Deutschland (Germany)  —  Die Wirtschaft – Teil 1 khd
Stand:  2.7.2007   (17. Ed.)  –  File: Heimat/D/Deutsche_Wirtschaft_01.html


Germany Diese Seite ist Teil eines Deutschland-Reports. Nach dem 2. Weltkrieg lag 1945 Deutschlandsa Wirtschaft total danieder. Erst mit Hilfe des amerikanischen Marshallplans, der Einführung der D-Mark sowie der sozialen Marktwirtschaft durch Ludwig Erhard kam die Wirtschaft um 1950 langsam wieder auf die Beine. Es folgte dann das ‚Wirtschaftswunder‘ der 50er-Jahre.

Seit dem 1. Ölpreis-Schock Anfang der 70er-Jahren stottert aber der deutsche Wirtschaftsmotor. Die Zahl der Arbeitslosen stieg kontinuierlich an und erreichte im Februar 2005 mit 5,21 Mio. einen Rekordwert. Zwar blieb Deutschland mit Mittelmaß- Technik (OldTech) Export-Weltmeister, versäumte aber seit etwa 1980 in wegweisende Technologien zu investieren. Und so entstand eine fatale Technologie- Lücke.

Auf dieser Seite werden zur wirtschaftlichen Entwicklung einige orientierende Artikel und Texte anderer dokumentiert und manches auch mit [Ed: ...] kommentiert.

I n h a l t :   [1. Teil]   [Translation-Service]  


Deutschlands Wirtschaft – Orientierendes




I N S O L V E N Z E N

Ökonom Pohl sieht Deutschland AG am Ende

Nach Einschätzung des Wirtschaftsforschers Rüdiger Pohl sind aktuelle Insolvenzfälle wie Holzmann, Herlitz, Fairchild Dornier und möglicherweise auch Kirch auf einen gefährlichen Mangel an Kapitalreserven zurückzuführen. Verantwortlich dafür seien nicht zuletzt Banken und Politik.

Aus: Spiegel Online – 4. April 2002, 19.29 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

HALLE. Pohl, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, schrieb in einem Beitrag für die "Mitteldeutsche Zeitung", die zunehmenden Insolvenzen seien ein untrügliches Zeichen für das Ende der so genannten Deutschland AG.

Unter Deutschland AG verstehe man ein Netzwerk von Banken, Politikern und Industrie, das unter dem Beifall der Gewerkschaften dafür gesorgt habe, dass Großunternehmen nicht Pleite gehen. "Die Ziele sind ehrenwert (Arbeitsplätze retten), eigennützig (Kapitalverluste vermeiden) und anrüchig (ausländische Interessenten von strauchelnden Unternehmen fern halten). Das funktionierte lange gut, jetzt aber nicht mehr."

Die Banken müssten sich dem weltweiten Wettbewerb stellen und könnten es sich nicht mehr leisten, über Kredite Unternehmensrisiken mitzutragen, die die Unternehmen eigentlich mit Eigenkapital abdecken müssten. "Doch am Eigenkapital mangelt es der Wirtschaft. Stattdessen dominiert der Bankkredit." Man könne die Banken schelten, dass sie schlingernden Unternehmen den Kredithahn absperren. "Aber ihnen bleibt kaum etwas anderes übrig, wenn sie nicht selbst unter Ertragsdruck geraten wollen", so Pohl.

Pohl forderte zudem die Politik auf, ihre Rolle in der Deutschland AG zu überdenken. "Natürlich spielen Politiker gerne den Unternehmensretter. Die großen Insolvenzen unserer Tage zeigen, wohin dies führt. Die Politik hilft (übrigens mit Steuergeldern) häufig gerade den Unternehmen, für die kein privater Investor einen Euro hergibt, weil die Risiken untragbar erscheinen." Springe der Staat ein, kaufe er die "schlechten Risiken". Am Ende gingen die Arbeitsplätze doch verloren, und das Steuergeld versickere. Statt sich bei den Absteigern der Wirtschaft zu engagieren, sollte staatliche Wirtschaftspolitik lieber für mehr Dynamik im Ganzen sorgen, schrieb Pohl. [Deutsche Groß-Pleiten]



N I C H T   D I E   L O H N N E B E N K O S T E N

Deutschland leidet an einer ‚Technologielücke‘

Der ausufernde Sozialstaat soll ein Hauptgrund für die anhaltende Stagnation in Deutschland sein. Das eigentliche Problem sind aber zu geringe Investitionen in Technologie, sagte Wirtschaftsprofessor Aiginger der Netzeitung.

Aus: Netzeitung, Berlin, 13. November 2003, 8.16 Uhr MEZ (Wirtschaft). Das Gespräch führte LARS BORCHERT. [Original]

Die deutsche Wirtschaft stagniert das dritte Jahr in Folge. Wirtschaftsvertreter und führende Politiker geben vor allem hohen Lohnkosten und überregulierten Märkten die Schuld am geringen Wachstum und versuchen ihr Glück in Strukturreformen. Dagegen verweist Professor Karl Aiginger vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung auf die mangelnden Investitionen in den Hochtechnologie-Bereich – und die so entstandene ‚Technlogielücke‘.

Netzeitung: Angesichts der schwachen Wirtschaftslage spricht ganz Deutschland über zu hohe Lohnnebenkosten und die Überregulierung der Märkte. Wovon ist Ihrer Auffassung nach das Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik primär abhängig?

Aiginger: Das Wachstum einer Volkswirtschaft wie Deutschland hängt ganz besonders von ihren Investitionen in die Zukunft ab – gemeint sind Ausbildung, Forschung und die rasche Umsetzung neuer Technologien.

Netzeitung: Wo sehen Sie unter diesem Gesichtspunkt die Ursachen der deutschen Wachstumsschwäche?

Aiginger: Deutschland hat schon mindestens 20 Jahre das Problem, sich hauptsächlich auf die sogenannten mittleren Technologien zu konzentrieren. Technologien, die auf Mechanik und Elektronik beruhen. Als das Land mit den höchsten Löhnen hat Deutschland nur im Bereich dieser Technologien den Grad der höchsten Wettbewerbsfähigkeit erreicht. Damit ist es aber nicht auf das oberste Technologiesegment wie Informations- und Biotechnologie spezialisiert. Das ist schon vor 15 Jahren analysiert worden, wurde aber immer wieder verdeckt, weil Deutschland eine sehr gute Handelsbilanz vorweisen kann und sehr starke Positionen in der Auto-, Maschinen- und Chemieindustrie hat.

Netzeitung: Aber Deutschland kann doch einige weltweit führende Unternehmen des obersten Technologie-Segments vorweisen.

Aiginger: Das ist schon richtig, dennoch sind es zu wenige. Das lässt sich eindeutig an den Indikatoren wie den Anteilen an der Informationstechnologie (IT) und der Produktion messen – und der ist deutlich niedriger als in anderen europäischen Ländern und in den USA.

Netzeitung: Wo genau sehen Sie dann Deutschland im internationalen Vergleich?

Aiginger: Im vorderen Mittelfeld. Es ist sicherlich nicht bei den ersten drei dabei, eher knapp vor der Mitte. Führend sind – gemessen an den Forschungs- und Entwicklungsausgaben – Schweden und Finnland. Deutschland liegt bei der Forschungsquote an dritter oder vierter Stelle, war hier aber 1980 noch führend. Ein relativ großer Teil der Forschungsgelder fließt wiederum nicht in die neuen Technologien, sondern ist traditionell aufgeteilt. Deutschland bewertet sich selbst oft besser, da es einen großen Anteil an der IT-Produktion einnimmt. Aber im höchsten Technologiesegment verliert das Land laufend an Konkurrenzfähigkeit.

Ich habe 3 Arten von Zukunftsinvestitionen zusammengestellt. Sie basieren auf den Ausgaben einer Ökonomie in Ausbildung, Forschung und die Verbreitung der Informationstechnologie. Gemessen an diesem Index liegt Deutschland im europäischem Durchschnitt, und die Dynamik dieser Ausgaben liegt sogar an letzter Stelle in Europa. Zu Beginn der 90er Jahre war die Bundesrepublik noch relativ weit oben, hat dann die Investitionen nicht mehr gesteigert. Jahr für Jahr ist Deutschland im internationalen Vergleich weiter zurückgefallen, die Konkurrenzfähigkeit ging verloren – eine Technologielücke ist entstanden.

Netzeitung: Basis Ihrer Berechnungen ist der Prozentanteil der Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Anders fällt das Ergebnis aus, wenn man die absoluten Zahlen zugrunde legt. Warum entscheiden Sie sich für die Berechnung mit dem Prozentanteil?

Aiginger: Große Länder machen gerne den Fehler, absolute Zahlen vorzulegen. Aber in jedem Unternehmen werden die Forschungsanstrengungen im Verhältnis zum Umsatz gemessen. Genauso müssen auch die Volkswirtschaften ihre Investitionen am BIP messen. Natürlich kann man zufrieden sein, wenn man einen hohen Weltmarktanteil hat. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass man lange am Markt bestehen kann. Konkurrenzfähigkeit bedeutet, pro Einheit mehr zu haben als die anderen. Sonst wäre China womöglich das konkurrenzfähigste Land der Welt.

Netzeitung: Wie gehen die deutsche Industrie und die Regierung mit diesem Thema um?

Aiginger: Ich bin erstaunt, dass es in Deutschland keine Rolle spielt. Die Technologielücke bei Hightech-Produkten, die schon vor 15 Jahren bekannt war und nie gelöst wurde, ist bei den aktuellen Debatten untergegangen. Es ist zwar richtig, dass anderen Themen wie Arbeitsmarkt- Reformen oder die Kosten der Wiedervereinigung auch wichtig sind, aber dieser Teil scheint offensichtlich ganz ausgeklammert zu werden. Ich habe mir die verschiedenen Wahlkämpfe und die jeweiligen Parteiprogramme angesehen und die Analysen der deutscher und EU-Wirtschaftsforschungsinstitute studiert. Ergebnis war, dass das Problem der Technologie-Lücke nie erwähnt wird.

Netzeitung: Wem muss man die Verantwortung dafür zuschreiben?

Aiginger: Ich würde die Schuld gleich verteilen. Fehler der Industrie ist, das Problem nicht zu thematisieren, sondern sich immer auf den unflexiblen Arbeitsmarkt zu konzentrieren. Die Regierung wiederum hält sich bei staatlicher Wirtschaftsförderung bewusst zurück. Alle anderen Länder wollen die Forschungs- und Entwicklungsquote anheben. Deutschland hat das allerdings nie zu einem Ziel erhoben – historisch verständlich, weil es 1980 noch die höchste Forschungsquote hatte.

Man muss sich klar machen, dass die neuen Technologien an den Hochschulen nur dann zum Tragen kommen, wenn die Forschungsausgaben steigen. Es ist wahnsinnig schwierig, mit – am BIP gemessen – sinkenden Forschungsausgaben neue Richtungen zu produzieren, weil die Universitäten nicht von selbst die Mittel umschichten. Die Mittelaufteilung bleibt in der Regel weitgehend traditionell. Und je weniger die Forschungsquote steigt, desto eher bleiben die Forschungsrichtungen von gestern auch die Studiengänge von morgen.

Die Regierung selbst interveniert laufend in Brüssel gegen die Lissabon-Strategie der EU, die Stärkung und Förderung der neuen Technologien vorsieht. Sie sagt, man sollte auf die Traditionsindustrien mehr Wert legen – hier werden immer wieder Maschinen, Kfz- und Chemieindustrie benannt. Die EU fordert hingegen, dass die Forschungsquoten erhöht, die Ausbildungen reformiert und die Anzahl der Akademiker erhöht werden.

Netzeitung: Aber warum hängt ein Land wie Deutschland – immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft weltweit – bei den Technologie- und Forschungsausgaben so weit hinterher?

Aiginger: Das ist schwer zu sagen, aber wahrscheinlich auf Grund der Exzellenz in den mittleren Technologien. Hier hat Deutschland eine hervorragende Position, die sich in starken Unternehmensgewinnen, Marktanteilen und auch in starken Exporterfolgen niederschlägt. Dann sieht man natürlich weniger Grund dazu, seine Schwerpunkte zu verlagern – bis es möglicherweise zu spät ist.

In den skandinavischen Ländern gab es Anfang der 90er Jahre die große Krise. Sie hat zu grundlegenden Analysen darüber geführt, wie Gesellschaften als Hochlohn-Land mit hohen Umwelt- und Energiekosten konkurrenzfähig bleiben können. Diese Gesellschaften haben sich in dieser Situation dazu entschlossen, dass die neuen Technologien ihre einzige Chance sind. Sie haben begriffen, dass ein Land, das ein hohes Lohnniveau haben will aber sehr hohe Steuern hat, unbedingt Produktivitätsführer sein muss. Kleinere Länder sind natürlich leichter umzustellen, und die Krise hat diese Staaten ordentlich dazu angestachelt.

Netzeitung: Wie könnte jetzt der Lösungsansatz für dieses Problem aussehen?

Aiginger: In zwei Schritten. Auf dem aktuellen Stand leerer Kassen muss die Effizienz der Forschungsausgaben bestmöglich genutzt werden. In dem Moment, wenn die nötigen Mittel vorhanden sind, muss die Quantität wieder gesteigert werden. Aber es ist natürlich schwierig, ein Problem zu lösen, dass man zehn Jahre lang nicht angepackt hat – gerade angesichts der finanziellen Krise.



S Y S T E M S   2 0 0 4 

BITKOM kritisiert deutsche Innovations-Politik

Stolz auf Automobilindustrie reicht nicht mehr / Neue Innovations-Kultur gefordert

Aus: Heise-Newsticker, 18. Oktober 2004, 12.19 Uhr MESZ (Politik) von RAINALD MENGE. [Original]

MÜNCHEN (ll/c't). Der Branchenverband BITKOM fordert Bundes- und Landesregierungen auf, das Tempo in der Innovationspolitik zu erhöhen. Als Beispiel für versäumte Chancen nennt BITKOM- Präsident Willi Berchtold den Erfolg von MP3-Spielern: Deren Basistechnologie der Musikkomprimierung käme zwar aus Deutschland, den Profit mit den Geräten würden jedoch Unternehmen aus den USA und Asien einstreichen. "Zu lange haben wir uns von unserem Stolz auf die deutsche Automobilindustrie blenden lassen und nicht wahrhaben wollen, welche Spitzenpositionen wir in anderen Branchen nach und nach eingebüßt haben und heute noch einbüßen", so Berchtold.

Statt die Rahmenbedingungen zu verbessern, habe die deutsche Politik in den letzten Jahren und Jahrzehnten Einzelprojekte gefördert, die häufig am Markt vorbeigingen wie der Schnelle Brüter in Kalkar, der Transrapid und das hochauflösende Fernsehen HDTV [Ed: dieses vor allem noch in Analogtechnik sowie D2-MAC, X.400 (EAN-Mail)].

Wie schon zuvor forderte Will Berchtold, der neben seiner Funktion als Präsident des BITKOM noch Vorsitzender der Geschäftsführung des Smartcard-Herstellers Giesecke & Devrient ist, eine schnelle Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Besondere Mängel sieht Berchtold beim abhörsicheren digitalen Behördenfunk: "Wir werden uns auch zu Beginn der Fußball-WM 2006 auf dem technischen Niveau von Albanien bewegen."

Hinsichtlich Forschung kritisiert der BITKOM neben der Politik, die zugesagtes Geld nicht freigebe, auch die eigenen Reihen, da die deutschen Unternehmen mit 44,4 Milliarden Euro Investitionen für Forschung und Entwicklung 200 Millionen unter dem Vorjahr blieben.

Hinweise der deutschen Forschungsministerin Bulmahn auf die europäische Patentstatistik weist Berchtold zurück: "Nach wie vor gilt in Deutschland: Eine Idee zu haben ist billig. Aus ihr ein marktfähiges Produkt zu machen, aber wahnsinnig teuer."

Von der Politik fordert der BITKOM höhere Bildungsausgaben und einen Rückzug von zu hohen Gebühren: "Rundfunkgebühren, Pauschalabgaben und Ausbildungsplatzabgaben gehören in die politische Mottenkiste und nicht in die ITK-Branche". Von der Wirtschaft selbst forderte er schlicht eine Aufbruchstimmung hin zu einer neuen Innovations-Kultur.



M A N G E L   A N   I N N O V A T I O N E N

Deutschland ist mittelmäßig innovativ

Auf Platz 6 von 13 Industriestaaten / USA und nordische Länder vorne

Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 8. Dezember 2005, Seite 17 (Wirtschaft) von JULIANE SCHÄUBLE. [Original]

BERLIN (Tsp). Deutschland ist für Innovationen ein mittelmäßiger Standort. In einem Vergleich der 13 führenden Industrienationen erreicht die Bundesrepublik den sechsten Platz. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin erarbeitet hat. Spitzenreiter sind die USA vor Finnland, Schweden und Dänemark sowie Japan, teilten die Auftraggeber der Studie, die Deutsche Telekom Stiftung und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), am Mittwoch [7.12.2005] in Berlin mit. Auf den übrigen Plätzen folgen Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Österreich, Spanien und Italien.

Innovationsstärke der führenden Industrieländer
Gemessen in Punkten.  1)
Stand: 2005   —   Quelle: DIW Berlin.
Rang
Land
Stärke in Punkten Relativ  2) Anm.
1. U.S.A 7,00 100,0  
2. Finnland 6,01 85,9  
3. Schweden 5,83 83,3  
4. Dänemark 5,34 76,3  
5. Japan 4,98 71,1  
6. Deutschland 4,66 66,6 3) 
7. Großbritannien 4,52 64,6  
8. Frankreich 4,27 61,0  
9. Belgien 4,21 60,1  
10. Niederlande 3,90 55,7  
11. Österreich 3,46 49,4  
12. Spanien 1,21 17,3  
13. Italien 1,00 14,3  
1) Die Punktwerte beinhalten 150 Einzelindikatoren.
2) Relativ = 100 x Punktwert / USA-Wert.
3) Um 1980 hatte Deutschland noch ganz vorne rangiert.
Die Folgen dieser Erkenntnis:
  • Der Staat muß Geld in die Hand nehmen und geschickt fördern.
  • Keine Privatinitiative kann das ersetzen (die FDP irrt hier).
  • Es kann nur die NewTech sein, die den gewünschten Erfolg bringen wird.

  • Positiv bewerteten die Experten, dass deutsche Unternehmen gut miteinander vernetzt seien, sowohl mit ihren Kunden als auch mit ihren Zulieferern. Allerdings sei die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen noch ausbaufähig, sagte Carsten Kreklau vom BDI. Dafür lobten die Wissenschaftler die fortwährenden Verbesserungen und neuen Ideen bei forschungsintensiven Industrien und im Dienstleistungsbereich.

    Kreklau begrüßte, dass die neue Bundesregierung dem Innovationspotenzial einen großen Stellenwert eingeräumt habe. Denn ein Platz im oberen Mittelfeld sei zwar nicht schlecht, „aber nicht so spitze, wie wir eigentlich wollten“, gab der Geschäftsführer der Deutschen Telekom Stiftung, Ekkehard Winter, zu bedenken. Aufholbedarf bestehe bei der Finanzierung von Innovationen und vor allem im Bildungsbereich. „In Sachen Bildung zehren wir von vergangenen Errungenschaften“, sagte Winter. Auch bei zukunftsorientierten Spitzentechnologien und bei Neugründungen müsse Deutschland mehr tun. Für die Wissenschaftler sind die Deutschen zudem nicht risikofreudig genug. Sie hätten im Vergleich zu Menschen aus anderen Ländern deutlich weniger Interesse, ein Unternehmen zu gründen. „Aber für junge Forscher steht auch nicht genügend Risikokapital zur Verfügung“, stellte DIW-Projektleiter Axel Werwatz fest. Es sei noch nicht gelungen, hier einen Markt zu etablieren.

    Negativ bewertet wurde außerdem, dass zu wenige Frauen am Innovationsprozess teilnähmen. CDU-Wirtschaftsexperte Laurenz Meyer erklärte dazu, vor allem Frauen scheuten oft Risiken. Das hemme ihre Teilhabe an Innovationsprozessen. „Wir brauchen wieder eine Technik- und Innovationsoffenheit in Deutschland.“ Es werde ein wichtiges Anliegen der Bundesregierung sein, die Einstellung der Bevölkerung in diesem Punkt zu ändern.

    Das innovationsfeindliche Klima in Deutschland könne die Erfolge der Unternehmen auf dem Weltmarkt rasch zunichte machen, sagte der stellvertretende FDP-Chef Rainer Brüderle. Der Staat behindere Innovationen, indem er zu viel reguliere [Ed: wohl eher, weil er zu wenig wirklich Innovatives (NewTech!) fördert, Mr. Brüderle hat's noch immer nicht verstanden...].

    Die aus 150 Einzelindikatoren bestehende Studie „Innovationsindikator Deutschland“ wurde 2005 erstmals erstellt und soll von nun an jährlich erscheinen. Ziel sei es, „das öffentliche Bewusstsein für Forschung, Technologie und Innovation zu stärken“, sagte der Stiftungschef und ehemalige Außenminister Klaus Kinkel. Verglichen wurde Deutschland mit seinen 12 Hauptkonkurrenten im weltweiten Innovationswettbewerb, da diese ein ähnliches Entwicklungs- und Einkommensniveau sowie vergleichbare politische und institutionelle Rahmenbedingungen hätten, erklärte Werwatz. „Aufhol- Länder“ wie China, Indien, Polen oder die Türkei hätten dieses Mal auf Grund fehlender Daten noch nicht berücksichtigt werden können. Sie seien aber für zukünftige Studien interessant.



    Endlich Aufschwung in Sicht

    2006 Wirtschaftswachstum bis 1,7 % erwartet / Weiter glänzende Exporte, aber auch mehr Nachfrage im Inland.

    Aus: Berliner Morgenpost, 29. Dezember 2005, Seite ?? (Wirtschaft). [Original]

    MÜNCHEN (AP/dpa). Fünf lange Jahre dümpelte die deutsche Wirtschaft in der Talsohle, jetzt herrscht endlich wieder Aufbruchstimmung: 2006 kommt der lang ersehnte Aufschwung, da sind sich Konjunkturexperten einig. Um 1,7 % wird die Wirtschaft im neuen Jahr wachsen, prognostizieren das Münchner Ifo-Institut und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Mit einem Plus zwischen 1,4 und 1,6 % rechnen andere Häuser. Zugpferd bleibt der glänzend laufende Export, aber auch im Inland soll die Nachfrage in Schwung kommen.

    Wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland 1992–2006
    ^   Wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland von 1992–2006: Konjunktur und Arbeitsplätze. Quellen: Statistisches Bundesamt + Ifo-Prognose 2005/2006.   (Grafik: 12.2005 – mopo)

    Die Stimmung der deutschen Verbraucher ist zum Jahreswechsel nämlich so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die Menschen setzen große Hoffnung in einen Wirtschaftsaufschwung, heißt es in einer Studie der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (
    GfK). "Mehr noch: ihre Neigung, größere Anschaffungen zu tätigen, nimmt im Dezember erneut deutlich zu und erreicht nach 4 Jahren erstmals wieder einen positiven Wert." Das Konsumklima legte der GfK zufolge für Januar auf 3,8 von 3,4 Punkten zu. Die Weihnachtszeit, der Start der neuen Regierung und der ansetzende wirtschaftliche Aufschwung dürften nach Ansicht von Experten den Pessimismus der Menschen vertrieben haben. Inzwischen setzt auch der Einzelhandel für kommendes Jahr auf steigende Umsätze. Der private Konsum könnte vor allem in der zweiten Jahreshälfte an Fahrt gewinnen, weil viele Verbraucher vor der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 einkaufen würden.

    Es gebe "klare Signale, daß die konjunkturelle Flaute überwunden ist", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Im Dezember war die Stimmung in der deutschen Wirtschaft so gut wie zuletzt im Boomjahr 2000. Dies zeigte der Ifo-Geschäftsklimaindex, der wichtigste Frühindikator für die Konjunktur in Deutschland. Der Export werde 2006 um mehr als 7 % zulegen.

    Weniger Nachfrage aus dem Ausland befürchtet dagegen die deutsche Industrie, wie aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages unter rund 10.000 Unternehmen hervorgeht. Weil die Inlandsnachfrage nicht für einen Ausgleich sorgen kann, rechnet die Industrie für 2006 nur noch mit einem Wachstum von 2 %. Der Jobmotor Mittelstand erwartet dagegen ein besseres Jahr 2006. In der Computer- und Kommunikationsbranche rechnen die meisten Betriebe mit mehr Umsatz.

    Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen wird 2006 kräftig steigen, weil die Betriebe Geld, das sie für Ausrüstungen und Anlagen ausgeben, leichter abschreiben können. "Der Modernisierungsstau der letzten Jahre löst sich offensichtlich auf", glaubt der Bundesverband deutscher Banken. Die Unternehmen fragten wieder mehr Kredite nach – auch langfristige.

    Auf dem Arbeitsmarkt macht sich aber der Schwung vorerst nicht bemerkbar. Das Ifo-Institut rechnet für Januar und Februar erneut mit mehr als 5 Millionen Menschen ohne Job. Im Jahresverlauf 2006 werde die Zahl der Arbeitslosen dann um 150.000 auf 4,675 Millionen sinken. Um die Beschäftigung richtig anzukurbeln, braucht Deutschland nach Ansicht des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger eine Wachstumsrate von 2 %.

    Die Berliner Wirtschaft hat sich nach Einschätzung des Senats im ablaufenden Jahr 2005 leicht erholt. Nach der Flaute in den ersten Monaten mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums um 0,6 % habe sich zur Jahresmitte hin eine Belebung abgezeichnet, berichtet die Wirtschaftsverwaltung. "Im Herbst zog die Konjunktur weiter leicht an." Für 2006 erwartet Senator Harald Wolf (Linkspartei) ein Berliner Wirtschaftswachstum von 1 %.



    Ü B E R N A H M E N   U N D   A F F Ä R E N

    Die Deutschland AG hat sich 2005 weiter aufgelöst

    Wer davon profitierte – und wer unterlag

    Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 30. Dezember 2005, Seite ?? (Wirtschaft). [Original]

    ERSTES QUARTAL

    1. Februar: Die Walter Bau AG stellt einen Insolvenzantrag. 4100 Beschäftigte werden von der österreichischen Strabag übernommen.

    3. Februar: Die Öffentlichkeit empört sich über die Deutsche Bank, als sie nach einem Milliardengewinn den Abbau von 6400 Stellen ankündigt. Aus Politik und Gewerkschaften hagelt es Kritik. Bankchef Josef Ackermann setzt sich ein ambitioniertes Ziel: Eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 %.

    23. Februar: Infineon schließt seine Chipproduktion in München-Perlach mit rund 800 Mitarbeitern. Mit einem einwöchigen Streik setzten die Beschäftigten einen Sozialtarifvertrag unter anderem mit höheren Abfindungen durch.

    24. Februar: Die Hypo-Vereinsbank streicht nach einem Verlust von 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2004 erneut 2400 Stellen. In den vergangenen Jahren waren bereits weltweit 11.000 Arbeitsplätze abgebaut worden. Auslöser für den Verlust waren vor allem faule Immobilienkredite.

    22. März: Die Lufthansa übernimmt die angeschlagene Schweizer Airline Swiss für rund 300 Millionen Euro.

    ZWEITES QUARTAL

    27. April: Jungfernflug des größten Passagierflugzeugs der Welt. Der Airbus A380 für bis zu 853 Passagiere absolviert einen knapp vierstündigen Rundflug.

    29. April: Die Telekom setzt die Wiedereingliederung von T-Online in den Mutterkonzern durch. Die T-Online-Aktionäre sollen je Aktie 0,52 T-Aktien erhalten. Dies entspräche einem Wert von rund acht Euro pro Anteilsschein. Beim Börsengang im Frühjahr 2000 kostete das T-Online-Papier noch 27 Euro. Unzufriedene Anleger klagen und erreichen im Spätherbst, dass T-Online nicht sofort mit der Telekom fusionieren kann.

    2. Mai: Adidas trennt sich von Salomon. Nach acht Jahren verkauft Europas größter Sportartikelhersteller die französische Wintersport- und Outdoor-Sparte und heißt künftig nur noch Adidas.

    9. Mai: Die Führungsspitze der Deutschen Börse unterliegt im Machtkampf mit angelsächsischen Investmentfonds, die sich als Großaktionäre eingekauft haben. Vorstandschef Werner Seifert verlässt das Unternehmen, auch Aufsichtsratschef Rolf Breuer kündigt sein Ausscheiden an. Die als „Heuschrecken“ bezeichneten Investoren hatten sich gegen die versuchte Übernahme der Londoner Börse ausgesprochen.

    12. Mai: Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff wird Vorstandschef des angeschlagenen Handelskonzerns KarstadtQuelle. Zuvor war er Aufsichtsratschef. Karstadt-Quelle-Chef Christoph Achenbach trat im April zurück.

    7. Juni: Siemens gibt sein verlustreiches Handy-Geschäft nach langem Zögern an den taiwanesischen BenQ-Konzern ab. Die Kosten der Abtrennung werden auf rund 300 Millionen Euro geschätzt.

    12. Juni: Die Hypo-Vereinsbank wird von der italienischen Unicredito übernommen. Unicredito bietet für die HVB gut 15 Milliarden Euro in eigenen Aktien. Bei der größten grenzüberschreitenden Bankenfusion in Europa sollen 9200 Arbeitsplätze gestrichen werden.

    25. Juni: Mit einem Magazinbericht über einen Schmiergeld-Verdacht beim ehemaligen Skoda-Personalchef Helmuth Schuster kommt die VW-Affäre ins Rollen. Fünf Tage später tritt Betriebsratschef Klaus Volkert zurück. Eine Woche später übernimmt Personalchef Peter Hartz die „politische Verantwortung“ und tritt ebenfalls zurück.

    DRITTES QUARTAL

    28. Juli: Abruptes Ende der Ära Jürgen Schrempp bei Daimler-Chrysler. Nach 10 Jahren an der Spitze kündigt der Vorstandschef den Rückzug zum Jahresende an. Nachdem Chrysler-Chef Dieter Zetsche zum Nachfolger berufen wird, gibt der als Kronprinz gehandelte Mercedes- Chef Eckehard Cordes seinen Posten auf.

    3. August: Adidas übernimmt den US- Wettbewerber Reebok für 3,1 Milliarden Euro.

    5. August: Der Springer-Konzern kündigt die Übernahme von Pro Sieben Sat 1 an. Das Bundeskartellamt macht jedoch im November in einer Abmahnung deutlich, dass es eine zu große Konzentration der Medienmacht befürchtet und einen Zusammenschluss ohne Auflagen nicht genehmigen wird. Die Prüfungsfrist wird auf Januar verlängert.

    25. September: Porsche steigt für rund 3 Milliarden Euro mit rund 19 % bei VW ein. Die Doppelrolle von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der auch Porsche-Anteilseigner und Besitzer einer Autohaus-Kette ist, sorgt für heftigen Streit in dem Kontrollgremium.

    28. September: Gut ein Jahr nach der vereinbarten Standortsicherung kündigt die Mercedes-Gruppe den Abbau von 8500 der 93.000 Stellen in Deutschland an. Entlassungen darf es wegen des Beschäftigungspakts bis 2012 nicht geben.

    30. September: Solar-Boom an der Börse. Der Solarzellen-Spezialist Ersol startet mit beachtlichen Kursgewinnen. Innerhalb kurzer Zeit gehen mit Q-Cells, Centrosolar und Sunline noch drei Unternehmen der Branche an den Markt.

    VIERTES QUARTAL

    2. November: Die Telekom kündigt die Streichung von 32.000 Arbeitsplätzen an. Betriebsbedingte Kündigungen werde es dabei bis Ende 2008 nicht geben. Zugleich sollen 6000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Gewerkschaften kündigen Widerstand an.

    17. November: Der Chipkonzern Infineon wird zerschlagen. Der Aufsichtsrat stimmt für eine Abspaltung der Speicherchip-Sparte bis Mitte 2006.

    25. November: Pläne der Deutschen Bahn zum Umzug der Zentrale von Berlin nach Hamburg werden bekannt. Das Bundeskabinett plädiert dagegen. Die Bahn ist mehrheitlich im Besitz des Bundes.

    12. Dezember: Der monatelange Kampf der 1750 Beschäftigten des AEG- Hausgerätewerks in Nürnberg war vergeblich. Der Mutterkonzern Electrolux beschließt die Stilllegung Ende 2007.

    15. Dezember: Die Deutsche Bank schließt den offenen Immobilienfonds „Grundbesitz-Invest“ und verärgert damit Anleger und die gesamte Branche [Ed: man spricht danach sogar von einer Immobilien-Krise].

    21. Dezember: Der Freispruch von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Mannesmann-Prozess wird vom Bundesgerichtshof aufgehoben. Ackermann steht danach unter massivem Rücktrittsdruck. In dem Prozess ging es um den Vorwurf der Untreue im Zusammenhang mit den Millionen-Prämien, im Zuge der Mannesmann-Übernahme durch den Mobilfunkkonzern Vodafone Anfang 2000.

    21. Dezember: Der Abo-Sender Premiere verliert die Übertragungsrechte für die Bundesliga an ein Konsortium aus Kabelnetzbetreibern. Daraufhin bricht die Aktie zunächst um mehr als 40 % ein.



    DIW: Sparkurs drückt das Wachstum

    Aufschwung 2006 ist nur ein Zwischenhoch.

    Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 4. Januar 2006, Seite ?? (Wirtschaft). [Original]

    BERLIN (brö). Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat der Bundesregierung vorgeworfen, die Sanierung des Haushalts wichtiger zu nehmen als die Steigerung von Wachstum und Beschäftigung. „Ohne die Konsolidierung des Etats wäre das Wachstum in diesem und im nächsten Jahr deutlich höher“, sagte DIW-Präsident Klaus F. Zimmermann am Dienstag [3.1.2006] in Berlin. Bei Verzicht auf den harten Sparkurs würde das Wachstum 2006 um 1/2 % höher ausfallen, 2007 sogar um 1 % höher, schreibt das DIW in seiner neuen Prognose. „Fiskalische Stabilität hat ihren Preis“, befand Zimmermann.

    Der Staat entzieht der Binnenwirtschaft laut DIW durch seinen Sparkurs Nachfrage in Höhe von 13 Milliarden Euro in diesem Jahr und von knapp 25 Milliarden Euro im kommenden. Dabei berücksichtigen die Forscher etwa die Abschaffung der Eigenheimzulage oder die geplante Anhebung der Mehrwertsteuer um 3 Prozentpunkte. Das bringt allerdings eine Absenkung der Neuverschuldung – sie dürfte den DIW-Annahmen zufolge 2006 auf 3,0 % sinken und im kommenden Jahr auf 1,9 %. „Der Verzicht auf 1 Prozentpunkt Wachstum kostet wesentlich mehr, als uns das Erreichen des Maastricht- Kriteriums schon im kommenden Jahr einbringt“, kritisierte Alfred Steinherr, der Konjunkturchef des Instituts. Die negativen Wirkungen der Sparpolitik gefährdeten zudem letztlich das Konsolidierungsziel selbst.

    Für den Fall, dass die Regierung ihre Pläne wie vorgesehen umsetzt, dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,7 % zulegen, im kommenden Jahr um 1,2 %. Damit erhöhte das DIW seine Annahmen gegenüber dem Herbst. Der Export, der bereits in den vergangenen Jahren das Bruttoinlandsprodukt gestützt hatte, soll noch einmal zulegen – von im abgelaufenen Jahr 7 % auf 8 % in 2006.

    Eine ähnliche Entwicklung erwarten auch die anderen namhaften Institute. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nimmt ein Plus von 1,5 % an und sprach von einem konjunkturellen „Zwischenhoch“, das die Republik in diesem Jahr erleben werde. Dafür spreche insbesondere die Belebung bei den Investitionen und die bessere Lage der Unternehmen, erklärte IW-Direktor Michael Hüther. „Um wieder einen Aufschwung wie in den achtziger Jahren erleben zu können, müssten die Investitionen über mehrere Jahre mit zweistelligen Raten ansteigen“, schränkte er ein.



    N E U E R   R E P O R T

    "Economist" rechnet mit Deutschland ab

    Vor wenigen Monaten bejubelte der "Economist" noch den deutschen Reformeifer. Der habe allerdings wenig genutzt, erklärt das renommierte Wirtschaftsmagazin jetzt in einem Landesreport. Die wirtschaftliche Zukunft sehe düster aus, wenn nicht bald gehandelt wird.

    Aus: Spiegel Online – 8. Februar 2006, 21.21 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

    HAMBURG. Noch vor wenigen Monaten war eitel Sonnenschein: "Deutschlands überraschende Wirtschaft" titelte das Wirtschaftsmagazin "Economist" da auf dem Cover der internationalen Ausgabe. Deutschland habe sich in den vergangenen Jahren gewandelt und die Grundlagen für ein neues Wirtschaftswunder gelegt, so in etwa die Quintessenz der Titelgeschichte. Der deutsche Bundesadler "spreizt seine Flügel", hieß es in dem zugehörigen Kommentar.

    Die Begeisterung hat sich schnell gelegt. Rein makroökonomisch betrachtet habe sich die Lage zwar verbessert, heißt es in dem Deutschlandreport, den das Wirtschaftsmagazin unter dem Titel "Waiting for a Wunder" nun in seiner nächsten Ausgabe veröffentlichen will und der morgen in Berlin vorgestellt wird. Doch um das System dahinter sei es immer noch übel bestellt.

    So befinde sich das Land zwar im Aufschwung. Das starre "Modell Deutschland" aber könnte dem schon bald wieder einen heftigen Dämpfer verpassen. Denn das habe sämtliche Reformanstrengungen der letzten Jahre fast unbeschadet überstanden. Typisch deutsch – und das ist für die Economisten kein Kompliment – sei etwa nach wie vor der starre Arbeitsmarkt und das dreigliedrige Schulmodell. Deutschland sei außerdem völlig unattraktiv für hoch qualifizierte Arbeitskräfte und hätte starke Integrations-Probleme, heißt es in der 16-seitigen Beilage.

    Wenn Deutschland diese Probleme nicht bald in den Griff bekomme, drohe dem Land, was viele Deutsche am meisten fürchteten, nämlich "amerikanische Verhältnisse": Ein gespaltene Gesellschaft, in der sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet.



    E I N   A U F M Ü P F I G E R   U R T E I L T

    „Unsere Eliten sind dumm oder korrupt“

    Deutschland 2006 – es steht schlecht da, sagen fast alle. Albrecht Müller ärgert das. Denn er weiß, wie es ökonomisch vorwärts ginge: Schulden machen wie die USA.

    Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 25. Juni 2006, Seite S1 (Sonntag). Interview: HARALD SCHUMANN und NORBERT THOMMA.

    Albrecht Müller, 68, hat mit „Machtwahn“ erneut einen Bestseller geschrieben. Wie schon in „Reformlüge“ setzt er sich mit dem Versagen aktueller Wirtschaftspolitik auseinander. Der SPDler war Leiter der Planungsabteilung im Kanzleramt bei Willy Brandt und Helmut Schmidt und saß bis 1994 im Bundestag. [Zum Interview]




    (more to-be done).



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