Living in a City  —  Reports aus Berlin     – Zum Report 7 khd
Stand:  24.9.2008   (7. Ed.)  –  File: Bln/Ex/Steglitzer_Schlossstr_04.html


Diese Seite ist eine Ergänzung zu einem Berlin-Report, in dem über die Aufwertung der Steglitzer Schloßstraße durch den Bau neuer Einkaufszentren wie „Das Schloß“ am Rathaus Sreglitz und dem „Schloßstraßen-Center“ am Walther-Schreiber-Platz berichtet wird. Über das alte „Forum Steglitz“ aus den 1960er-Jahren wird in einem anderen Berlin-Report berichtet.


Die Steglitzer Schloßstraße (4)

I n h a l t :


E I N K A U F S M E I L E

Freiheit für Flaneure

Die Schloßstraße in Steglitz soll einspurig werden. Dafür gibt es neue Fahrradwege und breitere Bürgersteige. Im Herbst soll mit dem Umbau begonnen werden.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 15. Februar 2008, Seite 13 (Berlin) von JOHANNES RADKE. [Original=270,2477043]

BERLIN-STEGLITZ (Tsp). Die Schloßstraße in Steglitz soll zukünftig enger – und dadurch attraktiver werden. Der rund 1,5 Kilometer lange Boulevard gilt als eine der beliebtesten Einkaufsmeilen Berlins. Jetzt hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) das neue Verkehrskonzept beschlossen. Wie berichtet, wird die zweispurige Straße auf eine 3,5 Meter breite Auto- und Busspur reduziert. Dafür soll ein 2 Meter breiter Fahrradweg entstehen. Zusätzlich sollen im nördlichen Teil ab Walther-Schreiber-Platz die Bürgersteige verbreitert werden. Nur die CDU stimmte gegen die Veränderungen [Ed: was sie schon vor 20 Jahren tat, als sich Bürger für eine fußgängerfreundliche Nutzung der Schloßstraße einsetzten].

Der Bezirk will damit die Qualität der EinkaufsmeSile steigern. "Die neuen, breiteren Bürgersteige erleichtern das Flanieren", sagte Ingo Herpolsheimer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Händler in der Schloßstraße. "Die Schloßstraße hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv verändert, auch als Einkaufsstraße." Was die Kaufkraft angeht, sei das Gebiet auf Platz zwei, direkt hinter dem Ku’damm. Das wirkt offensichtlich anziehend auf Geschäftsleute: In den vergangenen Jahren haben in der Schloßstraße zwei neue Einkaufsgalerien eröffnet: "Das Schloss" und das "Schloss-Strassen-Center".

Ob das Verkehrskonzept mit nur einer Fahrspur jedoch erfolgreich sein wird, müsse man zunächst abwarten. "Wir müssen erstmal schauen wie es hier aussieht, wenn alles fertig umgebaut ist", sagte Herpolsheimer. Der Grund für die BVV-Entscheidung ist ein umfangreiches Verkehrsgutachten der Gesellschaft für Gesamtverkehrsplanung, Regionalisierung und Infrastrukturplanung (GRI). Aus der Untersuchung geht hervor, dass selbst bei dichtem Verkehr nur 1569 Autos pro Stunde in jede Richtung fahren können. Nach Meinung der Verkehrsexperten reicht dafür nur eine Spur. Die GRI geht sogar davon aus, dass der Verkehr in Zukunft schneller fließen wird, da es keine Staus mehr aufgrund von Autos, die in zweiter Reihe parken, geben werde. Die Experten und der Bezirk hoffen zudem, dass der Durchgangsverkehr auf die parallel verlaufende Stadtautobahn ausweichen wird. Um das zu erreichen, sollen entsprechende Hinweisschilder aufgestellt werden.

Die Diskussion um die Umgestaltung der Schloßstraße läuft schon seit vielen Jahren. Immer wieder hatte es in der BVV unterschiedliche Vorschläge gegeben, wie man den Durchgangsverkehr reduzieren und gleichzeitig die Qualität der Einkaufsmeile verbessern kann.

"Ich bin sehr zufrieden, dass die BVV sich nach der langen Diskussion eindeutig positioniert hat", sagte Uwe Stäglin (SPD), Baustadtrat von Steglitz-Zehlendorf. Die Umgestaltung sei eine deutliche Qualitätsverbesserung im öffentlichen Raum. "Die verbreiterten Gehwege bieten nicht nur Platz für Fußgänger, sondern auch für Ladezonen und Außengastronomie." Bis die Bauarbeiten beginnen können, sei aber noch viel Planungs- und Abstimmungsarbeit zu bewältigen.



Glaspaläste für die Schloßstraße

Am Standort von Woolworth beginnt am 1. Oktober der Bau eines neuen Geschäftshauses, wo noch Reste des Karstadthauses stehen, sollen bald Luxusartikel verkauft werden und auch der Rückbau der Fahrbahn beginnt demnächst. Die Schloßstraße wandelt sich zum Einkaufsboulevard.

Aus:
Berliner Morgenpost, 8. Mai 2008, Seite 19 (Bezirke) von KATRIN LANGE. [Original=1974598.html]

BERLIN-STEGLITZ (BM). Der Bauboom an der Steglitzer Schloßstraße hält an: Während sich die Kräne bereits über dem ehemaligen Karstadt-Haus für den "Boulevard Berlin" drehen, kommt noch in diesem Jahr eine weitere Baustelle am Standort von Woolworth dazu. An der Schloßstraße, Ecke Ahornstraße wird die Investa-Immobiliengruppe für 40 Millionen Euro ein neues Geschäftshaus auf 5 Etagen errichten.

Die Baugenehmigung wurde gerade vom Bauamt des Bezirks erteilt. Am 1. Oktober soll der Baustart sein, bestätigt Robert Gierth, Leiter der Berliner Niederlassung von Investa. Mit diesem weiteren Neubau kann die Schloßstraße ihren Ruf, die größte Dichte an Einkaufscentern in Berlin zu haben, festigen. In den vergangenen 2 Jahren hatten das "Schloss", das "Schloss-Straßen-Center" und das modernisierte "Forum Steglitz" eröffnet.

Auch in das neue Haus, das den Flachbau von Woolworth ersetzen wird, soll der Einzelhandel einziehen. Drei der fünf Etagen nehme der Flagship-Store eines größeren Textilanbieters ein, sagt Helge Schmidt vom Büro Eike Becker Architekten, das die Planung übernommen hat. Darüber hinaus ist noch Platz für ein weiteres Geschäft. Woolworth hat einen Mietvertrag, könnte dort also wieder einziehen, sagt Robert Gierth. Die oberen beiden Etagen bleiben Büros oder Praxen vorbehalten. Da es sich um einen reinen Gewerbestandort handle, kann kein Wohnraum entstehen.

Die Fassade wird großflächig verglast. Dazwischen liegen geschlossene Elemente aus hellem Blech. Das Architekturbüro von Eike Becker und Helge Schmidt, das unter anderem auch die Luxus-Wohnanlage "Fehrbelliner" in Mitte, ein Büro-Hochhaus in Friedrichshain und ein Hotel für das Viktoria-Quartier in Kreuzberg plant, wird jetzt in die letzte Detailplanung gehen.

Der Rückbau der Schloßstraße soll noch in diesem Jahr beginnen

Auch an der nur einige Meter entfernten Baustelle von Boulevard Berlin gibt es Neuigkeiten. Am Standort von Wertheim und Karstadt lässt Multi Development für knapp 400 Millionen Euro den "Boulevard Berlin" entstehen - eine Einkaufsstadt mit Luxusläden, Restaurants, Fußgängerzonen, Brücken, Galerien und Terrassen. Der Abriss von Karstadt hat bereits begonnen – das ehemalige Warenhaus ist bis auf die tragenden Elemente entkernt. Bislang musste Multi Development mit Teilbaugenehmigungen arbeiten. Das ist vorbei. "Für den gesamten Neubaukomplex am Karstadt-Standort wurde jetzt die Baugenehmigung erteilt", sagt Uwe Stäglin (SPD), Baustadtart von Steglitz-Zehlendorf. Damit kann der Wiederaufbau des Gebäudes beginnen. Nach Abschluss der Bauarbeiten im Frühjahr 2009 will Karstadt das Haus zurückmieten und mit seiner Premium-Marke, also Waren aus dem Luxussegment, dort einziehen.

Im Anschluss daran soll das Wertheim-Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Abstimmungsbedarf gebe es noch bei der Größe der Verkaufsfläche für das gesamte Projekt, sagt der Baustadtrat. Der Investor wollte 70¿000 Quadratmeter Fläche errichten, das Land Berlin nur 55¿0000 Quadratmeter genehmigen. Man sei auf dem besten Weg einer Einigung, sagt Stäglin. Abschließende Gespräche werde es im Juni geben.

Zu den beiden Baustellen kommt noch eine Dritte hinzu: Der Rückbau der Schloßstraße von derzeit zwei Fahrspuren auf nur noch eine Fahrspur für Autos, Busse und Lieferverkehr pro Richtung und eine Fahrradspur soll noch in diesem Jahr beginnen. 1,8 Millionen Euro stellt der Bezirk bereit, um aus der Straße eine Flaniermeile zu machen. Dafür werden die Gehwege verbreitert und zusätzliche Bäume gepflanzt. Nach der Vorlage weiterer Verkehrsgutachten hat die Mehrheit der Bezirksverordneten jetzt diese Umbau-Variante bestätigt.



E I N K A U F S V E R K E H R

Mehr Platz zum Geldausgeben

Die Steglitzer Schlossstraße soll attraktiver und sicherer werden. Die Radfahrer erhalten eine eigene Spur.

Aus:
taz, Berlin, 15. Juli 2008, Seite ?? (Berlin) von KRISTINA PEZZEI. [Original]

BERLIN-STEGLITZ (taz.de). Die Konsumtempel sind schon da, Spaß macht das Einkaufserlebnis an der Steglitzer Schlossstraße aber bisher nicht: Autos donnern vorbei, einbiegende Lieferwagen nehmen Radfahrern die Vorfahrt, Baustellen behindern Fußgänger, und unter der Tiburtiusbrücke liegt die Aufenthaltsqualität bei null. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Bezirksbaustadtrat Uwe Stäglin (SPD) will der Straße ein neues Gesicht und einen "Alleecharakter" geben. Bürgerforderungen nach einer Fußgängerzone und weniger Parkplätzen erteilte er bei der Präsentation der Pläne am Montagabend [14.7.2008] jedoch eine Absage.

Die Fahrbahnbreite soll künftig einheitlich auf 6 Meter festgelegt werden, die Spuren werden durch einen Mittelstreifen mit Bäumen getrennt. Radfahrer sollen einen sogenannten Angebotsstreifen am Fahrbahnrand erhalten. Zwischen teils verbreitertem Bürgersteig und Radspur können Autos parken und Lieferwagen ausladen.

Radler dürften von der Neuordnung profitieren – werden aber weiterhin auf die Rücksicht der anderen Verkehrsteilnehmer hoffen müssen. "Es wird immer einen Konflikt geben", gab Stäglin zu. "Man darf das Gucken trotz neuer Struktur nicht unterlassen." Radfahrer müssten ebenso achtsam sein wie ausscherende Lieferwagen und einparkende Autos. "Wir haben viele Straßen, in denen dieses System funktioniert."

Die Umbaumaßnahmen sind auf 3 Jahre angelegt und kosten mehr als 1,8 Millionen Euro. Laut Stäglin müssen sich die Anlieger nicht daran beteiligen; allerdings hofft der Stadtrat auf Unterstützung aus der Wirtschaft. Die Betreiber des Shopping-Centers Boulevard Berlin etwa sollten die Gehwegsanierung mitfinanzieren. "Wir streben einen städtebaulichen Vertrag an", sagte der Stadtrat.

Der Abschnitt zwischen der S-Bahn-Haltestelle Rathaus Steglitz und dem Walther-Schreiber-Platz lockt Einkaufswillige aus der ganzen Stadt und vor allem auch dem Umland. Drei Zentren entstanden in den letzten Jahren, das Schloss, das Forum Steglitz und das Schlossstraßencenter. Ein viertes ist mit dem Boulevard Berlin auf dem Gelände von Wertheim und Karstadt geplant. Hier sollen auf 70.000 Quadratmetern Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungen Platz finden – damit würde der Boulevard um die Hälfte größer als das Schloss am Südende der Straße. Zwischen den Einkaufsmagneten haben Kaffee- und andere Ladenketten unterdessen zahlreiche kleine und traditionelle Geschäfte verdrängt.

Möglicherweise würde eine Fußgängerzone die Ladenzeilen zwischen den Shoppingzentren attraktiver machen, und auch Anwohner würden sich über die Beruhigung freuen. Es gibt im Bezirk jedoch keine Mehrheit für den Vorschlag. Nicht einmal auf Tempo 30 konnten sich die Parteien einigen.



Nachkriegsmoderne kehrt an die Schloßstraße zurück

Multi Development legt neue Pläne für den "Boulevard Berlin" vor / Wertheim erhält Originalfassade.

Aus:
Die Welt, Berlin, 11. September 2008, Seite ?? (Berlin) von KATRIN LANGE. [Original]

STEGLITZ (welt.de). Die Pläne für das 390 Millionen Euro teure Einkaufsquartier "Boulevard Berlin" an der Steglitzer Schloßstraße haben sich noch einmal geändert. Fassaden, Zufahrten, Park und Passagen wurden von dem Investor Multi Development, der bis zum Jahr 2011 die Warenhäuser Wertheim und Karstadt zu einer einzigen neuen Einkaufswelt verschmelzen will, komplett überarbeitet. Ein Grund dafür ist unter anderem die Forderung des Bezirks, die Verkaufsfläche von 70.000 auf 64.000 Quadratmeter zu begrenzen, um das zulässige Angebot an Geschäften an der Schloßstraße nicht zu überschreiten.

Die wohl spektakulärste Veränderung betrifft das Gebäude von Wertheim. Das Warenhaus aus dem Jahr 1952 steht unter Denkmalschutz. Da ein Abriss nicht zur Debatte stand, sollte es so schonend wie möglich umgebaut und in den Komplex integriert werden. Ein schwieriges Problem, wie sich bei der Planung herausstellte. Daher hat sich der Investor anders entschieden: Er will die Fassade des Hauses aus dem Jahr 1952 weitestgehend originalgetreu wiederherstellen – mit den klassischen Elementen wie schwarzen Glasfliesen und Messing an der Schaufensterfront. Projektentwickler Mark Göhring sieht darin einen gelungenen Kontrast zu dem benachbarten Karstadthaus, das bereits mit viel Glas umgebaut wird. "Wir verbinden damit die Architekturstile der Nachkriegsmoderne mit der heutigen Zeit", sagt Göhring. Außerdem werde neben dem Titania-Palast aus dem Jahr 1928 an der Schloßstraße ein weiterer architektonischer Akzent gesetzt.

Der Erhalt der Wertheim-Fassade hat zur Folge, dass die Fläche bis zum angrenzenden Park neu gestaltet werden musste. Hinter Wertheim entsteht jetzt ein kleines Quartier mit eigenständigen Häusern und individuellen Fassaden. Zentrum dieses Quartiers ist ein Mittelhof, der von allen Seiten über Passagen zu erreichen ist.

Die Treitschkestraße wird teilweise entwidmet und als Fußgängerpassage in das Ensemble integriert. Sie soll aber ihren Straßencharakter behalten und auf 15 Meter verbreitert werden. Dort, wo die Treitschkestraße auf die Schloßstraße trifft, entsteht ein neuer Platz, den der Investor mit Stadtmöbeln und Bäumen aufwerten will.

Neu geregelt und bereits mit Bezirk und Senat abgestimmt, ist auch die Zufahrt zum Einkaufscenter. Diese soll künftig über einen neuen Verkehrsknoten an der Schildhornstraße erfolgen. Bislang besteht erst an der Lepsiusstraße die Möglichkeit zum Abbiegen. Künftig kann der Besucherverkehr, der zum einen über die Stadtautobahn und die Tiburtiusbrücke und zum anderen über die Schildhornstraße kommt, an einer neu geschaffenen Einfahrt an der Schildhornstraße in das Center abbiegen. Von dort aus wird auch der Lieferverkehr abgewickelt, er erfolgt unterirdisch über einen Tunnel. "Diese Lösung wird das Wohngebiet an Lepsius-, Treitschke- und Markelstraße entlasten", sagt Mark Göhring von Multi Development. Denn die Parkplatzsuche im Karree falle dadurch weg. Am Fuße der Tiburtiusbrücke soll zudem die Kreuzung Schloß- und Schildhornstraße neu gestaltet werden. Neben den 1200 Parkplätzen für Kunden, wird auch über ein Fahrradparkhaus für die Zweiräder nachgedacht. Es könnte entweder im Gebäude oder unter der Tiburtiusbrücke eingerichtet werden.

Die Verkaufsfläche von 64.000 Quadratmeter sollen "möglichst Geschäfte füllen, die an der Schloßstraße noch nicht vertreten sind", sagt Projektentwickler Göhring. Man sei zum Beispiel mit dem Textilanbieter "Sting" im Gespräch.

Der "Boulevard Berlin" hat aber noch mehr zu bieten, als nur Einkaufsmöglichkeiten. Restaurants und Imbissangebote werden etwa 3700 Quadratmeter beanspruchen, 2000 Quadratmeter bleiben einem Freizeitbereich vorbehalten.

Die Arbeiten, die bereits 2007 mit dem Umbau des Karstadthauses begonnen haben, sollen im Herbst 2011 abgeschlossen sein. Bereits im April 2009 wird Karstadt mit seinen gehobenen Waren der Premium-Group und einer Feinkostabteilung eröffnen. Baubeginn für Wertheim mit dem dazugehörigen Quartier ist voraussichtlich im Oktober 2009.

Im Bezirk stießen die neuen Pläne von Multi Development auf breite Zustimmung. Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) ist von der Wiederherstellung der Wertheim-Originalfassade besonders angetan. "Ein tolle Idee", findet er.



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