Thermometer-Siedlung in Berlin-Lichterfelde – Teil 1 khd
Stand:  3.11.2007   (43. Ed.)  –  File: ThS/Thermometer-Siedlung_01.html




Auf diesen Seiten soll im Internet von mir nach und nach ausgewähltes Archiv- Material zu Problemen in und um die Thermometer- Siedlung in Lichterfelde-Süd – einer Anfang der 70er-Jahre gebauten Hochhaussiedlung am südlichen Stadtrand Berlins – dokumentiert werden. Dabei gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis.

Ab 2005 wurden hier auch Artikel aufgenommen, die zur Beurteilung des immer deutlicher werdenden mieterfeindlichen Geschäftsgebarens des neuen, soziologisch ahnungslosen GSW-Eigners – des Finanz- Investors Cerberus – relevant sind. [Intro]

Die vor allem in den Tabellen angegebenen „???“ bzw. „xxx“ bedeuten, daß die Fakten derzeit nicht recherchierbar waren. Hier sind zunächst dokumentiert und manches auch in [Ed:...] kommentiert:

I n h a l t :             1970–1980           [ Übersicht 1970–2004 ] Zur Leitseite khd-Page


Lichterfelde[-Süd]: Von der Post vergessen

Aus:
B.Z., 12. Oktober 1970, Seite ?? (Berlin).

LICHTERFELDE. „In unserer Neubausiedlung in Lichterfelde Süd gibt es nicht einen einzigen Briefkasten“, so schreibt eine Bewohnerin der Fahrenheitstraße. Hauptproblem der ersten Bewohner des im Bau befindlichen Viertels seien jedoch die vorsintflutlichen Telefonzellen. Beide Zellen seien ohne Licht und sehr oft defekt. Bei einem Unfall habe man erst mit dem Auto zum nächsten Telefon fahren müssen, um die Feuerwehr alarmieren zu können.

„Unsere privaten Anschlüsse sollten ja im dritten Quartal 1970 fertig sein“, berichtet die Leserin. „Bisher ruht aber die Arbeit. Oder arbeitet die Post im verborgenen?“ [mehr]



Schwacher Trost

Aus:
B.Z., 13. Oktober 1970, Seite ?? (Berlin).

LICHTERFELDE. Bewohner der Neubausiedlung in Lichterfelde Süd beklagten sich über einen fehlenden Briefkasten, vorsintflutliche Telefonzellen und lange Wartezeiten für private Telefonanschlüsse.


Und die Post 2004?


Der Briefkasten mit Nachtleerung ist längst wieder verschwunden.

Dazu sagt die Post: In dieser Woche soll in der Fahrenheitstraße ein Standort für einen Briefkasten festgelegt werden. Danach will man die notwendigen Genehmigungen einholen und ihn bald aufstellen. Die alten Telefonzellen sollen Mitte nächsten Jahres durch je zwei moderne Zellen am Anfang und Ende der Fahrenheitstraße ersetzt werden.

Schlecht sieht es jedoch für private Antragsteller aus. Vor Mitte 1971 wird kaum jemand ein Telefon erhalten. Und nach der Erweiterung der Vermittlungsstelle kann zunächst nur ein Teil berücksichtigt werden. Erst Mitte 1972 wird es dort ausreichend Telefone geben. [mehr]



Reinhaltung der Luft als Teil des Umweltschutzes

Grundlast-Kraftwerk am Barnackufer in Lichterfelde / Luftverschmutzung

Aus: Offener Brief der Bürgerinitiative Lichterfelde an Führungsgremien, Politiker und offizielle Stellen, Februar 1971.

Was für andere Gemeinden und Städte eine bedrückende Zukunftsvision darstellt, daß es eines Tages für sie keine heile Umwelt mehr geben wird, ist für uns Westberliner – angesichts auch der besonderen politischen Lage unserer Stadt – fast schon vollendete Wirklichkeit.

Die in unserer Stadt gemessenen Schwefeldioxyd- Konzentrationen (SO2) werden von Fachleuten als unerwartet hoch bezeichnet. Aus SO2 kann in der Luft Schwefelsäure entstehen und Tröpfchen hiervon in der Atemluft sind doch wohl bedenklich. Eine Verbesserung der Berliner Luft ist gesundheitlich notwendig und technisch durchführbar; sie muß wirt- schaftlich und finanziell ermöglicht werden. Der Luftraum über unserer Stadt darf nicht länger als Müllkippe benutzt werden!

In diesem Ziel wissen wir uns mit Ihnen wie mit allen anderen demokratischen Kräften unserer Stadt einig; zeigen doch deren Aussagen und Programme eine fast vollständige Übereinstimmung zur Lösung der Umweltprobleme auf.

Das war 1971! Nun wird aber am Barnackufer in Lichterfelde von dem privaten Elektrizitätsunternehmen BEWAG das größte und modernste Kraftwerk Berlins erstellt, das nach seiner Fertigstellung [ab 1972] pro Stunde 1500 Kubikmeter SO2 in die Atemluft abgibt (SO2 sinkt ab). Die geplanten hohen Schornsteine sind zwar billiger als andere Maßnahmen, dafür wird die Schadgasmenge aber auch nur verteilt und nicht etwa vermindert. Der gesundheitlich gebotene und technisch mögliche Einbau einer Entschwefelungsanlage [REA] ist nach unseren Informationen von der Bewag weder vorgesehen noch sind die technischen und konstruktiven Voraussetzungen hierfür eingeplant [Ed: geschweige denn von der Behörde angeordnet]. Das heißt: Berlins modernstes und größtes Kraftwerk wird keine Entschwefelungsanlage erhalten.

Entschwefelung [Ed: und Entfernen der anderen Giftstoffe] bedeutet jedoch Verminderung von möglichen Gefahren in den betroffenen Stadtteilen besonders bei ungünstigen Witterungsverhältnissen. Die vermutlichen Mehrkosten bei Einbau einer Entschwefelungsanlage (0,2 bis 0,3 Pfennig/Kilowattstunde) könnten durch Senkung der Dividende (Bilanzgewinn 1969/70 = 39 Mio. DM), durch eine kaum spürbare Preiserhöhung oder durch beides aufgefangen werden.

Wir meinen daher, daß alle Mittel mobilisiert werden sollten, um diesen echten Beitrag zum Umweltschutz in unserer Stadt zu leisten und rechnen mit Ihrer Unterstützung. [mehr]



Die Post kommt nicht mit

Telefon-Engpaß im Neubaugebiet Lichterfelde-Süd / Nur 2 Zellen

Aus:
Der Tagesspiegel, 18. Februar 1971, Seite ?? (Berlin).

Bisher existieren nur 40 Telefonanschlüsse im Süd- Lichterfelder Neubaugebiet an der Osdorfer Straße, obwohl dort seit Jahren gebaut wird. Acht der 40 Leitungen gehören nach Auskunft der Post Ärzten, eine weitere einem Lebensmittelgeschäft. Voraussichtlich Mitte Juli wird, wie es bei der Post heißt, die zuständige, voll ausgelastete Vermittlungsstelle 73/773 erweitert sein. Dann wird die Post beginnen, allen jenen, die bis Jahresanfang 1971 einen Antrag gestellt hatten, ihren Anschluß zuzuteilen – insgesamt 632 Anwohnern [Ed: und unser Anschluß kam dann im August 1971 – die meisten erhielten erst viel später Telefon].


Und die Telekom 2004?


Sie hat die meisten Telefonzellen wieder einkassiert.

Eine besondere Schwierigkeit liege an dieser Stelle darin, daß die Osdorfer Straße noch nicht voll ausgebaut sei, so daß die bisherigen Kabel zum Teil nicht unterirdisch, sondern an Masten geführt werden mußten. Dieses Thema wurde gestern nach einer FDP-Anfrage auch in der Steglitzer Bezirksverordnetenversammlung behandelt. Gegenwärtig seien dort 800 Wohnungen bezogen.

In dem Gebiet stehen 2 behelfsmäßig aufgestellte Telefonzellen [Ed: an der Ecke Fahrenheit-/ Celsiusstraße], die allerdings häufig verstopft oder sonstwie gestört sind. Hierbei spiele auch die hohe Zahl der umwohnenden Kinder eine Rolle, meint die Post. In 4 Wochen sollen zwei Zellen dazukommen und weitere später mit dem Ausbau des gesamten Neubaubereiches.

Grundsätzlich betont die Post, sie komme mit dem Bautempo hier wie auch in anderen Neusiedlungen bereits zuvor nicht mit. Längerfristige Telefon- Vorausplanung sei in solchen Fällen nicht möglich: die Kapazitäten reichen nur gerade, um immer „Lücken zu stopfen“.



Was wird aus Lichterfelde-Süd?

Aus: Forum Lichterfelde-Süd
, Juli 1973, Seite 1 (Ev. Kirchengemeinde Giesensdorf).


„Stadtplanung
geht alle an!“


Senat von Berlin.

Vor Jahren hat das Bezirksamt das Grundstück des ehemaligen Kali-Syndikats zwischen dem oberen Ostpreußendamm und dem Holtheimer Weg für 10 Millionen Mark gekauft. Damals hieß es, daß das Gelände dazu genutzt werden soll, der Bevölkerung in Lichterfelde-Süd notwendige Möglichkeiten für ihre Freizeit zu schaffen. Von einem Schwimmbad war die Rede. Ein Sportplatz sollte gebaut werden. Inzwischen wird auf diesem Gelände gebaut. Es entsteht ein Mittelstufenzentrum [Ed: das dann wg. Asbest- Verseuchung wieder abgerissen werden mußte]. Aber nicht nur das: Es soll auch ein Oberstufenzentrum auf dem gleichen Grundstück gebaut werden. In jedem der beiden Zentren sollen 1200 Schüler zur Schule gehen. Das sind insgesamt 2400. Warum wird der Plan „Freizeitgelände“ zurückgestellt? Warum werden Schulen an einer Stelle gebaut, zu der vermutlich der größere Teil der Schüler mit ziemlichem Zeitaufwand fahren muß?

Noch eine Frage: Zwischen Réaumurstraße, dem ehemaligen Landweg und der Osdorfer Straße liegt ein Gelände[-Dreieck], das nach den vorliegenden Plänen heute noch Gewerbezwecken dienen kann. Sollen also unmittelbar neben den Wohnhäusern des Neubaugebietes Betriebe zugelassen werden?

Eine letzte Frage: Es ist schon so viel über die Woltmann- Siedlung gesprochen worden in den vergangenen Jahren. Sie soll verdünnt und eines Tages aufgelöst werden. Was aber wird dort gebaut werden?

Der Slogan des Berliner Senats heißt: „Stadtplanung geht alle an!“ Als die ersten Bewohner des Neubaugebietes [Thermometer- Siedlung] eingezogen waren, gab es manche heißen Gespräche über die Planung mit Vertretern des Bezirksamtes, u. a. auch in der Aula der Mercator- Schule. Bei diesen Gesprächen wurde von Seiten des Bezirksamtes erklärt: „Mit wem sollten wir planen? Wir wußten ja noch nicht, wer hierher zieht!“ Damals haben die Vertreter des Bezirksamtes sich zu der Devise des Senats bekannt: „Stadtplanung geht alle an!“ Sie hielten sie nur nicht für praktizierbar. Heute wohnen hier Menschen. Sie können angesprochen werden. Man kann mit ihnen beraten, was für Lichterfelde- Süd notwendig ist. Wann wird in Lichterfelde- Süd die Stadtplanung alle angehen?

Wir haben in unserem Bereich Erfahrungen mit derartigen Fragen. Als die Planung für das Kraftwerk [am Barnackufer] ohne die Bürger schon sehr weit gediehen war („Es wurde etwas außerhalb der Legalität unter Mißachtung des regulären Bebauungsplan- Verfahrens und gegen heftigen Nachbarnprotest erbaut“ – aus Tagesspiegel vom 15.3.1973, Nr. 8361, Seite 1), entstand eine Bürgerinitiative, die sich gegen manche Schwierigkeiten und Widerstände durchsetzen mußte.

Die Forderungen zum Umweltschutz angesichts dieses Großkraftwerkes kamen in erster Linie von Bürgern dieses Gebietes. Sie haben Abgeordnete und Vertreter der Bezirksverordnetenversammlung ausdauernd befragt, um wirklich genaue Informationen zu bekommen. Sie haben sich mit ungeheurer Mühe sachkundig gemacht und ihre Gegenvorschläge eingebracht. Wenn das [Bewag-] Kraftwerk heute relativ umweltfreundlich ist, dann haben diese Leute dafür gesorgt. Daß ihnen nicht mehr gelungen ist, liegt daran, daß sie sich nicht früher um die Sache kümmern konnten [Ed: und es bedurfte in der Tat eines 2. Anlaufs, um die Bewag in Sachen Rauchgas- Entgiftung endlich auf Umweltkurs zu bringen]. Sie hätten mit noch größeren Ohren hören müssen, was sich da still und heimlich entwickelte, ohne daß die eigentlichen Betroffenen informiert wurden. Passiert jetzt genau das gleiche? Was wird aus Lichterfelde- Süd?



Die „Thermometer-Siedlung“ in Lichterfelde-Süd

Aus: Karte 3042 des
Bezirksamts Steglitz (Vermessungsamt) – 1974 (Original-Maßstab 1:4000).

Thermometer-Siedlung (Kartenausschnitt)
^   Die Thermometer-Siedlung in Lichterfelde-Süd (Baukörper-Stand von 1974). Eingezeichnet ist die ab 2001 entstandene Einkaufssituation. EKZ = Einkaufszentrum. [Liste zum Laden-Leerstand] [Karte von Lichterfelde-Süd von 1980]   (Repro: 1992 – khd) (Grafik: 2007 – khd)




In Lichterfelde-Süd wurden „Folgeeinrichtungen“ vergessen

Aus: Offener Brief der Mietergruppe Lichterfelde-Süd an Vermieter, Politiker und offizielle Stellen, 4. Dezember 1974.

Das war 1974! Die Neubausiedlung Lichterfelde-Süd besteht nunmehr seit 4 Jahren. Hier wohnen ca. 7.500 Personen in rund 2.500 Wohnungen, unter ihnen viele Kinder und Jugendliche, aber auch eine große Anzahl Senioren.

Aus verschiedenen Gründen sind bei der Planung und dem Aufbau der [Thermometer-] Siedlung notwendige „Wohnfolgeeinrichtungen“ nicht hinreichend berücksichtigt worden. Heute fehlen sie.

Direkte und indirekte Folgen dieser Mängel werden immer deutlicher und für die Bewohner täglich spürbar:

Das Neubaugebiet nimmt auch in der Steglitzer Kriminalstatistik einen „hervorragenden“ Platz ein.

War es zur Zeit der Planung des Neubaugebiets anscheinend noch nicht möglich, die Bedürfnisse der Bewohner zu erfassen und zu berücksichtigen, kann und sollte dies heute dringend nachgeholt werden. Die Mietergruppe Lichterfelde-Süd und die evangelischen Gemeinden Petrus und Giesensdorf halten es für geboten, daß die Bewohner des jetzigen und zukünftigen Neubaugebiets beiderseits der Osdorfer Straße bei der Konzeption der notwendigen Folgeeinrichtungen mitbestimmen können.

Hiermit beantragen die Unterzeichner eine Befragungsaktion per standardisiertem Interview, bei der Vertreter aller betroffenen Haushalte in geeigneter Form zu Worte kommen. Die so ermittelten Daten sind als Grundlage der Planung sozialer Folgeeinrichtungen nach Art und Dringlichkeit zu betrachten.

Dies ist im Verbund mit der geplanten Sanierung, d. h. Neubebauung des Geländes der heutigen Kleinraum-Siedlung [Ed: am Woltmannweg] besonders wünschenswert. Die Sanierungsbetroffenen der Kleinraum-Siedlung, die in der Gegend bleiben bzw. in die dort entstehenden Neubauten einziehen wollen, sollten in die Befragung einbezogen werden.

Aus einem Katalog von notwendigen oder alternativen Folgeeinrichtungen wie zum Beispiel

soll über eine Ermittlung der Bevölkerungs- und Interessenstruktur im betreffenden Gebiet, unter Berücksichtigung der einschätzbaren Entwicklungen, die Auswahl getroffen werden.

Wir fordern hier bewußt nicht, wie üblich, diese oder jene Einrichtung müsse zuerst gebaut werden, sondern wir stellen fest, daß solche Entscheidungen erst auf der Grundlage einer systematischen empirischen Erhebung unter den Betroffenen sinvoll zu treffen sind. Auch eine Verwaltungsentscheidung kann diesen – entsprechend vorzubereitenden – Willensbildungsprozeß nicht ersetzen, der zudem noch den Bewohnern ein besseres Verhältnis zu ihrem Wohngebiet vermittelt.

Eine derartige Untersuchung ist auch im Hinblick auf die erstrebenswerte Sparsamkeit bei der Errichtung der anstehenden Folgeeinrichtungen angezeigt, da Fehlinvestitionen so am ehesten rechtzeitig vermieden werden können, während die Kosten für die Erhebung relativ unbedeutend sind.

Die Mietergruppe Lichterfelde-Süd bietet für die Untersuchung ihre Mitarbeit an und möchte ihre Forderung im Sinne der Broschüre „Perspektiven der Stadtentwicklung“ des Berliner Senats verstanden wissen, in der es unter 8) in einer Überschrift heißt: „Anspruch auf besseres Wohnen erfordert zugleich Betreuung und Beteiligung der Bürger“ und unter 17): „Diskussion der Bürger bestimmt die Schwerpunkte der Stadtentwicklung“.



Eltern fordern 30 km/h

[Ed: Einstieg in Verkehrsberuhigung gefordert]

Aus:
Der Tagesspiegel, 9. Februar 1977, Seite ?? (Berlin).

Mit einer 600 Unterschriften umfassenden Sammlung will jetzt eine Eltern- Initiative aus der sogenannten Thermometer- Siedlung in Lichterfelde Süd ihrer Forderung nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung in den Straßen dieses Wohngebietes Nachdruck verleihen.

Die Initiative, angeregt durch die Gesamtelternvertretung der Mercator- Schule und der Mietergruppe Lichterfelde-Süd, setzt sich bereits seit dem Herbst für eine Begrenzung auf 30 km/h und ein Halteverbot in der Celsius- und Fahrenheitstraße ein.

Die Forderung, die von der Polizei bisher abgelehnt wird, begründen die Eltern mit einer großen Gefährdung der Kinder, deren Zahl im vorschul- und schulpflichtigen Alter nach Angaben der Mieter 25 % der 6000 Einwohner ausmacht. [mehr]



Fußgängerzone — So könnte das aussehen

Aus: Info für die Thermometer-Siedlung – 5/77, 26. August 1977 (Verkleinerte A3-Wandzeitung der Mietergruppe Lichterfelde-Süd).

Plan der Bürgerinitiative von 1977



Noch steht das neue Hallenbad nicht dem Kreisel gegenüber

FDP, SPD und Bürgerinitiative wollen weiter um Standort Barnackufer in Lichterfelde kämpfen

Aus:
Berliner Morgenpost, 20. November 1977, Seite xx (Bezirke) von EKKEHARD SCHWERK.

STEGLITZ. Mit der Aufnahme in die bezirkliche Investitionsplanung (I-Planung) 1978 bis 1982 ist die umstrittene Standortfrage für ein Hallenbad in Steglitz an der Ecke Schloß- und Grunewaldstraße nach Ansicht von Wirtschafts- und Gesundheitsstadtrat Manfred Keuter (SPD) durchaus noch nicht entschieden. Seine Partei und auch die Bürgerinitiative „Mietergruppe Lichterfelde-Süd“ wünschen für ein kombiniertes Hallen- und Freibad nach dem Muster des zweiten Bäderprogramms des Senats als Standort das Barnackufer [Ed: Ecke Ostpreußendamm 60].


„75.000 Einwohner,
12 Kindertagesstätten,
16 Schulen,
23 Seniorenheime dürfen mit gutem Recht erwarten, daß das geplante HALLENBAD in Lichterfelde gebaut wird!“


Flugblatt der Mietergruppe
Lichterfelde-Süd im Dezember 1977.

Daß nun in der Investitionsplanung der Badbau für die Schloßstraße angemeldet wurde, geht auf einen Mehrheitsbeschluß der CDU- Vertreter im Bezirksamtskollegium zurück, ohne daß allerdings – so Keuter – die CDU auch unbedingt an diesem Standort festhalten wolle. Die Bürgerinitiative allerdings sieht sich durch diesen Bezirksamtsbeschluß getäuscht, fühlt sich übergangen und wirft die Frage nach dem „Mißbrauch der absoluten Mehrheit der CDU“ auf, was „vielen Bürgern in Lichterfelde bis zur nächsten Wahl zu denken gebe“.

Die Bürgerinitiative hatte, wie berichtet, ihre Standortpräferenz für das landeseigene Barnackufer mit dem Bedarf im Einzugsgebiet begründet: 75.000 Einwohner (Lichterfelde Süd, West und Ost), 12 Kindertagesstätten, 16 Schulen, 23 Seniorenheime. Obendrein wies sie auf die technische Möglichkeit hin, das Bad an das Heizungssystem des Kraftwerks Barnackufer anzuschließen. Die Bürgerinitiative hatte ein entsprechendes Schreiben dem bezirklichen Ausschuß für Eingaben und Beschwerden vor 4 Wochen zugestellt, jedoch darauf bisher keine Antwort erhalten.

Wie Stadtrat Keuter auf Anfrage mitteilte, seien seine CDU- Kollegen im Bezirksamt an stichhaltigen Argumenten für den Standort Barnackufer interessiert. Der in die I-Planung nun aufgenommene Standort Schloßstraße gehe von einem gültigen Bebauungsplan aus, den es für das Barnackufer noch nicht gebe. Dort ist gemäß Flächennutzungsplan [FNP] vorgesehen, Sporteinrichtungen zu schaffen [Ed-2004: was dann vom Senat mit der FNP-Änderung 18/98 vom 12.4.2002 zugunsten eines M2-Gebietes aufgegeben wurde, da der Sportstandort am Ostpreußendamm „nicht mehr benötigt“ werde].

Mit der Aufnahme in die I-Planung ist auch deswegen noch nichts entschieden, weil diese Planung eine Wunschliste an den Finanzsenator darstellt. Der muß entscheiden. Stimmt er zu – so sagte Keuter –, könne man immer noch Barnack- Wünsche ersatzweise nachreichen.

Für die Halle in der Schloßstraße wurden etwa 20 Millionen Mark in die I-Planung eingesetzt. Für ein kombiniertes Bad müßten mindestens noch 5 Millionen Mark zusätzlich beantragt werden. [mehr]



In der Thermometer-Siedlung werden die Straßen sicherer

[Ed: Deutschlands 1. verkehrsberuhigte Zone entsteht]

Aus:
Berliner Morgenpost, 9. März 1978, Seite xx (Bezirke).

STEGLITZ. Die Anstrengungen der Bewohner der Thermometer- Siedlung in Lichterfelde Süd, ihren Kummer mit dem Autoverkehr abzubauen, werden im Laufe dieses Jahres zu einigen Veränderungen führen. Geplant ist eine verkehrsberuhigte Zone um Celsius- und Fahrenheitstraße. Nach Meinung der Anwohner wirkt dieses Gebiet zwar relativ ruhig, birgt aber für spielende Kinder durchaus Gefahren. So ist es zu üblichen Zeiten des Berufsverkehrs in den Morgen- und Nachmittagsstunden wiederholt zu Unfällen gekommen, bei denen Kinder verletzt wurden.


„Erst 16 Kinder
mußten verunglücken und eines sterben bis die Behörden endlich aufwachten und etwas unternahmen.“


Eltern-Initiative Lichterfelde-Süd
im Juni 1978.

Auftakt zu den Aktivitäten der Mietergruppe Lichterfelde Süd und den Bewohnern der Thermometer-Siedlung bildete ein Schreiben an den Polizeipräsidenten im Februar 1976, in dem mit Rücksicht auf die Kinder für die Celsiusstraße eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer gefordert wurde. Nach einer ablehnenden Antwort verstärkten die Mieter ihre Anstrengungen. Im Laufe der Jahre 1976 und 1977 begann die enge Zusammenarbeit mit der Eltern- Vertretung der Mercator- Schule, ein Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern- Initiativen, Beratungen mit dem Institut für Verkehrssicherheit, Verkehrszählungen und Sammlungen von Kinderunfall- Berichten, es gab Informationsstände und Unterschriften- Sammlungen, und parallel zur Korrespondenz mit dem Senator für Bau- und Wohnungs- wesen und dem Senator für Wirtschaft wurde die Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Steglitz angestrebt.

Erste Erfolge zeichneten sich ab: Seit dem 17. März des vergangenen Jahres gilt die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometer — mit der [Trick-] Begründung des Tiefbauamtes, daß die Straße andernfalls zu stark belastet werde. Mit 2000 Flugblättern wurden Autofahrer von Mitarbeitern der Initiative zur Einhaltung der Begrenzung aufgefordert.

Ein Vertreter der Senatsbauverwaltung sagte zu der bevorstehenden Verkehrsberuhigung im Gespräch mit der Berliner Morgenpost: „Im Bezirksamt wurden Vorschläge für eventuelle Veränderungen erarbeitet, und wir haben eine Arbeitsgruppe gegründet, die verschiedene Konzepte verfaßt hat. In Zusammenarbeit mit der Bevölkerung muß jetzt ein derartiger Versuch [mit Modellcharakter] getestet werden, denn es bestehen noch keine Erfahrungen darüber, daß eine so neue Straße eingeengt und aufgepflastert wird. Das Projekt läßt sich durch kurzfristige Finanzierung — ZIP-Mittel [Ed: ZIP = Zukunfts- Investitions- Programm der Bundesregierung] stehen zur Verfügung — noch in diesem Jahr verwirklichen.“

Konkret wird man nun im Frühsommer einen provisorischen Umbau vornehmen; dabei wird die Kreuzung Celsius- und Fahrenheitstraße entschärft. Im Kontakt mit den Anwohnern wird die Situation dann beobachtet: Ob die Autofahrer in diesem Bereich vorsichtiger fahren, Umwege in Kauf nehmen und ihr Verhalten verändern. Sollten sich positive Ergebnisse zeigen, die Verkehrssituation zur Zufriedenheit aller Beteiligten verbessert sein, ist mit einem endgültigen Umbau im nächsten Jahr zu rechnen [Ed: der dann erst 1983 erfolgte].

Verkehrsberuhigte Zone Celsiusstraße
^   Der aufgepflasterte zentrale Teil der Verkehrsberuhigung der Celsiusstraße im Jahr 2003. Durch diesen Bereich dürfen seit 1978 nur noch BVG- Busse (Linien 180 und 280), Taxis und Radfahrer im Schritt-Tempo fahren. Die gesamte Verkehrsberuhigung der Thermometer- Siedlung hat sich in 25 Jahren hervorragend bewährt. (Foto: 25.8.2003 – khd)



Steglitz bekommt eine neue Buslinie

Aus: Steglitzer Lokal-Anzeiger
, 21. April 1978, Seite 1 (Aufmacher).

Für die Bewohner in der Thermometer-Siedlung in Lichterfelde, die mit jahrelanger Geduld bis zur Stunde [Ed: und um einen Aktenordner mit Schriftwechsel und Petitionen reicher] um eine bessere Verkehrsanbindung zum Zentrum gekämpft haben und für die sich auch der Steglitzer

Der A 86 –
Ein Erfolg der
Mietergruppe
Lichterfelde-Süd


Lokal-Anzeiger
wiederholt eingesetzt hat, gibt es eine erfreuliche Nachricht. Die Berliner Verkehrsbetriebe haben nach langen Überlegungen und Beratungen für diesen Bereich endlich eine neue Autobus- Linie geplant, die schon am 1. Mai mit Beginn des Sommerfahrplans ihren Fahrbetrieb aufnehmen wird.

Diese Verbindung wird die in Steglitz bestehende Autobus-Einmannlinie 86, die zur Zeit zwischen Birkbuschstraße über Schloßstraße — Hauptstraße — bis Invalidenstraße besteht, ablösen. Die Wegführung der neuen Linie, die dann unter der gleichen Nummer der abgelösten Linie 86 laufen wird, ist wie folgt festgelegt: Réaumurstraße — Celsiusstraße — Osdorfer Straße — Ostpreußendamm — Siemensstraße — Birkbuschstraße — Wolfensteindamm — Schloßstraße — Bundesallee — Hildegardstraße — Blissestraße — Brandenburgische Straße — Fehrbelliner Platz.



Lichterfelder Bürgerinitiative für Abbau der Umweltbelastungen

Aus:
Der Tagesspiegel, 7. Mai 1978, Seite ?? (Berlin).

LICHTERFELDE (Tsp). Unter dem Namen „Umweltschutz- Initiative Lichterfelde-Süd“ hat sich jetzt in diesem Stadtteil eine neue Bürgerinitiative gebildet. Die Vereinigung, die ein Zusammenschluß der Mietergruppen aus der Thermometer- sowie der Woltmann- Siedlung ist, will vornehmlich für den Abbau industrieller Umweltbelastungen für die rund 10.000 betroffenen Einwohner eintreten, heißt es in einer Presse- Erklärung.


„Unentschuldbare
stadtplanerische
Fehlleistung.“


Umweltschutzinitiative Lichterfelde-Süd (ULS) 1978.

Bereits im Dezember vorigen Jahres haben rund 500 Bürger bei Senat und Bezirksamt gegen die Umweltbelastungen durch das Industriegebiet Réaumurstraße und die geplante Erweiterung einer Aluminium- Schmelzfabrik [Fa. Gottschol- Stamet GmbH & Co KG – Metallwerk] protestiert, erinnert die Bürgerinitiative. In einer neuen Eingabe an die offiziellen Stellen in diesem Monat spricht die Initiative von einer „unentschuldbaren stadtplanerischen Fehlleistung“ und kritisiert den Bau einer Großsiedlung in direkter Nähe eines bestehenden Industriegebietes.

Sie fordert jetzt die Zurückstufung des Industriegebietes in ein Misch- beziehungsweise Gewerbegebiet mit umweltbelastungsfreien Betrieben. Ein erheblicher Teil dieses Geländes soll ihrer Meinung nach in Grünflächen zur Naherholung umgewandelt werden [Ed-18.7.2004: die auch 26 Jahre später noch immer nicht realisiert worden sind]. Der angrenzende US-Übungsplatz, derzeit noch als Industriegebiet ausgewiesen, solle vorsorglich in die Umwidmumg für Grünflächen einbezogen werden.



Streit um Kraftwerk Barnackufer jetzt entschieden

Auflagen für die Bewag bestätigt / Revision nicht zugelassen

Aus:
Der Tagesspiegel, 18. Juli 1978, Seite xx (Berlin) von GIDEON HEIMANN.

Die seit Jahren anhängige Klage der Bewag gegen Umweltschutzauflagen für das Kraftwerk Barnackufer in Lichterfelde wurde gestern vom Oberverwaltungsgericht abgewiesen; Revision wurde nicht zugelassen. Wie mehrfach berichtet, war der Bewag bereits im März 1973 auferlegt worden, die Gesamtabgabe von Schwefeldioxid aus den Schornsteinen auf 950 Milligramm pro Kubikmeter zu begrenzen. Abgegeben werden aber derzeit 2375 Milligramm. Gegen diese Forderung, die auch im endgültigen Genehmigungsbescheid von 1976 aufgeführt ist, hatte die Bewag geklagt.


„Schlappe
für die Bewag:
Kraftwerk darf die Luft nicht mehr verpesten.“


Schreibt die Berliner B.Z. kurz und knapp am 18.7.1978. Und erreicht haben das letztendlich die Bürger von Lichterfelde.

Sie berief sich unter anderem auf die wirtschaftlich unzumutbaren Folgen, die bei der Verringerung des Schwefelgehalts durch entweder den Einbau eines Filters oder die Verwendung von schwefelarmem Heizöl entstünden. Der 1. Senat des Oberverwaltungsgerichts wies die Klage jetzt ab; er führt in der Urteilsbegründung die Auflagen des Bundesimmissionsschutzgesetzes an, das im § 5 nicht nur das Verursachen schädlicher Umwelteinflüsse unter Strafe stellt, sondern auch im Absatz 2 die Vorsorge gegen Umweltschäden „insbesondere durch die dem Stand der Technik entsprechenden Maßnahmen“ fordert. Der Einwand der Bewag, sie verwende Hochkamine zur Verteilung der etwa 3 Tonnen Schwefeldioxid pro Stunde, wurde mit dem Argument abgewiesen, es gehe nicht allein um die Verteilung der anfallenden Stoffe, sondern insbesondere um die Verminderung der „an der Quelle“ entstehenden Emissionen.

Ebenso bestätigt wurde die Auflage des Landesamtes für Arbeitsschutz und technische Sicherheit, binnen 5 Jahren eine Entschwefelungsanlage in Betrieb zu nehmen. „Ein zusätzlicher Zeitraum für die Erprobung einer in Stufen zu errichtenden Anlage kann der Klägerin [die Bewag] nicht eingeräumt werden“. Der Bewag sei es um so mehr zuzumuten, diese Zeitgrenze einzuhalten, weil sie es unterlassen habe, in den vergangenen Jahren eine Pilotanlage zu errichten und zu erproben.

Das Gericht ergänzte, daß die Kombination einer Filteranlage zusammen mit der Verwendung schwefelarmen Heizöls wirtschaftlicher sei, als die Verbrennung leichten Heizöls. Letzteres sei aber zur Erreichung der geforderten Schadstoff- Freiheit immer noch als vertretbare und „verhältnismäßige Maßnahme“ gegenüber der Stillegung des Kraftwerkes zu sehen. Eine Nichteinhaltung der Auflage hätte diese Stillegung zur Folge.

In einer ersten Stellungnahme begrüßte die Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales als Dienstherrin der Beklagten das Urteil. Die im Verfahren Beklagte, das Landesamt für Arbeitsschutz und technische Sicherheit, werde unverzüglich emmissionsbegrenzende Maßnahmen anordnen sowie die Begrenzung des Schwefelgehalts in dem verfeuerten Heizöl festlegen.

Auf Anfrage teilte ein Bewag-Sprecher mit, daß zunächst die Rechtsmittellage des noch nicht rechtskräftig gewordenen Urteils geklärt werden müsse. Die Bewag werde sich jedoch auf die Planung und den Bau der Anlage einrichten sowie bemühen, diese Frist einzuhalten.

Wie weiter zu erfahren war, gebe es eine Anlage in dieser Größenordnung bislang noch nicht; es existiere erst eine ähnliche Filteranlage in einem Kohlekraftwerk bei Wilhelmshaven. Da bei der Verbrennung von Kohle aber ein höherer Feststoffanteil in den Abgasen vorhanden sei, falle auch das Abfiltern leichter. Eine für das Kraftwerk Barnackufer notwendige Anlage werde ungefähr 100 Mio. Mark kosten, sagte ein Sprecher.

Derzeit arbeite das Kraftwerk mit einem Schwefeldioxidausstoß von 2375 mg/m3. Die allgemein geforderten 950 mg würden nur dann erreicht, wenn eine Inversionswetterlage (Smog) vorliegt, da dann schadstoffarmer Brennstoff, also leichtes Heizöl, verwendet werde. Der Vorrat dieses Sonderbrennstoffs betrage 15.000 Kubikmeter; er reiche für eine Zeitspanne von 7 bis zu 10 Tagen, teilte der Sprecher mit. [mehr]



Privater Wochenmarkt in Lichterfelde Süd

Aus:
Der Tagesspiegel, 13. Oktober 1978, Seite ?? (Berlin).

Der Wochenmarkt in der Lichterfelder Thermometer- Siedlung wird heute um 8 Uhr eröffnet. Wie berichtet, war diese zusätzliche Kaufgelegenheit von den Bewohnern des Neubaugebietes [Ed: und der Mietergruppe Lichterfelde- Süd] gefordert worden. Der Markt wird privat organisiert sein. Sein Standort: An der Ecke Celsius- und Fahrenheitstraße.



5000 Mark Geldbuße für Verbrennen von Autowracks

Aus:
Der Tagesspiegel, 10. Juni 1979, Seite ?? (Berlin).

LICHTERFELDE (Tsp). Weil sie seit 1971 fortgesetzt und ohne Genehmigung und trotz behördlichen Verbots in unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnhäusern der Thermometer- Siedlung in Lichterfelde- Süd Autowracks und Einzelteile verbrannte, wurde eine Autoverwertungsfirma mit einer Geldbuße von 5000 Mark belegt.

Die „Umweltschutzinitiative Lichterfelde- Süd“ hatte in den zurückliegenden Jahren mehrfach die von dieser Firma ausgehende Umweltbelastung als Beschwerde bei den Behörden vorgebracht. Die Firma [Artur Kujat – Schrotthandel] hatte gegen einen Bußgeldbescheid wegen Verstoß gegen das Bundesimmissionsschutz- Gesetz [BImSchG] zunächst Einspruch eingelegt, dann aber offenbar unter dem Eindruck zahlreich benannter Zeugen aus der Umweltinitiative den Einspruch vor dem Amtsgericht Tiergarten zurückgezogen.

Jetzt will die Bürgerinitiative die Nachtbetriebserlaubnis für 3 Betriebe (Plastik, Aluminium, Stahlverarbeitung) in Nachbarschaft zu den Siedlungshäusern überprüfen lassen. Außerdem will sie erreichen, daß ein Betonmahlwerk [Fa. Hermann Kienbaum – Kies- und Splittwerk], das unmittelbar an Hochhäuser und eine Kindertagesstätte in der Thermometer- Siedlung angrenzt, verlagert wird [Ed: was aber erst um 2001/2002 im Vorfeld der Revitalisierung der Anhalter Bahn geschah].



Lichterfelder gegen „Industrierevier“

[Ed: Petition zum 9. Änderungsplan zum Flächennutzungsplan (FNP) von Berlin]

Aus:
Berliner Morgenpost, 10. Juni 1980, Seite xx (Bezirke) von ROSWITA GILLBRICHT.

STEGLITZ. Mehr als 2000 Lichterfelder unterstützen mit ihrer Unterschrift eine Eingabe, mit der sich die Umweltschutzinitiative Lichterfelde-Süd jetzt an den Petitionsausschuß des Abgeordnetenhauses gewandt hat. Sie fordert darin eine „Umweltsanierung“: Südlich der Réaumurstraße soll ein Gewerbe-, kein Industriegebiet entstehen. Auch der amerikanische Truppenübungsplatz [Parks Range] soll nicht als Industrie-, sondern [planungsehrlich] als Sondergebiet ausgewiesen werden. „Ein wohnungsnahes Industrierevier“ – so wörtlich – „können wir hier nie tolerieren“.

Weiter fordert die Umweltschutzinitiative in ihrer Petition einen 100 Meter breiten Grünstreifen auch als Abschirmung des Wohngebietes westlich der S-Bahn und der Kleingärten an der Osdorfer Straße. Abgelehnt wird von der Initiative eine neue, die S-Bahn über- oder unterschreitende Verkehrsverbindung, da sie für die Wohngebiete unzumutbar sei.

Der Entwurf zum „9. Änderungsplan zum Flächennutzungsplan“ sieht bisher eine Verkleinerung des Industriegebietes vor. Es soll sich südlich eines geplanten Grünstreifens und der Réaumurstraße in ihrem neuen Verlauf anschließen.



Wohnungen und Schmelzwerk auf planerisch unsicherem Boden

Aus:
Der Tagesspiegel, 23. Juli 1980, Seite ?? (Berlin).

LICHTERFELDE (erk). Die Umweltschutzinitiative Lichterfelde-Süd erhob gegen einen Beamten der Senats- Umweltbehörde Dienstaufsichtsbeschwerde „wegen Untätigkeit im Amt“. Sie glaubt, ihre seit Jahren vorgebrachten Beschwerden über „gesundheitliche Beeinträchtigungen“ durch ein Alumininium- Schmelzwerk [Ed: die Firma Gottschol- Stamet GmbH & Co KG – Metallwerk] in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Wohnungen der Thermometer- Siedlung nicht hinreichend berücksichtigt zu sehen. Nach Rückfragen bei der Senats- Umweltverwaltung allerdings ergibt sich hierzu ein anderes Bild.

Die Wohnhäuser in Lichterfelde- Süd und angrenzenden Firmen, darunter die beanstandete Aluminium- Schmelze, liegen auf planerisch schwankendem Gebiet. Ein Bebauungsplanverfahren ist in Vorbereitung, gültig ist vorläufig [nur] ein Baunutzungsplan [von 1960]. Daß die Wohnhäuser direkt neben einen Gewerbebereich gebaut wurden, ohne die heute zwingend gebotene Abstandsfläche, gehe auf eine Zeit zurück, als Umweltbelange noch nicht so ernsthaft berücksichtigt wurden wie heute. Nun aber ist es geschehen und die Klagen der Bürger reißen nicht ab.

Die in diesem Falle beanstandeten Belästigungen hat laut Umweltverwaltung die Firma durch Filteranlagen mildern wollen, doch seien einige Filter in der Vergangenheit abgebrannt [Ed: es brannte auch sonst schon mal]. Ein neuer Filter, freilich schon gebaut, ist genehmigungspflichtig. Diese Genehmigung muß also nachträglich erteilt werden. Das aber nun würde eine „Verfestigung des Bestandsschutzes“ bedeuten, den man wegen der planerisch ungeklärten Verhältnisse aber seitens des Bezirksamtes nicht wolle. Nun haben sich Bezirksamt und Umweltverwaltung mit der Firma nach langen Beratungen auf einen Kompromiß geeinigt, sagt der Umweltbeamte Friese. Die Filtergenehmigung im nachhinein gelte nur solange, wie der Betrieb an dieser Stelle bleiben könne, was also nicht bedeutet, daß damit ein Anspruch auf Verbleib der Firma an dieser Stelle verbunden wäre.

Über kurz oder lang müsse sie umziehen, vorausgesetzt, es findet sich ein anderer Standort [Ed: der sich dann in Reinickendorf fand]. Nun erst, nachdem diese schwierige Rechtslage geklärt sei, müsse eine amtliche Meßstelle die von Bürgern beanstandeten Belästigungen ermitteln. Von diesen Meßergebnissen hängen Auflagen an die Firma ab.

Daß in der Vergangenheit die Firmennachbarn durch üble Rauchschwaden arg betroffen gewesen seien, wird in der Umweltverwaltung bestätigt. Das habe nach Ermittlungen an „eindeutigen Bedienungsfehlern“ gelegen. Die Firma sei verpflichtet worden, solche Bedienungsfehler abzustellen, heißt es bei der Umweltbehörde. Im übrigen käme die Verwaltung nun bald zu einem Abschluß der behördlichen Prüfungen, die nach Auskunft der Bürgerinitiative bereits 3 Jahre währen, was sie zum Anlaß nahmen, Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Sachbearbeiter in der Umweltverwaltung zu erheben.

Editor-Hinweise zur Alu-Schmelze: Dieses ist ein Betrieb, der nur in einem planungsrechtlichen Industriegebiet (GI) errichtet werden kann. Das Metallwerk siedelte sich 1964 als Ableger des Mutterwerks Gottschol Aluminium GmbH in Ennepetal (Nordrhein- Westfalen) in Lichterfelde- Süd an, um optimal von der lukrativen Berlin- Förderung profitieren zu können. Eigentümer war Dr.-Ing. Hans-Joachim Gottschol, von 1992 bis 1996 Präsident des größten deutschen Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Das Lichterfelder Werk war spezialisiert auf Alu-Schrott, der vorwiegend aus dem Ostblock kam und stark verunreingt war. [mehr]



Mitbestimmung für Mieter?

Aus: Forum Lichterfelde-Süd
, September 1980, Seite 8 (Ev. Kirchengemeinde Giesensdorf) von KARL-HEINZ DITTBERNER.

In Lichterfelde-Süd werden nun die Nachteile einer unterversorgten Hochhaus- Siedlung am Stadtrand immer deutlicher. Aber hier müssen Menschen leben: Wo sollen sie sonst hin? Die Wohnungsbau- Unternehmen aber ‚verwalten‘ die Menschen nach überholten Prinzipien und mißachten die wirklichen Interessen der Mieter. Das ist die Wirklichkeit – traurig angesichts der sehr großen Hoffnung so vieler Menschen beim Einzug in ihre ‚neue Heimat‘!

Zwei typische Beispiele für schwerwiegende Versäumnisse der GSW [Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft mbH] sollen das verdeutlichen:

1. Der Senat von Berlin will auf dem Areal südlich der Réaumurstraße – heute sind da noch Äcker und Weideland – endgültig in größerem Umfang Industriebetriebe ansiedeln, trotz der Proteste von 2000 Bürgern. Sicher, Arbeitsplätze werden hier gebraucht. In der Nähe zu Wohnungen darf man aber nur umweltfreundliche Gewerbebetriebe errichten und eben keine Industrie, sonst hätte man hier keine Wohnungen für 6000 Menschen hinsetzen dürfen.

Der größte Grundeigentümer in unmittelbarer Nachbarschaft der geplanten Industrie ist die GSW. Die Mietergruppe und die evangelische Kirchengemeinde haben sie daher ersucht, sich beim Senat für die Interessen ihrer Mieter – also gegen die Indsutriepläne – einzusetzen. Was tat die gemeinnützige GSW? Sie ‚sprach‘ unverbindlich mit der Bauverwaltung; auf einen schriftlichen Einspruch verzichtete sie, obwohl ihr die wohlbegründeten Bedenken der Mieter bekannt waren. Welche Interessen wurden hier nun vertreten? Wollte man dem Bausenat nicht weh tun? Warum wohl? (Aufsichtsratsvorsitzender der GSW ist ein Senatsbaudirektor! [Ed-2004: das war Horst Lekutat]). –

2. In der Siedlung gibt es einige Häuser, deren Mieter schon seit vielen Jahren unter Vandalismus zu leiden haben. Besonders sind Hochhäuser betroffen, da die anonyme Umgebung und bauliche Unzulänglichkeiten es sehr erleichtern, unerkannt Aggressionen abzureagieren – auf Kosten der Mitbewohner. Nach den Ursachen für dieses Fehlverhalten von Menschen zu suchen, ist eine andere Frage. Hier geht es um die Reaktion der GSW, der diese Vorgänge lange bekannt sind.

Im Frühsommer [1980] erreichte die Zahl der Kellereinbrüche im Hochhaus Celsiusstraße 56 (123 Mietparteien auf 21 Etagen) ein Ausmaß, das die sinnvolle Nutzung der Keller nicht mehr zuließ. Die Fahrräder müssen nun in den Wohnungen abgestellt werden, die manche Mieter schon durch zusätzliche Sicherheitsschlösser geschützt haben. Erst auf massive Vorstöße einiger Mieter wurde von der GSW das Problem anerkannt, und man versprach, eine Lösung zu suchen.

Nun sucht man schon seit drei Monaten, obwohl sich offenkundig durch bauliche Veränderungen die Straftaten vermindern ließen [Ed-2004: und die damals von Mietern auch vorgeschlagene Concièrge- Lösung führte die GSW erst nach 22 Jahren des Überlegens ein...]. Spekuliert die GSW auf's Vergessen? Als dauerhafte Erinnerung haben Mieter ihre Mietzahlungen bereits herabgesetzt. So sollten es alle Mieter machen, wenn Vermieter nicht schnell auf berechtigte Forderungen reagieren: Das scheint zur Zeit die einzig wirksame Form von Mieter- Mitbestimmung zu sein. Wie lange wird es bis zu einer gesetzlichen Regelung dauern, die die Wohnungsunternehmen zur echten Gemeinnützigkeit zwingt?



Unwirtschaftlichen Betrieb eines Heizwerkes kritisiert

Aus:
Der Tagesspiegel, 22. Oktober 1980, Seite ?? (Berlin).

LICHTERFELDE (Tsp). Die Bürgerinitiative „Arbeitskreis Energieversorgung Lichterfelde“ hat der Wohnungsbaugesellschaft GSW jetzt unwirtschaftlichen Betrieb ihres Heizwerkes in der Thermometersiedlung vorgeworfen. Das führe zu Heizkosten, die rund 35 % über den Normalwerten lägen, die das Bundesbauministerium errechnet hat.

Die Gründe sieht der Arbeitskreis in einer veralteten Regeltechnik, die vor allem eine Senkung der Nachttemperatur verhindere [Ed: sowie einer miserablen Wärmedämmung der Hochhäuser]. Diese liege in einzelnen Hochhäusern über 25 Grad. Außerdem sei längst eine Generalüberholung des 10 Jahre alten Werkes fällig, das 1300 Wohnungen beheizt. Diese Renovierung könne auch nicht unter Hinweis auf eine künftige Teil- Fernwärmeversorgung vom Bewag- Kraftwerk Barnackufer weiter hinausgezögert werden.

Die Wärmeversorgung in Lichterfelde-Süd ist, wie berichtet, lange unter dem Gesichtspunkt diskutiert worden, hier ein erstes Blockheizkraftwerk [Ed: produziert Wärme und Strom] zu errichten. Nach dem Scheitern der Pläne bei der Bewag- Tochter EAB wird nun an Fernwärme gedacht, die mit einem eigenen Heizwerk der GSW für besonders kalte Tage gekoppelt sein soll. [mehr]



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