Brandenburg   —  Dies & Das – Teil 1 khd
Stand:  5.7.2008   (15. Ed.)  –  File: Heimat/B/Ex/Brandenburg_Dies&Das_01.html



Brandenburg Diese Seite ist Teil eines größeren Berlin-Reports. Berlin liegt mitten im Land Brandenburg, wo seit ewigen Zeiten der Rote Adler regiert. Dennoch ist es bislang nicht gelungen, Berlin und Brandenburg zu einem Bundesland mit dem Regierungssitz Potsdam zu vereinen. Mit diesen Seiten soll das heimatkundliche Defizit im Internet wenigstens etwas abgebaut werden.

   
  B r a n d e n b u r g
In Wikipedia, der
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Auf den „Dies & Das“-Seiten sollen nach und nach einige kleine Geschichten, Begebenheiten, Erinnerungen sowie erläuternde Hinweise zur Berliner Umgebung dokumentiert werden. Die Beiträge stammen aus verschiedenen Quellen, die jeweils angegeben sind. [Translation-Service]

I n d e x :


Brandenburg — 2007 wird Brandenburg 850 Jahre alt


850 Jahre Mark Brandenburg

Aus: Brandenburg-Kurier – Nr. 1/07.

      In diesem Jahr [2007] finden im Land Brandenburg viele Veranstaltungen statt, in denen des 850jährigen Bestehens der Mark Brandenburg gedacht wird. Entscheidend ist dabei das Datum des 11. Juni 1157, der Tag, an dem der Askanier Albrecht der Bär in die Heveller-Feste Brandenburg einzog und dort sein Banner aufpflanzen ließ.

      Am 3. Oktober desselben Jahres ist die erste überlieferte Urkunde Albrechts des Bären ausgestellt, in der er sich „Markgraf in Brandenburg“ nennt. Die Brandenburg war schon seit dem 10. Jahrhundert eine bedeutende slawische Burg. Man muß sie sich ungefähr so vorstellen, wie sie hier abgebildet ist.

      Skizze der slawischen Brandenburg
^   Die Brandenburg um 950. Sie lag auf der heutigen Dominsel der Stadt Brandenburg.   (Repro: 2007 – khd)
      Anfang des 10. Jahrhunderts nahm der Sachsenkönig Heinrich I. Burg und Herrschaft den slawischen Hevellern ab. Vermutlich schon 948 wurde hier das erste Bistum östlich der Elbe gegründet. Mit dem Slawenaufstand 983 gewannen die Slawen ihre Herrschaft noch einmal zurück. Nach Wiederannäherung und Kooperation zwischen Slawen und Deutschen seit dem 10./11. Jahrhundert gelang es Albrecht dem Bären aus dem Geschlecht der Askanier, sich nach dem Tod des letzten slawischen Herrschers Pribislaw-Heinrich als Erbe in den Besitz der Brandenburg und des Heveller-Reiches zu setzen, das seit dem 11. Juni 1157 dauerhaft in deutscher Hand blieb.

      Die Herrschaft der askanischen Markgrafen von Brandenburg dehnte sich bis an die Oder aus. Als Hauptburgen der Mark bezeichnete Albrecht der Bär die Brandenburg, Havelberg, Werben, Arneburg, Tangermünde, Osterburg und Salzwedel. Im 13. Jahrhundert überschritten die Askanier die Oder und begannen mit der Errichtung der Neumark. Zu dieser Zeit war die Mark Brandenburg eine der größten Landesherrschaften im deutschen Königreich.

      Von der slawischen Brandenburg sind heute oberirdisch keine Reste mehr zu erkennen. Sie lag auf der heutigen Dominsel [der Stadt Brandenburg]. Ab 1165 wurde hier der Dom mit Domstift errichtet. Als Hauptstadt der Markgrafschaft Brandenburg, als Bischofssitz, als Ort eines seit 1326 bezeugten Schöppenstuhls (Gericht) und als „Fernhandelsstadt“ bildete Brandenburg im Mittelalter das unbestrittene Zentrum zwischen Elbe und Oder.

      Als sich im 16. Jahrhundert die Reformation ausbreitete, verloren Stadt und Domkapitel Brandenburg an Einfluß und infolge des Aufstiegs von Berlin als kurfürstlicher Residenzstadt ihre führende Stellung.


Brandenburg — Brücken nach Polen bauen

I n h a l t :

Kaum ein Weg zwischen West und Ost

Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. April 2004, Seite xxx (Straßenverkehr). [Original]

FRANKFURT/ODER – 10. April 2004 (AFP). Weit mehr als 20 Brücken führten vor dem Zweiten Weltkrieg über die Oder. Heute ist davon nur noch eine Handvoll übrig – gerade 4 der Bauwerke lassen sich ernsthaft für den Verkehr zwischen Deutschland und Polen nutzen.

„Die Osterweiterung kommt zwar in ein paar Wochen, aber bei der Infrastruktur sind wir nicht wirklich weit“, sagt Verkehrsexperte Thomas Fabian von der Technischen Universität Berlin. Viele träumten bereits von einem neuen großen Wirtschaftsraum in der Mitte Europas. Doch der Bau von Brücken, Straßen und Schienen scheitere noch oft am Geld und an nationalen Interessen.

Kein überzeugendes Konzept mit Blick auf die Erweiterung

Das Bundesverkehrsministerium in Berlin immerhin verkündet stolz, daß die meisten Projekte bereits abgeschlossen seien. Experte Fabian sieht dies nicht ganz so euphorisch. „Da ist auch viel Etikettenschwindel dabei“, sagt er. Die meisten Vorhaben seien schon kurz nach der Wende angepackt worden. Seitdem seien die Straßen und Schienen in Ostdeutschland großflächig saniert worden, ein überzeugendes Konzept mit Blick auf die Erweiterung gebe es bis heute aber nicht wirklich. Und so zieht sich etwa der Verlängerungsbau der A 6 für die Strecke Nürnberg-Prag und der A 17 für die Strecke Dresden-Prag noch über Jahre hin.

Bald, so prophezeien die Experten, werden dreimal so viele Lkw wie bisher die Grenzen zwischen alten und neuen Staaten passieren. Die fehlenden Straßen in Deutschland könnten dann noch das geringste Problem sein. Alarmiert ist die EU vor allem wegen der maroden Verkehrswege in den Beitrittsländern. So hat Polen gerade einmal rund 500 Kilometer Autobahn, in Deutschland sind es zum Vergleich knapp 12.000 Kilometer. Die polnische Regierung will bis 2006 nun immerhin eine Verbindung von Warschau zur Westgrenze des Landes bauen und an die von Berlin kommende A 12 anbinden. Doch auch dafür mußte Brüssel erst Druck machen. Polen hatte zunächst lange den Ausbau der Strecke Warschau-Danzig favorisiert.

In Polen alamierend, in Tschechien kaum besser

In Tschechien sieht es kaum besser aus. Eine Autobahn zwischen Wien und Prag fehlt nach wie vor; erst 2009 soll die Trasse fertig sein. Nicht ganz so spät, schon 2006, soll das fehlende Stück in Richtung Dresden fertig sein. Auf die Schiene können die Güter kaum ausweichen. „Da sieht es noch schlimmer aus, weil nicht nur die Staaten an den Verhandlungen beteiligt sind“, sagt Fabian. „Deutsche und polnische Bahn etwa sind weitgehend privatisiert, so daß wir sogar ein Vier-Akteure-Spiel haben.“ So müsse hier eine Strecke erst ihre Rentabilität beweisen, bevor sie gebaut werde – in der jetzigen Situation fast unmöglich.

Rund 20.000 Kilometer Straße und 30.000 Kilometer Schiene fehlen

Die EU sorgt sich um die Konkurrenzfähigkeit der neuen Mitglieder, nachdem erste Unternehmen sich wegen der schlechten Infrastruktur gegen Ansiedlungen in Osteuropa entschieden haben. Deshalb übernahm Brüssel in den vergangenen Jahren immer stärker das Kommando bei der Koordination der Verkehrsprojekte. So wurde etwa eine Expertenkommission unter dem Vorsitz des einstigen Wettbewerbskommissars Karel van Miert eingesetzt. Sie rechnete aus, daß – die Beitrittskandidaten Bulgarien und Rumänien inklusive – rund 20.000 Kilometer Straße und 30.000 Kilometer Schiene fehlen, und daß auch neue Flughäfen gebaut werden müßten. Geschätzte Kosten: Gut 100 Milliarden Euro.

Letzte Hoffnung Hubschrauber

Noch scheitert das zügige Überqueren des einstigen Eisernen Vorhangs aber schon im Kleinen. So existiert etwa keine vernünftige Verbindung von Wien ins slowakische Bratislava, das nur 60 Kilometer entfernt ist. Der Zug braucht über eine Stunde und eine Autobahn gibt es gar nicht – dort, wo vor dem Krieg sogar eine Straßenbahn verkehrte. Nach der Ansiedlung von Volkswagen und Peugeot in Bratislava hatten österreichische Zulieferer deshalb keine Chance, an Aufträge zu kommen. Und die österreichische Tageszeitung „Wirtschaftsblatt“ frotzelte, den Unternehmen bliebe zum schnellen Gütertransport von einer Stadt in die andere nur noch der Hubschrauber.



Zum ersten Mal seit dem Krieg überquert
eine Fähre die Oder

Der Fährbetrieb zwischen Güstebieser Loose und Gozdowice an der Oder wurde wieder aufgenommen. Es hat 15 Jahre gedauert bis alle Genehmigungen und ein Schiff da waren.

Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 18. Oktober 2007, Seite xx (Brandenburg) von ANDREAS WILHELM. [Original=art128,2401778]

Wege über Oder-Neiße
GÜSTEBIESER LOOSE/ODER (Tsp). Frank Ehling, Amtsdirektor in Barnim-Oderbruch, spricht von einem "Weihnachtsgeschenk". Rund 160 Meter entfernt, in Gozdowice am polnischen Oderufer, wartet eine neue Schaufelrad-Fähre auf ihre Jungfernfahrt. Am 20.10.07 soll sie in dem Oderbruch-Dörfchen Güstebieser Loose empfangen werden. Sie wird dann die erste Fähre sein, die nach dem Krieg die Oder überquert.

Die Anrainergemeinden warteten 15 Jahre auf die Fähre

Sie verkehrte schon von 1815 bis 1945 regelmäßig, 1992 dann entstand der Plan, sie wieder einzurichten. "Ein Außenstehender kann sich kaum vorstellen, welche Maßnahmen ergriffen und welche Behörden beteiligt werden müssen, wenn ein Grenzfluss überquert werden soll", sagt Ehling. "Als Kommune kann man nicht außenpolitisch tätig werden", sagt Loose. Alles, was beschlossen wurde, sei über Berlin und Warschau gelaufen. Bis Kriegsende waren Güstebieser Loose und Gozdowice eine Gemeinde. "Nach der Wende sind wir wieder näher zusammengerückt", erklärt der Amtsleiter. Die Menschen besuchen sich wieder, die Landstraße setzt sich jenseits der Oder weit ins Landesinnere fort. Die nächstliegenden Brücken überqueren den Fluss in den je 25 Kilometer entfernten Orten Hohenwutzen und Küstrin-Kietz.

Alte Verbindungen wieder füllen

Der kleine, 250.000 Euro teure Schaufelraddampfer namens "Bez Granic" – "Ohne Grenzen" – wurde zu 75 % von der EU finanziert, Betreiber ist die polnische Gemeinde Mieszkowice [fr. Bärwalde/Nm.]. Das Projekt könnte als Modell für weitere Lückenschlüsse dienen. Denn auch in Lebus und gegenüber in Nowy Lubusz gebe es Pläne, die alte Verbindung zu reaktivieren, sagt Wolfgang Skor, Chef der Vereinigung für deutsch-polnische Regionalentwicklung. Die Fähre in Lebus soll aber nicht Autos, sondern Radler und Fußgänger transportieren. Befragungen hätten ergeben, dass viele Radtouristen an der Oder gerne mal einen Abstecher nach Polen machen würden. Das Gebiet auf der gegenüberliegenden Seite des Landkreises Märkisch- Oderland habe vor dem Krieg wegen seiner Waldflächen und klaren Seen zu den beliebtesten Erholungsgebieten auch der Berliner gehört, sagt Skor. Ein Antrag ans brandenburgische Infrastrukturministerium auf Errichtung eines Grenzüberganges werde gegenwärtig vom Amt Lebus vorbereitet. Dafür müssten noch positive Stellungnahmen des Kreises Märkisch- Oderland und seines polnischen Gegenübers sowie eine Betreiber-Erklärung der Stadt Slubice angefordert werden, erklärt Skor.

Der Wunsch nach einer Fährverbindung bestehe außerdem im ebenfalls in Märkisch-Oderland gelegenen Kienitz und dem polnischen Porzecze. Einen Zeitpunkt, wann die Fähren in Lebus und Kienitz in Betrieb gehen, wagt Skor aber nicht zu nennen. "Doch jetzt, wo wir so viel Erfahrung haben, dürfte es nicht mehr 15 Jahre dauern."

Zwei Wochen bis zur Winterpause

In Güstebieser Loose wiederum wird die Fähre voraussichtlich zunächst nur für zwei Wochen in Betrieb sein. "Laut Grenzabkommen darf sie nur von April bis Oktober betrieben werden", sagt Skor. Durch Verzögerungen in der Werft im polnischen Opole hatte sich der Starttermin immer wieder verschoben. Später verhinderte Hochwasser die Überführung. "Dadurch ist es unter den Brücken zu eng geworden."

Skor hofft nun auf eine Verlängerung der Saison, was sich schwierig gestalten könnte. Denn wieder müssten zahlreiche Behörden, unter anderem Bundespolizei und polnischer Grenzschutz, einwilligen. "Die haben auch die Passkontrollen nur bis Ende des Monats geplant." Und warum hat man dann nicht doch noch bis zum Frühjahr gewartet" Eine Frage, bei der Wolfgang Skor seufzen muss. "Es war für dieses Jahr geplant. Jetzt ziehen wir das durch."

Die Fähre von Güstebieser Loose hat Platz für sechs Pkw und 20 Personen. Sie soll bei Bedarf bis zu drei Mal stündlich fahren. Preis pro Person: 25 Cent, pro Pkw: 1 Euro.



Eisenbahnbrücke über die Oder wird neu gebaut

13 neue Brücken über Oder und Neiße vorgesehen.

Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 27. Februar 2008, Seite xx (Brandenburg). [Original]

FRANKFURT/ODER (ddp). Die marode Eisenbahnbrücke über die Oder bei Frankfurt wird durch einen Neubau ersetzt. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und sein polnischer Amtskollege Cezary Grabarczyk schlossen am Dienstag [26.2.2008] einen Staatsvertrag zum Bau sowie zur Instandhaltung der 13 Bahnbrücken über Oder und Neiße.

Das Abkommen ist Voraussetzung für den ersten Neubau einer Eisenbahnbrücke von Deutschland nach Polen seit Jahrzehnten. Mit dem Neubau der Brücke wird ein Nadelöhr auf der Verkehrsachse Berlin — Warschau — Moskau beseitigt. Über das alte Viadukt durften Züge nur noch eingleisig und mit Tempo 50 fahren. Die neue Brücke soll im Dezember übergeben werden. Die Investitionskosten werden auf 25 Millionen Euro beziffert.



Betonage für Eisenbahnbrücke über die Oder

Neue Eisenbahnbrücke bei Frankfurt bis Dezember 2008 fertig.

Aus:
EurailPress.de, 3. Juli 2008, ??.?? Uhr MESZ (News). [Original]

FRANKFURT/ODER (EP). Bis Ende September werden die neuen Vorlandbrücken der Oderbrücke bei Frankfurt betoniert. Am 26. Februar 2008 hatten Wolfgang Tiefensee, Minister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, und sein polnischer Amtskollege Cezary Grabarczyk den deutsch-polnischen Staatsvertrag über die Eisenbahn-Grenzbrücken unterzeichnet und mit einem ersten Rammschlag den Neubau der Oderbrücke in Frankfurt (Oder) gestartet.

Für die neue Brücke mussten zunächst die alten stählernen Vorlandbrücken auf der Nordseite abgebaut sowie am polnischen Ufer eine Hilfsbrücke eingebaut werden. Anschließend entstanden die neuen Brückenwiderlager sowie die acht neuen Brückenpfeiler. Für die Gründung der Widerlager und Pfeiler mussten 11 m tief Spundbohlen in den Untergrund gerammt werden. Besonders schwierig war das Einbringen der Spundbohlen auf der Westseite der Brücke. Hier verbargen sich in der Tiefe des Untergrundes noch Reste der 1945 gesprengten Brücke. Auf speziellen Traggerüsten werden die Beton-Hohlkästen der Vorlandbrücken derzeit erstellt.

Die ältesten Teile der Oderbrücke bei Frankfurt (Oder) stammen aus dem Jahr 1870. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke bis 1951 wiederhergestellt. Nun wird die Brücke komplett durch einen Neubau ersetzt. Die Vorlandbrücken werden aus Spannbeton hergestellt. Über den Strom spannt sich eine neue zweigleisige Netzwerk-Bogenbrücke mit 104 Metern Stützweite.

Die Bogenbrücke wird am polnischen Ufer vormontiert. Vom 17. Oktober bis 1. Dezember – in nur 45 Tagen – werden die alte Brücke komplett abgebrochen, die Neubauten eingeschoben beziehungsweise eingeschwommen und die Bahnverbindung über die Brücke wieder hergestellt.




Polen — Ein AKW an der Oder

I n h a l t :

Polen erwägt Bau eines Atommeilers an der Oder

Aus: DDP-Meldung, 3. Mai 2006, 15.40 Uhr MESZ (Panorama). [Original]

FRANKFURT/ODER (ddp-lbg). Polnische Wissenschaftler haben das bei Schwedt gelegene Gryfino als möglichen Standort für ein Atomkraftwerk [AKW] ausgemacht. Das berichtete die Märkische Oderzeitung [3.5.2006] vorab unter Berufung auf polnische Presseinformationen über entsprechende, noch geheime Pläne. Die Landesvorsitzende der Grünen, Katrin Vohland, forderte Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) auf, gegen die Pläne einzuschreiten. Denn sie seien ein "Horrorszenario". Der Einsatz dieser "unbeherrschbaren Technik in besiedeltem Gebiet, unweit der Bundeshauptstadt, wäre eine grenzenlose Verantwortungslosigkeit".

Im Potsdamer Umweltministerium war dem Vorhaben allerdings nichts bekannt. "Die polnische Seite müsste vor dem Bau auf jeden Fall mit uns reden", sagte ein Sprecher der Zeitung. Er verwies auf eine Vereinbarung zur grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung. Darin sei festgelegt, dass das jeweilige Nachbarland über Umweltauswirkungen eines grenznahen Vorhabens informiert werden muss.

Die Information stammten von Mitarbeitern des Instituts für Kernphysik der Polnischen Akademie der Wissenschaften, die den Bau von Kernkraftwerken ab 2015 vorbereiten sollen, schreibt das Blatt weiter. Als in Frage kommende Standorte würden die Vor-Karpatenregion im Südosten Polens sowie das Gebiet Westpommern erörtert. Als Bauplätze in der Region Stettin (Szczecin) werden ein ehemaliger deutscher Truppenübungsplatz bei Drawsko (Dramburg) und die Stadt Gryfino an der Oder genannt. In Gryfino gibt es schon ein großes Kohle-Kraftwerk.

Grundlage der Planungen ist der Zeitung zufolge ein 2005 gefasster Regierungsbeschluss zur "Energiepolitik Polens bis zum Jahr 2025". Darin wird die künftige Nutzung der Atomenergie in Polen unter anderem mit der notwendigen Beschränkung von Treibhaus- Emissionen in die Atmosphäre sowie mit dem steigenden Energiebedarf begründet.

[02.05.2006: Polen plant AKW an der Oder]  (khd-Page)



Pläne für Atomkraftwerk in Polen werden konkreter

Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 9. April 2008, Seite 12 (Brandenburg) von JENS MATTERN. [Original]

SCHWERIN (Tsp). Polen scheint nun sein erstes Atomkraftwerk [AKW] ernsthaft in Angriff zu nehmen. Nach Angaben der Zeitung Rzeczpospolita liegt ein strategisches Papier des Wirtschaftsministeriums vor, welches zu einem Bau des Kraftwerks innerhalb von 12 bis 15 Jahren rät. Gegenwärtig wird die Stromgewinnung des Landes zu 90 % aus Steinkohle gedeckt. Doch diese Quelle wird zunehmend teurer, auch, weil die EU den Kohlendioxidausstoß durch weitere Auflagen einschränken will.

Die brandenburgische Landesregierung hatte sich bereits vor 2 Jahren gegen ein AKW in dem Nachbarland ausgesprochen, als die Pläne zum ersten Mal bekannt wurden. Als ein Standort des Kernkraftwerks ist die Gemeinde Gryfinow an der Oder, unweit von Schwedt, im Gespräch.

In Polen soll eine umfassende Kampagne dem Bau des Kraftwerks vorangehen. Zur Diskussion über den Sinn der nuklearen Stromgewinnung ist bereits ein Internetforum freigeschaltet.

Denn mit Polens schnell rebellisch gestimmter Bevölkerung kann es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Zum einen soll nun die bisher staatlich betriebene Kohleförderung privatisiert werden, was Entlassungen zur Folge haben dürfte. Die Gewerkschaften der Bergarbeiter sind für ihre gewalttätigen Demonstrationen vor polnischen Regierungsgebäuden gefürchtet.

Zum anderen lehnen 56 % der Polen ein Atomkraftwerk ab [Ed: nach anderen Quellen befürworten mehr als 60 % der Polen den Bau von Atomkraftwerken in ihrem Land]. Und: Polen hat keine Erfahrung im Bau einer solchen Anlage, wie Jan Poprzyk von der Technischen Universität in Katowice (Kattowitz) sagt.






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