Infos zur Veränderung des Klimas – Teil 3 khd
Stand:  25.9.2005   (38. Ed.)  –  File: Sci/Nat/K/Klima_03.html



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Zerstörung der Ozonschicht möglicherweise gestoppt

Die Ozonschicht könnte sich einer Studie zufolge stabilisiert haben. Wissenschaftler warnen jedoch vor neuem Leichtsinn: Es werde noch Jahrzehnte dauern, ehe sich die schützende Schicht von der Zerstörung durch den Menschen erholt hat.

Aus:
Spiegel Online – 30. August 2005, 16.01 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

USA. Gute Nachrichten über die Erdatmosphäre sind selten. Doch internationale Vereinbarungen zum Umweltschutz können offenbar wirken, wie eine aktuelle Untersuchung über die Ozonschicht nahelegt. Wissenschaftler von mehreren US-Universitäten und der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) sind nach der Analyse großer Datenmengen zu dem Schluss gekommen, dass die Zerstörung der Ozonschicht wahrscheinlich gestoppt wurde. Zwischen 1996 und 2002 seien die Werte stabil geblieben und stellenweise sogar gestiegen.

"Diese Veränderungen könnten auf einen Anstieg des Ozons in der Atmosphäre hindeuten", sagte Betsy Weatherhead, ein Mitglied des Forscherteams. "Aber wir müssen die Ozonschicht noch jahrelang beobachten, um letzte Sicherheit zu erlangen."

Die statistische Untersuchung, die jetzt im Journal of Geophysical Research veröffentlicht wurde, konzentriert sich auf die gesamte Ozonsäule von der Erdoberfläche bis in die oberen Atmosphärenschichten. Die Wissenschaftler haben die Daten von Satelliten der Nasa und der NOAA sowie von Bodenstationen in Nordamerika, Europa, Hawaii, Australien und Neuseeland analysiert.

Erholung der Ozonschicht wird Jahrzehnte dauern

Die Forscher führen die Stabilisierung der Gasschicht, die harte UV-Strahlung aus dem All von der Erdoberfläche fernhält, auf das Montreal- Protokoll von 1987 zurück. Das Vertragswerk, das von 180 Nationen ratifiziert wurde, setzt rechtlich bindende Grenzen für die Produktion und den Verbrauch von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW). Die Verbindungen, die unter anderem in Kühlschränken und Spraydosen Verwendung fanden, gelten seit Mitte der siebziger Jahre als Hauptverursacher des Ozonverlusts.

Grund für eine generelle Entwarnung sehen die Forscher jedoch keinesfalls. Es könnten noch 40 Jahre vergehen, ehe es in der Atmosphäre wieder bedeutend höhere Ozonwerte gebe, sagte Weatherhead. Ihr Niveau aus der Zeit vor den siebziger Jahren werde die Schutzschicht wahrscheinlich nie mehr erreichen, "selbst wenn alle Chlorverbindungen aus dem System verschwunden sind".

Das liege unter anderem daran, dass es neben FCKW weitere von Menschen gemachte Faktoren gebe, die die Ozonschicht stark beeinflussten. Hierzu gehörten Methan, Wasserdampf und die insgesamt steigenden Temperaturen in der Atmosphäre. Zudem gebe es in der Ozonschicht starke saisonale Einbrüche von bis zu 40 Prozent über den Polen und bis zu 10 Prozent über Nord- und Südamerika sowie Europa.

"Chemikalien, die vor Jahrzehnten in die Atmosphäre gepumpt wurden, beeinträchtigen die Ozonschicht noch heute", sagte Sherwood Roland von der University of California in Irvine. Roland und zwei seiner Kollegen erhielten 1995 den Nobelpreis für Chemie, weil sie das Gefahrenpotential von FCKW nachgewiesen hatten.

Einhellig warnen die Experten vor einem neuen Leichtsinn im Umgang mit der Sonnenstrahlung. "Die Hauptursache von Hautkrebs ist nach wie vor menschliches Verhalten", betonte Mike Repacholi von der Weltgesundheitsorganisation. Die aktuelle Studie beinhalte zwar "einige ermutigende Neuigkeiten", gebe aber keinen Anlass, Haut und Augen künftig weniger sorgfältig vor der Sonne zu schützen.



Katrina auf dem Weg nach Europa

30.8.2005 (khd). Mit den folgenden von mir aufbereiteten Ausschnitten aus aktuellen Satelliten-Fotos und Wetterkarten (Bodenkarten) soll versucht werden, den Weg des ursprünglichen Hurrikans „Katrina“ – nun das Tiefdruckgebiet „ex-Katrina“ – auf dem Weg von den USA über den Atlantik nach Europa zu verfolgen. Die Zyklone „Katrina“ erreichte am 29. August 2005 um etwa 16 Uhr MESZ die Stadt New Orleans. Hoffen wir, daß das Tracking (technisch) gelingt. Es ist nicht zu erwarten, daß „ex-Katrina“ in Europa größere Schäden verursachen wird, denn der größte Teil der gespeicherten Energie ist zerstörerisch verbraucht. Vielleicht wird es etwas stürmisch und regnerisch. (GMT = Greenwich Mean Time = Ortszeit von Greenwich bei London, durch das der 0. Längengrad geht = UTC = Weltzeit).

Katrina -- 30.08.2005 - 01.28 GMT    
^   Standort von „Katrina“ am 30. August 2005 um 3.28 Uhr MESZ. Das Zentrum liegt über dem US-Bundesstaat Tennessee.   (Sat-Foto: 30.8.2005 – cnn/khd)
Katrina -- 31.08.2005 - 01.42 GMT
^   Standort von „Katrina“ am 31. August 2005 um 3.42 Uhr MESZ. Das Zentrum liegt etwa über dem US- Bundesstaat Pennsylvania.   (Sat-Foto: 31.8.2005 – cnn/khd)

Katrina -- 31.08.2005 - 23.09 GMT    
^   Standort von „Katrina“ am 1. September 2005 um 1.09 Uhr MESZ. Das Tiefdruckgebiet liegt bereits über Neufundland vor der Mündung des St. Lorenz Stroms.   (Sat-Foto: 1.9.2005 – cnn/khd)
Katrina -- 1.09.2005 - 21.33 GMT
^   „Katrina“ ist nicht sehr viel weitergekommen. Am 1. September 2005 um 23.33 Uhr MESZ liegt das Tief über der Wetterküche von Labrador (Kanada).   (Sat-Foto: 1.9.2005 – cnn/khd)

Katrina -- 2.09.2005 - 18.00 GMT    
^   „Katrina“ liegt am 2. September 2005 um 20.00 Uhr MESZ über dem nördlichen Teil der Labrador-Halbinsel in Kanada. Das Tief (L) ist hier seit gestern etwas gekreist, da südöstlich ein Hochdruckgebiet (H) über dem Atlantik liegt.   (Bodenkarte: 2.9.2005 – MetOffice/UK/khd)
Katrina -- 3.09.2005 - 00.00 GMT
^   Bis zum 3. September 2005 um 2.00 Uhr MESZ hat sich „Katrina“ nur wenig bewegt. Das Tief (T) liegt nun über der Labradorsee zwischen Kanada und Grönland. Wegen des Hochs (H) ist es noch nicht sicher, ob „Katrina“ als Sturmtief nach Europa gelangt.   (Bodenkarte: 3.9.2005 – DWD)

Katrina -- 4.09.2005 - 00.19 GMT    
^   Ganz schön wirbelt „Katrina“ am 4. September 2005 um 2.19 Uhr MESZ über der Labradorsee. Dieses ist ein IR-Foto (Channel 4) des geostationären Satelliten „MeteoSat7“. Grönlands und Labradors Umrisse sind eingezeichnet.   (Sat-Foto: 4.9.2005 – NERC/Dundee4/khd)
Katrina -- 5.09.2005 - 00.00 GMT
^   „Katrina“ hat sich bis zum 5. September 2005 um 2.00 Uhr MESZ nur wenig bewegt. Das Hoch über dem Atlantik ist aber schwächer geworden. Und so liegt das Tief 24 Stunden später bereits südlich der Spitze von Grönland.   (Bodenkarte: 5.9.2005 – DWD)

Katrina -- 6.09.2005 - 23.09 GMT    
^   „Katrina“ am 7. September 2005 um 1.09 MESZ. Das Tiefdruckgebiet hat sich nun nach Osten auf den Atlantik hinausbewegt. Es ist noch nicht sicher, ob es sich weiter nach Osten bewegt.   (Sat-Foto: 6.9.2005 – NERC/Dundee4/khd)
Katrina -- 8.09.2005 - 00.00 GMT
^   „Katrina“ hat sich am 8. September 2005 um 2.00 Uhr MESZ wieder übers kanadische Labrador zurückgezogen. Über den Atlantik ist zudem die weitere Zyklone „Maria“ von der Karibik herangezogen.   (Bodenkarte: 8.9.2005 – DWD)

9.9.2005 (khd). Seit dem Landgang der Zyklone „Katrina“ am 29. August bei New Orleans am Golf von Mexiko sind nun bereits 10 Tage vergangen. Die meiste Zeit verbrachte „ex-Katrina“ über der Labrador See zwischen Grönland und Kanada. Derzeit ist noch nicht sicher, ob sich das Tiefdruckgebiet (T bzw. L auf Englisch) von dort doch noch nach Europa bewegt. Es könnte sich auch auflösen. Es ist sogar möglich das die Reste des kleineren und viel später entstandenen Hurrikans „Maria“, der von der Karibik direkt den Atlantik hochzog, eher nach Europa gelangen könnte. Das Wetter ist halt ein chaotisch thermodynamischer Prozeß.

Katrina -- 9.09.2005 - 18.00 GMT    
^   Die Reste von „Katrina“ liegen am 9. September 2005 um 20.00 Uhr MESZ als Tief (L) zwischen Grönland und Island. Es wird erwartet, daß das Tief bis Montag (12.9.) nach Skandinavien wandert, womit es in Europa angekommen wäre.   (Bodenkarte: 9.9.2005 – MetOffice/UK/khd)
Katrina -- 10.09.2005 - 18.00 GMT
^   Am 10. September 2005 um 20.00 Uhr MESZ liegt „Katrina“ nordöstlich von Island. Auch die Zyklone „Maria“ ist nach Norden vorangekommen, der bereits „Nate“ folgt. Das „Azoren-Hoch“ ist ein ständiges Hochdruckgebiet.   (Bodenkarte: 10.9.2005 – MetOffice/UK/khd)

11.9.2005 (khd). Zur Erinnerung an den Schulunterricht: Zyklone oder Tiedruckgebiete drehen sich auf der Nordhalbkugel der Erde gegen den Uhrzeigersinn. Bei Hochdruckgebieten (Anti- Zyklonen) ist es auf der Nordhalbkugel genau umgekehrt. Der Wind geht immer von einem Hoch zu einem Tief. Stellt man sich so, daß einem der Wind ins Gesicht bläst, dann liegt auf der Nordhalbkugel das Tief rechts hinter einem und das Hoch links vor einem. Auf der Südhalbkugel ist es umgekehrt. (GMT = Greenwich Mean Time = Ortszeit von Greenwich bei London, durch das der 0. Längengrad geht = UTC = Weltzeit).

Katrina -- 12.09.2005 - 00.00 GMT    
^   Die Reste von „Katrina“ liegen am 12. September um 2.00 Uhr MESZ über den Lofoten vor Norwegen. Auch ihre Schwestern „Maria“ und „Nate“ sind nach Norden vorangekommen.   (Bodenkarte: 12.9.2005 – DWD/khd)
Katrina -- 12.09.2005 - 20.51 GMT
^   Am 12. September 2005 um 22.51 Uhr MESZ haben die Reste von „Katrina“ Finnland und das Baltikum erreicht. Auf das Deutschland-Wetter werden sie kaum noch großen Einfluß haben.   (Sat-Foto: 12.9.2005 – NERC/Dundee4/khd)

Katrina -- 13.09.2005 - 00.00 GMT    
^   Am 13. September 2005 um 2.00 Uhr MESZ sind die Reste von „Katrina“ nicht mehr klar auszumachen. Sie werden sich nun mit dem Tief bei Spitzbergen vereinigen, da weiter östlich ein starkes Hoch liegt. „Maria“ liegt inzwischen bei Island.   (Bodenkarte: 13.9.2005 – DWD/khd)
Katrina_14.09.05-18.00_GMT.jpg
^   Am 14. September 2005 um 20.00 Uhr MESZ ist „Katrina“ Geschichte. Und auch die kleinen Schwestern „Maria“ und „Nate“ liegen bereits über dem Norden von Skandinavien.   (Bodenkarte: 14.9.2005 – MetOffice/UK/khd)

Europe_14.09.05-18.00_GMT.jpg
^   Verkleinertes Infrarot-Satelliten-Foto des Wetters über Europa und Nordafrika vom 14. September 2005 um 20.00 Uhr MESZ. Das Tief „Katrina“ ist verschwunden. Die Lebensdauer der über den USA so zerstörerischen „Katrina“ betrug seit ihrer Geburt über den Bahamas rund 21 Tage.   (Sat-Foto: 14.9.2005 – MeteoSat-7/khd)



Amerika diskutiert kaum über den Klimawandel

Interview mit Jennifer Morgan, Klimadirektorin der Umweltorganisation WWF

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 31. August 2005, Seite ?? (xxx). Das Gespräch führte DAGMAR DEHMER. [Original]

DER TAGESSPIEGEL: Der Hurrikan „Katrina“ hat in den USA große Schäden angerichtet. Steigt nun der Druck auf Präsident Bush, seine Klimapolitik zu ändern, Frau Morgan?

WWF: Ich glaube, es wird schwerer und schwerer für Präsident George W. Bush, dieses Problem weiterhin zu ignorieren. Denn es gibt immer mehr Hinweise, dass solche extremen Wetterereignisse eng mit der Klimaerwärmung in Zusammenhang stehen.

DER TAGESSPIEGEL: Einige Forscher sagen, die Zunahme der Hurrikane seit Mitte der 90er Jahre habe mit dem Klimawandel nichts zu tun.

WWF: Tatsächlich ist die Wissenschaft der Hurrikane kompliziert. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Hinweisen darauf, dass der Klimawandel die Intensität der Wirbelstürme erhöht. Ob er auch einen Einfluss auf die Zahl hat, ist umstritten. Es gibt in den USA aber eine Gruppe von Wissenschaftlern, die sich selbst als Skeptiker bezeichnen, ich nenne sie inzwischen Leugner, die jede wissenschaftliche Debatte nutzen, um den menschengemachten Klimawandel grundsätzlich zu bezweifeln.

DER TAGESSPIEGEL: Findet in der amerikanischen Öffentlichkeit überhaupt eine Diskussion über Hurrikane und deren Zusammenhänge mit der Erderwärmung statt?

WWF: Es gibt in den USA weniger Diskussionen als in Europa. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einer ist die Art, wie die Medien über wissenschaftliche Erkenntnisse berichten. Es werden immer beide Seiten gezeigt. Selbst dann, wenn nur ein Zweifler gegen 2500 seriöse Wissenschaftler steht. In den amerikanischen Zeitungen gab es heute auch kaum Hinweise auf den Klimawandel in der Berichterstattung über „Katrina“. Europa ist da schon viel weiter. Da kommt das Thema inzwischen nach jedem extremen Wetterereignis vor.

DER TAGESSPIEGEL: Werden solche extremen Wetterereignisse nicht auch für die USA langsam zu teuer?

WWF: Die Kosten allein der Versicherungen durch diesen Hurrikan liegen bei rund 26 Milliarden Dollar. Der 11. September 2001 hat sie 30 Milliarden Dollar gekostet. Was muss denn noch passieren, damit die amerikanische Regierung das Thema endlich ernst nimmt? Wenn Bush so weiter macht wie bisher, müssen die USA immer mehr Geld für solche Katastrophen ausgeben, zumal die Versicherungen Häuser oder Fabriken in Gefahrenzonen einfach nicht mehr versichern werden, je größer das Risiko solcher Ereignisse wird.

[01.09.2005: Satelliten-Fotos von New Orleans vor und nach dem Hurrikan Katrina]  (khd-Page)
[01.09.2005: Amerika nach Hurrikan Katrina – Eine Prüfung durch die Natur]  (DER TAGESSPIEGEL)
[02.09.2005: New Orleans versinkt in Chaos und Anarchie]  (DER SPIEGEL)
[02.09.2005: Ein neues Atlantis? – Kann New Orleans wieder aufgebaut werden?]  (DER SPIEGEL)



Uno: Wir müssen weg vom Öl

Chef der UN-Umweltbehörde Töpfer fordert nach Hurrikan besseren Klimaschutz / "Rohölpreis sinkt nicht mehr" / Clement gibt Reserve frei

Aus:
Berliner Zeitung, 6. September 2005, Seite ?? (Politik) von JÖRG MICHEL. [Original=480496.html]

BERLIN – 5. September. Der Chef der Umweltbehörde der Vereinten Nationen, Klaus Töpfer, hat nach der Hurrikankatastrophe in den USA eine Wende in der globalen Energiepolitik gefordert. "Wir müssen unabhängiger vom Öl werden", sagte Töpfer der Berliner Zeitung. Dies sei wirtschaftlich und umweltpolitisch eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft. Er äußerte der Erwartung, dass es zu einer signifikanten Senkung der Rohölpreise nicht mehr kommen werde. Der Wirbelsturm "Katrina" in den USA habe gezeigt, dass die Situation auf den weltweiten Energiemärkten sehr schnell eskalieren könne, warnte er.

Töpfer verlangte den Ausbau erneuerbarer Energien, effizientere Kraftwerke, sparsamere Kraftfahrzeuge, neue Treibstoffe sowie verstärkte Anstrengungen beim Energiesparen [Ed: und was ist mit der Entwicklung der Geowärme?]. Umweltpolitiker und Wissenschaftler hätten seit langem auf die Gefahren des Klimawandels hingewiesen. "Jetzt wird der dramatische Zwang zum Handel jedem sichtbar. Wir sollten nicht bis zu den nächsten Katastrophen warten", forderte er vor dem Hintergrund zunehmender Wetterextreme wie Stürme oder Fluten.

Der UN-Umweltchef und frühere CDU-Bundesminister appellierte auch an Deutschland, die Anstrengungen zum Klimaschutz zu verstärken. "Umwelt und Wirtschaftswachstum sind kein Gegensatz." Mehr Klimaschutz werde zu vielen neuen Jobs führen.

Trittin schreibt Autokonzernen

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) forderte die deutsche Autoindustrie in einem Brief auf, den Benzinverbrauch der Wagen im Schnitt bis zum Jahr 2012 auf rund fünf Liter je 100 Kilometer zu senken. Dazu solle die Automobilbranche der EU eine Selbstverpflichtungserklärung abgeben.

Nach der Preisexplosion der vergangenen Tage hat sich die Lage an den deutschen Tankstellen leicht entspannt. Der Ölpreis sank auf knapp 65 Dollar je Barrel. Der Preis für Superbenzin ging etwa beim Mineralölkonzern Total auf durchschnittlich 1,41 Euro zurück, Diesel sank auf 1,17 Euro. Dennoch sehen Experten langfristig weiter hohe Kraftstoffpreise.

Der vorrübergehende Preisrückgang ist auf die Auflösung eines Teils der internationalen Ölreserven zurück zu führen. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) gab am Montag einen Teil der deutschen Reserven frei. Ab Mittwoch würden 474 000 Tonnen Rohöl und Mineralölprodukte in den Markt gegeben, teilte er mit. Auf US-Antrag hatte die Internationale Energieagentur am Freitag [2.9.2005] mit Zustimmung aller 26 Mitgliedstaaten beschlossen, dem Markt 60 Millionen Barrel in den nächsten 30 Tagen zur Verfügung zu stellen.

Derweil wird in der Union der Ruf nach einer Pkw-Maut lauter. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Scheuer sprach sich für die Einführung zum 1. Januar 2006 aus. "Mit dem Erlös sollte entweder die Kfz-Steuer reduziert oder die Ökosteuer zurückgeführt werden", sagte er. Zuletzt hatte auch die Landesregierung von Baden-Württemberg für eine Maut plädiert.

[04.09.2005: Benzin: Experten erwarten weiteren Preisanstieg]  (DER SPIEGEL)



Töpfer fordert nachhaltigen Einsatz bei Klimaschutz

Der Direktor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, hält nach der US-Flutkatastrophe einen besseren Klimaschutz für dringlicher denn je. Der Klimawandel sei keine Vision, er sei bereits Realität.

Aus:
Berliner Morgenpost, 6. September 2005, 16.23 Uhr MESZ (Aktuell). [Original=771330.html]

BERLIN (morgenpost.de). Der Direktor des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, hat auch angesichts der Flutkatastrophe in den USA mehr weltweiten Klimaschutz eingefordert. „Der Klimawandel ist keine Vision, er findet jetzt schon statt“, warnte Töpfer am Dienstag [6.9.2005] vor rund 1000 Experten auf einem Kongreß zur Nachhaltigkeit in Berlin. Bei der Energieversorgung dürfe nur noch so wenig Kohlenstoff wie möglich verbraucht werden. Töpfer forderte auch mehr Rückhalteraum für Wasser.

Der frühere Bundesumweltminister schlug einen Pakt für Umwelt vor. „Es gibt keinen Stabilitäts- und Wachstumspakt in der Frage: Wie nutzen wir das Umweltkapital?“, sagte Töpfer. Wer die natürlichen Ressourcen übermäßig beanspruche, müsse nachweisen, daß er wieder in die Natur investiere. „Wir werden die Umweltzerstörung beseitigen müssen, wenn wir Armut bekämpfen“, sagte er.

Der Rat für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung sieht die Entwicklung des Ölpreises auch als Folge der Politik. „Ich glaube, daß der Ölpreis, den wir zurzeit haben, auch die Quittung ist für unterlassene Nachhaltigkeitspolitik“, sagte Ratsvorsitzender Volker Hauff. Er warb für „saubere Kohletechnologie“, bei der Deutschland weltweit führend sei. Hauff warf allen Parteien vor, das Thema nachhaltige Politik „sträflich“ zu unterschätzen. „Es ist lächerlich, daß diese menschheitsentscheidenden Fragen im Wahlkampf kein Thema sind.“

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte den Rat, dem 19 Mitglieder angehören, vor 4 Jahren eingesetzt. Schröder wurde am Nachmittag auf dem Kongreß erwartet. Experten aus Brasilien, China, Indien, Rußland und Südafrika stellten in Berlin ihre Bemühungen in der Umweltpolitik vor. Der Vertreter Chinas, Ning Ning Ding vom Zentrum für Entwicklungsforschung China, betonte, daß sein Land sich sehr stark um Umweltschutz bemühe. Er räumte allerdings Probleme wegen der hohen Bevölkerungszahl ein.

Unterdessen teilte die UN-Umweltbehörde am Dienstag mit, daß Klaus Töpfer sein Amt als Direktor des UN-Umweltprogramms aufgeben will. Der 67jährige habe sich nach 8 Amtsjahren gegen die angebotene Verlängerung seines Vertrages um 2 Jahre entschieden, sagte ein Sprecher der Behörde in Oslo. Konkrete Pläne für eine Rückkehr in die deutsche Politik habe er jedoch nicht.



Weltweit höchste Stickstoffdioxidbelastung in Nordost-China

Aus:
Heise-Newsticker, 6. September 2005, 17.24 Uhr (Umwelt). [Original]

PEKING (mhe/c't). Die Luft im Nordosten Chinas und speziell rund um Peking ist besonders schlecht – zumindest befindet sich dort die weltweit größte Menge an Stickstoffdioxid (NO2), wie aus Auswertungen der beiden Umweltüberwachungssatelliten ERS-2 und Envisat der europäischen Raumfahrtagentur ESA hervorgeht. Eine Gruppe chinesischer und europäischer Wissenschaftler veröffentlichte die Resultate diese Woche in der Zeitschrift Nature.

Verantwortlich für die Produktion von Stickoxiden sind Kraftwerke, Schwerindustrie, Straßenverkehr, Verbrennung von Biomasse, Blitze und mikrobische Erdaktivitäten. Stickoxide sammeln sich vor allem in der Troposphäre an, einer Atmosphärenschicht, die bis zu einer Höhe von 8 bis 16 Kilometer über der Erde reicht. In den unteren Luftschichten verstärkt das Gas die Produktion von Ozon, das vor allem in der Troposphäre selbst ein gefährlicher, giftiger Schadstoff und ein Hauptbestandteil des photochemischen Smogs ist.

Der Gehalt an Stickstoffdioxid und Stickoxid (NO) gilt als wesentliches Maß für die Luftbelastung und ist in China in den letzten Jahren stark gestiegen. So hat der Stickstoffdioxidgehalt gegenüber 1996 um rund 50 Prozent zugenommen. Dagegen stagniert die Belastung über Teilen der Ostküste der USA und Zentral- und Osteuropa oder nimmt sogar leicht ab. Lieferte GOME (Global Ozone Mapping Experiment) an Bord von ERS-2 zur Messung des Stickstoffdioxidgehalts in der Troposphäre Einzeldaten von Gebieten mit 320 mal 40 Kilometern Ausdehnung, bietet sein Nachfolger SCIAMACHY (Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric Chartography) an Bord von Envisat bereits ein Gitter mit verkleinerten Zellgrößen von 60 mal 30 Kilometern. Außerdem misst SCIAMACHY einen größeren Wellenlängenbereich und dies sowohl in Richtung Erde als auch in Richtung der Flugbahn.



D I E   K L I M A W A N D E L - I G N O R A N T E N

Sparkurs verhinderte gigantische Rettungsinsel

Allein für New Orleans rechnen die Behörden mit bis zu zehntausend Todesopfern durch die "Katrina"-Flut. Ein von örtlichen Wissenschaftlern vorgeschlagenes Schutzkonzept hätte eine solche Katastrophe mit Sicherheit verhindert. Doch die zuständige US-Armee verwarf die Pläne.

Aus:
Spiegel Online – 6. September 2005, 19.26 Uhr (nur elektronisch publiziert) von VOLKER MRASEK. [Original]

BATON ROUGE. Entwickelt wurde das alternative Hurrikan-Notfallkonzept an der Louisiana State University (LSU) in Baton Rouge. Genauer: im Water Ressources Research Institute der Hochschule (LWRRI). Auslöser war die Gewissheit, dass New Orleans nicht ausreichend vor Wirbelstürmen der Kategorie 4 oder 5 mit Windgeschwindigkeiten jenseits von 210 Kilometern pro Stunde geschützt ist. Man wusste: Die Flutwelle, die ein solcher Megasturm vor sich hertreibt, würde die Deiche entlang des Sees Pontchartrain im Norden der Stadt schlichtweg überspülen. Die LWRRI-Forscher schlugen deshalb vor, einen "sicheren Hafen" in der City einzurichten: Eine Kernzone der Innenstadt sollte mit besonders hohen Hochwasserschutzwällen umfasst werden und im Katastrophenfall als Rückzugsgebiet für all jene Bewohner dienen, die – wie jetzt im Fall von "Katrina" - New Orleans nicht verlassen würden, trotz der Anordnung zur kompletten Evakuierung.

Als innerstädtische Rettungsinsel hatten die Wissenschaftler einen City-Sektor zwischen dem Mississippi im Süden und dem quer und kerzengerade durch die Stadt verlaufenden Highway 61 im Norden auserkoren. Dieser Teil des Zentrums wird auch als "Halbmond" bezeichnet, weil er in einer 180-Grad-Schleife des Mississippi liegt. Dort befinden sich nicht nur das französische Viertel, der Superdome, Regierungsgebäude und das Geschäftszentrum von New Orleans, sondern auch mehrere Krankenhäuser und Museen.

Krankenhäuser und Pumpstationen wären verschont worten

Diese Infrastruktur wäre nach Überzeugung der Forscher vor der Flutung im Zuge von "Katrina" bewahrt worden, hätte man das Konzept vom sicheren Hafen verwirklicht. "Eine große Anzahl von Menschen hätte in dieser Zone über einen längeren Zeitraum Zuflucht finden können", sagt die LWRRI-Forscherin und Geographin Nedra Korevec.

Statt nicht geflohene Bewohner von New Orleans im Superdome zusammenzupferchen, hätte man sie "in diesem ganzen, nicht überfluteten Gebiet unterbringen können", betont auch Joseph Suhayda, der frühere Direktor des LWRRI und Vater der Idee vom sicheren Hafen mitten in der Stadt. Für "100.000, 200.000 oder auch 300.000 Menschen" wäre dort Platz gewesen, sagt der Ozeanograph, der sich während seiner jahrzehntelangen Forschungstätigkeit in Baton Rouge eher zum Katastrophenschutz- Ingenieur wandelte: "Die Krankenhäuser, die Pumpstationen – all das wäre erhalten geblieben."

Seit Jahren propagiert Suhayda sein Vorsorgekonzept für New Orleans. Er referierte darüber auf der Nationalen Hurrikan- Konferenz in den USA wie auch auf einer Fachtagung für Katastrophenschutz in Louisiana; er skizzierte den Plan schon 2000 beim "Stadtgipfel" des Bürgermeisters in New Orleans: Politiker, Stadtplaner, Verkehrsexperten und Vertreter von Rettungsdiensten hörten ihm zu. "Die Idee stieß auf ein enormes Interesse", erinnert sich der Hochschullehrer. "Ich möchte nicht als überheblich erscheinen: Aber manche hielten sie sogar für brillant."

     
New Orleans before „KATRINA“
New Orleans after „KATRINA“
^   New Orleans und Umgebung vor und nach dem Hurrikan „Katrina“ – ein Wirbelsturm der höchsten Kategorie 4–5. Der „Lake Pontchartrain“ ist ein eingedeichter Salzwasser-See.   (Sat-Fotos: 8.2005 – ???/cnn)

Die Army-Ingenieure lehnten ab

Allein: Das für den Hochwasserschutz zuständige Ingenieurs-Corps der US-Armee lehnte das Konzept ab. Es stand ihm sogar völlig ablehnend gegenüber, wie das in den USA erscheinende "Civil Engineering Magazine" im Juni 2003 berichtete. Das Blatt sprach seinerzeit mit Alfred Naomi, dem für die Schutzdeiche in New Orleans zuständigen Projektmanager des Ingenieurs- Corps. "Wir möchten den Leuten kein falsches Gefühl von Sicherheit geben", wandte Naomi der Zeitschrift zufolge ein. Das Wasser draußen zu halten genüge nicht, so der Armee-Verantwortliche damals. Im Falle eines Hurrikans über New Orleans sei zusätzlich mit enormen Winden zu rechnen und niemand könne sagen, welche Gebäude im Stadtzentrum "so ausgelegt sind, dass sie das überstehen".

Konsequenterweise favorisiert das Ingenieur- Corps stattdessen die Strategie von der Total- Evakuierung der Mississippi- Metropole im Fall eines heraufziehenden Megasturmes. Doch die gelingt in der Realität leider nicht, wie sich in den zurückliegenden Tagen zeigte: Mehrere zehntausend Einwohner blieben trotz der Warnungen vor einem Hurrikan der Stärke 4 in der Stadt. Für die Experten der Staatsuniversität von Louisiana war das absehbar. In einer Umfrage hatten über 21 % der Stadtbewohner angegeben, sie würden ihre Häuser in New Orleans auch dann nicht verlassen, wenn es Warnungen vor einem möglicherweise tödlichen Hurrikan gebe.

Der Wissenschaftler ist "vollkommen frustriert"

Joseph Suhayda ist nun "vollkommen frustiert", wie er sagt. Viele Menschenleben hätten wahrscheinlich gerettet werden können, wären die Verantwortlichen dem Rat des Forschers gefolgt. Nach Suhaydas Schilderung hätte es lediglich 12 Monate gedauert, den flutfesten City-Hafen einzurichten. Der Plan sah vor, auf einer Länge von 12 Meilen eine knapp 10 Meter hohe Schutzwand hochzuziehen. "Das hätte eine Betonmauer sein können, dichte Spundwände oder auch ein Erdwall, wie man ihn zu Lärmschutzzwecken aufschüttet", erläutert der Ex-Institutschef. Praktischerweise, so Suhayda, hätte man die Flut-Barriere entlang des Highways 61 errichten können.

Im Süden des "sicheren Hafens" wäre es nicht einmal nötig gewesen, für zusätzlichen Schutz zu sorgen: Die Deiche am kurvigen Mississippi- Ufer sind Suhayda zufolge schon heute fast 10 Meter hoch. Es wäre also nur darum gegangen, auch an der Nordgrenze der innerstädtischen Rettungsenklave und an zwei kleinen Abschnitten im Westen und Osten zusätzliche Barrieren auf demselben Schutzniveau zu installieren. Das LWRRI hat die Kosten für das Projekt mit 250 Millionen US-Dollar veranschlagt. Das ist nur ein Zehntel der Summe, die nötig wäre, um sämtliche Deiche am Lake Pontchartrain so zu erhöhen, dass sie auch bei einem Hurrikan der Stärke 4 oder 5 ihre Aufgabe erfüllen. Projektmanager Alfred Naomi hat in diesem Zusammenhang wiederholt von 2,5 Milliarden Dollar gesprochen. Aber "wir sind ein sehr armer Staat", sagt die Geographin Nedra Korevec.

"Es geht nur um den Schutz von Eigentum"

Bisher sind die Deiche im Norden der Stadt nur etwa 6 Meter hoch. Ihre Aufrüstung hat die Regierung in Washington aber nach einer Kosten-/Nutzen- Analyse verworfen. Denn es stellt sich heraus, dass man mehr Geld in die Maßnahme stecken würde, als am Ende in Form vermiedener materieller Schäden herauskäme. "Bei diesen Analysen spielt die Rettung von Menschenleben überhaupt keine Rolle", beklagt Joseph Suhayda, es gehe "allein um den Schutz von Eigentum".

Nach "Katrina" und im Angesicht der akuten Katastrophe ist die US-Armee nun gezwungen, ihre bisherige Haltung aufzugeben. "Wir erörtern die Möglichkeiten für ein Schutzniveau der Kategorie 4 oder 5", verkündete dieser Tage Generalleutnant Carl Strock, der Chef des Armee- Ingenieurskorps, als man ihn auf die Versäumnisse in New Orleans ansprach. Die Einsicht kommt spät, vermutlich zu spät. Denn ob die für ihren Charme berühmte Südstaaten- Metropole jemals wieder komplett aufgebaut werden kann, erscheint inzwischen zunehmend fraglich.

Nedra Korevec aber ist zuversichtlich, dass New Orleans wieder errichtet wird – und dass der "Community Haven" Realität wird. "Sie können die Leute nicht wieder in die Stadt lassen, ohne ihnen Sicherheit zu bieten", sagt sie. Und: "Ich denke, das wird in den nächsten 10 Jahren kommen."

[06.09.2005: Bush kündigt Untersuchung an]  (DER SPIEGEL)



T R O P E N S T U R M - B I L A N Z

Zahl gefährlicher Hurrikane verdoppelt

Seit den siebziger Jahren hat die Stärke tropischer Wirbelstürme rasant zugenommen. Die Zahl von Hurrikanen der Stärken 4 und 5 hat sich beinahe verdoppelt. Eine Folge des Treibhauseffekts?

Aus:
Spiegel Online – 15. September 2005, 19.58 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert) von RANDOLPH SCHMID. [Original]

WASHINGTON (AP). Heutzutage gibt es insgesamt zwar nicht mehr tropische Wirbelstürme als in den siebziger Jahren, doch hatten damals nur durchschnittlich 11 die höchsten Stufen 4 und 5. Seit 1990 wird diese Kategorie dagegen 18 Mal im Jahr erreicht, wie aus einer in der Zeitschrift Science [Volume 309, Page 1844] veröffentlichten Studie hervorgeht. Das Ergebnis dürfte der Debatte über einen möglichen Einfluss des Treibhauseffekts neuen Zündstoff geben.

Wie Peter Webster vom Georgia Institute of Technology in seinem Bericht erläutert, werden tropische Stürme von warmem Wasserdampf aus den Weltmeeren ausgelöst. Je wärmer das Wasser werde, desto mehr davon verdampfe, wodurch die Stürme mehr Volumen erhielten. Und zwischen 1970 und 2004 sei die Oberflächentemperatur der Ozeane in der tropischen Zone um fast 1 Grad Celsius gestiegen.

Ko-Autor Greg Holland vom Nationalen Zentrum für Atmosphärische Forschungen schränkt ein, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Meerestemperatur und dem Hurrikan "Katrina" nicht nachgewiesen werden könne. Doch hätten die Recherchen eindeutig das Potential für weitere Stürme derselben Stärke aufgezeigt.

"Katrina" war über dem Meer ein Hurrikan der höchsten Stufe fünf und hatte beim Auftreffen auf Land immer noch die Stufe 4. In der Kategorie 5 werden Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometern pro Stunde erreicht, in der Kategorie vier liegen sie zwischen 210 und 250 Stundenkilometern.

Co-Autorin Judith Curry vom Georgia Institute of Technology zieht den Schluss, dass der registrierte Anstieg der Meerestemperatur auf die generelle Erderwärmung, den Treibhauseffekt, zurückzuführen sei. Demnach sei dieses Phänomen auch ein "beitragendes Element" zur wachsenden Stärke von Hurrikanen.

Holland schränkt ein, dass es schon immer natürliche Klimaschwankungen gegeben habe, und die Veränderlichkeit im Muster der Hurrikane ein Teil davon sein könnte. Doch Webster unterstreicht, dass die Meerestemperaturen überall in der tropischen Zone gestiegen seien, was parallel dazu auch auf die Stärke der Hurrikane zutreffe. Dies könne nicht mit natürlichen Schwankungen erklärt werden.

Der Studie zufolge gab es zwischen 1975 und 1989 im westlichen Atlantik und der Karibik insgesamt 16 Hurrikane der Stärke 4 oder 5. Zwischen 1990 und 2004 waren es 25. Im östlichen Pazifik, wo die Wirbelstürme als Taifune bezeichnet werden, wurde in den entsprechenden Zeiträumen ein Anstieg von 36 auf 49 registriert, im westlichen Pazifik von 85 auf 116. Im südwestlichen Pazifik betragen die Vergleichszahlen 10 und 22, im Indischen Ozean 24 und 57.

Im August hatte bereits der Klimatologe Kerry Emanuel vom Massachusetts Institute of Technology die These vertreten, dass Wirbelstürme seit den siebziger Jahren an Dauer und Intensität zugenommen hätten. Andere Wissenschaftler bleiben dennoch skeptisch. Christopher Landsea vom Hurrikan- Forschungszentrum in Miami meint, dass die angegebenen Windgeschwindigkeiten in den siebziger Jahren wegen der damals minderwertigen technologischen Möglichkeiten nicht akkurat sein könnten. Dies gelte vor allem für die Messwerte aus Asien. So sei der registrierte Anstieg in der Karibik prozentual besonders gering, und gerade dort seien die Messwerte der letzten Jahrzehnte am zuverlässigsten.

Holland hält dem entgegen, dass auch in der Karibik noch ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen sei. Dies allein müsse zu denken geben. [mehr]

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