Grunewald (Berlin)   —  Dies & Das – Teil 6 khd
Stand:  11.7.2008   (22. Ed.)  –  File: Heimat/B/Ex/Grunewald_Dies&Das_06.html



Grunewald Diese Seite ist Teil eines größeren Berlin-Reports, der sich mit dem Ortsteil Grunewald beschäftigt. Es verblüffte schon: Internet-Recherchen ergaben im Winter 2006/07, daß im Weltnetz so furchtbar wenig (heimatkundliche) Texte und Fotos über Grunewald verewigt sind. Manches kleine Dorf hat im Internet mehr zu bieten. Mit diesen Seiten soll nun dieses Defizit wenigstens etwas abgebaut werden.

   
  H a l e n s e e
In Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.
 
Auf dieser „Dies & Das“-Seite sollen nach und nach einige kleine Geschichten, Begebenheiten, Erinnerungen sowie erläuternde Hinweise zur Umgebung des Berliner Ortsteils Grunewald dokumentiert werden. Die Beiträge stammen aus verschiedenen Quellen, die jeweils angegeben sind. [Grunewald-Pläne] [Translation-Service]

I n d e x :


Halensee — Kiezspaziergänge vom 9.3.2002 und 11.3.2006


In Halensee

Auszug aus der Beschreibung des Kiezspaziergangs vom 9. März 2002 und 11. März 2006 durch Halensee mit Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen. Treffpunkt war am Henriettenplatz.

Auszug aus: Homepage des Bezirksamts des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, Dezember 2006. Die webgerechten Zwischentitel, Abbildungen, Links und Anmerkungen [Ed: ...] sind hier redaktionell zugefügt worden. [Original 1] [Original 2] [Plan von 1932 zum Spaziergang]


I n h a l t :


      Der Stadtteil Halensee ist kein offizieller Ortsteil. Halensee hat auch keine eigene Geschichte als selbständige Gemeinde wie zum Beispiel Schmargendorf oder Grunewald. Die Bezeichnung Halensee für die Gegend rund um das westliche Ende des Kurfürstendammes ist entstanden, als der Kurfürstendamm seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts ausgebaut wurde. Natürlich stammt der Name von dem nahegelegenen Halensee. Dieser See wiederum gehört überwiegend zur Villenkolonie Grunewald, nicht zum Stadtteil Halensee.

Der Kurfürstendamm wird geplant

      Der Kurfürstendamm wurde als Knüppeldamm angelegt, als 1542 das Jagdschloss Grunewald gebaut wurde. Er diente den kurfürstlichen Reitern als Verbindungsweg vom Berliner Schloss über die Linden durch den Tiergarten in den Grunewald.

      Am 5. Februar 1873 schrieb der damalige Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck an den Geheimen Kabinettsrat von Wilmowski:

„Die Straße am Kurfürstendamm wird nach den jetzt bestehenden Absichten viel zu eng werden, da dieselbe voraussichtlich ein Hauptspazierweg für Wagen und Reiter werden wird. Denkt man sich Berlin so wie bisher wachsend, so wird es die doppelte Volkszahl noch schneller erreichen, als Paris von 800.000 Einwohnern auf 2.000.000 gestiegen ist. Dann würde der Grunewald etwa für Berlin das Bois de Boulogne und die Hauptader des Vergnügungsverkehrs dorthin mit einer Breite wie die der Elysäischen Felder durchaus nicht zu groß bemessen sein.“

Stadtplan von 1932 zum Kiezspaziergang 2002
^   Ein Stadtplan-Ausschnitt von 1932 zu diesem informativen Kiezspaziergang von 2002. 1 = Hubertusallee. 2 = Humboldtstraße. 3 = Güterbahnhof Halensee. 4 = Trabener Straße. [Plan von Gesamt-Halensee]   (Repro: 2007 – khd)

Erst eine ‚Public-Private-Partnership‘ macht’s möglch

      1875 wurde die zukünftige Breite des Kurfürstendammes per Kabinettsordre auf 53 Meter festgelegt. Das ist zwar nur knapp halb so breit wie die Champs-Elysées, aber es wurde dann beim Ausbau der Straße präzise eingehalten. Bismarck legte besonderen Wert darauf, dass in der Mitte ein Reitweg erhalten blieb.

      Der Ausbau scheiterte zunächst an den fehlenden Finanzen. Schließlich wurde ein Unternehmens-Konsortium gebildet, die Kurfürstendamm-Gesellschaft. Sie erhielt 234 Hektar Grunewald zum Ausbau einer Villenkolonie als Gegenleistung für den Ausbau des Knüppeldamms zum Boulevard.

Und dann kann der Kurfürstendamm gebaut werden

      Seit 1883 wurde der Kurfürstendamm auf 53 Meter Breite ausgebaut, am 5.5.1886 wurde die Dampfstraßenbahnlinie Zoo-Kurfürstendamm-Grunewald eröffnet. Weil sie direkt neben dem Reitweg entlang fuhr, musste sie pferdefreundlich leise sein. Bismarck persönlich hatte sich davon überzeugt.

      1889 wurde dann am Ende des Kurfürstendammes die Villenkolonie Grunewald angelegt. Am Kurfürstendamm entlang waren zwar auch schon einige Villen entstanden. Diese mussten aber fast alle wieder abgerissen werden, weil jetzt, am Ende des 19. Jahrhunderts große Miethäuser gebaut wurden.

Fontane beschreibt Halensee

      Wie es am Ende des 19. Jahrhunderts hier aussah, das hat Theodor Fontane sehr schön beschrieben. Er veröffentlichte 1891 seinen Roman „Jenny Treibel“. Hier spielt das gerade eröffnete „Wirtshaus am Halensee“ eine wichtige Rolle als Ziel einer Landpartie. Für Corinna, die Tochter des Professors Schmidt, die mit Leopold, dem Sohn der Kommerzienratsfamilie Treibel, eine gemeinsame Zukunft plant, klingt „ein Nachmittag in Halensee fast so poetisch wie 4 Wochen auf Capri“. (...)

      Fontane beschreibt zunächst die Verkehrsmittel, mit denen die Ausflügler anreisen, und dann die Landschaft aus der Turmperspektive:

„Und wirklich, um 4 Uhr war alles versammelt, oder doch fast alles. Alte und junge Treibels, desgleichen die Felgentreus, hatten sich in eigenen Equipagen eingefunden, während Krola (...) aus nicht aufgeklärten Gründen die neue Dampfbahn, Corinna aber (...) die Stadtbahn benutzt hatte. Von den Treibels fehlte nur Leopold. (...)

      Sehen Sie, Schmidt, wenn ich Leopold Treibel wäre (...), so hätte mich doch kein Deubel davon abgehalten, hier heute hoch zu Roß vorzureiten, und hätte mich graziös (...) aus dem Sattel geschwungen. (...) Und nun sehen Sie sich den Jungen an. Kommt er nicht an, als ob er hingerichtet werden sollte? Denn das ist ja gar keine Droschke, das ist ein Karren, eine Schleife.“

„Nun, liebe Freunde,“ nahm Treibel das Wort, „alles nach der Ordnung. Erste Frage, wo bringen wir uns unter? Wir haben verschiedens zur Wahl. Bleiben wir hier Parterre, (...) oder rücken wir auf die benachbarte Veranda hinauf. (...) Oder endlich, (...) sind Sie für Turmbesteigung und treibt es Sie, diese Wunderwelt, in der keines Menschen Auge bisher einen frischen Grashalm entdecken konnte, treibt es Sie, sage ich dieses von Spargelbeeten und Eisenbahndämmen durchsetzte Wüstenpanorama zu Ihren Füßen ausgebreitet zu sehen?“

Ein Vergnügungsviertel entsteht

      1904 wurden aus dem „Wirtshaus am Halensee“ die „Terrassen am Halensee“, 1910 dann der „
Luna-Park“. Es war ein riesiger Vergnügungspark. Sein Lärm war in ganz Halensee zu hören. Zeitweise gab es an jedem Abend zum Abschluss ein großes Feuerwerk. Der Eingang befand sich unweit des heutigen Rathenauplatzes. 1935 musste der Luna-Park einem Autobahnzubringer [Ed: hm, das ist die Halenseestraße] Richtung Olympiastadion weichen.

Der Bahnhof Halensee

      Der Bahnhof Halensee wurde 1877 als „Bahnhof Grunewald“, eröffnet, 1884 in „Bahnhof Halensee“, umbenannt, 1894 weiter östlich an die heutige Stelle verlegt und umgebaut. 1960 wurde ein Neubau im Pavillonstil errichtet. Bald nach dem Mauerbau [1961] wurde der Bahnhof stillgelegt. 1985 eröffnet Opel Hesse in dem Pavillon einen Autosalon. 1993 hat die Bahn beschlossen, den Bahnhof ohne Empfangshalle zu betreiben und das Gebäude abgerissen.

Die Westfälische Straße

      Die Westfälische Straße ist so etwas wie die Hauptstraße von Halensee, und sie ist eine der erfolgreichen Einkaufsstraßen in unserem Bezirk.

      Die Geschäftsleute haben hier vor einigen Jahren eine Interessengemeinschaft gegründet, die sehr erfolgreich ist. Im letzten Jahr wurde das 100jährige Jubiläum der Straße gefeiert. Auch in diesem Jahr wird die IG Westfälische Straße wieder ein großes Fest veranstalten, und zwar am 9. September [2006] unter dem Motto „Ein Fest in unserer Straße – die Westfälische wird 100 + 1 Jahre“. Vorsitzender der IG ist Herr Koch von Blumen-Koch. Sein Geschäft wurde als eines von 5 Blumengeschäften in Deutschland mit 5 Sternen ausgezeichnet.

Am Henriettenplatz

      Halensee -- Am Henriettenplatz 2006
^   Am Henriettenplatz – Blick in Richtung Westfälische Straße.   (Foto: 11.3.2006 – BezAmt)
      Der Platz erhielt seinen Namen 1892 nach der Gemahlin von Friedrich-Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg, geborene Prinzessin von Oranien-Nassau. Sie wurde 1627 in Den Haag geboren und starb im Alter von 40 Jahren 1667 in Cölln in der Doppelstadt Berlin-Cölln. Sie heiratete mit 19 Jahren 1646 den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Der dritte Sohn aus dieser Ehe, Friedrich, wurde 1688 Kurfürst von Brandenburg und 1701 König in Preußen. Er gründete 1705 zu Ehren seiner früh verstorbenen Gattin Sophie Charlotte die Stadt Charlottenburg. Aber diese Geschichte kennen wir aus dem Jubiläumsjahr „300 Jahre Charlottenburg“ 2005.

      Zurück zu Luise Henriette. Sie ließ 1652 nördlich von Berlin ein Schloss im holländischen Stil bauen und gab ihm den Namen Oranienburg. Nach ihm erhielt später die Stadt Oranienburg ihren Namen. Luise Henriette förderte die Einwanderung holländischer Kolonisten nach Berlin und Brandenburg. Sie ist in der Gruft des Berliner Doms bestattet.

      Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 wurde von niederländischen Unternehmen eine Gedenksäule für Luise Henriette in Form eines kleinen Obelisken gestiftet und auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes aufgestellt. An der Stele sind Reliefs von Luise Henriette und ihrem Gemahl, dem Großen Kurfürsten, angebracht.

      Zur 750-Jahr-Feier Berlins wurde der gesamte Henriettenplatz im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs neu gestaltet den Säulenkolonaden mit der BVG-Wartehalle von Heinz Mack und einem Obelisk ebenfalls von Heinz Mack auf der anderen Straßenseite. Dieser Obelisk entspricht dem Leuchtobelisken am Europa-Center. Er stammt ebenfalls von Heinz Mack.

      Zur 750-Jahr-Feier Berlins wurden auch die teuren, verschnörkelten Hardenberg-Leuchten entlang des gesamten Kurfürstendammes aufgestellt. Die Original-Straßenlampen waren sehr viel schlichter. Sie wurden im Krieg zerstört und in den 50er Jahren durch Peitschenlampen ersetzt. Die jetzigen Lampen wurden nach dem Vorbild der früheren Straßenlampen an der Hardenbergstraße hergestellt. Deshalb der Name „Hardenberg-Leuchten“.

Der Medusenbrunnen

      Medusenbrunnen am Henriettenplatz
^   Der Medusenbrunnen von 1987 am Henriettenplatz.   (Repro: 2007 – khd)
      1987 wurde auch der Medusenbrunnen von Anna und Patrick Poirier auf dem Henriettenplatz aufgestellt. Er bezieht sich auf die Gestalt der Medusa aus der griechischen Mythologie. Medusa ist der Name zweier Gestalten der griechischen Mythologie. Die erste ist eine der Hesperiden, die die Goldenen Äpfel hüteten. Die zweite, bekanntere, auf die sich auch unser Brunnen bezieht, war eine Gorgone, die Tochter der Meeresgottheiten Phorkys und Keto, sowie die Schwester von Stheno und Euryale. Sie war die einzig sterbliche der drei Gorgonen.

      Ursprünglich war Medusa schön. Als Pallas Athene sie jedoch bei einer Buhlschaft mit Poseidon in einem ihrer Tempel überraschte, wurde sie von der erzürnten Athene in jene Gestalt verwandelt, als die sie gefürchtet war: Ein geflügeltes Ungeheuer mit Schlangenhaaren, langen Eckzähnen, einem Schuppenpanzer, Flügeln, glühenden Augen und heraushängender Zunge. Das Gesicht der Medusa war so hässlich, dass jeder sofort zu Stein erstarrte, der sie sah. Dass sie darüber nicht glücklich war, können wir uns vorstellen. Deshalb kullern im Sommer über den aus dem Henriettenplatz hervorwachsenden Kopf der Medusa die Tränen, die sich um sie herum in ein Planschbecken ergießen, das vor allem die Kinder mögen.

Kurfürstendamm 130

     
Das Eckhaus an der Ecke Kurfürstendamm und Westfälische Straße wurde ebenfalls zur 750-Jahr-Feier 1987 restauriert und mit einer neuen, transparenten Kuppel versehen. Ursprünglich hatten alle Eckhäuser am Kurfürstendamm Türme, Türmchen oder Kuppeln.

Die Kurfürstendamm-Brücke

      Die
erste Kurfürstendamm-Brücke wurde 1894 in Dienst gestellt. Schließlich wollten die Grunewalder ihre Villenkolonie auch auf direktem Weg über den Kurfürstendamm erreichen. Die Brücke wurde Ende der 1950er Jahre abgerissen und durch einen kompletten Neubau ersetzt. Die neue Stahlverbundbrücke mit einer Länge von 75 Metern und einer Breite von 32 Metern wurde abschnittsweise gebaut und im September 1963 eröffnet.

      Der Kurfürstendamm ist hier 12 Meter höher als an der Gedächtniskirche. Von der Brücke hat man einen schönen Blick nach Charlottenburg mit dem ICC im Norden und nach Wilmersdorf mit dem Kraftwerk und BfA-Gebäude aus Alluminium im Süden. Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) gibt es übrigens nicht mehr. Sie heißt jetzt Deutsche Rentenversicherung DRV Bund.

West-Berlin brauchte Bauplatz

      Kurz vor der Maueröffnung wurde 1988 überlegt, das Bahngelände hier in Halensee zu überbauen. Der Halenseegraben sollte mit einer Art Deckel versehen werden, auf dem dann 1.400 Wohnungen entstehen sollten. 1,5 Milliarden DM hat man damals für eine solche Baumaßnahme kalkuliert. West-Berlin konnte sich nicht in die Fläche ausdehnen. Deshalb suchte man solche Möglichkeiten, zusätzliche Baumöglichkeiten zu schaffen. Mit der Wende wurden diese Pläne zu den Akten gelegt.

Neue Pläne für den Halenseegraben

      Hier im Süden sehen wir im Halenseegraben den früheren Güterbahnhof Halensee, der zur Zeit in der kommunalpolitischen Diskussion ist. Es gibt Pläne der Lutz-Neubert-Gruppe, auf dem Gelände zwei große Möbelmärkte zu errichten. Das Projekt ist in der BVV umstritten. CDU und B90/Grüne sind dagegen, SPD, FDP und die Linke sind mit Einschränkungen dafür. Ich denke, es gibt gute Argumente für beide Haltungen, und alle sind sich darin einig, dass ein Projekt dieser Größenordnung zu großen Veränderungen in diesem Gebiet führen würde. Die Frage ist, ob die positiven oder die negativen Auswirkungen überwiegen.

      Jetzt wird im Zusammenhang mit dem Möbelhausprojekt eine Deckelung der Stadtautobahn erwogen, was zu einer Verringerung des Verkehrslärms und der Abgase führen könnte. Für ein großes Investitionsprojekt an dieser Stelle spricht die günstige Verkehrslage an der Autobahn und S-Bahn.

      Außerdem verhindern Möbelhäuser in der Innenstadt, dass die Menschen zu den großen Einkaufszentren am Stadtrand fahren. Wichtig ist allerdings, dass das bestehende Gewerbe auf Güterbahnhofsgelände und rund um die Westfälische Straße nicht verdrängt wird. Ein Bürgerbündnis bereitet gerade zu dieser Bebauungsfrage ein Bürgerbegehren vor.

[Komplette Beschreibung des 1. Kiezspazierganges]
[Komplette Beschreibung des 2. Kiezspazierganges]     (aber ohne Links und Anker)

[Zur Geschichte Halensees]

Halensee — Kleine Geschichte(n)


Damit dank der permanenten Internet-Archivierung auch Kleinigkeiten nicht in Vergessenheit geraten, gibt es diese Rubrik:

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