BankGesellschaft Berlin – Die Skandal-Chronik – Teil 2 khd
Stand:  1.1.2007   (179. Ed.)  –  File: Politik/BankGesBerlin_2.html




Die Basis für die folgende Chronik des Berliner Banken- Skandals lieferte die Aufstellung "Anatomie einer Milliardenpleite", wie sie das Hamburger Manager- Magazin (MM) am 9. April 2002 publizierte. Die knappe MM- Chronologie wurde hier allerdings um neuere Erkenntnisse umfangreich ergänzt sowie um aktuelle Fakten fortgeschrieben, Links hinzugefügt und in eine Web- gerechte tabellarische Form gebracht. Alle Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen. [Aktuelles]

Worum geht es eigentlich beim Berliner Banken-Skandal?

Kreuz der BGB    
Im Januar 1994 wird in Berlin von der Großen Koalition aus CDU/SPD unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) die „BankGesellschaft Berlin“ (BGB) als Aktiengesellschaft gegründet. Sie besteht aus dem Zusammenschluß der LandesBank (LBB) mit Sparkasse, der Berliner Bank (BB) und der Berliner Hypotheken- und Pfandbriefbank – der BerlinHyp.

Nachdem Berlin Sitz der Bundesregierung geworden ist, will Berlins Landesregierung die Stadt auch zur Finanz- Metropole machen. Und sie will durch die zu erwartenden Gewinne dieser Superbank ihre immer größeren Haushaltslöcher stopfen. Dabei soll das (spekulative) Immobiliengeschäft zur besonders kräftig sprudelnden Geldquelle werden.

Nach fast 10 Jahren stellt sich aber heraus: Die BankGesellschaft ist tatsächlich zu einer sprudelnden Geldquelle geworden – für die Manager der Bank, für befreundete Politiker und Unternehmer. Und keiner der vielen Aufsichtsräte will davon je etwas bemerkt haben. Zugleich hinterläßt die BGB Verluste von voraussichtlich 20 bis 30 Mrd. Euro – vielleicht aber auch noch mehr. Diese soll die Berliner Bevölkerung bezahlen. So braucht sich die Bank in den nächsten 30 Jahren über den Schuldenberg keine Sorgen zu machen, denn Berlins Regierung hat ihr 2002 eine „Risiko- Abschirmung“ von 21,6 Mrd. Euro zugesagt...

Im Herbst 2006 trennt sich die BankGesellschaft von ihrem skandalbelasteten Namen und nennt sich nunmehr „Landesbank Berlin Holding AG“ (LBB). Im August 2007 wird diese LBB an den Deutschen Sparkassen- und Giro-Verband (DSGV) für 5,3 Mrd. Euro verkauft. Das Land Berlin bleibt auf den BGB-Altlasten und den Schrott-Immobilien sitzen.

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Mit der 102. Edition wurde die Chronik am 16.2.2004 wg. des auf 152 kByte gewachsenen Umfangs auf zwei Webseiten verteilt (Teil 1: bis 2002, Teil 2: ab 2002). Die originalen MM- Passagen sind nunmehr mit einem * gekennzeichnet. Mit * sind meist externe, weiterführende Links angegeben. Für den Inhalt von externen Webseiten (Links) wird keine Verantwortung übernommen. Lücken in den Tabellen beruhen meist darauf, daß die entsprechenden Fakten bislang nicht recherchierbar waren.
(xxx = Text folgt demnächst).

I n d e x :  
| Vor 1990 |
| 1990 | 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1998 | 1999 |
| 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 |     | 2025 |
| Anmerkungen |
    [ Manager des BGB-Konzerns ]
[ Berlin zahlte an den BGB-Konzern ]
[ Wirtschaftsprüfer des BGB-Konzerns ]
[ Kritische Immobilien-Fonds der BGB ]




Chronik des Berliner Banken-Skandals
 
Wie uns skrupellose Politiker, Bankmanager und Wirtschaftsprüfer eine Milliardenpleite bescherten
und damit eine Weltstadt total ruinierten.

Recherchiert im Internet und zusammengestellt
von
Karl-Heinz Dittberner – Berlin


2002

1. April 2002: Der Vorsitzende der Organisation „Business Crime Control“ (BCC), Prof. Hans See, wendet sich in einem eindringlichen Brief an die Berliner Mandatsträger. Darin macht er deutlich und begründet im einzelnen: „Keine der Begründungen für eine Risikoübernahme ist stichhaltig“. Eine Entscheidung für die Risikoübernahme durch das Land Berlin liege nicht im Interesse des Landes, seiner Bürger und Steuerzahler, heißt es in dem Brief. *
4. April 2002: In einem Positionspapier lehnt die Vereinigte Linke in der Berliner SPD das Gesetz zur Ermächtigung des Senats ab. *


9. April 2002: Das Berliner Abgeordnetenhaus beschließt dennoch gegen die Stimmen der Grünen und der FDP sowie einiger Abgeordneten von SPD, PDS und CDU das „Gesetz über die Ermächtigung des Senats zur Übernahme einer Landesgarantie für Risiken aus dem Immobilien- Geschäft der Bankgesellschaft“ (GVBl. 2002, Seite 121). In diesem Gesetz werden Zahlungszusagen von weiteren bis zu 21,6 Mrd. Euro für einen Zeitraum bis Ende 2032 gemacht. In Wirklichkeit beträgt aber der theoretische Höchstwert der zu deckenden Risiken 35,34 Mrd. Euro. Gegenüber der EU hat Deutschland jedoch Schätzwerte für das tatsächliche Risiko für 3 Szenarien angegeben: 2,7 Mrd. Euro im günstigsten Fall, 3,7 Mrd. Euro im Basisfall und 6,1 Mrd. Euro im schlimmsten Fall. Die Grundlage für diese Schätzungen werden nicht mitgeteilt ( *, Seite 2).
9. April 2002: Nur wenige Stunden nach der historischen Abstimmung im Abgeordnetenhaus wurde durch die TV-Sendung „Pleite ohne Ende – Die BankGesellschaft Berlin“ des SFB-Fernsehens (B1, Autoren Ursel Sieber und Mathew D. Rose) bekannt, daß es sich bei den kurz zuvor unter Staatsschutz gestellten Geschäften der BankGesellschaft Berlin (BGB) mit hoher Wahrscheinlichkeit um politisch angeregten Betrug zu Lasten Berlins gehandelt habe. Aus einem bisher geheimgehaltenen Bericht der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young im Auftrage der BGB gehe vor, daß die führenden BGB-Manager jahrelang massiv und systematisch verlustbringende Immobilien- Objekte in ihre geschlossenen Immobilien- Fonds verschoben und damit staatlich abgesicherte Ertragsgarantien auf Jahrzehnte sicherten. Nach Angaben des SFB handelt es sich um 85 „Objektverlagerungen“, die vorgenommen wurden, um Bilanzverluste des BGB-Konzerns zu kaschieren.
22. April 2002:
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Der Kurs der BGB-Aktie ist im Jahr 2001 an der Börse massiv abgestürzt. Betrug der Kurs Ende 2000 noch fast 16 Euro/Aktie, so liegt er jetzt bei nur noch 2 Euro/Aktie – ein Verlust von um die 90 %. Bei insgesamt 999.327.870 BGB- Aktien liegt damit der Börsenwert der BankGesellschaft Berlin derzeit bei knapp 2 Mrd. Euro, was in etwa der am 4. Oktober 2001 realisierte Kapitalzufuhr durch das Land Berlin entspricht. Diese war noch zu einem Kurs von 2,56 Euro/Aktie erfolgt. Strebt nun der Kurs asymptotisch der Abszisse zu?

Absturz der BGB-Aktie im Jahr 2001

26. April 2002: Die BGB legt den Geschäftsbericht 2001 vor. Darin ist auf 18 Seiten (Seite 158–175) der riesige Schatten-Konzern in Form einer langen Liste des Anteilsbesitzes von BGB und IBAG beschrieben. Von irgend einer Art Entschuldigung bei den Bürgern des Landes Berlin für die skandalösen Vorgänge und deren finanzielle Folgen für das Gemeinwesen ist auf den 207 Seiten des BGB-Berichts nichts zu lesen.
April 2002: Im Finanzdienst Immobilien-Brief Nr. 17 weist Immobilien- Spezialist Werner Rohmert daraufhin, daß der im November 2001 vom Land Berlin de facto eingesetzte BGB-Chef Hans-Jörg Vetter (früherer Vorstand der BfG) eigene Erfahrungen als Promoter von später notleidenden Fonds mitbringt. „Und so gerät sein (Saubermacher-) Image ins Wanken,“ heißt es. *
April 2002: Die Aubis-Manager Wienhold und Neuling kommen gegen eine Zahlung einer Kaution von 950.000 Euro frei. Sie müssen sich einmal in der Woche bei der Polizei melden.
17. Mai 2002: Im Kontrollgremium der BGB berichten Experten von PriceWaterhouseCoopers: „Ein umfassendes, alle Risikoarten betreffendes Risikomanagementsystem existiert derzeit noch nicht.“ Im Klartext heißt das: Niemand weiß genau, wie hoch sich die Verluste der BankGesellschaft Berlin noch aufsummieren werden. Es gibt nur Spekulationen. Mit etlichen finanziellen Überraschungen sei noch zu rechnen, wissen Insider. Deshalb sei die BGB derzeit unverkäuflich, was sich dann im März 2003 bestätigte.
Mai 2002: BGB-Chef Hans-Jörg Vetter teilt mit, daß die BankGesellschaft fast die Hälfte ihrer Stellen streichen und sich künftig nur noch auf das Kerngeschäft im Großraum Berlin konzentrieren werde.
14. Juni 2002: Der neue Vorstand der BankGesellschaft Berlin (BGB) reicht beim Landgericht Berlin eine erste Schadensersatz-Klage gegen 11 inzwischen ausgeschiedene Manager, Vorstände und Aufsichtsräte ein. Die Klage richtet sich u. a. gegen Dr. Wolfgang Rupf, Klaus-Rüdiger Landowsky, Ulf-Wilhelm Decken, Hans Görler und Dr. Manfred Schoeps, von denen mehr als 25 Mio. Euro verlangt werden. *
25. Juni 2002: Der BGB-Aufsichtsrat kündigt den Dienstvertrag des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Rupf fristlos und mit sofortiger Wirkung. Rupf war bereits vor einem halben Jahr vom Posten des BGB-Chefs zurückgetreten. In der Beschlußvorlage für die Sondersitzung des Aufsichtsrats heißt es, der wichtige Grund für die außerordentliche Kündigung bestehe in „massiven und erheblichen Pflichtverletzungen“ Rupfs. Ihm wird vorgeworfen, seine Pflichten in seiner Funktion als Aufsichtsratsmitglied der Bank-Töchter BerlinHyp und IBG sowie als Vorstandsmitglied der Bankgesellschaft beim Immobiliengeschäft 1997 mit der Aubis-Gruppe verletzt zu haben. „Das Vertrauen in Herrn Dr. Rupf ist vollständig zerstört“, heißt es. *
30. Juni 2002: Dem investigativen Journalisten Mathew D.Rose wird in Berlin der 34-seitige „Bericht über die Sonderprüfung zu den Risiken der von der Unternehmensgruppe Immobilien- und Baumanagement der BankGesellschaft Berlin GmbH aufgelegten geschlossenen LBB- Immobilien- Fonds“ vom 24. Juli 1997 zugesteckt. Autor des brisanten Berichts über die IBG ist der unabhängige Wirtschaftsprüfer Achim Walther aus Hannover, der die enormen Risiken bereits vor 5 Jahren erkannt hatte. Und damit kommt so einiges – auch die Aufdeckung der IBG- Bilanzpraktiken à la Enron – ins Rollen... ( *, Seite 104ff).
Juli 2002: Deutschlands Steuerzahler werden Milliarden bezahlen müssen, weil die BankGesellschaft Berlin ihren Anlegern risikofreie Gewinne garantierte. Dagegen wehrt sich jetzt die "Initiative Berliner Bankenskandal" und veröffentlichte eine Liste von Anlegern, die sie dem öffentlichen Handelsregister entnahmen. Denn alle Fonds- Zeichner müssen dort als Gesellschafter der jeweiligen Fonds- Gesellschaft amtlich registriert werden. Mit der Fonds- Zeichnung sind sie Mit- Unternehmer geworden.
Juli 2002: Berlins Senat verlängert die Abgabefrist für Kauf-Angebote zum BGB-Konzern. Der Bank droht eine milliardenschwere Beihilfe- Rückzahlung an die öffentliche Hand, nachdem die EU-Kommission ein Wettbewerbsverfahren wegen vermutlich ungerechtfertigter Senats- Beihilfen für die zur BGB gehörende Landesbank (LBB) eröffnet hat.
19. Juli 2002: Hauptversammlung der BankGesellschaft Berlin AG (BGB). *
Sommer 2002: Berlins oberster Ankläger, Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge (SPD) erklärt zu den eingeleiteten Verfahren gegen Verantwortliche des BGB-Skandals, daß man „nicht zu viel erwarten“ solle. Es sei schwierig, Schuldige dingfest zu machen. Auch seien viele Fälle in der Zwischenzeit verjährt. ( *, Seite 209)
14. August 2002: Neben der Nord/LB (zusammen mit dem Sparkassen- und Giroverband) geben auch die US-Investorengruppe der Texas Pacific Group zusammen mit der des Sanierers Christopher Flowers + Wilbur Ross sowie der amerikanische Pensions- Fonds Lone Star ihr Kaufgebot für die BGB ab. Der Berliner Senat will bis Ende 2002 einem der 3 Bieter den Zuschlag erteilen.
22. August 2002: Aus dem Handelsblatt und im ARD-Politmagazin Kontraste (SFB) erfährt die Öffentlichkeit erstmals von den Erkenntnissen des Walther- Prüfberichts der BGB-Tochter IBG von 1997. *
Ende August 2002: Durch einen Bericht des Tagesspiegel wird am 29.8.2002 bekannt, daß der ehemalige BGB-Aufsichtsratschef Edzard Reuter (SPD) dem Ex-BGB-Chef Dr. Wolfgang Rupf den Erwerb und Ausbau einer Grunewald- Villa für insgesamt 6 Mio. Euro genehmigte – ohne vorher die nach dem Aktienrecht dafür notwendige Zustimmung des Kontrollgremiums einzuholen. Die Vergabe von 19 Dienst- Villen an Spitzenbanker erfolgte bei der BGB ohne feste Regeln. Die Manager mußten nur geringe Mieten bezahlen.
31. August 2002: Auch im ersten Halbjahr 2002 steckt die BankGesellschaft Berlin (BGB) weiterhin in den tiefroten Zahlen. Der Verlust des Konzerns beträgt nach Steuern 154 Mio. Euro. Das Image der Bank ist nachhaltig ramponiert: Bei den Kunden, an der Börse und bei den Kreditgebern. Dennoch verspricht BGB-Chef Hans-Jörg Vetter für 2003 ein Ende der Verluste. Die über den Fortbestand der BGB entscheidende EU-Genehmigung für die staatlichen Beihilfen liegt noch immer nicht vor.
1. September 2002:
BankGesellschaft Berlin AG
Die Eigentümer-Struktur
Stand: 1. September 2002
Quelle: Tagesspiegel – 13.9.2002, Seite 17.
Eigentümer Anteil am
1.9.2002
Anm.
Land Berlin 80,95 %  
Nord/LB 10,85 % 1) 
Streubesitz 5,93 %  
Gothaer Beteiligungsgesellschaft 2,27 % 2) 
Summe: 100,00 %  
1) Nahm an der Kapitalerhöhung im August 2001 nicht teil.
2) Heißt inzwischen Parion.
6. September 2002: Der Berliner Untersuchungsauschuß zum Banken-Skandal vernimmt als Zeugen den Wirtschaftsprüfer Achim Walther. Dieser hatte sich schon 1997 darüber gewundert, wie es bei den Immobilien- Fonds der BankGesellschaft Berlin gelingen konnte, Mietsteigerungen über 25 Jahre zu garantieren.
7. September 2002: Die "Initiative Berliner Banken-Skandal" rückt den Verantwortlichen mit einem „Spaziergang im Grunewald“ (Villen-Viertel) auf die Pelle. * *
9. September 2002: Durch den Artikel „Diepgen arbeitete für BankGesellschaft“ in der Berliner Morgenpost wird bekannt, daß die BGB im Herbst 2001 den früheren Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) mit einem Mandat zur Schadensbegrenzung bei einem Fondsprojekt (LBB 5) betraute. Dabei sollte Diepgen als Rechtsanwalt der Kanzlei Thümmel, Schütze & Partner den Schaden nach der Pleite des Herz- und Kreislaufzentrums Dresden minimieren, was gelang. *
12. September 2002: Der Kreis der Interessenten für den Kauf der BankGesellschaft Berlin (BGB) hat sich verkleinert. Die Gruppe um die Nord/LB plus Sparkassen sowie der US-Investor W. L. Ross sind ausgeschieden, da diese zu niedrige Angebote abgaben. Im Rennen bleiben damit nur die beiden US-Gruppen BGB Capital Partners (Flowers/Texas u. a.) und Lone Star. Der Berliner Senat rechnet noch für 2002 mit einem Zuschlag. Damit scheint sicher zu sein, daß die BGB nicht als öffentlich- rechtliche Bank fortbestehen wird, womit die Berliner Sparkasse ihren besonderen Status verlieren wird.
30. September 2002: Die Berliner Staatsanwaltschaft stellt nach nur wenigen Wochen die Ermittlungen gegen die Wirtschaftsprüfer der BDO Deutsche Warentreuhand AG wg. Falschtestierung von Bilanzen der BankGesellschaft Berlin – das Deutsche Enron – ein. (Aktenzeichen: 2 StB Js 16/02)  [Enronitis in Berlin]
Oktober 2002: Um die Finanzrisiken bei der BankGesellschaft besser beherrschen zu können, hat der Berliner Senat nunnehr eine besondere Prüf- Gesellschaft gegründet – die Berliner Gesellschaft zum Controlling der Immobilien- Altrisiken mbh (BCIA GmbH).
15. Oktober 2002: Bei der Staatsanwaltschaft Berlin sind derzeit 56 strafrechtliche Ermittlungsverfahren zum Komplex BankGesellschaft (BGB) anhängig. In 2 Verfahren wurde bislang Anklage erhoben (Aubis-Komplex). 15 weitere Verfahren wurden eingestellt.
17. Oktober 2002: Der vom Berliner Senat wegen der durch das BGB- Desasters entstandenen Haushaltsnotlage angestrebte „Solidarpakt“ mit den Gewerkschaften zur Erzielung von Einsparungen durch „Sonderopfer“ des öffentlichen Dienstes scheitert. Daraufhin droht der Senat mit Kündigungen ab 2005. Die Gewerkschaften denken an einen Generalstreik.
28. Oktober 2002: Der EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti ist bereit, das Sanierungskonzept für die BankGesellschaft Berlin (BGB) zu genehmigen. Voraussetzung: Das verlustreiche Immobiliengeschäft wird aus dem Verbund der BGB- Holding ausgegliedert und die Risikoabschirmung des Landes Berlins wird in eine wettbewerbsgerechte Umstrukturierungsbeihilfe umgewandelt.
5. November 2002: Das Land Berlin leistet den Offenbarungseid: Der Senat stellt die extreme Haushaltsnotlage fest und will nun 40 Mrd. Euro Bundeshilfe beim Bundesverfassungsgericht einklagen.
9. Dezember 2002: Es wird immer unwahrscheinlicher, einen Käufer für die extrem Image- geschädigte BankGesellschaft Berlin (BGB) zu finden. Heute hat sich die US-Investorengruppe Lone Star aus dem Bieterverfahren wg. verweigerter Infos zum Zustand der BGB verabschiedet. Man wolle schließlich „nicht die Katze im Sack kaufen“, hieß es. Nur noch die Gruppe BGB Capital Partners sei noch im Rennen, teilte Berlins Regierung mit. Dieser einzige Bieter fordert nun eine weitergehende Risikoabsicherung durch das Land Berlin.
10. Dezember 2002: Auch wenn der Berliner Senat noch hofft, das Bieterverfahren bis Ende Januar 2003 abschließen zu können, gibt es nun Vermutungen in der Stadt: Der rot-rote Senat habe das ganze Bieterverfahren nur inszeniert.
31. Dezember 2002: Der letzte Immobilen-Fonds des BGB-Konzerns der „IBV Deutschland 4“ wird mit nur 48,2 Mio. Euro eingesammeltem Eigenkapital geschlossen. Trotz des seit Anfang 2001 allgemein bekannten BGB- Desasters wagten sich noch mal 1247 Anleger, einen solchen Fonds mit Ausschüttungs- und Anteilsrückgabe- Garantie zu zeichnen. So empfahl Focus-Money im Heft 18/2002 diesen Fonds mit der Note 2,8 („Breit gestreutes Portfolio mit anfänglichem Sicherheitsnetz“) und wies besonders auf die Garantien durch das Land Berlin hin.
Ende 2002: Das Land Berlin erreicht mit rund 47.500.000.000 Euro = 47,5 Mrd. Euro einen neuen Rekordstand der Verschuldung. *

2003


10. Januar 2003: Die Chubb Insurance Company (Düsseldorf), bei der die BGB für ihre Vorstände und Manager Vermögensschadens- Haftpflichtversicherungen abgeschlossen hat, kündigt „wg. arglistiger Täuschung“ jeglichen Rechtsschutz für die Manager. ( *, Seite 228)
13. Januar 2003: Durch einen Bericht des Tagesspiegel wird bekannt, daß die zur BankGesellschaft Berlin gehörende LandesBank Berlin (LBB) fast 1 Mrd. Euro aus der WBK-Eingliederung von 1992 an das Land Berlin zurückzahlen muß. Das habe eine Untersuchung durch die EU-Kommission ergeben.
Ende Januar 2003: Der prominent besetzte „Wissenschaftliche Arbeitskreis zur BankGesellschaft Berlin“ legt in einem Thesenpapier eine Alternative zur „Überwindung der Banken-Krise in Berlin“ mit 10 Thesen vor. *
Februar 2003: Das Landgericht Berlin verschiebt den Prozeß gegen die Aubis-Manager Wienhold und Neuling.
18. März 2003: Im Berliner Transit-Verlag erscheint das Enthüllungsbuch zum Berliner Banken- Skandal „Eine ehrenwerte Gesellschaft — Die BankGesellschaft Berlin“ des investigativen Journalisten Mathew D. Rose. * *
25. März 2003: Die Privatisierung der BGB ist nach 2-jähriger Verhandlung des Berliner Senats mit Bietern gescheitert [Ed: vermutlich sollte sie scheitern]. Der Senat hat das Angebot von Christopher Flowers und der Pacific Group heute abgelehnt. Das Konsortium BGB Capital Partners habe für die 81-%ige Landesbeteiligung an der BGB nur einen 2-stelligen Millionenbetrag geboten [also max. 99 Mio. Euro]. Angesichts der vom Land Berlin erst 2001 bereitgestellten 1,7 Mrd. Euro Eigenkapital sei ein solch niedriger Verkaufspreis „nicht vermittelbar“, auch wenn damit zugleich Berlin von allen finanziellen Risiken entbunden sein würde. Die Offerte des 2. Bieters Lone Stars sei „zu wenig aussagekräftig“, um berücksichtigt zu werden, heißt es.
? April 2003: Die Berliner Bank wird in die LandesBank Berlin (LBB) als Niederlassung eingegliedert. Damit haftet das Land Berlin für weitere Risiken. Die EU-Kommission wird im Februar 2004 diese Restrukturierung nicht akzeptieren.
xxx: xxx.
xxx: xxx.
4. Juli 2003: Hauptversammlung der BankGesellschaft Berlin AG (BGB). Im Jahr 2002 hat die BGB einen Verlust von 699 Mio. Euro nach Steuern gemacht.
4. Juli 2003: Die "Initiative Berliner Bankenskandal" startet eine Unterschriftenaktion zur Beantragung eines Volksbegehrens „Schluß mit dem Berliner Bankenskandal“.
23. Juli 2003: Mit „großer Empörung“ wendet sich der BGB-Personalrat Helmut Tesch (ÖTV/Verdi), der jahrelang als Arbeitnehmer- Vertreter im BGB-Aufsichtsrat den Banken- Konzern mitkontrollierte – und nichts bemerkte, an die Belegschaft der BankGesellschaft Berlin (BGB), daraufhinzuwirken, daß der Antrag zum Volksbegehren „nicht unterstützt wird“. „Auch Verdi distanziert sich von diesem Antrag und hat der Initiative jegliche Benutzung des Verdi- Emblems unter Androhung von rechtlichen Schritten verboten“, heißt es in seinem Schreiben. *
Ende Juli 2003: Es wird damit deutlich, daß führende Funktionäre des Landesverbands der Dienstleistungs- Gewerkschaft Verdi in den Banken-Skandal verstrickt sind. So waren die Gewerkschaftler Hartmut Friedrich (DAG/Verdi), Ernst-Otto Kock (ÖTV/Verdi), Helmut Tesch (ÖTV/Verdi) und Joachim Tonndorf (DAG/Verdi) viele Jahre Mitglieder des Aufsichtsrats des BGB-Konzerns und seinen Ausschüssen. Helmut Tesch soll sogar selbst zu den Zeichnern der unseriösen Immobilien- Fonds gehören. Verdi- Berlin ist damit handlungs- und kampagnen-unfähig. *
September 2003: Der Haftbefehl gegen die Aubis-Chefs Wienhold und Neuling wird aufgehoben. Die Manager erhalten die gezahlte Kaution zurück.
September 2003: Berlins Haushaltsnotlage zwingt den Senat, Klage beim Bundesverfassungsgericht einzureichen. Damit sollen vom Bund Sanierungshilfen zur Entschuldung des Landeshaushalts erzwungen werden, die dieser bislang kategorisch verweigert. Die Karlsruher Richter haben daraufhin Bund und Länder aufgefordert, zur Klageschrift Stellung zu nehmen und dafür nur eine außergewöhnlich kurze Frist – bis Februar 2004 – anberaumt. Nach Senats- Einschätzung weist das daraufhin, daß das Bundesverfassungsgericht dem Verfahren Eilbedürftigkeit zugesteht.
24. September 2003: Die BerlinHyp scheitert vor dem Landgericht Berlin mit einer Schadenersatzklage gegen Klaus Landowsky und 3 andere Ex-Manager wg. der Vergabe bestimmter Kredite an die Immobilienfirma Aubis. Die Forderung der BerlinHyp von 5 Mio. Euro sei zu unbestimmt gewesen, begündet das Gericht die Klageabweisung. Die BerlinHyp war im Verfahren nicht in der Lage gewesen, ihre Forderungen zu konkretisieren.
25. September 2003: Eine Einstweilige Verfügung gegen die Verbreitung des Enthüllungsbuches von Mathew D. Rose „Eine ehrenwerte Gesellschaft — Die BankGesellschaft Berlin“ wird in allen Punkten aufgehoben. Das Buch kann nun wieder ohne Schwärzungen erscheinen. Beantragt hatte die Verfügung Dr. Manfred Schoeps, Ex-Geschäftsführer der Immobilien- und Baumanagement GmbH (IBG). Er war damit verantwortlich für das obskure Immobilienfonds- Geschäft der BankGesellschaft Berlin. *
Oktober 2003: Das Landgericht Berlin verschiebt erneut den Prozeß gegen die Aubis- Manager Klaus Wienhold (53) und Christian Neuling (60), zwei Schlüsselfiguren im Berliner Bankenskandal – wg. Überlastung der 19. Kammer (für Wirtschaftssachen), heißt es. In einem anderen Prozeß wird Klaus Wienhold (53) vom Amtsgericht Tiergarten wg. Betrugs an 2000 Mietern (falsche Betriebskostenabrechnung 1999) zu einer Strafe von 50.000 Euro verurteilt.
23. Oktober 2003: Durch einen Bericht des InfoRadio Berlin wird bekannt, daß der Ex-Geschäftsführer der IBG (Immobilien-Tochter der BankGesellschaft Berlin), Dr. Manfred Schoeps, schon im Mai 1997 in einem Aktenvermerk vorgeschlagen hat, eine Strohmann-Konstruktion zur Abwicklung der für das Fonds-Geschäft erforderlichen Immobilien- Kredite zu wählen. Schoeps war bis zum 31. August 2000 verantwortlich für das ruinöse Immobilienfonds- Geschäft der BankGesellschaft Berlin. *

31. Oktober 2003: Das Landesverfassungsgericht Berlin urteilt: Der Doppel-Haushalt 2002/2003 des Landes Berlin ist verfassungswidrig und damit nichtig, da darin die Neuverschuldung (10,9 Mrd. Euro) die Investitionen (4,2 Mrd. Euro) deutlich überstiegen (+160 %). Geklagt hatte die Opposition im Abgeordnetenhaus (CDU, Grüne + FDP). Der Berliner Senat muß eine Haushaltssperre bis Ende 2003 verhängen. Nach den Maßstäben des Urteils sind alle Landeshaushalte Berlins seit 1993 verfassungswidrig gewesen – also auch die der Großen Koalition (CDU + SPD) von 1991–2001 unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU).
31. Oktober 2003: Das Landgericht Berlin hat erneut eine Klage der BGB abgewiesen. Die BGB verlangte von einem Ex-Manager ihrer Tochter Bavaria Schadensersatz, da dieser einen Kredit an die Firma Aubis zu nicht marktüblichen Konditionen vergeben hatte. Da der Manager vorher aber für dieses Geschäft vom damaligen BGB-Aufsichtsrat entlastet worden war, verlor die BGB den Prozeß.
Anfang November 2003: Der ehemalige Chef der zur BankGesellschaft Berlin (BGB) gehörenden Landesbank Berlin (LBB), Ulf- Wilhelm Decken, ist mit seiner Klage gegen seine im März 2001 erfolgte Kündigung gescheitert. Nachdem Decken bereits den Prozeß vor dem Landgericht verloren hatte, hat nun auch das Kammergericht die Berufung Deckens abgewiesen. Die BankGesellschaft hatte die Kündigung mit „groben Pflichtverletzungen“ begründet.
16. November 2003: Die "Initiative Berliner Bankenskandal" hat für ein Volksbegehren, das u. a. die Auflösung der BankGesellschaft Berlin fordert, bislang 16.000 Unterschriften gesammelt.
27. November 2003: In Berlin gehen 20.000 Studenten und Schüler auf die Straße, um gegen die massiven Kürzungen bei den Berliner Hochschulen zu protestieren. *
Anfang Dezember 2003: Die BankGesellschaft Berlin (BGB) muß mit gravierenden Auflagen der EU-Kommission rechnen. Denn die BGB habe noch immer nicht ihre Töchter „Berliner Bank“ und „BerlinHyp“ verkauft, heißt es in Brüssel im Umfeld von Wettbewerbskommissar Mario Monti.
15. Dezember 2003: In der TV-Sendung „Berliner Platz“ des RBB (früher SFB) zum Diskussionsthema „Banken-Skandal“ erhebt Prof. Rolf Kreibich (Ex-Präsident der Freien Universität Berlin) vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung schwere Vorwürfe: Der Senat der Großen Koalition habe jegliche wegweisenden Pläne für Berlins Zukunft „vom Tisch gefegt“. Zudem säßen noch heute Personen im BankGesellschafts- Konzern, die beim „Einrühren der für das Land ruinösen Immobilen- Fonds“ beteiligt waren. Auch der rot-rote Senat habe bislang nicht bei der BankGesellschaft aufgeräumt. Das „Kartell der Unfähigen“ habe Berlin fest im Griff.
16. Dezember 2003: Die "Initiative Berliner Bankenskandal" erreicht mit 27.000 Unterschriften die notwendige Anzahl zur Beantragung des Volksbegehrens. *
17. Dezember 2003: Hinter den Senats-Kulissen muß es mächtig gekracht haben. Denn heute wird vom Berliner Justizsenator mitgeteilt, daß der im Oktober 2003 auf unbestimmte Zeit verschobene Prozeß gegen die Schlüsselfiguren im Banken-Skandal, die Aubis- Manager Klaus Wienhold (53) und Christian Neuling (60), im Februar 2004 starten soll. Angeklagt werden sie wg. gemeinschaftlichen Betrugs.
18. Dezember 2003: Die EU-Kommission, die Bundesregierung und das Land Berlin einigen sich in Brüssel darauf, daß die BankGesellschaft Berlin (BGB) zur Sanierung die gerade erst voll in die LBB eingegliederte Konzerntochter Berliner Bank verkaufen muß – bis spätestens zum 1. Oktober 2006. Mit dem erzwungenen Verkauf der Tochter muß das bisherige Sanierungskonzept völlig verändert werden. Nur dann will die Kommission die bereits vom Land Berlin gewährten staatlichen Hilfen in Höhe von 1,75 Milliarden Euro genehmigen. Auch von der BerlinHyp muß sich die BGB trennen.
Ende 2003: Soweit das überhaupt sicher recherchierbar ist, produzierten die unseriösen Immobilien- Aktivitäten des BankGesellschafts- Konzerns insgesamt seit 1994:
  • 54 Immobilien-Fonds mit den zugehörigen Fonds-Gesellschaften sowie
  • ?? Stroh- Männer und -Frauen mit Freistellungserklärungen und
  • 23 oder mehr Finanzierungs-Gesellschaften vom Typ FinTech-1FinTech-23,
  • 70.000 Fonds-Zeichnern und vermutlich
  • 35 Mrd. Euro Verluste nach Berechnungen der EU-Kommission (worst-case),
  • 600 Gewerbe-Objekte,
  • 40.000 Wohnungen mit teilweise hohem Mietausfall-Risiko sowie
  • ?? Mrd. Euro an Steuerausfällen durch die Verlustzuweisungen der Fonds-Gesellschaften und
  • ?? Mrd. Euro an volkswirtschaftlichen Ausfällen durch die einseitige Bindung von öffentlichen Mitteln des Verlustausgleichs.
  • ?? Mrd. Euro an volkswirtschaftlichem Konsum-Ausfällen wg. der notwendigen Erhöhung von Gebühren durch das Land Berlin.
Ende 2003: Das Land Berlin erreicht mit rund 51.800.000.000 Euro = 51,8 Mrd. Euro einen neuen Rekordstand der Verschuldung. *
31. Dezember 2003: Stand der Aufwendungen des Landes Berlin für den BGB-Konzern:  mindestens 2,9 Mrd. Euro. *

2004


1. Januar 2004: Berlins Skandal-Bank BGB wird 10. Niemand feiert oder gratuliert.
Januar 2004: Der größte Banken-Skandal der deutschen Geschichte zieht auch das größte Wirtschafts- Strafverfahren in der Geschichte der Bundesreupblik nach sich. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat eine ganze Turnhalle voller Akten (mehr als 5700 Ordner), einen Server mit 4 Millionen Dateien und 340 Gigabyte gespeicherter Informationen zusammengetragen. Sie haben nun Probleme, sich in dem Materialwust zurechtzufinden. Bislang wurden 124 Verfahren eingeleitet, wovon 46 noch offen sind und 78 erledigt – meist eingestellt – sind. Nur 7 Anklagen wurden bislang erhoben. In vielen Fällen droht die Verjährung.
29. Januar 2004: Auch 3 Jahre nach dem Bekanntwerden der skandalösen Unregelmäßigkeiten bei der BankGesellschaft durch den Bericht „Der Milliarden- Bluff“ im Spiegel ist noch kein Verantwortlicher von den Managern des BGB- Konzerns, Politikern, Wirtschaftsprüfern oder Beamten der Bankenaufsicht vor Gericht zur Rechenschaft gezogen worden.
Ende Januar 2004:
Das Kreuz der BGB
Das Kreuz der BankGesellschaft ist für viele Berliner das Symbol für unfähige Politiker und damit der Pleite der Metropole.
Eine neue Initiative „Bürger gegen den Banken-Skandal“, die das Versagen bei der Aufklärung des Banken- Skandals anprangert, macht von sich reden. Das Bündnis ist prominent besetzt mit u. a. Prof. Rolf Kreibich, Prof. Uwe Wesel, Prof. Gesine Schwan, Prof. Peter Wapnewski, Dieter Vesper vom DIW und vielen Ärzten, Juristen, Künstlern und Lehrern. In Sorge um die Bedrohung der „mühsam nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebauten Demokratie“ haben sie dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) einen Brief „BankGesellschafts- Skandal: Was ist zu tun?“ geschrieben mit 5 Forderungen. Initiator ist der frühere Präsident der Freien Universität Berlin, Rolf Kreibich. Die 150 Unterzeichner fordern: Die Entflechtung der Banken- Holding BGB unter Einschaltung unabhängiger Experten. Die Entlassung des beteiligten Personals. Mehr Transparenz bei der Bank. Den sofortigen Beginn der Gerichtsprozesse gegen die Verantwortlichen. Die völlige Rücknahme der Risiko- Abschirmung. Der vollständige Brieftext wird am 1.2.2004 im Tagesspiegel als Anzeige veröffentlicht.
2. Februar 2004: Berlins Senat stoppt das beantragte Volksbegehren „Schluß mit dem Berliner Bankenskandal“. Nachdem die Berliner Innenverwaltung den Antrag juristisch geprüft hat, kam sie zu dem Schluß, daß er nicht zulässig ist. Der Senat beruft sich dabei auf den Artikel 62 der Berliner Verfassung: „Volksbegehren zum Landeshaushalt (...) sind nicht zulässig.“ Zudem befürchtet der Senat, daß ein erfolgreiches Volksbegehren unkalkulierbare Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen hätte. Die Bürgerinitiative will jetzt das Landesverfassungsgericht anrufen.
Anfang Februar 2004: In Berlin tun sich immer neue Finanzlöcher auf. So sind die Verkehrsbetriebe BVG und die Wohnungsbaugesellschaft GSW in Milliardenhöhe verschuldet. Die erst vor wenigen Jahren gegründete Krankenhaus- Holding Vivantes GmbH steht umnittelbar vor der Pleite, falls sie nicht kurzfristig weitere öffentliche Kredite erhält. Auch der neugebaute Veranstaltungsort Tempodrom am Anhalter Bahnhof rechnet sich nicht und ist kaum noch vor der Insolvenz zu bewahren, zumal hier offensichtlich die LandesBank Berlin (LBB) erneut eine Kreditvergabe nicht sauber abwickelte.
5. Februar 2004: Nach Informationen des Bundes der Steuerzahler wird bekannt, daß der außerordentlich von der BGB zum 25.6.2002 „aus wichtigem Grund“ gekündigte Ex-Chef der BankGesellschaft Berlin, Dr. Wolfgang Rupf, bis zum Jahr 2006 sein volles Gehalt in Höhe von etwa 60.000 Euro/Monat erhält. Wenn er in Rente geht, bekommt er geschätzt rund die Hälfte.
6. Februar 2004: Die US-Investoren Christopher Flowers und die Texas Pacific Group wollen jetzt die BGB-Tochter Berliner Bank (BB) kaufen, von der sich die BGB nach EU-Auflage bis spätestens Oktober 2006 trennen muß.
10. Februar 2004: Die Berliner SPD ist unter ihrem Vorsitzenden Peter Strieder im Zusammenhang mit der Finanzierung des Tempodroms in eine neue Parteispenden- Affäre vom Typ „Berliner Filz“ verstrickt. Nur wenige Monate nachdem 2001 der Landowsky-Affäre (Parteispende) aufgedeckt war und die CDU von der SPD dafür massiv angegriffen worden war (Bruch der Großen Koalition mit Neuwahlen), hatte die Berliner SPD die Chuzpe, sich ihre Wahlparty im Herbst 2001 – statt selbst zu bezahlen – von einem Baulöwen spendieren lassen und das noch nicht mal in ihren Büchern erfaßt. Der Koalitionspartner PDS denkt über einen Ausstieg aus der Regierung nach. *
14. Februar 2004: Die Berliner CDU wählt am Valentinstag Eberhard Diepgen (62, Regierender Bürgermeister 1984–1989 und 1991–2001) wg. seiner Verdienste um die Stadt Berlin zu ihrem Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit. In seiner Dankesrede hat er gleich wieder (teure) Visionen für Berlin: Er stellt sich Berlin im Jahr 2014 mit einer Landung des amerikanischen Präsidenten zum Staatsbesuch auf dem Flughafen Tempelhof vor [Ed: nicht auf dem BBI Schönefeld!], mit der Freien Universität als Stiftungsuniversität [Ed: und die BGB spendierte dazu großzügig das Stiftungskapital] und Transrapid- Verbindungen nach Warschau und Prag. Die Berliner CDU hält sich wieder für regierungsfähig.
15. Februar 2004: Es wird bekannt, daß es die Berliner Tageszeitungen Berliner Zeitung und Der Tagesspiegel abgelehnt haben, ganzseitige Anzeigen mit Informationen zum Berliner Banken- Skandal der Bürgerinitiative um Prof. Kreibich abzudrucken. In den Anzeigen sollten die jahrelangen Machenschaften der BankGesellschaft Berlin (BGB) mit namentlicher Auflistung der Pensionszahlungen an einstige Manager des BGB- Konzerns angeprangert werden. *  [Der Anzeigentext]
17. Februar 2004: Es wird vorab bekannt, daß die BGB das Jahr 2003 mit roten Zahlen abgeschlossen hat. Noch im Sommer 2003 hatte BGB-Chef Hans-Jörg Vetter ein positives Ergebnis erhofft.
18. Februar 2004: Der BGB-Konzern wird bis Ende 2007 zerschlagen: Das hat jetzt die EU-Kommission in Brüssel angeordnet. Danach muß die BankGesellschaft Berlin (BGB) das Immobilien- Geschäft total ausgliedern, bis spätestens 1.2.2007 die Berliner Bank (BB) verkaufen, die Weberbank (Berliner Industriebank) bereits bis zum 1.1.2005 veräußern, die BerlinHyp bis 2007 sowie weitere Tochter- Gesellschaften in In- und Ausland verkaufen. Der restliche BGB-Konzern muß dann – so er dann noch nicht pleite ist – bis zum 31.12.2007 privatisiert sein.
18. Februar 2004: Nur unter diesen Bedingungen genehmigte die EU-Kommission staatliche Beihilfen im Umfang von 9,7 Mrd. Euro. Das sind die bereits vom Land Berlin 2001 gezahlten 1,75 Mrd. Euro (bekannter als 2-Mrd- Finanzspritze) sowie die noch anfallenden Kosten aus den vom Land im April 2002 übernommenen Garantien über 21,6 Mrd. Euro („Risiko- Abschirmung“), deren wirtschaftlicher Wert auf rund 6,1 Mrd. Euro geschätzt wird. Außerdem geht es noch um eine Rückzahlungsvereinbarung von 1,85 Mrd. Euro, die zwischen Land Berlin und der BGB mit Blick auf ein noch nicht abgeschlossenes EU-Beihilfeverfahren vereinbart wurde (WBK-Eigenkapital?).
19. Februar 2004: Nach Informationen des Manager-Magazin befinden sich mindestens 7 der BGB-Fonds, in die tausende Privatanleger über 2,4 Mrd. Euro investiert haben, in akuten finanziellen Schwierigkeiten. Die Fondsverwaltung IBV hat den Anlegern des Fonds „Deutschland 1“ bereits mitgeteilt, daß es für das Jahr 2003 „mangels ausreichender Liquidität“ keine Ausschüttung geben wird. Anleger wollen nun mit Gerichtshilfe eine Rückabwicklung ihres Einsatzes erreichen. *  [Dazu Finanzsenator Sarrazin]
20. Februar 2004: Es wird bekannt: Die BGB-Fondsverwaltungsgesellschaft IBV hat den Senat von Berlin verklagt, um über das Landgericht Berlin (?) eine bislang nicht erfolgte Auszahlung der „Garantie- Gelder“ aus der 2002 vereinbarten Risiko- Abschirmung für die Jahre 2002 und 2003 in Höhe von 190 Mio. Euro zu erzwingen. Die geschlossenen Immobilien- Fonds haben in diesen Jahren weitere Verluste eingefahren. Der Senat läßt derzeit von seiner BCIA prüfen, ob das Land diese Einnahmeausfälle – angesichts der extremen Berliner Haushaltsnotlage – überhaupt tragen muß.  [Dazu Finanzsenator Sarrazin]
24. Februar 2004: Berlins Senat beschließt einen Gesetzentwurf zur Ausgliederung der InvestitionsBank Berlin (IBB, frühere WBK) aus der zum BGB-Konzern gehörenden LandesBank Berlin (LBB), die bis zum 1.1.2005 erfolgt sein muß. Die IBB war bisher vorrangig in der Wohnungsbauförderung aktiv, soll sich künftig aber verstärkt der Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen widmen und Wachstumsfelder unterstützen. Die IBB soll über ein Eigenkapital von 300 Millionen Euro verfügen.
27. Februar 2004: Berlins Finansenator Thilo Sarrazin (SPD) hat sich durchgesetzt: Der Aufsichtsrat der BankGesellschaft Berlin (BGB) feuert den unfähigen Controlling-Vorstand der BGB, Norbert Pawlowski. Der zum 30.6.2004 auslaufende Vertrag des 52-jährigen BGB-Managers wurde nicht verlängert. Pawlowski war seit 1998 für das Controlling und Risikomanagement des Konzerns zuständig, der dennoch von 2000 bis 2002 insgesamt Verluste von mehr als 2,4 Mrd. Euro aufgrund eingetretener Risiken ausgewiesen hat.
2. März 2004: Der Strafprozeß gegen die Aubis-Manager Dr. Christian Neuling und Klaus Wienhold beginnt vor dem Landgericht Berlin. Angeklagt sind sie wg. gemeinschaftlichen Betrugs zu Lasten der BGB- Tochter BerlinHyp. Um die Parteispenden von 40.000 DM zugunsten der CDU geht es nicht. Der Prozeß ist zunächst auf 19 Verhandlungstage bis Ende Mai angesetzt und stellt den Einstieg in die strafrechtliche Aufarbeitung des größten deutschen Banken-Skandals dar.
5. März 2004: Nach einem Bericht des Tagesspiegel fühlen sich 650 Zeichner von geschlossenen Immobilien- Fonds der BankGesellschaft Berlin (BGB) betrogen. Sie wollen jetzt auf Schadenersatz klagen. Für den Fonds „LBB 11“ sind bereits Einzelklagen eingereicht. Aktueller Anlaß für die Klagen sind 190 Millionen Euro Rückstände bei der Gewinnausschüttung notleidender Immobilien- Fonds. [Dazu Finanzsenator Sarrazin]
5. März 2004: Die "Initiative Berliner Banken-Skandal" erhebt Klage beim Landesverfassungsgericht Berlin gegen die Nichtzulassung des Volksbegehrens „Schluß mit dem Berliner Bankenskandal“ durch den Senat von Berlin. Der Antrag auf ein Volksbegehren wurde von über 34.000 Berliner Bürgern unterstützt. Die Initiative verweist darauf, daß es das Ziel dieses Volksbegehren ist, den Landeshaushalt zu entlasten und nicht zu belasten. *
20. März 2004: Uraufführung des Dramas „Bankenstück – Das Geld, die Stadt und die Wut“ im Berliner Maxim Gorki Theater, in dem der Autor Lutz Hübner den Berliner Banken- Skandal mit dem Mitteln des Theaters aufarbeitet. *
22. März 2004: Bei den strafrechtlichen Ermittlungen gegen Verantwortliche der BankGesellschaft Berlin AG wehrt sich die Staatsanwaltschaft gegen politischen Druck. In einem Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Berlins Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge: „Wir stehen vor einem Dilemma. In Berlin herrscht der Eindruck vor, wenn ein großer Schaden entstanden ist, muß auch jemand eine strafbare Handlung begangen haben. Das aber ist der Geisteszustand primitiver Kulturen.“ „Eine Anklage aus Volkszorn wird es nicht geben“, ergänzte der leitende Oberstaatsanwalt und Chef der Sonderermittlungsgruppe BankGesellschaft, Claus-Peter Wulff.
29. März 2004: Im Berliner Transit-Verlag erscheint ein weiteres Buch zum Berliner Banken- Skandal: „Tod im Milliardenspiel – Der Banken-Skandal und das Ende eines Kronzeugen“ der RBB- Journalisten Susanne Opalka und Olaf Jahn. Darin haben die Autoren ihre 2-jährigen Recherchen zum mysteriösen Tod des ehemaligen EDV-Chefs der Aubis-Gruppe, Lars-Oliver Petroll, zusammengetragen. Petroll wurde am 29. September 2001 erhängt im Grunewald aufgefunden. *
Ende März 2004: 5282 Gesellschafter (Fondszeichner) des geschlossenen Immobilien- Fonds „LBB 12“ wollen ihr eingezahltes Geld wiederhaben. Der Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Schirp hat jetzt eine entsprechende Sammelklage gegen die LandesBank Berlin (LBB) eingereicht. Laut Klageschrift erfüllten die LBB-Fonds hauptsächlich den Zweck, „Risiken aus notleidenden Kreditengagements“ aus der BGB in die Fonds zu verlagern. Gutgläubige Anleger seien bewußt getäuscht worden. *
7. April 2004: Berlins SPD-Chef und Stadtentwicklungs- und Bau- Senator Peter Strieder tritt in der Folge der Tempodrom- Affäre von allen seinen Ämtern zurück. Das sei „kein Schuldeingeständnis“. Aber in der Öffentlichkeit sei der Eindruck entstanden, daß sein Handeln beim Tempodrom als „Beweis für das Fortbestehen der alten Westberliner Mentalität“ gelte, sagte der Supersenator und ergänzt: „Das aber schade der Stadt“.
April 2004: Die Abgeordnetenhaus-Fraktion der Grünen legt eine umfangreiche Broschüre „Spiel ohne Grenzen“ zum Berliner Banken- Skandal vor. *
24. April 2004: Durch einen Bericht des Tagesspiegel wird bekannt, daß das Landgericht Berlin Zeichnern des LBB-Fonds „IBV Deutschland 3“ bereits im Januar 2004 wg. der Prospekt- Haftung vollen Schadensersatz zugesprochen hat. Die Kläger sollen ihr eingesetztes Kapital nebst einer Verzinsung von 5 % zurückerhalten. Sie müssen im Gegenzug ihre Fondsanteile sowie bereits erhaltene Gewinnausschüttungen zurückgeben. Gegen das Urteil vom 7.1.2004 hat die BankGesellschaft Berlin beim Kammergericht Berufung eingelegt.
27. April 2004: Es tun sich merkwürdige Fronten auf: Die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) verhindert mit vorläufiger Gerichtshilfe die Verteilung der Aufklärungsbroschüre der Grünen zum BGB- Skandal. Sie fühlt sich darin angegriffen, da nach Angabe der Grünen im Text „fälschlicherweise ein Gewerkschafter und Zeichner eines Exklusivfonds als Gewerkschafts- Vertreter und nicht als Arbeitnehmer- Vertreter im Aufsichtsrat bezeichnet“ wird. Verdi betont in einer Presse- Information, daß dadurch „die verantwortungsvolle Arbeit der Gewerkschaftsvertreter im Aufsichtsrat der Bankgesellschaft desavouiert worden sei. *
5. Mai 2004: Der 1. Strafprozeß gegen BGB-Manager beginnt vor einer Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Berlin. Es geht um die Bilanzfälschung. Angeklagt sind Ulf-Wilhelm Decken (60, Ex-Chef der LBB) und Jochem Zeelen (63, Ex-Vorstand für Immobilien der LBB). Sie sollen in der Zeit von Dezember 1994 bis April 1997 die persönlich haftenden Gesellschafter der Weberbank und die Komplementäre von 5 Fondsgesellschaften der LBB von der Haftung für Geschäfts- Verbindlichkeiten freigestellt haben, womit die Haftungsrisiken von umgerechnet bis zu 7,7 Mrd. Euro auf die Bank und damit auf den Steuerzahler abgewälzt wurden. In den testierten und publizierten Bilanzen der Bank von 1997, 1998 und 1999 wurde das aber nicht offen gelegt. Das Gericht muß klären, ob solche im Tresor lagernde Freistellungserklärungen in die Jahresbilanz gehören oder nicht. Mit hohen Strafen wird sowieso nicht gerechnet, da hierzulande Bilanzfälschung weniger hart bestraft wird als Ladendiebstahl.
10. Mai 2004: Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) sieht die Sanierung der BankGesellschaft Berlin (BGB) bereits „auf der Ziellinie“.
14. Mai 2004: Die Initiative „Bürger gegen den Bankenskandal“ erhält vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) einen Antwort- Brief. Darin legt Wowereit auf 5 Seiten dar, warum Berlin den Weg der Risikoabschirmung für die BGB wählte. *
17. Mai 2004: BGB-Chef Hans-Jörg Vetter erwartet für 2004 bei der BankGesellschaft Berlin einen Gewinn von etwa 100 Mio. Euro vor Steuern.
19. Mai 2004: Im Rathaus Schöneberg findet eine Veranstaltung „Der Bankenskandal – Das Tribunal“ statt. Es ergeht ein Tribunal- Urteil.
26. Mai 2004: Der 2. Strafprozeß gegen BGB-Manager beginnt vor dem Landgericht Berlin. Es geht um Untreue beim „Promi-Fonds“ (LBB-Fonds GEHAG 12). Angeklagt sind Ulf-Wilhelm Decken (60, Ex-Chef der LBB) und Jochem Zeelen (63, Ex-Vorstandsmitglied der LBB). Mitangeklagt ist ein früherer leitender Mitarbeiter der LBB wg. Beihilfe. Der Fonds scheiterte im November 2000. Bei seiner Rückabwicklung sollen die Angeklagten in die eigene Tasche gewirtschaftet und sich zu Lasten der Bank um rund 224.000 Euro bereichert haben.
4. Juni 2004: Ein Volksbegehren zum Erreichen von vorzeitigen Neuwahlen wird gestartet. Die Initiatoren fordern vom rot-roten Senat die Rücknahme der Kürzungen bei Bildung, Kultur und im Sozialbereich sowie die Aufhebung der Landesbürgschaft für die BGB in Höhe von 21,6 Mrd. Euro.
11. Juni 2004: Ex-BerlinHyp-Chef Landowsky sagt dem Untersuchungsausschuß des Berliner Abgeordnetenhauses, daß McKinsey der BGB damals die Ausweitung des (risikoreichen) Geschäfts mit den Immobilien- Fonds empfohlen habe.
Juni 2004: Das Landgericht Berlin hat die BGB zur Rückzahlung von Zinsen in Millionenhöhe an Kreditkunden wg. falscher Prospektangaben verurteilt (Az: 4 O 157/03).
20. Juni 2004: Der Bund der Steuerzahler hat inzwischen mehr als 20 Strafanzeigen gegen Verantwortliche des Banken- Skandals gestellt. Denn die Verjährungsfrist für Untreue, Vorteilsnahme und Betrug beträgt nur 5 Jahre. *
22. Juni 2004: Das Handelsblatt berichtet, daß die Berliner Volksbank eG am Kauf der Berliner Bank interessiert ist. Unklar sei aber noch, wie die Volksbank das finanzieren könne. Die BGB muß ihre Tochter Berliner Bank bis spätestens 2006 veräußern (Auflage der EU vom 18.2.2004).
25. Juni 2004: Durch einen Bericht des Handelsblatts wird bekannt, daß die Abschlußprüferin BDO Deutsche Warentreuhand eingewilligt hat, 12 Mio. Euro Schadensersatz für bei der IBAG in den 90er- Jahren geleistete fehlerhafte Testate zu zahlen. Zwischen der Prüfgesellschaft Deloitte Touche Deutsche Baurevision und der BGB ist es hingegen zu keiner außergerichtlichen Einigung wg. falscher Testierung bei der BerlinHyp gekommen. Die BGB will nun Schadensersatzklage erheben. [Wirtschaftsprüfer der BGB]
2. Juli 2004: Wir sind ihr Bankenskandal Hauptversammlung der BankGesellschaft (BGB), die von Protesten zahlreicher Aktionäre begleitet wurde. Der BGB- Vorstand träumt von einem Gewinn von 100 Mio. Euro für 2004. Die Prüfung von Haftungsansprüchen gegen die Abschlußprüfer des Konzerns sei weitgehend abgeschlossen, sagte BGB-Chef Hans-Jörg Vetter. Dabei gehe es um Schadenersatzansprüche im Zusammenhang mit der Prüfung der Jahresabschlüsse bis 1999. Hinsichtlich der Wirtschaftsprüfer PWC Deutsche Revision AG sowie der KPMG Deutsche Treuhand könne kein Schadenersatz beansprucht werden, teilte Vetter mit.
7. Juli 2004: Es wird bekannt, daß die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PWC) im Zusammenhang mit der Übernahme einer Landesbürgschaft in Höhe von 20 Mio. DM durch das Land Berlin für das inzwischen pleite gegangene Projekt „Neues Tempodrom“ (am Anhalter- Bahnhof) eine Expertise angefertigt hat. Nach Erkenntnissen der Berliner Staatsanwaltschaft beruhte diese Bürgschaft wesentlich auf diesem PWC-Gutachten, durch das dem Bauvorhaben nachhaltige Wirtschaftlichkeit bescheinigt worden war, obwohl eine tatsächliche, fundierte Prüfung der wirtschaftlichen Grundlagen des Bauprojekts nicht stattgefunden habe. Die PWC-Expertise aus dem Jahr 2000 sei ein reines „Gefälligkeitsgutachten“ gewesen, sagt die Staatsanwaltschaft. Es wird nun auch gegen PWC ermittelt.
8. Juli 2004: Durch einen Bericht des Tagesspiegel wird bekannt, daß das Land Berlin damit begonnen hat, xxx (das folgt).
15. Juli 2004: Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) und die BankGesellschaft Berlin (BGB) wollen ihre zehnjährige strategische Allianz zum Jahresende beenden. Nach einer gescheiterten Fusion 1998 und einer geplatzten Übernahme der damals defizitären Bankgesellschaft 2002 durch die NordLB zusammen mit den Sparkassen hatte die Zusammenarbeit zwischen beiden Instituten zuletzt deutlich nachgelassen. Die NordLB hält noch einen Anteil von rund 11 % an der BGB.
20. August 2004: Die Vorgänge, die den Landeshaushalt Berlins heute milliardenschwer belasten, fallen in seine Amtszeit. Hamburgs Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU), der seit Gründung des BGB- Konzerns bis Oktober 2001 in seiner Funktion als damaliger Vorstandschef der Gothaer Lebensversicherung (später Parion Finanzholding AG) im BGB- Aufsichtsrat saß, sagt als Zeuge vor dem BGB- Untersuchungsausschuß aus: Er habe „erhebliche Risiken“ auf den Konzern zukommen sehen. Nur habe es für den Aufsichtsrat „keine Möglichkeit gegeben, sich mit den Engagements der Einzelbanken zu befassen“. Die Risiken, die sich hinter den Immobiliengeschäften verbargen, wurden Peiner zufolge weder in Prüfberichten noch in Aussagen der Banken- Vorstände deutlich. Peiner sagte, Ex-Vorstandssprecher Wolfgang Rupf sei mit der „Führung überfordert“ gewesen. *
10. September 2004: Durch einen Bericht des RBB (Abendschau) wird bekannt, daß nun die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den ex-BerlinHyp- Chef Landowsky sowie weitere 14 BGB-Manager wg. Untreue erhoben hat.
17. September 2004: Während Ex-Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) sich bei seiner Anhörung im BGB- Untersuchungsausschuß an Details aus den Sitzungen des Aufsichtsrates der BGB und der LBB zwischen 1997 und 2001 gar nicht mehr erinnern konnte, erinnerte sich Ex-Finanzsenator Peter Kurth (CDU) dagegen an einiges: Den Aufsichtsräten seien durchaus Wirtschaftsprüfer- Berichte bekannt gewesen, die Risiken im Immobilienbereich andeuteten, sagte Kurth. Auch mit der Arbeit von Bankvorständen seien die Aufsichtsräte nicht hundertprozentig zufrieden gewesen. Mangelhaft sei auch das bankeninterne Risiko- Controlling gewesen. Die Informationen über die Probleme in den Immobiliengeschäften erhielten die Aufsichtsräte von Vorständen und Wirtschaftsprüfern. Die Einflußmöglichkeit auf konkrete Bankgeschäfte waren laut Kurth aber beschränkt. Bei fast jeder Sitzung habe die Senats- Finanzverwaltung Fragenkataloge vorgelegt. Diese blieben oft unbeantwortet. *
2. Oktober 2004: Die Sanierung der BGB kommt voran. Die Immobilientochter des Bankenkonzerns IBAG meldet, daß sie den größten Teil ihrer Grundstücke, Wohnungen und Gewerbeobjekte verkauft hat. Der Erlös betrug mehr als 3 Mrd. Euro. Nach Angaben von Experten wurden die Objekte nur rund 200 Millionen Euro unter Buchwert verkauft. Damit wäre der drohende Verlust weniger hoch als befürchtet. Dieser Fehlbetrag wird den Haushalt des Landes Berlin frühestens im Jahr 2007 belasten. *
Anfang Oktober 2004: Durch Recherchen des „Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz e.V.“ (AAA) sowie einen Sonderprüfungsbericht eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers aus München [Ed: Name wurde nicht genannt], der im Zusammenhang mit der Frage nach der Prospekthaftung angefertigt wurde, werden beim IBV-Fonds „LBB 9“ strafrechtlich relevante Fakten bekannt, die den Druck auf die BGB drastisch erhöhen:
  • Der Generalmiet- und Mietgarantievertrag wird nicht vertragsgemäß erfüllt.
  • 20 von 38 abgeschlossenen Darlehen sind nicht prospektgemäß.
  • Der Fonds befindet sich schon jetzt über 30 Millionen Euro hinter dem Prospekt.
  • Der Fonds kann schon jetzt nicht mehr den Kapitaldienst aus den Einnahmen bedienen. Die Liquiditätsreserve reicht nur noch bis 2007. Ausschüttungen stehen außer Frage.
  • 5,3 Millionen Euro an prospektierten Zinseinnahmen fehlen.
  • 5 Millionen wurden zuviel an die Garanten bezahlt, bis heute nicht von der Fondsgeschäftsführung zurück gefordert.
  • 62 % der Fondsimmobilien wurden von einer Konzerngesellschaft der BankGesellschaft Berlin (BGB) oder aus einem ihrer Kreditengagements an den Fonds verkauft. Diese Immobilien wurden zu signifikant höheren Preisen angekauft (17- 20-fache Jahresmiete) als die anderen Immobilien (11–13- fache).
  • Dem Fonds werden entgegen den Garantien für Leerstände keine Nebenkosten und keine Umsatzsteuer erstattet.
  • Eine ordnungsgemäße Buchführung des Fonds lag bis 2002 nicht vor, die Jahresabschlüsse sind nicht korrekt.
  • Die IBV hat als Geschäftsführerin zu viel an Vergütung bezogen.
11. Oktober 2004: Der BankGesellschaft Berlin (BGB) droht jetzt eine Klageflut. Etwa 5000 Anleger von 13 geschlossenen Immobilienfonds der BGB wollen bis Jahresende auf Rückabwicklung der Fonds klagen. Die Banker, die mit riskanten Grundstücksgeschäften Milliardenverluste produzierten, spekulieren auf eine Verjährung der Anleger- Ansprüche zum Jahresende. Insgesamt könnten 52.500 Anleger Ansprüche anmelden. Die gesamten Forderungen sollen sich auf rund 2 Milliarden Euro summieren. Unterdessen mahnte die BGB- Rechtsabteilung in einem dem Focus vorliegenden Brief („persönlich- vertraulich“) ihren Bank- Konzernchef Hans-Jörg Vetter, es sei „nicht sinnvoll“, die Kredit- Bedienung bei den Kunden „mit Nachdruck einzufordern“, da „andernfalls unnötig Prospekthaftungsklagen provoziert werden“.
12. Oktober 2004: Die BGB zieht angesichts der drohenden und wahrscheinlich erfolgreichen Klageflut getäuschter Fonds- Anleger die Notbremse. Sie und ihre Töchter LBB und IBV (Fondsverwaltung) teilen mit, daß man die Verjährungsfrist aus der Prospekthaftung für bestimmte geschlossene Immobilien-Fonds um 1 Jahr bis zum 31.12.2005 verlängere.
16. Dezember 2004: Der Berliner Senat trennt sich als Konsequenz aus der Tempodrom-Affäre von dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen PriceWaterhouse Coopers (PWC). Der Vertrag mit PWC zur Begutachtung von Bankbürgschaften des Landes sei Anfang Dezember gekündigt worden. Der Vertrag laufe aber erst Ende 2005 aus. Bis dahin werde die Beauftragung eines externen Gutachters für Landesbürgschaften neu ausgeschrieben, heißt es im Tagesspiegel.
22. Dezember 2004: Die Berliner Staatsanwaltschaft hat nun in der Affäre um zweifelhafte Kredite für die Immobilienfirma Aubis Anklage gegen frühere Spitzenmanager der Bank BerlinHyp erhoben, darunter ist der Ex-Vorstandschef der BerlinHyp und ehemalige CDU- Fraktionsvorsitzende Klaus Landowsky. In einer 750 Seiten langen Anklage wird insgesamt 14 Beschuldigten Untreue in einem besonders schwerem Fall zur Last gelegt. Zu den Beschuldigten gehören die damalige Mitglieder des Kreditausschusses der Bank wie NordLB-Chef Manfred Bodin, der Vorstandssprecher der Bankgesellschaft, Wolfgang Rupf, sein Vorgänger Wolfgang Steinriede, das ehemalige Bankgesellschaftsvorstandsmitglied Leopold Tröbinger sowie zwei Arbeitnehmervertreter. Aus der damaligen Führung der BerlinHyp sind neben Landowsky die Manager Gerd-Ulrich Blümel, Theo Schroth, Herbert Wunsch, Jürgen Noack, Dirk Hoffmann, Horst Büttner und Heinz Wehling betroffen. *
29. Dezember 2004: Bei den Gerichten in Berlin und Nürnberg werden per Lastwagen die äußerst umfangreichen Klagen von rund 10.000 Anlegern der umstrittenen Immobilienfonds der Bankgesellschaft eingereicht. Das Finanzvolumen der Klagen beträgt etwa 500 Millionen Euro. Die Kläger fürchten um ihre in den Immobilienfonds- Prospekten garantierten Ansprüche an Renditen und Rückgabeoptionen. *
Ende 2004: Das Land Berlin erreicht mit rund 55.300.000.000 Euro = 55,3 Mrd. Euro einen neuen Rekordstand der Verschuldung. Im Jahr 2004 wurden 2,3 Mrd. Euro an Zinszahlungen fällig. *


[ Zum 1. Teil der Chronik ]   —   [ Ergänzungen mitteilen ]   —   [ Zum 3. Teil der Chronik ]


Anmerkungen und wichtige Quellen: 

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  • Politik – Unlautere Politik
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      Zum Teil 3


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