Energiemarkt:  Strom & Gas – Teil 5 khd
Stand:  29.12.2005   (33. Ed.)  –  File: Energie/S+G/Strom_und_Gas_05.html



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A B Z O C K - G E W I N N E

Goldener Oktober

Top-Manager des Stromriesen RWE kassieren erneut millionenschwere Optionserlöse / Konzern: Kein Zusammenhang mit den Strompreisen

Wichtige Links:
  • Bundeskartellamt (Bonn).
  • Bund der Energieverbraucher e.V.
  • StromTip (Günstige Stromanbieter).
  • Verbraucherzentrale (VZBV Berlin).
  • Musterbrief (Gas).
  • Aus:
    Berliner Zeitung, 8. Oktober 2005, Seite ?? (Wirtschaft) von EWALD B. SCHULTE. [Original]

    BERLIN – 7. Oktober. Die Führungskräfte des Essener Energieriesen RWE können ihr Glück kaum fassen. Während Millionen Kunden in diesen Tagen von dem Versorger mit rasant steigenden Strom- und Gaspreisen konfrontiert werden, geht auf die Top-Manager des Konzerns [Ed: der reichlich Kraftwerke vom Typ „Top-Klimakiller“ betreibt] erneut ein wahrer Geldsegen von insgesamt 145 Millionen Euro nieder.

    Grund: Wegen der anhaltend hohen Notierung der RWE-Aktie wurden Anfang September Aktienoptionen werthaltig, die für das Geschäftsjahr 2001 an mehrere hundert leitende Angestellte ausgereicht worden waren. Bis zum Freitag hatten die Manager Zeit, die ihnen in zwei Tranchen zugeteilten 7,6 Millionen Bezugsrechte zu Stückwerten von 22 und 16 Euro zur Ausübung anzumelden. Damit können die üppigen Zusatzprämien nunmehr ausgeschüttet werden.

    Von diesem Programm am stärksten profitieren die schon 2001 bei RWE beschäftigten Vorstandsmitglieder. So verfügt Finanzvorstand Klaus Sturany aus diesem Programm über 120.000 Bezugsrechte. Die werden nun zum Stückpreis von 21,97 Euro realisiert, was dem Manager eine Zusatzprämie von 2,636 Millionen Euro einträgt.

    Noch deutlich höher dürften die Optionserlöse aus dem 2001-Programm für den damals amtierenden Vorstandschef und heutigen RWE-Aufsichtsrat Dietmar Kuhnt ausfallen. Wie berichtet, hatte Kuhnt, der zusätzlich zu seinen Aufsichtsrats-Tantiemen von 107.000 Euro von RWE eine üppige Altersversorgung von jährlich mehreren hunderttausend Euro bezieht, im Sommer bereits mit Bezugsrechten aus dem Jahr 2002 Kasse gemacht und dabei bereits einen Optionserlös von 1,5 Millionen Euro eingestrichen.

    Aber auch RWE-Power-Vorstand Jan Zilius und der Chef der Vertriebstochter RWE Energy, Berthold Bonekamp, können sich nicht beklagen: Ihnen wurden 2001 jeweils 80.000 Optionen zugeteilt, mit denen sie jetzt ein Zusatz-Salär von jeweils 1,75 Millionen Euro erlösen.

    Lediglich der heutige Konzernchef Harry Roels geht für das Jahr 2001 leer aus, weil er sein Amt erst im Jahr 2003 antrat. Grämen muss sich der Niederländer dennoch nicht. Denn wie die Berliner Zeitung bereits berichtete, hatte der RWE-Vorstandsvorsitzende doch erst Ende Juli bei der Realisierung von Aktienbezugsrechten aus dem Geschäftsjahr 2003 besonders kräftig zugelangt und mit einem Optionserlös von gut 5 Millionen Euro sein Grundgehalt von 4 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Zudem hat sich Roels für das Geschäftsjahr 2004 noch deutlich mehr Optionsrechte als für 2003 zuteilen lassen. Bricht der RWE-Aktienkurs nicht nachhaltig ein, kann der Niederländer, der mit seinem aktuellen Verdienst von mehr als 9 Millionen Euro ohnehin schon zu den bestbezahlten Managern in Deutschland zählt, im nächsten Jahr somit auf einen noch höheren Optionserlös hoffen.

    Bei den Juli-Zahlungen aus dem Optionsprogramm für 2003 sowie mit der Geltendmachung ihrer Bezugsrechte aus dem Jahr 2002 kamen auch Sturany, Zilius und Bonekamp schon in diesem Sommer in den Genuss üppiger Sonderzahlungen. Sturany brachte es dabei auf 3,493 Millionen Euro, Zilius auf 2,129 Millionen Euro und Bonekamp immerhin auch noch auf 1,175 Millionen Euro.

    Bei einem Grundgehalt von 2,5 Millionen Euro kommt Sturany damit in diesem Jahr auf einen Gesamtverdienst von 8,67 Millionen Euro. Zilius (Grundgehalt: 1,92 Millionen Euro) bringt es auf Gesamteinnahmen von 5,8 Millionen Euro, während sich der Jahresverdienst von Bonekamp (Grundgehalt: 1,4 Millionen Euro) auf 4,33 Millionen Euro beläuft.

    Die Optionsgeschäfte der RWE-Top-Manager vom Sommer dieses Jahres sind in der entsprechenden Statistik des Bundesamtes für Finanzdienstleistungsaufsicht noch minutiös aufgelistet. Grund: Bei diesen Transaktionen machten die Manager zumindest formal Geschäfte mit Aktien des eigenen Hauses. Sie durften die Wertpapiere – wie in den Options- Programmen festgelegt – zu vergünstigten Preisen erwerben, um sie dann prompt zum aktuellen, weitaus höheren Börsenkurs wieder zurückzugeben. Solche Transaktionen aber sind nach dem Wertpapierhandelsgesetz meldepflichtig [Ed: auch wurde nicht bekannt, daß die RWE-Manager inzwischen ihre ‚Abzock-Gewinne‘ dem WWF oder Greenpeace gespendet haben].

    Meldepflicht umgangen

    Nachdem die Millionen-Zahlungen vom Sommer in der Öffentlichkeit für erhebliche Irritationen gesorgt hatten, war der Konzern nunmehr offenkundig bemüht, das jetzt zusätzlich werthaltig gewordene Options- Programm 2001 möglichst ohne jedes weitere öffentliche Aufsehen abzuwickeln. Schriftlich informierte er seine Führungskräfte darüber, dass bei der Ausübung dieses Programms keinerlei Wertpapiere angefasst würden. Stattdessen habe sich der Konzern entschlossen, allen Begünstigten den jeweiligen Erfolgs- Abschlag diesmal in bar auszuzahlen. Damit aber ist RWE der Verpflichtung enthoben, diese Optionsgeschäfte der eigenen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Finanzdienstleistungsaufsicht zu melden, so dass sie auch nicht in die für jeden zugängliche Datenbank aufgenommen werden.

    Konzernsprecher Peter Dietlmaier, der der Berliner Zeitung zuvor im Grundsatz bestätigt hatte, dass das Options- Programm 2001 nunmehr werthaltig geworden sei, teilte auf Anfrage denn auch mit, dass RWE nicht publizieren werde, ob und in welchem Umfang Gremienmitglieder des Konzerns ihre aus diesem Programm resultierende Rechte wahrnehmen. Wie Dietlmaier weiter betonte, gebe es zudem keinen Zusammenhang zwischen den jetzt zusätzlich werthaltig gewordenen Aktienoptionen und der aktuellen Strom- und Gaspreispolitik des Konzerns. Zur Bedienung des 2001 aufgelegten Optionsprogramms seien bereits damals Rückstellungen in ausreichender Höhe gebildet worden.



    Das Gas der Gasag ist doch nicht billig

    Streit um Tarifvergleich von Wirtschaftssenator Wolf

    Aus:
    Berliner Zeitung, 8. Oktober 2005, Seite ?? (Berlin) von CHRISTINE RICHTER. [Original=490069.html]

    BERLIN. Der Berliner Gasversorger Gasag ist im bundesweiten Vergleich doch nicht so billig, wie es Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei.PDS) kürzlich im Abgeordnetenhaus behauptet hatte. Aus einem Preisvergleich, der Gaspreisdatenbank des WDR (www.gaspreistabelle.de), geht hervor, dass die Gasag von 632 Anbietern in Deutschland auf dem Platz 158 liegt – also im oberen Drittel.

    Wirtschaftssenator Wolf hatte erklärt, bundesweit seien nur 13 Anbieter günstiger als die Gasag. Der Senator zeigte sich zwar sehr verärgert über die Gaspreiserhöhung um 12 %, erklärte aber, dass man bedenken müsse, dass die Gaspreise in Berlin vergleichsweise günstig seien. Dies stimmt nur, wenn man bestimmte Kommunen miteinander vergleicht. Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Wirtschaft griff Wolf nämlich auf den so genannten Brennstoffspiegel zurück, der aber nur die Gasunternehmen in den großen und mittleren Städten aufführt. "Da ist der Vergleich mit Berlin aussagekräftiger", meinte dazu die Sprecherin des Wirtschaftssenators, Brigitte Schmidt. Außerdem habe es sich um Daten vor den bundesweiten Preiserhöhungen zum 1. Oktober gehandelt. Anhand der Gaspreistabelle lässt sich dagegen der aktuelle Stand nach den Tarifsteigerungen ermitteln, fand der Sender Fernsehen aus Berlin (FAB) heraus. Und danach verlangt die Gasag zwar weniger als die Stadtwerke in Leipzig oder Tübingen, aber doch mehr als in 474 anderen deutschen Kommunen. Verglichen wurden jeweils die Endpreise pro Jahr bei der Abnahme von 20.000 Kilowattstunden. Bei der Gasag beträgt der Preis demnach 1.179 Euro.

    "Die Zahlen sind richtig", sagte Gasag-Sprecherin Josette Honnef am Freitag [7.10.2005]. Es handele sich um den üblichen Tarif Vario II, allerdings biete die Gasag auch noch günstigere Tarife an. Wenn der Kunde einen Vertrag über 18 Monate abschließe und der Gasag eine Einzugsermächtigung erteile, dann erhalte er den Tarif Aktiv. Der Endpreis belaufe sich dann nur auf 1.118 Euro.

    Honnef wies darauf hin, dass auch die Zahlen des Wirtschaftssenators "nicht falsch" gewesen seien. Nach der Preiserhöhung habe sich Berlin "ein Stück verschoben". Der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz forderte Wolf auf, für mehr Transparenz bei den Gaspreisen zu sorgen.



    E.on lenkt im Gas-Streit ein

    Aus für langfristige Gas-Lieferverträge / Konzern erfüllt Forderungen des Kartellamts / Kunden vom Gasimporteur E.on Ruhrgas können ab sofort neue Gaslieferverträge mit deutlich kürzeren Laufzeiten abschließen. Das soll mittelfristig zu mehr Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt führen und zu niedrigeren Preisen.

    Aus:
    Berliner Morgenpost, 8. Oktober 2005, Seite ?? (Wirtschaft) von DANIEL WETZEL. [Original]

    DÜSSELDORF/BERLIN. Der größte deutsche Erdgas-Versorger, E.on Ruhrgas, will seinen Kunden ab sofort neue Gaslieferverträge mit deutlich kürzeren Laufzeiten anbieten. Deutschlands größter Gasimporteur erfüllt mit dieser "freiwilligen Selbstverpflichtung" nach langem Streit eine zentrale Forderung des Bundeskartellamts. Damit könnte es mittelfristig mehr Wettbewerb auf dem Gasmarkt und damit niedrigere Preise geben.

    Die Bonner Wettbewerbsbehörde hatte die zum Teil über 20 Jahre laufenden Verträge mit Stadtwerken und anderen Weiterverteilern als "Marktverschluß" bewertet, der neuen Anbietern keine Chance läßt. Gespräche über eine gütliche Einigung mit der Gaswirtschaft hatte Kartellamtspräsident Ulf Böge vergangene Woche abgebrochen. Er kündigte an, Lieferverträge dieser Art auch rückwirkend zu untersagen.

    Jetzt kommt Ruhrgas dem Kartellamt entgegen: Kunden, die mehr als 80 % ihres Erdgases von Ruhrgas beziehen, werde man nur noch zweijährige Lieferverträge anbieten, kündigte das Unternehmen an. Stadtwerke, die mehr als die Hälfte ihres Gases von Ruhrgas bezögen, würden maximal vierjährige Verträge bekommen. Diese Begrenzung der Vertragslaufzeiten war seit langem von Kartellamtschef Böge gefordert worden.

    Die neuen Vertragskonditionen weichen allerdings in einigen Punkten noch erheblich von den Vorstellungen des Kartellamts ab. Nach den Vorstellungen Böges darf Ruhrgas einem Stadtwerk, das das Unternehmen bereits mit mehr als 50 % seines Gasbedarfs beliefert, keine Angebote über die restlichen 50 % machen. Diese Forderung hätte zur Folge, daß ein teurerer Lieferant Restmengen liefern könne, die preisgünstigere Ruhrgas aber nicht. "Im Gegensatz zu den Vorstellungen des Kartellamts erhält unsere freiwillige Selbstverpflichtung dem Kunden die Vertragsfreiheit", erklärte E.on-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann.

    Die freiwillige Selbstverpflichtung seines Unternehmens sei "ein entscheidender Beitrag, mehr Wettbewerb in den Markt zu bringen", sagte Ruhrgas-Chef Bergmann der Berliner Morgenpost. "Wir sind nicht die Blockierer." Die Selbstverpflichtung habe ab sofort verbindlichen Charakter und werde allen Kunden unverzüglich zugestellt. Im Gegensatz zum Vertragsmodell des Bundeskartellamtes gebe Ruhrgas den Kunden "mehr Vertragsfreiheit bei Neuverträgen und mehr Vertrauensschutz in Bezug auf bereits laufende Verträge".

    Unmittelbare Auswirkungen auf die Gaspreise in Deutschland erwartet Bergmann nicht: "Das allgemeine Preisniveau hängt vor allem von den Entwicklungen auf den internationalen Energiemärkten ab." Jede Weiterentwicklung des Wettbewerbs in Deutschland könne sich zwar mittelfristig und indirekt auf die Preise auswirken, "aber Zeitpunkt und Ausmaß sind schwer vorherzusagen."

    "Insgesamt wird das Geschäft für uns jetzt risikoreicher", sagte der Ruhrgas-Chef. Während sich E.on Ruhrgas beim Gas-Einkauf im Ausland weiterhin langfristig bindet, müsse man sich auf der Absatz-Seite im Inland nun stärker auf mittelfristige Verträge stützen. Es sei nicht vorhersagbar wie sich "gestiegene Risiken einerseits und verschärfter Wettbewerb andererseits im Ergebnis auswirken werden".



    Ziviler Ungehorsam

    In immer kürzer werdenden Abständen erhöhen die Gasversorger ihre Rechnungen. Doch eine wachsende Zahl von Kunden weigert sich, den kruden Argumenten der Quasimonopolisten zu folgen – und zahlt einfach weniger. Eine neue Bürgerbewegung formiert sich.

    Hinweis auf:
    Der Spiegel – 41/2005, 10. Oktober 2005, Seite 108–110 (Wirtschaft) von NILS KLAWITTER. [Original]

    Entwicklung von Gas- und Öl-Preis seit 1998       <   Was unfähige Politik angerichtet hat:

    Die Entwicklung von Gas- und Öl-Preis seit 1998 für die Haushalte auf einem Markt ohne jeglichen Wettbewerb.

    Für den Vergleich zwischen Gas und Heizöl gilt wg. des unterschiedlichen Energie- Inhaltes ein Äquivalent von 33.540 kWh Gas = 3000 Liter Öl.

    Man beachte auch den enormen preislichen Abstand zwischen Gas-Einkaufspreis und Verkaufspreis.

    In Großbritannien, wo der Markt halbwegs funktioniert, bezahlen die Haushalte rund 40 % weniger für die Gasbelieferung. Es ist das Geheimnis der ‚EU-Regierung‘, wie es hierzulande zu einem derartigen Mißstand überhaupt kommen konnte. Die EU hätte den 2002 falsch handelnden Bundeswirtschaftsminister Clement (SPD) korrigieren müssen.
    [Musterbrief]     (Repro: 25.10.2005 – khd)



    Gaspreise steigen bundesweit weiter

    Energiebranche bereitet erneute Tarifanhebung um 10 % vor / Wettbewerbsvorstoß des Kartellamts bringt vorerst keine Entlastung

    Aus:
    Berliner Zeitung, 15. Oktober 2005, Seite ?? (Wirtschaft) von EWALD B. SCHULTE. [Original=491796.html]

    BERLIN – 14. Oktober. Millionen Haushalte in ganz Deutschland müssen sich darauf einstellen, dass ihre Gasbezugspreise Anfang 2006 erneut kräftig steigen werden. Nach Informationen der Berliner Zeitung bereiten sowohl die Gas-Endversorgertöchter des Eon-Konzerns (Eon Hanse, Thüga) als auch die des Essener Konkurrenten RWE (Süwag, Mitgas) entsprechende Schritte vor. Zwar hüllen sich die Unternehmen zur konkreten Dimension der Preiserhöhungen noch in Schweigen. Doch sind Branchenkreisen zu Folge erneut Preisanhebungen von gut 10 % im Gespräch.

    Musterbrief zur Aktion "Stopp den Gaspreis"
    Aus: B.Z., 1.11.2005, Seite 10 (Berlin).
    Per Einschreiben mit Rückschein

    GASAG – Berliner Gaswerke AG
    Reichpietschufer 60
    10785 Berlin

    Widerspruch gegen Gaspreiserhöhung gem. § 315 Abs. 3 BGB

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Sie kündigten an, Anfang 2006 den Gastarif erneut zu erhöhen. Damit bin ich nicht einverstanden. Ich halte diese Preiserhöhung gem. § 315 Abs. 3 BGB für unbillig. Außerdem sind diese Preise entgegen den Vorschriften in § 1 des am 13. Juli 2005 in Kraft getretenen Energiewirtschaftsgesetzes weder preisgünstig noch verbraucherfreundlich.

    Ich widerspreche daher der Preiserhöhung und werde die Erhöhung nur unter Vorbehalt der rechtlichen Nachprüfung zahlen.

    Sollte sich die Unrechtmäßigkeit der Erhöhung herausstellen, werde ich den Differenzbetrag zurückfordern.

    Ich fordere Sie auf, mir bis zum [Datum 14 Tage später] die Erforderlichkeit und Angemessenheit der Preiserhöhung durch nachvollziehbare und prüffähige vollständige Offenlegung der Unterlagen nachzuweisen.

    Auf die ergangenen Urteile des BGH vom 30.4.2003 (Az: VIII ZR 279/02) zu § 30 AVB und des Amtsgerichts Heilbronn vom 15.4.2005 (Az: 15 C 4394/04) weise ich ausdrücklich hin.

    Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieses Schreibens schriftlich.

    Mit freundlichen Grüßen

    Verteiler werben um Vertrauen

    Neben den Beteiligungsunternehmen der Energiekonzerne sind auch jene regionalen Versorgungsgesellschaften betroffen, die das Erdgas lediglich von den großen Ferngasgesellschaften beziehen. Denn nahezu alle Gas-Großhändler mussten bei ihren Importen während der vergangenen Wochen rasant steigende Einkaufspreise akzeptieren, die sie nun an ihre Kunden weiter geben. Vor diesem Hintergrund hatte die Berliner Gasag, die ihre Endkundenpreise erst zum 1. Oktober um knapp 12 % angehoben hatte, bereits erklärt, dass sie eine weitere Anhebung der Tarife zu Beginn des kommenden Jahres keinesfalls ausschließen könne.

    Ähnliches gilt für die die RWE-Verteilertöchter Westfalen Weser Ems (Dortmund) und die ostdeutsche Mitgas, bei denen die letzten Preiserhöhungen um mehr als 8 % wegen kartellrechtlicher Prüfungen mit einiger Verzögerung ebenfalls erst im Oktober in Kraft getreten sind.

    Zumindest im Eon-Konzern war man nach der kräftigen Preiserhöhung im Sommer noch davon ausgegangen, dass sich weitere Gaspreissteigerungen für diesen Winter vermeiden ließen. Bei dieser Kalkulation hatte die Ruhrgas allerdings noch einen halbwegs stabilen bis eher sinkenden Ölpreis unterstellt. Doch mit den verheerenden Hurrikan-Schäden im Golf von Mexiko stieg der Ölpreis weltweit. Wegen der in den langfristigen Importverträgen der Ferngasgesellschaften festgeschriebenen Bindung des Erdgas-Einkaufspreises an den Ölpreis schossen damit auch die Beschaffungskosten der Ruhrgas weiter in die Höhe. Deren Vorstandschef Burckhard Bergmann sah sich vor diesem Hintergrund veranlasst, die Ruhrgas-Kunden schon jetzt darauf hinzuweisen, dass sein Unternehmen die Gaslieferpreise zu Jahresbeginn erneut deutlich anheben müsse.

    Die Regionalversorger trifft dies zur Unzeit. Denn die Entwicklung des Gaspreises für Haushaltskunden, der allein in den letzten zwölf Monaten um durchschnittlich gut 17 % gestiegen ist, treibt bundesweit die Verbraucher auf die Barrikaden. Nachdem als erste die Kunden der Eon Hanse gegen die Tarifpolitik ihres Versorgers vor Gericht gingen, laufen jetzt gleich in mehreren Bundesländern Vorbereitungen für ähnliche Sammelklagen der Verbraucher auf Hochtouren.

    Um das Vertrauen ihrer Kunden wieder zu gewinnen, gehen daher Unternehmen wie die Stadtwerke Lünen oder die Dortmunder DEW ungewohnte Wege: Sie lassen – zum Teil in Kooperation mit der Verbraucherzentrale – unabhängige Wirtschaftsprüfer bestätigen, dass die neuerlichen Preisanpassungen allein auf ihre gestiegenen Gasbezugskosten zurück zu führen sind.

    Unterdessen räumte Kartellamtspräsident Ulf Böge ein, dass sein Vorstoß zur Öffnung des Gasmarkts für Wettbewerber keinesfalls automatisch zu niedrigeren Endverbraucherpreisen führen müsse.Kurzfristig seien durch die Abschaffung der Langfristverträge zwischen Ferngasunternehmen und Regionalversorgern und die Begrenzung der Liefermengen durch ein einziges Unternehmen sogar Preiserhöhungen möglich. Dieser Preisanstieg aber sei im Interesse einer mittelfristigen Intensivierung des Wettbewerbs auf dem Gasmarkt hinzunehmen.



    Gaspreise unter der Lupe

    Kartellamt und Monopolkommission setzen Energiekonzerne unter Druck / Tarife aller 700 Versorger sollen jährlich überprüft werden

    Aus:
    Berliner Zeitung, 22. Oktober 2005, Seite ?? (Wirtschaft) von THORSTEN KNUF. [Original=493731.html]

    BERLIN – 21. Oktober. Angesichts kräftig steigender Gaspreise erhöhen die Kartellämter und die Monopolkommission den Druck auf die deutsche Energiewirtschaft. Wie das Bundeskartellamt am Freitag in Bonn mitteilte, will es künftig einmal im Jahr gemeinsam mit den zuständigen Behörden der Länder penible Preiskontrollen bei sämtlichen 700 deutschen Gasversorgern vornehmen. Anhand dieser Daten soll geprüft werden, ob die Unternehmen ihre Marktstellung missbrauchen.

    Die Monopolkommission sprach sich dafür aus, auch die Kopplung des Gaspreises an den Rohölpreis in den Verträgen zwischen internationalen Gaserzeugern und den deutschen Ferngasgesellschaften unter die Lupe zu nehmen. "Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen ist anwendbar, wenn sich eine Auswirkung auf den Inlandsmarkt ergibt. Das ist bei Gasimporten eindeutig der Fall", sagte Monopolkommissions-Chef Jürgen Basedow der Berliner Zeitung. Die Kommission ist ein Expertengremium, das die Bundesregierung regelmäßig in Wettbewerbsfragen berät.

    Zahlreiche Stadtwerke und Regionalversorger hatten zuletzt mit Hinweis auf den Höhenflug an den internationalen Rohölmärkten ihre Gaspreise deutlich angehoben. Allein die rund 700 000 Kunden der Berliner Bewag müssen seit Anfang Oktober bis zu 12 % mehr für den Brennstoff bezahlen.

    Wie das Bundeskartellamt mitteilte, hat es gemeinsam mit den Landeskartellämtern einheitliche Standards und Fragebögen erarbeitet, mit denen künftig jeweils zum 1. November eines jeden Jahres die Gastarife der Versorger ermittelt werden sollen. Das gemeinsame Vorgehen erleichtere es, überhöhte Preise frühzeitig zu erkennen.

    Monopolkommissions-Chef Basedow will auch prüfen lassen, ob die Gas-Importverträge "mit dem deutschen und dem europäischen Wettbewerbsrecht vereinbar sind". Rechtlich sei es grundsätzlich auch möglich, gegen ausländische Gaserzeuger wie etwa die russische Gasprom oder die norwegischen Unternehmen Statoil und Norsk Hydro vorzugehen. Im Falle der Russen würde das zwar wahrscheinlich erhebliche diplomatische Verwicklungen provozieren. Anders sehe es aber bei den Norwegern aus. "Norwegen ist Teil des Europäischen Wirtschaftsraums, die Wettbewerbsvorschriften der Europäischen Union sind dort im Grundsatz auch anwendbar", sagte Basedow. Deutschland ist zu vier Fünfteln von Erdgasimporten aus dem Ausland abhängig. Russland und Norwegen sind dabei die Lieferanten.

    Das Kartellamt versucht zurzeit, langfristige Bezugsverträge zwischen Gasgroßhändlern wie Eon-Ruhrgas und den Stadtwerken zu unterbinden, um mehr Wettbewerb auf den heimischen Märkten durchzusetzen [Ed: was schon 1952 (!) ganz anderen nicht gelang].



    „Vergiftetes Klima zwischen Kunden und Anbietern“

    Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, über Gas- und Strompreise und über mehr Wettbewerb bei der Bahn.

    Aus:
    Der Tagesspiegel, Berlin, 24. Oktober 2005, Seite 16 (Wirtschaft). Das Gespräch führte A. WALDERMANN. [Zum Interview]



    S P Ä T E   E I N S I C H T

    E.on legt Kalkulation für Gaspreis offen

    Deutschlands größter Energieversorger E.on ist im Gerichtsstreit um massive Gaspreiserhöhungen eingeknickt. Das Tochter-Unternehmen E.on Hanse will als erster Gasanbieter die bisher streng geheime Berechnung der Preise offenlegen.

    Aus:
    Spiegel Online – 26. Oktober 2005, 19.14 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

    HAMBURG. Bei E.on versuchte man, die Entscheidung als Zugeständnis an die Kunden zu verkaufen: "Wir haben nichts zu verbergen. Wir wollen alle Zweifel an der Angemessenheit unserer Preise ausräumen", erklärte der Vorstandsvorsitzende des Tochterunternehmens E.on Hanse, Hans-Jakob Tiessen. Tatsächlich kommt der Energieanbieter mit dieser Erklärung nur einer sich abzeichnenden Niederlage vor Gericht zuvor.

    Im bundesweit ersten Sammelverfahren wegen überhöhter Gaspreise hatten Mitte September 52 Kunden des Energieversorgers vor dem Hamburger Landgericht geklagt. In einer vorläufigen Einschätzung hatte das Gericht danach erklärt, E.on müsse seine Gas-Bezugspreise sowie seine gesamte Preiskalkulation offen legen.

    E.on Hanse hatte seine Gaspreise seit Oktober 2004 drei Mal um insgesamt 25 % angehoben. Das Landgericht betonte, dass dieser Anstieg nicht allein mit dem Hinweis auf den hohen Ölpreis begründet werden könne. E.on Hanse hätte eine Monopolstellung, deshalb hätten die Kunden ein Anrecht darauf zu erfahren, wie der Preis zu rechtfertigen sei. Wie alle Gasunternehmen macht E.on die Höhe der Preise von den Ölpreisen abhängig.

    Mit ausschlaggebend für den plötzlichen Sinneswandel in dem Energiekonzern ist wohl auch ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von letzter Woche. Damit wurden die deutschen Stromnetzbetreiber zu mehr Offenheit bei der Festsetzung ihrer Preise verpflichtet werden und eine gerichtliche Überprüfung der Netzgebühren für zulässig erklärt. In Fachkreisen gilt es als sicher, dass Gerichte bei Gasleitungen ähnlich urteilen werden.

    Offiziell begründet E.on Hanse sein Einlenken freilich anders: "Unsere Kunden sollen uns vertrauen können", sagte ein Sprecher. Man nehme deshalb in Kauf, dass die Konkurrenten dadurch einen Wettbewerbsvorteil erhielten. Das Gericht hat E.on nun bis zum 21. November Zeit gegeben, den entsprechenden Schriftsatz einzureichen. Bis zum 8. Dezember soll das Urteil fallen, ob die Preissteigerungen, von denen 650.000 Kunden betroffen waren, zulässig sind.

    Der Verbraucheranwalt Joachim Bluhm, der die Hamburger Gaskunden vor Gericht vertritt, reagierte skeptisch auf die Ankündigung des Unternehmens aus dem E.on-Konzern. Er bezweifle, dass es die Angaben sein werden, die E.on schulde, sagte Bluhm. Das Unternehmen werde nicht von heute auf morgen seine Argumentation von Wettbewerbsnachteilen vergessen, die bei einer Offenlegung entstünden. "Aber ich lasse mich auch gerne überraschen."

    Die Energieversorger – darunter auch E.on Hanse – begründen die stark steigenden Gaspreise mit höheren Bezugskosten seitens der Lieferanten. Die Bezugspreise seien vertraglich an die Marktpreise anderer Energieträger gebunden. Diese Regelung schützt nach Ansicht der Unternehmen die Verbraucher, da die Lieferanten die Preise nicht beliebig in die Höhe schrauben könnten. Kritiker in den Verbraucherverbänden und im Bundeskartellamt halten diese Ölpreisbindung dagegen nicht mehr für zeitgemäß und gehen generell gegen langfristige Lieferverträge vor.



    BDI für längere Reaktor-Laufzeiten

    Gutachten prognostiziert mehr Arbeitsplätze und niedrigere Strompreise

    Aus:
    Berliner Zeitung, 27. Oktober 2005, Seite ?? (Wirtschaft) von EWALD B. SCHULTE (mit AP, Reuters). [Original=495136.html]

    BERLIN – 26. Oktober. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert von der neuen Bundesregierung eine Abkehr vom Atomausstieg. "Eine sichere, zuverlässige, umweltschonende und preiswerte Stromversorgung in Deutschland ist ohne die Kernenergie auf absehbare Zeit nicht denkbar", erklärte der BDI-Energieexperte Carsten Kreklau.

    Konkret sprach sich Kreklau für eine Verlängerung der derzeit auf durchschnittlich 32 Jahre begrenzten Reaktorlaufzeiten auf 40 bis 60 Jahre aus. Ausweislich einer vom BDI in Auftrag gegebenen Studie würden die Kosten der Stromerzeugung dadurch "erheblich" geringer [Ed: naja, weil die wahren Kosten der Atommüll- Beseitigung noch immer nicht von den Lobbyisten eingerechnet werden].

    So könnten bei einer Verlängerung der Laufzeiten für die derzeit betriebenen Kernkraftwerke auf 40 Jahre in der Stromwirtschaft rund 2,7 Milliarden Euro eingespart werden. Würden diese Kostenvorteile an die Verbraucher weiter gegeben, könnten die Strompreise im Jahr 2020 um bis zu 11 % niedriger liegen als bei einem Festhalten an dem von der rot-grünen Bundesregierung vor fünf Jahren mit der Wirtschaft vereinbarten Ausstiegsszenario. Bei einer Laufzeitverlängerung auf 50 Jahre lägen die Strompreise im Jahr 2030 um bis zu 24 % niedriger als nach der jetzigen Rechtslage.

    Kreklau zu Folge hätte die Änderung des Atom-Regimes auch beschäftigungspolitische Vorteile. Zwar müssten dann weniger neue Kraftwerke errichtet werden, doch stünden diesen vermiedenen Investitionen deutlich mehr Investitionen in anderen Branchen gegenüber, die durch das niedrigere Strompreisniveau erst ermöglicht würden. Bei einer Laufzeitverlängerung auf 40 Jahre beziffere die Studie den Arbeitsplatzeffekt bis 2020 auf 17.400 zusätzliche Stellen; bei 60-jährigen Laufzeiten wären es laut BDI bis zu 42.000 neue Arbeitsplätze.

    Breiter Energiemix gefordert

    In einem gemeinsamen Grundsatzpapier zur Energiepolitik hatten sich zuvor auch die Gewerkschaften IG BCE und Verdi zusammen mit den Atomkraftwerksbetreibern Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Europe dagegen ausgesprochen, einzelne Energieträger allein aus ideologischen Gründen aufzugeben. Zur Gewährleistung einer sicheren Energieversorgung sei einer breiter Energiemix, angefangen von der heimischen Braun- und Steinkohle bis hin zur Kernenergie, auch künftig unverzichtbar. Bei den Kernkraftwerken könne zudem auf eine zeitliche Laufzeitbegrenzung dann gänzlich verzichtet werden, wenn der Betrieb der Anlagen von der Vorlage entsprechender Sicherheitsnachweise abhängig gemacht werde. Zugleich forderten die Autoren die Wiederaufnahme der Erkundungsarbeiten am Salzstock Gorleben zur Errichtung eines Endlagers für abgebrannte Reaktor-Brennstäbe sowie die rasche Inbetriebnahme des Schachts Konrad als Endlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll.

    Nach einem Bericht der Zeit erwartet der RWE-Konzern für den Fall, dass sich die Koalitionsunterhändler nicht auf längere Reaktorlaufzeiten verständigen, bis zur nächsten Wahl 2009 für bis zu 5 Atommeiler Anträge auf die Übertragung von Reststrommengen neuerer Reaktoren, um so die Laufzeit dieser alten Meiler zu verlängern. Diese Möglichkeit zu einer über die Regel-Laufzeit von 32 Jahren hinaus gehenden Nutzung einzelner Kraftwerke hatte die rot-grüne Regierung den Unternehmen im Energiekonsens von 2000 ausdrücklich zugestanden. [Kommentar]



    Politik unter Strom

    Ohne Mandat: Die Energiekonzerne mischen sich in die Koalitionsverhandlungen ein

    Aus:
    Der Tagesspiegel, Berlin, 28. Oktober 2005, Seite 8 (Meinung) von HARALD SCHUMANN. [Original]

    Wer regiert eigentlich Deutschland? Vom Volk gewählte Politiker oder von Aktionären gewählte Manager? Diese Frage ist, wenn es um Energiepolitik geht, durchaus berechtigt. Das demonstrieren derzeit mal wieder die Fürsten des deutschen Stromoligopols der Unternehmen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW, Sie betreiben die 17 verbliebenen deutschen Atomkraftwerke, deren schrittweise Stilllegung bis zum Jahr 2023 schon seit 2002 gesetzlich festgelegt ist.

    Daran sollte eigentlich auch das Wahlergebnis nichts ändern. Denn die von der Union erhobene Forderung nach einer Verlängerung der Laufzeiten hat definitiv keine Mehrheit bei den Wählern. Sie hätte wohl auch bei den laufenden Koalitionsverhandlungen mit der SPD keine Chance, gäbe es da nicht eine wüste Drohung der Atomstromer: Bleibe es bei den verkürzten Laufzeiten, dann werde man die künftige Regierung mit Anträgen auf die Umschichtung von Reststrommengen von jüngeren auf ältere Urankraftwerke unter Druck setzen, erklärte der RWE-Konzern. Um also die in 2008 anstehende Abschaltung des noch in den 60ern konstruierten AKW Biblis A zu verhindern, würde RWE die Verkürzung der Laufzeit des erst 16 Jahre alten Meilers im westfälischen Lingen in Kauf nehmen. Mit anderen Worten: Die Sicherheit ist egal, vielmehr soll ein Dauerstreit in der Koalition erzeugt werden. Denn über die unsinnigen Anträge muss laut Gesetz stets einvernehmlich zwischen Kanzleramt sowie Wirtschafts- und Umweltministerium entschieden werden.

    Zur Begründung für den Erpressungsversuch führen die Betreiber vorrangig an, das Festhalten am Atomstrom "stabilisiere" die Strompreise. Richtig daran ist, dass der Saft aus den längst abgeschriebenen deutschen Atommeilern mit rund 1,7 Cent pro Kilowattstunde nur halb so viel kostet, wie er im Großhandel einbringt. Richtig ist aber auch, dass die Verbraucher davon gar nichts haben, weil es bislang keinen Wettbewerb auf dem Strommarkt gibt. Wo sämtliche Fernleitungen und Grenzübergänge zum EU-Markt in der Hand von nur vier Unternehmen liegen, haben neue Wettbewerber keine Chance. Darum liegen Deutschlands Strompreise – auch ohne Steuern – im EU-Vergleich ganz oben, ebenso die Aktienkurse der Begünstigten. Insofern würden längere Atomlaufzeiten lediglich noch einmal mehr als 20 Milliarden Euro in die heute schon prall gefüllten Konzernkassen spülen.

    Genauso unsinnig ist die Hoffnung, der aufgeschobene Atomausstieg könne helfen, das Klima zu schützen. Tatsächlich sind es gerade die großen Vier, die seit Jahren alle klimafreundlichen Alternativen wie Erdgas-, Blockheiz- und Windkraftwerke mit aller Macht blockieren. Längere Laufzeiten für ihre nuklearen Gelddruckmaschinen würden also genau die Strukturen zementieren, die einem zukunftsfähigen Umbau der Energieversorgung im Wege stehen. Dagegen bietet gerade der gut planbare Ersatzbedarf für die Atomkraft die Chance, den Alternativen zum Durchbruch zu verhelfen und so möglichst bald auch die besonders klimaschädliche Braunkohleverstromung zu überwinden.

    Folglich tun die Koalitionäre in spe gut daran, sich offensiv der dreisten Einmischung der Stromlobby entgegenzustellen. Andernfalls machen sie sich lächerlich.



    Teurer Strom bringt Vattenfall Gewinn

    Deutsche Tochter des schwedischen Energiekonzerns hat 40 % mehr in der Kasse.

    Aus:
    Der Tagesspiegel, Berlin, 28. Oktober 2005, Seite 19 (Wirtschaft) von ANSELM WALDERMANN. [Original]

    BERLIN (Tsp). Die hohen Strompreise haben dem schwedischen Energiekonzern Vattenfall zu einem starken Umsatz- und Gewinnsprung verholfen. Allein die deutsche Tochter Vattenfall Europe mit Sitz in Berlin kam in den ersten 9 Monaten dieses Jahres auf Erlöse von 8,8 Milliarden Euro – das sind rund 23 % mehr als im gleichen Zeitraum 2004. Das Betriebsergebnis kletterte sogar um 40 % auf 810 Millionen Euro. Als Grund für die hohen Wachstumsraten nannte der Konzern "die gestiegenen Großhandelspreise auf dem deutschen Markt".

    An der Leipziger Energiebörse EEX hatte sich Strom im Lauf dieses Jahres erheblich verteuert. So kostet eine Megawattstunde Grundlast derzeit rund 50 Euro. Im Januar waren es noch 30 Euro. Da Vattenfall Europe einen Teil seiner eigenen Stromerzeugung an der Börse verkauft, konnte der Konzern erheblich von den Preissteigerungen profitieren. Nach Eon und RWE ist Vattenfall Europe der drittgrößte deutsche Stromkonzern. Er ist neben Hamburg vor allem in Ostdeutschland aktiv und gilt dort als der größte private Arbeitgeber. Auch die Berliner Bewag gehört zu Vattenfall. Ab kommendem Januar soll sie den Namen des Mutterkonzerns übernehmen.

    Die genauen Ergebnisse für Deutschland wird Vattenfall erst in einigen Wochen bekannt geben. Detailliert hat der Konzern bisher nur die Geschäftszahlen der schwedischen Mutter veröffentlicht. Diese kam in den ersten 9 Monaten des Jahres auf einen Nettoumsatz von rund 92 Milliarden schwedischer Kronen (9,8 Milliarden Euro) – ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 13 %. Das um Sondererlöse bereinigte Betriebsergebnis verbesserte sich im selben Zeitraum um 22 % auf 17,5 Milliarden Kronen (1,9 Milliarden Euro).

    "Dabei sind die Verbesserungen vor allem in Deutschland sehr, sehr gut ausgefallen", sagte Konzernchef Lars Josefsson. Von der gesamten Stromerzeugung des Unternehmens entfallen mittlerweile 46 % auf Deutschland, 32 % auf Polen und nur noch 22 % auf Skandinavien.

    Neben den hohen Strompreisen führte das Unternehmen den Ergebniszuwachs auf einen höheren Wasserkraftanteil in der Erzeugung zurück. Vattenfall wies ausdrücklich darauf hin, dass die vorliegenden Zahlen nach den internationalen Bilanzierungsstandards (IFRS) ermittelt wurden. Für die deutsche Tochter könnten sich daher nach hiesigen Standards noch andere Zahlen ergeben.



    Gasag will schon wieder Preise erhöhen

    Höhere Tarife zum dritten Mal innerhalb eines Jahres

    Aus:
    Berliner Zeitung, 31. Oktober 2005, Seite ?? (Berlin) von JÖRG MICHEL und TOBIAS MILLER. [Original=496461.html]

    BERLIN. Der Gasversorger Gasag hat eine weitere Preiserhöhung angekündigt – und sich dadurch großen Ärger mit der Bundesregierung und dem Senat eingehandelt. "Eine weitere Erhöhung des Gaspreises ist völlig ungerechtfertigt", sagte Umweltschutz- und Verbraucherminister Jürgen Trittin (Grüne) am Sonntag der Berliner Zeitung. Hier nutze ein regionaler Versorger seine Monopolstellung aus. "Ob bei Gas oder Strom – es ist höchste Zeit für mehr Wettbewerb in den Versorgungsnetzen." Betroffene Kunden sollten eine weitere Preisrunde nicht widerstandslos hinnehmen. "Ich empfehle den Verbraucherinnen und Verbrauchern, Einspruch einzulegen", so Trittin.

    Auch Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei.PDS) reagierte mit Unverständnis: "Die Gasag wäre gut beraten, wenn sie ihre Preiskalkulation transparent machen und offen legen würde." Er könne zwar verstehen, dass das Unternehmen die Kalkulation aus Wettbewerbsgründen nicht in der Zeitung sehen will. Aber gegenüber der Preisprüfungsbehörde in seiner Verwaltung könne die Gasag darstellen, wie der Preis zu Stande kommt. Er würde schon gerne wissen, wie er sich zusammensetzt, sagte Wolf.

    Verbraucherschützer klagen

    Wichtige Links:
  • Bundeskartellamt (Bonn).
  • Bund der Energieverbraucher e.V.
  • StromTip (Günstige Stromanbieter).
  • Verbraucherzentrale (VZBV Berlin).
  • Musterbrief (Gas).
  • Gasag-Chef Georges Hoffmann hatte am Wochenende angekündigt, dass sein Unternehmen zum Beginn des kommenden Jahres voraussichtlich abermals die Gas-Tarife erhöhen wird. Wie stark die Preise steigen sollen, sagte er nicht. Die jüngste Preisrunde bei der Gasag liegt nicht einmal einen Monat zurück: Seit Anfang Oktober müssen die rund 700.000 Kunden in Berlin bis zu 12 % mehr für den Brennstoff zahlen. So wie andere Gasversorger auch verweist das Unternehmen auf den Höhenflug an den internationalen Rohölmärkten. Der Gaspreis ist an den Ölpreis gekoppelt. Wird Öl teurer, steigt mit einigem Zeitverzug auch der Gaspreis an den Beschaffungsmärkten und bei den Kunden. Wird Öl billiger, sinkt auch der Gaspreis [Ed: was meist nicht passiert].

    Mit einem Einspruch können sich Verbraucher wehren: In mehreren Großstädten gehen Verbraucherschützer bereits vor Gericht gegen die Preispolitik der Gasversorger vor. Eine Sammelklage der Berliner Verbraucherzentrale gegen die Gasag wird in etwa 2 Wochen erwartet. In Hamburg konnte die dortige Verbraucherzentrale bereits einen ersten Erfolg verbuchen. Sollten die Klagen abschließend Erfolg haben, können Kunden womöglich Geld zurückverlangen – sofern sie rechtzeitig Einspruch gegen die Gaspreiserhöhung eingelegt und ihre Rechnung nur unter Vorbehalt gezahlt haben. [Musterbrief]



    EON: Von hohen Strompreisen profitiert

    [Ed: das Ergebnis der von Rot-Grün geförderten Energie-Abzocke in Zahlen]

    Aus:
    Der Tagesspiegel, Berlin, 11. November 2005, Seite 21 (Wirtschaft).

    DÜSSELDORF (rtr). Dank der hohen Strompreise hat der Energiekonzern EON seien Betriebsgewinn in den ersten 9 Monaten 2005 gesteigert. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen weiter mit einem Rekordergebnis. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg im Zeitraum von Januar bis September um 7 % auf 5,52 Milliarden Euro, wie Deutschlands größter Energieversorger mitteilte.

    Der Nettogewinn kletterte vor allem dank Erträgen aus Beteiligungsverkäufen um 61 % auf 6,39 (Vorjahreszeitraum 3,96) Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte verdiente EON im zentraleuropäischen Stromgeschäft. Das Gasgeschäft stagnierte.



    EON-Hanse plant weitere massive Erhöhung der Gaspreise

    Aus:
    Spiegel-Pressemeldung – 12. November 2005, 10.32 Uhr MEZ zum Artikel "E.on langt kräftig zu" im SPIEGEL – 46/2005, 14. November 2005, Seite 61 (Trends).

    HAMBURG. Ungeachtet heftiger öffentlicher Proteste plant der Energiekonzern E.on-Hanse eine weitere massive Erhöhung der Gaspreise. Wie aus firmeninternen Unterlagen hervorgeht, soll der Preis für die rund 500.000 Privatkunden in und um Hamburg nächstes Jahr in 2 Schritten um 0,9 Cent pro Kilowattstunde angehoben werden. Das entspricht einer Steigerung von rund 20 %.

    Besitzer von Einfamilienhäusern mit einem Verbrauch von etwa 34.000 Kilowattstunden müssen sich dann auf Bruttomehrkosten von rund 350 Euro pro Jahr einstellen. Für Normalabnehmer mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden wären es immer noch über 200 Euro mehr, die sie an den wegen seiner Abrechnungspraxis umstrittenen E.on-Ableger überweisen müssten. Begründet wird die ungewöhnlich starke Tariferhöhung mit gestiegenen Einkaufspreisen für Gas.

    Möglicherweise wird E.on sogar die für Januar und April geplanten Erhöhungen zusammenzufassen und den Preis bereits zum 1. Januar 2006 um volle 20 % anheben. Darüber, heißt es in dem Bericht, sei noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

    Mitarbeiter vermuten, dass E.on zunächst den Ausgang des schwebenden Verfahrens vor dem Landgericht Hamburg abwartet. Dort hatten aufgebrachte Kunden schon gegen die letzte Preiserhöhung des Energiemonopolisten geklagt und einen Teilerfolg errungen. Das Gericht forderte E.on auf, seine Preiskalkulation bis Mitte November offenzulegen.



    S T R E I T   U M   E N E R G I E P R E I S E

    Internes Controlling weist E.on Abzocke nach

    Der umstrittene Energielieferant E.on wird am Montag seine Gaspreiskalkulation vorlegen, mit der das Unternehmen seine Preiserhöhungen rechtfertigen will. Doch interne Controlling-Berichte lassen an der Rechnung zweifeln.

    Aus:
    Spiegel-Pressemeldung – 19. November 2005, 17.42 Uhr MEZ zum Artikel "Was Helga nicht wissen darf" im SPIEGEL – 47/2005, 21. November 2005, Seite 72–74 (Wirtschaft) von FRANK DOHMEN.

    HAMBURG. Der umstrittene Gasversorger E.on Hanse wird am Montag [21.11.2005] seine Gaspreiskalkulation vorlegen. Nach den Berechnungen, die dem SPIEGEL vorliegen, hat das Unternehmen im Jahr 2004 mit Privatkunden einen Vorsteuergewinn von 17,32 Millionen Euro
     

    „Interne Rechnungen des Unternehmens wecken den Verdacht, daß sich die Preise beliebig manipulieren lassen – und die Gaskunden tatsächlich zu viel bezahlen.“


    Schreibt der SPIEGEL auf Seite 8 im Teaser zum Artikel.

    erwirtschaftet. Im Jahr 2005 fiel lediglich ein Vorsteuergewinn von 8,44 Millionen Euro an. E.on begründet die relativ geringen Erlöse mit hohen Gasbezugskosten und aufwendigen Netzunterhaltskosten und kommt zu dem Schluss, dass die Gaspreiserhöhungen der Vergangenheit gerechtfertigt waren.

    Dem SPIEGEL vorliegende Berechnungen der E.on-Hanse- Controlling-Abteilung nähren genau daran erhebliche Zweifel. Für den internen Gebrauch haben Controller darin aufgelistet, welche Kosten das Landgericht Hamburg, vor dem sich E.on Hanse zurzeit wegen zu hoher Gaspreise verantworten muss, möglicherweise in Frage stellen könnte. Danach sind den Privatkunden in der E.on-Kalkulation Kosten im hohen zweistelligen Millionenbereich zugeordnet worden, die sie möglicherweise gar nicht zu tragen hätten.

    Konkret genannt werden beispielsweise zu hohe Preise bei der Berechnung der Gasspeicher oder die Aufschlüsselung der Vertriebskosten zwischen Industrie- und Privatkunden. Sollte die Berechnung der Controller sich als richtig herausstellen, würde das aktuelle errechnete Ergebnis von E.on Hanse im Privatkundenbereich um rund 50 Millionen Euro höher ausfallen, was auf den anstehenden Gerichtsprozess wohl negative Auswirkungen hätte.

    E.on selbst bestreitet die internen Berechnungen von Ende Oktober nicht. Nach Darstellung des Unternehmens habe es sich dabei jedoch um eine Art "Diskussionspapier" gehandelt. Die Controlling-Abteilung sei aufgefordert worden, die damals vorliegende Kalkulation auf mögliche Einwände, auch unsinnige, zu untersuchen.

    Die anschließende Prüfung habe dann ergeben, dass einige Punkte gerechtfertigt waren. Diese habe man in die aktuelle Berechnung übernommen. Andere Anmerkungen hätten sich als falsch herausgestellt und seien deshalb nicht berücksichtigt worden. Das nun vorgestellte Ergebnis, so E.on, sei insofern "völlig korrekt".



    Gasbranche rechtfertigt hohe Preise

    Eon-Konzern beginnt mit Offenlegung seiner Tarif-Kalkulation / Verbraucherschützer halten Daten nur für bedingt aussagekräftig

    Aus:
    Berliner Zeitung, 22. November 2005, Seite ?? (Wirtschaft) von THORSTEN KNUF und EWALD B. SCHULTE. [Original]

    BERLIN/QUICKBORN. Im Streit um hohe Gaspreise versucht der Düsseldorfer Energieriese Eon einen Befreiungsschlag: Das norddeutsche Tochterunternehmen Eon Hanse legte am Montag als erster deutscher Versorger Details seiner Preis-Kalkulation offen, um den Abzocke- Vorwürfen von Kunden und Verbrauchern zu begegnen. Eon Hanse versorgt rund 500.000 Kunden im Großraum Hamburg. Sämtliche anderen Gasvertriebs-Töchter des Eon-Konzerns wollen den Schritt des Quickborner Versorgers nachvollziehen. Eon will auf diese Weise verlorenes Vertrauen bei seinen Kunden in ganz Deutschland wiedererlangen. Andere Gasversorger wie etwa die Berliner Gasag kommen unter Zugzwang. Diese Fragen stellen sich für den Verbraucher:

    Was genau hat Eon Hanse offen gelegt?

    Das Unternehmen zeigt, wie sich der Preis für eine Kilowattstunde Erdgas im typischen Haushaltstarif im vergangenen und im laufenden Jahr zusammengesetzt hat [Ed: siehe Tabelle]. Nach Auffassung von Eon Hanse belegen die Daten, dass die Gaspreis- Erhöhungen dieses Jahres vor allem auf stark gestiegene Beschaffungskosten zurückgehen und die Gewinnspanne des Unternehmens selbst rückläufig ist. Eon Hanse betont, dass die Werte von unabhängigen Wirtschaftsprüfern testiert worden seien [Ed: aber das Publikum hat aus dem Berliner Banken-Skandal gelernt, daß auch Testate renommierter Wirtschaftsprüfer wenig bedeuten]. Einen detaillierten Schriftsatz mit den geprüften Daten habe das Unternehmen beim Hamburger Landgericht eingereicht. Einblick in diese Unterlagen erhalten die Verbraucher aber derzeit noch nicht.

    Warum hat Eon Hanse die Daten überhaupt publiziert?

    Mit dem Schritt kommt das Unternehmen einer möglichen Aufforderung des Hamburger Landgerichts zuvor. Eon Hanse war wie kein anderer Gasversorger wegen der hohen Gaspreise unter Druck geraten. Zwei Preissenkungen auf den Gas- Beschaffungsmärkten, die aus rückläufigen Erdölpreisen resultierten, hatte Eon Hanse Ende 2003 und Anfang 2004 nicht in Form sinkender Gas-Haushaltstarife an die Kunden weitergegeben. Als die Preise auf der Ferngasstufe dann wieder anzogen, schlug Eon Hanse die Mehrkosten jedoch prompt auf die Endkundenpreise auf. Nach insgesamt 3 Preiserhöhungen zogen Kunden mit einer Sammelklage vor Gericht. Sie bezweifeln, dass diese Anhebungen der Gas-Haushaltstarife angemessen sind. Im September forderte das Landgericht Eon Hanse auf, die Kalkulation offen zu legen.

    Ist die notwendige Transparenz der Preise jetzt vorhanden?

    Es gibt zumindest mehr Transparenz, was die Zusammensetzung des Gaspreises für die Haushaltskunden von Eon Hanse angeht. Unterstellt man, dass die gemittelten und testierten Werte stimmen, so kann der Kunde nachvollziehen, wie hoch die enthaltenen staatlichen Abgaben sind und wie sich die Entwicklung der Erdgas-Beschaffungskosten auf den Kilowattstundenpreis auswirkt.

    Was ist nicht deutlich geworden?

    Nur teilweise enthüllt hat Eon Hanse die Marge, die das Unternehmen verdient. Offen gelegt wurde nämlich nur der Vertriebsgewinn, der im Jahr 2005 auf gerade mal noch 1 % des Endkundenpreises und damit auf eine nicht mehr auskömmliche Größenordnung geschrumpft sei. Bedeckt hielt sich Eon Hanse hingegen bei den – durchaus beträchtlichen – Gewinnen aus dem Betrieb des eigenen Gasnetzes.

    Ziehen andere Versorger nach?

    Die übrigen Eon-Gastöchter wollen dem Schritt ohnehin folgen. Andere Versorger werden womöglich von den Gerichten zur Offenlegung gedrängt. Denn auch in anderen Bundesländern haben Kunden gegen ihre Gas-Lieferanten geklagt. Sammelklagen gibt es in Brandenburg, Thüringen und Sachsen. Auch in Berlin will die Verbraucherzentrale in Kürze eine Sammelklage von Gaskunden einreichen. Die Berliner Gasag ist zur Offenlegung ihrer Kalkulation ebenfalls bereit. "Wir werden das bis spätestens Ende Januar öffentlich machen", sagte ein Sprecher.

    Was sagen Verbraucherschützer?

    Ihnen reichen die Daten nicht aus, die Eon Hanse veröffentlicht hat. "Die Verbraucher müssen mehr wissen", sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher. Nach seiner Auffassung sind die veröffentlichten Zahlen nicht differenziert genug. Es könne auch niemand sagen, ob die Werte korrekt ermittelt worden seien. Ähnlich äußerte sich der Geschäftsführer der Hamburger Verbraucherzentrale, Günter Hörmann. Die Zahlen zu den Bestandteilen der Kalkulation seien ohne Angaben zu deren Zustandekommen nicht aussagefähig.

    Sind weitere Gaspreis-Erhöhungen zu erwarten?

    Auf jeden Fall. Gleich mit der Offenlegung seiner Kalkulation kündigte Eon Hanse an, die Preise zum Jahreswechsel um rund 10 % anzuheben. Wie die Berliner Zeitung berichtete, werden auch andere Gasversorger im neuen Jahr an der Preisschraube drehen. Die Berliner Gasag, die zum Oktober ihre Preise bereits um bis zu 12 % angehoben hatte, hat eine neue Tariferhöhung für den Jahresbeginn bereits angekündigt. Wie hoch diese ausfallen wird, steht noch nicht fest. Branchenkreisen zufolge ist eine weitere Preisanhebung im April so gut wie sicher.

    [Gaskosten-Rechnung von EON-Hanse 2004/05]   [Gaspreis-Vergleich der Erdgas-Lobby]



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    © 2005-2006 – Dipl.-Ing. Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 10.04.2007 09.12 Uhr