Thermometer-Siedlung in Berlin-Lichterfelde – Teil 2 khd
Stand:  1.12.2004   (60. Ed.)  –  File: ThS/Thermometer-Siedlung_02.html




Auf diesen Seiten soll im Internet von mir nach und nach ausgewähltes Archiv- Material zu Problemen in und um die Thermometer- Siedlung in Lichterfelde-Süd – einer Anfang der 70er-Jahre gebauten Hochhaussiedlung am südlichen Stadtrand Berlins – dokumentiert werden.

Hier sind zunächst dokumentiert und manches auch kommentiert [Ed:...]:

I n h a l t :             1981–1990           [ Übersicht 1970–2000 ]

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Siedlungsgesellschaft [GSW] baut ihr eigenes Fernwärme-Rohr

Anschluß an Lichterfelder Kraftwerk / Senat gibt FU-Wärme frei

Aus:
Der Tagesspiegel, 24. Juni 1981, Seite ?? (Berlin).

Eine Mieterinitiative in Lichterfelde Süd hat es geschafft: Entgegen allen früheren Plänen werden die sogenannte Thermometersiedlung und das Sanierungsgebiet Woltmannweg einen [vollen] Fernheizungsanschluß an das Kraftwerk Barnackufer erhalten. Das notwendige Wärmerohr, das mehrere Millionen Mark kostet, wird von der Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) gebaut. Die Bewag liefert lediglich das warme Wasser. Dafür wird sie vom Senat die Genehmigung erhalten, sogenannte Reservehitze für den Ausbau der Freien Universität nach Lichterfelde Süd abzuzweigen.


Die Fernwärme
kam dann 1983.



Die Energie-Diskussion um den Woltmannweg hat ihre Vorgeschichte. Zunächst sollte innerhalb eines Testprogramms des Bundesforschungsministeriums ein Blockheizkraftwerk gebaut werden: Ein kleines Kraftwerk in Form eines Lkw- Motors, der Strom und Abwärme zugleich produziert. Das Vorhaben zerschlug sich, nachdem die Bewag- Tochter EAB, welche die Sache bauen und betreiben sollte, wegen der hohen Ölkosten zu unrentablen Ergebnissen gekommen war [Ed: nee, der wahre Grund: Die Bewag hatte die Vergütung für den zurückgespeisten Strom zu niedrig bemessen].

Anschließend prüfte die EAB den Plan, ein Fernwärmerohr zu legen, das allerdings nur sogenannte Restwärme beziehen sollte. Das heißt Wärme nur bis etwa zwei Grad minus, dann hätte ein Ölkessel für die Kraftwerkshitze einspringen müssen. Wegen der unsicher gewordenen Bonner Zuschüsse wurden die Vorarbeiten jedoch eingestellt. Eine Mieterinitiative hatte freilich von vornherein auf die relativ billige Vollversorgung, Belieferung also auch bei großer Kälte, durch die Bewag spekuliert. Und auch das Rohr wollte sie nicht von der EAB, sondern von der Bewag bauen lassen, um den Wärmepreis nicht betriebswirtschaftlich mit den Leitungskosten zu belasten.

Dieses Lichterfelder Begehren widersprach freilich einem erklärten Ziel von Bewag wie Senat: Die umweltfreundliche Fernwärme für die abgasreichen Innenstadtbezirke zu reservieren und nicht in Außenbezirken ökologisch zu verschenken. Mit anderen Worten: Steht am Barnackufer noch freie Fernwärme-Kapazität zur Verfügung, soll sie in die Steglitzer Innenstadt gelenkt werden.

Der Lichterfelder Vertrag zwischen GSW und Bewag soll nunmehr dadurch ermöglicht werden, daß der Senat ein Wärme- Kontingent freigibt, das für den bereits reduzierten Ausbau der FU reserviert war und gewissermaßen auf der Straße liegt [Ed: nee, letztendlich das Wasser des Teltowkanals aufheizt]. Immerhin 7 % der Fernwärme- Kapazität, die in Ber1in verfügbar wäre, sind durch langfristige Verträge in Staatshand reserviert. Man müßte sie nur „loseisen“, sagt ein Insider.

In Lichterfelde wird dies geschehen. Die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft GSW rechnet mit Baukosten, „grob geschätzt“, von gut 10 Millionen Mark. Sie hat schon einen staatlichen Subventionsantrag über 5,8 Millionen DM gestellt. Da die Bewag nicht vor 1983 liefern könne, wie es heißt, hat die GSW es mit den Bauarbeiten nicht besonders eilig. Die Wärme- Übergabestelle soll am Ostpreußendamm Ecke Lindenstraße liegen. Zum Anschluß vorgesehen sind rund 1150 Wohnungen in der Thermometersiedlung und zunächst 310 im Sanierungsgebiet Woltmannweg, später über 600 weitere.



Grünanlage im Industriegebiet Lichterfelde Süd

Aus:
Berliner Morgenpost, 30. Mai 1982, Seite ?? (Steglitz).

Seit Jahr und Tag kämpfen viele Lichterfelder aus der „Thermometer-Siedlung“ um eine Grünanlage, die die Wohngegend von Staub und Lärm aus dem angrenzenden Gewerbe- und Industriegebiet schützen soll. Sie werden darauf sicher noch lange warten müssen, aber die planerischen Voraussetzungen werden jetzt geschaffen.


Angelegt wurde
die Parkanlage
bis 2004 nicht!


Obwohl bereits ein Teil des Geländes leergeräumt worden war.

Das Bezirksamt hat kürzlich die Aufstellung eines Bebauungsplans [XII-252] für das Industriegebiet Lichterfelde Süd beschlossen. Obwohl in absehbarer Zeit weder für die Anlegung eines Grünstreifens noch für die davor notwendige Verlagerung von Gewerbebetrieben Geld im Berliner Haushalt vorgesehen ist, tut Eile not. Baustadtrat Herbert Weber: „Wir haben Bauanträge von potenten Firmen auf dem Tisch, für die die Senatsbauverwaltung die Genehmigung angekündigt hat. Dank des Bebauungsplanverfahrens können wir sie jetzt zurückstellen. Sonst würden hier Tatsachen geschaffen, die unsere ganzen Pläne zunichte machen könnten.“

Information durch Broschüre

Diese Pläne sehen die Anlegung eines etwa 50 bis 80 Meter breiten Grünstreifens zwischen „Thermometer- Siedlung“ und Gewerbegebiet vor. Ausgehend von Überlegungen der Senatsbauverwaltung hat die bezirkliche Bauabteilung mehrere Varianten für die Neuordnung des ganzen Gebietes erarbeitet. Sie werden den betroffenen Anwohnern in einer Broschüre vorgestellt werden – eine für Steglitz bisher einmalige Aktion. Weber: „Das kostet uns viel Arbeit, aber das ist hier gerechtfertigt. Wir wollen die Broschüre möglichst noch vor den Sommerferien verteilen, damit wir dann im Herbst ‚vor Ort‘ darüber diskutieren können.“

Entgegen den Wünschen mancher Bürger, die sich Lichterfelde Süd als reines Gewerbegebiet wünschen, ist man sowohl beim Senat wie im Bezirksamt für eine Gliederung in Gewerbe- und Industriegebiet. Stadtrat Weber: „Dem Umweltschutz wird trotzdem Genüge getan. Wir regeln diese Frage durch Planergänzungsbestimmungen, die uns Auflagen an die Betriebe erlauben.“ [mehr]



Rauchgaswäsche im November fertig

Reparaturarbeiten nach Brand in Lichterfelder Bewag-Kraftwerk dauern an

Auszug aus:
Der Tagesspiegel, 8. September 1982, Seite ?? (Berlin).

Die [Ed: seit 1970 immer wieder von Bürgern – auch von der ULS – geforderte] Rauchgasentschwefelung [REA] am Bewag- Grundlastkraftwerk Barnackufer in Lichterfelde wird voraussichtlich erst im November in Betrieb gehen. Wie ein Sprecher des Energieversorgungsunternehmens gestern sagte, müssen noch Verbindungsteile zwischen Entschwefelung und Kessel ausgetauscht werde. Auch diese Teile hatten gelitten, als am 1. August vermutlich nach Schweißarbeiten in 80 Meter Höhe ein Brand ausgebrochen war [Ed: sozusagen der 1. Störfall der REA]. Die Anlage sollte ursprünglich zu diesem Datum in Betrieb gehen. (...)

Mit diesem Schaden ist die Zeitplanung der Bewag für die Fertigstellung der Rauchgasentschwefelung ins Wanken gekommen. Die 1. Stufe, die für die Blöcke I und II vorgesehen ist, nimmt ihren Probebetrieb mit einem Vierteljahr Verspätung erst im November auf, im März [1983] soll die 2. Stufe folgen (für die Blöcke II und III). Die Rauchgasentschwefelung für das 1972 in Betrieb gegangene 450-Megawatt-[Heiz-]Kraftwerk war vom Oberverwaltungsgericht 1978 letztinstanzlich angeordnet worden [Ed: die Bewag hatte wg. der nachträglichen Anordnung des Baus einer REA gegen den Senat geklagt]. [mehr]



Skizze des Bebauungsplans XII-252 für Lichterfelde-Süd

Entwurf des Bezirksamts Steglitz von 1982 (Grundplan), der aus dem gültigen Flächennutzungsplan entwickelt wurde.

Aus: Info der
ULS – Oktober 1982 (Lichterfelde-Süd).

Entwurf Bebauungsplan XII-252 von 1982



Zur Bauleitplanung in Lichterfelde-Süd

Gemeinsam für Umweltschutz in Lichterfelde-Süd.

Hinweis auf: Sonder-Info der Alternativen Liste (AL, später:
DIE GRÜNEN) – Nr. 1, 16. Oktober 1982, Umfang: 4 A3-Seiten, Auflage: 8.000 (verteilt in Lichterfelde und Steglitz).

Aus dem Inhalt:



Stiefkind der Stadtplaner

„Kalte“ Ansiedlung von Industrie in Lichterfelde?

Aus:
TAZ, Berlin, 9. November 1982, Seite 15 (Berlin).

Seit dem 18. Oktober liegen im Bezirksamt Steglitz die Bebauungspläne XII-252 für das Gebiet südlich der Lichterfelder Thermometersiedlung öffentlich aus. Im Rahmen der „Bürgerbeteiligung“ nach dem Bundesbaugesetz sollen sich die Betroffenen mit dazu äußern dürfen, was sie von den Überlegungen der Stadtplaner halten, in der Nähe des Neubau- Wohngebietes, nur durch einen 63 m breiten Grünstreifen getrennt, Industriebetriebe ansiedeln zu lassen.

Indes, die Chancen zu verhindern, daß Lärm und Gestank neben Kitas und Altenwohnheimen etabliert, bestehende Natur- und Grünflächen vernichtet werden, sind im Zuge der „Bürger“- Mitsprache nur noch ziemlich gering, denn das Abgeordnetenhaus hat bereits dem entsprechenden Flächennutzungplan zugestimmt. Nun richtet sich die bereits seit 1977 bestehende „Umweltschutzinitiative Lichterfelde- Süd“ [ULS] bereits auf den Gang zum Verwaltungsgericht ein, und sammelt Finanzierungszusagen für die entstehenden Prozeßkosten.

Südlich der „Thermometer-Siedlung“, einem Wohn- und Einzugsgebiet von etwa 15.000 Menschen, von denen etwa 6.000 im „Beton-Ghetto-Stil“ der 60er Jahre so leben, sollen in der Nachkriegszeit wildwuchsartig entstandene Industrie- und Gewerbebetriebe durch die Bebauungsplanänderung letztlich legalisiert werden. Etwa 100 Hektar ist das fragliche Gelände groß.

Seit Jahren schon gibt es Beschwerden über Umweltbelastungen durch ein Aluminium-Schmelzwerk [Fa. Gottschol- Stamet GmbH & Co KG – Metallwerk] und Schottermühlen [Fa. Hermann Kienbaum – Kies- und Splittwerk]. Weiter betreiben unsere amerikanischen Freunde dort einen Truppenübungsplatz mit einer Modellstadt zum Panzer- Übungsschießen [Parks Range]. Während die Anwohner den Erhalt von Grünflächen durchsetzen wollen, und außerdem die Schaffung von umweltfreundlichen und arbeitsplatzintensiven Gewerbebetrieben wünschen, will der Wirtschaftssenat unbedingt das fragliche Gebiet südlich einer als Rennstrecke neu auszubauenden Reaumur- Straße zum Industriegebiet erklären lassen, um „Arbeitsplätze“ durch Ansiedlung westdeutscher Firmen zu schaffen.

Nur 100 bis 200 m durch einen schmalen Grün- und Gewerbegürtel getrennt wäre Platz für – wie von den Behörden versprochen – sogenannte „umweltfreundliche“ Großprojekte. Die Interessen der Bürger, so hat nach Informationen der BI der FDP- Mann Rexrodt aus der Senatswirtschaftsverwaltung während einer Öffentlichen Anhörung erklärt, wären von seiner Behörde bereits abgewogen worden. Nun käme [halt] die Bürger„beteiligung“. „Drastischer“, heißt es in einer Presseerklärung der BI dazu, könne man „Bürgern nicht sagen, daß ihre berechtigten Interessen nicht gefragt sind.“

Die „Umweltschutzinitiative Lichterfelde- Süd“ hat eine eigene Alternative zum ausliegenden Bebauungsplan-Entwurf erarbeitet. Dieser sieht neben der Schaffung einer erhöhten Parkanlage als Abgrenzung zum Wohngebiet Gewerbeflächen vor, in die bereits bestehende Betriebe integriert werden könnten. Wenn die von Senatsseite beteuerten Umweltinteressen bei einer „Industrie“- Ansiedlung berücksichtigt werden sollten, könne man sich ja gleich auf diese Flächenausweisung beschränken. Außerdem sollen einige kleine Waldflächen als „Schutzwürdiges Naturgebiet“ festgesetzt werden und vorhandene Felder als „Grünes Gewerbe“ ausgewiesen von Gartenbau- oder Obstanbaubetrieben genutzt werden.



„Lichterfelde-Süd ist der Prüfstein für eine menschenwürdige Stadtentwicklungs- und Umweltpolitik in Berlin!“

Blick in die Presse / »Die Bauleitpläne sollen dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern« (§ 1 Bundesbaugesetz)

Aus: Info für die Thermometer-Siedlung – 24. November 1982 (Wandzeitung der ULS).

Die ULS im Spiegel der Presse



Ungenügende Rauchgas-Entschwefelung in Lichterfelde

Arzt rät: Anfällige Kinder bei Smog zu Hause lassen

Aus:
Berliner Morgenpost, 12. Februar 1984, Seite ?? (Steglitz).

STEGLITZ (ral). Schwefeldioxid, Stickoxide und Schwebstaub aus den Kraftwerken bedrohen über den sogenannten „sauren Regen“ nicht nur die Berliner Wälder sondern auch die Gesundheit der Menschen. In Zeiten, in denen die Schadstoffkonzentration in der Luft zunimmt, steigt auch die Zahl der Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Asthma und Lungenentzündung, insbesondere bei Kindern und alten Menschen.

Diese Beobachtung machte Dr. Michael Silbermann, Kinderarzt im Lichterfelder Rittberg- Krankenhaus. Die Zahl seiner Patienten im Kindesalter, die über Allergien im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung klagten, habe 1983 im Vergleich zum Vorjahr um rund 100 % zugenommen, sagte Dr. Silbermann am Freitagabend [10.2.1984] im BVV-Saal des Rathaus Steglitz. Bei Smogalarm könne man als Arzt den Eltern von anfälligen Kindern nur raten, entweder zu Hause zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten, oder in ein Gebiet mit besserer Luft zu ziehen.


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^   Was Bürger-Protest doch so erreichen kann: Das Bewag-Heizkraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal 20 Jahre später. Es ist nun mit 2 REAs und einer Entstickungsanlage ausgestattet. Und der 3. Block wird sogar seit 1989 mit Erdgas betrieben, denn für eine dritte REA fehlte der Platz. (Foto: 21.8.2004 – khd)
„Dicke Luft – Gesundheitsgefahren durch das Kraftwerk am Barnackufer?“. Unter diesem Thema hatte die Alternative Liste (AL) Steglitz zu einer Podiumsdiskussion ins Rathaus eingeladen. Sprecher der AL wiesen denn auch vor rund 150 Zuhörern mehrmals auf eine Untersuchung aus den Jahren 1976 bis 1982 hin. Dabei sei für Berlin festgestellt worden, daß die Sterblichkeit an Tagen nach einem Schadstoffanstieg auf über 0,3 Milligramm pro Kubikmeter Luft um durchschhnittlich 7,8 % zunehme.

Das 1974 fertiggestellte Heizkraftwerk Lichterfelde ist mit 450 Megawatt das größte Berlins. Durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts wurde die Bewag 1978 gezwungen, eine Rauchgas- Entschwefelungsanlage (REA) einzubauen und so die Schwefeldioxidemission von 2375 Milligramm pro Kubikmeter Rauchgas auf 950 Milligramm zu verringern.

Seit Mitte vergangenen Jahres werden 2 der 3 Kraftwerksblöcke entschwefelt. Doch die beiden REA funktionieren leider nicht so, wie es alle gern hätten – immer wieder kommt es zu Betriebsstörungen. „Kinderkrankheiten“, nennt Uwe Elend von der Abteilung Kraftwerksplanung bei der Bewag das. Nur durch den vermehrten Einsatz von schwefelarmen, schwerem Heizöl könne man derzeit den Grenzwert von 950 mg/m3 einhalten, gab er unumwunden zu.

Umweltschützer fordern eine Entschwefelungsanlage auch für den 3. Kraftwerksblock und bis dahin den ausschließlichen Einssatz von schwefelarmen Heizöl. Doch das wird von der Bewag abgelehnt. Schwefelarmes Öl sei zu knapp und zu teuer, heißt es. Eine 3. REA scheitert im Augenblick noch aus bauplanungs- rechtlichen Gründen. [mehr]

[00.02.2003: Bewag Umweltbericht 2001/2002]  (47 Seiten, BEWAG)



Schmelzwerk geschlossen!

Erfolg der Umweltschutzinitiative Lichterfelde-Süd

Aus: Kreisel, Steglitzer Stadtteilzeitung, 1. März 1984, Seite ?? (Kiez-News).

LICHTERFELDE (sel). Am 1. März ist es soweit. Das Aluminium-Schmelzwerk am Bahnhof Lichterfelde-Süd stellt endgültig den Betrieb ein. Dieses Werk war spezialisiert auf das Einschmelzen von stark veunreinigtem Aluminium- Schrott. Dadurch belastete der Betrieb extrem stark die Lichterfelder Luft. Zuletzt arbeitete das Werk noch mit einem Herdofen, um einen Spezialauftrag erledigen zu können. Im Februar wurde das Feuer auch unter diesem Ofen gelöscht. Die Firma hat sich inzwischen an der Kopenhagener Straße im Bezirk Reinickendorf unter scharfen Umweltschutzauflagen angesiedelt.

Erreicht haben dieses die Bürger in Lichterfelde-Süd. Es war die Mietergruppe der Thermometer- Siedlung, die 1977 die Behörden darauf hinwies, daß ein solch umweltfeindlicher Industriebetrieb nichts neben den Hochhauswohnungen zu suchen habe. Dieser schickte sich damals gerade an, seine Produktion erheblich auszuweiten. Das scheiterte später an einem fehlenden Bebauungsplan für das Gebiet. 1978 vereinigten sich 3 Bürgerinitiativen und gründeten die Umweltschutzinitiative Lichterfelde- Süd (ULS). In hartnäckiger Kleinarbeit mit vielen Eingaben, Petitionen und Unterschriftensammlungen konnte die ULS – aufgrund des geltenden Umweltrechts – die Betriebseinstellung politisch durchsetzen. Viele Lichterfelder können wenigstens etwas aufatmen.

Wir gratulieren den Bürgern zu ihrer erfolgreichen Kärrnerarbeit. Für die Menschen in Reinickendorf setzten die Bürger von Lichterfelde im Genehmigungsverfahren für das neue Werk scharfe Umweltschutzauflagen von vornherein für den Betrieb durch. Leider ist so etwas in Berlin nicht immer so. Oft wird von betroffenen Bürgern nur der eigene Kiez gesehen und einfach nach dem St. Floriansprinzip gehandelt. Deshalb ein besonderes Lob für diese Bürgerinitiative, die über ihren ‚Gartenzaun‘ gucken konnte.

Nur weiter so, denn noch sind nicht alle Umweltprobleme in Lichterfelde gelöst. Wir denken da an das Kraftwerk am Barnackufer, das Steinmahlwerk neben der Kindertagesstätte, den vergifteten Teltow- Kanal usw. Mit Phantasie und Ausdauer sollten auch hier menschengerechte Lösungen durchsetzbar sein.



Zur Landschaftsplanung in Lichterfelde-Süd

Gemeinsam für Natur- und Umweltschutz in Lichterfelde-Süd.

Hinweis auf: Sonder-Info der Alternativen Liste (AL, später:
DIE GRÜNEN) – Nr. 2, 15. September 1984, Umfang: 8 A3-Seiten, Auflage: 10.000 (verteilt in Lichterfelde und Steglitz).

Die Schlüsselrolle der BVV
Aus: Sonder-Info Nr. 2 der AL – 15.9.1984, Seite 6.
Der Steglitzer Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wird bezüglich der Planungen in Lichterfelde- Süd noch eine Schlüsselrolle zukommen. Irgendwann in den nächsten Jahren wird die unwiderrufliche Abstimmung zum Bebauungsplan XII-252 auf der Tagesordnung des »Hohen Hauses« stehen. Dann werden die Bezirksverordneten politisch entscheiden müssen, was aus Lichterfelde-Süd endgültig wird: Überwiegend Grau- oder Grünlandschaft.

Die Steglitzer Bezirksverordneten sind nämlich selbst in der Lage, die Vernichtung von ökologisch wertvollen Flächen zu verhindern, indem sie einen entsprechenden Bebauungsplan ablehnen. Weder der Senat noch das Abgeordnetenhaus hätten die Möglichkeit, den Bebauungsplan entgegen einer solchen Entscheidung zu einer Rechtsverordnung zu machen. Nur in ganz besonderen Fällen, z. B. Kraftwerks- oder Autobahnbau, kann der Senat die Angelegenheit an sich ziehen (»Evokationsrecht«).

Der Schlüssel zu einer menschenwürdigen Umwelt in Lichterfelde-Süd ist also das Kräfteverhältnis der Parteien in der BVV Steglitz. Im Ernstfall kann es sogar auf den ökologischen Sachverstand eines einzigen Bezirksverordneten ankommen.

Aus dem Inhalt:





Vom Bebauungsplan zum „Begrünungsplan“?

Wie könnte es weitergehen in Lichterfelde-Süd?

Auszug aus:
Grünstift, Nr. 6 – November/Dezember 1984, Seite 2–4 (Stiftung Naturschutz Berlin).

Zwischen Mauer und Thermometer-Siedlung, zwischen S-Bahnhof Lichterfelde- Süd und Osdorfer Straße heißen die Flächen für die Behörden XII-252 und XII-L 2. Die erste Nummer bezeichnet einen Bebauungsplan, die zweite einen Landschaftsplan. Über beide gibt es viel Streit und Unklarheiten. (...)

Heftige Reaktionen gab es genug. Gründe dafür auch. Nun soll endlich die Bürgeranhörung zum Landschaftsplan stattfinden, aber ein fester Termin steht immer noch nicht fest. Durch das Hinterherhinken des Landschaftsplanverfahrens hinter dem Bebauungsplan verbunden mit § 8 (4) des NatSchGBln („Die Festsetzungen eines Landschaftsplans dürfen denen eines Bebauungsplanes nicht widersprechen“) sollte bei aller Beachtung des Landschaftsplanes der Bebauungsplan 252 nicht vergessen werden. Denn in Lichterfelde- Süd wird er es sein, der letztendlich die Zukunft des Planungsgebiets regelt.

Nach Einschätzung von Fachleuten sollte deshalb im Bebauungsplanverfahren geprüft werden, ob nicht viele der Forderungen, die der hier zu spät kommende Landschaftsplan enthalten müßte, auch im Bebauungsplan untergebracht werden können. Dabei gibt es folgende Möglichkeiten:

Es gibt also durchaus Möglichkeiten, aus einem Bebauungsplan in weiten Teilen einen „Begrünungsplan“ zu machen.

Eine andere Möglichkeit, die bisher viel zu wenig in Betracht gezogen wurde, ist der Tausch des gesamten Planungs- Fläche gegen eine andere Gewerbefläche, die im Eigentum der Stadt [Ed-2004: oder des Landes Brandenburg] ist und bisher noch nicht genutzt wird. Sicher sind unter den fast 100.000 Quadratmetern solcher Flächen einige, die von Umgebung und ihrer ökologischen Bedeutung [für Gewerbe- Ansiedlungen] geeigneter sind als die Planungs- Fläche in Lichterfelde- Süd.

Da die diesen ehemaligen Reichsbahnbesitz verwaltende Behörde dem Finanzsenator untersteht, sollte doch auch dieser ein Interesse daran haben, Gewerbeflächen nicht durch langwierige Planungsverfahren blockiert zu sehen, sondern sollte durch einen Tausch die Schaffung von Arbeitsplätzen möglich machen. „Darüber könnte man reden“, hieß es dazu in der Verwaltung des ehemaligen Reichsbahnvermögens [Ed-2004: was offensichtlich in den 20 Jahren seit 1984 niemand ernsthaft getan hat...].

XII-252 und XII-L 2 sind also Pläne, die durch jahrelange Ungewißheit und so mancher Untätigkeit immer noch keine Klarheit für ein Gebiet von hoher ökologischer Bedeutung gebracht haben. Alle Beteiligten sollten jetzt nicht nur auf den verspäteten Landschaftsplan warten und hoffen, sondern im viel entscheidenderen Bebauungsplan eine Chance sehen, das Gebiet für Mensch und Natur zu erhalten.



So wird Lichterfelde-Süd verplant!

Der Stand der amtlichen Bauleitplanung XII-252 im Herbst 1984.

Aus: Info der
Alternativen Liste – Nr. ??, 3. November 1984 (umgezeichnet).

Entwurf Bebauungsplan XII-252 von 1984

Fazit: Dieser Skandalplan muß jetzt endgültig verhindert werden!



Skizze des Landschaftsplans XII-L2 für Lichterfelde-Süd

Entwurf des Bezirksamts Steglitz von 1984 (Grundplan), der aus dem Entwurf des Landschaftsprogramms vom Juni 1984 sowie Untersuchungen entwickelt wurde.

Aus: Info des
Bezirksamts Steglitz – 17. Dezember 1984 (umgezeichnet).

Entwurf Landschaftsplan XII-L2 von 1984



Absage an Industrie-Ansiedlung in Lichterfelde-Süd

Wende in der Stadtplanung / Gewerbe- und Grüngebiet

Aus:
Der Tagesspiegel, 19. Dezember 1984, Seite ?? (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT.

Eine überraschende Wende haben die Senatswirtschaftsverwaltung und das Steglitzer Bezirksamt in Lichterfelde Süd vollzogen: Offenbar beeindruckt von den Protesten einer Bürgerinitiative, die von der AL [Ed: heute Bündnis 90/Die Grünen] und der SPD unterstützt worden ist, haben sie nun auf die seit Jahren geplante Ansiedlung von Industrie in dem Gebiet südlich der Réaumurstraße verzichtet. Statt dessen sollen dort, wie die Bürgerinitiative von Anfang an vorgeschlagen hat, lediglich ein Gewerbegebiet sowie Grünflächen ausgewiesen werden.


Landschaftsplan Lichterfelde-Süd
Nr. XII-L2


Am 17.12.1984 präsentierte das Bezirksamt Steglitz die Pläne in der Kopernikus-Schule.

Die Verwaltungen haben die Kehrtwendung bei den Vorbereitungen für einen Landschaftsplan gemacht, der jetzt aufgestellt werden soll. Am Montag abend [17.12.1984] sind die Pläne vor etwa 400 Interessierten im Mittelstufenzentrum am Ostpreußendamm vorgestellt worden. Bis zum 28. Februar [1985] ist die Ausstellung auch im Bezirksamt zu sehen.

Noch vor zwei Jahren hatten sich die Senatswirtschaftsverwaltung und die CDU- Mitglieder des Steglitzer Bezirksamtes bei den Vorbereitungen für einen Bebauungsplan [XII-252] vehement für eine Industrieansiedlung eingesetzt. Selbst der als „Puffer“ geplante 63 Meter breite Grünstreifen zur Thermometer- Siedlung war für die Senatswirtschaftsverwaltung damals ein „großer Kompromiß“ gewesen.

Nun ist sie sogar einen riesigen Schritt weitergegangen und hat, wie Senatsdirektor Günter Rexrodt [FDP] auf der Informationsveranstaltung sagte, „schweren Herzens“ auf die vorgesehene Ausweisung als Industriegebiet verzichtet. Von den 39 Hektar, die für eine Industrie- und Gewerbeansiedlung vorgesehen waren, bleiben nach den jetzt vorgestellten Plänen nur 14 Hektar für ein Gewerbegebiet übrig; der Rest soll einschließlich eines Naturschutzgebietes Grünfläche werden. Mit dem Übungsplatz der Amerikaner umfaßt das gesamte Gebiet im Süden von Lichterfelde über 104 Hektar. Dort wachsen seltene Pflanzen, nisten bedrohte Vögel; Füchse schleichen durch das Gras und Hasen hoppeln über die Felder. Der Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Vetter (FDP), hatte bereits im Juli [1984] ein sogenanntes Landschaftsprogramm für das gesamte Stadtgebiet vorgestellt. in dem in Lichterfelde- Süd eine Parkanlage sowie Acker- und Grünland vorgesehen waren. Die geplante Ansiedlung von Industrie und Gewerbe sei nicht mehr zeitgemäß, sagte er auf der Informationsveranstaltung.

Der Steglitzer Baustadtrat Herbert Weber (CDU) will den Bebauungsplan [XII-252] der noch diese Vorgaben enthält, nun aufhalten lassen, bis der Landschaftsplan [XII-L2] mit den reduzierten Vorstellungen abgeschlossen ist. Der Landschaftsplan dürfe zwar der Bauleitplanung nicht widersprechen, er müsse sich ihr aber auch nicht in jedem Fall anpassen, sagte er.

Nachdem nun die umstrittene Industrieansiedlung vom Gelände ist, geht es nur noch um die vorgesehene Größe des Gewerbegebiets. Im sogenannten Grundplan der Verwaltung ist es wesentlich umfangreicher als in den Plänen der AL und der Bürgerinitiative, die, mehr Grünflächen für die Naherholung wollen.

Wer allerdings hofft, auch eine der vorgesehenen Kleingartenparzellen ergattern zu können. wird enttäuscht. Rexrodt kündigte an, daß sie für die Hobby- Gärtner an der Heinrichstraße in Lichterfelde [-Giesensdorf] vorgesehen sind, die dort dem Gewerbe [Ed: wg. des vorgesehenen Bebauungsplans XII-177b] weichen müssen.



Umweltschützer: Lichterfelde-Süd besonders wertvoll

Aus:
Berliner Morgenpost, 6. Januar 1985, Seite ?? (Bezirke).

STEGLITZ (ral). Baustadtrat Herbert Weber (CDU) ist zufrieden. „Wir haben für Lichterfelde Süd etwas herausgeholt, von dem wir vor zwei Jahren nur geträumt haben.“ Seit knapp drei Wochen ist der vom Bezirksamt gemeinsam mit den Senatsverwaltungen für Wirtschaft und Umweltschutz erarbeitete Entwurf zur Landschaftsplanung für das Gebiet südlich der Thermometer- Siedlung in der 19. Etage des Kreisels zu sehen.

Das Interesse an den Plänen war jedoch bisher „relativ gering“, heißt es im Bezirksamt, und das sei nach den jahrelangen Diskussionen um die Zukunft dieses Gebietes eigentlich verwunderlich [Ed: aber es war ja auch Weihnachten].

Welche Bedeutung das zusammen mit den angrenzenden Kleingartenkolonien und dem S-Bahn-Gelände etwa 104 Hektar große Areal nicht nur für Steglitz sondern für ganz Berlin hat, machen die Kommentare und Gutachten der Fachleute deutlich, die sich bei der Erstellung des Landschaftsplan- Entwurfes geäußert haben.

Kühle Luft aus Südwest

Lichterfelde gehört zu den Gebieten Berlins mit einer überdurchschnittlichen Schadstoffemission. 14,3 Prozent aller Industrieabgase der Stadt werden hier produziert. Eine massierte Errichtung von gewerblichen Bauten würde nach Ansicht der Gutachter allerdings nicht nur die Schadstoffbelastung in der Thermometer- Siedlung erhöhen. Aufgrund der vorherrschenden Südwest- Winde wird vom Landschaftsraum Lichterfelde Süd nämlich auch relativ unbelastete, kühle Luft in die überwärmte Innenstadt transportiert.

Nach den Richtwerten des Bausenators fehlen in Steglitz 7 Quadratmeter öffentliche Grünflächen pro Einwohner. Annähernd ausreichend versorgt sind nur die nördlichen Bezirksteile. Problematisch ist die Situation dagegen in der Thermometer- Siedlung, die mit über 5000 Einwohnern keine wohnungsnahen Freiflächen und auch keinerlei [öffentliche] Spielflächen für Kinder aufweist.

Bedeutung als Erholungsgebiet

Im Entwurf zum Berliner Landschaftsprogramm hat die Senatsverwaltung für Umweltschutz Lichterfelde Süd als „besonders wertvolles Biotop“ eingestuft. Bei dem Gebiet zwischen Mauer und Thermometer- Siedlung handele es sich um die letzte unbebaute Freifläche der „Teltow-Hochfläche“, deren Erhaltung ein „vorrangiges städteräumliches Ziel“ sei. Als potentielles Erholungsgebiet komme ihm eine ähnliche Bedeutung wie Lübars, Gatow oder den Heiligenseer Feldern zu.

Zur Erhaltung der Flora und Fauna sei es erforderlich, weite Teile des Landschaftsraumes Lichterfelde Süd als Schutzgebiet auszuweisen, heißt es in der Beurteilung der Umweltverwaltung schließlich. Der Bestand an Vögeln, Insekten, Amphibien, Reptilien, Säugetieren und Pflanzen – darunter viele seltene oder gefährdete Arten – ist dort außergewöhnlich hoch.

Weniger gewerbliche Nutzung

All diese Argumente haben offenbar auch die bisherigen Befürworter einer Industrie- Ansiedlung in Lichterfelde Süd zu einer Meinungsänderung bewogen. Nur noch 14 Hektar des Areals sind im Landschaftsplan- Entwurf [XII-L2] vorgesehen. Das schließt zwar auch den Bau von Industrie- Betrieben nicht aus, es spreche jedoch zur Zeit alles für eine ausschließliche Ansiedlung von Gewerbebetrieben, versichert Baustadtrat Weber.



Bürgerinitiativen fordern S-Bahn von Heiligensee nach Lichterfelde-Süd

Aus: Presse-Erklärung der BUS, 31. Januar 1985.


15.064
Unterschriften
gesammelt!



Die Bürgerinitiative Umweltschutz Steglitz (BUS) und die S-Bahn- Initiative Kremmener Bahn begrüßen die Inbetriebnahme der Steglitzer Wannseebahn am 1. Februar 1985. Sprecher beider Initiativen erklärten dazu:



Zwei Lebensmittelläden schließen

„Thermometersiedler“ sind verärgert

Aus:
Berliner Morgenpost, 11. Januar 1987, Seite ?? (Bezirke) von SIMONE POCH.

Das war 1987! Ewa 6000 Bewohner der Thermometersiedlung an der Celsiusstraße in Lichterfelde müssen bei Schnee und Eisglätte lange Wege zurücklegen, um ihre Einkäufe erledigen zu können. Der Grund: Zum Jahresende schlossen die beiden Filialen der Ladenketten Butter- Beck und Gebrüder Manns. Sie waren die einzigen Lebensmittelläden im Einkaufszentrum der Siedlung – bei beiden waren die Verträge ausgelaufen und wurden nicht mehr verlängert. Erst in 6 Wochen werde in die ehemaligen Manns- Räume die Firma Reichelt einziehen, bemängelt Diplomingenieur Karl-Heinz Dittberner.

Wirtschaftsstadtrat Henning Lemmer ist der Meinung, daß es immer noch ausreichend Einkaufsmöglichkeiten gebe – am Rande der Siedlung. Außerdem würden ohnehin viele Bürger ihre Einkäufe mit dem Auto erledigen, oft sogar „in der Stadt“.


Schweres Los
für alte Menschen



Dittberner widerspricht energisch: „Das trifft doch aber nicht auf die rund 2000 alten Men- schen zu, die jetzt bei minus 10 Grad und Glatteis 20 Minuten laufen müssen, um ihre Einkäufe erledigen zu können.“ Das sei vor allem deshalb unzumutbar, weil in solchen Groß- Siedlungen die nachbarschaftlichen Kontakte nicht so gut seien, das ein anderer die benötigten Sachen mitbesorgen könne. „Für die alten Leute ist jeder Tag der 6 Wochen schlimm. Sie jammerten ganz fürchterlich als die Nachricht kam“, sagt Dittberner, der selbst in der Siedlung wohnt.

Für den 78jährigen Ernst Bläsner ist das Laufen schon beschwerlich, daß er „gerade den Weg um die Ecke schafft“. Dort ist allerdings nur noch der Zeitungsladen. Den weiten Weg für die Lebensmittel muß jetzt seine Tochter machen. Die 69jährige Pauline Pannier denkt an ihre älteren Mitbewohner: „Ich bin ja noch ganz gut zu Fuß und mir macht die Glätte schon zu schaffen, aber andere...“.

„Grausam, ganz grausam“, findet auch Gerda Spuhle, was mit den alten Leuten gemacht wird. „Die sind oftmals schon so gehbehindert, daß sie keine weiteren Strecken mehr laufen können.“ Die 56jährige weiß, wovon sie spricht, denn schließlich war sie jahrelang Altenpflegerin in der Siedlung. Aber auch für sie selbst sei die Schließung der Läden ein Verlust, „denn wenn ich etwas vergessen hatte, brauchte ich bloß mal schnell runterhuschen. Jetzt muß ich gleich so weit laufen.“

Dittberner: „Es ist doch nicht Sinn der Sache, ein Einkaufszentrum zu haben, wo man zwar Spielzeug und Zeitungen kaufen kann, aber keine lebensnotwendigen Sachen.“ Auch sehe er auf Dauer eine Gefahr für diese Läden, die zum großen Teil von der Kundschaft der Lebensmittelläden profitierten.

Allerdings: Genau diese Gefahr werde ja durch die neue Reichelt-Filiale gebannt, die „auf jeden Fall Mitte, Ende Februar ihre Filiale im Einkaufszentrum in der Thermometersiedlung eröffnet“, gibt die Pressestelle [des Bezirksamts Steglitz] zu bedenken. Auch von seiten Butter- Becks heißt es, daß in ihren alten Räumen demnächst die Firma „Plus“ Quartier beziehen werde. [Ed: und im Sommer 2004 kam es dann noch viel schlimmer...]



Steglitz bekommt 1992 endlich sein Hallenbad

Aus: Steglitzer Lokal-Anzeiger
, 27. November 1987, Seite 1 (Aufmacher).


Gebaut wurde
es bis 2004
nicht!


Auch die FDP (Rexrodt!) und SPD hatten den Bürgern das überfällige Hallenbad in Wahlkämpfen seit 1970 immer wieder versprochen. Aber...

LICHTERFELDE (red). In Steglitz [Ed: und bei der Mietergruppe Lichterfelde- Süd] kommt langsam Jubel auf. Wenn der Teufel nicht querschlägt, wird der Bezirk jetzt nach 13jährigem Ringen in etwa 4 Jahren 1992 endlich sein geplantes Hallenbad am Ostpreußendamm [58–60] bekommen. Der Senat habe hoffnungsvolle Zeichen gesetzt, äußerten übereinstimmend die Stadträte Herbert Weber, Henning Lemmer und Bernhard Schmugge am Montag dieser Woche auf einer Versammlung der Lichterfelder Christdemokraten. Es sollen etwa 57 Millionen aus dem Stadtsäckel fließen.

In der langen Auseinandersetzung und Diskussion ist es Steglitz endlich gelungen, den Senat zu überzeugen, wie tief man mit dem Bedarf zu dieser Freizeiteinrichtung im Keller stecke, sagte Herbert Weber. Es soll ein normales Hallenbad mit einer sportgerechten Freizeitanlage werden, das dem Zeitgeist angepaßt ist und das von jedem Bürger, der dem nassen Element zugetan ist, in Anspruch genommen werden kann. Es wird also kein Vereinsbad, wie es sich sicher viele Wassersportfreunde gewünscht haben.

Die Bauzeit dieses herbeigesehnten Projektes wird etwa 3 Jahre dauern und soll in seiner baulichen Gestaltung durch einen städtebaulichen Wettbewerb entwickelt werden. Eines steht aber bereits fest: Das Bad wird ein 50-Meter- Becken haben und soll auch mit Tribünen ausgestattet werden [Ed: sowie vom benachbarten Bewag- Heizkraftwerk Lichterfelde beheizt werden]. [mehr]



55 Millionen DM für neues Bad am Ostpreußendamm vorgesehen

Grundsteinlegung 1992 erwartet / Architektenwettbewerb im Sommer

Auszug aus:
Der Tagesspiegel, 29. April 1988, Seite ?? (Berlin).

STEGLITZ (mfa). Seit Jahren wünschen sich die Steglitzer ein 3. Hallenbad im Bezirk, jetzt hat der Finanzsenator Mittel für den Bau eines Stadtbades am Ostpreußendamm in Lichterfelde zugesagt. 55 Millionen DM sind dafür in der Investitionsplanung 1988 bis 1992 enthalten. Vorbehaltlich der Zustimmung des Abgeordnetenhauses soll bereits im Sommer ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Der erste Spatenstich soll 1992 erfolgen, als Bauzeit werden knapp 4 Jahre veranschlagt.

„Mit Erleichterung“, so Finanzstadtrat Kempfer, reagierte das Bezirksamt auf die Post des Finanzsenators, in der die Mittel für den angemeldeten Badneubau bestätigt worden waren. Wie berichtet, ist ein „sportorientiertes Schwimmbad“ geplant mit einem 50-Meter- Becken sowie Sprungbassin, Lehrschwimm- und Kinderbecken. Dagegen soll auf Wellenanlage und Sauna [sowie Freibad] aus Kostengründen verzichtet werden.

„Jetzt sind wir soweit“, sagte gestern Baustadtrat Weber, der mit einer Auftragsvergabe bereits im kommenden Frühjahr rechnet. Genaue Termine seien jedoch noch nicht festgelegt, zunächst wolle man sich mit der Senatsbauverwaltung in Verbindung setzen. Klarheit dagegen herrscht über das vorgesehene Baugelände am Teltowkanal. Die Bewag, die das Areal zur Zeit als Lager- und Vormontagewerk für das Kraftwerk am Barnackufer [Ed: zum Bau der Entstickungsanlage] nutzt, hat sich vertraglich zur Räumung Ende 1989 verpflichtet [Ed: aber nach dem Fall der Mauer setzte sich dann der Wildwuchs-Kommerz auf diesem Giesensdorfer Freigelände durch]. [mehr]

(... [Ed: 40 Mio. DM für die Asbest- Sanierung der Kopernikus- Gesamtschule am Ostpreußendamm] ...).



Bewag feuert im Block 2 des Werks Lichterfelde nun mit Erdgas

Starke Emissionsminderung / Gesamtkosten 246 Millionen DM

Aus:
Der Tagesspiegel, 4. Februar 1989, Seite ?? (Berlin).

LICHTERFELDE (Tsp). Das Bewag-Heizkraftwerk Lichterfelde am Barnackufer des Teltowkanals verfügt seit gestern über eine 2. Brennstoffart. Im dortigen Block 2 kann nun auch Erdgas verfeuert werden. Hintergrund des etwa siebenmonatigen Umbaus, der mit allen Installationen rund 246 Millionen DM gekostet hat, ist die Großfeuerungsanlagenverordnung mit ihren [neuen] Grenzwerten für Schwefeldioxid [und Stickoxiden].


„Aber wer weiß:
Vielleicht wird es
doch in späteren Jahren zu unserer Haupt- Alternativlösung zur Entschwefelung kommen, d. h. zur
Umstellung des Kraftwerkes auf Erdgas!“


Schrieb am 2.3.1981 Theo Jäger
von der Bürgerinitiative ULS.

Wie berichtet, sind an dem 450 MW-Kraftwerk mit seinen 3 Blöcken nur 2 Rauchgasentschwefelungsanlagen, für Block 1 und 3, vorhanden. Der 2. Block hätte also entweder ebenfalls mit einer Rauchgaswäsche ausgestattet oder stillgelegt werden müssen. Da der Platz auf dem Gelände recht knapp ist, verfolgte die Bewag einen dritten [Ed: von Bürgern bereits 1978 geforderten] sauberen Weg: Erdgas. Bei seiner Verbrennung entsteht so gut wie gar kein SO2, da das Gas nahezu frei von Schwefel ist.

Darüber hinaus mußten die Heizflächen des Kessels umgebaut und neue Brenner installiert werden. Ihre besondere Konstruktion halte auch die Mengen an Stickoxiden gering, hieß es. Bei einer Unterbrechung der Gasversorgung lassen sich die Brenner aber auch mit schwefelarmen Heizöl „füttern“.

Dieser „bivalente“ Betrieb war eine Voraussetzung für die Genehmigung der Alliierten, die dem Vorhaben zustimmen mußten. Denn der Gasspeicher unter dem Grunewald wird noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Die etwa 170 Millionen Kubikmeter Gas, die das Kraftwerk pro Jahr verbrauchen wird, hatte die Ruhrgas AG außerhalb der für West-Berlin bestimmten Menge beschafft. Dafür mußte die Bewag einen besonderen, 2 Kilometer langen Abzweig vom Hochdruck- Leitungsnetz der Gasag [Ed: quer durch Lichterfelde] bauen lassen.

[00.02.2003: Bewag Umweltbericht 2001/2002]  (47 Seiten, BEWAG)



Große Pläne für die Thermometer-Siedlung der GSW

Siedlung soll noch viel grüner werden

Aus:
Wohnen in Berlin – Nr. 3, Mai 1989, Seite ?? von BERNHARD WOLTER-SCHÄFERS.

Der neue Bausenator kam mit dem Kinderwagen und seiner kleinen Tochter, als es im April in der Thermometer-Siedlung hoch her ging! Der Mieterbeirat und die GSW veranstalteten den ersten Mieterinformations-Markt zur geplanten Wohnumfeldverbesserung.

Dazu hat in dieser typischen Großsiedlung aus den späten 60er Jahren mit Punkthochhäusern und Wohnhochhausscheiben eine Mieterbefragung stattgefunden. Sie hat ergeben, daß 45 % der Bewohner gern auch in Zukunft hier wohnen bleiben wollen.

Die Vorschläge zur Wohnumfeldverbesserung reichen von Grundrißveränderungen in den Wohnungen über großzügigere und hellere Eingänge für die Hochhäuser bis zu einem umfassenden neuen Konzept für die Umgestaltung der Grün- und Freiflächen. Dort soll ein gemeinsam benutzbarer Park entstehen [Ed-2004: noch immer nicht realisiert].

Insbesondere soll das bisher abgzäunte Regenwasserrückhaltebecken an der Osdorfer Straße zu einem Freizeitgelände mit Promenaden- Café umgebaut werden [Ed-2004: nicht realisiert]. Diese und weitere Verbesserungsvorschläge wurden von Stadtplanern und Architekten und dem Mieterbeirat erarbeitet.

Eine kleine ‚Offenbarung‘ erlebte die neue Senatorin für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Michaele Schreyer [spätere EU-Kommissarin], als sie nach Hause wollte und fragte, wo es denn hier zur U-Bahn ginge. Doch noch führt die Linie 9 nicht bis zur Thermometer- Siedlung [Ed: und die S-Bahn durfte erst 1998 wieder bis Lichterfelde-Süd fahren]. Alle Bewohner der Siedlung hoffen, daß der Senat in dieser Frage Tempo vorlegt.



Amerikaner versprechen: Ruhe in „Parks Range“

[Ed: Schießzeitenregelung = Erfolg aktiver Bürger]

Aus:
Berliner Morgenpost, 14. Juli 1989, Seite ?? (Bezirke) von GABRIELE BETHKE.

STEGLITZ. Es war beinahe ein historischer Augenblick: Der jahrelange Kampf Lichterfelder Bürger gegen den Militärübungslärm in Parks Range endete mit einem Friedensschluß. Die Amerikaner boten am Mittwoch abend im US-Hauptquartier einen Katalog an Zugeständnissen auf, der von Mietervertretern und Umweltschützern einhellig begrüßt wurde. Stadtkommandant Raymond E. Haddock: „Wir leben mit Ihnen und wollen gute Nachbarn sein.“

Mietersprecher Klaus Zibis und Dietrich Seifart können mit dem Kompromiß leben: „Die Forderungen aus unserem ersten Gespräch sind weitgehend erfüllt.“

Wichtigster Punkt: Die Schießübungen. Zwischen 22 und 7 Uhr werden sie auf Kleinkaliberwaffen mit „blinder“ Munition beschränkt. Haddock: „Das hören Sie nicht mehr.“ In diesen „ruhigen Zeiten“ sollen auch keine Konvois mehr anrollen, keine Hubschrauber- Tiefflüge stattfinden und das Kampftraining in der „Geisterstadt“ von geräuschintensiven Aktionen befreit werden. Ruhe im Beritt herrscht an Sonn- und Feiertagen. Riesenbeifall, daß die Sandbahn- Rallyestrecke geschlossen wurde.

Generalmajor Haddock machte aber auch deutlich, daß die Zurückhaltung Grenzen hat. Die 3 einwöchigen Manöver pro Jahr zur „Prüfung der Einheiten auf Kampfbereitschaft“ seien unumgänglich, eine Verlagerung nach West- Deutschland nicht praktikabel. Vor dem nächsten Manöver im Oktober werden die Anwohner nach Parks Range gebeten: „Sie erfahren dann, was auf Sie zukommt.“



1. Preis für grünes Wohnen

Naturnahes Wohnen neben der Thermometer-Siedlung / Siedlung Woltmannweg wird ausgezeichnet / Schon die 5. Auszeichnung

Aus:
Steglitzer Wochenblatt, 7. September 1989, Seite 1 + 2 (Lichterfelde) von VOLKER HASELHORST mit 4 Fotos.

Die Wohnanlage am Woltmannweg in Lichterfelde [-Süd] ist ein Renner. Ein Preis nach dem anderen fällt ihr in den Schoß. Jüngstes Erfolgserlebnis: Der 1. Preis des Wettbewerbs „Naturnahe Kleingarten- und Wohnungsgrünanlagen“.

Auf dem 23 Hektar großen Gelände leben 2200 Menschen. Vor ihren Haustüren wuchern Gräser. Wiesen sprießen, und seltene Schmetterlinge erfreuen das Auge. Der Sprecher der Mieter, Dietrich Grothe-Jung: „Das ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit von Mietern und Sanierungsträger.“ Sanierungsträger ist die Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin GmbH (GSW).

Bei der Sanierung der Anlage mußte kein Baum dem Bagger weichen. Eine Wiese wurde umgesetzt, verpflanzt. Grothe-Jung: „Die Gartenbaufirma hielt uns zunächst für verrückt. Aber schauen Sie sich um: Die Ergebnisse geben uns recht.“

In der Wohnanlage ist Autofahren verboten. Stellplätze für Pkw gibt es in einer Tiefgarage. Ein gepflasterter Weg bietet Zugang zu allen Häusern. Er ist so breit wie für Feuerwehr und Müllbeseitigung vorgeschrieben. Ansonsten: Trampelpfade.

Kinder- und familienfreundlich ist die Gestaltung der Anlage. Freundlich für die Geldbörse: Die Mieten. 3 Mark kalt pro Quadratmeter [Ed-2004: = 1,53 Euro/m2] sind in Berlin eine Sensation. Dietrich Grothe-Jung: „Die Nachfrage ist kolossal.“

Am 15. September nimmt die 30-köpfige Vertretung der Mieter [Ed: die „Mietergruppe Mitbestimmung“] den Preis – 1000 Mark – in Empfang. Das Geld kommt auf die hohe Kante. „Etwas ist schon gespart, demnächst gibt es ein Mieterfest“, so Grothe-Jung.

Und was sagt Frau Senatorin [Michaele Schreyer, spätere EU-Kommissarin] zu dieser umweltfreundlichen Angelegenheit? Michaele Schreyer: „Wer Schmetterlinge haben möchte, muß Brennesseln in Kauf nehmen.“ Wer wollte da widersprechen [Ed: VIVICO].



Stand der Bauleitplanung Lichterfelde-Süd

Aus: Forum Lichterfelde-Süd
, Dezember 1989, Seite ?? (Stadtteil-Forum) von KLAUS ZIBIS.

Der [überarbeitete] Entwurf des Bebauungsplans XII-252 für das Areal südlich der Thermometer-Siedlung sollte eigentlich bereits öffentlich ausgelegt werden (2. Bürgerbeteiligung). Dies verzögert sich, so die Auskunft des Bezirksamtes, weil der Bezirk die Altlasten- Flächen im Bereich des Bebaungsplanes als solche kennzeichnen muß [Ed: und die Gottscholsche Alu-Schmelze hatte reichlich Dreck im Boden hinterlassen, was später erst durch einen aufwendigen Bodenaustausch bereinigt werden konnte].

Hoffen wir, daß das schnell geschieht. Anwohner und Gewerbetreibende brauchen endlich Planungssicherheit [Ed: und die Anwohner die seit Jahren versprochenen Naherholungsflächen]!



Neuer Treffpunkt im alten Waschhaus

Kiezzentrum wird am 1. September [1990] eröffnet

Aus:
Der Tagesspiegel, 23. August 1990, Seite ?? (Berlin).

LICHTERFELDE (mfa). „Es gibt kein Kulturangebot, kein Café, keine Gemeinschaftsräume, kaum Beratung vor Ort. Viele Menschen haben hier Probleme“. Diese Zustandsbeschreibung des „Nachbarschaftsvereins Thermometer -Siedlung [e.V.]“ über das Leben in der großen Wohnanlage am Südzipfel des Stadtgebiets soll vom 1. September an nicht mehr gelten: denn an diesem Sonnabend wird der neue Nachbarschafts- und Selbsthilfetreffpunkt in der Celsiustraße 60 in Lichterfelde- Süd mit einem Fest eröffnet. Das alte Waschhaus ist für rund 570.000 DM seit Anfang des Jahres zu einem Kiezzentrum umgebaut worden, finanziert zum größten Teil von der Bauverwaltung im Rahmen der „Wohnumfeldverbesserung“. Bereits 1988 hatte ein Beirat Grundsätze und Empfehlungen zur Verbesserung der Wohnqualität erarbeitet.

Knapp 100.000 DM hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft GSW, der größte Vermieter in der 1971 fertiggestellten Siedlung, für den Waschhausumbau beigesteuert. Von den insgesamt 2234 Wohnungen mit 4500 Mietern gehören der Gesellschaft 1150 Wohnungen, in denen etwa 2500 Menschen leben. 73 % der Bewohner im Steglitzer Süden, so das Ergebnis einer Sozialstudie, hatten die Errichtung eines Treffpunktes begrüßt.

Das neue Zentrum beherbergt auf rund 200 Quadratmetern einen großen Veranstaltungsraum mit 95 Sitzplätzen, der dank verschiebbarer und schalldichter Trennwände in 3 Räume verwandelt werden kann. Hinzu kommen Café, Küche, Büro und ein Sanitärbereich mit Behindertentoilette, alle Räume sind rollstuhlgerecht umgebaut worden.

Träger der neuen Einrichtung im alten Waschhaus ist der im Februar [1990] gegründete Nachbarschaftsverein [Thermometer- Siedlung e.V.], die noch nicht genau errechneten Unterhaltskosten übernimmt die Sozialverwaltung. Auch eine Vollzeit- Sozialarbeiterstelle wird finanziert. Wie nötig Beratung und Kommunikation in dieser Siedlung sind, zeigt die Sozialstatistik: Rund 15 % der Bewohner empfangen nach Angaben des Nachbarschaftsvereins Sozialhilfe, etwa 14 % sind alleinerziehende Mütter, der Anteil der arbeitslosen Jugendlichen liegt bei 16 %.

Wie die Mitarbeiterin des Vereins, Barbara Veldten, erläutert, wird eine tägliche Öffnung des Treffpunkts angestrebt, zugleich ein Angebot zur Raumnutzung an die Selbsthilfegruppen in der Siedlung gemacht. Die Steglitzer Frauenbeauftragte hat bereits eine wöchentliche Sprechstunde im Ex- Waschhaus angeboten. Aus ihrem Etat – weitere Mittel stellte die Volkshochschule zur Verfügung – werden auch einige Veranstaltungen am Eröffnungstag finanziert; etwa eine Textil-Design- Aktion oder musikalische Darbietungen. Mit dabei sind am 1. September von 15 Uhr an auch der Kinderzirkus mit dem „Theatermobil“ und der Liedermacher Stefan Krawczyk.



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