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File:  Pentium_Bug_Infos.html
Stand:  15.8.2007   (17. Ed.)
     
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  In memoriam — Intels Pentium FDIV-Bug von 1994


BERLIN – 17.10.2004 (khd). Im Mai 1993 brachte der weltgrößte Chip-Hersteller – die Intel Corporation – den neu entwickelten Mikroprozessor „Pentium“ (586er) als Nachfolger des 486er-Chips auf den Markt. Am 30. Oktober 1994 schrieb der Mathematik- Professor Thomas R. Nicely aus Virginia u. a. an den Fachbuchautor Andrew Schulman („Unauthorized Windows 95“) in einer E-Mail (to whom it may concern): „It appears that there is a bug in the floating point unit (numeric coprocessor) of many, and perhaps all, Pentium processors.“ Und damit begann eines der aufregendsten Kapitel der modernen Wirtschaftsgeschichte. Eine Großunternehmen mit weltweit 80 % Markanteil hatte mit einem grundsätzlichen Konstruktionsfehler massiv gepatzt und war dann zunächst auch noch uneinsichtig. Es dauerte aber noch gut drei Wochen bis sich das via Internet verbreitete und dann auch die breitere Öffentlichkeit durch CNN am 22. November 1994 von Intels Desaster mit dem hochgelobten Pentium- Prozessor erfuhr.

In den nächsten Wochen jährt sich dieses Ereignis zum 10. Mal. Und es ist zu erwarten, daß sich auch die Medien daran erinnern, daß Intel den Pentium- Fehler ein halbes Jahr verschwiegen hatte und dann versuchte, alles schönzureden. Viele werden sich fragen, wie das damals genau war. Wer hat zuerst den im Pentium eingebauten Dividier- Fehler (FDIV bug) erkannt? Was geschah darauf? Wie reagierte das große Computer- Unternehmen Intel auf die schreckliche Nachricht? Welche Rolle spielte das Internet? Und welche Lehren galt es zu ziehen? All diese Fragen lassen sich am besten mit Original- Dokumenten beantworten, die damals der Herausgeber dieser Seiten sorgfältig ‚for a future use‘ archivierte.

Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht aller 1994/95 digital gesammelten und heute abrufbaren Materialien (Texte, Postings aus Newsgroups des internationalen UseNETs, Presse- Mitteilungen, Transkripte von Presse- Artikel, Kommentare und Test- Software) zum FDIV-Bug des Mikroprozessors „Pentium“ der Firma Intel – der erste 586er (Pentium I). Dateien, deren Name mit "intel_", "intels_" oder "pbug_" anfangen, sind alle zusammen in einem Zip-Archiv "Pentium_Bug_No_1.zip" archiviert (rund 600 kByte). Die wdv-notes und die Software sind in diesem Kit nicht enthalten. [Kit-Download]  [Translation-Service]

I n d e x :
  1. Einführung.
  2. Zur Chronologie.
  3. Technische Details.
  4. Reaktion der Internet-Gemeinde.
  5. WDV-Publikationen.
  6. Berichte in Massenmedien.
  7. Berichte in Fachzeitschriften.
  1. Statements von Computerfirmen.
  2. Intels Reaktion.
  3. Witz und Häme.
  4. Verschiedenes.
  5. Software.
  6. Kommentare.
  7. Kommentar vom< 3.12.1994.



Einführung

  • intels_pentium.txt – 06.06.1994 – Intel Pentium(TM) Processor Technical Backgrounder.
  • intels_pentium_ad.txt – 00.08.1994 – Intel-Werbung: Why choose a Pentium processor-based PC? („Quality you can count on“).
  • intels_waterloo.txt * – 23.11.1994 – Meine Warnung (News im Campus-Netz der FU Berlin) vor dem Kauf eines Pentium-PCs.
  • pbug_report.txt – 12.12.1994 – Special DataQuest-Report „The Great Pentium Fire Drill“.

Alle mit einem * markierten Dateien enthalten weiteres Material, das in den jeweiligen Rubriken aufgeführt ist. Den "pbug_report" vertrieb Intel offensichtlich an PC-Hersteller, um diese zu beruhigen, was aber nichts nutzte.


Zur Chronologie

  • pbug_nicely.txt – 30.10.1994 – Prof. Nicely teilt seine Entdeckung des FDIV-Bugs per E-Mail mit.
  • pbug_mathisen.txt – 30.10.1994 – Postings from Terje Mathisen (Norway), who verified the FDIV-Bug.
  • pbug_history.txt – 27.12.1994 – How Dr. Nicely's Pentium FDIV bug report reached the Internet.

In "pbug_history" ist die komplette Chronologie der Ereignisse zu finden. Ohne das weltweite Internet (mit E-Mail) sowie das hierbei besonders wichtige UseNET (weltweites Foren-Netz) hätte der FDIV-Bug nie so schnell durch unabhängige Experten unter den Nutzern verifiziert und aufgeklärt werden können.


Technische Details des FDIV-Bugs

  • pbug_coe.txt – 28.11.1994 – Posting from Tim Coe, who do some reverse engineering of Intel's divider.
  • pbug_model.txt – 28.11.1994 – Same as „pbug_coe.txt“ (sorry!).
  • pbug_workaround.txt – 03.12.1994 – Suggestions for Pentium FDIV Bug Software Workarounds.
  • pbug_chain_react.txt – 30.12.1994 – Prof. Vaughan R. Pratt (Stanford): Chain reaction in Pentiums.
  • pbug_pla_table.txt – 20.01.1995 – Prof. Vaughan R. Pratt (Stanford): The real origin of the bug?
  • pbug_effects.txt – 23.02.1995 – Effects of Pentium Division Flaw and its Software Workaround.

Es waren vor allem Tim Coe aus Schweden und Prof. Vaughan R. Pratt von der Stanford-University (USA), die sehr schnell Licht hinter die technischen Aspekte des FDIV-Bugs brachten.


Reaktion der Internet-Gemeinde (FAQ + Petition)

  • intels_waterloo.txt * – 12.11.1994 – Wichtige Postings aus der UseNET-Gruppe „comp.sys.intel“.
  • pbug_faq.txt – 12.12.1994 – The Pentium Divide Bug FAQ posted to comp.sys.intel.
  • intel_petition.txt – 14.12.1994 – Petition an Intel zum Pentium-Defekt, organisiert von Jon Noring (USA).
  • intel_petition_sig.txt – 16.01.1995 – Intel Pentium Petition Validated Signature List.
  • intel_petition_sum.txt – 16.01.1995 – Final Summary of Petition to Intel Regarding Pentium FDIV.

Es war vor allem die intensive Diskussion auf hohem Niveau in der UseNET-Gruppe "comp.sys.intel", die letztendlich Intel zum Einlenken bewegt haben dürfte (kostenloser Austausch des defekten Pentium-Chips für alle).


WDV-Publikationen

  • wdv-notes_307.pdf – 25.11.1994 – Intel Pentium – The chip that redefines mathematics.
  • wdv-notes_327.pdf – 03.12.1994 – Intel Pentium – Der eingebaute Divisionsfehler.
  • wdv-notes_328.pdf – 15.12.1994 – Intel Pentium – Die weltweite Petition an Intel.
  • wdv-notes_329.pdf – 23.12.1994 – Intel Pentium – Business must learn from the debacle.
  • wdv-notes_330.pdf – 23.12.1994 – Intel Pentium – Questions and (some) answers.
  • wdv-notes_331.pdf – 29.12.1994 – Intel Pentium – Die Lehren des Falls Intel 1994.
  • wdv-notes_334.pdf – 31.12.1994 – The frequency and propagation of errors caused by the Pentium FDIV defect (Paper by Prof. Vaughan R. Pratt, Stanford).

Diese von khd 1994/95 herausgegebenen Merkblätter (wdv-notes) sind nicht in dem Kit "Pentium_Bug_No_1.zip" enthalten. Die meisten Dateien (files), die in diesen wdv-notes zitiert werden, sind in dem Kit enthalten (der in den wdv-notes genannte FTP-Server existiert nicht mehr). [Kit-Download]


Berichte in Massenmedien

  • pbug_cnn.txt – 22.11.1994 – First CNN report on the bug in the Pentium chip (24.00 Uhr GMT).
  • pbug_ny_times.txt – 24.11.1994 – New York Times: Circuit flaw causes Pentium chip to miscalculate, Intel admits.
  • pbug_faz.txt – 29.11.1994 – Frankfurter Allgemeine Zeitung: Probleme beim neuen Pentium- Mikroprozessor.
  • pbug_tasp.txt – 05.12.1994 – Der Tagesspiegel (Berlin): Fehler im Pentium-Chip.
  • pbug_ny_times_2.txt – 06.12.1994 – New York Times: Error in Pentium chip still dogging Intel.
  • pbug_reuter.txt – 12.12.1994 – Reuter's press-release: IBM cracks down on defective Pentium chip.
  • pbug_ny_times_3.txt – 19.12.1994 – New York Times: Intel facing a general fear of its Pentium chip.
  • pbug_german_medias.txt – 09.05.1995 – Der Pentium-Fehler in deutschen Medien.

Natürlich ist das nur eine ganz kleine Auswahl. Auch in Deutschland berichteten alle Zeitungen von dem Pentium-Defekt. Die ausgewählten Texte in "pbug_german_medias" sind im Zeitraum 29.11.1994 – 8.5.1995 gesammelt.


Berichte in Fachzeitschriften

Das amerikanische Computer-Magazin "BYTE" brachte eigentlich nichts... Auch die deutsche Fachpresse hielt sich sehr zurück, vermutlich um die lukrativen Intel- Inserate nicht zu verlieren.


Statements von Computerfirmen

  • pbug_spss.txt – 02.12.1994 – The Pentium bug and SPSS software.
  • pbug_ibm.txt – 12.12.1994 – IBM's press release: IBM stopped shipment of all IBM personal computers based on the Intel Pentium microprocessor.
  • pbug_ibm_study.txt – 13.12.1994 – IBM Research's statement on their Pentium study.
  • pbug_microsoft.txt – 13.12.1994 – Microsoft/Pentium Chip: Windows does not use floating point.

Merke: Die Wintel-Allianz der Ausreden funktionierte mal wieder perfekt.


Intels Reaktion

In "intels_president" ist auch einiges der ersten Reaktion der Internet-Gemeinde festgehalten. Der Titel von Intels "White Paper" ist "Statistical analysis of floating point flaw in the Pentium processor".


Witz und Häme

Wenn eine Firma einen derart großen Bock schießt und das dann noch nicht mal richtig zugeben will, ergießt sich jede Menge Spott und Häme über ein solches kundenunfreundliches Geschäftsgebaren. Erstaunlich war allerdings die enorme Kreativität, mit der Jokes, Gedichte und Geschichten in kurzer Zeit fabriziert wurden.


Verschiedenes

Das sind teilweise Info-Dateien (Readme's) zur Intel-Software.


Software (Test-Programme)

  • P87TEST.ZIP – 24.11.1994 – Test for Pentium chip FDIV bug, written by Terje Mathisen (Norway).
  • MASM16.ZIP – 21.01.1995 – Intel's Pentium defect work-around for DOS 16-Bit systems.
  • MASM32.ZIP – 21.01.1995 – Intel's Pentium defect work-around for DOS 32-Bit systems.
  • $CPUID.EXE – 20.04.1995 – Intel's test program for the Pentium FDIV defect.

Bemerkenswert ist, daß der von Terje Mathisen geschriebene "P87TEST" sich Ende November 1994 rasant via Internet verbreitete. Und so konnte jeder Eigner eines Pentium-PCs sehr schnell selbst feststellen, daß auch sein Pentium den Dienst beim richtigen Dividieren versagte. Denn zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, daß sowieso alle bis dahin produzierten 6 Millionen Pentium-Chips defekt waren.


Kommentare

  • pbug_comment.txt – 03.12.1994 – Die Arroganz der Macht – Kommentar von Karl-Heinz Dittberner.
  • intels_waterloo.txt * – 21.12.1994 – Kommentar zum Verhalten von Intel und der Rückrufaktion (khd).

Der Kommentar "pbug_comment" von khd vom 3. Dezember 1994 ist unten auf dieser Web-Seite wiedergegeben. Weitere Kommentare und Anmerkungen sind in den publizierten wdv-notes enthalten.


Die Arroganz der Macht

Erstpublikation – 3.12.1994 (
khd). Nun wissen wir es also ganz genau, ein Konzern meint bei einem Weltmarkanteil von 80 % mit mündigen Kunden nach Belieben umspringen zu können, Hauptsache die Kasse stimmt. Intel hat einen Konstruktionsfehler des Pentium-Prozessors, der jeden Pentium-Computer unzuverlässig rechnen läßt, ein halbes Jahr verschwiegen und räumte den Defekt erst dann ein, als er von Anwendern gefunden und in der weltweiten Öffentlichkeit des Internets bekannt wurde. Nein Intel, das ist unglaublicher Machtmißbrauch der übelsten Sorte.

Es zeigt sich aber auch, wie wenig Sorgfalt Intel auf die Qualitätskontrolle ihrer vermeintlichen Hightech-Produkte verwendete. Das war zwar schon in den letzten Jahren zu beobachten, denn die Fehler-Liste aller Intel-Chips ist inzwischen ellenlang, länger als die aller Hauptkonkurrenten zusammen.

Von Albert Einstein stammt der Grundsatz „Make it as simple as possible, but not simpler.“ Intel hat bei der Entwicklung des Pentium-Prozessors eklatant gegen dieses universelle Prinzip verstoßen. Sie machten den Pentium „as complex as possible“. Deshalb konnte Intel den Chip auch nicht einmal mehr vollständig testen, bevor sie ihn verkauften. Sie versprachen aber dennoch in der Werbung die absolute Perfektion („Quality you can count on!“). Und unkritische Ingenieure, die es eigentlich hätten besser wissen können, klatschten dazu auch noch Beifall. Es war der Schweizer Informatik-Professor Niklaus Wirth, der Erfinder von Modula-2, der immer wieder auch auf die Gefahren einer ungesunden HighTech- Entwicklung und deren Folgen hingewiesen hat. Er hat recht behalten.

Der „Fall Intel“ lehrt uns aber auch noch etwas ganz anderes, das große Hoffnung macht. Die vielfach belächelte schnelle interkontinentale HighTech- Kommunikation per E-Mail und UseNET- News über das Internet (Information- Highway) hat eine erste große Bewährungsprobe bestanden. Sie ermöglichte – im zutiefst demokratischen Sinne – die sehr schnelle Herstellung von Öffentlichkeit.

Im „Fall Intel“ reagierten die Massenmedien weltweit viel zu träge und ungenau, als im November 1994 Internet-Benutzer in weltweiter Kooperation den Pentium- Defekt entdeckten, verifizierten, nochmals überprüften und dann höchsten Alarm gaben.

Die Mächtigen auf dieser Erde werden es in Zukunft sehr viel schwerer haben, Wahrheiten zu verbergen. Liefert doch dieser Skandal inzwischen auch erste Anzeichen dafür, daß eine sehr schnell, solide und umfassend informierte (Welt-)Gesellschaft, einen erheblichen Einfluß darauf haben kann, daß z. B. die unethischen Geschäftspraktiken eines Weltkonzerns sich letztendlich doch nicht durchsetzen können.




Aktuelle Hinweise: 
  • 28.03.2006: Beim TeGenero-Skandal wird im März 2006 deutlich, daß sich auch Unternehmen aus der Pharma- Branche bei einem GAU nicht anders verhalten. Sie reagieren zunächst mit Hinhalten, Kleinreden und Beschwichtigen. Es sei doch alles nach den Regeln der klinischen Pharma- Forschung gelaufen, heißt es allerorten. Vom Willen zur totalen Transparenz und Ehrlichkeit ist bei allen Beteiligten wenig zu bemerken. Auch hier übersehen alle Beteiligten, daß im Internet- Zeitalter Lügen besonders kurze Beine haben. Immerhin geht es in diesem Fall um das Leben von Menschen. [Kommentar]
  • 12.01.2006: Anfang November 2005 wurde der Skandal um Sony BMGs Art des Kopierschutzes bei Musik-CDs bekannt (heimlich extrem schädliche XCP-Software mitgeliefert). Und wir mußten dann erkennen, daß die Sony- Manager nichts – aber auch gar nichts – aus dem Pentium-Skandal von 1994 gelernt hatten. Auch sie reagierten zunächst mit Hinhalten, Kleinreden und Beschwichtigen. Das fatale Ergebnis: Sonys bislang sehr gutes Image ist wg. des millionenfach begangenen "digitalen Hausfriedensbruchs" arg ramponiert.
  • 03.12.2005: Es ist schon interessant: Eigentlich erinnern sich hierzulande die Fachzeitschriften gern an alle möglichen Jubiläen wie die erste integrierte Schaltung, den ersten Internet-Browser oder den Start der PC-Story. Aber an den – nun vor 11 Jahren – eingetretenen GAU beim Chip-Hersteller Nr. 1 mochte sich 2004/2005 kein Journal erinnern. Wollte man Intel inside (the magazine) nicht auf die Füße treten? Oder habe ich da etwas übersehen?


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