Energiemarkt:  Strom & Gas – Teil 11 khd
Stand:  14.4.2007   (15. Ed.)  –  File: Energie/S+G/Strom_und_Gas_11.html



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Vattenfall baut Kraftwerk in Berlin

Energiekonzern investiert 1 Mrd. Euro bis 2012 in der Hauptstadt.

Aus:
Berliner Morgenpost, 6. Juli 2006, Seite ?? (Wirtschaft). [Original]

BERLIN (oh). Vattenfall wird in Berlin ein neues Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 800 Megawatt bauen. Das Unternehmen wird in den nächsten Jahren rund 1 Mrd. Euro in der Stadt investieren. Das kündigte gestern Klaus Rauscher, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe AG, auf einem wirtschaftspolitischen Forum im Hause der Industrie- und Handelskammer zu Berlin mit. Besorgt äußerte sich Rauscher über die Strompreise in Berlin, machte den anwesenden Mittelständlern aber wenig Hoffnung auf Entspannung.

Denn die Erzeugungskapazitäten sind eng, regenerative Quellen wie Wind oder Sonne keine echte Alternative, der Kampf um die Emissionszertifikate preistreibend. Keinen Zweifel läßt Rauscher daran aufkommen, daß der Wettbewerb auf dem Markt funktioniert. Insbesondere gelte das für die Großindustrie und den Mittelstand, weniger für die privaten Verbraucher. Die macht er aber eher selbst verantwortlich dafür, daß die Wettbewerber nicht stärker zum Zuge kommen. "Sie ärgern sich über steigende Preise, aber scheuen den Wechsel." Rauscher weiß aber auch warum. "Wir bieten Service und Zuverlässigkeit, sind aber nicht in Amsterdam (wie Nuon) zu Hause, wir sind hier."

Das neue Kohlekraftwerk in Berlin stellt Rauscher in Zusammenhang mit dem Investitionsprogramm von 6 Mrd. Euro bis zum Jahr 2012. Auf die Hauptstadt entfallen davon 1 Mrd. Euro. Wo das neue Großkraftwerk stehen soll – auf jeden Fall in der Stadt und nicht außerhalb – wollte der Manager ebenso wenig sagen wie er auf Termine eingehen wollte. Davor müßten die Gremien im Unternehmen die entsprechenden Beschlüsse fassen. Rauscher sagte, daß ein Kraftwerk auf Erdgasbasis nicht in Frage komme. Diese Energie sei zur Zeit völlig ausgereizt. "Es gibt auf der ganzen Welt kein Erdgas mehr für neue Projekte am Markt."

Mit dem neuen Kohlekraftwerk in Berlin sorge Vattenfall ebenso wie mit dem beiden neuen Stromfabriken in der Lausitz und in Hamburg für den wachsenden Strombedarf in der Zukunft vor. Um über die nächsten 15 Jahre zu kommen, müßte in Deutschland neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 40.000 Megawatt gebaut werden. Dabei sei das Ende der Kernenergie noch nicht berücksichtig. Den Ausstieg aus der Atomkraft hält der Manager für einen Fehler. Er beschwerte sich über die doppelte Zuständigkeit der Energiepolitik in der Bundesregierung beim Wirtschafts- und Umweltminister, wobei er die Anliegen der Wirtschaft oft als zu wenig beachtet wertet. Und: Rauscher sieht die Politiker oft überfordert, beklagt, daß Lehrer und Juristen im Bundestag über eine Zukunftstechnologie entscheiden, von der sie wenig verstehen. "Die wissen oft nicht, wovon sie reden."

"Die Strompreise in Deutschland sind zu hoch", sagt Rauscher. Aber weniger die Konzerne seien schuld als vielmehr die internationalen Rohstoffnotierungen und die Politik. Früher habe der Firmenanteil an den Strompreisen 75 Prozent betragen, heute seien es 30 Prozent. Die Netzkosten betragen auch 30 Prozent, der Staatsanteil 40 Prozent. Er steige mit der Mehrwertsteuer an. Über die Verfügung der Netzagentur zur Senkung der Setzgebühren bei der Bewag um 18 Prozent kann sich der Manager nur empören. Dabei gehe es um 115 Mio. Euro, womit die Gesellschaft in die Verlustzone gerate.



Selbst Vattenfall hält Strompreise für zu hoch

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 6. Juli 2006, Seite ?? (Wirtschaft) von ANSELM WALDERMANN. [Original]

BERLIN (Tsp). Strom ist in Deutschland zu teuer. Diese Auffassung vertreten nicht nur Verbraucherschützer, sondern auch die Energiewirtschaft selbst. „Die Strompreise sind zu hoch“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Vattenfall, Klaus Rauscher, am Mittwoch [5.7.2006] auf einer Veranstaltung der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK). „Auf Dauer ist das nicht gut für unser Land.“ Die Verantwortung für die hohen Preise sieht Rauscher allerdings nicht bei den Energieunternehmen, sondern bei der öffentlichen Hand. „Der Staatsanteil am Strompreis ist innerhalb von 8 Jahren von 25 auf 40 Prozent gestiegen“, sagte er.

Daneben treibe auch eine ungünstige Marktsituation die Preise nach oben. „Wir haben eine unveränderte Nachfrage, aber ein sinkendes Angebot“, erklärte Rauscher. Das einzige Mittel dagegen sei der Bau neuer Kraftwerke. Vattenfall plane deshalb Investitionen in Höhe von 6 Milliarden Euro. 1 Milliarde davon soll nach Berlin in den Bau eines 800-Megawatt-Kohlekraftwerks fließen. Die ursprünglich erwogene Alternative eines Gaskraftwerks habe man verworfen: „Bei den derzeitigen Gaspreisen lässt sich das nicht rentabel betreiben.“

Darüber hinaus verlangte Rauscher eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken. Dies würde den Strompreis spürbar entlasten. Er räumte aber ein, dass er selbst nicht mit einer Änderung des Atomausstiegs rechne. Besonders kritisch äußerte sich Rauscher zum Emissionshandel. „Die Idee an sich ist gut, aber so, wie es läuft, ist es zu teuer“, sagte er. „Da müssen wir uns etwas einfallen lassen.“ Der Emissionshandel habe Strom um rund 15 Euro je Megawattstunde verteuert.



E N E R G I E

Strompreise steigen schon wieder

Die Bundesnetzagentur hofft nach der Niederlage des Stromkonzerns Vattenfall im Streit um die Senkung der Netzgebühren indirekt auf Preissenkungen. Sehr lange dürfte die Kostendämpfung allerdings nicht wirken – RWE hat bereits die nächste Preisrunde angekündigt.

Aus:
Spiegel Online – 25. Juli 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BONN (mik/AFP/ddp/dpa-AFX). Das Urteil ist nach Einschätzung der Bundesnetzagentur wegweisend. "Gegen diese Entscheidung ist kein Rechtsmittel zulässig und sie ist daher die wesentliche Leitentscheidung für alle künftig zu erlassenden Entgeltprüfungen", erklärte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth, heute in Bonn.

Kurth appellierte an die betroffenen Unternehmen, die OLG-Entscheidung zum Anlass zu nehmen, "überzogene und polemische Auseinandersetzungen zu beenden". Die zum Teil von Netzbetreibern und Verbänden geäußerten massiven Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Vorgehens der Netzagentur seien jetzt klar und eindeutig ausgeräumt worden. Die Bundesnetzagentur hatte bislang lediglich ihre Vattenfall-Entscheidung veröffentlicht. Kostenentscheide für die anderen großen Übertragungsnetz-Betreiber E.on, RWE und EnBW werden noch im Juli erwartet.

Die Netzagentur hatte 18 Prozent der Kosten für den Transport im Höchstspannungsnetz, die Vattenfall beantragt hatte, nicht anerkannt. Allerdings wirkt sich diese Senkung kaum auf die Strompreise aus, weil die Kosten für Durchleitungen in der Hochspannung nur rund 0,6 Prozent des Gesamtstrompreises eines durchschnittlichen Stromkunden ausmachen. Vattenfall hatte erklärt, das Übertragungsnetz könne unter diesen Bedingungen nur noch mit Verlust betrieben werden. Es drohe ein Ertragsausfall von 116 Millionen Euro allein in diesem Jahr.

Auf die Energie-Verbraucher kommen nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung im Gegenteil sogar zum Jahreswechsel erneut kräftige Preiserhöhungen zu. Beim größten deutschen Stromkonzern RWE, der 12 Millionen Haushalte versorgt, müssten sich viele Kunden darauf einstellen, dass sich ihr Strom einschließlich der künftig höheren Mehrwertsteuer um insgesamt 11 Prozent verteuert. Nach Informationen des Blatts aus dem Konzern wollen große regionale RWE-Versorger entsprechende Anträge stellen.



Erster Versorger senkt Strompreis

Kürzung der Netzentgelte zeigt Wirkung / Laut Vattenfall sollen auch Berliner Verbraucher von niedrigeren Gebühren schnell profitieren

Aus:
Berliner Zeitung, 8. August 2006, Seite ?? (Wirtschaft) von EWALD B. SCHULTE. [Original]

BERLIN (mit AP). Erstmals führt eine Entscheidung der Bundesnetzagentur unmittelbar zu einer Entlastung der Verbraucher. Der zum Eon-Konzern zählende regionale Energieversorger Thüringer Energie AG (Theag) mit Sitz in Erfurt teilte gestern mit, dass er die Strompreise für seine rund 700.000 Kunden rückwirkend zum 1. August senkt. Anlass sei die Entscheidung der Bonner Regulierungsbehörde vom 31. Juli, die beantragten Netzgebühren für das regionale Stromverteilnetz des Netzunternehmens Thüringer Energienetze (TEN) zu kürzen.

Laut Theag-Sprecher Martin Schreiber werde die angeordnete Senkung der TEN-Stromnetzentgelte um 14 Prozent über entsprechend abgesenkte Strompreise an die Privatkunden weitergegeben. Bei einem Anteil der gesamten Netzkosten am Strompreis in Höhe von rund 30 Prozent sinke der Strompreis für einen Durchschnittshaushalt um 3 bis 4 Euro pro Monat. Bei einem Verbrauch von 4. 500 Kilowattstunden betrage die Jahresersparnis somit 48,75 Euro.

Neue Preisrunde zum 1. Januar

Die Theag ist der erste Regionalversorger, für dessen Verteilnetz ein verbindlicher Gebührenbescheid der Netzagentur vorliegt. Ob auch die anderen Eon-Regionalversorger, die bundesweit insgesamt mehrere Millionen Kunden mit Strom versorgen, ihre Preise unmittelbar nach Eingang ihres Verteilnetzkosten-Bescheids senken werden, blieb gestern offen.

Hoffnung auf ähnliche Preissenkungen können sich indes die Berliner Stromverbraucher machen. Ein Sprecher des Hauptstadt-Versorgers Vattenfall Europe bestätigte der Berliner Zeitung, dass die Strompreise für die Berliner Haushalte unmittelbar angepasst würden, sobald ein rechtswirksamer Gebührenbescheid der Bonner Behörde für das Berliner Verteilnetz vorliege. Nach Auskunft der Wirtschaftsverwaltung ist mit einem solchen Bescheid "innerhalb der nächsten 2 bis 4 Wochen" zu rechnen.

Bis die Verbraucher bundesweit in den Genuss einer ähnlichen Preissenkung kommen, wird es aber noch etwas dauern. Die Bundesnetzagentur will nach Angaben von Sprecherin Renate Hichert in naher Zukunft zunächst über den Antrag für das Überlandnetz von Eon entscheiden. Danach kämen dann die anderen Verteilnetzbetreiber an die Reihe.

Zwei Beschlusskammern der Behörde müssen Hichert zu Folge über 96 Verteilnetze im ganzen Bundesgebiet entscheiden. Für diese Netze liegt die unmittelbare Zuständigkeit bei der Bundesnetzagentur. Außerdem muss die Bonner Behörde über 146 weitere Verteilnetze befinden, für die eigentlich die Bundesländer zuständig wären. Diese Länder haben die Arbeit an die Bundesbehörde abgegeben. Für die übrigen etwa 650 Stromnetze liegt die Preisaufsicht bei den Ländern.

"Wir entscheiden zwar schnellstmöglich, aber das ist sehr, sehr viel", meinte Hichert. Dazu komme, dass Unternehmen auch nach der Prüfung ihrer Unterlagen weitere Dokumente nachschieben könnten, die dann erneut sorgfältig gelesen und bewertet werden müssten. "Gründlichkeit geht hier vor Schnelligkeit", sagte Hichert. Schließlich müssten die Entscheidungen auch vor den Verwaltungsgerichten Bestand haben.

Fraglich jedoch ist, wie lange die Verbraucher von niedrigeren Strompreisen tatsächlich profitieren. Denn andere Kosten, die neben den Netzgebühren in den Gesamtstrompreis einfließen – wie etwa die Beschaffungspreise im Strom-Großhandel oder auch die Brennstoffpreise – sind in den letzten Monaten weiter gestiegen. Vor diesem Hintergrund prüfen die Konzerne derzeit eine neue Erhöhung der Strompreise zum Jahreswechsel. Die entsprechenden Anträge müssen den zuständigen Länderbehörden spätestens bis Mitte dieses Monats vorliegen.



T E U R E   E N E R G I E

RWE will 7 Prozent mehr für Strom

Die Energieversorger machen glänzende Geschäfte – die Preise sollen aber trotzdem noch mal steigen. Allein RWE will ab nächstes Jahr für Strom satte 7,5 Prozent mehr verlangen, berichtet eine Zeitung.

Aus:
Spiegel Online – 15. August 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

DÜSSELDORF (ase/AFP/dpa/reuters). Auch mehrere Stadtwerke wollten Erhöhungen in diesem Umfang durchsetzen, berichtete die Westdeutsche Allgemeine Zeitung unter Berufung auf informierte Kreise. "Wir haben eine Erhöhung um rund 7,5 Prozent beantragt. Der Aufsichtsrat muss aber noch zustimmen", zitiert das Blatt den Chef der Stadtwerke Bochum. Auch die Stadtwerke Herne und Witten planten Preissteigerungen in dieser Größenordnung. Die Rede sei von 1,36 Cent pro Kilowattstunde.

Die Landesregierung zeigte sich alarmiert. "Wir werden jeden Antrag sehr sorgfältig und sehr kritisch prüfen", sagte NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU). "Schlichtes Durchwinken gibt es mit uns nicht."

Die Versorger RWE und E.on halten sich bislang nach außen hin bedeckt, ob und wenn ja in welcher Höhe sie die Preise erneut anheben wollen. Ein Sprecher von RWE Energy sagte, dass die Gesellschaften Rhein-Ruhr und Westfalen-Weser-Ems im Laufe des Tages ihre Anträge beim nordrheinwestfälischen Wirtschaftsministerium einreichen wollten. "Über den Inhalt machen wir keine Angaben", fügte er hinzu. Die angeordnete Kürzung der Netzgebühren wirke sich preisdämpfend aus, dem stünden aber höhere Beschaffungskosten und die Anhebung der Mehrwertsteuer gegenüber. Was per Saldo rauskomme, könne nicht gesagt werden, da es für einen wesentlichen Teil der Netzgebühren noch keine Bescheide gebe.

Auch E.on hatte angekündigt, die Anträge bis heute einzureichen. Zwar gebe es eine Tendenz zu höheren Preisen, aber es stünden noch weitere Bescheide der Bundesnetzagentur aus, die noch nicht berücksichtigt werden könnten. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Düsseldorf kündigte an, in den kommenden Tagen eine Tendenz für bis dahin eingegangene Anträge zu nennen. Angaben zu einzelnen Versorgern gebe es aber erst, wenn eine Entscheidung gefallen sei. Wenn ein Preis nicht erhöht werden solle, brauche aber auch kein Antrag gestellt werden, betonte er. Die Verbraucher müssten mindestens 6 Wochen vor einer Erhöhung von dieser unterrichtet werden, um für einen etwaigen Anbieterwechsel ausreichend Zeit zu haben.

Heizkosten um ein Drittel gestiegen

Unterdessen teilte der Deutsche Mieterbund mit, dass die Heizkosten in Deutschland trotz sinkenden Verbrauchs im vergangenen Jahren explodiert seien. Dem neuen "Heizspiegel" der Vereinigung zufolge stiegen die Kosten bei Ölheizungen um etwa 24 bis 27 Prozent im Vergleich zu 2004, bei Gasheizungen um 12 bis 18 Prozent. Grund sei der Preisanstieg für Heizöl von rund 32 Prozent und für Gas von etwa 15 bis 20 Prozent.

Dabei ging nach Angaben des Mieterbundes der Verbrauch bei Öl- und Gasheizungen um 5 bis 7 Prozent zurück. Das Wetter sei milde gewesen und die Mieter sparsamer, aber auch Reparaturen und Modernisierungen der Heizanlagen hätten positiv zu Buche.

Wegen der hohen Heizkosten liegen die von den Mietern geforderten Nachzahlungen für 2005 oft im drei- bis vierstelligen Bereich. Nach Erkenntnissen des Mieterbundes ist allerdings jede zweite Abrechnung falsch. Deshalb müssten "alle Möglichkeiten genutzt werden", die Abrechnungen zu überprüfen, erklärte Verbandsdirektor Franz-Georg Rips.



E N E R G I E K O S T E N

E.on erhöht Gaspreise um 10 Prozent

Nach der angekündigten Erhöhung der Strompreise zum Jahreswechsel müssen Verbraucher künftig auch mehr für Gas bezahlen. Fünf der sieben deutschen Regionalversorger des Energiekonzerns E.on wollen ihre Gaspreise erneut anheben.

Aus:
Spiegel Online – 17. August 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert) von RALF BEUNINK. [Original]

BERLIN (ddp). Die Preiserhöhung solle ab Oktober gelten, kündigten die Unternehmen E.on Bayern, E.on Avacon, E.on edis, E.on Westfalen Weser und E.on Mitte an. Ein Sprecher der Muttergesellschaft E.on Energie AG sagte, die Erhöhungen würden im Schnitt 5 bis 10 Prozent betragen. Die Preisanhebungen seien mit dem in den vergangenen Monaten gestiegenen Ölpreis zu erklären.

Mit der Preiserhöhung ab Oktober würden ausschließlich die gestiegenen Beschaffungskosten weitergegeben, erläuterten auch verschiedene Regionalversorger des Konzerns. Zudem könnten sich die Preise noch durch die mögliche Senkung der Netznutzungsentgelte durch die Regulierungsbehörden, die dann weitergegeben würden, noch einmal ändern.

E.on Bayern erklärte, für einen mit Erdgas beheizten Vierpersonen-Haushalt mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) Erdgas erhöhten sich die Kosten durch die Preisanhebung inklusive Mehrwertsteuer um rund 10 Prozent. Dies seien rund 10 Euro pro Monat. Bei E.on Avacon hieß es, bei einem Verbrauch von 3.000 kWh im Jahr zahle der Kunde monatlich gut 1,50 Euro mehr, bei 14.000 kWh seien es rund 7 Euro und bei einem Jahresverbrauch von 30.000 kWh etwa 14,50 Euro Mehrkosten im Monat.

Bei der Berliner Gasag ist einem Bericht der Berliner Zeitung zufolge noch keine Entscheidung über eine weitere Preisanpassung zum 1. Oktober gefallen. Dem Unternehmen zufolge werde die Marktentwicklung allerdings weiter beobachtet, schreibt das Blatt. Auch bei den regionalen Versorgungstöchtern des Essener RWE-Konzerns sei nach Angaben eines Unternehmenssprechers noch nicht entschieden, ob und in welcher Dimension die Gaspreise ab Oktober angehoben würden.

Neben den Gaspreiserhöhungen hatten die Regionalversorger von E.on in dieser Woche zudem eine Anhebung der Strompreise zum Jahreswechsel angekündigt. Auch der größte deutsche Stromerzeuger RWE hat bereits höhere Strompreise ab 2007 beantragt. Vattenfall Europe will unterdessen zum Jahreswechsel lediglich die höhere Mehrwertsteuer auf die Tarife aufschlagen. Eine darüber hinaus gehende Erhöhung sei frühestens zum 1. Juli 2007 vorgesehen.

Angesichts der stark gestiegenen Gewinne der 4 großen deutschen Konzerne E.on, RWE, Vattenfall Europe und EnBW stießen bereits die Pläne für die Erhöhung der Strompreise auf Kritik von Verbraucherschützern und Politikern. Sie warfen den Unternehmen die Ausnutzung einer Monopolstellung vor.



Branche: Strom wird noch teurer

Großhandelspreise sind in einem Jahr um 37 Prozent geklettert / Nach Tariferhöhung im Januar neue Preisrunde im Sommer erwartet.

Aus:
Berliner Zeitung, 21. August 2006, Seite ?? (Wirtschaft) von EWALD B. SCHULTE. [Original]

BERLIN. Deutschlands Verbraucher müssen sich mittelfristig auf rasant steigende Strompreise einstellen. Das bestätigten Branchenkreise der Berliner Zeitung. Zwar fielen die zum Jahreswechsel von den Versorgern geplanten neuen Tarife mit Steigerungsraten zwischen 6 und 10 Prozent noch halbwegs moderat aus. Doch spätestens mit Auslaufen der Genehmigungspflicht für die allgemeinen Stromtarife ab Mitte nächsten Jahres sei mit regelrechten Preissprüngen zu rechnen. Auslöser sei die Entwicklung der Großhandelspreise an der Strombörse.

Genehmigungspflicht läuft aus

Nach Angaben des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) sind die Großhandelspreise für Grundlastlieferungen im Jahr 2007 in den ersten 6 Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37 Prozent gestiegen. Danach lag der Großhandelspreis für 1.000 Kilowattstunden im ersten Halbjahr 2005 noch bei durchschnittlich 39,86 Euro. Im ersten Halbjahr dieses Jahres sei dieser Durchschnittswert auf 54,62 Euro geklettert.

Die Unternehmen, die sich für den Bedarf ihrer Haushaltskunden in aller Regel mit einer Vorlaufzeit von gut 1 Jahr mit Strom eindecken, hätten diese Steigerung der Beschaffungskosten in der Kalkulation der für den 1. Januar 2007 anstehenden Anpassungen der Verbrauchertarife nur teilweise berücksichtigt. Daher sei davon auszugehen, dass von den Stromversorgern zum 1. Juli 2007 eine weitere Strompreisrunde eingeläutet werde.

Von diesem Zeitpunkt an gilt allerdings eine neue Rechtslage, wonach – wie bei den Industrie- und Sondervertragskunden – auch die Stromtarife der Haushaltskunden nicht mehr genehmigt werden müssen. Die Unternehmen sind dann in ihrer Preisgestaltung frei und unterliegen nur noch der Missbrauchsaufsicht durch die Kartellbehörden. Vor diesem Hintergrund hat der Vattenfall-Konzern, der seine Strompreise in Berlin und Hamburg zuletzt im Mai 2006 um 5,2 Prozent angehoben hatte, darauf verzichtet, zum Januar noch einmal die Genehmigung neuer Tarife zu beantragen. Stattdessen will der Konzern seine Verbraucherpreise erst nach dem 1. Juli wieder "anpassen".

Angesichts der Rekordgewinne der Energiekonzerne hat das SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer unterdessen die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses im deutschen Bundestag gefordert. "Die Energiekonzerne missbrauchen ihre marktbeherrschende Stellung und verstoßen damit gegen das Wettbewerbsrecht", schrieb Scheer in einem Gastbeitrag für die Zeitung Bild am Sonntag. Es sei höchste Zeit, politisch einzugreifen. Der Untersuchungsausschuss müsse "die dubiosen Kalkulationsmethoden" der Unternehmen offen legen und die Gesetzlücken aufdecken, "die eine politische und gerichtliche Verfolgung der Preistreibertricks" erschweren. Zudem müssten "die zu engen Verflechtungen zwischen Regierungen und Energiekonzernen" enthüllt werden.

Wie berichtet, planen die Energieversorger zum 1. Oktober dieses Jahres auch eine erneute Anhebung der Gaspreise. Ersten Ankündigungen zu Folge ist hier mit Preissteigerungen von bis zu 12 Prozent zu rechnen.



Ärger über hohe Strompreise wächst

SPD will Macht der Energiekonzerne brechen / Monopol-TÜV für alle Gesetze vorgeschlagen / Mehr Konkurrenz soll Energie billiger machen

Aus:
Berliner Zeitung, 24. August 2006, Seite ?? (Wirtschaft) von JÖRG MICHEL. [Original]

BERLIN. Angesichts der neuen Preisrunden beim Strom will die SPD im Bundestag die Macht der Energiekonzerne mittelfristig beseitigen und schlägt dafür eine Art "Monopol-TÜV" für alle zukünftigen Gesetze vor. SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber sagte der Berliner Zeitung: "Die dreiste Preispolitik der großen Konzerne zeigt deutlich, dass wir dringend mehr Konkurrenz auf dem Strommarkt benötigen." Ziel müsse es sein, den Marktanteil der 4 großen Stromkonzerne von heute über 80 Prozent auf unter 50 Prozent zu drücken. Dies müsse innerhalb der nächsten 4 bis 5 Jahre geschehen, forderte Kelber.

Marktzugang behindert

Konkret schlug der im Fraktionsvorstand der SPD für Energiefragen zuständige Politiker vor, zukünftig alle für den Energiebereich relevanten Gesetze daraufhin zu überprüfen, ob sie die Marktzugangschancen kleinerer Konkurrenten behindern. Mit einem solchen "Monopol-TÜV" könne man sicherstellen, dass die Konzerne nicht wie bisher gegenüber kleineren Anbietern bevorzugt würden, so Kelber. Als Beispiel nannte er die Ausstattung der Firmen mit Verschmutzungsrechten beim Emissionshandel. Bisher bekommen etablierte Konzerne, die ihre Kraftwerke modernisieren, mehr Zertifikate als neue Anbieter, die Kraftwerke neu bauen. "Die Ministerien, insbesondere das Wirtschaftsministerium, müssen sicherstellen, zukünftig nicht mehr der Erfüllungsgehilfe der großen Stromkonzerne zu sein", verlangte Kelber.

Die SPD-Fraktion reagiert damit auf die Ankündigungen mehrerer Stromkonzerne, die ohnehin schon hohen Preise trotz steigender Gewinne erneut anheben zu wollen. Dies hatte unter anderem bei den Ländern scharfen Protest hervorgerufen. Einige Länder erwägen, die beantragten Preiserhöhungen nicht oder nicht in vollem Umfang zu genehmigen. Die Wirtschaft dagegen hatte die Preisrunden verteidigt und mit den gestiegenen Großhandelspreisen für Strom begründet.

Nach Ansicht der SPD können stabile Preise nur durch die Beseitigung der Marktmacht der vier großen Anbieter sichergestellt werden. Neben Änderungen beim Emissionshandel schlug Fraktionsvize Kelber auch den weiteren Ausbau von Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung und Erneuerbaren Energien vor. Die Kraftwerke beider Sparten werden oft von kleineren Anbietern betrieben. Dagegen dürfe es keine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken geben, da diese ausschließlich im Besitz der gegenwärtigen Platzhirsche auf dem Strommarkt seien. Auch müsse die staatliche Regulierung bei Strom und Gas noch effizienter werden als bisher, so Kelber.

"Unerträgliche Preistreiberei"

Auch der Verband der Energieverbraucher kritisierte die Preispolitik der Stromkonzerne scharf. Deren Vorsitzender Aribert Peters sprach von einer "unerträglichen und willkürlichen Preistreiberei". Die deutschen Haushaltskunden müssten zwischen 2,4 und 7 Cent je Kilowattstunde mehr zahlen als ihre europäischen Nachbarn. Der Vorstandschef von Europas größter Kupferhütte Norddeutsche Affinerie AG, Werner Marnette, warf den Versorgern Willkür vor. "Die Preistreiberei der 4 marktbeherrschenden Stromkonzerne ist für Privatverbraucher, Handwerk und Industrie unerträglich geworden."



N O R D S E E

Countdown für deutsches Wellen-Kraftwerk

Weil er so stark auf Atomenergie setzt, ist der Versorger EnBW bei Umweltschützern unbeliebt - an der deutschen Nordsee aber will er mit einem ökologisch nicht uninteressanten Projekt experimentieren: Strom aus Wellenkraft. Der Standort für die Anlage soll bis Oktober ausgewählt sein.

Aus:
Spiegel Online – 27. August 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert) von HOLGER SZYSKA. [Original]

HANNOVER (ddp/itz/stx/dpa/Reuters). Zwar befinde sich die Technologie zur Nutzung der Meeresenergie noch im Anfangsstadium, sagt EnBW- Sprecherin Friederike Eggstein. Doch die Standortsuche für den Bau des ersten deutschen Meeresenergie-Kraftwerks läuft. "Bis 2010 sollen das Kraftwerk in Betrieb gehen", fügt sie hinzu.

Der Sprecherin zufolge sind die Häufigkeit starker Wellen, die Wassertiefe und die Möglichkeiten zur Anbindung an das Stromnetz die entscheidenden Kriterien bei der Suche nach geeigneten Orten.

Das Land Niedersachsen sieht großes Potential und unterstützt die Pläne. "Das ist hochinnovativ, wir haben großes Interesse daran", sagt Andreas Beuge, Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Hannover. Deshalb kooperiert das Ministerium mit EnBW und ihrem Partner, der Voith Siemens Hydro Power Generation.

"Auf der Suche nach geeigneten Standorten stehen wir flankierend zur Seite", sagt Beuge. Niedersachsens Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) bezeichnete das Bundesland als "ideal" für das Projekt. Entlang großer Teile der niedersächsischen Küste zieht sich allerdings der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Projektpartner des geplanten Meeresenergie-Kraftwerks
Die Energie Baden- Württemberg (EnBW) mit Hauptsitz in Karlsruhe ist nach eigenen Angaben mit rund 5 Millionen Kunden das dritt- größte deutsche Energieunternehmen. Mit derzeit rund 17.800 Beschäftigten erzielte EnBW im vergangenen Jahr einen Umsatz von 10,8 Milliarden Euro. Die wichtigsten Geschäfts- felder sind Strom, Gas sowie Energie- und Umweltdienstleistungen.

Die Voith Siemens Hydro Power Generation mit Sitz in Heidenheim ist ein Gemeinschafts- unternehmen von Voith und Siemens im Bereich mechanisch- elektrische Ausrüstungen für Wasserkraftwerke.

Nach Unternehmensangaben wird ein Drittel der weltweit aus Wasserkraft gewonnenen Energie mit Turbinen und Generatoren der Firma erzeugt. Im Geschäftsjahr 2004/05 erwirtschafteten zirka 2600 Mitarbeiter einen Umsatz von 597 Millionen Euro.
Besonders die Wellenstärke ist für die Standortwahl von Bedeutung. Auf der Insel Islay an der schottischen Westküste stimmen die Bedingungen. Dort betreibt Voith Siemens mit einer Tochtergesellschaft seit dem Jahr 2000 nach eigenen Angaben das weltweit bislang einzige Wellenkraftwerk, das Elektrizität in ein kommerzielles Stromnetz einspeist. Eine Weiterentwicklung plant das Unternehmen auf der schottischen Hebrideninsel Lewis, wo die auf Islay eingesetzte Technik in eine Küstenschutzmauer integriert werden soll.

Die in Schottland erworbenen Kenntnisse will man auch an Niedersachsens Küste nutzen. Die Investoren sehen hier die Möglichkeit, das Meeresenergie-Kraftwerk mit Küstenschutzmaßnahmen oder Hafenentwicklungsprojekten zu verbinden.

EnBW und Niedersachsen kooperieren noch bei einem zweiten Vorhaben: Ein Salzstock soll für 75 bis 300 Millionen Euro zu einem unterirdischen Druckluftspeicher umgebaut werden. Hier will EnBW Energie aus unsteten Quellen wie etwa aus Windkraftanlagen zwischenspeichern. Auch bei diesem Vorhaben eines Speichers sprach Claassen von einem "Kraftwerk". Das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie ist bei der Prüfung unterirdischer Salzformationen behilflich.

"Beide Pilotprojekte sind zukunftsweisend und vereinen innovatorische Leistung in der Energietechnik mit unserem Bestreben, die erneuerbaren Energien konsequent weiter auszubauen", sagt der EnBW-Chef Utz Claassen. Er erhofft sich einen wichtigen Impuls für eine effiziente und klimaschonende Energieerzeugung. Dass EnBW das Projekt fern des eigenen Stammgebiets angeht, begründete Claasen mit den Worten: "Bei uns im Süden gibt's keine Küste."

Der Meeresenergie-Plan erscheint im Schatten von Kernkraft-, Kohle- und Gaskraftwerken allerdings bescheiden: Mit einer Leistung von 250 Kilowatt könnten rund 120 Haushalte durch das Wellenkraftwerk versorgt werden.



S T R O M -   U N D   G A S P R E I S E

Breite Front gegen Energieanbieter

Die Bundesnetzagentur greift durch – zumindest soweit sie kann. Im Kampf um niedrigere Energiepreise hat sie heute erneut die Netznutzungsgebühren, die Strom- und Gasunternehmen von Konkurrenten verlangen, gekappt. Ob die Kunden davon profitieren, ist höchst umstritten.

Aus:
Spiegel Online – 30. August 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

HAMBURG (ase/AP/dpa/ddp). Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, will Hoffnung machen: Die Entgelte, die Anbieter von Konkurrenten für die Nutzung ihrer Netze verlangen dürfen, hätten "signifikante" Auswirkungen auf die Strom und Gaspreise. Bei Strom machten sie fast ein Drittel, bei Gas immerhin 20 Prozent des Preises aus, erklärte der Behördenchef. Da hatte die Agentur gerade die vom Energieversorger E.on beantragten Tarife um rund 16 Prozent gekürzt. Bei allen großen deutschen Stomnetzbetreibern – neben E.on noch RWE, Vattenfall und EnBW – wurden damit die beantragten Gebühren gekappt.

Vattenfall muss die Entgelte, die der Konzern von Konkurrenten bei der Nutzung des eigenen Netzes verlangt, um 18 Prozent senken, RWE um 9 und EnBW um 8 Prozent. Bescheide für weitere 20 größere Stromnetzbetreiber stehen vor dem Abschluss. Auch im Gasmarkt griff die Behörde durch: Bei der E.on Thüringer Energie AG wurden 9,5 Prozent der beantragten Netzkosten nicht anerkannt. Bei der E.on Mitte AG, die Verbraucher in Hessen, Niedersachsen und Thüringen beliefert, wurden 11 Prozent der geltend gemachten Netzkosten nicht akzeptiert.

Damit hat die Bundesnetzagentur aber auch schon fast alles in ihrer Macht stehende getan, um die stetig steigenden Preise für Energie zu bremsen. Ob das reicht, um das rasante Anwachsen der Energiekosten zu stoppen, ist umstritten. "Die Senkung wird sich kaum in den Verbraucherpreisen niederschlagen", erklärt etwa der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters. Der Strompreis werde allenfalls in einer Größenordnung von 0,1 bis 0,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh) sinken, sagte er im ZDF-"Mittagsmagazin". Auch Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) warnte vor übertriebener Euphorie, die frühere nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) rechnet gar überhaupt nicht mit sinkenden Preisen. "Es ist abzusehen, dass sich die Unternehmen das Geld an andere Stelle wieder hereinholen."

Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) ist dagegen eine spürbare Entlastung möglich. "Beim Strom macht das knapp ein Cent pro Kilowattstunde aus", sagte VZBV-Energieexperte Holger Krawinkel der Nachrichtenagentur dpa. Für einen Haushalt mit 3 bis 4 Personen ergebe sich so eine Einsparung von etwa 35 Euro pro Jahr. Als erstes Bundesland stellte Hamburg seinen Bürgern heute ausdrücklich fallende Strompreise in Aussicht. "Für die Hamburger Stromkunden erwarte ich bereits in den nächsten Tagen Strompreiskürzungen um circa 2,5 Prozentpunkte", erklärte Wirtschaftssenator Gunnar Uldall. Allerdings haben viele Stromversorger bei den zuständigen Länderregierungen schon Preiserhöhungen zum 1. Januar 2007 beantragt. Die Länder hatten aber angekündigt, die Anträge sehr genau zu überprüfen und eventuell die Genehmigungen zu verweigern.

Verband warnt vor Investitionsstopp

Die Energieanbieter schimpfen unterdessen kräftig über die Bundesnetzagentur und drohen Verbrauchern und Behörde teilweise unverhohlen. Umsatzrückgänge im zweistelligen Millionenbereich seien zu erwarten, hieß es beim Verteilnetzbetreiber RWE Westfalen-Weser-Ems. Und die Kunden würden von dem Vorgehen nicht profitieren: Die Tarife für 2006 seien bereits gesenkt worden. Im Tarifpreisantrag zum Januar 2007 seien die gesenkten Netzgebühren ebenfalls in vollem Umfang berücksichtigt.

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) forderte mehr Zeit für die Unternehmen, die verfügten Kostensenkungen umzusetzen. "Kurzfristig können nur Einsparungen bei Personal und Investitionen erzielt werden, aber auch hier bestehen vertragliche Verpflichtungen", sagte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller.

Nach Darstellung des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) gleicht die Mehrwertsteuererhöhung im Januar die Kürzungen der Gebühren nahezu aus. Bundesnetzagentur und Politiker hätten den Verbrauchern zu viel versprochen, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Michael Schöneich.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erklärte, bei der Regulierung des Marktes bestehe weiterer Handlungsbedarf. "Die Strom- und Gasnetzentgelte sind zwar ein wichtiger Mosaikstein für die Bildung der Strom- und Gaspreise in unserem Land. Es sind aber dringend weitere Anstrengungen notwendig." Im Strombereich müssten neue Anbieter und auch neue Erzeuger eine Chance haben. Besonders unbefriedigend sei die Wettbewerbssituation im Gasbereich.



S T R O M P R E I S E

Energieriesen drohen Zwangsmaßnahmen

Scharfe Kritik an den Energiekonzernen: Dass in Deutschland die Tarife mit Hinweise auf die Weltmarktpreise angehoben werden, sei nicht nachvollziehbar, sagte Kartellamtspräsident Böge. Umweltminister Gabriel hatte vorgeschlagen, für mehr Wettbewerb Leitungsnetz und Energieerzeugung zu trennen.

Aus:
Spiegel Online – 3. September 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN (jaf/AP/AFP/rtr/dpa). Der Präsident des Bundeskartellamts, Ulf Böge, übte heute scharfe Kritik an der Preispolitik der Energiekonzerne. Deren Argumentation, dass die Gebühren wegen steigender Weltmarktpreise anzögen, sei nicht nachvollziehbar. In Deutschland erfolge die Stromerzeugung hauptsächlich mit heimischen Energieträgern, sagte Böge im Norddeutschen Rundfunk.

Umweltminister Sigmar Gabriel hatte in der Welt am Sonntag gefordert, die Regulierungsbehörde müsse dafür sorgen, dass neue Kraftwerke leichter an die Netze angeschlossen werden können. "Wenn das nicht gelingt, stellt sich die Frage, ob wir das Leitungsnetz von der Energieerzeugung trennen", sagte Gabriel.

Wie bisher könne es jedenfalls nicht weitergehen, erklärte der Minister und fügte hinzu: "Da dürfen wir auch keine Auseinandersetzung mit den großen Energieunternehmen fürchten." Letztlich sei ein stärker europäisierter Strommarkt notwendig, bei dem die Europäische Union eine starke Regulierungsfunktion haben müsse.

Gabriel rechnet in nächster Zeit nicht mit fallenden Strompreisen: Da zu wenig Wettbewerb herrsche, könnten die großen Konzerne ihre Preise durchsetzen. Gabriel sagte: "Solange der Markt monopolisiert ist, sind die Verbraucher wehrlos."

"Unerträgliches Verhalten"

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), warf den 4 großen Energiekonzernen ein "unerträgliches Verhalten" vor, mit dem sie der gesamten deutschen Wirtschaft schadeten. "Wann endlich kritisiert der Bundesverband der Deutschen Industrie diese Unternehmen, die zu Lasten der Wirtschaft ihre kurzfristigen Interessen verfolgen", erklärte Müller. Die Netze müssten allen Anbietern offen stehen, deshalb müsse es schnell zur so genannten Anreizregulierung kommen, wie sie von der Netzagentur vorgeschlagen werde.

SPD-Chef Kurt Beck drohte den Stromkonzernen mit mehr staatlicher Regulierung. Im Gegensatz zu Gabriel brachte er dabei aber eine stärkere Preisregulierung ins Gespräch: "Wenn die Konkurrenz nicht ausreichend zugelassen wird, damit sich die Preise ehrlich am Markt bilden können, müssen wir darüber nachdenken, den Preis wieder stärker zu regulieren", sagte er der Berliner B.Z.

Erst vor kurzem war die Bundesnetzagentur wegen des Anstiegs der Strom- und Gaspreise gegen die Energieriesen E.ON und RWE vorgegangen. Die Behörde schrieb den Konzernen vor, die geplanten Gebühren für die Nutzung ihrer Gas- und Stromnetze durch andere Versorger deutlich zu senken. Dadurch soll der Anstieg bei den Energiepreisen in Deutschland gebremst werden.

Die von der Bundesnetzagentur angeordnete Senkung der Netzdurchleitungsgebühren für Strom werde vollständig an die Stromkunden weitergegeben, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke, Roger Kohlmann, dem Magazin ZDF.umwelt am heutigen Sonntag. "Selbstverständlich wird das komplett weitergegeben. Ich gebe nur zu bedenken: Die Netzentgelte machen nur ein Drittel des gesamten Strompreises aus, und ich befürchte, dass die Senkungen durch die Mehrwertsteuererhöhung wieder aufgefressen werden."

Als Hauptgründe für die Strompreiserhöhungen der letzten Jahre nannte Kohlmann die in ganz Europa gestiegenen Erzeugungs- und Beschaffungskosten für Strom sowie den ebenfalls gestiegenen Abgaben- und Gebührenanteil am Strompreis.



G A S P R E I S E R H Ö H U N G E N

Verbraucherzentrale reicht Musterklage ein

Mit einer Musterklage gehen Verbraucherschützer gegen die steigenden Energiepreise vor. Bei Erfolg können Verbraucher auf Rückzahlungen hoffen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 7. September 2006, 12.36 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original=73252.asp]

DÜSSELDORF (tso/AFP). Die Verbraucherzentrale Nordrhein- Westfalen reichte eine Sammelklage gegen den Gasversorger RWE Westfalen-Weser-Ems ein. In dem Musterverfahren beim Landgericht Dortmund sollen die Grundlagen für Gaspreiserhöhungen rechtlich überprüft werden. Bei einem Erfolg der Klage gebe es "erstmals auch für Kunden, die Preiserhöhungen nur unter Vorbehalt gezahlt haben, rückwirkend aus Jahresrechnungen seit 2004 Geld zurück", betonte der Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, Klaus Müller. Womöglich könnten aber auch Verbraucher profitieren, die bislang noch nichts gegen die Gaspreiserhöhungen unternommen haben.

Mit der Musterklage soll den Verbraucherschützern zufolge gerichtlich geklärt werden, ob RWE Westfalen-Weser-Ems Preisänderungen allein mit der allgemeinen Rechtsverordnung begründen darf, oder ob es hierzu nicht vielmehr wirksamer Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen bedarf. Müller kritisierte, das Prinzip des freien Marktes funktioniere beim Gas nicht. Dies zeige die aktuelle Diskussion um Netzentgelte, fehlende Möglichkeiten zum Anbieterwechsel, missbräuchlich überhöhte Gas-Endkundenpreise sowie "restriktive Geschäftspraktiken zur Verteidigung von Monopolsituationen".

Auswirkungen auf alle Energieversorger erhofft

Selbstverständliche Spielregeln im Wettbewerb hätten "die ehemaligen Monopolisten bislang nicht gelernt", erklärte der Verbraucherschützer. So gebe es entweder gar keine oder aber unwirksame Preisanpassungsklauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen; Gaspreiserhöhungen würden zudem selbst auf ausdrückliches Verlangen der Kunden nicht nachvollziehbar begründet. Müller zufolge hatten sich in den vergangenen drei Monaten rund 400 Kunden bei der Verbraucherzentrale über diesen "Missstand" bei RWE Westfalen Weser Ems beklagt. Die Verbraucherzentrale NRW wählte nun 25 Fälle für die Sammelklage aus.

Nach Angaben der Düsseldorfer Verbraucherschützer sind zwar derzeit eine Reihe von Musterverfahren anhängig, in denen die Billigkeit von Preiserhöhungen gerichtlich geprüft wird. Von einem positiven Ausgang dieser Feststellungsklagen könnten jedoch unmittelbar nur Gaskunden profitieren, die die Zahlung von Preiserhöhungen verweigert hätten. "Erstmals strebt die Verbraucherzentrale NRW nun eine höchstrichterliche Klärung der Rechtslage auch für Verbraucher an, die sich gegen Gaspreiserhöhungen nur mit einer Vorbehaltserklärung oder überhaupt nicht gewehrt haben", betonte Müller mit Blick auf das Verfahren gegen RWE Westfalen-Weser-Ems. Von einem möglichen positiven Urteil erhofften sich die Verbraucherschützer "Initialwirkung für wirksame Allgemeinen Geschäftsbedingungen" aller Energieversorger.



H O H E   S T R O M P R E I S E

Kunden zahlen 26 Milliarden Euro zu viel

[Ed: hm, angesichts solcher Super-Abzockerei durch die Nicht-Marktwirtschaft muß wohl ernsthaft die gesetzliche Begrenzung der Unternehmens-Gewinne aus solchen Geschäften erwogen werden...]

Aus: DPA-Meldung, 6. Oktober 2006, 12.41 Uhr MESZ (Wirtschaft). [
Original]

BONN (dpa). Nach den aktuellen Berechnungen des Bundes der Energieverbraucher bezahlen Stromkunden in Deutschland jährlich 26 Milliarden Euro zu viel. Der Verband rief die Verbraucher zur Zahlungsverweigerung auf.

Diese Belastung könne nicht länger hingenommen werden, sagte Verbandschef Aribert Peters heute in Bonn. Die Berechnungen seien der Bundesnetzagentur, dem Bundeskartellamt und dem Bundeswirtschaftsministerium zugeleitet worden.

Die Stromkosten seien in Deutschland über alle Verbrauchergruppen betrachtet um etwa 5,2 Cent je Kilowattstunde (kWh) zu hoch. Eine Senkung der Strompreise um diesen Betrag würde weder die Versorgungssicherheit noch den Neubau von Kraftwerken beeinträchtigen, sagte Peters.

Die Regulierung der Netzentgelte durch die Netzagentur komme in Deutschland zu spät. Sie werde in absehbarer Zeit nicht in der Lage sein, die Preise auf ein angemessenes Niveau abzusenken und damit den Wettbewerb in Gang zu bringen. "Verbraucher und Wirtschaft in Deutschland wollen und können nicht noch Jahre auf faire Strompreise warten", sagte Peters.

Den Verbrauchern empfahl er, die verlangten Strompreise um 5 Cent je Kilowattstunde zu kürzen, bis der Versorger seine höheren Kosten nachgewiesen habe. Das Energiewirtschaftsgesetz schreibe eine kostengünstige Versorgung vor. Auch dürfte bis zum gerichtlichen Nachweis höherer Kosten die Stromversorgung bei einer Zahlungskürzung nicht eingestellt werden.



B L A C K O U T

Stromausfall für Millionen Menschen in Europa

Aus:
Heise-Newsticker, 5. November 2006, 11.32 Uhr MEZ (Energie). [Original]

EUROPA (jes/c't). In Deutschland und angrenzenden westeuropäischen Ländern ist am Samstagabend [4.11.2006] gegen 22.10 Uhr der Strom für 30 bis 60 Minuten ausgefallen. Ursache war nach ersten Analysen eine Panne im deutschen Netz. Mehrere Millionen Menschen waren betroffen, Hunderttausende allein in Nordrhein-Westfalen, entlang des Rheins, in Bayern, Hessen und Thüringen. In Frankreich hatten mindestens 5 Millionen Menschen in auseinander liegenden Teilen des Landes und in der Hauptstadt Paris kurzzeitig keinen Strom. Ebenfalls ohne Elektrizität blieben hunderttausende Haushalte im belgischen Flandern, im Osten Österreichs und im Norden Italiens. Auch auf einige Regionen Spaniens und sogar Marokkos soll die Panne Auswirkungen gehabt haben.

Pierre Bornard, Vorstandsmitglied des französischen Zulieferers RTE, machte in einer ersten Stellungnahme eine Panne bei 2 Hochspannungsleitungen mit jeweils 400.000 Volt in Deutschland für den Stromausfall verantwortlich. Sie habe ein Energiedefizit im Netz ausgelöst, worauf die Überwachungscomputer Teile des Verbundsystems abgetrennt und abgeschaltet hätten, um dem Zusammenbruch der Spannung vorzubeugen. Seiner Meinung nach sei Europa nur knapp einem Total-Blackout entgangen. Bornard sprach in diesem Zusammenhang von einer Kettenreaktion und einem Kartenhaus-Phänomen. Auch ein Sprecher des Netzbetreibers RWE Rhein-Ruhr bestätigte eine zu geringe Kraftwerksleistung im Netz als Ursache.

Bisher sind keine Berichte über Verletzte oder größere Schäden bekannt geworden. Zahlreiche Fahrgäste mussten aus stecken gebliebenen Fahrstühlen befreit werden, Züge blieben auf offener Strecke stehen, Passagiere der Kölner Rheinseilbahn mussten in luftiger Höhe ausharren, die Feuerwehr sei durch Fehlalarme von Brandmeldern beschäftigt worden, hieß es in Fernseh- und Presseberichten. Über Schäden durch ausgefallene Computersysteme, Server und Internetverbindungen ist bisher nichts berichtet worden. [mehr]



B L A C K O U T

EU-weiter Stromausfall

Der Luxus-Liner war Schuld – oder doch der Wind?

Aus:
Heise-Newsticker, 6. November 2006, 15.03 Uhr MEZ (Energie). [Original]

EUROPA (pmz/c't). Nach dem europaweiten Stromausfall am Samstagabend hat der Energiekonzern E.ON inzwischen die Verantwortung übernommen. E.ON-Energie-Vorstand Klaus-Dieter Maubach erklärte am heutigen Montag im Fernsehen, Ursache der Versorgungsstörung, von der mehr als 10 Millionen Menschen in Deutschland, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Österreich, Italien, Spanien, Portugal und selbst Marokko betroffen waren, sei das Abschalten einer Hochspannungsleitung im Emsland gewesen. Mit der temporären Außerbetriebnahme der Leitung hätten sich die Belastungen auf andere Leitungen verteilt, was später zu Überlastungen geführt habe.

Grund für das Abschalten der Starkstromleitung über der Ems war die geplante Durchfahrt des Luxus-Liners "Norwegian Pearl". Das größte jemals in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff sollte von der Papenburger Meyer-Werft in Richtung Nordsee überführt werden und kommt mit seinen insgesamt 15 Decks der 380.000-Volt-Leitung gefährlich nahe. Die Störungen traten nach Angaben des Sprechers von E.ON Netz, Christian Schneller, aber erst eine halbe Stunde nach der Abschaltung auf. Vermutet wird deshalb, dass ein fehlerhaftes Last-Management bei der Einspeisung von Strom aus Windkraft im Nordosten Deutschlands die Störungen entscheidend mit verursacht haben könnte.

Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium hatte am Wochenende mitgeteilt, am Sonnabend habe es eine erhöhte Einspeisung von Windkraft-Strom gegeben, im Gegenzug sei vermutlich die übrige Strommenge nicht ausreichend reduziert worden. Der Bundesverband Windenergie wies jedoch Vorwürfe zurück, schuld am Stromausfall zu sein. Am Samstag seien lediglich 30 Prozent der maximalen Kapazität geliefert worden. Die gelieferte Strommenge habe dem entsprochen, was aufgrund von Wetterprognosen zu erwarten gewesen sei.

Der jüngste "Mega-Blackout made in Germany" wirft unterdessen erneut ein schlechtes Licht auf die Stromversorger hierzulande. "Das Stromnetz ist marode, weil zu wenig investiert wird", erklärte der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters. "Wir fallen auf den Stand eines Entwicklungslandes zurück, wenn wir so weitermachen." Stromausfälle würden sich künftig häufen, wenn alles beim Alten bleibe. "Wir brauchen unbedingt eine unabhängige technische Überwachung des Stromnetzes – es kann nicht sein, dass die sich selbst kontrollieren", forderte Peters.

Nach Ansicht von Christoph Maurer, Oberingenieur am Aachener TH-Institut für elektrische Anlagen und Energiewirtschaft, sind die Unsicherheiten für den Netzbetrieb insbesondere durch den Stromhandel gestiegen. Aber auch die Einspeisung von Windenergie erhöht die Unsicherheiten – bei der Erzeugung von Strom aus Wind gibt es unvorhersehbare, schnell wechselnde Lastflüsse, zudem tritt eine hohe Konzentration von Stromeinspeisung in einem räumlich eng begrenzten Gebiet auf. Maurer geht davon aus, dass die Klärung der Ursachen für den Stromausfall noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Fakt sei aber, dass sich das europaweit zusammengeschlossene Netz von E.ON in drei separate Bereiche aufgetrennt habe. Normalerweise würden in dem synchron betriebenen europäischen Verbund Last und Erzeugung ausgeglichen. Nach der Aufspaltung in drei "Inseln" habe im Westen ein Erzeugungsmangel geherrscht. Vorschriftsmäßig habe ein sogenannter automatischer "Lastabwurf" eingesetzt, also die Abschaltung von Stromabnehmern.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verlangte von E.ON eine "rückhaltlose Aufklärung des Vorfalls und seiner Ursachen". Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) drängte die deutschen Konzerne zu einem forcierten Ausbau der Netze. E.ON, mit einem Umsatz von 56 Milliarden Euro größter privater Strom- und Gasversorger in Europa, erklärte, in den kommenden Jahren etwa 2,8 Milliarden Euro in die Verbesserung und den Ausbau des Stromnetzes in Deutschland zu stecken. Neue Herausforderungen entstünden beispielsweise durch die Einspeisung von Windkraftstrom. Die nächste Aufgabe muss E.ON schon heute Abend bewältigen: Dann nämlich soll die "Norwegian Pearl" die Meyer-Werft tatsächlich Richtung Nordsee verlassen. Der erste Auslauf-Versuch war nach Bekanntwerden der Probleme mit der Stromversorgung abgebrochen worden. [mehr] [Strom auf neuen Wegen]



B L A C K O U T

Stromausfall durch defekten Satelliten?

Experten suchen die genauen Gründe für den europaweiten Stromausfall vom Wochenende. Es gibt inzwischen eine Reihe von Verdachtsmomenten – wobei auch ein ausgefallener Satellit eine Rolle spielen soll.

Aus:
Berliner Morgenpost, 7. November 2006, 13.29 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN (morgenpost.de/AP/dpa/rtr). Probleme beim weltumspannenden Ortungssystem GPS könnten etwas mit dem Stromausfall zu tun haben, der am Samstagabend [4.11.2006] Millionen Haushalte in Europa im Dunkeln ließ. Das berichtete die „Thüringer Allgemeine“. GPS werde auch bei länderübergreifenden Strom-Überlandleitungen als Zeit-Referenzsignal eingesetzt, sagte der wissenschaftliche Direktor des Bundesamtes für Kartografie und Geodäsie, Georg Weber, der Zeitung. Nach Daten der US-Küstenwache sei am Samstag einer der GPS- Satelliten ausgefallen – von 16.17 bis 22.07 Uhr deutscher Zeit – also genau bis zum Zeitpunkt des Stromausfalls, hieß es.

Der Energie-Konzern E.on, in dessen Netz die Probleme begonnen hatten, kann bisher keine genauen Angaben über die Ursache machen. Es hieß lediglich, der Ausfall hänge wahrscheinlich unter anderem mit der Abschaltung einer Hochspannungsleitung im Emsland für die Durchfahrt des Kreuzfahrtschiffs „Norwegian Pearl“ zusammen. In der Nacht zum Dienstag [7.11.2006] wurde die Leitung für den zweiten Passage-Versuch des Schiffs erneut abgeschaltet. Probleme gab es diesmal nicht.

Die „Berliner Zeitung“ berichtete, die Abschaltung der Leitung am Samstag [4.11.2006] sei auf Bitten der Werft vorgezogen worden. Der Blackout hätte möglicherweise vermieden werden können, wenn sich E.on und die Werft an ihren ursprünglichen Zeitplan für die Überführung der „Norwegian Pearl“ gehalten hätten. E.on bestätigte, dass die Abschaltung ursprünglich für einen späteren Zeitpunkt in der Nacht zu Sonntag geplant war. „Sie ist deshalb aber nicht weniger gründlich vorbereitet worden. Auch die anderen Netzbetreiber waren informiert“, sagte E.on-Sprecherin Anja Chales de Beaulieu.

Laut „Berliner Zeitpunkt“ wären die Stromnachfrage und die Einspeisung von Windenergie in das Stromnetz in der Nacht geringer und die Bedingungen für die Abschaltung somit günstiger gewesen. Bei E.on könnte die Analyse noch einige Zeit in Anspruch nehmen: „Es wird gepuzzelt“, sagte die Sprecherin. Zurzeit würden riesige Datenmengen auf der Suche nach den Ursachen untersucht. „Sicher ist aber, dass die Abschaltung nur der Ausgangspunkt und nicht die alleinige Ursache des Netzausfalls war.“

Der Chef der Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler, wies Vermutungen zurück, nach denen hohe Mengen an Strom aus Windkraft im norddeutschen Netz den Blackout mit verursacht haben. „Eine solche Situation ist nichts Außergewöhnliches, und sie war keinesfalls die Ursache für den Blackout“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“. Es habe netztechnische Probleme gegeben. „Ob die Elektronen, die in den Hochspannungsleitungen transportiert werden müssen, aus Windkraftanklagen oder Kohlekraftwerken stammen, ist dabei völlig unerheblich“, sagte er.

Die Stabilität des Elektrizitätsnetzes hält Kohler trotz steigender Mengen Ökostroms für grundsätzlich nicht gefährdet. Voraussetzung sei unter anderem der Ausbau des Fernnetzes um rund 850 Kilometer, um den höheren Stromhandel im liberalisierten Energiemarkt und die wachsenden Windkrafteinspeisung bewältigen zu können. Die Stromkonzerne hätten entsprechende Planungen bereits vorgelegt.

Der Chef der Bundesnetzagentur Matthias Kurth warnte unterdessen vor vorschnellen Schuldzuweisungen an die Energiekonzerne. „Fakt ist, dass uns keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die Netzbetreiber Netze betreiben, die nicht zuverlässig und nicht sicher sind“, sagte Kurth der „Passauer Neuen Presse“. Vor allem Politiker hatten nach dem Stromausfall die Konzerne scharf kritisiert und höhere Investitionen in die Netze gefordert.

Der Stromausfall vom Wochenende und der vom vergangenen Jahr im Münsterland seien Einzelfälle, von denen man nicht auf den generellen Zustand der Stromnetze schließen könne. Derzeit prüfe die Bundesnetzagentur die Auswirkungen und Ursachen des Stromausfalls, sagte Kurth. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es daher noch zu früh, eine Aussage zur Ursache zu machen.“



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