Aus: Der Gemeindebote Nr. 7,
20. Dezember 1957, Seite 8 + xx (Schlangen/Lippe) Von ADOLF SCHMIDT und HEINRICH ELLERBROK.
Links sind redaktionell zugefügt worden.
Mit der Anlage einer Wasserleitung in Schlangen hat man sich schon vor der Jahrhundertwende
beschäftigt, denn die Not, die der Wassermangel früher hier verursachte, ist für die
heutige Generation unvorstellbar. Unvergessen sind bei den Ältesten unserer Gemeinde die trockenen
Jahre von 1893, 1911 und 1921. Auch in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts [Ed: also in den
1880ern] mußte das Wasser für den Haushalt oft bis zu 1 km herangeholt werden.
Die Anwohner der Fürstenallee waren immer zuerst betroffen, da ihre Brunnen als erste trocken
wurden. Besonders große Opfer mußten aber auch die Landwirte und Viehhalter bringen, da ja
auch das Vieh auf den Weiden mit Wasser versorgt werden mußte. Und wenn im November die
Hausschlachtungen begannen, dann sah man auf den Straßen nur ein Hasten und Rennen mit Eimern und
Kübeln nach den Brunnen, die noch Wasser lieferten. Da das Wasser in den Brunnen zunächst erst
um Weihnachten anfing zu steigen, hörte man oft am Tage vor Weihnachten Hausfrauen, die ihre
Söhne oder Töchter baten, auch an das Wasser für die Feiertage zu denken.
Vor etwa fünfzig Jahren hatte Schlangen 11 öffentliche Gemeinde- und Interessenbrunnen,
die wie folgt im Dorfe lagen:
- beim Gasthof zur Post,
- bei Kaufmann Emmighausen,
- bei Gebr. Keiser,
- gegenüber Petring, Rosenstraße 3,
- bei Schäferjohann, Rosenstraße 16,
- bei Wegemeister Bögerbax, Mühlenstraße Nr. 1,
- bei der Langen Dresche (Wilh. Deppe, Bergstraße 18),
- in der Grube, Langetalstraße,
- in der Adolfstraße,
- in der Mauer an der Krummen Straße gegenüber Haase Nr. 63,
- in der Bergstraße in der Mauer von Landwirt Fleege, gegenüber
Malermeister Wisbrok.
Die unter Nr. 4, 10 und 11 bezeichneten Brunnen waren nur einfache Schöpfstellen
ohne Pumpe und Ziehvorrichtung.
Am 13. November 1897 wurde der Interessentenbrunnen Concordia (bei Emmighausen) von der
Dorfschaft Schlangen übernommen. Von den sogenannten Interessenten dieses Brunnens, einer losen
Vereinigung der Benutzer des Brunnens, hatten einige die Abtretung an die Gemeinde angeregt, damit diese
den Brunnen wieder mit einer Pumpe versehen würde. Von den 50 Interessenten erklärten sich 49
mit der Abgabe einverstanden, nur Herr Fr. Ernsthuneke wollte sein Recht für sich behalten. Somit
ist der Brunnen noch heute mit 49 Anteilen in der Hand der Gemeinde und mit einem Teil in privater
Hand.
Als im Jahre 1903 der Verkauf des Luttergrundstückes an den Militärfiskus anstand, machte der
Klempnermeister Lücking, der um die Jahrhundertwende in Schlangen zugezogen war, bereits darauf
aufmerksam, daß die Lutterquelle einmal das für Schlangen so dringend notwendige Wasser
liefern könnte. In den folgenden Verhandlungen mit der MilitärdienststeIle wurde dieser Plan,
die Quelle nur zu verpachten und die Schöpfrechte für die Gemeinde zu sichern, aber nicht
verwirklicht, das Grundstück und die Quelle wurde für ca. 23.500 Mark verkauft.
Bei dem großen Brande vom 18. August 1904 herrschte wieder großer Wassermangel. Die Brunnen
Nr. 1 und 3 hatten nur bei langen Pausen (jedesmal 10 Minuten) genügend Wasser für die Wehren.
Der Brunnen Nr. 2 hatte noch das meiste Wasser und wurde daher von der Detmolder Dampfspritze benutzt.
Alle übrigen Brunnen waren trocken.
(Rest folgt demnächst).