This is the full text published in the 5. December edition (page 25) of no.15112 of "Der Tagesspiegel", Berlin, Germany: FEHLER IM PENTIUM-CHIP Hardware-Maengel lassen Intel-Bauteil falsch rechnen (c) 1994 by Verlag Der Tagesspiegel GmbH, Berlin Der neue Pentium-Chip koennte dem Computerkonzern Intel einen Milliardenschaden zufuegen. Denn das inzwischen millionenfach eingebaute elektronische Bauteil, das die Firma mit einem enormen Werbeaufwand unter die Leute bringt, traegt einen heimtueckischen Konstruktionsfehler in sich. Dieser tritt zwar nur bei bestimmten Rechnungen auf. Er macht jedoch den Chip, der fuer Hochleistungs-Datenverarbei- tung entwickelt wurde, zum Beispiel fuer den wissenschaft- lichen Einsatz praktisch wertlos. Oeffentlich wurde die Malaise dieser Tage durch Mittei- lungen, die amerikanische Mathematiker ueber das Computernetz Internet verbreiteten. Danach kann es passieren, dass der Pentium bei Rechnungen mit mehr als acht Stellen hinter dem Komma falsch auf- beziehungsweise abrundet. Eigenartiger- weise tritt der Fehler allerdings nur bei bestimmten Zahlen- werten auf. Ein amerikanischer Professor war auf die Chip- Schwaeche aufmerksam geworden, als er seinen Computer auf die Suche nach neuen Primzahlen schickte. Prekaer ist der Fall insofern, als die Herstellerfirma "seit Sommer" von dem Problem wusste, wie auf Nachfrage zu erfahren war. Nach wie vor werden Computer mit dem fehler- haften Chip vertrieben, kaum ein Haendler weiss von dem Problem. Den Vorwurf, die Dinge verschwiegen zu haben, weist Intel-Sprecherin Marion Koehler zurueck: "Aus unserer Sicht ist das Problem nur ein kleiner Fehler, der nur bei extremen Rechnungen auftritt." Ganz anders stellt sich die Sachlage fuer Hans-Detlef Pannhorst von der Berliner TU dar: "Wir wissen nicht mehr, ob wir unseren Rechenergebnissen trauen koennen." Denn die mathematischen Simulationen, wie sie der Wissenschaftler am TU-Institut fuer Hochspannungs- technik und Starkstromanlagen durchfuehrt, bestehen aus Milliarden Einzelschritten. "Es kann immer sein, dass eine kritische Division mit den fatalen Zahlenwerten darunter war." An eine generelle Rueckruf-Aktion denkt Intel jedoch nicht. Schadensbegrenzung ist das Motto des Konzerns: Man hat eine Hotline geschaltet (0130/818 921), wo Computerspezialisten Auskuenfte geben. Ziel ist, die wirklich Betroffenen heraus- zufinden. "In Einzelgespraechen wollen wir klaeren, ob ein Kunde einen Chip-Ersatz braucht" sagt Armin Vogel von Intel. Wer "seine Ansprueche an die Rechengenauigkeit" glaubhaft darstellen koenne, bekaeme Ersatz. pebe -------------------------------------------------------------