Nahrungsprobleme in den Medien – Teil 19 khd
Stand:  11.1.2010   (9. Ed.)  –  File: Food/in_M/edia_19.html




Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte zum Thema "Nahrung" (food) gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

Auf dieser Doku-Seite ist auch Copyright- geschütztes Material anderer wegen der permanenten Link- und eigenen HTML-Anker- Möglichkeit dokumentiert. Bitte beachten Sie bei kommerzieller Nutzung das Copyright, das bei den jeweiligen (Zeitungs-) Verlagen liegt. Die meisten Links sind redaktionell hinzugefügt worden. Hier sind dokumentiert:

I n h a l t :  [01. Teil]   [02. Teil]   [03. Teil]   [04. Teil]   [05. Teil]   [06. Teil]   [07. Teil]   [08. Teil]   [09. Teil]   [10. Teil]  
[11. Teil]   [12. Teil]   [13. Teil]   [14. Teil]   [15. Teil]   [16. Teil]   [17. Teil]   [18. Teil]   [19. Teil]  
[Translation-Service]  
Zur Leitseite khd-Page


D I E   I N D U S T R I E   I S T   T O T A L   G A G A

Etikettenschwindel beim Essen

Analogkäse, Garnelen aus gepresstem Fischeiweiß, falscher Kochschinken: Die Skandale um Lebensmittelimitate häufen sich. Doch vieles bleibt unentdeckt, weil die Kontrolleure fehlen. Union und Grüne fordern jetzt einen besseren Schutz.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 11. Juli 2009, Seite 1 (Hauptartikel). [Original]

BERLIN (Tsp). Nach den sich häufenden Skandalen um imitierte Lebensmittel will die Union die Verbraucher mit schärferen Gesetzen schützen. Nötig sei eine bessere Kennzeichnungspflicht, die verhindere, dass Verbraucher durch das Beschönigen oder Weglassen von Informationen getäuscht werden, sagte die Verbraucherbeauftragte der Unionsfraktion, Julia Klöckner, dem Tagesspiegel. Sie forderte zudem "eine große Aufklärungskampagne".

Die Verbraucherzentrale Hamburg veröffentlichte am Freitag [10.7.2009] eine Liste von 11 Produkten, die lediglich billige Ersatzstoffe enthalten – darunter gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform, "Schokokekse" ohne Schokolade und ein "Meeresfrüchtecocktail" aus Krebsfleischimitat. Diese Produkte stünden stellvertretend für viele andere Tricksereien im Lebensmittelsektor. Zudem legten die Verbraucherschützer eine zweite Liste mit Fällen vor, in denen Analogkäse verwendet wird. Statt aus Milch besteht dieser aus Pflanzenfett und Eiweiß. Die Käseimitate sind billiger und werden daher gern von Bäckereien und Pizzerien verwendet. Auch in Berlin sind Lebensmitttelkontrolleure in den vergangenen Monaten verstärkt auf solche Käseimitate gestoßen.

Die Skandale scheinen sich zu häufen. Zum Wochenbeginn hatten Kontrolleure in Hessen festgestellt, dass bei rund 68 Prozent aller in der Gastronomie entnommenen Proben kein echter Kochschinken verwendet wurde. Doch viele Fälle bleiben unentdeckt. "In Deutschland fehlen 1200 Lebensmittelkontrolleure", sagte Martin Müller, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, dem Tagesspiegel.

Solange die Hersteller die Zutaten korrekt angeben, halten sie sich an die geltenden Gesetze. Dennoch handle es sich um "totale Verbraucherveräppelung", sagte Klöckner. Bei Imitaten müsse "auch draufstehen, dass es sich um Imitate handelt".

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn warf der Union vor, sie habe "nichts unternommen, um die Verbraucherrechte gegenüber der Ernährungswirtschaft zu stärken". Billige Imitate würden "teilweise bewusst durch appetitliche Bilder und fehlende Kennzeichnung als hochwertige Lebensmittel verkauft", sagte sie dem Tagesspiegel. Um solche Verbrauchertäuschung zu verhindern, seien bessere Kontrollen und eine bessere Kennzeichnungspflicht nötig. Außerdem brauche man ein Verbraucherinformationsgesetz, "das die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen für alle öffentlich zugänglich macht".

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) wollte sich zu der neuen Liste nicht äußern. Eine Sprecherin verwies nur darauf, dass die Politikerin die Gastronomie zu der Selbstverpflichtung aufgefordert habe, keine Imitate mehr anzubieten [Ed: das ist schon wieder Dummquatsch!].

[Zur Liste der Imitat-Produkte]



N E U E S   V O N   D E R   G A G A - I N D U S T R I E

Imitat-Essen – Wie Politik und Industrie vom Betrug ablenken

Statement der unabhängigen Verbraucherorganisation Foodwatch

Aus: foodwatch-Newsletter, Berlin, 17. Juli 2009, 03.16 Uhr MESZ (Aktuelles). [Original]

BERLIN. Wussten Sie schon, dass sich bei Lebensmittelproben die Hälfte der Beanstandungen auf Etikettenschwindel und Mogelpackungen bezieht? Das Jahr für Jahr. Die Behörden und Ministerien wissen also, was los ist. Aber werden Kunden über die Verstöße informiert? Werden Hersteller, Händler und Produkte genannt? Nein. Stattdessen tut Verbraucherministerin Ilse Aigner auch noch so, als seien sie und ihr Ministerium von Imitaten, versteckten Zusatzstoffen und tricksenden Anbietern überrascht und fordert eine schärfere Kennzeichnungspflicht, die das Problem nicht löst. So hagelt es wieder Lippenbekenntnisse von Politikern und verhöhnende Phrasen von Lobbyisten.

Die politische Sommerpause hat begonnen. Deshalb schaffen es jetzt nicht nur Nachrichten über imitierte Lebensmittel auf die Titelseiten, sondern auch Lobbyisten und ihre ewig gleichen Ausreden und Appelle. Etwa der Chef-Lobbyist der deutschen Ernährungsbranche, Matthias Horst vom deutschen Spitzenverband. In einem aktuellen Spiegel-Interview gibt Horst zu verstehen, wer an der Misere eine Mitschuld trägt: "Wenn man immer billiger essen will, dann kann man nicht erwarten, immer etwas ganz Besonderes zu bekommen."

Aha, echter Käse ist also mittlerweile etwas "ganz Besonderes". Der Kunde ist demnach auch noch selbst schuld, wenn der Pizza-Bäcker das Imitat auf den Teig packt. Horst weiß auch ganz genau, was gegen den Betrug hilft: "Gucken Sie genauer und häufiger hin", rät er dem Verbraucher. Der Kunde ist also selbst der Depp, wenn er auf den Bluff reinfällt.

Wohl in keiner anderen Branche wird bei Betrug so schnell von den Betrügern auf die Betrogenen abgelenkt. Außerdem würden die meisten Vergehen, so Horst, aus Unwissenheit geschehen. Kann es denn sein, dass sich eine ansonsten unbescholtene Branche von einigen Tricksern, Lügnern und Betrügern in Misskredit bringens läßt?

Wohl kaum. Denn der Etikettenschwindel ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Das ist der ganz normale Wahnsinn im Supermarkt. Etiketten lügen wie gedruckt, heißt es auf abgespeist.de. Hersteller täuschen durch Bilder, Begriffe und Werbebotschaften. Neben Mogel-Schinken und Analog-Käse gibt es eine Palette von Produkten, bei denen die Lücke zwischen Schein und Sein weit auseinander klafft. Permanent werden Mehrwerte versprochen, Qualität vorgegaukelt und dem Verbraucher dabei das Geld aus der Tasche gezogen.

Solange Ämter lieber anonyme Statistiken führen, als Betrüger beim Namen zu nennen, nutzen auch schärfere Kennzeichnungsregeln nichts. Foodwatch fordert daher die Veröffentlichung aller Lebensmittelkontrollen nach dänischem Vorbild. Damit der Kunde selbst entscheiden kann, ob er sich betrügen lässt oder einem ehrlichen Anbieter sein Geld gibt. Unterstützen Sie die Smiley-Mitmach-Aktion mit Ihrer Unterschrift.

[Zur Liste der Imitat-Produkte]



E R N Ä H R U N G S I N D U S T R I E

Die Geschmacksillusion

Die jüngsten Skandale um Analogkäse und Glibberschinken zeigen: Der Verbraucher wird systematisch getäuscht. Viele Produkte haben mit ursprünglichen Nahrungsmitteln kaum noch etwas zu tun. Das beweist auch die gerade eröffnete weltgrößte Branchenmesse Anuga in Köln..

Hinweis auf: Der Spiegel – 42/2009, 12. Oktober 2009, Seite 72–77 (Wirtschaft) von NILS KLAWITTER. [Original suchen]

[ Zur Grafik des Anwachsens des Aromastoff-Umsatzes ]



W I E   A N B I E T E R   T R I C K S E N

Verbrauchertäuschung à la carte

Käse ohne Milch, Zitronenkuchen ohne Zitronen – wie Kunden abgespeist werden.

Hinweis auf:
Der Tagesspiegel, Berlin, 11. Januar 2010, Seite 16 (Wirtschaft). [Zum Artikel]



Rubriken dieser ersten deutschen Internet-Seiten, die sich kritisch mit Lebensmitteln befassen (1993 gestartet)
  • Nahrung (Food-Leitseite)
  • Kulinarisches (Rezepte)
  • Fine Food (Spezialitäten)
  • Lebensmittel-Skandale (Übersicht)
  • Skandale pt.1 pt.2 pt.3
  • Skandale pt.4
  • Acrylamid
  • Dioxine
  • Nitrofen
  • BSE-Page (u. a. Gifte)
  • Forderungen von 1989
  • Food in den Medien (Start)
  • Zur Site-map des »khd-research.net«


    Zur Leitseite
     

    © 2009-2010  –  Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 03.02.2010 08.35 Uhr