Thermometer-Siedlung in Berlin-Lichterfelde – Teil 3 khd
Stand:  30.11.2004   (64. Ed.)  –  File: ThS/Thermometer-Siedlung_03.html




Auf diesen Seiten soll im Internet von mir nach und nach ausgewähltes Archiv- Material zu Problemen in und um die Thermometer- Siedlung in Lichterfelde-Süd – einer Anfang der 70er-Jahre gebauten Hochhaussiedlung am südlichen Stadtrand Berlins – dokumentiert werden.

Hier sind zunächst dokumentiert und manches auch kommentiert [Ed:...]:

I n h a l t :             1991–2000           [ Übersicht 1970–2004 ]

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Lärmschutzmaßnahmen beim Wiederaufbau der Anhalter Bahn in Berlin

Kleine Anfrage der Abgeordneten Albert Schmidt (Hitzhofen), Franziska Eichstädt-Bohlig und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Aus:
Deutscher Bundestag – Drucksache 13/2755, 24. Oktober 1995 (Kleine Anfrage). [Original]

Mit Schreiben vom 11. April 1994 an den Vorstand der Deutschen Bahn AG hat das Bundesministerium für Verkehr verfügt, daß im Rahmen der viergleisigen Nord-Süd-Verbindung für den Fern- und Regionalverkehr in Berlin Lärmschutzmaßnahmen vorzusehen sind. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: »Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat darauf hingewiesen, daß auch bei der geplanten Trasse erhebliche Konflikte in bezug auf Lärm- und Erschütterungsimmissionen bleiben. Dies gilt insbesondere in den Streckenbereichen, in denen aufgrund einer Vorgabe der DR [Ed: Deutsche Reichsbahn?] ein Anspruch auf Lärmvorsorge nach Maßgabe der 16. Bundesimmissionsschutzverordnung verneint wird. (...) Auf der gesamten neuen Nord-Süd- Verbindung sind die Maßstäbe des Immissionsschutzes anzulegen. Dort, wo Immissionsgrenzwerte der 16. BImSchV überschritten werden, sind Maßnahmen der Lärmvorsorge von Beginn an einzuplanen.«

Die zur Zeit zur öffentlichen Stellungnahme ausliegenden Planfeststellungsunterlagen sehen jedoch keine allgemeinen Lärmvorsorgemaßnahmen vor. Besonders im Stadtteil Lichterfelde-Süd ist auf dem ehemaligen Bahngelände seit Stillegung der Fernbahn im Jahr 1952 ein Naturpark entstanden, dem nicht nur in der Vergangenheit damit befaßte Gutachter einen hohen ökologischen Stellenwert bescheinigt haben, sondern der von der anwohnenden Bevölkerung auch zu Erholungszwecken genutzt wird. Die besondere Qualität dieses Parks wird auch von der zu den Planfeststellungsunterlagen gehörigen Umweltverträglichkeitsstudie hervorgehoben.

Die Anhalter Bahn wird in ihrer Endausbaustufe, zusammen mit der auf gleicher Trasse verkehrenden S-Bahn, eine der am stärksten frequentierten Strecken in Deutschland sein. Nach den Planfeststellungsunterlagen muß von folgenden Daten ausgegangen werden: Anteil der Zugbewegungen 6.00 bis 22.00 Uhr: 184, 22.00 bis 6.00 Uhr: 34; hinzugerechnet werden müssen nach einem für den Berliner Senator für Bau- und Wohnungswesen erstellten Verkehrsgutachten für den S-Bahn-Verkehr 120 Züge tagsüber und 30 Züge nachts. Aus diesen Zahlen ergeben sich durchschnittlich Zugabstände von 2,6 Minuten am Tag und 7,5 Minuten in der Nacht. Diese kurzen Zugfolgen bedeuten: Es wird ein Dauerlärm mit Spitzenwerten bis zu 94 dB (A) entstehen.

In Berlin Lichterfelde-Süd durchquert die Trasse ein dichtbesiedeltes Wohngebiet mit zum Teil unmittelbar am Bahngelände stehenden Hochhäusern (»Thermometersiedlung«). Dicht an der Bahnlinie soll hier außerdem ein neuer Stadtteil mit bis zu 5.000 Wohneinheiten, davon ein erheblicher Anteil Wohnungen für nach Berlin umziehende Bundesbedienstete, entstehen.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung [Ed: die die Fragen durch das Bundesministerium für Verkehr am 3. November 1995 schriftlich beantwortete (Bundestags-Drucksache 13/2881 vom 7.11.1995]:

  1. Wie wird die Bundesregierung darauf reagieren, daß die Vertreter der Deutschen Bahn AG, Klaus Daubertshäuser (Vorstand) und Werner Remmert (Leiter der Bahn-Koordination Berlin), bei einer Diskussionsveranstaltung am 30. August 1995 in Berlin zum Ausdruck gebracht haben, daß die Bahn die Weisung des Bundesministeriums für Verkehr zu ignorieren gedenkt, d. h. daß sie im Berliner Stadtgebiet, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Lärmschutzmaßnahmen ausführen will?

    Bundesregierung: Die in der Frage genannte Äußerung von Vertretern der DB AG ist der Bundesregierung nicht bekannt. Mit Schreiben vom 11. April 1994 hat das Bundesministerium für Verkehr (BMV) gemäß § 2 Abs. 1 des Verkehrswegeplanungsbeschleunigungsgesetzes die Linie für die Verkehrsanlagen im zentralen Bereich von Berlin bestimmt und dabei auch darauf hingewiesen, daß in diesem Planungsraum die Regelungen der Verkehrslärmschutzverordnung (16. BlmSchV) zu beachten sind. Das BMV geht davon aus, daß die DB AG die verbindlichen Regelungen der 16. BlmSchV beachtet.

  2. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß es sich bei dem Wiederaufbau der Strecke um eine Wiederinbetriebnahme einer bestehenden Strecke handelt, obwohl in dem genannten Stadtteil seit der Stillegung 1952 anstelle der Strecke ein Naturpark entstanden ist?

    Bundesregierung: Ja.

  3. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß die Anwendung der 16. BImSchV mit den daraus resultierenden Lärmvorsorgemaßnahmen als unverzichtbares Minimum für einen vorbeugenden Lärmschutz anzusehen ist, wenn man Beeinträchtigungen und Gesundheitsgefährdungen der anwohnenden Bevölkerung wenigstens teilweise vermeiden will?

    Bundesregierung: Ja.

  4. Was gedenkt die Bundesregierung zu tun, um die o. g. Verfügung des Bundesministeriums für Verkehr im Vollzug der weiteren Planungen durchzusetzen?

    Bundesregierung: Der Erlaß vom 11. April 1994 hat nur die Linienbestimmung für die Verkehrsanlagen im Zentralen Bereich von Berlin zum Inhalt. Die planfestgestellten Verkehrsanlagen werden im Norden durch die Perleberger Straße und im Süden durch den Prellerweg begrenzt. Besonderer Maßnahmen zur Durchsetzung der Linienbestimmung bedarf es nicht, vgl. Antwort zu Frage 1.

Bonn, den 12. Oktober 1995

Albert Schmidt (Hitzhofen),
Franziska Eichstädt-Bohlig,
Joseph Fischer (Frankfurt), Kerstin Müller (Köln) und Fraktion.

[Antworten der Bundesregierung vom 3.11.1995, die bereits oben in den Fragetext eingefügt worden sind]
[Die GSW zum Lärmschutz]   [mehr zum Lärmschutz]   [noch mehr zum Lärmschutz]



Ruhe über der Geisterstadt

Ehemaliges US-Übungsgelände an der Osdorfer Straße liegt noch immer brach

Aus:
Berliner Zeitung, 18. Februar 1997, Seite 20 (Lokales) von STEFFI BEY. [Original]

STEGLITZ. Drei Jahre nach dem Abzug der Amerikaner macht die ehemalige US-Geisterstadt an der Osdorfer Straße ihrem Namen alle Ehre: Auf dem 115 Hektar großen Gelände passiert bislang nichts. Der Grundstückseigentümer – das Bundeseisenbahnvermögensamt –, der Bezirk und der Bund konnten sich noch nicht über die künftige Nutzung des Areals einigen.

Öde und verlassen präsentiert sich die US-Geisterstadt, in der amerikanische Soldaten einst den Ernstfall probten. Wo die Häuserattrappen standen, wuchert jetzt Unkraut. Daran wird sich auch in den nächsten Monaten nichts ändern. Denn die Eisenbahn- Immobilien- Management Gesellschaft, die für die Vermarktung des Areals zuständig ist, läßt sich Zeit. "Wir stehen nicht unter Druck, außerdem ist es nicht möglich, von heute auf morgen für so ein riesiges Gelände zu planen", betont Dirk Grosse-Wördemann von der Geschäftsleitung.

Er könnte sich vorstellen, daß künftig an der Osdorfer Straße Wohnen und Arbeiten möglich sei. Wie viele Quartiere es einmal geben wird, stehe noch nicht fest. Aber die Untersuchungen würden laufen. Mit dem Bezirk sei man im Gespräch, erklärt Grosse-Wördemann. Diese Woche habe er beim Leiter des Stadtplanungsamtes einen Termin.

Nicht ganz so gelassen geht die Oberfinanzdirektion (OFD) mit der Geisterstadt-Fläche um. Schließlich will der Bund 16 Hektar für den Bau von 350 Eigenheimen erwerben. Und so schnell wie möglich das Vorhaben realisieren. Aber noch konnten sich die OFD und die Eisenbahn- Immobilien- Management Gesellschaft nicht über den Kaufpreis einigen. Stephan Regeler von der OFD geht allerdings davon aus, daß es in diesem Jahr noch zu einem Vertragsabschluß kommt. Seiner Ansicht nach könne der Bezirk das Vorhaben beschleunigen, wenn endlich ein Bebauungsplan aufgestellt werde.

Doch davon will Baustadtrat Norbert Kopp (CDU) nichts wissen. Erst wenn genau feststehe, wie viele Wohnungen entstehen, wolle er planungsrechtliche Schritte einleiten. "Die vom Grundstückseigentümer vorgesehenen 5.000 Wohnungen lassen wir nicht zu", stellt der Politiker klar. "Höchstens 2.000." Denn eine zweite Thermometer- Siedlung mit Hochhäusern soll es nicht geben. Das habe die Bezirksverordnetenversammlung so beschlossen.

Grosse-Wördemann wundert sich, wie Baustadtrat Kopp auf die Zahl 5.000 komme. "Konkrete Wohnungsangaben haben wir noch nie gemacht." Nur soviel könne er sagen: Bis zum Jahr 2000 werde auf der jetzigen Brache [Ed: Brache?] etwas passiert sein.



Kein Schwimmbad für Lichterfelde-Süd

Das Bezirksamt Steglitz zur Einstellung des Bebauungsplanverfahrens XII-254 für das landeseigene Grundstück Ostpreußendamm 58/60

Aus: Bezirksamts-Vorlage für die BVV-Steglitz – Drucksache-Nr. 13/415, 24. November 1997 (Vorlage zur Kenntnisnahme). [Original
]

Die Bezirksverordnetenversammlung wird gebeten, von nachstehendem Kenntnis zu nehmen. Das Bezirksamt hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, das Bebauungsplanverfahren XII-254 einzustellen. Auf die beigefügte Begründung wird verwiesen.

Weber
Bezirksbürgermeister

Kopp
Bezirksstadtrat   [Baustadtrat]


Begründung

Das Bebauungsplanverfahren XII-254 ist vor 18 Jahren auf der Grundlage des FNP 65 mit dem Ziel eingeleitet worden, planungsrechtlich eine Gemeinbedarfsfläche mit der Zweckbestimmung Hallenbad und Sporthalle und eine öffentliche Grünfläche zu sichern (Bezirksamtsbeschluß Nr. 10/79 vom 22. Januar 1979).

Der damalige Versorgungsgrad mit Hallenbädern im Bezirk Steglitz war besonders unzureichend. Um den notwendigen Bedarf an Schwimmbädern in Lichterfelde-Süd, Lichterfelde-West und Zehlendorf-Süd abdecken zu können, sollte auf dem Grundstück Ostpreußendamm 60 ein sport- und freizeitorientiertes Stadtbad entstehen.

Durch die Übernahme des Hallenbades Finckensteinallee in die zivile Nutzung durch das Land Berlin ist das Versorgungsdefizit mit Hallenbadflächen im Bezirk Steglitz ausgeglichen.

Damit ist das Planerfordernis für den Standort Ostpreußendamm entfallen.

Nachdem der Standortverzicht in der Bezirksamtssitzung am 26.8.1996 mit BA-Beschluß Nr. 67/96 bestätigt wurde, ist der im Verfahren befindliche Bebauungsplan XII-254 nun einzustellen.

Ein mit den bezirklichen Bedarfsträgern abgestimmtes neues Nutzungkonzept für das berlineigene Grundstück Ostpreußendamm 58/60 wird dem Bezirksamt durch eine gesonderte Vorlage zur Beschlußfassung und der BVV zur Kenntnisnahme vorgestellt.

Die Anpassung des Flächennutzungsplanes 94 wird, nach erfolgten Beschlußfassungen im Bezirksamt, bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie im Sinne der bezirklichen Beschlußlagen zu beantragen sein.

Ed-Anmerkungen – 26.8.2004 (khd). Und der Steglitzer BVV-Auschuß für Stadtplanung und Stadtentwicklung teilte am 6.1.1998 der BVV mit, daß er in seiner Sitzung am 6. Januar 1998 unter dem Vorsitzenden Radtke (CDU) von obiger Vorlage „Kenntnis genommen“ habe (Drucksache-Nr. 13/415a). Der Berliner Flächennutzungsplan wurde später geändert (Änderung 18/98). Das Grundstück wurde 2001 vom Senat an einen privaten Investor (HAPAG GmbH) verkauft (AH-Beschluß vom 14.6.2001), der dort großflächig Einzelhandel ansiedeln will. Eine Bürgerbeteiligung fand nicht statt. *



Bund entscheidet über Baumarkt an der Goerzallee

[Ed: Der Fall OBI — Der Fall Kopp]

Aus:
Berliner Zeitung, 28. Februar 1998, Seite 20 (Lokales). [Original]

STEGLITZ (tom). Nur der Haushaltsausschuß des Bundestages kann den OBI-Markt an der Goerzallee in Steglitz noch aufhalten. Am Mittwoch entscheidet der Ausschuß, ob das ehemalige Gelände des US-Motorpools für etwa 50 Millionen Mark an die Baumarkt-Kette verkauft wird. Die Senatswirtschaftsverwaltung würde es begrüßen, wenn der Bundestag dem Geschäft nicht zustimmen würde, sagte Sprecher Michael Wehran am Freitag.

Wie berichtet, gibt es um das geplante Fachmarktzentrum einen heftigen Streit in Steglitz. Im Mittelpunkt der Kritik steht Baustadtrat Norbert Kopp (CDU). Er hat in einem Bauvorbescheid dem Projekt bereits zugestimmt. "Dabei hat Herr Kopp gegen alles verstoßen, gegen das man verstoßen kann", sagte Wehran. Der Vorbescheid sei mit niemandem abgesprochen worden, obwohl dies bei Projekten solcher Größenordnung üblich sei. Zum Beispiel hätte man sich wegen des Einzugsgebietes mit Brandenburg abstimmen müssen.

Die Einzelhändler an der Schloßstraße fürchten um ihre Existenz, wenn der Fachmarkt kommt. Im Flächennutzungsplan ist das Areal als Industriefläche vorgesehen. Sogar der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) machte sich gegen das Projekt stark. Der Bauvorbescheid bleibe 3 Jahre rechtsgültig, sagte Baustadtrat Kopp und wies die Kritik erneut zurück. Mit dem Grundstücksgeschäft habe er nichts mehr zu tun, dies sei Sache des Bundes. Die OBI-Kette war zu einer Stellungnahme nicht bereit.



15 Jahre auf Schnellbahn gewartet

S-Bahn fährt wieder bis Lichterfelde-Süd / Unsinnige Planungen erfolgreich abgewehrt

Aus:
khd-Homepage – Nr. 87, Berlin, 25. September 1998 (News). [Original]

BERLIN-LICHTERFELDE – 25.9.1998 (khd). Ab heute fährt sie wieder – die S-Bahn aus Berlins City kommend über Lichterfelde-Ost hinaus bis Lichterfelde-Süd. Sogar eine ganz neue Station hat man den Lichterfeldern spendiert, gleich an der Osdorfer Straße. Aber auf die Wiedereröffnung der Schnellbahn mußten die Lichterfelder fast 15 Jahre warten. Denn am 9. Januar 1984 wurde die Strecke von Priesterweg bis Lichterfelde-Süd eingestellt. Berlins Regierung wollte das so, nachdem die BVG den S-Bahnbetrieb in West-Berlin von der Deutschen Reichsbahn der DDR übernommen hatte. Man wolle Kosten sparen, hieß es.

Das rief damals massiven Bürgerprotest hervor. Mit einer Unterschriften- Sammlung forderten 1984 mehr als 15.000 Bürger und Bürgerinnen „die umgehende Wiederinbetriebnahme der S-Bahn von Lichterfelde- Süd über Lichterfelde-Ost, Lankwitz, Südende usw. nach Heiligensee“. Aber der Berliner Senat war uneinsichtig, einen solchen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Er setzte auf exotische Ersatzlösungen und den Straßenbau, der für die befreundete Baubranche lukrativer war.


„Bürger begehren
die S-Bahn nach
Lichterfelde-Süd“


Über 20.000 Steglitzer unterstützen 1986 durch ihre Unterschrift dieses 1. Berliner Bürgerbegehren.

So sollten auf Vorschlag der Daimler-Benz AG, die ihre Busse verkaufen wollte, auf der S-Bahntrasse spurgeführte Busse von Lichterfelde-Süd bis Priesterweg und dann über die Straßen ins Steglitzer Zentrum an der Schloßstraße bis zum U-Bahnhof Breitenbachplatz fahren. Nachdem die Bürger- initiativen das Ersetzen einer Schnellbahn durch Spurbusse als Schildbürgerstreich enttarnten, fiel der Politik etwas Neues ein.

      S-Bahnhof Lichterfelde-Süd
^   Moderne S-Bahn im neuen Bahnhof Lichterfelde- Süd, der vorläufigen Endstation der Linie S 25. In 20 Minuten ist man am Potsdamer Platz, wo es aber leider kein Kaufhaus gibt... (Foto: 22.8.2003 – khd)
Nun sollte mit einem Mal die optimale Lösung darin bestehen, daß die vorhandene U-Bahnlinie U 9 über Rathaus Steglitz (Kreisel) hinaus verlängert unter der Leonorenstraße fahren und am Rathaus Lankwitz auf die überirdische S-Bahntrasse nach Lichterfelde-Süd einschwenken soll. Eine sehr teure Lösung, die zudem nicht den übergeordneten Verkehr in andere Berliner Zentren berücksichtigte.

Der Bürger-Unmut war 1985 derart angewachsen, daß im Herbst 1985 ein Zusammenschluß verschiedener Initiativen – darunter der Berliner Fahrgastverband IGEB – ein Bürgerbegehren „Wiederaufnahme des S-Bahn- Betriebes auf der Strecke nach Lichterfelde- Süd“ organisierten. Und so konnten am 30. Januar 1986 die erforderlichen Unterschriften zur Beantragung des Begehrens dem Steglitzer Bezirksbürgermeister übergeben werden. Was die Zahl der Unterschriften anging, war dann auch das amtliche Bürgerbegehren erfolgreich. Die Politik wurde damit gezwungen, sich mit dem Bürger- Antrag auseinanderzusetzen. Mit der CDU-Mehrheit wurde dann aber „das Ansinnen“ der Steglitzer Bürger abgelehnt.

Im November 1989 fiel die Berliner Mauer und damit bekamen die S-Bahnstrecken ins Brandenburger Umland endlich wieder die ihnen ursprünglich zugedachte Bedeutung. Allerdings hatte die Revitalisierung der S-Bahn nach Teltow über Lichterfelde- Süd keine hohe Priorität. Im September 1991 versprach dann Bausenator Wolfgang Nagel (SPD) die Wiedereröffnung der S-Bahnlinie vom Bahnhof Priesterweg bis Lichterfelde- Süd für Ende 1993. Daraus wurde nichts. Wann nun die S-Bahn auch bis in den Vorort Teltow fahren wird – dann aber bis Teltow-Stadt und nicht mehr Teltow- Heinersdorf, weiß derzeit keiner so ganz genau. Jedenfalls soll es im nächsten Jahrhundert so weit sein.



Beirat will für mehr Sicherheit sorgen

Jugend-Stadtrat fordert mehr Freizeitmöglichkeiten

Aus:
Berliner Zeitung, 21. Oktober 1998, Seite 29cw (Lokales). [Original]

STEGLITZ (bb). Für mehr Sicherheit und bessere Lebensbedingungen im Bezirk will sich der Steglitzer Präventionsbeirat einsetzen. Neben den Stadträten gehören unter anderem auch die Jugendamtsleiterin, Vertreter der Polizei und der Kirchen dem neu gegründeten Präventionsbeirat an. "Vorbeugende Maßnahmen sind wichtig, um Entwicklungen wie in Problemgebieten rechtzeitig entgegenwirken zu können", sagt Jugend-Stadtrat Thomas Härtel (SPD).

Als soziale Brennpunkte in Steglitz nennt Härtel die Thermometer-Siedlung und die Gegend um die Sportanlage "Kiriat-Bialik" in Lankwitz. "Hier gibt es nicht genügend Freizeitmöglichkeiten." Der Beirat will örtliche Initiativen anregen. Als Beispiel nannte Härtel den Nachbarschaftsverein Lankwitz. Der Beirat hofft auf Unterstützung aus der Bevölkerung: "Die Bürger sollen uns mitteilen, wo soziale Probleme bestehen", so Härtel.



Quartiersmanagement ist nur „Notstandspolitik“

Professor kritisiert Senat / SPD-Kongreß über die Berliner Stadtentwicklung

Aus:
Berliner Zeitung, 1. März 1999, Seite 23 (Lokales) von MEIKE BRUHNS. [Original]

Für sein Quartiersmanagement mußte sich Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) am Wochenende von Experten heftig kritisieren lassen. „Das ist Notstandspolitik“, sagte etwa Thomas Sieverts, Städtebau- Professor an der Technischen Universität Darmstadt, auf dem Stadtpolitischen Kongreß der Berliner SPD im Willy-Brandt- Haus. Die Partei hatte am Sonnabend unter dem Motto „Berlin 2010“ eingeladen, über Probleme und Konzepte für die Entwicklung Berlins zu diskutieren. Etwa 1.000 Bürger waren gekommen.

Nur mit Hilfe von Sozialarbeitern die richtige gesellschaftliche Mischung in sogenannten Problemkiezen wieder herstellen zu wollen, sei der falsche Ansatz, sagte Sieverts. Zuerst müsse man das Problem der Arbeitslosigkeit lösen, sonst würden in den Quartieren auf lange Sicht nur Armutsinseln entstehen, die sich in den Rest der Stadt nicht mehr integrieren ließen. SPD-Parteichef Strieder pflichtete Sieverts bei. In der Stadtentwicklung müsse die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit an erster Stelle stehen, sagte er. Quartiersmanagement sei nur ein erster Schritt, gedacht, um die Bürger mehr an den Planungsprozessen zu beteiligen. „Nicht alles ist delegierbar“, sagte Strieder.

Viele der geladenen Wirtschaftsexperten, Kommunalpolitiker und Stadtsoziologen bemängelten, daß die Stadtplanung oft an den Bedürfnissen der Bewohner vorbeigehe. „Solche Pläne sind wertlos“, sagte der Den Haager Stadtentwicklungssenator Peter Noordanus in einer Diskussion über die drohende Amerikanisierung der Berliner Innenstadt. Auch die Politik müsse sich nach dem Markt richten. Wenn es für Familien und Mittelschichten in der Stadt keine Angebote gebe, würden diese „mit den Füßen abstimmen“ und wegziehen, so Noordanus. Dann hätte Berlin endgültig amerikanische Verhältnisse: eine leere Innenstadt und ein zersiedeltes Umland.

Berlin habe seine Innenstadt nicht vernachlässigt, sondern sogar ausgebaut, verteidigte Hans Stimmann, Staatssekretär für Stadtentwicklung, die Politik des Senats. „Berlin hat die perfekteste Landesplanung europaweit“, sagte er. Die anderen Podiumsmitglieder teilten diese Ansicht nicht. Die schönsten Pläne würden nichts nützen, wenn sie nicht umgesetzt würden, kritisierten sie und mahnten unter anderem neue Verkehrskonzepte an, damit die Stadt nicht im Autoverkehr erstickt. Leider habe der Senat Pläne für autoarme Gebiete wie etwa die Eldenaer Straße [Ed: und südlich der Thermometer- Siedlung] wieder eingestampft, sagte BUND- Vertreter Arne Koerdt. Strieder gab zu, daß die Umsetzung politischer Konzepte oft am Egoismus der einzelnen Senatsressorts scheitern würde.

Nur Michael Naumann, Staatsminister für Kultur, konnte nach eigener Aussage mit dem Thema Stadtentwicklung wenig anfangen. In seiner Rede befaßte er sich mit baulichen Aspekten. Unfaßbar sei, daß sich die Sanierung der Museumsinsel so lange hinziehe. „Da sieht es aus, als wären gestern noch die Bomber drübergeflogen“, sagte er. Er werde sich jetzt darum kümmern, versprach er, und kündigte zusätzliche Bundesmittel an.



„Sensibler Umgang mit dem Vorhandenen“

Die Thermometer-Siedlung in Lichterfelde-Süd bekommt demnächst neue Nachbarn

Aus:
Berliner Zeitung, 24. Juli 1999, Seite 49 (Immobilien) von UWE STRACHOVSKY. [Original]

BERLIN – 23. Juli. Grün ist die dominierende Farbe, die jedem auffällt, der durch die sogenannte Thermometer-Siedlung in Lichterfelde-Süd spaziert. Hohe Bäume, großzügige Grünanlagen, auf dem Teich schwimmen sogar Enten. Dennoch: Zu den luxuriösen gartenumsäumten Villensiedlungen in Lichterfelde-Ost und -West steht das größte Neubauviertel im Süden von Steglitz doch in einem deutlichen Kontrast. Etwa 4.500 Menschen leben hier.

Am Rande des Speckgürtels

1968 bis 1974 auf Brachland zwischen Osdorfer Straße und S-Bahndamm gebaut, ist das Wohngebiet mit seinen Hochhäusern und "Betonsilos" typisch für die Stadtrandbebauung in West-Berlin zu Beginn der siebziger Jahre. Doch die Wohnungen waren gefragt. Warm, trocken, gut geschnitten und trotzdem preiswert. Viele kehrten teuren Citybezirken oder dunklen Hinterhauswohnungen den Rücken und zogen hierher, wo die Straßennamen an die Begründer der Temperaturmessung Celsius, Fahrenheit und Réaumur erinnern. Unannehmlichkeiten nahm man zunächst in Kauf: vom benachbarten amerikanischen Truppenübungsplatz krachten bis 1994 Schüsse herüber.

In der sogenannten "Mau-Mau-Siedlung", einem Barackenviertel mit kartenhausähnlicher Gebäudesubstanz auf der anderen Seite der Osdorfer Straße, lebten Menschen aus sozialen Problemgruppen: "Die Kriminalität war erschreckend hoch", erinnert sich der damalige "Streetworker" Andres Stein. Die Baracken sind bis in die 80er Jahre schrittweise abgerissen und durch die romantisch wirkende Woltmannsiedlung ersetzt worden. Trotz aller Startprobleme hat die Thermometersiedlung die Weichen dieser Gegend auf "Fortschritt" gestellt. Die Mieter und die Kirchengemeinde machten hier von Anfang an für Verbesserungen mobil.

Im Frühjahr 1999 trafen sich Mieter und Vertreter der "Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft" (GSW) zum "Runden Tisch". Wichtigster Tagesordnungspunkt: die geplante Anhalter Bahn, die im Mai 2003 eröffnet werden soll. Spitzengeschwindigkeit: 160 Kilometer pro Stunde. Dann ist es mit der ruhigen Wohnlage vorbei. Deshalb verlangen die Anwohner, von der GSW und dem Bezirksamt unterstützt, effektive Lärmschutzmaßnahmen [Ed-18.9.2004: leider klagte die GSW dann 2001 nicht gegen den völlig unzureichenden Planfeststellungsbeschluß des Eisenbahnbundesamts (EBA) vom 31.5.2001 und so erhalten die Hochhäuser Celsiusstraße 50, 52, 54 und 68 keinen Lärmschutz]. Ein weiterhin bestehendes Problem der Siedlung ist ihre Sozialstruktur. "Als Mitte der 90er Jahre die Fehlbelegungsabgabe auf Sozialwohnungen erhöht wurde, zogen etliche Besserverdienende weg. Jetzt wohnen viel Sozialhilfeempfänger und ausländische Familien hier", sagt der Steglitzer Baustadtrat Norbert Kopp. "Die Integration ist schwierig und die Probleme sind nicht zu übersehen." 1998 wurde die Fehlbelegungsabgabe dann ausgesetzt.

Einen Quartiers-Manager wird es für die Thermometersiedlung nicht geben. Unter anderem, weil Kopp die lokalen Bürgerinitiativen für erfahren genug hält. Schließlich hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Die GSW hat viel Geld in Wohnumfeldverbesserungen wie Grünanlagen und Spielplätze investiert. Die Gebäude erhalten Wärmedämmung und neue Fassaden.

Bald sollen die Bewohner der Thermometersiedlung neue Nachbarn bekommen. Auf dem Gelände um die ehemalige US-Geisterstadt werden künftig etwa 7.500 Menschen in Einfamilien-, Doppel oder Reihenhäusern leben. Auch Gewerbe- und Freizeiteinrichtungen sind vorgesehen. Von der Idee des autofreien Wohnens hat sich die Bezirksverordnetenversammlung verabschiedet. Die Projektentwicklungsgesellschaft Haberent verspricht jedoch einen "sensiblen Umgang mit dem Vorhandenen". Gemeint ist damit zweierlei: das grüne Bauland und die Thermometersiedlung.



Mietpreise und Nebenkosten sind moderat

Neue Wohnanlage ergänzt das Angebot der Siedlung

Aus:
Berliner Zeitung, 24. Juli 1999, Seite 49 (Immobilien) von ULRIKE SCHATTENMANN. [Original]

STEGLITZ (us). Größter Wohnungsvermieter in der Thermometersiedlung ist die "Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft" (GSW). Eigentumswohnungen vermarkten andere Eigentümer wie Bendzko- Immobilien. Die Mietpreise in den GSW-Häusern liegen bei 7,09 Mark netto kalt. Auch die Nebenkosten von etwa 3,80 Mark pro Quadratmeter fallen nach Auskunft von Gustav-Adolf Gleich von der GSW vergleichsweise günstig aus. Ein Wohnberechtigungsschein ist nicht erforderlich. Leerstehende Wohnungen gibt es hier kaum. Die Mietpreise für Ladenflächen betragen rund 20 Mark netto kalt, je nach Ausstattung und Art des Gewerbes.

Die Grundstücke auf dem ehemaligen US-Truppenübungsplatz wurden 1994 an die Deutsche Bahn zurückgegeben. Auf einem 115 Hektar großen Areal entwickelt die Steglitzer Haberent GmbH eine Wohnanlage. Freifinanzierte Eigentumswohnungen und -häuser im mittleren bis oberen Preissegment sind vorgesehen. Entgegen der ursprünglichen Zeitplanung, die von einem Baubeginn im Jahr 2000 ausging, wird das Projekt noch etwas auf sich warten lassen. Der überarbeitete Entwurf des Architekten Florian Beigel muß dem Bezirksamt noch vorgelegt werden, dann ist über Flächennutzungs- und Bebauungsplan zu entscheiden. Das Projekt hat für das Bezirksamt Steglitz keine besondere Priorität.



Die Thermometer-Siedlung

Damals, Heute und ein bißchen dazwischen

Aus:
Wir in Lichterfelde Süd – September 1999, Seite 6 von DIETER REHBERG (Vorstand Nachbarschaftsverein Thermometer-Siedlung). [Original]

Wenn in den 70ern jemand fragte: „Wo ist eigentlich die Thermometer-Siedlung?“ Die stereotype Berliner Antwort: „Keene Ahnung, weeß ick nich.“ Heute für viele Berliner ein Begriff, die „Thermometer-Siedlung“, im Berliner Süden natürlich.

Die Bebauung der Berliner Stadtränder machte auch vor dem Steglitzer Stadtteil Lichterfelde-Süd nicht halt. Aufgrund der Wirtschafts- und Wohnungssituation der 60er Jahre war ein doch spürbarer Drang junger innerstädtischer Familien vorhanden: Raus aus der teuren Mitte (damals noch die sogenannte Westmitte), rein in die bezahlbaren Betonsilos der Stadtränder. Für den verhältnismäßig starken Zuzug westdeutscher Arbeitnehmer samt Familien mußte ebenfalls Wohnraum geschaffen werden.

Auf 80.000 m2 wurden an der Osdorfer Straße 65 Millionen DM verbaut. Aber auch die Stadtrandsiedlung in Lichterfelde- Süd (der Name Thermometer-Siedlung kam erst später in den Sprachgebrauch) war, wie alle anderen Großsiedlungen dieser Art, nicht von Planungsfehlern, Organisationspleiten usw. verschont geblieben, u. a.: Schlange stehen vor der einzigen Telefonzelle (?!?!) für 4000 Einwohner, anfangs war man auf eine Lebensmittelfiliale [Butter Beck] angewiesen, der Weg ins pralle Leben der Innenstadt mußte sich meist aufs eigene Auto beschränken [Ed: so man eins hatte], denn bis auf den 17er Bus, der von der Osdorfer Straße [Ed: Ecke Lichterfelder Ring] abfuhr, war öffentlicher Nahverkehr zwar überall präsent, nur in Lichterfelde- Süd nicht.

Auch die Presse berichtete über altbekannte Mängel, die in der Thermometer- Siedlung wiederholt wurden. Schon 1971 erstellte die Initiativgruppe „Lichterfelde- Süd“ einen Maßnahmenkatalog mit konkreten Forderungen, u. a. Bau einer zusätzlichen Kindertagesstätte, Förderung von Eltern-Kind-Gruppen, Freizeiteinrichtungen für heranwachsende und ältere Mitbürger, sowie einen Taxi- Halteplatz.

Aber für viele galt erst einmal: Hauptsache ein Dach über dem Kopf, da sah man schon mal über einige Mängel hinweg. Die Thermometer- Siedlung verfiel jedoch nie in eine sogenannte Null-bock-Lethargie. Es bildeten sich Initiativen wie [Ed: die enorm erfolgreiche Mietergruppe Lichterfelde- Süd, die Elterninitiative für Verkehrssicherheit,] die Umweltschutzinitiative Lichterfelde-Süd, der Mieterbeirat, der Nachbarschaftsverein „Thermometer- Siedlung e.V.“

Die sehenswerten Ergebnisse der meist ehrenamtlichen Mitbürger dieser Siedlungs- Institutionen waren u. a. [Ed: die Verhinderung von Industrie- Ansiedlung vor der Haustür, Einrichtung der neuen Buslinie A 86 (heute 186),] Lärmverringerung durch den damals noch existierenden amerikanischen Truppen- Übungsplatz „Parks Range“, Verkehrsberuhigung einiger Siedlungsstraßen [Ed: immerhin Deutschlands 1. Verkehrsberuhigte Zone], Einrichtung der sozialen Kontaktstelle „Altes Waschhaus“.

Aber auch eine gewisse kriminelle Auffälligkeit machte sich in den 80er Jahren breit, aufgrund von monatlich 4–12 Geschäfts-, Wohnungs- und Autoeinbrüchen wurden zivile Funkstreifen im Siedlungsgebiet verstärkt.

  Der Stangenpfuhlgraben in der Thermometer-Siedlung 2003
^   Von den Hochhäusern ist hier nichts zu sehen – nur Grün. Dennoch ist es der (1984?) renaturierte Stangenpfuhlgraben mitten in der Thermometer- Siedlung im Jahr 2003. Er mündet im großen Regenrückhalte- Teich an der Osdorfer Straße Ecke Fahrenheitstraße. Leider wird er immer wieder (von Jugendlichen?) zugemüllt. Seine Quelle liegt irgendwo weiter im Süden auf der Teltow Hochfläche. (Foto: 25.8.2003 – khd)
Eine Arbeitsgruppe der TU erkundete 1977 die Lebensbedingungen in der Thermometer- Siedlung. 350 Mieter, vorwiegend Mütter, wurden befragt. Übrigens, daß nur Mütter befragt wurden, bedeutete nicht, daß nur Mütter in der Siedlung wohnten, aber irgend jemand mußte ja die Miete verdienen. Um nur ein Ergebnis der TU herauszupicken: 88 % der befragten Mütter wünschten eine bessere ärztliche Versorgung. Heute sind Augenarzt, Zahnarzt, Unfallarzt, Orthophäde sowie Allgemeinmediziner in der Thermometer-Siedlung ansässig.

Eine Studie zur Wohnumfeld- Verbesserung der Thermometer- Siedlung wurde 1988 vom Bezirksamt Steglitz in Auftrag gegeben und wurde unter Mitarbeit der GSW (Wohnungsbaugesellschaft der Siedlung), Mieterbeirat und einem Architekturbüro erstellt. Diese Studie hat heute noch eine nachhaltige positive Wirkung auf die Siedlung. Wie man zur Zeit erkennen kann, erstrahlen die Wohnanlagen in einem neuen wohltuenden Outfit: Neue farbenfrohe Außenfassaden, neu gestaltete Spielplätze, Renaturierung eines Bachlaufes [des Stangepfuhlgrabens]. Grün ist aufgrund neuer Bepflanzung die vorherrschende Farbe. Die verschiedenartigsten Geschäfte haben sich im Laufe der Zeit vervielfacht [Ed: hm, wo denn?].

Die Verkehrssituation hat sich auch aufgrund der Wiedereröffnung der S-Bahn nach Lichterfelde-Süd stark verbessert und 4 [Ed: 5] Buslinien verbinden im Moment die Thermometer- Siedlung mit der Innenstadt [Ed: 110, 180, 186, 277, 280]. Nicht zu vergessen die sogenannte Stadtrandnähe und die damit verbundenen kurzen Wege ins Umland, wenn man so will das Tor zur Mark Brandenburg. Das heißt allerdings nicht, daß in der Thermometer- Siedlung nur eitel Sonnenschein vorherrscht. Auch hier hat man/frau mit einigen Wehwechen zu kämpfen: Grafitti verzieren (verunstalten) viele Mauern, vielen Autos ist ein verkehrsberuhigter Bereich ein Dorn im Auge, eine zusätzliche Fußgängerampel täte not. Außerdem wünscht man sich mehr Mitarbeit unserer multikulturellen Mitbürger in hier vor Ort ansässigen Institutionen der Thermometer-Siedlung.

Auf Dauer wird sich wahrscheinlich der Wegfall der Fehlbelegungsabgabe auf die Mieterstruktur positiv auswirken. Ob sich ein Besuch der Thermometer-Siedlung lohnt, müssen Sie selbst entscheiden, also schauen Sie sich bei uns um. Auch, wenn Celsiusstraße, Réaumurstraße, Fahrenheitstraße, Mercatorweg nur der Einsatzpunkt für Ihre Fahrradtour ins Jrüne, ins Berliner Umland sein sollte.



Mieter-Information der GSW

Zum Lärmschutz bei der Anhalter Bahn

Aus: Schreiben der GSW an alle Mieter der Thermometer-Siedlung, 25. Oktober 1999.

Sehr geehrte Mieter,

durch die Umweltschutzinitiative Lichterfelde-Süd (ULS) wurden Sie jeweils bei Bedarf über den Stand des Planfesstellungsverfahrens der Anhalter Bahn informiert.

Unabhängig davon hat auch die GSW die Forderung gestellt, umfassende Lärmschutzmaßnahmen in den Planfeststellungsbeschluß aufzunehmen. Bisher jedoch vergeblich.

In Ihrem Interesse und um Ihnen weiterhin ein gutes und sicheres Wohnen zu gewährleisten, haben wir uns jetzt entschlossen, einen Fachanwalt einzuschalten, der unsere Forderung nach einem ausreichenden Schallschutz durchsetzen soll.

Mit freundlichen Grüßen.

GSW – Gemeinnützige Siedlungs- und
Wohnungsbaugesellschaft Berlin mbH

i.V. Gleich             i.V. Siegel

[Ed-Anmerkung: Der Planfeststellungsbeschluß für den Bauabschnitt 2 der Anhalter Bahn („Anhalter Bahn SÜD“ von Lichterfelde-Ost bis zur Stadtgrenze) erging am 31.5.2001 durch das dem Bundesverkehrsministerium nachgeordnete Eisenbahnbundesamt (EBA) ohne einen aktiven Lärmschutz für die Hochhäuser der GSW in der Thermometer-Siedlung. Und die GSW klagte nicht gegen diesen Beschluß].



Möbelmarkt an der Goerzallee genehmigt

[Ed: Vom großzügigen Umgang des Steglitzer CDU-Baustadtrats Kopp beim Genehmigen von Geschäftsansiedlungen mit Absaugeffekt / Ein fataler Beitrag zur Kiez-Zerstörung]

Aus:
Berliner Zeitung, 12. Januar 2000, Seite ze27 (Lokales). [Original]

STEGLITZ (vw). Das Bezirksamt Steglitz hat die Baugenehmigung für ein weiteres Einkaufszentrum an der Goerzallee erteilt. Bereits im Frühjahr soll mit dem Bau eines Möbelmarktes [Ed: des Discounters ROLLER] mit rund 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche begonnen werden. Der Möbelmarkt wird neben dem im vergangenen Sommer eröffneten OBI-Markt errichtet.

Dieser Markt mit 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist nach Firmenangaben der "größte Bau- und Heimwerkermarkt Deutschlands". Baustadtrat Norbert Kopp (CDU) hat vor, demnächst auch noch die Genehmigung für den Bau eines Handwerkerhofes auf dem insgesamt 9 Hektar großen Areal an der Goerzallee zu erteilen.

SPD und Grüne kritisieren die Genehmigungspolitik des Baustadtrats. Grünen- Fraktionsvorsitzende Renate Lindemann befürchtet eine "fatale Entwicklung". Durch den Bau eines Möbelmarktes an der Goerzallee werde aus der Schloßstraße weitere Kaufkraft abgezogen, sagt Lindemann. "Anstatt im Süden von Steglitz ein zweites Einkaufszentrum zu errichten, wäre es sinnvoller, die Schloßstraße endlich attraktiver zu machen und zur Flaniermeile umzugestalten."

Ein weiterer Großmarkt verschärfe nur den Verdrängungswettbewerb weiter, sagt Klaus Kugler, Fraktionsvorsitzender der SPD. "Der ortsansässige Einzelhandel wird dadurch weiter zerstört." Baustadtrat Kopp kann die Argumentation der Opposition nicht nachvollziehen. "Der Bau- und der Möbelmarkt sind keine Konkurrenz für die Geschäfte in der Schloßstraße", sagt Kopp. Bei Bauzubehör und Möbeln habe bisher ein Defizit bestanden. Kopp: "Die Steglitzer und Zehlendorfer Bürger müssen dann zum Kauf von Heimwerkerbedarf und Möbeln nicht mehr ins Brandenburger Umland [Ed: nach Teltow] fahren." [mehr]



Resolution der Mieterversammlung der Thermometer-Siedlung (GSW-Bereich)

Zu den Plänen der Deutschen Bahn (DB) AG [Ed: Revitalisierung der Anhalter Fernbahn] am 2. März 2000 in der Mercator-Grundschule in Steglitz / Lichterfelde-Süd

Aus:
Wir in Lichterfelde Süd – 16. März 2000, Seite ?? (ULS). [Original]

Mit Bestürzung und Empörung haben wir die Bekanntgabe der Pläne der DB zur Kenntnis genommen, die auf den Aufbau der Dresdner Bahn verzichten und den dort geplanten gesamten Schienenverkehr über die Anhalter Bahn abwickeln will, um notwendigen Lärmschutz (u. a. Tunnelung in Lichtenrade) einzusparen.

(Auch) im aktuellen zweiten Planfeststellungsverfahren für die Anhalter Bahn, das im Falle der o. g. Planung hinfällig ist, will sich die DB um den notwendigen Schallschutz für die AnwohnerInnen mit fragwürdigen Annahmen und Prognosen, z. B. durch Leugnen zukünftigen Güterverkehrs ‚herummogeln‘: Die Wohngebiete westlich der Bahn und die Hochhäuser der Thermometer- Siedlung bleiben völlig ungeschützt!!!

Und jetzt soll die zukünftige Belastung verdreifacht werden – ca. 450 Züge bis zu 160 km/h schnell – und das Tag und Nacht!!

Soll diese Siedlung verlassen werden?

Wir weisen diese Pläne scharf zurück!!

Wir bitten alle Abgeordneten und Politiker, das Bezirksamt, den Berliner Senat, die GSW um Hilfe: Jetzt muß neu verhandelt werden!!

Die im Berliner Haushalt für den Lichtenrader Tunnel reservierten 60 Millionen DM müssen umgehend für aktiven Lärmschutz in Lichterfelde- Süd reserviert werden. Bei der jetzt geplanten unvorstellbaren Belastung bedeutet Lärmschutz für die Thermometer- Siedlung Einhausung oder Tunnelung – wie in Lichtenrade!

Diese Resolution wurde mit 163 Stimmen bei 2 Gegenstimmen und 5 Enthaltungen angenommen.



Baustop für Einkaufszentrum Curtiusstraße in Lichterfelde-West wird aufrechterhalten

[Ed: Bürger verhindern Dispens-Planung des Steglitzer CDU-Baustadtrats Kopp]

Aus:
Senator für Justiz, Berlin, 16. Mai 2000 (Gerichte). [Original]

Das Oberverwaltungsgericht Berlin hat über den Baustopantrag zweier Anwohner gegen ein vom Bezirksamt Steglitz genehmigtes großflächiges Einkaufszentrum (6000 qm Geschoßfläche für Aldi, Kaiser's und Getränke Hoffmann) sowie 12 weitere Geschäfte einschließlich einer Gaststätte, zusätzlichen Büroflächen (1900 qm Geschoßfläche) und 141 Stellplätzen in der Curtiusstraße 40a bis 52 entschieden. In erster Instanz hatte das Verwaltungsgericht mit Blick auf die zu erwartenden Wohnbeeinträchtigungen für die Antragsteller bereits einen Baustop verhängt.

Auf die Beschwerde des Bauherrn hat das Oberverwaltungsgericht Berlin den Baustop bestätigt. Zur Begründung wird ausgeführt, alles spreche dafür, dass ein großflächiges Einkaufszentrum dieser Art und Größe dort bereits bauplanungsrechtlich unzulässig sei. Zwar liege es in einem Gewerbegebiet; dieses grenze aber unmittelbar an ein villenartig bebautes und deshalb besonders schutzwürdiges allgemeines Wohngebiet. Dies fordere eine gesteigerte Rücksichtnahme auf die Anwohner des Wohngebiets. Diese Rücksichtnahme sei hier nicht gewahrt, zumal die Baugenehmigung unter erheblicher Überschreitung des zulässigen Nutzungsmaßes erteilt worden sei, ohne dass Befreiungsgründe ersichtlich wären [Ed: die typische Steglitzer „Dispens- Planung“].

Der künftige Betrieb des Einkaufszentrums sei mit seinem Zu- und Abfahrtsverkehr von Kunden und Lieferverkehr von Lastkraftwagen in einer Weise einseitig auf das gegenüberliegende Wohngebiet ausgerichtet, dass dort unzumutbare Lärm- und sonstige Belästigungen zu erwarten seien. Das gelte insbesondere für den Antragsteller, dessen Grundstück unmittelbar gegenüber der vorgesehenen Ausfahrt liege. Die in diesem Zusammenhang vorgelegten Gutachten, die relativ niedrige Lärmbeinträchtigungen darlegen sollten, hat das Oberverwaltungsgericht als nicht ausreichend fundiert angesehen. Bei dem anderen Antragsteller, dessen Wohngrundstück in einer Nebenstraße liegt, hat das Gericht die Gefahr einer unzumutbaren Störung nach den bisher getroffenen Feststellungen dagegen verneint.

[Beschluß des 2. Senats des OVG Berlin vom 16. Mai 2000 – OVG 2 S 1.00]
[Vorinstanz: VG Berlin, Beschluß vom 16. September 1999 – VG 13 A 152.99]

Fatale Folgen für die Thermometer-Siedlung

30.7.2004 (khd). Und weil sich in Lichterfelde- West die Nachbarn so erfolgreich zu wehren wußten, forcierten offensichtlich die Steglitzer Behörden im Verbund mit dem Senat die bereits vorbereitete Ansiedlung von fragwürdigen Einkaufszentren mit Discountern im Kern von Giesensdorf . Das aber zeigte dann bereits ab 2001 fatale Folgen für die benachbarte Thermometer- Siedlung am südlichen Stadtrand von Lichterfelde — quasi als nachträgliches „Geschenk“ zum 30jährigen Geburtstag der Hochhaussiedlung. Die Geschäfte aus dem Einkaufszentrum an der Ecke Celsiusstraße und Fahrenheitstraße wurden regelrecht abgesaugt. Seit dem 15. Juli 2004 sind dort die Bewohner ohne lokalen Lebensmittelmarkt. [mehr]



Die kleine Siedlung am Stadtrand

Der Mieterbeirat für die Thermometer-Siedlung teilt mit

Aus:
Wir in Lichterfelde Süd – Juli 2000, Seite 2 vom MIETERBEIRAT.

Am Stadtrand von Berlin, im südlichsten Teil von Steglitz, wohnt man gerne – in der Thermometer- Siedlung. Hier wurden in den Jahren 1968–1972 von der GSW und der GAGFAH insgesamt 2.500 Wohnungen errichtet. Die Wohnungen sind zum Teil in Hochhäusern mit bis zu 21 Geschossen, zum Teil aber auch in achtgeschossigen Wohnblöcken untergebracht. Dennoch ist die Thermometer- Siedlung kein anonyme Trabantenstadt, sondern eine überschaubare Kiezsiedlung. Eine von der GSW 1988 in Auftrag gegebene Untersuchung ergab eine hohe Wohnzufriedenheit der Mieter mit ihren Wohnungen. Die Thermometer- Siedlung bietet Wohnungen, in denen man sich wohlfühlt.

Die Siedlung bietet aber noch mehr, sie bietet ein gutes Stück Lebensqualität. Die großzügigen Grün- und Freiflächen und die vielen Kinderspielplätze sind gepflegt und in der Siedlung und unmittelbaren Umgebung sind alle wichtigen sozialen Einrichtungen wie Grundschule, Kindergärten und ein Gemeindegebäude angesiedelt. Im Ladenzentrum an der Celsiusstraße am Hochhaus Celsiustraße 56 gibt es neben 10 [Ed: zehn? Es sind wohl nur noch 5] Geschäften für den täglichen Bedarf auch 3 Arztpraxen. Die Nähe zur S-Bahnstation Lichterfelde-Süd und die gute BVG- Anbindung mit der Endhaltestelle der Buslinien 180, 186 und 280 in der Réaumurstraße sorgen zudem für beste Verkehrsverbindungen: In 15 Minuten ist man per S-Bahn in der Stadtmitte.

Mit der Umgestaltung der Hochhauseingänge, der Neuordnung der Grün- und Freiflächen sowie mit Hilfe eines neuen Farbkonzepts für die Fassaden hat die GSW in den vergangen Jahren außerdem eine Reihe wohnumfeldverbessernder Maßnahmen verwirklicht. Im Zusammenhang mit diesen Maßnahmen wurde auch die Südseite des Parkhauses [Celsiusstraße] durch eine achtgeschossige Wohnbebauung aufgewertet. Dadurch entstanden weitere 44 Wohnungen und zusätzliche Gewerbeflächen. In einem Teil davon hat die GSW für ihre Mieter eine neue Geschäftsstelle eingerichtet. Hier kümmern sich nun die Mitarbeiter der GSW vor Ort um die Wünsche und Sorgen der Mieter, seit Anfang diesen Jahres während verlängerter Servicezeiten.

Um die Mieter kümmert sich außerdem seit Jahren der Mieterbeirat und der Nachbarschaftsverein Thermometer- Siedlung e.V. In den Räumen der ursprünglichen Wäscherei in der Celsiusstraße 60 hatte die GSW 1990 mit Fördermitteln der Senatsbauverwaltung den Mietertreffpunkt „Altes Waschhaus“ errichtet. In diesem von den Mietern selbst verwalteten Treffpunkt befindet sich neben einem Café, ein Leseraum und verschiedene Veranstaltungsräume, diese werden übrigens auch für private Festlichkeiten vermietet. Die vom Nachbarschaftsverein im und rund um das „Alte Waschhaus“ organisierten Frühlings-, Sommer- und Weihnachtsfeste sowie die regelmäßigen Trödelmärkte haben inzwischen bereits Tradition.

In Zukunft soll sich rund um den Mietertreffpunkt ein echtes Stadtteilzentrum bilden, das noch mehr Nachbarschaftsaktivitäten entwickein wird. Für den Fall, dass Mieter der Thermometer- Siedlung Freunde oder Verwandte zu Festen einladen möchten, bietet die GSW übrigens einen besonderen Service: Im Haus Celsiusstraße 56 kann eine möblierte und vollausgestatte Gästewohnung zu günstigen Konditionen tageweise gemietet werden – mehr Infos dazu gibt's beim Mieterbeirat. Ein Angebot von dem schon jetzt rege Gebrauch gemacht wird, denn es lebt sich angenehm in der Thermometer- Siedlung. Ihr Mieterbeirat.



GSW investiert fast 4 Millionen DM

Einkaufspassage soll heller und freundlicher werden

Aus:
Wir in Lichterfelde Süd – Juli 2000, Seite 7 von THOMAS PROTZ (Stadtteilzentrum Steglitz).

Besonders einladend wirkt sie nicht, die Einkaufspassage an der Celsiusstraße 60. Das soll sich jetzt ändern. Die verdreckten Dunkelecken sollen geschlossen, die Dachkonstruktion quer zum Durchgang abgenommen werden. In drei Bauabschnitten werden die Schaufensterkonstruktionen, die Fassade und das Dach neu gebaut.

Reizvoll die Neugestaltung des Platzes in der Passage. Eine Pergula mit Sitzbänken soll den Platzcharakter verstärken. Das Baumhainmotiv vor dem Waschhaus soll zum Verweilen einladen. Besonders attraktiv, wenn das Nachbarschaftscafé des „Alten Waschhaus“ seine Gäste im Freien unter den Bäumen als Gäste begrüßen kann. Der Eingang zur Celsiusstraße wird in der 2. Bauphase neu gebaut. Mit dieser Maßnahme kann die Verkaufsfläche der dort befindlichen Geschäfte vergrößert werden.

Zuletzt wird der Durchgang zur S-Bahn zwischen Waschhaus und Einkaufsmarkt neu gestaltet. Ziel der ganzen Maßnahme ist, die Attraktivität der Einkaufspassage zu erhöhen. Und wenn das alles nicht nur schön aussieht, sondern auch belebt ist, wie z. B. sonst nur auf Trödelmärkten oder Festen, dann hat sich die Investition gelohnt, und zwar für alle. Die Bauarbeiten beginnen im September diesen Jahres [Ed: und als dann 2004 alles fertig war, machte der letzte Supermarkt dicht...].



Die Thermometer-Siedlung wird 30

Das Eingewöhnen dauerte 12 Jahre / Ellen Büttner war vor 3 Jahrzehnten eine der ersten Bewohnerinnen der Thermometersiedlung

Aus:
Berliner Zeitung, 11. Juli 2000, Seite ?? (Lokales) von KATHARINA KÖRTING. [Original]

Am Anfang war Ellen Büttner in der Thermometersiedlung „furchtbar unglücklich“. „Als ich mit meiner Tochter in die Fahrenheitstraße zog, gab es dort noch keine Straße", erinnert sich die 60-Jährige. „Die Hauseingänge waren nur über Holzplanken erreichbar. Darunter war Lehmboden.“ Das war im Februar 1970. Ellen Büttner gehörte zu den ersten Mietern der Hochhaussiedlung in Lichterfelde Süd. Zwölf Jahre hat sie gebraucht, um sich dort richtig wohl zu fühlen. Mittlerweile genießt sie das viele Grün. Und sie engagiert sich im 1990 gegründeten Nachbarschaftstreff „Altes Waschhaus“ in der Celsiusstraße und in der Mercator- Grundschule, wo sie einmal in der Woche Schülern etwas über den Tierschutz erzählt.

Umweltschutzinitiative Lichterfelde-Süd (ULS)
Aus: Wir in Lichterfelde Süd – Juli 2000.
Ja zur Bahn! Nein zum Lärm!

Gemeinsam für
optimalen Lärmschutz
in Lichterfelde-Süd

Wer wir sind:
Wir sind ein Zusammenschluß von Bürgern aus der Thermometer- Siedlung und den angrenzenden Wohngebieten und kämpfen seit 1977 gegen Umweltbelastungen und für eine vernünftige Neuordnung / Planung für das Areal südlich der Thermometer- Siedlung. Wir sind eine überparteiliche Bürgerinitiative, die – was die Belange des Umwelt- und Naturschutzes, der Lebensqualität und Gesundheit der Bevölkerung angeht – für die Betroffenen Partei ergreift. Wir sind anerkannt seriös (Träger des Steglitzer Umweltpreises 1991).

Umweltschutzinitiative Lichterfelde-Süd (ULS)
c/o Ev. Gemeindezentrum
Celsiusstraße 71–73
12207 Berlin, Telefon/Fax: (030) 712 20 07

Am 15. Juli feiert die Hochhaussiedlung mit einem großen Fest ihr 30-jähriges Jubiläum. Denn vor genau drei Jahrzehnten begannen im Dreieck zwischen Osdorfer Straße, S-Bahn-Strecke und Réaumurstraße etwa 60 Hochhäuser zu wachsen, acht bis 21 Stockwerke hoch. Ellen Büttner ist eine von rund 6.000 Bewohnern in der 1974 fertig gestellten Wohnanlage, deren Straßen nach den Physikern Celsius, Fahrenheit, Mercator und Réaumur benannt sind.

Seit 1999 „Runder Tisch“

Die Siedlung ist eines der zwei sozialen Problemgebiete in Steglitz. Es gibt viele Ausländer, die Arbeitslosigkeit ist hoch, Angebote für Jugendliche fehlen weitgehend. Mehr als die Hälfte der 4.500 Wohnungen gehört der Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW). „Die meisten Leute fühlen sich wohl hier“, sagt Ellen Büttner. Die GSW sorgt für renovierte Anlagen: Die Spielplätze wurden gerade vor kurzem erneuert, frisches Grün gepflanzt, die Ladenzeile in der Celsiusstraße soll saniert werden. Seit 1999 treffen sich Mieter und Vermieter regelmäßig zum „Runden Tisch“, um Verbesserungen zu beraten. Und seit zwei Jahren gibt es „Big Steps“, den Kreuzberger Ableger eines Jugendprojektes.

Bis zur Einrichtung des „Big Steps“- Jugendtreffs in einem ehemaligen Blumenladen in der Celsiusstraße vor ein paar Monaten haben sich die jugendlichen Nachkommen von Polen, Türken, Libanesen und Deutschen am Beton- Schachtisch in der Mitte des Viertels getroffen und die Glühbirnen aus den Straßenlaternen gedreht, um abends unter sich zu sein. Ein eigenes Jugendzimmer haben die wenigstens, die Wohnungen sind hellhörig. Bei „Big Steps“ können die Jugendlichen selber bestimmen. Den kleinen Raum mit Kochecke, zwei Sofas, und einem großen Fernseher haben sie eingerichtet. Seit das Projekt existiert, gibt es weniger Graffiti und Müll, sagen die Anwohner. Acht der Jugendlichen aus dem Club arbeiten im Rahmen einer einjährigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bei „Big Steps“: Sie halten die Straßen und Grünanlagen sauber, helfen beim Renovieren oder sprengen den Rasen. „Ich wundere mich manchmal selber, dass wir das so gut in den Griff kriegen“, sagt Projektleiter Klaus Schmitz. Mit Computerkursen und Streetball-Turnieren versucht er zusammen mit seinem Kollegen Harald Janitschke, die jungen Leute zu motivieren.

Wenn die Bahn kommt

Der 18-jährige Pawel jedenfalls, einer der „Big Steps“-Angestellten, will in der Thermometersiedlung bleiben, „heiraten und Kinder bekommen“. Die ältere Generation ist weit weniger euphorisch. „Abends ist das Viertel wie leer gefegt“, sagt Ellen Büttner. Mit so viel Ruhe könnte es allerdings in absehbarer Zeit vorbei sein: Wenn die Anhalter Bahn im Jahr 2003 [Ed: nun wird es 2006] wieder in Betrieb geht, werden pro Tag 500 Züge über die Gleise rollen. Die Häuser der Thermometersiedlung waren bis an die Schienen heran gebaut worden [Ed: denn in den 60er-Jahren glaubten Planer nicht an eine Wiedervereinigung Deutschlands...]. Zu ausreichenden Lärmschutzmaßnahmen, wie sie die Umweltschutzinitiative Lichterfelde- Süd fordert, ist die Bahn nicht bereit.

[00.06.2001: Zum Wohnungsbau in West- und Ost-Berlin 1962–1990]  (Berlinische Monatsschrift)



Die Süd-Erweiterung der Thermometer-Siedlung

Maximale Bodenverwertung / Wie die VdeR bzw. VIVICO nun gewachsene Natur verplant

Aus: FGS-Berlin – Oktober 2000 (Detail-Planungen). Die lesbare Beschriftung und Legende wurden hier redaktionell ergänzt.

Die VIVICO-Planung südlich der Thermometer-Siedlung
^   Aus dem Entwurf von Prof. Florian Beigel (London) von 1998 abgeleitete Detail- Planung der Bebauung des 115 Hektar großen Areals in Lichterfelde- Süd zwischen Osdorfer Straße, Stadtgrenze, Anhalter Bahn, Réaumurstraße und Landweg, inklusive des bis 1994 bestehenden US-Truppenübungsplatzes „Parks Range“ (südlicher Teil). Nördlich dieses Planungsgebietes liegen die um 1970 entstandenen Hochhäuser der Thermometer- Siedlung. (weitere Erläuterungen folgen ggfs.).  


Fragen über Fragen

Ab 29.12.2000 (
khd). Zu dieser Planung, von der es im Internet nur noch ein (schlechtes) Foto des Beigel- Modells gibt, ergeben sich ein Reihe von Fragen, beispielsweise:

[00.06.2001: Wozu ist die Straße da? – Autofreies Wohnen]  (Aber nicht in Lichterfelde-Süd)
[31.05.2002: Lichterfelde-Süd: Wohnen und Arbeiten im Einklang mit der Natur]  (Werbung für die VIVICO-Planung)
[14.11.2002: Für autofreies Wohnen stehen Ampeln auf Rot
[15.11.2002: Belange der Thermometer-Siedlung bleiben erneut auf der Strecke]  (Kommentar)
[29.07.2004: Noch ist es grün – Aktuelles Foto des Planungsgebiets



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    © 1991-2007 – Dipl.-Ing. Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 16.03.2007 0.02 Uhr