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Die Gasag bekommt Konkurrenz
Natgas will Privatkunden in Berlin mit Gas beliefern.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 12. Januar 2006, Seite ?? (Wirtschaft) von ANSELM WALDERMANN. [Original]BERLIN (Tsp). Die Berliner Verbraucher können ihren Gasversorger möglicherweise schon in diesem Jahr wechseln. Das sagte der Vorstandsvorsitzende des Gasag- Konkurrenten Natgas, Jörg Bauth, am Mittwoch [11.1.2006] in Berlin. "Wenn sich das wirtschaftlich machen lässt, werden wir mittelfristig auch Haushaltskunden mit Gas beliefern." Für Natgas selbst gelte dies zwar noch nicht 2006. Es gebe aber andere Wettbewerber, die sich schon bald vorwagen würden. "Ich bin mir sehr sicher, dass wir noch in diesem Jahr die ersten Tests sehen werden", sagte Bauth. Vor allem Großstädte wie Berlin seien für neue Anbieter reizvoll.
Bisher können Privatkunden ihren Gasversorger in Deutschland nicht frei wählen. Stattdessen sind sie an den jeweiligen örtlichen Monopolisten gebunden, in Berlin ist das die Gasag. Nur auf dem Markt für gewerbliche Kunden gibt es bereits Wettbewerb. Daher können Anbieter wie Natgas derzeit nur größere Unternehmen mit Gas beliefern.
In den nächsten Monaten könnte sich das jedoch ändern. Denn die Bundesnetzagentur kontrolliert derzeit die Durchleitungsgebühren, die neue Anbieter für die Nutzung der Netze an die etablierte Gaswirtschaft bezahlen müssen. Sollte die Behörde diese Netzentgelte absenken, könnte sich die Belieferung von Privatverbrauchern auch für ortsfremde Gasunternehmen lohnen und der Wettbewerb würde deutlich belebt.
Noch ist es allerdings nicht so weit. Anbieter wie Natgas erheben daher schwere Vorwürfe gegen die alteingesessenen Gasunternehmen. "Wir treffen sehr häufig auf Wettbewerbsbehinderungen", sagte Bauth. Teilweise erhöben die Stadtwerke so hohe Netzentgelte, dass sie allein die Hälfte des Endkundenpreises ausmachten. Daneben kritisierte er Quersubventionen: So seien Gasimporteure wie Eon-Ruhrgas an zahlreichen Stadtwerken beteiligt, denen sie immer wieder unter die Arme griffen. "Hier wird die Macht eines Großkonzerns missbraucht, um neue Anbieter aus dem Markt zu drängen", sagte Bauth.
Ein weiteres Problem für Natgas sei die Beschaffung von Gas. So gebe es in Deutschland wegen der gängigen Praxis langfristiger Lieferverträge kaum freie Gasmengen. Natgas beziehe sein Gas daher ausschließlich bei internationalen Produzenten und Handelshäusern im Ausland, sagte Bauth. Ändern könnte sich dies allerdings durch das Bundeskartellamt, das langfristige Lieferverträge zwischen Ferngasgesellschaften und Stadtwerken verbieten will.
Natgas versorgt derzeit 60 Unternehmen in ganz Deutschland mit Gas, in diesem Jahr sollen es 80 werden. Der Umsatz des in Potsdam ansässigen Unternehmens belief sich 2005 auf 91 Millionen Euro. Zum Gewinn machte Natgas keine Angaben.
G E O W Ä R M E - N U T Z U N GKartellamt erhöht den Druck auf Eon
Präsident Böge will mit Hilfe der Gerichte sinkende Gaspreise noch in diesem Jahr erzwingen / Eon-Chef: Marktmacht ist nicht schlecht
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 16. Januar 2006, Seite ?? (Wirtschaft). [Original]DÜSSELDORF (str/juf/HB). Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge will die Marktmacht von Eon Ruhrgas bereits in den kommenden Monaten begrenzen. Seine Initiativen würden sich "für die Verbraucher noch in diesem Jahr in günstigeren Preisen niederschlagen", sagte Böge dem Handelsblatt. Eon-Chef Wulf Bernotat gibt sich dagegen gelassen. Böges Forderungen gingen zu weit, sagte der Chef des größten deutschen Energiekonzerns dem Handelsblatt.
Böge hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von Verfahren eingeleitet, die die Energiemärkte betreffen. Im Visier hat er vor allem den Eon-Konzern, der mit seiner Tochter Ruhrgas etwa 55 % des deutschen Gasmarktes kontrolliert. Besonders die langfristigen Lieferverträge, mit denen Ruhrgas Stadtwerke und Regionalversorger weitgehend exklusiv an sich gebunden hat, sind dem Kartellamtschef ein Dorn im Auge. Nun soll das Problem kurzfristig gelöst werden. "Eine Entscheidung bei den Gaslieferverträgen steht bevor", sagte Böge. Er rechne zwar damit, dass Eon-Ruhrgas juristisch gegen das Kartellamt vorgehen werde. Er sei jedoch zuversichtlich, dass es noch bis Ende September im Eilverfahren eine sofort vollziehbare richterliche Entscheidung in seinem Sinne geben werde. Böge kritisierte, die langen Vertragslaufzeiten verwehrten potenziellen Marktteilnehmern in Deutschland Fuß zu fassen. Bernotat wies die Vorwürfe zurück. "Marktmacht an sich ist doch nichts Unzulässiges. Das Einzige, was das Kartellamt beanstanden kann, ist ein Missbrauch von Marktmacht. Und in diesem Punkt haben wir eben eine andere Auffassung als das Kartellamt."
Böge streitet seit Monaten mit den Gasversorgern über die langfristigen Gaslieferverträge. Das Kartellamt hatte im Dezember nach langen Verhandlungen in einer Abmahnung erklärt, die langen Vertragslaufzeiten von Eon-Ruhrgas mit den Stadtwerken schotteten den deutschen Markt ab. Die Verträge haben mitunter Laufzeiten von bis zu 20 Jahren. Eon Ruhrgas hatte versucht, dem Kartellamt entgegenzukommen und eine Selbstverpflichtung vorgeschlagen. Böge geht dies jedoch nicht weit genug: "Das reicht kartellrechtlich nicht."
Die Versuche des Kartellamtes, die Macht von Eon Ruhrgas zu beschneiden, könnten sich nach Auffassung Bernotats negativ auf die Versorgungssicherheit auswirken. Nur starke Versorger würden von den Produzenten ernst genommen. Das Thema Versorgungssicherheit war unlängst aufgekommen, nachdem Russland die Ukraine vorübergehend nicht mehr mit Gas versorgt hatte.
Böge beobachtet auch die hohen Strompreise mit Sorge: "Viele Unternehmen sind von einem Strompreisniveau betroffen, das sie in Existenznot bringt." Er wünscht sich mehr Wettbewerb im Strommarkt, der im Wesentlichen von Eon, RWE, Vattenfall und EnBW beherrscht wird. "Der hohe Konzentrationsgrad unter den Stromerzeugern, der mangelnde faktische Energiefluss über die EU-Binnengrenzen hinweg und die hohe Hürden für neue Anbieter tragen ganz erheblich zu den hohen Strompreisen bei", sagte Böge.
E R D G A SStrom aus der Tiefe
Ein 4300 Meter tiefes Loch in der Schorfheide: Nördlich von Berlin entsteht ein Erdwärme-Kraftwerk.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 17. Januar 2006, Seite ?? (Wissen & Forschen) von RALF NESTLER. [Original]Rauchende Vulkanschlote und Geysire, die in die Höhe schießen diese Bilder symbolisieren die Kraft der Erdwärme. Dass demnächst auch ein paar Rohrleitungen im märkischen Sand dazugehören sollen, daran arbeitet Ernst Huenges vom Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ). Er ist Projektleiter der Forschungsbohrung Groß Schönebeck. Hier, nördlich von Berlin, soll ein Kraftwerk entstehen, das mit 150 Grad Celsius heißem Wasser aus vier Kilometern Tiefe Strom erzeugt.
Zum Heizen wird Erdwärme schon seit mehr als 10.000 Jahren genutzt. Seit 1904 wird aus der Hitze unseres Planeten auch Strom gewonnen. Doch die Geothermie-Kraftwerke liegen meist in vulkanischen Gebieten, in denen die Temperatur mit zunehmender Tiefe stark zunimmt. Hier zu Lande, wo man für Temperaturen von 100 Grad Celsius wenigstens drei Kilometer tief bohren muss, steht die geothermische Stromerzeugung erst am Anfang.
Anstatt Kriege ums Öl anzuzetteln, worauf nur mit Terror reagiert wird, sollten alle Anstrengungen unternommen werden, den großen Energie-Schatz aus der Erde zu heben.
So denken sehr viele kritische Wissenschaftler in aller Welt. Denn der Energie-Schatz im Erdinnern ist fast unendlich. Wir müssen ihn nur intelligent heben.Theoretisch könnte die gesamte Grundlast der Bundesrepublik, die etwa zwei Drittel des Stromverbrauchs ausmacht, mit geothermischer Energie gedeckt werden. Und das für immer, denn die Erde produziert ständig neue Wärme. Damit sich tiefe Bohrungen für mehrere Millionen Euro rentieren, muss aber sicher sein, dass sie über Jahrzehnte genügend heißes Wasser fördern können.
Bislang gibt es ein Dutzend Projekte zur geothermischen Stromerzeugung, vor allem im Oberrheingraben und in Südbayern. Mit der Forschungsbohrung in Groß Schönebeck wollen die Wissenschaftler vom GFZ zeigen, dass auch in Norddeutschland große Erdwärme-Kraftwerke möglich sind. 2007 soll hier die erste Kilowattstunde erzeugt werden.
Huenges und seine Kollegen haben bereits den Aufbau des Kraftwerks im mecklenburgischen Neustadt-Glewe begleitet, wo seit zwei Jahren neben Fernwärme auch Strom produziert wird. Diese Anlage arbeitet aber nur mit 97 Grad heißem Wasser aus 2300 Metern Tiefe. Mit der Tiefe nimmt die Temperatur zu und damit die Effizienz eines Kraftwerks. Deshalb wird in Groß Schönebeck tiefer gebohrt. 150 Grad bei 4300 Metern Tiefe sind ein guter Kompromiss zwischen Wirkungsgrad und dem, was technisch machbar ist, erklärt Huenges.
Ab Anfang 2006 wird sich das Bohrgestänge in die Tiefe schrauben. Unser Ziel ist das Rotliegende, sagt Huenges und meint damit Gesteine einer geologischen Epoche, die zwischen 270 und 290 Millionen Jahre alt sind. Das sind Sandsteine, die vor Urzeiten mal ein Flussbett waren, und vulkanische Gesteine, genauer gesagt Andesite, erläutert er. Die Wissenschaftler orientieren sich an einer Bohrung, die an der Oberfläche nur 22 Meter von der neuen entfernt ist. Denn für den Betrieb eines Geothermie- Kraftwerks sind zwei Bohrungen vonnöten: Über die Förderbohrung wird heißes Wasser entnommen. Dieses gibt seine Wärme an eine Flüssigkeit, die verdampft und eine Turbine antreibt. Das abgekühlte Wasser wird anschließend in der Injektionsbohrung wieder in den Untergrund gepresst, damit der Wasserhaushalt in den tiefen Stockwerken der Erde ausgeglichen bleibt.
Das neue Loch in der Schorfheide soll zur Förderbohrung werden. Ein bis zwei Meter in der Stunde frisst sich der Bohrmeißel durch die Erdgeschichte. 24 Stunden am Tag, 3 Monate lang. Am Ende wird die Bohrkrone 4300 Meter unter den Kiefern zum Stehen kommen, die entstandene Röhre wird allerdings 4600 Meter lang sein. Denn die Bohrung soll tief unten einen Knick machen. Wenn wir das Gestein schräg anbohren, wird die Fläche größer und es strömt mehr Wasser ein, erklärt Huenges.
Fließend heißes Wasser aus diesem Grund bohren die Forscher in das urzeitliche Flussbett. Zwischen den einzelnen Körnchen der Sandsteine kann das 150 Grad heiße Wasser zirkulieren und letztlich das Bohrloch füllen. Obwohl es gut 50 Grad wärmer ist als das Wasser, mit dem die Wissenschaftler ihren Kaffee brühen, siedet es nicht. Die überlagernden Massen wirken wie ein Schnellkochtopf: Bei 4 Kilometern Wassersäule hätte Süßwasser am Boden dieser Röhre einen Druck von 400 bar, rechnet Huenges vor, der nicht nur Geologe, sondern auch Physiker ist. Weil das tief liegende Wasser viel Salz enthält, ist seine Dichte größer und damit auch der Druck. Macht 440 bar.
Heißer Planet
Aus: Der Tagesspiegel, 17.1.2006. Geothermie (Erdwärme) ist die Wärmeenergie im Erdinneren. Die Temperatur der Erde nimmt vom Rand bis zum Erdkern um rund 6000 Grad Celsius zu. 99 % des Planeten sind heißer als 1000 Grad. Die Wärme stammt zum Teil aus dem Prozess der Erdentstehung, als sich vor 4,5 Milliarden Jahren Gas, Gestein und Staub zusammenballten. Ein großer Teil der damals freigesetzten Energie wurde ins Weltall abgegeben, der Rest im Erdinneren eingeschlossen.Der größte Teil der Wärme entsteht jedoch durch eine natürliche Form der Kernenergie beim Zerfall radioaktiver Isotope von Uran, Thorium und Kalium [Ed: was erst 2005 durch die KamLAND-Experimente im japanischen Kamioka bewiesen wurde]. Diese Elemente sind Bestandteil von Gesteinen im Erdkörper.
Durch den hohen Druck steigt das Wasser im Bohrloch weit nach oben. Die letzten 500 Meter bis zur Oberfläche muss es gepumpt werden. 20 bis 30 Liter Tiefenwasser strömen dann jede Sekunde zum Wärmetauscher und werden anschließend über die Injektionsbohrung zurück in den Untergrund gepumpt.
Weil dem Reservoir ständig Wärme entzogen wird, haben die Wissenschaftler berechnet, wie stark die Gesteinsschichten im Untergrund abkühlen. Ihre Prognose: Im schlimmsten Fall wird es eine Temperaturabsenkung um 2 bis 3 Grad geben, die frühestens in 30 Jahren eintritt. Damit erscheint ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage sicher.
Doch zunächst konzentrieren sich die Forscher des Potsdamer Geoforschungszentrums auf die nächsten Monate. Wenn die Förderexperimente genügend Wärme liefern, um ein 750 Kilowatt-Kraftwerk zu betreiben, will der Energiekonzern Vattenfall in das Projekt einsteigen und ein geothermisches Kraftwerk aufbauen. Dieses könnte für 1000 Menschen rund um die Uhr Strom aus Erdwärme liefern.
Ob das Versuchsfeld die errechnete Leistung bringt, ist noch offen. Aber Huenges hofft, dass sogar ein Megawatt Leistung möglich ist. Und denkt laut weiter: Dann könnte es bald ein 10-Megawatt-Kraftwerk geben.
Auch dieses würde allein nicht einmal 0,2 Promille des gesamten Strombedarfs Deutschlands decken. Doch wenn es gelingt, die Technik weiter zu verbessern, könnte Geothermie an vielen Standorten wirtschaftlich genutzt werden und damit eine Alternative zu konventionellen Energierohstoffen sein. Zudem können solche Anlagen mit Heizkraftwerken verbunden werden. Denn bei der Stromerzeugung selbst entweichen 90 % der Erdwärme ungenutzt in die Umwelt.
[15.11.2003: Erstes deutsches Erdwärme-Kraftwerk am Netz] (HEISE NEWSTICKER)
[01.08.2005: Kernreaktor Erde Bahnbrechende Entdeckung der Geo-Neutrinos] (khd-Page)
[17.09.2005: Strom aus der Erde] (DER SPIEGEL 38/2005, Seite 142144)
Kartellamt leitet Maßnahmen zur Preissenkung ein
Vor wenigen Tagen hatte Kartellamtschef Ulf Böge den Verbrauchern schnelle Maßnahmen versprochen, die zu sinkenden Preisen für Erdgas führen sollen. Jetzt folgt der erste wichtige Schritt. E.on Ruhrgas darf Stadtwerke nicht mehr mit langfristigen Verträgen an sich binden.
Aus: Spiegel Online 17. Januar 2006, 16.29 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]DÜSSELDORF. Die langfristigen Gaslieferverträge mit Stadtwerken verstießen gegen deutsches und europäisches Kartellrecht, erklärte Böge heute in Bonn. "Langfristige Vertragsbindungen von Weiterverteilern haben eine Markt abschottende und damit Preis erhöhende Wirkung, da sie den Marktantritt neuer Wettbewerber verhindern."
Bereits bestehende langfristige Verträge zwischen E.on Ruhrgas und Stadtwerken und anderen Weiterverteilern, die mehr als 80 % des Gas-Vertriebsbedarfs abdeckten, müssten bis zum 30. September beendet werden, verfügte der Kartellwächter. Auch für neue Verträge sollen fortan Beschränkungen gelten. Vom Kartellamt unangetastet bleiben aber Verträge mit Industriekunden und die ebenfalls über viele Jahre laufenden Bezugsverträge mit großen Lieferanten wie der russischen Gasprom.
E.on Ruhrgas hatte bereits angekündigt, eine Untersagungsverfügung des Kartellamts gerichtlich klären zu lassen. "Das letzte Wort in dem Streit um die Langfristverträge werden die Gerichte haben", prognostizierte Böge. Er rechne mit einer zeitnahen Entscheidung, die Rechtsklarheit für alle betroffenen Parteien bringen werde. [mehr]
Kartellamt greift Gasversorger an
Wettbewerbsbehörde untersagt Marktführer Eon Ruhrgas langfristige Lieferverträge mit Stadtwerken / Sinkende Preise erwartet.
Aus: Berliner Zeitung, 18. Januar 2006, Seite ?? (Wirtschaft) von RUPRECHT HAMMERSCHMIDT und SEBASTIAN WOLFF. [Original]BERLIN. Verbraucher können wieder mit niedrigeren Gaspreisen rechnen: Das Bundeskartellamt hat dem Marktführer Eon-Ruhrgas gestern die bislang üblichen langfristigen Gaslieferverträge mit Stadtwerken und Regionalversorgern untersagt. Kartellamtspräsident Ulf Böge sagte, damit solle der Wettbewerb auf dem bislang weitgehend abgeschotteten deutschen Gasmarkt gestärkt werden. Er hoffe noch in diesem Jahr auf ein Sinken der Gaspreise.
Verbraucherschützer äußerten sich erfreut über die Entscheidung der Wettbewerbsbehörde. "Das ist eine wunderbare Nachricht", sagte der Energieexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV), Holger Krawinkel, der Berliner Zeitung. "Die langfristigen Lieferverträge waren ein erhebliches Hemmnis für den Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt". Es sei nun zu erwarten, dass die Wettbewerbsintensität steige: "Das dürfte die Gewinnmargen der Versorger und damit auch die Endverbraucherpreise spürbar nach unten drücken", ergänzte Krawinkel.
Mit kostspieligen Ausflügen hat E.on Ruhrgas versucht, Stadtwerke als Großkunden an sich zu binden. Das Unternehmen stand mit dieser Praxis indes nicht allein.
Das meldet DER SPIEGEL am 23.1.2006 (Seite 84+85). Deutschland ist wohl zur Bananenrepublik verkommen, die von Abzockern gesteuert wird. [mehr]Ähnlich äußerte sich der Direktor des Deutschen Mieterbundes, Franz-Georg Rips: "Wir begrüßen die Entscheidung des Bundeskartellamts. Sie geht in die richtige Richtung", sagte Ruperts. "Den Energieversorgern muss bei ihrer Preispolitik genauer auf die Finger oder in die Kalkulation geschaut werden. Preis- und Tariferhöhungen dürfen von den zuständigen Ministerien und Behörden nicht durchgewunken werden." Der Druck auf die Energieversorger müsse aufrechterhalten werden.
Konzern will klagen
Eon-Ruhrgas bedauerte dagegen die Entscheidung des Kartellamts. Vorstandschef Burckhard Bergmann bekräftigte zugleich die schon zuvor geäußerte Absicht, dagegen zu klagen: "Ich halte es nicht für einen dramatischen Vorgang, wenn jetzt unterschiedliche Rechtsauffassungen mit allerdings nicht unerheblichen Konsequenzen für Versorgungssicherheit und Preisentwicklung dem Gericht zur Entscheidung vorgelegt werden", sagte Bergmann. Er verwies darauf, dass die Kartellamts-Entscheidung erhebliche Risiken für sein Unternehmen bedeute. Trotz langfristiger Importverpflichtungen dürften nun nur noch kurzfristige Lieferverträge abgeschlossen werden. Deutsche Versorger dürften aber nicht einseitig geschwächt werden, sagte der Eon-Ruhgas-Chef.Bei Altverträgen sei es nur noch um eine Übergangsfrist gegangen. Bei Neuverträgen sei die Selbstverpflichtung von Eon-Ruhrgas weitgehend deckungsgleich mit den Forderungen des Kartellamts, so Bergmann.
Erklärtes Ziel des Kartellamtes ist es aber, die gesamte Praxis der Lieferverträge zu Fall zubringen, mit der die 15 deutschen Gasimporteure hunderte von Stadtwerken und Regionalversorgern auf bis zu 25 Jahre an sich gebunden haben.
Nach Überzeugung der Wettbewerbshüter verstoßen die Langfristverträge gegen europäisches und deutsches Wettbewerbsrecht. Denn durch die seit Jahrzehnten übliche Vertragspraxis wird der deutsche Gasmarkt wirkungsvoll gegen neue Wettbewerber abgeschottet.
Doch dies soll sich bis zum 30. September grundlegend ändern. Nach dem Willen des Kartellamts muss Eon Ruhrgas bis dahin alle langfristigen Lieferverträge mit Stadtwerken und Regionalversorgern abstellen, bei denen Ruhrgas mehr als 80 % des Bedarfs deckt. Derartige Verträge dürfen künftig nach dem Willen des Bundeskartellamtes nur noch eine Laufzeit von maximal 2 Jahren haben. Die Idee dahinter: mindestens alle 2 Jahre können sich die Stadtwerke nach neuen Lieferanten umsehen.
Noch eine weitere Entwicklung dürfte dem Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt in diesem Jahr neuen Schwung verleihen. Der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, kündigte am Dienstag [17.1.2006] in Berlin an, das voraussichtlich ab Oktober auch private Endverbraucher den Gasanbieter wechseln können.
Dass sich das Bundeskartellamt ausgerechnet E.ON Ruhrgas für das Musterverfahren herausgegriffen hat, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen ist der Essener Gasimporteur mit Abstand Marktführer in Deutschland und vereint auf sich rund 65 % des gesamten inländischen Erdgasaufkommens. Zum anderen hat sich der Energieriese nach Angaben des Kartellamts wie kein anderer Gasimporteur gegen eine freiwillige Vereinbarung gesperrt. Gespräche des Kartellamts mit den Gasimporteuren waren im September gescheitert.
Kartellamtschef Böge rechnet mit einer zügigen Entscheidung der Justiz zu Gunsten des Kartellamtes. Erst kürzlich sagte er, er sei zuversichtlich, dass es bis zum Stichtag Ende September im Eilverfahren eine sofort vollziehbare richterliche Entscheidung in seinem Sinne geben werde.
Energie-Konzerne betrieben eine aufwendige politische ‚Landschaftspflege‘:
[21.01.2006: E.on-Affäre erreicht auch andere in der Branche] (DER SPIEGEL)
[21.01.2006: E.on Ruhrgas stoppt umstrittene "Kundenveranstaltungen"] (SPIEGEL ONLINE)
[23.01.2006: E.on Ruhrgas Kurztrips in Krisenzeiten] (DER SPIEGEL)
[30.01.2006: E.on Im Privatjet zum Feiern nach Norwegen] (SPIEGEL ONLINE)
Neue Hoffnung auf Strompreissenkungen
Regulierer: Kosten zu hoch.
Aus: Berliner Zeitung, 21. Januar 2006, Seite 12 (Politik). [Original]BERLIN (thw). Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth (SPD), sieht gute Chancen dafür, dass die Gas-Verbraucher von einer Senkung der Netzdurchleitungskosten profitieren. "Unter der Bedingung, dass die Erzeugerpreise für Gas nicht weiter ansteigen, kann es zu Absenkungen kommen", sagte Kurth der Berliner Zeitung.
Heftige Kritik übte der Chefregulierer an den Stromversorgern. Seine Behörde hätte zwar noch nicht die Kostenunterlagen der Unternehmen geprüft. "Die Preisentwicklung in den vergangenen Jahren lässt aber vermuten, dass bei vielen Versorgern erhebliche Effizienzpotenziale gehoben werden können", sagte Kurth. So hätten einzelne Versorger den Strompreis seit dem Jahr 2000 um 45 % erhöht, andere aber nur um 13 % "obwohl die Einkaufspreise für Strom bei beiden weitgehend gleich gewesen sein dürften", erklärte der Netzagentur-Chef.
Gasag legt Kalkulation teilweise offen
Verbraucherschützer: Daten sind ohne jeden Wert.
Aus: Berliner Zeitung, 30. Januar 2006, Seite ?? (Wirtschaft) von THORSTEN KNUF. [Zum Artikel]
Strom in Berlin wieder teurer
Vattenfall [Ed: bis zum 31.12.2005 die BEWAG] beantragt Preiserhöhungen zum 1. Mai um 6 % / Wirtschaftssenator Wolf will Vorhaben kritisch prüfen [Ed: denn Vattenfall fährt unterdessen Rekordgewinne ein, die die Schweden reich machen].
Aus: Berliner Zeitung, 31. Januar 2006, Seite ?? (Politik) von THORSTEN KNUF. [Original]BERLIN. Rund 2 Millionen Haushalte in Berlin müssen sich auf eine massive Erhöhung der Strompreise einstellen. Der Energiekonzern Vattenfall Europe will die Tarife für Privatkunden zum 1. Mai um rund 6 % anheben. "Die notwendigen Anträge werden wir bis zum Ende dieses Monats fristgerecht einreichen", sagte Vattenfall-Vertriebsvorstand Hans-Jürgen Cramer der Berliner Zeitung. Betroffen sind auch rund 1 Million Kunden in Hamburg. "Uns fällt der Schritt nicht leicht. Aber die derzeitigen Tarife decken nicht mehr unsere Ausgaben."
Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.000 Kilowattstunden Strom muss den Angaben zufolge künftig mit einer Mehrbelastung von etwa 24 Euro pro Jahr rechnen. Wer 3.500 Kilowattstunden benötigt, müsse 36 Euro mehr bezahlen. Die letzte Strompreiserhöhung hatte es in beiden Städten Anfang 2005 gegeben.
Cramer verwies darauf, dass Vattenfall Europe im Gegensatz zu anderen Stromkonzernen zum Jahreswechsel auf eine Anhebung der Strompreise verzichtet habe. Jetzt gerate das Unternehmen aber unter Zugzwang, weil die Preise an der Leipziger Strombörse explodiert seien. Zuständig für die Genehmigung der neuen Tarife sind die Wirtschaftsverwaltungen in Berlin und Hamburg. Der Berliner Senator Harald Wolf (Linkspartei) hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach deutlich gemacht, dass er einer weiteren Erhöhung der Energiepreise sehr kritisch gegenübersteht und entsprechende Anträge genau prüfen werde.
Nun müssen wir die teure Umtaufe von Bewag in nur Vattenfall doch noch löhnen.
Volkes Stimme in Berlin zum völlig überflüssigen Namenswechsel am 1.1.2006 und der damit verbundenen aufwendigen Kampagne in den Medien. Die Umfirmierung sei auch wirtschaftlich unsinnig gewesen. Denn:
"Bewag A Vattenfall Company" sagte doch alles...Cramer sagte, Vattenfall Europe rechne damit, dass die Behörden in Berlin und Hamburg die Genehmigungen erteilen werden. "Unsere Kalkulationen sind durch Gutachter testiert worden [Ed: aber was sagt das schon seitdem aus dem BGB-Skandal bekannt ist, was sich Wirtschaftsprüfer so alles an ‚Gefälligkeiten‘ leisteten]. Die Stellungnahme belegt, dass unsere derzeitigen Stromtarife nicht kostendeckend sind." Die Verwaltungen könnten die Gutachten jederzeit einsehen. In anderen Bundesländern hatten sich Stromunternehmen wegen ihrer Preispolitik zuletzt heftigen Ärger mit den Wirtschaftsministerien eingehandelt. Der hessische Ressortchef Alois Rhiel (CDU) lehnte Ende vergangenen Jahres sämtliche Anträge der Versorger auf Preiserhöhungen ab und forderte die Unternehmen auf, weitere Unterlagen einzureichen. In Nordrhein-Westfalen genehmigte Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) bei zahlreichen Anbietern die Preiserhöhungen nicht im beantragen Umfang. Betroffen davon war auch der Essener RWE-Konzern.
Sollte Vattenfall Europe grünes Licht für seine Tarif-Pläne bekommen, würde dies die Lebenshaltungskosten in Berlin erneut deutlich in die Höhe treiben. Anfang Januar erst hatte die Gasag zum zweiten Male innerhalb weniger Monate die Preise für Erdgas um bis zu 12 % angehoben. Vorausgegangen war bereits eine erste Preisrunde Anfang Oktober, bei der die Tarife für Haushaltskunden ebenfalls um bis zu 12 % gestiegen waren. Auch Wasser ist zum Jahreswechsel deutlich teurer geworden.
Preiserhöhungen sind überdies beim Nahverkehr in Sicht: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen ihre Tarife im August dieses Jahres anheben. Ein Einzelfahrschein soll dann um 10 Cent teurer werden und 2,30 Euro kosten. Der Senat sperrt sich allerdings dagegen, auch weil im September ein neues Abgeordnetenhaus gewählt wird. Intern rechnet die BVG inzwischen damit, dass die Preise frühestens Anfang 2007 steigen werden. [mehr]
Unter Spannung
Vattenfall [ex-Bewag in Berlin] hat angekündigt, die Strompreise zu erhöhen für den Verbraucher heißt das: neu berechnen. Millionen Kunden des Stromkonzerns Vattenfall müssen sich auf eine Preiserhöhung einstellen. Mehr als 6 % sind in der Diskussion. Wie teuer muss Strom sein?
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 1. Februar 2006, Seite ?? (Fragen des Tages) von ANSELM WALDERMANN. [Original]BERLIN (Tsp). Durchgesickert war es schon vor einer Weile, jetzt ist es amtlich: Die Verbraucher in Berlin und in Hamburg müssen zum 1. Mai mehr Geld für Strom ausgeben. Der Versorger Vattenfall [Ed: bis 31.12.2005 Bewag] erhöht die Preise um etwa 6% %. Dem Unternehmen zufolge bedeutet das pro Kunde Mehrkosten von 2 Euro im Monat.
Allerdings gilt das nur für den Standardtarif "Berlin Klassik". Je nach Verbrauch müssen die Berliner zum Teil deutlich tiefer in die Tasche greifen. So erhöht sich der Tarif "Klassik Plus", der vor allem von Familien genutzt wird, im Durchschnitt um 8,0 %. Die zusätzliche Belastung pro Monat beträgt hier 4,58 Euro. Ähnlich ist es beim Tarif "Multiconnect".
Die meisten anderen Versorger in Deutschland hatten ihre Preise bereits zum 1. Januar erhöht. Vattenfall erklärte dagegen noch im Dezember, dass sich die Strompreise für Privatkunden "bis weit in das Jahr 2006 hinein" nicht erhöhen würden. Ähnliche Töne schlug der schwedische Konzern in seiner jüngsten Werbekampagne an.
Grundpreis:
4,50 Euro/Monat
und dann
17,95 Cent/kWh.
Damit wirbt dieser Tage in Zeitungs- Inseraten der Newcomer "Nuon D" aus Holland und will damit der ex-Bewag reichlich Kunden abjagen. Also ist Rechnen angesagt, denn der Vattenfall- Tarif "Multiconnect" könnte noch günstiger sein (auf die Laufzeit achten!).Mittlerweile hält der Versorger eine Preisanpassung für unumgänglich. Der Grund seien "massiv gestiegene Strombezugspreise" an der Leipziger Energiebörse EEX. Dort waren die Preise auf dem Großhandelsmarkt in den vergangenen 12 Monaten um 55 % gestiegen. Allerdings schlägt sich das nicht voll auf den Endkundenpreis nieder, weil die Strombeschaffung nur ein Fünftel des Endkundenpreises ausmacht. 40 % entfallen auf Steuern, weitere 40 % auf Vertrieb und Netzbetrieb.
Pikanterweise ist der Preisanstieg bei den erneuerbaren Energien deutlich geringer ausgefallen. Das sagte eine Vattenfall- Sprecherin dem Tagesspiegel. Es ist das erste Mal, dass ein großer Energiekonzern diesen Zusammenhang anerkennt. "Die Beschaffungskosten für regenerativen Strom haben sich nicht so stark erhöht wie die für konventionellen Börsenstrom", erklärte die Sprecherin. Vor allem die gestiegenen Gaspreise hätten den Strompreis an der Energiebörse EEX in die Höhe getrieben rund 10 % des in Deutschland verbrauchten Stroms werden mit Gas hergestellt. Strom aus Wind, Wasser und Sonne war von den Preissprüngen an den internationalen Energiemärkten hingegen nicht betroffen. Das spiegelt sich auch in den neuen Tarifen wieder. So ist der Ökostrom-Tarif "Öko Pur" zwar noch immer teurer als der Standardtarif "Berlin Klassik". Die Erhöhung zum 1. Mai um 2,8 % bleibt aber hinter denen bei anderen Tarifen zurück. Für einen durchschnittlichen Verbraucher bedeutet dies pro Monat nur Mehrkosten von 1 Euro.
Derweil kritisierten Verbraucherschützer, dass die Preiserhöhung nicht nachvollziehbar sei. "Mir ist das einfach nicht transparent genug", sagte Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin. Sie forderte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) auf, den Genehmigungsantrag für den gesetzlichen Tarif "Berlin Klassik" gründlich zu prüfen.
Genau das kündigte dessen Sprecher Christoph Lang auch an. "Vattenfall muss nachweisen, dass die Preise für die Kunden nur in dem Maße steigen wie die Beschaffungskosten", sagte er dem Tagesspiegel. So werde die Senatsverwaltung möglicherweise weitere Unterlagen von Vattenfall nachfordern. Lang stellte allerdings auch klar, dass der Senat die Tariferhöhung "nicht a priori verbieten" werde. Das hessische Wirtschaftsministerium hatte dies im Jahr 2005 getan, nachdem einzelne Versorger des Landes ihre Preise um bis zu 15 % erhöht hatten.
Eine Sammelklage wie gegen den Gasversorger Gasag wird es gegen Vattenfall nicht geben. "Das wäre nur schwer durchzusetzen", sagt Francke. Schließlich hätten Stromkunden anders als beim Gas die Möglichkeit, zu einem anderen Anbieter zu gehen. "Ein Wechsel kann durchaus sinnvoll sein", empfiehlt Francke. Allerdings sollte man dazu seinen persönlichen Verbrauch kennen und die Angebote genau durchrechnen. [mehr] [Vattenfall mit Rekordgewinn]
S T R O M W I R D N I E M E H R B I L L I G E RSenat will Strompreise bremsen
Berlin wird Vattenfall-Antrag kritisch prüfen / Mehrere Bundesländer genehmigen Tarifanhebungen nicht.
Aus: Berliner Morgenpost, 1. Februar 2006, Seite ?? (Wirtschaft). [Original]BERLIN (ns). Der Berliner Senat will die vom Energiekonzern Vattenfall angekündigte Strompreiserhöhung von 6 % wahrscheinlich nicht genehmigen. "Es ist noch nicht ausgemacht, daß das so durchgeht", sagte Christoph Lang, Sprecher der Wirtschaftsverwaltung, am Dienstag [31.1.2006] der Berliner Morgenpost. "Wir werden den Antrag kritisch prüfen", fügte er hinzu. Vattenfall müsse nachweisen, daß ein höherer Aufwand eine Strompreisanhebung notwendig mache. In den nächsten Wochen soll entschieden werden. Andere Bundesländer hatten entsprechende Anträge abgelehnt.
Vattenfall hatte gestern bei der Wirtschaftsverwaltung einen Antrag für die Erhöhung der Strompreise für Privat- und Gewerbekunden zum 1. Mai 2006 um rund 6 % gestellt. Dabei wird regional und nach Stromprodukten noch differenziert. Einen ebensolchen Antrag hat Vattenfall auch für sein Versorgungsgebiet Hamburg gestellt. Vattenfall- Vertriebsvorstand Hans-Jürgen Cramer begründete dies mit dem Anstieg der Strompreise an der Energiebörse Leipzig in den vergangenen zwölf Monaten um 55 %. Der Konzern habe die Preise bislang stabil gehalten. "Nun zwingen uns die massiv gestiegenen Strombezugspreise, also extern verursachte Kostensteigerungen, zu Preisanpassungen", sagte Cramer.
Die letzte Strompreiserhöhung hatte es bei Vattenfall Anfang 2005 gegeben. Für einen Privathaushalt mit einem Jahresverbrauch von 2000 kWh ("Berlin Klassik") bringt die geplante Erhöhung eine Mehrbelastung von 2 bis 2,25 Euro im Monat. Betroffen sind rund 2 Millionen Berliner Haushalte. In Berlin verteuert sich der Ökostrom- Tarif "Öko Pur" für einen durchschnittlichen Verbraucher (2300 kWh im Jahr) voraussichtlich um 2,4 % und der Standardtarif "Berlin Klassik" um 5,7 %. Noch höher fällt der durchschnittliche Preisanstieg bei den Sonderverträgen "Klassik Plus" mit knapp 8 % und "Multiconnect" mit 7,5 % aus.
In anderen Bundesländern waren höhere Strompreise nicht oder nur teilweise genehmigt worden. Rheinland-Pfalz hatte im Dezember Anträge für einen durchschnittlichen Strompreisanstieg um 0,8 Cent je Kilowattstunde abgelehnt und nur 0,4 Cent gebilligt. In Nordrhein-Westfalen wurden 29 Anträge deutlich gekürzt. In Baden-Württemberg, wo Anhebungen von 1,2 bis 7,2 % beantragt wurden, wurde in 15 Fällen eine Einzelprüfung angekündigt. In Mecklenburg-Vorpommern lagen 20 Anträge mit Erhöhungen zwischen 4 und 8 % vor, wobei wie ein Ministeriumssprecher im Dezember sagte, die zwingende Notwendigkeit nicht nachgewiesen wurde sei. Hessen hatte im Dezember alle Anträge abgelehnt. Bundesweit waren die Strompreise 2005 um 4 % gestiegen, seit dem Jahr 2000 sogar um ein Viertel. Maßgeblich waren teilweise staatliche Abgaben, die 40 % der Stromrechnung ausmachen. [Vattenfall mit Rekordgewinn]
RWE-Boss fordert zum Stromsparen auf
Wie beim Erdöl und Gas sind auch bei Elektrizität weiter steigende Preise absehbar. Ausgerechnet der Vorstandsschef des Energieriesen RWE gibt Kunden nun den Tipp: einfach Strom sparen und so die Geldbörse schonen.
Aus: Spiegel Online 3. Februar 2006, 16.05 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]HAMBURG (kaz/ddp/dpa/AFP/rtr). Strom, da ist sich Harry Roels sicher, wird teurer. "Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Strompreise auf Dauer sinken werden", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Wer das behauptet, ist unehrlich." Die Strompreise würden "langfristig weiter steigen", prophezeite der RWE -Chef. "Die beste Empfehlung, die ich geben kann, lautet: Sparen Sie Energie".
Rund 10 % könne jeder Haushalt auf diese Weise sparen bei der Stromrechnung sparen. Damit jeder Kunde Kenntnis von den Einsparmöglichkeiten erhalte, überlege der RWE-Konzern, auf seine Stromrechnungen künftig Spartipps zu drucken.
Roels erklärte, längere Laufzeiten für Kernkraftwerke, wie sie etwa Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) vorgeschlagen hatte, könnten den Strompreisanstieg dämpfen. Kernkraft durch andere Energien zu ersetzen, koste einen zweistelligen Milliardenbetrag, der sich auf den Strompreis niederschlage.
Dass um Deutschland herum die Laufzeiten für Kernkraftwerke verlängert und weltweit neue Anlagen gebaut würden, sei angesichts der Abhängigkeit vom Erdöl und Gas "absolut nachvollziehbar". Auch in Deutschland würde das volkswirtschaftlich Sinn machen. Stattdessen gehe Deutschland einen Sonderweg gegenüber dem Rest der Welt.
Roels verteidigte, dass sein Konzern trotz Rekordgewinnen die Strompreise nicht senke. Ohne Gewinne könne ein Unternehmen nicht investieren. Und das tue RWE umfassend. "Wir investieren kräftig in den kommenden Jahren, allein 12 Milliarden Euro in Deutschland", erklärte er. Er kündigte Investitionen in Deutschland in Höhe von 12 Milliarden Euro in den kommenden Jahren an.
RWE war erst im November nach tagelangen Stromausfällen im Münsterland in die Kritik geraten. Experten warfen dem Unternehmen damals zu geringe Investitionen in die Stromnetze vor.
Rekordgewinn bei Vattenfall
Nach Angaben des drittgrößten Anbieters von Strom in Deutschland stieg der Reingewinn nach Abzug einmaliger Kosten im Jahr 2005 gegenüber 2004 um 59,2 %.
Aus: Berliner Morgenpost, 8. Februar 2006, 18.28 Uhr MEZ (Aktuell). [Original]STOCKHOLM/BERLIN (morgenpost.de/dpa). Die hohen deutschen Strompreise haben dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall im vergangenen Jahr mit 17,4 Milliarden Kronen (1,9 Mrd Euro) erneut zu einem Rekordgewinn verholfen. Wie der drittgrößte Anbieter von Strom in Deutschland mitteilte, stieg der Reingewinn nach Abzug einmaliger Kosten gegenüber 2004 um 59,2 %. "Wir hatten nie zuvor ein so erfolgreiches Jahr", sagte Konzernchef Lars G. Josefsson und verwies bei der Bilanzvorlage mehrfach auf das hohe deutsche Preisniveau.
Das Betriebsergebnis (ohne Sondereinflüsse) stieg um 28 % auf 24,7 Milliarden Kronen (3 Milliarden Euro). Vattenfall steigerte seinen Umsatz insgesamt um 13,9 % auf 129,2 Milliarden Kronen (13,7 Milliarden Euro). Davon entfielen umgerechnet 7,4 Milliarden Euro auf die deutsche Tochter Vattenfall Europe. Das Betriebsergebnis in Deutschland stieg von 764 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro.
Josefsson betonte, die "europäische Strategie" mit massiver Expansion in Deutschland, Polen sowie zuletzt in Dänemark habe sich "nun voll bezahlt gemacht". Vattenfall hatte im vergangenen Jahr in die traditionellen Namen deutscher Töchter wie Bewag in Berlin oder HEW in Hamburg durch den des Mutterkonzerns ersetzt.
Es sei auch für die kommenden Jahre bei einem weiter steigendem Strompreis mit einem wesentlich höheren Preisniveau in Deutschland als in Skandinavien zu rechnen, sagte Josefsson. Für die von der schwedischen Regierung verfügte Stilllegung des Atomreaktors Barsebäck mußte das rein staatliche Unternehmen 3 Milliarden Kronen bereitstellen.
Die Steigerung des Reingewinns im vierten Quartals um 141 % auf 7 Milliarden Kronen erklärte Josefsson mit "steuerlichen Effekten". Vor allem durch steuerliche "Neuberechnungen" in Deutschland habe man die eigene Steuerquote von 30 auf 22 % gesenkt, hieß es bei der Bilanzvorstellung. [mehr]
R A D I K A L E R P L A NVattenfall macht Schweden reich
Deutsche Tochter steigert den Umsatz um 11 % / Größter Teil des Stroms kommt aus Kohlekraftwerken
Aus: Berliner Morgenpost, 9. Februar 2006, Seite ?? (Wirtschaft) von REINER GATERMANN. [Original]STOCKHOLM (BM). Die vor allem schwedischen Kritiker, die einst gegen das Engagement des staatlichen Energiekonzerns Vattenfall in Deutschland protestierten, sollten sich jetzt verschämt in eine Ecke verdrücken. Schließlich hat sich Schwedens größter und Deutschlands drittgrößter Stromerzeuger nicht nur zu dem bei weitem gewinnträchtigsten Staatsunternehmen entwickelt, zudem kamen im vergangenen Jahr 42 % des Betriebsgewinns, oder umgerechnet 9,77 Mrd. Euro, aus Deutschland.
Dank höherer Strompreise steigerte die deutsche Tochter Vattenfall Europe (Berlin) ihren Umsatz um 11 % auf 11,13 Mrd. Euro. Der Betriebsgewinn für vergleichbare Posten legte um 41,7 % auf 9,77 Mrd. zu, im vierten Quartal waren es sogar plus 47,9 %. Ungewöhnlich stark nahmen die Stromlieferungen der Kernkraftwerke zu, um 22,4 % auf 6 Terrawatt. Der überwiegende Teil des Stroms, 87,5 %, kommt jedoch von der Kohle.
Vattenfall-Kraftwerke wie in Jänschwalde (Brandenburg) tragen erheblich zum Gewinnzuwachs des schwedischen Konzerns bei.
Heißt es in einer Bildlegende in der gedruckten Ausgabe der "Berliner Morgenpost".
Aber das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde trägt auch erheblich zur Umweltbelastung bei. Es liegt auf Platz 5 der umweltschädlichsten Kraftwerke in der EU, wie es der WWF unlängst feststellte.Konzernchef Lars G. Josefsson konnte seine Zufriedenheit kaum verbergen: "Wieder ein Rekordjahr und wir haben sämtliche Ziele erreicht." Dazu zählt in Deutschland die Neuverhandlung etlicher langfristiger Lieferverträge sowie größere Kosteneffizienz, die nun auch dem Bereich Verkauf erstmals schwarze Zahlen brachte. Geplant wurden Investitionen in Höhe von vier bis fünf Mrd. Euro, zudem wurde der Bau einer Pilotanlage für das erste kohlendioxidfreie Kohlekraftwerk beschlossen, die 2008 in Betrieb genommen werden soll.
Josefsson verwies besonders auf den Ersatz der alten Warenmarken HEW und Bewag durch den nunmehr gemeinsamen Namen Vattenfall, was er als "großen Erfolg" beschrieb. Die Belegschaft schrumpfte um 3,2 % auf 20.199 Mitarbeiter.
Die Verdoppelung des Strompreises im vergangenen Jahr begründete der Konzernchef hauptsächlich mit den über Erwarten kräftig gestiegenen Preise für die Co2-Zertifikate, was weitgehend eine Folge des hohen Gaspreises gewesen sei.
Auf seiner Hauptversammlung Anfang März wird Vattenfall Europe den Kauf der letzten 3 % des ihm nicht gehörenden Aktienkapitals beschließen. Für jede noch ausstehende Aktie sollen 38 Euro geboten werden. Dafür wurden 250 Mio. Euro zurück gestellt.
Der Konzernumsatz wuchs 2005 um 13,9 % auf 129,2 Mrd. Schwedenkronen, der Betriebsgewinn lag bei 24,7 Mrd., plus 28 %, und das Nettoergebnis bei 20,5 Mrd. Kronen, plus 114 %, von denen der Staat 5,8 Mrd. an Dividende kassieren wird.
Lars G. Josefsson will, daß Vattenfall weiter expandiert. 2005 wurden Teile des dänischen Elsam-Konzerns erworben, wodurch das Unternehmen größter Windkraft- Produzent des Landes wurde. Trotz erheblicher Investitionen "prüfen wir Möglichkeiten für ein weiteres profitables Wachsen mit dem Ziel, einer der führenden Energieversorger Europas zu werden".
Schweden will sich bis 2020 vom Öl befreien
Schweden will als erstes industrialisiertes Land seine Energieversorgung komplett vom Öl unabhängig machen. Schon im Jahr 2020 will die Regierung in Stockholm das ehrgeizige Ziel erreichen ohne neue Atomkraftwerke zu bauen.
Aus: Spiegel Online 9. Februar 2006, 19.00 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]STOCKHOLM/LONDON (mbe). Erst vergangene Woche hat US-Präsident George W. Bush mit der Feststellung für Schlagzeilen gesorgt, die USA seien "süchtig nach Öl" und müssten ihre Abhängigkeit von Ölimporten aus dem Nahen Osten verringern. Insgesamt ging es da aber nur um eine Reduzierung der gesamten US-Öleinfuhr um etwa 15 %, und diese Lücke will Bush mit einem Ausbau der Kernkraft stopfen.
Schweden plant bei weitem Radikaleres: Das Land will das Öl vollständig aus seiner Wirtschaft verbannen und zwar binnen 14 Jahren und ohne zusätzliche Atomkraftwerke. Wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtet, wird ein Komitee aus Vertretern der Energie- und Autoindustrie sowie der öffentlichen Verwaltung, Wissenschaftlern und Landwirten in einigen Monaten dem schwedischen Parlament einen Bericht vorlegen.
Das Ziel ist nach Angaben der Regierung in Stockholm, alle fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energien zu ersetzen, ehe der Klimawandel verheerende wirtschaftliche Konsequenzen habe und der zunehmende Mangel an Öl die Preise in schwindelerregende Höhen treibe.
"Unsere Abhängigkeit vom Öl sollte bis 2020 gebrochen sein", sagte Mona Sahlin vom Ministerium für nachhaltige Entwicklung dem "Guardian". "Kein Haus sollte dann noch mit Öl geheizt werden und kein Autofahrer ausschließlich Benzin tanken müssen."
Die Abhängigkeit vom Öl sei eines der größten zukünftigen Probleme der Welt. "Ein von fossilen Brennstoffen freies Schweden würde uns enorme Vorteile bringen, nicht zuletzt weil es die Auswirkungen der Ölpreis-Schwankungen dämpfen würde." Seit 1996 habe sich der Weltmarktpreis für Öl verdreifacht.
Die Zeitung zitiert einen Regierungsbeamten mit der Aussage, man wolle "sowohl mental als auch technisch auf eine Welt ohne Öl vorbereitet" sein. Der Plan sei eine Reaktion auf den Klimawandel, die steigenden Rohölpreise und die Warnungen, dass die Ölreserven der Erde schon bald erschöpft sein könnten.
In Schweden hätte ein Ausstieg aus der Ölwirtschaft für den Verkehrssektor die größten Folgen, denn in dem Land werden fossile Brennstoffe vor allem in Transportmitteln eingesetzt. Seine Elektrizität produziert Schweden hauptsächlich mit Atom- und Wasserkraftwerken. Öl macht insgesamt rund 34 % des Gesamtenergieverbrauchs des Neun-Millionen-Volks aus. 1970 waren es noch 77 %.
Nach Informationen des "Guardian" erwartet das schwedische Energieministerium, dass das Öl-Komitee die verstärkte Produktion von Bio-Kraftstoffen mit Hilfe der riesigen Wald- und Landwirtschaftsflächen des Landes empfehlen wird. Auch die Nutzung von Wind- und Wasserkraft könne noch ausgebaut werden. [Öko-Kampagne "What Would Jesus Drive?"]
Gaskunden können schneller wechseln
Führende deutsche Unternehmen wollen Privatkunden bereits zum 1. April den Wechsel zu einem anderen Lieferanten ermöglichen.
Aus: Berliner Morgenpost, 14. Februar 2006, 10.43 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BONN (morgenpost.de). Im Kampf gegen einen rasanten Anstieg der Gaspreise hat das Bundeskartellamt einen Erfolg verbucht: Führende deutsche Gasunternehmen wollen allen Privatkunden bereits zum 1. April den Wechsel zu einem anderen Lieferanten ermöglichen. Dazu verpflichteten sie sich beim Bundeskartellamt, wie die Behörde in Bonn mitteilte.
Das Kartellamt habe daraufhin die Mißbrauchsverfahren wegen des Verdachts überhöhter Endkundenpreise eingestellt. Sie waren nach den drastischen Preisanhebungen seit Herbst 2005 vom Kartellamt Anfang dieses Jahres gegen sieben überregionale Gasunternehmen eingeleitet worden.
Insgesamt verpflichteten sich sieben Gasversorger, gegen die die Verfahren liefen, zu der Öffnung. Dabei handelt es sich um E.ON Thüringer Energie, E.ON Avacon, RWE Westfalen-Weser-Ems, Mitgas, Spreegas, ENTEGA und einen Eigenbetrieb der Thüga. Die Lösung sei noch "kein Anlaß zur Euphorie", sagte Kartellamtspräsident Ulf Böge. Die alternativen Gasversorger müßten auch noch einen freien Zugang zum Netz erhalten. Die besseren Wechselmöglichkeiten sollten sich aber "letztlich auch in einem niedrigeren Preis niederschlagen". [mehr]
Kartellamt erzwingt Marktöffnung
Beim Gas ist Wechseln bald erlaubt. Die privaten Gaskunden sind ab dem 1. April nicht mehr an ihren lokalen Versorger gebunden. Führende deutsche Gasunternehmen ermöglichen auf Druck des Bundeskartellamts den Wechsel zu einem anderen Lieferanten. Endverbraucher könnten dann sparen.
Aus: Handelsblatt, Düsseldorf, 14. Februar 2006, 10.46 Uhr MEZ (Energiewirtschaft). [Original]BONN (HB). Die Gaslieferaten verpflichteten sich beim Bundeskartellamt zu der Marktöffnung, wie Behörde am Dienstag in Bonn mitteilte. Das Kartellamt habe daraufhin die Missbrauchsverfahren wegen des Verdachts überhöhter Endkundenpreise eingestellt. Sie waren nach den drastischen Preisanhebungen Ende 2005 gegen 7 überregionale Gasunternehmen eingeleitet worden. Die Wettbewerbshüter hattten Preisdifferenzen von über 40 Prozent zwischen den günstigsten und den teuersten Anbietern in Deutschland festgestellt.
Die 7 Versorger verpflichteten sich nun ohne Ausnahme zur Öffnung. Dabei handelt es sich um Eon Thüringer Energie, Eon Avacon, RWE Westfalen-Weser-Ems, Mitgas, Spreegas, Entega und einen Eigenbetrieb der Thüga. Dabei könnten Verbraucher einen Vertrag mit dem neuen Gasversorger schließen, der das Gas wiederum vom etablierten örtlichen Versorger übernimmt.
Die Lösung sei noch "kein Anlass zur Euphorie", sagte Kartellamtspräsident Ulf Böge. Die alternativen Gasversorger müssten auch noch einen freien Zugang zum Netz erhalten. Das Modell diene nur als Zwischenlösung bis ein wirksames System in Kraft sei, das Gasversorgern eine Durchleitung durch das Netz örtlicher Firmen bis zum Endkunden ermögliche.
Die Bundesnetzagentur erwartet, dass das endgültige System zum 1. Oktober 2006 an den Start geht. "Bessere Wechselmöglichkeiten sollten sich letztlich auch in einem niedrigeren Preis niederschlagen", prognostizierte Böge.
Der Energiekonzern Eon hatte bereits am Vortag angekündigt, in anderthalb Monaten in den Gebieten seiner Regionalversorger anderen Gasanbietern den Zugang zu den Kunden zu ermöglichen. Nach Angaben des Konzerns hat Eon in dem betroffenen Gebiet 1,1 Mill. Kunden und die Thüga 120.000.
Deutschlands größter überregionaler Versorger Eon Ruhrgas liegt derzeit mit dem Kartellamt im Zwist, das die langfristigen Lieferverträge des Konzerns mit Stadtwerken untersagt hat. Der Streit der unabhängig vom dem um Endkundenverträge ist soll vor Gericht geklärt werden. [mehr]
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