste Sicherheits-Maßnahme: Im Umkreis von 500 Metern wurden alle Häuser evakuiert. Doch die Experten wussten: Wenn die Bombe hochgeht, sind 12.000 Berliner in Gefahr.

Mittendrin liegen eine Tankstelle – und das St.-Gertrauden-Krankenhaus!

Ein Feuerwehr-Sprecher: „Einige der 322 Patienten wurden durch Angehörige abgeholt. Die anderen wurden in Aufenthaltsräume im hinteren Bereich gebracht.“

Vor dem Krankenhaus spielten sich dramatische Szenen ab. Etwa 50 Patienten und Angehörige standen dort, neben ihnen Krankenschwestern mit gelben Umhängern: „Katastrophenhelfer im Notfall“. Patientin Andrea F. (50) zu BILD: „Gegen 18.30 Uhr klingelten die Telefone auf der Station, uns wurde mitgeteilt, dass eine Bombe gefunden wurde. Mein Sohn hat mich abgeholt.“

Die Sprengstoff-Experten wollten die Bombe kontrolliert sprengen, sie dafür zum 50 m entfernten „See im Volkspark“ bringen. Daneben hatten sie dafür eine Grube ausgehoben. Polizeifeuerwerker Detlef Jaab (53): „Es wird ein schwieriger Transport, da die Bombe nicht erschüttert werden darf.“ Bis Redaktionsschluss gab es noch keine Entwarnung. [mehr]



500-Kilo-Bombe im Garten

5000 Wilmersdorfer mussten am späten Abend ihre Wohnungen räumen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 16. Juli 2008, Seite 7 (Berlin) von JÖRN HASSELMANN. Aktualisierte Internet-Fassung von 9.01 Uhr. [Original]

BERLIN (Tsp). So massive Auswirkungen hat der Fund eines Blindgängers seit vielen Jahren nicht mehr verursacht. 5000 Menschen mussten am späten Dienstagabend [15.7.2008], kurz nach 22 Uhr, ihre Wohnungen in Wilmersdorf verlassen, nachdem am Nachmittag um 15.40 Uhr an der Mecklenburgischen Straße ein Baggerfahrer auf die in geringer Tiefe [Ed: in nur 1 m Tiefe] liegende Bombe gestoßen war.

Die gut 500 Kilogramm schwere britische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist am Mittwoch Vormittag im Berliner Volkspark Wilmersdorf ohne Probleme entschärft worden. Der chemische Langzeitzünder wurde laut Polizeiangaben um 08.15 Uhr ohne Zwischenfälle von der Bombe [Ed: nach der Low-order-Methode] abgesprengt. Zuvor hatte sich Sprengung wegen Problemen mit dem komplizierten Zündmechanismus mehrfach verzögert.

Für die Sprengung waren die Straßen um den Volkspark Berlin-Wilmersdorf sowie Teile der Stadtautobahn gesperrt. Der U- und S-Bahnhof Heidelberger Platz blieb vorübergehend geschlossen.

Kurz nach dem Fund am Dienstag [15.7.2008] war schnell klar geworden, dass die britische 500-Kilo-Bombe an Ort und Stelle entschärft werden muss – wegen des chemischen Zünders wäre ein Transport unkalkulierbar gefährlich gewesen. Die Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes hatten den Schutzradius um den Fundort auf 500 Meter festgelegt – innerhalb dieses Radius befindet das Sankt Gertrauden-Krankenhaus. Deshalb, und weil die Bombe ungünstig an einer Hauswand lag, entschieden die Feuerwerker, die Bombe 50 Meter weit über die Straße in den Volkspark zu transportieren. "Dort, wo die Bombe liegt, können wir nichts machen", sagte Entschärfer Detlef Jaab.

Der Volkspark dagegen liegt an dieser Stelle in einer Senke. Zudem wurde eine Grube ausgehoben, in die der Blindgänger gelegt wurde. Darüber sollten Erde und spezielle Dämmmatten gehäuft werden. Dies alles sollte einen großen Teil der Druckwelle abfangen, falls die Entschärfung missglücken würde – was allerdings noch nie passiert ist. Dass Blindgänger aber nach Jahrzehnten gefährlich sind, hatte das Unglück von 1994 gezeigt, als ein Baggerfahrer in der Pettenkoferstraße in Friedrichshain auf einen Blindgänger stieß. Drei Menschen kamen ums Leben.

Erst gegen 21.30 Uhr begannen Polizisten gestern Abend mit der Räumung des festgelegten Sperrkreises. Lautsprecherwagen fuhren durch die Straßen, Polizisten klingelten an allen Türen. Das Verlassen der Wohnung ist Pflicht, sagte ein Polizeisprecher. Notfalls würden die Türen aufgebrochen. 200 Polizisten, 100 Feuerwehrleute und ebenso viele Sanitäter vom DRK waren im Einsatz. Die Entschärfung sollte nicht vor Mitternacht beginnen. Anfangs hatten gar 12.000 Einwohner evakuiert werden sollen; diese Zahl aber reduzierte die Polizei gegen 23 Uhr auf 5.000.

Im Gertrauden-Krankenhaus wurden nur die Zimmer zur Paretzer Straße geräumt, die Patienten wurden in hintere Gebäudeteile gebracht. Für Anwohner, die nicht zu Freunden oder Verwandten konnten, wurden in zwei Schulen an der Rudolstädter und der Gasteiner Straße gebracht werden. Zwei Tankstellen mussten vom elektrischen Netz getrennt werden, damit im Fall einer Explosion die Treibstofftanks nicht auch noch in die Luft fliegen.

Zuletzt hatte vor einem Jahr der Fund einer russischen 1000-Kilo-Bombe in Lichterfelde zu ähnlich ausgedehnten Evakuierungen geführt. 4000 Menschen hatten ihre Häuser verlassen müssen. Auch diese Bombe hatte Detlef Jaab entschärft. Nach Schätzungen wurden während des Zweiten Weltkriegs rund 440.000 Sprengbomben auf Berlin geworfen. Darunter waren vermutlich 22.000 Blindgänger.

Dass einer dieser Blindgänger auf seinem Grundstück liegt, war für Grundstückeigentümer Thies Dohrn unvorstellbar gewesen. "Da sind 60 Jahre Leute rübergelaufen", sagte er am Abend. Zehn Jahre hatte Dohrn selbst im Haus gewohnt, nun hat der Architekt sein Büro im ehemaligen Pferdestall des Ensembles, das einst zum alten Dorf Wilmersdorf gehörte. Auf den 20 Metern zwischen Haus und Pferdestall lag die Bombe. Die beiden denkmalgeschützten Häuser von 1892 an der Mecklenburgischen Straße Ecke Blissestraße seien gerade fertig saniert worden, nun sollte das Grundstück umgestaltet werden. Doch dann fand der Baggerfahrer die Bombe.



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