Grunewald (Berlin)   —  Dies & Das – Teil 1 khd
Stand:  8.7.2008   (59. Ed.)  –  File: Heimat/B/Ex/Grunewald_Dies&Das_01.html



Grunewald Diese Seite ist Teil eines größeren Berlin-Reports, der sich mit dem Ortsteil Grunewald beschäftigt. Es verblüffte schon: Internet-Recherchen ergaben im Winter 2006/07, daß im Weltnetz so furchtbar wenig (heimatkundliche) Texte und Fotos über Grunewald verewigt sind. Manches kleine Dorf hat im Internet mehr zu bieten. Mit diesen Seiten soll nun dieses Defizit wenigstens etwas abgebaut werden.

   
  G r u n e w a l d
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.
 
Auf den „Dies & Das“-Seiten sollen nach und nach einige kleine Geschichten, Begebenheiten, Erinnerungen sowie erläuternde Hinweise zum Berliner Ortsteil Grunewald dokumentiert werden. Die Beiträge stammen aus verschiedenen Quellen, die jeweils angegeben sind. [Translation-Service]

I n d e x :


Grunewald — Die 3 Schulen


In der Kolonie Grunewald wurden um 1900 drei Schulen eingerichtet, die noch heute existieren:


Grunewald — Kleine Geschichte(n)


Damit dank der permanenten Internet-Archivierung auch Kleinigkeiten nicht in Vergessenheit geraten, gibt es diese Rubrik:

I n h a l t :



Grunewald — Cafés und Restaurants am oberen Kurfürstendamm


Café Engadin

[Ed: Das Café Engadin befand sich bis 1961 im Eckhaus Kurfürstendamm / Bornimerstraße]

Aus: Die alte Schule – Nr. 56 – Mitteilungen der Vereinigung ehemaliger Schüler der Walther-Rathenau-Schule (Grunewald-Gymnasium), Juni 1961, Seite 28–30 (Grunewald) von FRIEDRICH WILHELM NEUMANN (Abitur-Jahrgang 1934). Links und Anmerkungen [Ed: ...] sind hier redaktionell zugefügt worden.

      Vor wenigen Wochen hat eines der letzten altbekannten Halenseer Lokale seine Pforte geschlossen, das Restaurant und Café Engadin. Die Betriebseinstellung einer Gaststätte ist zwar an sich nichts Besonderes, zumal wir alle gegen das Untergehen des Bestehenden irgendwie abgehärtet sind und der Krieg allein vielen altvertrauten Gebäuden und Räumen ein jähes Ende gesetzt hat. Dennoch ist das Verschwinden eines Unternehmens, das einem seit der Kindheit bekannt ist und so viele schwere Zeiten seit seinem Bestehen überwunden hat, das aus einer alten ruhigen Zeit sich in konservativer Weise bis in unsere Tage gerettet hatte, etwas Bemerkenswertes.

      Hinzukommt, daß für die meisten derjenigen Ehemaligen, die nicht den Vorzug hatten, bei der Auswahl ihrer Eltern so vorsichtig vorzugehen, daß sie sich inmitten der feudalen Kolonie Grunewald vom Klapperstorch abliefern ließen, und deshalb von den alten Grunewaldern geringschätzig als Vorgartenzwerge ihrer Kolonie angesprochen wurden, das „Engadin“ zumindest als markanter Punkt auf dem Schulweg über den Kurfürstendamm bekannt sein wird.

      Noch zu meiner Schulzeit nahm der Kurfürstendamm auf dem Wege von der Halenseebrucke zur Schule sogleich hinter der Brücke einen stark veränderten Charakter an nd leitete in das Weichbild der Stadt über. Wenn man auf seiner rechten, der Sonnenseite ging, kam man noch an verschiedenen Gartenlokalen vorbei. Zunächst am Kurfürsten-Park, in dem voran ein Pavillon mit einer Bar der Firma „Feier-Meyer“, und hinten ein Orchesterpavillon sowie verschiedene Schaubuden standen.

      Im Tanzsaale des Hauptgebäudes hatte allerdings schon ein Kino, zunächst unter dem Namen „Kurfürstenpark-Lichtspiele“, abgekürzt KuParkkintopp, später Rivoli seinen Einzug gehalten. Hinter dem Kurfürsten-Park kam ein kleines, schmales Gartenlokal, und sodann zur Ecke Kurfürstendamm/Bornimer Straße wiederum ein größeres, das ursprünglich den Namen „Kaiser-Wilhelm-Garten“ und nach dem ersten Weltkrieg „Rote Mühle“ führte.

      Im Hauptgebäude, in dem bis etwa 1925 allabendlich Tanz war, wurde sodann ebenfalls ein Kino, die „Rote Mühle“ eingerichtet. Viele Ehemalige werden sich noch gern der Jugendvorstellungen dieser beiden Kinos erinnern. Der Krieg hat alle diese Unternehmen zerstört.

      Heute steht ein großer Wohnhausblock auf dem gesamten Gelände. Nichts ist wiederzuerkennen [Ed: aber es sollte in den 1990er-Jahren noch schlimmer kommen]. Die gegenüberliegende Ecke, Bornimer Straße/Kurfürstendamm hingegen ist unverändert durch die Jahrzehnte gekommen, hier liegt das „Engadin“. Es war nach Errichtung des Hauses, etwa seit 1905 zunächst ein Filiallokal der Firma Aschinger, die aber alsbald die Bewirtschaftung der „Terrassen am Halensee“, des späteren „Luna-Parks“ übernahm. Das Ecklokal hieß alsdann „Café Luna“ und wurde oft von den aus dem Lunapark zurückkehrenden Gästen aufgesucht.

      Der Ausbruch des ersten Weltkrieges bereitete dem Café Luna, wie den Terrassen, ein jähes Ende. In das Café zog eine Militärdienststelle ein. Nach dem Kriege meldeten sich verschiedene Interessenten für das Café, u. a. ein Schweizer, der ihm den Namen "Engadin" gab, den Betrieb aber nicht aufnahm. Erst die letzte Inhaberin, Gertrud Schlie eröffnete es im Jahre 1919, erweiterte es wieder auf Restaurantbetrieb und führte es nun 42 Jahre lang mit gleichbleibendem Geschick und gleichbleibender Liebenswürdigkeit auch in schwersten Tagen. Späterhin wurde dem Lokal noch ein Verkauf von Back- und Kolonialwaren angeschlossen.

      Viele werden sich noch an den langgestreckten Raum des Lokals mit den großen Fensterscheiben, den gemütlichen Fensterplätzen, der Nische in der Mitte, in der früher eine kleine Kapelle namens Joost spielte, erinnern, an das Buffet, am hinteren Ende des Lokals, an dem die Inhaberin residierte und von dem viele Jahrzehnte der Oberkellner namens Prause Speisen und Getränke brachte, sowie an den Vorgarten mit Marmortischchen und Gartenstühlen, von dem allerdings die Verkehrsnotwendigkeiten in den letzten Jahren immer ein Stückchen abknabberten.

      Unser Engadin ist nun ebenso verschwunden wie die auf der gegenüberliegenden Seite des Kurfürstendamms gelegen gewesenen Lokale „Molkenthin“, „Café Telschow“, „Mampestuben“ sowie „Hobrechteck“, die sämtlich der Krieg zerstört hat.

      Die Inhaberin hat sich nun in das Privatleben zurückgezogen, des Dankes vieler Gäste, und sicher auch Ehemaliger gewiß. Das Lokal wird nach völligem Umbau als Speiselokal und Spezialausschank der Dortmunder Union-Brauerei wieder eröffnet werden.

Friedrich Wilhelm Neumann (34)


Grunewald — Freigelände zwischen Bismarckplatz und Koenigsallee


Nazis vertreiben Tennis-Club

[Ed: Behandelt wird hier das Gelände zwischen Caspar-Theyß-Straße, Koenigsallee und Schinkelstraße, wo heute (2000) das Umweltbundesamt residiert]

Aus: Die alte Schule – Nr. 80 – Mitteilungen der Vereinigung ehemaliger Schüler der Walther-Rathenau-Schule (Grunewald-Gymnasium), Dezember 1973, Seite 30 (Grunewald) von FRIEDRICH HARTIG (Abitur-Jahrgang 1947). Links und Anmerkungen [Ed: ...] sind hier redaktionell zugefügt worden.

      In der Mai-Ausgabe [Ed: „Die Alte Schule“ Nr. 79] schreibt Neumann (34) unter der Überschrift „Grunewald 73“ über den Gebäudekomplex Schinkelstraße – Königsallee — Caspar — Theiss-Straße gegenüber der alten Schule. Wenn Neumann die Symbolik der Nutzung des Gebäudes durch den damaligen „Reichsarbeitsdienst“ [RAD] just vis a vis Wilhelm Vilmars [damaliger Direktor des Grunewald-Gymnasiums] liberaler und einen so völlig anderen Geist atmender Schule anspricht, so mag als Ergänzung noch folgendes von Interesse sein:

      Das gesamte Areal war bis 1930 unbebaut und eine mit Bäumen und Büschen bestandene Wüstenei, im Eigentum der Stadt Berlin stehend. Die Stadt trat an meinen Vater, den Dipl.- Sportlehrer Fritz Hartig, der damals auch ein Sportgeschäft besaß und Dozent an der Hochschule für Leibesübungen war, heran mit der Frage, ob er nicht auf dem Grundstück eine private Tennisanlage errichten wolle. Vilmar redete meinem Vater (ich glaube sie waren Regimentskameraden) gut zu und so wurden u. a. alle Grunewalder Bürger im Februar 1931 in die Aula des Grunewald-Gymnasiums zu einer Interessentenversammlung eingeladen.

      Dies wurde die Gründungsversammlung des heute noch in Blüte stehenden Grunewald Tennis Club e. V., der jetzt auf eigenem Grundstück am Flinsberger Platz domiziliert und jedem tennisinteressierten Berliner ein Begriff ist. Der Klub fand begeisterten Zuspruch zumal er sich als eine Grunewalder Einrichtung verstand. Es wurde immer eine enge Zusammenarbeit mit der Schule, sei es im Sommer beim Tennis, sei es im Winter auf der Eisbahn, gepflegt. Eine Verbindung übrigens die auch heute noch wie eh und je besteht.

      Im Herbst 1935 kam ein jähes Ende. Der Reichsarbeitsdienst [RAD] kaprizierte sich genau auf dieses Gelände zur Errichtung seiner Hauptverwaltung. Als mein Vater auf den noch Jahre laufenden Pachtvertrag verwies und die geringe Abfindung für seine erheblichen Investitionen monierte, wurde ihm von höherer Stelle bedeutet, daß er sich beim Führer beschweren könne, einer solchen Beschwerde könne man jedoch keinerlei Erfolgsaussichten einräumen. So kamen die 16 Tennisplätze und das schmucke Klubhaus unter die Planierraupe.

      Der Klub fand zum Glück im folgenden Jahr ein neues Grundstück am nicht so weit entfernten Flinsberger Platz und jetzt wurde der Klub auch eine Schmargendorfer Institution mit engen Beziehungen zum nunmehr näheren Kleist-Gymnasium.

Friedrich Hartig (47)


Grunewald — Straßen-Umbenennungen


Für manche Recherchen ist es wichtig, die früheren Namen von Straßen zu kennen. In der folgenden Liste sind die Namen der Straßen aus der Kolonie Grunewald aufgeführt, die heute nicht mehr ihren Original-Namen tragen. (xxx = das folgt demnächst). [Plan von 1932] [Plan von 2000]

Heutiger Name Früherer Name Anm.
  • Auerbacher Straße (ab 1938)
  • Auerbachstraße (bis 1938)
  • 8
  • Dünkelbergsteig (ab 1938)
  • Morgenrothstraße
  • 8
  • Friedenthalpark (ab 1997)
  • Halenseepark
  • 6
  • Furtwängler Straße (ab 1955)
  • Beymestraße *
  • 10
  • Gillweg
  • Gillstraße
  • 4
  • Gottfried-von-Cramm-Weg (seit 1983)
  • Oberhaardter Weg
  •  
  • Hagenplatz (seit 1934)
  • Kurmärker Platz
  •  
  • Hubertusallee   7)
  • Bismarckallee
  •  
  • Hubertusallee   9)
  • Hubertusbader Straße
  •  
  • Josef-Joachim-Platz (seit 1967)
  • Den gab es früher nicht.
  • 1
  • Lassenstraße
  • Siemenstraße
  • 5
  • Leo Blech Platz
  • Menzel Platz
  •  
  • Oberhaardter Weg (ab 1939)
  • Joseph-Joachim-Straße
  • 8
  • Rathenau Platz
  • Den gab es früher nicht.
  • 1
  • Richard-Strauss-Straße
  • Jagowstraße
  •  
  • Schellendorfstraße (ab 1938)
  • Friedenthalstraße
  • 8
  • Schwarzbacher Straße
  • Friedrichsruher Straße
  • 3
  • Seebergsteig (ab 1936)
  • Duncker Straße
  • 8
  • Storckwinkel
  • Hobrechtstraße
  • 2
  • Taubertstraße
  • Rathenau-Allee
  •  
  • Toni-Lessler-Straße (ab 1.9.2003) *
  • Seebergsteig (ab 1936)
  •  
    Bitte Fehler, fehlende Straßennamen und Links per E-Mail mitteilen.
      1)  Das war früher nur eine einfache Straßenkreuzung.
      2)  Der vordere Teil am Kurfürstendamm war früher Teil der durchgehenden Humboldtstraße.
      3)  Die Friedrichsruherstraße ging früher bis zum Kurfürstendamm.
      4)  Die von der Hubertusallee zur Wangenheim Straße durchgehende Gillstraße wurde Opfer des Autobahnbaus.
      5)  Die Erinnerung sagte, sie hieß früher Siemensstraße, was richtig war.
      6)  Für die Grunewalder wird es wohl beim eingeführten Namen „Halenseepark“ bleiben.
      7)  Nur der Teil zwischen dem heutigen Rathenau-Platz und dem heutigen Bismarck-Platz. *
      8)  Straßenumbennung erfolgte durch die Nazis.
      9)  Das Stück zwischen Hubertus-Sportplatz und dem Abzweig der Teplitzer Straße (heute Josef-Joachim-Platz).
    10)  Umbennennung erfolgte im Februar 1955 zu Ehren des Dirigenten Furtwängler, da es im Bezirk Steglitz noch eine Beymestraße gibt.


    Grunewald — Protest gegen Bau-Wildwuchs


    Grunewald-Bewohner kämpfen gegen die Zerstörung ihrer Villen-Kolonie

    [Ed: Merke: Sobald der feste politische Wille da ist, den Bau-Wildwuchs energisch zu verhindern, dann ist das auch immer mit unserem seit den 1970er-Jahren erreichten Stand des Baurechts zu verhindern — aber meist hapert es aus partei-ideologischen Gründen (bei SPD + CDU + FDP) an diesem Willen. . . ]

    Aus: Die alte Schule – Nr. 116 – Mitteilungen der Vereinigung ehemaliger Schüler der Walther-Rathenau-Schule (Grunewald-Gymnasium), Dezember 1991, Seite 17 (Grunewald). Links und Anmerkungen [Ed: ...] sind hier redaktionell zugefügt worden.

          Die Berliner Morgenpost berichtete im Oktober 1991. Hintergrund, so die Pastorin Dr. Frisch, die seit 18 Jahren in der Kirchengemeinde Grunewald tätig ist: Wenn in der Villenkolonie Grunewald so weiter gebaut wird, erkennen wir sie in 10 Jahren nicht mehr wieder. Dachgeschoßausbauten und Aufbauten, Gewerbe- Zweckentfremdung und Luxusmodernisierung bedrohen den Bestand der Villenkolonie. Am 22.10.1991 fand ein Podiumsgespräch im Gemeindehaus Furtwänglerstraße (früher Beymestraße) statt, zu der eine Interessensgemeinschaft der Grunewald- Bewohner eingeladen hatte.

          Zwar wird das Bauamt im Rathaus Wilmersdorf Umwandlungsanträge von Wohnräumen in Gewerberäume rigide überprüfen, aber die Praxis beweist, daß sich über Teilanträge das gewünschte Ziel erreichen läßt. Die den Behörden zustehenden Überprüfungsverfahren können sich über 4 1/2 Jahre hinziehen, die Bußgelder von maximal 10–20.000 DM können – bei Gewerbemieten von bis zu 100 DM je qm – aus der Portokasse bezahlt werden. Der Stadtentwicklungssenator Dr. Hassemer kündigte eine Verschärfung des Denkmalschutzes zum Erhalt der Kolonie an, es wird über ein Mittel des Milieuschutzes nachgedacht [Ed: und warum wurde nicht schon längst der Weg über neue oder ergänzende (Text-) Bebauungspläne gegangen?].


    Grunewald — Verlagertes


    Um hier Platz zu gewinnen, sind inzwischen auf Extra-Seiten umgezogen:




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