Hamburger Studenten bauen römisches Kriegsschiff nach
Im Jahr 9 nach Christus tobte im Teutoburger Wald die Varusschlacht, in der Arminius die Römer
vernichtend schlug. Zur 2000-Jahr-Feier des Ereignisses bauen Hamburger Studenten derzeit ein
römisches Kriegsschiff nach auch im Namen der Wissenschaft.
Aus: DDP-Meldung,
29. November 2007, ??.?? Uhr MEZ (xxx) von KATARINA SASS.
[Original]
HAMBURG (ddp). In der Luft der Werkstatthalle schweben Sägespäne, ein ohrenbetäubendes
Kreischen von Kettensägen und anderen Werkzeugen erfüllt den Raum. Knapp ein Dutzend Hamburger
Studenten und Auszubildende in blauen Latzhosen bearbeiten einen hölzernen Schiffsrumpf. Auf der
Werft im Stadtteil Harburg entsteht derzeit ein originalgetreuer Nachbau eines römischen
Kriegsschiffes aus antiker Zeit. Rechtzeitig zur 2000-Jahrfeier der Schlacht im Teutoburger Wald 2009
soll das Replikat fertig sein.
Im Jahre 9 nach Christus besiegte der Cheruskerfürst Arminius in der Varusschlacht mehrere
römische Legionen mit 15.000 Soldaten. Damit war der Versuch, die rechtsrheinischen Gebiete
Germaniens zur römischen Provinz zu machen, endgültig gescheitert. Unter dem Motto "Imperium
Konflikt Mythos Varusschlacht 2009" wird übernächstes Jahr in einem
länderübergreifenden Projekt in Haltern am See an das römische Imperium, in Kalkriese an
den Konflikt und in Detmold an den Mythos vom unbesiegbaren Germanen erinnert.
Der Schiffsnachbau, der auf der Vorlage eines Fundes aus der Oberpfalz basiere, soll im kommenden
Frühjahr zu Wasser gelassen werden, erläutert der Historiker und Projektleiter Christoph
Schäfer von der Universität Hamburg. "Die Römer haben seinerzeit mit diesem Schiffstyp im
Vorfeld der Schlacht Truppen auf dem Rhein und seinen Nebenflüssen transportiert", erklärt
Schäfer. 2008 soll das rekonstruierte Kriegsschiff deshalb an verschiedenen Orten auf dem Rhein Halt
machen und über die Ausstellungen informieren.
Doch bis dahin haben die jungen Bootsbauer in Hamburg noch alle Hände voll zu tun, müssen sie
hämmern und sägen wie einst die Römer. Erste Resultate sind bereits sichtbar. Die
hölzerne Grundkonstruktion, das sogenannte Spantengerippe, ist schon fertig und lässt die
imposante Gestalt des Schiffes erahnen.
"Selbst die Holznägel haben wir angefertigt"
Nach seiner Fertigstellung erhoffen sich die Hamburger Studenten wissenschaftliche Erkenntnisse über
das 16 Meter lange und 3 Meter breite Römerschiff. "Wir wissen aus archäologischen Funden,
dass es in der Antike diese Kriegsschiffe gab, aber wir kennen weder die genauen Funktionen noch die
Leistungsfähigkeit dieses Schiffstyps", sagt Schäfer. Auf Testfahrten sollen deshalb
Informationen zu Höchstgeschwindigkeit, Seetauglichkeit und Belastbarkeit erhoben und
anschließend publiziert werden.
"Uns interessiert, wie praktikabel und wichtig diese Kriegsschiffe für die Militärstrategie
waren", so der Historiker. Deshalb würden nur Materialien verbaut, die damals auch zum Bau der
Originalschiffe verwendet worden seien. "Das Schiff besteht komplett aus Eichen- und Lärchenholz,
und selbst die Holznägel haben wir angefertigt", sagt Schäfer. Der Nachbau sei der erste aus
dieser Epoche und liefere somit bedeutende Erkenntnisse zum Schiffbau im ersten Jahrhundert.
Gleichzeitig verschafft das Bauprojekt arbeitslosen Jugendlichen eine neue berufliche Perspektive. "An
dem Schiff werden 30 Jugendliche zum Bootsbauer ausgebildet", sagt Teamleiter Gerrit Wagener. "Die
Zusammenarbeit zwischen den Azubis und den Studenten läuft super, und die Handgriffe sitzen
mittlerweile, so dass wir gut im Zeitplan liegen", berichtet der Student. Insgesamt bauen 14
Geschichtsstudenten in ihrer Freizeit an dem Boot mit.
Die Schirmherrschaft des Projekts haben Spitzenpolitiker um Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
übernommen. Die Ausstellungen sollen 5 Monate dauern. "Wir können schon jetzt sehr
zufrieden sein", sagt Schäfer. An der Varusschlacht selber sind die Schiffe selbstredend nicht
beteiligt gewesen. Das tagelange Gemetzel zwischen Römern und Germanen hat aller Wahrscheinlichkeit
in einem Sumpfgebiet am Teutoburger Wald stattgefunden.