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Weltweites Computernetz Internet immer beliebter
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 20. Dezember 1994 (Aus aller Welt).LONDON. Alle zehn Wochen verdoppelt sich derzeit die Teilnehmerzahl im sogenannten World Wide Web des internationalen Computernetzes Internet. Mit Hilfe dieses elektronischen Instrumentes tauschen Computerbesitzer in aller Welt Informationen aus, zumeist mit wissenschaftlichem Hintergrund.
Wenn die Steigerungsrate anhielte, dann würde jeder Erdenbürger in vier Jahren seine eigene Informationsseite im World Wide Web besitzen vorausgesetzt, er verfügt über einen Personalcomputer. Das World Wide Web wurde, wie das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner neuesten Ausgabe (No. 1956, S. 23) berichtet, erst vor fünf Jahren vom Europäischen Laboratorium für Teilchenphysik CERN bei Genf gegründet [Ed: erfunden durch Tim Berners-Lee während seiner Zeit bei CERN].
Mit der Zahl der Benutzer sei auch der Datenaustausch überraschend stark angestiegen, wundert sich Matthew Grey vom Massachussetts Institute of Technology (USA). 1992 wurden Datenmengen von 520 Megabyte transportiert. Zwischen Januar und März waren es schon 5 Gigabyte und allein innerhalb von sechs Stunden im September dieses Jahres 10 Gigabyte. Die enorme Datenmenge hat es erforderlich gemacht, daß spezielle Programme entwickelt wurden [Ed: Suchmaschinen], um möglichst schnell zu den gewünscht Informationen zu kommen.
26.12.1994 (khd). Der Erfolg des Internets wird nicht aufzuhalten sein, auch wenn die Deutsche Telekom mit ihren aktuellen Tarifplänen die Internet-Entwicklung in Deutschland sehr massiv behindern wird. Beim World Wide Web (WWW) ist entscheidend, daß sich damit weltweit menschliches Wissen durch aktivierbare Verweise (Hyper-Links) digital verknüpfen läßt. Mit dem WWW hat die Menschheit durch diese Hyper-Links eine völlig neue Dimension der Wissensvernetzung dazugewonnen. Wissenschaftler nennen das die Hyper-Alphabetisierung der Menschen.
Monster Microsoft?
Das Imperium des Software-Zaren Bill Gates ist umstellt. Weltweit ermitteln Kartellbehörden: Versucht der Microsoft-Chef, mit dubiosen Methoden ein Monopol zu errichten?
Hinweis auf: SPIEGEL 12/1998, 16. März 1998, Seite 222235. [Vollständiger Artikel]
Compaq muß seine Enterprise-Pläne erklären
Gleich sechs Betriebssysteme und drei Prozessoren-Plattformen unter einem Dach
Aus: Handelsblatt, 10. Februar 1999, Seite ?? (Computer und Online).PALO ALTO Dienstag, 09. Februar 1999 (ruk). Vor gut einem Jahr hat Compaq Computer mit Sitz in Houston, Texas, zum Erstaunen der Branche die ehemalige Nummer zwei der Computerindustrie, Digital Equipment Corporation (DEC), übernommen. Bereits im Sommer 1997 war mit Tandem Computer aus dem kalifornischen Cupertino der führende Spezialist für ausfallsichere Großrechner unter das Dach des texanischen PC- Marktführers gekommen.
Strategisches Ziel des aus Deutschland stammenden ehrgeizigen Compaq-Chefs Eckhard Pfeiffer: Das durch Übernahmen entstandene Powerhouse New Compaq soll die Nummer eins der Computerbranche werden. In einem verschärften Wettbewerb will man zunächst auf der Ebene der Unternehmensrechner der aktuellen Nummer zwei, Hewlett-Packard, Server- und Workstationkunden abjagen. Später soll dann auch der Branchenführer IBM angegriffen werden.
Dazu muß Pfeiffer mit seiner Marke Compaq das Vertrauen der DV- Verantwortlichen in den Unternehmen gewinnen. Mit einer vielseitigen Imagekampagne [Ed: von eher zweifelhafter Qualität], wie sie schon seit Monaten läuft, allein ist es nicht getan. Compaq muß vielmehr die DV-Entscheider in den Unternehmen überzeugen, daß der texanische PC-Hersteller nicht nur der Marktführer bei Personalcomputern und PC-Servern ist. Nach der Übernahme von Tandem und DEC müssen die Texaner auch in der Lage sein, die Bedürfnisse der professionellen Datenverarbeiter in den Unternehmen abzudecken.
Dazu braucht man neben Technik auch ein umfangreiches Serviceangebot. Dies war Pfeiffers wichtigstes Motiv für die DEC-Akquisition. Waren bei der Übernahme von Tandem eher technologische Aspekte ausschlaggebend, so sollte mit Digital Equipment die für das Enterprise-Geschäft nötige Servicemannschaft an Bord geholt werden. Für DV- Dienstleistungen herrscht derzeit wegen des Jahr-2000- Problems und der Euro-Umstellung eine hohe Nachfrage.
Mit seinen beiden Großakquisitionen hat Pfeiffer sich aber auch eine Menge Probleme ins Haus geholt, die es noch in diesem Jahr zu klären gilt. Compaq war bisher traditionell auf die sogenannte Standardplattform der PC-Industrie von Intel und Microsoft (Wintel) ausgerichtet. Nun haben die Texaner gleich sechs Betriebssysteme und drei Prozessor- Plattformen zu betreuen. Von Digital kam die zwar leistungsstarke, aber wenig erfolgreiche Chipserie Alpha ins Haus, dazu die Betriebssysteme OpenVMS, Alpha- und Digital-Unix.
Tandem brachte sein ausfallsicheres Betriebssystem NSK-Kernel (Non-stop-Kernel), sein bisheriges Unix-Engagement sowie die Chip- Plattform Mips in die DV-Ehe ein. Der ehemalige Tandemchef Roel Pieper hatte jedoch schon vor der Übernahme Tandems den Unix-Einsatz auf Server für den Telekom-Markt beschränkt.
Zur ererbten Technik kommt Compaqs eigene bisherige Technologiestrategie. Diese setzt seit der Gründung des Unternehmens ausschließlich auf Intel-Prozessoren und Betriebssysteme von Microsoft früher MS-DOS, heute Windows NT/2000 bzw. Windows 95/98.
Mit den Übernahmen hat sich Compaq somit einen Bauchladen technischer Systeme eingehandelt. Das schafft Erklärungsbedarf gegenüber alten Kunden und zwar in allen Lagern. Doch bisher war wenig Strategisches von Compaq zu hören, klagen DV-Manager in den USA. Nach einer Befragung der Computerworld sind 40,1 % von 152 befragten DV-Verantwortlichen mit Compaqs Informationspolitik nicht zufrieden. Nur 11,2 % finden die Informationen ausreichend, 48,7 % stimmten mit neutral oder Ich weiß nicht ab.
Erste Aussagen hat Compaq zur Mips-Plattform gemacht. Die Tandemrechner werden offensichtlich auf Alpha- Prozessoren umgestellt. Doch an deren Zukunftssicherheit gibt es heftige Zweifel unter den IT-Analysten in den USA. Sie sind sicher, daß Compaq diese Technologieschiene aufgeben muß, wenn sie weiter so mangelhafte Umsätze produziert wie bisher.
Zudem muß hinterfragt werden, wie leicht sich die Servicemannschaft von DEC in The New Compaq eingliedern läßt. Die Anzahl der Mitarbeiter von Digital liegt deutlich über der bisherigen Zahl von Compaq- und Tandem-Angestellten. Bei Compaq Deutschland sollen dem Vernehmen nach 800 Compaq/Tandem-Leute etwa 2000 DEC-Mitarbeitern gegenüberstehen. Zudem ist in der DV-Branche bekannt, daß sich DEC bei den Themen Datums- und Euroumstellung nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat.
Amerikanische Experten haben zudem beobachtet, daß das neue Konglomerat schon seit geraumer Zeit sein technisches Tafelsilber verscherbelt. So haben bereits vor der Übernahme sowohl Tandem wie auch DEC ihre wichtige Software zum Bündeln von NT-Servern (die sogenannte Cluster-Technologie) an Microsoft abgegeben. DECs ehemaliger Chef Palmer hat zudem eine Reihe anderer Softwareteile verkauft. Auch Compaq-Chef Pfeiffer hat die von DEC übernommene Internet-Suchmaschine Altavista aus dem Unternehmen ausgegliedert. Altavista soll zu einer eigenständigen, börsennotierten Firma gemacht werden. Dabei will Compaq aber die Mehrheit an der cash cow behalten. Altavista bietet inzwischen neben dem Suchdienst auch andere Dienstleistungen wie Nachrichten, Börseninformationen und Online- Shopping an.
Compaq hat im vergangenen Jahr wegen außerordentlicher Aufwendungen (z. B. DEC-Übernahme) einen Verlust von 2,7 Mrd. $ (4,6 Mrd. DM/2,3 Mrd. Euro) erlitten. Der Umsatz steigerte sich gegenüber 1997 um knapp 27 % auf 31 Mrd. $. [2001: Compaq hatte sich verschluckt]
"Linux übernimmt die Weltherrschaft"
Linus Torvalds ist kein Visionär. Trotzdem hat er es geschafft, mit einem kostenlosen Betriebssystem die Computerwelt in helle Aufregung zu versetzen und Microsoft herauszufordern. Auf der LinuxWorld in San José wurde er nun endgültig als Kultfigur der Open-Source-Bewegung installiert.
Hinweis auf: Spiegel Online 3. März 1999 (nur elektronisch publiziert).Stunden vorher warten die Fans bereits geduldig vor der riesigen Konferenzhalle, während ihr Held sich seinen Weg durch die Messeräume bahnt und dabei Hunderte von T-Shirts, Pinguine, Bücher und sogar Fotoapparate signiert. Der Star, der die Technikfreaks aus dem Silicon Valley aus dem Häuschen bringt, war kein geringerer als Linus Torvalds. Vom Veranstalter als "Führer der freien Welt" angekündigt, soll der "Erfinder" des Linux-Betriebssystems auf der LinuxWorld am Dienstag abend in San José zu den Massen sprechen. Und ihr Führer enttäuschte sie nicht mit seinem Blick in die Zukunft: "Was machen wir, wenn wir die volle Weltherrschaft übernommen haben?", fragt der jungenhafte Programmierer die angesichts dieser Vorstellung in Verzückung geratende Community mit einem Seitenhieb auf Bill Gates und die erdrückende Marktmacht Microsofts im Bereich der Desktop-Computer. Viel Zeit zum Überlegen bleibe nicht mehr, denn von der Machtübernahme sei man nur noch einen Schritt weit entfernt.
Hinter allem Scherz verbirgt sich durchaus ein wahrer Kern, denn Linux hat sich längst vom Hackerbetriebssystem zur gängigen Business-Applikation gewandelt. Allein 1998 wurden laut IDC Research 750.000 Server mit dem kultigen System bestückt. Das entspricht einem Marktanteil von 17 Prozent im Neugeschäft bei einer Wachstumsrate von 212 Prozent. Insgesamt sollen bereits über 10 Millionen Computernutzer mit Linux arbeiten. Einer Umfrage des Magazins "iX" zufolge setzen beispielsweise inzwischen 84 Prozent der deutschen Internet-Provider auf das vor wenigen Jahren im Unternehmensbereich noch vollkommen unbekannte System. "Linux ist nicht mehr nur ein kleines UNIX", freut sich Torvalds, der den Kern des Betriebssystems 1991 als 21jähriger Student an der Universität in Helsinki als Alternative zu dem bis dahin gängigen, professionellen Server-OS geschrieben hat. Die Wachstumskurve verlaufe wider aller Erwarten exponentiell, so daß Linux bei Fortdauer des Trends "in wenigen Jahren das größte Betriebssystem der Welt" sein werde. "Wir sind jetzt auf derselben Stufe wie die Big Boys kein Wunder, daß sie nervös werden."
Tatsächlich häufen sich in letzter Zeit die Meldungen, die manchem Zukunftsplaner in der Micrososoft-Hauptstadt Redmond Schauer über den Rücken jagen. Der Chiphersteller Intel bis vor kurzem noch fester Bestandteil der Wintel-Allianz mit Microsoft kündigte kurz vor der LinuxWorld an, sich mit mehreren Millionen an der Firma VA Research zu beteiligen, die sich auf die Herstellung von unter Linux laufenden Computern für den Unternehmenseinsatz spezialisiert hat. Bereits im Herbst hatte sich Intel an Red Hat beteiligt, einer Firma, die das eigentlich kostenlose Linux unter ihrem eigenen Label verkauft, den Kunden dafür Support anbietet und so innerhalb weniger Monate nach eigenen Angaben bereits über 5 Millionen Nutzer gewinnen konnte.
Der Computergigant IBM, der inzwischen mit vier Linux-Distributoren zusammenarbeitet [Ed: Caldera, RedHat, SuSE und Pacific HiTech], hat zudem während der Messe in der "Hauptstadt" des Silicon Valley angekündigt, noch in diesem Jahr seinen Kunden weltweit technische Hilfestellungen rund um Linux geben zu wollen. Einer der größten Vorbehalte von Unternehmen gegen den Einsatz des in zahlreichen Versionen nach wie vor kostenlos erhältlichen Betriebssystems der mangelnde Support dürfte damit endgültig hinfällig werden.
"Die wirklich große Sache des vergangenen Jahres war die allgemeine Akzeptanz von Linux auf dem Markt", beurteilt Torvalds, der inzwischen bei der Chipdesign-Firma Transmeta im Silicon Valley arbeitet, die Entwicklung. Als seinen alleinigen Erfolg will er den kometenhaften Aufstieg von Linux allerdings nicht sehen: "Viele Hunderte Programmierer weltweit sind daran beteiligt." Groß geworden sei das Betriebssystem schließlich durch das Feedback der tatsächlichen Nutzer, die auf Probleme beim Einsatz der Software hingewiesen oder sie gleich selbst behoben hätten. Möglich macht das kollaborative Programmieren die Open-Source-Idee, die Torvalds zwar nicht erfunden hat, der er aber mit Linux doch zu ihrem Siegeszug durch die Entwicklerstuben und spätestens seit Netscapes Freigabe der Programmstruktur ihres Browsers auch durch die Unternehmen verholfen hat.
Die Spielregeln für Open-Source-Software sind einfach: Ein Programmierer entwickelt zunächst eine Rohversion eines Software- Produktes und veröffentlicht den Source-Code die Grundstruktur einer Applikation, die erst noch für bestimmte Computertypen "lesbar" gemacht werden muß im Internet. Andere Programmierer können den Code nun benutzen und modifizieren unter der Voraussetzung, daß sie ihre Änderungen wiederum der Open-Source-Community kostenlos zur Verfügung stellen. Der "Erfinder" des Programms wird in der Regel über die Veränderungen auf dem Laufenden gehalten und kann sie in die offizielle Version der Applikation einbauen. Dieser Prozeß setzt sich theoretisch unendlich fort, falls sich das Programm nicht einfach überlebt und keiner mehr an seiner Weiterentwicklung interessiert ist.
Die Vorteile der virtuellen Zusammenarbeit permanente Härtetests für den Code, freie Adaptierung für die unterschiedlichsten Computersysteme, gemeinsame Fehlersuche und dadurch letztlich günstigere oder gar kostenlose sowie besser funktionierende Software finden auch im kommerziellen Bereich immer mehr Freunde, die mit Freeware gutes Geld verdienen wollen. Was sich zunächst wie ein Paradox anhört, könnte in der Internetökonomie bald zum entscheidenden Erfolgsfaktor werden. Anreiz für Unternehmen ist, neben den Verdienstmöglichkeiten durch den Support, der potentielle Imagegewinn, auf den unter anderem Netscape und IBM bauen. Dazu kommt die damit verbundene Hoffnung auf den zusätzlichen Verkauf von eigener, teurer Software. Hardwarefirmen wie VA Research haben außerdem handfeste Kostenvorteile durch die Bündelung ihrer Maschinen mit einem kostenlosen Betriebssystem.
Doch nicht allen ist die schleichende Kommerzialisierung der Freeware- Bewegung willkommen. "Immer mehr Leute stürzen sich auf Linux, ohne die dahinterstehende Philosophie zu verstehen", ärgert sich Richard Stallman, der Anfang der 1983 die Free Software Foundation sowie Anfang der 90er das GNU/Linux Software Project gegründet hat. Dem MIT-Wissenschaftler kommt es weniger auf die Entwicklung der nächsten coolen Applikation an als vielmehr auf das Kreieren von Technologien, die "den Menschen ihre Freiheit geben." Über diese sozialen und politischen Hintergründe der Freeware rede heute aber keiner mehr. Stallman will seiner Idee nun durch die Ankündigung von GNOME neuen Schwung verleihen, einer absolut kostenlosen Desktop-Umgebung für "seine" GNU/Linux-Version.
Torvalds selbst ist viel zu sehr Pragmatiker und reiner Techniker, um sich mit den politischen Folgen der Freeware- Revolution auseinanderzusetzen. "Die Leute, die mit Linux Geld verdienen, haben uns letztlich einen großen Gefallen getan und das OS für mehr Leute zugänglich gemacht", meint der Programmierer, der nach wie vor am liebsten am Innenleben von Linux feilt. Außer der Übernahme der Weltherrschaft plant der sanfte Rebell, der zu seinen Vorbildern niemand geringeren als Mahatma Ghandi zählt, für die nächsten Monate weitere große Taten: Zum einen will er Linux auch auf High-End- Computersystemen zu mehr Zuverlässigkeit verhelfen, zum anderen sollen auch die immer beliebteren Handheld-Computer und digitalen Assistenten wie der Palm Top bald nicht mehr ohne Linux laufen müssen.
Datenschutz-Skandal bei Microsoft
Demo zeigt die versteckten Microsoft-ID-Nummern
Aus: Heise News-Ticker 10. März 1999 (nur elektronisch publiziert).Richard M. Smith, der vor wenigen Tagen den Datenschutz-Skandal um die versteckten ID-Nummer von Microsoft- Kunden auslöste, hat jetzt eine Webseite zur Demonstration eingerichtet. Windows-98-Anwender, die mit dem Internet Explorer die Webseite besuchen, bekommen dort angezeigt, unter welchen Nummern sie bei Microsoft registriert worden sind und im Internet identifiziert werden können.
Die Demonstration funktioniert nur, wenn ActiveX und JavaScript nicht abgeschaltet sind (Standardeinstellung). Mit einem Netscape-Browser läuft sie nicht, da dieser keine ActiveX-Controls ausführt. Falls keine Online-Registrierung für Windows 98 stattgefunden hat, wird nur die weltweit eindeutige Nummer für das System (HWID) gezeigt, andernfalls auch die personenbezogene MSID. Falls eine Netzwerkkarte installiert ist, enthält die HWID deren MAC-Adresse in den unteren sechs Stellen. Dies läßt sich mit Winipcfg verifizieren.
Microsofts angebliche Panne, die laut Auskunft aus Redmond durch Software-Updates und Patches behoben werden soll, gefährdet die Privatsphäre der Surfer wesentlich mehr als die stark umstrittene Seriennummer von Intels Pentium III. Im Gegensatz zu dieser sind die Microsoft-IDs offenbar zusammen mit den Personendaten, die bei der Online-Registrierung von Windows 98 angegeben werden müssen, in einer Datenbank erfaßt. Und während Intels ID-Nummer immerhin, wenn auch nicht 100prozentig sicher, deaktiviert werden kann, lassen sich die Microsoft-IDs relativ einfach durch einen ActiveX-Aufruf auslesen. Dies beweist die Demonstration auf der Webseite. "Derselbe JavaScript-Code kann auch per EMail verschickt werden und wird automatisch ausgeführt, wenn jemand eine Nachricht unter Outlook, Outlook Express oder Eudora liest," schreibt Smith dazu in einer E-Mail an c't.
Intel beteiligt sich an Linux-Spezialist SuSE
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 26. November 1999, Seite 42 (Interaktiv).MÜNCHEN. Intel steigt beim Software-Haus SuSE Linux ein. Zusammen mit der Risikokapital-Gesellschaft Apax beteiligt sich Intel mit umgerechnet 23,5 Millionen Mark an dem Spezialisten für das Betriebssystem Linux. Intel hat sich nie auf ein Betriebssystem wie Windows exklusiv festgelegt. Deshalb unterstützen wir auch die Weiterentwicklung von Linux, sagte Torsten Krumm von der Intel GmbH in München. Zuvor hatte sich Intel bereits an der US-amerikanischen Linux-Firma Red Hat beteiligt.
Der finnische Programmierer Linus Torvalds hatte 1991 damit begonnen, ein von Microsoft unabhängiges Computer-Betriebssystem zu entwickeln. Das Linux-Projekt wanderte dann ins Internet und wird inzwischen von zahlreichen Entwicklern in aller Welt vorangetrieben. Die 1992 gegründete SuSE Linux AG hat sich auf den Vertrieb von Linux sowie Dienstleistungen rund um das Betriebssystem spezialisiert. [mehr]
1999 Das Jahr des Internets
Seit Jahresanfang hat sich die Zahl der deutschen Internet-Adressen verfünffacht
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 31. Dezember 1999, Seite 45 (Interaktiv). [Original]BERLIN. Internet-Auktionen, Online-Broker, Web-Fernsehen und MP3 im ausklingenden Jahr gab es kaum etwas, das nicht ins Computernetz gebracht wurde. "Wir sind jetzt im ersten Jahr des Booms", sagte Michaela Merz vom Vorstand der Internet-Registrierungsstelle Denic in Frankfurt am Main, bevor im Oktober erstmals die Zahl von einer Million Internet-Adressen (Domains) mit der Deutschland-Kennung .de erreicht wurde. Inzwischen sind es 1,6 Millionen fünf Mal so viel wie zu Beginn des Jahres. Ein oft gehörter Branchenspruch besagt, dass ein Internet-Jahr nur drei Monate kurz ist. In dieser Zeit passiert in der Computerwelt so viel wie in anderen Branchen in einem ganzen Jahr. Entsprechend schnelllebig war auch 1999.
Januar
- Intel eröffnet mit zwei neuen Celeron-Chips den Prozessor-Reigen 1999. Der Trend zu preiswerteren und zugleich leistungsfähigeren Personalcomputern setzt sich so weiter fort. Die Verbraucher akzeptieren den PC aus dem Supermarkt, was dem Fachhandel das Leben erschwert.
- Als Erweiterung seiner Java-Plattform gibt Sun Microsystems die Jini- Technologie frei, mit der unterschiedliche Geräte ohne Installation von Treibern miteinander verbunden werden können.
Februar
- Mit einem kleinen Programm sorgt Siemens für Aufregung: Der WebWasher blockiert die Darstellung von Werbung auf Web-Seiten.
- Das KDE-Projekt stellt KDE 1.1 vor damit wird diese grafische Oberfläche zunehmend zum Standard für die Nutzung des freien Betriebssystems Linux.
März
- Am ersten Tag der CeBIT bringt Microsoft den Internet-Explorer 5.0 heraus. Damit überrundet der Software-Konzern den Konkurrenten Netscape im "Browser-Krieg".
- Führende Software-Hersteller wie SAP erklären ihre Unterstützung für Linux.
- Die Mobiltelefon-Anbieter stellen auf der CeBIT die neue WAP-Technik vor, die Internet-Inhalte auf das Handy bringen sollen. Ihre Einführung verzögert sich auf Grund technischer Probleme bis Ende des Jahres.
April
- Für Unruhe sorgt der Computervirus "Melissa", der sich in Dateianhängen von E-Mails verschickt und über das Mail-Programm Outlook selbstständig weiterverbreitet.
- Die Deutsche Telekom beginnt mit der Vermarktung des schnellen Internet- Zugangs in der ADSL-Technik.
Mai
- Nach höchstrichterlichem Urteil zur Verwendung der Telefonbuchdaten auf CD-ROM erscheinen die Neuausgaben jetzt auf solider rechtlicher Grundlage: Sowohl die "klickTel 99" als auch die "D-Info 99" beruhen auf Daten, die die Hersteller von der Deutschen Telekom erworben haben.
Juni
- Siemens bringt das PC-Geschäft in ein Joint-venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein. Microsoft bringt Office 2000 in den Handel.
- Hardware-Hersteller suchen emsig nach einem Ersatz für die alte Computerdiskette: Iomega stellt eine kleine und federleichte Diskette mit Platz für 40 Megabytes vor. Das System "Click!" ist vor allem für die Nutzung in Laptops und Handhelds vorgesehen.
Juli
- Beflügelt vom Erfolg des freien Betriebssystems Linux trifft sich in Berlin die Open-Source-Szene zur Konferenz "Wizards of OS".
- Apple stellt auf der New Yorker Fachmesse MacWorld ein neues Notebook vor, das an den Erfolg des Tischrechners iMac anknüpfen soll; das iBook ist das erste Notebook von Apple für Privatanwender.
August
- Unerwartet erfolgreich wird die Börseneinführung des Linux-Unternehmens Red Hat.
- Der kalifornische Chip-Hersteller AMD überrundet im Rennen um den schnellsten PC-Prozessor für ein paar Wochen den Marktführer Intel: Der neue AMD-Prozessor Athlon läuft mit 650 Megahertz.
- Das Marktforschungsinstitut Gartner Group bescheinigt Deutschland und anderen Ländern Fortschritte bei der Umstellung der Computersysteme auf das Jahr 2000.
- Sun Microsystems übernimmt die Hamburger Software-Firma Star Division und will deren Office-Paket für Privatpersonen als kostenlos zu nutzende Web-Software zur Verfügung stellen.
September
- Intel demonstriert erstmals den Praxis-Einsatz seines neuen 64-Bit- Prozessors mit dem Codenamen Merced. Auf dem Intel- Entwicklerforum in Palm Springs wird die Leistungsfähigkeit des für 2000 angekündigten Chips am Beispiel einer Software für 3D-Bilder vorgestellt.
- Wegen Lieferproblemen bei Prozessoren kann Apple nicht mit der großen Nachfrage nach seinen neuen G4-Rechnern Schritt halten.
- Neue Vorstandschefin bei Hewlett-Packard wird Carleton Fiorina, die das Unternehmen mit einer Neuordnung der Geschäftsbereiche für den Wettbewerb mit IBM und Sun Microsystems stärken will.
Oktober
- Das Internet wächst in Deutschland schneller denn je: Die Zahl der registrierten Internet-Adressen (Domains) mit der Endung .de übersteigt erstmals die Schwelle von einer Million.
- Die Berliner Internet-Firma "datango" stellt einen neuen Dienst ins Netz. Mittels so genannter Web-Rides können sich Internet-Anfänger zu spannenden Seiten im Netz führen lassen.
- Für die Freunde von Spielekonsolen beginnt eine neue Zeitrechnung: Mit der 128-bit-Technik der Dreamcast von Sega mit ihrer bestechenden Grafik beginnt eine neue Phase im Wettlauf zwischen Nintendo, Sony und Sega.
November
- Im Kartellverfahren des US-Justizministeriums gegen Microsoft fällt eine Vorentscheidung: Nach Abschluss der Verhandlungen kommt Richter Thomas Penfield Jackson zu dem Schluss, dass der Marktführer für PC-Software alles getan hat, um eine Monopolstellung gegen mögliche Konkurrenten zu verteidigen. Diese Einschränkung des Wettbewerbs habe der technischen Entwicklung und auch dem Verbraucher schweren Schaden zugefügt.
- Ein weiteres Urteil sorgt für Erleichterung in der Providerszene: Der Ex-CompuServe-Manager für Deutschland, Felix Somm, wird in der Berufungsverhandlung vom Vorwurf freigesprochen, er habe in seiner Funktion die Verbreitung von kinderpornographischen Inhalten gefördert.
Dezember
- Mit "The Last Revelation" kommt pünktlich zum Weihnachtsgeschäft der vierte Teil des Lara-Croft-Spiels "Tomb Raider" in den Handel.
- Microsoft und der Mobiltelefonhersteller Ericsson gründen gemeinsam eine Firma, die eine neue Generation von internetfähigen Handys entwickeln soll. Diese "Smart Phones" werden mit einem speziellen Web-Browser von Microsoft ausgestattet.
- Intel treibt die Entwicklung der Prozessorgeschwindigkeit auf 800 Megahertz voran. Das neue Jahr soll den ersten PC-Prozessor mit einem Gigahertz bringen.
Platzt Wintel-Allianz?
Intel-Internet-Endgeräte ohne Microsoft-Betriebssystem
Aus: Yahoo-Finanzen, 5. Januar 2000, 10.57 Uhr (Marktberichte). [Original]SANTA CLARA (vwd). Der Chip-Hersteller Intel Corp, Santa Clara, will an diesem Mittwoch auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas neue Internet-Endgeräte vorstellen, die den Zugang zum Internet ohne PC ermöglichen sollen. Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) am Mittwoch berichtete, werden die neuen Geräte kein Microsoft- Betriebssystem [Ed: auch kein Windows CE] verwenden. Stattdessen soll Linux zum Einsatz kommen, das [nicht nur] als ideales Betriebssystem für Geräte gilt, die lediglich das Surfen im Internet ermöglichen. Nach langjähriger Zusammenarbeit drifteten Intel und Microsoft damit zusehends auseinander, schreibt die Zeitung.
Die neuen Endgeräte sollen in Erscheinung und Gebrauch dem Telefon ähneln, an das sie sich auch anschliessen lassen, so WSJ. Eine Übereinkunft mit Telcordia Technologies Inc, Morristown, soll die Bündelung voon Messaging- Diensten ermöglichen. Intel erwarte, dass einige Kunden die Geräte an Neukunden ihrer Internet- Dienstleistungen kostenlos abgeben. Intel will der Zeitung zufolge an diesem Mittwoch erste Großabnehmer der neuen Endgeräte vorstellen: NEC Corp, Tokio, U.S. West Inc, Denver, und Lafayette Services, der Geschäftsbereich e-Commerce von Galeries Lafayette, Paris.
8.1.2000 (t-off). Natürlich hat das etwas zu bedeuten, wenn Intel bei dieser neue Familie von Consumer- Geräten entgegen allen Erwartungen nicht einmal das so hochgelobte "Windows CE" von Microsoft als Betriebssystem einsetzt. Und es könnte in der Tat der Anfang vom Ende der Wintel- Allianz bedeuten. Als Zielgruppe für die neuen Geräte sieht Intel vor allem Haushalte, in denen bisher kein PC steht. So sind ein Internet- Telefon ebenso wie ein Web-Tablett, auf dem man per Stift navigieren kann, vorgesehen. Als Prozessor ist der günstige Celeron-Chip vorgesehen. Telcordia soll die Telekommunikations-Technolgie der neuen Geräte zur Verfügung stellen. In Partnerschaft mit Lucent entwickelt der Chip-Hersteller zudem ein Unified-Messaging-System. Es soll anzeigen, welche Anrufe zu welchem Zeitpunkt eingegangen sind und somit den Anrufbeantworter ersetzen können.
IBM: Goodbye Microsoft?
Offenen Standards gehört die Zukunft: In den nächsten Jahren sollen alle IBM-Rechner Linux-fähig werden. Verabschiedet sich Big Blue still und leise von Windows und Unix?
Hinweis auf: Spiegel Online 10. Januar 2000, 15.25 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]NEW YORK. IBM will das Betriebssystem Linux zu einem "Herzstück" seiner Hardware-Strategie machen. Das hat Big Blue heute mitgeteilt. Experten sehen darin den bislang größten Schritt eines bedeutenden Computer-Herstellers weg von Unix oder Microsoft und hin zu einem alternativen Betriebssystem.
Sam Palmisano, Chef der IBM Server Group, erklärte, dass zukünftig alle wichtigen Produktlinien des Computer-Riesen Linux- fähig sein sollen. Damit werden vereinzelte Initiativen, die IBM bereits im vergangenen Jahr gestartet hatte, unter einem Dach zusammengeführt. "Wir stehen an der Schwelle zu einer weiteren wichtigen Umwälzung in der Welt der Technologie", so Palmisano in einem Brief an IBM-Chef Louis Gerstner. "Die nächste Generation unserer E-Business- Kunden verlangt offene Standards, die sich leicht auf andere Plattformen übertragen lassen.
Bislang laufen die verschiedenen IBM-Computer, vom Großrechner bis zum Heim-PC, mit zahlreichen unterschiedlichen Betriebssystemen. Linux könnte eine Brücke zwischen all diesen Systemen bilden und die bestehenden Unterschiede abbauen. IBMs Schritt hin zum alternativen Betriebssystem ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Linux auf dem besten Weg ist, zu einem der Betriebssysteme der Zukunft zu werden. Seine wachsende Popularität hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass der Linux-Quellcode anders als bei Microsoft und Sun öffentlich zugänglich ist und ständig verbessert wird.
Auch IBM will sich an dieser Weiterentwicklung beteiligen. Wie Palmisano sagte, wird der Computer-Hersteller eng mit Linux-Entwicklern zusammenarbeiten und den Programmcode für seine Technologie weltweit verfügbar machen. Daneben sollen ein "aggressives Marketing" und hohe Investitionen sicherstellen, dass der Schritt hin zum neuen Betriebssystem kein Reinfall wird. Denn der Sprung auf den im Moment noch langsam fahrenden Linux-Zug ist zwar ein geschickter, aber nicht ungefährlicher Schachzug. Sam Palmisano allerdings ist sich sicher, dass die Entscheidung richtig war. "Die Auswirkungen auf IBM, seine Server und seine Software, werden riesig sein."
Microsoft prosecutors favor plan for breakup
Government lawyers, long divided on how to punish Microsoft for anticompetitive behavior, appear to have reached a consensus approach that would propose a breakup of the software colossus.
Aus: USA Today, 12. Januar 2000, Seite 1A (???). [Original] [Übersetzungs-Service]WASHINGTON. Under the proposal favored by prosecutors, Microsoft would be split into separate companies: one for its Windows operating system, which runs 90 % of PCs, and another for software such as word processing, people familiar with the matter said Tuesday.
The government's approach would be offered during negotiations with Microsoft that are under way in Chicago. Microsoft, which has said it is open to a settlement, probably would resist any breakup. Microsoft spokesman Mark Murray said a breakup ''would do great harm to the industry.''
Prosecutors have charged that the company has used its operating system monopoly to bully PC makers into favoring its other software, particularly its Internet browser. Creating separate companies for the different products would eliminate that incentive, lawyers say.
It was not clear whether the government would ask that Microsoft's Internet sites form a third company or be folded into one of the two.
Also uncertain was whether prosecutors would insist that Microsoft strip its Internet browser from Windows. At the heart of the antitrust action was a government claim that the browser's inclusion in Windows crippled the rival browser of Netscape, which since has been acquired by America Online. Microsoft said bundling the browser with Windows helped consumers.
In a finding-of-facts in November, Judge Thomas Penfield Jackson backed trustbusters' claims, saying Microsoft stifled innovation and harmed rivals. A final ruling on whether the company broke antitrust laws is due next month. Jackson also named appeals court Judge Richard Posner to mediate settlement talks. Neither side has commented on the talks.
Jackson had expressed concern that the Justice Department and 19 states were divided on penalties. Proposals included breakups along product lines or by creating clones; forcing Microsoft to let other companies sell Windows; and restrictions on the firm's conduct.
Experts say that forming clones would confuse customers and hurt Microsoft's stock. A split by products could boost the stock, but some prosecutors opposed that option because it would leave the Windows monopoly intact.
Über 1 Milliarde Webseiten
Aus: Heise News-Ticker 21. Januar 2000 (nur elektronisch publiziert). [Original](hb/iX). Nach Informationen von Inktomi umfasst das World Wide Web mittlerweile über eine Milliarde Dokumente. Zu den weiteren Ergebnissen der mit dem NEC Research Institute erarbeiteten Studie gehört, dass fast sechseinhalb Millionen Server existieren, davon aber immerhin über 700.000 nicht erreichbar sind. Außerdem: Apache dominiert den Server-Markt mit gut 60 % gegenüber Microsofts IIS mit über 25 %. Die meisten Domains enden mit ".com": 54,68 %.
WINDOWS 2000: Mehrere zehntausend Fehler
Windows 2000 wird wohl alles andere als problem- und fehlerlos laufen. Ein internes Microsoft-Memo spricht von über 63.000 bekannten Problemen im Quellcode.
Hinweis auf: Spiegel Online 14. Februar 2000, 17.58 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]REDMOND. Am 17. Februar soll es nach langem Warten und vielen Verzögerungen so weit sein: Microsoft geht mit seinem neuen Betriebssystem Windows 2000 offiziell an den Start. Für die Entwickler des Softwarepakets dürfte der Verkaufsstart jedoch alles andere als ein Grund zum Jubeln sein.
Denn im Quellcode der aktuellen Windows-2000-Version befinden sich, wie ZDNet meldet, "zehntausende von Bugs". Der Internet-Dienst beruft sich dabei auf ein internes Microsoft-Papier, das jetzt an die Öffentlichkeit gekommen sein soll. "Unsere Kunden wollen kein Produkt mit mehr als 63.000 bekannten Problemen. Sie wollen, dass diese Fehler korrigiert werden", schreibt Windows-Entwicklungschef Marc Lucovsky an seine Programmierer. "Wie viele von Ihnen würden 500 Dollar für ein Stück Software ausgeben, das 63.000 mögliche Fehler aufweist?"
Laut ZDNet listet das Microsoft-Memo unterschiedliche Arten von Problemen auf. Demnach enthält der Windows-2000-Quellcode
- mehr als 21.000 erst einmal "zurückgestellte" Bugs, die später behoben werden sollen. Darunter sollen eine ganze Reihe "ernster Probleme" sein.
- mehr als 27.000 "BugBug-Kommentare": Darunter versteht Microsoft offensichtlich Hinweise an Programmierer, dass bestimmte Eigenschaften der Software besser oder effizienter werden sollen. Auch deuten solche Kommentare laut Microsoft auf "unfertige Arbeit" und "verdrängte Probleme" hin.
- im ganzen mehr als 65.000 "mögliche Stellen", aus denen sich Probleme ergeben könnten. Microsoft schätzt, dass es in 28.000 Fällen tatsächlich zu Fehlern kommen könnte.
"In der nächsten Version von Windows 2000 dürfen keine Bugs mehr enthalten sein", schreibt Lucovsky an seine Programmierer. "Das ist nur möglich, wenn Sie sich persönlich dafür einsetzen, dass alle Fehler auch behoben werden."
Eine Microsoft-Sprecherin versucht gegenüber ZDNet zu beruhigen: "Jede Software hat Fehler. Das gehört zu einem Programm einfach dazu." In der Geschichte von Microsoft sei kein anderes Programm so ausführlich getestet worden wie Windows 2000 sowohl intern als auch extern.
Die Software für ein neues Jahrtausend? Windows 2000 soll, so ein Microsoft-Memo, "63.000 bekannte Fehlerquellen" enthalten. Rund 750.000 Software-Tester hätten, so die Sprecherin, jede Beta-Version des neuen Betriebssystems unter die Lupe genommen. Hunderte von Firmen hätten Microsoft die "hohe Qualität und Zuverlässigkeit" der Software bescheinigt. Und ebenso viele Unternehmen setzten das Betriebssystem bereits im Alltag ein.
Ein Software-Entwickler bestätigt dies: "Dass Microsoft so viele Bugs entdeckt hat, macht für mich lediglich deutlich, wie aufwendig und genau die Software getestet wurde", sagte ein Programmierer gegenüber ZDNet. Auch andere Programme hätten mit zahlreichen Fehlern zu kämpfen, nur würden die Softwarefirmen darüber meist nicht reden.
Beratungsfirmen sehen das offensichtlich anders. So hat am Wochenende die Gartner Group erneut vor dem Einsatz von Windows 2000 gewarnt: Bei einem Viertel aller Anwender soll das Betriebssystem Probleme auslösen.
Vor allem die Kompatibilität mit älteren Anwendungen sei in vielen Fällen nicht gewährleistet. Statt sofort am 17. Februar die neue Software zu kaufen, sollten Kunden besser einige Monate warten, bis eine verbesserte und stabilere Version oder zumindest die ersten Service Packs auf dem Markt seien.
Bundesregierung erwägt Linux-Einführung
Aus: Yahoo-News, 16. März 2000, 00.01 Uhr (HighTech). [Original]BERLIN (ZDNet Deutschland). Die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik (KBSt) hat in einem Brief an die Regierung zum Einsatz von Open Source Software in der Bundesverwaltung geraten [Ed: KBSt-Brief 2/2000 mit dem Titel "Open Source Software in der Bundesverwaltung"].
Die öffentliche Verwaltung stehe derzeit vor der Aufgabe der Ablösung von alten Systemen. Die KBSt schlug vor, künftig Open Source Software, speziell das Betriebssystem Linux, einzusetzen. Im Server-Bereich täten dies bereits mehrere Behörden.
Gerade im Bereich der Sicherheit seien Open Source-Systeme nicht zu schlagen, heißt es in dem Brief an die Regierung. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) habe bereits mit konkreten Projekten begonnen, die "die Entwicklung eines gesicherten PC und dessen sichere An- und Einbindung in Netze" zum Ziel haben.
Die KBSt fordert den Einsatz von Linux auch auf den Clients, sprich den PCs der Angestellten. Die Entwicklung von grafischen Oberflächen im Linux-Umfeld habe "mit kommerziellen Produkten gleichgezogen". Zudem seien kostenlose Programme wie Star Office von Sun genauso gut wie die teuren Konkurrenzprodukte. Auch an Auswahl mangele es nicht: Die Behörde nennt die Firmen Corel, Oracle, Informix und SAP, die ihre wichtigsten Programme bereits für Linux ausgelegt haben.
Die momentane Situation könne zudem aufgrund ihres proprietären Charakters nicht mehr weitererhalten werden: "Zum Einsatz der jeweils aktuellen Softwarepakete ist meist neue Hardware erforderlich, da die vorhandene Hardware den Leistungsanforderungen der neuen Software nicht gerecht wird. Die aus dieser Abhängigkeit herrührenden Nachteile sind vielfältig. Die Produkte sind oft teuer und von häufigem Release-Wechsel gekennzeichnet. Schriftstücke werden meist in proprietärem Format gespeichert, Schriftstücke neuerer Versionen können von älteren Programmversionen nicht befriedigend verarbeitet werden."
Als weiteres Manko der vorhandenen (Microsoft-)Systeme und der kommerziellen Office-Pakete wird darüber hinaus angeführt, dass der Programmcode nicht eingesehen werden könne. Während der 57. Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder hätten diese deshalb den Anwendern empfohlen, "nur solche Produkte einzusetzen, welche auch eine Transparenz der Verfahrensabläufe gewährleisten".
In letzter Zeit hat sowohl die französische Regierung als auch die EU-Kommission die Nichtverfügbarkeit des Source Codes kommerzieller Produkte kritisiert und für den Einsatz offener Quellen plädiert.
Als Fazit zieht die KBSt: "Mit Linux oder FreeBSD als Betriebssystem und ergänzender Open Source Software und kommerzieller Software auf OSS- Betriebssystemen steht ein stabiles, preiswertes, ressourcenschonendes, sichereres und von ausreichend vielen Beratungsfirmen unterstütztes Rechnersystem auch für die professionelle Büroumgebung zur Verfügung. Dies gilt sowohl für den Client- als auch für den Serverbereich. Insbesondere durch die grosse Resonanz im Umfeld der IT-Industrie bietet Linux heutzutage einen guten Investitionsschutz." (...)
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