Wassermassen bedrohen Dresden
Schlimme Erinnerungen werden wach. Nach heftigen Regenfällen und starker Schneeschmelze droht entlang der Elbe und der Donau ein verheerendes Hochwasser. In Dresden erwarten Experten die höchsten Pegelstände seit der Flutkatastrophe 2002. In Passau stehen schon viele Straßenzüge unter Wasser [Ed: denn nach diesem Winter mit starker Schneebedeckung hatte am 24. März 2006 in Mitteleuropa das Tauwetter begonnen].
Aus: Spiegel Online 29. März 2006, 20.36 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]DRESDEN (ffr/ddp/reuters/AP/dpa). Die Hochwassersituation an der Elbe hat sich heute zugespitzt. Der Landkreis Sächsische Schweiz rief Katastrophenalarm aus, die Stadt Dresden wird ebenfalls wohl bald die höchste Warnstufe ausgerufen. In Schöna sollte das Wasser bis zum Abend die 7-Meter-Marke überschreiten, in Dresden rechneten die Experten mit bis zu 6,30 Metern. Ab morgen wird an beiden Pegeln mit der höchsten Alarmstufe gerechnet. Der Grenzübergang Schmilka und weitere Straßen wurden für den Verkehr gesperrt. [Elbe-Pegel]
Das sächsische Hochwasserzentrum korrigierte seine frühere Vorhersage kräftig nach oben. Bis Freitagabend [30.3.2006] rechnen die Flutexperten in Schöna mit bis zu 8,60 Metern, am Pegel Dresden mit bis zu 7,65 Metern. Normal sind etwa 2 Meter. Bei der Jahrhundertflut im August 2002 war in Dresden ein Höchststand der Elbe von 9,40 gemessen worden. Abgesehen davon wurde die 7-Meter-Marke in Dresden seit 65 Jahren nicht mehr erreicht.
Sollte die Vorhersage zutreffen, werden auch Dresdner Wohngebiete überflutet. In der Stadt begannen Bewohner und Feuerwehr damit, Häuser mit Sandsäcken zu sichern. In Dresden und Meißen wurden ufernahe Straßen gesperrt. In Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz errichteten Helfer Hochwasserschutzwände, die ersten Häuser werden evakuiert.
"Wir sehen nach wie vor keine Scheitelausbildung", sagte eine Sprecherin des Hochwasserzentrums. An den Pegeln auf tschechischer Seite sei kein Ende des Anstiegs erkennbar. Erschwerend komme hinzu, dass im tschechischen Einzugsgebiet der Elbe bis morgen kräftige Niederschläge von bis zu 20 Liter pro Quadratmeter erwartet würden. Zudem verlaufe die Schneeschmelze wesentlich schneller als zuletzt vorhergesagt.
Land unter in Passau
Auch in Bayern traten zahlreiche Flüsse über die Ufer. Im am schlimmsten betroffenen Passau, wo Donau, Inn und Ilz zusammenfließen, stabilisierte sich die Lage. Allerdings blieb der Wasserstand deutlich über dem Wert für die höchste Warnstufe. Einige Straßen und Häuser in der Altstadt standen unter Wasser. Der Pegel blieb unter der ursprünglich erwarteten 9-Meter-Marke. [Donau-Pegel]Viele Straßen waren gesperrt, Parkhäuser in Ufernähe wurden geschlossen. Insgesamt blieb das Hochwasser deutlich unter der Marke des vergangenen Sommers und etwa 2 Meter unter dem Stand beim Rekordhochwasser vom Spätsommer 2002. Ein Sprecher der Stadt nannte die Lage "nicht katastrophal". Einige Geschäfte an den Ufern hätten leergeräumt werden müssen, Wohngebiete seien nicht betroffen.
Etwa 150 Helfer von Feuerwehr und THW errichteten in einigen Gassen der Altstadt Stege und dichteten Hauseingänge mit Sandsäcken ab. Feuerwehr-Chef Dieter Schlegel sagte, die Barrieren seien auf einen Wasserstand von 9.20 Meter ausgelegt. Der Hochwassernachrichtendienst hielt nochmals steigende Pegel in Ostbayern für möglich, da weitere Regenfälle erwartet würden.
Auch in anderen Regionen Bayerns kam es zu kleineren Überschwemmungen. Nach Angaben des Nachrichtendienstes wurde an den Donau-Zuflüssen Rott, Regen und am Obermain mitunter die Hochwassermeldestufe 3 erreicht, bei der vereinzelt Gebäude bedroht sind und einige Straßen gesperrt werden müssen.
E L B H O C H W A S S E RFluten bitte anderswo
Nach jedem Deichbruch ertönt der Ruf nach besserem Schutz. Die Erfahrung der vergangenen Jahre aber zeigt: Die hehren Pläne gehen im Strudel der Interessen unter.
Aus: DIE ZEIT Nr. 15/2006, 6. April 2006, Seite ?? (Deutschland) von IVO MARUSCZYK. [Original]Als die Elbe im Dresdner Stadtteil Gohlis über den Deich schwappt, stehen Fernsehreporter knöcheltief in der schlammig-kakaobraunen Brühe und melden aufgeregt "Land unter". Immer mehr Wasser fließt aus den tschechischen Mittelgebirgen nach, der erste große Frühlingsregen hat dort die Schneeschmelze beschleunigt. In Pirna und Meißen gurgelt der Strom durch die Innenstadt, flussnahe Häuser werden evakuiert. Katastrophentouristen begaffen, wie Gartenlokale versinken. Auch in Bayern haben Tauwettertage mit Regen in den Alpen am Unterlauf der Donau in den vergangenen Tagen und Wochen wieder Erinnerungen an die dramatische Flut vom August 2002 wachgerufen.
Als Sachsen damals in den Wassermassen der Elbe und ihrer Nebenflüsse versank, kamen 21 Menschen ums Leben. Die Fluten beschädigten oder zerstörten 25.652 Wohngebäude, 236 Schulen und 7 Krankenhäuser. 50.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen (Siehe dazu auch: Alles muss raus). 180 Brücken, 750 Kilometer Straßen und 540 Kilometer Schienen wurden weggestrudelt allein in Sachsen. So etwas, hieß es damals, sollte sich nicht wiederholen.
Und dennoch war es nur eine Frage der Zeit, bis das Wasser wieder durch die Straßen von Dresden-Gohlis strömen würde. Schon 2005 hatte die Schneeschmelze dort den Deich ramponiert; er wurde notdürftig zusammengeflickt. Ein höherer Flutwall, der den Stadtteil schützen könnte, existiert nur auf dem Papier so wie an vielen Orten. "Dreieinhalb Jahre nach der großen Flut ist vieles vergessen", bilanziert der Hydrologe Uwe Grünewald von der TU Cottbus. Ein Verdrängungsprozess hat eingesetzt, der erstaunlicherweise nicht nur Politiker, sondern auch Anwohner erfasst. In einer Studie zu den Überschwemmungen in Bayern 1999 hat das dortige Landesamt für Umwelt festgestellt, dass selbst bei den Direktbetroffenen die Erinnerung daran nach 6 Jahren deutlich verblasst war. "Deswegen müssen wir bei der Umsetzung von Projekten schnell sein. Mit jedem Tag Abstand vom Hochwasser wird es schwerer, sie durchzusetzen", sagt Albert Göttle, der Präsident des Landesamts.
Die Bilanz der Hochwasserschutzpolitik fällt zwiespältig aus. Einerseits haben die Flutkatastrophen von 2002 und 1999 durchaus ein Umdenken gebracht; vielerorts wurden neue Deiche geplant, Risikogebiete ausgewiesen, Meldewege gestrafft und zum Teil zentrale Instanzen geschaffen. Der Bund hat ein neues Hochwasserschutzgesetz erlassen und Geld zur Verfügung gestellt. Bayern kann jährlich 150 Millionen Euro für den Hochwasserschutz ausgeben, Sachsen immerhin 60 Millionen. Doch an vielen Orten hakt es mit der Umsetzung. Manche Schutzmaßnahmen stecken seit Jahren fest, die Projekte verheddern sich im Dickicht aus Kompetenzstreit und lokalen Interessen.
Nicht dass gar nichts passiert wäre. Sachsen beispielsweise litt 2002 nicht nur unter der Flut, sondern auch unter einem Informations-Chaos. "Hier hat es vorübergehend schwer gescheppert", erinnert sich Uwe Grünewald. Inzwischen hat das Land Konsequenzen gezogen: Jetzt sind alle Kompetenzen in einer Hochwasserzentrale gebündelt. In Dresden hat man die meterhohen Geschiebe-Barrieren aus dem Flussbett gebaggert, die damals den Abfluss des Wassers behindert hatten. Zugebaute Entlastungsrinnen wurden wieder freigelegt. Selbst das Projekt einer Talsperre an der Müglitz, seit der Wende immer wieder verschleppt und beinahe gekippt, ist mittlerweile fertig.
Auch die Vorhersage mache große Fortschritte, sagt Markus Disse von der Bundeswehr-Universität München. Den Hydrologen stehen heute mehr Messdaten denn je zur Verfügung, sie können den Weg des abfließenden Wassers sehr genau berechnen. Das gibt Zeit, den Wasserstand in Talsperren abzusenken, um Reserven zu schaffen, bedrohte Deiche zu verstärken oder wenigstens Hab und Gut in Sicherheit zu bringen. [weiter bei der ZEIT]
Pegel überschreiten Rekordstände und steigen weiter
In Niedersachsen und Schleswig-Holstein steigt das Wasser weiter an, teilweise steht es schon höher als je aufgezeichnet worden ist. Doch bislang halten die Deiche.
Aus: Spiegel Online 8. April 2006, 19.41 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]HITZACKER (stx/AP/dpa/rtr). Die Rekordpegel von 2002 sind überschritten. Während das Hochwasser der Elbe in Sachsen und Sachsen-Anhalt das Wasser zurückgeht, und in Mecklenburg-Vorpommern die Deiche stabil sind, bangen die Menschen weiter flussabwärts.
Im niedersächsischen Hitzacker ist die Altstadt fast vollständig überflutet. Mit 7,60 Metern lag Pegel des Flusses 10 Zentimeter über dem Höchststand der als Rekord eingestuften Flut von 2002 und 4 Zentimeter über dem Elbhöchststand des Jahres 1895.
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"Die Bewohner in Hitzacker sichern ihre Häuser mit Sandsäcken ab", sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Lüneburg. Die Feuerwehr pumpt eingedrungenes Wasser aus den Gebäuden. Zwar haben die Behörden bislang auf eine Evakuierung verzichtet, doch rund 70 Menschen haben bereits freiwillig ihre Häuser verlassen. Im Ort seien mehrere hundert Mitglieder von Feuerwehr, Technischen Hilfswerk und Deutschen Rotem Kreuz im Einsatz denn ein weiteres Ansteigen der Fluten auf bis zu 7,75 Meter wird erwartet.Der Höchststand wird hier am Sonntag [9.4.2006] erwartet. Dann will auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Stadt besuchen und sich mit den Einsatzkräften in Hitzacker treffen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) wird sie begleiten. Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD), sein Bundeskollege Sigmar Gabriel (SPD) und der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hatten im Laufe des Samstags die brandenburgischen Elbabschnitte besucht und den Helfern gedankt.
Bund soll für Hochwasserschutz zuständig sein
SPD-Fraktionsvize Kelber fordert Korrektur der Föderalismusreform / Lage in Flussgebieten bleibt angespannt.
Aus: Berliner Zeitung, 11. April 2006, Seite ?? (Politik) von JÖRG MICHEL. [Original]BERLIN. Vor dem Hintergrund der Rekord-Pegelstände an der Elbe hat die SPD die alleinige Kompetenz des Bundes beim Hochwasserschutz gefordert. "Fluten machen an Ländergrenzen nicht halt. Das muss der Bund in die Hände nehmen", sagte der stellvertretende Fraktionschef der SPD, Ulrich Kelber, der Berliner Zeitung. Er forderte, die geplante Reform des Föderalismus noch einmal zu ändern. Bisher will die große Koalition den Ländern beim Hochwasserschutz umfangreiche Freiheiten gegenüber dem Bundesrecht einräumen.
"Die Flut zeigt wieder einmal, wie schädlich ein zersplittertes Umweltrecht ist", so Kelber. So sei es beispielsweise nicht sinnvoll, dass einzelne Anrainer-Länder der Elbe bei der Höhe von Deichen oder der Handhabung von Überflutungsflächen unterschiedliche Standards hätten. "Ich fordere die Ministerpräsidenten der CDU dringend auf, jetzt an den Verhandlungstisch zurückzukehren", sagte Kelber. Er nannte es "unehrlich und höchst peinlich", dass der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) angesichts des Hochwassers nun einen Vertrag der Länder zum besseren Hochwasserschutz fordere. "Herr Wulff sollte lieber seine Blockade bei der Föderalismusreform aufgeben", so Kelber.
Wulff hatte zuvor vorgeschlagen, die einzelnen Länder sollten einen Staatsvertrag zum abgestimmten Fluten von Rückhalteflächen abschließen. Dadurch könne verhindert werden, dass auf einmal viel Wasser die Elbe abwärts fließe. Sein Land sei von dieser Flut stärker betroffen als beim Jahrhunderthochwasser 2002, weil in den Ländern flussaufwärts die Deiche verstärkt worden seien und dort kein Wasser mehr zurückgehalten werde.
Umweltschützer kritisieren die unterschiedliche Handhabung der Hochwasservorsorge durch die Länder schon lange. Sie hatten bei der Föderalismusreform deswegen auf eine einheitliche Zuständigkeit des Bundes gehofft. Wegen des Widerstands der Ministerpräsidenten wurde dies jedoch nicht berücksichtigt. Im Mai wollen Bund und Länder noch einmal über die Kompetenzverteilung sprechen.
Derweil gibt es in den Hochwassergebieten trotz stagnierender oder sogar sinkender Pegelstände noch keine Entwarnung. Zwar stieg das Wasser an vielen Orten erstmals nicht weiter an. In der überfluteten Altstadt im niedersächsischen Hitzacker gingen die Pegelstände sogar leicht zurück. Gleichwohl gingen die Krisenstäbe der betroffenen Bundesländer davon aus, dass der Elbstrom nur langsam abschwillt und die durchnässten Deiche weiter unter Druck setzt. "Bei Hitzacker ist der Scheitel durch", sagte ein Sprecher. Dennoch werde die historische Altstadt Hitzackers voraussichtlich noch tagelang überflutet bleiben. [mehr]
D O N A U - H O C H W A S S E ROst-West-Streit um Verantwortung für das Hochwasser
[Ed: Wann war nochmal die schlimme Oderflut? Man kann nur noch staunen, daß es dafür noch immer keine klaren Regeln des Bundes gibt von wem sonst?]
Aus: Spiegel-Pressemeldung 13. April 2006, 14.01 Uhr MESZ zum Artikel "Wut über die Flut" im SPIEGEL 16/2006, 15. April 2006, Seite 20 (Panorama Deutschland).HAMBURG. Die neuerliche Jahrhundertflut an der Elbe hat für eine handfeste Verstimmung zwischen ost- und westdeutschen Politikern gesorgt. Am vorigen Mittwoch schickte Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) einen ernsten Brief an seinen niedersächsischen Amtskollegen Hans-Heinrich Sander (FDP), in dem er Schuldzuweisungen für die dramatische Lage in den niedersächsischen Hochwassergebieten zurückweist.
"Mit großer Verwunderung", so Woidke, habe er "zur Kenntnis genommen, dass als mögliche Ursache für die Überschwemmung der Stadt Hitzacker die nicht erfolgte Flutung der Havelpolder ins Gespräch gebracht wurde. Ich möchte Sie hiermit bitten, solchen Mutmaßungen entschieden entgegenzutreten". Auch ein Fluten der Rückhalteflächen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, so Woidke, hätte das Hochwasser nicht verhindern können.
Mit seinem Brief reagierte der Umweltminister auf zuvor geäußerte Kritik aus Hannover: Sander hatte gewettert, dass die Bereitstellung der Polder Sache der Länder am Oberlauf des Flusses sei; sein Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte einen Länderstaatsvertrag über die Flutung der Entlastungsflächen gefordert, "damit nicht mehr so viel Wasser die Elbe abwärts fließt".
D O N A U - H O C H W A S S E RDonau-Dämme drohen zu brechen
An der Donau in Rumänien hat sich die Hochwasserlage dramatisch verschärft. Vielerorts halten die Dämme dem Druck nicht Stand. Kontrollierte Überflutungen sollen das Schlimmste verhindern.
Aus: Spiegel Online 17. April 2006, 13.32 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BUKAREST (ler/dpa/Reuters). Stunde um Stunde steigt die mittlere und untere Donau in Rumänien. Rund um die Uhr verstärken Soldaten und Freiwillige aufgeweichte Deiche. Den Wettlauf mit der Zeit gewinnt jedoch oft das lehmige Donauwasser.
Rund 1000 Menschen mussten in den vergangenen Tagen evakuiert werden, 50.000 Hektar Ackerland und Wiesen sind nach Behördenangaben überflutet.
Aus dem benachbarten Serbien berichteten die Behörden von gleich bleibenden Wasserständen. Jedoch seien die Pegelstände an manchen Stellen sogar 40 Zentimeter höher als im Flutjahr 1981.
In Rumänien herrscht die Hochwassergefahr jetzt vor allem zwischen Giurgiu und Tulcea, wo das Wasser in den nächsten Tagen um bis zu 35 Zentimeter steigen soll. Aus dem westlichen Donauabschnitt berichtete die Nachrichtenagentur Mediafax heute dagegen von leicht sinkenden Pegelständen.
In der vergangenen Nacht gab ein weiterer Deich bei der Ortschaft Calarasi nach. Der Grenzübergang bei der Fähre zum bulgarischen Silistra stand unter Wasser. Bei Calarasi und Fetesti am Borcea-Arm der Donau sprengten die Behörden heute zwei Schutzdeiche, um kontrolliert rund 500 Millionen Kubikmeter Donauwasser auf Ackerland und Viehweiden abzuleiten. Dadurch sollten Siedlungen flussabwärts geschützt werden.
In der unter Wasser stehenden bulgarischen Stadt Nikopol gingen die Fluten etwas zurück. Schon am Mittwoch wird jedoch erneut mit steigenden Pegelständen gerechnet, sagte der Chef des Zivilschutzes der Stadt. [mehr]
D O N A U - H O C H W A S S E RHunderte Kilometer eine einzige Katastrophe
FLUT Nebenflüsse führen immer mehr Wasser in die überfüllte Donau. Fünf Länder sind betroffen. Deiche sind gebrochen, tausende Menschen fliehen aus der Armut ins Elend. Die meisten Regierungen verzichten trotzdem auf ein.
Aus: Berliner Zeitung, 21. April 2006, Seite ?? (Tagesthema) von NORBERT MAPPES-NIEDIEK. [Original]GRAZ. Starker Regen und heftige Schneeschmelze haben die Donau und ihre Nebenflüsse auch gestern weiter anschwellen lassen. Am schlimmsten betroffen war Rumänien, wo in der Nacht zu gestern nahe dem Dorf Bistretz ein Damm brach. Der Scheitelpunkt der Welle hat die Industriezentren im Osten Rumäniens passiert und sollte gestern Abend die besonders gefährdete Stadt Tulcea im Donau-Delta erreichen.
Die Regierung in Bukarest veranlasste die Sprengung eines Deiches am Nebenfluss Pruth, um die untere Donau zu entlasten und den Einbruch der Fluten in die Häuserblocks der Stadt abzuwenden. Der Stadtteil Tudor Vladimirescu steht schon seit vorgestern bis zu den Dächern unter Wasser.
Mit einer Entspannung der Lage wird erst in einer bis zwei Wochen gerechnet. Man könne aber wegen des heftigen Regens keine genauen Prognosen abgeben, so eine Sprecherin der Donau-Schutzkommission in Wien. Auch sei der Scheitel der Welle sei nicht mehr genau zu identifizieren.
Die aus Ungarn zufließende Theiß erreichte gestern bei dem Ort Novi Knezevac in der serbischen Vojvodina einen neuen Höchststand. Teile von Belgrad standen unter Wasser. Die Behörden warnen vor plötzlichen Grundwassereinbrüchen in niedrig gelegenen Teile der Trabantenstadt Novi Beograd.
Immer dramatischer wird die Lage unterhalb der Engstelle des Eisernen Tores, wo der Fluss in die Ebene gelangt. Wegen des Regens in Serbien stieg die Donau beim Eintritt nach Rumänien gestern Nachmittag wieder an. Die Wassermenge lag mit 15.300 Kubikmetern beim Zweieinhalbfachen des normalen Wertes.
Bei der bulgarischen Hafenstadt Widin hatte der Strom gestern Morgen den Stand von 9,77 Metern, so hoch wie zuletzt 1942, als die ganze Stadt überschwemmt wurde. Der Notdeich ist auf 10,30 Meter ausgelegt. Die Armee hat hier vorsichtshalber eine Zeltstadt errichtet.
Am schlimmsten betroffen ist am linken Donau-Ufer der rumänische Bezirk Dolj, wo bei Bistretz abermals ein Damm brach. Schon am Montag hatten die Behörden einen Deich flussaufwärts geöffnet, um zu verhindern, dass mehrere Dörfer entlang der Nationalstraße überschwemmt würden. Trotzdem wurden die Orte Rast und Negoi überflutet und teilweise weggeschwemmt; gestern traf es Bistretz. Nicht alle Dorfbewohner ließen sich von der Notwendigkeit der Evakuierung überzeugen. Die Zeitung Evenimentul Zilei zitierte den Fleischer Viorel Abunei aus Bistretz, der ankündigte, auf dem Dach seines Hauses zu warten, um sein Eigentum vor Dieben zu schützen.
Gegenüber, am höher gelegenen rechten Flussufer in Bulgarien, wurde bei der Stadt Lom gestern der höchste Pegelstand der Donau gemessen. Betroffen sind in Bulgarien außerdem die Kleinstadt Kosloduj, wo in Flussnähe das einzige Atomkraftwerk des Landes steht, sowie die Häfen Nikopol und Orjachowo. In Ruse, der größten Stadt an der bulgarischen Donau, hat der Strom den höchsten Stand seit 30 Jahren erreicht und steigt weiter. Ein Misstrauensantrag gegen die sozialistisch geführte Regierung in Bulgarien wegen mangelhaften Katastrophenschutzes ist am Mittwoch gescheitert, 61 Abgeordnete stimmten dafür, 166 dagegen. Die Opposition warf der Regierung vor, nach der Flut vom vorigen Sommer Privatfirmen Gelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Die Ministerin für Katastrophenschutz, Emel Etem, wies die Kritik zurück und beschuldigte die Opposition, Bulgariens EU-Beitritt zu torpedieren.
In Rumänien wird unterdessen heftig über die Deichflutungen gestritten. Immer wieder sind in den vergangenen Tagen Dämme an unbewohnten Stromabschnitten bewusst zerstört worden, um den Druck auf bewohnte Gebiete zu verringern. Der Regierung wird vorgeworfen, sie veranlasse unter dem Eindruck der Agrarlobby solche Flutungen zu spät. Die Inhaberin eines großen Fischerei- und Ackerbaubetriebes im Bezirk Dolj gab zu, gegen eine Flutung interveniert zu haben. Ein ähnlicher Streit ist um Öffnung des Greaca-Sees im Osten vor der Stadt Calarasi entstanden. Dort wird den Behörden vorgeworfen, sie hätten das falsche Gebiet geflutet, um die Ländereien eines libanesischen Investors zu schonen, der den Wahlkampf der Sozialisten finanziert haben soll. [mehr]
D O N A U - H O C H W A S S E REs steigt und steigt
Die Lage in den Hochwassergebieten ist dramatisch.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 21. April 2006, Seite ?? (Weltspiegel). [Original]BUKAREST/SOFIA (dpa). Rekordwasserstände der Donau, Angst vor den Fluten und groß angelegte Evakuierungen: Die Lage in den Hochwassergebieten Südosteuropas bleibt dramatisch. Besonders bedrohlich ist die Situation weiter in Rumänien. Hier wurden bislang mehr als 7000 Menschen in Sicherheit gebracht oder sind vor dem Hochwasser selbst geflüchtet. Dutzende Ortschaften standen unter Wasser. Insgesamt wurden nach Angaben des Innenministeriums bis Donnerstag [13.4.2006] in den vergangenen Wochen 129 Ortschaften in Rumänien überschwemmt; dabei wurden auch Gebiete mitgezählt, die bereits Anfang des Monats vom Hochwasser in Flüssen und Bächen betroffen waren.
In Bulgarien erreichten die Wasserstände der Donau Höchstmarken: In Widin im Westen des Landes stieg das Wasser auf einen Rekordwert von 9,77 Meter, wie lokale Medien berichteten. Normal sind 8 Meter. Trotz der drohenden Überflutungsgefahr wollten die Menschen ihre Häuser und Wohnungen aus Angst vor Einbrechern und Plünderern häufig nicht verlassen. Kritisch war die Situation auch in Nikopol, dort standen neben den Ufer- auch die Hauptstraßen unter Wasser. Das Niveau der Donau erreichte hier den Rekordwert von 8,78 Meter. Das sind 80 Zentimeter über der kritischen Marke. Die Behörden begannen mit Vorsorgemaßnahmen gegen Seuchen, die von Mücken verbreitet werden könnten.
Auch in Ungarn blieb die Situation an der Theiß angespannt, inzwischen sind rund 23.000 Helfer im Einsatz. Vor allem an den Flüssen Theiß und Körös gelten offiziellen Angaben zufolge rund 330 Ortschaften als gefährdet. Bei Szeged stieg die Theiß am Donnerstag [20.4.2006] auf 10,08 Meter, das ist mehr als doppelt so hoch wie normal. [mehr]
U N W E T T E R I N B A Y E R NHunderte fliehen vor dem Hochwasser
In der Nacht zu heute sind hunderte Menschen im Südwesten Rumäniens vor dem Hochwasser der Donau aus ihren Häusern geflohen. Zuvor war ein Damm gebrochen.
Aus: Spiegel Online 1. Mai 2006, 16.22 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BUKAREST (kaz/Reuters). Der Bürgermeister des Dorfes Bistret, Constantin Raicea, sagte heute, die Fluten seien in Richtung der Ortschaften Plosca, Carna, Macesu und Bistret vorgedrungen. Raicea nannte die Evakuierung eine Vorsichtsmaßnahme. Die meisten Betroffenen kamen den Angaben zufolge bei Verwandten unter.
Trotz sinkender Pegelstände stehen in den Hochwassergebieten an der Donau in Rumänien noch immer große Acker- und Weideflächen sowie hunderte Häuser unter Wasser. Die Behörden befürchten, dass sich in den zahlreichen Notunterkünften Seuchen ausbreiten könnten. Seit Beginn des Hochwassers im vergangenen Monat waren bereits mehrmals Deiche gebrochen. Insgesamt hatten rund 16.000 Menschen ihre Unterkünfte verlassen müssen. Derzeit sind 4.000 Menschen in provisorischen Unterkünften untergebracht.
Im benachbarten Bulgarien begann der Zivilschutz damit, Wasser aus dem überfluteten Krankenhaus, Kindergarten und Rathaus der Ortschaft Nikopol abzupumpen. In den tiefer gelegenen Gebieten, in denen das Hochwasser der Donau mittlerweile zurückgegangen ist, reinigten Bewohner und Behördenmitarbeiter die Dörfer und Städte von Schlamm und Schmutz. Um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, wurden die betroffenen Gebiete zudem desinfiziert.
Starke Regenfälle und Schneeschmelze hatten in den vergangenen Wochen die Donau in Rumänien, Bulgarien, Serbien und Ungarn über die Ufer treten lassen. In Teilen Rumäniens wurden die höchsten je gemessenen Pegelstände verzeichnet.
Zahlreiche Gemeinden überflutet
Heftige Regenfälle haben die Flüsse in Bayern anschwellen lassen und ganze Ortschaften und Straßenzüge unter Wasser gesetzt. Der im Landkreis Kulmbach ausgelöste Katastrophenalarm wurde inzwischen aufgehoben.
Aus: Spiegel Online 28. Mai 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). Die SPIEGEL-Leute geben seit Mai 2006 keine Uhrzeit mehr an. [Original]
HAMBURG (bri/dpa). "Dies ist wohl das schlimmste Hochwasser seit 50 Jahren", sagte der Kulmbacher Landrat Söllner. In seinem Ort sickerte Wasser durch den Damm, einige Teile wurden überflutet. Erst am Abend hob der Landkreis den am Morgen ausgelösten Katastrophenalarm wieder auf.
Ebenfalls stark vom Hochwasser betroffen war der Mainleuser Stadtteil Pölz. Die angesetzte Evakuierung der Gemeinde mit rund 80 Einwohnern wurde am Ende allerdings nicht umgesetzt. Im Landkreis Wunsiedel waren über 300 Haushalte vorübergehend ohne Trinkwasser, 60 zeitweise ohne Strom. Nach einem Erdrutsch im Landkreis Traunstein musste eine Bundesstraße gesperrt werden. Es entstanden Schäden in Millionenhöhe.
Am Nachmittag half die Pölzer Feuerwehr dabei, zahlreiche Sandsäcke zu füllen, um eine Überflutung des Ortes zu verhindern. Der Scheitelpunkt des Hochwassers wurde für den Abend erwartet. Falls der Notfall eintrete, könnten die Bewohner der Gemeinde schnellstens in Sicherheit gebracht werden, sagte Söllner.
Auch zahlreiche andere Orte kämpften den Tag über mit den Fluten. Laut Hochwasserbericht des bayerischen Umweltministeriums soll sich die Lage im Einzugsgebiet des Weißen und Roten Mains entspannen, da es nicht mehr regne. Für die kommenden Tage erwarten die Meteorologen wechselhaftes und kaltes Wetter. Mit einer schnellen Entspannung in den Hochwassergebieten sei deshalb nicht zu rechnen.
F L U T K A T A S T R O P H EKlimaveränderung lässt Planer des Havelausbaus kalt
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 22. August 2006, Seite ?? (Brandenburg) von CLAUS-DIETER STEYER. [Original]BRANDENBURG/HAVEL (Tsp). Trotz vieler Anzeichen für zurückgehende Niederschläge, eine höhere Verdunstung und einen generellen Klimawandel werden die Pläne zum Ausbau der Havel nicht geändert. Das bestätigte die zuständige Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz. Einen Planungs- oder Baustopp für das millionenschwere Vorhaben werde es nicht geben, hieß es. Dafür würden die momentan vorliegenden Erkenntnisse sowohl aus rechtlicher wie aus tatsächlicher Sicht keine Veranlassung bieten. Eine ganz andere Meinung vertritt das Potsdamer Institut für Klimafolgeforschung [PIK]. Da die Durchschnittstemperatur gerade in Brandenburg steige und es künftig weniger regne, müsse der Wasserhaushalt genau analysiert werden, fordert der Klimaforscher Manfred Stock. Möglicherweise reiche das Wasser für einen breiteren und tieferen Fluss und seine Kanäle gar nicht aus.
Seit fast 15 Jahren wird um den Ausbau der Havel zwischen Berlin und der Stadt Brandenburg gestritten. Auf der einen Seite stehen die Interessen der Binnenschifffahrt. Um im Wettbewerb mit dem Lkw oder der Bahn überhaupt eine Chance zu haben, muss sie große Containerschiffe vom Rhein und aus dem Ruhrgebiet bis nach Berlin einsetzen können. Dafür ist die vor mehr als 100 Jahren kanalisierte Havel viel zu flach und zu kurvenreich. Also beschloss der Bundestag das Verkehrsprojekt Nummer 17 innerhalb des Infrastrukturprogramms Deutsche Einheit. Heerscharen von Planern veränderten auf dem Reißbrett die Havel zur Wasserautobahn.
Bevor man die Bagger in Bewegung setzt, sollte der Kopf eingeschaltet werden, fordert Klimaforscher Manfred Stock. Eine Studie müsse klären, welche Auswirkungen die Wetteränderungen auf den Pegel der Havel und ihrer Kanäle haben. Ein breiteres und tieferes Flussbett brauche mehr Wasser. Wenn es immer trockener und wärmer wird, reicht am Ende der Pegel für die großen Schiffe gar nicht aus, meint Stock. Steuermittel würden dann völlig falsch eingesetzt.
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde sieht dagegen keinen Bedarf für ein neues Gutachten. Die derzeit weltweit verfügbaren Klimaszenarien stecken voller Unsicherheiten, sagt Bereichsleiter Hans Moser. Sie weisen sogar für die künftige Niederschlagsentwicklung gegenläufige Trends auf. So sei es möglich, dass durch eine höhere Lufttemperatur mehr Meerwasser verdunstet und dann über Mitteleuropa abregnet. Selbst das Potsdamer Klimainstitut schließe solche Folgen nicht aus. Für die Wasserschifffahrtsdirektion (WSD) Ost in Magdeburg, die eng mit der Bundesanstalt kooperiert, kann die Havel nicht mit anderen Flüssen in Deutschland verglichen werden. Sie ist durch Wehre und Staustufen so reguliert, dass der Pegel nicht von der Niederschlagsmenge abhängt, erklärt der leitende WSD-Baudirektor Detlev Aster. Die Lage im Einzugsgebiet der Havel spiele im Unterschied zur Elbe oder zur Oder keine Rolle. Daran wird sich nach Meinung der Experten auch bei einer tieferen und breiteren Havel mit großen Containerschiffen und verändertem Klima nichts ändern.
Experten schlagen Alarm - Seuchenausbruch befürchtet
340.000 Obdachlose, Dutzende Tote: Jakarta kämpft gegen eine gigantische Flutkatastrophe und Indonesiens Millionenmetropole schafft es nicht mal im Ansatz, sich dagegen zu wappnen. Korruption und Unfähigkeit verhindern den Bau von Dämmen und Kanalisation.
Aus: Spiegel Online 7. Februar 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert) von JÜRGEN KREMB. [Original]SINGAPUR. Das erste Bunte waren die Fähnchen der politischen Parteien, die Jakarta nach den ersten Tagen ohne schwere Regenfälle wieder etwas Farbe verliehen. Am Stadtrand im Westen und Süden, dort wo die braunen Fluten in den letzten Tagen bis zu 4 Meter gestiegen waren, verteilten Aktivisten und Politiker Lebensmittel, Medikamente und Trinkwasser. Dazu gesellten sich muslimische Organisationen. Wie auch bei der Tsunami- Katastrophe vor 2 Jahren waren die religiösen Organisationen mit ihren Freiwilligen die erste verlässliche Hilfe für die Opfer. Sie pumpen Schlamm aus den Häusern, räumen Kanäle und Straßen von Unrat frei. Dazu gehen sie auf Seelen- und Stimmenfang.
Doch für politische Propaganda ist es noch zu früh. Denn vielen Betroffenen wird erst jetzt das wahre Ausmaß der Überschwemmungen klar. Seit Freitagabend meldeten 70 Prozent der 12-Millionen-Metropole Land unter. Auch für asiatische Verhältnisse sind das schon fast "epische Ausmaße", merkte die in Englisch erscheinende "Jakarta Post" in ihrer heutigen Ausgabe bitter an. Dabei war es die dritte schwere Flutkatastrophe, die Indonesiens Hauptstadt in nur einer Dekade heimgesucht hatte. Aber es war mit Abstand die schwerste.
Mehr als 40 Menschen starben in den Fluten, und 340.000 mussten ihre Häuser verlassen. Die Stadtregierung bezifferte schon gestern die Schäden auf mehr als 350 Millionen Euro. Im Vergleich zu der Überschwemmung vom Frühjahr 2002, ist das eine äußerst vorsichtige Einschätzung, die sicher erheblich nach oben korrigiert werden muss.
Viele Menschen werden wohl vorerst nicht mehr in ihre Häuser zurückkönnen. Das trifft besonders für die mehreren hunderttausend Slumbewohner zu. Sie haben ihre Hütten entlang der noch von der holländischen Kolonialmacht vor 1945 erbauten Kanälen errichtet. Dort hat es nie eine ordentliche Kanalisation gegeben, Exkremente und Abfälle entsorgten die Ärmsten der Armen direkt in die Wasserstraßen. Jetzt überzieht die unhygienische Brühe die baufälligen Behausungen wie ein Rußfilm. Ein bestialischer Gestank zieht durch die Gassen.
"Der Gouverneur hat wieder seine Bewohner vernachlässigt"
Jakarta verfügte zudem nie über eine angemessene Versorgung mit Trinkwasser. Die Slums erhielten das lebensnotwendige Nass gegen Bargeld aus Tankwagen. Jetzt sind die Trinkwasserreservoirs mit den hässlichen braunen Fluten vollgelaufen, die von der Stadt Besitz ergriffen haben.Schon warnen die Behörden deshalb vor dem Ausbruch von Seuchen. "Wir haben nicht mehr genug Medikamente zur Verfügung", sagt der Arzt Nuraimi, der wie viele Indonesier nur einen Namen hat. Sein Nothilfe-Team versorgt Durchfallkranke in Zentrum Jakartas. "Die meisten Leute waren zu lange im Wasser und haben sich infiziert", sagt er. Einer seiner Patienten ist Mohammed Syafudin, 31. Der Tagelöhner schwamm durch das zweieinhalb Meter tiefe Wasser, um Hilfe für seine Familie zu holen. Syafudin bräuchte dringend Infusionen, die sind aber derzeit ausgegangen. "Niemand hat uns geholfen", klagt der Mann mit schwacher Stimme.
In wenigen Monaten finden in Jakarta die Wahlen für den Posten des Provinz-Gouverneurs, einer Art Oberbürgermeister statt. Und so halten sich die Medien nicht mit Kritik an den politisch Verantwortlichen zurück. "Der Gouverneur hat wieder einmal seine Bewohner vernachlässigt", schreibt etwa die Zeitung Sinar Indonesia Baru. Hauptzielscheibe ist der Amtsinhaber Sutiyoso. "Flutkatastrophen sind das unverzeihliche Vermächtnis seiner Amtszeit", wirft ihm etwa die "Jakarta Post" vor.
Doch so einfach ist die Ursachenforschung nicht. Eigentlich sind Monsunregelfälle nichts Ungewöhnliches zu dieser Jahreszeit. Aber was in diesem Jahr vom Himmel fiel, schlägt alle Rekorde. Singapur verzeichnete um die Jahreswende die schwersten Gewitterstürme seit Jahrzehnten und weite Teile Malaysias standen schon im Januar unter Wasser.
N A T U R K A T A S T R O P H EMillionenschäden nach Sintflut-Regen in Franken
Aus: Rhein-Zeitung, Koblenz, 23. Juli 2007, 18.48 Uhr MESZ (News). [Original]ERLANGEN/FORCHHEIM/MÜNCHEN (dpa/infocom). Der extrem starke Gewitterregen in den vergangenen Tagen in Bayern hat ersten Schätzungen zufolge Schäden im zweistelligen Millionenbereich verursacht. Die Bayerische Versicherungskasse geht davon aus, dass die Unwetter die Kasse mit mindestens 30 Millionen Euro belasten wird.
Seit vergangenem Donnerstag [19.7.2007] seien etwa 20.000 Schäden gemeldet worden, berichtete die Versicherung am Montag [23.7.2007]. Hagel und Hochwasser hätten vor allem Gebäude und Autos in Mitleidenschaft gezogen. Stark betroffen sei auch die Landwirtschaft. Hagel habe insbesondere Getreide und Maisfelder sowie Hopfengärten in der Hallertau stark verwüstet.
Bei den sintflutartigen Regenfällen in der fränkischen Region Erlangen/Forchheim ertrank eine 82 Jahre alte Rentnerin. Dort überfluteten die Wassermassen in der Nacht zum Sonntag [22.7.2007] nach einer ersten Behörden-Übersicht mehr als 2.600 Wohn- und Geschäftsgebäude. Die entstandenen Schäden liegen aller in der Region nach Angaben der Behörden im zweistelligen Millionenbereich. "Wir gehen von weit mehr als 10 Millionen Euro Schaden aus", berichtete eine Sprecherin des Landratsamtes im Forchheim. Teils hätten die braunen schlammigen Wassermassen bis zum ersten Stockwerk in den Häusern gestanden und Hausrat im Millionenwert verwüstet.
Im Landkreis ErlangenHöchstadt bestand auch am Montag noch Katastrophenalarm. Allerdings begann sich die Lage in den besonders stark betroffenen Gemeinden Bubenreuth, Marloffstein und Spardorf wieder zu normalisieren. Dagegen standen in Baiersdorf bis zum Mittag noch 20 Keller unter Wasser. "Das Problem ist, dass einige der bereits ausgepumpten Keller über Nacht wieder voll gelaufen sind", berichtete Kreissprecherin Annika Fritzsche. "Derzeit sind immer noch 300 Hilfskräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk im Einsatz", betonte sie.
Allein in Baiersdorf hatten nach dem Unwetter in der Nacht zum Sonntag knapp 1.100 Häuser unter Wasser gestanden. Der Gesamtschaden lasse sich derzeit noch nicht genau beziffern, sagte Kreissprecherin Annika Fritzsche. "Die Schäden pro Gebäude schwanken zwischen 5.000 und 50.000 Euro. Bei einigen ist nur eine Kellerwand nass geworden, bei anderen ist das ganze Erdgeschoss unbewohnbar", berichtete Fritzsche. Allein ein Gewerbebetrieb beklage einen Sachschaden von rund 4 Millionen Euro. Im südlichen Landkreis Forchheim hatte der Gewitterregen rund 1500 Wohnhäuser und Geschäftsräume überflutet.
Sorge bereitete den Helfern in der Region das Heizöl, das aus mehreren aufgeschwemmten Kellertanks in Baiersdorf ausgelaufen ist. Da ein Teil davon über die Kanalisation in die Kläranlage gelangt war, installierten die Einsatzkräfte dort Ölabscheider. Im vorbeifließenden Fluss Regnitz wurden zwei Ölsperren errichtet. Ein Wohnhaus wurde wegen des intensiven Ölgeruchs vorsorglich geräumt. 14 Bewohner fanden vorübergehend bei Bekannten Unterkunft. Von den Folgen des verheerenden Gewitterregens war auch am Montag noch der Bahnverkehr zwischen Forchheim und Erlangen betroffen. Wegen einer vom Hochwasser unterspülten Bahnbrücke sei die Strecke voraussichtlich bis Dienstagmittag nur eingleisig befahrbar, teilte die Deutsche Bahn mit. Es komme zu Verspätungen und Zugausfällen. Ersatzweise verkehrten Busse. In vielen Gemeinden legte die Müllabfuhr Sonderschichten ein, um unbrauchbar gewordene Möbel und verwüsteten Hausrat abzuholen.
Unterdessen räumte der Deutsche Wetterdienst ein, dass er für die fränkische Katastrophenregion keine Unwetterwarnung herausgegeben hatte. Die zuständigen Kreisbehörden seien am Samstag lediglich vor "kräftigen Gewitterregen" gewarnt worden, berichtete der Meteorologe vom Dienst, Jens Winninghoff. Im Unterschied zu Orkanen zeichneten sich Gewitterregen auf dem Radar des Wetterdienstes nur undeutlich ab. Die Forchheimer Kreisverwaltung machte derweil deutlich, dass die Behörden auch bei einer Unwetterwarnung den Schaden hätten kaum begrenzen können.
Ursache für die starken Regenfälle in der Region nördlich von Erlangen waren nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes die kühleren Nachttemperaturen. "Wäre das Unwetter bereits tagsüber oder am frühen Abend durch Franken gezogen, hätte wegen der höheren Bodentemperaturen eine größere Dynamik bestanden und der Regen wäre in 10 bis 15 Minuten vorbei gewesen. So hat es fast 45 Minuten geschüttet", erläuterte Winninghoff. Allerdings hätte der Region bei einem schnellen Durchzug der Gewitterfront womöglich starker Hagel gedroht, wie dies bei den Unwettern am Samstagnachmittag in Südbayern der Fall war.
England erwartet Flut-Rekordmarken
Aus: Deutsche Welle, 23. Juli 2007, 23.40 Uhr MESZ (Europa). [Original=0,,12356_cid_2704320,00.html]
LONDON. Die Lage in den Hochwassergebieten im Westen und Süden Englands bleibt angespannt. Rund 350.000 Haushalte müssen ohne Wasserversorgung auskommen. Für etwa 50.000 Familien fehlt auch der Strom.
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Flut in England im Juli 2007. (TV-Shot: 24.7.2007 khd)
Entlang der Flüsse Themse und Severn werden die Höchststände der Flut erst heute erwartet. Auch zahlreiche Bewohner der Universitätsstadt Oxford wurden angewiesen, ihre Häuser zu verlassen.
Die Überschwemmungen gelten als die schlimmsten seit 60 Jahren. Die Versicherer gehen von einem Schaden von umgerechnet rund 3 Milliarden Euro aus.
Premierminister Gordon Brown machte den Klimawandel für die Katastrophe verantwortlich. Für diesen Mittwoch sagen die Meteorologen erneut kräftigen Regen voraus. [mehr]
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