KÖLN 3. März 2009 (khd/phoenix/d-radio). Diesen Tag werden die Kölner nicht
so schnell vergessen wurde doch ihr 1000-jähriges ‚Gedächtnis‘
zerstört. Heute in den Mittagsstunden sackte das große vierstöckige Gebäude des
Stadtarchivs an der Severinstraße 222 in der Südstadt wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
Das Stadtarchiv sei auf einer Fläche von 50 mal 70 Metern komplett eingestürzt und riß
die beiden Nachbarhäuser mit, konstatierte die Polizei. Und dabei handelte es sich um einen soliden
Neubau, der erst 1971 eingeweiht worden war. Mehrere Menschen werden noch vermißt. Sie könnten
unter dem riesigen Trümmerberg begraben sein.
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Kölns historisches Stadtarchiv liegt in Trümmern, weil die Stadt mal wieder alles falsch
machte. Im Archiv wurden in 18 Regal-Kilometern neben den Dokumenten der Stadtgeschichte auch der
Nachlaß von z. B. Konrad Adenauer, Heinrich Böll und Jaques Offenbach sowie wertvolle
Architektur- Zeichnungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert aufbewahrt. Vieles davon wird wohl zerstört
sein. Der Schaden gilt als unschätzbar.
Offenbar war Kölns Stadtvätern das Bauen einer neuen U-Bahn wichtiger als das sichere Bewahren
des Kulturerbes. So eine U-Bahn kostet nur etwa 1 Mrd. Euro ‚peanuts‘ angesichts des
vermuteten Billionen-Schadens. Aber welcher intelligente Mensch ordnet auch den Bau einer 3,6 km
U-Bahnstrecke im schwierigen Untergrund des Rheintals im Schildvortrieb plus Grundwasserabsenkung an,
noch dazu wo es unter einer alten Stadtbebauung lang ging? Wer eigentlich verdient an diesem bereits
pannenreichen U-Bahnbau am meisten?
(TV-Shot: 3.3.2009 phoenix) |
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Bestände des Stadtarchivs
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Das Archiv umfasst Dokumente aus über 1000 Jahren Kölner, rheinischer
und preußischer Geschichte. Mit der Ernennung Leonard Ennens zum ersten
Kölner Stadtarchivar 1857 wurde der Ausbau des Archivs wesentlich auf den
Weg gebracht. Mehr als 65.000 Urkunden aus dem Raum Köln ab dem Jahr 922,
104.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate und rund eine halbe Million Fotos.
Zudem sind dort 780 Nachlässe und Sammlungen, unter anderem von
Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll gelagert worden.
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Ein tragisches Unglück ist es jedensfall nicht, denn es kündigte sich schon seit einiger Zeit
klar und deutlich an. Auch war bereits im Herbst 2004 in der Gegend nur rund 150 Meter entfernt
der Turm der Kirche Sankt Johann Baptist (948 erbaut) wg. des Tunnelbaus für die U-Bahn in
arge Schieflage geraten und konnte nur mit einer 1 Mio. Euro teuren Hydraulik-Aktion vor dem Umkippen
bewahrt werden.
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Kölns Stadtdirektor Guido Kahlen (SPD) ringt vor der Presse nach Worten. Wußte er von den
Vorboten des Unglücks von bis zu 4 cm breiten Rissen?
(TV-Shot: 3.3.2009 phoenix) |
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Im Berliner
DeutschlandRadio Kultur sagte
heute Nachmittag der frühere Archiv-Abteilungsleiter Eberhard Illner, daß bereits im Sommer
2008 im Keller des Gebäudes Risse zu beobachten waren, was zu entsprechenden Meldungen an die
zuständige Behörde führte. In den letzten Wochen hätten sich diese
Setzungsrisse
vergrößert, da dort im Untergrund eine U-Bahn-Linie gebaut werde. Dennoch wurden die sehr
wertvollen Sammlungen nicht rechtzeitig ausgelagert und das Gebäude gesperrt. Der nun entstandene
Schaden sei erheblich größer als beim Brand der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek.
Noch ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft nicht gegen die Verantwortlichen dieses absehbaren
Unglücks aber das kann ja noch kommen. Es sei denn alles wird mal wieder unter den
großen Kölner Filz-Teppich des Kölner Klüngels gekehrt.
Das Kölner Unglück erinnert in vielfacher Hinsicht an den Tunnel-Einsturz von Lausanne am 22.
Februar 2005. Dort kam es beim Bau einer U-Bahn zu einem plötzlichen Tagbruch im bebauten Gebiet,
nur weil die geologische Situation nicht richtig gedeutet worden war (siehe Seite 5 der
PDF-Fassung).
Kölns Experten ohne Durchblick?
KÖLN 04.03.2009 (khd/welt/wdr). Inzwischen hat die Stadt Köln erklärt, sie
habe ein Gutachten (wohl aus dem Jahr 2008). Danach soll ein Statiker befunden haben, daß die Risse
nicht die Statik des Archiv-Gebäudes gefährden. Im Gutachten vom Dezember 2008 heißt es
wörtlich (zitiert aus Die Welt online vom 3.3.2009 22.59 Uhr):
Die entstandenen Risse
sind unbedenklich. Das Gebäude ist im jetzigen Zustand in statischer Hinsicht ausreichend
standsicher. Sicherungsmaßnahmen müssen nicht getroffen werden.
Na dann ist doch alles klar, und das Haus kann gar nicht eingestürzt sein. Was das Fernsehen auch so
alles berichtet... ;) Oder sollte dieser famose Gutachter vergessen haben, regelmäßig
nach den Gipsmarken an den Rissen zu schauen?
Ein riesiges Loch unterm Stadtarchiv tat sich auf
KÖLN 05.03.2009 (khd/d-radio). Als Ursache für den Einsturz des Stadtarchivs wird
nunmehr eine Kavernen-Bildung beim Schildvortrieb des U-Bahn-Tunnels angenommen. In diesen Hohlraum, der
sich womöglich durch andere Baumaßnahmen noch vergrößert haben könnte, ist
dann das große Stadtarchiv samt wertvollem Inhalt am 3. März um 13.56 Uhr abgestürzt. Das
klingt sehr plausibel. Es muß also ein recht großer Hohlraum gewesen sein, der dort
entstanden war. Und das soll wirklich keiner bemerkt haben?
Auch an der dem Stadtarchiv gegenüberliegenden Schule, dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, wurde jetzt
im Gemäuer eine deutliche (bis 2 cm) Rißbildung festgestellt. Das Gebäude ist ebenfalls
vom Einsturz bedroht und mußte deshalb abgestützt werden.
KVB vergaß, daß man im Rheintal baute
KÖLN 06.03.2009 (khd/d-radio). Unterdessen wurde bekannt, daß der Bauherr der
umstrittenen U-Bahn (eigentlich ist das nur eine unterirdische Stadtbahn), die
Kölner Verkehrs- Betriebe AG (KVB), den Untergrund nur in der Bauvorbereitungsphase stichprobenartig hat untersuchen
lassen und offensichtlich (in Störzonen) auch keine
Vorbereitung des Untergrunds nach dem Stand der Technik vorgenommen wurden. Eine
intensive Kontrolle der Bodenverhältnisse während des
Tunnelbaus der Nord-Süd-Stadtbahn seit 2004 soll jedoch nicht erfolgt sein, vermutlich um
Kosten zu sparen.
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Köln Trasse der seit 2004 im Bau befindlichen Nord-Süd- Stadtbahn.
(Grafik: 2009 KVB) |
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Höchst merkwürdig ist auch, daß dem städtischen Bauaufsichtsamt oder dem Amt
für Brücken- und Stadtbahnbau offensichtlich auch nichts aufgefallen war. Im Zuge der
Bauarbeiten war es aber immer wieder zu Rissen und anderen Veränderungen an vielen Gebäuden
entlang der etwa 4 Kilometer langen Trasse gekommen. Die KVB räumte heute ein, daß es in der
letzten Zeit Probleme beim Abpumpen des Grundwassers gegeben habe. Es ist noch unklar, was das im
Zusammenhang mit dem Einsturz des Stadtarchivs zu bedeuten hat. Im Stadtarchiv soll es aber schon seit
längerem immer wieder auch Wasserschäden gegeben haben.
Die KVB AG gehört nur zu 10 % direkt der Stadt Köln und die übrigen 90 % den Stadtwerken
Köln, die aber auch der Stadt Köln gehören. Zwar hat die KVB mit Jürgen Fenske seit
Januar 2009 einen neuen Chef, aber gefragt ist in diesen Tagen das Wissen von Walter Reinarz, dem
ehemaligen Kölner CDU-Chef und heutigen Mietglied des KVB-Vorstands.
Kommt jetzt die brutalstmögliche Aufklärung?
KÖLN 07.03.2009 (khd/d-radio). Die Kölner Verkehrsbetriebe KVB haben ein
gerichtliches Beweissicherungsverfahren beantragt. Auch die Kölner Staatsanwaltschaft hat inzwischen
Ermittlungen gegen Unbekannt wg. des Verdachts der Baugefährdung und der fahrlässigen
Tötung aufgenommen. Von beschlagnahmten Akten wurde aber bis heute nichts bekannt.
Dafür glänzte mal wieder das Nachrichtenmagazin Der Spiegel mit einer wichtigen
Vorabmeldung zum bereits 2004 in einem Experten- Gutachten
festgestellten Pfusch am Kölner Tunnelbau. Diese Information hatte bislang die KVB
zurückgehalten. Beim Schildvortrieb seien auch bedienungsbedingte vermeidbare
Auflockerungen und Hohlraumbildungen im Erdreich unter der Kölner Südstadt
entstanden, zitiert Der Spiegel aus dem Gutachten von 2004. Der Südabschnitt der
unterirdischen Stadtbahn wird von einem Konsortium unter
Führung von Bilfinger-Berger gebaut.
Das mag erklären, warum dieses Gutachten bisher nicht im Internet komplett veröffentlicht
wurde. Auf einer Pressekonferenz wollte sich die KVB heute nicht zu diesem Sachverhalt äußern.
Nach einem Bericht des
Kölner Stadt-Anzeigers hat KVB-Chef Jürgen Fenske (SPD) angekündigt, sich nicht
mehr zu den aktuellen Spekulationen äußern zu wollen. Die KVB habe bereits alle
verfügbaren Unterlagen zur Verfügung gestellt und sei an lückenloser und zeitnaher
Aufklärung in höchstem Maße interessiert, sagte KVB-Chef Fenske. Das Unternehmen
wird nichts, kann nichts und will nichts verbergen. Warum hat sie dann aber die wichtige
Information zum Tunnelbau aus dem 2004-Gutachten der Öffentlichkeit mehr als 4 1/2 Jahre
vorenthalten?
Ignoranz oder Dämlichkeit?
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BERLIN 09.03.2009 (khd/d-radio/sp). Im
Spiegel-Artikel Niedriger
Stützdruck (Heft 11/2009 vom 9.3.2009, Seite 35) heißt es auch: »Ein Mitarbeiter
eines Leverkusener Ingenieurbüros besichtigte im Dezember 2008 8 auffällige Stellen im
[Stadtarchiv-] Haus: Eine Dehnungsfuge in der Decke, an der ein handgroßes Stück Beton
geplatzt war, und Risse im Fußboden des Heizungskellers. Alles in statischer Hinsicht
unbedenklich, urteilte der Experte [Ed: zu diesem Zeitpunkt!]. Um weitere Schäden am
Gebäude zu vermeiden, empfahl er aber, einen zusätzlichen Sachverständigen
einzuschalten. Der Kölner Baudezernent Bernd Streitberger (CDU) sah dazu keine
Veranlassung«.
Diese Gutachter-Aussage im Kontext mit den im Gutachten von 2004 beschriebenen Hohlraumbildungen beim
U-Bahnbau hätte aber im Kölner Baudezernat die Alarmglocken schrillen lassen müssen und
sofort eine umfangreiche Suche nach den Ursachen der bereits eingetretenen Schäden am Stadtarchiv
begonnen werden müssen, zumal das Stadtarchiv sehr sehr wertvolles Kulturgut beherbergte. Warum
geschah das nicht im Dezember 2008?
Aber auch noch heute sollten bei der Kölner Bauaufsicht die Alarmglocken schrillen, denn wg. dieser
bereits 2004 gutachterlich festgestellten Hohlraumbildungen längs der Tunnel-Trasse, könnte es
später während des Bahn-Betriebs durch die dynamische Belastung der Tunnelröhren durchaus
zu weiteren Gebäude-Schäden und -Einstürzen kommen. Ein Tiefbau-Experte, der seinen Namen
nicht im Internet lesen möchte, befürchtet das.
Der Expertenrat: Eine Kontrolle der gebauten Trasse durch Aufgraben der Tunnelröhren von oben. Es
wäre sowieso wg. des unberechenbaren Kies-Sand-Grundwasser-Mixes im Kölner Untergrund besser
gewesen, diese U-Bahn komplett in offener Bauweise mit solider Gründung gebaut zu haben. Und wie man
so etwas macht, hätte Köln am Bau des unterirdischen Teils (Seite 18) des neuen Berliner Hauptbahnhofs dicht neben
der Spree studieren können.
Eine hervorragende Arbeit der KVB
KÖLN 12.03.2009 (khd/wdr/d-radio). Nach dem Einsturz des Stadtarchivs wurden tausende
Tonnen Flüssig-Betons in den Untergrund geschüttet, um den Trümmerberg zu stabilisieren,
und damit wurden vermutlich auch reichlich Kulturschätze endgültig vernichtet. Beton ist
das richtige Stichwort: Denn mit Beton-Köpfen haben wir es auch in der Kölner Stadtverwaltung
und den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB) zu tun, die bislang trotz vieler Vorwürfe
kaum etwas zur öffentlichen Aufklärung des absehbaren Unglücks beitrugen
[mehr].
Das wurde gestern Abend nach einer Sondersitzung des Kölner Stadtparlaments (Stadtrat) noch einmal
besonders deutlich. Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) stellte sich nach der Beratung über
den Stadtarchiv-Einsturz hin und sagte der Presse, die KVB habe hervorragende Arbeit
geleistet. Daran sind aber begründete Zweifel angebracht, denn nach dem gegenwärtigen
Erkenntnisstand wurden beim Tunnel-Bau auch von der KVB schwerwiegende Fehler gemacht.
Hätte ein Schramma aber die lange Liste der seit den 1990er-Jahren aufgetretenen Tunnel-Havarien
(im Internet) gelesen oder hätte nachlesen lassen, hätte auch ihm wohl
schnell klarwerden müssen, daß das Kölner Desaster einmal einen vorderen Rang in den
Annalen der Versäumnisse bei Tunnel-Projekten einnehmen wird. Heute Abend im Kölner
Politmagazin Monitor wurde das unterstrichen, als der WDR auf Versäumnisse bei der Suche
nach alten Brunnen und Hohlräumen im Vorfeld des Tunnel-Baus
hinwies:
Danach hat die Stadt bereits bei der Planung der Kölner U-Bahntrasse Fehler gemacht. Das gehe aus
einem Dokument des KVB-Vorstands vom August 2007 hervor, heißt es in Monitor. Die Stadt
habe bei der Planung der Trassenführung im Jahr 2001 nicht hinreichend geklärt, ob sich noch
Hohlräume und alte Brunnen im Untergrund befinden. Dadurch bestanden beim Bohren der Trasse im
Schildvortrieb erhebliche Gefahren [Ed: wie sie
im Internet ausführlich beschrieben sind].
Nach Erkenntnissen von Monitor gab es unmittelbar an der Baugrube vor dem heutigen Stadtarchiv
um 1836 einen Stadtbrunnen. Im KVB-Dokument von 2007 werde bereits ausdrücklich gewarnt vor
großflächigen Deformationen und Absackungen an der Gebäudeoberfläche,
evtl. sogar verbunden mit Personen- und Sachschäden.
Die Kölner U-Bahnbauer haben also die negativen Erkenntnisse aus den Tunnel-Verbrüchen in
Portugal (Porto, 2000) und der Türkei (Istanbul, 2001) ganz offensichtlich ignoriert. Bei beiden
Havarien waren die Tunnel-Bohrer unerwartet auf alte Brunnen gestossen, die Wassereinbrüche und
Einstürze verursachten. Obwohl es in Köln nun 2 Tote gegeben hat, weiß ein OB Schramma
alles besser und nennt den Kölner Planungs-Murks hervorragende Arbeit. Seine und anderer
U-Bahn-Manager Tage dürften gezählt sein. Vielleicht wacht ja die Kölner Opposition doch
noch auf.
Kölns Dummheit wird deutlicher
Warum sparte Köln beim U-Bahnbau?
KÖLN 15.03.2009 (khd/yahoo/sz/d-radio). Das Kölner Umweltdezernat teilte heute mit,
daß die bauausführenden Firmen in Kölns Südstadt mehr Brunnen zum
Grundwasser-Abpumpen gebohrt haben, als ihnen erlaubt waren. So wurden seit Dezember 2008 (sic!) am
Waidmarkt in der Nähe des Stadtarchivs 15 Brunnen statt genehmigter 4 in den kiesigen Boden
getrieben (+275 %), und am unweiten Heumarkt waren es 18 statt genehmigter 12 Brunnen (+50 %).
Außerdem sei am Stadtarchiv wesentlich mehr Grundwasser als erlaubt dem Boden entnommen worden (756
Kubikmeter/Stunde statt genehmigter 450 Kubikmeter/Stunde), was die Firmen der Behörde nicht
mitteilten, heißt es. Das hat natürlich zur Folge, daß die wasserrechtliche
Genehmigung automatisch erlischt. Dennoch wurde kräftig weitergepumpt.
Aber daraus läßt sich auch schließen, daß es beim U-Bahnbau sehr erhebliche
Grundwasser-Probleme gegeben haben muß. Nicht bekannt wurde bisher, warum diese Verstöße
den kontrollierenden Behörden nicht aufgefallen waren, oder warum sie nicht (rechtzeitig) dagegen
eingeschritten sind. Auch verwundert, daß es der Opposition nicht gelang, solche
Unregelmäßigkeiten (z. B. durch Kleine Anfragen) ans Tageslicht zu
befördern.
Vorher hatte bereits Kölns Ex-Baudezernent (19972003) Béla Dören (CDU/SPD ?) wg.
des Vorgehens beim U-Bahnbau in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung
(14.3.2009) schwere Vorwürfe gegen die Stadtspitze und die Kölner Verkehrs-Betriebe
(KVB) erhoben. Das Verfahren des Grundwasserabsenkens beim Bau der Nord-Süd-Stadtbahn sei
eindeutig risikobehaftet und bei früheren Kölner U-Bahn-Projekten auch nicht
angewandt worden. Sie ist bei einem Untergrund aus Kies-Wasser-Sand auch nicht Stand der Technik,
weiß jeder Experte.
Er könne nicht verstehen, weshalb die KVB bei den U-Bahn-Arbeiten im Grundwasserbereich nicht die
erprobten Verfahren wie Unterwasser-Beton oder Kryo-Techniken angewandt habe. Stattdessen habe sich der
Bauherr entschieden, das Grundwasser abzupumpen. Dies aber sei möglicherweise die Ursache für
Bodenverschiebungen und einen hydraulischen Grundbruch, der mit hoher Wahrscheinlichkeit zum
Archiv-Einsturz geführt habe, sagte Dören der Zeitung.
Die KVB bestätigte
inzwischen, daß Unterwasser-Betonage mit Bautauchern oder Gefriertechniken bei der
U-Bahn-Baustelle am Kölner Waidmarkt, die unmittelbar an das eingestürzte Archiv angrenzt,
in der Planung nicht vorgesehen gewesen seien. Warum nicht? Offensichtlich war das
Grundwasserpumpen billiger aber nur vermeintlich, denn nun wird alles sehr viel teurer, man
vernichtete reichlich Kulturerbe und produzierte zudem Straftäter.
[Aktueller Kommentar zum Kölschen
Klüngel]
Kölner Aufsichts-Verhältnisse
Braucht Köln den Staatskommissar?
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Das Baukonsortium
Quelle:
Internet, 16.3.2009.
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Die Verantwortung für den Bau der U-Bahnstrecke nahe des eingestürzten Stadtarchivs in
Köln tragen nach Angaben des Konzerns Bilfinger-Berger AG [ 1] alle 3 Unternehmen
des Baukonsortiums. Für die Ausführung ist das Joint Venture gemeinsam
verantwortlich, sagte ein Bilfinger-Berger-Sprecher am 16.3.2009: Da kann man keinem
einzelnen Unternehmen die Verantwortung zuweisen.
Dem Konsortium unter Führung von Bilfinger gehören ferner Wayss & Freytag AG, eine
Tochter des niederländischen Baukonzerns Royal BAM Groep, und die Tochter Züblin AG der
österreichischen Strabag an, wie der Sprecher erläuterte. Die 3 Unternehmen seien zu gleichen
Teilen an dem Konsortium beteiligt. Sie bauen gemeinsam den südlichen Teil einer neuen U-Bahnstrecke
in Köln. Es seien auch Aufträge an Sub-Unternehmen vergeben worden
[ 2].
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KÖLN 16.03.2009 (khd/ksta/rdsch). Im Skandal um den Kölner U-Bahnbau, der zum
Einsturz des Historischen Stadtarchivs führte, kommen immer neue Merkwürdigkeiten zu Tage. Nach
einem
Bericht der
Kölnischen Rundschau sowie dem
Leitartikel im
Kölnischen Stadt-Anzeiger lag die Bauaufsicht für den U-Bahnbau laut Baudezernent
Bernd Streitberger ursprünglich bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Diese habe sie an die
Stadt Köln delegiert, welche sie im Sommer 2002 der KVB weiter übertragen habe. Streitberger
(CDU): Ich gehe davon aus, daß die KVB sie an die Baufirma weitergegeben haben. Das sei
hier so üblich.
Das bedeutet aber, daß sich Bauherr und die Bau-Unternehmen de facto selbst kontrollierten. Was
soll dabei schon herauskommen? Wo bleibt der Anspruch des Staats, durch Kontrollen des Baugeschehens
Schaden von der Allgemeinheit abzuwenden? Erklärlich ist ein solches unverantwortliches Vorgehen nur
mit diesem stringentem neo-liberalen Denken: Der Staat müsse sich aus allem, was die Wirtschaft
behindere, heraushalten. Aber wir erleben seit dem Herbst 2008 (Lehman-Crash) gerade, wohin solch
verblendetes, unkritisches Denken führt immer in die Katastrophe, ob sie nun Finanzmarktkrise
oder Stadtarchiv-Einsturz heißt.
Die Bauaufsicht muß schleunigst zum Staat zurückgeholt werden. Und wenn das die Kölner
nicht umgehend schaffen, dann muß eben ein Staatskommissar nach Köln geschickt werden, um
endlich diesen Augiasstall auszumisten (johannwi im
PI-Forum
bereits am 3.3.2009).
Brisantes Gutachten aufgetaucht
KÖLN/MÜNCHEN 18.03.2009 (khd/ksta/sz/d-radio).
Ob in der Baugrube am Waidmarkt (am Stadtarchiv) die Tiefe der seitlichen Schlitzwände aus Beton
ausreichend war, wurde bereits bezweifelt.
Der entscheidende Hinweis kam jetzt aus München von der Süddeutschen Zeitung (SZ).
Diese berichtet heute auf der Seite 2 von
einer Studie des Aachener Instituts für Geotechnik im Bauwesen der RWTH, die Ende September 2008
abgeschlossen wurde. Darin warnten die Wissenschaftler vor der Gefährdung von Menschenleben durch
falsch dimensionierte Schlitzwände beim U-Bahnbau.
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In Köln herrscht nun das fortgesetzte Prinzip der kollektiven
Verantwortungslosigkeit:
A verweist auf B, der alle Verant- wortung auf C
überträgt, der wiederum hofft, daß er die Schuld wieder bei A abwälzen
kann. Mit diesem System der ‚Abschnitts- verantwortung‘ setzen die
Verantwortlichen darauf, daß sich die Öffentlichkeit irgendwann entnervt
von dem Streit abwendet und dabei die Schuldfrage vergisst.
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Das schreibt die "Süddeutsche Zeitung" am
18. März 2009. Diese technik- ahnungslosen Verantwortlichen vergessen aber, daß wir heute das
Internet haben. Und: Das Internet vergißt nichts! Der Dank geht an die immer ausgefeilteren
Archiv- und Such- Techniken.
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Der Leiter des RWTH-Instituts, Professor Martin Ziegler, erklärte heute, die in seinem
Forschungsvorhaben gewonnenen Erkenntnisse ließen keinerlei konkrete Rückschlüsse auf
mögliche Fehler beim Kölner U-Bahn-Bau zu. Aber in der Studie, die vom Deutschen Institut
für Bautechnik in Auftrag gegeben worden war, ist indes mehrfach vom Kölner Bauprojekt die
Rede. Konkret wurde für die Studie die Baugrube der U-Bahn-Haltestelle Rathaus
untersucht.
Die Aachener Wissenschaftler befürchteten einen hydraulischen Grundbruch, wie er
höchstwahrscheinlich dann am 3. März am Waidmarkt tatsächlich erfolgte, es sei denn die
Schlitzwand war dort doch fehlerhaft betoniert worden. Wegen des instabilen Baugrunds (Kies und Sand) und
des starken Grundwasserdrucks waren die Wissenschaftler zum Ergebnis gekommen, daß die
stabilisierenden Bauschlitzwände an den U-Bahn-Haltestellen 4 m tiefer in der soliden,
wasserundurchlässigen Erdschicht verankert werden müßten als in der Ausschreibung (mit
nur 2 m) vorgesehen war. Auf die Anfrage der Münchner Zeitung, ob die Gutachter-Empfehlung umgesetzt
worden sei, hätten die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) nicht geantwortet, heißt es.
Zwar ist derzeit noch unklar, ob die Statik der 28 m tiefen Schlitzwand-Baugrube am Waidmarkt, in die das
sechsgeschossige Stadtarchiv hineingestürzt war, auf der in der Studie kritisierten
fragwürdigen Berechnungs-Methode basiert. Aber es steht schon jetzt fest, daß in Köln
Aufträge nur nach dem Kriterium niedrigster Preis vergeben worden sind. Der gesamte
Kölner U-Bahnbau sei wie eine Doppelgarage in einem Hinterhof bewertet worden,
weiß Peter Dübbert, Präsident der NRW-Bauingenieurkammer. Die Kammer hat inzwischen wg.
der eklatanten Verletzung von Sicherheitsstandards das NRW-Bauministerium in Düsseldorf
alarmiert.
Unterdessen warf der frühere Kölner Baudezernent Béla Dören der Kölner
Stadtspitze vor, mit dem 2002 erfolgten Outsourcing des U-Bahn-Projekts an die KVB die Bauaufsicht
für das risikobehaftete Projekt leichtfertig aus der Hand gegeben zu haben. Da die KVB
über keinen ausreichenden Sachverstand für den U-Bahnbau verfügt habe, seien die meisten
Aufträge an Ingenieurbüros vergeben worden. Man mußte sich also auf die
beauftragten Firmen verlassen, ohne sie kontrollieren zu können, sagte Dören der SZ.
Fast schon die Aufklärung
KÖLN 21.03.2009 (khd/ksta/d-radio). Seit gestern Abend wissen wir nun, der Einsturz
des Historischen Stadtarchivs hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit vermieden werden können.
Anfang September 2008 hat es bereits in der Baugrube am Waidmarkt vor dem Stadtarchiv einen
hydraulischen Grundbruch mit Grundwassereinbruch gegeben.
Das wurde bislang von den am U-Bahnbau Beteiligten vertuscht. Ab Herbst 2008 wurde dann über 15
Brunnen (statt bis dahin 4) verstärkt Grundwasser abgepumpt, womit die Tage des Stadtarchivs
gezählt waren. Am 5. Februar 2009 war das Gebäude bereits um 20 mm abgesackt, dennoch wurde es
nicht evakuiert.
[mehr]
[noch mehr]
In den Mittagsstunden des 3. März 2009 muß dann ein weiterer stärkerer hydraulischer
Grundbruch eingetreten sein, wobei vermutlich (Experten müssen das noch genauer klären) das
Grundwasser von unten sowie durch die defekte Beton-Schlitzwand an der Stadtarchiv-Seite in die
Baugrube strömte und dabei Sand und Kies mitriß. Damit wurde dem Gebäude der Boden
entzogen, und es stürzte samt Nachbarhäusern in die tiefe Baugrube. Das ‚men-made‘
Desaster war perfekt. Und 2 Menschen mußten sterben.
Ingenieure ohne soziale Verantwortung?
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BERLIN 22.03.2009 (khd). Der Kölner Skandal wirft noch eine ganz andere Frage auf. Am
U-Bahn-Projekt sind viele Ingenieure von ganz verschiedenen Firmen beteiligt. Es verwundert jetzt sehr,
daß offensichtlich keiner dieser Bauexperten, die ja einen ganz besonderen Durch- und Einblick bei
einem solchen Großprojekt haben, Verantwortung für die Gesellschaft zeigte und die Courage
aufbrachte, rechtzeitig öffentlich Alarm zu schlagen. Natürlich läuft ein solcher
Ingenieur Gefahr, seinen Job zu verlieren.
Eine Erklärung fürs Nichtreagieren könnte sein, daß es heute im Rahmen der
Ingenieur-Studiengänge de facto ein Humanistisches Studium nicht mehr gibt. Alle
Studiengänge wurden seit vielen Jahren immer mehr verschlankt und den Bedürfnissen der
Industrie angepaßt. Eine Bildung der Ingenieure zur sozialen Verantwortung blieb da auf der
Strecke. Für viele Industrie-Manager war das sowieso (und ist das vermutlich noch immer) nur
überflüssiges Gedöns.
Und dabei hatte es nach dem 2. Weltkrieg in Berlin so verheißungsvoll begonnen. Denn nach 1945
zogen an der Technischen Hochschule zu Charlottenburg (TH) die ‚Humanities‘ ein. Eine
Humanistische Fakultät wurde neu eingerichtet und hervorragende Professoren berufen. Jeder Student
mußte zusätzlich zum Fachstudium mindestens 4 verschiedene Nichttechnik-Fächer wie
Biologie, Geschichte, Literatur, Philosophie, Wirtschaft oder Recht und eine Fremdsprache studieren und
später auch darin ein gesondertes Examen ablegen, bevor er sein Fachdiplom machen konnte.
Die Berliner Technische Hochschule stieg deshalb damals zur Universität (TUB) auf. Wegen der
unrühmlichen Rolle der TH in der Nazi-Zeit (es gab sogar eine Fakultät für Wehrtechnik),
sollten an der TUB nie wieder beliebig manipulierbare ‚Fachidioten‘ ausgebildet werden. Jeder
Ingenieur- Absolvent sollte in der Lage sein, kritisch auf gesellschaftliche Herausforderungen
adäquat reagieren zu können.
Anmerkungen:
[1] Bilfinger-Berger (Mannheim)
ist nach Analystenberichten und Internet-Recherchen in der Branche dafür bekannt, daß schon
mal Unglücke und Havarien bei ihren Bauprojekten vorkommen:
Brückenbau über den Maracaibo-See in Venezuela bis 1962, wo 17 Menschen ums Leben kamen
Brückenbau in den USA am Maumee River 2004, wo 4 Arbeiter ums Leben kamen
(Schaden: 50 Mio. Euro)
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Brückeneinsturz in Diez 1996
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Soll Aufträge in Nigeria mit Schmiergeldern erkauft haben 2008
Einsturz des Historischen Stadtarchivs beim Bau der Kölner Nord-Süd-Stadtbahn im März
2009, wobei 2 Menschen ihr Leben verloren (Schaden: noch unbekannt, vielleicht 0,5 Mrd. Euro
oder mehr).
[2] Beispielsweise gingen Aufträge an:
Firma Schüßler-Plan, mit der Oberleitung beauftragt
Brunnenbauspezialist Brunnenbau Conrad aus Thüringen
Baufirma Lauber aus Hessen
Baufirma INGE PNS
Ingenieurgemeinschaft IBS
Erdbaulaboratorium Essen
Zerna Ingenieure
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Am 31.3.2009 durchsuchte die Staatsanwaltschaft Köln Firmen in:
Berlin
Dillenburg
Düsseldorf
Erfurt
Essen
Frankfurt am Main
Hilden
Karlsruhe
Köln (hier u. a. die KVB-Zentrale und die INGE PNS)
Mannheim
München
Ratingen
Stuttgart
Wiesbaden.