Politik – Versäumnisse der Parteien khd
Stand:  17.9.2009   (65. Ed.)  –  File: Politik/Ex/Versaeumnisse.html




   
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BERLIN – 31.1.2005 (khd). Neben den häufig diskutierten Versäumnissen der Bundesregierungen beim Arbeitsmarkt, der Bildungsmisere und dem Gesundheitssystem gibt es noch eine große Zahl anderer Saumseligkeiten und Ärgernisse, die in den letzten 25 Jahren weder die Parteien noch die Regierungen im Sinne der Bürger und Volkswirtschaft angepackt und neu geregelt haben. An einige dieser Versäumnisse mit reichlich aktuellem ‚Handlungsbedarf‘ soll im Rahmen der Aktion „Bürger beobachten die Parteien“ mit folgender alphabetisch sortierten Liste erinnert werden. [Der Staat im Griff der Parteien]

In dieser Aufstellung von Anfang 2005 wurden später einige Ergänzungen und Anmerkungen zugefügt. Diese wurden durchweg in kursiver Schrift ausgeführt und mit einem Datum versehen. Zur Bundestagswahl 2009 wurden in einem 2. Teil weitere Versäumnisse zugefügt.

Außerdem wurden weitere Verweise (Links) zugefügt. Mit * sind weiterführende Links angegeben. [Translation-Service]

I n d e x :

khd-Page




1980–2005 — Politische Versäumnisse allerorten

Stand: 15.8.2009

28.11.2008. Im Herbst 2008 wissen wir, daß das jahrelange Laisser-faire der Politik zunächst zur globalen Finanzkrise und dann zur Weltwirtschaftskrise geführt hat. Der Markt hat nichts gerichtet. Und Milliarden Menschen müssen nun unter den Folgen des Wahns der neoliberalen Deregulierung der Finanzmärkte leiden. [mehr]

  • Internet-Förderung:
    Es reicht nicht aus, mit einem Breitband-Atlas die Misere beim Zugang zum Internet zu konstatieren. Nur eine besonders aktive und intelligente Politik kann nach fast 25 Jahren total verfehlter IT/TK-Politik deutscher Regierungen ( falsche Technik-Förderung — inkonsequente Post-Reform — keine Trennung von Netz und Betrieb bei der Telekom — keine zusätzliche Abtrennung des TV-Kabelnetzes von vornherein — Internet im 1. TKG von 1996 vergessen — keine zügige Einführung der TAL-Vermietung — retardierte Einführung des Line-sharings bei der TAL, Nichterkennens der Bedeutung des Bitstream-Accesses für die Preisbildung * — Prozess-Hanselei des ex-Monopolisten Telekom ohne Ende wg. Gesetzes-Lücken — keine knallharte Regulierung des ex-Monopolisten — ...) vielleicht doch noch erreichen, daß endlich die noch immer für normale Internet-User völlig überhöhten Internet- Zugangskosten auf das international übliche Maß reduziert werden. *

    Um es klar und deutlich zu sagen: Die Bundeskanzler Kohl und Schröder sowie die zuständigen Minister Bötsch, Rexrodt, Müller und Clement haben bei der Entwicklung des Internets versagt, so daß hierzulande sehr viele neue Arbeitsplätze erst garnicht entstehen konnten. Sie haben der deutschen Volkswirtschaft Schaden zugefügt. Der Bundestag ist daher aufgefordert, in der 16. Legislatur die Kardinalfehler der Alt-Politiker in geeigneter Weise zu korrigieren.
    [Wer hat die Entwicklung des Internets in Deutschland behindert?]

  • Lebensmittel-Kontrolle:
    Bereits 1985 anläßlich des Wein-Skandals wurde deutlich, daß es hierzulande um die staatliche Kontrolle von Lebensmitteln nicht zum Besten steht. Obwohl gute Ratschläge gegeben wurden, hat sich bis heute nichts nachhaltig geändert – sogar ein Humana- Skandal wurde möglich. Denn Kontrollen erfolgen nur nach Kassenlage. Für Panscher & Co. herrschen gute Zeiten, wie ein Blick auf die bekanntgewordenen Skandale zeigt. *

  • Mißbrauch des TV-Äthers zur Volksverdummung:
    In schlechten Zeiten braucht das Volk ‚Brot & Spiele‘ – zur Ablenkung. Nur mit einem solchen Ansatz dürfte zu verstehen sein, daß sich hierzulande inzwischen auf allen privaten Fernsehkanälen dümmliche Abzock- Gewinnspiele breitmachen konnten und dieses auch geduldet wird. Der Gesetzgeber muß hier in geeigneter Weise regulierend eingreifen, um dem Privat-TV klarzumachen, daß der Lizenz-Entzug droht, wenn sie ihr Geld nicht auf ehrliche Art verdienen. Außerdem muß immer auch bedacht werden, was sich in dieser Sendezeit an solidem Wissen und an Information über die TV-Kanäle zum Zuschauer transportieren ließe.

  • Mitbestimmung der Bürger bei der Kandidaten-Auswahl/Aufstellung:

  • Neue Verfassung (Grundgesetz):
    Es ist keine Frage, unser Grundgesetz muß dringend überholt werden. Leider hat es die kohlsche Bundesregierung 1990 im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit vermieden, dieses drängende Problem anzupacken. Und dabei war unseren Verfassungsvätern durchaus klar, daß eine Fortentwicklung aufgrund von Erfahrungen erfolgen soll. Das Hauptproblem der Verfassung ist die völlig unzulängliche Abgrenzung der Befugnisse zwischen unseren beiden Kammern (Bundestag und Bundesrat). Es darf nicht sein, daß der Bundesrat zur (bestimmenden) Nebenregierung Deutschlands wird, wie wir das seit den 1980er-Jahren immer wieder erleben mußten.

    Das Sagen muß das Parlament (Bundestag) haben. Nur ganz wenigen Ausnahmen (eigentlich nur bei Fragen der Verteilung des Steueraufkommens zwischen Bund und Ländern) sollte den Bundesländern ein qualifiziertes Veto- Recht eingeräumt werden. Ansonsten steht es den Bundesländern jederzeit frei, Klage vor dem Bundesverfassungsgericht zu erheben, falls sie sich durch Entscheidungen des Bundestags oder der Bundesregierung benachteiligt sehen sollten. Dieses Problem muß vordringlich (noch vor allen anderen Reformen) in der anstehenden Legislatur gelöst werden – vermutlich am effektivsten in einer Großen Koalition (CDU/CSU + SPD). Und sollten die Politiker eine neue Verfassung weiter verschlafen, dann könnte durchaus der Souverän die Sache selbst in die Hand nehmen – man nennt das Revolution.
    * [Glasperlenspieler] [Der Staat im Griff der Parteien]

  • ÖPNV-Privatisierung:
    Es ist ein (EU-)Irrglaube, daß sich nach einer Privatisierung staatlicher Verkehrsunternehmen und einer vollständigen Öffnung des Marktes die Preise für die Beförderung deutlich nach unten bewegen werden. Denn der ÖPNV ist nicht digitalisierbar wie es beim Telekommunikationsmarkt möglich war, wo das mehr oder weniger so ablief. Bereits mittelfristig würden die Fahrpreise überproportional ansteigen. Die schlauere Idee ist, daß bei den Verkehrs- Unternehmen – auch der Deutschen Bahn – der Staat bzw. die Kommunen (Haupt-) Eigentümer bleiben. Allerdings müssen die Unternehmen wirtschaftlich geführt werden, damit sie in einem besonders pfiffig regulierten Markt (to-be done) bestehen können. Und es reicht völlig aus, wenn diese ÖPNV- Betriebe eine schwarze Null schreiben. Entscheidend ist die für die Bürger erbrachte Dienstleistung.

  • Politiker evaluieren:

  • Steuerschlupflöcher endlich stopfen:

    24.11.2005. Voilà! Die neue Bundesregierung der Großen Koalition hat heute eine erhebliche Einschränkung dieser Steuerspar- Tricks beschlossen. Die Regelungen gelten rückwirkend ab dem 11.11.2005. Es werden nun staatliche Mehreinnahmen von rund 2 Mrd. Euro pro Jahr erwartet (für 2005/2006 etwa 1/2 Mrd. Euro).

  • Steuersystem vereinfachen:
    Immer wieder haben uns Politiker seit den 1960er-Jahren versprochen, daß das deutsche Steuersystem vereinfacht werden wird. Passiert ist nichts! Oder doch: Es wurde immer komplizierter. Während früher die allermeisten Arbeitnehmer wg. ausreichend hoher Freibeträge niemals eine Steuer- Erklärung abgeben mußten, müssen sie sich – inzwischen sogar auch noch die Rentner – durch seitenlange, völlig unverständliche Steuerformulare quälen sowie das ganze Jahr über fleißig entlastende Belege im Schuhkarton sammeln. Ob allerdings das Kirchhofsche Steuer-Modell wirklich der Weisheit letzter Schluß ist, muß erst noch sorgfältig geprüft werden.

  • Strommarkt:
    Verhinderte zunächst jahrzehntelang ein antiquiertes Nazi- Gesetz das Entstehen eines freien Strommarktes, gelang es dann auch keiner Bundesregierung, hierzulande einen echten Stromwettbewerb entstehen zu lassen. Es wurde nur gemacht, was die starke Energie-Lobby wollte [Ed: befahl? – immerhin durften sie ja unter Rot-Grün ganze Passagen des neuen Energiewirtschafts- Gesetzes in ihrem Sinne und zum Nachteil der Verbraucher formulieren]. So entwickelte sich ein Oligopol mit ständig steigenden Energiepreisen. Und die Gewinne von ENBW, EON, RWE und Vattenfall explodierten, wie die aktuellen Zahlen belegen. Andererseits hat der ‚kleine Mann‘, die ‚kleine Frau‘ seit vielen Jahren hohe Verluste durch das Ausfallen von Einnahme- Zuwächsen, so daß sie nicht mehr wissen, wie sie die unverschämten Teuerungen („Abzocke“) überhaupt noch bezahlen sollen. *   [Macht statt Markt]

  • Umweltgesetzbuch:
    Die Grünen hatten es uns um 1998 versprochen. Es sollte ein großer Wurf werden. Daraus geworden ist bislang nichts, denn vermutlich hat die ökologisch wenig kompetente SPD (Clement & Schily) das zu verhindern gewußt. Das muß korrigiert werden.

    15.7.2009. Und unter der Großen Koalition versagte die Union die Arbeit an der Fertigstellung eines wegweisenden Umweltgesetzbuches – aus höchst fadenscheinigen Gründen.



  • 2005–2009 — Politische Versäumnisse allerorten

    Stand: 15.9.2009


    Ab 2009 — Politische Versäumnisse allerorten

    Stand: 17.9.2009


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