Aus der Computerwelt – Teil 5 khd
Stand:  1.5.2006   (18. Ed.)  –  File: Tech/Computer/W/elt_05.html




Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Zeitungsartikel und andere Texte aus der Computerwelt im Original dokumentiert und manche auch kommentiert [Ed:...]. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten. Hier sind dokumentiert:

I n h a l t :  [01. Teil]   [02. Teil]   [03. Teil]   [04. Teil]   [05. Teil]   [06. Teil]   [07. Teil]   [08. Teil]  
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Made with Mac


Grüne wollen nicht mit Microsoft feiern

Fraktion protestiert gegen Empfang im Parlament.

Aus:
Berliner Zeitung, 19. August 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (jan). Der Empfang des Software-Riesen Microsoft im Berliner Abgeordnetenhaus sorgt weiter für Ärger. Am Donnerstag – dem Tag der ersten Plenarsitzung nach der Sommerpause – teilte die Grünen-Fraktion mit, sie werde die für den Abend geplante Veranstaltung im Festsaal des Parlaments komplett meiden. Es sei nicht akzeptabel, dass eine einzelne Firma am Plenartag die Möglichkeit zur ausführlichen Selbstdarstellung erhalte, hieß es. Microsoft sei nicht irgendeine Firma und das Abgeordnetenhaus kein "Lobbyistentreff mit angeschlossenem Parlamentsbetrieb".

Das Unternehmen selbst begründet seine Einladung damit, dass es die Abgeordneten in einer bequem erreichbaren Örtlichkeit über eine Kooperation mit dem rot-roten Senat unterrichten wolle, die Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei/PDS) bereits im März 2004 mit Microsoft vereinbarte. Dabei geht es etwa um die Beratung von Existenzgründern, eine Beteiligung am Berliner Programm "Computer in die Schulen", um Sprachlernsoftware für Kitas und um Beratung beim E-Government. Die Kooperation sei Teil des sozialen Engagements der Firma und trage zur Imagepflege bei, so Microsoft. Gewinne würden nicht erzielt.

Die Grünen werfen nun dem Wirtschaftssenator vor, die Kooperation mit Microsoft gegen den ausdrücklichen Willen des Parlaments abgeschlossen zu haben. Denn das Abgeordnetenhaus hatte zur gleichen Zeit beschlossen, die Umstellung der Verwaltungssoftware von Microsoft auf das frei zugängliche Linux-Betriebssystem zu prüfen. Auch von daher sei es inakzeptabel, dass Innensenator Ehrhart Körting (SPD), zuständig für die IT-Belange der Berliner Verwaltung, auf dem Info-Empfang sprechen werde.

Wolfs Staatssekretär Volkmar Strauch wies die Vorwürfe der Grünen zurück, Microsoft habe auf Betreiben des Ex-Wirtschaftssenators Wolfgang Branoner (CDU), derzeit PR-Beauftragter von Microsoft Deutschland, den Auftrag zur Ausstattung Berliner Behörden bekommen. Es habe eine korrekte Ausschreibung gegeben, sagte Strauch am Donnerstag [18.8.2005].



10 Jahre Windows 95: Start me Up!

Aus:
Heise-Newsticker, 24. August 2005, 00.02 Uhr (Systeme). [Original]

REDMOND/HANNOVER (anw/c't). Heute mögen die Rolling Stones "How come you're so wrong, my sweet neo con" singen, doch heute vor 10 Jahren gab es nur einen Stones-Song, der zählte. 12 Millionen US-Dollar zahlte Microsoft für die Rechte an dem Stück Start me Up, der den Verkaufsstart von Windows 95 begleiten sollte. Am 24. August 1995 wurden in den USA um Mitternacht die Läden geöffnet und von den Käufern gestürmt, die den Verheißungen vom völlig neuen Computergefühl glaubten – in Europa erfolgte der Start der lokalisierten Versionen etwas verhaltener im September und Oktober.

Genüsslich zitiert die Deutsche-Presse-Agentur in ihrem Text zum Geburtstag von Windows 95 die c't, die sich damals wunderte, warum die halbe Welt Kopf steht. Tatsächlich war es ein Wunder, dass die halbe Welt der Dauerwerbung von Microsoft glaubte, die im April 1995 einsetzte und eine neue Welt versprach – mit alten Bauteilen: ein 80386sx mit 4 MByte Arbeitsspeicher und 50 MByte freiem Festplattenplatz sollte nach Microsoft vollkommen ausreichen. Wer es wirklich haben wollte, musste einen 486er-Prozessor, 8 MByte Speicher und eine riesige Platte mit 200 MByte haben.

In der Realität sah es dann wieder etwas anders aus: Windows 95 entfachte einen Upgrade-Boom sondergleichen und bescherte der Hardware-Industrie satte Gewinne. In ihrer Verzweifelung griffen Anwender zu Placebo-Software wie SoftRAM von Synchronys, die versprach, den Speicher zu verdoppeln.

Fraglos etablierte Windows 95 den grafischen Desktop auf vergleichsweise einfachen Rechnern und verdonnerte damit Apple wie IBM (mit OS/2) zu einer Nischenexistenz [Ed: da das Publikum nicht erkannte, wie miserabel diese MS-Software programmiert war]. Die Ursache für diesen Erfolg, mit dem Microsoft ein Monopol im PC-Bereich errichtete, findet man nicht in Windows 95.

In seiner Analyse der siegreichen Microsoft-Strategie macht der Software-Historiker Martin Campbell-Kelly andere Faktoren geltend. Von 1983 bis 1995 habe Microsoft es verstanden, mit einer Reihe von Programmen wie Multiplan, Word und Excel die Konkurrenz zu überrunden. Weil Microsoft mit diesen Programmen den PC beherrschte, konnte die Firma den Schritt mit Windows 95 wagen. Andere grafische Systeme (GEM, Geos) hatten nicht den Hauch einer Chance, wichtige Konkurrenten waren mit den falschen Produkten beschäftigt (Lotus mit 1,2,3 für OS/2), hatten eine katastrophale Version veröffentlicht (WordPerfect) oder waren durch Verkäufe moralisch am Boden (dBase bei Borland).

Doch Windows 95 hatte vom Systemdesign her etliche Fehler. So bemängelte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) den Wegfall des DOS-Programmes Mirror.exe und das Fehlen von Prüfsummencheckern, mit denen Veränderungen an Programmdateien aufgespürt werden können.

Zur Einführung von Windows 95 veranstaltete Microsoft eine Tagung, auf der das System DV-Leitern vorgestellt wurde. Am Ende bekamen die Teilnehmer eine Preview-CD, von der 1000 Kopien in der Microsoft-Geschäftsstelle Bad Homburg erstellt worden waren. Diese CD enthielt eine Datei namens Inhalt.doc, die mit einem Winword-Makro-Virus befallen war. Noch vor dem offiziellen Start war damit der erste Virus unter Windows 95 an Bord, auch wenn es streng genommen ein Winword-Virus war. Microsoft stufte ihn in einer Pressemeldung zunächst als "ungefährlich" ein und empfahl den DV-Leitern, Windows 95 gründlich zu testen. Bis zum Service Pack 2 für Windows XP nahm Microsoft die Bedrohung durch Viren und selbstausführende Programmteile nicht richtig ernst.

Eine andere Bedrohung wurde zunächst nicht wahrgenommen, dann aber umso heftiger bekämpft. Mit Windows 95 kam das Microsoft Network (MSN), das den damals florierenden Online-Diensten Compuserve und America Online den Garaus sollte. Basierend auf den Verkaufszahlen von Windows 95 rechnete man in Redmond mit 800.000 MSN-Mitgliedern pro Woche – und verrechnete sind gründlich. Durch die mitgelieferten Winsock-Lösung, die von Microsoft gepriesene "hardwareunabhängige genormte Schnittstelle BSD Socket API for Windows" wurde ein Weg geöffnet, über so genannte Provider das Internet zu betreten.

Etwas früher begann mit dem Webbrowser Mosaic der Höhenflug einer ganz anderen Firma namens Netscape, die den Navigator auf den Markt brachte. 1996 schmiss Bill Gates höchstpersönlich das Steuer herum und ordnete die Entwicklung eines eigenen Browsers an. Es brauchte dennoch mehrere Jahre, bis der Konkurrent Netscape erfolgreich vom Markt gedrängt worden war.

[20.11.1994: Microsofts Windows 95 – You wonna have a lot of fun!]  (khd)
[01.02.2001: Windows 95 – Der Abgesang]  (c't)



T Y P I S C H   M I C R O S O F T 

Einträge in Windows-Registry für Regedit.exe unsichtbar

Aus:
Heise-Newsticker, 25. August 2005, 14.20 Uhr MEZ (Security). [Original]

HANNOVER (axv/c't) / (dab/c't). Microsofts Registry-Editor Regedit.exe ist bei der Suche nach Trojaner- und Wurmeinträgen auf dem PC wenig hilfreich, worauf ein Posting auf der Sicherheitsmailingliste Full Disclosure aufmerksam macht. So zeigt das Tool Registry-Einträge vom Typ "Zeichenfolge" (REG_SZ) mit mehr als 255 Zeichen langen Namen nicht an. Eine Suche nach verdächtigen Keys bleibt so unter Umständen ergebnislos, obwohl sie vorhanden sind.

Bei einem Test der heise-Security-Redaktion unter Windows XP SP2 und Windows 2000 SP4 gelang es zwar, Schlüssel auf diese Weise zu erzeugen und unsichtbar zu machen. Allerdings ließen sich so keine funktionierenden Autostart-Einträge erzeugen, mit denen sich etwa ein Schädling bei jedem Neustart von Windows zum Leben erwecken lassen kann. Offenbar ignoriert Windows – wie Regedit.exe – die Einträge.

Anwender von Windows 2000 haben allerdings eine Alternative zu Regedit.exe: Regedt32.exe ist ein eigenständiges Programm, das auch zu lange Werte noch anzeigt (und auch sonst mächtiger ist als Regedit.exe).

Anders unter Windows XP: Dort ist Regedt32.exe nur ein Wrapper auf Regedit.exe, die die Einträge nicht anzeigt. Immerhin bringt Windows XP ein Bordmittel mit, das auch die versteckten Registry-Keys anzeigt, sofern man weiß, wo man suchen muss: das Kommandozeilentool Reg.exe. Damit lassen sich Autostarts beispielsweise mit reg query HKLM\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Run durchforsten. Alternativ hilft unter XP auch das kostenlose "Autoruns" von Sysinternals, die Registry auf Einträge hin zu überprüfen, die Regedit vorenthält – allerdings nicht unter 2000. Mit Autoruns lassen sich die unerwünschten Keys auch leicht entfernen.

Das ISC will auch Meldungen von Lesern erhalten haben, wonach Spybot S&D, AdAware und Microsofts AntiSpyware Beta zu lange Keys ignoriert.

Um Schädlingen auf die Spur zu kommen, die sich selbst und abgelegte Daten verstecken, sollten Anwender besser dedizierte Tools einsetzen. Ähnliche Tricks zur Verschleierung benutzen auch Rootkits – bekannt ist etwa, dass Schlüssel mit führenden NULL-Zeichen für die Windows Registry-Editoren unsichtbar sind. Sysinternals RootkitRevealer hilft allerdings dabei, Anomalien aufzuzeigen – ebenso wie F-Secures Blacklight.

Regedit.exe blendet nicht nur Registry-Werte mit überlangen Namen vom Typ REG_SZ aus, sondern auch Einträge aller anderen Typen. Für Schlüssel gilt dies nicht, Regedit verweigert die Vergabe eines zu langen Namens mit einer Fehlermeldung.

In einem Schlüssel, in dem ein Eintrag mit einem zu langen Namen erstellt wurde, blendet Regedit zudem alle später angelegten Einträge aus. Sofern die nachträglich dazugekommenen Einträge korrekt sind, wertet Windows sie jedoch im Unterschied zu den Einträgen mit den überlangen Namen aus. Auf diese Weise könnten beispielsweise Autostarts in der Registry verankert sein, die Windows zwar ausführt, Regedit jedoch nicht anzeigt.

Unter Windows 2000 blendet Regedit.exe auf diese Weise nicht nur später angelegte Einträge, sondern in einigen Fällen auch Schlüssel aus – warum, ist bislang unklar. Regedit von Windows XP hingegen zeigt sie immer an.

Beim Aufspüren solch versteckter und dennoch funktionstüchtiger Autostarts helfen wieder die gleichen Tools: Unter Windows XP zeigen das oben erwähnte Autoruns, das Kommandozeilen-Tool Reg.exe sowie das Systemkonfigurationsprogramm Msconfig.exe die Autostarts an. Unter Windows 2000 hilft Regedt32.exe weiter.

Siehe dazu auch:



B E H Ö R D E N  -  S O F T W A R E

PC-Projekt für Finanzämter floppt

Steuerbehörden bekommen keine bundeseinheitliche Software / Schaden für Berlin: 23 Millionen Euro

Aus:
Berliner Morgenpost, 31. August 2005, Seite xx (Berlin). [Original=776467.html]

BERLIN. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit spielt sich seit Jahren im Verwaltungsdschungel zwischen Bund und Ländern ein finanzielles und technisches Desaster ab, das annähernd die Dimensionen des Debakels mit der Lkw-Maut erreicht hat. Rund 900 Millionen Euro Steuergeld sind inklusive Personalkosten seit 1992 in den Versuch geflossen, die 700 deutschen Finanzämter mit einheitlicher Computer-Software auszurüsten. Berlin war mit rund 23 Millionen Euro dabei, stellte anders als andere Bundesländer das Mega-Projekt nie ernsthaft in Frage. Doch trotz des enormen Aufwandes liegt das Ziel immer noch in weiter Ferne.

Die Ergebnisse sind derart mäßig, daß die Finanzminister der Länder beschlossen haben, das Projekt "Fiscus" wegen Erfolglosigkeit zu stoppen. Die in Bonn ansässige "fiscus GmbH" mit noch 165 Mitarbeitern wird nach nur vier Jahren aufgelöst. Statt des zentralen Dienstleisters, mit dem die Behörden die Vorteile einer privatwirtschaftlichen Organisation nutzen wollten, sollen nun doch wieder Beamte aus fünf Bundesländern unter der Federführung Bayerns die Verantwortung für die Software-Entwicklung übernehmen.

Die neue Struktur trägt den Namen "Konsens". Damit steht das Projekt fast wieder am Anfang. Berlin wird nun die von den anderen Ländern entwickelten Produkte übernehmen. "Die sich dadurch ergebende verringerte Einflußmöglichkeit Berlins wird in Kauf genommen", schreibt Finanzstaatssekretärin Gabriele Thöne dem Hauptausschuß des Abgeordnetenhauses. Die Bayern hatten sich von Anfang an geweigert, bei "Fiscus" mitzumachen und entwickelten ihr eigenes System namens EOSS. Dieses soll nun bundesweit als Grundlage für die Verfahren der Steuerverwaltung dienen. Die Kosten für Berlin dürften sich damit auch nicht verringern, prognostiziert die Finanzverwaltung.

An Warnungen vor "Fiscus" hatte es nicht gefehlt. So hatte der Berliner Landesrechnungshof 2003 das "aufwendigste Informationstechnik-Projekt in der Verwaltung der Bundesrepublik Deutschland" untersucht und über "Verzögerungen und erhebliche Gefahren" des Projektes berichtet. Die Rechnungsprüfer forderten den Senat auf, Planungsalternativen zu entwickeln. Ähnlich äußerten sich auch die Rechnungshöfe anderer Bundesländer.

Die Berliner Finanzverwaltung hatte Fiscus jedoch lange als "alternativlos" dargestellt. Noch im April hatten die Finanzminister versucht, "Fiscus" zu retten.

2002 war es schon einmal zum Zerwürfnis gekommen. Die ostdeutschen Länder und das Saarland wollten aussteigen und sich Bayern anschließen. Sie wurden bei der Stange gehalten, indem der Bund und die anderen Länder ihre Beiträge für "Fiscus" übernahmen. Berlin zahlte immer brav weiter. Während sich andere Länder zusichern ließen, nur im Erfolgsfall zu zahlen, überwies Berlin nach deren Ausstieg noch mal 11 Millionen Euro. Bisher sind mindestens 23 Millionen Euro aus der Landeskasse für "Fiscus" geflossen. "Berlin gehörte zu den Treuesten der Treuen", kritisiert der Grünen-Finanzexperte Jochen Esser. Er hat seit Jahren im Hauptausschuß Kritik an dem gigantischen, unüberschaubaren Projekt geübt. Die Verwaltung hatte die Risiken jedoch stets klein geredet.

Aber nun wird die Entwicklung gemeinsamer Software für die Länder noch teurer. Denn der Bund, der bisher 42 % der Kosten getragen hat, steigt aus. Das Bundesfinanzministerium erklärte in einer Protokollnotiz zur Finanzministerkonferenz Ende Juni, "sich ab 2007 an der Finanzierung des Vorhabens Konsens grundsätzlich nicht mehr zu beteiligen". In der Bundesregierung ist man verärgert über die Weigerung der Länder, einer Bundessteuerverwaltung zuzustimmen. Wenn die Länder weiterhin die Finanzämter in Eigenregie betreiben wollen, sollen sie auch für die Koordinierung der Software allein zahlen.



Massachusetts verpflichtet Behörden zur Nutzung des OpenDocument-Formats

Aus:
Heise-Newsticker, 2. September 2005, 16.57 Uhr MEZ (OpenDocs). [Original]

BOSTON (pmz/c't). Die Regierung des US-Bundesstaats Massachusetts macht keinen Hehl daraus, dass sie im behördlichen IT-Umfeld offene Standards statt proprietäre Lösungen einzelner Unternehmen bevorzugt. So hatte der 2002 gewählte republikanische Gouverneur Mitt Romney schon nach wenigen Monaten im Amt verfügt, dass Gelder für IT-Ausgaben aus dem Staatshaushalt in Zukunft vorrangig in Open-Source-Produkte zu investieren sind. In einem Strategiepapier wurde zudem festgehalten, dass Behörden und Verwaltungen des Ostküstenstaats künftig ausschließlich mit Programmen arbeiten sollen, die es erlauben, Dokumente in nicht lizenzpflichtigen Formaten zu bearbeiten und abzuspeichern.

In den vergangenen beiden Jahren widmete sich die dem Finanzministerium des Landes zugeordnete Information Technology Division insbesondere der Frage, welche offenen Standards sich für die Dokumenten-Bearbeitung, -Weitergabe und -Archivierung in Behörden unter den genannten Prämissen am besten eignen. Die Ergebnisse wurden in einem Enterprise Technical Reference Model (ETRM) zusammengefasst, das derzeit in Version 3.5 als Draft Policy (PDF-Datei) vorliegt und am 9. September verabschiedet werden soll. Die Autoren kommen in dem Bericht zum Schluss, dass vor allem das OpenDocument-Format sowie der Industriestandard PDF die geforderten Bedingungen erfüllen.

Das auf dem offengelegten Dokumentenformat von StarOffice/OpenOffice beruhende OpenDocument wurde Anfang Mai von der Organization for the Advancement of Structured Information Standards (OASIS) als offizieller Standard für Office-Anwendungen verabschiedet. Es basiert auf einem XML-Format von OASIS und ermöglicht einen problemlosen Dateiaustausch mit unterschiedlichen Applikationen. Änderungen an den Dokumenten lassen sich selbst mit einfachen Texteditoren vornehmen. Als Dateiendungen wurden .odt für Texte, .ods für Tabellen, .odp für Präsentationen, .odg für Zeichnungen sowie .odb für Datenbanken festgelegt. OpenDocument wird unter anderem Bestandteil von OpenOffice.org 2, StarOffice 8 und KOffice 1.4 sein.

Massachusetts' Chief Information Officer (CIO) Peter Quinn begründete die für 2007 vorgesehene ausschließliche Nutzung des OpenDocument-Formats für Office-Anwendung in den Behörden des Bundesstaats gegenüber US-Medien damit, dass man gewährleisten wolle, dass elektronische Dokumente auch dann noch verarbeitet werden können, wenn die Hersteller proprietärer Software längst vom Markt verschwunden seien. Der eingeschlagene Weg sei eine langfristige Entscheidung zum Wohl der Bürger. "Bei der neuen Richtlinie handelt es sich keineswegs um eine Anti-Microsoft-Initiative", stellte Quinn klar, vielmehr hoffe man, dass auch der Hersteller der bislang marktbeherrschenden Office-Suite künftig die Erzeugung von Dokumenten im OpenDocument-Format ermöglicht.

Brian Jones, bei Microsoft mit der Office-Entwicklung beschäftigt, hatte in seinem Weblog zuletzt jedoch die Entscheidung des Unternehmens verteidigt, beim neuen Office 12 auf ein eigenes Dokumentenformat zu setzen. Dieses werde zwar wie OpenDocument auf XML und ZIP basieren, doch sei Microsoft gegenüber seinen 400 Millionen Office-Anwendern dazu verpflichtet, die Konvertierung ihrer Dokumente von früheren Office-Versionen in die neueste Ausgabe zu gewährleisten, und das könne man nur mit einem eigenen Format. Sollten sich andere US-Bundesstaaten Massachusetts allerdings zum Vorbild nehmen – dessen Regierung die Einsparung von Lizenzgebühren in den Haushaltsplänen längst berücksichtigt hat – könnte diese Zahl aber womöglich bald deutlich sinken. [und in Berlin setzt man auf MS-Software...]



Computer-GAU bei Hartz IV

Aus:
Spiegel-Pressemeldung – 3. September 2005, 10.28 Uhr MEZ zum Artikel "xxx" im SPIEGEL – 36/2006, 5. September 2005, Seite xxx–xxx (xxx).

      Sogar Top-News in den Tagesthemen
^   Wieder erwies sich Software aus dem Hause T-Systems als ziemlicher Murks.   (TV-Shot: 4.9.2005 – khd/ard)
HAMBURG. Die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit erwägt, die Software für das Arbeitslosengeld II vollständig neu entwickeln zu lassen. Grund sind die zahlreichen Fehler im existierenden Computerprogramm, über die eine Krisenrunde aus Vertretern von Bundesagentur, Wirtschaftsministerium und Kommunalverbänden vergangenen Dienstag [30.8.2005] in Berlin beriet. Demnach sind zu den bereits bekannten Computerproblemen in den vergangenen Wochen zahlreiche neue Schwierigkeiten hinzugekommen, so dass die Nürnberger Agenturzentrale die Software inzwischen als "nicht mehr wartungs- und entwicklungsfähig" einstuft. Zum Beispiel führen die Jobcenter derzeit monatlich bis zu 25 Millionen Euro zu viel an Krankenkassenbeiträgen ab, weil das Programm wichtige Berechnungsgrundlagen nicht korrekt verarbeitet.

Zudem musste die Behörde einräumen, dass eine verbesserte Software-Version nicht wie geplant in diesem, sondern erst im nächsten Jahr aufgespielt werden kann. Für rund 60 Verwaltungsvorgänge müssen die Sachbearbeiter deshalb weiterhin auf Behelfslösungen zurückgreifen; wollen sie etwa Sanktionen für Arbeitsunwillige verhängen oder Darlehen an Bedürftige vergeben, können sie dazu nicht das eigentlich vorgesehene Computerprogramm nutzen. Um die Probleme zu beheben, will die Krisenrunde nun bei einem Experten- Workshop unmittelbar nach der Bundestagswahl grundlegende Alternativen debattieren: Entweder sollen angepasste Computerprogramme für jede der rund 350 Arbeitsgemeinschaften erstellt oder eine neue bundesweite Zentral-Software erarbeitet werden. Der Programmhersteller T-Systems will an der Weiterentwicklung der Software dagegen festhalten und die aufgetretenen Mängel so schnell wie möglich abstellen. [mehr]



Hartz IV-Software: Die nächste Version steht an

Aus:
Heise-Newsticker, 4. September 2005, 20.45 Uhr MEZ (T-Systems). [Original]

xxx (anw/c't). T-Systems übergibt in diesem Monat der Bundesagentur für Arbeit (BA) eine neue Version der Software zur Berechnung des Arbeitslosengeld II (A2LL). Dieses A2LL-Release soll es erstmals den Sachbearbeitern gestatten, Sanktionen (Zahlungsabschläge) und Darlehen direkt in der Software einzugeben. Bisher wurden dazu von den Sachbearbeitern "manuelle Umgehungslösungen" (vulgo: Taschenrechner) eingesetzt. Auch die "Anpassung von Berechnungsparametern", so der offizielle Ausdruck, soll vom neuen Release abgedeckt werden. Hinter diesem Begriff verbirgt sich unter anderem die Einstellung der Software an die Beitragssenkung der Krankenkassen.

"Die neue Version mit Funktionen wie Sanktionen, Darlehensbearbeitung und die flexiblere Anpassung an neue Berechnungsparameter wird im Laufe des Septembers übergeben", sagte ein Sprecher von T-Systems gegenüber heise online. Nach einem Test werde die BA dann entscheiden, welche Funktionen wann in Betrieb gehen.

Damit das neue Release so schnell wie möglich eingesetzt werden kann, will T-Systems für die BA eine so genannte "Test-Factory" einsetzen, eine komplette Testumgebung, bei der Hardware wie Testpersonal von T-Systems gestellt werden. Mit dieser Maßnahme möchte T-Systems Engpässe auf der Seite der BA beseitigen, die unter dem Mangel von Testspezialisten leiden soll.

Derweil scheint es so, als wenn auch A2LL zur Wahlkampfmunition werden könnte. Focus Online meldet, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) monatlich 25 Millionen Euro zu viel an die Krankenkassen überweise, weil die A2LL-Software die zwischenzeitlich vorgenommenen Beitragssenkungen nicht berücksichtige. Als Schuldigen macht das Magazin den zuständigen Minister Wolfgang Clement aus, der den Betrieb der noch unfertigen Software angeordnet habe. Dass Hartz IV entsprechend des mit den Stimmen der Opposition beschlossenen Gesetzes zum 1. Januar 2005 starten musste, wird nicht erwähnt. Auch der Spiegel veröffentlichte vorab eine Meldung über einen Computer-GAU bei A2LL und zitierte Stimmen aus der Bundesagentur, nach denen die Software als "nicht mehr wartungs- und entwicklungsfähig" eingestuft worden sei.

Dem Bericht des Spiegel zufolge soll eine Expertenrunde nach der Bundestagswahl klären, ob eine neue bundesweite "Zentral-Software" von anderen Anbietern programmiert werden soll oder ob Software, die in den Options-Kommunen benutzt wird, die Aufgabe von A2LL übernehmen könne. Dabei lässt der Spiegel-Bericht außer Acht, dass eine Endabnahme von A2LL noch nicht erfolgt ist. Sollte die Bundesagentur den Vertrag mit T-Systems vor der Endabnahme der Software kündigen, drohen ihr Vertragsstrafen, die Experten zufolgen bis 70 Millionen Euro ausmachen können. [T-Systems Pannen] [Links zur A2LL-Software]



Microsoft bläst zum 30. Firmenjubiläum der Wind ins Gesicht

Aus: Heise-Ticker, 22. September 2005, 20.29 Uhr MEZ (Monopolisten). [
Original]

REDMOND. Die Lektüre der Wirtschaftspresse bereitet Microsoft-Chef Steve Ballmer in diesen Tagen wenig Spaß. Ausgerechnet vor der Feier zum offiziellen 30. Firmenjubiläum an diesem Freitag (23. September) drücken Schlagzeilen wie "Microsofts Midlife-Krise" auf die Stimmung. Mit dem in dieser Woche vorgestellten umfassenden Restrukturierungsplan, der den weltgrößten Softwarekonzern in drei Geschäftsbereiche aufteilt, gestehen aber Ballmer und Microsoft-Mitbegründer Bill Gates interne Probleme indirekt ein: Der Software-Gigant fühlt sich heute von Wettbewerbern wie Google und Technologietrends wie Linux herausgefordert wie niemals zuvor in der Firmengeschichte.

Zum 30. Geburtstag von Microsoft erinnert sich Bill Gates heute fast wehmütig an die Aufbruchstimmung der Gründerphase: "Damals, 1975, hatten wir hochfliegende Träume. Jeden Tag begleitete uns eine Vision auf dem Weg zur Arbeit: "Ein Computer auf jedem Schreibtisch und in jedem Haus". Zu einer Zeit, in der einige Computer so groß waren wie Kühlschränke, hielten uns viele für verrückt."

Vor allem gelang es Microsoft in den 70er Jahren, ein völlig neues Geschäftsmodell zu etablieren. Zuvor waren Programme immer zusammen mit der Hardware verkauft worden. Gates und sein Kompagnon Paul Allen zerschnitten dieses Band und verkauften etwa ihr DOS-Betriebssystem nicht nur an den PC-Erfinder IBM, sondern an jeden beliebigen Clone-Hersteller und Endkunden. In den 80er- und 90er-Jahren legte Microsoft dann mit der Bürosoftware Office und dem Windows-Betriebssystem das Fundament für ein unglaubliches Wachstum und enorme Gewinne.

Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte der Software-Gigant mit 60.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 40 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von über 12 Milliarden US-Dollar. So weit so gut. Doch achtzig Prozent des Umsatzes und quasi der komplette Gewinn beruhen auf Office und Windows. Und diese Gewinn-Quellen werden durch Trends wie das Open-Source-System Linux oder das Büroprogramm OpenOffice bedroht.

Das Wirtschaftsmagazin Forbes rechnete vor, dass Microsoft allein mit seiner Spielekonsole Xbox und dem Onlinedienst MSN rund 7 Milliarden US-Dollar in den vergangenen vier Jahren verbrannt habe. Und auch die Einheit "Microsoft Business Solutions" (MBS), die direkt mit Europas größtem Softwarekonzern SAP konkurriert, hinkt laut "Forbes" weit hinter internen Vorgaben zurück. Bis 2010 sollte MBS danach eigentlich einen Umsatz von 10 Milliarden US-Dollar machen. "Bei der jetzigen Wachstumsrate von 6 Prozent würde dieses Ziel in 43 Jahren erreicht."

Die größte Herausforderung für Microsoft in diesen Tagen stellen aber weder Sony noch SAP oder Oracle dar. "Google" ist das Wort, das angeblich Steve Ballmer auch dazu bringt, Stühle quer durch sein Büro zu werfen, wenn sich wieder einmal ein Top-Programmierer in Richtung des Suchmaschinenbetreibers verabschiedet. Mit vielen Milliarden US-Dollar durch den Börsengang im Rücken, bringt Google im hohen Tempo neue Dienste auf den Markt, die immer häufiger mit Programmen von Microsoft im Wettbewerb stehen. So ermöglicht "Google Desktop", alle Inhalte auf einem Personal Computer blitzschnell zu durchsuchen. Diese Funktion sollte aber auch Microsoft-Kunden zum Kauf des neuen Betriebssystems Windows Vista bewegen, das allerdings erst Ende 2006 auf den Markt kommen wird.

Vor diesem Hintergrund verstärkt Microsoft nun seine eigenen Anstrengungen, Software als Dienste über das Internet anzubieten. "In Unternehmen wird eine neue Generation von Business- und Produktivitäts-Software, die auf leistungsstarken Webservices basiert und auf den unterschiedlichsten Geräten läuft, Mitarbeiter mit den Menschen und Informationen vernetzen, die sie benötigen", verspricht Gates und verweist auf etliche andere Kerntechnologien, in die Microsoft seit vielen Jahren investiere.

"Interaktives Fernsehen ist ein weiterer Traum von uns. Unsere langfristigen Investitionen in diesem Bereich beginnen sich auszuzahlen – dank der breiten Akzeptanz von IPTV (bei dem Fernsehprogramme und Filme über ein digitales Datennetz wie im Internet übertragen werden). IPTV wird meiner Meinung nach unsere Vorstellung von Fernsehen revolutionieren." Manch einer möge sich fragen, ob Microsoft nach 30 Jahren der Innovation künftig einen Gang herunterschalten werde, sagt Gates weiter. "Ich bin überzeugt, wir fangen gerade erst an." [mehr]



Z W I S C H E N R U F

30 Jahre Microsoft

Vor 3 Jahrzehnten war Microsoft das, was man später ein "Startup" nannte: Eine kleine Tüftlerschmiede, betrieben von ziemlich haarigen Nerds. Es sollte nicht lange dauern, bis sie zu einem festen Bestandteil des Alltags unzähliger Menschen wurde – und zu einem der mächtigsten Unternehmen der Welt.

Aus:
Spiegel Online – 23. September 2005, 17.01 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

HAMBURG. Hier die Meldung: Microsoft wird 30 Jahre alt. Sollen wir singen?

Hätte man die Frage vor 20 Jahren gestellt, wäre sie weniger irritierend gewesen. Singen für Microsoft? Warum nicht?

Bill Gates war ein Held, ein Idol [Ed: nur für manche – nie für DECianer]. Wie Asterix der Gallier hatte er mit seiner kleinen Garagenklitsche Microsoft den Usurpatoren der IT-Welt die Stirn geboten und sein Firmchen zu einem respektablen Unternehmen aufgebaut. Noch besser: Big Blue, der wankende Gigant, der die Computerwelt so lange beherrscht hatte, musste dafür die Zeche zahlen: Weil IBM völlig verschlafen hatte, dass die Zeit des Heim-Computers gekommen war, hatte Gates sein DOS an die Riesenfirma lizenzieren können. Jetzt floss mit jedem Rechner des "IBM Industriestandards" Geld in Gates Taschen. Cool.

Gegründet worden war Microsoft 1975 von Gates und seinem Kumpel Paul Allen, die gemeinsam die Programmiersprache BASIC für den Ur-Heim-PC Altair 8800 umschrieben. Sechs Jahre lang wuchs Microsoft respektabel, aber moderat – und immer im Schatten dieses anderen, nach einem Obst benannten Start-ups.

Denn Apple setzte die innovativen, selbst entwickelten Trends und schickte sich Anfang der Achtziger an, den keimenden Markt der Heim-PCs aufzurollen. Das weckte IBM – und der Riese hatte zwar eine Menge technischen Muskel, aber nichts fürs noch kleine Computerhirn.

Da konnte Microsoft helfen. "DOS" hieß damals alles, was Diskettenlaufwerke oder Festplatten zum Laufen brachte, doch sollte es MS-DOS [Ed: ‚geklaut‘ bei DEC] sein, das den Weg von den Büros in die Wohnungen bis hinein ins Kinderzimmer fand. Die Lizenz an IBM sorgte dafür, dass Microsoft zum Teil des mit großer Marktmacht forcierten "Industriestandards" wurde. Apple mochte das bessere Produkt haben, doch Microsoft hatte die bessere Nase: Microsoft als Profiteur an IBMs Trägheit begann die größte Erfolgsstory der IT-Geschichte.

"Winzigweich" wird eisenhart

Microsofts Ruhm blieb, trotz verspäteter Innovationen, unzähliger Abstürze, instabiler erster Windows-Versionen und zunehmender Aggressivität am Markt, lange makellos. Wann mutierte der Popstar, der dürre Nerd mit den großen Turnschuhen, in den Augen der Öffentlichkeit zum gefürchteten IT-König William H. Gates III.?

Als die EDV-Hippies der MS-Gründertage plötzlich alle aussahen, als würden sie beim Betreten des Firmengebäudes Ganzkörpergegelt? Als die Reden von MS-Bossen auf Messen und Kongressen begannen zu klingen, als wollten religiöse Seelenfänger die Heiden bekehren? Als Gates ultraspitze Ellenbogen bekannt wurden, mit denen er Geschäftspartner klein und abhängig hielt und Konkurrenten unfair aus dem Markt boxte?

So what? Auch das ist Industriestandard, wenn man so will: Als warmherzige Sympathen sind auch Gates alte Konkurrenten Scott McNealy, Steve Jobs oder Larry Ellison nicht gerade verschrien. Mies benehmen können sie sich in ihrem eisenharten Konkurrenzkampf alle gut.

Vielleicht begann der Imagewandel vom cleveren Kleinunternehmen zum mächtigen IT-Moloch schlicht mit dem Neid auf so viel Macht und Reichtum: Mitte der Neunziger hatte sich die einstige Garagenfirma endgültig zu einem Multimilliardenkonzern gemausert.

Und heute?

Heute bekommt Google zunehmend vorgeführt, dass Größe in diesem hart umkämpften, mit so viel Meinungsmacht verbundenen Markt mit Imageverlusten einhergeht. Microsoft derweil scheint ein wenig weniger bedrohlich, seit es endlich wieder die so lang eingeforderte Konkurrenz bekommt.

Rational zu begründen ist das alles kaum.

Denn eigentlich ist Microsoft heute ja mächtiger als je zuvor. Der Jahresumsatz von Microsoft entspricht dem Bruttosozialprodukt von Staaten wie Kuba, Kenia, Lybien oder Costa Rica. Über 140 Nationen dieser Welt erwirtschaften im Jahr weniger Geld als Microsoft. Und natürlich wären wir überrascht, wenn Bill Gates plötzlich nicht mehr reichster Mann der Welt wäre.

Das wichtigste aber ist die Allgegenwart von Microsoft-Produkten in unserem Leben. Völlig egal, ob Apple nun nach wie vor die "besseren" Produkte produziert, Linux die IT-Welt emanzipiert, Mozilla weniger Sicherheitsprobleme als der MS-Browser hat, Google und Yahoo die besseren Internet-Lösungen entwickeln, im Großen und Ganzen muss man eingestehen, dass diese von so vielen gehassliebte Marke der digitalen Welt ihren Stempel aufgedrückt hat.

Microsofts Fehler fanden lange mehr Beachtung als die der Konkurrenz, weil sie die Fehler waren, mit denen wir, die Mehrheit der PC-Nutzer, uns herumschlagen mussten. Microsofts Geschichte ist auch unsere, die wir Rechner nutzen gelernt haben und darauf auch nicht mehr verzichten wollen. Die Meilensteine der MS-Firmengeschichte markieren immer auch "Meilensteine" in unserer privaten Auseinandersetzung mit dem Computer [Ed: und sie haben uns sehr viel Zeit gekostet...].

Happy Birthday also, Microsoft: Dir ein Lied zu singen ist, als sänge man sich selbst auch eines. Nicht immer schön, nicht immer harmonisch, aber durch und durch vertraut. Wirtschaftsunternehmen muss man ja nicht lieben, aber ihre Leistung darf man respektieren. Ab morgen hauen wir dann wieder, wenn es was zu hauen gibt. [Monster Microsoft] [Made with Macintosh]



Maschinen kopieren sich selbst

Aus:
Heise-Newsticker, 30. September 2005, 15.49 Uhr MEZ (Technology Review). [Original]

BOSTON (wst/TechRev). Saul Griffith und Kollegen vom MIT Media Lab haben die Lücke zwischen Biologie und Robotik erneut verkleinert. Die Wissenschaftler haben sich selbst replizierende Ketten konstruiert, die den Rohstoff für ihre Replikation aus einem ungeordneten Reservoir von Basis-Bauelementen fischen. Die Wissenschafler beschreiben das Experiment in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature (Saul Griffith, Dan Goldwater and Joseph M. Jacobson, Self-replication from random parts, Nature Volume 437, Seite 636).

Die Basis-Bausteine, "elektromechanische Einheiten", die Griffith in seiner Doktorarbeit näher beschreibt, bewegen sich zufällig auf einem Luftkissen-Tisch. Jedes Teil, das dem zu replizierenden Ausgangskonstrukt – beispielsweise eine Kette aus 5 zusammenhängenenden Elementen mit unterschiedlichen Farben – zu nahe kommt, wird provisorisch angehängt. Ein 7 Zustände umfassender endlicher Automat auf dem eingebauten Controller-Board – zuständig für die Fehlerkorrektur – prüft, ob das angehängte Teil den Bauvorschriften entspricht. Dann wird das Teil entweder dauerhaft verbunden oder wieder abgehängt. Ein Video im Internet zeigt diesen Vorgang. In keinem der Teile ist ein vollständiger Bauplan der gesamten Struktur gespeichert. Griffith und Kolegen sind zuversichtlich, dass ihre Basiseinheiten sich so weit miniaturisieren lassen, dass man damit großflächig komplexe, selbstorganisierte Strukturen erzeugen kann.

Erst im Mai hatten Victor Zykov, Efstathios Mytilinaios, Bryant Adams und Hod Lipson von der Cornell University den Prototypen eines sich selbst fortpflanzenden Roboters aus Würfeln mit einer Kantenlänge von rund zehn Zentimeter geschaffen, die sich über Elektromagneten miteinander verbinden können.



Google will in 300 Jahren am Ziel sein

Aus:
Heise-Newsticker, 10. OKtober 2005, 12.25 Uhr MEZ (Internet). [Original]

USA (mhe/c't). Es vergehen noch mindestens 300 Jahre, bis alle Informationen indexiert und damit für Suchabfragen zugänglich sind – zumindest ist dies das Ergebnis einer mathematischen Analyse des Suchmaschinenbetreibers Google. CEO Eric Schmidt beantwortete damit auf der Jahreskonferenz der US-Werbetreibenden die Frage, wie lange die Mission von Google noch dauern werde. Schmidt meinte nach US-Berichten weiter, dass von den geschätzten 5 Exabyte [5 x (10 hoch 18) Byte] Informationen auf der Welt bislang nur rund 170 Terabytes [170 x (10 hoch 12) Byte] indexiert worden seien.



Microsoft-Chef Ballmer will das Internet erobern

[Ed: hm, das wollte doch schon Bill Gates...]

Aus: Heise-Ticker, 19. Oktober 2005, 13.51 Uhr MEZ (Internet). [Original]

REDMOND/HAMBURG. Microsoft ist fest entschlossen, den Kampf um das Internet beziehungsweise den Markt für Internet-Angebote gegen Google und Yahoo aufzunehmen. "In den nächsten Jahren erobern wir das Internet", sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer dem manager magazin. Der weltgrößte Softwarekonzern erwirtschafte bereits heute rund zwei Milliarden Dollar im Internet-Geschäft. Hinter Google und Yahoo rangiert das Unternehmen derzeit an dritter Stelle in dem Bereich.

Zuletzt hatte der Internet-Portalbetreiber Yahoo am heutigen Mittwoch Rekordumsätze vor allem durch Online-Werbung und Einnahmen für kostenpflichtige Dienste gemeldet. Mitte vergangener Woche kündigte Microsoft allerdings eine Partnerschaft mit seinem Konkurrenten an: Beide Unternehmen wollen ihre Instant-Messaging-Dienste zusammenlegen. Mit der Verbindung ihrer Kommunikations-Gemeinden greifen sie den bislang unangefochtenen Marktführer AOL an.

Die jüngsten Berichte über Partnerschafts-Gespräche des Software-Riesen mit dem Internet-Provider AOL bezeichnete Ballmer der Zeitschrift gegenüber dagegen als "unbestätigte Gerüchte". Microsoft prüfe allerdings, "ob andere Unternehmen – egal ob groß oder klein – zu uns passen könnten". Nach bislang offiziell unbestätigten Berichten etwa des Wall Street Journal hatte sich Microsoft bereits seit Monaten um eine Partnerschaft mit AOL bemüht. Auch der große Internet- Konkurrent Google ist an einer Beteiligung an der Internet-Sparte des Medienkonzerns Time Warner interessiert.

Die jüngsten Kooperationspläne von Google und Sun Microsystems bezeichnete Ballmer dem deutschen Wirtschaftsblatt gegenüber als "wenig bedrohlich". "Die Anwender zahlen nach wie vor lieber für unsere Bürosoftware, weil sie den anderen Programmen überlegen ist." Der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber und der kalifornische Server- und Unix-Spezialist hatten Anfang Oktober eine Vereinbarung bekannt gegeben, bei der es auch um Googles Unterstützung des Open-Source-Officepakets OpenOffice geht, auf das auch Suns StarOffice-Konkurrenzprodukt zu Microsofts Office beruht. Allerdings waren die Kooperationspläne anders als in der Branche erwartet relativ vage ausgefallen.



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