Fakten zum EURO – Teil 2 khd
Stand:  27.9.2005   (30. Ed.)  –  File: Misc/EURO_2.html




Zum 1. Januar 2002 kam dann das EURO-Geld. Und gleich gab es Ärger mit den Preisen. Einige Händler hatten Schwierigkeiten beim Umrechnen der DM-Preise. Wurde der Euro zum Teuro? Hier sollen einige nützliche Informationen, Fakten und Zahlen zur Einführung der neuen europäischen Währung dokumentiert werden.

I n h a l t :   [1. Teil]   [2. Teil]  
  1. Geschichte des EURO.
  2. Wirtschaftskraft der EURO-Länder.
  3. EURO-Umrechnungskurse.
  4. Wie kommt das EURO-Zeichen in den Computer?
  5. Kostenlose Umrechnungsprogramme.
  6. Infos zur EURO-Umstellung ab 2002:
    Vielen Bürgern ist der Euro noch fremd.
    Fehler bei der EURO-Umstellung.
  1. Zur Debatte um den TEURO:
    Die Einzelhändler am Schandpfahl.
    Teuerung: Die Wahrheit über den Euro.
  2. Der EURO ist doch ein TEURO.
  3. Die 10 neuen EU-Länder ab 2004.
  4. Entwicklung des Spareckzinses.

Made with Mac


4. Wie kommt das EURO-Zeichen in den Computer?

5.4.1999 (dpa/t-off). Der Euro kommt, doch wie kommt das Euro-Zeichen in den Computer? Wie das zweimal durchstrichene runde E aussehen soll, hat die Europäische Kommission zwar auch im Internet unter http://www.europa.eu.int/euro/ bis ins Detail festgelegt. Doch damit ist es mit der Einfachheit schon fast vorbei. Die Umstellung auf den Euro sei für Softwarehersteller "weitaus problematischer" als es die Rechtschreibreform jemals war, weiß man dann auch beim Software- Riesen Microsoft.

Schriftenhersteller wie die amerikanische Firma Adobe bieten im Internet bereits kostenlos verschiedene Fontfamilien an, die auch das Euro-Zeichen enthalten [http://www.adobe.com/]. Nach der Installation genügt es, ein beliebiges Zeichen zu schreiben und den gewünschten Euro-Font im Schriftenmenü auszuwählen.

Anders sieht es aus, wenn das Euro-Symbol für besondere Schriften verwendet werden soll, die nicht zur Standard- Ausrüstung des Computers gehören. Für jede Schrift der einzelnen Schriften-Hersteller müssen hier neue Updates mit dem entsprechenden Symbol vom Schriften-Hersteller angefordert werden.

Etwas komplizierter wird es jedoch, wenn das Zeichen ohne den umständlichen Wechsel der Schriftart einfach über ein Tastaturkürzel auf den Monitor und später aufs Papier kommen soll. In diesem Fall muß die Bildschirmschrift ein Euro-Zeichen (À) enthalten und der Tastaturtreiber die entsprechende Kombination erkennen. Für Web-Seiten gilt dann der HTML-Code "À". Unter Umständen ist auch noch der Druckertreiber zu aktualisieren. Für den Einsatz in Tabellenkalkulationen muß das Zeichen zudem als Währungszeichen erkannt werden.

Ohne Zusatzaufwand läuft die Umstellung auf den Euro lediglich für Anwender der Betriebssysteme Windows 98 und künftig Windows NT 5.0 sowie des MacOS 8.5 von Apple ab. Für ältere Versionen des MacOS sind dem Unternehmen zufolge ein entsprechender Zeichensatz sowie eine aktualisierte Fassung des Druckertreibers nötig, der demnächst kostenlos im Internet erhältlich sein soll. In der MacOS Version 8.5 ist der Euro bereits integriert. Es lohnt sich auch ein Versuch, mittels Tastenkombination "Option-Shift-D" einen Euro zu kreieren. [Download: Euro-Tools für Apple Macintosh]

Für die Betriebssysteme Windows 95 und Windows NT 4.0 stellt Microsoft kostenlos die nötige Software für die Euro- Umstellung bereit [http://www.microsoft.com/germany/office/euro/eurofaq.assp.download]. Die Tools und Dateien sind auch zu finden unter http://www.microsoft.com/windows/euro.asp. Weitere Infos finden sich auf dem Microsoft-Server. Hier läßt sich ein kleines Zusatzprogramm herunterladen und nach Anleitung auf dem PC installieren. Anschließend sollen alle gängigen Programme wie Microsoft Word, Office, Outlook oder Excel in der Lage sein, über das Tastaturkürzel "Alt-Gr + e" das Währungszeichen zu zaubern.

Für alle ältere Betriebssystem-Versionen – darunter MS-DOS – ist ein solches Update nicht geplant. Deren Nutzer werden sich vorerst mit der Installation zusätzlicher Schriftschnitte begnügen müssen.


5. Kostenlose Umrechnungsprogramme

Umrechnungsprogramme für den PC werden im Internet kostenlos angeboten. Diese enthalten bereits die fixierten Kurse für jedes Euro-Land. Anbieter sind derzeit:

Beachten Sie unbedingt auch das " Jahr-2000-Problem" der digitalen Welt, von dem vor allem die PCs betroffen sind.

6. Infos zur EURO-Umstellung ab 2002

Vielen Bürgern ist der Euro noch fremd

EU-Kommission kritisiert unzureichende Vorbereitungen

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 29. Dezember 2000, Seite 18 (Wirtschaft). [Original]

BRÜSSEL (wff/HB). Viele Bürger haben sich mit dem Euro offenbar noch nicht angefreundet. Ein Jahr bevor die Menschen ab Januar 2002 die Euro-Münzen und -Scheine in den Händen halten und sich zwei Monate später vom gewohnten nationalen Geld trennen müssen, bleibt noch viel zu tun. Dies bestätigte auch die Europäische Kommission jüngst in ihrem vorerst letzten Bericht über die Vorbereitungen zur Einführung des Euro-Bargeldes.

Vielleicht ist es die wegen des lange Zeit schwachen Euro- Kurses nicht gerade größer gewordene Akzeptanz der neuen Währung. Jedenfalls kennen noch immer nur 35 % der EU-Bürger das genaue Datum für die Einführung der Euronoten und -münzen. Nur wenig über 20 % wissen, wie lange nationales und Euro- Bargeld noch neben einander umlaufen, nämlich nach dem 1. Januar 2002 höchstens zwei Monate.

Die Nutzung des Euro als Buchgeld hat kurz vor Jahresende nicht zugenommen. Nur weniger als 1 % der Unternehmen haben ihre Buchführung bislang umgestellt. Der Anteil des Europageldes am Zahlungsverkehr erreicht dem Volumen nach durchschnittlich nur 1,8 % bei Privatpersonen und 3,2 % bei Unternehmen. Die Zahl der bei den Banken in Euro geführten Konten nahm sogar ab. Zahlreiche Unternehmen verwechseln, so die Untersuchungen der Kommission, das Ende der Übergangszeit von der Euro- Einführung Anfang 1999 bis Ende 2001 mit dem Ende des Parallelumlaufs von nationaler Währung und Euro- Bargeld (28.2.02). Die Verwirrung erklärt sich wahrscheinlich daraus, dass der Parallelumlauf ursprünglich für ein halbes Jahr bis Mitte 2002 geplant war.

Werde nichts unternommen, so könnten im Jahr 2002 sowohl auf wirtschaftlicher wie auch auf politischer Ebene Schwierigkeiten auftreten, mahnten die für Währung, Finanzmärkte, Industrie und Verbraucher zuständigen Kommissare. Nicht zuletzt wurde auf zusätzliche Kosten für jene Unternehmen verwiesen, die am 1. Januar 2002 nicht umstellungsbereit sind. Schon im Juli hatte sich Brüssel durch Verzögerungen beunruhigt gezeigt, die vor allem bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) deutlich waren. Dies war der Anlass für eine Informationskampagne. Mitte Oktober legten die Brüsseler Kommissare nochmals mit einem Maßnahmenpaket nach.

In den Empfehlungen an Mitgliedstaaten, Verbände, Banken und Unternehmen zielen viele Maßnahmen auf die verstärkte Nutzung der Europawährung schon 2001. So sollen Bankkonten von Privatkunden bereits im dritten Quartal auf den Euro umgestellt werden mit gleichzeitiger Angabe in Landeswährung. Die Kunden sollen frühzeitig möglichst viel nicht benötigtes Bargeld auf die Konten einzahlen, um später den Umtausch gering zu halten. An öffentliche und private Arbeitgeber appelliert Brüssel, die Gehälter in Euro oder mit doppelter Betragsangabe abzurechnen. Die Sozialpartner sollen Tarifverhandlungen in Euro führen. Den öffentlichen Verwaltungen wird empfohlen, bei Auftragsvergabe und Ausschreibungen den Euro zu verwenden. Versandhandel und Fernabsatzunternehmen, große Supermärkte und Kaufhäuser fordert die EU-Behörde auf, bei den bargeldlosen Zahlungen bei der doppelten Preisangabe den Euro in den Vordergrund zu stellen. Am deutlichsten werden die Brüsseler Sorgen wohl mit dem Satz dokumentiert: "Zu vermeiden ist, dass der Verbraucher am 1. Januar 2002 mit dem Gefühl aufwacht, im Ausland zu sein."


Euro-Umstellung: Eichel räumt Fehler ein

Finanzminister Hans Eichel hat erstmals mögliche Fehler bei der Euro-Umstellung eingeräumt. Gastronomen und Dienstleister hätten rücksichtslos die Preise nach oben getrieben und damit die Stimmung verdorben.

Aus:
Spiegel Online – 11. Mai 2002, 12.34 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN. Erstmals hat ein Mitglied der Bundesregierung eingeräumt, dass die Umstellung auf den Euro deutlich schwieriger und für den Verbraucher teurer war als von der Regierung erwartet. "Wir haben uns zu sehr auf die Selbstverpflichtung des Handels verlassen, das war möglicherweise ein Fehler", erklärte Finanzminister Hans Eichel im SPD-Parteivorstand.

Andere Länder wie etwa Frankreich oder die Niederlande hätten die Umstellung "besser hingekriegt". Die Pariser Regierung hatte Preiserhöhungen sogar verboten. Insbesondere die Gastronomie und eine Reihe von Dienstleistern, so Eichel, hätten nach der Euro- Einführung mit Preiserhöhungen "ziemlich zugelangt". Der Finanzminister räumte ein: "Das hat bei den Leuten auf die Stimmung gedrückt." [mehr]


7. Zur Debatte um den TEURO

Die Einzelhändler am Pranger

Der Handel hatte geglaubt, die "Teuro"-Debatte werde von selbst in der Versenkung verschwinden. Eine krasse Fehleinschätzung: Nachdem Finanzminister Hans Eichel die Stimmung mit seinem Boykottaufruf nochmals angeheizt hat, befürchten nun viele Unternehmen, öffentlich an den Pranger gestellt zu werden.

Aus:
Spiegel Online – 15. Mai 2002, 14.58 Uhr (nur elektronisch publiziert) von THOMAS HILLENBRAND. [Original]

BERLIN. Hans Eichel ist ein sparsamer Mensch. Wenn er mittags einen schnellen Happen essen will, geht er gerne in eine Döner- Bude an der Berliner Wilhelmstraße, unweit des Finanzministeriums. Statt sich allerdings die große Fleischplatte kommen zu lassen, begnügt sich der Minister in der Regel mit einem halben Hähnchen plus Salatbeilage – auf das Getränk verzichtet Eichel meist.

Wer so aufs Geld achtet, reagiert schon bei kleinen Preiserhöhungen gereizt. Neulich echauffierte sich Eichel öffentlich über eine Eisbude in der Nähe seiner Wohnung. Die habe den Preis einer Kugel von 1,50 Mark auf einen Euro erhöht. "Die Qualität des Eises ist gut, aber die drastische Preiserhöhung ist ärgerlich", so der Minister.

Pranger für Preistreiber

Die Verbraucher-Zentralen von Baden- Württemberg, Nordrhein- Westfalen und Brandenburg haben auf ihrer Internet- Seite eine schwarze Liste eingerichtet, in der Unternehmen aufgeführt sind, die zeitnah zur Euro-Bargeld- Einführung ihre Preise erhöht haben.

Konsumenten können ihre Beschwerden auf der Website zu Protokoll geben, die Verbraucherzentrale fordert die betroffenen Unternehmen dann zu einer Stellungnahme auf, die an gleicher Stelle veröffentlicht wird.

Auf der Liste finden sich bereits zahlreiche Beispiel wie die folgenden:

Die Eisdiele muss seitdem vermutlich ohne ministeriale Bestellungen auskommen, denn er selbst kaufe nicht dort, "wo ich mich betuppt fühle", so der Minister im ZDF-Morgenmagazin [am 14.5.2002]. "Und wenn wir das alle so machen, dann wird sich das auch wieder einpendeln." Die Leute sollten sich die Lust am Einkaufen wegen einzelner "schwarzer Schafe" nicht nehmen lassen.

Eichels kaum verhohlener Aufruf zum Konsumentenstreik bringt den Handel in Rage. "Boykottaufrufe sind Politik auf Stammtischniveau und gefährden die Konjunktur", sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Holger Wenzel, der Bild-Zeitung. Ein Drittel der Preissteigerungen sei steuerlich bedingt und damit von der Bundesregierung zu verantworten.

Die Zeitung schreibt heute, ohne Quellen zu nennen, Branchenriesen wie Aldi, C&A, Metro und Ikea wollten in Kürze bei der Bundesregierung eine schriftliche Erklärung abgeben, in der sie versichern, die Euro- Einführung nicht für Preissteigerungen genutzt zu haben [Ed: na, die waren es ja auch nicht].

Im Einzelhandel liegen die Nerven offenbar blank – die Unternehmen hatten gehofft, dass die "Teuro"- Debatte von selbst abebben und die Verbraucher nach anfänglichem Murren schon Ruhe geben würden. Daraus wird jetzt wohl nichts [Ed: schließlich ist ja auch Wahljahr]. Es erscheint im Gegenteil wahrscheinlicher, dass einzelne Unternehmen in den Medien als Preistreiber an den Pranger gestellt werden. Speziell für Einzelhandelsketten, deren wichtigstes Werbeargument ihre "kleinen Preise" sind, wäre das der PR-Gau. [mehr]

[14.05.2002: Teuro-Debatte – Handel wütend über Eichels Boykottaufruf]


Teuerung: Die Wahrheit über den Euro

Verbraucher jammern über Wucher, Finanzminister Eichel ruft zum Boykott unverschämter Einzelhändler auf. Zu Recht? Die ZEIT veröffentlicht die neuesten Preisänderungen aller Produkte auf der Einkaufsliste des deutschen Durchschnittshaushalts.

Aus:
DIE ZEIT – Nr. 22/2002, 23. Mai 2002, Seite ?? (Wirtschaft) von R. von HEUSINGER und W. UCHATIUS. [Original]

Es waren einmal viele kluge Leute, die behaupteten, Geld sei so eine Art Metermaß, nichts weiter. Eine Recheneinheit, die einem sagt, wie lange man arbeiten muss, bis man sich ein neues Auto kaufen kann, oder wie viel das Pfund Butter wert ist im Vergleich zum halben Kilo Margarine. Geld verstehen war nur ein anderer Ausdruck für: rechnen können. Aber das ist lange her. Ungefähr fünfeinhalb Monate.

Damals wurde der Euro eingeführt, und wenn man vor dem Jahreswechsel Ökonomen fragte, wie sich die neue Währung auf die Wirtschaft auswirken werde, war die Antwort: Gar nicht! Künftig koste in Deutschland alles in etwa die Hälfte, und jeder verdiene nur noch in etwa die Hälfte. Real bleibe also alles beim Alten. Ganz einfach.

Ganz kompliziert. Nicht einmal ein halbes Jahr später trägt der Euro den Beinamen Teuro. Tomaten: plus 64 %, Kartoffeln: plus 53 %, Glühlampen: plus 13 % – Bild beklagt fast täglich dreiste Preiserhöhungen, Bundesfinanzminister Hans Eichel empfiehlt, besonders unverschämte Einzelhändler zu boykottieren. Es scheint, die Ökonomen haben sich wieder einmal geirrt. In der deutschen Euro- Wirtschaft des Jahres 2002 ist nichts beim Alten geblieben, sondern alles ist teurer geworden.

Wirklich? Den Zweifel sät das Statistische Bundesamt. Nach dessen Aussage lag die Preissteigerungsrate in Deutschland im April bei nur 1,6 %. Trotz Tomaten, Kartoffeln, Glühlampen. Irgendetwas stimmt da nicht.

Ein Grund, sich die Statistik genauer anzusehen. Ihre Basis sind 60.000 Haushalte – vom Single-Yuppie bis zur alleinerziehenden Sozialhilfeempfängerin. 1995 schrieben sie das ganze Jahr lang auf, was sie konsumierten. So entstand der Einkaufszettel des Durchschnittshaushalts: 750 Produkte und Dienstleistungen. Der so genannte Warenkorb.

Jeden Monat durchkämmen 560 Mitarbeiter der Statistischen Landesämter die Supermärkte und Boutiquen in 190 Dörfern und Städten. Für jedes der 750 Produkte melden sie im Schnitt 450 Preise. So ergibt sich die durchschnittsdeutsche Preisveränderung etwa der Salatgurke. Die ist seit April 2001 nicht teurer, sondern billiger geworden: minus 18,1 %.

Dagegen muss man für Tomaten tatsächlich mehr bezahlen (plus 51,9 %), genauso für Weißkohl (plus 33,1 %) und Tabak Feinschnitt (plus 15 %). Nur wirkt sich das kaum auf die gesamtwirtschaftliche Preissteigerung aus. Tomaten haben für das Budget des Durchschnittshaushalts wenig Bedeutung. So viel Gemüse essen die Deutschen nicht. Die Tomate geht mit einem Gewicht von nur 0,95 Promille in die Gesamt-Preissteigerung ein. Ähnlich geringen Einfluss hat die Hilfe von Rechtsanwälten (0,97 Promille), die übrigens billiger wurde (minus 1,5 %). Genau wie Tintenstrahldrucker (minus 17,2 %) und die Miete für Ferienwohnungen (minus 6,7 %), die das Haushaltsbudget viel stärker belasten. Macht für alle Produkte zusammen nur plus 1,6 %. Trotz Euro.

Das bestätigt auch eine Studie der Uni Erlangen-Nürnberg, die 1213 Produkte untersuchte. Woher also die Aufregung? Sie rührt erstens daher, dass der Warenkorb zwar den Verbrauch des Durchschnittshaushalts spiegelt, viele reale Singles und Familien aber anders konsumieren. Sinkt der Preis von Druckern, profitiert nur, wer sich einen kauft. Wird Tabak teurer, stört das Nichtraucher wenig. Die individuelle Preissteigerung kann stark von der gesamtwirtschaftlichen abweichen.

Sie hat zweitens damit zu tun, dass der Mensch kein kühler Rechner ist. Psychologen der Uni München legten Testpersonen Speisekarten vor, mit alten D-Mark und neuen Euro- Preisen. Die Probanden sahen Preiserhöhungen selbst bei exakter Umrechnung. Ein Effekt wie vor 30 Jahren in Großbritannien. Als man dort die Währung auf das Dezimalsystem umstellte, klagten viele über hohe Preise. Tatsächlich waren die weitgehend die alten – die Zahlen waren neu. Die meisten Leute aber wissen gar nicht, was etwa ein Glas Sauerkirschen kostet. Dann kommt der Euro – und der Verdacht, die Kirschen seien früher billiger gewesen. Waren sie nicht. Sauerkirschen in Gläsern: minus 15,2 %.

Ungeschickterweise haben die Einzelhändler gerade jene Preise erhöht, die jeder im Kopf hat, auch das weist das Statistische Bundesamt nach: Brötchen (plus 7,3 %), H-Milch (plus 11,8 %). Dass gleichzeitig Heizöl (minus 6,7 %) und Gas (minus 6,0 %) billiger wurden, hat zwar für das Budget des Durchschnittshaushalts größeres Gewicht. Aber Gas und Öl kauft man nicht jeden Tag. Von Brötchen und Milch schliesst es sich dann leicht auf Farbfernseher oder Personalcomputer, obwohl auch die jetzt billiger sind. Die Erwartung schafft sich das Ergebnis [Ed: nicht aber wenn man ein eigenes Haushaltsbuch führt]. Und plötzlich ist nichts mehr beim Alten.

Ein Kommentar

24.5.2002 (khd). Natürlich sind in einer freien Marktwirtschaft – anders als in einer Planwirtschaft – jederzeit auch Preiserhöhungen legal und möglich. Denn im Wettbewerb wird sich aufgrund von Angebot und Nachfrage ein fairer Marktpreis einpendeln. Soweit die Theorie. Es ist aber verwerflich, wenn Unternehmen eine sehr außergewöhnliche Marktsituation – eine Singularität – dazu nutzen, sich mit erheblichen Sondergewinnen zu bereichern. Hier darf ganz klar und muß der Staat regulierend eingreifen – aber vorher, was er hierzulande nicht tat. Die Einführung einer europäischen Gemeinschaftswährung ist ein derart wichtiges Ereignis, daß man sich einen Image- Verlust des Euro durch eine Teuro- Abzockerei schlichtweg nicht leisten durfte und leisten darf. [01.06.2002: Der Euro ist doch ein Teuro]   [mehr]


8. Der EURO ist doch ein TEURO

1.6.2002 (khd). Führende Eliten in Politik und Wirtschaft behaupten immer wieder, daß die Teuerung durch den Euro ein reines Hirngespinst ist – es sei nur eine „gefühlte Inflation“. Mit den Standard- Warenkörben des Statistischen Bundesamts läßt sich aber nicht feststellen, ob die Eliten oder das einfache Publikum recht hat. Deshalb beauftragten die ARD-Tagesthemen das Institut für Deutsche Wirtschaft in Köln, eine Untersuchung der Alltagspreise vorzunehmen. Im folgenden sind einige Ergebnisse dokumentiert:

Spitzenreiter bei den Euro-Preiserhöhungen
Inflation im 1. Quartal 2002 gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Stand: Mai 2002
Quelle: Institut für Deutsche Wirtschaft (IW), Köln.  1)
Warengruppe Teuerung Anm. Warengruppe Teuerung Anm.
Gemüse 14,3 %   Zeitungen & Zeitschriften 4,8 %  
Flugreisen 11,4 %   Friseur 4,7 %  
Glücksspiele 8,8 %   Sport & Kultur 4,1 %  
Molkereiprodukte, Bier 7,0 %   Brot 4,1 %  
Fische 6,7 %   Fleisch 4,1 %  
Tabakwaren 6,3 %   Versicherung 4,0 %  
Obst 6,2 %   Reinigung 3,8 %  
Schuhreparatur 5,8 %   Hotel & Gaststätten 3,6 %  
Finanzdienste 5,1 %   Bildungsdienste 3,4 %  
Busreisen 4,9 %   Bücher 3,1 %  
[ Noch mehr TEURO ]
1) Zitiert nach Tagesspiegel – 1.6.2002, Seite 17.


9. Die 10 neuen EU-Länder ab 2004

Die 10 neuen EU-Länder
Die EU-Erweiterung zum 1. Mai 2004
Stand: Dezember 2003
Quelle: EU-Kommission, Brüssel.
Nr. Land Einwohner
2001
Wirtschaftsleistung Anm.
BIP 2001  1) Agrar-
Anteil
1 Estland 1,36 Mio. Mrd. Euro 6,3 %  
2 Lettland 2,35 Mio. Mrd. Euro 4,5 %  
3 Litauen 3,48 Mio. Mrd. Euro 7,5 %  
4 Malta 0,39 Mio. Mrd. Euro 2,3 %  
5 Polen 38,24 Mio. Mrd. Euro 3,3 %  
6 Slowakei 5,38 Mio. Mrd. Euro 4,5 %  
7 Slowenien 1,99 Mio. Mrd. Euro 3,2 %  
8 Tschechien 10,21 Mio. Mrd. Euro 3,9 %  
9 Ungarn 10,17 Mio. Mrd. Euro 4,1 %  
10 Zypern 0,79 Mio. Mrd. Euro 4,2 %  
Summe: 74,36 Mio. Mrd. Euro    
EU 15 zum Vergleich: 375,00 Mio.   1,7 %  
1) Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Euro.


10. Entwicklung des Spareckzinses seit 1950

Entwicklung des Spareckzinses in Deutschland
Zinssätze für Spareinlagen in %.
Stand: 26. Februar 1978
Quelle: Berliner Morgenpost + Internet-Recherchen.
Ab Zinssatz Anm.
1.04.1950 2,50 %  
1.01.1951 3,00 %  
1.06.1956 3,50 %  
10.02.1958 3,25 %  
17.07.1958 3,00 %  
1.01.1960 3,50 %  
1.07.1960 4,00 %  
1.04.1961 3,50 %  
1.07.1961 3,25 %  
1.03.1965 3,50 %  

Ab Zinssatz Anm.
1.10.1965 3,75 %  
1.07.1966 4,50 %  
1.02.1967 4,00 %  
1.07.1967 3,50 %  
1.07.1969 4,00 %  
1.02.1970 4,50 %  
1.04.1970 5,00 %  
15.04.1971 4,50 %  
1.03.1972 4,00 %  
1.01.1973 4,50 %  

Ab Zinssatz Anm.
1.07.1973 5,50 %  
1.05.1975 4,50 %  
30.06.1975 4,00 %  
3.04.1976 3,50 %  
23.04.1977 3,00 %  
4.02.1978 2,50 %  
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Ab Zinssatz Anm.
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