Sichere Technik für die (Deutsche) Bahn? – Teil 7 khd
Stand:  3.5.2008   (20. Ed.)  –  File: Bahn/PCR/PC_and_Railways_7.html



I n h a l t :  [1. Teil]   [2. Teil]   [3. Teil]   [4. Teil]   [5. Teil]   [6. Teil]   [7. Teil]  
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K A B E L B R A N D

Vollbesetzter ICE gestoppt

In einem ICE auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt-Köln ist ein Sicherungskasten in Brand geraten. Der Zug wurde in Rheinland-Pfalz angehalten. Fahrgäste aus 6 Waggons mussten evakuiert werden. Verletzt wurde niemand.

Aus:
Spiegel Online – 27. Oktober 2006, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

KOBLENZ (kai/dpa/AP). Ursache des Schwelbrandes sei ein technischer Defekt gewesen, sagte ein Polizeisprecher. In einem Sicherungskasten hatte sich Rauch entwickelt. Der mit rund 400 Reisenden besetzte Zug habe nahe Hümmerich (Kreis Neuwied) gehalten. Die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Zu dem Schmorbrand kam es nach Angaben eines Bahn-Sprechers im hinteren Teil des ICE 508, der von Basel nach Dortmund unterwegs war. Die evakuierten Passagiere hätten die Fahrt im vorderen Zugteil fortgesetzt. Der hintere Teil des Zuges sollte in eine Werkstatt gebracht werden.

Die Bahnstrecke war rund 2 Stunden gesperrt. Etwa 20 Züge hätten über die alte Rheinstrecke umgeleitet werden müssen und seien jeweils rund eine halbe Stunde zu spät gewesen, sagte der Sprecher. Gegen 16.45 Uhr habe ein Gleis wieder befahren werden können, wodurch die Züge nur noch etwa 10 Minuten zu spät waren. Rund 3 Stunden später war die Schnellstrecke wieder voll befahrbar.



Computerfehler stoppt Bahnverkehr Berlin-Hamburg

Aus:
Berliner Morgenpost, 17. November 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (pol). Eine Computerstörung hat gestern Vormittag den Zugverkehr zwischen Berlin und Hamburg für mehr als eine Stunde lahmgelegt. Für die Reisenden von etwa zwei Dutzend Zügen des Fern-, Regional- und Nahverkehrs hatte die Panne Verspätungen zwischen 15 und 75 Minuten zur Folge. "Ursache war eine gegen 10.15 Uhr aufgetretene Rechnerstörung im Stellwerk Wittenberge. In deren Folge sind aus Sicherheitsgründen sämtliche Signale automatisch auf Rot geschaltet worden", teilte Bahn-Sprecher Holger Auferkamp auf Anfrage mit. Eine Gefährdung für Bahnreisende habe nicht bestanden.

Gegen 11.20 Uhr konnte nach dem erneuten Hochfahren des Computersystems der Bahnverkehr wieder freigegeben werden. Der Auslöser für den Absturz des der Rechenanlage sei von den Computerexperten der Bahn noch nicht ermittelt.

Neben den Fernverbindungen zwischen Berlin und Hamburg waren nach Auskünften der Deutschen Bahn auch Regionalexpresszüge von Berlin nach Nauen sowie in Richtung Rostock betroffen. Das betreffende Stellwerk im brandenburgischen Landkreis Prignitz hat einen Einzugsbereich von Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) bis Glöwen.



Z U S A M M E N S T O ß

33 Verletzte bei Zugunglück im Bahnhof Südkreuz

Ein Zug der Berliner S-Bahn ist am Vormittag in der Station auf einen stehenden Wartungswagen aufgefahren. 31 Passagiere wurden leicht und zwei schwer verletzt. Die Polizei hat eine Servicenummer eingerichtet. Bei der S-Bahn kommt es zu Verspätungen.

Aus:
Berliner Morgenpost, 20. November 2006, 16.41 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN (morgenpost.de/sei). Im Berliner Bahnhof Südkreuz hat sich am Vormittag ein Zugunglück ereignet. Ersten Ermittlungen zufolge ist ein Zug der Linie S 25 aus südlicher Richtung in einem gesperrten Bereich auf einen dort stehenden Werkstattzug der Deutschen Bahn aufgefahren. Der Unfall ereignete sich um 10.25 Uhr auf Bahnsteig 2 des Bahnhofs. Warum der Zugführer auf diesem gesperrten Gleis fuhr, sei noch unklar, teilte die Polizei mit. In dem Zug, der aus Richtung Teltow-Stadt nach Hennigsdorf unterwegs war, befanden sich etwa 100 Fahrgäste. Für sie geschah der Unfall völlig unerwartet. Sie konnten sich offenbar nicht rechtzeitig festhalten und wurden teilweise durch die Waggons geschleudert.

      Verunglückte S25 im Bhf. Südkreuz
^   Die verunglückte S25 im Bhf. Südkreuz.   (Foto: 20.11.2006 – mopo)

Bild der Verwüstung im Zug

31 Menschen wurden bei dem Zusammenstoß leicht und zwei schwer verletzt. Ein Polizeisprecher sagte am Unglücksort, ein 25-jähriger und ein 30-jähriger Passagier seien bei dem Aufprall „sehr ernst, aber nicht lebensbedrohlich verletzt worden“. Sie wurden ebenso wie einige Leichtverletzte ins Krankenhaus gebracht. Die meisten erlitten Platzwunden und Prellungen. Ein Feuerwehr- Sprecher sagte: „Wir haben Glück im Unglück gehabt.“ In den S-Bahn- Waggons bot sich ein Bild der Verwüstung. Fast alle Sitze und der Boden waren übersät von Glassplittern. Besonders die Trennscheiben an den Eingängen der Waggons wurden zertrümmert.

Innensenator: Kein Anschlag

Die Polizei und Feuerwehr hatte rund 130 Einsatzkräfte vor Ort. Nach etwa 90 Minuten seien alle verletzten Fahrgäste versorgt oder in Krankenhäuser gebracht worden. Der Unglücksort selbst war weiträumig abgesperrt. Nach Angaben der Feuerwehr konnten die Rettungskräfte schnell eingreifen. Auf dem großen Vorplatz am Bahnhof Südkreuz hätten „günstige Bedingungen eine zügige Rettung und Versorgung erlaubt“, sagte ein Sprecher. Auch 2 Rettungshubschrauber kamen zum Einsatz, hieß es. Vor allem zu der Frage, warum der S-Bahnzug in einen für ihn gesperrten Bereich einfahren konnte, machten Polizei und Feuerwehr noch keine konkreten Angaben. „Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren“, hieß es. Der Zugführer konnte zunächst nicht zu den Einzelheiten des Unfallhergangs gehört werden, er ist verletzt. Es gebe aber keine Hinweise auf einen Anschlag, sagte Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Es deute überhaupt nichts daraufhin, dass es etwas anderes ist als ein Unglück. Körting begab sich nach einer Sitzung des Innenausschusses zum Umglücksort am Bahnhof Südkreuz.

Störungen im S-Bahnverkehr

Der Fern- und Regionalverkehr lief ungestört weiter. Die S-Bahnlinien S 2 und S 25 waren zeitweise unterbrochen und fuhren später längere Zeit unregelmäßig. Ein Schienenersatzverkehr wurde mittlerweile wieder aufgehoben. Die Züge haben bis in den abendlichen Berufsverkehr hinein Verspätung. Den Bahnen stehe am Südkreuz nach wie vor nur ein Gleis zur Verfügung, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert am Nachmittag. Deswegen hätten die Züge durchschnittlich rund 10 Minuten Verspätung. Die Bahn rechnet im Moment bis 18 Uhr mit Verzögerungen auf dieser Strecke.

Die Berliner Polizei hat eine Servicenummer eingerichtet. Unter 030-695799199 können sich Bürger erkundigen, ob Angehörige betroffen sind. Die Rufnummer soll auf jeden Fall bis zum Nachmittag geschaltet bleiben.

Den Bahnhof Südkreuz im Bezirk Tempelhof-Schöneberg passieren täglich rund 1200 Züge. Im S-Bahnverkehr kreuzen sich die Ringbahn und die S-Bahnlinie 25 Richtung Teltow-Stadt. Der Bahnhof auf dem Gelände des früheren S-Bahnhofs Papestraße war in den vergangenen Jahren in mehreren Ebenen zu einer großen Station ausgebaut worden. Auch Fernzüge und ICE-Züge verkehren über diesen Bahnhof. [mehr]



S-Bahn ratlos: Wie kamen zwei Züge auf ein Gleis?

33 Verletzte, als die S 25 am Südkreuz auf Werkstattzug prallte. Techniker prüfen, warum Signale den Unfall nicht verhinderten.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 21. November 2006, Seite ?? (Berlin) von JÖRN HASSELMANN. [Original=2910680.html]

BERLIN (Tsp). Der Unfall durfte eigentlich nicht passieren, technisch sei das ausgeschlossen, das betonten Experten und Sprecher der Bahn gestern immer wieder. Doch um 10 Uhr 25 prallte ein mit über 100 Fahrgästen besetzter Zug auf einen haltenden Prüfzug – in der unteren Ebene des neuen Bahnhofs Südkreuz. Zwei Menschen wurden schwer, mindestens 31 leicht verletzt. Die Feuerwehr löste Großalarm aus, 46 Rettungswagen und Feuerwehrautos mit 130 Sanitätern rasten zu der erst im Mai fertig gestellten Kreuzungsstation, ein Notarzt wurde per Hubschrauber eingeflogen. Innensenator Ehrhart Körting und der neue Feuerwehrchef Wilfried Gräfling kamen zur Unglücksstelle. Der Verkehr auf der Nord-Süd-Bahn wurde eingestellt, ab 12 Uhr 20 fuhren Züge auf dem freien Gleis an der Unfallstelle wieder vorbei. Die Schadenshöhe steht nicht fest. Die Bundespolizei wird jetzt den Fahrtenschreiber auswerten, Signaltechnik prüfen und Zeugen befragen. Möglicherweise schon heute könnte es erste Ergebnisse geben.

Wieso der S-Bahn-Zug auf das eigentlich für ihn gesperrte Gleis gelangte, war gestern nicht zu klären. Das Unglück hätte noch schlimmer ausgehen können. Da aber die S-Bahn am Bahnsteig halten wollte, hatte sie ihr Tempo schon stark gedrosselt. Mit Tempo 20 fuhr sie auf den am Bahnsteig stehenden Prüfzug auf. Außerdem hatte der Fahrer der S-Bahn seinen Fahrgästen noch „Hinlegen“ zugerufen, bevor es Sekunden später krachte.

Der Messzug soll auf dem Gleis am roten Signal gewartet haben. Das 58 Tonnen schwere Fahrzeug wurde durch den Aufprall 20 Meter nach vorne geschleudert. Unklar blieb, wieso der Fahrer der einfahrenden S-Bahn den Prüfzug nicht vorher sah und entsprechend stärker bremste. Das Gleis ist gerade, es herrschte gute Sicht. Möglicherweise hatte der Fahrer bei der Einfahrt mehr auf den Bahnsteig gesehen als auf das Gleis vor ihm. Es ist ein Grundprinzip der Eisenbahn, dass auf einem Gleis nur ein Zug sein darf. Wieso dieses Prinzip gestern nicht galt, blieb unklar. Auf der Strecke ist modernste Signaltechnik eingebaut.

Ein verletzter Fahrgast berichtete: „Ich war zu neugierig, ich bin stehen geblieben, um mehr zu sehen. Dann wurde ich gegen eine Stange geschleudert.“ Die Zahl der Verletzten dürfte höher als offiziell angegeben liegen, da einige Reisende eine Behandlung ablehnten. „Ich muss den Zug nach Leipzig erreichen“, sagte etwa der aus Kanada stammende Mike Lewis eine halbe Stunde nach dem Unfall. Mit Taschentüchern wischte er sich das Blut von einer Kopfplatzwunde. „Der Rücken schmerzt auch“, sagte der Geschäftsmann. Er habe im zweiten Wagen gesessen, als es plötzlich krachte. „Ich bin zu Boden gefallen, überall waren Glasscherben“, sagte der Kanadier. „Dann war es still im Zug.“

In den ersten 3 Waggons wurden sehr viele Trennscheiben zwischen Sitzen und Türbereichen zerstört, als Menschen dagegenstürzten. Durch diese Splitter wurden mehrere Menschen leicht verletzt. Nach Angaben der Bahn habe es sich um ein Sicherheitsglas gehandelt, dass bei Gewalteinwirkung in kleinste Teile zerbrösele; anders als übliche Glasscheiben, bei denen scharfe Splitter entstehen.

Der Triebwagen der privaten Firma „Pethoplan“ sollte im Auftrag der DB die Schienen mit Ultraschall überprüfen, sagte Geschäftsführer Rüdiger Petrusch. Weitere Angaben machte er nicht. Der in den USA hergestellte Zug ist im ganzen Bundesgebiet unterwegs. Die Gleise im Südkreuz sind zwar neu, werden aber alle 6 Monate mit Ultraschall auf Haarrisse und Beschädigungen untersucht. Normalerweise würde nachts geprüft, weil dann weniger Verkehr auf den Gleisen sei, sagte ein Bahnsprecher. Gestern allerdings war der Spezialtriebwagen dort tagsüber auf Messfahrt.

Der S-Bahn-Zug gehört zur neuesten Bauart 481, er ist erst vor wenigen Jahren in Dienst gestellt worden. Der Unglückszug war gestern als S 25 auf dem Weg von Teltow nach Hennigsdorf. An beiden Fahrzeugen wurden die Frontbereiche deformiert, die Puffer sind verbogen.

Der Einsatzleiter der Feuerwehr, Frieder Kircher, sagte, dass man viel Glück gehabt habe. Wenn die S-Bahn auf freier Strecke auf den Messwagen geprallt wäre, hätte es bei deutlich höherer Geschwindigkeit Tote geben können. Zudem sei der Abtransport der Verletzten in einem modernen Bahnhof viel einfacher als auf der Strecke. Auch Feuerwehrchef Gräfling sagte, „der Blutdruck ging schnell wieder runter, als klar war, dass fast alle nur leicht verletzt waren“.

Unfälle mit getöteten Fahrgästen hatte es zuletzt 1945 und 1946 gegeben – verursacht durch kriegsbedingt fehlende Sicherungstechnik. [mehr]



Rätsel um S-Bahn-Unfall

9 Minuten vor dem Unglück am Südkreuz gab es einen weiteren Vorfall mit dem Messzug.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 22. November 2006, Seite ?? (Berlin). [Original=2912793.html]

BERLIN (Ha). Einen Tag nach dem S-Bahn-Unglück im Bahnhof Südkreuz hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Bei dem Auffahrunfall waren Montagvormittag 33 Menschen verletzt worden. Sechs Menschen lagen gestern noch im Krankenhaus, sie erhielten am Nachmittag Besuch von Mitarbeitern der S-Bahn, die sich mit einem Blumenstrauß entschuldigten. Zudem wurde allen Opfern in einem Brief erläutert, welche Ansprüche sie auf Schadensersatz haben. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wünschte den Verletzten gestern eine rasche Genesung.

Die Ursache des Unglücks ist weiterhin nicht geklärt. Bisherigen Ermittlungen zufolge stand der betroffene Gleismesszug ordnungsgemäß vor dem Signal zur Abfahrt in die Kehranlage am späteren Unfallort am Ende des Bahnsteiges. Das Bahnsteiggleis war also für die nachfolgende S-Bahn der Linie 25 gesperrt. Warum diese dennoch einfuhr und mit welcher Geschwindigkeit sie trotz einer Gefahrenbremsung auf den Messzug auffuhr, ist ungeklärt. Wie es hieß, habe der „Fahrer der S-Bahn das Hindernis zu spät erkannt“, die Gefahrenbremsung habe nicht gereicht.

Nach Auskunft von Experten ist die Einfahrt einer S-Bahn in ein mit rotem Signal gesichertes belegtes Gleis nur möglich, wenn der Fahrdienstleiter die ausdrückliche Genehmigung über Funk erteilt. Möglicherweise habe der S-Bahn-Fahrer diese Erlaubnis erhalten und sei dann nicht – wie vorgeschrieben – langsam in den Bahnhof hineingefahren. Vielleicht habe er eine Verspätung aufholen wollen. Ob der Fahrdienstleiter diese Erlaubnis tatsächlich erteilt hatte, dazu nahmen Staatsanwaltschaft und Bahn gestern keine Stellung. Wenn die S­Bahn aber das rote Signal ohne Genehmigung überfahren hätte, wäre sie zwangsgebremst worden – rechtzeitig vor dem Messzug. Nach Angaben eines Justizsprechers habe Nässe auf den Gleisen die Bremsung nicht behindert. Weder der Fahrer noch der Fahrdienstleiter gelten derzeit als Beschuldigte. Klar ist nur, dass den Fahrer des Messzuges einer Privatfirma keine Schuld trifft. Dieser hatte sogar einen Lotsen der S-Bahn an Bord, der die Strecke genau kennt.

Erst auf Anfrage bestätigte die Bahn gestern Informationen des Tagesspiegels, dass es 9 Minuten vor dem Unfall bereits einen anderen Vorfall gegeben hat, an dem dieser Messzug beteiligt war. Um 10.14 Uhr konnte ein Zug der Linie S2 am Bahnhof Schichauweg, der direkt hinter dem Messzug fuhr, nicht rechtzeitig bremsen und rutschte über das Bahnsteigende hinaus. Die Fahrgäste mussten die S-Bahn an der nächsten Station verlassen, sie wurde zur Prüfung in die Werkstatt gefahren. In Schichauweg seien die Gleise glatt gewesen, hieß es. Die Bahn bestätigte, dass der Prüfzug bei der Messung eine Flüssigkeit auf die Schienen sprüht.

Klarheit erhofft sich die Bahn durch die Auswertung der im Stellwerk und in der S-Bahn gespeicherten Daten. Diese werden derzeit vom Eisenbahnbundesamt und der Bundespolizei ausgewertet. Der Fahrer wurde gestern aus der Klinik entlassen, er wurde aber noch nicht befragt.

Der Experte Manuel Jacob, der zum Sicherungssystem der S-Bahn ein Buch verfasst hat, sagte gestern: „Ich habe absolut keine Erklärung.“ Bei vorangegangen Unfällen sei jedoch meist der Mensch das schwächste Glied gewesen, nicht die Technik. [mehr]



G E I S T E R Z U G

Todessturz eines Lokführers gibt der Kripo Rätsel auf

Ein aus Budapest kommender Eurocity ist in der Nacht zum Freitag [1.6.2007] im Stadtteil Lichterfelde automatisch gebremst worden. Der Lokführer war aus dem Triebfahrzeug gefallen. Die Polizei entdeckte den 41-jährigen Brandenburger etwa einen Kilometer von dem Zug entfernt tot neben den Gleisen. Ob es sich um einen Unfall oder Selbstmord handelt, ist unklar.

Aus:
Die Welt, Berlin, 1. Juni 2006, 10.55 Uhr MESZ (Berlin) von A. LIER, S. PLETL und H. NIBBRIG. [Original]

BERLIN (welt.de). Als der Eurocity 170 von Budapest Keleti nach Berlin-Gesundbrunnen am Donnerstagabend [31.5.2007] nach elfstündiger Fahrt die Stadtgrenze passierte, ahnten die 85 Fahrgäste noch nichts von der Tragödie, die sich soeben in der Lokomotive abspielte. Unmittelbar vor dem S-Bahnhof Lichterfelde-Süd wurde der 120 Stundenkilometer schnelle Zug abrupt gebremst und kam kurz darauf zum Stillstand.

Zu dem Zeitpunkt – gegen 22.30 Uhr – war der Eurocity führerlos. Die Zwangsbremsung löste das elektronische Sicherheitssystem aus. Denn der Lokführer war 200 Meter vor dem Bahnhof aus dem Zug gestürzt. Bundespolizisten fanden seine Leiche 2 Stunden später in einem Graben neben den Schienen. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

      Unfallorts in Lichterfelde-Süd
^   Skizze des Unfallorts an der Anhalter Bahn in Lichterfelde-Süd. Dank der funktionierenden Sicherheitstechnik (SiFa) der E-Lok der Bau- reihe 101 kam kein Reisender zu Schaden. [Fotos vom Bau dieser Strecke]   (Grafik: 2.6.2007 – mopo)
Die zuständige Bundespolizei war zunächst lediglich über die Notbremsung eines Zuges informiert worden. Erst als die Beamten den stehenden Zug untersuchten, bemerkten sie das Fehlen des Lokführers.

Das Motiv ist unklar

Die Ursachen für den tödlichen Sturz ermittelt jetzt die Kriminalpolizei. Denkbar ist derzeit sowohl ein Unfall als auch ein Suizid. „Ganz gleich, ob der Mann aus der Lok gesprungen oder gefallen ist, in jedem Fall haben wir es mit einem schrecklichen Vorfall zu tun“, sagte ein Kriminalbeamter. Ermittelt werde auch im familiären Umfeld des Getöteten, ergänzte gestern Nachmittag ein Polizeisprecher. Eine Straftat und Fremdverschulden schlossen die Beamten gestern aus.

Nach Informationen dieser Zeitung gilt ein Suizid inzwischen als wahrscheinlichere Ursache für den tödlichen Sturz des 41-Jährigen. Ein Motiv des verheirateten Familienvaters ist derzeit allerdings nicht erkennbar. Berichte sowohl über eheliche als auch über finanzielle Probleme bezeichnete ein Ermittler gestern als Spekulationen.

Über D., der mit Ehefrau Astrid und Tochter Michelle (11) in einem Einfamilienhaus in einer vor allem von Eisenbahnern bewohnten Siedlung in Erkner lebte, sagte Bahnsprecher Holger Auferkamp gestern lediglich, dass dieser seit 20 Jahren für das Unternehmen tätig gewesen sei.

"Ich habe so etwas noch nicht erlebt“, kommentierte Auferkamp gestern den Vorfall. Der Bahnsprecher betonte zudem, die Passagiere des Eurocity seien nicht in Gefahr gewesen, da die Sicherheitsvorkehrungen funktioniert hätten. Zu diesen Vorkehrungen gehört auch Sicherheitsfahrschaltung (SiFa), über die alle Lokomotiven verfügen. Sie bringt einen Zug per Zwangsbremsung zum Stehen, wenn der Lokführer während der Fahrt handlungsunfähig wird.

Bei ihrer Ursachenforschung stießen die Ermittler am Freitag auf ein interessantes Detail. Die relativ kurze Entfernung zwischen dem Fundort der Leiche und der Stelle, an der der Zug zum stehen kam, lässt ihrer Ansicht nach darauf schließen, dass der Lokführer unmittelbar vor Ablauf der 30-Sekunden-Frist aus dem Zug gestürzt ist. Ein Ermittler vermutet: „Sollte der Mann tatsächlich gesprungen sein, wollte er möglicherweise sicher sein, dass die Zwangsbremsung so schnell wie möglich erfolgt, um jedes Risiko für Zug und Passagiere so weit wie möglich auszuschließen.“ [mehr]

So funktioniert die Sicherheitsfahrschaltung

Die Sicherheitsfahrschaltung (SiFa) ist eines der wichtigsten Instrumente zur elektronischen Sicherung des Zugverkehrs. Die SiFa, auch Totmannbremse genannt, ist in allen Lokomotiven und Triebfahrzeugen eingebaut. Auch S-Bahnzüge verfügen über eine solche Vorkehrung.

Damit das System funktioniert, müssen Lokführer alle 30 Sekunden eine Drucktaste betätigen. Passiert das nicht, erhält der Lokführer zunächst ein optisches, dann ein akustisches Warnsignal. Wird die Drucktaste dann immer noch nicht betätigt, kommt es automatisch zur Zwangsbremsung. [Fotos vom Bau dieser Bahntrecke in Lichterfelde-Süd]



Fragezeichen bleibt

Aus: DDP-Meldung, 8. Juni 2007, 12.32 Uhr MESZ (Berlin). [
Original]

BERLIN (ddp-bln). Die Polizei geht nach dem tödlichen Sturz eines Lokführers aus dem Triebwagen eines Zuges in der vergangenen Woche in Berlin von einem Suizid aus. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der 41-Jährige mit hoher Wahrscheinlichkeit in Suizidabsicht gehandelt habe, sagte ein Polizeisprecher am Freitag [8.6.2007]. Darauf deuteten die gesicherten Spuren sowie die Ermittlungen im persönlichen Umfeld des Mannes hin.

Letztlich werde aber immer "ein Fragezeichen" bleiben, da es keinen Abschiedsbrief oder ein entsprechendes Telefonat gebe, führte der Sprecher an. Eindeutige Spuren fehlten ebenfalls. Ein Fremdverschulden schließt die Polizei aus. Für sehr unwahrscheinlich halten es die Beamten auch, dass der Lokführer beim Urinieren aus der Tür des Triebwagens fiel.

Der Mann aus dem brandenburgischen Erkner war am späten Donnerstagabend vergangener Woche in der Nähe des Berliner S-Bahnhofs Lichterfelde-Süd bei Tempo 120 aus dem Zug gestürzt und dabei getötet worden. Der Eurocity 170 von Budapest nach Berlin kam daraufhin durch eine automatisch eingeleitete Notbremsung zum Stehen. Die etwa 85 Passagiere blieben unverletzt.



Südkreuz: Eine vorsorgliche Maßnahme

Aus: DDP-Meldung, 13. Juni 2007, 19.00 Uhr MESZ (Berlin). [
Original]

BERLIN (ddp-bln). Der schwere S-Bahn-Auffahrunfall am Südkreuz im November 2006 hat jetzt erneut zu Konsequenzen geführt. Die S-Bahn-Züge müssten langsamer in die Bahnhöfe einfahren, berichtet die Berliner Zeitung [14.6.2007]. "Eine vorsorgliche Maßnahme", sagte ein Sprecher des Unternehmens dazu. Zeigt ein Vorsignal dem Fahrpersonal an, dass es die S-Bahn vor dem darauf folgenden Signal anhalten muss, ist die Geschwindigkeit nun stärker als bisher zu drosseln, heißt es weiter in dem Bericht.

Schneller als mit Tempo 80 dürften solche Vorsignale im gesamten S-Bahn-Netz nicht mehr passiert werden. Der Bremsvorgang im Vorfeld von roten Lichtsignalen solle also früher beginnen, damit auf jeden Fall sichergestellt ist, dass der Zug rechtzeitig zum Stehen kommt. Die Weisung an die Triebfahrzeugführer gilt für die Fahrzeuge der neuesten Baureihe 481, von denen ein Zug in den Unfall am Südkreuz verwickelt und auf einen Gleismesstriebwagen aufgefahren war.

Bisher war südlich dieses Bahnhofs, wo die Unglücks-S-Bahn unterwegs war, Tempo 100 erlaubt, wie die Zeitung weiter berichtet. Auch auf Teilen des Rings und von Außenstrecken wie der S 25 sei diese Geschwindigkeit unmittelbar vor Stationen nun nicht mehr zulässig. Dadurch verlängern sich die Fahrzeiten leicht. "Die Fahrgäste merken davon nichts", sagte der neue S-Bahn-Geschäftsführer, Tobias Heinemann, dem Blatt.



D E U T S C H E   B A H N

Kabeldiebe legen Zugverbindung Hamburg-Berlin lahm

Die Übeltäter kamen am helllichten Tag, stahlen Kabel in einem Stellwerk der Bahn – und legten damit den Zugverkehr auf der wichtigen Verbindung Hamburg — Berlin lahm. Noch bis zum Abend müssen Reisende mit Verspätungen rechnen.

Aus:
Spiegel Online – 21. August 2007, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original=0,1518,501096,00.html]

BERLIN (mik/ddp). Nichts geht mehr auf der betroffenen Strecke: Nach Angaben der Bahn wird der Zugverkehr von und nach Hamburg umgeleitet. Es kommt zu Verspätungen von etwa 30 Minuten, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Unbekannte Täter hatten gestern Nachmittag Kabel im Bereich des Stellwerks Nauen gekappt.

Die Bundespolizei verzeichnete im vergangenen Jahr eine deutliche Zunahme von Diebstählen von Kabel und Metall auf Bahnstrecken. Vor allem Oberleitungs- und Erdungskabel wurden entfernt, aber auch Gleise stillgelegter Bahnstrecken werden demontiert, wie ein Sprecher erläuterte. Allein in Berlin-Brandenburg und Sachsen sei die Zahl der Diebstähle im ersten Halbjahr 2007 mit 550 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Im Ruhrgebiet ließ im August 2006 ein Mitarbeiter eigenmächtig 660 Meter Schienen auf dem Bahnhof Oberhausen in Fünf-Meter-Stücke zerlegen und verkaufte sie anschließend an einen Schrotthändler zum Preis von 7000 Euro. Der Schaden für die Bahn war jedoch wesentlich höher.

Der Grund für den rasanten Anstieg der Metalldiebstähle: Speziell die Nachfrage aus China und Indien. Alu und Schrott sind längst zu Wertstoffen im wahrsten Sinne mutiert. Das gilt erst recht für Kupfer, das auch hierzulande in den Boombranchen Autoindustrie, der Energietechnik oder beim Wohnungsbau heiß begehrt ist. "Wenn man Energie übertragen will, gibt es nichts besseres als Kupfer", sagt Ladji Tikana vom Deutschen Kupferinstitut in Düsseldorf. "Vor 4 Jahren kostete ein Kilo Kupfer noch 2 Euro, heute sind es mehr als 7 Euro", erklärt der Rohstoff-Experte.

Zahl der Diebstähle steigt rasant an

Die Reihe der Diebstahlsmeldungen lässt sich inzwischen beinahe beliebig fortsetzen: In Berlin drohte im Frühjahr vergangenen Jahres ein Wohnhaus in die Luft zu fliegen, weil Diebe die Kupfer-Gasrohre aus den Wänden gerissen hatten. Als ein Nachbar den Diebstahl in der leerstehenden Wohnung bemerkte, flüchteten die Täter. Vorsichtshalber evakuierte die Feuerwehr das Haus.

In Düsseldorf brach wenige Wochen später der Bahnverkehr zusammen, weil Diebe Signalkabel gekappt hatten. Die Folge: Weichen und Signale funktionierten nicht mehr, Zehntausende Reisende steckten in den Zügen fest.

Auch der Rohstoffhandel wird von den Diebesbanden heimgesucht: In Chemnitz stahlen Diebe in der Nacht zu Montag aus einer Lagerhalle Kabelrollen im Wert von 50.000 Euro. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um 7 etwa 1,80 Meter große Rollen mit verschiedenen Kabeln. Von den Einbrechern fehlt bisher jede Spur.

Für die Deutsche Bahn wird der Rohstoffklau zunehmend zum Problem: Allein im Jahr 2005 verbuchte das Unternehmen einen Schaden von mindestens 20 Millionen Euro, Kosten für Reparaturen und Verspätungen noch gar nicht eingerechnet. Die Zahl der Raubzüge von Metalldieben ist seitdem noch weiter gestiegen.



S-Bahn geht gegen Sicherheitsmängel im Nord-Süd-Tunnel vor

[Ed: hm, hatte diese Bahn nicht erzählt, daß das alles bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fertig sein sollte...]

Aus: DPA-Meldung, 19. November 2007, 8.06 Uhr MEZ (Berlin). [Original=xxx]

BERLIN (dpa/bb). Mit einem Aufwand in Höhe von "mehreren Millionen Euro" will die S-Bahn Berlin GmbH nach Informationen der Berliner Morgenpost [19.11.2007] Sicherheitsmängel auf Bahnhöfen im Nord-Süd-Tunnel beseitigen. Die Brandschutztechnik sei auf 5 Bahnhöfen dort nicht auf dem von der Bahn gewünschten Standard.

Eine Gefahr für Fahrgäste bestehe aber nicht. Auch der am 10. August 2004 von einem Brand betroffene Anhalter Bahnhof müsse nachgerüstet werden. Dort waren 2,5 Millionen Euro für die Sanierung investiert worden. Brandmelder, Lautsprecheranlagen, Beleuchtung und Elektrotechnik werden für mehr als 400.000 Euro modernisiert.



Störungen auf fast allen S-Bahn-Linien

Ausfälle durch technische Pannen und Fahrermangel

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 28. November 2007, Seite 15 (Berlin). [Original=;art128,2428332]

BERLIN (Tsp/obs). Bei der S-Bahn häufen sich die Pannen. Nachdem am frühen Dienstagmorgen [27.11.2007] der Zentralrechner im Stellwerk Halensee abgestürzt war [Ed: hm, haben die denn noch immer kein ausfallsicheres Doppel-Computer-System installiert...], fielen Dutzende Züge ganz oder auf Teilstrecken aus. Besonders betroffen waren nach Auskunft eines Sprechers die Linien S 1, S 2 und S 46, die erst nach 4 Stunden wieder halbwegs planmäßig fuhren.

Zu dieser Zeit war wegen einer technischen Störung am Ostbahnhof auch auf der stark frequentierten Stadtbahn Chaos ausgebrochen: Viele Züge aus Wartenberg, Strausberg und Ahrensfelde kamen selbst im Berufsverkehr nur noch bis Lichtenberg, die S 9 von Schönefeld endete schon am Treptower Park und fuhr außerdem nur zwischen Zoo und Spandau. Selbst am Nachmittag war der Fehler noch nicht behoben.

Ähnliche Probleme hatte es schon am Montag [26.11.2007] gegeben, als erst eine Signalstörung und dann ein Weichenschaden den Verkehr im Südosten teilweise lahmgelegt hatten. Dazu gab es oft nur spärliche Informationen für die Wartenden.

Beinahe schon normal geworden ist der Ausfall der S 85 zwischen Schöneweide und Waidmannslust. Offiziell heißt es, diese Linie werde bei Störungen immer zuerst gestoppt, weil die Passagiere relativ leicht auf andere ausweichen könnten. Insider berichten jedoch, dass die S-Bahn nicht mehr genug Fahrer hat.

Während im Frühsommer massenhafte Krankmeldungen von Fahrern nach der Umstellung des Dienstplansystems Probleme machten, sollen inzwischen so viele Mitarbeiter wegrationalisiert worden sein, dass schon ein normaler Krankenstand die Personaldecke reißen lässt. "Kein Kommentar", hieß es dazu gestern.

Auch sonst gibt sich die S-Bahn derzeit verschlossen. Ebenfalls keine Antwort gab es auf die Frage, ob die S-Bahn regelmäßig kürzere Züge fahren lasse als vom Land bestellt, also beispielsweise mit 6 statt 8 Wagen unterwegs sei. "Ich frage mich, ob der Senat als Finanzier das überhaupt mitbekommt", sagte jemand, der die entsprechenden Listen kennt.



I C E - U N G L Ü C K   B E I   F U L D A

ICE rast bei Fulda in Schafherde und entgleist

Aus: AFP-Meldung, 27. April 2008, 12.56 Uhr MESZ (Inland). [
Original]

      Triebkopf des verunglückten ICE
^   Triebkopf des im Landrücken-Tunnel südlich von Fulda verunglückten ICE.   (Foto: 27.4.2008 – yahoo)
KOBLENZ (AFP). Ein ICE von Hamburg nach München ist in einem Bahntunnel nahe Fulda in eine Schafherde gerast und entgleist. Wie die Polizei mitteilte, wurden von den 170 Reisenden 23 Menschen verletzt. Der ICE 885 sei am Samstag [26.4.2008] gegen 21.00 Uhr im Landrücken-Tunnel südlich von Fulda entgleist, als dieser in eine Herde von rund 20 Schafen raste, die offenbar in den Tunnel eingedrungen waren. Durch die Streckensperrung soll es laut Bahn auch heute zu erheblichen Beeinträchtigungen im Nah- und Fernverkehr kommen.

Laut Polizei erlitten 20 Passagiere leichte Verletzungen und wurden noch vor Ort ambulant behandelt, 3 weitere kamen mit mittelschweren Verletzungen in umliegende Krankenhäuser. Die Bahn hatte zuvor angegeben, es sei niemand verletzt worden. Die Passagiere des Zuges seien vom Personal aus dem Tunnel geleitet und mit Bussen nach Fulda gefahren worden, sagte ein DB-Sprecher.

Der Zug aus 12 Waggons entgleiste bis auf 2 Wagen und kam nach etwa 1 Kilometer im Tunnel zum Stehen. Im Landrücken-Tunnel [Ed: mit 10.780 Meter Länge der längste deutsche Eisenbahntunnel] erreichen Züge Geschwindigkeiten von 250 Kilometern. Die Schafe sind nach Angaben der Polizei alle tot. Der Halter der Tiere wurde mittlerweile ermittelt. [mehr]



I C E - U N G L Ü C K   B E I   F U L D A

Polizei prüft Weichenstellung

Nach dem ICE-Unglück auf der Stammstrecke bei Fulda will die Polizei den genauen Unfallhergang prüfen. Eine Schafherde soll die Gleise blockiert haben. Zudem könnte aber auch die Stellung der Weichen eine Rolle gespielt haben. Bei dem Unfall wurden mindestens 23 Personen verletzt.

Aus:
Spiegel Online (?) – 27. April 2008, 13.04 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert).

      Der verunglückten ICE im Tunnel
^   Der im Landrücken-Tunnel südlich von Fulda entgleiste ICE-Zug.   (Foto: 27.4.2008 – yahoo)
KOBLENZ/FULDA (dpa/rtr). Der ICE 885 war auf dem Weg von Hamburg nach München. Der Zug mit 12 Waggons und 2 Triebköpfen entgleiste den Angaben der Polizei Koblenz zufolge bis auf 2 Waggons und kam nach etwa 1 Kilometer in dem Landrückentunnel bei Fulda zum Stehen. Unter den Verletzten waren 3 mittelschwer verletzt, weitere 20 leicht. Alle Reisenden seien evakuiert und mit Bussen zunächst in ein örtliches Bürgerhaus gebracht worden.

Bei dem Zusammenstoß wurden nach Angaben der Behörden zudem etwa 20 Schafe getötet. Der Halter der Tiere sei inzwischen ermittelt worden. Die zuständigen Behörden hätten die Ermittlungen aufgenommen. Außerdem prüft die Bundespolizei Koblenz, ob auch die Stellung der Weichen eine Rolle gespielt hat, sagte der Sprecher der Bundespolizei Koblenz, Reza Ahmare [Ed: und es verwundert sehr, daß es in einem Hochgeschwindigkeitstunnel überhaupt Weichen geben soll].

In dem Tunnel werden Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern erreicht. Er ist nach Angaben der örtlichen Feuerwehr knapp 11 Kilometer lang und damit der längste Eisenbahn-Tunnel Deutschlands. Das Polizeipräsidium Osthessen erklärte, nach ersten Erkenntnissen habe die Schafherde bei der Einfahrt des Zuges in das nördliche Tunnelportal auf den Gleisen gestanden.

"Ich bin froh, dass ich lebe"

Eine Augenzeugin berichtete, der Zug habe stark geruckelt, als er über die Schafe fuhr. Danach sei der Wagen, in dem sie saß, aus dem Gleis gesprungen, einige hundert Meter neben den Schienen weitergefahren und schließlich halb gekippt zum Stehen gekommen. Die Fahrgäste hätten den Zug durch die Türen verlassen und seien entgegen der Fahrtrichtung auf dem Rettungssteig aus dem Tunnel gelaufen.

"In der Röhre war ein unglaublicher Qualm und Staub, ich dachte ich ersticke", sagte die 47-Jährige. "Ich bin noch immer grau von Kopf bis Fuß wie am 11. September in New York." Etwa 50 Meter habe die Münchnerin die Schafe gesehen. "Erst sah man nur eine Fleischmasse, später erkannte ich tote Schafe, halbtote Schafe, ein paar haben auch noch gelebt und mich angesehen." Obwohl ihr nicht passiert ist, sitzt bei der Frau der Schreck noch tief in den Knochen: "Ich bin froh, dass ich lebe".

Der Landrückentunnel wurde nach dem Unfall in beide Richtungen gesperrt. Die Züge des Fernverkehrs wurden auf Ausweichstrecken umgeleitet, wodurch es zu Verspätungen von maximal 30 Minuten kam, wie ein Bahnsprecher berichtete. Nahverkehrszüge fahren nicht auf dieser Strecke. Die Aufräumarbeiten im Tunnel gestalten sich schwierig.

Voraussichtlich wird die Schnellstrecke noch einige Tage gesperrt bleiben. Die Züge auf dem stark befahrenen Abschnitt würden umgeleitet und hätten deswegen etwa eine halbe Stunde Verspätung, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Es sei mit erheblichen Beeinträchtigungen im Nah- und Fernverkehr zu rechnen. Die Bergungsarbeiten dauerten an. Die Bundespolizei in Koblenz erklärte, Tunnel, Gleise und ICE seien stark beschädigt. Der Schaden werde vermutlich in Millionenhöhe liegen. [mehr]



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ICE-Unglück von Fulda war möglicherweise zu verhindern

Aus: DPA-Meldung, 28. April 2008, 20.16 Uhr MESZ (Panorama). [
Original]

FULDA (dpa). Der Zusammenstoß eines ICE mit einer Schafherde in einem Eisenbahntunnel bei Fulda ist möglicherweise vermeidbar gewesen. Bundespolizei und Deutsche Bahn bestätigten Medienberichte, wonach einige Minuten vor dem Unfall ein anderer ICE in Gegenrichtung bereits ein Schaf überfahren und der Zugführer am Ende des Tunnels gestoppt hatte. Diese Information sei auch in die Betriebszentrale in Frankfurt gelangt. Warum daraufhin das Gegengleis für den Unglückszug offenbar nicht wie vorgeschrieben gesperrt wurde, ist noch unklar. [mehr]



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Unglücks-ICE vollständig geborgen

Bahn frei für die Reparaturarbeiten am Landrückentunnel: Sechs Tage nach dem Zugunglück auf der ICE-Strecke bei Fulda ist der Zug komplett aus dem Tunnel gezogen worden. Wann auf der Strecke wieder Züge fahren können, ist unklar.

Aus:
Spiegel Online – 2. Mai 2008, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

FULDA (reh/dpa/ddp). Sechs Tage nach dem Zugunglück auf der ICE-Strecke sind alle entgleisten Zugteile im Landrückentunnel geborgen worden. Die 2 Triebköpfe und 12 Waggons seien bis Freitagnachmittag aus dem 11 Kilometer langen Tunnel gezogen worden, sagte eine Bahnsprecherin. Die planmäßige Schnellstrecke der Verbindung Hamburg — München bleibe aber noch mindestens bis Anfang nächster Woche gesperrt. Bis dahin bleibe der Ersatzfahrplan auf der langsameren Ausweichstrecke bestehen.

Vor den Instandsetzungsarbeiten an Gleisbett, Oberleitung und Tunnelwänden sei nun eine detaillierte Schadensaufnahme notwendig. Nach ersten Einschätzungen müssten Teile der Gleisanlage komplett ausgetauscht werden.

Bei der Kollision eines ICE mit einer Schafherde waren am Samstagabend 19 Menschen verletzt worden. Am ICE und der Infrastruktur des Tunnels entstand ein Schaden in Millionenhöhe.



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