Der Stadtteil Halensee ist kein offizieller Ortsteil. Halensee hat auch keine eigene Geschichte
als selbständige Gemeinde wie zum Beispiel Schmargendorf oder Grunewald. Die Bezeichnung Halensee
für die Gegend rund um das westliche Ende des Kurfürstendammes ist entstanden, als der
Kurfürstendamm seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts ausgebaut wurde. Natürlich stammt
der Name von dem nahegelegenen Halensee. Dieser See wiederum gehört überwiegend zur
Villenkolonie Grunewald, nicht zum Stadtteil Halensee.
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Der Kurfürstendamm wird geplant |
Der Kurfürstendamm wurde als Knüppeldamm angelegt, als 1542 das Jagdschloss Grunewald gebaut
wurde. Er diente den kurfürstlichen Reitern als Verbindungsweg vom Berliner Schloss über die
Linden durch den Tiergarten in den Grunewald.
Am 5. Februar 1873 schrieb der damalige Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck an den Geheimen
Kabinettsrat von Wilmowski:
Die Straße am Kurfürstendamm wird nach den jetzt bestehenden Absichten viel zu eng
werden, da dieselbe voraussichtlich ein Hauptspazierweg für Wagen und Reiter werden wird. Denkt man
sich Berlin so wie bisher wachsend, so wird es die doppelte Volkszahl noch schneller erreichen, als Paris
von 800.000 Einwohnern auf 2.000.000 gestiegen ist. Dann würde der Grunewald etwa für Berlin
das Bois de Boulogne und die Hauptader des Vergnügungsverkehrs dorthin mit einer Breite wie die der
Elysäischen Felder durchaus nicht zu groß bemessen sein.
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Ein Stadtplan-Ausschnitt von 1932 zu diesem informativen Kiezspaziergang von 2002.
1 = Hubertusallee.
2 = Humboldtstraße.
3 = Güterbahnhof Halensee.
4 = Trabener Straße.
[Plan von Gesamt-Halensee]
(Repro: 2007 khd) |
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Erst eine ‚Public-Private-Partnership‘ macht’s möglch |
1875 wurde die zukünftige Breite des Kurfürstendammes per Kabinettsordre auf 53 Meter festgelegt.
Das ist zwar nur knapp halb so breit wie die Champs-Elysées, aber es wurde dann beim Ausbau
der Straße präzise eingehalten. Bismarck legte besonderen Wert darauf, dass in der Mitte ein
Reitweg erhalten blieb.
Der Ausbau scheiterte zunächst an den fehlenden Finanzen. Schließlich wurde ein
Unternehmens-Konsortium gebildet, die Kurfürstendamm-Gesellschaft. Sie erhielt 234 Hektar Grunewald
zum Ausbau einer Villenkolonie als Gegenleistung für den Ausbau des Knüppeldamms zum
Boulevard.
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Und dann kann der Kurfürstendamm gebaut werden |
Seit 1883 wurde der Kurfürstendamm auf 53 Meter Breite ausgebaut, am 5.5.1886 wurde die
Dampfstraßenbahnlinie Zoo-Kurfürstendamm-Grunewald eröffnet. Weil sie direkt neben dem
Reitweg entlang fuhr, musste sie pferdefreundlich leise sein. Bismarck persönlich hatte sich davon
überzeugt.
1889 wurde dann am Ende des Kurfürstendammes die Villenkolonie Grunewald angelegt. Am
Kurfürstendamm entlang waren zwar auch schon einige Villen entstanden. Diese mussten aber fast alle
wieder abgerissen werden, weil jetzt, am Ende des 19. Jahrhunderts große Miethäuser gebaut
wurden.
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Fontane beschreibt Halensee |
Wie es am Ende des 19. Jahrhunderts hier aussah, das hat Theodor Fontane sehr schön beschrieben.
Er veröffentlichte 1891 seinen Roman Jenny Treibel. Hier spielt das gerade
eröffnete Wirtshaus am Halensee eine wichtige Rolle als Ziel einer Landpartie. Für
Corinna, die Tochter des Professors Schmidt, die mit Leopold, dem Sohn der Kommerzienratsfamilie Treibel,
eine gemeinsame Zukunft plant, klingt ein Nachmittag in Halensee fast so poetisch wie 4 Wochen auf
Capri. (...)
Fontane beschreibt zunächst die Verkehrsmittel, mit denen die Ausflügler anreisen, und dann die
Landschaft aus der Turmperspektive:
Und wirklich, um 4 Uhr war alles versammelt, oder doch fast alles. Alte und junge Treibels,
desgleichen die Felgentreus, hatten sich in eigenen Equipagen eingefunden, während Krola (...) aus
nicht aufgeklärten Gründen die neue Dampfbahn, Corinna aber (...) die Stadtbahn benutzt hatte.
Von den Treibels fehlte nur Leopold. (...)
Sehen Sie, Schmidt, wenn ich Leopold Treibel wäre (...), so hätte mich doch kein Deubel davon
abgehalten, hier heute hoch zu Roß vorzureiten, und hätte mich graziös (...) aus dem
Sattel geschwungen. (...) Und nun sehen Sie sich den Jungen an. Kommt er nicht an, als ob er hingerichtet
werden sollte? Denn das ist ja gar keine Droschke, das ist ein Karren, eine Schleife.
Nun, liebe Freunde, nahm Treibel das Wort, alles nach der Ordnung. Erste Frage, wo
bringen wir uns unter? Wir haben verschiedens zur Wahl. Bleiben wir hier Parterre, (...) oder
rücken wir auf die benachbarte Veranda hinauf. (...) Oder endlich, (...) sind Sie für
Turmbesteigung und treibt es Sie, diese Wunderwelt, in der keines Menschen Auge bisher einen frischen
Grashalm entdecken konnte, treibt es Sie, sage ich dieses von Spargelbeeten und Eisenbahndämmen
durchsetzte Wüstenpanorama zu Ihren Füßen ausgebreitet zu sehen?
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Ein Vergnügungsviertel entsteht |
1904 wurden aus dem Wirtshaus am Halensee die Terrassen am Halensee, 1910 dann
der
Luna-Park. Es war ein riesiger
Vergnügungspark. Sein Lärm war in ganz Halensee zu hören. Zeitweise gab es an jedem
Abend zum Abschluss ein großes Feuerwerk. Der
Eingang befand sich unweit des heutigen
Rathenauplatzes. 1935 musste der Luna-Park einem Autobahnzubringer [Ed: hm, das ist die
Halenseestraße] Richtung Olympiastadion weichen.
Der Bahnhof Halensee wurde 1877 als Bahnhof Grunewald, eröffnet, 1884 in Bahnhof
Halensee, umbenannt, 1894 weiter östlich an die heutige Stelle verlegt und umgebaut. 1960 wurde
ein Neubau im Pavillonstil errichtet. Bald nach dem Mauerbau [1961] wurde der Bahnhof stillgelegt. 1985
eröffnet Opel Hesse in dem Pavillon einen Autosalon. 1993 hat die Bahn beschlossen, den Bahnhof
ohne Empfangshalle zu betreiben und das Gebäude abgerissen.
Die Westfälische Straße ist so etwas wie die Hauptstraße von Halensee, und sie ist eine
der erfolgreichen Einkaufsstraßen in unserem Bezirk.
Die Geschäftsleute haben hier vor einigen Jahren eine Interessengemeinschaft gegründet, die
sehr erfolgreich ist. Im letzten Jahr wurde das 100jährige Jubiläum der Straße gefeiert.
Auch in diesem Jahr wird die IG Westfälische Straße wieder ein großes Fest veranstalten,
und zwar am 9. September [2006] unter dem Motto Ein Fest in unserer Straße die
Westfälische wird 100 + 1 Jahre. Vorsitzender der IG ist Herr Koch von Blumen-Koch. Sein
Geschäft wurde als eines von 5 Blumengeschäften in Deutschland mit 5 Sternen
ausgezeichnet.
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Am Henriettenplatz Blick in Richtung Westfälische Straße.
(Foto: 11.3.2006 BezAmt) |
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Der Platz erhielt seinen Namen 1892 nach der Gemahlin von Friedrich-Wilhelm, dem Großen
Kurfürsten, Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg, geborene Prinzessin von
Oranien-Nassau. Sie wurde 1627 in Den Haag geboren und starb im Alter von 40 Jahren 1667 in Cölln in
der Doppelstadt Berlin-Cölln. Sie heiratete mit 19 Jahren 1646 den Großen Kurfürsten
Friedrich Wilhelm. Der dritte Sohn aus dieser Ehe, Friedrich, wurde 1688 Kurfürst von Brandenburg
und 1701 König in Preußen. Er gründete 1705 zu Ehren seiner früh verstorbenen Gattin
Sophie Charlotte die Stadt Charlottenburg. Aber diese Geschichte kennen wir aus dem Jubiläumsjahr
300 Jahre Charlottenburg 2005.
Zurück zu Luise Henriette. Sie ließ 1652 nördlich von Berlin ein Schloss im
holländischen Stil bauen und gab ihm den Namen Oranienburg. Nach ihm erhielt später die Stadt
Oranienburg ihren Namen. Luise Henriette förderte die Einwanderung holländischer Kolonisten
nach Berlin und Brandenburg. Sie ist in der Gruft des Berliner Doms bestattet.
Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 wurde von niederländischen Unternehmen eine Gedenksäule
für Luise Henriette in Form eines kleinen Obelisken gestiftet und auf der gegenüberliegenden
Seite des Platzes aufgestellt. An der Stele sind Reliefs von Luise Henriette und ihrem Gemahl, dem
Großen Kurfürsten, angebracht.
Zur 750-Jahr-Feier Berlins wurde der gesamte Henriettenplatz im Rahmen eines städtebaulichen
Wettbewerbs neu gestaltet den Säulenkolonaden mit der BVG-Wartehalle von Heinz Mack und einem
Obelisk ebenfalls von Heinz Mack auf der anderen Straßenseite. Dieser Obelisk entspricht dem
Leuchtobelisken am Europa-Center. Er stammt ebenfalls von Heinz Mack.
Zur 750-Jahr-Feier Berlins wurden auch die teuren, verschnörkelten Hardenberg-Leuchten entlang des
gesamten Kurfürstendammes aufgestellt. Die Original-Straßenlampen waren sehr viel schlichter.
Sie wurden im Krieg zerstört und in den 50er Jahren durch Peitschenlampen ersetzt. Die jetzigen
Lampen wurden nach dem Vorbild der früheren Straßenlampen an der Hardenbergstraße
hergestellt. Deshalb der Name Hardenberg-Leuchten.
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Der Medusenbrunnen von 1987 am Henriettenplatz.
(Repro: 2007 khd) |
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1987 wurde auch der Medusenbrunnen von Anna und Patrick Poirier auf dem Henriettenplatz aufgestellt. Er
bezieht sich auf die Gestalt der Medusa aus der griechischen Mythologie. Medusa ist der Name zweier
Gestalten der griechischen Mythologie. Die erste ist eine der Hesperiden, die die Goldenen Äpfel
hüteten. Die zweite, bekanntere, auf die sich auch unser Brunnen bezieht, war eine Gorgone, die
Tochter der Meeresgottheiten Phorkys und Keto, sowie die Schwester von Stheno und Euryale. Sie war die
einzig sterbliche der drei Gorgonen.
Ursprünglich war Medusa schön. Als Pallas Athene sie jedoch bei einer Buhlschaft mit Poseidon
in einem ihrer Tempel überraschte, wurde sie von der erzürnten Athene in jene Gestalt
verwandelt, als die sie gefürchtet war: Ein geflügeltes Ungeheuer mit Schlangenhaaren, langen
Eckzähnen, einem Schuppenpanzer, Flügeln, glühenden Augen und heraushängender Zunge.
Das Gesicht der Medusa war so hässlich, dass jeder sofort zu Stein erstarrte, der sie sah. Dass sie
darüber nicht glücklich war, können wir uns vorstellen. Deshalb kullern im Sommer
über den aus dem Henriettenplatz hervorwachsenden Kopf der Medusa die Tränen, die sich um sie
herum in ein Planschbecken ergießen, das vor allem die Kinder mögen.
Das Eckhaus an der Ecke
Kurfürstendamm und Westfälische Straße wurde ebenfalls zur 750-Jahr-Feier 1987
restauriert und mit einer neuen, transparenten Kuppel versehen. Ursprünglich hatten alle
Eckhäuser am Kurfürstendamm Türme, Türmchen oder Kuppeln.
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Die Kurfürstendamm-Brücke |
Die
erste Kurfürstendamm-Brücke
wurde 1894 in Dienst gestellt. Schließlich wollten die Grunewalder ihre Villenkolonie auch auf
direktem Weg über den Kurfürstendamm erreichen. Die Brücke wurde Ende der 1950er Jahre
abgerissen und durch einen kompletten Neubau ersetzt. Die neue Stahlverbundbrücke mit einer
Länge von 75 Metern und einer Breite von 32 Metern wurde abschnittsweise gebaut und im September
1963 eröffnet.
Der Kurfürstendamm ist hier 12 Meter höher als an der Gedächtniskirche. Von der Brücke
hat man einen schönen Blick nach Charlottenburg mit dem ICC im Norden und nach Wilmersdorf mit dem
Kraftwerk und BfA-Gebäude aus Alluminium im Süden. Die Bundesversicherungsanstalt für
Angestellte (BfA) gibt es übrigens nicht mehr. Sie heißt jetzt Deutsche Rentenversicherung DRV
Bund.
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West-Berlin brauchte Bauplatz |
Kurz vor der Maueröffnung wurde 1988 überlegt, das Bahngelände hier in Halensee zu
überbauen. Der Halenseegraben sollte mit einer Art Deckel versehen werden, auf dem dann 1.400
Wohnungen entstehen sollten. 1,5 Milliarden DM hat man damals für eine solche Baumaßnahme
kalkuliert. West-Berlin konnte sich nicht in die Fläche ausdehnen. Deshalb suchte man solche
Möglichkeiten, zusätzliche Baumöglichkeiten zu schaffen. Mit der Wende wurden diese
Pläne zu den Akten gelegt.
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Neue Pläne für den Halenseegraben |
Hier im Süden sehen wir im Halenseegraben den früheren Güterbahnhof Halensee, der zur Zeit
in der kommunalpolitischen Diskussion ist. Es gibt Pläne der Lutz-Neubert-Gruppe, auf dem
Gelände zwei große Möbelmärkte zu errichten. Das Projekt ist in der BVV umstritten.
CDU und B90/Grüne sind dagegen, SPD, FDP und die Linke sind mit Einschränkungen dafür. Ich
denke, es gibt gute Argumente für beide Haltungen, und alle sind sich darin einig, dass ein Projekt
dieser Größenordnung zu großen Veränderungen in diesem Gebiet führen
würde. Die Frage ist, ob die positiven oder die negativen Auswirkungen überwiegen.
Jetzt wird im Zusammenhang mit dem Möbelhausprojekt eine Deckelung der Stadtautobahn erwogen, was zu
einer Verringerung des Verkehrslärms und der Abgase führen könnte. Für ein
großes Investitionsprojekt an dieser Stelle spricht die günstige Verkehrslage an der Autobahn
und S-Bahn.
Außerdem verhindern Möbelhäuser in der Innenstadt, dass die Menschen zu den großen
Einkaufszentren am Stadtrand fahren. Wichtig ist allerdings, dass das bestehende Gewerbe auf
Güterbahnhofsgelände und rund um die Westfälische Straße nicht verdrängt wird.
Ein Bürgerbündnis bereitet gerade zu dieser Bebauungsfrage ein Bürgerbegehren vor.
[Komplette Beschreibung des 1. Kiezspazierganges]
[Komplette Beschreibung des 2. Kiezspazierganges]
(aber ohne Links und Anker)
[Zur Geschichte Halensees]