| 1996: |
Die IBG braucht für ihre Fonds immer mehr Häuser, denn alle Welt will zu
den Traumbedingungen Fonds zeichnen. Aber es gibt nicht genug Immobilien, um die
Nachfrage seriös zu befriedigen. So werden auch Immobilien gekauft, die
unrentabel sind. Das verursacht hohe Verlustrisiken allerdings nur für
die BGB. Es werden immer weitere Fonds aufgelegt, um mit den neuen Einlagen die
Altrisiken abzudecken. Ein Schneeballsystem entsteht.
|
| 1996: |
Das Berliner Landesarbeitsgericht stellt in einem Prozeß fest, daß die
Konstruktion des BGB- Konzerns, mit der die auf öffentliche Interessen
gerichtete LandesBank einer auf Gewinnerzielung orientierten Aktiengesellschaft
untergeordnet wurde, verfassungswidrig sei. Denn das Durcheinander
der unterschiedlichen Weisungs- und Kontrollmechanismen von Anstalts- und Aktienrecht
sowie der diversen Regelungen von Beteiligungs- und Interessenwahrungs- Verträgen
führe dazu, daß im Ergebnis keine wirksame Kontrolle mehr möglich
sei.
|
| 1996: |
Weil die IBG, eine 100-Prozent-Tochter der Landesbank Berlin (LBB), eine so
erfolgreiche Firma ist, wollen die Vorstände von BerlinHyp und Berliner Bank
auch etwas davon haben. So wird geteilt: Die IBG gehört nun der LBB und
BerlinHyp zu je 30 % und der BankGesellschaft zu 40 %. Damit sitzen nun auch
Klaus Landowsky und Klaus von der Heyde im
IBG-Aufsichtsrat und sind an allen größeren Immobilien- Käufen
beteiligt.
|
| 1996: |
Die großen Probleme der BankGesellschaft Berlin (BGB) werden erstmals
öffentlich bekannt. Aber eine durchgreifende, ernsthafte Sanierung des
angeschlagenen Konzerns unterbleibt. Das System BGB ist bereits zu
groß, um pleite zu gehen. |
| November 1996: |
Die erste große Säuberungsaktion im Kreditportfolio fördert
bereits einen Wertberichtigungsbedarf von über 1 Milliarde Euro zu
Tage. Danach soll der Bankkonzern angeblich besenrein
rein.* |
| Jahreswechsel 1996/97: |
Die Vorstandssprecher Wolfgang Steinriede und Dr. Hubertus Moser
müssen vorzeitig gehen. Als Sanierer wird Dr. Wolfgang Rupf Chef des
Konzerns. Gegen die mächtigen Männer der Teilbanken vor allem
BerlinHyp- Chef Klaus Landowsky (CDU), einem
Technokraten der Macht, wie die resolute Ursula Besser (CDU)
über ihn um 1986 urteilte
kann sich der Neue von
Anfang an nicht durchsetzen. |
| 1996/97: |
Seit 1996/97 war in der deutschen Finanzwelt bekannt, daß die Berliner
BankGesellschaft Immobilien- Fonds zu Konditionen auflegte, die sie über kurz oder
lang in den Ruin treiben mußte. Dennoch hat keiner Halt geschrien: Die
Banker nicht, die staatliche Bankenaufsicht nicht, und die Politiker sowieso nicht... |
| 30. Januar 1997: |
Hier beginnt die eigentliche Aufdeckung des Berliner Bankenskandals, als beim
Wirtschaftsprüfer Achim Walther in Hannover das Telefon klingelt: Ulf-Wilhelm
Decken, seit einem halben Jahr Vorstandssprecher der Landesbank Berlin (LBB) und
Mitglied im Aufsichtsrat der IBG, ruft ihn an, weil er sich Sorgen um die geschlossenen
Immobilienfonds der LBB-Tochter IBG machte und Walther bitten will, die Risiken
dieser Fonds zu prüfen. Beide kannten sich seit Beginn der 90er- Jahre, als Walther
noch Finanzdirektor des Touristikunternehmens TUI und Decken leitender Angestellter der
Dresdner Bank war. Achim Walther übernimmt den Prüfauftrag und erstattet
Decken im Juli einen vernichtenden Bericht. |
| Mai 1997: |
Beginn der Fusionsverhandlungen zwischen BankGesellschaft und Nord/LB. Gut
ein Jahr später wird der Zusammenschluß zur "BankGesellschaft
Berlin-Hannover AG" abgesegnet.* |
| Mai 1997: |
Der Geschäftsführer der Immobilien- und Baumanagement GmbH (IBG-Tochter der
BankGesellschaft Berlin), Dr. Manfred Schoeps, schlägt in einem Aktenvermerk
vor, zur Abwicklung der Immobilien- Kredite eine Strohmann- Konstruktion zu wählen.
Das wird aber erst im Oktober 2003 bekannt. Schoeps ist verantwortlich für das obskure
Immobilienfonds- Geschäft der BankGesellschaft Berlin, für dessen ruinöse
Folgen das Land Berlin Ende 2001 Bürgschaften in Milliardenhöhe übernehmen
muß.
|
| ? 1997: |
Um möglichst unauffällig das über die vielen neuen Gesellschaften
hereinströmende Kapital zu den Fondsgesellschaften zu leiten, wird eigens zu
diesem Zweck die Firma Nemesis gegründet. Diese hat für die
Kreditvermittlung 4 Töchter, später kommen 23 weitere dazu: FinTech 1 bis
FinTech 23, die der möglichst unbegrenzten Kapitalzufuhr dienen.
|
| 1997: |
Die BankGesellschaft (BGB) richtet zur Überwachung der Kredite ein
Konzern-Kreditbüro ein. Dieses kann aber ein Controlling
nicht durchführen, da die BGB-Teilbanken die Akteneinsicht verwehren. Vor allem
die von Klaus Landowsky geführte BerlinHyp verweigert die Kontrolle der
Immobilien-Kredite. |
| Juli 1997: |
Im Auftrag des LBB-Chefs Ulf-Wilhelm Decken untersuchte der renommierte
Wirtschaftsprüfer Achim Walther die Risiko-Situation bei der BGB-
Immobilientochter IBG (Immobilien- und Baumanagement GmbH). Bei dieser
Sonderprüfung stellte er am 24.7.1997 in einem Bericht fest, daß die Bank
durch Mietgarantien für Fondszeichner sehr hohe Risiken eingegangen war.
Nachdem Walther Alarm geschlagen hatte, verlor er seinen Prüfauftrag und sein
kritischer Bericht verschwand in der Schublade der Bank. Bekannt wird das alles aber
erst am 22. August 2002 durch einen TV-Bericht des ARD- Politmagazins
Kontraste (SFB).
( ,
Seite 104126)
|
| September 1997: |
Die Wirtschaftsprüfer BDO, KPMG und Arthur Andersen widersprechen dem
Entwurf des IBG- Sondergutachtens des Wirtschaftsprüfers Achim Walther. Die
Annahmen Walthers seien nicht fundiert, reden sich die Prüfer heraus
wissend, daß ihre Gutachten mit ganz anderen Schwerpunkten älteren
Datums sind und nichts zu den Walther- Analysen beitragen können. Damit
verschwindet das Walther- Gutachten quasi ungeprüft in einer
Schublade (und taucht erst am 30. Juni 2002
wieder auf). Und so kann die IBG danach noch 7 äußerst kritische
(verlustbringende) Immobilien- Fonds mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Mrd. Euro
auflegen. |
| 1997: |
Mit den Dividenden- Zahlungen geht es bergab. In den Jahren 19941996
wurden noch jeweils (umgerechnet) 0,56 Euro pro Aktie gezahlt. |
| Herbst 1997: |
Der Wirtschaftsprüfer C & L Deutsche Revision AG stellt den Wert des
BGB-Konzerns mit (umgerechnet) 5,6 Mrd. Euro fest. Davon wird im Jahr 2001
nichts mehr übriggeblieben sein. |
| 12. November 1997: |
Die Fides-Treuhandgesellschaft hat im Auftrag des Bundesaufsichtsamts für
das Kreditwesen u. a. einen Prüfbericht der IGB- Gruppe und deren
Immobilien- Fonds angefertigt. Darin wird explizit auf die Risiken und fehlende
Bildung von ausreichenden Rücklagen für die langen Mietgarantien (25 Jahre)
hingewiesen. Auch ein effektives Controlling konnten die Prüfer bei der IBG
nicht feststellen. |
| 19972000: |
Die BankGesellschaft Berlin (BGB) wird von ihrer Tochter IBG ausgenommen wie eine
Weihnachtsgans, und keiner will es später bemerkt haben.
|
| Mitte Januar 2001:
|
Der Berliner SPD-Vorsitzende Peter Strieder feixt vor einigen Lokaljournalisten
mit unverhohlener Vorfreude: Der örtliche CDU-Fraktionschef Klaus
Landowsky werde demnächst ziemlich viel Ärger bekommen, denn bei der
BankGesellschaft Berlin, deren Tochter BerlinHyp Landowsky leitet, würden
für windige Immobilien-Fonds demnächst Rückstellungen in
Milliardenhöhe fällig.
|
| Januar 2001: |
Das Gerücht macht die Runde der Skandal BankGesellschaft kommt
ins Rollen: Und er beginnt mit einem faulen 600-Millionen-Mark Kredit der BerlinerHyp an
die Aubis- Gruppe, in dessen Zusammenhang Klaus Landowsky (CDU)
von den Aubis- Managern Wienhold und Neuling eine Parteispende erhalten
haben soll. |
| 29. Januar 2001: |
Im Nachrichtenmagazin Spiegel erscheint der Artikel
Der
Milliarden- Bluff, worin die krummen Geschäfte der BGB, Bilanz-Tricks
sowie der geplante Börsengang der IBG kritisch beleuchtet werden. Daraufhin
bricht bei der BankGesellschaft Berlin helle Panik aus, zumal der Spiegel die
komplette BGB- Vorstandsvorlage vom 7.11.2000 (verfaßt von Friedhelm
Schaperjahn) mit der Beschreibung der bereits mit Hilfe der Investment- Banker von J.
P. Morgan umgesetzten raffinierten Bilanz-Tricks im Internet publiziert.
( ,
Seite 144 + 150f)
|
| Anfang Februar 2001:
|
Berlins Finanzsenator Peter Kurth (CDU) behauptet, die BankGesellschaft werde
dieses Jahr eine Dividende ausschütten. Ein Risiko für den
Landeshaushalt bestehe nicht. Und Regierungschef Eberhard Diepgen (CDU)
sagt, die neue BGB-Krise sei beherrschbar, es gehe lediglich um
vorübergehende Zinsbelastungen. |
| Februar März 2001: |
Die Risikolage im Konzern und in seinen Teilbanken verschärft sich
zusehends. Sonderprüfungen fördern immer neue Löcher im
Kreditportfolio zu Tage. Die versprochene Dividende wird nicht
ausgeschüttet.* |
| 8. Februar 2001: |
| |
|
|
Eberhard Diepgen (rechts) und sein Intimus Klaus Landowsky.
(Foto: 12.5.2001 mopo) |
|
CDU-Fraktionschef Klaus- Rüdiger Landowsky legt überraschend ein
öffentliches Geständnis ab (Journalist
Mathew D. Rose war ihm auf der Spur): Zeitungs- Redaktionen erhalten ein Fax der
Berliner CDU- Fraktion, in dem Klaus Landowsky den Empfang einer Parteispende in
Höhe von 40.000 DM bestätigt und zwar aus der Hand von 2 Ex-CDU-
Abgeordneten, denen seine Bank zeitgleich einen Immobilienkredit in Höhe von 600
Millionen DM gewährte (Aubis-Kredit).
Vorausgegeangen war an diesem Tag eine Besprechung im Roten Rathaus. Dort wurde der Regierende
Eberhard Diepgen (CDU) mit der Nachricht konfrontiert, daß sein Intimus Landowsky 1995 die
40.000 Mark (20.450 Euro) in bar ausgerechnet in seinem Dienstzimmer bei der BerlinHyp angenommen hatte,
deren Vorstandschef er war. In der Runde bei Diepgen mußte CDU- Schatzmeister Dankward
Buwitt einräumen, daß der weitaus größte Teil der Spende weder in seinen
Büchern auftauche noch dem Bundestagspräsidenten ordnungsgemäß gemeldet worden war.
Landowsky und Buwitt hatte sich das Geld zwar nicht in die Tasche gesteckt, es aber parteiintern nach
Gutsherrenart ausgegeben.
|
| Februar 2001: |
Durch das Bekanntwerden der Aubis-Spende an die CDU wird die Berliner Parteispenden-
und Bankenaffäre ausgelöst. In deren Folge die SPD im Juni 2001 die
große Koalition mit der CDU aufkündigen wird. |
| Februar 2001: |
Die Bankgesellschaft nennt Kredite von 5 Mrd. DM
beobachtungswürdig also sind offensichtlich faul. Die
staatliche Bankenaufsicht moniert die großzügige Vergabepraxis der
BankGesellschaft bei Immobilienkrediten. |
| Ende Februar 2001: |
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel behauptet BGB-Chef Dr.
Wolfgang Rupf von den Freistellungserklärungen für die Strohmänner
der Fondsgesellschaften und den daraus für die BGB resultierenden Risiken
nichts gewußt zu haben...
|
| 1. März 2001:
|
Das ARD-Politmagazin Kontraste (SFB) sendet einen Bericht zur illegalen
Parteispende, die der BerlinHyp- Chef Landowsky für die CDU von den Aubis-
Managern Neuling und Wienhold 1995 erhalten hat. Diese hatten einen Kredit von 600
Mio. DM erhalten. |
| Anfang März 2001: |
Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen legt dem Senat von Berlin einen
Prüfbericht zum BGB-Konzern vor. Der Senat hält den Bericht unter
Verschluß. |
| Anfang März 2001: |
Der Chef der Landesbank Berlin (LBB) Ulf- Wilhelm Decken ersucht um die Entbindung
von seinen Pflichten. Decken wird vorgeworfen, im Zusammenhang mit den umstrittenen
Immobilienfonds des BGB-Konzerns sogenannte Freistellungserklärungen unterzeichnet zu haben, ohne
daß dazu ein Vorstandsbeschluß vorgelegen habe. Deshalb erfolgt wenige
Wochen später die Kündigung Deckens durch die BankGesellschaft Berlin
(BGB). |
| März 2001: |
Die staatliche Bankenaufsicht (Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen) fordert
den Rücktritt von 5 Vorstandsmitgliedern des BGB-Konzerns darunter
BerlinHyp-Chef Klaus Landowsky. Landowsky sei fachlich ungeeignet und teilweise
unzuverlässig.
|
| März 2001: |
Der Schnell-Verkauf des IBG-Geschäfts an die Karibik-Holding auf
den Cayman Islands scheitert. Damit wollte die BGB die Milliardenverluste verschleiern.
|
| März 2001: |
Gleich reihenweise stolpern Vorstände der Teilbanken des Konzerns über
Unregelmäßigkeiten und Merkwürdigkeiten in der Geschäftspraxis. Unter
den 5 Managern, die gefeuert werden, befindet sich auch der einflußreiche
Strippenzieher und BerlinHyp- Chef und Berliner CDU- Fraktionschef Klaus
Landowsky. |
| März 2001: |
Trotz der unübersehbaren Zuspitzung bezeichnet Wolfgang Rupf
die Lage als beherrschbar. Im Aufsichtsrat erklärt er, die
BankGesellschaft Berlin sei kein Sanierungsfall. Er irrte total.* |
| 28. März 2001: |
Der unabhängige Wirtschaftsprüfer Achim Walther, der 1997 eine Sonderprüfung der BGB-Tochter IBG
durchführte, schreibt dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU):
Das Unglück der Bankgesellschaft ist nicht nur eine bedauerliche
Schieflage aus falsch eingeschätzten Kreditrisiken. Es ist ein Fall für
die Staatsanwaltschaft. Mit hohen Schadensersatzforderungen für Berlin. Im
Konzern der Bankgesellschaft wurde mit krimineller Energie alles versucht, um
(...) Marktführer in einer Branche zu werden, deren Geschäfte
normalerweise durch das Kreditwesengeschäft nicht gedeckt sind.
Diepgen reagiert nicht. Später (2002) wird er sich an diesen Brief nicht mehr
erinnern.
( ,
Seite 176)
|
| 5. April 2001:
|
Das Abgeordnetenhaus von Berlin beschließt die Einsetzung eines
parlamentarischen Untersuchungsauschusses zur Aufklärung der
Vorgänge bei der BankGesellschaft Berlin und deren Töchtern.
Erster Vorsitzender des Untersuchungsauschusses wird Klaus Uwe
Benneter (SPD). Untersucht werden sollen die folgenden Fragenkomplexe:
- A. Aubis-Kredit.
- B. Parteispenden an die CDU im Zusammenhang mit Kreditvergaben der BGB.
- C. Fondsgeschäfte.
- D. Sonstige Großkreditgeschäfte im Immobilienbereich der BGB.
- E. IBG / IBAG.
- F. Ermittlungen und Sonderprüfungen.
- G. Finanzielle Zuwendungen und andere Vorteile.
- H. Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung bei der LBB.
Der Auschuß startete am 11. April seine Untersuchungen.
|
| April 2001: |
Die BankGesellschaft Berlin (BGB) beginnt mit Suche nach einem Investor. |
| 16. Juni 2001:
|
In Berlin zerbricht wg. des Banken- Skandals die Große Koalition. Der Regierende
Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) wird von SPD, Grünen und PDS per
Mißtrauensvotum abgewählt. Der Skandal hat ihn zu Fall gebracht. SPD und
Grüne bilden eine Übergangsregierung. Klaus Wowereit (SPD) wird neuer
Regierender Bürgermeister. Im Oktober 2001 kommt es zu Neuwahlen. |
| 1. Juli 2001:
|
In Abstimmung mit dem Großaktionär (also dem Land Berlin)
legen die Herren Dr. Dieter Schadt und Dr.-Ing. E.h. Heinz Dürr ihre
BGB-Aufsichtsrats-Mandate nieder.
( ,
Seite 191)
|
| Juli 2001: |
Wegen der zahlreichen Sonderprüfungen im Kredit- und Immobilienbereich
legt der Konzern seinen Abschluß für das Geschäftsjahr 2000
erst mit mehrmonatiger Verspätung vor. Das ernüchternde
Ergebnis: Eine milliardenschwere Risikovorsorge und 1,65 Milliarden Euro
Verlust.* |
| 2. Halbjahr 2001: |
Bis zur Neuwahl des Berliner Abgeordnetenhauses am 21.10.2001 herrscht in Berlin ein
Kartell des Schweigens um das Milliardengrab der BGB. Auch Rot-Grün
wollte im Wahlkampf keine öffentliche Diskussion eines Banken-Skandals
nur die des Landowsky-Skandals. |
| 12. Juli 2001: |
Das Berliner Abgeordnetenhaus beschließt mit dem Nachtragshaushalt 2001 des
rot-grünen Übergangs-Senats auch, daß die BankGesellschaft Berlin
neues Kapital von bis zu 2 Milliarden Euro erhalten wird. In der
Öffentlichkeit bleibt völlig unverständlich, daß die Grünen
das mitgetragen haben.
( ,
Seite 159)
|
| August 2001:
|
Im BGB-Aufsichtsrat einigt man sich auf ein Konzept einer Restrukturierung des
Konzerns. Der US-Investor Christopher Flowers plant ein Übernahmeangebot. |
| 28. August 2001: |
BGB-Chef Dr. Wolfgang Rupf bietet dem Berliner Senat seinen Rücktritt
an. Aber die rot-grüne Politik reagiert nicht. Rupf bleibt so noch 3 weitere
Monate an der Spitze des Skandal-Konzerns. |
| 29. August 2001: |
Hauptversammlung der BankGesellschaft Berlin (BGB). Es kommt zu wütenden Protesten der
Aktionäre. Wolfgang Rupf bestätigt, daß er bereits einige Wochen zuvor seinen
Rücktritt angeboten habe. Angesichts der katastrophalen Lage zieht der Vorstand
seinen Antrag auf Entlastung zurück. |
| 30. August 2001: |
Es werden 2 namentlich nicht benannte Ex-Mitarbeiter der BankGesellschaft verhaftet.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen u. a. Untreue und Erpressung vor. |
| August/September 2001:
|
Nur noch die Kapitalerhöhung in Höhe von rund 2 Milliarden Euro sichert
den Fortbestand der BankGesellschaft Berlin. Das Land Berlin zeichnet den
Löwenanteil, die übrigen Großaktionäre Nord/LB und Parion beteiligen
sich nur unterproportional an der Kapitalmaßnahme, so daß ihre
Beteiligungsquoten sinken. Diese staatliche Beihilfe muß noch von der EU-Kommission
genehmigt werden. Würde diese Genehmigung von der EU versagt, bedeutet dies das Ende der
BankGesellschaft Berlin. |
| August Oktober 2001: |
Drei Interessenten für die Übernahme der BankGesellschaft melden
sich: Zunächst der US-Investor J. Christopher Flowers (BGB Capital
Partners), dann eine Gruppe um Nord/LB und Hamburger Sparkasse, zuletzt die
US-Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group. |
| September 2001: |
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) gibt beim Land Berlin ein Kaufangebot
für das Retailgeschäft der BankGesellschaft (Berliner Sparkasse) ab. |
| 29. September 2001: |
Der EDV-Chef der Aubis-Gruppe, Lars-Oliver Petroll (32), wird im Grunewald unter
mysteriösen Umständen erhängt aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft
sagt, es sei ein Selbstmord. Aber daran gibt es später erhebliche Zweifel, denn
er wußte offensichtlich viel von den Betrügereien der Aubis. Und sein
Wissen wollte er zu Geld machen...
|
| Herbst 2001:
|
Die BGB hat bereits die frischen Landes-Milliarden für das laufende
Geschäft verbraucht, so daß weitere Maßnahmen unausweichlich werden.
Davon erfährt die Öffentlichkeit wg. des Wahlkampfes aber
nichts. |
| Oktober 2001: |
Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den ehemaligen CDU-Fraktionschef
Klaus Landowsky wegen des Verdachts der Untreue. Bis Anfang 2004 kommt es zu
keiner Anklage. |
| 12. Oktober 2001: |
Rechtzeitig vor der Wahl legt der Untersuchungsausschuß BankGesellschaft /
Parteispenden des Berliner Abgeordnetenhauses zur Aufklärung der
Vorgänge bei der BankGesellschaft und des Umgangs mit Parteispenden einen
Zwischenbericht vor (183 Seiten,
).
Der Ausschuß untersuchte, ob es einen Zusammenhang zwischen der Vergabe von
Krediten der BerlinHyp an die Immobilienfirma Aubis und Spenden an die CDU gab
(Landowsky-Affäre). Er hat mehrheitlich einen auffällig engen
zeitlichen Zusammenhang zwischen Spenden an die CDU und der Vergabe von
problematischen Krediten an die Immobilienfirma Aubis festgestellt. Die
CDU-Vertreter sehen hingegen keine direkte Verbindung.
|
| 21. Oktober 2001: |
Die Berliner CDU verliert die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin. In der Hauptstadt
regiert danach Rot-Rot (SPD + PDS) unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus
Wowereit. |
| 29. November 2001:
|
Der unabhängige Wirtschaftsprüfer Achim Walther, der 1997 eine Sonderprüfung der BGB-Tochter IBG
durchführte, schreibt dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD):
Aus der wirtschaftlichen Schieflage der Bankgesellschaft ergeben sich
Schadensersatzansprüche des Landes gegen die Geschäftsführer der
ehemaligen IBG, die Vorstände und Aufsichtsräte der Landesbank sowie der Bankgesellschaft und
die beteiligten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Wowereit reagiert
nicht.
( ,
Seite 177).
|
| 30. November 2001: |
Rupf, dessen zweite Amtsperiode gerade begonnen hatte, wird nach der Wahl zusammen
mit 2 BGB- Vorstandskollegen (Dr. Thomas Kurze + Dr. Lothar Wackerbeck) entlassen.
Der SPD ist er jetzt gleichgültig. Der Immobilienspezialist Hans- Jörg
Vetter, erst seit einem Monat in der Bank, wird auf Vorschlag der SPD-
Finanzsenatorin Christiane Krajewski neuer Vorstandschef. Der Aufsichtsrat segnet
ein Sanierungskonzept ab, das den Abbau von 4000 Stellen und die Fokussierung des
Geldhauses auf Kernaktivitäten und die heimische Region vorsieht. |
| 6. Dezember 2001:
|
Das ARD-Politmagazin Kontraste (SFB) berichtet über neue
Milliardenrisiken die Berliner BankGesellschaft werde zum Alptraum der
Steuerzahler. Auch unter der nach der Großen Koalition amtierenden
rot-grünen Regierung die so richtig aufräumen hätte
können ginge das Verschleiern weiter, heißt es in
der Fernsehsendung.
|
| 17. Dezember 2001: |
Der Berliner Senat erklärt sich in einer Grundsatzvereinbarung bereit, die
BankGesellschaft von den Milliardenrisiken aus ihren ruinösen Immobilienfonds-
Geschäften für die nächsten 30 Jahre abzuschirmen (Risiko-
Abschirmung Der Griff nach Milliarden von Steuern). Das sei eine
wichtige Voraussetzung für die Sanierung und den eventuellen Verkauf des
Konzerns, sagt die SPD-Senatorin Krajewski. Auch diese staatliche Beihilfe bedarf
der Genehmigung durch die EU-Kommission in Brüssel. |
| Dezember 2001: |
In der Zeitung Die Woche wirbt der BGB-Konzern in einer Anzeige mit dem
Slogan Das gibt's nur einmal das kommt nie wieder!
für einen neuen Immobilien- Fonds der IBV. |
| 27. Dezember 2001: |
Die BankGesellschaft Berlin (BGB) fliegt aus dem M-DAX, da nicht mehr genug
freie BGB-Aktien (Streubesitz) am Markt sind. |
| Ende 2001: |
Es wird nun in der Öffentlichkeit deutlich, daß die
Landowsky-Affäre um Parteispenden eigentlich nur eine Neben-Story
eine Fußnote unter vielen ist. Denn der eigentliche Skandal sind
die (vermutlich bewußten) Veruntreuungen von öffentlichen Geldern in
Milliardenhöhe durch Bankmanager der BankGesellschaft Berlin und ihrer vielen
Töchter sowie die jahrelang nicht wahrgenommene Kontrolle durch Politik und
Aufsichtsbehörden. |
| Ende 2001: |
Das Land Berlin erreicht mit rund 42.400.000.000 Euro = 42,4 Mrd. Euro einen neuen
Rekordstand der Verschuldung.
 |
| ? 2002:
|
Der Berliner Rechtsanwalt Peter Ackermann seit Sommer 2000 BGB-Aktionär
verklagt die BankGesellschaft und ihr Vorstandsmitglied Norbert Pawlowski auf
Schadensersatz. Das Berliner Landgericht hat diese Zivilklage nicht abgewiesen.
( ,
Seite 224f)
|
| 5. Januar 2002: |
Der unabhängige Wirtschaftsprüfer Achim Walther, der 1997 eine Sonderprüfung der BGB-Tochter IBG
durchführte, schreibt dem neuen Oppositionsführer im Abgeordnetenhaus Frank
Steffel (CDU):
Aus jahrelang fehlerhaft testierten, nichtigen Jahresabschlüssen im
Konzern der Bankgesellschaft sind seitens der CDU Haftungsansprüche zugunsten
des Landes Berlin öffentlich zu thematisieren. Die beteiligten
Wirtschaftsprüfer- Gesellschaften (einschließlich der Konzernprüfer)
müssen in Anspruch genommen werden. Steffel reagiert nicht.
( ,
Seite 178).
|
| Januar 2002: |
Eine Aktionärsgruppe zeigt den ehemaligen BGB-Chef Dr. Wolfgang Rupf
wegen Betrugsverdacht an. Die Berliner Staatsanwaltschaft beginnt zu ermitteln. Bis
Anfang 2004 wird keine Anklage erhoben. |
| Januar 2002: |
Die BGB kündigt den Ex-IBAG-Chef Friedhelm Schaperjahn außerordentlich. |
| 22. Januar 2002: |
Ein sogenanntes Sanierungskonzept für die BGB, das von der Boston
Consulting Group erarbeitet wurde, wird im Berliner Senat abgesegnet und über
das Bundesfinanzministerium an die EU-Kommission zur Prüfung der
2-Milliarden-Beihilfe eingereicht.
( ,
Seite 196)
|
| Ende Januar 2002: |
Es wird bereits deutlich, daß BGB-Chef Hans-Jörg Vetter ein
Sanierungskonzept der Art Haltet den Dieb eine Sündenbock-
Strategie verfolgt, um so die Kern-BGB reinzuwaschen. Denn alle Verluste
der BGB sollen offensichtlich dem Fondsgeschäft der Fonds- Töchter und
deren Holding IBAG angelastet werden.
|
| Februar 2002:
|
Die Bankenaufsichtsbehörde erteilt eine Rüge an 3 für die BGB
tätige Wirtschaftsprüfer (KPMG, PWC und D&L) wg. deutlicher
Mängel in ihren BGB-Prüfberichten. |
| Februar 2002: |
Der Verkaufsprozess der BGB, der monatelang stockte, kommt wieder in Gang.
Verbindliche Angebote erwartet Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin
(SPD) Mitte April. Die Entscheidung über den Verkauf soll noch vor
dem Sommer 2002 fallen, was aber nicht geschieht. |
| 14. Februar 2002: |
Der 67-jährige Ernst-Otto Sandvoß, Ex-Chef der Deutschen
Girozentrale Deutsche Kommunalbank (DGZ- DekaBank), wird auf Wunsch von
Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) neuer Aufsichtsratsvorsitzender des BGB- Konzerns.
Er wird damit Nachfolger des Rechtsanwalts Dieter Feddersen, der nach
zweieinhalbjährigem Vorsitz das Amt Ende 2001 niederlegte. |
| 16. Februar 2002: |
Der Ex-Regierende Eberhard Diepgen legt den CDU-Landesvorsitz nieder, den er
seit 1983 inne hatte. Damit geht die Ära der Seilschaft Diepgen- Landowsky
endgültig zu Ende. |
| Februar 2002: |
Gegen die Aubis-Chefs Wienhold und Dr. Neuling wird Haftbefehl erlassen. |
| März 2002:
|
Die BankGesellschaft Berlin legt vorläufige Eckdaten für 2001
vor. Sie geht von einem ausgeglichenen Vorsteuer-Ergebnis aus. Ohne die
Abschirmung der Risiken aus dem Immobilienfondsgeschäft durch das Land
wäre ein Fehlbetrag von bis zu 2 Milliarden Euro entstanden.* |
| 13. März 2002: |
Mitglieder der Organisation Business Crime Control
(BCC) geben den
Medien, Berliner Abgeordneten und dem Landesrechnungshof wertvolle Nachhilfe beim
Erkennen der vielen Risiken, die in der BankGesellschaft Berlin (BGB) schlummern.
|
| ? März 2002: |
Der Aufsichtsrat der IBAG wurde um alle externen Mitglieder bereinigt.
So schieden die wissenden Salditt, Rietze, Haarmann, Ghassemi und Butzer
der Reihe nach aus, um mit eigenen Leuten so wird vermutet der Fonds-
Holding IBAG besser den Stempel des Sündenbocks aufdrücken zu
können.
|
| März 2002: |
Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Wienhold und Dr. Neuling wegen
Betrugs und Betrugversuchs. Sie glaubt, den Aubis- Managern einen Schaden von 918.000 Euro
nachweisen zu können. In 156 Leitz-Ordnern hat sie ihre Ermittlungsergebnisse zum
Aubis- Prozeß gesammelt. |
| Ende März 2002: |
Es könnte auch ein Bluff zur Beeindruckung von Berlins Parlamentariern gewesen
sein: Denn Bankenaufsichts- Chef Jochen Sanio droht an, den BGB-Konzern von
einem auf den anderen Tag dicht zu machen, falls das Land Berlin der BankGesellschaft
kein frisches Kapital zuführt.
( ,
Seite 202)
|
| Frühjahr 2002: |
Nachdem das Land Berlin die BankGesellschaft nur mit Milliardenhilfen aus
dem Steuertopf vor der Pleite bewahrte, will das Land auch noch
die Bürgschaft für künftige Verluste über 21,6 Mrd.
Euro übernehmen. |
| 1. April 2002:
|
Der Vorsitzende der Organisation Business Crime Control
(BCC), Prof. Hans
See, wendet sich in einem eindringlichen Brief an die Berliner Mandatsträger.
Darin macht er deutlich und begründet im einzelnen: Keine der
Begründungen für eine Risikoübernahme ist stichhaltig.
Eine Entscheidung für die Risikoübernahme durch das Land Berlin liege nicht
im Interesse des Landes, seiner Bürger und Steuerzahler, heißt es in dem
Brief.
|