Woldenberg (Neumark)   —  Bayers Hof khd
Stand:  3.4.2008   (51. Ed.)  –  File: Heimat/W/Ex/Bayers_Hof.html



Woldenberg Diese Seite ist Teil eines Woldenberg-Reports. Woldenberg – heute das polnische Dobiegniew – war bis 1945 eine kleine Stadt in der Neumark (Nm), dem damals östlichsten Teil der Mark Brandenburg. Zwar wurde zum 1. Oktober 1938 der Landkreis Friedeberg/Nm mit Woldenberg der Provinz Pommern (Pm) zugeschlagen, dennoch fühlten sich die Einwohner weiterhin als Neumärker. Seit 1945 gehört Woldenberg/Pm zu Polen. [Geschichte Woldenbergs]

   
  Woldenberg
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.
 
Südöstlich von Woldenberg lag ein großer Bauernhof – Bayers Hof *. Dieser Hof gehörte meinen Urgroßeltern Otto Bayer und Auguste Bayer, geb. Köhler, die 4 Kinder hatten.

Der Hof wurde bereits 1907 aus Altersgründen verkauft. Auch deshalb ist sehr wenig vom Leben und Arbeiten auf Bayers Hof überliefert. Auf dieser Seite soll das Wenige, was (mir) bekannt ist, zusammengestellt werden. Denn selbst die Genealogen haben auf ihrer „Bayershof-Seite“ fast nichts. Zwar ist Bayers Hof Geschichte, aber in den überlieferten Kochrezepten wird Bayers Hof weiterleben. Mit * wird auf Fußnoten verwiesen. [Translation-Service]

I n d e x :


Woldenberg — Wo lag Bayers Hof?


Skizze Wbg-Plan Big
      Der Weg von Woldenberg nach Bayers Hof
^   Skizze des Wegs von Woldenberg nach Bayers Hof *. In Gelb der Weg und in Blau das Woldenberger/Mehrenthiner Fließ. Durch Klicken auf die Karte wird eine Vergrößerung mit höherer Auflösung in einem extra Fenster angezeigt (275 kByte). [Vergrößertes Meßtischblatt]   (Repro aus *: 2006 – khd)
Im Zeitalter der
GPS-Navigation ist es leicht, den Ort, wo Bayers Hof lag, zu finden. Denn die Orts-Koordinaten sind: 52,95° Nord und 15,8° Ost.

Verließ man Woldenberg vom Marktplatz kommend in östlicher Richtung über die Richtstraße, querte am Niedertor über die Fließbrücke das Woldenberger Fließ, dann erreichte man nach wenigen Schritten den schräg nach rechts abbiegenden Mehrenthiner Weg (siehe auch Stadtplan).

Dieser Weg unterquert die Bahnstrecke Stettin — Kreuz. Nach einem gut halbstündigen Fußmarsch durch die Felder erreichte man dann nach etwa 3 km Bayers Hof. Das Gehöft lag mit seinen Stallungen und Feldern zwischen der Bahnstrecke und dem nach Mehrenthin und weiter in die Drage fließenden Woldenberger bzw. Mehrenthiner Fließ.

Die Kinder von Bayers Hof – darunter meine Oma (* 1875) – hatten also täglich einen recht langen Schulweg hin und zurück zu bewältigen, denn Woldenbergs Schule lag in der Nähe des Markplatzes an der Schulstraße. Aber folgen wir zur Einstimmung zunächst den Worten meiner Tante Margarete D., die 1955 über den Weg von Woldenberg nach Bayers Hof und über einen Hof-Rundgang schrieb *:

»Wenn man den Mehrenthiner Weg lang geht, kommt man kurz vor Bayers Hof über eine Brücke. Diese führt über das „Klingenfließ“ *. Das Wasser hat hier ein eigenartiges Rauschen – mehr ein Klingen. In diesem Fließ sammelte sich das Wasser von den umliegenden Feldern und Wiesen. Hinter der Brücke biegt dann rechts der Weg zum Gehöft „Bayers Hof“ ab. Zur linken Seite Park, dann die Rückseite der Ställe, dann die Einfahrt zum Hof.

      Weißstorch in Feuchtwiese
^   Ein Weißstorch in einer Wiese. Die Störche von Bayers Hof fanden auf den feuchten Wiesen am Mehren- thiner Fließ reichlich Frosch-Nahrung.   (Foto: 2005 – mopo)
An der rechten Seite [des Wegs] stehen große herrliche Tannen. Dahinter zieht sich ein Garten den Berg [etwa 100 m] zum Fließ runter. Hier stehen die vielen schönen Haselnuß- Sträucher bei einer Geißbock-Laube. Ein langer Rosenweg führt hier lang und an Blumen gibt es hier, was man sich nur denken kann.

Hinter der Einfahrt zum Hof liegt dann noch ein Gebäude. Hier ist die Gerätekammer, Waschküche, Backofen und die ‚Örtchen‘. Der Weg führt am Gehöft vorbei in die Felder. Durch den Fichtenwald kommt man zum xxx-Winkel *. Hier liegt der große Karpfenteich. Auch stehen hier die vielen vielen Kirschbäume und die Maulbeerbäume, hier steht auch der Bienenschuppen mit den Bienenstöcken.

Weiter nach links rum kommt man an einen ganz runden Teich (Fischteich). Hier hatten die Enten ihr Reich. Nun stoßen wir an dieser Seite wieder auf den Mehrenthiner Weg. Auch hier ist eine Einfahrt zum Hof. Derselbe ist hier von den großen Scheunen begrenzt. Auf der letzten – dicht am Park – haben die Störche ihr Nest. Hier stehen auch 3 sehr hohe Pappeln. Eine solche Niederlassung wurde früher auch als „Vorwerk“ bezeichnet.«


Bayers Hof — Etwas Geschichte


Otto Lebrecht Bayer      
^   Otto Bayer mit seinem 1. Urenkel.   (Foto: um 1934 – jd)
Mit dem Verkauf im Oktober 1907 endet bereits die Geschichte von Bayers Hof für unsere Familie. Dennoch ist die Erinnerung an den am Mehrenthiner Fließ so herrlich gelegenen Bauernhof durch vieles Erzählen und natürlich durch die überlieferten
Kochrezepte bis heute wach geblieben. Meine Ur-Großeltern Otto Lebrecht Bayer (* 20.3.1848) und seine Ehefrau Marie Luise Auguste Bayer, geb. Köhler (* 13.12.1848), von der leider kein Foto überliefert ist, hatten seit 1873 in den über 30 Jahren ihrer Bewirtschaftung den Hof auf Vordermann gebracht – ein richtiges Gut entstand.

Die Bayers bauten sogar ein neues solides Wohnhaus aus Steinen. Der gute Geist des Hofes war aber meine Ur-Großmutter Auguste Bayer, die schon am 9.7.1906 im Alter von 58 Jahren starb. Der frühe Tod seiner Ehefrau hat dazu beigetragen, daß Otto Bayer 1907 den Hof verkaufte. Vom Erlös kaufte er sich ein kleines Häuschen mit einem Grundstück in der Nähe des Woldenberger Sees (Nordmauer 5), wo er seinen Lebensabend mit einer guten Freundin verbrachte. Otto Bayer starb 94-jährig am 8.1.1942.


Auszug aus dem Grundbuch des Amtsgerichtes Woldenberg
in Sachen „Bayershof“
Im Jahre 1794 übernimmt von seinen Eltern Christian Friedrich Brandt (* 22.4.1772) den im Kietzfelde liegenden Hof mit eine Gesamtfläche von 191 Morgen (rund 49 Hektar).
Am 8. Mai 1844 kauft Julius Heinrich Bayer (* 12.4.1819) von dem Vorbesitzer Brandt die Wirtschaft für 2.300 Thaler. Er gibt dazu das Leibgedinge an seinen Vater Brandt.
Am 3. Mai 1863 erhält das Gehöft amtlich den Namen „Bayershof“ (Aktenzeichen: I E 933/63 der Königlichen Regierung in Frankfurt/Oder, Abt. des Inneren).
Am 20. März 1873 übergibt Julius Heinrich Bayer die Wirtschaft an seinen Sohn Otto Lebrecht Bayer (* 20.3.1848).
Otto Lebrecht Bayer verkauft am 11. Oktober 1907 Bayershof an Starkenberg.


Auf dem „Kietzfeld“

Die Geschichte Bayers Hof reicht weiter zurück als nur ins 18. Jahrhundert. In einer handschriftlichen Aufzeichnung schreibt meine Tante Margarete D. um 1955 zur Gründung des Gehöfts
*:

»Kietz – Kietzfeld – Kietzhufen – Kietzbrücke: Hier liegt Bayershof ungefähr 3 km von Woldenberg entfernt. „Kietz“ ist immer der Name für diejenige Slawen- Niederlassung, welche in der Nähe eines, von ihnen bisher selbst bewohnten, jetzt zur deutschen Stadt erhobenen Fleckens entstanden ist. Die Slawen lebten, wie immer, so auch hier, als Fischer am Wasser. Sie wurden wahrscheinlich von den deutschen Ansiedlern um 1250 verdrängt und zogen am Fließ weiter auf den „Kietz“, auf die „Kietzhufen“ und siedelten sich hier an, in der Nähe der Stadt.

Meyers-Lexikon von 1897
Aus: 10. Band, 5. Auflage, Seite 105.
Kietz, früher soviel wie Slawenvorstadt. Die in die Mark Brandenburg rechts der Elbe seit dem 12. Jahrhundert einwandernden Deutschen gründeten an verschiedenen Stellen slawischer Ansiedlungen Stadtgemeinden mit eigener Verwaltung und Gerichtsbarkeit.

Die slawische Bevölkerung nahm an diesen Stadtrechten keinen Anteil, sondern bildete bei eigener Verwaltung einen machtlosen, aber selbstständigen, meist von Fischern bewohnten Vorort neben der deutschen Stadt.

Hier erhielten sich lange slawische Sitten und Gebräuche, und da die ‚Kietzer‘ an Bildung, Wohlstand und Rechten den deutschen Städtern weit nachstanden, so erhielt der Name Kietz einen spöttischen Beigeschmack, und noch heute werden dürftige und entlegene Vorstadtgegenden scherzweise Kietz genannt.

1298 ist Woldenberg als Stadt erwähnt, hat aber noch den [slawischen] Namen
„Dubegneve“, 1333 aber den Namen „Woldenberg“. [mehr]

Das Feld zwischen dem bei Woldenberg liegenden See, dem „Röllfitzsee“ und den Grenzen der Dorfgemeinden Schlanow und Mehrenthin ist das „Kietzfeld“ [Ed: das seit 1847 von der Eisenbahnstrecke Kreuz — Stettin durchschnitten wird]. Hier liegen bei Bayershof die „Kietz-Brücke“ über das Woldenberger bzw. Mehrenthiner Fließ. Hier auf einer Ansiedlung dicht am Fließ wurde 1739 Christian Brandt als Sohn des Besitzers Martin Brandt geboren [Ed: dieser Christian Brandt ist der Vater des Christian Friedrich Brandt, der – siehe oben – 1794 den Hof übernahm].

Es fehlte an Zeit, um weiter zurück zu forschen, es kam der Krieg 1939. Die Ansiedlung muß sehr alt sein. Als Mutter Marie D., geb. Bayer [meine Großmutter] Kind war, war das Wohnhaus sehr alt und baufällig. Hier standen sehr große alte Fichten, dicke alte Eichen und sehr große Maulbeerbäume. Otto Bayer baute 1882 dann neu auf.«

Ein Blick auf das Großblatt 54 (Arnswalde – Schloppe – Friedeberg) der Karte des Deutschen Reiches von 1938 * bestätigt, daß es vielerorts den Flurnamen „Kietz“ gab bzw. dieser in Zusammensetzungen auftauchte. So beispielsweise bei Althütte (Kietz), Driesen (Kietz), Mehrenthin (Kietz-Brücke), Neu-Mecklenburg (Kietz), Schlanow (Kietz). Diese ‚Kietz-Orte‘ liegen alle abseits benachbarter Städte oder Dörfer. Nach 1945 schließt sich dann ein Kreis: Eine slawische Bevölkerung kehrt zurück in ihre uralten Siedlungsgebiete östlich der Oder.

Und stimmt die Theorie, daß diese Außen- Wohnplätze durch die Slawen angesichts der germanischen Verdrängung entstanden sind, dann wird Bayers Hof mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits im 13. Jahrhundert als Wohnplatz von slawischen Stämmen gegründet worden sein, zumal der Platz dicht am Wasser des Fließes lag. Bayers Hof würde damit eine über 750-jährige Geschichte haben.


Bayers Hof — Wie sah es dort aus?


Bauernhäuser in Deutschland sind vielerorts so gestaltet, daß unter demselben Dach Menschen, Tiere und Ernte vereinigt sind. Beispiele dafür sind das westfälische und das fränkische Bauernhaus. Nach diesem Prinzip war das Gut „Bayers Hof“ nicht gebaut. Hier gab es ein steinernes Wohnhaus und daneben gesonderte Gebäude mit Stallungen sowie 3 große Scheunen für die Ernte und Pferdewagen. Außerdem existierten noch kleinere Wirtschaftsgebäude wie Waschküche, Schuppen für Bienenstöcke und Gerätschaften sowie ein steinerner Backofen.

Tierhaltung

Auf Bayers Hof wurden an Tieren gehalten: Pferde, Kühe, Schafe, Schweine, Hühner, Enten, Gänse, Pfauen und Bienen. Nicht überliefert sind die Anzahl der jeweiligen Tiere. Natürlich gab es auch einen Hund und Katzen. Der Lieblingsaufenthaltsort der Pfauen waren die großen Kronen der alten Bäume, die im Park am Mehrenthiner Weg standen. In zwei Teichen wurden Süßwasserfische gehalten – vor allem Karpfen. Bayers Hof besaß außerdem das Fischrecht im das Gehöft umfließenden Teil des Mehrenthiner Fließes.

Feld- und Gartenwirtschaft

Die zu bewirtschaftende Fläche war 191 Morgen groß, was rund 49 Hektar entspricht. Was genau auf den Feldern angebaut wurde, ist ebenfalls nicht überliefert. Es ist aber bekannt, daß damals im Kreis Friedeberg landwirtschaftliche Flächen im Mittel zu 6 % mit Weizen und Zuckerrüben, zu 58 % mit Roggen und Kartoffeln bestellt wurden. Und so werden auch auf Bayers Hof hauptsächlich Kartoffeln, Roggen und Rüben auf den Feldern angebaut worden sein.
*

Für die Eigenversorgung mit frischem Gemüse und Kräutern dienten 2 große Gärten, einer am Haus und ein zweiter, der bis ans vom Woldenberger See kommenden Mehrenthiner Fließ reichte. Es ist nicht bekannt, ob auch regelmäßig Gemüse und Obst auf dem Wochenmarkt in Woldenberg verkauft wurde.

Hartes Landleben

Das Leben auf einem solchen Einzelgehöft war im 19. Jahrhundert nicht einfach. Denn es gab damals weder elektrischen Strom noch fließendes Wasser, und das Geschäft mußte auf dem „Örtchen“ verrichtet werden – auch wenn es im Winter bitterkalt war. Sogar –30 Grad waren damals keine Seltenheit. Das Wasser kam aus dem Brunnen, wo es mühsam mit Eimern herausgeschöpft und zu den Tieren und ins Haus geschleppt werden mußte. Fürs Licht am Abend sorgten Kerzen und später Petroleum-Lampen. Und gekocht, gebacken und geheizt wurde mit Brennholz aus den nahen Wäldern.

Foto 1 Foto 2 Foto 3 Foto 4 Storch Inset Karpfen Göpel Big
Plan-Skizze von Bayers Hof 1906
^   Plan-Skizze von Bayers Hof bei Woldenberg auf dem Kietzfeld. Diese Skizze basiert auf einer um 1956 von meiner Tante M. D. (Tochter meiner Oma) angefertigten Handskizze *, die diese aus ihrer Erinnerung anfertigte. Sie ist nicht maßstäblich. Durch Klicken auf den Plan gibt es eine vergrößerte Darstellung.

Aus dem genordeten Inset (Ausschnitt aus dieser Karte) wird deutlich, daß das Gehöft mit den Feldern im großen Bogen des Mehrenthiner Fließes lag. Mehrenthiner Weg und Fließ rahmten Bayers Hof also ein. Die Felder hinter dem Hof stiegen von 50 m zu einem 58 m hohen Hügel an, um dann zum Fließ hin nach allen Seiten um etwa 13 m abzufallen *. Das Fließ war von feuchten Wiesen gesäumt.

Längs des Weges in die Felder, der weit in die Felder führte, standen große Tannen. Die roten anklickbaren Punkte geben die Aufnahmestandorte für die auf dieser Seite präsentierten Fotos an.   (Grafik: 2006 – khd)


Kein elektrischer Strom

In der Woldenberger Gegend gingen die Uhren sowieso etwas anders. Denn selbst im Jahr 1924 war die Kleinstadt noch nicht an das Leitungsnetz des Märkischen Elektrizitätswerks angeschlossen, obwohl erst eine solche Vernetzung die Energieversorgung ausfallsicherer gemacht hätte. Im „Heimat-Kalender für den Kreis Friedeberg“ von 1926 (
*) wird ausführlich über die „Elektrizitätsversorgung des Kreises“ berichtet (Seite 5+6). Und danach wurden bereits die Städte Driesen und Friedeberg sowie zahlreiche Dörfer (48), Gutsbezirke (15) und einzelne Güter (8) mit elektrischem Strom versorgt.

Was der Hintergrund für diese Saumseligkeit der Woldenberger Stadtväter war, ist unbekannt. In dem Bericht heißt es nur: „Wegen Anschluß der Ortschaften (...) und der Stadt Woldenberg schweben Verhandlungen.“ Das hört sich nach Streit an. Es kann sogar sein, daß Bayers Hof bis 1945 überhaupt keinen elektrischen Strom hatte.

Was wurde aus Bayers Hof?

Ob es heute (2006) – 100 Jahre später – noch am Standort von „Bayers Hof“ einen Bauernhof gibt, ist nicht bekannt. Aus dem
Plan von Dobiegniew kann dazu keine eindeutige Information entnommen werden (hm, was bedeutet bzw. ist „Nowy Mlyn“). Auch via Satelliten-Fotos von Google-Earth ist es bislang nicht gelungen, das aufzuklären. Dieses Nowy Mlyn hat die Orts-Koordinaten 52° 56' 57" Nord = 52,9492° North und 15° 47' 55" Ost = 15,7986° East, was ja recht gut mit der Position von Bayers Hof übereinstimmt.

Es spricht manches dafür, daß dieses „Nowy Mlyn“ nicht mit „Bayers Hof“ identisch ist *. Vielmehr ist es wohl so, daß das alte Gehöft die Kriegswirren von 1945 und die Nachkriegszeit nicht überlebt hat. Denn Besucher haben 1985 nichts mehr von Resten eines Bauernhofs im Bogen des Mehrenthiner Fließes bemerkt. Auch das in der Nähe von Bayers Hof gelegene Gehöft „Abbau“ existierte 1980 nicht mehr. Hier lagen die Steine aufgeschichtet am alten Bahnwärter- Häuschen am Weg zu den Fließwiesen. [mehr].


Bayers Hof — Einige alte Fotos


Es existieren nur ganz wenige Fotos von Bayers Hof, was verständlich ist. Denn Anfang des 20. Jahrhunderts war der Besitz von (teuren) Fotoapparaten die seltene Ausnahme. Um einen Eindruck von Bayers Hof zu vermitteln, sind hier einige der uralten Familienfotos präsentiert. Die genauen Daten der Entstehung der Fotos sind meistens nicht bekannt, dafür ließen sich aber die Aufnahmestandorte rekonstruieren. Diese sind im Plan von Bayers Hof mit roten Punkten markiert.

Bayers Hof -- Ansicht
^   Dieses ist das älteste existierende Foto von Bayers Hof (um 1900), das leider sehr gelitten hat. Links hinten ist schemenhaft die Südseite des Wohnhauses zu erkennen. Vorne links die Waschküche, rechts der Holzplatz. Im Hintergrund stehen die großen Maulbeerbäume.   (Repro *: 2006 – khd)

Bayers Hof -- Bienenstöcke
^   Der Bienenstand auf Bayers Hof unter den Kirschbäumen. Links neben dem Bienenhaus steht Gutsbesitzer Otto Bayer (um 1902).   (Repro: 2006 – khd)

Bayers Hof -- Park-Teilansicht
^   Bayers Hof um 1902: Blick auf einen Teil des Parks und Hofes. In den Bäumen saßen oft die Pfauen von Bayers Hof.   (Repro: 2006 – khd)

Bayers Hof -- Wohnhaus-Eingang
^   Bayers Hof 1938: Der Eingang zum Wohnhaus, das um 1882 neu aufgebaut worden war. 2 Kinder und 3 Enkelkinder von Otto Bayer besuchten die Nachbesitzerin Starkenberg.   (Repro: 2006 – khd)


Bayers Hof — Einige überlieferte Kochrezepte


Durch meine Großmutter, die in den 1880er-Jahren auf Bayers Hof aufwuchs, sind eine Vielzahl an für den Bauernhof typischen Kochrezepten überliefert. Die besten Rezepte sind bereits auf einer extra Seite publiziert worden. Im einzelnen sind das:


Bayers Hof — Blick auf Bayers Hof heute


    Satelliten-Foto von Dobiegniew mit Ort von Bayers Hof
^   Satelliten-Foto von Dobiegniew (Woldenberg) mit dem Ort, wo bis 1945 Bayers Hof war. Der Ort heißt heute „Osada Nowy Mlyn“ (Siedlung Neue Mühle). Klicke, um vergrößertes Satelliten-Foto anzuzeigen und mit dem alten Meßtischblatt-Ausschnitt zu vergleichen.   (Google Earth – 2008)
Google Earth macht’s heute (2008) möglich: Das Ansehen von Fotos im Internet von (fast) jedem Ort auf der Erde. Diese Fotos sind von Satelliten aus dem Weltall aufgenommen und mit Computern aufbereitet worden. Man muß dazu nur die Google-Software auf dem PC installiert haben und die geographischen Koordinaten des Ortes wissen, von dem man ein Foto sehen möchte.

Auf der Suche nach den ‚Resten‘ von Bayers Hof wurde Anfang März 2008 ein erstes solches Foto heruntergeladen und hier präsentiert (Klick auf das nebenstehende Bildsymbol). Die Orts-Koordinaten sind: Breite = 52° 56' 58,59" Nord (rund 52,95°), Länge = 15° 47' 57,57" Ost (rund 15,80°). Damit wurde ein Foto von Dobiegniew (früher Woldenberg) mit seiner südöstlichen Umgebung mit einem Blick aus rund 8500 Metern (27.844 ft) angezeigt. Leider stand eine höhere Auflösung nicht zur Verfügung.

Das Satelliten-Foto deckt einen Bereich vom Woldenberger Gehege im Westen bis weit hinter Mehrenthin (Mierzecin) im Osten und in Nord-Süd-Richtung einen Bereich von Johanneswunsch (Rolewice) bis Eichberg (Debogóra) ab. Der Google-Computer hat das Foto mit polnischen Ortsnamen beschriftet, deren frühere deutsche Bezeichnung lauten:

   
Zur Orientierung:
  Chrapów = Grapow
  Debogóra = Eichberg
  Dobiegniew = Woldenberg
  Dolinka = xxx
  Grabionka = Grabershof
  Grzmiaca = Hier war früher die alte Papier-Mühle.
  Mierzecin = Mehrenthin
  Osada Nowy Mlyn = Hier war früher Bayers Hof.
  Ostrowiec = Rohrsdorf
  Rolewice = Johanneswunsch
  Sarbinowo = Schüttenburg
  Slonów = Schlanow
 
Auf diesem Foto sind Neuigkeiten zu entdecken. So ist der große Woldenberger See in westlicher Richtung über den früheren Postberg (Straße nach Klosterfelde) hinaus vergrößert worden. Und am Ort im Bogen des Mehrenthiner Fließes, wo bis 1945 Bayers Hof war, existiert nun eine ganze Siedlung, die den polnischen Namen „Osada Nowy Mlyn“ (Siedlung Neue Mühle) trägt. Das ist aber nicht der Ort, wo zu Woldenberger Zeiten der Wohnplatz „Neue Mühle“ war. Dieser lag rund 900 Meter nordwestlich vom heutigen Osada Nowy Mlyn am Mehrenthiner Fließ.


Anmerkungen — Fußnoten


  1. Bayers Hof: Während anderenorts meist die zusammenhängende Schreibweise „Bayershof“ verwendet wird, ist dieser Ortsname in dieser Präsentation durchweg getrennt geschrieben. (1.11.2006-khd)

  2. Nowy Mlyn: Thanks, the problem is solved – Problem gelöst. Das polnische „Nowy Mlyn“ bedeutet auf Deutsch „Neumühle“ (New Mill). Das kann also nicht Bayers Hof sein. Denn bereits zu Woldenberger Zeiten gab es etwas nordwestlich von Bayers Hof (siehe Karte) einen Wohnplatz „Neu M.“ (Neu-Mühle).

    Also muß etwas nicht mit den Koordinaten stimmen, d. h. die Angaben sind vermutlich nicht genau genug. Immerhin macht auf der geographischen Breite von rund 53° eine Änderung um 10" (Längen- Winkelsekunden) eine horizontale Abstandsdifferenz von rund 190 m aus. Natürlich kann es auch sein, daß man heute den Ort von Bayers Hof tatsächlich „Nowy Mlyn“ nennt, und es die alte Neu-Mühle gar nicht mehr gibt. (18.11.2006-khd) [mehr].

  3. Handskizze von Bayers Hof: Diese Skizze befindet sich in einem Diarium „Ahnen und Sippe“, das Margarete Dittberner (* 1899) um 1955 für mich geschrieben hat [BU 228 ist meine Buch-Nr.]. Sie ist die älteste Tochter von Marie Dittberner, geb. Bayer (* 1875), und hat Bayers Hof als Kind und später oft besucht. Das Heft enthält auch die Beschreibungen zu Bayers Hof. (15.11.2006-khd)

  4. Klingenfließ: Im Meßtischblatt von 1934 kann dieses Fließ zunächst nicht ausgemacht werden. Vermutlich floß hier Wasser nur nach starken Regenfällen. Eine genauere Analyse des Meßtischblatt- Ausschnitts legt nahe, daß es sich bei dem Strich, der im Zickzack aus Richtung der Bahnlinie kommt, um das „Klingenfließ“ handeln könnte. Er wurde zunächst als Weg interpretiert. (19.11.2006-khd)

  5. xxx-Winkel: Das Wort ist derzeit nicht entzifferbar, denn M. D, schrieb den Text in alter deutscher Handschrift, die ich zwar beherrsche. Aber Tantes Handschrift ist halt schon sehr sehr ‚ausgeschrieben‘. (16.11.2006-khd)

  6. Foto von 1900: Bei diesem Foto wurde ein erheblicher Repro-Aufwand mit vielen Fehlversuchen betrieben. Immerhin konnten so mit etwas Mathematik (diagonales ‚edge enhancement‘) doch noch die Mauersteine (links), die Leiter und ansatzweise die Dachpfannen des Wohnhauses erkennbar gemacht werden. (16.11.2006-khd)

  7. Höhenangaben: Um die Höhenangaben in der Gegend von Bayers Hof zu verdeutlichen, wird hier ein Ausschnitt aus dem amtlichen Meßtischblatt von 1934 * wiedergegeben. Dieses enthält außerdem Höhenlinien zur Erkennung der Struktur:

    Skizze Big
    Auszug aus dem Meßtischblatt „Woldenberg“ von 1934
    ^   Auszug aus dem Meßtischblatt Nr. 3060 „Woldenberg“ von 1934 *. Deutlich ist der Hügel mit 57,8 m Höhe über NN auf den Feldern von Bayers Hof zu erkennen. Was es mit dem eingezeichneten Gebäude, etwas nördlich von Bayers Hof, aufsich hat, ist unbekannt. Der See unten in der Bildmitte ist der Schlanower See, an den sich östlich Wald anschließt. Die Karte wurde nachträglich etwas koloriert. Die Abkürzungen bedeuten: BW = Bahnwärter, Br = Brücke, NN = Normal-Null (Meeresspiegel), Sch = Scheune, Schp = Schuppen, St = Stall.   (Repro: 19.11.2006 – khd)


  8. Göpel-Werk (Roßwerk): Das ist eine einfache, von Tieren angetriebene Maschine. Meist wurden dazu Pferde verwendet, die im Kreis herumgehen mußten und dabei eine Drehvorrichtung antrieben. Mit dieser Drehvorrichtung wurde beispielweise über ein Getriebe ein Häcksler angetrieben, der Stroh zu Futterzwecken in kurze Stücke zerschneiden konnte. Ein Göpel-Werk stellte für die Bauern eine erhebliche Arbeitserleichterung dar. (21.11.2006-khd)

  9. Weg nach Bayers Hof: Dieser Mehrenthiner Weg ist heute (2006) eine Straße und trägt die Nr. 161. Sie führt allerdings nicht nach Kreuz (Krzyz), wie sich das die Woldenberger Stadtväter in den 1920er-Jahren so sehr wünschten. Die neue Straße führt über Mierzecin (Mehrenthin), Zagórze Lubiewskie (Langs Teerofen) nach Drezdenko (Driesen) ins Netzebruch. (21.11.2006-khd)




Rubriken dieser Woldenberg/Dobiegniew-Präsentation
  • Woldenberg (Leitseite)
  • Woldenberg (Umgebung)
  • Woldenberg (Seenlandschaft)
  • Woldenberg (Das Modell)
  • Woldenberg (Plan 1721)
  • Woldenberg (Plan 1939)
  • Woldenberg (Geschichte)
  • Neumark (Lebuser Land)
  • Neumark (Alte Karte)
  • Neumark (Neue Karte)
  • Kreis Friedeberg (Karten)
  • Bayers Hof (Erinnerungen)
  • Kochrezepte (Spezialitäten)
  • Gästebuch / Guestbook
  • Orte der Neumark
  • Natur der Neumark
  • Seen in der Neumark
  • Flüsse in der Neumark
  • Bilder aus der Neumark
  • Bilder aus Pommern
  • Dobiegniew-Panorama
  • Woldenberg (Fotostrecken)
  • Dobiegniew (Fotostrecken)
  • Dobiegniew (Luftfotos)
  • References (Links)
  • Foto-Verzeichnisse
  • Karten-Verzeichnisse
  • Wo war was in Woldenberg?
  • Zur Site-map des »khd-research.net«

    Zur Leitseite
      Zum Report 11


    ©  2003–2008    Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin  —  Homepage  —  Last Update: 03.04.2008 15.39 Uhr