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BSI-Kryptoprozessor PLUTO fertiggestellt
Aus: Heise News-Ticker 15. Juni 2001, 17.42 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]HANNOVER (wst/c't). Die Entwicklung des Hochleistungs- Kryptoprozessors PLUTO ist abgeschlossen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bestätigte gegenüber Heise-online einen entsprechenden Bericht des Internet- Newsdienstes de.internet.com. Allerdings zeigte sich BSI-Sprecher Michael Dickopf verblüfft darüber, wie die Information an die Öffentlichkeit gelangt sei. Das BSI hat den Chip in Zusammenarbeit mit Infineon (Siemens) entwickelt.
Der Chip, der in der Vergangenheit heftige Spekulationen ausgelöst hatte, soll nach Angaben des BSI ausschließlich bei vertraulicher oder geheimer Behördenkommunikation sowie im Bereich "geheimschutz- betreuter Industrie" beispielsweise bei der Kommunikation zwischen Rüstungsunternehmen und dem Verteidigungsministerium eingesetzt werden. Kritiker hatten befürchtet, dass in Pluto eine Art "Behörden- Hintertür" eingebaut werden sollte BSI- Sprecher Dickopf wies diese Behauptung noch einmal energisch zurück.
[18.02.1998: Kryptographie: Der Höllenfürst kennt keinen Herrn]
[19.03.1998: Kein Chip mit "Hintertürchen" von Siemens]
N E U E I B M - S T R A T E G I EFusion zweier Verlierer
Mit dem Kauf von Compaq will Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina den Computer-Riesen IBM angreifen. Es ist ihre letzte Chance und die Aussichten auf Erfolg sind gering.
Hinweis auf: Der Spiegel 37/2001, 10. September 2001, Seite 8485 (Wirtschaft) von MICHAELA SCHIEßL. [Original]Den Sprung in die Hightech-Zukunft begann Carly Fiorina dort, wo ihn keiner vermutete: im Mittelalter. "Héloise Merger" taufte die Hewlett-Packard- Chefin die Firma, unter deren Deckmantel seit Monaten streng geheim die Megafusion mit dem Computerhersteller Compaq vorbereitet wurde. Den Namen entlieh sie der heimlichen Geliebten und späteren Frau des mittelalterlichen französischen Philosophen Peter Abélard.
Vielleicht hätte die studierte Philosophin Fiorina mehr auf das Ende dieser Liebesgeschichte achten sollen. Denn als die Beziehung aufflog, wurde Abélard kastriert, die Liebenden getrennt.
Auf eine Tragödie könnte auch der Zusammenschluss der beiden Hightech- Firmen zulaufen. Kaum hatten Fiorina und Compaq- Chef Michael Capellas am vergangenen Dienstag in New York zu den Klängen von Stings "Brand New Day" die Verbandelung ihrer Unternehmen zum größten Computerhersteller der Welt verkündet, begann der Absturz. Die HP-Aktie sank noch am gleichen Tag um fast 19 %, die Compaq- Aktie um gut 10 %. Bis Ende der Woche verlor der geplante Aktientausch- Handel dadurch über 5 Milliarden Dollar und ließ den Wert der Transaktion auf unter 20 Milliarden Dollar sinken.
Hektisch begaben sich die beiden Topmanager auf Überzeugungstournee zu Bankhäusern und Fondsmanagern. "Unsere Firmen fügen sich zusammen wie ein Reißverschluss", beteuerte Fiorina.
Doch Analysten und Investoren reagierten so ungnädig, als hätten sich empfindliche Hautfetzen in die Reißverschlusszähnchen verklemmt. Pures Misstrauen schlug Fiorinas Kampfansage entgegen, Hewlett-Packard durch den Zukauf zum Herausforderer von Marktführer IBM zu machen. Sicher: Zwar liegt der addierte Umsatz von HP (48,8 Milliarden Dollar) und Compaq (42,4 Milliarden) über dem von Big-Blue (88,4 Milliarden). Doch die Fusion, so die Befürchtungen, ergibt weitaus weniger als die Summe der Einzelfirmen.
"Bei diesem Deal wird aus eins plus eins eineinhalb", glaubt Todd Kort, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Gartner Dataquest. "Das Einzige, was entsteht, ist eine größere Firma, die nicht sehr überzeugend positioniert ist", klagt Steve Salopek von der Banc One Corporation, der 8,5 Millionen Anteile von HP gehören. Am deutlichsten wurde Bob Djurdjevic von der Beratungsfirma Annex Research: "Aus zwei Verlierern wird kein Gewinner. Eine neue Strategie ist nicht zu erkennen."
Die Skepsis gegenüber dem neuen Giganten, der nur noch den Namen Hewlett-Packard tragen wird, nährt sich aus zwei Quellen: der Ähnlichkeit der beiden Fusionspartner und der Krise, in der sich die PC-Geschäfte befinden. Fiorina, die das neue Unternehmen leiten wird, hebt die Synergie- Effekte hervor. 15.000 Entlassungen seien geplant, bis Mitte 2004 sollen 2,5 Milliarden Dollar eingespart werden.
Der neugeborene Gigant mit 145.000 Mitarbeitern in 164 Ländern würde zur Nummer eins bei Druckern, PCs und bei Servertypen. HP würde eine Weltmacht, von Druckerpatronen über Organizer bis hin zu Bankencomputern und Firmendatenbanken. Den Hauptwert des Mergers sieht Fiorina jedoch in dem von Compaq bereitgestellten Servicebereich. Denn in der Lieferung, Installierung und Beratung komplexer und kundenangepasster Computersysteme für Firmen liegt die lukrative Zukunft der Branche und da führt IBM mit weitem Abstand.
Im vorigen Jahr schon startete HP den ersten Vorstoß in diese Richtung. Für 18 Milliarden Dollar sollte die Consultingsparte von PricewaterhouseCoopers gekauft werden, doch die Übernahme scheiterte am sinkenden Aktienpreis von HP.
Hewlett-Packard kauft Compaq
Aus: Heise-Newsticker, 4.9.2001.NEW YORK (cp/c't). US- Computerkonzern Hewlett- Packard will den ehemaligen PC- Weltmarktführer Compaq für 25 Milliarden US- Dollar übernehmen. Durch die Fusion entsteht ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 87 Milliarden US- Dollar, annähernd so groß wie der weltgrößte Computerkonzern IBM. Im PC- Markt liegt Compaq zurzeit nach Stückzahlen knapp hinter Dell auf dem zweiten Rang, während HP mit einigem Abstand den drittgrößten Weltmarktanteil hat. Das neue Unternehmen läge mit rund 19 % Marktanteil vor Dell (13 %). An der Spitze des neuen Konzerns mit Firmen- sitz in Palo Alto, Kalifornien, soll die jetzige HP- Chefin Carly Fiorina stehen, während Compaq- CEO Michael D. Capellas Präsident werden soll. Das Unternehmen würde nach derzeitigem Stand über 145.000 Mitarbeiter beschäftigen. Nach Ansicht von Beobachtern ist aber mit Entlassungen zu rechnen. HP erwartet nach der Fusion Kosteneinsparungen durch Synergie- Effekte in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar jährlich.
Das Geschäft, dem die Aufsichtsräte beider Unternehmen einstimmig zugestimmt haben, soll über einen Aktientausch abgewickelt werden. Die Compaq- Aktionäre sollen 0,6325 neu ausgegebene HP- Anteile je Aktie erhalten. Sie wären demnach an dem neuen Unternehmen zu 36 % beteiligt, während HP-Aktionäre 64 % halten. Die Fusion soll nach Angaben der Unternehmen im ersten Halbjahr 2002 wirksam werden.
Der zweite Versuch muss klappen, denn Fiorina, die 1999 als Retterin des Traditionsunternehmens von Lucent Technologies abgeworben wurde, steht unter Druck. Nach anfänglichen Erfolgen beim Umbau der Silicon-Valley- Legende musste sie in diesem Jahr sechsmal Gewinnwarnungen aussprechen und Ergebnisse nach unten korrigieren. Als die Firma Ende 2000 die Profitziele nicht erreichte, gab sie ihren Halbjahresbonus zurück. Der Wirtschaftseinbruch hatte vor allem HPs einträgliches Drucker- und Patronengeschäft gedämpft, gleichzeitig liefen die Kosten für Personal- und Verkaufskommissionen davon.
Der Computerbauer Compaq seinerseits, dessen Chef Capellas Präsident der neuen Firma werden wird, liefert sich mit dem günstigeren Direktanbieter Dell Computers seit Jahren eine mörderische Preisschlacht anders als IBM, die bei fallenden Gewinnen ganz aus dem Einzelhandelsgeschäft ausgestiegen war. Im vergangenen Quartal verlor Compaq geschätzte 155 Millionen Dollar mit seinen PC-Verkäufen, Hewlett-Packard rund 150 Millionen Dollar. Compaqs PC-Geschäft macht den Kritikern der Firmenhochzeit die meisten Sorgen. Denn die PC-Revolution scheint vorbei.
Erstmals seit 15 Jahren sanken die Verkaufszahlen. Die Sättigungsgrenze ist vorerst erreicht: 66 % der US-Haushalte und etwa 50 % der westeuropäischen und japanischen haben einen PC daheim. Und die sind so schnell und leistungsfähig geworden, dass sie vom Durchschnittskunden nicht mehr wie früher alle zwei Jahre ersetzt werden schon gar nicht inmitten eines Wirtschaftsabschwungs.
Fest steht: Wird die Fusion von den Aktionären und den amerikanischen sowie den europäischen Kartellbehörden genehmigt, ist der Computermarkt wieder um eine Marke ärmer. Der Namenszug Compaq wird aus den Verkaufsregalen verschwinden, für die Kunden schrumpft die Auswahl. Cisco- Chef John Chambers sieht darin den Beginn einer notwendigen Konsolidierung der Branche, er erwartet weitere Zusammenschlüsse und Übernahmen.
IBM wird zweifellos das Hauptziel des HP-Angriffs sein. Doch der Marktführer, der sich vor allem auf Großkunden konzentriert, hat dem Herausforderer etwas Entscheidendes voraus: Er bietet seinen Kunden für alle Großrechner das Betriebssystem Unix an. Hewlett- Packard dagegen muss sich auf absehbare Zeit noch mit verschiedenen Systemen von Compaq und deren früheren Akquisitionen Tandem und Digital Equipment arrangieren.
Für Dell, bisher die Nummer vier der Branche, könnte der Zusammenschluss der Nummern zwei und drei sogar von Nutzen sein. Denn während der neue Konkurrent seine schwächelnden PC-Bereiche noch sanieren und koordinieren muss, konnte Billiganbieter Dell längst auf den Wirtschaftsabschwung reagieren.
Die Firma zog sich aus dem Internet- Bereich zurück und trimmte ihre Produktion noch stärker auf Kosteneinsparung. Zudem hofft der wie Compaq in Houston (Texas) ansässige Computerbauer, dass versiertes Personal von Compaq zu ihm abwandert.
Und HP-Rivale Sun Microsystems gibt sich betont gelassen. "Wir wissen, wie schwer solche Zukäufe sind. Sagen Sie mir einen erfolgreichen in der PC-Industrie es gibt keinen", tönt Marketingchef John Loiacano. "Als Compaq DEC erstand, hieß es schon, da sei ein Schwein in der Schlange. Nun hat die Schlange ein Stachelschwein geschluckt."
Linux für Großrechner
IBM goes Linux: Der amerikanische Rechner-Riese stellt seine ersten Mainframe-Computer vor, die ausschließlich für das Open-Source-Betriebssystem konzipiert wurden.
Hinweis auf: Spiegel Online 26. Januar 2002, 12.07 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]NEW YORK. Die beiden neuen Maschinen, die "iSeries" für kleinere und die "zSeries" für großformatige Anwendungen, sollen die Server von Konkurrenten wie Dell und Sun aus dem Feld schlagen. IBM betritt damit nach eigenen Angaben technisches Neuland, da erstmals eine neue Mainframe- Technologie vollständig auf Linux ausgerichtet worden sei.
Die großen IBM-Multiprozessor- Mainframes standen vor allem in den sechziger und siebziger Jahren in den Kellern vieler Unternehmen, wurden dann aber von billigeren PCs und Servern verdrängt. Nun ist IBM der Meinung, dass die Großrechner wieder im Kommen sind: Immer mehr Unternehmen hielten es schlicht für zu teuer, Dutzende oder gar Hunderte Server zusammenzuschalten, um ihren Rechenbedarf zu decken.
Laut IBM kann ein "iSeries"-Mainframe bis zu 15, das "zSeries"-Modell gar Hunderte normaler Server ersetzen. "Linux wird immer wichtiger in Mainframe- Bereich", sagt IBM- Marketingexperte Peter McCaffrey. "Viele IT-Unternehmen wollen ihre Kosten reduzieren, indem sie die Dell-Intel- und Sun-Unix- Server abschaffen." Zudem sollen die neuen Modelle auch ohne Kenntnisse in traditionellen Mainframe- Betriebssystemen wie z/OS bedienbar sein.
IBM hatte Linux schon zuvor als alternative Plattform für seine Mainframes im Angebot. Nach Angaben des Unternehmens wurden 11 % der im vergangenen Quartal verkauften Rechenkapazität ausschließlich für Linux ausgeliefert.
G E S C H R U M P F T E S C H A L T E RPeter Sloterdijk: Computernutzer werden zu Sklaventreibern
Die moderne Konsum- und Neidgesellschaft steuert geradewegs auf eine neue Art der Sklaverei zu, meint Peter Sloterdijk. Der Philosoph prophezeit eine "Zivilisation der neuen Grausamkeit", in der Computer die Sklaven und ihre Nutzer die Sklaventreiber sind.
Hinweis auf: Spiegel Online 16. Mai 2002, 16.35 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]HAMBURG. "Kommunikation ist Sklavenarbeit", sagte Peter Sloterdijk, der erst vor kurzem vor einer Gefährdung der Demokratie durch das Internet gewarnt hatte, beim siebten Deutschen Trendtag. Die Computer würden zu Sklaven, die den Menschen ihre Arbeit abnehmen. Macht würde immer stärker nur noch von denjenigen ausgeübt, die die elektronischen Kanäle kontrollierten. Die einzelnen Menschen jedoch, so Sloterdijk, zögen sich weiter in ihre sozialen Nischen zurück und ließen sich durch die Medien wie die alten Römer von "Brot und Spielen" unterhalten. Die moderne Gesellschaft sei auf dem Weg zurück in die Antike, zu einer "Zivilisation der neuen Grausamkeit".
"Moderne Gesellschaften sind große Neidkraftwerke", sagte der Philosoph. Die Menschen müssten ständig konsumieren. Der gegenseitige Neid und das verheißungsvolle Glitzern der Waren stachele sie zu immer weiteren Käufen an. Diesen Zustand nannte Sloterdijk die "Kultur des täglichen Ausnahmezustands". Der von Soziologen geprägte, eher freundliche Begriff der "Erlebnisgesellschaft" würde hier nicht mehr greifen, meinte Sloterdijk. Er sprach von einer "medial inszenierten Konsumpanik".
Diesen Trend hätten nicht einmal Reformkräfte wie die Grünen abzuschalten versucht. Nur die ständige Vergrößerung des Warenangebots könne die dauernde Konsumgier befriedigen und so "die Brennstäbe des Neids vor dem Durchbrennen" schützen. Souverän bliebe nur, so Sloterdijk, "wer sich von der Sklaverei freimacht".
Andere Wissenschaftler, die auf Einladung des Hamburger Beratungsunternehmens Trendbüro unter dem Motto "Sofortvertrauen: Die neue Moral der Netzwerkkinder" in Hamburg diskutierten, zeichneten optimistischere Zukunftsbilder. Der Essener Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz setzte zum Beispiel auf eine neu aufkeimende Moral, die er allerdings ausschließlich ökonomisch und mathematisch begründete. "Netzwerkkinder" könnten, so Bolz, in fast anonymen Internet- Gemeinschaften "gelassen miteinander kooperieren". Mathematischen Grundsätzen zufolge würde dabei aber jeder versuchen, den größtmöglichen Nutzen für sich herauszuholen.
Eine Renaissance einer Siebziger-Jahre- "Love, Peace And Happiness"- Bewegung würde es aber nicht geben, sagte Bolz. Liebe und menschliche Nähe dürften nicht zur Voraussetzung ethischer Standards werden. Wichtiger sei die "Stärke der Informationsverarbeitung", so Bolz: "Die ideale Betriebstemperatur der Gesellschaft ist nahe am Kältepol."
[18.04.2002: Peter Sloterdijk: Massenmedien gefährden die Demokratie]
Forscher basteln molekulare Transistoren
Bei der Entwicklung immer kleinerer elektronischer Schaltelemente haben Wissenschaftler die letzte Grenze erreicht: Ihr molekularer Transistor lässt Strom durch ein einziges Metallatom fließen.
Hinweis auf: Spiegel Online 13. Juni 2002, ??.?? Uhr (nur elektronisch publiziert) von MARTINA SADLER. [Original]Der Transistor, Grundbaustein aller elektronischen Schaltkreise, hat in den vergangenen Jahrzehnten immer winzigere Ausmaße angenommen. Mit neuen Verfahren versuchen Wissenschaftler fieberhaft, die physikalischen Grenzen der konventionellen Siliziumtechnik zu überwinden: So wurden zum Beispiel bereits Nanoröhrchen aus Kohlenstoff zu winzigen Schaltungen zusammengebaut.
Zwei Forschergruppen ist es jetzt gelungen, Transistoren aus einem einzigen Molekül herzustellen. Eines der Teams ließ dabei den Strom durch ein einzelnes Metallatom fließen und erreichte damit die Grenze des physikalisch Machbaren. Ihre Ergebnisse präsentieren die Wissenschaftler von der Cornell University und der Harvard University in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature.
Das Team um Paul McEuen und Daniel Ralph von der Cornell University beförderte ein Kobaltatom in ein speziell konstruiertes Molekül und bugsierte dieses zwischen zwei Elektroden aus Gold. Wurde Spannung angelegt, hüpften die Elektronen von einem Draht über das Kobaltatom zum Draht gegenüber. Den "virtuellen Tanz der Elektronen" nennt McEuen dieses Phänomen.
In dem winzigen Transistor ist das Atom in einer Hülle aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen gefangen und wird von molekularen Klammern aus Pyridin, einem mit Benzol verwandten Stoff, an seinem Platz gehalten. An beiden Seiten des Käfigs hängen Schwefelatome, mit denen das Molekül an den Goldelektroden kleben bleibt. Ein ähnliches Verfahren wandte auch die zweite Forschergruppe um Hongkun Park von der Harvard University an, allerdings nicht mit einem einzelnen Kobalt-, sondern zwei Vanadium- Atomen.
Die schwierigste Aufgabe war für die Wissenschaftler, das Transistor- Molekül zwischen den Enden der Goldelektroden zu platzieren. Die konventionelle Lithographie erreicht bestenfalls eine Auflösung von zehn Nanometern. Die Enden der Elektroden aber durften nur etwa einen Nanometer, also ein Millionstel Millimeter, auseinander liegen.
Beide Forscherteams bedienten sich deshalb einer Technik namens Elektromigration. Dabei wird durch den Golddraht eine immer stärkere Spannung gejagt, bis er schließlich bricht. In diesem Moment wird das Molekül von dem starken elektrischen Feld in die Lücke gesaugt und von seinen Schwefel-Klebekrallen zwischen den Drahtenden festgehalten. Fertig ist der Transistor: Der Stromfluss, fanden die Forscherteams heraus, kann nun durch die Veränderung der Spannung in der Nähe des Moleküls ein- und ausgeschaltet werden.
Dennoch, räumt McEuen ein, besitzt das molekulare Konstrukt noch nicht alle Funktionen eines Siliziumtransistors. Bisher fehlt ihm etwa die Fähigkeit, elektrische Signale zu verstärken. Allerdings kann der Nanotransistor nach Meinung des Physikers als chemischer Sensor eingesetzt werden, da Veränderungen in seiner Umgebung zu messbaren Abweichungen in seiner Leitfähigkeit führen.
Das nächste Ziel der Cornell- Wissenschaftler ist die Konstruktion eines Moleküls, das als Schalter dient, indem es bei unterschiedlichen Spannungen seine äußere Form verändert. "Noch ist es niemandem gelungen, ein einzelnes Molekül in einem Schaltkreis unterzubringen und es elektronisch zu aktivieren", sagt McEuen. Doch dem Ziel des winzigen Schaltkreises von molekularer Größe sei man einen großen Schritt näher gekommen.
[19.06.2001: Interview zum Quantencomputer: "Wir basteln am ersten Transistor"]
[29.08.2001: Molekül-Baustein: Der kleinste Schaltkreis der Welt]
[09.11.2001: Nanocomputer: Moleküle lernen die Logik]
[01.01.2002: Top Ten der Forschung: Die Zukunft ist winzig]
M I C R O S O F TMacs auf Dauer günstiger als Windows-PCs
Aus: Heise News-Ticker 13. Juni 2002, 17.27 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]HANNOVER (jes/c't). Nach einer Studie der US-amerikanischen Unternehmensberatung Gartner verursachen Apple-Rechner weniger Gesamtkosten pro Jahr als PCs. Gartner untersuchte den Fachbereich Kunst an der australischen Melbourne University mit knapp 4.676 Macs und 5.338 Windows-PCs.
Die "Total Cost of Ownerchip" belief sich nach Aussagen der Marktforscher auf 1.114 US-Dollar für Apple- Rechner pro Jahr, während Windows-Computer im gleichen Zeitraum mit 1.438 Dollar rund 36 % mehr kosteten. Mit eingerechnet wurden neben dem Kaufpreis für Hard- und Software auch der Support- Aufwand inklusive der Ausfallzeiten, Schulungen der Nutzer und die Lebensdauer. Überraschenderweise waren die Macs gerade in den ersten beiden Disziplinen den PCs überlegen [Ed: was Computer- Experten mit Durchblick eigentlich kaum verwundert].
W O R L D W A T C H - S T U D I EDie Macht zerrinnt
Ärger für Microsoft: Internet-Software gefährdet die Dominanz des US-Konzerns.
Aus: DIE ZEIT Nr. 25/2002, 20. Juni 2002, Seite ?? (Wirtschaft) von LUDWIG SIEGELE. [Original]Fünf Jahre schon dauert das Kartellverfahren der US-Regierung gegen den mächtigen Softwarekonzern Microsoft. Vieles spricht dafür, dass Richterin Collen Kollar- Kotelly noch im Sommer ein Urteil spricht und Microsoft weitgehend ungeschoren davonkommt. Für Bill Gates' Unternehmen, dessen Programme weltweit rund 90 % aller Computer steuern, wird mit der Entscheidung trotzdem nicht die große Freiheit beginnen.
Eine technische Zeitenwende gefährdet die Machtbasis des Monopolisten. Die Computerindustrie steht am Anfang einer tief gehenden Veränderung, vergleichbar mit jener am Anfang der achtziger Jahre. Damals machten Personalcomputer Hardware zur Massenware. Die Musik spielte fortan in der Softwarebranche. Darüber stolperte beispielsweise der damalige Marktführer IBM. Er unterschätzte die neue Konkurrenz und ihre Kleinrechner und steckte am Ende mit mehr als 8 Milliarden Dollar in den roten Zahlen. Jetzt deutet vieles darauf hin, dass sich die Geschichte wiederholt. In den nächsten Jahren werden Online- Dienste aller Art ins Zentrum des High-Tech- Geschehens rücken. Microsoft läuft Gefahr, dass sein Programm Windows langsam, aber sicher seine zentrale Rolle in der Softwarewelt verliert.
Dabei hätte alles so gut werden können für Microsoft. Wenn es nach dem amerikanischen Justizministerium ginge, stünde das Unternehmen schon lange nicht mehr vor dem Kadi. Denn das Ministerium hatte Microsoft bereits vor Monaten einen schmeichelhaften Vergleich angeboten. Charles James, Washingtons oberster Kartellwächter, begnügte sich darin im Wesentlichen mit Verhaltensmaßregeln, die zudem noch mit Ausnahmen gespickt sind. Microsoft darf etwa PC-Herstellern nicht mehr damit drohen, ihnen die Nutzungslizenz für Windows vorzuenthalten, wenn sie Programme der Konkurrenz installieren. Aber sonst behält die Firma absolute Souveränität über Windows und kann neue Software nach Gutdünken in das Betriebssystem integrieren.
Im Prinzip könnte sich Microsoft damit wieder genauso verhalten wie in dem Fall, der dem Unternehmen das Kartellverfahren einbrachte: Es verquickte Windows und Internet Explorer, um den Web- Browser seines damaligen Konkurrenten Netscape aus dem Markt zu drücken.
Wird Windows zum Baukasten?
Deswegen weigerten sich 9 amerikanische Bundesstaaten, den Vergleich zu unterschreiben. Sie berufen sich dabei auf eine gerichtliche Feststellung aus dem vergangenen Sommer: Microsoft habe mehrmals sein Monopol missbraucht, um Netscape und anderen Konkurrenten wie Sun Microsystems das Leben schwer zu machen. Geht es nach den Kartellwächtern der Bundesstaaten, soll das Unternehmen künftig gezwungen sein, eine Billigversion von Windows anzubieten ohne Browser und andere Internet- Software, etwa für E-Mail oder Musikdateien. Das würde den Wettbewerb ankurbeln, argumentieren sie. Computerhersteller wären dann eher geneigt, auch Programme anderer Firmen auf ihren Rechnern zu installieren.Ihre Kollegen in Brüssel denken in die gleiche Richtung. Sie wollen Microsoft vorschreiben, seine Videosoftware Media Player genannt und Windows in Zukunft getrennt anzubieten. Dieses Vorhaben könnte einen weiteren transatlantischen Antitrustkonflikt auslösen. Charles James warnte seine europäischen Kollegen bereits, dass ihre Überlegungen in den USA auf wenig Begeisterung stoßen.
Kein Wunder, dass Microsoft gegen die Idee Sturm läuft, aus Windows einen Softwarebausatz zu machen, den PC-Hersteller nach Belieben auseinander nehmen können. Bill Gates stieg deswegen in Washington im April zum ersten Mal persönlich in den Zeugenstand und beschwor eine digitale Apokalypse: Verbraucher könnten dann nicht mehr sicher sein, dass Programme auf ihrem PC laufen. Wahrscheinlich müsse Microsoft das Programm Windows sogar vom Markt nehmen.
Die Horrorszenarien sind reichlich übertrieben und dienen vor allem dazu, die Richterin zu verängstigen. Aber Regeln würden es Microsoft sicherlich schwerer machen, mit der großen Herausforderung fertig zu werden. Das Internet lässt Software ihren Aggregatzustand verändern. Verbraucher installieren derzeit neue Programme noch meist direkt auf ihrem PC. Doch zunehmend stecken diese auch in Netzcomputern, so genannten Servern, in die sich Nutzer mit ihrem Web- Browser einklinken können etwa, wenn sie ihre elektronische Post bei Diensten wie Hotmail abrufen. Der nächste Schritt ist, dass diese Netzprogramme ihre Dienste in einer Form anbieten, die von anderen Programmen verstanden wird. Sie werden damit zu web services, auf Deutsch zu Netz- oder Web- Diensten.
Ein Musterbeispiel für solche Web-Dienste ist Google, die beliebte Suchmaschine fürs Netz. Seit kurzem kann sie auch von Programmen befragt werden, welche die Suchergebnisse dann beispielsweise in andere Web- Seiten einbauen. Die höhere Kunst von Web- Diensten ist freilich, sie zu neuen Angeboten zu kombinieren. Experten erwarten, dass sich in den nächsten Jahren eine regelrechte elektronische Wolke von untereinander kommunzierenden Web-Diensten bilden wird, die nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das tägliche Leben durchdringen werden.
Noch existieren solche Kombinationen von Web-Diensten fast ausschließlich in bunten Diashows. Aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis es etwa ein Angebot gibt, dass die billigste offene Tankstelle im Umkreis von einem Kilometer findet sogar per Handy. Es wird wahrscheinlich einen Spracherkennungsdienst (der gesprochene Fragen ins Elektronische übersetzt), einen Ortungsdienst (der alle infrage kommenden Tankstellen ausfindig macht) und einen Preisvergleichsdienst (der die billigste heraussucht) nutzen.
Doch zunächst werden vor allem Unternehmen Web-Dienste einsetzen. Sie sollen ihnen etwa die schwierige Aufgabe erleichtern, unterschiedliche Computersysteme miteinander zu verbinden, sowohl innerhalb als auch zwischen Firmen. Experten prophezeien, dass Produktmanager eines Tages komplette elektronische Wertschöpfungsketten per Mausklick knüpfen können von Designern und Zulieferern über Fabriken zu Vertrieb und Verbrauchern.
Wer in der Welt der Web-Dienste ein Wörtchen mitreden oder sie sogar dominieren will, muss weit mehr anbieten als nur ein Betriebssystem für einzelne Rechner. Programmierer brauchen digitale Werkzeuge, mit denen sie Web- Dienste zusammenbauen können. Spezielle Software für Netzcomputer, Application- Server genannt, steuert die neuen Angebote. Und sie werden nicht nur am PC genutzt, sondern mithilfe anderer Geräte wie Handrechner oder Handys.
Microsofts Antwort auf diese Entwicklung ist .Net (ausgesprochen: Dot-Net), zumindest auf dem Papier ein komplettes Programmpaket für Web-Dienste. Teile davon stecken in der neuesten Version von Windows, etwa Passport. Das Angebot ist selbst ein Web-Dienst, mit dem sich Verbraucher bei elektronischen Läden ausweisen können. Passport ist auch der Anker für ein Dutzend anderer Web- Dienste, die Microsoft im Rahmen von .Net anbieten will: Online- Ausgaben von Adressbuch und Brieftasche, aber auch Informationen über Aufenthaltsort und Vorlieben von Nutzern.
Gerade diese Dienste, .Net MyServices genannt, zeigen allerdings, dass der Übergang in die neue Computerwelt für Microsoft ein Hürdenlauf sein wird nicht nur aus technischen Gründen. .Net MyServices war bisher ein Reinfall, weil potenzielle Kunden wie Banken oder Fluggesellschaften davor zurückschrecken, wichtige Kundendaten von Microsoft verwalten zu lassen [Ed: völlig zu Recht]. Mehrere von ihnen haben sich in einem Konsortium namens Liberty Alliance zusammengeschlossen, das eine Alternative zu Microsofts Passport entwickeln soll.
Rivalen wie IBM, Oracle und vor allem Sun Microsystems bieten ebenfalls eine Plattform für Web- Dienste an. Sie beruht auf der Programmiersprache Java, die viele Unternehmen bereits einsetzen. AOL, der weltgrößte Online- Dienst für Verbraucher, will in Zukunft auch Angebote wie Passport offerieren. Es ist kein Zufall, dass gerade AOL und Sun mittlerweile eigene Kartellklagen gegen Microsoft angestrengt haben.
Microsoft wird es schwer haben, mit einer weiteren Herausforderung fertig zu werden: weiter schnell zu wachsen, um seine Aktionäre zufrieden zu stellen. Als die Firma Mitte der neunziger Jahre Windows 95 auf den Markt brachte, machte sie 6 Milliarden Dollar Umsatz. Vor allem dank des neuen Betriebssystems war er im folgenden Jahr um fast 50 % höher eine Leistung, welche Windows XP, im Oktober lanciert, kaum wiederholen kann. Im laufenden Finanzjahr wird Microsoft voraussichtlich 32 Milliarden Dollar umsetzen und 13,5 Milliarden Dollar Gewinn machen.
Die Wachstumsraten für Office, das populäre Programmpaket, sind schon lange nicht mehr, was sie einmal waren. Auch Windows könnte auf Dauer zu einem weniger ergiebigen Dukatenesel werden. Branchenkenner schließen nicht aus, dass Linux ein von Hackern geschriebenes Betriebssystem zu einem ernsthaften Konkurrenten wird. Vor allem Behörden scheinen an Linux zunehmend Gefallen zu finden. Anfang Juni schlossen Bundesregierung und IBM eine Partnerschaft mit dem Ziel, den Einsatz des Betriebssystems in hiesigen Amtsstuben zu fördern.
40 Milliarden Dollar in der Kasse
Bisher hat Microsoft vor allem versucht, mehr aus seinen angestammten Märkten herauszuholen, in dem es die Lizenzbedingungen für seine Software verschärfte. Langfristig muss es sich auf neuen ertragreichen Märkten breit machen. Auf zwei hat die Firma es besonders abgesehen: betriebswirtschaftliche Software für den Mittelstand und Home- Entertainment, vor allem Videospiele und digitales Fernsehen. Anfang Mai kaufte Microsoft beispielsweise für 1,3 Milliarden Dollar die dänische Softwarefirma Navision, die vor allem kleine und mittlere Betriebe in Europa mit Programmen für Buchhaltung oder Lagerhaltung ausstattet. Microsoft hofft, Ende des Jahrzehnts 10 Milliarden Dollar Umsatz mit Programmen und Diensten für den Mittelstand zu machen.In Sachen Home-Entertainment ist Microsoft ebenso ambitioniert. Im vergangenen November brachte Bill Gates' Firma die XBox auf den Markt ein Videospielgerät, dessen Entwicklung fast 1 Milliarde Mark gekostet hat. Kürzlich kündigte das Unternehmen außerdem an, dass es in den kommenden 5 Jahren weitere 2 Milliarden in die XBox investieren wird. Mit dem Geld will Microsoft vor allem XBox Live ausbauen, einen Online- Dienst, mit dem Spieler über das Netz gegeneinander antreten können.
Noch ist nicht klar, wie erfolgreich die Ausbaupläne sein werden. Technisch gesehen, muss sich Microsoft nicht verstecken. Navisions Programme gelten als solide; die XBox bekommt Höchstnoten von Videospielentwicklern. Aber in beiden Märkten geht die Firma gegen erfolgreiche Platzhirsche an: zum einen gegen den Softwarekonzern SAP, der es zunehmend auch auf den Mittelstand abgesehen hat; zum anderen gegen Nintendo und Sony. Die Playstation des japanischen Konzerns hat sich weltweit bereits über 30 Millionen Mal verkauft. Die XBox dagegen nur 3,5 Millionen Mal.
All dies heißt freilich nicht, dass Microsoft unmittelbar vor dem Abgrund steht. Auch im Fall von IBM hat es fast 10 Jahre gedauert, bis die Probleme richtig sichtbar wurden. Und es ist immer falsch, Microsoft zu unterschätzen vor allem, da sich das Unternehmen teure Rückschläge leisten kann: Mehr als 40 Milliarden Dollar liegen auf der hohen Kante.
Wir ersticken in Bergen von E-Schrott
6 Millionen Tonnen Elektro-Schrott fielen allein 1998 in der EU, dokumentiert eine aktuelle Studie des Worldwatch-Institutes. Hauptproblem: Die geringe Nutzungszeit von Computern.
Hinweis auf: Spiegel Online 22. Juni 2002, ??.?? Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]WASHINGTON. Die rasante Verbreitung von Computern und anderen elektronischen Geräten beschert der Welt einer neuen Umweltstudie zufolge einen verheerenden Berg von Elektronik- Müll. Die Produktion der Chips verschlinge zudem Chemikalien in gigantischem Ausmaß, stellt das angesehene Worldwatch-Institute in einer Studie fest, die am Freitag in Washington vorgelegt wurde.
"Die kurze Lebensdauer und die wachsende Zahl dieser Geräte fachen die wachsende Müllkrise weiter an", schreibt das Institut. Allein in der Europäischen Union seien 1998 6 Millionen Tonnen Elektronik- Müll angefallen. Der Umfang wachse nach Schätzungen um bis zu 5 % im Jahr. Ein großer Teil davon muss aber aufgearbeitet werden.
In den USA seien 1997 rund 2,9 Millionen Tonnen Elektronikmüll auf Abfallhalden gelandet. In wenigen Jahren werde es wahrscheinlich vier Mal so viel sein. In den USA würden bis Ende 2004 wahrscheinlich 315 Millionen Computer ausrangiert. Der Elektronik- Müll sei besonders umweltgefährlich, schreibt Worldwatch: Er enthalte unter anderem Blei, Kadmium und Quecksilber.
Microsoft will Recht zum Direktzugriff auf private PCs
Aus: Heise News-Ticker 30. Juni 2002, 12.16 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]HANNOVER (cp/c't). Mit dem jüngsten Sicherheitsupdate für den Windows Media Player räumt sich Microsoft in den beigefügten Lizenzbedingungen das Recht ein, auf dem PC des Anwenders automatisch Kopierschutzsoftware zu installieren. Wie zuerst auf der Website BSDVault berichtet, enthält die EULA (End User Licence Agreement) jetzt einen Passus mit folgendem Wortlaut:
Digital Rights Management (Security). You agree that in order to protect the integrity of content and software protected by digital rights management ("Secure Content"), Microsoft may provide security related updates to the OS Components that will be automatically downloaded onto your computer. These security related updates may disable your ability to copy and/or play Secure Content and use other software on your computer. If we provide such a security update, we will use reasonable efforts to post notices on a web site explaining the update.
Demnach kann Microsoft die so genannten Sicherheitsupdates, die das Abspielen oder Kopieren der mit Digital Rights Management geschützten Inhalte verhindern sollen, ohne direkte Benachrichtigung und Zustimmung des PC-Besitzers einspielen. Das Unternehmen verpflichtet sich lediglich dazu, sich zu bemühen, das Update auf einer nicht näher bezeichneten Website in nicht näher spezifizierter Weise zu erläutern.
Die Änderung der Lizenzbedingungen ist offenbar ein Teil von Microsofts Sicherheitskonzept Palladium, das wiederum im Zusammenhang mit der von Intel propagierten Trusted Computing Platform Alliance (TCPA) zu sehen ist. Beide Initiativen stehen in zunehmender Kritik.
So wiesen unsere Kollegen von britischen Online-Dienst The Register am Freitag [28.6.2002] auf eine ausführliche Analyse der Zusammenhänge und Implikationen von Palladium und TCPA hin, die Ross Anderson von der Cambridge University verfasst hat. Anderson warnt, die geplante Technik bringe keinen Mehrwert für den Anwender, sondern zerstöre den Mehrwert des PCs, indem sie die Anwendungsmöglicheiten einschränke. [mehr] [MS dementiert alles aber wer glaubt ihnen noch]
PCs Die Milliarde ist geknackt
Mehr als 1 Milliarde Geräte, sagt das Marktforschungsunternehmen Gardner, seien seit Erfindung des PC-Konzeptes vor 25 Jahren verkauft worden. Trotz derzeit relativ lauer Verkaufszahlen ist der Boom letztlich ungebrochen: Die zweite Milliarde soll schon in 5 Jahren fallen.
Hinweis auf: Spiegel Online 1. Juli 2002, ??.?? Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]SAN FRANCISCO. Laut Gartner Dataquest betrug die ausgelieferte Zahl der Personal Computer (PCs) im Juni 2002 exakt 1.014.217.000 Stück. Die Milliarden- Schwelle hatte die unter weiter sinkenden Umsätzen leidende Computerindustrie bereits im April erreicht.
Die Marktforscher erwarten die zweite Milliarde ausgelieferter PCs bereits in den Jahren 2007 oder 2008. Antriebsfeder für die Branche sollen die wachsenden Märkte in China, Lateinamerika, Osteuropa und Indien sein.
Apples Lisa von 1983: Erwachsener 10.000-
Dollar-PC mit grafischer Benutzeroberfläche und wenig Markterfolg trotzdem ein Wegbereiter
für den PC, auch für den Mac von 1984.Die Erfolgsgeschichte des PCs begann mit der Erfindung des ersten Microprozessors durch den Chip-Hersteller Intel im Jahr 1971. Der erste verfügbare Personal Computer überhaupt war der "Altair" mit einem 8080er Chip, der 1974 in den Handel kam. Von den Top-5- Herstellern aus der Pionierphase der PC-Industrie (Zenith, Apple Computer, Northgate, Zeos und Commodore) ist heute nur noch Apple im Geschäft. Den Durchbruch auf dem Massenmarkt brachte 1982 der "Brotkasten" von Commodore der Commodore C64, der keinen Hehl daraus machte, dass er eigentlich ein Spielgerät sein wollte.
Inzwischen hat nicht zuletzt das Internet die ehemalige Rechen- endgültig zur Informations- und Entertainment- Maschine gemacht. Ende des Jahres 2001 hatten nach Angaben der Marktforschung Nielsen/ NetRatings weltweit rund eine halbe Milliarde Menschen einen Zugang zum Internet von zu Hause aus.
Bis zur zweiten verkauften Milliarde sollen die Rechner nach dem Wunsch der Computerbauer deutlich dazugelernt haben. "Heute müssen die Menschen mit Computern noch in deren Sprache kommunizieren", sagte Pat Gelsinger, Technik- Chef von Intel. "Morgen wollen wir, dass die Computer mit den Menschen in unserer Sprache sprechen."
Microsoft will Recht zum Direktzugriff auf private PCs
Aus: Heise News-Ticker 22. Juli 2002, 14.47 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]HANNOVER (cgl/c't). Die Zukunft des Internet haben schon viele Zukunftsautoren gemalt. Sie hat oft verblüffende Ähnlichkeit mit den Konzepten des Grid, einem Netzwerkgitter, das einheitliche Grundlagen zur Verteilung von Rechenkraft, Speicher und anderen Ressourcen zur Verfügung stellt. Vom 21. bis 24. Juli läuft in Edinburgh eine Tagung des Global Grid Forum, auf der sich die führenden Köpfe im Bereich Vernetzung ihre selbigen zerbrechen, um das schwammige Konzept des transparenten Netzes, aus dem der User irgendwann Ressourcen wie aus dem Stromnetz zapfen können soll, zu konkretisieren und verwirklichen.
Es ist einfach, in Visionen vom allgegenwärtigen Gitter zu schwelgen, im Moment nutzen jedoch beinah ausschließlich Forscher Grid-Technologie und das vorwiegend in breitbandigen Forschungsnetzen. In Amerika vernetzen Wissenschaftler die Prozessor- Power ihrer Superrechner für besonders schwierige Projekte und im europäischen Forschungszentrum CERN werden die Daten zum Teil über ein internes Grid verteilt. So ein Gitter ist auch kommerziell interessant, sodass große Firmen wie IBM oder Sun beachtliche Entwicklungskapazitäten in die Technik stecken. Irgendwann wollen sie dann zum Beispiel großen Firmen eine Intranet- Infrastruktur verkaufen, mit der diese ihre brachliegenden Rechenressourcen erkennen und Gewinn bringend nutzen können.
Für die Grid-Infrastruktur existiert schon seit längerem ein Toolkit namens Globus, das beständig weiterentwickelt wird. Experimentierfreudige können sich damit ihr eigenes kleines Wohnzimmer- Grid bauen. Die Grid Conference läuft noch bis Mittwoch und bietet Themen sowie Workshops zu Grid- Themen. Die nächste Konferenz steht ebenfalls schon fest: vom 15. bis 17. Oktober diesen Jahres treffen sich die Spezialisten wieder, dann in der Windy City Chicago.
O P E N S O U R C EMacs führen bei IT-Sicherheit
Aus: Heise News-Ticker 7. November 2002, 12.22 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]LONDON (jes/c't). Die jüngste Studie der Londoner IT-Security- Spezialisten mi2g konstatiert wesentlich weniger bekannt gewordene Gefahren oder Attacken für MacOS als für Windows oder Linux. In den ersten 10 Monaten dieses Jahres seien 1.162 neue Sicherheitslücken aufgedeckt worden 309 alleine im Oktober. 44 % davon betreffen Windows, 19 % Linux, 9 % BSD, 7 % Suns Solaris und nur 1,9 % MacOS und Compaq Tru64. Besser schnitt nur SCO Unix mit 0,5 % ab.
Bis Ende Oktober seien im Jahre 2002 schon 57.977 Attacken registriert worden, womit dieses Jahr das schlimmste Jahr seit Beginn der Beobachtung sei. Bei den Attacken liegt wieder Windows mit 54 % in Führung, gefolgt von Linux mit 30 %, BSD mit 6 %, Solaris mit 5 %, SCO Unix mit 0,2 % und Apple mit 0,05 %. Die Experten heben den Apple- Wert von 0,05 % als besonders gut hervor, da er einem Marktanteil von ungefähr 3 % gegenüberstehe.
Wie sich allerdings beispielsweise im Fall OpenSSH gezeigt hat, ist die Apple- Plattform durch die Verwendung von BSD in MacOS X auch anfällig für Sicherheitslücken geworden, die für BSD- Systeme auftauchen. Insgesamt haben Mac-User aber unter wesentlich weniger Viren zu leiden; kostspielige 0190- Dialer sind ihnen gar nicht bekannt.
Als Datenmaterial verwendet mi2g "eine große Anzahl" öffentlich zugänglicher Informationen (etwa Presseberichte, Angaben der Betriebssystemhersteller oder die Sammlungen der AntiViren-Programm- Anbieter), die sie in einer Datenbank zusammenfassen.
, ein Begriff, der in der Phase der New Economy entstand und sich besser vermarkten ließ. High-Tech-Konzerne wie Intel, IBM, Sun oder Hewlett-Packard investieren Milliarden in die neue Technik. Große Software-Häuser wie SAP oder Oracle passen ihre Programme an. Und kleine Firmen wie die deutsche SuSE oder der amerikanische Anbieter Red Hat haben sich darauf spezialisiert, rund um Linux einen Service zu offerieren, ohne den fast niemand auskommt, der sich von Microsoft emanzipieren möchte.Programmierer aller Länder vereinigt Euch!
Die Online-Gemeinde rebelliert gegen das Prinzip Microsoft. Frei verfügbare Software wie Linux überzeugt jetzt sogar Betriebe und Behörden.
Aus: DIE ZEIT Nr. 44/2003, 23. Oktober 2003, Seite ?? (Wirtschaft) von GUNHILD LÜTGE. [Original]Jahrelang waren nur die Freaks begeistert. Sie saßen, über den gesamten Globus verstreut, an ihren Computern und programmierten, kritisierten, diskutierten via Internet. Der Rest der Welt ahnte nicht, was da im Netz entstand: auf den ersten Blick nur eine Software. Tatsächlich aber kreierte die frei denkende Online-Gemeinde ein Gegenmodell zu Microsoft, dem größten und mächtigsten Software-Haus auf der Welt.
Seine Schöpfer glauben daran, dass nicht Geheimniskrämerei, Dominanz und schnöder Mammon, sondern Offenheit und der freie Wettbewerb von Ideen wahren Fortschritt bringt; und zwar für alle, weil die Verbreitung von Wissen nicht mehr kontrolliert und schon gar nicht reglementiert werden kann.
Die Zahl derer, die darauf setzen, wächst; neuerdings sogar rasant. Sie sitzen nicht mehr nur in den Universitäten, sondern in Unternehmen und Ämtern. Fast täglich konvertiert inzwischen eine Firma oder Behörde zu den neuen Prinzipien und rüstet ihre Rechner um. Denn der Kern der neuen Bewegung ist nicht nur ein Glaubensbekenntnis, sondern eine neue Computertechnik; genauer: ein Betriebssystem, das unter dem Namen Linux Furore macht. Diese Gattung von Software ist so bedeutend, weil sie als Kommandozentrale in jedem Computer fungiert. Wer dort regiert, hat das Sagen und kann sich fürstlich bezahlen lassen.
Zum (fast) alleinherrschenden Software-König mit reich gefüllter Schatulle avancierte Bill Gates, der Gründer von Microsoft. Sein Betriebssystem Windows steckt in den meisten Heim-PCs. Dabei half ihm seinerzeit der Rechnerriese IBM, der die Software des jungen Programmierers mit der eigenen Hardware kombinierte. Wichtiger noch: Bill Gates konnte auch jede Menge Betriebe erobern. Schon früh zeigte sich, wo seine Antriebskräfte liegen.
Bereits 1976 hatte Gates in einem offenen Brief an die Programmierer-Gemeinde die These vertreten, dass der Fortschritt der Software-Entwicklung an deren Kommerzialisierung gebunden sei. Warum, so fragte er, sollen professionelle Programmierer eine Leistung vollbringen, für die sie kein Geld erhalten? Damals war es innerhalb der Softwerker-Gilde, die sich an den Unis tummelte, üblich, sich den freien Zugang zu den Strickmustern ihrer Programme zu erlauben, um sich gegenseitig zu inspirieren. Schließlich konnte sie öffentlich finanzierte Computer für ihre Arbeit nutzen, deren Ergebnisse deshalb auch wieder öffentlich sein sollten.
Gates setzte sich darüber hinweg. Er weigerte sich, das Strickmuster, also den Quellcode seiner Programme, preiszugeben. Er nutzte den Code vielmehr, um seinen Anspruch durchzusetzen. So konnte er die Kontrolle über seine Software behalten, sie als geistiges Eigentum deklarieren. Gates verlangte für Kopien Geld und machte unmissverständlich klar, dass sich jeder strafbar mache, der seinen Regeln nicht folgte. Das war der Anfang der Ökonomisierung in der Software-Welt.
Einen störte das ganz besonders: Richard M. Stallman. Der heute 50-Jährige gilt als eigenwilliger Guru der kreativen Programmierer-Gemeinde im Netz. Jedenfalls spielt er diese Rolle gern. Nach einem zweistündigen, frei gehaltenen, exzellenten Vortrag streift er sich schon mal ein langes Gewand über und setzt sich ein Teil aus der Festplatte als Heiligenschein auf den Kopf. Manchmal beliebt er zu scherzen.
Stallman gründete 1985 in den USA die Free Software Foundation, die inzwischen auch einen europäischen Ableger hat. Er war damals Software-Entwickler am Massachusetts Institute of Technology. Sein Ziel: Er wollte den aufkeimenden Besitzansprüchen etwas entgegensetzen und mit anderen zusammen ein freies Betriebssystem entwickeln. Jeder sollte es ungehindert nutzen, kopieren, verändern und weitergeben dürfen. Das schrieb er in der General Public License (GPL) fest, nach der die beliebige Verwertung erlaubt ist, vorausgesetzt, dass Weiterentwicklungen ebenfalls frei verwertbar bleiben, sobald sie veröffentlicht werden. Eine geniale Idee, wie sich herausstellen sollte.
Stallman trieb mehr als nur der Gedanke an die Technik. Sein Credo: Der fundamentale Akt von Freundschaft unter denkenden Wesen besteht darin, einander etwas beizubringen und Wissen gemeinsam zu nutzen. Dieser gute Wille, die Bereitschaft, unserem Nächsten zu helfen, ist genau das, was die Gesellschaft zusammenhält und was sie lebenswert macht. Jede Politik oder jedes Rechtssystem, das diese Art der Kooperation verurteile oder verbiete, verseuche die wichtigste Ressource der Gesellschaft.
Das alles sei reiner Kommunismus, schimpft Gates, der mit seinen heute 48 Jahren zur gleichen Generation wie Stallman zählt. Zunächst nahm er ihn nicht ernst, glaubte nicht, dass Stallmans Ideen für das eigene Geschäftsmodell gefährlich werden könnten. Doch schließlich begann die freie Software die Spielregeln auf dem Markt zu verändern. Das allerdings nicht, weil sie nur verschenkt wird. Ein weit verbreiteter Irrtum: Frei heißt nicht kostenlos. Man solle mehr an Freiheit als an Freibier denken, sagt Stallman. Es sei nichts Schlechtes dabei, Software zu verkaufen, aber sie müsse frei bleiben, denn: Wenn jedermann ein Programm benutzt, das geheim ist und von einer einzigen Firma kontrolliert wird, ist das keine Entwicklung, es ist elektronische Kolonialisierung.
Die Idee kam an, zum Beispiel bei Linus Torvalds. Der Finne sorgte für den entscheidenden Auftrieb. Als Youngster in der Freiheitsbewegung hatte Torvalds ausgerechnet jenen Teil eines Betriebssystems programmiert, der Stallman und seiner Gruppe noch fehlte. Er nannte ihn Linux, eine Kombination aus Linus und Unix, einem der wenigen Betriebssysteme, das schon seit vielen Jahren mit Microsoft konkurriert. 1991 stellte Torvalds sein Werk ins Netz und bat um Mithilfe der dort aktiven Programmier. Darauf konnte er nur zählen, weil er seine Software den Regeln von Stallmans GLP unterwarf.
Der PC mit Microsofts Technik feierte gerade seinen zehnten Geburtstag. Doch Torvalds, damals 21 Jahre alt, dachte gar nicht dran, so reich oder mächtig wie Bill Gates zu werden. Dennoch machte er Karriere, aber eine ganz anderer Art als Gates: Er kassierte kein Geld für Lizenzen, bestimmt aber bis heute, welche Änderungen aus der weltweiten Community für seinen Programmteil übernommen werden, damit das Betriebssystem immer besser wird. Torvalds genießt volles Vertrauen unter den Programmierern, weil er selbst glaubwürdig blieb.
Er ist davon übezeugt, dass es eine Art von Passion ist, die Menschen motiviert: Spaß haben und stolz sein können auf die eigene Leistung. Und mit den weltbesten Programmierern arbeiten zu können und nicht nur mit jenen, die zufällig bei einem Konzern angestellt sind. Torvalds: Wenn zehn Leute täglich jeweils eine Stunde für das Projekt arbeiten und das Ergebnis teilen, dann bekommt jeder neun Stunden heraus. Das macht Linux so gut: Die Arbeit, die man hineinsteckt, vervielfacht sich. Und: Es gibt eine automatische Qualitätskontrolle, weil alles ständig unter Beobachtung steht.
An einem Chefposten war Torvalds nie interessiert. Sein Geld verdiente er lange Jahre als angestellter Programmierer. Inzwischen widmet er sich hauptsächlich wieder der Weiterentwicklung von Linux. Auch für ihn ist nicht ausgeschlossen, dass jemand damit Geld verdient. Jeder darf aus Linux so viel Kapital schlagen, wie er will. Es geht lediglich darum, das System offen und demokratisch zu halten, sagt Torvalds. Profite mit frei zugänglicher Software? Ja. Das Modell: Auch Wasser ist ein freies Gut. Doch wer es abfüllt und es dort in einer Form zur Verfügung stellt, wo es gebraucht wird, kann daran verdienen.
Längst ist auch die Wirtschaft vom Linux-Fieber infiziert. Immer mehr Konzerne erkennen das Potenzial der freien Software. Deren Experten nennen sie allerdings Open Source
So gibt es für den Heimcomputer entweder online oder auf CD inzwischen Software-Pakete, die es dem Nutzer einfacher machen, die neue Technik in Gang zu setzen und zu nutzen. Für diese Dienstleistung zahlt er dann beispielsweise bei Suse 50 Euro Office-Programm, Browser, E-Mail und vieles mehr inklusive. Zwar könnte er sich auch alles einzeln und gratis aus dem Netz herunterladen. Doch ganz normale Menschen scheitern in der Regel daran, alles richtig zu installieren.
Bis 2007, so schätzt das Marktforschungsunternehmen Soreon, wird jedes vierte
Unternehmen Open-Source-Software einsetzen. Die Entscheidung,
Microsoft und Co den Rücken
zu kehren, würde von ihnen vor allem mit dem Sparpotenzial, der Sicherheit und
Stabilität begründet. Hauke Kröger von der IT-Beratungsgesellschaft Avinci
machte die Erfahrung: Die Verantwortlichen in den Unternehmen schätzen, dass
bei der Open-Source-Software nichts im Verborgenen abläuft. Im Übrigen ist
er davon überzeugt, dass sich Linux auch im Privatbereich verbreiten wird.
Was in den Tiefen des Systems geschieht, will auch Rolf Schuster gern wissen.
Er ist der IT-Stratege des Auswärtigen Amtes. So kommunizieren die 217 Botschaften
inzwischen in einem Netzverbund auf der Basis von Linux, weil der Quellcode offen
gelegt ist. Auch andere Behörden haben längst umgeschaltet. Wie ein
Paukenschlag wirkte Ende Mai die Entscheidung der Stadt München, Microsoft einen Korb
zu geben. Dabei war Microsoft-Chef Steve Ballmer extra aus seinem Urlaub angereist, um den
Stadtrat noch umzustimmen vergebens. Auch die Bundestagsverwaltung hat sich
längst dazu entschlossen, auf Linux zu setzen. Jüngst verkündete die
Polizei in Niedersachsen diesen Schritt.
Alle profitieren von einem Rahmenvertrag, den Bundesinnenminister Otto Schily Mitte 2002
mit dem Computerriesen IBM abgeschlossen hat. Dessen Zweck: günstige Computer unter
Open-Source-Software für Bund, Länder und Gemeinden. Schily will Vielfalt statt
der wirtschaftlichen Abhängigkeit von einzelnen Herstellern und
mehr Sicherheit. Software-Monokulturen haben sich oft als problematisch
erwiesen, sagt der Minister. Mehr als 400 Behörden sind der Kooperation
inzwischen beigetreten.
Auf einem Siegeszug ist die neue Bewegung auch im Rest der Welt: China sieht die Chance,
sich von westlicher Technologie erst gar nicht abhängig zu machen. Auch die
Regierungen von Südkorea, Malaysia und Indien sprachen sich bereits für Open
Source aus. IBM konnte Russland und Großbritannien für sich und die
Linux-Bewegung gewinnen. Damit unterstützen nun über 175 Regierungen und
über 20 US-Bundesstaaten das quelloffene Betriebssystem, verkündete das
Unternehmen jüngst.
Das alles müsste auch Stallman freuen. Doch inzwischen sorgt er sich, auf
welche Weise die Kommerzialisierung unsere Freiheit beeinflussen wird. Den
Anhänger der reinen Lehre muss einfach stören, dass Anbieter freie Software mit
Programmteilen kombinieren, deren Nutzungsrechte eingeschränkt sind damit die
Konkurrenz davon nicht profitieren kann. Noch scheinen Besitzstandsdenken und Kommerz
unzertrennlich.
Zündstoff bergen auch jene Fälle, in denen sich angestellte Programmier in der
freien und in der geschlossenen Welt zugleich tummeln, wie beispielsweise beim
Computerkonzern Sun. OpenOffice.org und StarOffice sind zwei Varianten einer
Büro-Software, die es mit Microsofts Produkten durchaus aufnehmen kann. An Open
Office arbeiten Programmierer von Sun gemeinsam mit denen aus der Community. Das Programm
ist frei in seinen Nutzungsrechten und gratis im Netz zu haben; StarOffice wird hingegen
für 90 Euro samt Handbuch und einigen Zusatzfunktionen von Sun vermarktet. Vor allem
Geschäftskunden sind bereit zu zahlen, weil sie der Gewährleistung und
Zuverlässigkeit eines großen Anbieters offensichtlich noch mehr vertrauen als
einer virtuellen Gemeinschaft, die sich freiwillig zusammenraufen muss und bei der nie
klar ist, wann sie fertig wird.
Funktioniert aber das ständige Geben und Nehmen, oder nutzen die Konzerne die
Leistungen der Community nur aus, um ihre Geschäfte zu machen? Eine heiß
diskutierte Frage, welche die Anhänger der reinen Lehre spaltet. Bei Sun ist man
traurig darüber, wenn wieder einmal der Vorwurf des Schmarotzertums hochkommt.
Das empfinden wir als ungerecht, sagt einer der Programmierer dort. Ihn
tröstet, dass von etlichen auch durchaus anerkannt wird, was Sun für die
Entwicklung freier Software leistet: Das jedenfalls ginge aus ihren Mails hervor.
Keine Frage: Ohne das Engagement der großen Konzerne wäre Linux noch ein
Nischenprodukt. Und im Großen und Ganzen scheint die ungewöhnliche Kooperation
zu klappen. Europa verfügt über eine der stärksten
Entwicklergemeinden freier Software, und viele maßgebliche Projekte der letzten Zeit
nahmen hier ihren Ursprung, sagt Georg C. F. Greve, der Präsident der Free
Software Foundation Europe.
Gleichwohl geht es oft hoch her. Die Community ist nämlich eine
diskutierfreudige Mischung aus 68er-Generation und einem Kleingärtnerverein,
sagt Stefan Wintermeyer. Er selbst ist geschäftsführender Unternehmer der OTRS
GmbH und überzeugter Open Sourcer. Wintermeyer ist einer der Erfinder eines Trouble
Ticket Systems, einer Software, die Anrufe, Faxe und E-Mails intelligent managen kann.
Weil unsere Quellcodes für jeden zugänglich sind, arbeiten ständig
Hunderte Programmierer weltweit an der technischen Weiterentwicklung und bringen so die
Software stets auf den neuesten Stand, erklärt Wintermeyer den großen
Vorteil gegenüber anderen, geschlossenen Systemen. Und: Sein Programm gibt es gratis
im Netz. Nur wer Support oder Consulting braucht, also einen Service drum
herum, muss dafür zahlen. Allerdings fährt auch Wintermeyer zweigleisig, weil es
Kunden gibt, die sein Programm in eigene Software integrieren und verkaufen, aber nicht
unter die strenge Stallman-Lizenz stellen wollen. Diese Version der Software kostet extra.
Insgesamt sei OTRS bereits in Tausenden von kleinen und größeren Unternehmen
und Organisationen im Einsatz, so auch bei General Motors und bei der Nasa.
Ein Sturm des Protestes fegte jüngst hingegen durchs EU-Parlament. Das sollte
vergangenen Monat eine Richtlinie durchwinken, welche die Patentierbarkeit von Software
regelt. Die Linux-Fans sehen darin einen Generalangriff, weil die Erteilung von Patenten
ihrer Idee von freier Software ganz und gar widerspricht. Sie wäre über kurz
oder lang praktisch tot. Denn den freien Programmierern und denen der kleinen und
mittleren Firmen mangelt es an Zeit und Geld, umfangreiche Patentrecherchen anzustellen,
um nicht in eine Falle zu tappen.
Die Parlamentarier in Brüssel ließen sich überzeugen. Sie modifizierten
die Richtlinie so, dass jetzt zwar nicht alle, aber etliche Patentgegner damit leben
können. Allerdings: Noch muss diese Fassung weitere Stationen der Gesetzgebung
durchlaufen. Die Gemeinde hofft.
Auch Linus Torvalds machte gar keinen Hehl aus seiner Haltung: Patente funktionieren
bei ingenieurmäßigen Entwicklungen, aber nicht in der Wissenschaft.
Software- Patente sind genauso lächerlich wie Patente auf mathematische Formeln.
Bei Microsoft sieht man das, natürlich, anders. Open Source betrachtet dessen Chef
Steve Ballmer inzwischen als
Krebsgeschwür. Und das gefährdet die Dominanz des
Konzerns, die bis jetzt noch einen Umsatz von stattlichen 32 Milliarden
Dollar einbringt.
Stallman missioniert derweil munter weiter. Er verdient sein Geld hauptsächlich mit
Vorträgen, für die er viel reisen muss. Im Prinzip mache ihm das Spaß,
sagt er, das einzige Problem sei nur, dass er nicht dazu käme, einen Tanzkurs
zu besuchen. Wie schade besonders für Bill Gates.
CHAMPAIGN (jk/c't). Vor 10 Jahren wurde
Mosaic Version 1.0.0 freigegeben. Mosaic war der erste
Internet- Browser, der Text und Grafik einer HTML-Seite integriert darstellen konnte.
Ältere Software wie der Ur-Browser des WWW-Erfinders
Tim Berners-Lee oder
der damals populäre Viola konnten
zwar Grafik anzeigen, doch nur, wenn die Statthalter vom Anwender extra angeklickt wurden.
Mit Mosaic begann das textorientierte WWW bunt zu werden. Der Browser lieferte den
praktischen Beweis, dass das Web eine Sache für jedermann ist. Mit Mosaic
explodierten die Zugriffszahlen auf die damals verfügbaren Webseiten, die
überall entstanden. Und Mosaic lieferte das erste Beispiel dafür, wie man bis
dato kostenlos entwickelte Internet- Software kommerzialisieren kann.
Ursprünglich war die Entwicklung von NCSA Mosaic ein normales Projekt der Software
Group am NCSA (National Center for Supercomputing Applications) der Universität von
Illinois. Diese Software-Gruppe entwickelte alle Tools, die die Wissenschaftler am NCSA
brauchen konnten. Als einer der Top-Wissenschaftler nach der Lektüre eines Buches aus
dem Verlag O'Reilly einen Browser haben wollte, wurde ihm dieser für die
nächsten Wochen versprochen. Das Team, dass schließlich Mosaic entwickelte,
wurde von Eric Bina und Marc Andreessen angeführt, wobei Bina der programmierende
Kopf war und Andreessen der Vermarkter, der nach außen die Kontakte knüpfte.
Als sich die beiden mit ihrem Projekt im Herbst 1992 erstmals auf WWW-Talk vorstellten,
stießen sie mitten in eine angeregete Diskussion, ob Browser das Web quietschbunt
wie ein Bilderbüchlein machen sollten, was die meisten Teilnehmer vehement ablehnten.
Bina und Andreessen sahen ihre Chance, zumal beide an Workskations von Silicon Graphics
arbeiteten und viel mit "NCSA Transform" zu tun hatten, dem damals leistungsfähigsten
Bildkonverter.
In rascher Folge wurden über das Jahr 1993 hinweg Beta-Versionen von NCSA Mosaic
entwickelt und zum Download freigegeben, mitunter zwei Mal pro Woche. Das Mosaic-Team
bediente sich in akademischer Tradition bei der Konkurrenz, nahm etwa bei den
Schaltknöpfen für die "Anfangsseite", das Navigieren "vorwärts" und
"rückwärts" das Konzept von Viola, die "Lesezeichen" wiederum von Lynx, einem
reinen Textbrowser. Die eigenen Leistung steckte vor allem in der Integration von Text und
Grafik. Noch im Laufe des Jahres 1993 entwickelte sich Mosaic zu einem Selbstläufer
sondergleichen. Ende 1993 waren 2 Millionen Kopien von Mosaic im Umlauf, die Downloadrate
betrug 100.000 Kopien pro Monat. An Computern sonst uninteressierte Menschen meldeten sich
zu Besuch an, weil es da "so ein Zeug gibt, mit dem man das Internet sehen kann", wie es
häufig hieß.
Frühzeitig begann die Universität Illinois damit, die Software zu verkaufen.
Beauftragt wurde zunächst die Firma Spyglass, die mit anderen NCSA-Produkten
erfolgreich war, auch lizensierte man an Firmen wie Spry, die direkt aus studentischer
Initiative entstanden. Im Jahre 1994 erwarb Microsoft von Spyglass eine unbeschränkte
Generallizenz für 2 Millionen Dollar. 1995 gelang es Spyglass im Zeichen von Windows
95, den Kontrakt zu verbessern. Microsoft zahlte 98 Cents pro Kopie, verpflichtete
Spyglass aber dazu, den Namen Microsoft geheimzuhalten und nicht an Microsoft- Konkurrenz
zu verkaufen.
Als 28 Browser auf Mosaic-Basis in der Welt waren, stellte Mosaic
Communications den 29. vor: Navigator 1.0, geschrieben von dem Team, das den ersten Mosaic
entwickelt hatte, für eine Firma, in der Marc Andreessen Junior-Chef war. Geleitet
wurde Mosaic Communications von Jim Clark, der mit der schließlich zu
Netscape umgetauften Firma einen
formidablen Börsengang veranstaltete, an dem sich alle nachfolgenden Internet-Hypes
orientierten. Mit 10 Millionen Kopien pro Jahr wurde Netscape Navigator aus dem Stand weg
Marktführer bei den Browsern. Als 1996 der erste Internet Explorer (2.0) von
Microsoft erschien, hatte Netscape einen Anteil von 86 %.
Forscht man heute nach den Resten von Mosaic, so lassen sie sich am besten bei Mozilla
finden, jenem Open Source-Projekt, das am 22.1.1998 gestartet wurde. "Mosaic meets
Godzilla", war die Formel, aus der das grüne Monster entstand, das kontinuierlich
verbessert wird. Bei
Netscape gab man den Browser-War mit Microsoft verloren und wandelte sich zu einem
"Portal". Für 4,2 Milliarden Dollar kaufte schließlich AOL im November 1998 die
"Reste" von Netscape. "Mosaic war kein großes Stück Software, und in Vielem ist
die konzeptionelle Leistung von Berners-Lee in der Entwicklung des WWW höher
einzuschätzen", befindet Martin Campbell-Kelly, Professor für Softwaregeschichte "doch
Mosaic brachte den Knoten zum Platzen. Revolutionen sind meistens sehr einfach
gestrickt."
Wissen, was im Verborgenen läuft
Geht es um den Einsatz in Unternehmen, bieten die so genannten Linux-Distributoren ihre
große Palette von Beratungs-, Trainings- und Wartungsdiensten an. Denn auch die
Profis in den Betrieben brauchen Unterstützung, wenn sie ihre Systeme umstellen
wollen. Sie schätzen vor allem, dass es so zuverlässig läuft. Wolfgang
Schek von der Lufthansa Systems ist voll des Lobes. Die in unserem Rechenzentrum
gesammelten Erfahrungen mit Linux sind durchweg positiv, schreibt er in einem
Artikel für das Fachblatt Computerwoche. Die Stabilität und Leistung
seien sehr gut, und im Vergleich zu Unix- und Windows- Rechnern verzeichne Linux eine
deutlich geringere Ausfallrate. Gäbe es dann doch mal Probleme, finden sich im
Internet oder mit Hilfe der immer sehr engagierten Linux- Community rasch
Lösungen.Hoffen, dass die Attacken scheitern
Ein nachhaltiges Geschäftsmodell, in dem sich Ökonomie und Philosophie am Ende
vertragen? Es könnte klappen, gäbe es nicht schon wieder eine neue
Gegenbewegung. Die kleine amerikanische Firma SCO hat dem Computerriesen IBM eine
Milliardenklage angehängt, weil der angeblich geschützte Codes an die
Linux-Gemeinde weitergegeben haben soll. Ein bizarrer Streit, den selbst Experten kaum
noch überblicken. Womöglich wird er sich über Jahre hinziehen. Die
Linux-Gemeinde in und außerhalb der Unternehmen reagiert gelassen, bislang
jedenfalls.
10 Jahre Mosaic
Aus: Heise News-Ticker
10. November 2003, 18.11 Uhr (nur elektronisch publiziert) von
DETLEF BORCHERS.
[Original]
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