Auszug aus: Homepage des Bezirksamts des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf,
Dezember 2003.
Die webgerechten Zwischentitel, Abbildungen, Links und Anmerkungen [Ed: ...] sind hier
redaktionell zugefügt worden.
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Original]
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Plan von 1932 zum Spaziergang]
Der Stadtteil Halensee ist kein offizieller Ortsteil. Halensee hat auch keine eigene Geschichte
als selbständige Gemeinde wie zum Beispiel Schmargendorf oder Grunewald. Die Bezeichnung Halensee
für die Gegend rund um das westliche Ende des Kurfürstendammes ist entstanden, als der
Kurfürstendamm seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts ausgebaut wurde. Natürlich stammt
der Name von dem nahegelegenen Halensee. Dieser See wiederum gehört überwiegend zur
Villenkolonie Grunewald, nicht zum Stadtteil Halensee.
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Ein Stadtplan-Ausschnitt von 1932 zu diesem informativen Kiezspaziergang von 2002.
1 = Hubertusallee.
2 = Humboldtstraße.
3 = Güterbahnhof Halensee.
4 = Trabener Straße.
[Plan von Gesamt-Halensee]
(Repro: 2007 khd) |
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Der Kurfürstendamm wird geplant |
Der Kurfürstendamm wurde als Knüppeldamm angelegt, als 1542 das Jagdschloss Grunewald gebaut
wurde. Er diente den kurfürstlichen Reitern als Verbindungsweg vom Berliner Schloss über die
Linden durch den Tiergarten in den Grunewald.
Am 5. Februar 1873 schrieb der damalige Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck an den Geheimen
Kabinettsrat von Wilmowski:
Die Straße am Kurfürstendamm wird nach den jetzt bestehenden Absichten viel zu eng
werden, da dieselbe voraussichtlich ein Hauptspazierweg für Wagen und Reiter werden wird. Denkt man
sich Berlin so wie bisher wachsend, so wird es die doppelte Volkszahl noch schneller erreichen, als Paris
von 800.000 Einwohnern auf 2.000.000 gestiegen ist. Dann würde der Grunewald etwa für Berlin
das Bois de Boulogne und die Hauptader des Vergnügungsverkehrs dorthin mit einer Breite wie die der
Elysäischen Felder durchaus nicht zu groß bemessen sein.
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Erst eine ‚Public-Private-Partnership‘ macht’s möglch |
1875 wurde die zukünftige Breite des Kurfürstendammes per Kabinettsordre auf 53 Meter festgelegt.
Das ist zwar nur knapp halb so breit wie die Champs-Elysées, aber es wurde dann beim Ausbau
der Straße präzise eingehalten. Bismarck legte besonderen Wert darauf, dass in der Mitte ein
Reitweg erhalten blieb.
Der Ausbau scheiterte zunächst an den fehlenden Finanzen. Schließlich wurde ein
Unternehmens-Konsortium gebildet, die Kurfürstendamm-Gesellschaft. Sie erhielt 234 Hektar Grunewald
zum Ausbau einer Villenkolonie als Gegenleistung für den Ausbau des Knüppeldamms zum
Boulevard.
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Und dann kann der Kurfürstendamm gebaut werden |
Seit 1883 wurde der Kurfürstendamm auf 53 Meter Breite ausgebaut, am 5.5.1886 wurde die
Dampfstraßenbahnlinie Zoo-Kurfürstendamm-Grunewald eröffnet. Weil sie direkt neben dem
Reitweg entlang fuhr, musste sie pferdefreundlich leise sein. Bismarck persönlich hatte sich davon
überzeugt.
1889 wurde dann am Ende des Kurfürstendammes die Villenkolonie Grunewald angelegt. Am
Kurfürstendamm entlang waren zwar auch schon einige Villen entstanden. Diese mussten aber fast alle
wieder abgerissen werden, weil jetzt, am Ende des 19. Jahrhunderts große Miethäuser gebaut
wurden.
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Fontane beschreibt Halensee |
Wie es am Ende des 19. Jahrhunderts hier aussah, das hat Theodor Fontane sehr schön beschrieben.
Er veröffentlichte 1891 seinen Roman Jenny Treibel. Hier spielt das gerade
eröffnete Wirtshaus am Halensee eine wichtige Rolle als Ziel einer Landpartie. Für
Corinna, die Tochter des Professors Schmidt, die mit Leopold, dem Sohn der Kommerzienratsfamilie Treibel,
eine gemeinsame Zukunft plant, klingt ein Nachmittag in Halensee fast so poetisch wie 4 Wochen auf
Capri. (...)
Fontane beschreibt zunächst die Verkehrsmittel, mit denen die Ausflügler anreisen, und dann die
Landschaft aus der Turmperspektive:
Und wirklich, um 4 Uhr war alles versammelt, oder doch fast alles. Alte und junge Treibels,
desgleichen die Felgentreus, hatten sich in eigenen Equipagen eingefunden, während Krola (...) aus
nicht aufgeklärten Gründen die neue Dampfbahn, Corinna aber (...) die Stadtbahn benutzt hatte.
Von den Treibels fehlte nur Leopold. (...)
Sehen Sie, Schmidt, wenn ich Leopold Treibel wäre (...), so hätte mich doch kein Deubel davon
abgehalten, hier heute hoch zu Roß vorzureiten, und hätte mich graziös (...) aus dem
Sattel geschwungen. (...) Und nun sehen Sie sich den Jungen an. Kommt er nicht an, als ob er hingerichtet
werden sollte? Denn das ist ja gar keine Droschke, das ist ein Karren, eine Schleife.
Nun, liebe Freunde, nahm Treibel das Wort, alles nach der Ordnung. Erste Frage, wo
bringen wir uns unter? Wir haben verschiedens zur Wahl. Bleiben wir hier Parterre, (...) oder
rücken wir auf die benachbarte Veranda hinauf. (...) Oder endlich, (...) sind Sie für
Turmbesteigung und treibt es Sie, diese Wunderwelt, in der keines Menschen Auge bisher einen frischen
Grashalm entdecken konnte, treibt es Sie, sage ich dieses von Spargelbeeten und Eisenbahndämmen
durchsetzte Wüstenpanorama zu Ihren Füßen ausgebreitet zu sehen?
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Ein Vergnügungsviertel entsteht |
1904 wurden aus dem Wirtshaus am Halensee die Terrassen am Halensee, 1910 dann
der
Luna-Park. Es war ein riesiger
Vergnügungspark. Sein Lärm war in ganz Halensee zu hören. Zeitweise gab es an jedem
Abend zum Abschluss ein großes Feuerwerk. Der
Eingang befand sich unweit des heutigen
Rathenauplatzes. 1935 musste der Luna-Park einem Autobahnzubringer [Ed: hm, das ist die
Halenseestraße] Richtung Olympiastadion weichen.
Der Bahnhof Halensee wurde 1877 als Bahnhof Grunewald, eröffnet, 1884 in Bahnhof
Halensee, umbenannt, 1894 weiter östlich an die heutige Stelle verlegt und umgebaut. 1960 wurde
ein Neubau im Pavillonstil errichtet. Bald nach dem Mauerbau [1961] wurde der Bahnhof stillgelegt. 1985
eröffnet Opel Hesse in dem Pavillon einen Autosalon. 1993 hat die Bahn beschlossen, den Bahnhof
ohne Empfangshalle zu betreiben und das Gebäude abgerissen.
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West-Berlin braucht Bauplatz |
Kurz vor der Maueröffnung wurde 1988 überlegt, das Bahngelände hier in Halensee zu
überbauen. Der Halenseegraben sollte mit einer Art Deckel versehen werden, auf dem dann 1.400
Wohnungen entstehen sollten. 1,5 Milliarden DM hat man damals für eine solche Baumaßnahme
kalkuliert. West-Berlin konnte sich nicht in die Fläche ausdehnen. Deshalb suchte man solche
Möglichkeiten, zusätzliche Baumöglichkeiten zu schaffen. Mit der Wende wurden diese
Pläne zu den Akten gelegt.
[Komplette Beschreibung des Kiezspazierganges]
(aber ohne Fotos, Links und Anker)
[Zur Geschichte Halensees]