BankGesellschaft Berlin – Die Skandal-Chronik – Teil 1 khd
Stand:  3.9.2007   (180. Ed.)  –  File: Politik/BankGesBerlin_1.html




Die Basis für die folgende Chronik des Berliner Banken- Skandals lieferte die Aufstellung "Anatomie einer Milliardenpleite", wie sie das Hamburger Manager- Magazin (MM) am 9. April 2002 publizierte. Die knappe MM- Chronologie wurde hier allerdings um neuere Erkenntnisse umfangreich ergänzt sowie um aktuelle Fakten fortgeschrieben, Links hinzugefügt und in eine Web- gerechte tabellarische Form gebracht. Alle Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen. [Aktuelles]

Worum geht es eigentlich beim Berliner Banken-Skandal?

Kreuz der BGB    
Im Januar 1994 wird in Berlin von der Großen Koalition aus CDU/SPD unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) die „BankGesellschaft Berlin“ (BGB) als Aktiengesellschaft gegründet. Sie besteht aus dem Zusammenschluß der LandesBank (LBB) mit Sparkasse, der Berliner Bank (BB) und der Berliner Hypotheken- und Pfandbriefbank – der BerlinHyp.

Nachdem Berlin Sitz der Bundesregierung geworden ist, will Berlins Landesregierung die Stadt auch zur Finanz- Metropole machen. Und sie will durch die zu erwartenden Gewinne dieser Superbank ihre immer größeren Haushaltslöcher stopfen. Dabei soll das (spekulative) Immobiliengeschäft zur besonders kräftig sprudelnden Geldquelle werden.

Nach fast 10 Jahren stellt sich aber heraus: Die BankGesellschaft ist tatsächlich zu einer sprudelnden Geldquelle geworden – für die Manager der Bank, für befreundete Politiker und Unternehmer. Und keiner der vielen Aufsichtsräte will davon je etwas bemerkt haben. Zugleich hinterläßt die BGB Verluste von voraussichtlich 20 bis 30 Mrd. Euro – vielleicht aber auch noch mehr. Diese soll die Berliner Bevölkerung bezahlen. So braucht sich die Bank in den nächsten 30 Jahren über den Schuldenberg keine Sorgen zu machen, denn Berlins Regierung hat ihr 2002 eine „Risiko- Abschirmung“ von 21,6 Mrd. Euro zugesagt...

Im Herbst 2006 trennt sich die BankGesellschaft von ihrem skandalbelasteten Namen und nennt sich nunmehr „Landesbank Berlin Holding AG“ (LBB). Im August 2007 wird diese LBB an den Deutschen Sparkassen- und Giro-Verband (DSGV) für 5,3 Mrd. Euro verkauft. Das Land Berlin bleibt auf den BGB-Altlasten und den Schrott-Immobilien sitzen.

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BankGesellschaft Berlin AG   (BEBG)
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Mit der 102. Edition wurde die Chronik am 16.2.2004 wg. des auf 152 kByte gewachsenen Umfangs auf zwei Webseiten verteilt (Teil 1: bis 2002, Teil 2: ab 2002). Die originalen MM-Passagen sind nunmehr mit einem * gekennzeichnet. Mit * sind meist externe, weiterführende Links angegeben. Für den Inhalt von externen Webseiten (Links) wird keine Verantwortung übernommen. Lücken in den Tabellen beruhen meist darauf, daß die entsprechenden Fakten bislang nicht recherchierbar waren.
(xxx = Text folgt demnächst).

I n d e x :  
| Vor 1990 |
| 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 |
| 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 |     | 2025 |
| Anmerkungen |
    [ Berliner "K-Gruppe" (CDU) ]
[ Berliner "Anti-K-Gruppe" (SPD) ]
[ Manager des BGB-Konzerns ]
[ Wirtschaftsprüfer des BGB-Konzern ]



Die allgemeinen Infos über die BankGesellschaft Berlin sind auf die neue Leitseite umgezogen.





















Chronik des Berliner Banken-Skandals
 
Wie uns skrupellose Politiker, Bankmanager und Wirtschaftsprüfer eine Milliardenpleite bescherten
und damit eine Weltstadt total ruinierten.

Recherchiert im Internet und zusammengestellt
von
Karl-Heinz Dittberner – Berlin


Vor 1990

12. Juni 1950: Gründungstag der Berliner Bank AG (BB), deren Errichtung Berlins legendärer Ober-Bürgermeister Prof. Ernst Reuter („Ihr Völker der Welt...“) betrieben hatte. „Gegenstand des Unternehmens ist die Durchführung bankmäßiger Geschäfte in allen Zweigen des Bankbetriebes und damit zusammenhängender Handelsgeschäfte aller Art“, heißt es in der BB-Satzung. Alleineigentümer der Berliner Bank ist das Land Berlin (West-Berlin). Prof. Reuter (SPD, Vater von Edzard Reuter) wird der erste Aufsichtsrats- Vorsitzende der BB.
1980/81: Zum Berliner Banken-Skandal gibt es eine Vorgeschichte: Der Garski-Skandal“. Der Bauunternehmer Garski hatte für ein Bauprojekt in Saudi-Arabien bei der Berliner Bank Kredite aufgenommen, die durch Bürgschaften des Landes Berlin abgesichert wurden. Garski ging pleite, und das Land mußte 125 Millionen DM zahlen (rund 0,06 Milliarden Euro). Das führte zu einer schweren Vertrauenskrise in der Stadt, in deren Konsequenz die SPD erstmals nach 1945 nicht mehr die Mehrheit im Senat und den Regierenden Bürgermeister stellt. Die „Alternative Liste für Demokratie und Umweltschutz“ (AL = Berliner Vorgängerin der Grünen) zieht nach den vorgezogenen Wahlen vom 10. Mai 1981 in das Abgeordnetenhaus ein.
nach 1981: Die landeseigene Berliner Bank hat immer wieder finanzielle Probleme. Eine Kapitalbeteiligung der Gothaer Versicherung (später „Parion“) und anderer Privater änderte daran nichts. Noch am 9. Dezember 1993 mußte der Berliner Senat gegenüber dem Einlagensicherungsfonds der privaten Banken die Erklärung abgeben, „daß die Bank in der Zeit, in der sie am Einlagensicherungsfonds mitwirkt, keinen Anlaß für das Eingreifen der Einlagensicherung gibt.“
Sommer 1984: Eine zunächst eher belanglose Affäre in Berlin- Charlottenburg um den ehemaligen Baustadtrat Wolfgang Antes (CDU) weitet sich zum Berliner Korruptionsskandal – dem Antes- Skandal“ aus. Die westliche Halbstadt droht daraufhin im „Berliner Sumpf“ (New York Times: Berlin Sump) von Betrug, Untreue, Urkundenfälschung, Bestechung, Erpressung und Parteispenden zu versinken. Denn die Akteure und Nutznießer des Sumpfes haben kein Interesse an Aufklärung. *
1987: Bei der Berliner Bank (BB) wird Wolfgang Steinriede Bank-Chef (Vorstandssprecher). Er setzt auf Expansion und führt damit Berlins Traditionsbank in den Ruin. Auch um das zu kaschieren betrieb Berlins Senat bis 1993 den Banken-Umbau mit Gründung der BGB. Erst 2007 erfahren wir vom Insider Heinrich Haasis (DSGV-Präsident), daß dabei damals „nachweislich 7 Milliarden DM an stillen Reserven des öffentlich-rechtlichen Teils verbraucht worden“ sind, d. h. rund 3,5 Mrd. Euro wurden bereits damals vernichtet. *
9. November 1989: In Berlin fällt nach 28 Jahren die Mauer zwischen Ost- und West-Berlin. *

1990

1. Oktober 1990: Gründung der Landesbank Berlin (LBB). Die bisher selbständige und lukrative Sparkasse der Stadt Berlin West wird zur Abteilung der LBB. Im Dezember 1990 folgt die Sparkasse aus Ost-Berlin.
3. Oktober 1990: Tag der Deutschen Einheit. Das als Folge des 2. Weltkriegs nach 1945 in Bundesrepublik Deutschland (BRD) und Deutsche Demokratische Republik (DDR) geteilte Deutschland ist wiedervereinigt.
Ende 1990: Das Land Berlin hat rund 20 Mrd. DM (rund 10 Mrd. Euro) Schulden.

1991

1991: Dr. Christian Neuling und Klaus Wienhold gründen in Berlin die Immobilienfirma Aubis Konzept GmbH.
Anfang der 90er: Die mit dem Berliner Banken-Skandal eng verknüpfte Aubis- Affäre beginnt, als die Immobilenfirma Aubis Tausende von Plattenbauten in der ex-DDR übernimmt und dafür Geld braucht. Den Kauf finanziert die Tochter der BankGesellschaft Berlin – die BerlinHyp – mit Krediten. Damit beginnt auch der „Kollektiv- Wahnsinn“ (Finanzsenator Thilo Sarrazin 2002).
ab Anfang 1991: Nach der Wahl vom Dezember 1990 wird in Berlin Rot-Grün durch eine Große Koalition aus CDU + SPD abgelöst. Diese setzt den unter Rot-Grün begonnenen Umbau des Bankenbereichs fort. Dazu wird zunächst die Berlin Pfandbrief-Bank von einer öffentlich- rechtlichen Anstalt in eine Aktiengesellschaft mit dem Namen „Berliner Hypotheken- und Pfandbriefbank AG“ umgewandelt. Die Wohnungsbaukreditanstalt (WBK) wird in „Investitionsbank Berlin“ (IBB) umbenannt und in die Landesbank LBB eingegliedert.
1991: Der Jurist Eberhard Diepgen (CDU) wird erneut zum Regierenden Bürgermeister Berlins gewählt, was er bereits 1984 als Nachfolger von Richard von Weizsäcker geworden war. Aber 1989 verlor eine CDU-FDP-Koalition die Wahl, so daß Diepgen zurücktreten mußte.
20. Juni 1991: Der Deutsche Bundestag beschließt in Bonn mit knapper Mehrheit, daß Bundesregierung und Parlament nach Berlin umziehen. Berlin wird Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands, so wie es fast alle Politiker nach 1945 versprochen hatten. *


1991: Die Treuhand verkaufte der Berliner Bank (BB) die (Ost-)Berliner Stadtbank der Ex-DDR zu einem Spottpreis.
1991: Die Berlin-Hannoversche Hypothekenbank AG (BerlinHyp) beginnt, geschlossene Immobilien- Fonds aufzulegen. Durch diverse Garantien für die Anleger (u. a. Mietgarantie, Höchstpreisgarantie, Andienungsgarantie, überhöhte Rücknahmepreise) gelang es der BerlinHyp bis zum Jahr 2000 zum Marktführer für geschlossene Immobilien- Fonds zu werden.

1992


ab 1992: In Berlin beginnen SPD- und CDU-Politiker aus den „vorgefertigten“ Teilen einen Banken- Konzern ganz nach ihren Wünschen aufzubauen, der dann nicht zu steuern war. Insbesondere die Fraktionschefs des Berliner Abgeordnetenhauses Klaus Landowsky (CDU, beruflich BerlinHyp-Chef) und Ditmar Staffelt (SPD, * ) betreiben die Gründung der BankGesellschaft Berlin AG (BGB). Sie gelten deshalb auch als die Väter des späteren Skandals.
1992: Die landeseigene Wohnungsbau-Kreditanstalt (WBK), die Vorgängerin der späteren InvestitionsBank Berlin (IBB), wird auf die LandesBank Berlin (LBB) übertragen. Damit werden auch rund 2 Mrd. DM an Landesmitteln in das Unternehmen der LBB eingebracht.
12. November 1992: Die finanzpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Michaele Schreyer – inzwischen EU-Kommissarin in Brüssel – prangert im Abgeordnetenhaus von Berlin die geplante Bildung eines Berliner Banken- Konzerns in prophetischen Worten an:
„Wir finden es unerträglich, wie hier durch die Verquickung privater Interessen mit politischen Mandaten der Weg in die nächsten Bau- und Finanzskandale von Berlin geebnet wird, die Berlin von der CDU und der SPD aus der Vergangenheit sehr genau kennt, nur sollen die Skandale diesmal in einer anderen Dimension – der Metropolen- Dimension – betrieben werden.“ *
Diese Feststellung macht zudem deutlich, daß bereits vorab durchschaubar war, wohin das BGB-Konstrukt von CDU + SPD führen wird. Das Desaster BankGesellschaft wäre also vermeidbar gewesen.

1993

1993: Ein Dr. Hubertus Moser, Vorstandsvorsitzender der Berliner Landesbank und Aufsichtsratsvorsitzender der IBG (BGB-Immobilientochter), wollte mal ganz groß rauskommen. Moser will ordentlich Geld machen und plant, kräftig zu expandieren. Er trifft auf den bayerischen Geschäftsmann Dr. Manfred Schoeps, der an der IBG beteiligt ist. Dieser hat einen tollen Plan. Er will das Geschäft mit Immobilien ausweiten. Eine Zeitbombe beginnt zu ticken. *
1993: Berlins LandesBank (LBB) erwirbt auf Betreiben von Dr. Hubertus Moser die Bavaria-Gruppe – und damit auch Dr. Manfred Schoeps, der noch in der Stadt von sich reden machen wird.
1993: Um allen Widerständen aus dem Weg zu gehen, wurde einfach die Berliner Verfassung und das Haushaltsrecht ignoriert und die BankGesellschaft ohne konstitutive Beteiligung von Senat und Parlament gebildet: Die Berliner Bank AG beschloß durch ihren Aufsichtsrat, eine Tochtergesellschaft zu gründen – die „Neue Berliner Bank AG“. Dieser übertrug sie ihr Bankgeschäft und wurde selbst Hülle der Holding des künftigen Konzerns. Als Holding nahm sie den Namen „Berliner BankGesellschaft“ (BBG) an. Bei der Tochter wurde später dann das „Neue“ im Namen wieder gestrichen. Erst 1999 wird diese Tochter mit der Holding verschmolzen. ( *, Seite 7)
24. Novemer 1993: Der Finanzdienst Platow-Brief publiziert eine vernichtende Kritik über einen von der Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) und Norddeutsche Vermögen aufgelegten Immobilien-Fonds. Die Fonds- Initiatoren sollen „beten und weiter üben“, heißt es. Ein Promoter dieses spekulativen Abschreibungsfonds ist ein gewisser Hans-Jörg Vetter (Vorstand der BfG), der im November 2001 vom Land Berlin zum Sanierer der maroden BankGesellschaft Berlin bestellt werden wird. *
3. Dezember 1993: Das Berliner Abgeordnetenhaus beschließt das Gesetz über die Errichtung der LandesBank Berlin (LBB), womit der LBB-Vorstand weisungsgebunden wird. Dieser hatte vorher massiv Kritik an der gesamten Fusion geäußert. Er wird nun gezwungen, der Fusion mit der BankGesellschaft Berlin (BGB) zuzustimmen.

1994

1. Januar 1994: Gründung der BankGesellschaft Berlin AG (BGB), unter deren Dach die öffentlich- rechtliche Landesbank Berlin (LBB) mit der Sparkasse Berlin, die marode, private Berliner Bank (BB) und die Hypothekenbank BerlinHyp zusammengefaßt werden. Ziel der Großen Koalition unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU): Eine schlagkräftige Hauptstadtbank mit überregionalen Ambitionen. Erster Aufsichtsratschef wird Ex-Daimler- Chef Edzard Reuter (SPD), der etwas für Berlin tun wollte.


Februar 1994: Durch einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird bekannt, daß an den Immobilien- Geschäften eines Jürgen Schneider etwas faul sein muß. In der Folge muß der Großinvestor Schneider Insolvenz anmelden, da ihm Banken Kredite kündigen, die er mit Lug & Trug ergaunert hatte. Die Bankschulden betragen umgerechnet rund 2,5 Mrd. Euro. Als eigentlicher Skandal an der Schneider- Affäre gilt aber die grobe Fahrlässigkeit der Banken – vor allem der Deutschen Bank – bei der Vergabe von Krediten. Die BGB-Manager werden aus diesem Skandal nichts gelernt haben.
26. April 1994: Der Deutsche Bundestag beschließt das „Berlin-Gesetz“. Damit wird der Umzug von Parlament und Bundesregierung nach Berlin besiegelt.
7. Oktober 1994: Die neue Bank geht eine strategische Allianz mit der Norddeutschen Landesbank (Nord/LB) ein, die mit 10 % in Berlin einsteigt. Weitere 5 % erwirbt die Nord/LB über die Börse.
Herbst 1994: In die Berliner Landeskasse fließen 1 Mrd. DM aus dem Verkauf des Aktienpakets an die Nord/LB. Die Große Koalition hofft nun auf weitere „Sondereinnahmen“.
1994: Die BGB definiert das Risiko-Controlling als „wesentliche Aufgabe“ für die Konzern- Führung (Geschäftsbericht 1994). Dazu wird eine zentrale Organisationseinheit eingerichtet.

1995


Februar 1995: Der Spiegel erscheint mit der Titelgeschichte „Von New York lernen“, in der massiv Kritik an den in Berlin regierenden „Abenteurern“ und „Plünderern“ der öffentlichen Kassen geübt wird (Große Koalition unter Eberhard Diepgen). So würden Kliniken und Universitäten vor dem Ruin stehen.
21. März 1995: Im 1. Geschäftsbericht der BankGesellschaft Berlin (BGB) für das Jahr 1994 heißt es zur Gründung auf Seite 39 fast schon prophetisch:
„Mit der Gründung der Bankgesellschaft Berlin AG zum Beginn des Jahres 1994 wurde eine Vision verwirklicht –  die Vision, wieder eine große und leistungsfähige Bank mit Sitz und Verwaltung in Berlin zu etablieren. Eine Bündelung der Kräfte und unterschiedlichen Stärken der drei Gründungsinstitute (...) im Konzern Bankgesellschaft Berlin AG ermöglicht es uns, die führende Bank der Hauptstadt unseres Landes zu werden. Dieser Anspruch bezieht sich nicht allein auf Größe und Marktanteile. Vielmehr wollen wir im Bankgeschäft neue Akzente setzen, die wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung der Region Berlin/Brandenburg positiv beeinflussen, als besonders kompetenter Partner an wirtschaftspolitischen und gesellschaftspolitischen Entscheidungen mitwirken und die eigene Region auf nationaler und internationaler Ebene repräsentieren. Die Erfahrungen des ersten Geschäftsjahres zeigen uns, daß sich der organisatorische Aufbau unseres Konzerns vollauf bewährt.“ *
1995: Es ist wenig von großartigen Erfolgen der BankGesellschaft Berlin zu hören. Aber...
1995: Von der BankGesellschaft Berlin (BGB) wird der erste geschlossene Immobilien- Fonds mit einem Volumen von mehr als 1 Mrd. DM aufgelegt, obwohl ein unabhängiges Gutachten [des Landesrechnungshofes?] bereits vorab feststellte, daß bei diesen „ein hohes Risiko“ bestehe. Der BGB- Konzern verdient reichlich an den Gebühren und Krediten für die Fonds. Die Finanzierung kommt meist von der konzerneigenen LBB oder der BerlinHyp.
1995: Der IBG-Aufsichtsrat beschließt für die Immobilen- Fonds die enormen Garantien. Neben Dr. Hubertus Moser und Dr. Manfred Schoeps sind auch die LBB-Vorstände Ulf-Wilhelm Decken und Jochem Zeelen anwesend. Das Geschäft springt an wie verrückt. Kaum ein Anleger kann widerstehen, kein Risiko, sichere Gewinne, was will man mehr? Die IBG braucht unbedingt mehr Immobilien, um neue Fonds auflegen zu können. *
4. Oktober 1995: Zwei Schlüsselfiguren im Banken- Skandal Dr. Christian Neuling (CDU) und Klaus Wienhold (CDU), Chefs der Immobilienfirma Aubis, spenden der Berliner CDU 40.000 DM. Das Geld übergibt Wienhold dem BerlinHyp- Chef und CDU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Landowsky in bar.
Ende 1995: Die direkte Förderung (West-) Berlins durch den Bund wird eingestellt. Sie war bereits nach der Wiedervereinigung stufenweise reduziert worden.

1996

26. März 1996: Berlins resolute Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) wird Mitglied des Aufsichtsrats der LandesBank Berlin (LBB). Am 16.4.1996 wird sie auch Mitglied des Aufsichtsrats der BankGesellschaft Berlin (BGB), der alle Geschäfte des Konzerns kontrollieren soll. Frau Fugmann-Heesing „kontrolliert“ bis zum Jahr 2000. Sie kann sich später an keinerlei Unregelmäßigkeiten bei der LBB oder BGB erinnern.
1996: Unter der Führung der Vorstandssprecher Wolfgang Steinriede und Dr. Hubertus Moser wird bei der BGB kräftig expandiert, mit schwerwiegenden Folgen...


1996: Die IBG braucht für ihre Fonds immer mehr Häuser, denn alle Welt will zu den Traumbedingungen Fonds zeichnen. Aber es gibt nicht genug Immobilien, um die Nachfrage seriös zu befriedigen. So werden auch Immobilien gekauft, die unrentabel sind. Das verursacht hohe Verlustrisiken – allerdings nur für die BGB. Es werden immer weitere Fonds aufgelegt, um mit den neuen Einlagen die Altrisiken abzudecken. Ein Schneeballsystem entsteht. *
1996: Das Berliner Landesarbeitsgericht stellt in einem Prozeß fest, daß die Konstruktion des BGB- Konzerns, mit der die auf öffentliche Interessen gerichtete LandesBank einer auf Gewinnerzielung orientierten Aktiengesellschaft untergeordnet wurde, „verfassungswidrig“ sei. Denn das Durcheinander der unterschiedlichen Weisungs- und Kontrollmechanismen von Anstalts- und Aktienrecht sowie der diversen Regelungen von Beteiligungs- und Interessenwahrungs- Verträgen führe dazu, daß im Ergebnis keine wirksame Kontrolle mehr möglich sei. * 
1996: Weil die IBG, eine 100-Prozent-Tochter der Landesbank Berlin (LBB), eine so erfolgreiche Firma ist, wollen die Vorstände von BerlinHyp und Berliner Bank auch etwas davon haben. So wird geteilt: Die IBG gehört nun der LBB und BerlinHyp zu je 30 % und der BankGesellschaft zu 40 %. Damit sitzen nun auch Klaus Landowsky und Klaus von der Heyde im IBG-Aufsichtsrat und sind an allen größeren Immobilien- Käufen beteiligt. *
1996: Die großen Probleme der BankGesellschaft Berlin (BGB) werden erstmals öffentlich bekannt. Aber eine durchgreifende, ernsthafte Sanierung des angeschlagenen Konzerns unterbleibt. Das „System BGB“ ist bereits zu groß, um pleite zu gehen.
November 1996: Die erste große Säuberungsaktion im Kreditportfolio fördert bereits einen Wertberichtigungsbedarf von über 1 Milliarde Euro zu Tage. Danach soll der Bankkonzern angeblich „besenrein“ rein.*
Jahreswechsel 1996/97: Die Vorstandssprecher Wolfgang Steinriede und Dr. Hubertus Moser müssen vorzeitig gehen. Als Sanierer wird Dr. Wolfgang Rupf Chef des Konzerns. Gegen die mächtigen Männer der Teilbanken – vor allem BerlinHyp- Chef Klaus Landowsky (CDU), einem „Technokraten der Macht“, wie die resolute Ursula Besser (CDU) über ihn um 1986 urteilte * – kann sich der Neue von Anfang an nicht durchsetzen.
1996/97: Seit 1996/97 war in der deutschen Finanzwelt bekannt, daß die Berliner BankGesellschaft Immobilien- Fonds zu Konditionen auflegte, die sie über kurz oder lang in den Ruin treiben mußte. Dennoch hat keiner Halt geschrien: Die Banker nicht, die staatliche Bankenaufsicht nicht, und die Politiker sowieso nicht...

1997


30. Januar 1997: Hier beginnt die eigentliche Aufdeckung des Berliner Bankenskandals, als beim Wirtschaftsprüfer Achim Walther in Hannover das Telefon klingelt: Ulf-Wilhelm Decken, seit einem halben Jahr Vorstandssprecher der Landesbank Berlin (LBB) und Mitglied im Aufsichtsrat der IBG, ruft ihn an, weil er sich Sorgen um die geschlossenen Immobilienfonds der LBB-Tochter IBG machte und Walther bitten will, die Risiken dieser Fonds zu prüfen. Beide kannten sich seit Beginn der 90er- Jahre, als Walther noch Finanzdirektor des Touristikunternehmens TUI und Decken leitender Angestellter der Dresdner Bank war. Achim Walther übernimmt den Prüfauftrag und erstattet Decken im Juli einen vernichtenden Bericht.
Mai 1997: Beginn der Fusionsverhandlungen zwischen BankGesellschaft und Nord/LB. Gut ein Jahr später wird der Zusammenschluß zur "BankGesellschaft Berlin-Hannover AG" abgesegnet.*
Mai 1997: Der Geschäftsführer der Immobilien- und Baumanagement GmbH (IBG-Tochter der BankGesellschaft Berlin), Dr. Manfred Schoeps, schlägt in einem Aktenvermerk vor, zur Abwicklung der Immobilien- Kredite eine Strohmann- Konstruktion zu wählen. Das wird aber erst im Oktober 2003 bekannt. Schoeps ist verantwortlich für das obskure Immobilienfonds- Geschäft der BankGesellschaft Berlin, für dessen ruinöse Folgen das Land Berlin Ende 2001 Bürgschaften in Milliardenhöhe übernehmen muß. *
? 1997: Um möglichst unauffällig das über die vielen neuen Gesellschaften hereinströmende Kapital zu den Fondsgesellschaften zu leiten, wird eigens zu diesem Zweck die Firma Nemesis gegründet. Diese hat für die Kreditvermittlung 4 Töchter, später kommen 23 weitere dazu: FinTech 1 bis FinTech 23, die der möglichst unbegrenzten Kapitalzufuhr dienen. *
1997: Die BankGesellschaft (BGB) richtet zur Überwachung der Kredite ein „Konzern-Kreditbüro“ ein. Dieses kann aber ein Controlling nicht durchführen, da die BGB-Teilbanken die Akteneinsicht verwehren. Vor allem die von Klaus Landowsky geführte BerlinHyp verweigert die Kontrolle der Immobilien-Kredite.
Juli 1997: Im Auftrag des LBB-Chefs Ulf-Wilhelm Decken untersuchte der renommierte Wirtschaftsprüfer Achim Walther die Risiko-Situation bei der BGB- Immobilientochter IBG (Immobilien- und Baumanagement GmbH). Bei dieser Sonderprüfung stellte er am 24.7.1997 in einem Bericht fest, daß die Bank durch Mietgarantien für Fondszeichner sehr hohe Risiken eingegangen war. Nachdem Walther Alarm geschlagen hatte, verlor er seinen Prüfauftrag und sein kritischer Bericht verschwand in der Schublade der Bank. Bekannt wird das alles aber erst am 22. August 2002 durch einen TV-Bericht des ARD- Politmagazins Kontraste (SFB). ( *, Seite 104–126)
September 1997: Die Wirtschaftsprüfer BDO, KPMG und Arthur Andersen widersprechen dem Entwurf des IBG- Sondergutachtens des Wirtschaftsprüfers Achim Walther. Die Annahmen Walthers seien „nicht fundiert“, reden sich die Prüfer heraus – wissend, daß ihre Gutachten mit ganz anderen Schwerpunkten älteren Datums sind und nichts zu den Walther- Analysen beitragen können. Damit verschwindet das Walther- Gutachten – quasi ungeprüft – in einer Schublade (und taucht erst am 30. Juni 2002 wieder auf). Und so kann die IBG danach noch 7 äußerst kritische (verlustbringende) Immobilien- Fonds mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Mrd. Euro auflegen.
1997: Mit den Dividenden- Zahlungen geht es bergab. In den Jahren 1994–1996 wurden noch jeweils (umgerechnet) 0,56 Euro pro Aktie gezahlt.
Herbst 1997: Der Wirtschaftsprüfer C & L Deutsche Revision AG stellt den Wert des BGB-Konzerns mit (umgerechnet) 5,6 Mrd. Euro fest. Davon wird im Jahr 2001 nichts mehr übriggeblieben sein.
12. November 1997: Die Fides-Treuhandgesellschaft hat im Auftrag des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen u. a. einen Prüfbericht der IGB- Gruppe und deren Immobilien- Fonds angefertigt. Darin wird explizit auf die Risiken und fehlende Bildung von ausreichenden Rücklagen für die langen Mietgarantien (25 Jahre) hingewiesen. Auch ein effektives Controlling konnten die Prüfer bei der IBG nicht feststellen.
1997–2000: Die BankGesellschaft Berlin (BGB) wird von ihrer Tochter IBG ausgenommen wie eine Weihnachtsgans, und keiner will es später bemerkt haben. *

1998

Juni 1998: Baubeginn am Lausitzring. Die Bank finanziert und betreibt die defizitäre Rennstrecke bis heute.*
1. Juli 1998: Ein Norbert Pawlowski wird bei der BGB Vorstandsmitglied extra fürs konzernübergreifende Controlling – insbesondere des Risiko-Controlling. Dennoch hat er die offensichtlichen Probleme mit den Immobilienfonds- Risiken „übersehen“. Bis 2001 war er nicht in der Lage, ein effektives Risikofrüherkennungs- System im BGB- Konzern einzurichten. Dennoch sitzt er 2003 noch immer im BGB-Vorstand. ( *, Seite 136f + 228)
25. Oktober 1998: Die Fusion der BGB mit der öffentlich-rechtlichen Nord/LB platzt überraschend. Der Hauptgrund: Die Angst der Nord/LB vor unwägbaren Risiken beim Berliner Partner. Angesichts dieser gescheiterten Wachstums-Strategie intensiviert BGB-Chef Rupf nun die Auflage von Immobilien- Fonds durch die IBG.
November 1998: Dr. Wolfgang Rupf versucht mit einer Restrukturierung den BGB-Konzern zu straffen, um endlich die Risiken in den Griff zu bekommen.
Ende 1998: Da die BGB-Fonds mit üppigen Garantien ausgestattet sind, wird die BankGesellschaft Berlin (BGB) in Deutschland die Nr. 1 bei geschlossenen Immobilien-Fonds. Allein 1998 wurden Anteile von mehr als 3 Mrd. DM verkauft.
Ende 1998: Der Wirtschaftsprüfer Achim Walther teilt dem LBB-Chef Ulf-Wilhelm Decken zur Situation der BGB mit: „Es genügt ein einziger Funke in Gestalt eines übereifrigen Finanzbeamten, eines ehrgeizigen Politikers oder einer plötzlichen Fachzeitschriftendiskussion und schon "brennt der Baum". Mit unabsehbaren Folgen.“*, Seite 141)

1999

Januar 1999: Die immer noch problembeladene Berliner Bank AG (BB) verliert ihre rechtliche Eigenständigkeit und wird mit der BankGesellschaft Berlin AG (BGB) verschmolzen.
18. Februar 1999: In einer Ad-hoc-Meldung teilt die BGB mit, ihr operatives Ergebnis für 1998 sei „das beste seit ihrer Gründung“. Aber wg. der eingetretenen Risiken beim Kreditgeschäft werde für 1998 keine Dividende ausgeschüttet.
1999: Die BGB gewährt ihrer Immobilien-Tochter IGB einen Kredit von 7 Milliarden Euro – doppelt so viel wie nach dem Kreditrecht zulässig sind. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen hätte einschreiten müssen, tat es aber nicht.
26. Mai 1999: Bei der BGB-Hauptversammlung im ICC toben die Kleinaktionäre wg. der ausgefallenen Dividende für 1998. Was sie nicht wußten, die Bank ist eigentlich schon bankrott. ( *, Seite 127)
26. Mai 1999: Edzard Reuter scheidet aus dem BGB-Aufsichtsrat aus. Sein Nachfolger wird Rechtsanwalt Prof. Dr. Dieter Feddersen.
26. Mai 1999: Dr. Manfred Bodin, Chef der Nord/LB, steigt in die Aufsichtsräte von BGB und BerlinHyp ein. Obwohl er Chef-Banker ist, erkennt er offensichtlich nicht, daß bei der BGB mit falschen Karten gespielt wird. Er veranlaßt jedenfalls in den Folgejahren keine Kurskorrekturen – vielmehr soll er sich selbst an lukrativen Fonds beteiligt haben. Branchenkenner sagen, daß er klar die Schieflage der BGB hätte erkennen müssen, was kein gutes Licht auf das Wirken der Nord/LB wirft...
Sommer 1999: Die Bundesregierung und der Bundestag ziehen von Bonn nach Berlin um. *
Ende 1999: Zwischen 1997 und 1999 hat Berlin, um den Haushalt zu sanieren, Landeseigentum für 10 Mrd. DM (rund 5 Mrd. Euro) verkauft. Darunter sind die Bewag, Gasag, Gehag und ein Teil der Wasserwerke.

2000

14. März 2000: Die Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers testieren die BGB-Bilanz 1999. Im Geschäftsbericht heißt es (Seite 79): „Professionelles Management sowie verantwortungsvoller und ergebnisbewußter Umgang mit Risiken werden im Konzern BankGesellschaft Berlin als Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung unserer Geschäftspolitik und strategischen Planungen angesehen.“ Nur ein Jahr später ist die BGB pleite. ( *, Seite 141)


März 2000: Die Wirtschaftsprüfer von Fasselt-Mette & Partner haben im Auftrag des Bundesaufsichtsamts für das Kreditwesen einen dicken, mehrbändigen Bericht über die BankGesellschaft Berlin verfaßt. Darin wird u. a. ausführlich auf die eingegangenen Fonds- Risiken sowie die völlig unzureichenden Rücklagen bei der IGB hingewiesen. Die Prüfer wiesen die Aufsichtsbehörde auch auf bestehende Freistellungserklärungen (für die Strohmann- Komplementäre der vielen Fonds- Gesellschaften) hin. Daraufhin passiert eigentlich nichts. ( *, Seite 122)
2000: Für 1999 kann noch einmal eine Dividende von 0,60 Euro pro Aktie ausgeschüttet werden. Es wird die letzte Dividende für viele Jahre – vielleicht für immer – sein.
November 2000: Trotz rückläufiger Ergebnisse kündigt Dr. Wolfgang Rupf für das Jahr 2000 eine stabile Dividende an. Die Wertberichtigungen sollen aber bei 1 Mrd. DM liegen. Die Immobilientochter IBG soll ausgegliedert werden. Die Aktie bricht massiv ein.
Dezember 2000: Rupfs Vertrag wird um 5 Jahre verlängert. Einige Aufsichtsräte haben Bedenken, doch Oberkontrolleur Dieter Feddersen setzt den Beschluß durch.*
30. Dezember 2000: Im Berliner Tagesspiegel erscheint auf der Immobilienseite eine Artikel „Kalte Platten“ von Mathew D. Rose. Darin wird von Streitigkeiten um Heizkostenabrechnungen bei den Platten- Bauten der Aubis-Gruppe berichtet. Daraufhin erhält der Autor von Lesern Unterlagen zu Parteispenden der Aubis-Manager Neuling und Wienhold an Landowsky sowie eine brisante Vorstandsvorlage der BGB vom 7.11.2000. ( *, Seite 144)
Ende 2000: Für die BGB schließt das Geschäftsjahr 2000 mit einem Verlust von 1,6 Milliarden Euro. Der Großteil stammt von der IBG, aber auch die BerlinHyp hat zum negativen Ergebnis beigetragen.
Jahreswechsel 2000/01: Drohende Verluste im Immobilienfondsgeschäft will die BankGesellschaft durch den Verkauf der profitablen Teile des Bereichs an Finanzinvestoren kompensieren. Drei Monate später – nachdem durch einen Bericht des Spiegel vom 29.1.2001 die Bilanz-Tricksereien aufgeflogen waren – verlangt der Aufsichtsrat die Rückabwicklung der komplizierten Transaktion, die über die Cayman Islands lief und sich als In-sich-Geschäft entpuppt hatte.

2001


Mitte Januar 2001: Der Berliner SPD-Vorsitzende Peter Strieder feixt vor einigen Lokaljournalisten mit unverhohlener Vorfreude: Der örtliche CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky werde demnächst ziemlich viel Ärger bekommen, denn bei der BankGesellschaft Berlin, deren Tochter BerlinHyp Landowsky leitet, würden für windige Immobilien-Fonds demnächst Rückstellungen in Milliardenhöhe fällig. *
Januar 2001: Das Gerücht macht die Runde – der Skandal „BankGesellschaft“ kommt ins Rollen: Und er beginnt mit einem faulen 600-Millionen-Mark Kredit der BerlinerHyp an die Aubis- Gruppe, in dessen Zusammenhang Klaus Landowsky (CDU) von den Aubis- Managern Wienhold und Neuling eine Parteispende erhalten haben soll.
29. Januar 2001: Im Nachrichtenmagazin Spiegel erscheint der Artikel „Der Milliarden- Bluff“, worin die krummen Geschäfte der BGB, Bilanz-Tricks sowie der geplante Börsengang der IBG kritisch beleuchtet werden. Daraufhin bricht bei der BankGesellschaft Berlin helle Panik aus, zumal der Spiegel die komplette BGB- Vorstandsvorlage vom 7.11.2000 (verfaßt von Friedhelm Schaperjahn) mit der Beschreibung der bereits mit Hilfe der Investment- Banker von J. P. Morgan umgesetzten raffinierten Bilanz-Tricks im Internet publiziert. ( *, Seite 144 + 150f)
Anfang Februar 2001: Berlins Finanzsenator Peter Kurth (CDU) behauptet, die BankGesellschaft werde dieses Jahr eine Dividende ausschütten. „Ein Risiko für den Landeshaushalt“ bestehe nicht. Und Regierungschef Eberhard Diepgen (CDU) sagt, die neue BGB-Krise sei „beherrschbar“, es gehe lediglich um „vorübergehende Zinsbelastungen“.
Februar – März 2001: Die Risikolage im Konzern und in seinen Teilbanken verschärft sich zusehends. Sonderprüfungen fördern immer neue Löcher im Kreditportfolio zu Tage. Die versprochene Dividende wird nicht ausgeschüttet.*
8. Februar 2001:
      Landowsky + Diepgen
^   Eberhard Diepgen (rechts) und sein Intimus Klaus Landowsky. * (Foto: 12.5.2001 – dpa/mopo)
CDU-Fraktionschef Klaus- Rüdiger Landowsky legt überraschend ein öffentliches Geständnis ab (Journalist
Mathew D. Rose war ihm auf der Spur): Zeitungs- Redaktionen erhalten ein Fax der Berliner CDU- Fraktion, in dem Klaus Landowsky den Empfang einer Parteispende in Höhe von 40.000 DM bestätigt – und zwar aus der Hand von 2 Ex-CDU- Abgeordneten, denen seine Bank zeitgleich einen Immobilienkredit in Höhe von 600 Millionen DM gewährte (Aubis-Kredit). Vorausgegeangen war an diesem Tag eine Besprechung im Roten Rathaus. Dort wurde der Regierende Eberhard Diepgen (CDU) mit der Nachricht konfrontiert, daß sein Intimus Landowsky 1995 die 40.000 Mark (20.450 Euro) in bar ausgerechnet in seinem Dienstzimmer bei der BerlinHyp angenommen hatte, deren Vorstandschef er war. In der Runde bei Diepgen mußte CDU- Schatzmeister Dankward Buwitt einräumen, daß der weitaus größte Teil der Spende weder in seinen Büchern auftauche noch dem Bundestagspräsidenten ordnungsgemäß gemeldet worden war. Landowsky und Buwitt hatte sich das Geld zwar nicht in die Tasche gesteckt, es aber parteiintern nach Gutsherrenart ausgegeben. *
Februar 2001: Durch das Bekanntwerden der Aubis-Spende an die CDU wird die Berliner Parteispenden- und Bankenaffäre ausgelöst. In deren Folge die SPD im Juni 2001 die große Koalition mit der CDU aufkündigen wird.
Februar 2001: Die Bankgesellschaft nennt Kredite von 5 Mrd. DM „beobachtungswürdig“ – also sind offensichtlich faul. Die staatliche Bankenaufsicht moniert die großzügige Vergabepraxis der BankGesellschaft bei Immobilienkrediten.
Ende Februar 2001: Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel behauptet BGB-Chef Dr. Wolfgang Rupf von den Freistellungserklärungen für die Strohmänner der Fondsgesellschaften und den daraus für die BGB resultierenden Risiken „nichts gewußt“ zu haben... *
1. März 2001: Das ARD-Politmagazin Kontraste (SFB) sendet einen Bericht zur illegalen Parteispende, die der BerlinHyp- Chef Landowsky für die CDU von den Aubis- Managern Neuling und Wienhold 1995 erhalten hat. Diese hatten einen Kredit von 600 Mio. DM erhalten.
Anfang März 2001: Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen legt dem Senat von Berlin einen Prüfbericht zum BGB-Konzern vor. Der Senat hält den Bericht unter Verschluß.
Anfang März 2001: Der Chef der Landesbank Berlin (LBB) Ulf- Wilhelm Decken ersucht um die Entbindung von seinen Pflichten. Decken wird vorgeworfen, im Zusammenhang mit den umstrittenen Immobilienfonds des BGB-Konzerns sogenannte Freistellungserklärungen unterzeichnet zu haben, ohne daß dazu ein Vorstandsbeschluß vorgelegen habe. Deshalb erfolgt wenige Wochen später die Kündigung Deckens durch die BankGesellschaft Berlin (BGB).
März 2001: Die staatliche Bankenaufsicht (Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen) fordert den Rücktritt von 5 Vorstandsmitgliedern des BGB-Konzerns – darunter BerlinHyp-Chef Klaus Landowsky. Landowsky sei „fachlich ungeeignet und teilweise unzuverlässig“. *
März 2001: Der Schnell-Verkauf des IBG-Geschäfts an die Karibik-Holding auf den Cayman Islands scheitert. Damit wollte die BGB die Milliardenverluste verschleiern. *
März 2001: Gleich reihenweise stolpern Vorstände der Teilbanken des Konzerns über Unregelmäßigkeiten und Merkwürdigkeiten in der Geschäftspraxis. Unter den 5 Managern, die gefeuert werden, befindet sich auch der einflußreiche Strippenzieher und BerlinHyp- Chef und Berliner CDU- Fraktionschef Klaus Landowsky.
März 2001: Trotz der unübersehbaren Zuspitzung bezeichnet Wolfgang Rupf die Lage als beherrschbar. Im Aufsichtsrat erklärt er, die BankGesellschaft Berlin sei kein Sanierungsfall. Er irrte total.*
28. März 2001: Der unabhängige Wirtschaftsprüfer Achim Walther, der 1997 eine Sonderprüfung der BGB-Tochter IBG durchführte, schreibt dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU): „Das Unglück der Bankgesellschaft ist nicht nur eine bedauerliche Schieflage aus falsch eingeschätzten Kreditrisiken. Es ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Mit hohen Schadensersatzforderungen für Berlin. Im Konzern der Bankgesellschaft wurde mit krimineller Energie alles versucht, um (...) Marktführer in einer Branche zu werden, deren Geschäfte normalerweise durch das Kreditwesengeschäft nicht gedeckt sind.“ Diepgen reagiert nicht. Später (2002) wird er sich an diesen Brief nicht mehr erinnern. ( *, Seite 176)  *
5. April 2001: Das Abgeordnetenhaus von Berlin beschließt die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsauschusses zur Aufklärung der Vorgänge bei der BankGesellschaft Berlin und deren Töchtern. Erster Vorsitzender des Untersuchungsauschusses wird Klaus Uwe Benneter (SPD). Untersucht werden sollen die folgenden Fragenkomplexe:
  •  A.  Aubis-Kredit.
  •  B.  Parteispenden an die CDU im Zusammenhang mit Kreditvergaben der BGB.
  •  C.  Fondsgeschäfte.
  •  D.  Sonstige Großkreditgeschäfte im Immobilienbereich der BGB.
  •  E.  IBG / IBAG.
  •  F.  Ermittlungen und Sonderprüfungen.
  •  G.  Finanzielle Zuwendungen und andere Vorteile.
  •  H.  Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung bei der LBB.
Der Auschuß startete am 11. April seine Untersuchungen. *
April 2001: Die BankGesellschaft Berlin (BGB) beginnt mit Suche nach einem Investor.
16. Juni 2001: In Berlin zerbricht wg. des Banken- Skandals die Große Koalition. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) wird von SPD, Grünen und PDS per Mißtrauensvotum abgewählt. Der Skandal hat ihn zu Fall gebracht. SPD und Grüne bilden eine Übergangsregierung. Klaus Wowereit (SPD) wird neuer Regierender Bürgermeister. Im Oktober 2001 kommt es zu Neuwahlen.
1. Juli 2001: In „Abstimmung mit dem Großaktionär“ (also dem Land Berlin) legen die Herren Dr. Dieter Schadt und Dr.-Ing. E.h. Heinz Dürr ihre BGB-Aufsichtsrats-Mandate nieder. ( *, Seite 191)
Juli 2001: Wegen der zahlreichen Sonderprüfungen im Kredit- und Immobilienbereich legt der Konzern seinen Abschluß für das Geschäftsjahr 2000 erst mit mehrmonatiger Verspätung vor. Das ernüchternde Ergebnis: Eine milliardenschwere Risikovorsorge und 1,65 Milliarden Euro Verlust.*
2. Halbjahr 2001: Bis zur Neuwahl des Berliner Abgeordnetenhauses am 21.10.2001 herrscht in Berlin ein Kartell des Schweigens um das Milliardengrab der BGB. Auch Rot-Grün wollte im Wahlkampf keine öffentliche Diskussion eines Banken-Skandals – nur die des „Landowsky-Skandals“.
12. Juli 2001: Das Berliner Abgeordnetenhaus beschließt mit dem Nachtragshaushalt 2001 des rot-grünen Übergangs-Senats auch, daß die BankGesellschaft Berlin neues Kapital von bis zu 2 Milliarden Euro erhalten wird. In der Öffentlichkeit bleibt völlig unverständlich, daß die Grünen das mitgetragen haben. ( *, Seite 159)
August 2001: Im BGB-Aufsichtsrat einigt man sich auf ein Konzept einer Restrukturierung des Konzerns. Der US-Investor Christopher Flowers plant ein Übernahmeangebot.
28. August 2001: BGB-Chef Dr. Wolfgang Rupf bietet dem Berliner Senat seinen Rücktritt an. Aber die rot-grüne Politik reagiert nicht. Rupf bleibt so noch 3 weitere Monate an der Spitze des Skandal-Konzerns.
29. August 2001: Hauptversammlung der BankGesellschaft Berlin (BGB). Es kommt zu wütenden Protesten der Aktionäre. Wolfgang Rupf bestätigt, daß er bereits einige Wochen zuvor seinen Rücktritt angeboten habe. Angesichts der katastrophalen Lage zieht der Vorstand seinen Antrag auf Entlastung zurück.
30. August 2001: Es werden 2 namentlich nicht benannte Ex-Mitarbeiter der BankGesellschaft verhaftet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen u. a. Untreue und Erpressung vor.
August/September 2001: Nur noch die Kapitalerhöhung in Höhe von rund 2 Milliarden Euro sichert den Fortbestand der BankGesellschaft Berlin. Das Land Berlin zeichnet den Löwenanteil, die übrigen Großaktionäre Nord/LB und Parion beteiligen sich nur unterproportional an der Kapitalmaßnahme, so daß ihre Beteiligungsquoten sinken. Diese staatliche Beihilfe muß noch von der EU-Kommission genehmigt werden. Würde diese Genehmigung von der EU versagt, bedeutet dies das Ende der BankGesellschaft Berlin.
August – Oktober 2001: Drei Interessenten für die Übernahme der BankGesellschaft melden sich: Zunächst der US-Investor J. Christopher Flowers (BGB Capital Partners), dann eine Gruppe um Nord/LB und Hamburger Sparkasse, zuletzt die US-Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group.
September 2001: Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) gibt beim Land Berlin ein Kaufangebot für das Retailgeschäft der BankGesellschaft (Berliner Sparkasse) ab.
29. September 2001: Der EDV-Chef der Aubis-Gruppe, Lars-Oliver Petroll (32), wird im Grunewald unter mysteriösen Umständen erhängt aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft sagt, es sei ein Selbstmord. Aber daran gibt es später erhebliche Zweifel, denn er wußte offensichtlich viel von den Betrügereien der Aubis. Und sein Wissen wollte er zu Geld machen... *
Herbst 2001: Die BGB hat bereits die frischen Landes-Milliarden für das laufende Geschäft verbraucht, so daß weitere Maßnahmen unausweichlich werden. Davon erfährt die Öffentlichkeit – wg. des Wahlkampfes – aber nichts.
Oktober 2001: Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den ehemaligen CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky wegen des Verdachts der Untreue. Bis Anfang 2004 kommt es zu keiner Anklage.
12. Oktober 2001: Rechtzeitig vor der Wahl legt der Untersuchungsausschuß BankGesellschaft / Parteispenden des Berliner Abgeordnetenhauses zur Aufklärung der Vorgänge bei der BankGesellschaft und des Umgangs mit Parteispenden einen Zwischenbericht vor (183 Seiten, * ). Der Ausschuß untersuchte, ob es einen Zusammenhang zwischen der Vergabe von Krediten der BerlinHyp an die Immobilienfirma Aubis und Spenden an die CDU gab (Landowsky-Affäre). Er hat mehrheitlich einen auffällig „engen zeitlichen Zusammenhang“ zwischen Spenden an die CDU und der Vergabe von problematischen Krediten an die Immobilienfirma Aubis festgestellt. Die CDU-Vertreter sehen hingegen keine direkte Verbindung. *
21. Oktober 2001: Die Berliner CDU verliert die Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin. In der Hauptstadt regiert danach Rot-Rot (SPD + PDS) unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit.
29. November 2001: Der unabhängige Wirtschaftsprüfer Achim Walther, der 1997 eine Sonderprüfung der BGB-Tochter IBG durchführte, schreibt dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD): „Aus der wirtschaftlichen Schieflage der Bankgesellschaft ergeben sich Schadensersatzansprüche des Landes gegen die Geschäftsführer der ehemaligen IBG, die Vorstände und Aufsichtsräte der Landesbank sowie der Bankgesellschaft und die beteiligten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.“ Wowereit reagiert nicht. ( *, Seite 177).
30. November 2001: Rupf, dessen zweite Amtsperiode gerade begonnen hatte, wird nach der Wahl zusammen mit 2 BGB- Vorstandskollegen (Dr. Thomas Kurze + Dr. Lothar Wackerbeck) entlassen. Der SPD ist er jetzt gleichgültig. Der Immobilienspezialist Hans- Jörg Vetter, erst seit einem Monat in der Bank, wird auf Vorschlag der SPD- Finanzsenatorin Christiane Krajewski neuer Vorstandschef. Der Aufsichtsrat segnet ein Sanierungskonzept ab, das den Abbau von 4000 Stellen und die Fokussierung des Geldhauses auf Kernaktivitäten und die heimische Region vorsieht.
6. Dezember 2001: Das ARD-Politmagazin Kontraste (SFB) berichtet über neue Milliardenrisiken – die Berliner BankGesellschaft werde zum Alptraum der Steuerzahler. Auch unter der nach der Großen Koalition amtierenden rot-grünen Regierung – die so „richtig aufräumen hätte können“ – ginge das „Verschleiern weiter“, heißt es in der Fernsehsendung. *
17. Dezember 2001: Der Berliner Senat erklärt sich in einer Grundsatzvereinbarung bereit, die BankGesellschaft von den Milliardenrisiken aus ihren ruinösen Immobilienfonds- Geschäften für die nächsten 30 Jahre abzuschirmen („Risiko- Abschirmung“ — Der Griff nach Milliarden von Steuern). Das sei eine wichtige Voraussetzung für die Sanierung und den eventuellen Verkauf des Konzerns, sagt die SPD-Senatorin Krajewski. Auch diese staatliche Beihilfe bedarf der Genehmigung durch die EU-Kommission in Brüssel.
Dezember 2001: In der Zeitung Die Woche wirbt der BGB-Konzern in einer Anzeige mit dem Slogan „Das gibt's nur einmal – das kommt nie wieder!“ für einen neuen Immobilien- Fonds der IBV.
27. Dezember 2001: Die BankGesellschaft Berlin (BGB) fliegt aus dem M-DAX, da nicht mehr genug freie BGB-Aktien (Streubesitz) am Markt sind.
Ende 2001: Es wird nun in der Öffentlichkeit deutlich, daß die Landowsky-Affäre um Parteispenden eigentlich nur eine Neben-Story – eine Fußnote – unter vielen ist. Denn der eigentliche Skandal sind die (vermutlich bewußten) Veruntreuungen von öffentlichen Geldern in Milliardenhöhe durch Bankmanager der BankGesellschaft Berlin und ihrer vielen Töchter sowie die jahrelang nicht wahrgenommene Kontrolle durch Politik und Aufsichtsbehörden.
Ende 2001: Das Land Berlin erreicht mit rund 42.400.000.000 Euro = 42,4 Mrd. Euro einen neuen Rekordstand der Verschuldung. *

2002

? 2002: Der Berliner Rechtsanwalt Peter Ackermann – seit Sommer 2000 BGB-Aktionär – verklagt die BankGesellschaft und ihr Vorstandsmitglied Norbert Pawlowski auf Schadensersatz. Das Berliner Landgericht hat diese Zivilklage nicht abgewiesen. ( *, Seite 224f)
5. Januar 2002: Der unabhängige Wirtschaftsprüfer Achim Walther, der 1997 eine Sonderprüfung der BGB-Tochter IBG durchführte, schreibt dem neuen Oppositionsführer im Abgeordnetenhaus Frank Steffel (CDU): „Aus jahrelang fehlerhaft testierten, nichtigen Jahresabschlüssen im Konzern der Bankgesellschaft sind seitens der CDU Haftungsansprüche zugunsten des Landes Berlin öffentlich zu thematisieren. Die beteiligten Wirtschaftsprüfer- Gesellschaften (einschließlich der Konzernprüfer) müssen in Anspruch genommen werden.“ Steffel reagiert nicht. ( *, Seite 178).
Januar 2002: Eine Aktionärsgruppe zeigt den ehemaligen BGB-Chef Dr. Wolfgang Rupf wegen Betrugsverdacht an. Die Berliner Staatsanwaltschaft beginnt zu ermitteln. Bis Anfang 2004 wird keine Anklage erhoben.
Januar 2002: Die BGB kündigt den Ex-IBAG-Chef Friedhelm Schaperjahn außerordentlich.
22. Januar 2002: Ein sogenanntes Sanierungskonzept für die BGB, das von der Boston Consulting Group erarbeitet wurde, wird im Berliner Senat abgesegnet und über das Bundesfinanzministerium an die EU-Kommission zur Prüfung der 2-Milliarden-Beihilfe eingereicht. ( *, Seite 196)
Ende Januar 2002: Es wird bereits deutlich, daß BGB-Chef Hans-Jörg Vetter ein Sanierungskonzept der Art „Haltet den Dieb“ – eine Sündenbock- Strategie – verfolgt, um so die Kern-BGB reinzuwaschen. Denn alle Verluste der BGB sollen offensichtlich dem Fondsgeschäft der Fonds- Töchter und deren Holding IBAG angelastet werden. *
Februar 2002: Die Bankenaufsichtsbehörde erteilt eine Rüge an 3 für die BGB tätige Wirtschaftsprüfer (KPMG, PWC und D&L) wg. deutlicher Mängel in ihren BGB-Prüfberichten.
Februar 2002: Der Verkaufsprozess der BGB, der monatelang stockte, kommt wieder in Gang. Verbindliche Angebote erwartet Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) Mitte April. Die Entscheidung über den Verkauf soll noch vor dem Sommer 2002 fallen, was aber nicht geschieht.
14. Februar 2002: Der 67-jährige Ernst-Otto Sandvoß, Ex-Chef der Deutschen Girozentrale – Deutsche Kommunalbank (DGZ- DekaBank), wird auf Wunsch von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) neuer Aufsichtsratsvorsitzender des BGB- Konzerns. Er wird damit Nachfolger des Rechtsanwalts Dieter Feddersen, der nach zweieinhalbjährigem Vorsitz das Amt Ende 2001 niederlegte.
16. Februar 2002: Der Ex-Regierende Eberhard Diepgen legt den CDU-Landesvorsitz nieder, den er seit 1983 inne hatte. Damit geht die Ära der Seilschaft Diepgen- Landowsky endgültig zu Ende.
Februar 2002: Gegen die Aubis-Chefs Wienhold und Dr. Neuling wird Haftbefehl erlassen.
März 2002: Die BankGesellschaft Berlin legt vorläufige Eckdaten für 2001 vor. Sie geht von einem ausgeglichenen Vorsteuer-Ergebnis aus. Ohne die Abschirmung der Risiken aus dem Immobilienfondsgeschäft durch das Land wäre ein Fehlbetrag von bis zu 2 Milliarden Euro entstanden.*
13. März 2002: Mitglieder der Organisation „Business Crime Control“ (BCC) geben den Medien, Berliner Abgeordneten und dem Landesrechnungshof wertvolle Nachhilfe beim Erkennen der vielen Risiken, die in der BankGesellschaft Berlin (BGB) schlummern. *
? März 2002: Der Aufsichtsrat der IBAG wurde um alle externen Mitglieder „bereinigt“. So schieden die „wissenden“ Salditt, Rietze, Haarmann, Ghassemi und Butzer der Reihe nach aus, um mit eigenen Leuten – so wird vermutet – der Fonds- Holding IBAG besser den Stempel des Sündenbocks aufdrücken zu können. *
März 2002: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Wienhold und Dr. Neuling wegen Betrugs und Betrugversuchs. Sie glaubt, den Aubis- Managern einen Schaden von 918.000 Euro nachweisen zu können. In 156 Leitz-Ordnern hat sie ihre Ermittlungsergebnisse zum Aubis- Prozeß gesammelt.
Ende März 2002: Es könnte auch ein Bluff zur Beeindruckung von Berlins Parlamentariern gewesen sein: Denn Bankenaufsichts- Chef Jochen Sanio droht an, den BGB-Konzern von einem auf den anderen Tag dicht zu machen, falls das Land Berlin der BankGesellschaft kein frisches Kapital zuführt. ( *, Seite 202)
Frühjahr 2002: Nachdem das Land Berlin die BankGesellschaft nur mit Milliardenhilfen aus dem Steuertopf vor der Pleite bewahrte, will das Land auch noch die Bürgschaft für künftige Verluste über 21,6 Mrd. Euro übernehmen.
1. April 2002: Der Vorsitzende der Organisation „Business Crime Control“ (BCC), Prof. Hans See, wendet sich in einem eindringlichen Brief an die Berliner Mandatsträger. Darin macht er deutlich und begründet im einzelnen: „Keine der Begründungen für eine Risikoübernahme ist stichhaltig“. Eine Entscheidung für die Risikoübernahme durch das Land Berlin liege nicht im Interesse des Landes, seiner Bürger und Steuerzahler, heißt es in dem Brief. *


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Anmerkungen und wichtige Quellen: 

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  • Bahn – Probleme mit der Bahn
  • BGB – Berlins Banken-Skandal
  • Bln – Reports aus Berlin
  • BSE – Zum Rinderwahnsinn
  • CJD – BSE beim Menschen
  • Computer – Welt der Computer
  • Energie – Energie-Probleme
  • EUR – Infos zum Euro (Teuro)
  • Food – Nahrungs-Probleme
  • Heimat – Impressionen
  • khd – Homepage von khd
  • khd-research – Homepage
  • Klima – Zum Klimawandel
  • LifeSci – Life Sciences
  • Math – Mathemat. Werkzeuge
  • Med – Medizin kontrovers
  • Media – Medien-Links (Europa)
  • My_Lisa – Link-Sammlungen
  • Nat – Das ist Natur/Nature!
  • NT-Abk – Nachrichten-Technik
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  • Politik – Unlautere Politik
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  • Wnotes – Publiz. „wdv-notes“
  • Die "BSE-Page" und "t-off" sind viel beachtete Publikationen des „khd-research.net

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