Grunewald (Berlin)   —  Dies & Das – Teil 3 khd
Stand:  25.4.2008   (14. Ed.)  –  File: Heimat/B/Ex/Grunewald_Dies&Das_03.html



Grunewald Diese Seite ist Teil eines größeren Berlin-Reports, der sich mit dem Ortsteil Grunewald beschäftigt. Es verblüffte schon: Internet-Recherchen ergaben im Winter 2006/07, daß im Weltnetz so furchtbar wenig (heimatkundliche) Texte und Fotos über Grunewald verewigt sind. Manches kleine Dorf hat im Internet mehr zu bieten. Mit diesen Seiten soll nun dieses Defizit wenigstens etwas abgebaut werden.

   
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freien Enzyklopädie.
 
Auf den „Dies & Das“-Seiten sollen nach und nach einige kleine Geschichten, Begebenheiten, Erinnerungen sowie erläuternde Hinweise zum Berliner Ortsteil Grunewald dokumentiert werden. Die Beiträge stammen aus verschiedenen Quellen, die jeweils angegeben sind. [Translation-Service]

I n d e x :


Grunewald — Erinnerungen an 1945


Kampf um Grunewald

[Ed: auch dieser sehr interessante Artikel gehörte unbedingt ins Internet, sonst wäre er im Karton verstaubt. Die Schilderung von JOACHIM HELLMER ergänzt die Ereignisse von 1945, die der Herausgeber dieser Seiten selbst erlebte].

Aus: Die alte Schule – Nr. 109 – Mitteilungen der Vereinigung ehemaliger Schüler der Walther-Rathenau-Schule (Grunewald-Gymnasium), April 1988, Seite 32–35 (Grunewald) von JOACHIM HELLMER (Abitur-Jahrgang 1944). Die kleinen webgerechten Zwischentitel, Links und Anmerkungen [Ed: ...] sind hier redaktionell zugefügt worden.


Berlin-Grunewald, Warmbrunner Straße 4 — Freitag, 27. April 1945

      Ort des Geschehens 1945
^   Warmbrunner Straße – Ort des Geschehens 1945. Die weiße Straße (rechts) ist die Auguste-Viktoria-Straße.   (Repro: 2007 – khd)
      Seit fünf Tagen tobt der Kampf um Berlin. Der Osten der Stadt und das Zentrum sollen schon weitgehend zerstört sein. Hitler hat befohlen, Berlin bis zum letzten Mann zu verteidigen. Starke Ersatzverbände seien im Anmarsch. Hier im Westen haben wir bis auf die Flugangriffe, noch nicht viel gemerkt. Nur Geschützfeuer und manchmal einschlagende Granaten von der ‚Stalinorgel‘. Wenige hundert Meter von uns entfernt stoßen jetzt die ersten Sowjetpanzer aus der Auguste-Viktoria-Straße vor. Auch die Infanterie ist schon da. Sie hat bereits die Baracke auf dem Hubertus- Sportplatz besetzt. Ich stehe mit dem Fernglas auf dem Balkon unserer Wohnung und beobachte ihre Bewegungen. In den vergangenen Tagen wechselten im Luftschutzkeller die widersprechendsten Gerüchte. Die einen berichten, der Russe sei eingeschlossen, andere, daß er jede Minute in der Tür erscheinen könne.

   
  An diesem Tag
passierte in
Berlin sonst.
 
      Es kamen dann auch Russen, aber nur Wlassow-Russen, die auf deutscher Seite kämpften. Es kostete viel Mühe, sie zu überreden, den Keller wieder zu verlassen und woanders Unterschlupf zu suchen. Todeskandidaten alle, die uns noch mit reinreißen können. Gestern rückte die deutsche Besatzung des Sportplatzes ab. Gegen Nachmittag sammelte sich im Eckhaus an der Hubertusallee der Rest der zurückweichenden Fronttruppe, eine Panzergrenadiereinheit mit 8 Panzern. Ein Panzer blieb zurück, um den Abzug zu decken. Um ihn herum schlugen feindliche Granaten ein.

      Unser Nachbar, Herr B., ging hinaus, um den Kommandanten zu bewegen, ebenfalls abzuziehen, damit die Bewohner der umliegenden Häuser nicht unnötig gefährdet würden. Da zog der Kommandant seine Waffe und schrie: „Mit Euch Defaitisten werden wir schon fertig!“ und schoß ihn kurzerhand nieder. Gleich darauf ging auch die Panzerkanone los. Zwei russische Panzer blieben an der Warmbrunner-, Ecke Auguste-Viktoria-Straße brennend liegen. Der Lärm war unbeschreiblich. Überhaupt wird der Schlachtenlärm immer lauter: Artillerie, Stalinorgel, Flak, Bomben, Panzerkanone, Maschinengewehr- und Karabinerfeuer. Dazu wirbeln ungeheure Mengen Staubs durch die Luft. Die Russen sollen enorme Verluste erlitten haben. Hoffentlich schlägt das nicht auf uns hier zurück. Wenn es nach uns ginge, wäre der Krieg längst zu Ende.

Berlin-Grunewald — Sonnabend, 28. April 1945

   
  An diesem Tag
passierte in
Berlin sonst.
 
      Gestern war überhaupt der bisher schlimmste Tag. Die Nazis leisten, obwohl völlig aussichtslos, noch immer erbitterten Widerstand. Berlin gibt nicht auf! Immer wieder zündende Appelle! Ob die Nazigrößen, ob Hitler überhaupt noch da ist? Was sind wir eigentlich für diese Unmenschen? Sachen, Kanonenfutte, damit sie ihr Leben verlängern und Deutschland ganz und gar zugrunde richten können.

      Vier Jungen in Uniform, nur mit Panzerfaust bewaffnet, gerieten vor unserem Keller in russisches Granatfeuer. Alle vier wurden getroffen, schrien, stöhnten, lagen zerfleischt vor unseren Augen, ohne daß wir helfen konnten. Drei waren bald tot, schwiegen, gaben nichts mehr von sich. Der vierte wimmerte noch lange, blutete aus Nase und Mund, die Beine abgerissen. Meine Schwester ging hinaus, trotz des Granatfeuers, verharrte bei ihm, bis auch er still war.

      Abends wurde es ruhiger. Ich stand im Garten, am Fliederbusch, betäubender Duft fuhr herab: Ich schwor mir, falls ich durchkommen würde, alle meine Kräfte dafür einzusetzen, daß wir nie mehr eine Waffe in die Hand nehmen, wir Deutschen [Ed: aber Ende des 20. Jahrhunderts führten uns aus-der-deutschen-Geschichte-nichts-gelernt-habende ‚Neunmalkluge‘ (Politiker) wieder in einen Krieg – den Kosovo-Krieg und später sogar in den Krieg um Afghanistan...]. Unser Maß ist voll. Hießen wir nicht einmal das „Volk der Dichter und Denker“? Dies täuschende Wort „Freiheit“, auf das wir alle hereingefallen sind, Freiheit vom Weltjudentum, Freiheit vom Bolschewismus, Freiheit von den Plutokraten. Und was ist jetzt?

Berlin-Grunewald — Sonntag, 29. April 1945

   
  An diesem Tag
passierte in
Berlin sonst.
 
      Wieder auf dem Balkon Posten bezogen, vorsichtig. Russische Scharfschützen liegen gegenüber auf dem Sportplatz. Die politische Lage ist weiter verworren. Die Nazis bemühen sich mit Hilfe von Durchhalteparolen, uns weiter zum Widerstand aufzurufen. Der Amerikaner stoße unseren Truppen, die sich zum Einsatz nach Berlin durchschlügen, nicht nach. Ja, man spricht sogar von einem Waffenstillstand und Sonderfrieden mit den Amerikanern. Wollen die mit uns jetzt gemeinsam gegen die Russen kämpfen? Unmöglich ist nichts: Erst mit den Russen gegen die Deutschen, dann mit den Deutschen gegen die Russen. Aber ohne uns! Wir haben die Nase voll. Wir wollen endlich Frieden.

      Vorhin lag ein Flugblatt im Garten: „Deutsche Soldaten! Macht Schluß mit dem verlorenen Krieg und geht nach Hause! Werdet Ihr weiteren Widerstand leisten und Berlin verteidigen, so werdet Ihr nicht nur selbst zugrunde gehen, sondern es werden zusammen mit Euch unter den Trümmern Berlins Hunderttausende Einwohner der Hauptstadt umkommen. Hitler kaputt! Macht Schluß mit dem Krieg! Das Kommando der 1. Bjelorussischen Front. 21.4.1945.“

      Seit Tagen leben wir nur noch im Luftschutzkeller. Die Lebensmittelvorräte gehen zu Ende. An geregeltes Essen ist ohnehin nicht mehr zu denken. Trotzdem ist manchmal alles zum Lachen. Jeder sitzt eingemummelt im Liegestuhl auf Wartestellung, der Ministerialrat von oben neben dem Hausmeister, und das Dienstmädchen neben der ‚GnädigenFrau‘, alle schlafen zusammen, soweit von Schlaf überhaupt die Rede sein kann. Und die Gespräche! Und die Streitereien! Und die politischen Mutmaßungen! Und der Geruch! Alles wird vom Warten (worauf?) und vom Lärm der Bomben und Geschütze überdeckt.

      Eben war ein alter Mann aus der Delbrückstraße hier, die bereits russisch ist (300 m entfernt). Er berichtete, die ‚Iwans‘ kümmerten sich garnicht um sie; sie könnten ungestört auf ihrem Grundstück hin- und hergehen. Der Ministerialrat war sehr böse. „Unsinn“, tobte er. „Wenn die kommen, erschieß ich mich und meine ganze Familie. Diesen Tieren werde ich niemals lebendig in die Hände fallen.“

      Ich erinnere mich meiner Professoren im gerade zu Ende gegangenen Wintersemester. Der eine, ein netter, aber naiver Mann, verabschiedete sich mit dem Hinweis auf die Wunderwaffe, die Hitler jetzt einsetzen würde. Der Endsieg stünde unmittelbar bevor. Wie ist es eigentlich möglich, daß solche Leute noch immer an den Sieg glauben?

Berlin-Grunewald — Dienstag, 1. Mai 1945

   
  An diesem Tag
passierte in
Berlin sonst.
 
      Ich sitze im Keller beim Kerzenschein und suche in meinem Gedächtnis die Ereignisse der letzten beiden Tage zusammen. Erst trat eine unheimliche Ruhe ein. Kein Laut weit und breit, wie auf dem Mond. Stundenlang, Interregnum zwischen den Zeiten. Ich dachte schon, man hätte uns vergessen. Dann waren auf einmal die Russen da, die ‚richtigen‘ Russen. Gestern stand der Erste plötzlich in der Tür, ein Mongole oder Kirgise, die Maschinenpistole im Anschlag.

      Als erstes stürzte er gleich auf mich zu, sah meine Schaftstiefel (über die ich wohlweislich lange Hose gezogen hatte) und schrie: „Du SS!“ Er richtete seine Waffe auf mich, Mutter stellte sich vor mich und hielt ihm wie in plötzlicher Eingebung ihren goldenen Ehering hin. Er besann sich, nahm den Ring und ließ die Waffe sinken. Ich mußte meine Stiefel ausziehen und ihm geben. Dafür ließ er seine harten, schweißigen Knobelbecher da. Weitere drängten hinter ihm herein. Alles grinsende, asiatische Gesichter, ganz anders als wir uns vorgestellt haben. Nicht haßerfüllt.

      „Uhri, Uhri!“ Wir leben jetzt praktisch ohne Zeit. Aber Vergewaltigungen! Einige wiegten die Kinder auf dem Arm und teilten aus ihren Gulaschkanonen Essen aus, andere im Keller: „Frau komm.“ Es ist eine große Verkleidungsaktion im Gange. Frauen unter vierzig binden sich Kopftücher um und schwärzen ihre Gesichter. Viele verstecken sich auf Böden oder in unzugänglichen Türmen, die die alten Grunewaldhäuser ja im reichlichen Maße zieren. „Alles Rache“, raunte mir der schwerbeschädigte, ehemalige Leutnant, der immer neben mir sitzt, zu. „Was meinst Du, wie wir in Rußland gehaust haben! Da ist das hier noch garnichts!“

      Der Krieg ist aus. Gott sei Dank. Ganz egal, was kommt. Wir müssen das beste draus machen. Vor allem müssen wir aufpassen, daß nicht wieder die Alten, die uns reingerissen haben, an die Macht kommen. Ich meine nicht Hitler, mit dem ist es sowieso aus, sondern die Masse der Lakaien in den Minsterien und Behörden und die Generäle: Hitlers gab es überall, aber sie haben in anderen Völkern keine solche Chance.

      Wo ist überhaupt der Ministerialrat geblieben? Auch seine Frau ist auf einmal weg. Hat er sich in den Westen durchgeschlagen? Ist er in russische oder amerikanische Dienste übergetreten? Alles ist jetzt möglich. Vom Sportplatz schallt der schwermütige Gesang von Russen herüber. Sie sitzen an Lagerfeuern. Man hört sogar so etwas ähnliches wie Balalaika. „Stenka Rasina tschelnui...“

Berlin-Grunewald — Donnerstag, 3. Mai 1945

   
  An diesem Tag
passierte in
Berlin sonst.
 
      Eine junge Frau, die aus dem Osten der Stadt geflohen ist, geriet gestern in unseren Keller. Sie setzte sich neben mich, wir haben uns gleich verstanden, ohne Worte. Stunden, als wenn wir uns schon lange kannten. Sie wollte sich die Pulsadern aufschneiden. Ich riß ihr die Rasierklinge aus der Hand. Jetzt ist sie weitergezogen. Ob ich sie noch einmal sehe? „Ce sont des bons enfants“, an dieses Wort unserer Französin über die Russen muß ich jetzt denken.

      Gestern kam, gerade als ich in der Wohnung war (in der alles mit einer klebrigen Masse aus Rotwein, Käse und Makkaroni überzogen ist), ein russischer Kapitän, hoch aufgeschossen, ruhiges ernstes Gesicht. Vermutlich Weißrusse (bjelorussisch = weißrussisch). Ich hatte Zutrauen zu ihm und fragte ihn mit meinen wenigen russischen Brocken, die ich im dreijährigen Unterricht gelernt habe, ober uns nicht wenigstens eines der sechs Zimmer zur Verfügung stellen könne, für meine Mutter und die anderen Frauen. Er bejahte und stellte sogar eine Wache zur Verfügung. In der letzten Nacht schliefen nun sieben Frauen im ehemaligen elterlichen Schlafzimmer. Vor der Tür stand ein russischer Soldat.

      Der alte Opel P4 vom Kaufmann um die Ecke klebt an einem Baum in der Hubertusallee. Vier Russen hatten ihn – ich weiß nicht wie – in Gang gebracht. Drei schoben ihn die abschüssige Straße hinab, der vierte lenkte ihn mit voller Kraft gegen einen Baum. Lachend stieg er aus. Auch Fahrräder liegen jetzt überall herum. Ich fand ein besonder schönes, wie ich es nie besessen habe, und bog es mir in stundenlanger Arbeit zurecht. Kaum war ich mit ihm auf der Straße, kam ein Russe und nahm es mir ab.

Berlin-Grunewald — Sonnabend, 5. Mai 1945

   
  An diesem Tag
passierte in
Berlin sonst.
 
      Lange Züge von Russen in Panjewagen zuckeln die Hubertusallee entlang. Stundenlang höre ich schon das Getrappel der kleinen Pferde und das Rumpeln der Wagenräder auf dem Steinpflaster. Was ist nun? Ist der Krieg aus? Wird noch gekämpft? Wer gegen wen? Man hört, daß Hitler tot ist („gefallen“), die russische Flagge auf dem Brandenburger Tor weht und Russen und Amerikaner gegeneinander kämpfen. Nazipropaganda noch immer? Aber es ist schon so: Solange der Mensch das höchste Tier ist und nichts gegen sich hat, wird er den Mitmenschen zu seinem Feind machen. Intelligenz entwickelt sich an Gegenintelligenz. Wenn dieser Krieg zu Ende ist, werden sich zwei neue Fronten bilden.

      Zu essen gibt es immer noch nichts. Wenn uns die Russen auf dem Hof nichts gäben, wären wir vielleicht schon verhungert. Da kam heute von irgendwoher das Gerücht auf, im Keller der Reichsleitung des Arbeitsdienstes am Bismarckplatz würden große Vorräte lagern. Wir also auf mit Töpfen und anderen Behältnissen, und tatsächlich: Da standen Fässer mit Speiseöl, säuberlich in Reih’ und Glied und Regale mit Konserven. Es hatte sich schon eine Verteilungskommission gebildet. Jeder bekam einen Liter Öl und zwei Konserven (deutsche Organisation, von unten, nicht staatlich!). Reich bedacht kehrten wir zurück. Wenn wir immer so viel haben werden in Zukunft, können wir froh sein.


Grunewald — Der Friedhof


      Schon auf dem Berliner Stadtplan von 1893 war er eingezeichnet – der Grunewald-Friedhof an der Bornstedter Straße. Das folgende Foto wurde aber erst im Juni 2003 aufgenommen. Es ist ein Ausschnitt aus einem größeren Foto des Halensees mit Umgebung.

      Bereits 1893 war der kleine Friedhof von Eisenbahngleisen umgeben. Heute sind das die Ringbahn (links im Foto) und die Fernbahntrasse (unten im Foto) sowie die Verbindungskurve längs der ebenfalls gebogenen Bornstedter Straße. Am oberen Bildrand ist im Zuge des Kurfürstendamms die Halenseebrücke.

Grunewald-Friedhof aus der Luft im Juni 2003      
^   Luftaufnahme des von Bahngleisen umgebenen kleinen Grunewald- Friedhofs an der Bornstedter Straße.   (Foto: 6.2003 – zf)
      Der Grunewald-Friedhof wurde in den Jahren 1891/92 für die 1889 gegründete Kolonie Grunewald angelegt und am 19. Mai 1892 eingeweiht. Über eine Brücke ist er von der Bornstedter Straße zu erreichen. An drei Seiten ist der Friedhof von prächtigen Erbbegräbnis- Wänden eingerahmt. In der Mitte des Friedhofs steht die Friedhofskapelle, die um 1897 im neugotischen Stil gebaut wurde.

      Viele Grunewalder Bürger haben auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden. Darunter sind manche bekannte Persönlichkeiten wie Bankiers, Schriftsteller, Unternehmer und Wissenschaftler. So befinden sich auf dem Grunewald-Friedhof die Grabstätten des Bankiers und Politikers Bernhard Dernburg (1865–1937) und von Hans Geiger (1882–1945) – ein Physiker, der den Geiger-Zähler für die Messung von Radioaktivität erfand. Auch die Schriftstellerin Clara Sudermann (1861–1924) und der Schriftsteller Hermann Sudermann (1857–1928) sind hier begraben.

   
  G r u n e w a l d - F r i e d h o f
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Auch wenn heute der Friedhof regelrecht vom Verkehr umtost ist (die Stadtautobahn ist auch nicht fern), ist er dennoch eine kleine Oase der Ruhe und des Innehaltens. Und ein Spaziergang bietet einen Blick in die nun über 100-jährige Geschichte der Kolonie Grunewald. Der Friedhof steht unter Denkmalschutz.


Halensee — Die Geschichte des Ortsteils


Halensee

[Ed: diese interessante geschichtliche Abhandlung wurde um 2004 im Internet gefunden und wird hier gespiegelt, da der Text auf der Original-Website nur sehr schlecht lesbar ist].

Aus: Website der Hochmeister-Kirche (Halensee). Die kleinen webgerechten Zwischentitel, Links und Anmerkungen [Ed: ...] sind hier redaktionell zugefügt worden.


      Der Ursprung Halensees ist eng mit dem Namen des Geschlechts der Wilmersdorfer verknüpft. Im Sequenzbuch des Kammergerichts taucht der Name „Halensehe“ im Jahre 1540 zum ersten Mal auf. In dieser Eintragung geht es um die Besitzrechte an Teilen des Sees, die umstritten waren. 1591 ist im Erbregister Mühlendorf zu lesen:

„Ein See der Halensee ufm Feldt Wilmerzdorff hat zwei kleine Garn Züge. Dieser See gehört Chuf. G. [Anm.: Kurfürstliche Gnaden] und den Wilmerstorfen zu Wilmerstorf halb und die andere Hefflte den Wilmerstorfen zu Schmargendorf.“

Erst im 19. Jahrhundert

      Man muss sich immer wieder klarmachen, dass das Gebiet um den Halensee zu dieser Zeit und auch in den folgenden Jahrhunderten nicht bewohnt war, ein Ort namens Halensee also gar nicht existierte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es um den Halensee herum nur Sandboden und Spargelfelder. In Theodor Fontanes berühmtem Roman „Frau Jenny Treibel“ spottet Kommerzienrat Treibel über das „von Spargelbeeten und Eisenbahndämmen durchsetzte Wüstenpanorama“. Erst in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden überhaupt Pläne zur Besiedlung des Gebiets um den Halensee gemacht. Zur Entstehungsgeschichte schreibt der Schriftsteller Majewski in seinen „Geschichten aus dem alten Halensee“:

„Wurden mehrere Orte um Berlin wie Wannsee, Weißensee u. a. nach den benachbarten Seen ganz offiziell benannt, so verdankt Halensee im eigentlichen Sinne seinen Namen dem Bahnhof, der 1877 eröffneten Ringbahnverbindung von Westend nach Schöneberg. Der Bahnhof hieß damals aber noch nach dem bis an das Bahngelände heranreichenden Waldgebiet Grunewald, während der heutige dieses Namens nach dem See Hundekehle genannt war. Erst 1884 nahm man die Umbenennung der beiden Bahnhöfe vor, und da begann auch die Entstehung des Ortes.“

      Außer diesem Bahnhof war natürlich auch der Ausbau des Kurfürstendamms seit 1882 von großer Bedeutung für Halensee. Bereits seit 1685 erschien der Kurfürstendamm auf den Landkarten, war aber letztlich nicht mehr als ein angelegter Weg gewesen, auf dem die Kurfürsten von ihrer Stadtresidenz zum Jagdschloss Grunewald fuhren.

Halensee blüht auf

      In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts entstand am Halensee ein großes Garten- und Ausflugslokal, wie es um diese Zeit im Berliner Raum groß in Mode war. Das „Wirtshaus am Halensee“ entwickelte sich schnell zu einem der beliebtesten Ausflugsziele für die städtische Bevölkerung. Zur gleichen Zeit entstanden auch die ersten Landhäuser in der Johann-Sigismund-Strasse. Der Bereich Halensee entwickelte sich rasch zu einem bevorzugten Wohnort von pensionierten Militärs, Beamten, Literaten und Rentiers.

      1892 gab es ungefähr 200 Einwohner in 11 Häusern, 8 Jahre später, 1900, waren es bereits 5863 Einwohner in 35 Häusern. Im Gegensatz zu der Siedlung Grunewald, die die Struktur einer Villenkolonie bis heute erhalten hat, war das Projekt „Villenkolonie Halensee“ praktisch schon um 1900 wieder zu Ende gegangen. Überall entstanden vierstöckige Bürgerhäuser. Das letzte Haus, das noch an die Villenkolonie erinnerte, war das Haus in der Johann-Sigismund-Strasse 20, das 1975 abgerissen wurde.

Der Luna-Park

      Zur großen Attraktion wurde Halensee mit den „Terrassen am Halensee“, die später in „
Luna-Park“ umbenannt wurden. Am 14. Mai 1904 eröffnete dieser Vergnügungspark seine Tore. Die Größe dieser Vergnügungsanlage war gewaltig. Alle Jahrmarkts- und Rummelattraktionen der damaligen Zeit waren hier zu sehen. Allein die Restaurants im LunaPark sollen mehr als 16.000 Sitzplätze gehabt haben. Die tägliche Besucherzahl lag in den Anfangsjahren bei 50.000, an Wochenenden natürlich noch weitaus höher. Damit war der Luna-Park von den Besucherzahlen her das beliebteste Ausflugsziel in der ganzen Berliner Umgebung.

Stadtplan von Halensse 1932
^   Halensee im Jahr 1932. In diesem Plan ist noch der Luna-Park am Halensee eingezeichnet.
1 = Hubertusallee. 2 = Humboldtstraße. 3 = Güterbahnhof Halensee. 4 = Trabener Straße.
[Plan von Gesamt-Halensee]   (Repro: 2007 – khd)

      Am 9. Mai 1929 wurde der Lunapark nach einer großen Erneuerung ein zweites Mal eröffnet, denn während des 1. Weltkriegs und der Inflationszeit war das ganze Unternehmen heruntergekommen. Es gelang den Betreibern jedoch nicht mehr, an die alten Glanzzeiten anzuknüpfen. Im Oktober 1933 musste der Lunapark endgültig schließen, und bereits 1934 wurde die ganze Anlage abgerissen. Heute finden wir dort den Halensee-Park.

Nach dem 2. Weltkrieg

      Während des 2. Weltkriegs wurde Halensee stark beschädigt. Nach dem Krieg entstanden viele Neubauten, vor allem im Sozialen Wohnungsbau, was die Atmosphäre dieses Gebiets stark veränderte. Während sich bis in die 30er Jahre die Bewohner durchaus als ‚Halenseer Bürger‘ verstanden, ging von diesem lokalen Selbstverständnis und vom Charakter des alten Halensee viel verloren. An den Ortsteil Halensee erinnern heute vor allem noch der stillgelegte gleichnamige S-Bahnhof [Ed: seit der Wiedereröffnung des südlichen S-Bahnrings im Dezember 1993 wieder in Betrieb], die Halensee-Schule und die Hochmeisterkirche, die immer mehr als Halenseer denn als Wilmersdorfer Kirche empfunden wurde.




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