B A Y E R N H A T N I C H T S G E L E R N TFlüsse sollen mehr Raum bekommen
Mit einem Fünf-Punkte-Programm will die Bundesregierung den Schutz für Flutkatastrophen verbessern. Überschwemmungsgebiete sollen künftig für Wohn- und Gewerbegebiete tabu sein.
Aus: Spiegel-Pressemeldung 15. September 2002, ??.?? Uhr zum Artikel "???" im SPIEGEL ??/2002 (offensichtlich nur elektronisch publiziert).BERLIN. Die Pläne der rot-grünen Koalition sehen ein gemeinsames Hochwasser- Schutzprogramm von Bund und Ländern vor. Als erste Maßnahme sollen alle Flussausbau-Arbeiten bis Anfang des kommenden Jahres ausgesetzt werden.
Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) betonte, die Bundesregierung lehne den Bau von Staustufen an der Donau im Bereich Straubing ab. "Die Flüsse brauchen mehr Raum. Hier ist Umdenken erforderlich." Auch die Staustufen an der Saale würden nicht realisiert. Die Pläne zum Elbe-Ausbau kämen ebenfalls "komplett auf den Prüfstand".
Bodewig forderte darüber hinaus einen "Masterplan" für das Management von Flusslandschaften und eine entsprechende Kontroll- Instanz. Noch im Frühherbst sollten konkrete Zeit- und Arbeitspläne erarbeitet werden. Derzeit seien die Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen verstreut.
Die Bundesregierung will 2004 einen Bericht über die Umsetzung ihres Programms vorlegen, das Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) bei der Konferenz zum Hochwasserschutz in Berlin vorstellte. Trittin verlangte bei der Flusskonferenz eine Ausweitung der Kompetenzen des Bundes beim Hochwasserschutz und eine entsprechende Grundgesetzänderung.
Laut dem Fünf-Punkte-Programm soll Anfang 2003 die Überprüfung geplanter Fluss- Ausbaumaßnahmen etwa an der Elbe abgeschlossen sein. Bis dahin gelte ein genereller Ausbau-Stopp. Auf einer internationalen Fachkonferenz im Jahr 2004 sollen Strategien zum besseren gemeinsamen Hochwasserschutz entwickelt werden. Außerdem sieht der Plan eine bessere europäische Zusammenarbeit und Sofortmaßnahmen beim Hochwasserschutz vor. Das Programm soll zusammen mit den Ländern und Kommunen umgesetzt werden.
Umweltverbände fordern Umdenken
In einer gemeinsamen Stellungnahme forderten mehrere große Umweltverbände ein Umdenken in der Fluss-, Siedlungs-, Landnutzungs- und Klimapolitik. Die Konferenz sei ein erster Schritt in diese Richtung. "Aber es darf nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben es muss gehandelt werden", hieß es in der Mitteilung.Trittin rief alle Beteiligten zu schnellem Handeln auf. "Diese Maßnahmen müssen wir jetzt angehen, weil die nächste Jahrhundertflut nicht hundert Jahre auf sich warten lassen wird", sagte der Umweltminister. Vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe müsse der Klimaschutz vorangetrieben werden. "Klimaschutz ist langfristig der beste vorbeugende Hochwasserschutz", sagte Trittin. "Und der teuerste Klimaschutz das wissen wir nach Grimma und Dresden ist unterlassener Klimaschutz. Er kostet uns alleine in diesem Jahr zehn Milliarden Euro.
[15.09.2002: Katastrophenschutz: Schily plant neues Bundesamt]
Bayern hält am Ausbau der Donau fest
Aus: Spiegel-Pressemeldung 29. November 2003, ??.?? Uhr zum Artikel "Stoiber setzt auf Machtwechsel" im SPIEGEL 49/2002, 1. Dezember 2003, Seite 18 (Panorama Deutschland).HAMBURG. Beim umstrittenen Ausbau der Rhein-Main-Donau-Wasserstraße verzögert der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber seit über einem halben Jahr ein von Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe angemahntes Raumordnungsverfahren. Die Bundesregierung plant, einen 70 Kilometer langen, heute noch weitgehend naturbelassenen Flussabschnitt der Donau zwischen dem niederbayerischen Straubing und Vilshofen für die Binnenschifffahrt "umweltgerecht" zu erschließen.
Bayern jedoch beharrt auf dem Bau von bis zu drei großen und zum Teil von der EU finanzierten Staustufen, mit deren Hilfe "Engpässe" an den "transeuropäischen Verkehrsnetzen" beseitigt werden sollen. Dafür soll jetzt ein eigenes Raumordnungsverfahren auf Landeskosten eingereicht werden. Die Münchner Staatskanzlei setzt bei ihrer Verzögerungstaktik offenbar auf einen Machtwechsel nach der Bundestagswahl 2006, da eine "maximale Nutzung der Wasserstraße" mit Rot-Grün nicht zu erreichen sei.
N O C H I M M E R N I C H T S D A Z U G E L E R N TWie beim Elbe-Hochwasser
Tote bei Unwettern mit starken Regengüssen in Südfrankreich
Aus: Yahoo-News 2. Dezember 2003, 21.27 Uhr.MARSEILLE. Es schüttete wie beim verheerenden Elbehochwasser vor eineinhalb Jahren. Bei Marseille prasselten 200 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Mindestens vier Menschen starben bei den Unwettern in Südfrankreich.
200 Liter auf den Quadratmeter in Aubagne östlich von Marseille das entspricht den Spitzenwerten beim verheerenden Elbhochwasser im vergangenen Jahr. Die Rhone und ihre Nebenflüsse traten über die Ufer. Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen, Straßen und Eisenbahnverbindungen waren unterbrochen. Die Rettungsmannschaften suchen noch nach zwei Vermissten. Die französische Regierung berief einen Krisenstab ein. Er trat unter Leitung des Premierministers Jean-Pierre Raffarin am Abend zusammen.
In Orange barg die Feuerwehr die Leiche eines 60-jährigen Mannes aus dem Fluss Meyne. In Marseille ertrank ein Mann in einer überfluteten Unterführung. Die Leiche des 45-jährigen Mannes wurde aus der 2,50 Meter unter Wasser stehenden Straßenunterführung geborgen. Ein Feuerwehrmann im Departement Bouches-du-Rhone erlitt bei einem Einsatz leichte Verletzungen. Ein 64-Jähriger wurde in der schwer getroffenen Millionenmetropole an der Cote d'Azur vermisst. Westlich von Lyon riss ein über die Ufer getretener Fluss eine 53-jährige Frau von einer Brücke, und in der Ardeche-Region starb ein Autofahrer, der mit seinem Wagen auf einer gesperrten Brücke weggespült wurde.
Die Behörden veranlassten aus Sicherheitsgründen zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Cruas-Meysse an der Rhone abzuschalten. Die im Hochwasser treibenden Äste und Blätter könnten das Kühlsystem stören, teilte der Energiekonzern EDF mit. Zahlreiche Dörfer wurden überschwemmt, in mehreren Regionen blieben die Schulen geschlossen. Die Meteorologen erwarteten eine Besserung nicht vor Donnerstagmorgen.
Der Regen setzte am Montagabend [1.12.2003] ein. Seither goss es fast ununterbrochen. Im Zentrum von Marseille überfluteten die Wassermassen Geschäfte und beschädigten Straßen. Die heftigen Niederschläge richteten auch weiter nördlich schwere Schäden an. In Virigneux zwischen Lyon und Saint-Etienne wurde eine Frau von den Fluten des Flusses Le Lyonnais mitgerissen, als sie auf einer Brücke ein Auto anschieben wollte. Ihre Leiche wurde zunächst nicht gefunden. Die Präfekturen richteten Krisenzentren ein und riefen die Bevölkerung auf, möglichst zu Hause zu bleiben.
Der staatliche Wetterdienst Meteo France warnte sowohl vor einer besonders beunruhigenden Niederschlagsmenge als auch vor der Dauer der Regenfälle. Erst im Oktober vergangenen Jahres waren bei einer ähnlichen Wetterkonstellation in Südfrankreich, bei der feuchte Luft vom Mittelmeer aufs Festland getrieben wird und sich dort abregnet, mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen.
An der Spree sollen tausend Bäume fallen
Der Bund setzt die nach der Elbe-Flut unterbrochene Planung zur Kanalisierung des Flusses fort.
Aus: Berliner Zeitung, 9. Oktober 2004, Seite xx (Lokales). [Original]BERLIN. Noch fließt die Spree durch einen grünen Lebensraum, bevor sie in Spandau in die Havel mündet. Doch die Flusslandschaft im Westen von Berlin ist bedroht, sagt Winfried Lücking vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Denn das Wasserstraßen- Neubauamt will den westlichsten Abschnitt der Spree auf 4.673 Meter Länge ausbauen. Dafür müssen rund tausend geschützte Bäume fallen, Teile des Ufers abgebaggert und weite Abschnitte des Flusses vertieft werden. Danach wird die Spree für Fische noch ein "sehr geringwertiger Kanallebensraum" sein, heißt es in den Planungsunterlagen. Der Bund hält den Ausbau für erforderlich, weil er den umweltfreundlichen Schiffsverkehr erleichtert. Lücking hält dieses Vorhaben für unsinnig: "Für eine solche Wasserautobahn gibt es keinen Bedarf."
Nach der Flutkatastrophe im Osten Deutschlands hatte der Bund auch dieses Wasserbauprojekt unterbrochen. Erst sollte geklärt werden, ob die Vertiefung und Verbreiterung der Spree die Überschwemmungsgefahr erhöht. Experten hatten befürchtet, dass in begradigten Flussbetten das Wasser schneller fließt. "Doch die Untersuchungen ergaben, dass dies bei diesem Projekt nicht der Fall ist", sagte Heike Barth vom Wasserstraßen- Neubauamt. Im Gegenteil: Weil Braunkohlegruben in der Lausitz geflutet worden sind, ist der Wasserstand der Spree gesunken. "Wir haben also eher das Problem, dass wir weniger Wasser haben als früher", berichtete Barth. Zwar ergab die Prüfung auch, dass der Ausbau dazu führen könnte, dass der Wasserspiegel der Spree bei Mittel- und Niedrigwasser etwas niedriger liegt als heute. Doch unterm Strich bescheinigten die Gutachter die Unbedenklichkeit die Planung wurde fortgesetzt. Ein wichtiger Verfahrensschritt erfolgte in der vergangenen Woche: Während eines Erörterungstermins wurden Bedenken gegen das Vorhaben besprochen. Inzwischen gehen die Planer der Bundesbehörde davon aus, dass der Bau voraussichtlich Ende 2006 oder Anfang 2007 startet.
Lücking befürchtet einen "biologischen Kahlschlag". "Die wertvollen Uferbereiche werden beidseitig abgeholzt und mit Unterwasserspundwänden versehen. Dies kommt einer Kanalisierung der Spree gleich", sagte der BUND- Referent. Anstelle der flachen Ufer entsteht ein fast rechteckiges Flussprofil. Dadurch verödet die Natur. Ausstiegsmöglichkeiten für Wasservögel werden beseitigt, Laichplätze und Nahrungsreservoirs für Fische fallen weg, heißt es in den Planungsunterlagen. Wenn die Spree wie geplant um fast einen Meter auf vier Meter vertieft wird, drohe zudem wertvollen Unterwasserlebensräumen die Vernichtung, warnt Winfried Lücking. Zum Ausgleich will der Bund nicht nur Bäume neu pflanzen, sondern am Nordufer einen Radweg anlegen. "Aber Fische fahren nicht Fahrrad", so der Referent.
Der Ausbau greift auch ins Stadtbild ein. So soll das Spandauer Horn, eine Landzunge gegenüber der Altstadt, abgegraben werden. Künftig sollen große Schiffe ohne Wendemanöver von diesem Teil der Spree zur Schleuse Spandau gelangen.
"Die jüngsten Prognosen zeigen, dass der Ausbau der Spree für den Zweirichtungsverkehr nicht nötig ist. Danach werden höchstens 17 Schiffe pro Tag diesen Abschnitt befahren", sagte Lücking. Doch Heike Barth hält das Bauvorhaben, das Teil des Verkehrsprojekts 17 Deutsche Einheit ist, weiter für wichtig. "Wir müssen nicht nur an den Verkehr der Zukunft, sondern auch ans heutige Aufkommen denken", sagte sie. Während Schubverbände anderswo drei oder vier Behälter mit Ladung befördern können, seien auf den Berliner Wasserstraßen derzeit nur zwei Behälter möglich. Barth: "Außerdem sieht der Bundesverkehrswegeplan einen Zweirichtungsverkehr vor. An diesen Auftrag sind wir gebunden."
Widerstand von SPD-Ländern: Neues Hochwasserschutzgesetz droht im Vermittlungsausschuss zu kippen
Aus: Spiegel-Pressemeldung 11. Dezember 2004, 11.17 Uhr zum Artikel "Katastrophenschutz: Blockade der Länder" im SPIEGEL 51/2004, 13. Dezember 2004, Seite 22 (Panorama Deutschland).HAMBURG. Das neue Hochwasserschutzgesetz von Umweltminister Jürgen Trittin droht in dieser Woche im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat auch am Widerstand zweier SPD-geführter Länder zu scheitern. Sowohl Rheinland-Pfalz als auch Brandenburg lehnen einen strikten Baustopp und eine Einschränkung der Landwirtschaft entlang der Flussläufe ab. Stattdessen soll mit großzügigen Ausnahmeregelungen selbst in potentiellen Überschwemmungsgebieten weiterhin der Wohnungs-, Gewerbe- und Ackerbau möglich sein.
Die Gesetzesauflagen des Bundes, der gegebenenfalls Deiche zurückverlegen und Überflutungsflächen schaffen will, kritisieren die Länder als "zu bürokratisch und dirigistisch". Allein bei der großen Flut an der Elbe und ihren Zuflüssen im Jahr 2002 kam es zu Schäden von insgesamt 9 Milliarden Euro. "In Zukunft kann es keine Entschädigungen mehr geben", sagt Trittin. "Wer heute in Überschwemmungsgebieten baut, hat nichts gelernt." Dagegen glaubt der als "Deichgraf des Oder- Hochwassers" bekannt gewordene brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck, mit den bisherigen Landesbestimmungen kommendem Hochwasser gerecht zu werden.
Hochwasser-Katastrophe in den Alpenländern im August 2005
22.8.2005 (khd). Reichlich Mittelmeerwasser ist in den letzten Tagen nicht nur an den Alpenkämmen aus den Wolken des 5B-Tiefs Norbert als Landregen abgeregnet. Es gab Rekord- Regenmengen von bis zu 217 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden. Nun kämpfen die Menschen inder Schweiz, Vorarlberg, Tirol, im südlichen Bayern und Rumänien mit den Folgen einem neuen ‚Jahrhundert‘- Hochwasser. Und die große Flut an der Donau steht uns erst noch bevor.
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Das Hochwassergebiet in der Donau-Region. (Grafik: 24.8.2005 n24)
Es ist aber nur 6 Jahr her, wo wir an Pfingsten 1999 in dieser Gegend das letzte ‚Jahrhundert‘- Hochwasser hatten. Auch dem letzten Politiker sollte nun so langsam dämmern, die unangenehmen Folgen des von den Menschen gemachten Klimawandels sind da. Ein solches Hochwasser könnte nun durchaus jedes Jahr auftreten. Wir müssen uns jedenfalls darauf einrichten und nicht auf den Dummschwatz des BDI hören. Und ob des neue Hochwasser- schutzgesetz vom 10. Mai 2005 tatsächlich wirksam ist, muß abgewartet werden.
Es ist aber eher zu bezweifeln. Denn Tatsache ist, daß den Flüssen noch immer nicht mehr Raum zugestanden wurde. Und in den Bergregionen werden Flächen noch immer zu intensiv genutzt (Skigebiete, Landwirtschaft, Forstwirtschaft). Eine wirklich konsequente Umwelt- und Klima- Politik wird wg. des enormen Einflusses von Lobbyisten, die nicht dem Gemeinwohl verpflichtet sind, weder im Bund noch in den Ländern betrieben.
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Hochwasser in Luzern am Vierwaldstätter See in der Schweiz. (TV-Shot: 22.8.2005 khd)
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Die Flut steigt: Hochwasser in Süd-Bayern. (TV-Shot: 22.8.2005 khd)
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Das völlig überflutete Eschenlohe an der Loisach nördlich von Garmisch-Partenkirchen. (Foto: 23.8.2005 mopo)
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Bei Augsburg stürzte fast die erst neugebaute Eisenbahn- Brücke ein, da die Lech die Fundamente unterspülte. Es gelang, sie zu stabilisieren. (TV-Shot: 23.8.2005 khd)
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Land unter im Garmischer Land an der Loisach an den Ammergauer Alpen. (TV-Shot: 24.8.2005 khd)
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Die Hochgebirgsstraße nach Engelberg (Schweiz) wurde weggespült. Nur die Leitplanke hielt. (TV-Shot: 24.8.2005 khd)
[24.08.2005: Flut 2005: Das ist erst der Anfang]
Die Flut, das Klima, der Wald
Die dringlichste Frage lautet sicherlich: Wie kann den Opfern des Hochwassers in Bayern, Österreich, der Schweiz und Rumänien geholfen werden? Doch eine zweite Frage sollte auch bald geklärt werden: Wie konnte es dazu kommen und was ist in Zukunft zu tun?
Aus: DIE ZEIT Nr. 34/2005, 23. August 2004, ??.?? Uhr MESZ (Kommentar). [Original]
Schuld an dem Dreiländerdesaster war ein Tiefdruckgebiet namens Norbert. Norbert hatte sich im kühlen Norden gebildet und war dann zwischen Alpen und Pyrenäen hindurch in Richtung Mittelmeer gedriftet. Über der warmen Oberfläche des Meeres lud sich das Tief mit Wasser voll und zog dann wieder in Richtung der Alpen. An den Berghängen regnete es sich aus.
Die Schweiz beklagte am Dienstagabend 5 Tote. Die extremen Niederschläge hatten vor allem am nördlichen Alpenrand in der Zentralschweiz die Pegel in Kürze massiv ansteigen lassen. Der Vierwaldstättersee trat in der Stadt Luzern über die Ufer. Der dortige Krisenstab rechnete damit, dass das Hochwasser bis auf 435,25 Meter steigen und damit den Rekordstand aus dem Jahr 1910 erreichen könnte. Gleichwohl, in der Schweiz hatte der Regen am Dienstag [23.8.2005] schon wieder nachgelassen, der Bodensee pufferte die Flutwelle, für den Rhein konnte vorläufig Entwarnung gegeben werden. Auch am Neckar entspannte sich die Lage.
Norbert drehte allmählich gen Osten. Die Donau allerdings hatte bei Redaktionsschluss die Flut noch vor sich: Die Wassermassen von Iller, Lech, Isar und Inn fließen in ihr zusammen.
Leider muss nach Ansicht von Klimaexperten mit solchen extremen Situationen in Zukunft des Öfteren gerechnet werden. Mit der Erde erwärmt sich auch das Wasser der Meere. Norberts Nachfolger werden sich daher über der Wasseroberfläche öfter vollsaugen können, als das früher normal war, und ihr Nass anschließend über dem Land ausschütten. Was einst als Jahrhunderthochwasser galt, kann sich in Zukunft alle paar Jahre wiederholen.
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Klimapolitik, so zaghaft wie sie zur Zeit betrieben wird, dürfte darauf freilich keinen oder doch keinen messbaren Einfluss haben. Was böte sich stattdessen als Gegenstrategie an vielleicht Forstpolitik?In der Schweiz wird seit sehr langer Zeit erforscht, welche Faktoren in der Entstehung von Hochwasser eine Rolle spielen und insbesondere, welchen Einfluss der Wald auf das Abfließen der Wassermassen hat. Denn bereits der Mitte des 19. Jahrhunderts war es in der Alpenrepublik zu vielen schweren Hochwassern gekommen. Die Eidgenossen machten damals vor allem den schlechten Zustand des Waldes für das Desaster verantwortlich und reagierten erstens mit einem neuen Forstgesetz im Jahr 1876 sowie zweitens mit der Förderung der Forsthydrologie, einer Wissenschaftsdisziplin, die das Wechselspiel von Wald und Wasser zum Gegenstand hat.
Tatsächlich wiesen die Experten nach, dass Wald eine maßgebende Dämpfung einer Hochwasserwelle bewirken könne aber nicht in dem ursprünglich erwarteten Ausmaß und nur, wenn die Sintflut auf eine Trockenperiode folgte. Der Wald hat die Erwartungen enttäuscht, sagt Christoph Hegg von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Gerade bei zunehmendem Niederschlagsvolumen nimmt die dämpfende Wirkung schnell ab.
Während der gegenwärtigen Flut spiele der Wald sogar überhaupt keine Rolle. Dies, weil der Boden vorher schon tagelang angefeuchtet worden sei. Ganz einfach, sagt Hegg:Ist der Boden schon nass, kann er auch nichts mehr schlucken. Mit anderen Worten: Der Schwamm ist voll.
Insofern darf auch mit zunehmender Bewaldung der Bergregionen die Hoffnung nicht zu hoch geschraubt werden, dass dadurch die Hochwassergefahr gebannt werden könne. Vor allem im Tessin und in der Zentralschweiz ist an vielen Stellen der Wald zurückgekehrt nicht etwa primär wegen Aufforstungen, sondern weil die Eidgenossen in den vergangenen Jahrzehnten die Alpbewirtschaftung in manchen Regionen vernachlässigt haben.
Es dauert Jahrzehnte, bis der Wald überhaupt zum Wasserschlucker wird, so lautet Heggs Auskunft. Und steht das Gehölz gar auf tönernem Boden, ist es mit der Saugwirkung schon nach dem ersten Regenguss vorbei. Nur wirklich tiefgründige Böden können bis zu 100 Millimeter pro Quadratmeter [Ed: = 100 Liter pro Quadratmeter] aufnehmen.
Erklärungen des katastrophalen Hochwassers dieser Tage, die den Menschen als abholzenden Übeltäter ausmachen, scheinen daher vorschnell zu sein; dass er als Klimasünder [Ed: z. B. als Autofahrer] Mitverantwortung trägt, ist allerdings gut möglich.
Entspannung erst am Donnerstag
Feuchtwarme Luft vom Mittelmeer staute sich an den Alpen und löste den Dauerregen aus.
Aus: Die Presse, Wien, 24. August 2005, Seite ?? (Chronik). [Original]WIEN (eko). Schuld an den heftigen Niederschlägen in Österreich trägt das vom deutschen Wetterdienst so getaufte [5B-]Tief "Norbert", das feuchtwarme Luft vom Mittelmeer brachte. Diese staute sich an der Alpensüdseite und sorgte am Sonntag [21.8.2005] für starke Niederschläge in Süd- und Südost- Österreich. Überschwemmungen in Kärnten, Steiermark und Niederösterreich waren die Folge. Im weiteren Verlauf zog das Tief im großen Bogen um Österreich herum.
An der Alpennordseite wurde die Luft quasi "ausgequetscht" und brachte in weiterer Folge Hochwasser und Muren in Vorarlberg und Tirol.
"Was die Mengen angeht, kann man auf jeden Fall von einem Jahrhunderthochwasser sprechen", erklärt Gabriele Müller vom Hydrografischen Zentralbüro. "Es wurden zum Teil Spitzenwerte beobachtet, die alle bisher beobachteten übersteigen." In Reutte [Bregenzer Wald] wurde etwa ein Wert von 130 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 12 Stunden gemessen. Zum Vergleich: In Bregenz gehen im Durchschnitt 160 Liter nieder, allerdings im gesamten August. "Erschwerend kommt hinzu, dass die Schneefallgrenzen zum Teil extrem hoch sind", sagt Walther Sobitschka von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. Wären sie niedriger, würde das Wasser als Schnee gebunden liegen bleiben und die Abflussmengen wären deutlich geringer. So aber strömen die gesamten Wassermassen sofort ab.
Für die Wasserstände kann derzeit noch keine Entwarnung gegeben werden, doch zumindest das Wetter sollte bald besser werden: "Im Osten gibt es maximal einzelne Schauer, allerdings bleibt es noch kühl", so Sobitschka, "aber schon für den Donnerstag [25.8.2005] erwarten wir viel Sonne und Badewetter bei 25 Grad." Und auch im Westen soll am Donnerstag die Sonne wieder scheinen.
Schutz ist Gesetz
Verbesserungen nach dem Elbe-Hochwasser
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 24. August 2005, Seite ?? (Weltspiegel). [Original]BERLIN (deh). Deutschland hat aus dem Elbe- Hochwasser im Sommer 2002 gelernt zumindest ein bisschen. Am 10. Mai 2005 ist endlich das Hochwasserschutzgesetz in Kraft getreten. Jahrelang hatten Bund und Länder darüber gestritten.
Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hatte schon wenige Wochen nach der Elbe-Flut einen Gesetzentwurf vorgelegt, doch im Verkehrsministerium und im Bundesrat nahmen die Beratungen einfach kein Ende. Die Hauptkonfliktpunkte: Trittin wollte ein generelles Bauverbot in überschwemmungsgefährdeten Gebieten, und er wollte die Landwirtschaft in diesen Zonen einschränken.
Auf Betreiben des sozial-liberal regierten Rheinland-Pfalz wurde in diesem Frühjahr ein Kompromiss gefunden, der die Bebauung dieser Gebiete in Ausnahmefällen zulässt. Neun Bedingungen müssen dafür erfüllt werden. Nach Ansicht von Jörg Rechenberg, der im Umweltbundesamt unter anderem für den Hochwasserschutz zuständig ist, bedeutet es zumindest einen erheblichen Arbeitsaufwand, alle diese neun Punkte zu erfüllen.
Der Umweltverband BUND hatte zum dritten Jahrestag der Elbe-Flut eine ernüchternde Bilanz gezogen. Die Umweltschützer kritisieren vor allem, dass zwar viel Geld für die Sicherung der rund 200 gebrochenen Deiche ausgegeben wurde, aber nur in den seltensten Fällen Deiche rückverlegt wurden, um den Flüssen tatsächlich mehr Raum zu geben ein erklärtes Ziel aller Beteiligten vor 3 Jahren.
Die zweite Lehre, die der Bund gezogen hat, ist ein neues Konzept für den Katastrophenschutz. Die zersplitterten Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern hatten 2002 zu einigen Problemen geführt. Seit dem 1. Mai 2004 kümmert sich das neu gegründete Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe um die Koordination. Ein gemeinsam betriebenes Lagezentrum (GMLZ), das im Herbst 2002 den Betrieb aufgenommen hat, und eine zentrale Datenbank (Denis) machen die Hilfe schneller.
U N W E T T E R I N F R A N K R E I C HHochwasserschäden durch fehlenden "Klimaaufschlag"
[Ed: wie die klugen Bevölkerungteile Bayerns (Stoiber) mit wissenschaftlichem Know-how umgehen...]
Aus: Spiegel-Pressemeldung 27. August 2005, 10.40 Uhr MESZ zum Artikel "Klimazuschlag missachtet" im SPIEGEL 35/2005, 29. August 2005, Seite 20 (Panorama Deutschland).
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Der kleine Alpen-Fluß Loisach hat Eschenlohe nordöstlich von Garmisch völlig überflutet. Die Deiche waren zu niedrig. (TV-Shot: 23.8.2005 khd)
HAMBURG. Möglicherweise wären die Millionenschäden des jüngsten Hochwassers in Bayern vermeidbar gewesen, wenn Hinweise in landeseigenen Gutachten befolgt worden wären. Unter Berufung auf eine Studie zum "Klimawandel und Hochwasserschutz" in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst hatte der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf im Frühjahr 2005 einen "Klimaänderungsaufschlag" von 15 Prozent bei neuen Hochwasserschutzbauten gefordert.
In dem jetzt besonders betroffenen Ort Eschenlohe, den Ministerpräsident Edmund Stoiber vergangene Woche besuchte, waren die Schutzanlagen allerdings ohne den "Klimaaufschlag" ausgebaut worden. Da die bisherige Rekordmarke des Pfingsthochwassers von 1999 jetzt überschritten wurde, überschwemmte die Flut Eschenlohe. Auch andernorts sei der notwendige Klimazuschlag bei der Auslegung von Deichhöhen missachtet worden, so die Umweltorganisation Greenpeace. Millionenausgaben für den Hochwasserschutz seien deshalb "oft für die Katz".
U N W E T T E R I N F R A N K R E I C H
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Schuld an dem Unwetter mit Starkregen war das Tiefdrucksystem Rudi. (Bodenkarteo: 7.9.2005 DWD/khd)
Regen in Frankreich: Touristen-Chaos
Rund tausend Touristen haben sich in Südfrankreich vor schweren Regenfällen in Sicherheit bringen müssen.
Aus: News.CH, Schweiz, 7. September 2005, 9.01 Uhr MESZ (News). [Original]NÎMES (fest/sda). Seit Dienstag [6.9.2005] fielen in den französischen Départements Gard und Hérault offiziellen Angaben zufolge 400 Millimeter Regen [Ed: 400 Liter pro Quadratmeter]. Die Situation in der Region war teilweise chaotisch: In Nîmes mussten 800 Menschen in einer Notunterkunft untergebracht werden; sie waren vorsorglich von Campingplätzen evakuiert worden oder mit ihren Fahrzeugen in den Vororten steckengeblieben.
In Agde wurden 200 Camper in Sporthallen untergebracht; hunderte weitere Touristen befinden sich nach Feuerwehrangaben noch auf den Campingplätzen.
Wegen des Unwetters wurden am Dienstag [6.9.2005] sämtliche Flüge von und nach Montpellier annulliert. Die Meteorologen rechneten auch am Mittwoch [7.9.2005] mit keiner Wetterbesserung.
Autobahnen nach schweren Unwettern wieder frei
Nach schweren Gewitterregen hat sich die Lage in Südfrankreich leicht entspannt. Am Morgen öffneten die Behörden zwei Autobahnabschnitte wieder, die wegen Überschwemmung gesperrt waren. Die Situation für die Einwohner von Nîmes bleibt weiter angespannt.
Aus: Spiegel Online 9. September 2005, 9.17 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]
NÎMES. Nach heftigen Regenfällen in der Nacht stand die Stadt metertief unter Wasser. Die Feuerwehr musste mehrere hundert Einwohner in Sicherheit bringen. Viele Straßen und Bahnstrecken waren stundenlang unpassierbar. Bereits am Mittwoch [7.9.2005] waren in der Region um Nîmes über 1000 Touristen von Campingplätzen evakuiert worden.
Am Donnerstag [8.9.2005] hatten die französische Polizei zwei überschwemmte Autobahnabschnitte gesperrt. Die Autobahnen A 9 (Narbonne-Orange) und A 54 (Nîmes-Salon) seien jetzt wieder frei, teilten die Behörden mit. Lediglich der Zugang zu einigen Dörfern im Schwemmland der kleinen Camargue sei noch schwierig.
H O C H W A S S E R D R O H TDeutsche Deiche nur bis 2030 sicher
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 31. Oktober 2005, Seite 32 (Weltspiegel). [Original]GEESTHACHT. Auf heftige Surmfluten mit bisher unbekannten Wasserständen müssen sich die Menschen an der Nordseeküste und den Ufern der Elbe aufgrund der Klimaveränderungen sowie der Eindeichung und Vertiefung der Elbe einstellen.
Bis 2030 sind unsere Deiche sicher. Für die Zeit danach müssen die Küstenschutz-Ingenieure zusehen, dass sie durch neue Maßnahmen den bisher guten Schutz der Menschen an der Küste weiterhin gewährleisten, sagte Professor Hans von Storch vom Institut für Küstenforschung, vielleicht muss man auch ganz neue Methoden entwickeln.
[30.10.2005: Ich würde kein Haus auf Sylt kaufen] (DER TAGESSPIEGEL)
[31.10.2005: Küstenschutz Festung aus Matsch] (SPIEGEL)
Bayern versinkt im Schnee
Nach weiteren Schneefällen hat sich die Lage in Bayern verschärft. Inzwischen haben fünf Landkreise in Niederbayern und der Oberpfalz Katastrophenalarm ausgerufen. Hunderte von Helfern kämpfen gegen das Schneechaos.
Aus: Spiegel Online 9. Februar 2006, 23.06 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]
MÜNCHEN/HAMBURG. Die Einsatzkräfte in Bayern kündigten an, bis in die Nacht von zahlreichen Dächern die tonnenschweren Schneemassen zu räumen. Nachdem die Meteorologen bis zum Wochenende ergiebige neue Schneefälle ankündigten, befürchten die Krisenstäbe, dass weitere Gebäude unter der Last zusammenbrechen könnten. Eine 17-Jährige wurde heute schwer verletzt, als sie beim Schneeräumen auf dem Dach eines Reiterhofes einbrach und fünf Meter in die Tiefe stürzte.
Dutzende von Schulen, Kindergärten, Fabriken, Supermärkten und anderen Gebäuden blieben in Bayern wegen der Schneemassen auf den Dächern gesperrt. Mehr als 3000 Helfer von Feuerwehren, der Bundeswehr, dem Technischen Hilfswerk, der Bundespolizei und dem Roten Kreuz waren damit beschäftigt, die Dächer frei zu schaufeln. Für morgen werden weitere Einsatzkräfte zum Schneeräumen erwartet.
In Deggendorf stürzten zwei Lagerhäuser ein, darunter das Kühlhaus der im vergangenen Herbst wegen des Gammelfleischskandals bekannt gewordenen Deggendorfer Frost GmbH. In Inzell wurde das Dach eines Einfamilienhauses teilweise eingedrückt. In Vilshofen mussten die Helfer ein internationales Logistikzentrum abschaufeln. Im Raum Passau waren auch zwei Möbelhäuser und ein Ersatzteillager eines Autokonzerns gefährdet.
U N D D E R S C H N E E W I R D I R G E N D W A N N T A U E N . . .Hochwasser an der Oder erwartet
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 16. Februar 2006, Seite ?? (Brandenburg). [Original]FRANKFURT/ODER. Mit dem Tauwetter steigt im deutschen Oder-Abschnitt die Hochwassergefahr. "Wir müssen uns bei der derzeitigen Eislage auf der Oder auf eine schwierige Situation vorbereiten", sagte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) am Mittwoch. Bei Tauwetter seien Eisversetzungen und damit Überschwemmungen möglich. Das Hochwassermeldezentrum Frankfurt (Oder) sagte für die kommenden Tage steigende Wasserstände voraus. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Hochwasser- Alarmstufen erreicht werden. [Oder-Pegelstände]
Das Chaos ist weiß
30 Stunden Dauerschnee, Übernachtungen im Auto und stehengebliebene Bahnen: In Süddeutschland und der Schweiz bestimmen derzeit die Schneetiefs "Xandra" und "Yuna" das Leben. Die Baseler fürchten sogar um ihre Fasnacht. Freuen können sich vor allem Schüler.
Aus: Spiegel Online 5. März 2006, 20.46 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]
MÜNCHEN. Meteorologisch gesehen ist es bereits seit 5 Tagen Frühling. Davon freilich haben die Menschen in Süddeutschland und der Alpenregion am Wochenende herzlich wenig bemerkt. Rekordschneefälle legten vielerorts den privaten wie den öffentlichen Verkehr lahm.
In München und Augsburg wurde der öffentliche Nahverkehr komplett eingestellt, nachdem in der Nacht zum Sonntag mehr als ein halber Meter Schnee gefallen war. In der Schweiz herrschte nach fast 30 Stunden Dauerschneefall Chaos auf den Straßen sowie höchste Lawinengefahr auf den Bergen. Auch in Österreich gab es massive Schneefälle.
Zahlreiche Unfälle hielten Polizei und Feuerwehr in Atem. Bei wetterbedingten Verkehrsunfällen wurden am Wochenende mindestens 7 Menschen getötet. Allein in Baden-Württemberg wurden nach Angaben des Innenministeriums zwischen Samstag [4.3.2006] und Sonntag bei 634 Unfällen vier Menschen getötet und 104 verletzt. In der Schweiz wurden zwei Tote gezählt.
In München waren vor allem die Zustände auf den Straßen chaotisch, da die Räumdienste nicht hinterher kamen. Busse und Bahnen blieben heute in den Depots. Im Stadtgebiet fielen 83 Ampeln aus. Seit Samstag zählte die Polizei in der Landeshauptstadt mehr als 300 schneebedingte Einsätze vor allem Verkehrsunfälle. Wegen der Schneelast stürzten zwei Hallen ein, verletzt wurde niemand. Wegen der Gefahr durch umstürzende Bäume warnten die Behörden vor dem Betreten öffentlicher Grünanlagen. Der Tierpark Hellabrunn blieb deshalb geschlossen zum ersten Mal in seiner knapp 100-jährigen Geschichte.
Auf den südbayerischen Autobahnen lag fast überall eine geschlossene Schneedecke, auf der sich stellenweise der Urlauberverkehr staute. Bereits am Samstag hatte es auf der Autobahn Frankfurt-Nürnberg bei dichtem Schneetreiben 70 Kilometer Stau gegeben, auf der A8 bei Augsburg waren es mehr als 50 Kilometer.
Die Bahn stellte den ganzen Tag über den Zugverkehr in Teilen West- und Südbayerns ein. In München fuhr zeitweise nur die S-Bahn zum Flughafen. Dort wurden zwischen gestern und heute Nachmittag rund 265 Flüge annulliert, zudem kam es zu zahlreichen Verspätungen. Auf dem Flughafen kam gestern Abend ein Passagierflugzeug mit zirka 170 Passagieren beim Beschleunigen von der Startbahn ab und rutschte auf den Rasen. Verletzt wurde niemand. Rund 10.000 Menschen in Bayern waren heute zeitweise ohne Strom.
Freuen über den vielen Schnee können sich vor allem viele Schulkinder. In einigen der besonders betroffenen Kreisen werde morgen die Schule ausfallen, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums.
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