Auch steht bei konsequenter Nutzung der Neuen (digitalen) Medien ein nicht unerhebliches noch ungehobenes Rationalisierungspotential für die Universitäten zur Verfügung. Mag Computer und Internet auch nicht alle Professor ersetzen können, so können sie immerhin die Professoren zweiter oder dritter Wahl überflüssig machen.
Anderenorts sind einige Links zum "Lehren & Lernen" zusammengestellt. Ein 2. Teil existiert derzeit noch nicht. Hier sind ab 1999 dokumentiert und manches kommentiert [Ed:...]:
Inhalt:
Der Computer kann den Professor nicht ersetzen
Auch im Zeitalter von Internet und Globalisierung bleibt soziales Lernen unentbehrlich
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 31. Dezember 1999, Seite 39 (Bildung & Wissenschaft) von KLAUS FABER. Der Autor war von 1994 bis Februar 1999 Staatssekretär des Kultusministeriums in Sachsen-Anhalt und zuvor in gleicher Position in Brandenburg tätig. [Original]Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien fordern auch die deutschen Hochschulen und Forschungsinstitute heraus. "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit", unter diesem Titel hat der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Klaus Landfried, die damit verbundenen Chancen und Risiken beschrieben.
Die deutschen Wissenschaftseinrichtungen liegen bei der Nutzung der neuen Medien im europäischen Vergleich mit Frankreich oder Großbritannien zurück. Der Bund wird deshalb sein Engagement zur Förderung der Multimedia- Einführung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen deutlich erhöhen. Es fehlt bislang ein zwischen Bund und Ländern abgestimmtes Förderkonzept. Das hat eine Arbeitsgruppe der Staatssekretäre in der Bund-Länder- Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung feststellt. Nach den Ergebnissen der jüngsten Beratungen sollen Verbesserungen erreicht werden, sowohl in der Bund-Länder-Koordination als auch durch eine Erhöhung der Länderförderung.
Die neuen Medien die Informations- und Kommunikationstechnologien werden Hochschulen und Forschungseinrichtungen stark verändern. Ein vor kurzem veröffentlichtes Szenario zur "Hochschulentwicklung durch neue Medien" geht von radikalen Veränderungen in relativ kurzer Zeit aus. Spätestens im Jahre 2005, so die Studie, wird die Hälfte aller Studierenden virtuelle Angebote nutzen. Ein Studienbewerber wählt dann nicht mehr einen Hochschulstandort, sondern im Internet ein Studienangebot aus, das, wie das Studium insgesamt, online zugänglich ist. Internationale Telekommunikationsfirmen, Fernsehanstalten und andere Medienunternehmen werden nach dem 2005-Szenario ebenso wie firmeneigene Bildungsinstitute dem staatlichen Angebot Konkurrenz machen.
Der umfassend gebildete Generalist wird heiß begehrt bleiben Unter diesem Wettbewerbsdruck werden sich die Hochschulen zu weiträumigen Netzwerken mit multimedialen Studienangeboten zusammenschließen. Andere Einrichtungen könnten als virtuelle Universitäten auf das Präsenzangebot ganz verzichten. Die alte Alma Mater übersteht der Studie zufolge den Transformationsprozess weltweit allenfalls in stark verringerter Zahl und in wenigen Fällen als privilegierte Elite-Institution, deren Absolventen als "unverzichtbare Generalisten" mit Führungs- und anderen Qualitäten dann "heiß begehrt" sein sollen. Die privaten Unternehmen und die Hochschulnetzwerke werden sich nach dem 2005-Szenario vor allem praxisnahen und lukrativen Studieninhalten wie Ökonomie, Jura, Technik und Sprachen widmen.
Die Prognose und andere Szenarien zur Einführung der neuen Medien in der Wissenschaft erhalten besondere Akzente durch den Trend zur Internationalisierung und Globalisierung. Das in Deutschland und anderswo noch aktuelle Internationalisierungsthema weist viele keinesfalls unproblematische Facetten auf, die es wert wären, mehr und intensiver, als dies bislang geschehen ist, erörtert zu werden.
In den westeuropäischen Ländern haben sich, wie es der Kasseler Professor Ulrich Teichler beschreibt, verschiedene Typen des Umgangs mit der Internationalisierung entwickelt. In einigen Ländern wie Portugal oder Griechenland haben die Hochschulen erst in den letzten Jahren damit begonnen, Anschluss an die internationale Kommunikation zu suchen. Andere verstehen Internationalisierung als zentrale, überlebensnotwendige Aufgabe. Schweden, die Niederlande, oder, außerhalb Europas, Israel sind dafür Beispiele. In einem Teil der Länder entscheiden Wissenschaftler und Hochschulen selbst, ob sie eher ein nationales oder ein internationales Profil entwickeln wollen. Dazu gehören Frankreich und Deutschland. Schließlich gibt es die "Internationalisierung durch Import", nämlich die Aufnahme ausländischer Studierender und Wissenschaftler.
Ergebnisse der Forschung anderer Länder werden häufig nur zur Kenntnis genommen, wenn sie in die Landessprache übersetzt und dort anerkannt werden. Zu diesem Internationalisierungstyp zählen in Europa Großbritannien und außerhalb Europas noch deutlicher die Vereinigten Staaten sowie andere Länder, die zur Zone der neuen Lingua franca dem Englischen gehören. In Großbritannien deuten jedoch einige Anzeichen auf eine Veränderung dieser "Import-Mentalität" hin.
Die überlegene Position des Englischen wird den anglophonen Ländern bei den Studienangeboten auch künftig Startvorteile verschaffen. Die neuen Medien werden diese einseitige Ausrichtung und gleichzeitig insgesamt die Position der Anglophonie noch verstärken. Das hat wiederum Auswirkungen auf den Internet-Wettbewerb in der Wissenschaft.
Eine Folge der Gefällelage hin zur Anglophonie besteht darin, dass auch qualitativ durchschnittliche Internet-Studienangebote aus englischsprachigen Ländern einen relativ leichten Marktzugang finden. Wissenschaftsinstitutionen aus nichtangelsächsischen Ländern, etwa aus Deutschland, zögern demgegenüber häufig vor dem Schritt in den internationalen Wettbewerb mit englischsprachigen Modulen. Deutsche Einrichtungen könnten sich auf diesem Sektor Israel zum Vorbild nehmen, das seit längerer Zeit erfolgreich englischsprachige Angebote in den internationalen Markt einbringt.
Englischsprachige Länder behalten eine überlegene Position In ihrer Gesamtheit haben die im Zeichen von Internationalisierung und Multimedia- Entwicklung erkennbaren Veränderungen der Wissenschaft beachtliche Auswirkungen. Gegenüber allzu kühnen Szenarien einer schönen neuen Medien-Welt ist allerdings Zurückhaltung geboten. Zweifel sind auch gegenüber der Treffsicherheit der erwähnten 2005-Studie zur deutschen und internationalen Hochschulentwicklung erlaubt. Die neuen Medien werden Präsenzeinrichtungen im tertiären Bereich keinesfalls überflüssig machen oder in eine Minderheitsposition drängen. Virtuelle Hochschulen werden künftig ein Teil der Hochschulwirklichkeit sein, aber wohl kaum der bestimmende. Personale Beziehungen und soziales Lernen werden sich auch im kommenden Jahrhundert als beständiger Orientierungsfaktor erweisen. Nach der Implantation neuer Information- und Kommunikationstechnologien wird ihr Wert wohl wieder entdeckt werden - wenn man so will, eine Modernisierung der Modernisierer.
"Bildung durch und an Wissenschaft", wie es der Wissenschaftsrat einmal beschrieben hat, oder auch die Internationalisierung von Forschung und Lehre können durchaus durch Multimedia-Angebote gefördert werden, aber nicht ausschließlich virtuell erfolgen. Das wird in gleicher Weise für die "Bildung" der "heiß begehrten Generalisten" gelten müssen. Auch in der neuen Wissens- und Informationsgesellschaft werden deren besondere Qualifikationen nicht nur für wenige Führungspositionen gefordert.
Die problematischen Seiten der neuen, globalen Medien-Welt müssen rechtzeitig erkannt werden. Bislang steht die Technik der Entwicklung zu sehr im Vordergrund, inhaltliche Fragen zu den Studienangeboten werden darüber vernachlässigt. Eine weitere Gefahr liegt auch darin, wie Erfahrungen in den Vereinigten Staaten deutlich zeigen, dass vor allem die kommerziellen Anbieter nur noch Studienmodule auf den Markt bringen, die sich am wissenschaftlichen Mainstream ausrichten.
Professoren und Hochschulen sollten sich ihrer Marktmacht bei der Entwicklung von Studienangeboten bewusst werden und diese gegenüber den Medienunternehmen bündeln. Einen Mindeststandard an Qualität insbesondere bei den Studienangeboten zu sichern, wird eine wichtige Aufgabe der Gestaltung und Ordnung des neuen Medienmarktes sein. Sie ist vor allem den Hochschulen und Wissenschaftlern gestellt. Aber auch Politiker, Gewerkschaften oder Unternehmen können dazu Wesentliches beitragen.
Wissenschaftskarrieren im Web
Aus: Heise News-Ticker 2. Februar 2000 (nur elektronisch publiziert). [Original]BARCELONA (em/c't). Das Internet wird nach Ansicht von Sun-Geschäftsführer Ed Zander "Rockstars der Bildung und Wissenschaft" hervorbringen, die sich über das Netz selbst vermarkten. "Die Universitäten und Schulen werden sich darauf einrichten müssen, dass die besten Wissenschaftler und Lehrer in Zukunft außerhalb der traditionellen Bildungseinrichtungen ihre Vorlesungen und Kurse im Internet abhalten", sagte der Präsident und Chief Operation Officer von Sun Microsystems heute auf einer Konferenz zum Thema Bildung und Internet in Barcelona. Auch die Verdienst-Chancen für Wissensvermittler sind offenbar nicht schlecht: Bereits in drei Jahren, rechnete Zander vor, liege das Marktvolumen der Web-Schulen bei geschätzten 5,5 Milliarden Dollar.
Der Draht zum Prof
"Virtuell" heißt das neue Zauberwort an den Hochschulen / Zunehmend wird online gelehrt, gelernt, geforscht und geprüft
Aus: DIE ZEIT Nr. 6, 2. Februar 2000, Seite ?? (Computer & Medien) von ULF SCHÖNERT. [Original]Das Städtchen Saarheim im Quierbachtal zählt zu den meistbesuchten Orten Deutschlands. Jede Woche kommen mehr als 100.000 Gäste aus aller Welt, die Mehrzahl von ihnen Jurastudenten denn Saarheim ist spannend für angehende Juristen. Dabei sind die Saarheimer Rechtsstreitigkeiten nicht außergewöhnlich. Noch dazu sind sie frei erfunden. Denn Saarheim ist eine virtuelle Stadt. Sie existiert ausschließlich im Internet die Besucher reisen auf der Datenautobahn an.
Der Stadtgründer heißt Klaus Grupp und ist Juraprofessor an der Universität Saarbrücken. Das Cyber-Städtchen sei ein überwältigender Erfolg, sagt Grupp ganz unbescheiden. Seine Studenten kennen inzwischen jeden Winkel des idyllischen Städtchens. Sie wissen, wo man Lösungsvorschläge finden und sich zu den Originalgesetzestexten weiterklicken kann. Dass Saarheim nicht nur Spaß machen soll, merken sie spätestens, wenn die Klausurtermine näher rücken. "Die Fälle sind durchaus prüfungsrelevant", sagt Grupp.
So wie Klaus Grupp lehren immer mehr Professoren mithilfe des Internet. Überall in Deutschland, von der großen Humboldt-Universität in Berlin bis zur Sächsischen Bergakademie Freiberg, werden "virtuelle Lehrstühle", "virtuelle Seminarräume" und ganze "virtuelle Hochschulen" eingerichtet. Ob Praktika, Labors oder Graduiertenkollegs, alles schmückt sich plötzlich mit dem Zauberwort "virtuell". An den Universitäten wird online gelehrt, gelernt, geforscht und geprüft; übers Netz werden Mikroskope bedient und Roboter gesteuert.
Theoretisch gibt es nichts, was nicht vom heimischen Schreibtisch aus erledigt werden könnte: Einschreiben, Studienberatung, Literaturrecherche, Vorlesungen, Seminare, ja sogar Prüfungen. Wissenschaftler wie Gregory D. Abowd vom Georgia Institute of Technology in Atlanta, USA, sind sich sicher, dass "die Studenten in zehn Jahren nicht mehr in Hörsälen sitzen müssen".
Längst haben in den USA die meisten Universitäten neben dem traditionellen On-Campus-Bereich einen Off-Campus aufgebaut. Einige Hochschulen existieren als Virtual Universities sogar ausschließlich im Netz, so etwa die University of Phoenix oder das Regents College.
Da ist es nicht mehr weit zur Vision einer Weltuniversität, in der Stundenpläne beliebig kombinierbar würden, unabhängig vom Wohnort: die Wirtschaftsvorlesung an der London School of Economics, der Programmierkurs in den USA am MIT, Französisch an der Pariser Sorbonne, dazu eine regionalgeschichtliche Ðbung an der Uni Marburg kein Problem.
Ein Schritt in diese Richtung ist Cuber, eine Art Suchmaschine für Bildungsangebote, die derzeit von der Fernuniversität Hagen entwickelt wird. 3,7 Millionen Mark lässt die Europäische Kommission für das Projekt springen. Mithilfe von Cuber sollen sich die Studenten bald individuelle Stundenpläne aus den Angeboten aller europäischen Internet-Universitäten zusammenstellen.
Um dem Ziel näher zu kommen, schließen sich viele Hochschulen zu Internet-Verbünden zusammen. So haben sich in Karlsruhe die Universität, die Fachhochschule und mehrere kleinere Kunst- und Berufsschulen zum Virtuellen Hochschulverbund Karlsruhe (Vikar) vereinigt. Die Universitäten Hannover, Hildesheim und Osnabrück gründeten den Projektverbund Virtueller Campus. Die Universitäten Freiburg, Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg beteiligen sich an der Virtuellen Hochschule Oberrhein (Viror). Auch die Universitäten Regensburg, Erlangen, Bamberg und Nürnberg wagen den Schritt ins Online-Zeitalter gemeinsam.
Im kommenden Sommersemester gehen die beiden größten Projekte in den ersten Praxistest: die Virtuelle Hochschule Bayern, an der alle bayerischen Hochschulen beteiligt sind, und die Virtuelle Fachhochschule, ein Verbund von 15 deutschen und 4 schwedischen Hochschulen, der von 2002 an ein Online-Vollstudium anbieten will.
Bislang ist in Deutschland das Online-Angebot der Fernuniversität Hagen am weitesten fortgeschritten. Wer hier studiert, kann einen Teil seiner Kurse, Vorlesungen und Seminare per Internet absolvieren. Mehr als 6000 Eingeschriebene nutzen den "Lernraum Virtuelle Universität" über zwei Drittel von ihnen sind berufstätig und wollen sich nach Feierabend weiterbilden.
So wie Gabriele Hawlena. Die 30-jährige BASF-Angestellte meldete sich für ihre Online-Seminare per E-Mail an. Gleich zu Beginn des Studiums trudelten bei ihr E-Mails ein. "Wie klappt es bei dir mit dem Referat? Kommst du weiter? Kann ich helfen?" Hawlena: "Die Kommunikation war viel intensiver als bei anderen Fernkursen."
Obwohl sie sich aus allen Teilen Deutschlands, zum Teil auch aus Österreich, der Schweiz und sogar aus Jugoslawien einwählen, erstellen die Seminarteilnehmer ihre Referate gemeinsam. Verbesserungsvorschläge tauschen sie per E-Mail aus. Nur drei-, viermal im Semester treffen sich alle zum gemeinsamen Chat, dem Gespräch per Computer. Jeweils eine Stunde lang diskutieren die 20 Teilnehmer allein per Tastatur "mit klaren Nachteilen für diejenigen, die nicht so schnell tippen können", sagt Hawlena.
Die Studenten zu motivieren ist an einer Internet-Uni schwieriger als an einer Präsenzuni. Diese Erfahrung hat Heike Reimann vom Projekt Virtuelle Fachhochschule gemacht. "Wenn im Seminar einer Zeitung liest oder schläft, kann der Professor ihn aufwecken. In einer Online-Veranstaltung geht das nicht." Bunte Grafiken, Animationen und Videosequenzen müssten das Lehrmaterial deshalb so spannend machen, dass sich die Studenten dafür von selbst begeistern.
Noch sind die meisten Internet-Lehrprojekte Zuschussgeschäfte. Vor allem die virtuellen Labors verschlingen große Beträge, für die neben den Landesregierungen private Sponsoren aufkommen müssen. So statteten Siemens und die Deutsche Telekom ein komplettes münstersches Studentenwohnheim mit supermoderner ADSL- Technik aus, um einen virtuellen Mikroskopierkurs zu ermöglichen. "Normalerweise gibt es bei uns ein großes Gedränge um die Laborplätze. Im Online-Kurs konnten sich die Studenten ganz entspannt im Bademantel mit Kaffeetasse vor das Mikroskop setzen", sagt der Dozent Timm J. Filler.
Die Medizinstudenten bekamen die Mikroskope und Präparatekoffer mit nach Hause. Die Anweisungen erteilte ihnen Filler per Datenleitung. "Im Hörsaal holen die Studenten in den hinteren Reihen schon mal die Operngläser heraus", sagt Filler. "Auf dem Bildschirm können alle alles sehen." Auch an der Universität Ulm arbeiten die Mediziner neuerdings mit Informatikern zusammen.
Die neuen Möglichkeiten fordern auch von den Professoren ein neues Denken. Die Rolle des Dozenten müsse sich "vom Informationsanbieter wandeln zum Informationsvermittler und Coach", sagt Paul-Thomas Kandzia, Projektmanager der Virtuellen Hochschule Oberrhein.
"Das Ende der traditionellen Universität ist aber nicht in Sicht", sagt die Telelearning-Expertin Gisela Bremer von der Uni Frankfurt. Vielmehr beobachte sie die Tendenz, Telelernen und Präsenzuniversität zu kombinieren. Dem stimmt auch Bernhard Koring zu, Online- Dozent an der TU Chemnitz. "Man darf keine geistigen Quantensprünge durch das Internet erwarten. Aber es ist ein überaus nützliches Hilfsmittel."
[WINFO-Line] [Docs & Drugs]
[Virtuelle Hochschule Baden-Württemberg]
[WIDOK Virtuelles Doktoranden Kolloquium]
Britische Regierung plant erste "E-Universität" der Welt
Aus: Yahoo-News, 12. Februar 2000, 14.32 Uhr (Internet). [Original]LONDON (dpa). Den Universitätsabschluss per Internet will die britische Regierung ausländischen Studenten künftig ermöglichen. Nach einem Bericht der Tageszeitung "The Independent" (Samstagausgabe) will Erziehungsminister David Blunkett am kommenden Dienstag den Startschuss für das staatlich geförderte Projekt geben.
Dahinter stehe die von Premierminister Tony Blair verfolgte Absicht, die Zahl der ausländischen Studenten "drastisch" zu erhöhen und damit auch mehr Geld in die leeren Kassen der britischen Universitäten zu bringen. Mit der "ersten E-Universität der Welt" hofft Blair, die Zahl der Auslands-Stundenten bis zum Jahr 2005 um zusätzlich 75.000 aufzustocken. Gegenwärtig bringen diese Studenten dem britischen Staat umgerechnet mehr als zwei Milliarden Mark (700 Millionen Pfund) an Studiengebühren ein.
Nach dem Plan sollen die teilnehmenden Universitäten eng mit den Firmen zusammenarbeiten, die die Computertechnologie zur Verfügung stellen. Laut "Independent" ist noch unklar, wie viele der 107 Universitäten zur Verleihung "elektronischer Abschlüsse" bereit sind. Die Traditionsuniversitäten Oxford und Cambridge befürchteten durch die elektronische Konkurrenz ein "Absinken ihrer Standards", schrieb die Zeitung.
Online-Studium wird immer attraktiver
Unis müssen ragieren
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 4. März 2000, Seite 30 (Campus).SANKT GALLEN (KNA). Deutsche Universitäten müssen sich nach Ansicht von Medienexperten bei der Einführung neuer Medien beeilen. Angesichts der wachsenden Konkurrenz privater Bildungs-Anbieter im Internet werde der Mulimedia- Einsatz für die klassischen Hochschulen zur Überlebensfrage, warnte der Bildungsexperte Peter Glotz. Wie die Bertelsmann Stiftung mitteilte, sagte Glotz, werde in 5 Jahren die Hälfte aller Studenten an virtuellen Universitäten studieren. Lernende würden mit Hilfe von Online- Bildungsanbietern des Internets nach weltweit angebotenen Kursen und Abschlüssen durchsuchen. Der frühere SPD-Politiker ist heute Direktor am Institut für Medien und Kommunikationsmanagement in Sankt Gallen in der Schweiz.
Für das Multimedia-Angebot an deutschen Universitäten forderte Glotz eine gemeinsame Finanzierungsstrategie von Bund, Ländern, Hochschulen und Industrie. Pro Studiengang sei mit einer Investition von mehreren Millionen Mark zu rechnen. Viele ausländische Studenten gingen schon heute lieber in die USA als nach Deutschland. Bei freier Wahl des Studienlandes hätten sich nur 42 % der in der Bundesrepublik studierenden Ausländer für deutsche Universitäten entschieden. 30 % wären lieber in die USA gegangen.
Vernetztes Studium soll Ausbildung wettbewerbsfähig machen
Aus: Yahoo-News, 12. März 2000, 9.50 Uhr (Wirtschaft). [Original]HAMBURG/DRESDEN (dpa). Im Zeitalter des Internet hat die Menge an verfügbaren Informationen explosionsartig zugenommen. Selbst spezielles Fachwissen ist heute nicht mehr wenigen Experten vorbehalten, sondern über das weltweite Datennetz schnell und einfach für jedermann zugänglich.
Traditionelle Einrichtungen wie Universitäten können mit ihren klassischen Lehrinhalten und -methoden dabei kaum noch mithalten. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) will mit einem innovativen Ausbildungsmodell nun einen neue Wege in der Wissensvermittlung beschreiten. Mit Unterstützung der Bundesregierung arbeitet die Gesellschaft derzeit am Aufbau eines vernetzten Studiums.
In dem Projekt soll das Internet als Plattform für eine schnelle, aktuelle und modulare Wissensvermittlung dienen. "Die ersten Ergebnisse werden bereits an mehreren Universitäten in Deutschland von einigen hundert Studenten der Chemie getestet", sagte Projektleiter Renee Deplanque der dpa. Entsprechende Angebote in den Fachbereichen Medizin und Physik sollen in den kommenden Jahren folgen.
"Unsere Studenten begegnen den neuen Studienformen überwiegend aufgeschlossen", sagte Reiner Salzer, Professor der Analytischen Chemie an der Technischen Universität Dresden. So können sich die Dresdner Studenten von zu Hause in das Netzwerk einloggen und zum Beispiel für ihr Praktikum das Bedienen der technischen Analysegeräte an simulierten Abbildungen und Animationen erproben. Anschließend schicken sie einen ausgefüllten Fragebogen per E-Mail an ihren Betreuer. "Mit unseren gerätetechnischen Voraussetzungen leben wir nicht im Paradies", sagte Salzer. Dank der neuen Lehrmethoden sei der materielle Aufwand der teuren Geräte deutlich geringer. "Die Studenten können ihre Zeit besser nutzen, kommen nicht mehr unvorbereitet in ihr Praktikum, und der Betreuer weiß sofort, wo die Säge klemmt."
"Die klassische Vermittlung von Fachwissen über Seminare und Vorlesungen reicht heute längst nicht mehr aus, um den neuen Anforderungen an eine effiziente und flexible Ausbildung zu begegnen", meinte Deplanque. Bei dem rasanten Informationszuwachs in Wissenschaft und Forschung müsse sich die Ausbildung dem Stand der Zeit anpassen, um weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben. Ohnehin stünden die Universitäten auf Grund wachsender Nachfrage und sinkender Etats zum Beispiel für die Pflege von Bibliotheken und Rechenzentren unter wachsendem Druck.
"Das Chemie-Studium zum Beispiel dauert in Deutschland mit durchschnittlich 12 bis 14 Semestern noch immer viel zu lange und ist europaweit nicht mehr konkurrenzfähig", beklagte Deplanque. Während in Großbritannien ein 24-jähriger Student bereits seine Promotion in der Tasche hat, könne ein Student in Deutschland mit knapp 30 Jahre bestenfalls seinen ersten Studienabschluss vorweisen. Auf der Basis des 42 Millionen DM teuren Pilotprojekts, an dem sich bundesweit 16 Universitäten beteiligen, könnten dagegen mit variablen Studiengängen erheblich Kosten eingespart und gleichzeitig die Qualität der Ausbildung verbessert werden.
Das neue Lernmodell will die wachsende Flut an Informationen über ein Netzwerk individuell und bausteinartig verfügbar machen. "Der Fachbereich Chemie besteht aus Tausenden von Unterdisziplinen", erklärte Deplanque. Jede dieser Bestandteile wird von den Professoren des Projekts in so genannten Modulen aufbereitet und im Internet bereit gestellt. "Mehrere Professoren haben ihr Lehrangebot im laufenden Semester bereits aus diesen Bausteinen zusammengestellt", sagte Deplanque. Die Studenten hätten die Möglichkeit, die entsprechenden Module aus dem Netz herunterzuladen und sich so ihr eigenes Lehrbuch zusammenzustellen. Sie könnten aber ebenso den vorgegebenen Lernpfad verlassen und ihre eigenen Schwerpunkte setzen.
Neben Studenten richtet sich das Projekt auch an Fachfremde, die ihr Wissen im Rahmen ihrer beruflichen oder privaten Weiterbildung nutzen wollen. "Heute lässt sich die Menge fachlicher Informationen nur noch mit Hilfe elektronischer Mittel bewältigen", sagte Deplanque. Durch die Aufbereitung in Form von Modulen lassen sich die Lerninhalte schnell und problemlos an die unterschiedlichsten Ausbildungsbedürfnisse anpassen. Damit könnten die Universitäten mit ihren Lehrangeboten dynamisch auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes reagieren.
Kostenlose Online-Universität
Aus: Heise News-Ticker 16. März 2000 (nur elektronisch publiziert). [Original]USA (fr/tp). Gestern kündigte der 35jährige Softwaremilliardär Michael Saylor, Chef der E-Business Firma Microstrategy, an, er wolle 100 Millionen Dollar stiften, um eine Vision umzusetzen: "Kostenlose Ausbildung für jeden Menschen auf der Erde zu jeder Zeit." Ein erster Schritt dahin soll seine geplante Online- Universität sein, mit der er sich in die oberen Ränge der Stifter aus der HighTech- Branche einreihen will.
Doch die geplante Online-Universität ist vielleicht notwendigerweise für solch ein Projekt? zunächst vornehmlich ein Produkt der Aufmerksamkeitsökonomie, das dem MIT-Absolventen die offenbar erwünschte Reputation bringen soll. Ob es aber auch das anbieten wird, was man unter einer Hochschulausbildung versteht, scheint doch eher zweifelhaft zu sein. Geplant sind zunächst keine normalen Seminare oder Vorlesungen, sondern Prominenz soll dem Projekt seinen Glanz verleihen, der dann auch auf den Stifter abfällt. Seine Universität soll offenbar vor allem von "Genies und führenden Persönlichkeiten" getragen werden, deren Vorlesungen aufgezeichnet und dann in eine kostenlos einzusehende "genius knowledge bank" eingespeist werden.
Überzeugt ist der junge Unternehmer, dass sich die Prominenz aus der ganzen Welt darum reißen wird, an seiner kostenlosen Online-dot-com- Universität teilzunehmen. Henry Kissinger und Robert McNamara könnten den Vietnamkrieg behandeln, Bill Clinton soll über Politik referieren, Warren Buffet über Investitionen oder Steven Spielberg über das Machen von Filmen und mittendrin wahrscheinlich Saylor. Zahlen will er den Genies und Prominenten dafür allerdings nichts: "Die Menschen stellen sich an und kämpfen darum, in die Charlie Rose Show zu gelangen", sagt Saylor. "Ich denke, sie kämpfen auch darum, in das Aufnahmestudio zu kommen. Das eröffnet einem großen Mathematikdozenten die Chance, vor 100 Millionen Menschen zu lehren."
Mehr in Telepolis: Die Prominenten-Universität ist vor allem ein Produkt der Aufmerksamkeitsökonomie.
Feindliche Übernahme
Wird es in Zukunft noch staatliche Universitäten geben? Ein amerikanischer Bildungsexperte blickt in die Zukunft
Aus: DIE ZEIT Nr. 24, 8. Juni 2000, Seite ?? (Computer & Medien) von ARTHUR LEVINE. [Original]In der Erziehung des Henry Adams schrieb der amerikanische Historiker Adams, er habe eine College-Erziehung des 18. Jahrhunderts erhalten, als die Welt schon dem 20. Jahrhundert entgegenstürzte. Innerhalb weniger Jahre war der Lehrplan um 200 Jahre hinter die Zeit zurückgefallen. Das heutige Tempo des ökonomischen und vor allem technologischen Wandels setzt die Hochschulbildung erneut der Gefahr aus zurückzufallen. Und diesmal wird der äußere Druck diejenigen, die das Bild der Hochschulen prägen, wahrscheinlich dazu zwingen, die Bildungseinrichtung nicht nur anzupassen, sondern von Grund auf zu verändern.
In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war die Hochschulbildung eine Wachstumsindustrie. Die Regierungen auf der ganzen Welt förderten sie in dem Wunsch nach einer besser ausgebildeten Bevölkerung, ohne groß Fragen zu stellen. Das hat sich geändert. Heute wollen Politiker wissen, wofür öffentliche Mittel, Stipendien und Studentenförderung verwandt werden, und stellen Fragen: Wie viel soll das Lehrpersonal lehren? Was ist die angemessene Balance zwischen Lehre und Forschung? Soll es Anstellungsverträge auf Lebenszeit geben? Warum sind die Studiengebühren nicht höher? Wieso brauchen Studenten so lange bis zum Examen?
Der Aufstieg der Online-Ausbildung und anderer neuer Technologien hat enorme Auswirkungen auf diese Fragen. Das Lehrbuch stirbt aus. Wir verwenden zunehmend Lehrmittel, die passgenau auf die Studenten in unseren Seminaren zugeschnitten sind. Für diejenigen unter uns, die in den Kursen noch immer Jahr für Jahr mit ihren vergilbten Notizen unterrichten, wird es keine Entschuldigung mehr geben.
Es ist inzwischen möglich, dass ein Professor eine Vorlesung in Kairo hält, ich diese Vorlesung am Teachers College in New York höre, ebenso wie ein Student in Tokyo. Dabei ist es für uns alle so, als säßen wir im selben Hörsaal. Ich kann den Studenten aus Tokyo neben mir (per E-Mail) kurz anstupsen und fragen: "Ich hab die letzten Sätze des Professors nicht mitbekommen. Was hat er gesagt?", worauf meine Frage ins Japanische übersetzt wird und wenige Sekunden später die Antwort auf Englisch kommt. Der Professor kann auf mich und meinen japanischen Kollegen zeigen und sagen: "Ich möchte, dass Sie zum nächsten Mal ein Projekt vorbereiten." Wenn wir das alles können, wozu brauchen wir dann noch die reale Einrichtung namens College?
Allein in den USA ist die Hochschulbildung eine Industrie mit einem Umsatz von 225 Milliarden Dollar. Das macht sie als Ziel privater Investitionen interessant. Unlängst sagte mir ein Unternehmer: "Sie sind in einer Industrie, die Hunderte von Milliarden Dollar wert ist, aber Sie sind bekannt wegen niedriger Produktivität, hoher Kosten, schlechten Managements und dafür, dass Sie die modernen Technologien nicht nutzen. Sie werden das nächste Gesundheitssystem sein: eine schlecht gemanagte gemeinnützige Industrie, die vom profitorientierten Sektor übernommen wurde."
Ein erstaunliches Phänomen ist die profitorientierte Universität Phoenix, die über alle diese Eigenschaften verfügt und an der Börse gehandelt wird. Sie möchte innerhalb der nächsten zehn Jahre 200.000 Studenten erreichen und ist schon heute mit 6000 online verbunden. Sie hat das meiste, was in der Hochschulbildung üblicherweise gemacht wird, abgebaut und arbeitet überwiegend mit Teilzeitlehrkräften. Die Lehrpläne sind einheitlich und werden alle paar Jahre mit Hilfe von Leuten aus der Industrie erstellt.
Investmentfirmen entwickeln Verfahren für die Hochschulausbildung. Risikokapitalgruppen stecken Geld in Unternehmen der Hochschulbildung. Während der nächsten Jahre werden wir erleben, dass irgendein Unternehmen bekannte Lehrkräfte an unseren renommiertesten Studieneinrichtungen engagiert und übers Internet einen Gala-Abschluss anbietet. Man wird die Besten der Universitäten von Columbia, Oxford und Tokyo nehmen und zu niedrigeren Kosten, als wir es können, ein Programm anbieten. Ein erstklassiger Professor betreut an unserem College jährlich ungefähr 200 Studenten. Der geringer bezahlte Online-Professor dagegen könnte Tausende betreuen. Die ÷konomie spricht nicht für uns.
Die größte Gefahr ist die, dass die Hochschulbildung zur nächsten Eisenbahnindustrie werden könnte. Diese baute jahrzehntelang immer größere und bessere Bahnen, weil sie sich eben in dieser Branche wähnte. In Wirklichkeit gehörte sie zur Beförderungsindustrie und wurde vom Flugzeug fast aus dem Markt gedrängt. Hochschulen sind nicht in der Campusbranche, sondern in der Bildungsbranche. Uns in der Hochschulbildung Tätigen bleibt nur wenig Zeit zum Nachdenken. Was ist der Zweck der Hochschulbildung? Wie sollen wir sie weiterhin gewährleisten? Diese Fragen nicht zu beantworten hieße, durch passives Verharren eine weitreichende Entscheidung über unsere Zukunftsaussichten zu treffen.
Der Autor, Präsident des Teachers College der Columbia University, hat diesen (hier leicht gekürzten) Text für die "New York Times" verfasst. Deutsch von Eike Schönfeld.
Prüf den Prof. 2000
Studenten beurteilen Lehre
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 15. Juni 2000, Seite 38 (Campus).OLDENBURG (rkk). Studenten der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Oldenburg werdeb in diesem Semester zum ersten Mal via Internet die Leistungen ihrer Professoren und anderer Lehrveranstalter beurteilen. Das neue Verfahren nach dem Motto Prüf den Prof. 2000 basiert auf einer neuentwickelten Software, die nicht nur die Anonymität der Befragung gewährleistet, sondern auch eine schnelle Auswertung der Antworten ermöglicht. So können die Dozenten über die Ergebnisse der Umfrage schnell informiert werden und noch im selben Semester die Qualität der Lehre verbessern [Ed: so sie denn dazu in der Lage sind].
Die Umfrage wird von der Fachschaft und dem von Studenten gegründeten Verein Campus Virtuell, der sich die stärkere Nutzung der Neuen Medien für Lehre und Studium zum Ziel gesetzt hat. Die Aktion wird vom Dekan des Fachbereichs, Thomas Breisig, unterstützt. Alle Dozenten sind auf das Feedback der Teilnehmer ihrer Veranstaltungen angewiesen, sagte er. Nur so könne beurteilt werden, ob das, was vermittelt werden solle, auch aufgenommen werde.
Studieren im Internet
Aus: Heise News-Ticker 27. Juni 2000, 16.57 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]HANNOVER (ts/c't). Was deutsche Hochschulen im Internet lehren, zeigt Studieren im Netz. In einer Datenbank kann man nach Themenbereich, Stichwort oder Hochschultyp in beliebigen Kombinationen suchen. Die im Auftrag der Bund-Länder- Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung entwickelte Site erfasst bereits über 1000 Lehrveranstaltungen im Internet, zu denen der Surfer per Mausklick wechseln kann.
Unabhängig von Zeit und Raum sind viele Angebote allerdings nicht: Wer beispielsweise den Telekurs Technische Redaktion besuchen will, wird umgehend darauf hingewiesen, dass er nur für Studenten der Universität Hildesheim gedacht ist. Eine Reise in die Vergangenheit muss unternehmen, wer den Online- Workshop zu Kants "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" besuchen will der startete nämlich bereits letzten Herbst. Die Teilnehmer sind mittlerweile wohl längst in der Lage, "den die historisch-systematische Auseinandersetzung prägenden paradigmatischen Problemgehalt des Textes zu indizieren" sofern sie durchgehalten haben.
Andere Sites, die in der Datenbank aufgeführt sind, dokumentieren eher Forschungsprojekte, als dass sie direkt "Web-Based Training" zum Mitlernen bieten. Insgesamt stellt "Studieren im Netz" aber einen interessanten Überblick dar, der zeigt, wie sich deutsche Hochschulen auf das Internet als Medium der Wissenskommunikation einstellen. Wer allerdings wirklich einen konkreten Kurs zu einem Thema sucht, sollte besser Sites inspizieren, die Online-Kurse kommerzieller Anbieter sammeln und ordnen, beispielsweise LifeLongLearning.com oder in Deutschland Wissensnetz.de. Solche Kurse müssen noch nicht einmal etwas kosten.
Virtuelle Universität geplant
Aus: Rheinischer Merkur Nr. 29, 21. Juli 2000, Seite 10 (Hochschule und Bildung).BERLIN. Mit der Gründung einer Virtuellen Deutschen Universität soll nach der Vorstellung von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) weltweit Werbung für den Studienstandort Deutschland betrieben werden. Das über das Internet und andere neue Medien zu empfangende Lehrangebot in deutscher und englischer Sprache soll von allen deutschen Hochschulen gemeinsam gestaltet und getragen werden. Weitere Vorteile der Netz- Uni seien interessante Möglichkeiten der Weiterbildung für Berufstätige wie Studierende. Außerdem könnten mehr junge Ausländer von der Qualität einer wissenschaftlichen Ausbildung in der Bundesrepublik überzeugt werden, so die Ministerin.
Der vernetzte Medizinstudent Lernen im "virtuellen Hörsaal"
Aus: Heise News-Ticker 19. Oktober 2001, 9.22 Uhr (nur elektronisch publiziert) von STEFAN FUHR. [Original]KIEL (dpa/jk/c't). Der Säure-Base-Haushalt, die Physiologie der Zelle, die Struktur des Proteins das Grundwissen ihres Faches ist für viele Medizinstudenten eine zähe Materie. Gerade in den ersten Semestern müssen die angehenden Ärzte ein gigantisches Lernpensum bewältigen. Denn es gilt, die erste schwere Hürde des Studiums zu nehmen: Das Physikum. Experten für Medizinpädagogik denken sich deshalb immer wieder neue Lernkonzepte aus. Bald könnte auch das Internet zum festen Bestandteil des Lehrbetriebs werden und Studenten eine nützliche Hilfe sein. So entwickelt derzeit die Uni Kiel gemeinsam mit anderen Hochschulen einen "virtuellen Hörsaal".
Im nun offiziell vorgestellten Forschungsverbund "Neue Medien an der Medizin" sollen die pädagogischen Möglichkeiten des Internets ausgelotet werden: Das Projekt mit 1,7 Millionen Euro vom Bund gefördert wurde am Donnerstag an der Uni Kiel ins Leben gerufen. Beteiligt sind neben der Kieler Hochschule die Universitäten in Bochum, Dresden und Rostock. Zu einem späteren Zeitpunkt will sich auch die Uni Zürich anschließen.
"Das gewöhnliche Präsenzstudium, bei dem der Student im Hörsaal dem Professor gegenüber sitzt, soll durch ein Distanzstudium ergänzt werden", erläutert Prof. Michael Illert, Dekan der medizinischen Fakultät in Kiel, das Vorhaben. Dabei könnten beispielsweise Studentengruppen in verschiedenen Städten in einer Videoschaltkonferenz vernetzt werden. Denkbar wäre auch: Ein Medizinstudent sitzt mit dem Laptop in Norwegen und ruft multimediale Lernprogramme der Uni Kiel im Internet auf. Per Mausklick startet er dann eine Animation des menschlichen Herz- Kreislaufes. Die Lehrprogramme müssen freilich erst noch entwickelt werden. Die Software, die derzeit auf dem Markt sei, sei einfach schlecht, sagt Illert: "Das sind Mickey-Mouse- Programme". Die Uni Kiel habe beispielsweise handelsübliche Chemie-Programme getestet, die zu 80 Prozent unbrauchbar seien.
Jetzt wollen es die Unis besser machen. Dabei soll ihnen der deutsche Software-Gigant SAP und der Wissenschaftsverlag Springer in Heidelberg helfen. Ob das von den Hochschulen geplante "Tele-Teaching- System" wirkliche Fortschritte bringt, muss sich indes zeigen. "Wir wissen noch nicht, ob multimediales Lernen dem konventionellen überlegen ist", sagt Illert. Dennoch glauben die Kieler Akademiker, dass Computer und Internet irgendwann die Wissensvermittlung gründlich revolutionieren könnten. "Wir stehen möglicherweise vor einer Umstrukturierung der Wissensbestände, einer völligen Neuororientierung", meint der Kieler Uni-Rektor Prof. Reinhard Demuth.
So soll das "Tele-Teaching- System" nicht nur Mediziner vernetzen, sondern irgendwann auch die Studenten anderer Disziplinen. Die Lehrinhalte seien im Prinzip austauschbar, sagt Illert. Zunächst entwickeln die beteiligten medizinischen Fakultäten aber den "virtuellen Hörsaal" für die Grundlagenfächer Pulmonologie (Atmung), Neurologie und den Bereich der Blut-Hochdruck- Erkrankungen. In ferner Zukunft, so hofft Prof. Christian Bauer, Leiter des physiologischen Instituts der Uni Zürich, könnte sogar "die medizinische Ausbildung in Europa harmonisiert werden". Gleiche Lehrinhalte und gleiche Methoden für alle Studenten das würde den Wissensaustausch erheblich vereinfachen. "Vorerst bleibt das aber ein Wunschtraum", sagt Bauer.
Das Bundesforschungsministerium Finanzier des Projekts hat jedenfalls große Erwartungen in das Vorhaben der Unis gesetzt: Das "Tele-Teaching- System" müsse auf breiter Basis angewendet werden, fordert Rolf Geserick von der Frauenhofer- Gesellschaft, die das Ministerium im Forschungsverbund vertritt: "Wir wollen keinen Prototyp, wir wollen die Serienreife."
Lernen im Netz: Die Universitäten und die Online-Studiengänge
Aus: Heise News-Ticker 6. März 2002, 10.20 Uhr (nur elektronisch publiziert) von THORSTEN WIESE (dpa). [Original]HAMBURG (dpa/jk/c't). Die deutschen Hochschulen gehen verstärkt ins Netz. Zu den herkömmlichen Angeboten treten immer mehr Studiengänge, die per Computer absolviert werden können. Chatrooms und elektronische Diskussionsforen ersetzen die Diskussion im Seminar, Übungsblätter gibt es per Download, die Betreuung erfolgt per E-Mail. Die Universitäten Erlangen- Nürnberg und Trier testen sogar seit rund einem Jahr die Abfrage von Prüfungsergebnissen per WAP-Handy.
Nach Angaben der Bund-Länder- Kommission (BLK) für Bildungsplanung und Forschungsförderung in Bonn gibt es in Deutschland rund 1600 Studienangebote, die zum Teil oder komplett im Netz organisiert werden. Vorbilder aus den USA und Großbritannien reichen bis zum Beginn der 80er Jahre zurück. Einer der ersten Anbieter in Deutschland war die tele-akademie an der Fachhochschule Furtwangen, die im Frühjahr 1996 das bundesweit erste rein virtuelle Weiterbildungsangebot startete. Seitdem halten Professoren dort Vorlesungen per Live- Übertragung. Fragen und Antworten in Online- Seminaren werden in Chatrooms und per E-Mail ausgetauscht.
Seit dem vergangenen Jahr fördert die Bundesregierung diese Entwicklung mit dem Programm "Neue Medien in der Bildung" mit rund 390 Millionen Mark. An vielen Hochschulen laufen Planungen und Pilotprojekte für das Online-Studium. In nahezu allen Bundesländern werden virtuelle Hochschulen eingerichtet und an einigen gibt es bereits ganze Studiengänge im Netz. Vier komplett virtuelle Studiengänge bietet etwa die Fernuniversität Hagen an. An vielen Instituten wird für einzelne Seminare auf das Internet zurückgegriffen. Rund 26.000 Studierende nutzen derzeit die Angebote im Lernraum Virtuelle Universität
Die Zahl der geplanten Projekte sei schwer zu beziffern, so Angela Degand von der Bund-Länder- Kommission. "Aber eigentlich kann es sich keine Hochschule mehr leisten, keine Online- Ergänzung zu ihren bestehenden Studiengängen anzubieten." Führend in der Planung seien die Disziplinen, in denen Studierende ohnehin viel mit dem Computer arbeiteten. Dazu zählen Degand zufolge Informatik, Mathematik, Ingenieurs- und Naturwissenschaften. "Aber auch in den Geisteswissenschaften tut sich einiges."
Die Hochschulen wollen auf eine neue Studentengeneration vorbereitet sein, die mit der neuen Kommunikationstechnik als Arbeits- und Lernmittel aufgewachsen ist, erläutert Burkhard Lehmann, Geschäftsführer des Zentrums für Fernstudien und universitäre Weiterbildung (ZFUW) an der Universität Kaiserslautern. "Wollen die überhaupt noch ständig in einen verstaubten Übungsraum gehen und sich Vorlesungen anhören?" das sei eine Frage, die sich alle Bildungseinrichtungen stellen müssten. An den Hochschulen sei für das Online-Studium jetzt eine "Start-up-Phase" notwendig. Diese müsse auch Betreuungsangebote und das Erforschen neuer Lerntechniken einschließen. "Es funktioniert nicht, einfach nur ein Vorlesungsskript ins Netz zu stellen."
In Hagen soll die Fernuniversität langfristig zur virtuellen Hochschule umgebaut werden. Seit 1996 werden hier bei Studierenden, die einen langen Anfahrtsweg in Kauf nehmen müssten, Prüfungen per Videokonferenz abgenommen. Rund 400 Studierende werden demnächst eine derartige Prüfung absolviert haben. Auch können die Studierenden online auf Seminartexte, Literaturlisten oder Bibliotheken zugreifen. Über Mailinglisten können sich die Teilnehmer untereinander vernetzen. Zudem wird ein Teil der Referate nicht mündlich abgehalten, sondern als Dokument auf die Seminar- Homepage eingespeist.
Diese Form des Lernens liegt nicht jedem Studenten. Viele hätten gar nicht erkannt, dass "das Online- Lernen ja auch ein Fernstudium ist", sagt Fernstudienexperte Burkard Lehmann. Die Schwierigkeiten dieser Art des Studiums seien altbekannt. Sie erfordere ein hohes Maß an Selbstmanagement und die Fähigkeit, mit der Isolation am Schreibtisch umzugehen. "Wir erleben heute gerade auch den ersten Frust im Cyberspace", sagt Lehmann. Das liegt laut Bildungsexpertin Degand auch an Problemen bei der Entwicklung der Angebote. Beratungsmöglichkeiten für die Lehrenden selbst, die vielerorts auf eigene Faust Aufbauarbeit leisten müssen, gebe es kaum. Selbst wenn solche Schwierigkeiten mit der Zeit geringer werden sollten: Lehmann zufolge wird auch die Universität der Zukunft niemals ganz im Netz aufgehen. "Es wird immer nur Mischformen von Präsenz- und Online- Studien geben.
9. September 2002, 16.17 Uhr (nur elektronisch publiziert) von SVEN APPEL (dpa). [Original]Universitäten werden digital
Aus: DPA-Meldung
BREMEN (dpa). Hast du mal einen Kugelschreiber? Diese in Seminarräumen und Hörsälen häufig gestellte Frage könnte bald der Vergangenheit angehören. Wenn es nach Manfred Wischnewsky geht, schleppen Studenten schon bald keine Notizhefte und Lehrbücher mehr mit sich herum, sondern Notebooks. Damit ließen sich dann etwa die Skripte der Professoren speichern oder ein virtueller Besuch in der Bibliothek machen. Doch bis dahin wird noch viel Wasser die Weser herunter fließen, wie auch Wischnewsky weiß, der Professor im Fachbereich Mathematik und Informatik der Universität Bremen ist und das Projekt Mobiler Campus leitet.
Viele Studenten mit Notebook wünscht sich auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Berlin. Insgesamt 22 deutsche Hochschulen, die nach Ansicht des Ministeriums ein geeignetes Projekt für den Einsatz der mobilen Rechner vorweisen konnten, werden bis Mitte des kommenden Jahres mit insgesamt 25 Millionen Euro unterstützt. Das deckt allerdings nur einen Bruchteil der Kosten. In den Notebook- Universities sind die Studierenden über ihr Notebook ständig online mit moderner Lehrsoftware und wichtigen Datenbanken verbunden, heißt es beim BMBF. Die Verwirklichung dieses Ziels erfordert aber, dass die Digitalisierung weit über die Ausstattung mit Rechnern hinaus geht.
Die Universität Bremen gilt als Vorreiterin bei der Digitalisierung der Hochschule. Rund 1300 Lehrveranstaltungen gibt es hier jährlich alle sollen sie bis etwa 2006 auch in digitaler Form zur Verfügung stehen. Die technischen Voraussetzungen sind bereits abgeschlossen, sagt Manfred Wischnewsky. Mit 500 Accesspoints hat die Hochschule an der Weser bereits das größte Funknetzwerk aller deutschen Universitäten.
Bis zum Ende des Jahres 2003 sollen auch an der Universität Duisburg rund 200 bis 300 Studenten des Fachbereiches Kommedia (Angewandte Kommunikations- und Medienwissenschaft) ihr Studium mit dem Notebook erledigen können. Vorstellbar sei es zum Beispiel, dass die Studenten mit ihren Notebooks soziologische Studien außerhalb der Universität durchführen, erläutert Professor Michael Kerres, der das Projekt eCampus in Duisburg leitet. Außerdem solle ein mobiler Zugriff auf die verschiedenen Bibliotheken ermöglicht werden.
Für die Verwendung des Notebooks in der Lehre nennt Wischnewsky ein Beispiel aus der Produktionstechnik: Hier haben angehende Ingenieure in einem Rollenspiel eine Produktentwicklung nachempfunden. Ohne Notebook wäre das nicht zu machen gewesen. Um die Vorlesungen aus den Hörsälen auch in das Internet und auf das Notebook zu bringen, bedarf es jedoch nicht nur jeder Menge Elektronik. Wir schulen permanent 50 bis 100 Lehrkräfte in Mediendidaktik, erläutert Wischnewsky. Darüber hinaus müssen die Informationen, die die Studenten sonst von der Tafel abschreiben oder auf dem Papier von ihren Lehren bekommen, für die digitale Verbreitung aufgearbeitet werden.
Das kostet Zeit und vor allem Geld. Besonders um Letzteres zu sparen, arbeitet die Universität Bremen mit anderen Hochschulen zusammen. Wischnewsky zufolge werden unter anderem gemeinsame Lehrprogramme entwickelt. Das ist ein Punkt, vor dem manchen Studenten graut: Da besteht die Gefahr, dass die Lehre vereinheitlicht wird, sagt Tim Corßen, zweiter Vorsitzender des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (AStA) an der Uni Bremen.
Mancher, der gegenüber der Notebook- Universität skeptisch ist, befürchtet zudem, dass der an vielen Hochschulen bereits spärliche Kontakt zwischen Studenten und Lehrkräften weiter abnimmt. Davon geht Manfred Wischnewsky zwar nicht aus, aber ihm zufolge wird sich die Rolle der Professoren verändern: Sie werden sich künftig weniger mit der Vermittlung von Basiswissen beschäftigen, sondern den Studenten als eine Art Informationsbroker zeigen, welches Wissen relevant sein könnte und wo es zu finden ist.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Anschaffung der Notebooks durch die Studenten. Für einen mobilen Rechner, der mit einem Zugang zum Funknetz ausgestattet ist, werden im Handel leicht 2000 Euro fällig. Das kann sich nicht jeder leisten. Um die Versorgung der Studenten mit Notebooks dennoch sicher zu stellen, will die Universität Duisburg selbst als Händler auftreten. Die Notebooks sollen durch den Einkauf in großer Menge billiger und zusätzlich aus Mitteln der Hochschule subventioniert werden. Ein Kostenproblem für die Studenten sieht eCampus- Leiter Kerres deshalb nicht.
In Bremen wiederum holt man sich die Hersteller auf den Campus. An Servicestationen der Hersteller werden die Notebooks gewartet. Für den Erwerb eines Notebooks gibt es hier verschiedene Möglichkeiten: Die Studenten bekommen Rabatt, sie können ein Gerät leasen, es auf Raten kaufen oder bei Bedarf ausleihen, erklärt Manfred Wischnewsky. Wer sich kein eigenes Notebook leisten könne, es jedoch dringend benötige, werde aus einem Fond der Hochschule unterstützt.
Bei allem Fortschritt ist es Michael Kerres zufolge wichtig, dass sich die Verantwortlichen in ihren Entscheidungen nicht von der Technikverliebtheit leiten lassen: Auf die Inhalte kommt es an.
Steigendes Interesse an Virtueller Fachhochschule
Aus: Heise News-Ticker 24. Dezember 2003, 11.16 Uhr (nur elektronisch publiziert) von RICHARD SIETMANN. [Original]BERLIN (jk/c't). Die Zahl der in den Fernstudiengängen und Weiterbildungsangeboten der virtuellen Fachhochschule (VFH) eingeschriebenen Studierenden ist von 170 im Wintersemester 2001/2002 auf 600 im laufenden Halbjahr angestiegen. Wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mitteilte, überschritten die Bewerbungen für die insgesamt 280 vorhandenen Bachelor- Fernstudienplätze in den Online- Studiengängen der Fachhochschulen Lübeck, Braunschweig/Wolfenbüttel, Brandenburg, Berlin, Emden, Bremerhaven und Wilhelmshaven die Zahl der angebotenen Plätze im laufenden Semester teilweise um das Fünffache.
Die VFH organisiert das Studium länderübergreifend mit einheitlichen Studien- und Prüfungsordnungen. Unter Federführung der FH Lübeck bieten die Fachhochschulen seit dem Wintersemester 2001/2002 auch Online- Kurse und spezielle Module in der Weiterbildung an. Erforderlich sind nur der Computer mit Internetanschluss, studiert wird flexibel und in freier Zeiteinteilung von zu Hause aus ein Vorteil, den offenbar auch Berufstätige im Ausland zu schätzen wissen: Nach Angaben des BMBF gaben einige der eingeschriebenen Studierenden Barcelona, Orlando, Wien und Hongkong als ihren derzeitigen Wohnsitz an.
Das BMBF hat das Leitprojekt Virtuelle Fachhochschule seit 5 Jahren mit rund 21,6 Millionen Euro gefördert. Unter anderem entwickelten in dem Projekt mehr als hundert Mitarbeiter an zehn Fachhochschulstandorten zwei Bachelor- Studiengänge in der Medieninformatik und dem Wirtschaftsingenieurwesen komplett als Online- Angebot. In dem besonders beliebten Studiengang Medieninformatik werden die ersten Absolventinnen und Absolventen im kommenden Jahr ihre Bachelor- Urkunden entgegennehmen.
7. Mai 2004, 16.20 Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]Medizin-Kurse via Internet
Aus: DPA-Meldung
GIEßEN (dpa). Medizinstudenten können in Hessen neben der klassischen Vorlesung auch einen "virtuellen Hörsaal" besuchen. Seit diesem Sommersemester bieten die drei Universitäten Gießen, Marburg und Frankfurt kostenlose Internet- Kurse etwa zur Arzneimittelkunde und Hautkrankheiten an. Das Projekt "k-med" soll den Lehrstoff mit Hilfe von Text, Ton und Animation "verständlicher und eingängiger" präsentieren, sagte Wissenschafts- Staatssekretär Joachim-Felix Leonhard heute in Gießen.
Die angehenden Ärzte können online üben, die Herztöne eines "virtuellen Patienten" abzuhören oder eine Lunge zu untersuchen. An Fallbeispielen und Fotos sollen sie lernen, Krankheiten mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden etwa Fußpilz und Schuppenflechte. Animationen veranschaulichen den Angriff eines Virus auf eine Zelle oder den Aufbau eines Moleküls. In die Texte sind zudem Testfragen zur Prüfungsvorbereitung eingebaut. Der Lehrstoff im Internet könne ständig auf den neuesten Stand gebracht werden, sagte Projektleiter Professor Andreas Sziegoleit: "Das geht mit keinem gedruckten Lehrwerk."
Die "anonymen Massenveranstaltungen" könnten langfristig durch das elektronische Lernen ersetzt werden, hofft Sziegoleit. Um das medizinische Basiswissen allerdings bei Patienten anwenden zu können, seien weiterhin Seminare mit Dozenten notwendig. Bisher haben etwa 1600 der knapp 7000 Medizinstudenten mit "k-med" gelernt. An der Marburger Universität wurden auch schon Online- Prüfungen geschrieben.
Informatik-Vorlesungen vom Sofa aus
Aus: Heise News-Ticker 25. Juli 2004, 13.08 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]OSNABRÜCK (ola/c't). Informatikstudenten der Universität Osnabrück können jetzt öfter länger schlafen. Denn wer bei Prof. Oliver Vornberger Vorlesungen hört, muss nicht mehr in den Hörsaal gehen, sondern schaut sich die Lehrstunden einfach vom heimischen PC aus an. Die Studierenden brauchen lediglich den Real-Player mit Camtasia-Plug-in, um die von zwei Kameras während der Veranstaltung aufgenommenen Bilder nach Hause zu holen. Linux-User bleiben dabei leider außen vor.
"In den Hörsaal kommen rund 30 Prozent weniger Studenten. Man kommt sich schon etwas deklassiert vor, aber einige können den Ausführungen offenbar auf dem Sofa zu Hause besser folgen", sagte Vornberger gegenüber der dpa. Trotzdem halte er Vorlesungen, bei denen der Student auch physikalisch im Hörsaal anwesend sein muss, nach wie vor für die bessere Art der Wissensvermittlung. Nur so ließen sich offene Fragen klären und persönliche Gespräche führen.
Das technische Verfahren setzt sich laut Vornberger bundesweit durch. Auch in Oldenburg und Hannover könnten Studenten den Lehrstoff auf diesem Weg nach Hause holen. Koordiniert wird der weitere Ausbau vom eLearning Academic Network Niedersachsen (ELAN). Ziel von ELAN ist es, den Hochschulen des Landes Niedersachsen Unterstützung beim Umbau bestehender und beim Aufbau neuer Strukturen zum Einsatz von Multimedia in Lehre, Studium und Weiterbildung zu geben. Im Zeitraum von 2002 bis 2006 sollen bis zu 25 Millionen Euro Landesmittel in das Netzwerk fließen."
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