Benzin soll teurer werden
Die Bundesregierung will ab dem 1. Januar 2007 Steuervorteile für Biokraftstoffe streichen. Zugleich sollen Mineralölfirmen Biokraftstoff Benzin und Diesel beimischen. Der Liter Sprit dürfte dann rund 6 Cent pro Liter mehr kosten.
Aus: Berliner Morgenpost, 4. Dezember 2005, 19.03 Uhr MEZ (Aktuell). [Original]BERLIN (morgenpost.de). Die Steuerpläne der Bundesregierung werden nach einem Zeitungsbericht zu einer spürbaren Erhöhung der Benzinpreise führen. Die Regierung will nach bisherigen Plänen zum 1. Januar 2007 Steuervorteile für Biokraftstoffe streichen. Gleichzeitig sollen die Mineralölfirmen verpflichtet werden, einen festen Anteil von 5,75 Prozent Biokraftstoff Benzin und Diesel beizumischen, wie die "Bild am Sonntag" berichtete. Dadurch würden sich nach Berechnungen des Erdöl- Informationsdienstes der Mineralölwirtschaft Benzin und Diesel an der Tankstelle um rund drei Cent pro Liter verteuern. Der Preis für reinen Biosprit steige sogar um 47 Cent pro Liter.
Durch die ebenfalls zum 1. Januar 2007 in Kraft tretende Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent steige der Literpreis um weitere rund drei Cent. Das Finanzministerium erwartet durch die Steuerpläne für Biosprit und deren Beimischung zusätzliche Einnahmen in Höhe von rund 1,7 Milliarden Euro allein im Jahr 2007, hieß es in dem Blatt. Umweltpolitiker von Union und SPD kündigten Widerstand gegen die Pläne der Regierung an. Der SPD-Abgeordnete Hermann Scheer sagte der Zeitung: "Wir werden die Pläne im Parlament vereiteln. Reiner Biokraftstoff muß ganz steuerfrei bleiben und die Beimischung darf nicht zu höheren Spritpreisen führen."
CSU-Umweltexperte Josef Göppel kündigte "härtesten Widerstand" an. Dem Bericht zufolge ist auch das Umweltministerium mit dem Wegfall der Steuerbefreiung nicht einverstanden. Die Mineralölsteuer dürfe nur so weit ansteigen, daß Sprit insgesamt nicht teurer werde. Ziel sei, Biosprit attraktiv zu machen, weil er besonders umweltfreundlich sei, hieß es aus dem Umweltministerium.
]Fischer-Tropsch-Synthese: Hochwertige Kraftstoffe aus Erdgas
Aus: Uni Bayreuth, Lehrstuhl für Chemische Verfahrenstechnik, 27. Dezember 2005 (gefunden, der Text ist älter) von PETER STEFFEN. [Zum Original
Klassische erdölstämmige Kraftstoffe wie Dieselöl und Benzin enthalten stets Verunreinigungen wie Schwefel-, aber auch Stickstoff- oder Metallverbindungen (Ni, V). Auch nach den entsprechenden Reinigungsprozessen verbleiben gewisse Restgehalte in den Ölen. Eine Alternative zu Kraftstoffen aus Erdöl ist die synthetische Herstellung von Kraftstoffen. Der Rohstoff für die sogenannte Fischer-Tropsch-Synthese (FTS) ist Synthesegas, eine Mischung aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff. Das Synthesegas kann aus Kohle und Erdgas (und im Prinzip auch aus Erdölfraktionen wie Schweröl) erzeugt werden und ist gegebenenfalls nach Reinigung völlig schwefelfrei; demzufolge sind auch die in der nachfolgenden FTS erzeugten Kraftstoffe völlig frei von Verunreinigungen.
Ein besonder attraktive Rohstoff ist dabei Erdgas, da etwa 50 % der derzeit bekannten Erdgasvorkommen sich befinden sich in geographisch ungünstiger Randlage wie z. B. im Mittleren Osten befinden. Durch die hohen Kosten des Transportes von verflüssigtem Erdgas können diese Vorkommen zur Zeit wirtschaftlich nicht oder nur schwer verwertet werden. Dies gilt auch für kleine Gasfelder oder für Erdölbegleitgas, das zunehmend wie beispielsweise in der Nordsee nicht mehr abgefackelt werden darf. Langfristig kommt noch hinzu, dass riesige Erdgasmengen als Gashydrate schneeartige Einschlussverbindungen aus Erdgas und Wasser in Permafrostgebieten und an den Kontinentalhängen der Ozeane gespeichert sind. Man schätzt, dass weltweit mehr Kohlenstoff als Methanhydrat gespeichert ist als in den fossilen Rohstoffen Erdöl, Kohle und "konventionellem" Erdgas zusammen. Langfristig betrachtet könnten daher Gashydrate ein wichtiger Baustein in der Energie- und Rohstoffversorgung werden.
Eine Lösung dieses Problems könnte die Umsetzung des Erdgases (bzw. des aus diesem zunächst erzeugten Synthesegases) durch Fischer-Tropsch-Synthese (FTS) in höhere Kohlenwasserstoffe wie Benzin, Dieselöl und Wachs sein. (...)
Schweden will sich bis 2020 vom Öl befreien
Schweden will als erstes industrialisiertes Land seine Energieversorgung komplett vom Öl unabhängig machen. Schon im Jahr 2020 will die Regierung in Stockholm das ehrgeizige Ziel erreichen ohne neue Atomkraftwerke zu bauen.
Aus: Spiegel Online 9. Februar 2006, 19.00 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]STOCKHOLM/LONDON (mbe). Erst vergangene Woche hat US-Präsident George W. Bush mit der Feststellung für Schlagzeilen gesorgt, die USA seien "süchtig nach Öl" und müssten ihre Abhängigkeit von Ölimporten aus dem Nahen Osten verringern. Insgesamt ging es da aber nur um eine Reduzierung der gesamten US-Öleinfuhr um etwa 15 %, und diese Lücke will Bush mit einem Ausbau der Kernkraft stopfen.
Schweden plant bei weitem Radikaleres: Das Land will das Öl vollständig aus seiner Wirtschaft verbannen und zwar binnen 14 Jahren und ohne zusätzliche Atomkraftwerke. Wie die britische Tageszeitung "The Guardian" berichtet, wird ein Komitee aus Vertretern der Energie- und Autoindustrie sowie der öffentlichen Verwaltung, Wissenschaftlern und Landwirten in einigen Monaten dem schwedischen Parlament einen Bericht vorlegen.
Das Ziel ist nach Angaben der Regierung in Stockholm, alle fossilen Brennstoffe durch erneuerbare Energien zu ersetzen, ehe der Klimawandel verheerende wirtschaftliche Konsequenzen habe und der zunehmende Mangel an Öl die Preise in schwindelerregende Höhen treibe.
"Unsere Abhängigkeit vom Öl sollte bis 2020 gebrochen sein", sagte Mona Sahlin vom Ministerium für nachhaltige Entwicklung dem "Guardian". "Kein Haus sollte dann noch mit Öl geheizt werden und kein Autofahrer ausschließlich Benzin tanken müssen."
Die Abhängigkeit vom Öl sei eines der größten zukünftigen Probleme der Welt. "Ein von fossilen Brennstoffen freies Schweden würde uns enorme Vorteile bringen, nicht zuletzt weil es die Auswirkungen der Ölpreis-Schwankungen dämpfen würde." Seit 1996 habe sich der Weltmarktpreis für Öl verdreifacht.
Die Zeitung zitiert einen Regierungsbeamten mit der Aussage, man wolle "sowohl mental als auch technisch auf eine Welt ohne Öl vorbereitet" sein. Der Plan sei eine Reaktion auf den Klimawandel, die steigenden Rohölpreise und die Warnungen, dass die Ölreserven der Erde schon bald erschöpft sein könnten.
In Schweden hätte ein Ausstieg aus der Ölwirtschaft für den Verkehrssektor die größten Folgen, denn in dem Land werden fossile Brennstoffe vor allem in Transportmitteln eingesetzt. Seine Elektrizität produziert Schweden hauptsächlich mit Atom- und Wasserkraftwerken. Öl macht insgesamt rund 34 % des Gesamtenergieverbrauchs des Neun-Millionen-Volks aus. 1970 waren es noch 77 %.
Nach Informationen des "Guardian" erwartet das schwedische Energieministerium, dass das Öl-Komitee die verstärkte Produktion von Bio-Kraftstoffen mit Hilfe der riesigen Wald- und Landwirtschaftsflächen des Landes empfehlen wird. Auch die Nutzung von Wind- und Wasserkraft könne noch ausgebaut werden. [Öko-Kampagne "What Would Jesus Drive?"]
A T O M S T R E I T M I T I R A NUS-Präsident sucht Wege aus der Öl-Abhängigkeit
Aus: Heise-Newsticker, 22. Februar 2006, 18.43 Uhr MESZ (Energie). [Original]WASHINGTON (ssu/c't). Nachdem der US-Präsident in einer Rede zur Lage der Nation Anstrengungen gefordert hatte, die Öl-Importe aus den Staaten des Nahen Ostens bis 2025 um 75 Prozent zu reduzieren, besuchte George W. Bush Anfang dieser Woche US-Unternehmen, die im Sektor der erneuerbaren Energien führend sind, darunter den Automotive-Konzern Johnson Controls, der unter anderem Li-Ion-Akkus für Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieb liefert. Dabei betonte der Präsident, dass die USA bei der Entwicklung alternativer Energiequellen führend bleiben müssten, berichtet die Washington Post. Demnach kritisieren neben den Demokraten auch einige Republikaner, dass die Energiesparvorhaben des Präsidenten nicht ausreichend die hauptsächliche Ursache für die Öl-Abhängigkeit der USA eindämmen, die sie im hohen Kraftstoffverbrauch der in den USA verbreiteten Fahrzeuge sehen, zum Beispiel in den Verbrauchswerten der beliebten SUVs (sport-utility vehicles).
Bush hatte während seines Besuchs bei Johnson Controls darauf hingewiesen, dass in einigen Staaten, die zu den Hauptlieferanten des Öls für die USA zählen, instabile politische Verhältnisse herrschen und dass zwischen deren Regierungen und der US-Regierung mitunter fundamentale Gegensätze herrschten. Als vielversprechend lobte Bush den Erfolg von Fahrzeugen mit Hybrid-Antrieb wie dem Toyota Prius oder dem Ford Escape SUV, die über einen kombinierten Benzin- und Elektroantrieb verfügen. 200.000 Fahrzeuge dieser Kategorie seien im vergangenen Jahr in den Vereinigten Staaten verkauft worden.
Dem Zeitungsbericht zufolge wird die Förderung erneuerbarer Energien in den USA durch widerstreitende Lobby-Interessen behindert. Demnach verlangen Politiker aus dem mittleren Westen der USA nach Steurerleichterungen für den Alternativ- Kraftstoff Methanol, der in der "Kornkammer" der USA aus Getreide gewonnen wird. Diese Subventionen gingen aber zu Lasten der Fördermittel für Brennstoffzellen oder Solarenergie.
In einer Radioansprache vor Beginn seiner Firmenbesuche, die vom Branchenportal OilOnline als Transkript veröffentlicht wurde, benennt der US-Präsident indes den Ausbau der "sauberen und sicheren" Kernenergie als Schwerpunkt seiner "Advanced Energy Initiative". Während Frankreich inzwischen 78 Prozent des elektrischen Stroms in Atomkraftwerken erzeuge, sei in den USA seit den 1970er Jahren kein neues Kernkraftwerk errichtet worden. Dass es am 28. März 1979 zu einem Großunfall im Atomkraftwerk von Three Mile Island nahe Harrisburg gekommen war, erwähnte Bush in seiner Ansprache nicht. Der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie widmet der Präsident hingegen nur wenige Sätze in seiner Radio-Ansprache und nennt diese regenerativen Energieformen außerdem in einem Atemzug mit "clean coal" als Alternativen zum Öl.
Ölpreis durchschlägt in New York 71-Dollar-Marke
Die Iran-Krise treibt den Ölpreis fast täglich auf neue Rekordmarken. In New York verteuerte sich das Fass Rohöl bis zum Abend um fast einen Dollar auf über 71 Dollar. Die Vetomächte des Uno-Sicherheitsrates und Deutschland beraten bisher ergebnislos über Sanktionen gegen das Mullah-Regime.
Aus: Spiegel Online 18. April 2006, 23.49 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]NEW YORK (reh/AP/dpa). An der New Yorker Rohstoffbörse hat der Ölpreis am Abend einen neuen Höchststand erreicht. Für ein Fass Rohöl wurde ein Preis von 71,35 Dollar festgelegt. Das bisherige Rekordhoch stammt vom 30. August 2005, nachdem der Wirbelsturm "Katrina" am Golf von Mexiko zahlreiche Ölförderanlagen zerstört hatte.
Die New Yorker Rohstoffbörse reagierte damit auf Befürchtungen, dass die politische Entwicklung im Iran und in Nigeria das Angebot an Rohöl verknappen könnte. Iran ist der viertgrößte Ölproduzent der Erde.
Unterdessen bemühten sich die Vetomächte des Uno-Sicherheitrates und Deutschland um eine gemeinsame und zugleich wirksame Linie im Iran-Konflikt ohne Ergebnis. Die Vertreter der an den Gesprächen beteiligten Regierungen hätten in den Gesprächen am Dienstag [18.4.2006] zwar "die Notwendigkeit einer harten Antwort" anerkannt, sagte am Abend der Staatssekretär im US-Außenministerium, Nicholas Burns. Nicht einigen konnte man sich jedoch in der Frage, ob Sanktionen gegen Iran auferlegt werden sollen. Burns deutete an, dass weitere Gespräche erforderlich seien.
Angesichts der steigenden Rohölpreise dürfte sich die Krisenstimmung auch an den deutschen Tankstellen bemerkbar machen. Total-Fina-Elf will einem Zeitungsbericht zufolge den Benzinpreis um drei Cent je Liter erhöhen, für Shell und Aral wird ein ähnliches Vorgehen erwartet. Ein Sprecher von Total hatte die Preiserhöhung in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung angekündigt.
Kaum eine Rolle für den Ölpreis spielte nach Ansicht von Experten hingegen ein Bericht der Opec, nach der sich die weltweite Nachfrage in Zukunft weniger stark erhöhen könnte als erwartet. Die erwarte Absatzmenge gibt Hinweise darauf, ob die Opec-Länder ihre Fördermengen drosseln oder erhöhen werden. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten korrigierte ihre Schätzung des durchschnittlichen Tagesbedarfs in diesem Jahr auf 84,5 Millionen Barrel nach unten. Der Mehrbedarf im Vergleich zum vergangenen Jahr wurde nunmehr auf täglich 1,42 Millionen Barrel geschätzt im letzten Monatsbericht ging die OPEC noch von einer Steigerung um 1,46 Millionen Barrel aus.
Bereits am Vormittag hatte der Ölpreis im europäischen Handel bisherige Rekordmarken durchbrochen. Zwischenzeitlich kletterte der Preis für das Barrel auf 72,04 Dollar für die in Europa gängige Sorte Brent.
Ein weiteres Indiz für die weltweite Unsicherheit ist derzeit auch die hohe Nachfrage nach Gold. Das Edelmetall gilt in Krisenzeiten gilt als sicherer Anlagehafen. Im New-Yorker Handel stiegen die Futures für die Feinunze auf 623,30 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit einem Vierteljahrhundert. [mehr]
Öl so teuer wie noch nie
Angst vor US-Angriff auf Iran treibt Preise in die Höhe / Benzin könnte bald 1,50 Euro kosten.
Aus: Berliner Zeitung, 19. April 2006, Seite ?? (Wirtschaft) von MATTHIAS LOKE. [Original]BERLIN. Der drastische Anstieg der Öl- und Benzinpreise könnte sich nach Ansicht des Bundesverbandes der deutschen Industrie negativ auf das Konsumklima in Deutschland auswirken. "Je höher die Preise steigen, umso mehr werden die Verbraucher gezwungen, auf andere Käufe verzichten zu müssen", sagte BDI-Volkswirt Reinhard Kudiß der Berliner Zeitung. Angesichts weiterer drohender Belastungen, unter anderem durch die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer Anfang 2007, sieht Kudiß die Gefahr, dass das Verbrauchervertrauen, das sich in den letzten Monaten mühsam stabilisiert habe, wieder schwindet. "Das wäre für die Konjunktur in Deutschland nicht förderlich", betonte er.
Deutschland und das Öl
Zeit für den Entzug.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 20. April 2006, Seite ?? (Politik) von MORITZ DÖBLER. [Original]Heute, morgen, übermorgen. Oder diesen Monat, nächsten Monat, bis zum Jahresende. Weiter reicht der Horizont von Aktienhändlern nicht. Und so steigen die Kurse dank positiver Zinssignale und Unternehmensnachrichten aus den USA, obwohl der Ölpreis ein Rekordniveau markiert. Wie die Börse gehen die Bürger zur Tagesordnung über. Der Benzinpreis ist nach Ostern wieder gesunken, und die ersten Sonnenstrahlen beenden die Heizperiode.
Hinzu kommt: Preisbereinigt verläuft der Ölpreis in den letzten Jahrzehnten eben nicht in der gefühlten steilen Kurve nach oben. Nominal ist nicht real. Wenn dann noch die Ölförderländer die versprochenen Kapazitäten tatsächlich aufbauen, haben die Sorgen für viele Jahre ein Ende. Schluss mit dem Alarmismus!
Oder vielleicht doch lieber nicht. Denn eines ist sicher: Die Ölressourcen sind endlich, die Nachfrage nimmt wegen der Aufholjagd von China, Indien und anderen aufstrebenden Volkswirtschaften zu, und das treibt den Preis. Originell ist diese Erkenntnis nicht. Aber trotz der Ölkrise der 70er, trotz des ökologischen Bewusstseins und 7 Jahren Rot-Grün fehlt in Deutschland eine grundsätzliche Erörterung der Folgen.
Wie leben wir in der Zeit nach dem Öl? Ernsthaft beschäftigen sich mit dieser Frage nur die Öl produzierenden Staaten in Nahost. Eine halbe Billion Euro dürften sie allein in diesem Jahr einnehmen, und damit bauen sie künftige Geldquellen auf. Der Tourismus soll den Ölboom ablösen, deswegen entstehen am Golf riesige Flughäfen und spektakuläre Hotels, werden steinige Küsten plötzlich zu Postkartensandstränden und Palmenpromenaden. Von der obersten Etage des Sieben-Sterne-Hotels Burj-al-Arab in Dubai aus sieht man in die Zukunft.
Gerhard Schröder hat aus diesem 321- Meter-Turm geschaut, er hat die Herausforderung begriffen und strategische Beziehungen nach Nahost und Russland geknüpft. Man mag es schlechten Stil finden, dass der Altkanzler nun ein Jahressalär von einer Viertelmillion Euro für seinen Posten an der Spitze des russischen Pipelineaufsichtsrats bezieht. Aber kalt betrachtet steht die Summe in keinem Verhältnis zum Nutzen, den Deutschland von einer sicheren Versorgung mit russischem Erdgas ziehen wird.
Auch Schröders einstiger Intimus, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, hat die Energie als Schlüsselthema seiner Amtsführung benannt. Und die Bundeskanzlerin einst Umweltministerin ebenfalls. Dieses Jahr geht es um Gesundheitswesen und Arbeitsmarkt; das nächste Jahr, wenn Deutschland die Ratspräsidentschaft in der EU und den G8-Vorsitz übernimmt, steht im Zeichen der Energie. Deutschland allein aber ist ein zu kleiner Spieler auf der energiepolitischen Weltbühne, und es reicht nicht, das Thema nur zu benennen. Gebraucht werden europäische, westliche Antworten auf die drängenden Fragen.
Wir sind süchtig nach Öl. Mit diesen Worten hat George W. Bush den Ausbau erneuerbarer Energien angekündigt. Dass den Worten wenige Taten folgen, dass die Atomkraft der Schlüssel seiner Überlegungen ist, werfen ihm Kritiker vor, und sie mögen Recht haben. Doch der Blick vor die eigene Tür ist wichtiger. Wo sind die Konzepte jenseits der Pipelines, auch jenseits der Windräder? Vielleicht stellt sich manche als sicher angenommene Entscheidung bald anders dar. Natürlich ist da das Reizthema, das Merkel vorerst ausspart: die Atomkraft. Ein Allheilmittel ist sie nicht, neue Reaktoren will niemand aber wie klug ist es, bezahlte, abgeschriebene, funktionstüchtige Reaktoren vom Netz zu nehmen? Oder: Will man sich wirklich von dem einzigen heimischen Rohstoff, der Kohle, verabschieden? Und soll sich der Staat ganz aus der Bahn zurückziehen, wenn er zugleich attraktive Alternativen zum Autofahren für alle Bürger garantieren will?
Womöglich ist Schweden ein Vorbild. Bis 2020 will das Land nicht mehr auf Öl, Gas oder Kohle angewiesen sein. Wir werden weltweit die Ersten sein, die unabhängig von fossilen Brennstoffen sind, lautet die Losung. Das wäre ein Wettlauf, der sich lohnt.
K R A F T S T O F FBenzin wird 2007 noch teurer
Pflicht zur Beimischung von Biokraftstoff könnte Preise um mindestens 6 Cent steigen lassen.
Aus: Berliner Morgenpost, 27. April 2006, Seite 8 (Wirtschaft). [Original]HAMBURG (nic). Der Preis für Diesel und Benzin steigt zum 1. Januar 2007 voraussichtlich um mindestens 6 Cent pro Liter. In die Prognose des Mineralölkonzerns Shell ist noch nicht eingerechnet, dass die Rohstoff-Preise weiter steigen könnten. Preistreiber sind die geplante Besteuerung von Biokraftstoff, den die Mineralölkonzerne nach Plänen des Gesetzgebers dann dem normalen Sprit beimischen müssen, und die Mehrwertsteuererhöhung. Die Beimischung macht nach Angaben von Shell etwa 2 Cent aus, die Mehrwertsteuererhöhung 3 bis 4 Cent je Liter. "Wir rechnen mit mindestens 6 Cent mehr je Liter", sagte Shell-Manager Jörg Adolf bei der Vorstellung einer Biokraftstoff-Studie.
Schon in den nächsten Wochen könnten neue Höchststände an den Zapfsäulen erreicht werden. "Im Moment treiben Einkäufer aus den USA die Benzinpreise in Europa auf Rekordstände. Wir halten demnächst einen Preis von 1,50 Euro je Liter Benzin für durchaus denkbar", sagte Rainer Wiek, Chefredakteur beim Erdöl Energie Informationsdienst (EID) in Hamburg.
Derzeit gebe es keine Indikatoren dafür, daß die Preise wieder sinken könnten. Im Gegenteil: Die beginnende Fahr-Saison in den USA werde sich an der Rotterdamer Produktenbörse weiter preistreibend auswirken. "Wir registrieren seit Wochen eine Abkopplung der Benzinpreise von den Ölpreisen. Während das Rohöl sich in der vergangenen Woche um 13 Prozent verteuerte, legten die Preise für Benzinprodukte in Rotterdam gleich um 30 Prozent zu", sagte Wiek. Dies sei auf die Nachfrage aus Nordamerika zurückzuführen.
Konkurrenten von Shell nennen noch keine konkreten Zahlen zur Auswirkung der Gesetzesänderungen ab Anfang 2007. "Wir warten ab, wie der Bundestag die geplanten Gesetze verabschieden wird", sagte ein Aral-Sprecher. Ende dieser Woche wollen sich die Staatssekretäre des Wirtschafts- und Finanzministeriums dazu treffen. Entscheidend werde sein, wie die Pflicht zur Beimischung von Biokraftstoff konkret ausformuliert werde.
Nach dem Willen der Regierung sollen die Mineralölkonzerne 5 Prozent ihres Gesamtabsatzes mit Biokraftstoffen erzielen und diese den Mineralölprodukten Benzin und Diesel beimischen. Sollte die Art der Biokraftstoffe sowie das Verfahren der Beimischung vorgeschrieben werden, könnte dies Investitionen von 1 Mrd. Euro notwendig machen. Dann könne die Verteuerung je Liter weit mehr als 6 Cent ausmachen, heißt es. Die Industrie verlangt weitgehende Freiheit bei Umsetzung der Quote.
Deutschland ist in Europa nach einer Studie, die Shell vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) erstellen ließ, führend im Einsatz von Biokraftstoffen. [mehr]
A L T E R N A T I V E R S P R I TBenzinpreise sollen steigen
Wird die Regierung bei den Benzinpreisen Gas geben? Unionsfraktionschef Volker Kauder prophezeit eine Erhöhung von 2 bis 2,5 Cent beim Normalbenzin. Auch beim Biosprit soll der Fuß von der Kostenbremse gehen.
Aus: Spiegel Online 20. Mai 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BERLIN. Durch die Steuerpolitik der Regierung werden die Benzinpreise zum Jahreswechsel erneut steigen. Dies erklärte heute Unionsfraktionschef Volker Kauder dem Nachrichtenmagazin Focus: "Der Finanzminister hat erklärt, der Liter Normalbenzin wird durch die Pflicht zur Beimischung von Biosprit inklusive Mehrwertsteuer um etwa 2 bis 2,5 Cent teurer." Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) verteidigte unterdessen die Einführung einer Biodiesel-Steuer gegen den Widerstand in der Koalition als "fairen Kompromiss zwischen Finanz- und Umweltpolitik".
Die Regierung will einer weiteren Überförderung bei Biokraftstoff vorbeugen und beruft sich dabei auf EU-Vorgaben. Von August an werden danach erstmals Steuern von 10 Cent je Liter für reinen Biodiesel und 15 Cent für Biodiesel und Pflanzenöl fällig. Die Normalbenzin beigemischten Biokraftstoffe sollen von 2007 an voll besteuert werden. Außerdem ist eine Beimischungspflicht geplant.
Kauder erklärte: "Man kann noch mal darüber reden, ob Biodiesel mit 8 oder 10 Cent pro Liter besteuert werden muss aber die Einnahmen müssen stimmen." Gabriel fügte an: "Über die Höhe der Besteuerung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen." Eine dauerhafte Steuerprivilegierung für reine Biokraftstoffe überfordere aber den Finanzminister und sei keine angemessene Strategie. "Diese Kraftstoffe werden stark überschätzt. Sie sind auch ökologisch nicht das Gelbe vom Ei." Die Beimischung von Biokraftstoff zu herkömmlichem Kraftstoff sei sinnvoller, wie Gabriel der Braunschweiger Zeitung sagte.
Die neuen Regelungen gelten ab 2007: Dann müssen Sprithersteller Ethanol zu 2 Prozent und Biodiesel zu 4,4 Prozent den gewöhnlichen Kraftstoff beimischen. Sollte die Steuer wegfallen, bedeute dies einen Verlust von bis zu 2 Milliarden Euro pro Jahr, wie das Finanzministerium warnte. Gabriel sagte, die Regierung wolle die Mineralölkonzerne dazu bringen, den Anteil von Biokraftstoff in den nächsten Jahren auf 10 bis 15 Prozent zu steigern. Langfristig müsse der Schwerpunkt auf Biokraftstoffen der zweiten Generation liegen, bei denen Biomasse verflüssigt wird. Nur damit gebe es wirklich eine "Perspektive weg vom Öl".
Die Kohle-Bomber kommen
Der Irak-Einsatz und der ausufernde Krieg gegen den Terror stellen die US-Streitkräfte vor ein ungeahntes Problem: Der steigende Rohöl-Preis lässt die Spritkosten explodieren. Eine Idee der Militärs: Kampfjets sollen künftig mit Hilfe von Kohle und Erdgas fliegen.
Aus: Spiegel Online 30. Mai 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert) von JOACHIM HOELZGEN. [Original]WASHINGTON. Auf den Korridoren des Pentagon wird eine bisher undenkbare Frage diskutiert: Könnte die Militärmaschinerie der USA weltweit zum Stehen kommen?
Die Planer im Pentagon fürchten dabei weniger die Aufrührer im Irak oder die Taliban Afghanistans, sondern die hohen Ölpreise und mit ihnen die exorbitanten Kosten für Kerosin, Dieselkraftstoff und Benzin. All das betreffe die nationale Sicherheit, meint Michael Aimone, der als stellvertretender Logistikchef der U.S. Air Force für die Zufuhr von Treibstoff verantwortlich ist riesigen Mengen von Sprit für Fern- und Jagdbomber, Luftüberlegenheitsjäger, Spionageflugzeuge und Transportmaschinen.
Im abgelaufenen Budgetjahr verbrauchte die US-Luftwaffe 12,1 Milliarden Liter Flugzeugtreibstoff. Allein für Kerosin, das die Triebwerke von Düsenmaschinen befeuert, mussten 4,7 Milliarden Dollar bezahlt werden. Insgesamt hat die Air Force mehr Treibstoff verfeuert als alle anderen Teilstreitkräfte Armee, Marinekorps und die U.S. Navy zusammengenommen.
Und die Tendenz ist steigend, da sich der Ölpreis eine Ironie der jüngsten Zeitgeschichte seit dem Einmarsch in den ölreichen Irak mehr als verdoppelt hat. 7,4 Milliarden Dollar musste das US-Verteidigungsministerium voriges Jahr für alle Treibstoffrechnungen ausgeben. Doch der Krieg gegen den Terror enthält auch schattenhafte, noch höhere Posten, warnt etwa das Defense Science Board, das wissenschaftliche Beratergremium des Pentagon.
Kerosin soll gestreckt werden
Ein Beispiel dafür seien die Tanklastzug-Konvois für die US-Truppen im Irak, die ihrerseits von gepanzerten Fahrzeugen und von Kampfhubschraubern geschützt werden müssten. Der Aufwand habe zur Folge, dass die tatsächlichen Treibstoffkosten "Hunderte von Dollar" pro Gallone ausmachten, heißt es in einer Studie der Wissenschaftler. Und das Auftanken von B-52-Bombern in der Luft verteuere den Sprit wegen des Einsatzes von Tankflugzeugen ums Zehnfache.Wenigstens die US-Luftwaffe will sich nun daranmachen, vom Öl unabhängiger zu werden: Sie will ihren Haupttreibstoff, das Kerosin, mit synthetischem Sprit aus Erdgas und Kohle strecken.
Die Gewinnung von Kraftstoff aus Erdgas wird von dem Pentagon-Lieferanten Syntroleum Corporation in Tulsa, Oklahoma, schon seit 1998 vorgenommen - allerdings nur in geringen Mengen und zu Testzwecken. Ölkonzerne wie zum Beispiel Shell beschäftigen sich dagegen schon in größerem Umfang damit, Erdgas in Treibstoff zu verwandeln.
Klarsprit aus Kohle und Erdgas
Dem Erdgas wird dabei Sauerstoff und Wasserdampf zugeführt, wobei unter hohem Druck und hoher Hitze Synthesegas entsteht. In einem Reaktorgefäß wird das Synthesegas abgekühlt und mit Hilfe von Katalysatoren in Wachs verwandelt. Das Wachs wiederum wird in sogenannten Crackanlagen gespalten und zu Treibstoff transformiert. Er ist klar wie Wasser und wird bei Shell zum Beispiel Diesel beigemischt, um ihn leistungsfähiger zu machen.Auf ähnliche Weise lässt sich der Klarsprit auch aus Kohle destillieren. Dabei dienen Braunkohle und Steinkohlekoks als Rohstoffe, aus denen sich in großen Reaktionsöfen Synthesegas herstellen lässt. Schon im "Dritten Reich" wurde Ähnliches im großen Stil betrieben. Bis zum Frühjahr 1944 produzierten 15 Hydrierwerke des berüchtigten Konzerns IG Farben Benzin [Ed: nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren] für die Wehrmacht.
Bis in den USA große Hydrierwerke gebaut sind, bleiben die amerikanischen Streitkräfte in ihrem logistischen Alptraum verfangen: Allein die Versorgung der Truppenfahrzeuge vom Typ Humvee erfordert einen Riesenaufwand. Ein Humvee verbraucht bei einem durchschnittlichen Einsatz mit mehrfachem Auftanken 700 Liter Diesel. Und noch mehr schlürfen Humvees, die gepanzert sind und dann jeweils fünf Tonnen wiegen.
Die Gasturbine eines 70 Tonnen schweren Abrams-Panzers ist selbst im Leerlauf unersättlich und verbraucht 106 Liter, wenn der Kampfwagen eine Stunde lang im Konvoi steht. Im Einsatz bringt ein Liter Kerosin den Abrams nicht einmal 500 Meter weit.
Benzin wird im Januar bis zu 6 Cent teurer
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 21. August 2006, Seite 1 (Politik). [Original]BERLIN (awm/hop). Wegen der höheren Mehrwertsteuer [MwSt] wird der Tanktourismus ins Ausland zunehmen. Das erwartet der Deutschland-Chef von Shell, Josef Waltl, wie er dem Tagesspiegel sagte.
Die Steuer wird Anfang 2007 um 3 Prozentpunkte angehoben [Ed: d. h. die MwSt steigt am 1. Januar 2007 von bislang 16 % auf 19 %]. Weil zugleich die Steuerbefreiung für Biokraftstoffe wegfällt, könnten Benzin und Diesel deutlich teurer werden. Für die Verbraucher wird das einen Anstieg von 5 bis 6 Cent pro Liter bedeuten, sagte Waltl.
A U F D E M W E G Z U D E N 5 M A R K P R O L I T E R . . .Mietern wird ganz heiß
Haushalte müssen mehr für Heizung bezahlen / Nachforderungen bis zu 900 Euro.
Aus: Berliner Zeitung, 8. September 2006, Seite ?? (Berlin) von ULRICH PAUL. [Original]BERLIN. Viele Berliner Mieter erhalten in diesen Tagen unliebsame Post von ihrem Vermieter. Darin enthalten: die Abrechnung für die zurückliegende Heizperiode 2005/2006 mit der Aufforderung, Beträge in oft dreistelliger Höhe nachzuzahlen. Grund dafür sind die drastisch gestiegenen Preise für Heizöl.
"Die aktuellen Heizkostenabrechnungen versetzen vielen Mietern einen Schock", sagt Reiner Wild, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins (BMV). Besonders betroffen seien die Mieter von schätzungsweise 400.000 ölbeheizten Wohnungen. Sie müssten bei einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 70 Quadratmetern mit Mehrkosten von etwa 25 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche und Monat rechnen. Aufs Jahr gerechnet ergibt das Zusatzkosten von 210 Euro. Im Einzelfall können die Mehrkosten noch weit darüber liegen. So erhöhten sich bei einem Mieter in der Lichterfelder Kamillenstraße die Heizkosten für seine 62,5 Quadratmeter große 60er-Jahre-Wohnung im Abrechnungszeitraum 2005/2006 um 544 Euro. Ein Spitzenwert. Der Mieter hatte sogar noch besonderes Pech. Weil bei ihm die monatlichen Vorauszahlungen zu gering bemessen waren, wurde er vom Vermieter mit einer Nachforderung von fast 900 Euro konfrontiert. In einem anderen Fall stiegen die Heizkosten bei einer 44 Quadratmeter großen Wohnung in der Heilbronner Straße in Schöneberg von 391 auf 525 Euro. In beiden Fällen werden die Wohnungen mit Öl beheizt.
Für manch einen Bewohner bleibt nichts anderes übrig, als die Forderungen per Ratenzahlung abzustottern. "Alle bisherigen Maßnahmen der Politik zur Dämpfung der Energiepreise sind gescheitert", kritisiert Wild die Entwicklung. "Die Mieter müssen es ausbaden." Der Mieterverein fordert deshalb "die Neuauflage eines Heizkosten-Wohngeldes", wie es vor einigen Jahren schon mal gewährt wurde. "Den Mietern empfehlen wir bei hohen Nachforderungen auf jeden Fall eine Prüfung der Abrechnung, damit unrechtmäßige Forderungen zurückgewiesen werden können", so Wild. Besonders betroffen seien Mieter in Gebäuden mit einem hohen Energieverbrauch. Hier sollten Vermieter zur Sanierung von Heizanlage und Gebäudehülle angeregt werden. Für die Mieter besteht allerdings das Risiko, dass Modernisierungen auf die Miete umgelegt werden und damit die monatlichen Belastungen wachsen. Das will der Mieterverein verhindern. Er fordert eine gesetzliche Regelung, "die die Mieter vor unverhältnismäßigen Wohnkostensteigerungen bei Energieeinsparungen schützt", so Wild.
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lehnt die Einführung eines Heizkosten-Wohngeldes ab. Dafür gebe es derzeit keine öffentlichen Mittel, sagt Behördensprecherin Manuela Damianakis. "Ziel muss es sein, die Heizkosten zu senken." Dafür gebe es staatliche Förderprogramme zur Gebäudesanierung, zum Beispiel bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
Der Sprecher des Eigentümerverbandes Haus und Grund, Dieter Blümmel, sagt: Der Mieterverein renne mit der Forderung nach Maßnahmen zur Energieeinsparung "bei uns freundlich gesagt offene Türen ein, unfreundlich gesagt: das wissen wir selber". Die höheren Heizkosten führen laut Blümmel dazu, dass die Vermieter vorhandene Mieterhöhungsspielräume nicht ausnutzen. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Mieter nur einen bestimmten Betrag zur Verfügung haben." Blümmel rät den Mietern, sich frühzeitig auf höhere Nachzahlungen einzustellen und Geld dafür zurückzulegen. Insofern gelte das alte Sprichwort: "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not." [mehr]
K L I M A S T U D I EBenzin und Diesel noch teurer
Aus: AP-Meldung, 9. November 2007, 13.11 Uhr MEZ (Wirtschaft). [Original=xxx]HAMBURG (AP). Die Preise an der Tankstelle sind am Freitag [9.11.2007] erneut auf ein Rekordhoch gestiegen. Der Liter Super kostete im Schnitt 1,48 Euro [2,89 DM/Liter], das war 1 Cent mehr als am Vortag. Für Diesel waren nach Angaben der Mineralölwirtschaft an der Zapfsäule 1,37 Euro oder 2 Cent mehr als am Donnerstag [8.11.2007] fällig.
Auch für Heizöl müssen Rekordpreise bezahlt werden. Hier werden für handelsübliche Mengen erstmals mehr als 70 Cent je Liter verlangt. Der Hamburger Energie-Informationsdienst (EID) ermittelte einen Durchschnittspreis von 72,4 Cent und damit um 3,4 Cent mehr als in der Vorwoche.
In der ersten November-Woche hatte der Rohölpreis am Weltmarkt erstmals die 100-Dollar-Marke (pro Barrel) überschritten, was eine Preissteigerung gegenüber dem Sommer 2007 von rund 40 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) bedeutet. [Wahrer Ölpreis seit 1864 (Daten)]
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Entwicklung des Rohölpreises seit 1864. Angegeben sind die inflationsbereinigten Preise pro Barrel (159 Liter) auf dem Stand von 2007. Zu beachten ist unbedingt, daß die Zeitachse nichtlinear ist nur der Zeitraum 19902020 ist linear dargestellt.
Die Erkenntnis: Es hat schon zweimal einen so hohen Marktpreis wie heute gegeben. Zuletzt war das in den 1970er-Jahren und dann vor gut 140 Jahren, in der Anfangszeit der intensiven Ölnutzung.
Und steigt der Ölpreis wie zuletzt weiter, dann könnte bereits im Jahr 2014 die 200-Dollar-Marke überschritten werden. Das würde dann wohl hierzulande allein durch Marktmechanismen die berühmten 5-DM-pro-Liter-Benzin von 1984 ergeben, für dessen Forderung einst die Grünen so sehr gescholten worden sind. (Grafik: 11.11.2007 khd)
B E N Z I N P R E I S E R R E I C H T 3 M A R K P R O L I T E RDeutsche Autohersteller sind führend beim CO2-Ausstoß
Beim Klimaschutz geraten deutsche Autokonzerne zunehmend ins Hintertreffen: Die Pkw-Flotten französischer und italienischer Hersteller stoßen einer aktuellen Studie zufolge im Schnitt deutlich weniger Kohlendioxid aus als jene von BMW oder Mercedes.
Aus: Spiegel Online 14. November 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BRÜSSEL. Im Jahr 2006 habe der durchschnittliche Kohlendioxid-Ausstoß deutscher Neuwagen sogar leicht zugenommen, schreibt der Brüsseler Umweltverband T&E in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Im vergangenen Jahr auf den Markt gebrachte deutsche Neufahrzeuge bliesen je gefahrenem Kilometer im Schnitt 173 Gramm klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) in die Luft. 2005 waren es durchschnittlich 172 Gramm, schreibt T&E unter Berufung auf offizielle EU-Statistiken.
Dies entspreche einer Zunahme um 0,6 Prozent. "Es ist ironisch, dass ein Land, das sich so sehr für neue EU-Klimaschutzziele eingesetzt hat, gleichzeitig Autohersteller beheimatet, die einen der wichtigsten Wege zur Erreichung dieser Ziele blockieren", erklärte T&E-Direktor Jos Dings.
Dagegen hätten französische und italienische Hersteller die CO2-Emissionen ihrer Neuwagen um 1,6 Prozent auf durchschnittlich 144 Gramm pro Kilometer gesenkt. Die japanischen Autobauer erzielten im vergangenen Jahr eine Verminderung um 2,8 Prozent auf jetzt noch 161 Gramm pro Kilometer, berichtet T&E.
Daimler ist der CO2-König
Unter den deutschen Herstellern habe einzig BMW die Emissionen um immerhin 2,5 Prozent reduziert, dies werde aber durch Steigerungen bei Daimler- und VW-Neufahrzeugen mehr als wettgemacht, erklärt die Organisation weiter. Unter den 14 untersuchten Herstellern kommt Daimler auf den letzten Platz, BMW rangiert direkt dahinter. Volkswagen belegt den 9. Platz.Die durchschnittlich geringste CO2-Menge stoßen Neufahrzeuge von Peugeot aus. Nach dem Willen der EU-Kommission sollen die Autohersteller den CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen bis zum Jahr 2012 auf einen europaweiten Durchschnittswert von 130 Gramm pro Kilometer reduzieren, durch zusätzliche Maßnahmen wie eine verstärkte Nutzung von Biosprit soll die Treibhausgasmenge insgesamt auf 120 Gramm gesenkt werden.
Unter den Autobauern ist bereits ein erbitterter Streit darüber ausgebrochen, wie stark einzelne Hersteller zu dem Durchschnittsziel beitragen müssen.
Der Brüsseler Autoverband ACEA hatte der Europäischen Kommission ursprünglich versprochen, den CO2-Ausstoß bei neu zugelassenen Pkw bis Ende 2008 freiwillig auf durchschnittlich 140 Gramm je Kilometer zu drücken. Diese Zusage wird Acea voraussichtlich jedoch nicht einhalten können. [mehr beim SPIEGEL...]
Mehr zu diesem Thema:
[06.09.2007: CO2-Versprechen der Autohersteller: Offenbarungseid vor der IAA] (SPIEGEL ONLINE)
[14.11.2007: Regierungspläne: Autos mit niedrigem CO2-Ausstoß fahren steuerfrei] (SPIEGEL ONLINE)
Ein Liter Benzin kostet 1,51 Euro
Preissprung vor Pfingsten / Spekulationen am Ölmarkt
Aus: DPA-Meldung, 10. Mai 2008, 00.00 Uhr MESZ (Wirtschaft).HAMBURG (dpa). Die Preise für Ol und alle Olprodukte sind am Freitag vor Pfingsten [am 9.5.2008] steil in die Höhe geschossen und haben abermals Rekordwerte erreicht. Rohöl der Sorten WTI und Brent notierte erstmals über 125 Dollar für ein Barrel (159 Liter).
Der Benzinpreis durchbrach die Preisschwelle von 1,50 Euro für einen Liter und Diesel erreichte ein Rekordhoch von 1,45 Euro [Ed: in Berlin werden am 10.5.2008 beim Benzin sogar 1,534 Euro/Liter erreicht, was exakt 3,00 DM/Liter sind. Ostern 2001 waren es noch um 2,00 DM/Liter, was damals schon aufregte].
Für 100 Liter Heizöl müssen die Verbraucher 89,65 Euro bezahlen, das sind 4,30 Euro mehr als vor einer Woche.
Der Ölmarkt koppelt sich selbst nach Einschätzung von Börsenhändlern mittlerweile mehr und mehr vom tatsächlichen Verhältnis von Ölangebot und -nachfrage ab. Börsenhändler halten inzwischen das Interesse der [Hedge-]Fonds und Finanzinvestoren für den entscheidenden Treibstoff an den Märkten wichtiger als fundmentale Faktoren [Ed: was bereits in den letzten Monaten bei der Entwicklung der Weltmarktpreise beim Getreide wie Weizen und Reis zu beobachten war].
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