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Trauerflor an sterbenden Bäumen
Aus:
Der Tagesspiegel, 22.9.1984. |
BERLIN (AP). Umweltorganisationen und die AL haben eine Aktion gegen das
Baumsterben in der Stadt gestartet. Einer Mitteilung zufolge sollen mehr als 10.000
Trauerbanderolen besonders an kranken Bäumen angebracht werden, um Bürgern und
Politikern das dramatische Baumsterben durch die vergiftete Luft vor Augen zu
führen.
Die Banderolen tragen die Aufschrift: Dieser Baum stirbt ein Opfer von Autos,
Industrie und Kraftwerken.. Zu den kranken Bäumen gehörten nicht mehr nur die
Nadelbäume, sondern auch die Laubbäume in den Straßen, Parks und Gärten.
Zugleich forderten die Bürgerinitiativen ein Notprogramm zur Rettung sterbender
Bäume.
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Bäume werden eigentlich sehr alt viel älter als Menschen je werden. Aber
durch unvernünftiges menschliches Handeln sterben viele Bäume schon sehr früh
ab. Vor allem die Bäume in der Stadt, die deren ‚Grüne Lunge‘ sind,
fallen der Vergiftung der Luft durch die Industrie, den zunehmenden Auto-Verkehr und
Kraftwerken zum Opfer. Hinzu kommt noch der Streß, dem die Bäume durch den
Klimawandel mit immer heißeren und
trockneren Sommern ausgesetzt sind. Tritt dann noch ein starker Insektenbefall auf, dann ist
das Schicksal der geschwächten Bäume meist besiegelt.
Deutliche Krankheits- symptome bei Bäumen sind: Die Baumkronen sind bereits im Sommer
vergilbt und ausgelichtet, d. h. sie haben bereits vor dem Herbst viele Blätter verloren.
Die Baumarten sind unterschiedlich von Schäden betroffen. Besonders die Eichen sind
empfindlich und meistens stark von Schäden betroffen.
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Ein Baum mit der aufklärenden Banderole der Bürgerinitiative Umweltschutz Steglitz
(BUS).
(Foto: 9.1984 khd) |
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Nach dem letzten Senats-Bericht von 2004 sind in Berlin bereits 40 % der Bäume der
gesamten Waldfläche von rund 30.000 Hektar deutlich geschädigt.
Besonders betroffen sind die Waldgebiete in Köpenick und Pankow. Bei den Eichen sind
bereits 81 % der Bäume geschädigt (im Vorjahr 49 %). Nur 11 % aller Berliner
Bäume sind noch ohne sichtbare Schadenssymptome. Über den Zustand der
Straßenbäume enthält der Bericht keine Aussage. Die Anzahl geschädigter
Bäume dürfte hier aber noch höher sein.
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Dramatisches Baumsterben deutlich machen |
Das
Baumsterben zeichnete sich schon in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ab.
Engagierte Bürger der Bürgerinitiative Umweltschutz Steglitz (BUS)
starteten im Sommer 1984 eine Aktion zur Information der Öffentlichkeit über die
Situation der Stadt- Bäume. Mit mehr als 10.000 Banderolen, die den Charakter einer
Traueranzeige hatte, wurde den Mitbürgern und Politikern das dramatische Baumsterben
aufgrund der vergifteten Berliner Luft deutlich gemacht.
Die Banderolen aus Umweltpapier trugen den Test:
Dieser Baum stirbt Ein Opfer
von Autos, Industrie und Kraftwerken. Auf der Rückseite der Banderolen waren
Informationen für die fleißigen Helfer abgedruckt, an welchen Symptomen sie kranke
Bäume erkennen können. Viele Initiativen und Organisationen schlossen sich der
Aktion an, so daß diese im Sommer 1985 ergänzt durch Baumführungen mit
Experten wiederholt wurde.
Was hat die Aktion für die Bäume gebracht? Immerhin wurden inzwischen in Berlin alle
Kraftwerke entgiftet. Allerdings änderten die seit den 80er-Jahren
Regierenden (sogar die
Grünen regierten zweimal mit) nichts an der Verkehrspolitik. In Berlin hat noch immer der
Auto-Verkehr Vorrang. Für ihn wurden sogar teure Straßentunnel gebaut, obwohl
Berlin so ziemlich pleite ist. Eine City-Maut wurde dennoch nicht eingeführt. Und
Bus und Bahn wurden nicht so gefördert, so daß der Auto-Verkehr ständig zunahm
und damit auch die Luftvergiftung. Deshalb ging das Baumsterben in der Stadt weiter. Viele
der Bäume, an die wir damals Banderolen klebten, sind längst gefällt. Und da in
Berlin nicht mehr genug Geld zur Verfügung steht, wurden allzuoft auch keine neuen
Bäume mehr gepflanzt.
Umweltsenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hatte im Herbst 2004 für Anfang 2005 einen
umfassenden Luftreinhalteplan für Berlin angekündigt. Dieser soll Maßnahmen
für eine drastische Reduzierung aller Emissionen enthalten. Aber passiert ist bislang
eigentlich nichts...