Unsere Erde — Drei-Schluchten-Staudamm in China khd
Stand:  20.10.2007   (10. Ed.)  –  File: Sci/Nat/Erde/Unsere_Erde_04.html



Potatoe Globe Diese Serie „Unsere Erde“ ist primär eine Fotostrecke von digitalen Fotos in Originalgröße, die Besonderes unseres Heimat-Planeten zeigen. Es beginnt schon mit dem nebenstehenden Logo, das die wahre Gestalt unserer Erde zeigt. Die Erde ist keine Kugel – eher eine Kartoffel, was präzise Messungen des Schwerefeldes ergeben haben. Gewidmet ist diese Serie meinen Enkelkindern, die sich immer wieder diese faszinierenden Bilder anschauen und erklären lassen.

Die Idee zu dieser Foto-Serie entstand aus der Beobachtung, daß oft im Internet spektakuläre Fotos präsentiert werden, aber diese schon einige Zeit später nicht mehr aufzufinden sind. Auch die Bild-Suchtechniken einiger Suchmaschinen helfen nicht weiter. Und wer will schon im Internet- Zeitalter alle firmeneigenen Such-Angebote der vielen Verlagshäuser abklappern. Die Bilder haben sich – wie beim klassischen Rundfunk – schlichtweg ‚versendet‘. Das ist ärgerlich. Und eine solche Flüchtigkeit dient nicht dem Fortschreiten der Wissensgesellschaft.

Alle Fotos unterliegen bei kommerzieller Verwertung dem Copyright, das in der Regel bei der in der Legende unter „Foto:“ angegeben Quelle liegt. Ansonsten – und das gilt insbesondere für den Text der Bildlegenden – liegt es bei: © khd — 2005–2007. All rights reserved. [Translation-Service]

I n h a l t   d e r   S e r i e : 
  • „Katrina“ nähert sich New Orleans. (2005)
  • EuMetSat sieht die Erde. (2006)
  • Nazca-Geoglyphe in Südamerika. (2006)
  • Drei-Schluchten-Staudamm in China. (2006)
  • Ausgangslage für Hurrikan-Saison. (2006)
  •    
  • Europas Lichter bei Nacht. (2006)
  • Licht auf der Erde bei Nacht. (2006)
  • Der blaue Planet. (2002)
  • Norddeutschland. (2004)
  • Griechenland brennt. (2007)

  •   Mai 2006 — Der Drei-Schluchten-Staudamm in China ist fertig


    Drei-Schluchten-Staudamm in Zentralchina
    ^   Mit dem Bau des umstrittenen Drei-Schluchten-Staudamms am Jangtse in Zentralchina hoffen die Chinesen, ihr wachsendes Energieproblem in den Griff zu kriegen. Sie könnten sich damit aber riesige Umweltprobleme eingehandelt haben. Für den Monsterbau mußten zudem 1,3 Millionen Menschen ihre angestammte Heimat verlassen.

    Am 20. Mai 2006 wurde der Staudamm fertig. Er ist 2310 m lang und 185 m hoch. Das Wasserkraftwerk mit 26 Turbinen wird aber erst 2008 in Betrieb gehen, wenn sich genügend Wasser (175 m) angestaut hat. Die Bauzeit betrug bislang 12 Jahre – also war man schneller als beim Bau des Berliner Hauptbahnhofs.

    Nur 1 Jahr nach seiner Fertigstellung wird bereits deutlich, daß sich die Chinesen mit dem Bau dieses Monster-Staudammes ein riesiges ökologisches und soziales Problem geschaffen haben. Die Kritiker des Projekts haben Recht behalten: [Tagesspiegel-Bericht] [FAZ-Bericht]   (Foto: 5.2006 – dpa)



      ANHANG

    Links:

    China sprengt gewaltigen Staudamm

    Eine gewaltige Explosion erschütterte heute die Provinz Hubei: Mit 192 Tonnen Dynamit wurde der Behelfsstaudamm gesprengt, der bisher den Fluss Yangtze zurückgehalten hatte. Nun strömen die Fluten in das größte Wasserkraftwerk der Welt – den Drei-Schluchten-Damm.

    Aus: Spiegel Online – 6. Juni 2006, 18.08 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert).

    CHINA (jkr/AP). Die Meldungen waren voller Superlative: Im chinesischen Fernsehen wurde von der "schwierigsten Zerstörung der Welt" berichtet. Was anschließend in Zeitlupe über die Bildschirme flimmerte, war dann auch entsprechend beeindruckend: Der 580 Meter lange und 140 Meter hohe Behelfsdamm, der bisher den Fluss Yangtze aufgestaut hatte, explodierte mit einem gewaltigen Donnergrollen, Kubikkilometer Wasser wälzten sich den Fluss entlang.

    Der nun zerstörte Damm hatte das Wasser von der Baustelle des Drei-Schluchten-Damms ferngehalten, dem größten Wasserkraftwerk der Welt. Die Bauarbeiten waren im vergangenen Monat abgeschlossen worden – nun wurde geflutet. Zuvor allerdings waren die Fische des Flusses noch zu ihrem eigenen Schutz mit Stromstößen vertrieben worden. 90 Prozent der Fische seien geflohen, erklärte Tan Xichang vom Institut für Biotechnik.

    Das Drei-Schluchten-Damm-Projekt ist noch immer umstritten. Zwar soll das Kraftwerk ab 2008 saubere Energie für China erzeugen und Überschwemmungen vermeiden. Doch für den Bau der 2,3 Kilometer langen Staumauer mussten 1,3 Millionen Menschen aus 13 Städten und 1.500 Dörfern umgesiedelt werden.



    Untergang am Langen Fluss

    Chinas Drei-Schluchten-Staudamm entwickelt sich zu einem ökologischen und sozialen Desaster. Nach Fehlplanungen müssen nun erneut 4 Millionen Menschen umgesiedelt werden.

    Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 18. Oktober 2007, Seite 32 (Weltspiegel) von HARALD MAASS. [Original]

    x PEKING (Tsp). Es sollte Chinas ehrgeizigstes Vorzeigeprojekt werden: Mehr als ein Jahrzehnt bauten chinesische Ingenieure am Jangtse den Drei-Schluchten-Staudamm – das größte Wasserkraftwerk der Erde. Doch ein Jahr vor der Inbetriebnahme der letzten Turbinen entwickelt sich der Staudamm zu einem sozialen und ökologischen Desaster. Die Ufer des riesigen Stausees brechen ein, das Wasser ist durch Abfälle und Industriegifte verpestet. Vier Millionen Menschen müssen nun zusätzlich umgesiedelt werden, wie die Staatsmedien überraschend ankündigten. Viele der Menschen an dem 663 Kilometer langen Stausee, die von der Massenumsiedlung betroffen sind, müssen damit zum zweiten Mal dem Staudamm weichen.

    Um Platz für den Stausee zu machen, hatten Chinas Behörden seit 1993 insgesamt 13 Städte und hunderte Dörfer abgerissen und die Bevölkerung in höhere Lagen umgesiedelt. Rund 1,4 Millionen Menschen waren von dieser ersten Umsiedlungswelle betroffen. Chinas Regierung und die staatliche Propaganda feierten den 180 Milliarden Yuan (18 Milliarden Euro) teuren Staudamm dennoch als einen technischen und wirtschaftlichen Erfolg. Der Damm soll nicht nur die jährlichen Hochwasser am Jangtse, dem drittlängsten Fluss der Erde, regeln. Er soll auch riesige Mengen Strom produzieren – so viel wie die Verbrennung von 50 Millionen Tonnen Kohle im Jahr, heißt es in Peking.

    Doch nun werden die tatsächlichen sozialen und ökologischen Kosten des Mammutprojektes deutlich. Chinas Regierung hat für die umgesiedelten Menschen zwar neue Häuser und Städte gebaut, die gewachsenen Strukturen sind jedoch zerbrochen. Für die Bauern, deren Land im Stausee versunken ist, gibt es nicht genügend Ackerfläche. Auch andere verloren mit dem Umzug ihre Existenzgrundlage. Gleichzeitig nehmen die Umweltprobleme immer mehr zu. An 91 Stellen und einer Länge von 36 Kilometern sei das Ufer des Stausees bereits eingebrochen, erklärte ein Beamter.

    Weil in dem Stausee Städte, Industriegebiete und sogar Friedhöfe überschwemmt wurden, gleicht der Jangtse in diesem Gebiet einer Kloake. Das Wasser sei für Menschen ungenießbar, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua und warnte vor einer "Katastrophe". Den Behörden bleibt offenbar nun nichts anderes übrig, als die Anwohner entlang dem Ufer erneut zu entwurzeln und in eine andere Region umzusiedeln. Berichten zufolge sollen 4 Millionen Menschen bis 2020 in Siedlungen am Stadtrand von Chongqing umziehen.

    Wissenschaftler und Umweltschützer hatten seit den achtziger Jahren vor massiven sozialen und ökologischen Folgen gewarnt. Die damaligen KP-Führer ignorierten jedoch die Warnungen. Vor allem für den früheren Premier Li Peng, ein in Moskau ausgebildeter Wasseringenieur, war der Drei-Schluchten-Staudamm ein persönliches Prestigeprojekt.

    Auf dem derzeit tagenden KP-Parteitag kündigte Staats- und Parteichef Hu Jintao an, dass China sich künftig nachhaltiger und ökologischer entwickeln solle. Für die mehr als 5 Millionen Menschen entlang dem Jangtse, die für den Staudamm ihr Zuhause verlieren, kommt diese Einsicht zu spät.



    Der Umzug der 4 Millionen

    Der Drei-Schluchten-Staudamm: Eine Umweltproblem.

    Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. Oktober 2007, Seite ?? (Ausland) von PETRA KOLONKO. [Original]

    PEKING – 17. Oktober 2007 (faz.net). Der stellvertretende Bürgermeister von Chongqing tat, was ein Funktionär am besten tut, wenn in seinem Amtsbereich Probleme auftreten: Er stritt erst einmal alles ab. Nein, am Drei-Schluchten-Staudamm gebe es keine Umweltkatastrophe. Nein, das Wasser im Stausee sei nicht verdreckt. Alles verlaufe nach Plan, und außerdem sei der Himmel über Chongqing 200 Tage im Jahr – blau.

    Der Bürgermeister, der in dieser Woche als Delegierter am Parteikongress von Chinas Kommunisten in Peking teilnimmt, wird sich seine Antworten bald besser überlegen müssen. Denn diesmal kommen die Hiobsbotschaften über den Drei-Schluchten-Damm und seinen Stausee nicht von Umweltaktivisten oder armen Bauern, die ein hoher Funktionär ignorieren kann. Ganz offiziell meldete die Nachrichtenagentur Xinhua kurz vor dem Parteikongress, dass am Stausee des Jangtse, hinter dem Riesendamm mit seinen Wasserkraftwerken, in den nächsten 10 bis 15 Jahren 4 Millionen Menschen umgesiedelt werden müssten. Das sind viermal so viele wie ursprünglich geplant.

    Unvorstellbare Fehlplanung des Staudamms

    Der Grund für die unvorstellbare Fehlplanung ist eine dramatische Verschlechterung der Umweltbedingungen an den Ufern des mehr als 600 Kilometer langen Stausees. Fachleute hatten die neuesten Befunde auf einer Tagung in der zentralchinesischen Stadt Wuhan im September öffentlich gemacht. An den Uferabhängen des Jangtse-Stausees gibt es immer häufiger Erdrutsche. An 91 Stellen ist die Uferbefestigung beschädigt, insgesamt sind 36 Kilometer Land abgebrochen. Erdrutsche hätten Wellen von einer Höhe bis zu 50 Metern verursacht, die gegen das Ufer das Stausees geschlagen seien und große Zerstörungen angerichtet hätten, berichtete Huang Xuebin vom staatlichen „Drei-Schluchten-Büro“.

    Das Ökosystem am Jangtse ist gestört. Zudem nimmt die Verschmutzung des Stausee-Wassers gefährliche Ausmaße an. Abwässer werden ungeklärt in den Jangtse-Stausee geleitet, der sich nicht mehr selbst reinigen kann, weil er durch die Stauung langsamer fließt. Algenausbrüche nehmen zu, Wasserpflanzen wachsen immer schneller. „Die Umwelt des Drei-Schluchten-Stausees ist extrem verletzlich und verträgt keine dichte Besiedlung“, schloss die Wissenschaftlerkommission. Jetzt sollen nach einem neuen Plan der Regierung bereits in den nächsten fünf Jahren noch einmal zwei Millionen Menschen am Stausee umgesiedelt werden, bis jetzt sind schon 1,4 Millionen Menschen dem Stausee gewichen.

    Prestigeprojekt der Partei erwies sich als Problemfall

    Der neue Umsiedlungsplan ist das Eingeständnis eines gigantischen Fehlschlages. Der Drei-Schluchten-Staudamm, eines der großen Prestigeobjekte der Parteiführung, das die Bezwingung der Natur, die Macht der Partei und die Wirtschaftsstärke Chinas demonstrieren sollte, erweist sich immer mehr als Problemfall, der für China noch große wirtschaftliche und ökologische Kosten verursachen wird.

    Warnungen hat es schon früh gegeben. Nicht nur Umweltaktivisten wie die Journalistin Dai Qing und andere mutige Dissidenten wiesen bereits in den achtziger Jahren, als das Projekt noch in Planung war, auf seine ökologischen Folgen hin. Auch in der Partei und bei den Planungsingenieuren gab es Zweifel und Kritik an dem kostspieligen Großprojekt, das umgerechnet 15 Milliarden Euro gekostet hat. Früh warnten die Ingenieure vor der Sedimentation an dem 180 Meter hohen Staudamm, vor Klimaveränderungen in der Region, vor Erdbebengefahr und vor den sozialen Folgen der Zwangsumsiedlungen. Doch die Partei hat Einwände ignoriert und die Kritiker mundtot gemacht.

    Entschädigungen verschwanden in korrupten Kanälen

    Die Parteiführung argumentierte, dass die Energiegewinnung aus dem Jangtse-Wasser und die Vorbeugung von Hochwasser am Unterlauf des Jangtse das Projekt rechtfertigten. Doch nach fast 20 Jahren der Planung und des Baues und ein Jahr nach der Fertigstellung der gewaltigen Staumauer zeigt sich, dass die Warnenden recht hatten. Zusätzlich zu den vorausgesehenen Folgen treten nun noch Probleme auf, die durch die schnelle Industrialisierung der vergangenen Jahre entstanden sind. Wasserverschmutzung und eine ökologische Verschlechterung waren Fragen, die in der ursprünglichen Diskussion noch gar nicht aufgetaucht waren und erst später beachtet wurden.

    Doch als eine der größten Herausforderungen beim Bau des Drei-Schluchten-Staudammes erwies sich die Umsiedlung der Bauern und der Städter, die am Rand des Staudammes lebten. Der Staat sah eine große Summe für Entschädigungszahlungen an die Betroffenen vor, allein in den Jahren 2004 und 2005 wurden umgerechnet 960 Millionen Euro für Umsiedlungsprogramme ausgewiesen. Doch das Entschädigungsprogramm war von Anfang an durch Korruption und Pflichtvergessenheit der örtlichen Funktionäre belastet. Nach offiziellen Angaben wurden 30 Millionen Euro missbräuchlich verwendet, die wirkliche Zahl dürfte weit höher sein. Darüber, wie viel Geld in den Taschen korrupter Funktionäre verschwand, gibt es keine Angaben.

    Repressalien gegen protestierende Umsiedler

    Die Unzufriedenheit unter den Betroffenen ist groß. An allen Umsiedlungsorten gibt es Differenzen über die Höhe der Entschädigungszahlungen. Die örtlichen Funktionäre im Regierungsbezirk Chongqing, in dem der größte Teil des Drei-Schluchten-Stausees liegt, und in der angrenzenden Provinz Hubei versuchten, die Proteste zu vertuschen. Sie gehen zum Teil mit Repressalien gegen protestierende Bauern und andere Umsiedler vor.

    Gelegentlich dringen aber doch Nachrichten über die betrogenen Umsiedler bis nach Peking durch – dann, wenn es Bauern gelingt, mit Petitionen bis in die Hauptstadt zu reisen oder mit Journalisten zu sprechen. Bekannt wurde der Bauer Fu Xiancai, der sich für eine Gruppe von Bauern aus Yichang einsetzte, die um ihre Entschädigung betrogen worden waren. Nach einem Interview mit dem ARD-Fernsehen wurde Fu vor einem Jahr von mehreren Schlägern dermaßen verprügelt, dass er wahrscheinlich bis an sein Lebensende gelähmt bleiben wird. Fu sagt, dass die Schläger von den Behörden gedungen waren. Eine offizielle Untersuchung ergab aber, dass er sich seine Verletzungen bei einem Sturz „selbst beigebracht“ hat.

    Wenn jetzt zu den bereits umgesiedelten 1,4 Millionen Menschen noch einmal weitere 3 Millionen ihren Wohnort verlassen müssen, dann wird dies zu weiteren Unruhen in der lokalen Bevölkerung führen. Wenn die Umsiedlungsprobleme der ersten Phase noch nicht gelöst seien, mahnen Bürgerrechtler im Internet, dann sei es kaum zu erwarten, dass eine zweite Phase mit so viel mehr Menschen reibungslos verlaufen werde.



    (more to-be done).



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