Bauernhäuser in Deutschland sind vielerorts so gestaltet, daß unter demselben Dach Menschen,
Tiere und Ernte vereinigt sind. Beispiele dafür sind das westfälische und das fränkische
Bauernhaus. Nach diesem Prinzip war das Gut
Bayers Hof nicht
gebaut. Hier gab es ein steinernes Wohnhaus und daneben gesonderte Gebäude mit Stallungen sowie 3
große Scheunen für die Ernte und Pferdewagen. Außerdem existierten noch kleinere
Wirtschaftsgebäude wie Waschküche, Schuppen für Bienenstöcke und Gerätschaften
sowie ein steinerner Backofen.
Auf Bayers Hof wurden an Tieren gehalten: Pferde, Kühe, Schafe, Schweine, Hühner, Enten,
Gänse, Pfauen und Bienen. Nicht überliefert sind die Anzahl der jeweiligen Tiere.
Natürlich gab es auch einen Hund und Katzen. Der Lieblingsaufenthaltsort der Pfauen waren die
großen Kronen der alten Bäume, die im Park am Mehrenthiner Weg standen. In zwei Teichen
wurden Süßwasserfische gehalten vor allem Karpfen. Bayers Hof besaß
außerdem das Fischrecht im das Gehöft umfließenden Teil des Mehrenthiner
Fließes.
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Feld- und Gartenwirtschaft |
Die zu bewirtschaftende Fläche war 191 Morgen groß, was rund 49 Hektar entspricht. Was genau
auf den Feldern angebaut wurde, ist ebenfalls nicht überliefert. Es ist aber bekannt, daß
damals im Kreis Friedeberg landwirtschaftliche Flächen im Mittel zu 6 % mit Weizen und
Zuckerrüben, zu 58 % mit Roggen und Kartoffeln bestellt wurden. Und so werden auch auf Bayers Hof
hauptsächlich Kartoffeln, Roggen und Rüben auf den Feldern angebaut worden sein.

Für die Eigenversorgung mit frischem Gemüse und Kräutern dienten 2 große
Gärten, einer am Haus und ein zweiter, der bis ans vom Woldenberger See kommenden Mehrenthiner
Fließ reichte. Es ist nicht bekannt, ob auch regelmäßig Gemüse und Obst auf dem
Wochenmarkt in Woldenberg verkauft wurde.
Das Leben auf einem solchen Einzelgehöft war im 19. Jahrhundert nicht einfach. Denn es gab damals
weder elektrischen Strom noch fließendes Wasser, und das Geschäft mußte auf dem
Örtchen verrichtet werden auch wenn es im Winter bitterkalt war. Sogar 30
Grad waren damals keine Seltenheit. Das Wasser kam aus dem Brunnen, wo es mühsam mit Eimern
herausgeschöpft und zu den Tieren und ins Haus geschleppt werden mußte. Fürs Licht am
Abend sorgten Kerzen und später Petroleum-Lampen. Und gekocht, gebacken und geheizt wurde mit
Brennholz aus den nahen Wäldern.
In der Woldenberger Gegend gingen die Uhren sowieso etwas anders. Denn selbst im Jahr 1924 war die
Kleinstadt noch nicht an das Leitungsnetz des Märkischen Elektrizitätswerks angeschlossen,
obwohl erst eine solche Vernetzung die Energieversorgung ausfallsicherer gemacht hätte. Im
Heimat-Kalender für den Kreis Friedeberg von 1926
(

) wird ausführlich
über die Elektrizitätsversorgung des Kreises berichtet (Seite 5+6). Und danach
wurden bereits die Städte Driesen und Friedeberg sowie zahlreiche Dörfer (48), Gutsbezirke (15)
und einzelne Güter (8) mit elektrischem Strom versorgt.
Was der Hintergrund für diese Saumseligkeit der Woldenberger Stadtväter war, ist unbekannt. In
dem Bericht heißt es nur: Wegen Anschluß der Ortschaften (...) und der Stadt
Woldenberg schweben Verhandlungen. Das hört sich nach Streit an. Es kann sogar sein,
daß Bayers Hof bis 1945 überhaupt keinen elektrischen Strom hatte.
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Was wurde aus Bayers Hof? |
Ob es heute (2006) 100 Jahre später noch am Standort von Bayers Hof einen
Bauernhof gibt, ist nicht bekannt. Aus dem
Plan von Dobiegniew kann dazu keine eindeutige Information entnommen werden (hm, was bedeutet bzw.
ist
Nowy Mlyn). Auch via Satelliten-Fotos von
Google-Earth ist es bislang nicht gelungen, das aufzuklären. Dieses Nowy Mlyn
hat die Orts-Koordinaten 52° 56' 57" Nord = 52,9492° North und 15° 47' 55" Ost =
15,7986° East, was ja recht gut mit der Position von Bayers Hof übereinstimmt.
Es spricht manches dafür, daß dieses Nowy Mlyn nicht mit Bayers Hof
identisch ist
.
Vielmehr ist es wohl so, daß das alte Gehöft die Kriegswirren von 1945 und die Nachkriegszeit
nicht überlebt hat. Denn Besucher haben 1985 nichts mehr von Resten eines Bauernhofs im Bogen des
Mehrenthiner Fließes bemerkt. Auch das in der Nähe von Bayers Hof gelegene Gehöft
Abbau existierte 1980 nicht mehr. Hier lagen die Steine aufgeschichtet am alten
Bahnwärter- Häuschen am Weg zu den Fließwiesen.
[mehr].