Thermometer-Siedlung in Berlin-Lichterfelde – Teil 4 khd
Stand:  16.11.2005   (91. Ed.)  –  File: ThS/Thermometer-Siedlung_04.html




Auf diesen Seiten soll im Internet von mir nach und nach ausgewähltes Archiv- Material zu Problemen in und um die Thermometer- Siedlung in Lichterfelde-Süd – einer Anfang der 70er-Jahre gebauten Hochhaussiedlung am südlichen Stadtrand Berlins – dokumentiert werden.

Hier sind zunächst dokumentiert und manches auch kommentiert [Ed:...]:

I n h a l t :             2001–2004           [ Übersicht 1970–2004 ]

Zur Leitseite Made with Mac


Wozu ist die Straße da?

Autofreies Wohnen / [Ed: aber nicht in Lichterfelde-Süd]

  Ein Hinweis:
Im April 2001 beschlossen Berliner und Brandenburger Bürgerinitiativen ein „Manifest zur Baupolitik“.
 
Auszug aus:
Mieter Magazin, Juni 2001, Seite ?? (Titel). [Original]

Die Planung von autofreien Wohngebieten ist sozusagen Verkehrsberuhigung von Anfang an. Autos werden aus dem Inneren eines solchen Gebietes völlig herausgehalten und werden gar nicht erst mitgeplant. So ist eine aufwendige Straßenerschließung unnötig. Die Bewohner verzichten freiwillig auf das Auto. Lediglich Rettungsdienste, die Müllabfuhr oder mal ein Möbelwagen dürfen in die Siedlung.

In Berlin sind mehrere solcher Projekte schon in der Planungsphase gescheitert. Obwohl es in anderen Städten funktionierende Beispiele gibt, wurden die Pläne für autofreie Viertel in Lichterfelde- Süd, Biesdorf- Süd und auf dem alten Schlachthof- Gelände in Prenzlauer Berg eingestampft. (...) [mehr]   [Geschichte der Verhinderung einer Idee]



Lichterfelde-Süd: Wohnen und Arbeiten im Einklang mit der Natur

Aus:
VIVICO-Werbung, 31. Mai 2002 (Projekte).

Die Zukunft in Lichterfelde-Süd zu gestalten, heißt: Wohnen und Arbeiten inmitten einer intakten Natur. Auf einer Fläche von 115 Hektar entsteht im Südwesten Berlins im Bezirk Steglitz ein hochwertiger Lebens- und Arbeitsstandort für rund 7.000 Menschen.

Mit einem Investitionsvolumen von weit über einer Milliarde Mark handelt es sich um eine der größten Entwicklungsflächen für Wohnungsbau im Süd-Westteil der Stadt – mit optimaler Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz durch den neuen S-Bahnhof Lichterfelde-Süd.

Natürliche Vegetation gehört dazu

1998 fand ein internationaler städtebaulicher Realisierungswettbewerb statt, in dessen Ergebnis der Siegerentwurf von Prof. Florian Beigel (London) die zukünftige Grundstruktur von Lichterfelde- Süd zugrunde legt. Entsprechend der Vision von Zukunft Zentrum wird das natürliche Terrain mit seiner vorhandenen Vegetation in das Konzept einbezogen. Auf einer Baufläche von etwa 65 Hektar sind frei stehende Einfamilienhäuser, Doppel- und Reihenhäuser, aber auch Mehrgeschosser geplant. Wohnverträgliche Gewerbeflächen für Produktion, Handwerk und Dienstleistungen ergänzen das Angebot. Die Bauflächen gruppieren sich um eine große grüne Mitte: Hier sollen auf 34 Hektar öffentliche Grün- und Freiflächen entstehen.

Ansprechpartner:
Vivico Management GmbH
Jürgen Heyder   —   Leiter der Niederlassung Berlin
Hallesches Ufer 74-76
10963 Berlin
Telefon: 030 / 261 01-490   —   Fax: 030 / 261 01-403   —   E-Mail: juergen.heyder@vivico.de

Detail-Planungen:  [Plan-Skizze 2000]      [Verkehrsplanung 1999–2001]  (FGS Berlin)      [Wasser-Management 2001]  (FGS Berlin)



Endlich kommt der Schandfleck weg

GSW: In der Thermometer-Siedlung entsteht ein neuer Stadtplatz

Aus:
Wohnen in Berlin – Nr. ??, Juli/August 2002, Seite 11.

Dichter, verwilderter Bewuchs, hier und da Unrat, seit Jahren wurde der Wasser[spiel]platz in der Thermometer- Siedlung in Berlin- Lichterfelde nicht mehr [Ed: durch das zuständige Bezirksamt Steglitz] gepflegt. Mieterbeirat und Kiez- Präventionsrat forderten immer wieder Lösungen für diesen Schandfleck in der Siedlung.

Bislang vergeblich, denn knappe Bezirksmittel [Ed: und der fehlende Wille des Bezirks Steglitz, etwas für Lichterfelde-Süd zu tun] verhinderten die Sanierung des öffentlichen Geländes. Ende letzten Jahres stellte die GSW nun mit Unterstützung der Senatsbauverwaltung einen eigenen Förderantrag für eine Wohnumfeldmaßnahme. Dieser wurde genehmigt und Bezirk und GSW einigten sich auf einen Überlassungsvertrag. Jetzt kann der Umbau und die Neugestaltung des Wasserplatzes beginnen.

Der Neue Wasserplatz
^   Der „Neue Wasserplatz“ im August 2004 – nun ein kleiner Stadtplatz. Er wurde erst im Frühjahr 2004 fertig. Was hier noch fehlt, ist ein kleiner Wochenmarkt und ein ständiger Obst- und Gemüsestand (sowie die 2002 versprochenen Granit- Elemente). Denn seit dem 15. Juli 2004 ist das zentrale Einkaufszentrum der Thermometer- Siedlung ohne Lebensmittelmärkte – Reichelt und Plus sind nach Giesensdorf ins von der Bezirksverwaltung geplante und geförderte Einkaufszentrum gezogen. Im Vordergrund die Fahrspur durch die verkehrsberuhigte Zone für die BVG-Busse. Der Reichelt- Supermarkt war bis Dezember 2001 links hinter den Bäumen. (Foto: 5.8.2004 – khd)

Eigentlich ist der Wasser[spiel]platz gar kein richtiger Stadtplatz. Bei der 1320 Quadratmeter großen Fläche zwischen Fahrenheitstraße 19 und 27 handelt es sich im Behördendeutsch um einen „
verkehrsberuhigten Straßenraum“. Die als Wasserplatz bezeichnte [Teil-]Fläche ist allerdings durch mangelhafte Unterhaltung und Instandhaltung der Behörden im Laufe der Jahre zu einem Schandfleck verkommen. (...)

Ziel der Wohnumfeldmaßnahme ist es, unter Beibehaltung der verkehrsberuhigten Zone einen zentralen Stadtplatz für die Thermometer- Siedlung zu schaffen. Dafür wird der Straßenraum im Bereich des Hauses Fahrenheitstraße 27 platzartig aufgeweitet und überflüssige Einbauten ebenso wie Geh- und Fahrbahnverschwenkungen beseitigt. Der so entstehende „Neue Wasserplatz“ wird durch ein gebändertes Granitmosaik- Pflaster sowie Einbauten aus Granitsockeln und Granitsitzelementen gestaltet und durch Sitzbänke, Abfallbehälter und Kipp- Poller ergänzt.

Der vorhandene Straßenbaumbestand bleibt bei der Neugestaltung selbstverständlich erhalten, wird aber durch die Neupflanzung eines markanten Spitzahornbaumes ergänzt. Außerdem werden die Flächen im Bereich des nördlichen Fahrgassenanschluss mit Sträuchern bepflanzt und im Bereich des südlichen Fahrgassenanschluss werden Vorgärten gestaltet. Im Bereich der nordwestlich anschließenden Straße entstehen zudem 10 durch Fahrbahnmarkierungen gekennzeichnete Stellplätze, so dass auch keine Parkmöglichkeiten verloren gehen.

„Wir haben bei allen unseren Planungen versucht, Mieterwünsche weitestgehend zu berücksichtigten“, erklärt GSW- Geschäftsstellenleiterin Kerstin Krause. „Mit der Umgestaltung beseitigen wir nicht nur einen Schandfleck“, so Krause weiter, „der ‚Neue Wasserplatz‘ bietet künftig auch einen attraktiven Ort für Mieteraktivitäten und Kiezfeste.“



Für autofreies Wohnen stehen Ampeln auf Rot

Aus:
Berliner Morgenpost, 14. November 2002, Seite ?? (Bezirke). [Original]

LICHTERFELDE (tes). Die Ampeln stehen auf Rot für ein autofreies Stadtviertel auf dem „Parks Range“-Areal zwischen Osdorfer-, Réaumurstraße, dem S-Bahnhof Lichterfelde-Süd und der Berliner Landesgrenze. „Die Pläne sind leider ganz vom Tisch“, bedauert der Mitinitiator und ehemalige B 90/Grünen- Bezirksverordneter Günter Schlusche. Die Initiative der Grünen: Auf dem 1,15 Quadratkilometer [115 Hektar] großen Areal, das der Eisenbahn Immobilien Management GmbH [Ed: seit 2001 ist daraus die „Vivico Real Estate GmbH“ geworden, früher war es die VdeR – die Behörde „Verwaltung des ehemaligen Reichsbahnvermögens in Berlin (West)“] gehört, ein autofreies Stadtquartier mit 3.280 Wohnungen zu realisieren. Die Häuser sollten per Bus-Ringlinie, über Car-Sharing- und Radstationen mit ausleihbaren Fahrrädern erreichbar sein.

Das Planungsgebiet südlich der Thermometer-Siedlung
^   Blick auf das Planungsgebiet (XII-252 + XII-L2) südlich der Thermometer- Siedlung in Lichterfelde- Süd im Juli 2004. Im Vordergrund ist ein Stück der Réaumurstraße zu erkennen. Von hier bis etwa zur Pferdekoppel war eigentlich ein großer Naherholungs- Park für die Thermometer- Siedlung mit öffentlichen Spielflächen vorgesehen. Aber, obwohl ein großer Teil dieses Geländes schon mal abgeräumt war (der Bezirk hatte bereits den Kauf des Grundstücks angemeldet), wurde das in fast 40 Jahren nicht realisiert. Die Planung der Hochhaussiedlung am Stadtrand begann um 1965. Die (gelben) Felder liegen bereits im Land Brandenburg (früher DDR). Und der frühere US-Truppenübungsplatz »Parks Range« ist bereits in den 10 Jahren der Nichtmehr- Nutzung fast schon zugewachsen. (Foto: 29.7.2004 – khd)  


„Mausetot“ seien die Pläne, bestätigt der noch amtierende Baustadtrat Norbert Kopp (CDU). Der Projektentwickler Haberent favorisierte in einem städtebaulichen Wettbewerb 1998 den Entwurf des Londoner Architekten Florian Beigel, der auf autofreie Mobilitätskonzepte verzichtet [Ed: 2. Preisträger wurde Daniel Libeskind]. Bis zum ersten, für das Jahr 2003 vorgesehenen Spatenstich [Ed: der ausblieb], müsse die Haberent jedoch noch planerische „Hausaufgaben machen“, sagt Sprecherin Gabriele Cocozza.

Der Steglitzer Bauausschuss verlangte, den Bebauungsplanentwurf [Ed: welchen?] zu ändern. Zum Jahresende soll die überarbeitete Version vorliegen. So arbeite derzeit die Haberent daran, die Grünverbindung zur benachbarten Thermometer- Siedlung auszubauen, sowie das nördliche und südliche Baufeld für den Verkehr besser miteinander zu verknüpfen.

Belange der Thermometer-Siedlung bleiben erneut auf der Strecke

15.11.2002 (khd). In einem Rechtsgutachten schreibt im Juni der Planungsrechts- Experte Prof. Schäfer von der Technischen Universität Berlin: „Da die VIVICO bisher Stadtplanung ausschließlich nach höchstmöglichem Verwertungsinteresse betrieb (extrem hohe Ausnutzung der Gelände für die Bebauung), sich aber um die kommunalen Belange nicht kümmerte, besteht nun die Möglichkeit, den kommunalen Interessen zum Durchbruch zu verhelfen.“

Das hat auch für Lichterfelde-Süd eine erhebliche Bedeutung. Denn bislang weigert sich offensichtlich diese Vivico (hervorgegangen aus der Behörde VdeR) die seit über 30 Jahren bestehenden großen Defizite der Thermometer- Siedlung bei der Naherholung (Park, Schwimmbad usw.) auf ihrem Gebiet (in sinnvoller Weise) zu realisieren. Und von der Kommune sind bislang keine Schritte bekannt, dieses endlich zu korrigieren (Geländekauf, neue Planungsvorgaben, Berücksichtigung der Erkenntnisse aus dem Verfahren des XII-L2) – obwohl Politiker aller Couleur den Nachholbedarf der Thermometer- Siedlung seit 1970 im Grundsatz anerkannten (Schwimmbad sollte beispielsweise ursprünglich aufs Kali-Syndikats- Gelände...).

[21.06.2002: Rechtsgutachten zur Entwidmumg von Bahnflächen]  (Prof. Schäfer – TU Berlin)



Die Thermometersiedlung gewinnt soziales Gleichgewicht

Aus:
Berliner Morgenpost, 17. November 2002, Seite ?? (Bezirke) von MATTHIAS STEUBE. [Original]

Die Thermometersiedlung in Lichterfelde-Süd hat einen schlechten Ruf – teils unverdient. Tatsächlich haben viele der 20.000 Menschen zwischen Celsius- und Réaumurstraße keinen Job. 18 Prozent sind nichtdeutscher Herkunft, doppelt so viele wie im Bezirksdurchschnitt. Jugendliche lungern auf Straßen und Plätzen herum.

Ja, es gibt Gewaltdelikte, berichtet Polizeioberrat Jörg Semrau, Leiter des zuständigen Polizeiabschnittes 46, „es entstehen immer wieder Jugendgruppen, die sich zum Teil untereinander befehden, ohne dass man von Banden sprechen kann“. Aber: „Die Siedlung ist aus polizeilicher Sicht viel besser als ihr Ruf“, sagt Semrau. „Viele Einbrüche und Autodiebstähle gehen aufs Konto von Kriminellen, die vom Umland aus agieren.“

Positives kann die Mercator- Grundschule vermelden. Der Modellversuch des jahrgangsübergreifenden Unterrichts für die ersten bis dritten Klassen kommt an. Schulleiter Uwe Grötzner kann bereits Anmeldungen von Schülern registrieren, die zum Einzugsbereich anderer Grundschulen gehören.

In der Siedlung scheint sich das soziale Gleichgewicht zu stabilisieren. „Seit [1999] die Fehlbelegungs- Abgabe vom Tisch ist, können wir Mieter halten, die sonst wegziehen würden“, sagt Andreas Moegelin, Sprecher der Wohnungsbau- Gesellschaft GSW [Ed: denn die Fehlbelegungs- Abgabe war ein Schildbürgerstreich der besonders dämlichen Art: Dem Land Berlin sind allein in den Jahren von 1991 bis 2001 rund 500.000.000 Euro (1/2 Mrd.) an Steuern durch den Wegzug von 164.000 Bewohnern ins Brandenburger Umland entgangen]. In den 1170 Hochhauswohnungen leben etwa 3500 Menschen. Die Bauten mit dem 60er-Jahre- Charme haben mittlerweile zu 85 Prozent eine Außensanierung bekommen. Insgesamt wurden von 1997 bis 2001 rund 14,8 Millionen Euro investiert.

Eine neue Zuzugspolitik soll das Miteinander von alten und neuen Mietern fördern. „Wir schauen genau hin, wer vom Alter und den Familienverhältnissen in eine Wohngemeinschaft hineinpasst“, sagt Geschäftsstellenleiterin Kerstin Krause.

Derzeit läuft die Umgestaltung des Ladenzentrums in der Siedlung [Ed: und das dann 2004 quasi leer steht]. Gemeinsam mit dem Bezirk soll der Wasserplatz, der zu einem Schandfleck verkommen war, bis zum Herbst nächsten Jahres neu gestaltet werden.

Und, so berichtet die Geschäftsstellenleiterin, „das Arbeitsamt hat grünes Licht für die Förderung der Stelle eines Concierge gegeben“. Im mit 21 Geschossen größten Wohnhaus der Siedlung, Celsiusstraße 56, soll im Januar der „gute Geist“ des Hauses seine Arbeit aufnehmen können.

[01.05.2001: Intakte Stadtquartiere – Maßnahmenkatalog zur Beseitigung und Vermeidung sozialer Fehlentwicklungen]  (Oberste Baubehörde Bayerns)
[20.06.2002: Quartiersaufwertung – Quartierskonzepte – Thermometersiedlung]  (Berliner Forum Gewaltprävention)
[12.05.2004: Sozialraum Lichterfelde-Süd]  (Pilotprojekt BUS-STOP)



Senat spendiert 1 Million Euro für [Steglitzer] Problemkieze

Aus:
Berliner Morgenpost, 10. Februar 2003, Seite ?? (Bezirke). [Original]

STEGLITZ (kla). Fast eine Million Euro will der Bezirk Steglitz- Zehlendorf für die Verbesserung des Wohnumfeldes in so genannten Problemkiezen ausgeben. Das Geld wurde von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bewilligt und steht von diesem Jahr an bis 2005 zur Verfügung. Gefördert werden Projekte in der Thermometersiedlung in Lichterfelde- Süd und das Gebiet am Kamenzer Damm in Lankwitz.

Erste konkrete Pläne liegen bereits vor. In der Thermometersiedlung wird der Treffpunkt «Wasserplatz» umgestaltet. Bänke und gepflegte Grünflächen sollen das Kommunikationszentrum aufwerten. 51.000 Euro wurden dafür veranschlagt. Mit der gleichen Summe wird der Ausbau des alten Gemeindehauses an der Celsiusstraße zum Jugendtreff gefördert.

Für weitere Ideen wollen die GSW und das Stadtteilzentrum Steglitz ein Bürgerplanungsbüro in der Thermometersiedlung einrichten. Sozialamtsmitarbeiter Tobias Lehmann hofft, dass sich damit auch die Stimmungslage in den Großsiedlungen verbessert: «Wenn die Bewohner sehen, dass etwas für sie getan wird, könnten sie sich im Kiez wieder wohler fühlen.»

Fußgängerzone 2004
^   Genug Platz für einen kleinen Wochenmarkt oder einen ständigen Obst- und Gemüsestand. Blick auf die seit 1978 erfolgreich verkehrsberuhigte Zone an der Ecke Celsiusstraße und Fahrenheitstraße im neuen Look. Hier dürfen sei t 26 Jahren nur die BVG-Busse (derzeit die Linien 180 und 280) im Schrittempo sowie Taxis und Radler durchfahren. Im Hintergrund der 2004 zu einem offenen Platz umgebaute „Wasserspielplatz“, der sich nicht bewährt hatte. (Foto: 30.7.2004 – khd)



Bahn muß in Lankwitz Lärmschutz verbessern

[Ed: und im Bereich der Thermometer-Siedlung passiert beim Lärmschutz nichts – denn die GSW hatte nicht geklagt]

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 25. September 2003, Seite 12 (Berlin). [Original]

LEIPZIG (dpa). Die Bahn muß ihren Lärmschutz an der wiederaufzubauenden Anhalter Bahn in Lankwitz verbessern. Das entschied am Mittwoch [24.9.2003] das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Damit war die Klage der Wohnungsbaugenossenschaft Berlin- Süd zum Teil erfolgreich.

Sie hatte kritisiert, daß die Bahn an der Charlottenstraße in Lankwitz zu wenig gegen Lärm und Erschütterungen der künftigen Verbindung Berlin—Leipzig unternehme. Für ihre zwei Hochhäuser an der Strecke befürchtete sie Leerstand und Mietausfall. Das Eisenbahn- Bundesamt muß sein Lärmschutzkonzept für die Hochhäuser nun tatsächlich überarbeiten.  [Urteil   BVerwG 9 A 69.02]



Händler verärgert über Center-Pläne in Lichterfelde

Aus:
Die Welt, 25. Februar 2004, Seite ?? (Bezirke). [Original]

STEGLITZ (pol). Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf will offenbar einen Bauantrag genehmigen, der am Ostpreußendamm 60 den Bau eines "Kaufland"- Geschäfts [Ed: der Schwarz- Gruppe] mit bis zu 2700 Quadratmetern Verkaufsfläche ermöglicht. Eigentlich sollte dort nach dem Verkauf des landeseigenen Grundstücks am Kraftwerk Lichterfelde ein kleines Einkaufszentrum mit 4 Geschäften entstehen. Zum Schutz der Mittelständler in den Einkaufsstraßen wollte der Bezirk abseits dieser Zentren keinen großflächigen Einzelhandel genehmigen.

Flächennutzungsplan-Änderung
Ostpreußendamm/Giesensdorf
Nr. 18/98

Quelle: Senat von Berlin – 30.3.2004
Einleitungsbeschluß 3.09.1998
[Plan-Skizze]
Vorgezogene Bürgerbeteiligung 9.08. – 17.09.1999
Beteiligung der TÖB 9.08. – 17.09.1999
1. Öffentliche Auslegung 7.02. – 10.03.2000
2. Öffentliche Auslegung 19.03. – 20.04.2001
Senatsbeschluß 22.01.2002
Zustimmung des Parlaments 21.03.2002
Bekanntmachung
im Amtsblatt
Nr. ??? vom 12.04.2002
Seite ???
Letzter Stand: Die Änderung des FNP ist rechtskräftig und damit für die Verwaltung bindend.
Fazit: Damit gibt es vor dem Bewag-Kraftwerk statt "Grün- Fläche Sport" (fürs Schwimmbad) nur noch ein Mischgebiet M2. Die Lobby der Gewerbetreibenden hat sich voll durchgesetzt. Das (von allen Parteien) versprochene Schwimmbad wird hier nicht gebaut.
Kaufland Doch jetzt macht der Bezirk eine Kehrtwende. In Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung werde derzeit geprüft, "die ursprünglich 4 Gewerbeeinheiten in gleicher Grundfläche und Form zusammenzulegen", erläutert Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). "Auf diese Kompromisslösung läuft das Verfahren hinaus, teils bedingt durch die Vorgeschichte." Vor 3 Jahren habe das Land Berlin das Gelände an den Investor Hapag verkauft [Ed: an die Hapag Grundbesitz- und Bauträgergesellschaft mbH, die sich bereits in Halensee mit einem ähnlichen Projekt – dem Bauvorhaben Heilbronner Straße 26 (3 Supermärkte mit 450 Parkplätzen) – den Zorn der Anwohner (BI Verkehrschaos Halensee) zuzog]. Zuvor waren Nutzungspläne als öffentliches Schwimmbad wie auch eine Mischbebauung gescheitert. "Mit dem Verkauf war dem Erwerber ein hohes Nutzungsmaß zugestanden worden [Ed: = Dispens- Planung]. Ein entsprechender Bauvorbescheid wurde 2002 erteilt", sagt Stäglin. Seither ist auf dem Areal zwischen Giesensdorfer Straße und der Grundschule gleichen Namens nur ein "Burger King" entstanden.

Nicht eben begeistert äußern sich Händler der Umgebung zum Kaufland- Projekt: "Ich habe dafür wenig Verständnis und fürchte, das geht zu Lasten des Fachhandels, auch hier bei uns", sagt Carola Thieme- Fittkau von der Interessengemeinschaft Albrechtstraße. Und Buchhändlerin Gabriele Seebode meint: "Wir haben schon genug der geplanten Schlossgalerie zu tun."

Besser sieht es im Bezirk beim Schutz des gewerblichen Mittelstands für den Bereich des Gewerbegebiets Birkbusch-, Siemens-, Leonorenstraße und Teltowkanal aus: Dort – so hat das Bezirksamt beschlossen – soll ein neuer Bebauungsplan den ungebremsten Zuzug von großflächigem Einzelhandel verhindern [Ed: aber die aggressive Schwarz- Gruppe war mit Lidl schneller...].



Boomtown Lichterfelde

Discounter [Lebensmittelmärkte] schießen wie Pilze aus dem Boden / [Ed: nur nicht in der Thermometer-Siedlung]

Aus:
Stadtteilzeitung – Nr. 75 – März 2004, Seite 9 (Verschiedenes).

LICHTERFELDE (dt). In Steglitz-Zehlendorf wächst die Zahl der Lebensmittelmärkte rasant, obwohl die Versorgung mit Einzelhandel schon jetzt gut ist. Der Einfluss auf Standort und äußerliche Gestaltung seitens der Verwaltung ist sehr begrenzt. Das sind erste Ergebnisse einer Studie, die derzeit im Stadtplanungsamt erstellt wird.

82 Discounter gibt es momentan im Bezirk, 21 sind in Planung, stellt der noch nicht veröffentlichte Bericht fest. Mit 13 Filialen ist Meyer-Beck am häufigsten vertreten, gefolgt von Aldi (12), Reichelt (9), Plus (8) sowie Kaiser's und Lidl (jeweils 7). Die Liste der geplanten Märkte führt Lidl an (5), gefolgt von Aldi (3). Wenn die Discounter tatsächlich realisiert werden, ergibt sich eine Verkaufsfläche von insgesamt rund 62.000 Quadratmetern, und damit eine sehr gute Versorgung der Bevölkerung (285.000 Einwohner) mit Lebensmittel- Einzelhandel [Ed: aber nicht in der Thermometer- Siedlung]. „Ein Drittel aller Steglitzer erreichen innerhalb von 500 Metern kein Geschäft“, sagt Christoph Noack, der im Stadtplanungsamt die Studie erstellt. Dafür sei die Versorgung im 1000-Meter- Bereich „nahezu flächendeckend“.

Jenseits der Schloßstraße liegt das größte Entwicklungspotential in Lichterfelde: Noack sieht besonders auf dem Telekom- Areal, dem neuen Schweizer Viertel sowie an der alten McNair- Kaserne Möglichkeiten. „Spezielle Problemlagen“ gebe es an den Hauptverkehrsachsen, Restflächen der Bahn und an brachfallenden Gewerbegebieten wie beispielsweise an der Siemensstraße [Ed: und in Giesensdorf (Aldi-Lager)].

Das Papier wurde unlängst das erste Mal den Bezirksverordneten vorgestellt. Ratlosigkeit machte sich unter den Bezirkspolitikern breit als deutlich wurde, dass die Steuerungsmöglichkeiten gegen Null tendieren. Mit einem Bebauungsplan könne man zwar großflächigen Einzelhandel ausschließen. Mit der Folge, das dann allerdings die Grundstücke einfach geteilt werden. Fehlanzeige auch beim Schutz der [alteingesessenen] Einzelhändler und Erhalt der Kieze: „Wir können nichts unternehmen.“ Der Einfluss auf die Gestaltung der Discounter ist ebenfalls begrenzt: In den Konzernzentralen gilt das Prinzip des „corporate design“ – jeder Aldi- Markt muss gleich aussehen.

In 2 Monaten soll die Studie komplett vorliegen. Dann sollen auch erste Vorschläge auf dem Tisch liegen, wie mit den bisher zusammengestellten Fakten umgegangen werden soll [Ed: ganz klar, es gibt also dringenden Handlungsbedarf des Bundesgesetzgebers, um solchen Fehlentwicklungen mit einem novellierten Bauleitplanungsrecht wirksam begegnen zu können – sonst gehen so einige Kieze kaputt].



Haustür-Shopping in der Thermometer-Siedlung

Aus:
GSW-Mieterinformation – Beilage zu "Wohnen in Berlin/Brandenburg" Nr. 5/6, Mai/Juni 2004, Seite 3.

Den Friseur erreicht sie ebenso zu Fuß wie den Supermarkt und den Tabak- und Zeitungsladen. Dazu hat Sabine Schätzke 5 Ärzte verschiedener Fachrichtungen in direkter Nachbarschaft, eine Schneiderei

„Das ist Schönschreiben des spärlichen Angebots.“


Sagen GSW-Mieter und sind wütend. Denn bereits im Juli 2004 machte der letzte Supermarkt dicht.

mit Reinigungsservice, eine Apotheke, eine Eisdiele, die Kindl-Brauerei samt Restaurant und einen China-Imbiss für den kleinen Hunger.

Die junge Mutter aus der Thermometer-Siedlung in Lichterfelde genießt den Luxus vom „Haustür-Shopping“. „Als Mutter eines Babys kommt mir die Ladenzeile [Ed: des Einkaufszentrums] direkt vor der Wohnung sehr entgegen. Meinen kleinen Timothy kann ich in alle Geschäfte mitnehmen, bin also nicht fürs Einkaufen auf einen Babysitter angewiesen“. Und die Geschäftsleute freut diese Symbiose genauso. Jörg Schuldt, Inhaber der Einhorn- Apotheke: „Dadurch, dass wir mitten im Kiez sitzen, entwickelt sich zwischen unseren Kunden und uns in vielen Fällen ein fast freundschaftliches Verhältnis.“

Und damit sich Mieter untereinander und auch Gewerbemieter noch besser kennen lernen, hat die GSW im „Alten Waschhaus“ mit dem Nachbarschaftsverein einen Treffpunkt und eine Stätte zum Feiern geschaffen. Eine Hauswartsloge (Concièrge) für die größeren und kleineren Mietprobleme rundet das GSW- Angebot in der Thermometer- Siedlung ab.



Zur Entwicklung der Flächen für den Einzelhandel

3. Bericht zur Flächennutzungsplanung (FNP-Bericht 2004)

Auszug aus:
Abgeordnetenhaus von Berlin – Drucksache 15/2737, 9. Juni 2004, Seite 12 + 13. [Original]

3. Entwicklung der Rahmenbedingungen und des Flächenbedarfs

3.2 Entwicklungserwartungen und Realentwicklung

Einzelhandel: Im Einzelhandel ist seit 1990 gegenüber den ursprünglichen Entwicklungsannahmen eine erheblich dynamischere Entwicklung eingetreten; die obere Grenze des Entwicklungsrahmens (+1,4 Mio. m2 Verkaufsfläche) wurde bereits 1999 überschritten. Die Konzentration auf großflächige Verkaufsformen hat dramatisch zugenommen mit zum Teil heute schon deutlich negativen Folgen für Einzelstandorte wie die traditionellen Einkaufsstraßen.

Es wird angenommen, daß sich diese rasante Zunahme nach dem Abbau von Versorgungsdefiziten insbesondere im Ostteil der Stadt zukünftig verlangsamen wird. Es besteht jedoch weiterhin ein erheblicher Ansiedlungsdruck, auch für großflächige neue Einzelhandelsformen und auf städtebaulich schlecht integrierten Standorten, oft in gering genutzten Gewerbegebieten. (...)

Das unerwartet schnelle Flächenwachstum im Einzelhandel in Verbindung mit neuen Handelsformen und einer wachsenden Bedeutung komplementärer Freizeitnutzungen stellt im Hinblick auf die Gewährleistung einer wohnungsnahen Versorgung der Bevölkerung und auf die städtebauliche Integration von großflächigen Einzelhandels- und Freizeitangeboten eine neue politische Herausforderung dar, der mit den Instrumenten der Flächennutzungsplanung nur begrenzt zu begegnen ist.



„Gut und sicher wohnen“?

Berlins größte Wohnungsbaugesellschaft GSW an US-Investmentfonds verkauft / Mieter müssen mit erheblichen Mieterhöhungen rechnen

Aus: khd-Page – Nr. 330, Berlin, 20. Juni 2004 (News). [Original]


„Wir wollen nicht das schnelle Geschäft.“


Ralph Winter, Deutschland-
Manager der Cerberus zur
Berliner Morgenpost
im Februar 2004.

BERLIN – 18.6.2004 (khd/info-radio). Gestern abend besiegelte das Abgeordnetenhaus von Berlin einen weiteren Verkauf vom Berliner Tafelsilber. Für nur 405 Mio. Euro wird die bislang landeseigene „Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft mbH“ (GSW) mit rund 70.000 Wohnungen an die US-Fondsgruppe „Cerberus Partners“ (New York + Frankfurt/Main) verkauft. Diese war zum Schnäppchenpreis bereit, die GSW- Schulden in Höhe von 1,55 Mrd. Euro zu übernehmen. Von dem Verkauf sind fast 150.000 Mieter betroffen. Die GSW („Gut und sicher wohnen“) wurde am 2. April 1924 als Wohnungsfürsorge- Gesellschaft mbH (WFG) von der Preußischen Staatsverwaltung und der Stadt Berlin gegründet. Sie feierte gerade ihren 80. Geburtstag.

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Dem Deal von rund 30.000 Euro pro Wohnung zugestimmt haben im Parlament die regierende SPD + PDS, aber auch die oppositionelle CDU und FDP votierten dafür. Nur die Grünen stimmten gegen den Verkauf an den von der deutschen Wohnungswirtschaft völlig unbeleckten US-Investor. Den Volksvertretern wurden lediglich 2 Wochen zur Prüfung des umfangreichen Kaufvertrags gewährt. Die betroffenen Mieter wurden bislang überhaupt nicht über das Vertragswerk und dessen Folgen informiert. Auch der Senator für Finanzen hat sich mit Verweis auf die mit Cerberus vereinbarte Vertraulichkeit nicht zu wichtigen Details des Geschäfts geäußert. [mehr] [Kommentar]

GSW-Verkauf für 405 Millionen Euro perfekt

29.7.2004 (khd/dpa). Berlins größte Wohnungsbaugesellschaft GSW ist nun für 405 Millionen Euro in amerikanische Hände übergegangen. Der Verkauf der GSW an die beiden US-Investoren sei jetzt endgültig abgeschlossen, teilte die Finanzverwaltung heute mit. Nach Zustimmung der EU-Kommission wurde der Kaufpreis an das Land überwiesen, das jetzt keine Anteile mehr besitzt. Die rund 65.000 Wohnungen und 1,7 Milliarden Euro Schulden hatten die Investmentbank Goldman Sachs und die Investmentgesellschaft Cerberus übernommen.

Neue GSW-Gesellschafter präsentieren sich — nicht

21.10.2004 (dra). Die neuen GSW-Gesellschafter Cerberus + Goldman Sachs + Archon Group hatten die Berliner GSW- Mieterbeiräte zum 21. Oktober 2004 in die GSW- Zentrale eingeladen, um sich vorzustellen. Aber wie schon im September bei der GSW-Mieterversammlung in Spandau glänzten sie durch Abwesenheit. Wichtige und unaufschiebbare Termine hätten das persönliche Erscheinen der Vertreter der Eigner unmöglich gemacht, hieß erneut die Ausrede. Vorbereitet war stattdessen eine kleine, interessante Folien-Show „Vorstellung der Gesellschafter“ [Layoutgetreue PDF- Datei „Cerberus-GSW_presents_2004.pdf“].

So konnte dann auch nichts mehr schief gehen, beim Beantworten kritischer Mieter- Fragen zu den Folgen der Cerberus- Übernahme. Was aber wirklich im Kauf- Vertrag zwischen Berliner Senat und Cerberus drinsteht, bleibt weiterhin unklar. Die Papiere seien geheim, heißt es. Und daß, obwohl die große GSW ein mit reichlich Steuergeldern aufgebautes Unternehmen war. Die Mieter fragen sich nun: Was haben die denn zu verbergen? Wie wollen die uns denn ab 2014 reinlegen? Und werden die nicht bis dahin mit ihrem großen Wohnungsbestand (rund 65.000 Wohnungen) den Berliner Mietspiegel deutlich nach oben ‚manipulieren‘?

[28.08.2003: Geier-Fonds: Unter Geiern]  (MANAGER-MAGAZIN)
[19.08.2004: Cerberus – Der Höllenhund sucht Beute]  (MANAGER-MAGAZIN)
[26.10.2004: Mieter-Vertreter geht nicht in den GSW-Aufsichtsrat]  (BERLINER ZEITUNG)



Vom Geschäftesterben im Stadtrand-Kiez

Einkaufszentrum der Thermometer-Siedlung ohne Supermärkte / Letzter Lebensmittelladen macht dicht / Politik sprachlos und untätig

Aus:
khd-Page – Nr. 332, Berlin, 4. Juli 2004 (News). [Original]

BERLIN-LICHTERFELDE – 30.6.2004 (khd). Während ums Steglitzer Rathaus herum ein Immobilien- Fonds das „schönste Einkaufszentrum Berlins“ bauen darf, sieht es mit dem Einkauf am Steglitzer Stadtrand immer düsterer aus. Nun regelt hierzulande der Markt die Versorgung der Bürger mit Lebensmitteln und alltäglichem Bedarf. Aber das ist nur die Theorie. Denn immer häufiger wirken sich stadtplanerische Vorgaben und Fehler und wenig durchdachte Baugenehmigungen sowie ein nicht marktgerechtes Verhalten der Vermieter extrem negativ auf die wohnortnahe Versorgung der Bürger aus, wie das folgende Beispiel aus Berlin zeigt.


„Haustürshopping in der Thermometer-Siedlung“


Unter diesem Titel lobte sich die GSW im Mai 2004 in ihrer Mieterinformation noch selbst – wohlwissend, daß der Supermarkt demnächst dicht macht.

Anfang der 70er-Jahren entstand am Steglitzer Stadtrand in Lichterfelde- Süd auf der grünen Wiese – gebaut vor allem von GSW und GAGFAH ( * ) – eine Hochhaussiedlung mit rund 2700 Wohnungen und einem Einkaufszentrum an der Ecke Celsius-/Fahrenheitstraße. Hier gab es über viele Jahre u. a. einen Bäcker, ein Schreibwaren- Geschäft, einen Blumenladen, einen Eisen- und Haushaltswaren- Laden, eine Drogerie, eine Apotheke, ein Reisebüro, einen Frisör, eine Reinigung, einen Zeitungsladen, eine Bank, eine Kneipe, eine Pizzeria, einen Wochenmarkt und 2 Supermärkte (ursprünglich „Butter- Beck“ und „Gebr. Manns“). Die Supermärkte wechselten schon mal die Besitzer. Aus Butter- Beck wurde der Tengel- mann-Discounter „Plus“ und in den großen Laden der Gebr. Manns zog im Frühjahr 1987 „Reichelt“ ein. Die gleichzeitige Schließung der beiden Supermärkte Ende 1986 hatte damals für einigen Pressewirbel gesorgt.

Leeres Einkaufszentrum der Thermometer-Siedlung
^   Leer – leerer – am leersten. Das Einkaufszentrum der Thermometer-Siedlung an einem Freitag im Juli 2004. (Foto: 23.7.2004 um 11.06 Uhr – khd)

Plus Wenn nun Mitte Juli auch der 2. Supermarkt „Plus“ schließt, ist kein Ersatz in Sicht, obwohl die GSW gerade das Umfeld des gesamten Einkaufszentrums für rund 2 Mio. Euro aufwendig umgebaut und renoviert hat. Es ist nicht mehr viel übrig von der einstigen Vielfalt. Denn der Wochenmarkt, der Bäcker, das Schreibwaren- Geschäft, der Blumenladen, der Eisen- und Haushaltswaren- Laden und die Bank sind längst verschwunden. Die gut sortierte Drogerie wurde durch „Schlecker“ ersetzt. Hinzugekommen ist ein Reichelt China- Imbiß und eine Eisdiele. Einige Läden wurden zweckentfremdet und manche stehen leer. So auch der (andere) Supermarkt „Reichelt“. Dieser hatte bereits zu Weihnachten 2001 dicht gemacht, um sich einige 1000 Meter weiter im neu eröffneten Gewerbegebiet am S-Bahnhof Osdorfer Straße mit einem Neubau anzusiedeln. Dort gibt es mehr Parkplätze, denn man hofft hier auf Kunden aus dem Umland. Und Plus macht demnächst einen neugebauten Laden direkt am Ostpreußendamm auf – 6 Bus- Haltestellen entfernt. Aber welche Rentnerin kann schon bei jedem Einkauf auch noch 4,40 Euro (8,61 DM) an Fahrgeld ausgeben?

Wie sich da die vielen Mütter mit kleinen Kindern und alte, oft gehbehinderte Menschen mit den notwendigsten Lebensmitteln versorgen sollen, interessiert offensichtlich weder (Bezirks-) Politik noch Vermieter. Jedenfalls ist bis zum heutigen Tage keine Initiative der gewählten Volksvertreter bekanntgeworden, die sich seit 2001 abzeichnende und nun entstandene Situation in der Thermometer- Siedlung zu verbessern. Womöglich würden die Politiker die Bewohner – wie schon 1987 – wieder aufs Auto verweisen (Wirtschafts- Stadtrat Lemmer 1987: „Außerdem würden ohnehin viele Bürger ihre Einkäufe mit dem Auto erledigen“).

Neues Einkaufszentrum Osdorfer Straße
^   Das neue autofreundliche Einkaufszentrum am S-Bahnhof Osdorfer Straße. Vom Zentrum der Thermometer- Siedlung sind es bis hierher rund 1500 Meter Fußweg. Angesiedelt wurden bislang: Aldi, Fristo (Getränke- Discounter), Reichelt, Empire (Videothek), McDonald's und Thürmann (Backwaren). An einem Komplex mit mehreren kleineren Läden wird derzeit gebaut (vermutlich Apotheke, Bäcker, Frisör, Zeitungen, ...?). Im Hintergrund das Bewag- Heizkraftwerk Lichterfelde. Zwischen diesem und dem Einkaufszentrum haben Burger- King und Plus direkt am Ostpreußendamm neu gebaut. Dort wird wohl demnächst auch der Platz für das einst versprochene Hallenbad mit Geschäften zugebaut. Gefragt wurden die betroffenen Bürger nicht. (Foto: 17.7.2004 – khd)

Auch der Fußweg zu den noch am Rande der Thermometer- Siedlung vorhandenen Supermärkten „Kaiser's“ und nun „Rewe“ (1987 noch Bolle, später Edeka) an der Osdorfer Straße wurde damals empfohlen. Mißlich ist nur, daß es bis dorthin um die 800 Meter weit ist, d. h. 1600 Meter für Hin- und Rückweg zurückzulegen sind – viel zu weit für gehbehinderte Alte mit gefüllter Einkaufstasche.

Presse-Stimmen 1987
8. Januar 1987:  „Meine Kartoffeln werden knapp, wo soll ich denn bloß einkaufen?“ (B.Z.)
11. Januar 1987:  „Zwei Lebensmittelläden schließen – Thermometersiedler sind verärgert.“ (Berliner Morgenpost) *
29. Januar 1987:  „Wo uns der Schuh drückt – Bewohner äußern ihre Meinung“ (Steglitzer Wochenblatt)
1. Februar 1987:  „Skandal – Thermometer-Siedlung 7 Wochen ohne Supermärkte!“ (Forum Lichterfelde-Süd)
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Besonders mißlich ist aber auch, daß die in den 90er- Jahren geplante
Erweiterung der Thermometer- Siedlung nach Süden um 2000 bis 3000 Wohnungen – das Projekt Autofreies Wohnen – nicht realisiert wurde, obwohl das Gebiet seit 1998 mit der S 25 einen direkten S-Bahnanschluß in die Berliner Innenstadt hat. Immerhin hätten dann rund 10.000 Bewohner eine stärkere lokale Nachfrage bewirkt. Sollten sich die Einkaufsmöglichkeiten nicht nachhaltig verbessern, werden sich wohl viele eine neue Wohnung in einer Berliner Gegend suchen, in der ein „Haustür- Shopping“ von frischen Schrippen, Brot, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Fleisch noch möglich ist.

Soziales Gleichgewicht erneut gefährdet

1.7.2004 (khd). Es sieht ganz so aus, daß die Tage der Thermometer- Siedlung gezählt sein könnten. Denn offensichtlich reicht die Nachfrage von um die 4000 Bewohnern nicht mehr aus, um im Zentrum der Siedlung zwei sich ergänzende Supermärkte wirtschaftlich betreiben zu können. Und wenn das so ist – und wenn die Siedlung nicht sozial durch Wegzug umkippen soll –, dann muß schleunigst etwas passieren. Sonst könnte das 1999 von Studenten der Humboldt- Universität postulierte (und damals verworfene) „Schreckensszenario“ sehr schnell Wirklichkeit werden. Denn wegen der hohen Wohnwertminderung durch fehlendes „Haustür- Shopping“ und durch demnächst stark steigende Mieten werden nun einkommensstärkere Bewohner vermehrt die Thermometer- Siedlung verlassen.

Natürlich können Politik und Vermieter keine neue Läden aus dem Hut zaubern. Die muß der Markt schaffen. Aber sie können sehr viel dafür tun, daß die Rahmenbedingungen zum wirtschaftlichen Betreiben von Lebensmittelläden in einer problembehafteten Stadtrandsiedlung stimmen. Dazu gehören beispielsweise gezielte Steuererleichterungen für die Unternehmen und natürlich reduzierte Mieten. Passiert ist in dieser Hinsicht bislang aber nichts.

Nun steht es fest. Am Plus-Laden in der Celsius- straße 66a klebt heute (2.7.2004) ein Plakat:
Wir ziehen um!
Letzter Verkaufstag ist der 14.7.
Eröffnung unserer neuen Filiale am 15.7. um 8.00 Uhr auf dem Ostpreußendamm 137–138.

Plus
GSW-Säule  
^   Der neue GSW-Wegweiser am frisch renovierten – nun fast leerstehenden – Einkaufszentrum der Thermometer- Siedlung ist nun auch fast leer. Von den Geschäften der Ladenpassage ist nur noch die Apotheke und der Frisör geblieben. Der Blumenladen, der Bäcker, das Schreib- und Spielwaren- Geschäft und der Eisen- und Haushaltswaren- Laden sind längst verschwunden. Und neue Geschäftsleute konnten bislang nicht gewonnen werden.
Es ist fast unglaublich, daß die großen Laden- und Lagerräume des früheren Reichelt- Markts in der Fahrenheitstraße seit über 30 Monaten leer stehen und keine Miete erbringen. Dieser Vermieter (es ist nicht die GSW) hat die Marktwirtschaft nicht verstanden. Denn angeblich sollen sich Lidl und andere Unternehmen um die leerstehenden Geschäftsräume bemüht haben, was aber meist an einer zu hohen Miete gescheitert sein soll. Eine der Situation angepaßte niedrigere Gewerbemiete bot der Vermieter offensichtlich nicht an.

Auch ist es politisch und stadtplanerisch nicht sehr weise und durchdacht gewesen, durch die Öffnung der Gewerbegebiete zwischen Ostpreußendamm und S-Bahnhof Osdorfer Straße (früher Aldi- Zentrallager von West- Berlin) für den Einzelhandel, die Geschäfte aus der Thermometer- Siedlung de-facto abzusaugen. Insofern trägt der Bezirk Steglitz- Zehlendorf einen erheblichen Teil der Schuld an der nunmehr entstandenen untragbaren Einkaufssituation in der Thermometer- Siedlung.

Aber auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatte bei ihrer ab September 1998 betriebenen und im April 2002 abgeschlossenen Änderung des Flächennutzungsplans 18/98 offensichtlich nicht erkannt, daß die von ihr favorisierte „Aufwertung“ des Giesensdorfer Ortskerns im Zusammenspiel mit dem Bebauungsplan XII-177 (Gewerbegebiet) für die Infrastruktur der Thermometer- Siedlung negative Folgen haben mußte. In der Senatsbegründung heißt es: „Der Ortskern Giesensdorf soll durch Arrondierung und Mobilisierung von Nutzungspotentialen eine Aufwertung erfahren.“ Was nutzt nun die in der Tat erreichte Mobilisierung dieses Nutzungspotentials (Geschäftsneuansiedlungen), wenn nicht nur Oma Schulze in der gut 1500 Meter entfernten Thermometer- Siedlung nicht mehr vor der Haustür einkaufen kann? Durch den FNP 18/98 jedenfalls erfuhr die immer wieder von der Politik benachteiligte Hochhaussiedlung erneut eine Abwertung. – Danke, Herr Strieder!

Nun Kiezbereinigung?

3.7.2004 (pep). Aber vielleicht dient das alles auch nur dazu, aus der Thermometer- Siedlung ein „unattraktives Wohnquartier“ zu machen. Denn der neue GSW- Eigner Cerberus braucht solche. Er hat nach einem Bericht der Jungen Welt am 27. Mai auf einer Informations- Veranstaltung auf die Frage, wie denn Cerberus mit den sogenannten schwierigen Mietern umgehen wolle – schließlich gebe es in Berlin viele Arbeitslose und Sozialhilfe- Empfänger – angekündigt: „Ach, das ist kein Problem. Es gibt ja schließlich auch unattraktivere Wohnquartiere.“ Dann müsse man solche Mieter einfach dorthin „umsetzen“. „In einigen Quartieren wird sich viel ändern und in anderen nicht“, betonte der Deutschland- Manager der Cerberus. In Lichterfelde- Süd könnte die „Kiezbereinigung“ begonnen haben.

[04.12.1974: In Lichterfelde-Süd wurden "Folgeeinrichtungen" vergessen]  (Brief der Mietergruppe)
[10.07.1999: Berliner Großwohnsiedlungen kommen in die Jahre]  (Bericht der Humboldt-Universität)
[00.07.2000: Zwischenbilanz – Runder Tisch Thermometer-Siedlung]  (Wir in Lichterfelde-Süd)
[17.11.2002: Die Thermometer-Siedlung gewinnt soziales Gleichgewicht]  (BERLINER MORGENPOST)
[02.06.2004: Kiezbereinigung – Abgeordnetenhaus entscheidet über GSW-Verkauf]  (JUNGE WELT)

Das (Presse-)Echo 2004 dazu:
[15.07.2004:
Berliner Morgenpost]  (Letzter Supermarkt verschwindet)
[22.07.2004: Bezirksstadtrat Stäglin]  (Baustadtrat)
[05.08.2004: Bezirksstadtrat Laschinsky]  (Wirtschaftsstadtrat)

Im Internet recherchierter Background dazu:
[12.01.2000:
Berliner Zeitung]  (ROLLER-Markt genehmigt)
[16.05.2000: OVG-Urteil Curtiusstraße]  (Gericht stoppt Einkaufszentrum)
[30.03.2003: Flächennutzungsplan-Änderung 18/98]  (Basis für 3. Einkaufszentrum in Giesensdorf)
[25.02.2004: Die Welt]  (3. Einkaufszentrum in Giesensdorf)
[00.03.2004: Stadtteilzeitung Steglitz]  (Einzelhandel in Steglitz-Zehlendorf)
[01.08.2004: Dispens-Planung in Lichterfelde]  (khd-Page)
[22.08.2004: Berlins Senat macht liederliche Verträge]  (khd-Page)
[05.10.2004: Entwicklungshilfe für Einkaufsstraßen]  (DER TAGESSPIEGEL)
[18.10.2004: Überangebot an Geschäftsflächen in Berlin]  (BERLINER MORGENPOST)



„Waschhaus“ wird wiedereröffnet!

Aus:
Stadtteilzeitung – Nr. 79 – Juli/August 2004, Seite 5 (In eigener Sache) von THOMAS MAMPEL. [Original]

Die Vereine FAMOS e.V. und Stadtteilzentrum Steglitz e.V. werden das „Alte Waschhaus“ in der Thermometer- Siedlung (Celsiusstraße 60) ab dem 1. August 2004 gemeinsam betreiben und es zu einem lebendigen „Treffpunkt im Kiez“ für alle Menschen in der Thermometer- Siedlung entwickeln. Am Samstag, den 31.Juli 2004 findet ab 15.00 Uhr die große (Wieder-) Eröffnungsfeier statt, nach dem der Treffpunkt Ende Mai vom bisherigen Träger, dem NBV Thermometer- Siedlung, [Ed: wg. Mißmanagements] aufgegeben wurde [Ed: bzw. aufgegeben werden mußte].

Das Haus wird „OFFEN FÜR ALLE MENSCHEN“ sein – unabhängig von Nationalität, Herkunft, Religion, Hautfarbe, Alter oder Geschlecht. Das Haus wird ein Ort der Kommunikation, der gegenseitigen Unterstützung und der konkreten Hilfe für Familien und Einzelpersonen. Die Vereine FAMOS e.V. und Stadtteilzentrum Steglitz e.V. wirken bei der Realisierung dieser Ziele eng zusammen und bündeln ihre durch langjährige Arbeit mit Menschen im Stadtteil erworbenen Ressourcen, Kenntnisse, Kompetenzen und Fähigkeiten.

Famos e.V. (familienorientierte sozialpädagogische Hilfen) arbeitet als gemeinnütziger freier Träger der Jugendhilfe im Bereich ambulanter Erziehungshilfen für Familien. Der Verein Stadtteilzentrum Steglitz e.V. ist seit 1995 in Steglitz aktiv. Der Verein ist Träger von drei Nachbarschaftstreffpunkten, von drei Kinder- und Jugendeinrichtungen, von zwei Kindertagesstätten, eines Schülerhortes, einer Schulstation und eines Schülerclubs. Beide Vereine werden gemeinsam für die Umsetzung der inhaltlichen Angebote – vom Nachbarschaftscafé über Gruppen, Kurse und Workshops bis hin zu Rechtsberatung, familienunterstützenden Angeboten und Hilfe bei Schulden – Sorge tragen.



Letzter Supermarkt verschwindet aus Thermometer-Kiez

Aus:
Berliner Morgenpost, 15. Juli 2004, Seite ?? (Bezirke). [Original]

LICHTERFELDE (kla). Noch schnell etwas einkaufen – das ist für die Mieter der Lichterfelder Thermometersiedlung von heute an ein Problem. Gestern schloss der letzte Supermarkt im Kiez. Nachdem bereits ein Anbieter 2001 zum S-Bahnhof Osdorfer Straße umzog, verlagert jetzt auch der Discounter aus der Ladenpassage an der Ecke Celsiusstraße/Fahrenheitstraße seine Filiale an den Ostpreußendamm.

Die nächsten Märkte befinden sich nun an den Rändern der Siedlung. „Bis dahin und zurück sind es 1600 Meter zu Fuß“, schätzt Karl-Heinz Dittberner aus der Celsiusstraße [Ed: und bis zum neuen Einkaufszentrum am S-Bahnhof Osdorfer Straße sind es hin und zurück sogar gut 3000 Meter zu Fuß]. Das könne Müttern mit kleinen Kindern und alten Menschen nicht zugemutet werden. Immer mit dem Bus zum Einkaufen zu fahren, sei zu teuer.

Bei der GSW, der 1150 Wohnungen in der Siedlung sowie die Ladenpassage gehören, ist das Problem bekannt. Der Auszug des Supermarktes sei überraschend gekommen, sagt GSW- Mitarbeiterin Kerstin Krause. Die Handelskette hatte den Laden zum 31. Januar 2005 gekündigt. Erst vor drei Wochen habe man erfahren, dass der Markt früher auszieht. Jetzt hat Krause mehrere Lebensmittel- Discounter angeschrieben und hofft, dass sich ein neuer Mieter für den 665 Quadratmeter großen Laden entscheidet.



Bezirksstadtrat Stäglin (SPD) zur Fehlentwicklung beim Einkaufen

Betr.: Zentrum der Thermometer-Siedlung ohne Supermärkte

Aus: Antwort des
Steglitzer Baustadtrats, 22. Juli 2004 (eingegangen am 26.7.2004).

Sie beklagen darin [Ed: meine Mitteilung vom 6.7.2004] die Versorgungssituation im Lebensmitteleinzelhandel in der Thermometer- Siedlung, die sich nach dem Umzug von "Plus" an den Ostpreußendamm weiter verschlechtert hat. Ich teile Ihre Auffassung, dass dies einen unhaltbaren Zustand darstellt, der dringend verbessert werden muss.

Abgesehen davon, dass ich die Ansiedlungspolitik von Einzelhandelsunternehmen nicht beeinflussen kann, fehlt es derzeit leider am rechtlichen Instrumentarium, um solchen Fehlentwicklungen wirksam begegnen zu können.

  Über die Folgen der sozialen Entmischung durch eine verfehlte Stadtpolitik wird auf den Seiten „Sozialer Mix“ informiert.  
Der Bezirk Steglitz- Zehlendorf hat indes gerade eine Zentrenkonzeption erstellt, in der die entwicklungsplanerisch sinnvollen Zentrums- und Nahversorgungsbereiche definiert werden. Hier ist u. a. der Lebensmitteleinzelhandel vorrangig anzusiedeln. Fehlentwicklungen wie in Giesensdorf, wo es versäumt wurde, rechtzeitig planerisch auf Entwicklungen wie die Verlagerung des ALDI- Auslieferungslagers zu reagieren, sind leider im Nachhinein nicht mehr korrigierbar. Der Bezirk versucht aber an anderer Stelle, so z. B. im Gewerbegebiet Birkbuschstraße/ Siemensstraße, wo Einzelhandel ebenfalls in ein brachfallendes Gewerbegebiet hineindrängt, diesen per Bebauungsplan auszuschließen.

Für die Thermometer- Siedlung bleiben derzeit tatsächlich nur die in Randlage befindlichen Märkte von Rewe und Kaiser's in der Osdorfer Straße. Obwohl die Siedlung damit fußläufig (Radius von 500 m) mit ca. 2.000 m ≤ BGF Lebensmitteleinzelhandel als versorgt angesehen werden kann, werde ich mich im Rahmen meiner Zuständigkeit dafür einsetzen, dass es im eigentlichen Zentrum der Siedlung wieder eine Lebensmittelversorgung gibt. Denn zusätzlich zur fehlenden Versorgung der Bevölkerung führt längerer Leerstand von Gebäuden zu Verwahrlosung und erschwert den Prozess zur Verbesserung der Wohnsituation in der Thermometer- Siedlung einschließlich ihres Images.



N U N   G E H T ' S   L O S . . .

Mieten bis zu 40 % rauf

Schock für GSW-Mieter / [Ed: und demnächst auch in der Thermometer-Siedlung?]

Aus:
B.Z., Berlin, 24. Juli 2004, Seite 11 (Unsere Stadt). [Original]

BERLIN (mah). Und der nächste Miet-Schock! Diesmal trifft er Tausende Mieter der GSW (Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbau- Gesellschaft). Für die ersten 600 Wohnungen steigen die Mieten um bis zu 1,50 Euro pro Quadratmeter. Und: Die Mieterhöhung gilt rückwirkend zum 1. April 2004.


„Zum Leben bleiben mir noch 20 Euro.“


GSW-Mieterin im Juli 2004. Und was sagte doch Cerberus noch im Februar 2004: „Wir wollen nicht das schnelle Geschäft.“

Die Hiobsbotschaft – sie kam vor einigen Tagen per Post: „Ein echter Schock! Wir müssen 124,25 Euro im Monat draufzahlen. Das sind 40 % mehr“, sagt Lore Leyer, 57, aus dem GSW-Hochhaus am Bramwaldweg in Spandau. Die 83 Parteien in dem schmucklosen Gebäude (gebaut 1971) trifft es am härtesten: „Wir würden am liebsten ausziehen. Aber wohin in unserem Alter? Ins Heim wollen wir nicht“, sagen Ursula, 78, und Günter Möller, 80. Auch Heidemarie Sell, 60, aus Reinickendorf ist geschockt: „Ich zahle 41 Euro mehr im Monat. Zum Leben bleiben mir noch 20 Euro.“

Die GSW begründet die Miet- Erhöhung damit, dass die öffentliche Förderung nach 32 Jahren ausläuft. GSW-Geschäftsführer Dr. Heinz Wirries räumt gegenüber der B.Z. immerhin ein: „Die rückwirkende Miet- Erhöhung ist in der Tat unglücklich gelaufen“. Deshalb bietet die GSW den geschockten Bewohnern an, die Miet- Steigerung in Raten abzustottern.

Aber ist die Erhöhung zulässig? „Ob das, was die GSW macht, zulässig ist, muss genau geprüft werden“, so Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins (Telefon: 22 626-0). Auch andere Wohnungs-Gesellschaften (Gesobau, DeGeWo) erhöhen die Mieten: Betroffen sind 34.000 Haushalte.

25.7.2004 (khd/bz). Inzwischen ist der GSW aufgefallen, daß sie Nachforderungen nur für einen Zeitraum von 2 Monaten verlangen darf.



Stand der Planverfahren für Lichterfelde-Süd

30 Jahre amtlicher Planung ohne Abschluß / Industrie-Ansiedlung verhindert / Aber Naherholungs- und Freizeit-Flächen für Thermometer-Siedlung (auch fürs Schwimmbad) noch immer nicht gesichert

Bebauungsplan Osdorfer Straße/
Landweg/Réaumurstraße — Nr. XII-252

Quelle: Senat von Berlin – 30.7.2004
Aufstellungsbeschluß 27.04.1982
[Plan-Skizze 1982]
Vorgezogene Bürgerbeteiligung 18.11.1982 – 18.12.1982
Beteiligung der TÖB ???
Öffentliche Auslegung
Festsetzung durch den Bezirk
Zustimmung der BVV
Bekanntmachung im Gesetz-
und Verordnungsblatt
Letzter Stand: Im Landschaftsplanverfahren XII-L2 wurde klar, daß der ursprüngliche B-Planentwurf mit Industriegebieten nicht haltbar ist. Zudem ist wg. der nunmehr geplanten, total überdimensionierten Wohnnutzung sowieso eine Änderung notwendig. Aber Steglitz hat es nicht eilig.
Fazit: Das Planverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Unklar bleibt aber, ob dabei die bestehenden erheblichen Defizite der Thermometer- Siedlung berücksichtigt werden. Der XII-252 ruht nun seit 22 Jahren!
 
Landschaftsplan
Lichterfelde-Süd — Nr. XII-L2

Quelle: Senat von Berlin – 30.7.2004
Einleitungsbeschluß 29.11.1983
[Plan-Skizze 1984]
Vorgezogene Bürgerbeteiligung 18.12.1984 – 28.02.1985
Beteiligung der TÖB 2.11.1987
1. Öffentliche Auslegung
2. Öffentliche Auslegung
Festsetzung durch den Bezirk
Zustimmung der BVV
Bekanntmachung im Gesetz-
und Verordnungsblatt
Letzter Stand: Das Planverfahren hängt offensichtlich noch immer in der Phase der Beteiligung der Träger Öffentlicher Belange (TÖB).
Fazit: Der Plan XII-L2 ist noch nicht abgeschlossen. Das heißt: Er ruht nun seit 17 Jahren! Und noch nicht mal ein Biotopflächenfaktor (BFF) wurde bislang vorgegeben.


Editor-Hinweis: Obige Fakten wurden im Internet recherchiert. Aber auch Berlins Senat steht mit dem Anbieten von Datenbanken im Internet noch auf Kriegsfuß. Die Suche in der Datenbank „FIS-Broker“ war extrem umständlich und damit mühsam. Dennoch konnten keine Begründungstexte gefunden werden. Insofern ist offensichtlich die gesamte Berliner Stadtplanung (Landschafts- und Bauleitplanung) noch immer nicht ausreichend transparent. Wie hieß es doch? „Stadtplanung geht alle an!“ Und das bedeutet heute, daß alle relevanten Unterlagen aller Pläne im Netz als PDF- Dokumente zur Verfügung gestellt werden müssen.



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    © 2001-2007 – Dipl.-Ing. Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 30.10.2007 15.24 Uhr