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G E F Ä H R L I C H E S I C H E R H E I T S L Ü C K EBilddateien bedrohen Windows-PCs
Schon das Surfen auf Webseiten, die mit bestimmten Grafikdateien im WMF-Format präpariert sind, soll Rechner infizieren. Experten warnen vor dem womöglich größten Sicherheitsloch in Windows-Betriebssystemen überhaupt.
[Ed: Es deutet vieles daraufhin, daß Microsoft diesen ‚WMF-Bug‘ absichtlich eingebaut hat. Ist er die schon lange in Windows-Systemen vermutete Hintertür?]
Aus: Spiegel Online 3. Januar 2006, 16.39 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]Am 28. Dezember tauchten die ersten Meldungen über Grafikdateien auf, die in der Lage sein sollen, Windows-PCs zu infizieren. Eine bis dahin unbekannte Lücke in dem Betriebssystem soll es manipulierten WMF-Dateien ermöglichen, Spyware oder Trojaner auf dem betroffenen Rechner einzunisten. Das WMF-Format, WMF steht dabei für Windows Metafile, wurde von Microsoft speziell für Vektorgrafiken entwickelt.
Anfangs schien es sich um eine der vielen kleineren Sicherheitslücken zu handeln, die immer wieder bekannt werden. Doch offenbar wurde das Schadenspotential der präparierten WMF-Dateien unterschätzt. "Es ist möglicherweise die größte bisher bekannte Sicherheitslücke", sagte Mikko Hyppönen vom Antivirenspezialisten F-Secure der Zeitung Financial Times.
Ein Bild dient als Falle:
Schon das bloße Betrachten kann zur Infektion des Rechners führen. Ein Klicken ist garnicht mehr notwendig.Mittlerweile sollen bereits Dutzende Exploits [Ed: Programm-Code, der die Funktion der Lücke beweist] im Web kursieren, die die Lücke ausnutzen. "Wir haben derart Bösartiges noch nicht gesehen", sagte Hyppönen. Alle ab 1990 ausgelieferten Windows-Versionen seien betroffen.
Eines der ersten Exploits stellte eine Mail-Grußkarte "Claudia" dar, in der ein Link zu einer präparierten Seite enthalten war. Wer dem Link folgte, öffnete eine WMF-Datei, die den Rechner unter Umständen sofort infizierte, vor allem wenn mit dem Internet Explorer gesurft wurde. Obwohl seit Bekanntwerden der Lücke erst wenige Tage vergangen sind, sollen bereits Dutzende präparierte WMF-Dateien in Umlauf sein.
Ein Sicherheitsupdate der Firma Microsoft, das die Lücke schließen könnte, ist derzeit nicht verfügbar. "Microsoft untersucht zurzeit neue öffentliche Meldungen über eine mögliche Sicherheitsanfälligkeit in Windows", heißt es lapidar auf der Sicherheitsseite des Unternehmens [Ed: das steht da wohl angesichts der vielen Bug immer].
Microsoft sei bekannt, dass ein "ausführlicher Angreifercode" veröffentlicht wurde, der es dem Angreifer ermöglichen könne, "einen beliebigen Code im Sicherheitskontext des angemeldeten Benutzers auszuführen", wenn dieser eine Website mit einer speziell gestalteten WMF-Grafik besucht.
"Ein Angreifer kann Benutzer zum Besuch einer Website nicht zwingen", betont Microsoft. Der Angreifer müsse den Benutzer zu einem Besuch dieser Webseite verleiten. "Zu diesem Zweck wird der Benutzer normalerweise dazu gebracht, auf einen Link zur Site des Angreifers zu klicken", heißt es weiter. Woran man einen Link erkennt, der von einem Angreifer stammt, erklärt das Unternehmen freilich nicht. Und auch nicht, warum eine solch gefährliche Lücke nicht längst geschlossen wurde.
Der einzige Tipp, den Microsoft momentan geben kann, ist dieser: Vorsichtig beim Öffnen von E-Mail-Nachrichten "aus unbekannter Quelle und beim Klicken auf darin enthaltene Links" zu sein. Zudem wird empfohlen, eine Firewall zu aktivieren, regelmäßig die Software zu aktualisieren und eine Virenschutzsoftware zu installieren [Ed: als wenn das in diesem Fall helfen würde...].
Der russische Programmierer Ilfak Guilfanov hat unterdessen das getan, was man eigentlich von Microsoft erwarten müsste: ein Sicherheitsupdate zu schreiben und zu veröffentlichen. Dieser Patch wurde mittlerweile auch vom SANS Internet Storm Center getestet und für gut befunden. [mehr]
Schnellverband für Windows
Am nächsten Dienstag will Microsoft einen "Patch" für die Bilder-Sicherheitslücke vorlegen. Höchste Zeit: Erste Trojaner-Lockmails gehen um. SPIEGEL ONLINE zeigt, wie man sich bestmöglich schützen kann gegen die nach Expertenmeinung bisher schlimmste Windows-Sicherheitslücke.
Aus: Spiegel Online 4. Januar 2006, 17.37 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]Für PC-Anwender ist die aktuelle "WMF"-Sicherheitslücke die Wiederholung eines Alptraumes. Nicht zum ersten Mal sehen sich Windows-Nutzer mit einem Sicherheitsleck konfrontiert, bei dem es schon genügt, eine Webseite nur zu besuchen, um den Rechner mit einem Trojaner zu infizieren. Knapp eine Woche nach dem Öffentlichwerden erster "Exploits" quasi Anleitungen, wie ein Sicherheitsleck auszunutzen wäre kursieren nun Lockmails, die zu entsprechend präparierten Seiten hinführen.
Worum geht es bei dieser Sicherheitslücke?
Die sogenannte WMF-Sicherheitslücke ermöglicht es einem Angreifer, über ein "verseuchtes" WMF-Bild einen Rechner zu infizieren. Das bloße Ansehen der Bilddatei reicht dabei schon: Im Hintergrund kann dabei jedes beliebige Programm ausgeführt werden. Die ersten Schadprogramme, die inzwischen in Umlauf sind, sind alle sogenannte Trojaner. Solche Programme verstecken sich im Betriebssystem, öffnen eine Hintertür zum Internet und erlauben dem Versender des Schadprogrammes, die Kontrolle über den befallenen PC ganz oder teilweise zu übernehmen. Trojaner werden benutzt, PC-Besitzer auszuspionieren (Kreditkarten- und andere Finanzinfos), über den befallenen Rechner Spam-Mails zu versenden oder andere Rechner zu attackieren. Vom Dateneinbruch über Geldwäsche bis hin zum "Fremd-Speichern" von Kinderpornografie ist dabei alles denkbar.Betroffen von der Sicherheitslücke sind Anwender der Microsoft-Betriebssysteme Windows XP, Windows 2000 und Windows Server 2003. Darüber hinaus sind IBM Lotus Notes 6.5 bis 6.5.2 betroffen.
Sicherheits-Experten gehen darüber hinaus davon aus, dass auch die ältere Betriebssystem-Version Windows 98 betroffen ist und für die werde Microsoft keine Sicherheits-Updates mehr zur Verfügung stellen. Für die anderen Programmversionen hat der Software-Gigant für Dienstag, 10. Januar, ein Update angekündigt.
Bis dahin tut man gut daran, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Die Gefahr einer Infektion des Rechners lässt sich zumindest minimieren, nicht aber ausschließen:
- E-Mail: Öffnen Sie keine unverlangt zugesandten Dateianhänge. Folgen Sie keinen Links hin zu Ihnen nicht bekannten Webseiten.
- Motten Sie zumindest zeitweilig Ihren Internet Explorer ein: Der stellt wie so oft die offene Pforte hinein ins Betriebssystem dar. Firefox 1.5 fragt in seinen Default-Einstellungen zumindest vorher an, ob er eine WMF-Datei anzeigen soll. Von der Sicherheitslücke betroffen sind aber prinzipiell alle Browser, die WMF-Dateien anzeigen können.
- Setzen Sie die Sicherheitseinstellung Ihres Browsers auf die höchste Stufe.
- Virenscanner aktualisieren: Derzeit geraten immer neue Versionen von Trojaner- Programmen, die die Sicherheitslücke ausnutzen, in Umlauf. Vor der Sicherheitslücke kann der Virenscanner nicht schützen, wohl aber vor den Schadprogrammen, die sie ausnutzen.
- Verzichten Sie bis zur Installation eines Sicherheits-Updates auf Datei-Downloads aus Instant Messengers, P2P-Börsen, aus E-Mails und von nicht bekannten Webseiten.
Wichtig: Es reicht nicht, einfach WMF-Dateien zu meiden. Die Dateien können mit jeder beliebigen Dateiendung versehen werden und werden vom Betriebssystem trotzdem als WMF erkannt und entsprechend verarbeitet. Sie können also "maskiert" werden und sind dann nur anhand ihres Namens nicht zu erkennen.
Nur für versierte PC-Nutzer:
Einen zusätzlichen Schutz kann man unter Windows XP erreichen, wenn man zum einen darauf verzichtet, mit Administratorenrechten zu arbeiten. Weitergehende Möglichkeiten für PC-Versierte bietet das "unregistrieren" der DLL-Datei, die die Sicherheitslücke verursacht ("shimgvw.dll"). Für Otto-Normalanwender ist das nicht zu empfehlen, weil es auch andere Funktionen des Rechners beeinträchtigen könnte.Möglich ist auch die Installation eines inoffiziellen Sicherheitspatches, der von einigen IT-Security-Seiten empfohlen wird. Das allerdings geschieht auf eigene Verantwortung und schränkt mit Sicherheit die Gewährleistungspflichten des Betriebssystem-Entwicklers ein.
Im Rahmen des nächsten "Flicken-Dienstags" wird Microsoft nach eigener Auskunft einen funktionierenden Sicherheitspatch veröffentlichen: Das ist keine Reaktion auf die aktuelle Lage, sondern Routine. Microsoft veröffentlicht an jedem zweiten Dienstag eines Monats aktuell notwendige Sicherheits-Updates, die man dann entweder herunterladen kann oder im Rahmen der automatischen Updates überspielt bekommt. [mehr]
[10.01.2006: WMF-Leck Reloaded]
Spekulationen über WMF-Bug als absichtliche Windows-Hintertür
Aus: Heise-Newsticker, 16. Januar 2006, 00.07 Uhr MEZ (Security). [Original]HANNOVER (ju/c't). Steve Gibson, unter anderem Betreiber des Portscan- Dienstes Shields-Up, beschuldigt in einem Podcast Microsoft, die erst kürzlich geschlossene WMF-Lücke absichtlich als Hintertür in Windows eingebaut zu haben: "Das war kein Fehler. Das ist kein fehlerhafter Code. Das hat jemand in Windows eingebaut", erklärt er und spekuliert weiter: "Falls Microsoft eine Abkürzung benötigt, einen Weg, um Code auf Windows-Systemen auszuführen, die ihre Web-Seite besuchen, hatten sie diese Möglichkeit und dieser Code gab sie ihnen." Zentrales Element seiner Argumentation ist seine Beobachtung, die fragliche SetAbortProc-Funktion könne nur mit einer bestimmten, ungültigen Längenangabe überhaupt aktiv werden. Dies sei offensichtlich ein Schutzmechanismus, der verhindern solle, dass jemand zufällig über die Hintertür stolpere.
Gibson hat insofern Recht, dass es sich bei dem WMF-Sicherheitsproblem anders als bei den meisten Lücken nicht um einen Programmierfehler handelt, der sich ausnutzen lässt, sondern um eine absichtlich eingebaute Funktion. Sie stammt aus der Zeit, als Windows kooperatives Multitasking eine solche Callback-Funktion erforderte, beispielsweise um Druckjobs abzubrechen, erläutert Stephen Toulouse, Security Program Manager bei Microsoft in einem diesbezüglichen Blog-Eintrag. Dass sich diese Funktion nur mit einer falschen Längenangabe aufrufen ließe, sei allerdings falsch: Auch korrekte WMF-Dateien können laut Toulouse SetAbortProc-Funktionen aktivieren.
Allerdings wirft auch seine Erwiderung an einigen Stellen kein allzu gutes Licht auf Microsofts Sicherheitsbemühungen. So habe man die potenzielle Gefahr dieses Metafile-Records erkannt und einige Applikationen wie der Internet Explorer werteten diese deshalb nicht selbst aus. Wie eine solche erkannte und dann wohl hoffentlich auch dokumentierte Gefahr durch die intensiven Security Reviews rutschen konnte, die man unter anderem im Zuge der Erstellung von Service Pack 2 für Windows XP vorgenommen hat, erklärt Toulouse jedoch nicht.
Dafür erläutert er nochmals, warum Microsoft keinen Patch für Windows 98/SE/ME bereitstellt, obwohl diese prinzipiell auch verwundbar sind. Die möglichen Einfallstore auf diesen Plattformen erforderten erhebliche Mitwirkung des Anwenders, was eine Einstufung als kritisches Problem nicht rechtfertige. Und nur für solche gäbe es noch Sicherheitspatches im Rahmen des Extended Support Lifecycles und das auch nur noch bis Juni 2006. Wer gezwungen ist, weiterhin eines dieser Systeme einzusetzen kann sich nur mit Hilfe von Drittherstellern schützen. Beispielsweise bietet der Hersteller des Virenscanners NOD32 einen Patch an allerdings ohne jegliche Gewähr.
Gibsons Backdoor-Spekulationen werden in der Security-Gemeinde jedenfalls nicht weiter ernst genommen. Dass sich Microsoft den exklusiven Zugriff auf eine hypothetische Hintertür nur durch eine falsche Längenangabe sichern würde, ist wenig wahrscheinlich. Dave Aitel von der Sicherheitsfirma Immunity geht davon aus, dass dies über richtige Krypto-Funktionen realisiert würde. Marc Maiffret, "Chief Hacking Officer" bei eEye rückt in amerikanischen Medien die Spekulationen gar in die Nähe von Metallhüten (Tinfoil Hats), mit denen sich Paranoiker gegen Gedankenkontrolle abschirmen wollen. Trotzdem ist natürlich die Gefahr, die von den WMF-Problemen ausgeht real, und wer es noch nicht getan hat, sollte schleunigst den Microsoft-Patch einspielen.
10 Jahre Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace
Aus: Heise-Newsticker, 8. Februar 2006, 8.58 Uhr MEZ (The NET) von DETLEF BORCHERS. [Original]DAVOS (jk/c't). Wie seit vielen Jahren üblich, trafen sich auch vor 10 Jahren die Vertreter großer Konzerne mit den einflussreichsten Politikern in den Schweizer Bergen, um auf dem Weltwirtschaftsforum über das Wohl und Wehe der Welt und ihrer Bewirtschaftung nachzudenken. Damals sorgten einige Geschäfte für Aufsehen, etwa der Einstieg von Medienkonzern Bertelsmann bei AOL im Mai 1995. Konsequenterweise lud der Veranstalter zum 96er-Treffen nicht nur den südafrikanischen Präsidenten de Klerk und Nelson Mandela zusammen ein. Auch die Risikokapitalisten und einige Akteure aus diesem Cyberspace kamen und wurden neugierig beäugt. Ein Viehrancher, der auch als Lyriker der Hippie-Band Grateful Dead gearbeitet hatte, betrat am 8.2.1996 die Rednertribüne und legte richtig los. Perry Barlow verlas die "Unabhängigskeitserklärung des Cyberspace" (der komplette Text ist auf Telepolis zu finden, das demnächst ebenfalls sein 10-jähriges Jubiläum feiern kann):
"Regierungen der industriellen Welt, Ihr müden Giganten aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Im Namen der Zukunft bitte ich Euch, Vertreter einer vergangenen Zeit: Laßt uns in Ruhe! Ihr seid bei uns nicht willkommen. Wo wir uns versammeln, besitzt Ihr keine Macht mehr.Wir besitzen keine gewählte Regierung, und wir werden wohl auch nie eine bekommen und so wende ich mich mit keiner größeren Autorität an Euch als der, mit der die Freiheit selber spricht. Ich erkläre den globalen sozialen Raum, den wir errichten, als gänzlich unabhängig von der Tyrannei, die Ihr über uns auszuüben anstrebt. Ihr habt hier kein moralisches Recht zu regieren noch besitzt Ihr Methoden, es zu erzwingen, die wir zu befürchten hätten."
Die müden Giganten aus Fleisch und Stahl reagierten matt. Ein Augenblinzeln, etwas höflicher Beifall, mehr nicht. 1996 waren die Hauptthemen des Weltwirtschaftsforums die Zukunft Südafrikas und die kommende gemeinsame europäische Währung. Barlows Vortrag lag weitab, und die pathetische Anlehnung an die amerikanische Unabhängigkeitserklärung erschloss sich nicht jedem. Vom damaligen deutschen Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer ist der verwunderte Ausspruch überliefert: "Was will der Mann und wovon redet er überhaupt bei diesem Cyberspace?" Zwei Tage später hielt Barlow die Rede noch einmal, auf der Preisverleihung der mittlerweile eingestellten Multimedia-Messe Milia in Cannes. Diesmal erntete er donnernden Applaus über eine halbe Stunde lang stehende Ovationen und wurde von VR-Pionier Jaron Lanier abgeknutscht. Mehr noch: Barlow wurde flugs zum Thomas Jefferson des Cyberspace erklärt, seine Rede zierte nach seiner Einschätzung mehr als 20.000 Webseiten.
Heute kann die Rede als Dokument der Illusionen gelesen werden, die sich mit der Kommerzialisierung des Cyberspace verbanden. Niemand glaubt mehr an die These vom rechtsfreien Raum in Digitalien. Und die müden Giganten haben längst ihre Claims abgesteckt. In Europa beschäftigt die Vorratsdatenspeicherung die Gemüter, in den USA will die Regierung des Meatspace an die Daten des Cyberspace, die Google sammelt, das mit "Do no evil" eine Barlowsche Maxime zum Firmenmotto gemacht hat. Zusammen mit der Magna Charta des Informationszeitalters und den 95 Thesen des Cluetrain Manifests bildet Barlows Unabhängigkeitserklärung die Ursuppe, aus der alle löffeln, die immer wieder große Hoffnungen in das Internet setzen.
Linux einfacher, sicherer und billiger als Windows
Aus: Heise-Newsticker, 14. Februar 2006, 18.32 Uhr MEZ (Betriebssysteme). [Original]HANNOVER (mhe/c't). Auf 17 Seiten versuchen die Marktforscher von Enterprise Management Associates, die Folgerungen aus Microsofts Get the Facts- Systemvergleich zu widerlegen. Die Studie (PDF-Datei) wurde im Auftrag der Industrievereinigung zur Linux-Förderung Open Source Development Labs sowie der Spezialisten für Linux-Systemmanagement von Levanta erstellt. Sie wollen mit ihren Resultaten besonders das Argument Microsofts kontern, Linux verursache höhere Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO) als Windows. Das Fazit der Microsoftschen Studiensammlung lautet im Tenor, dass vergleichsweise geringe Ausgaben für Softwarelizenzen durch höhere Schulungskosten mehr als ausgeglichen würden.
Die EMA kommt nun zum Schluss, dass die Behauptung einer höheren TCO nicht mehr zutreffend sei. Dank ausgefeilter Verwaltungstools stelle Linux inzwischen eine kosteneffiziente Alternative zu Windows dar. So gaben 88 Prozent der Firmen mit gemischten Systemumgebungen an, Linux lasse sich leichter handhaben als Windows und 97 Prozent schätzten die Anfälligkeit beider Systeme im für Linux ungünstigsten Fall als gleich groß ein. Dabei seien die Verwaltungstools unter Linux leichter zu handhaben als unter Windows. Die meisten Firmen geben die Verfügbarkeit ihrer Linux-Systeme mit 99,99 Prozent an, 17 Prozent berichten sogar von gar keiner Downtime. 60 Prozent der Probleme bei Linux könnten in weniger als einer halben Stunde und damit mehr als acht mal schneller als im Durchschnitt gelöst werden.
Drei Viertel der Administratoren gaben an, ein Linux-System in weniger als einer Stunde aufsetzen zu können, ein Viertel braucht dafür sogar nur die Hälfte dieser Zeit. Keine 5 Minuten pro Woche verwendeten die Sysadmins auf das Patch-Management; auch unterschiedliche Linux-Distributionen beeinträchtigten die Arbeit kaum meist sei die Anzahl der verschiedenen Varianten bei Windows größer als bei Linux. Bei 75 Prozent verschlingt ein Linux-Server rund 10 Minuten pro Woche für das Sicherheitsmanagement, für Maßnahmen gegen Viren und Spyware benötigen 95 Prozent aller Admins nochmal so viel Zeit. Alle Befragten befanden außerdem Linux für deutlich weniger anfällig gegenüber Sicherheitsproblemen als Windows.
Administratoren für Windows oder Linux verdienen nach Angaben der Firmen weniger als 60.000 US-Dollar pro Jahr. Beherrschten die Experten beide Systeme, steigt dieser Betrag offenbar nur geringfügig an an Linux-Fähigkeiten herrsche im übrigen kein Mangel. Ein Linux-Admin könne allerdings mehr Server gleichzeitig betreuen und sei damit produktiver als sein Windows-Kollege, dessen Maschinen außerdem weniger Last vertrügen. Die Anschaffungskosten für eine Linux-Umgebung lägen allein dank geringerer Ausgaben für Softwarelizenzen um rund 60.000 Dollar niedriger, außerdem stelle Windows die größeren Anforderungen an die Hardware. Laut der Studie geben 79 Prozent respektive 63 Prozent der Firmen kein Geld für Linux-Beratung und -Training aus, während ganze 4 Prozent der Unternehmen diese Dienstleistungen für mehr als 10.000 US-Dollar einkaufen.
Für die Studie hat die EMA eine zufällige Auswahl aus mehreren tausend IT-Unternehmen telefonisch befragt, eine Webumfrage ausgewertet sowie außerdem ausführliche Gespräche mit den IT-Verantwortlichen von 13 Unternehmen mit Linux-Infrastruktur geführt. Insgesamt lagen der Studie Angaben von weltweit über 200 Unternehmen aller Größenklassen zu Grunde.
W A S O N L I N E - R E C H E R C H E N L E I S T E NPlädoyer für radikale Neugestaltung der Internet-Architektur
Aus: Heise-Newsticker, 24. Februar 2006, 13.16 Uhr MEZ (The NET). [Original]HANNOVER (wst/Technology Review). David D. Clark einst leitender Protokoll-Architekt des Internets plädiert für eine radikale Neugestaltung des Netzes. Zwar habe das Internet wahre Wunder vollbracht der elektronische Handel floriere, und E-Mails seien ein allgegenwärtiges Kommunikationsmittel für rund 1 Milliarde Menschen.
Aber "wir stehen an einem Wendepunkt", behauptet Clark in der aktuellen Ausgabe von Technology Review. Seine Prognose ist ausgesprochen pessimistisch: "Wir könnten jetzt an dem Punkt stehen, wo der Nutzen des Internets nicht mehr zunimmt und vielleicht sogar wieder abnimmt."
Aus diesem Grund sei es an der Zeit, die dem Internet zugrunde liegende Architektur zu überdenken und noch einmal ganz von vorn anzufangen. "Es geht nicht darum, dass wir versäumt haben, irgendeine Killer-Technologie auf der Protokoll- oder Netzwerkebene einzusetzen", sagt Clark. "Wir müssen nur alle existierenden Technologien so kombinieren, dass wir ein grundsätzlich anderes System erhalten."
Ein solcher Ansatz findet in den USA zunehmend Anklang. Vorangetrieben wird er vor allem von der National Science Foundation (NSF). "Ich bin mit dem gegenwärtigen Zustand nicht glücklich", sagt auch Internet-Guru Vinton Cerf, der kürzlich einen Job bei Google angenommen hat, dessen Bezeichnung eigens für ihn erfunden wurde: Chief Internet Evangelist. "Aber die größten Schädlinge nutzen noch immer die Löcher in den Betriebssystemen aus. Diese Betriebssysteme schützen sich selbst nicht sehr gut, und man könnte fragen, warum das Netzwerk diesen Job übernehmen sollte." Über eines aber sind sich alle einig: Die Probleme des Internets nehmen zu, und zugleich wird die Gesellschaft zunehmend von ihm abhängig. Mehr in Technology Review: [Zeit für eine neues Netz].
W A S O N L I N E - R E C H E R C H E N L E I S T E NZeitung enttarnt tausende CIA-Mitarbeiter
Aus: Heise-Newsticker, 13. März 2006, 10.07 Uhr MEZ (Internet). [Original]CHICAGO (anw/c't). Mitarbeiter der US-amerikanischen Zeitung Chicago Tribune haben über gewöhnliche Online-Recherchen tausende CIA-Mitarbeiter identifiziert. Bei der Durchsicht und beim Abgleich von kommerziellen und frei zugänglichen Online-Datendiensten seien sie auf ein Verzeichnis von 2.653 CIA-Mitarbeitern und 50 internen Telefonnummern sowie auf geheime Standorte des Geheimdienstes in den USA gestoßen, heißt es in einem Bericht vom Sonntag [12.3.2006]. Die Zeitung hat zugesagt, die Namen nicht zu veröffentlichen.
Unter den aufgedeckten Daten seien die Namen von Scheinfirmen der CIA sowie Flugzeuge, mit denen Terrorismusverdächtigte transportiert wurden, heißt es weiter. Nicht alle der 2.600 Personen auf der Liste würden "under cover" arbeiten, beispielsweise seien 160 Analysten aufgeführt sowie auch der frühere CIA-Direktor George Tenet. Die CIA habe aber eingeräumt, dass einige der Personen verdeckt arbeiten würden. Unter den Einrichtungen, die die Chicago Tribune ausfindig machen konnte, sei auch das jahrzehntelang geheim gehaltene Trainingslager "The Farm" in Virginia. [mehr]
In geheimer Mission
Eine amerikanische Zeitung enttarnt mehr als 2.600 Agenten per Internet-Recherche.
Aus: Berliner Zeitung, 14. März 2006, Seite ?? (Internet) von OLIVIA SCHOELLER. [Original]CHICAGO. Es gab Zeiten, da war es die vorrangige Pflicht eines Geheimagenten, geheim zu sein. Um den Gegner auszuspionieren brauchte man mehrere Identitäten, falsche Adressen und vor allem Diskretion. Heute, in Zeiten des Internets ist das alles anders. Eine gewiefter Rechercheur der Tageszeitung Chicago Tribune deckte im Netz die Namen von 2.653 Mitarbeitern des US-Auslandsgeheimdiensts CIA auf. 160 von ihnen sind Mitarbeiter, die Informationen auswerten und nicht verdeckt arbeiten.
Doch nach Angaben der Tribune wurde auch die Identität von verdeckten Spionen enttarnt. Zum Teil konnte man über Internet-Service-Anbieter nicht nur Straße und Telefonnummer der Spione herausfinden, sondern sich auch auf dem Satelliten-Foto angucken, wo und wie die Agenten wohnen.
Doch damit nicht genug. Insgesamt hat der Rechercheur im Internet die Adressen von zwei Dutzend Trainings- und Ausbildungsorten der CIA in den USA aufgespürt, darunter sogar jenen legendär geheimen Ort, dessen Existenz die CIA niemals einräumt, der unter Agenten aber "The Farm" genannt wird.
Nach Angaben der Tribune erlangt man die Informationen zum Teil kostenfrei über Internet-Anbieter. Für andere Details muss man zahlen. Aber man bekommt sie ohne große Probleme. Von Seiten der CIA räumte man zerknirscht ein, es werde leider immer einfacher, Informationen durch das Internet zu erhalten. Das Schlimmste, so sagte ein Sprecher der CIA, seien jedoch offenbare Mängel in der Ausbildung der jungen Agenten. So hätten zum Beispiel die CIA-Mitarbeiter, die in Mailand einen Imam entführten, unter ihrem richtigen Namen im Hotel eingecheckt. Die italienischen Behörden hätten somit kaum Schwierigkeiten gehabt, die Spur zur CIA zurückzuverfolgen.
"The Farm" konnte ausfindig gemacht werden, weil man entdeckt hat, dass in "Camp Peary" in Virginia permanent mehr als 16 Mitarbeiter tätig sind und innerhalb eines gewissen Zeitraumes eine gewisse Anzahl von Flugzeugen dort landete. Kombiniere: Geheimes Ausbildungszentrum. Das Ende der CIA sieht man durch die Enttarnung zwar noch nicht gekommen, aber Experten sind sich sicher, dass der Feind die Schwächen nutzt. "Ob El Kaida das System knacken kann, ist fraglich. Die Chinesen können es bestimmt", sagte der ehemalige Agent Melvin Goodman der Chicago Tribune.
H A R D W A R E - R E V O L U T I O NMünchner Forscher verbinden Neurochip mit Säugetierzelle
Aus: DPA-Meldung, 28. März 2006, 13.21 Uhr MEZ (Neuro-Computer). [Original]MÜNCHEN (dpa). Erstmals haben Wissenschaftler einen Siliziumchip mit der Nervenzelle eines Säugetiers verbunden. Es sei gelungen, den Chip direkt mit der Hirnzelle einer Ratte zu koppeln und den elektrischen Spannungspuls der Zelle auf einen Transistor im Chip zu übertragen, berichtete Prof. Peter Fromherz vom Max-Planck-Institut für Biochemie laut einem dpa-Bericht.
Dies sei ein weiterer Schritt hin zu künftigen Neuro-Computern oder neuronalen Chip-Prothesen, erklärte Fromherz gegenüber dpa. Er warnte jedoch vor zu großen Hoffnungen: "So weit sind wir nicht das ist im Moment noch Science-Fiction." Denn um die neue Technik wirkungsvoll einsetzen zu können, müsse eine Vielzahl von Zellen mit Chips verbunden werden. "Es ist ein Traum, dass man Computer nicht nur aus Halbleiterchips, sondern auch mit Nervenzellen baut." Jedoch werde dies noch Jahrzehnte dauern.
Vor 15 Jahren war es den Forschern des Instituts erstmals gelungen, Zellen eines Blutegels auf einen Siliziumchip zu bringen, vor 5 Jahren gelang das Experiment mit Zellen einer Schnecke. "Mit Rattenzellen ist das viel schwieriger, weil sie so viel kleiner sind", sagte Fromherz. Grundsätzlich sei es so auch möglich, menschliche Nervenzellen mit Chips zu vernetzen. "Vom Zellaufbau her unterscheiden sich Menschen und Ratten kaum."
- Erfolge bei den Vesuchen, Nervenzellen mit Chips zu verbinden, hatte Prof. Peter Fromherz beispielsweise auf der International Solid-State Circuits Conference 2005 im Detail präsentiert: ISSCC: Chip mit Hirn.
- Die Verbindung eines Chips mit den Nervenzellen einer Wasserschnecke zeigte Fromherz im Jahr 2001: Forscher verbinden Computerchip mit Nervenzellen.
Apple öffnet Mac-Rechner für Windows
Ganz beiläufig hat Apple ein Produkt ins Netz gestellt, das den weltweiten Hardware-Markt durcheinander wirbeln dürfte: Eine spezielle Software erlaubt es jetzt, ganz offiziell ein Windows-Betriebssystem auf Intel-Macs zu installieren. Fans werden verzweifeln aber Apple vergrößert auf einen Schlag seinen eigenen Markt.
Aus: Spiegel Online 5. April 2006, 16.39 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]CUPERTINO (pat). Es kommt nicht oft vor, dass man die Veröffentlichung einer Software mit Fug und Recht als Sensation bezeichnen kann doch Apple hat heute eine geliefert: Mit "Boot Camp" macht das Unternehmen die Parallel-Installation von Windows auf neuen Macs möglich.
An der Aufgabe, die neuen Intel-Chip-basierten Macs mit einem Windows XP zu belegen, bissen sich seit Wochen diverse Hacker die Zähne aus: Obwohl theoretisch möglich, wollte keine praktische Umsetzung so recht gelingen. Jetzt landete Apple den Scoop und schockt die Welt der Appleaner mit einem von niemandem vorausgesehenen Schritt: Apple selbst sorgt dafür, dass Windows XP auf den neuen Macs läuft.
Strategisch ist das äußerst klug, denn bisher ging noch jede Software-Lösung, mit der Windows-Programme auf Macs zum Laufen gebracht wurden, auf Kosten der Leistung. Jetzt soll man mit "Boot Camp" Mac OS und Windows parallel installieren können und so in den Genuss der besten Seiten beider Rechnerwelten gelangen. Was für ein Argument für Apples "Switch"-Kampagnen, mit denen Microsoft-Nutzer zum Wechsel überredet werden sollen. Für den Verkauf der neuen Intel-Macs könnte das Wunder wirken.
Bisher liegt Boot Camp als Public-Beta-Version vor, der Download ist knappe 83 MB groß. Anwender, die über eine Microsoft Windows XP Installations-CD verfügen, können mit Boot Camp Windows XP auf einem Intel-basierten Mac installieren und nach Abschluss der Installation entscheiden, ob sie nach einem Neustart ihres Computers Mac OS X oder Windows XP verwenden wollen. Boot Camp, erklärt Apple dazu, sei ein reguläres Feature von "Leopard", der nächsten großen Version von Mac OS X, die auf der Worldwide Developer Conference (WWDC) im August erstmals gezeigt werden wird.
Vom wahren Glauben sei Apple aber nicht abgefallen, versichert Philip Schiller, Marketing-Manager bei Apple, in einer Pressemitteilung des Unternehmens: "Apple hat weder den Wunsch noch die Absicht, Windows zu verkaufen oder zu unterstützen. Da wir jetzt aber Intel-Prozessoren einsetzen, haben viele Kunden ihr Interesse bekundet, Windows auf der überlegenen Hardware von Apple laufen zu lassen. Wir denken, dass Boot Camp es für Windows-Anwender noch verlockender machen wird, auf den Mac zu wechseln."
Da könnte er richtig liegen. Boot Camp, sagt Apple, vereinfache die Installation von Windows auf einem Intel-basierten Mac durch einen einfachen grafischen Schritt-für-Schritt-Assistenten, um eine zweite Partition auf der Festplatte für Windows einzurichten, eine CD mit allen nötigen Windows-Treibern zu brennen und Windows von der Windows XP Installations-CD zu installieren. Nach Abschluss der Installation könnten Anwender wählen, ob sie nach einem Neustart Mac OS X oder Windows einsetzen wollen.
Die Public Beta von Boot Camp steht bereits unter www.apple.com/macosx/bootcamp zum Download zur Verfügung und ist als Preview-Software zum Ausprobieren für eine begrenzte Zeit lizenziert. Die finale Version von Boot Camp wird als Feature der nächsten Mac OS X Version 10.5 "Leopard" verfügbar sein. Die Vorab-Veröffentlichung als Beta ist offenbar als Geschenk an die Fan-Gemeinde gedacht und wohl eine Reaktion auf die Bemühungen der Apple-Community, Windows XP auf die Intel-Macs zu "hacken". Apple bietet keinen Support für die Installation und den Betrieb von Boot Camp.
Für den Einsatz von Boot Camp benötigt man einen Intel-basierten Mac mit USB-Tastatur und Maus oder eingebauter Tastatur und TrackPad. Weitere Voraussetzungen sind Mac OS X Version 10.4.6 oder neuer, das aktuellste Firmware-Update, mindestens 10 GB freier Festplattenplatz auf dem Startvolume, ein CD- oder DVD-Rohling sowie eine Installations-CD von Windows XP Home Edition oder Professional mit Service Pack 2 oder neuer.
Mehr zu diesem Thema:
[01.04.2006: Der reife Apple Steve Jobs Firma feiert ihr 30-jähriges Jubiläum] (DER TAGESSPIEGEL)
[05.04.2006: Apple hilft Windows XP auf die (Mac-)Sprünge] (HEISE)
[05.04.2006: Reaktionen auf Apple-Coup: "Bloß keinen Windows-Support"] (SPIEGEL-ONLINE)
A 2 K - C A M P A G N EMicrosoft-Software mit einprogrammierten Server-Adressen
Aus: Heise-Newsticker, 17. April 2006, 11.59 Uhr MESZ (MS-Ungereimtheiten). [Original]HANNOVER (hps/c't). Microsoft behandelt die Adressen bestimmter eigener Server besonders. Nach einer Bugtraq-Meldung umgeht etwa der Windows Media Player die etc/hosts-Datei für seine Kontakte zum Update-Server. Anscheinend seit Service Pack 2 für Windows XP sowie Service Pack 1 für Windows Server 2003 enthalten diese Betriebssysteme im so genannten DNSAPI spezielle Funktionen, um eine einfache Umleitung der Zugriffe auf bestimmte Microsoft-Server zu verhindern.
In den meisten Fällen adressiert ein Rechner gewünschte Server im Internet, indem er deren Web-Adressen an einen DNS-Nameserver (zum Domain Naming System) übermittelt, dieser die zugehörige numerische IP-Adresse nachschlägt und dann zurückmeldet. Alternativ zum DNS gibt es auf jedem Rechner eine Datei etc/hosts (unter Windows XP: %systemroot%\system32\drivers\etc\hosts), in die man häufig besuchte Web-Adressen und deren IP-Äquivalente als Text eintragen kann und in welcher der Rechner vor dem Absetzen einer DNS-Abfrage versucht, die passende IP-Nummer lokal nachzuschlagen.
Den beschriebenen Mechanismus nutzt mancher PC-Besitzer, um Anzeigenserver, die populäre Webseiten mit Werbebannern ergänzen, durch einen Verweis auf den Surf-Rechner selbst mit der IP-Adresse 127.0.0.1 auszubooten. Ruft dann eine geladene Webseite einen so verbuchten Reklameserver mit dessen URL auf, adressiert der PC sich selbst und beantwortet die Anfrage an Stelle eines Werbebanners einfach mit "fertig". Der Trick hilft aber auch Gaunern, die etwa nachdem sie die etc/hosts-Datei mittels eines Software-Trojaners manipuliert haben Kontaktaufnahmen mit seriösen Web-Diensten auf ihre eigenen, böswillig programmierten Webserver umleiten können.
Microsofts DNSAPI dürfte somit zur Verteidigung gegen Betrüger taugen, indem es ganz sicher stellt, dass ein Aufruf etwa von windowsupdate.com auch wirklich auf der zuständigen Webseite landet und nicht bei einem Nachahmer. Andererseits lässt etwa der Windows Media Player in seinen neuen Versionen dem Benutzer nicht mehr die Wahl, gänzlich auf automatische Updates zu verzichten. Früher ließ sich dieses Zwangsupdate, das womöglich auch unerwünschte Neuerungen zum Digital Rights Management mit sich bringt, blockieren, indem man die Adresse des Update-Servers wie oben beschrieben in etc/hosts umleitet. Just solche Versuche sind aber mit dem DNSAPI nicht mehr auf die Server des Windows-Prodzenten anwendbar.
W I N D O W S - G E R I C H T S P R O Z E S SKonferenz fordert Zugang zum Wissen statt Privatisierung des geistigen Eigentums
Aus: Heise-Newsticker, 22. April 2006, 16.32 Uhr MESZ (Internet) von MONIKA ERMERT. [Original]NEW HAVEN (je/c't). An der renommierten Jura-Fakultät der Universität Yale in New Haven findet eine Konferenz über den Schutz des freien Zugangs zu Wissen statt. Die Access to Knowledge (A2K) genannte Veranstaltung soll Forscher, Denker und Aktivisten zusammenbringen, um Vorschläge für die zukünftige Politik zu erarbeiten und Forschungspläne zu entwickeln.
Nach Ansicht der Veranstalter ist ein breiter Zugang zum Wissen und die Bewahrung einer "gesunden Gemeinfreiheit am Wissen" die eigentliche Basis einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft. Ein weiterer Ausbau der Schutzrechte für das geistige Eigentum sei nicht zwangsläufig im Sinne der Gesellschaft, schon gar nicht der viel beschworenen Informationsgesellschaft.
"Zugang zum Wissen ist eine Frage der Gerechtigkeit, gesunder Entwicklungspolitik und ganz generell menschlicher Freiheit und Teilhabe an einer global vernetzten Wirtschaft," sagt der Direktor des Information Society Project der Yale-Universität, Jack Balkin. "Menschen sterben an Krankheiten, die hätten behandelt werden können, wären die Medikamente nicht überteuert; Bevölkerungen bleiben ohne Bildung, weil Gesetze über geistiges Eigentum die Verbreitung von Unterrichtsmaterial blockiert. Innovation wird verhindert durch Patent- und Urheberrecht, die weit über das gerechtfertigte Ziel hinausgehen, Innovation zu fördern und der Zugang zu Informationen über Regierungshandeln wird durch einen Mangel an Transparenz unterminiert," sagt der Verfassungsrechtsexperte. "Die Liste der Probleme, die durch die Verweigerung des Zugangs zu Wissen für die Entwicklung, für die Gerechtigkeit in der Gesellschaft und die Menschenrechte entsteht, ist endlos."
Mit den von Balkin benannten verschiedenen Aspekten des Informationszugangs beschäftigen auch die 5 Plenarsitzungen zur Frage der Einordnung der A2K-Debatte, zu wirtschaftlichen Fragen, zum politischen Kampf um die Gestaltung des Zugangs zu Informationen, zu beschränkenden Faktoren für einen offenen Zugang (etwa die nationale Sicherheit) und zu Lösungsvorschlägen für die Zugangsfrage. "Denken Sie daran, dass A2K mehr ist als Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums," so Balkin. "Es geht auch um die Reform des Telekommunikationsrechts, um die Produktion von Information durch Regierungen, um öffentliche Ausschreibungen für Wissenschaft und Landwirtschaft, Transparenzfragen und die Meinungsfreiheit." Eine Beschränkung allein auf das Urheber- und Patentrecht sei ein Fehler, so Balkin. Mit ihm hofft wohl die Mehrzahl der Konferenzteilnehmer, dass der Ruf nach dem Zugang zu den verschiedenen Quellen von Information langsam, aber sicher ihren Niederschlag in der Politik finden wird. In vielen völkerrechtlichen Verträgen und nationalen Gesetzen werde ein solcher Zugang im Prinzip schon festgeschrieben.
Zudem können sich die Befürworter der verschiedenen Aufrufe für ein Umdenken im Bereich der Zugangsfragen immerhin erster Aufmerksamkeit von Seiten der Politik erfreuen. Einer Gruppe von Entwicklungsländern, die "Friends of Development"unterstützt das im Rahmen der Debatten um die Zukunft der World Intellectual Property Organisation (WIPO) vorgeschlagene internationale Abkommen über den Zugang zu Wissen. Die Organisatoren der Adelphi-Charta über Kreativität, Innovation und geistiges Eigentum bei der Royal Society of Arts in London fanden Unterstützung beim brasilianischen Kulturminister Gilberto Gil und dessen ungarischem Kollegen Andras Bozoki.
Allerdings bedarf es noch deutlich größerer Unterstützung, um den Trend wirklich umzukehren. Man befinde sich, so schreibt A2K-Konferenz-Redner Yochai Benkler von der Yale Law School in seinem neuen Buch The Wealth of Networks in einem Kampf zwischen den wirtschaftlichen Gewinnern von gestern und neuen individuellen und kooperativ zusammenwirkenden Informationsproduzenten. "Es wäre verheerend, wenn die Gewinner von gestern die Bedingungen von morgen diktieren könnten," warnt Benkler.
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[24.04.2006: Offensivstrategien beim Wissenszugang gefordert] (HEISE)
Die Regeln der Straße
Das lang erwartete Gerichtsverfahren der EU gegen Microsoft hat begonnen offiziell dreht es sich um ein Bußgeld von 497 Millionen Euro und die Forderung, Teile der Windows-Software offen zu legen. Tatsächlich geht es aber um viel mehr.
Aus: Spiegel Online 24. April 2006, 20.15 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]BRÜSSEL/LUXEMBURG (itz/mm.de/Reuters/AP/dpa/ddp). Entschieden wird auch die Frage, was höher wiegt: Das Recht am geistigen Eigentum oder das Recht auf freien Wettbewerb. Zum Auftakt des Luxemburger Microsoft-Prozesses haben sich der weltgrößte Softwarekonzern und die EU-Wettbewerbshüter heute einen harten Schlagabtausch geliefert. Microsoft warf der EU- Kommission vor, die von ihr erzwungene Version des Betriebssystems Windows ohne das Multimedia-Programm Mediaplayer sei an der Ladentheke ein beispielloser Flop.
Die Kommission bestand hingegen vor dem zweithöchsten EU-Gericht in Luxemburg darauf, der US-Konzern habe sein Quasi-Monopol bei PC-Betriebssystemen zum Schaden von Konkurrenten und Verbrauchern missbraucht.
Es ist ein neuer Höhepunkt im schier endlosen Streit zwischen der EU-Kommission und Microsoft: Vor dem EU-Gericht erster Instanz in Luxemburg wehrt sich der Softwarekonzern gegen fast eine halbe Milliarde Euro Bußgeld, das die Brüsseler Wettbewerbshüter vor 2 Jahren verhängt hatten. Selbst für Microsoft keine kleine Summe.
Doch noch wichtiger für Microsoft dürfte es sein, die damals von der Kommission verhängte Forderung abzuwehren, der Konkurrenz Programmteile eigener Software offen zu legen. Diese Auflage hat Microsoft nach Auffassung der Wettbewerbshüter bislang nicht erfüllt.
Deswegen fordert die Kommission seit Mitte Dezember 2005 ein tägliches Zwangsgeld von 2 Millionen Euro, die Microsoft bislang aber nicht bezahlt. Auch hierüber soll das Gerichtsverfahren Klarheit bringen.
Microsoft: Es gibt doch Wettbewerb
"Die Möglichkeit, Innovationen zu vermarkten, ist wesentlich für den Erfolg von Unternehmen und das Wohlergehen ganzer Staaten", betonte Microsoft-Anwalt Brad Smith zu Beginn der Verhandlung. "Die Fakten werden zeigen, dass es durchaus einen harten Wettbewerb auf dem Softwaremarkt gibt und die Kunden die Möglichkeit haben, zwischen verschiedenen Produkten zu wählen", fügte Smith an.Der Kampf um die Vermarktungspraktiken der Softwareschmiede aus Redmond im US-Bundesstaat Washington hat schon eine ganze Reihe von Wettbewerbskommissaren in Brüssel beschäftigt. So musste sich Karel van Miert ab 1993 mit der Beschwerde des Softwareunternehmens Novell befassen, wonach die Lizenzvergabe von Microsoft die Wettbewerber schädigte. In Zusammenarbeit mit den US-Kollegen erzwang der Kommissar ein Jahr später Änderungen der Verkaufspraxis von Microsoft.
Van Miert war es auch, in dessen Amtszeit der Ursprung des jetzt anhängigen Verfahrens fiel: Ende 1998 forderte der Serverhersteller Sun Microsystems in Brüssel, Microsoft müsse angesichts des Quasi-Monopols von Windows auf dem Markt für PC-Betriebssysteme anderen Software-Anbietern alle Daten offen legen, um die Zusammenarbeit von deren Programmen mit Windows-Servern zu garantieren.
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