Die schlimmsten Hochwasser-Katastrophen in Deutschland
Tote und Höhe der Gesamtschäden in Milliarden Euro
Stand: 15. April 2006
Quelle: Spiegel 35/2002, Seite 24 + Eigene Recherchen im Internet.Jahr Monat Ort Haupt-
AuslöserTote
1)Gesamt-
SchadenDavon
versichertAnm. 1962 Hamburg Sturmflut ??? ?,?? Mrd. Euro % Nordsee-Sturmflut 1988 März Entlang von Donau, Rhein und Mosel 13 Mrd. Euro % 1991 August Niederbayern und Oberpfalz (Donau) 5 Mrd. Euro % 1994 Sachsen-Anhalt + Thüringen 0,20 Mrd. Euro 37 % 1995 Entlang des Rheins 0,30 Mrd. Euro 39 % 1997 Entlang der Oder 5B-Regentief 0,30 Mrd. Euro 9 % ? Entlang der Saale ?,?? Mrd. Euro % 1999 Mai Baden-Württemberg + Bayern 5B-Regentief 5 0,42 Mrd. Euro 19 % Pfingst-Hochwasser 2002 Schleswig-Holstein + Niedersachsen 0,02 Mrd. Euro ? % Juli-Dauerregen 2002 August Entlang von Elbe und Mulde 5B-Regentief >21 25,00 Mrd. Euro ? 20 % 2) 3) 2005 August Gesamter Alpenraum 4) 5B-Regentief >79 Mrd. Euro % August-Hochwasser 2006 April Entlang der Elbe Schneeschmelze Mrd. Euro % Frühjahrs-Hochwasser Mrd. Euro % 1) Tote in Deutschland und den anderen betroffenen Ländern.
2) Andere Quellen schätzen den volkswirtschaftlichen Gesamt-Schaden auf bis zu 50 Mrd. Euro.
3) Über die gesamte Schadenssumme herrscht auch 2004 noch immer Unklarheit.
4) Betroffen ist der Alpenraum von der Zentral-Schweiz bis hin zu den Karpaten (Siebenbürgen in Rumänien).
| Entwicklung der Elbe-Flut vom August 2002 Wasserstände in Zentimeter zur angegebenen Uhrzeit Stand: Ab 12. August 2002 Quelle: Wetter-Online 1) |
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| Ort | Max. Pegel |
12.8. | 13.8. | 14.8. | 15.8. | 16.8. | 17.8. | 18.8. | 19.8. | 20.8. | 21.8. | 22.8. | 23.8. | 24.8. | 25.8. | 26.8. | 27.8. | 28.8. | Anm. |
| MO | DI | MI | DO | FR | SA | SO | MO | DI | MI | DO | FR | SA | SO | MO | DI | MI | |||
| 05.00 | 05.00 | 05.00 | 05.00 | 05.00 | 16.00 | 05.00 | 05.00 | 16.00 | 16.00 | 16.00 | 16.00 | 16.00 | 16.00 | 16.00 | 16.00 | 16.00 | |||
| Dresden | 940 | 847 | 761 | 761 | 594 | 490 | 423 | 398 | 362 | 365 | 292 | ||||||||
| Torgau | 945 | 898 | 779 | 672 | 571 | 526 | 480 | 460 | |||||||||||
| Wittenberg | 489 | 517 | 552 | 616 | 623 | 690 | 696 | 680 | 634 | 626 | 581 | 546 | 529 | 513 | 469 | ||||
| Dessau | 710 | 695 | 714 | 674 | 648 | 632 | 593 | 565 | 463 | ||||||||||
| Magdeburg | 624 | 783 | 816 | 658 | 628 | 601 | 571 | 524 | 399 | 3) | |||||||||
| Tangermünde | 672 | 766 | 760 | 738 | 712 | ||||||||||||||
| Wittenberge | 531 | 507 | 723 | 713 | 716 | 704 | 689 | 652 | 575 | ||||||||||
| Dömitz | 410 | 614 | 655 | 653 | 656 | 649 | 628 | ||||||||||||
| Neu Darchau | 730 | 462 | 648 | 716 | 731 | 730 | 719 | 630 | 4) | ||||||||||
| Lauenburg | 593 | 709 | 829 | 865 | 869 | 2) | |||||||||||||
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1) Ergänzt um Daten aus
anderer Quelle. 2) Pegel Hohnstorf. 3) Pegel Rothensee (nordöstlich von Magdeburg). 4) Südlich von Amt Neuhaus am anderen Elbufer. |
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D I E E L B EDeutschlands Dämme brechen
Nicht nur in Sachsen, auch in Bayern, Tschechien und Österreich hieß es Land unter in vielen Städten und Landstrichen. Bereits in den Tagen zuvor hatte das Wetter verrückt gespielt, von den Alpen bis zum Kaukasus, von Barcelona bis Wien, von Salzburg bis Eutin. Eine solche Sintflut hatten die meisten Europäer noch nie erlebt.
Aus: DIE ZEIT Nr. 34/2002, 15. August 2002, Seite ?? (Politik) von HANS SCHUH. [Original]Das Verderben kam aus dem Erzgebirge. Über 300 Liter Regen pro Quadratmeter waren dort stellenweise heruntergeprasselt, ein Jahrhundertrekord. Mehrere Gebirgsbäche schwollen gewaltig an, darunter auch die Weißeritz. Diese verließ in Dresden ihr kanalisiertes Bett und überflutete zusammen mit der Elbe die Innenstadt. Bald darauf bot die frisch renovierte Stadt ein Bild des Jammers. Der Hauptbahnhof glich einer Schwimmhalle. Der prachtvolle Zwinger, die teure Semperoper und der Landtag metertief versunken. In weiten Gebieten Sachsens herrschte Katastrophenalarm, 17.000 Menschen mussten evakuiert werden. Ähnliches kannte die Nation nur aus TV-Berichten über Katastrophen in Bangladesch.
Nicht nur in Sachsen, auch in Bayern, Tschechien und Österreich hieß es Land unter in vielen Städten und Landstrichen. Bereits in den Tagen zuvor hatte das Wetter verrückt gespielt, von den Alpen bis zum Kaukasus, von Barcelona bis Wien, von Salzburg bis Eutin. Eine solche Sintflut hatten die meisten Europäer noch nie erlebt.
Der viel beschworene Klimawandel, der erste Vorbote der Treibhauskatastrophe: Sieht er so aus? "Wer jetzt noch bestreitet, dass ein Klimawandel stattfindet, dem ist nicht zu helfen", sagt Mojib Latif, Klimaforscher am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. Für ihn ist die Ursache klar. In den vergangenen 100 Jahren sei die Durchschnittstemperatur auf der Erde um knapp ein Grad gestiegen. Dieser Anstieg bedeute mehr Energie in der Atmosphäre, dadurch verdunste mehr Wasser, das dann umso kräftiger auf uns herabregne.
Ein Fluss im Urstromtal
Die Elbe hat sich die grünen Wiesen zurückgeholt, wo Arbeitsplätze entstehen sollten
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 19. August 2002, Seite 7 (Wissen & Forschen) von THOMAS DE PADOVA. [Original]Die Elbe fließt bei dieser Wassermenge wieder so, wie sie schon vor Jahrtausenden geflossen ist. Sie hat sich ihr Ursprungstal zurückgenommen. Michael Kinze, Präsident des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Ökologie in Dresden, schaut fassungslos auf die Fluten. Das Wasser ist sein Element, seit 30 Jahren. Der habilitierte Bauingenieur hat Talsperren und Deichanlagen studiert.
Doch diesmal ist alles anders, jetzt, da sich der Fluss sein Bett wieder selbst sucht. Kinze hätte es nie für möglich gehalten, dass die Elbe auf eine solche Höhe anschwillen könnte. Und plötzlich fließt sie viel langsamer, als alle erwartet haben.
Die Elbe Einige Fakten
Quelle: Internet-Recherche von khd, 15.8.2002.Die Elbe kommt aus Tschechien. Die Elbe ist Deutschlands zweitlängster Fluß und berührt 7 Bundesländer: Sachsen, Sachsen- Anhalt, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg- Vorpommern, Schleswig- Holstein und Hamburg. Die Entfernung zwischen Dresden und Hamburg beträgt rund 600 km, der Höhenunterschied ist nur 120 m. Die Flutwelle bewegt sich derzeit mit einer Geschwindigkeit von etwa 1,2 m/s was rund 100 km/Tag sind auf Hamburg zu.
Ursprünglich betrug bei der Elbe die Breite des Flußbettes im Mittel 8 km. Der Fluß ist aber heute zwischen den Deichen auf rund 1 km eingeengt worden.
23.8.2002 (khd). Heute erreichte der Scheitel der Flutwelle das Elbe- Stauwerk in Geesthacht vor den Toren Hamburgs. Wie aus aktuellen, hochauflösenden Satelliten- Fotos hervorgeht überflutete die Elbe rund 600 Quadratkilometer. [Entwicklung der Pegel-Stände]
Flüsse sind besonders ein Symbol für die Zeit, in der sich die Masse bildet, die Zeit, in der sie noch nicht erreicht hat, was sie erreichen wird, schrieb Elias Canetti. Die Elbe hat sich viel Zeit gelassen, die anderen Zuflüsse in sich aufzunehmen. Beharrlich strömt sie nun weiter in Richtung Meer.
Auch vor Dresden verweilen die Wassermassen ungewöhnlich lang. Jedes Haus ist ein kleines Wehr, sagt Kinze. Das Wasser staut sich vor unzähligen Hindernissen. Deshalb sinkt der Wasserpegel nur gemächlich Millimeter für Millimeter. Solche Erfahrungen haben wir hier bisher noch nicht gemacht.
Schäden der Jahrhundert-Flut in Deutschland 2002
Fortlaufende Schätzungen der volkswirtschaftlichen Schadensbilanz
des Starkregens, verursacht durch das 5B-Tief Ilse.
Stand: Ab 21. August 2002
Quellen: Tageszeitungen + Recherchen im Internet.Bereich 21.08.2002 28.08.2002 06.11.2002 xx.xx.2002 Erst-
Hilfe 5)Anm. Sachsen 15,0 Mrd.Euro 15,0 Mrd.Euro 6,0 Mrd.Euro Mrd.Euro 60,0 % Sachsen-Anhalt 7,0 Mrd.Euro 8,0 Mrd.Euro 0,9 Mrd.Euro Mrd.Euro 20,0 % Brandenburg 0,3 Mrd.Euro 0,5 Mrd.Euro 0,2 Mrd.Euro Mrd.Euro 5,0 % Niedersachsen 0,0 Mrd.Euro 0,5 Mrd.Euro Mrd.Euro Mrd.Euro 2,5 % Mecklenburg-Vorp. 0,0 Mrd.Euro 0,3 Mrd.Euro 0,04 Mrd.Euro Mrd.Euro 2,5 % Schleswig-Holstein 0,0 Mrd.Euro 0,2 Mrd.Euro Mrd.Euro Mrd.Euro 2,5 % Hamburg 0,0 Mrd.Euro 0,0 Mrd.Euro Mrd.Euro Mrd.Euro 0,0 % Bayern 0,5 Mrd.Euro 1,5 Mrd.Euro Mrd.Euro Mrd.Euro 5,0 % Thüringen 0,1 Mrd.Euro 0,2 Mrd.Euro Mrd.Euro Mrd.Euro 2,5 % Privat-Haushalte 2,1 Mrd.Euro Mrd.Euro Gewerbl. Wirtschaft 1,7 Mrd.Euro Mrd.Euro Ernte-Ausfälle 0,1 Mrd.Euro 0,3 Mrd.Euro 0,3 Mrd.Euro Mrd.Euro 2) Deiche 3) 1,0 Mrd.Euro 3,3 Mrd.Euro Mrd.Euro Mrd.Euro Deutsche Bahn 0,6 Mrd.Euro 1,0 Mrd.Euro Mrd.Euro Mrd.Euro Deutsche Telekom 0,1 Mrd.Euro 0,1 Mrd.Euro Mrd.Euro Mrd.Euro Sonstiges 0,3 Mrd.Euro 0,1 Mrd.Euro Mrd.Euro Mrd.Euro 4) Summe: 25,0 Mrd.Euro 31,0 Mrd.Euro 11,23 Mrd.Euro Mrd.Euro 100,0 % 1) 1) Die 25 Mrd. v. 21.8.2002 entsprechen der Schätzung des Inst. für Klimafolgenforschung (Potsdam).
2) Das sind die gesamten Ernte-Ausfälle in Deutschland.
3) Reparatur maroder Deiche sowie deren Rückverlegung.
4) Straßen: ADAC-Schätzung (29.8.2002) 1,3 Mrd. Euro. Bereits in den Länderangaben enthalten.
5) Am 30.8.2002 wurden 1 Mrd. Euro vorab von den 7,1 Mrd. Bundes-Euro an die Länder ausgezahlt.
Das Geld reicht nicht
30.8.2002 (khd). Bislang sind von der öffentlichen Hand für die Beseitigung aller Schäden rund 9,8 Mrd. Euro angekündigt: 0,5 Mrd. Soforthilfe der Bundesregierung, 7,1 Mrd. durch die Verschiebung der Senkung der Einkommensteuer um 1 Jahr + Erhöhung der Körperschaftssteuer für 1 Jahr von 25 auf 26,5 %, 1,2 Mrd. EU-Mittel, 1,0 Mrd. durch Umschichtung im Haushalt des Bundesverkehrsministeriums. Der Bund hat heute vorab von den 7,1 Mrd. Euro als Ersthilfe an 8 Bundesländer 1 Mrd. Euro ausgezahlt (Anteile siehe Tabelle).Mit den 9,8 Mrd. Euro sind aber nur rund ein Drittel der derzeitigen Schätzung des Gesamtschadens von 31 Mrd. Euro abgedeckt. Unklar ist noch, wieviel die Versicherungen zu zahlen haben. Das werden jedoch kaum mehr als einige Mrd. Euro sein (12 Mrd. Euro?). Somit ergibt sich noch eine erhebliche Deckungslücke. Die Bundesregierung wird deutlich nachlegen müssen.
Insofern erscheint der aktuelle Parteienstreit um die richtigen Wege der Finanzierung der Hochwasserschäden schlichtweg lächerlich. Denn schon heute ist klar, daß alle Möglichkeiten genutzt werden müssen. Wer gestern auf PHOENIX die Bundestagsdebatte dazu verfolgte, dem wurde allerdings auch klar: Die Parteien schicken nicht die Intelligentesten ins Parlament. Es mangelte vielen Volksvertretern am notwendigen Durchblick. Wenn die Politik aber auf diesem (Parteien-) Niveau debattiert, dann produziert sie sich ihre Nichtwähler selbst.
6.11.2002 (khd). Die Bundesregierung teilte heute mit, daß die Schadensbilanz des Hochwassers geringer als zunächst befürchtet sei. Danach sollen es insgesamt (nur) 11,23 Mrd. Euro sein, wie eine vorläufige Erhebung ergeben haben soll (Zahlen siehe Tabelle unter 06.11.2002).
Nach der Flut ist vor dem Krach
Das Hochwasser zeigt: Die Flüsse brauchen mehr Platz. Doch es fällt schwer, Häuser und Ackerflächen aufzugeben.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 22. August 2002, Seite 6 (Innenpolitik) von DAGMAR DEHMER. [Original]Um jeden Quadratmeter wird gekämpft. Das weiß Georg Rast vom WWF-Aueninstitut aus Erfahrung. Zwar ist der Jammer groß, wenn ein verheerendes Hochwasser Millionenschäden entlang der Flüsse anrichtet. Doch wenn die Schäden bezahlt sind, machen die meisten weiter wie vorher. Nach dem Oder- Hochwasser 1997 sei keine einzige neue Überschwemmungsfläche gewonnen worden, kritisiert Rast. Aber auch am Rhein, der als gelungenes Beispiel für Hochwasserschutz gilt, haben zähe Auseinandersetzungen stattgefunden, bis sich etwas bewegt hat. Allerdings weigere sich Hessen bis heute, Flächen zur Verfügung zu stellen.
Südlich von Breisach wurde jahrelang um einen 90 Meter breiten Streifen gestritten, der zur Überflutungsfläche werden sollte. Plötzlich standen sich Naturschützer unversöhnlich gegenüber. Hier der WWF, der für neue Auenlandschaften warb, dort Landschaftsschützer, die um unvergleichliche Trockenbiotope kämpften. Weitaus häufiger sind jedoch Nutzungskonflikte, mit denen sich Rast auch an der Elbe ständig herumschlagen muss: nämlich die mit der Landwirtschaft. Zwar verbietet das neue Naturschutzgesetz einen Ackerbau bis direkt an die Flusskante. Doch bis zum Deich werden die Flächen von den Bauern auch in Sachsen-Anhalt genutzt. Und meist sehen die Oberlieger eines Flusses überhaupt nicht ein, warum sie Polder zulassen sollen, damit die Unterlieger nicht absaufen.
Rast sieht für die Zeit nach der großen Elbe-Flut genau diese klassischen Konflikte aufziehen. Denn nach seiner Einschätzung müssen genau dort, wo die meisten Deiche gebrochen sind, also oberhalb von Dessau, neue Überflutungsflächen geschaffen werden. Die Politiker werden das nur schwer akzeptieren, weiß Rast. Für Hochwasserschutz sind Länder und Gemeinden zuständig. Meist kennen die Genehmigungsbehörden diejenigen, die in gefährlicher Flussnähe bauen wollen, und tun sich schwer damit, es ihnen zu verbieten.
Allerdings sei die Situation mit dem Rhein deshalb nicht vergleichbar, weil die Elbe in einem viel besseren Zustand ist, sagt Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne). Die Elbe sei einer der wenigen noch relativ unverbauten Flüsse Europas. Aus Gründen des vorsorgenden Hochwasserschutzes soll das auch so bleiben, sagte Trittin dem Tagesspiegel. Aber auch an der Elbe müssten Deiche zurückverlegt und alte Überschwemmungsgebiete wieder freigegeben werden. Dazu bestehen an der Elbe aber wesentlich mehr und bessere Möglichkeiten als am Rhein.
Über den Elbe-Ausbau wird nun jedenfalls wieder gestritten. Steffi Lemke, Grünen- Bundestagsabgeordnete aus Sachsen-Anhalt, weiß ihre Fraktion seit März in dieser Frage hinter sich. Denn der wirtschaftliche Nutzen des Ausbaus ist umstritten. Für Steffi Lemke steht zudem fest, dass er die Hochwassersituation verschärft, weil die Fließgeschwindigkeit zunimmt. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder will die Pläne zumindest überprüfen, wie die Regierung gestern mitteilte. Erst am Tag zuvor hatte Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) gesagt, er wolle an den umstrittenen Ausbauplänen festhalten. Auch Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) beharrt auf den alten Plänen. Georg Rast dagegen hält den Ausbau schlicht für Geldverschwendung: Die Mittel wären an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt.
Rettung für die Elbauen
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 22. August 2002, Seite 6 (Innenpolitik) von DAGMAR DEHMER. [Original]An 36 Kilometern Elbufer sollen Auenwälder erhalten und neue Überflutungsflächen gewonnen werden. Seit dem vergangenen Herbst bemüht sich das Aueninstitut des Word Wide Fund for Nature (WWF) darum, an der Mittleren Elbe Flächen zu kaufen, um ein unvergleichliches Flussbiotop zu erhalten und ein Beispiel für naturnahen Hochwasserschutz zu schaffen.
100 Hektar seien bereits gekauft, berichtet Georg Rast vom WWF. Über weitere 150 Hektar werde derzeit verhandelt. Zudem will der WWF rund 600 Hektar Auenwald von der Treuhand Nachfolgebehörde übernehmen. Allerdings stockt diese Übertragung derzeit, weil Privatwaldbesitzer bei der EU dagegen geklagt haben, dass der Bund rund 100.000 Hektar Auenwälder an Naturschutzverbände übertragen will.
Obwohl diese die Wälder sich selbst überlassen wollen, befürchten die Waldbesitzer, Holz könnte zu Dumpingpreisen auf den Markt gebracht werden. Für Rast ein absurder Gedanke. Insgesamt soll das Elbe- Projekt knapp 15 Millionen Euro kosten. Davon trägt der Bund 75 %, das Land Sachsen-Anhalt steuert 15, der WWF 10 % bei.
B A U E NEine Flut von Erkenntnissen
Das Expertenwissen sollte in einer nationalen Hochwasserzentrale gebündelt werden
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 22. August 2002, Seite 8 (Meinung) von THOMAS DE PADOVA. [Original]Die Hochwasserschäden erreichen neue Rekordmarken. Sie sind vor allem so immens gestiegen, weil zu nahe am Fluss gebaut wird: Siedlungen in Tallage, Einkaufszentren auf der grünen Wiese.
Deutschland braucht eine nationale Hochwasserzentrale, in der die Erfahrungen der einzelnen Regionen zusammenfließen. Hochwasserschutz ist Ländersache. Und man sollte sich hüten, in diese Planungshoheit einzugreifen. Aber es gibt zu viele verstreute Projekte zum Hochwasserschutz. Allein in Bayern sind es 400. Man wundert sich angesichts solcher Aktivitäten darüber, dass heute noch immer Millionen Sandsäcke in langen Menschenketten von Hand zu Hand gereicht werden, während anderswo längst Lkw über befestigte Wege an die Deiche heranfahren, um den Sand dorthin zu bringen.
Expertenwissen ist für eine erfolgreiche Hochwasservorsorge unerlässlich. Dieses Wissen ist da. Bislang profitieren allerdings nur wenige davon. Etwa die Anrainer der Donau in Baden- Württemberg. Dort haben Wissenschaftler einen vorbildlichen Hochwasseratlas zusammengestellt, der im Internet jedem frei zugänglich ist. Er beinhaltet einen Hochwasser- Steckbrief für jedes Wohngebiet an der 270 Kilometer langen Flussstrecke. Jeder Anwohner kann so erfahren, wie hoch das Wasser in der Vergangenheit bei ihm vor der Haustür stand. Inzwischen können die dortigen Forscher sogar ermitteln, um wie viel der Pegel sinken würde, wenn ehemalige Überschwemmungsflächen wieder in Auen umgewandelt würden.
Aus den Erfahrungen bisheriger Hochwasserkatastrophen kann jeder Hausbesitzer etwas lernen. Es gibt bereits eine Datenbank mit 4000 eingetragenen Schadensfällen. Dort ist nachzulesen, welche Vorzüge ein gekachelter Keller hat und welche Heizungsisolierungen bei Überschwemmung zu faulen beginnen. Wer wüsste das jetzt nicht gern!
Auch Städte und Gemeinden sind unsicher, wie sie ihre Ressourcen am besten einsetzen. Im Katastrophenfall konzentriert sich der größte Schaden oft auf wenige Gebäude. Diese Hot spots, wie Krankenhäuser oder Industrieanlagen, gilt es, besonders zu schützen.
Mit modernen Informationssystemen lassen sich die spezifischen Kenntnisse einfach gewinnen und verbreiten. Es bedarf nur einer Stelle, die die Daten sammelt und aufbereitet. Das könnte die wesentliche Aufgabe einer nationalen Hochwasserzentrale sein.
In England gibt es ein solches Institut. In Deutschland streiten sich hingegen die Wissenschaftler unterschiedlicher Fachgebiete über die Ursachen der Flutkatastrophe. Für den Klimaforscher ist es der Treibhauseffekt, für den Ökologen der Elbausbau und für manchen Wasserbauingenieur der zu niedrige Deich. Herr Kachelmann bemängelt unterdessen die unzureichende Warnung vor den Unwettern.
Es wäre Zeit, sie an einen Tisch bringen, die Kompetenzen zu bündeln, um nächstes Mal besser gewappnet zu sein. Denn in einem sind sich alle einig: Die nächste Überschwemmung kommt bestimmt.
Beton überflutet das Land
Das Hochwasser zeigt: Der Staat muss die Zersiedelung in der Bundesrepublik stoppen.
Aus: DIE ZEIT Nr. 35/2002, 22. August 2002, Seite ?? (Wirtschaft) von HUBERT WIGGERING. [Original]Hochwasser an der Donau, an der Moldau, an der Elbe die Bilder der schrecklichen Katastrophen, die wir seit fast 2 Wochen tagtäglich im Fernsehen sehen, sind Grund genug, über drohende oder schon geschehene Klimaveränderungen zu diskutieren. Maßnahmen gegen den Klimawandel und seine Auswirkungen bleiben notwendig. Genauso wichtig ist aber: Viele der entstandenen Probleme sind das Resultat einer falschen Siedlungs- und Flächennutzungspolitik.
Jeden Tag nimmt die bebaute Fläche in Deutschland um durchschnittlich 130 Hektar zu. Das entspricht mehr als 160 Fußballfeldern. Immer neue Gewerbe- und Wohngebiete werden ausgewiesen, immer neue Straßen asphaltiert auch dort, wo zuvor einmal Flüsse und Bäche flossen, wo Gewässer ihre natürlichen Überflutungsräume hatten. Diese Zersiedelung und Zerschneidung der Landschaft beeinträchtigen das Vermögen, Wasser zurückzuhalten, und verursachen damit einen schnelleren Wasserabfluss. Zwar können natürliche, unbebaute Überflutungsräume Schäden nach übermäßig starken Regenfällen nicht gänzlich verhindern. Katastrophale Auswirkungen, wie wir sie jetzt beobachten, würden aber erheblich gemindert. Deshalb muss gegengesteuert werden. Umweltpolitische Konzepte für eine nachhaltige Raumnutzung sind überfällig.
Das Flächen- und Bodenschonungsgebot im geltenden Recht wird gegenwärtig weitgehend missachtet. Die Notwendigkeit des Flächensparens und der zum Standort passenden Flächennutzung sind bislang weder im Bewusstsein von Politik, Verwaltung und Bevölkerung verankert, noch haben die beteiligten Akteure wirkliches Interesse daran, mit weniger Fläche auszukommen. Die einen, private Bauherren oder Investoren, fürchten, dass ihre Vorhaben verzögert und verteuert werden, wenn der Schutz der Umwelt eine größere Rolle spielt. Die anderen, bauleitplanende Kommunalpolitiker, fürchten um ihre Steuereinnahmen, wenn die Neuansiedlung von Industrie, Gewerbe und Wohnungen an ökologische Bedingungen geknüpft ist.
Diese Ängste sind unbegründet. Um den Flächenfraß zu mindern, könnte man sowohl bereits beanspruchte Flächen wie auch ohnehin vorhandene Bausubstanz stärker nutzen. Anstelle einer Bebauung auf der grünen Wiese sollte eine größere Verdichtung an weniger risikobehafteten Standorten angestrebt werden. Auch eine stärkere räumliche Vermischung von Wohnen und Arbeiten würde flächensparend wirken. Um die Nachfrage nach bisher ungenutzten Flächen zu reduzieren, muss außerdem die flächenintensive Form der Bodennutzung gegenüber der flächenschonenderen verteuert werden.
Die Steuerung kann mittels handelbarer Flächenverbrauchsrechte erfolgen. Dabei wird die Größe der nutzbaren Fläche landes- oder bundesweit in vorbestimmten Zeitabständen festgelegt und so ein Rahmen für die maximal zulässige Inanspruchnahme von Flächen gesetzt. Dann würden Flächennutzungsrechte nach marktwirtschaftlichen Kriterien vergeben. Um den Kommunen einen Grundstock an Entwicklungsmöglichkeiten zu gewähren, brauchen sie vorweg ein bestimmtes Rechtekontingent. Will sich eine Kommune aber darüber hinaus räumlich weiterentwickeln, muss sie sich Rechte kaufen. Nicht benötigte Rechte kann sie dagegen an andere Städte und Gemeinden verkaufen.
Durch den Zwang zu periodischer Überprüfung muss die Politik dann verbindliche umwelt- und raumordnungspolitische Ziele für die Flächennutzung entwickeln. Weil die überbaubaren Flächen immer wieder neu bestimmt würden, könnten die Kommunen dann trotzdem gut reagieren, wenn sich wirtschaftliche oder ökologische Bedingungen verändern. In der gegenwärtigen Situation könnte man beispielsweise festlegen, dass zusätzliche natürliche Überflutungsräume geschaffen werden. Auch eine solche Verpflichtung sollte dann handelbar sein.
Damit der gewünschte Lenkungseffekt eintritt, müssen allerdings bestehende Subventionen, die zur Flächeninanspruchnahme ermuntern, abgeschafft werden. Geprüft werden sollten beispielsweise die Vergabe von staatlichen Wohnungsbauprämien, die Investitionen des Bundes in Fern- und Wasserstraßen oder auch die Förderung des Städtebaus. Dieser Weg ist durchaus steinig: Eine ökologisch ausgerichtete Flächenpolitik würde lieb gewonnene Lebens-, Arbeits- und Freizeitgewohnheiten attackieren. Neuinvestitionen für Gebäude und Verkehrswege würden immer dann teurer, wenn diese nicht flächensparend und den ökologischen Anforderungen des Standorts entsprechend gebaut werden.
Ohne diese Anpassungen geht es aber nicht. Denn zu einer solchen Politik gibt es auf Dauer keine Alternative. Durch den Klimawandel werden "Jahrhundertfluten" möglicherweise zu einem oft wiederkehrenden Ereignis. Deutschland muss deshalb der Natur mehr Raum geben. Dort, wo die Umwelt es erfordert, muss Flächen nutzen in Zukunft heißen: Flächen sparen!
Außer Kontrolle
Die Jahrhundertflut legte die Defizite des deutschen Katastrophenschutzes bloß.
Aus: Der Spiegel 35/2002, 26. August 2002, Seite 26 (Deutschland) von HORAND KNAUP und ROLAND NELLES. [Original]Hilfsbereitschaft, Solidarität, Zusammenhalt? Der Krisenstab der Bundesregierung machte andere Erfahrungen. Statt fleißiger Helfer trafen die Staatssekretäre aus Berlin im sachsen- anhaltinischen Wittenberg erregte Freiwillige des Technischen Hilfswerkes (THW). Prügel hätten einheimische Feuerwehrleute ihnen angedroht, klagten die Ehrenamtlichen aus Rheinland- Pfalz, als sie mit ihrem Gerät bei der Deichsicherung eingreifen wollten.
Der Unfrieden in der Lutherstadt war kein Einzelfall. Obwohl 11.000 Helfer vom THW, 25.000 Bundeswehrsoldaten sowie fast ebenso viele Feuerwehrleute an den Deichen hoch motiviert Sandsäcke schleppten, sorgten Kompetenzgerangel, unzureichende Ausrüstung und überforderte Beamte dafür, dass der Einsatz an manchen Orten außer Kontrolle geriet.
Die Jahrhundertflut legte die Defizite des deutschen Katastrophenschutzes bloß. Nach dem Ende des Kalten Krieges kürzten Bund, Länder und Landkreise ihre Zuschüsse an die Helfer. Allein die Ausgaben für das THW wurden unter der Kohl- Regierung von gut 125 Millionen auf etwa 95 Millionen Euro gestrichen. Nach den Anschlägen vom 11. September wurden die Mittel zwar um 25 Millionen Euro aufgestockt, doch die Hälfte des Geldes wird für den Schutz gegen Bio- und Chemie-Anschläge ausgegeben. Der Kampf gegen Naturkatastrophen hatte nicht den ersten Rang.
Das rächt sich nun. So hatten etwa die aus ganz Deutschland angerückten THW-Einheiten an der Elbe mit erheblichen Ausrüstungsproblemen zu kämpfen: Viele ihrer veralteten Fahrzeuge verfügen nicht über eigene Funkgeräte. Vergebens versuchten die Einsatzzentralen oftmals, ihre Leute an den Deichen zu erreichen. Bei den örtlichen Feuerwehren fielen reihenweise Pumpen aus die Geräte waren oft mehr als 30 Jahre alt.
Schon im Oktober 2001 hatte die "Schutzkommission" des Bundesinnenministeriums, eine beratende Wissenschaftler- Runde, in einem "Gefahrenbericht" die Defizite im Katastrophenschutz aufgelistet und "alle Verantwortlichen zum unverzüglichen Handeln" aufgefordert. Vor wenigen Wochen erst mahnten die Berliner Ministerialbeamten "ein Umdenken in der Organisation und Koordination" im Katastrophenfall an.
"Wetterämter, Wasserbehörden und Katastrophenschützer arbeiten nicht eng genug zusammen", kritisiert der Hochwasserexperte Uwe Grünewald von der Technischen Universität Cottbus. "Manch einer weiß ja nicht einmal, dass er in einer Risikozone lebt."
Dem Bundesinnenministerium ist das Missmanagement längs der Elbe nicht verborgen geblieben. "Der Informationsfluss hätte besser laufen können", räumt Ressortchef Otto Schily ein. "Bisher haben die Länder eifersüchtig auf ihre Zuständigkeit geachtet." Jetzt sollen die Vorschläge der Expertenrunde, die bereits in der Schublade liegen, eilig umgesetzt werden. So will das Ministerium
- zusammen mit den Ländern eine Melde- und Alarmzentrale für Katastrophen einrichten: Die Koordinationsstelle soll Basisinformationen wie Kommandostrukturen, Materialdepots oder Helferpotenziale bereithalten;
- das Warnsystem zügig modernisieren: Wissenschaftler arbeiten an Systemen, die über Funkuhren, Heim-Computer oder Handys Alarm auslösen;
- mehr Geld für den Katastrophenschutz in Bund und Ländern sowie für die Forschung bereitstellen;
- eine Risikoanalyse erstellen, die potenzielle Großgefahren und mögliche Folgen aufzählt.
Noch im vergangenen Jahr hatten sich die Länder erbittert gegen alle Versuche gewehrt, die Koordination großer Katastrophen in Berlin anzusiedeln. Als die Beamten damals das zentrale Notfall- Informationssystem "Denis" vorantreiben wollten, mussten sie sich erst einmal der Frage erwehren: "Was macht ihr da eigentlich? Das ist doch nicht nötig."
[20.08.2002: Nicht vorbereitet Lehren aus der Flut-Katastrophe]
Nach der Flut kommt die Schlammschlacht
Nach der Jahrhundertflut scheint das Schlimmste überstanden, die Deiche haben in Norddeutschland gehalten. Doch in mehreren Regionen ist nun der Streit ausgebrochen: Wurden beim Krisenmanagement Fehler gemacht?
Aus: Spiegel Online 26. August 2002, ??.?? Uhr (nur elektronisch publiziert). [Original]DRESDEN. "Versagen" wirft die eine Seite der anderen vor. "Verweigerungshaltung und Eigensinn", schallt es zurück. Nachdem die Elbe wieder in ihrem Flussbett und nicht mehr mitten durch Dresden fließt, ist zwischen Stadtverwaltung und Universitätsklinikum ein erbitterter Streit über die Evakuierung der Krankenhäuser ausgebrochen.
Durch die Maßnahmen des Krisenstabs seien nach Angaben der Professoren Gerhard Ehninger und Manfred Wirt Patienten gefährdet worden. "Wir waren immer trockenen Fußes," sagte Ehninger am Montag der Deutschen Nachrichtenagentur. Die von der Stadt erzwungene Evakuierung des Universitätsklinikums sei völlig übertrieben gewesen. "Die Stadt soll ihre Toten verantworten, wir verantworten unsere Lebenden."
Die Stadtverwaltung spielte den Ball zurück: Das Universitätsklinikum habe seinerseits Fehler gemacht. Beispielsweise seien Frühgeborene in Inkubatoren mit stundenlangen Krankenwagen- Transporten nach Berlin geschafft worden, obwohl ein bestens dafür ausgestatteter Bundeswehr- Hubschrauber bereitgestanden habe, sagte Sozial-Bürgermeister Tobias Kogge (CDU).
Bereits am Wochenende war es im Kreis Anhalt-Zerbst und Wittenberg zu einem Kompetenzgerangel um das weitere Krisenmanagement gekommen. Während sich der Präsident des Regierungsbezirks Dessau, Friedrich Kolbitz (SPD), gegen die Sprengung eines Deiches ausgesprochen hatte, setzte sich der Landrat des Kreises Wittenberg, Hartmut Dammer (parteilos), darüber hinweg. "Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, ist einer, der die Sache regelt. In diesem Fall bin ich das und halte dafür den Kopf hin", sagte er.
Als das Regierungspräsidium Dessau intervenierte und die Polizei die Erlaubnis verweigert habe, sei der Einsatztruppe am Samstag bereits unterwegs gewesen, "und auch nicht über Handy erreichbar", sagte Dammer. Erst als ein Drittel der 300 Kilogramm Dynamit montiert gewesen sei und die Zünder angebracht waren, habe man wieder Kontakt zu der Gruppe bekommen. "Der Sprengmeister hat es wegen Lebensgefahr abgelehnt, die Ladung wieder auszubuddeln." Die Sprengung erfolgte. Am Sonntag wurde ein weiteres Loch in einen Deich gesprengt, damit das Wasser von den überschwemmten Polderflächen wieder in die Elbe zurückfließen konnte.
Bilder der Jahrhundertflut bei SPIEGEL-Online:
Fotostrecke 1: Der Kampf gegen die Fluten.
Fotostrecke 2: Sachsen unter Wasser.
Fotostrecke 3: Säcke stapeln und dann hoffen.
Fotostrecke 4: "Land unter" von Dresden bis Dessau.
Fotostrecke 5: Die Deiche brechen.
Fotostrecke 6: Das bittere Aufräumen nach der Flut.
Fotostrecke 7: Mit Muskelkraft gegen Wassermassen.
Am Montag [26.8.2002] entspannte sich die Lage in der Region, dennoch wurde der Katastrophenalarm für Wörlitz, den Landkreis Anhalt- Zerbst, Bitterfeld und Dessau aufrecht erhalten. Die Hochwassersituation an der Autobahn 9 Berlin- München bei Dessau war weiterhin kritisch. Für die Region Bitterfeld soll die Hochwassergefahr durch ein Absenken des Goitzsche- Sees gebannt werden. Damit solle bereits morgen begonnen werden, teilte ein Sprecher des örtlichen Krisenstabs mit.
In Magdeburg, dem besonders von der Flut getroffenen Dresden, in der brandenburgischen Prignitz sowie Teilen Westmecklenburgs wurde der Katastrophenalarm heute aufgehoben. Das genaue Ausmaß der Milliardenschäden der Flut, bei der mindestens 20 Menschen starben, ist jedoch noch nicht abzusehen. In der Prignitz konnten am Sonntagabend [25.8.2002] die ersten von etwa 3000 Bewohnern aus insgesamt 37 Dörfern in ihre Häuser zurückkehren.
Sorgen bereiten den Helfern vor allem in Norddeutschland die durchweichten Deiche und die vielen Sandsäcke, die auf den Dämmen liegen. "Man braucht die Sandsäcke nicht mehr an der Deichkrone und legt sie zur Verstärkung an den Deichfuß", sagte der Sprecher des zentralen Einsatzstabes in Lüneburg, Rainer Bohmbach, heute. Nach der Stabilisierung der Deiche in Amt Neuhaus schickte der Krisenstab bereits 3000 Helfer nach Hause.
In Tschechien sind nach dem Abfließen des Hochwassers die Leichen von 2 weiteren Opfern gefunden worden. Damit ist die Zahl der Toten durch die Überschwemmungen in den vergangenen Wochen dort auf mindestens 16 gestiegen [Ed: insgesamt also bisher 20 + 16 = 36 Tote].
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