Thermometer-Siedlung in Berlin-Lichterfelde – Teil 11 khd
Stand:  14.3.2010   (42. Ed.)  –  File: ThS/Thermometer-Siedlung_11.html




Auf diesen Seiten soll im Internet von mir nach und nach ausgewähltes Archiv- Material zu Problemen in und um die Thermometer- Siedlung in Lichterfelde-Süd – einer Anfang der 70er-Jahre gebauten Hochhaussiedlung am südlichen Stadtrand Berlins – dokumentiert werden. Dabei gilt der allgemeine CopyRight-Hinweis.

Ab 2005 wurden hier auch Artikel aufgenommen, die zur Beurteilung des immer deutlicher werdenden mieterfeindlichen Geschäftsgebarens des neuen, soziologisch ahnungslosen GSW-Eigners – des Finanz- Investors Cerberus – relevant sind. [Intro]

Die vor allem in den Tabellen angegebenen „???“ bzw. „xxx“ bedeuten, daß die Fakten derzeit nicht recherchierbar waren. Hier sind zunächst dokumentiert und manches auch in [Ed:...] kommentiert:

I n h a l t :             2009           [ Übersicht 1970–2010 ] Zur Leitseite khd-Page


H E U S C H R E C K E N   A T   W O R K

Zockt die GSW bei Nebenkosten ab?

Cerberus-GSW agiert am Rande des Betrugs / Erste Erkenntnisse aus der Thermometer-Siedlung

LICHTERFELDE-SÜD – 26.4.2009 (khd/gj/pep/tj/mg). Bereits im
Bericht über die Folgen des GSW-Verkaufs von 2004 durch den Berliner Senat wurde auf die chaotischen Abrechnungen der nunmehr eigennützigen GSW hingewiesen. Eine genauere (Computer-)Analyse der bislang seit 2004 unter dem Heuschrecken-Regime von Cerberus erfolgten 4 Nebenkosten-Abrechnungen zeigte jetzt, daß da so einiges nicht stimmen kann.

Besonders auffällig über die 4 Jahre ist die Inkonsistenz der abgerechneten Hausmeisterei- Kosten. Unklar bleibt auch, ob in den abgerechneten Fahrstuhlkosten Reparaturen enthalten sind, was nicht sein darf.

Aber es gibt auch Ungereimtheiten, die hart am Rande des systematischen Mieter-Betrugs liegen. So hat die GSW bei den Heizkosten in den 3 aufeinanderfolgenden Jahren 2004–2006 einen nicht auf Anhieb erkennbaren Übertragsfehler eingebaut, der ihr in der Summe über alle Mieter ein schönes Zubrot eingebracht haben dürfte und nie generell korrigiert wurde.

Peinlich bei diesem Fehler ist, daß der Seiten-Übertrag bei den gesamten Grundkosten und Verbrauchskosten 3-jahrelang konstant um 2 x 31,96 = 63,92 Euro erhöht worden war, bevor dann die individuellen Kosten berechnet wurden. Eine Erklärung dafür hat die GSW bis heute nicht gegeben. Allein das zeige, was vom GSW-Zahlenwerk zu halten sei, kritisieren Mieter der Thermometer-Siedlung. „Man sollte den Staatsanwalt rufen“, ist bereits zu hören.



B R U T A L I T Ä T   E R R E I C H T   S T A D T R A N D 

Wieder BVG-Fahrer geschlagen

Aus:
Berliner Umschau, 30. April 2009, 8.09 Uhr MESZ (Berlin-Brandenburg). Über diesen besonders brutalen Überfall berichteten noch am Abend des 29.4.2009 das „Info-RADIO“ und das „Stadt-Radio 88-Acht“ des RBB. [Original]

BERLIN-LICHTERFELDE. Ein Unbekannter schlug gestern Abend auf einen Busfahrer der Linie 186 in Lichterfelde ein. Der 34-jährige BVG-Angestellte hatte gegen 18 Uhr 15 an einer Endhaltestelle in der Réaumurstraße eine Pause eingelegt und telefoniert, als ein Fremder an die Vordertür des Busses klopfte.

Nachdem der Fahrer geöffnet hatte, betrat der Mann den Wagen und schlug dem Busfahrer unvermittelt mit den Fäusten ins Gesicht. Anschließend entfernte er sich in Richtung Celsiusstraße. Der 34-Jährige erlitt eine Kopfplatzwunde und kam zur ambulanten Behandlung in ein Krankenhaus. [mehr]



B R U T A L I T Ä T   E R R E I C H T   S T A D T R A N D 
    Verdi kämpft gegen Attacken auf BVG
Aus: Tagesspiegel, 4.5.2009.

[Ed: Vielleicht brauchen wir mehr Polizei?]

BERLIN. Gewalttätigkeiten gegen Mitarbeiter der BVG müssen nach Ansicht der Dienstleistungs- Gewerkschaft Verdi künftig schneller geahndet und als eigener Straftatbestand gewertet werden. Um das durchzusetzen, hat die Gewerkschaft am Wochen- ende eine entsprechende Kampagne mit Unterschrif- tenaktion gestartet.

Zur gleichen Zeit wurden am Samstag [2.5.2009] erneut BVG-Mitarbeiter attackiert: Drei alkoholisierte Fahrgäste kratzten und schlugen in einem Linienbus am Gesundbrunnen zwei Angestellte eines Sicher- heitsdienstes der BVG. Zuvor hatten diese den zwei Männern und einer Frau untersagt, mit geöffneten Bierflaschen in den Bus einzusteigen. Die alarmierte Polizei setzte Pfefferspray ein und nahm die Täter nach einem Handgemenge fest.

Solche Übergriffe sind laut Verdi bislang ein sogenanntes Antragsdelikt. Das bedeutet: Sie werden nur verfolgt, wenn das Opfer Anzeige erstattet. Verdi will nun erreichen, dass die Attacken in jedem Falle von Amts wegen verfolgt werden.

Busfahrer [in der Thermometer- Siedlung] geschlagen und verletzt

[Ed: hm, darf man nun in der Siedlung schon nicht mal mehr nach 18 Uhr aus dem Haus gehen, um der Gefahr zu entgehen, einem brutalen Schläger ohne Hirn in die Arme zu laufen?].

Aus:
Die Welt, Berlin, 30. April 2009, 8.43 Uhr MESZ (News-Ticker). [Original]

BERLIN. Ein 34 Jahre alter Busfahrer ist am Mittwochabend [29.4.2009] in Berlin-Lichterfelde von einem Unbekannten geschlagen und dabei verletzt worden. Der Busfahrer hatte an einer Endhaltestelle in der Reaumurstraße Pause gemacht und dem Mann trotzdem die Tür geöffnet, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Plötzlich und ohne Vorwarnung schlug ihn der Unbekannte mit der Faust und verletzte ihn. Anschließend flüchtete der Täter unerkannt. Der Busfahrer musste mit Kopfverletzungen behandelt werden.

2008 hatte es in Berlin 120 Angriffe auf Busfahrer gegeben. Auch in diesem Jahr vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein neuer Vorfall bekannt wird. Laut BVG hat die Zahl der Gewalttaten gegen BVG-Mitarbeiter insgesamt im Vergleich zu den Vorjahren zwar abgenommen, doch die Intensität nimmt zu.



M I T   S P E C K   F Ä N G T   M A N   M Ä U S E

GSW wirbt mit Flatrate und Putzservice um neue Mieter

[Ed: In der Thermometer-Siedlung wurden bislang solche GSW-Angebote nicht bekannt – hier gab’s aber reichlich unqualifizierte Mieterhöhungs-Ansinnen seitens der eigennützigen GSW, obwohl sich das Umfeld noch immer nicht verbessert hat – im Gegenteil].

Aus: Berliner Morgenpost, 15. Mai 2009, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (BM/saf). Die Wohnungsgesellschaft GSW will in Berlin neue Mieter gewinnen und wird bis zum 31. Dezember mit Sonderaktionen werben. Wer zum Beispiel eine Wohngemeinschaft gründet und in eine 3- bis 4-Zimmer-Wohnung zieht, bekommt ein Jahr lang einen kostenlosen Putzservice, der alle 2 Wochen kommt.

Für kleinere Wohnungen wird neuen Mietern ein Jahr lang eine Gratis-Telefon- und DSL-Flatrate gewährt. Auch ein Baumarkt-Gutschein in Höhe von 500 Euro ist als Geschenk an die Einziehenden möglich. Außerdem soll die Kaltmiete für 3 Jahre unverändert bleiben. Weitere Angebote für Senioren, junge Paare, Familien mit größeren Kindern sowie für Paare, deren Kinder ausgezogen sind, seien für die kommenden Monate geplant, sagt Thomas Rücker, Pressesprecher der GSW.

Bereits seit 2007 wirbt das Unternehmen um junge Familien mit Neugeborenen. Ihnen werden bei Abschluss eines Mietvertrages für 1 Jahr die Miete und die Nebenkosten für das Kinderzimmer erlassen. Diese Initiative habe sich bewährt und werde fortgesetzt, sagt Rücker.



H E U S C H R E C K E N   A T   W O R K  —  N E B E N K O S T E N - A B Z O C K E

Wurden GSW-Mieter übers Ohr gehauen?

Eine Mieterinitiative aus Reinickendorf sieht sich über viele Jahre betrogen / [Ed: Auch in der Thermometer-Siedlung hat die GSW seit 2004 noch nie ordentliche, nachvollziehbare Abrechnungen vorgelegt]

Aus:
Berliner Kurier, 28. August 2009, Seite 1 + 2 + 4 + 6 (Berlin). [Original]

BERLIN (SN). Mal sind es 500 Euro Nachforderung, oft bis zu tausend und nicht selten darüber: Die Nebenkosten-Abrechnungen bei Berlins größtem privaten Wohnungsanbieter GSW (75.000 Wohnungen) sorgen erneut für Ärger. Die Mieter der Rollbergesiedlung haben jetzt genug: Sie haben eine Initiative gegründet, um sich gegen überzogene Forderungen zu wehren. Sie fühlen sich von der GSW über den Tisch gezogen.

Wolfgang Dangel, Sprecher der Reinickendorfer Mieterinitiative: "Uns sind immer mehr Ungereimtheiten aufgefallen. Viele Nebenkosten- und Heizkosten-Abrechnungen sind unverständlich, aus unserer Sicht völlig überhöht und zudem inhaltlich und formal falsch."

Eine Einschätzung, die der Berliner Mieterverein im Groben teilt. Frank Maciejewski: "Seit dem Verkauf an US-Investoren ist die GSW ein komplett anderes Unternehmen geworden. Nicht nachvollziehbare Abrechnungen sind quasi an der Tagesordnung."

Dangel beklagt: "Allein in unserem Wohngebiet mit knapp 1000 Mietparteien haben wir für die letzten Jahre fehlerhafte Abrechnungsposten in Millionen-Höhe Euro errechnet, darunter Rundungsfehler, falsche Überträge und vieles mehr. Im Durchschnitt kamen wir pro Jahr und Mieter auf eine Überforderung von rund 1000 Euro." Dahinter könnte durchaus ein System stecken, glaubt Dangel: "Wenn alle GSW-Mieter falsch abgerechnet würden, ergäbe sich eine Summe von bis zu 75 Millionen Euro pro Jahr."

35 Euro Rückzahlung pro Mieter angeboten

Als die Mieter der Rollbergesiedlung im September 2008 erstmals aufmuckten, wurde ihnen von der GSW-Ombudsfrau und Ex-Senatorin Ingrid Stahmer (SPD) 35.000 Euro angeboten, wenn der Streit dann ruhen würde. Dangel: "Das wären für jeden 35 Euro Rückerstattung gewesen, das haben wir abgelehnt."

Neuerdings habe die GSW ihre Abrechnungspraxis leicht verändert. Dangel: "Mieter, die sich wehrten, erhalten plötzlich moderate Abrechnungen, sogar Nachzahlungen. Dagegen scheint sich die GSW jetzt bei Hartz-IV-Empfängern schadlos zu halten, auf Kosten der Steuerzahler."

Ein Verdacht, der auch Reinickendorfs Sozialstadtrat Andreas Höhne (SPD) immer wieder kommt: "Wir beobachten die GSW genau, Auffälligkeiten gab es immer wieder. Um Fehler aufzudecken, sind wir aber auf die Zusammenarbeit mit den Mietern angewiesen, dazu bieten wir eine kostenlose Mieterberatung an. Leider haben Sozialhilfe- und ALG-II-Empfänger meist kein Interesse, sich mit ihrem Vermieter anzulegen, da ihnen Rückerstattungen sowieso abgezogen werden. Notfalls wird auch unser Prüf- und Ermittlungsdienst daran gesetzt."

Der KURIER bat die GSW um eine Erklärung für die wachsende Zahl an Beschwerden. GSW-Sprecher Thomas Rücker: "Wir hatten in diesen Jahren aus verschieden Gründen erhöhte Nebenkosten, da ist eine gestiegene Zahl von Widersprüchen durchaus üblich. Wir bedauern das sehr, die Kosten müssen aber umgelegt werden." Außerdem bedauerte Rücker, dass in bei einzelnen Mietern trotz Widerruf der Einzugsermächtigung abgebucht wurde.

Schon 6 Verfahren wurden gewonnen

Das 35.000-Euro-Angebot von Ingrid Stahmer sei erfolgt, "um nicht alle Mieter in lange Einzelfallprüfungen zu ziehen und den Prozess abzukürzen. Das war eigentlich im Sinne der Mieter gedacht."

Die Mieterinitiative im Rollbergeviertel hat inzwischen 50 Verfahren gegen die GSW eingeleitet, die ersten 6 wurden in 1. Instanz gewonnen. [mehr]



M I E T E R - A U F S T A N D   G E G E N   G S W

Mieter wehren sich gegen hohe Nebenkosten

Aus:
Berliner Morgenpost, 29. August 2009, Seite xx (Berlin). [Original]

BERLIN (BM). Viele Bewohner der Rollbergesiedlung in Waidmannslust streiten mit der Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin (GSW) [Ed: nee, die heißen jetzt nur noch „GSW Immobilien GmbH“ — nix „Gemeinnutz“ mehr, nur noch Eigennutz!] über steigende Mietnebenkosten und hohe Nachzahlungen. Insgesamt sind etwa 1000 Mietparteien betroffen. Die Bewohner haben eine Initiative gegründet und Rechtsanwälte eingeschaltet, die die Abrechnungen für 2008, 2007 und 2006 prüfen. 50 Musterprozesse laufen. Sechs Verfahren sind bereits in erster Instanz zugunsten der Mieter entschieden worden.

Von den hohen Nachforderungen ist auch Bernhard Cipa betroffen. Er wohnt seit 25 Jahren in der Titiseestraße. Er habe in den vergangenen 3 Jahren jeweils mehrere Hundert Euro an Betriebskosten nachzahlen sollen, zuletzt 550 Euro. Besonders die Heizkosten seien gestiegen. Viele Wohnungen im Haus stünden leer. "Das Dach ist undicht und müsste repariert, die Fassaden und die Fenster müssten erneuert werden", sagt er. Die Häuser sind mehr als 30 Jahre alt.

Auch der Berliner Mieterverein engagiert sich. Er untersucht in mehr als 100 Fällen Abrechnungen, die die Mieter vom Wohnungsunternehmen bekommen haben. "Viele Positionen sind nicht belegt, für sie gibt es keine ordnungsgemäße Buchung", so Hauptgeschäftsführer Hartmann Vetter. "Wir prüfen und machen Einwendungen geltend." Während der Prüfungsphase müssten die betreffenden Mieter keine Nachzahlung leisten oder sollten nur unter Vorbehalt zahlen.

Dagegen sagt GSW-Sprecher Thomas Rücker, die Betriebskostenabrechnungen seien inhaltlich korrekt. Der Anstieg der Kosten habe mehrere Gründe. "Die Grundsteuer ist erhöht worden, die Preise für Öl, Gas und Entsorgung sind gestiegen." Dass die GSW 6 Gerichtsverfahren verloren habe, habe mit formalen Mängeln in den Abrechnungsunterlagen zu tun.

"Es ist nicht ungewöhnlich, dass Mieter Widerspruch einlegen", sagt Rücker. Ungewöhnlich sei jedoch, dass sich eine Initiative gegründet habe. Jetzt werde jeder einzelne Fall geprüft. "Das kostet sehr viel Zeit." Die GSW wolle jedoch mit den Mietern schnell Einvernehmen erzielen [Ed: was kaum gelingen dürfte, denn nun drohen auch Strafanzeigen]. [mehr]



H E U S C H R E C K E N   A T   W O R K

GSW – Vom sanften Riesen zum Immobilienhai

Früher bei Mietern beliebt, heute von vielen gefürchtet / [Ed: Von den Folgen des GSW-Verkaufs].

Aus: Berliner Kurier, 29. August 2009, Seite 4 (Berlin). [Original]

    Das sind die Höllenhunde
von der GSW

Aus: Berliner Kurier, 1.9.2009.
Knallhart und erfahren mit dem Geld und der wahren Macht

NEW YORK/BERLIN (BK). Cerberus ist ein Finanzinvestor der besonderen Sorte. Die Spezialität der Investmentgesellschaft: Mit geliehenem Geld werden Unternehmen in Schwierigkeiten aufgekauft, ausgeschlachtet, umgebaut, manchmal nach kurzer Zeit weiter verkauft.

An der Spitze steht Stephen Feinberg [dem man einen Gen-Defekt nachsagt], der das Unternehmen 1992 gründete. Spektakulärste Übernahme war Kauf von Chrysler 2007 – inzwischen ist Cerberus längst wieder ausgestiegen, Chrysler an Fiat verkauft. Feinberg gilt als äußerst öffentlichkeitsscheu und gleichwohl als äußerst harter Hund: So soll 2005 die geplante Übernahme des Gerling-Konzerns an dem rüden Verhalten der Amerikaner geplatzt sein.

Trotzdem ist Cerberus auch in Deutschland gut investiert. Hauptwaffe ist gezielte Lobbyarbeit. So verpflichtete Feinberg unter anderem den früheren US-Botschafter in Berlin, Daniel Coats, der frühere US-Finanzminister John W. Snow ist seit 2006 Chef der Cerberus- Finanzfonds. Zum Vorstand gehört außerdem Ex-US- Vizepräsident Dan Quayle.

In Berlin wurde Cerberus durch die Übernahme der GSW bekannt, und auch hier funktionierte das Spiel mit prominenten Namen. Als Beraterin der neuen Geschäftsführung rekrutierte man die frühere Sozialsenatorin Ingrid Stahmer (SPD!).

In letzter Zeit gerät das Unternehmen aber offenbar immer weiter in Schwierigkeiten: Laut "Wall Street Journal" laufen die Anleger weg, fast 71 % der Einlagen seien im letzten Monat abgezogen worden. [mehr]
BERLIN (SN). Der Niedergang der GSW: Seit dem Verkauf des ehemals landeseigenen Unternehmens an den US-Hedge-Fonds Cerberus fühlen sich viele Mieter übers Ohr gehauen. Doch jetzt wagen sie den Aufstand (KURIER
berichtete).

"Wir lassen uns nicht länger ausnehmen"

Wolfgang Dangel von der Mieterinitiative Rollbergesiedlung: "Wir fühlen uns ausgetrickst, aber jetzt ist Schluss." Anlass waren Nebenkosten- und Heizkosten-Nachforderungen in seinem Wohngebiet (Waidmannslust) bis zu 1200 Euro.

Doch wie lässt sich der Wandel der Gesellschaft erklären, die immer noch "gemeinnützig" im Namen trägt und einst als soziale Institution galt? Hartmann Vetter, Sprecher des Berliner Mietervereins: "Es ist das passiert, was zu erwarten war. Seit dem Verkauf der GSW gibt es eine auffällige Zunahme der Beschwerden. Meistens geht es um die Nebenkosten."

Als die GSW 2004 verkauft wurde, klagte das Land gerade auf zusätzliche Bundeshilfen. Mit den 405 Millionen Euro, die Berlin durch den Verkauf der damals 65.000 Wohnungen erhielt, konnte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens zeigte man damit eigene Bemühungen zur Haushaltssanierung, zweitens trennte man sich von einem defizitären Unternehmen, das viele Millionen zu verschlingen drohte [Ed: die GSW war nicht defizitär, bis sie im Heuschreckenstil vom Berliner Senat (SPD-Senatorin Annette Fugmann-Heesing!) bewußt defizitär gemacht wurde...].

Allerdings wurde die Rechnung ohne die Mieter gemacht. Dangel: "Für uns bedeutete der Eigentümerwechsel drastisch erhöhte Mieten, schlechteren Service, ungepflegte Anlagen. Und vor allem Abrechnungen, die kein normaler Mensch versteht."

Nebenkosten als Falle für die Mieter

Ralf Hillenberg, Wohnungsexperte der SPD: "Heute wäre der Verkauf undenkbar. Aber damals zählte das Geld. Mit dem Verkauf sollte auch den anderen landeseigenen Wohnungsbau-Unternehmen gezeigt werden, was passiert, wenn keine Gewinne erwirtschaftet werden."

Aktuell zeige sich aber, dass der Verkauf sozialpolitisch ein Desaster war. Hillenberg: "Bei den städtischen Gesellschaften ist man oft besser dran, dort betragen die Nebenkosten im Schnitt 2,35 Euro und nicht 3 [Euro pro Quadratmeter] und darüber. Die Steigerung der Nebenkosten wird zur Falle für die Mieter. Da werden Lockangebote gemacht, und nach einem Jahr fällt man aus den Socken."

Eine Erfahrung, die Andreas Otto (Grüne ) nicht nur mit der GSW macht: "Die Heuschrecken sind alle unter Druck durch die Finanzkrise. Sie wollen jeden Euro, den sie finden können, auch kassieren. Natürlich wissen alle, dass bei so hohen Nachforderungen etwas faul ist. Aber man probiert es eben erst einmal, und der Mieter, der sich nicht zu helfen weiß, der zahlt erst einmal." [mehr]

Mehr zum Thema GSW / CERBERUS:
[07.04.2004: Darf man die GSW verkaufen? – Eine umfangreiche Analyse]  (khd-Page)
[26.10.2004: Mieter-Vertreter geht nicht in den GSW-Aufsichtsrat]  (BERLINER ZEITUNG)
[02.01.2005: GSW-Mieter mußten tagelang frieren]  (khd-Page)
[11.03.2006: Heuschrecken: Einkaufen ohne Ende]  (DER TAGESSPIEGEL)
[00.08.2006: Politik der Linkspartei.PDS: Wohnungsprivatisierung]  (ARBEITERMACHT)
[25.10.2006: Wurde die GSW verschenkt?]  (khd-Page)
[01.11.2006: Mieter-Unmut macht sich breit]  (khd-Page)
[12.07.2007: Heuschrecken]  (VOLCKS-INFO)
[10.10.2007: Von den Folgen des GSW-Verkaufs]  (Erfahrungsbericht von der khd-Page)



M I E T E R - A U F S T A N D   G E G E N   G S W

Herr Wowereit, bitte helfen Sie uns!

Abzocke bei der GSW. Empörte Mieter schreiben einen Brandbrief / GSW-Nebenkosten: Die Mieter kommen nicht mehr weiter. Ihre letzte Hoffnung ist jetzt der Regierende.

Aus:
Berliner Kurier, 1. September 2009, Seite 1 + 4 + 5 (Berlin). [Original]

BERLIN (SN). Herr Wowereit, bitte helfen Sie uns: Beim Mieteraufstand gegen die GSW ist jetzt der Regierende Bürgermeister eingeschaltet worden. Die rund 50 Mieter der Initiative im Rollbergeviertel [in Berlin-Reinickendorf] hoffen, dass ihr Kampf gegen explodierende Nebenkosten bei ihm Unterstützung findet.

    „So ein Chaos!“
Aus: khd-research, 10.10.2007.
Bereits im Herbst 2007 wurde im Report „Von den Folgen des GSW-Verkaufs“ eine sehr unzufriedene GSW-Mieterin aus der Thermometer-Siedlung (Lichterfelde-Süd) zitiert:

(...) „Das ist schon ein sehr starkes Stück“, sagt eine ältere Mieterin, die schon 40 Jahre bei der GSW wohnt. „So ein Chaos“ habe es in 40 Jahren noch nie gegeben.

Auch waren bei der alten GSW nie soviel „inkom- petente Mitarbeiter“ beschäftigt, fügt sie hinzu. „Es wird höchste Zeit, daß Berlins Senat etwas gegen die Unverschämtheiten der GSW unternimmt.“ Wowereit werde doch wohl entsprechende Klauseln im Vertrag [mit Cerberus-Partners] vereinbart haben, die ihm ein „Eingreifen bei grobem Unfug“ erlauben, erzürnt sich die Mieterin. (...)

In einem offenen Brief haben die Mieter ihren Ärger zusammengetragen: "Wir Mieter sind übereinstimmend zu den Schluss gekommen, dass die Nebenkostenabrechnungen weder in der Form noch vom Inhalt her korrekt erstellt wurden." Wolfgang Dangel, Sprecher der Initiative: "Wir brauchen die Hilfe der Politik, sonst kommen wir gegen die GSW nicht an."

Pikant: Wowereit selbst war 2004 der größte Verfechter für den Verkauf des Unternehmens, der 405 Millionen Euro in die Landeskasse spülte. Eine andere, altgediente Sozialdemokratin ist seit 2004 in Diensten der GSW respektive Cerberus: Ingrid Stahmer, ehemals Schul-und Sozialsenatorin und bei der Abgeordnetenhauswahl 1995 unterlegene Spitzenkandidatin der SPD.

Sie kümmert sich nach eigener Auskunft als Ombudsfrau einmal pro Monat um Mieterbelange und berät den GSW-Chef Thomas Zinnöcker und die Geschäftsführung. Im Gespräch mit dem KURIER räumte Stahmer immerhin Fehler ein: "Die Ausgliederung vieler Verwaltungsteile war nicht nur von Vorteil, das habe ich auch dem Vorstand so vorgetragen."

Als Beispiel nannte Stahmer die Ausgliederung der Hausmeisterdienste, das neue "Kommunikationsverfahren" bei der GSW ("früher gab es mal regionale Ansprechpartner") und Probleme mit dem neuen Abrechnungs-System bei den Nebenkosten. Stahmer: "Ich hatte auch schon einige solche Fälle bei mir in der Beratung. Aber da bin ich auch nicht der Experte, manche musste ich zum Mieterverein schicken."

Allerdings wehre sie sich dagegen, nur ein "soziales Etikettchen" für eine Heuschrecke zu sein [Ed: was sie aber dennoch de facto ist]: "Ich habe auch Beratungsrecht für den Vorstand in allgemeinen Dingen."

Die GSW erwirtschaftete 2007 nach eigenen Angaben rund 73 Millionen Konzern-Jahresüberschuss und wirbt im Geschäftsbericht damit, aus der GSW einen "Wertentwickler für Wohnimmobilien mit der höchsten Unternehmenswertsteigerung in Deutschland" entwickeln zu wollen. [mehr]



M I E T E R - A U F S T A N D   G E G E N   G S W

Wowereit kümmert sich um GSW-Mieter

Rollberge-Anwohner treffen sich am 19. September.

Aus:
Berliner Kurier, 2. September 2009, Seite xx + xx (Berlin). [Original]

BERLIN (OS). Beim Mieterverein und der Mietergemeinschaft stapeln sich die Beschwerden über die GSW. Beim Regierenden Bürgermeister ist der Ärger um horrende Nachforderungen jetzt in Form eines offenen Briefs angekommen.

Wie der KURIER erfuhr, will Klaus Wowereit das Problem in Kürze mit Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (beide SPD) beraten. Die Mieter aus dem Rollbergeviertel haben unterdessen eine Mieterversammlung anberaumt: Am 19. September wollen sie im Saal der Felsenkirchgemeinde (Titiseestraße 7, 15 Uhr) über den Stand der rund 50 Verfahren berichten, Tipps zur Gegenwehr geben. Wolfgang Dangel, Sprecher der Mieterinitiative: "Wir haben alle Parteien und den Regierenden Bürgermeister eingeladen, sich unsere Sorgen anzuhören."

Alles soll zur Sprache kommen: Die immensen Nachforderungen der GSW bei den Nebenkosten, die Zweifel an bestimmten Berechnungen (zum Beispiel Hausmeisterdienste), Unstimmigkeiten bei der Berechnung der Wohn- und Heizfläche. Möglicherweise wird auch noch einmal über die Rolle der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young gesprochen. Die hatten vor dem Verkauf die damals landeseigenen GSW-Immobilien als "überbewertet" eingestuft – und damit den Preis gedrückt. Kurz darauf kam das Unternehmen zu ganz anderen Ergebnissen... [Leser berichten über ihren Ärger mit der GSW] [mehr]



M I E T E R - A U F S T A N D   G E G E N   G S W

Endlich! Abgeordnete helfen GSW-Mietern

Stroedter und Steffel in der Rollberge-Siedlung [Ed: denn wir haben ja Wahlkampf...].

Aus:
Berliner Kurier, 3. September 2009, Seite xx + xx (Berlin). [Original]

REINICKENDORF (OS). Jetzt will auch Reinickendorfs Bundestags-Direktkandidat Jörg Stroedter (SPD) den GSW-Mietern helfen. Gestern versprach er der Mieterinitiative Rollbergesiedlung: "Ich werde auf die GSW Druck ausüben."

Stroedter gestern Vormittag: "Ich werde mir genau anschauen, ob die GSW ihre Vertragsbedingen erfüllt." Vor allem wegen üppiger Nebenkosten-Nachforderungen steht das Unternehmen (75.000 Wohnungen in Berlin) in der Kritik. Stroedter: "Da habe ich einige Fragen, ich bin auf die Antwort gespannt."

Zum Beispiel zu den Heizkosten. Daien Peter (24) etwa soll für ihre Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung 1031,01 Euro für 2008 nachzahlen – beziehungsweise das Sozialamt, denn die Friseurin ist arbeitslos. Peter: "Das Amt wird vermutlich ungeprüft zahlen, richtig ist das nicht."

Stroedter: "Da kann etwas nicht stimmen, das ist offensichtlich." Auch die Vorsitzende des Sozialausschusses der Reinickendorfer BVV, Karin Hiller-Ewers, hat große Zweifel: "Das wollen wir uns zur Prüfung gerne mal genauer anschauen." Am Nachmittag besuchte auch der CDU-Kandidat Frank Steffel die wütenden Mieter.

[Ed: Und hoffentlich prüfen alle Berliner Sozial-Behörden sehr schnell noch einmal sehr genauz alle GSW-Nachforderungen und fordern dann abgezockte Beträge zurück – notfalls per Gericht]. [mehr]



N E B E N K O S T E N - A B Z O C K E   D E R   G S W

Wie Frau Sontag sich von der GSW 2000 Euro zurückholte

Gericht: Hohe Vorauszahlungen sind zu erstatten.

Aus:
Berliner Kurier, 5. September 2009, Seite 1 + 7 (Berlin). [Original]

BERLIN (SN). Eine zarte Rentnerin hat die millionenschwere GSW in die Knie gezwungen: Die private Wohnungsgesellschaft (75.000 Wohnungen in Berlin) wurde jetzt verdonnert, horrende Vorauszahlungen zu erstatten. Für Ingrid Sontag (65) ein Freudentag: Fast 2000 Euro stehen ihr zu, entschied das Amtsgericht.

"Das ist das erste Mal, dass ein Gericht einem Mieter die rückgeforderten Vorauszahlungen auch zugesprochen hat", freute sich Susan Bolyi-Steglich, Anwältin der Mieterinitiative im Rollbergeviertel (Waidmannslust). Dort rebellieren die Anwohner inzwischen immer lauter gegen ungewöhnlich hohe Vor- und Nachforderungen. 41 Verfahren vertritt Bolyi-Steglich – ziemlich erfolgreich. Ihre Erfahrung: "Alle Mieter, die den immensen Nachforderungen beziehungsweise den Vorauszahlungen rechtzeitig widersprachen, haben in erster Instanz gewonnen. Bisher sind es 8."

Auch bei Karin Sontag ging es nicht nur um die monierten Vorauszahlungen (1986,80 Euro). Die Rentnerin hatte, wie Dutzende weitere Mieter, auch die Nebenkosten-Nachforderungen von 2006 bis 2008 angezweifelt – und bekam ebenfalls Recht.

Bolyi-Steglich: "Ich erwarte natürlich, dass die GSW wie bei den anderen Verfahren auch in Berufung geht. Aber das Urteil ist ein toller Erfolg."



H E U S C H R E C K E N   A T   W O R K

GSW soll an die Börse

Cerberus und Goldman Sachs wollen Kasse machen / GSW-Mieter befürchten weitere Verschlechterung

BERLIN – 3.11.2009 (khd/pep/ftd). Nur 5 Jahre nach dem Kauf wollen die GSW-Eigner, die Finanzinvestoren Cerberus und Whitehall (Goldman Sachs), die
GSW wieder verkaufen. Fürs Frühjahr 2010 wird zusammen mit der Deutschen Bank ein Börsengang geplant. Das berichtete gestern Abend exklusiv die Financial Times Deutschland im Internet. Es wird ein Erlös von etwa 1 Mrd. Euro erwartet. Der Berliner Senat hatte 2004 die größte Berliner Wohnungsbaugesellschaft GSW mit rund 70.000 Wohnungen für nur 0,4 Mrd. Euro an das Heuschrecken- Konsortium notverkauft.

Turbo-Kapitalismus bedroht die Mieter

Die GSW-Mieter, die bereits in den letzten Jahren vielen Zumutungen ausgeliefert waren, befürchten, daß sich ihre Wohnsituation durch neue Eigentümer weiter verschlechtern könnte. Künftige GSW-Großaktionäre könnten wg. des ‚Shareholder-values‘ eine noch windigere Geschäftspolitik verfolgen, die sich sehr negativ für die Mieter auswirken könne, wie das ja bereits beim Verkauf der GEHAG an die Deutsche Wohnen AG und dem Weg der GAGFAH zu beobachten gewesen sei, ist aus Mieterkreisen zu vernehmen, die nicht zum „Spielball von Casino- Spekulanten“ verkommen wollen.

Was steht tatsächlich im Geheimvertrag?

Verwunderung herrscht bei den GSW-Mietern besonders über den frühen Zeitpunkt des GSW-Weiterverkaufs. Hatte ihnen doch Berlins Senat 2004 erzählt, daß sich die Investoren verpflichtet haben, die GSW „mindestens 10 Jahre“ zu behalten. Das sei so vertraglich vereinbart worden, und Cerberus sei an einem langfristigen Engagement interessiert, hieß es damals. Es ist nun Sache des Regierenden Bürgermeisters Wowereit (SPD) schnellstenss zu erklären, wie aus 10 Jahren nun auf einmal nur 6 Jahre werden könnten. [mehr]

Mehr zum Thema:
[04.11.2009:
Berliner Wohnungen vor dem Verkauf an der Börse]  (DER TAGESSPIEGEL)
[05.11.2009: Was bedeutet es für mich als Mieter, wenn die GSW jetzt an die Börse geht?]  (B.Z.)
[22.01.2010: Ex-SPD-Chef soll GSW an die Börse bringen]  (BERLINER MORGENPOST)
[23.01.2010: GSW-Eigner will an die Börse]  (DER TAGESSPIEGEL)
[25.01.2010: GSW-Blitzumfrage zur Mieterzufriedenheit]  (GSW)
[27.01.2010: Berliner GSW will im Frühjahr an die Börse]  (DIE WELT)
[02.02.2010: Senat will sich Zustimmung bezahlen lassen]  (B.Z.)
[13.02.2010: Berliner Senat bremst Börsengang der GSW]  (HANDELSBLATT)
[13.02.2009: Ein Leser-Kommentar zum GSW-Börsengang]  (HANDELSBLATT)



Dokus zur Thermometer-Siedlung:
[Übersicht]  [1]  [2]  [3]  [4]  [5]  [6]  [7]  [8]  [9]
[10]  [11]  [12
Thermometer-Siedlung (ThS) + Stadtplanung + Wohnungs-Politik
  • Leitseite
  • Übersicht (ThS-Artikel)
  • Plan der ThS
  • Wohnungs-Politik (Übersicht)
  • Soziale Entmischung
  • Folgen des GSW-Verkaufs
  • Manifest Baupolitik
  • Dispens-Planung
  • Skandal von Giesensdorf
  • Gespiegelte Dokumente

  • Berlin-Lichterfelde
  • Zur Site-map des »khd-research.net«

      Zum Teil 12

    © 2009-2010  – Dipl.-Ing. Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 14.03.2010 15.45 Uhr