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H E U S C H R E C K E B A H N A T W O R KNicht nur neue Köpfe
Management-Fehler bei der S-Bahn
Die folgenden vermeidbaren Fehler haben 2009 in Berlin zum S-Bahn-Chaos geführt und sind Anlaß zur massiven Wut auf diese Bahn.
Stand: 1.7.2009 Last Update: 25.7.2009 (khd).• Das Bahn-Privatisierungs-Gebot der Bundesregierung. 9) • Keine zuverlässigen Züge eingekauft. • Zu wenig Züge eingekauft. • Unfähiges Führunspersonal eingestellt. • Fähiger Manager durch ahnungslosen Juristen ersetzt. 1) • Anordnungen des EBA ignoriert. 8) • Defekte Züge auf Fahrt geschickt. 10) • Fahrfähige Züge der Baureihe 477 wurden verschrottet. 6) • 4 Werkstätten geschlossen. 2) • Wartungspersonal entlassen. 3) • Bahnhofs-Aufsichten eingespart. 4) • Fahrkartenschalter abgeschafft. 7) • Gewinne müssen in Verbesserungen investiert werden. • Vergessen, daß Berlin eine leistungsfähige S-Bahn braucht. • Ständiger ‚Dummschwatz‘ durch Pressesprecher. 5) 1) G. Ruppert mußte 2007 gehen, ein Tobias Heinemann kam, und...
2) Insgesamt gab es 7 S-Bahn-Werkstätten.
3) Sehr viele Spezialisten wurden schlichtweg vergrault.
4) Obwohl die Berliner das nie und nimmer wollten.
5) Beispiel: Im Winter ist’s kalt, deshalb...
6) Ein regelrechter Schildbürgerstreich!
7) Stattdessen viel zu komplizierte Automaten installiert.
8) Ignoranz schon vom Kölner ICE-Unfall bekannt.
9) Und der sie tragenden Parteien CDU/CSU + SPD.
10) Bericht der Berliner Morgenpost vom 25.7.2009.
Die Räder rollen nicht aber die Köpfe. Doch auch der komplette Austausch der Führungsriege bei der S-Bahn, die in den vergangenen Tagen erneut ins Chaos gefahren ist, wird die Probleme des Unternehmens und damit auch die der Fahrgäste nicht lösen. Um die S-Bahn wieder leistungsfähig zu machen, müssen die Weichen woanders gestellt werden. Im Konzern.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 3. Juli 2009, Seite 1 (Leitartikel) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]BERLIN (Tsp). Der neue Bahnchef Rüdiger Grube muss sich auch im aktuellen Fall aus dem Schatten seines Vorgängers Hartmut Mehdorn lösen. Doch bisher schweigt Grube eisern zu den Problemen vor seiner Haustür.
Dass das Management der S-Bahn nun gehen muss, ist richtig. Die Geschäftsführer haben es zu verantworten, dass dem aufsichtsführenden Eisenbahn- Bundesamt in heiklen Sicherheitsfragen mehrfach falsche Angaben gemacht worden waren. Dass nach einer beispiellosen Sparorgie mit geschlossenen Werkstätten und vertriebenen Mitarbeitern die Kapazitäten nicht mehr reichen, um die Fahrzeuge so zu kontrollieren, wie es für die Sicherheit der Fahrgäste erforderlich ist, muss gerade an der Spitze des Unternehmens klar sein, selbst wenn dort keine Eisenbahnfachleute sitzen.
Den letzten "Eisenbahner" [Ed: Günter Ruppert] in der Führung der S-Bahn hatte das Unternehmen 2007 in den Ruhestand geschickt vorzeitig und gegen dessen Willen. Er hatte sich zu sehr den Sparvorgaben widersetzt, weil für ihn der funktionierende Betrieb im Mittelpunkt stand [Ed: und nicht der Schwachsinn eines Ausverkaufs an der Börse].
Unternehmensziel war nun, größtmöglichen Profit zu machen [Ed: wobei die Mehdornsche Vorgabe 16 % gewesen sein soll]. Nicht die Fahrgäste und auch nicht die eigenen Mitarbeiter standen im Vordergrund, sondern der Gewinn, den der Mutterkonzern von der S-Bahn Jahr für Jahr forderte. Insgesamt flossen wohl über 100 Millionen Euro pro Jahr von der S-Bahn zum Bereich Stadtverkehr der Bahn AG und ließen dort die sonst wesentlich düstere Bilanz glänzen.
Die Geschäftsführung der S-Bahn führte dabei nur aus, was der Konzern verlangt hat. Ändern sich die Vorgaben nicht, ändert sich auch mit einer neuen Geschäftsführung im Betrieb nicht viel.
Bedenklich ist, dass der Chef der Abteilung Stadtverkehr, der für das finanzielle Auspressen der S-Bahn [Ed: im Stile von Heuschrecken] an vorderster Stelle mitverantwortlich ist, gleichzeitig der Aufsichtsratsvorsitzende der S-Bahn ist und damit seine eigenen Vorgaben kontrolliert. Ein Aufsichtsrat, der seine Pflichten wahrnimmt und den Betrieb bremsen kann, wenn er die Sicherheit der Fahrgäste gefährdet, braucht unabhängige Mitglieder. Doch externe Fachleute, wie sie früher in dem Gremium saßen, sind dort inzwischen unerwünscht. Die Aufsicht führen nur noch Abgesandte aus dem Bahn-Konzern. Absurd!
Das gegenwärtige Desaster und die zahlreichen Pannen der Vergangenheit müssen auch dem neuen Bahn-Chef zeigen, dass die Fahrt so nicht weitergehen kann. Ziel muss sein, aus der S-Bahn wieder ein verlässliches Verkehrsmittel zu machen, das von Fahrgästen gern genutzt wird. Und hinter dem auch seine Mitarbeiter stehen. Durch den Sparkurs sind sie verunsichert worden; ihre Warnungen vor dem Schließen von Werkstätten und dem Verschrotten von fahrfähigen Wagen wurden beiseite geschoben. Auch die Mitarbeiter warten jetzt auf ein Zeichen, dass die Fahrt wieder in die richtige Richtung geht. Das Personalkarussell allein reicht nicht.
Bei der Sicherheit hat das Eisenbahn- Bundesamt bereits eingegriffen. Bei der Leistung ist jetzt der Bahnvorstand gefordert. Damit wieder Räder rollen und nicht nur Köpfe. [mehr] [Leser-Kommentare dazu]
B E R L I N E R S - B A H N - K R I S EDas strenge Sparregime
Wie die S-Bahn in den Schlamassel geriet / Bei der S-Bahn Berlin müssen die Geschäftsführer gehen / Ursachensuche bleibt aus.
Aus: Neues Deutschland, Berlin, 3. Juli 2009, Seite ?? (Inland). [Original]BERLIN (ND). Bei der Deutschen Bahn wird seit Jahren Sicherheit erheblich kleiner geschrieben als das Sparen für den Konzerngewinn im Vorfeld des gewünschten Börsengangs.
Dass in der Führung des 1995 von der Deutschen Bahn (DB) ausgegründeten S-Bahn Berlin GmbH etwas nicht stimmt, zeichnete sich schon länger ab. Und zwar spätestens seit der damalige Geschäftsführer Günter Ruppert, ein exzellenter Eisenbahnfachmann, 2007 das Unternehmen verließ. Er soll den von Bahnchef Hartmut Mehdorn verordneten scharfen Sparkurs nicht mitgetragen haben.
Für diesen setzten sich der Nachfolger Tobias Heinemann und noch verbissener der für die Produktion zuständige Geschäftsführer Ulrich Thon ein. Beide hatten von der Konzernleitung den Auftrag bekommen, bei der Berliner S-Bahn ein strenges Sparsamkeitsregime durchzusetzen. Sie wussten auch wie. "Vorbilder" waren die vom Personal befreiten Bahnen in Hamburg und im Ruhrgebiet. Folglich verschwand die Aufsicht auf fast allen Bahnhöfen, schlossen die Fahrkartenschalter und wurden Dienstpläne eng gestrickt.
Vernachlässigte Instandhaltung
Dass auch die Instandhaltung der Fahrzeuge vernachlässigt wurde, bestritt man vehement. Aber es war offensichtlich so. Sonst hätte man nicht die Werkstatt in Friedrichsfelde schließen und die Stilllegung der Hauptwerkstatt in Schöneweide erwägen und auch hier am Personal sparen können. Dass dies ins Auge ging, bekamen die Fahrgäste schon im Winter zu spüren, als sich die Verspätungen häuften, Züge ausfielen, sich Türen nicht öffnen ließen. Es hieß freilich, die Kälte sei Schuld. Doch Stammkunden erinnern sich, dass die S-Bahn in der DDR ungeachtet vieler Widrigkeiten zuverlässig fuhr. Daraus erwuchsen auch der Stolz der S-Bahner und ihre hohe Einssatzbereitschaft.Beides setzten die neuen Führungskräfte aufs Spiel. Geheuchelt wurde stets mit dem Spruch: "Die Sicherheit hat oberste Priorität." Auch nach der Entgleisung eines S-Bahn-Fahrzeugs infolge des Bruchs einer Radscheibe am 1. Mai in Kaulsdorf erklärte Heinemann: "Alle vorgeschriebenen Untersuchungen werden exakt eingehalten und dokumentiert."
Wagenmangel durch Abbau von Reserven
Das Eisenbahn-Bundesamt als staatliches Aufsichtsorgan ordnete indes vorsorglich Kontrollen in kürzeren Intervallen an und verbot den Einsatz von Fahrzeugen, die je nach Einbaustelle der Achsen mehr als 1,2 Millionen bzw. 1,45 Millionen Kilometer gefahren sind. Das verschlimmerte den bereits durch Abbau der Reserven organisierten Wagenmangel noch. Dass nicht die Sicherheit, sondern das Sparen zugunsten des Konzerngewinns den höheren Rang hatte, konnte das Eisenbahn-Bundesamt am 29. Juni erkennen. Die Fahrzeuge fuhren, obwohl sie die begrenzte Laufweite erreicht hatten. Die Behörde setzte ein Stoppzeichen seither geht es auf den Bahnsteigen chaotisch zu.In der Politik standen daraufhin personelle Konsequenzen zur Diskussion. Ähnlich bei der Bahngewerkschaft Transnet, die forderte: "In das Unternehmen muss endlich wieder Ruhe einkehren." Wie die S-Bahn wieder ein sicheres und zuverlässiges Nahverkehrsmittel der Hauptstadt werden kann, darüber verlor aber auch die Gewerkschaft bislang kein Wort. Man darf besorgt sein: Der neue Bahnchef Rüdiger Grube verlangt in seinem Sparprogramm, das den unverständlichen Titel "reACT09" trägt, unter Ziffer 8 "Zukunftsfähigkeit Regio" eine abermalige Kostensenkung. Zum Konzernbereich DB Regio gehört auch die Berliner S-Bahn [Ed: hm, bleibt also wohl nur, daß Berlins Senat der S-Bahn die Zuschüsse seit 2007 um 3 x 100 Mio. Euro kürzt. Soll doch die Bahn dagegen klagen, dann wird die Unverschämtheit wenigstens von einem unabhängigen Gericht öffentlich untersucht].
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen S-Bahn
BERLIN 7.7.2009 (khd/info-radio). Beherzte Berliner haben inzwischen Strafanzeigen gegen diese famosen Ex-Manager der Berliner S-Bahn gestellt. Denn erst brach ein Rad, doch die Züge rollten weiter. Der abgelöste S-Bahn-Chef Tobias Heinemann (38), nur ein Jurist, unternahm nichts. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat jetzt die Ermittlungen wg. Transportgefährdung eingeleitet.Unterdessen weitet sich das S-Bahn-Chaos aus. Vermutlich dauert es noch bis in den Herbst. Denn die Bahn hatte nicht genug S-Bahnzüge eingekauft, aber noch fahrfähige alte Bahnen verschrotten lassen. Unter dem Ex-Bahnchef Mehdorn wurde die Berliner S-Bahn regelrecht abgewirtschaftet. Allerdings tragen auch alle die Bundestagsabgeordneten an diesem Desaster Schuld, die im Bundestag für den Verkauf der Deutschen Bahn an der Börse stimmten und damit quasi den Auftrag zum Abwirtschaften erteilten. [mehr]
B E R L I N E R S - B A H N - K R I S EBerlin droht völlige Einstellung des S-Bahn-Betriebs
Eingriff der Aufsichtsbehörde nicht ausgeschlossen / Züge durch Busse ersetzt / [Ed: und die Prognose des Bahn-Bündnisses von 2005 ist wahr geworden:
Die Berliner und Brandenburger zahlen die Zeche!]Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 9. Juli 2009, Seite 1 (Hauptartikel) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]
Berliner S-Bahn-Krise:
Fakten und Hintergründe Teil 1
Basiert auf: Morgenpost + Eigen-Recherchen ab 12.7.2009. Verfügbare Züge:
Die Berliner S-Bahn GmbH besitzt heute nur noch 630 Viertelzüge (2 Wagen) unterschiedlicher Bauart, was eindeutig zu wenig für einen ausfallsicheren Bahnbetrieb ist. Noch 2005, vor Beginn der von Bahnchef Mehdorn verordneten großen Sparwelle, besaß die S-Bahn immerhin 703 Viertelzüge. Zum Betrieb des Berliner S-Bahnnetzes benötigte die Bahn um 1939 rund 1000 Viertelzüge. Damit konnte auch 1936 anläßlich der Olympischen Spiele der hervorragende Transportservice zum Bhf. Olympiastadion mit seinen vielen Bahnsteigen problemlos bewerkstelligt werden.
Radbruch:
Am 1. Mai 2009 entgleiste in Kaulsdorf ein Zug der Baureihe 481 (modernste Bauart) mit Fahrgästen. Erst Tage später räumte die S-Bahn ein, daß Unfallursache der Komplettbruch eines Rades war. Weil der Radbruch an der letzten Achse geschah und der Zug bereits relativ langsam fuhr, ist der Vorfall glimpflich verlaufen.
Sicherheits-Checks:
Als Konsequenz aus dem Vorfall verpflichtete sich die S-Bahn Mitte Mai, Zugräder der betroffenen Baureihe 481 nicht nur alle 14 Tage, sondern einmal pro Woche auf mögliche Schäden zu untersuchen. Anfang Juni 2009 wurden vom EBA zusätzliche Sicherheits- Überprüfungen von Achsen und Rädern auferlegt.
Stillegung:
Bei Kontrollen Ende Juni 2009 mußte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) feststellen, daß die S-Bahn die vereinbarten Prüfungen nicht eingehalten hatte. Über Nacht ließ die Aufsichtsbehörde fast ein Drittel der S-Bahn-Flotte stillegen. Seither kann die S-Bahn nur noch einen stark eingeschränkten Verkehr anbieten. Weil bereits in den letzten Jahren wg. des geplanten Börsengangs massiv Personal und Werkstatt- Kapazitäten abgebaut worden war, hatten sich schon zuvor Zugausfälle und Verspätungen gehäuft.
Basisfahrplan:
Am 9. Juli 2009 verkündete die S-Bahn dann einen Not-Fahrplan, der voraussichtlich bis Ende September gelten soll. Von Werkstatt- Wiederöffnungen und Wiedereinstellung entlassenen Personals oder von Bestellungen neuer Züge wurde aber nichts bekannt. Insofern kann die von Bahn-Managern verursachte Krise noch viel länger dauern. Und sie könnte Auswirkung auf das Ergebnis der Bundestagswahl (27.9.2009) haben, da CDU/CSU + SPD den unsinnigen Bahnverkauf an der Börse forciert hatten, was dann den enormen Sparkurs bei der Berliner S-Bahn auslöste.
Chaos-Dauer:
Da die Kapazität der 3 (von einst 7) verbliebenen Werkstätten nicht ausreicht, um schnell alle Räder auszuwechseln, erwarten Experten ein Andauern der Zugausfälle bis weit ins nächste Jahr hinein. Warum der S-Bahn-Hersteller Bombardier nicht mit seinem Werk in Heinersdorf bei Berlin aushilft, ist nicht bekannt.
BERLIN (Tsp). Der Nahverkehr in Berlin steht dicht vor einem Kollaps. Bei der S-Bahn ist nicht ausgeschlossen, dass die Aufsichtsbehörde den Betrieb vorübergehend komplett einstellen lässt. Zudem wird der Flughafen Tegel weiter von einem Teil der Taxifahrer boykottiert, was zu langen Wartezeiten für Fluggäste führt. Der Senat sieht keine Möglichkeiten, hier einzugreifen. Die S-Bahn ließ am Mittwoch [8.7.2009] wegen des Wagenmangels bereits als Ersatz Busse fahren. Ab nächster Woche sollen zusätzliche Regionalbahnen zwischen Berlin und Potsdam fahren.
Offiziell heißt es beim aufsichtsführenden Eisenbahn-Bundesamt in Bonn, man habe der S-Bahn bisher nicht gedroht, ihr die Betriebserlaubnis zu entziehen. Intern schließt man bei der S-Bahn nach Tagesspiegel-Informationen wegen der Verstöße gegen die Sicherheitsauflagen einen solchen Schritt aber nicht aus, sollte es zu einem weiteren Verstoß kommen. Und dass das Eisenbahn-Bundesamt weitere Sicherheitsüberprüfungen verlange, sei nicht ausgeschlossen, sagte der Sprecher des Amtes, Ralph Fischer. Dies könne sich erneut erheblich auf den Betrieb auswirken.
Seit einer Woche kann die S-Bahn auf fast allen Linien nur noch einen Notbetrieb anbieten. Statt alle 10 fahren Züge nur noch im Abstand von 20 Minuten; mehrere Linien sind komplett eingestellt, andere verkürzt.
Zwischen Strausberg und Strausberg Nord, wo die Bahnen auch im Regelbetrieb nur alle 40 Minuten fahren, setzte die S-Bahn am Mittwoch [8.7.2009] vorübergehend Busse als Ersatz ein. Nach Tagesspiegel-Informationen gibt es bereits Überlegungen, auch weitere Außenäste des Netzes auf Busbetrieb umzustellen. Wie viele Fahrzeuge überhaupt noch einsetzbar sind, teilte die Bahn auch am Mittwoch nicht mit. Nach dem Bruch eines Rades am 1. Mai waren die Kontrollen der betroffenen Räder verschärft worden. Fahrzeuge, die die Fristen überschritten haben, müssen aus dem Verkehr genommen werden. Weil sich die Geschäftsführung nicht daran gehalten hatte, wurde sie komplett abgelöst.
Sie hatte zuvor Werkstätten stillgelegt und sich von Mitarbeitern getrennt, um die Gewinnvorgaben des Konzerns zu erreichen. Ursprünglich sollte die Berliner S-Bahn dem Konzern im nächsten Jahr rund 125 Millionen Euro als Gewinn überweisen. Im vergangenen Jahr hatte es die S-Bahn immerhin auf 56 Millionen Euro gebracht dank eines rigiden Sparkurses und den Zahlungen des Senats, der in diesem Jahr die S-Bahn mit rund 232 Millionen Euro bezuschussen wollte. Die Summe wird jetzt aber nach Angaben von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) um maximal 12 Millionen Euro wegen Qualitätsmängeln reduziert. Hinzu kämen Abzüge für ausgefallene Fahrten.
Weil die verbliebenen Werkstätten mit der Überprüfung der Räder völlig überlastet sind, können an anderen Zügen erforderliche Kontrollen nicht mehr vorgenommen werden. Auch diese Züge müssen abgestellt werden.
Ab der nächsten Woche sollen zwischen Berlin und Potsdam zusätzliche Regionalexpress-Züge fahren [Ed: die aber nicht an allen Bahnhöfen halten können]. Dann gibt es zwischen Ostbahnhof und Potsdam zwischen 6 Uhr und 20 Uhr parallel zur S-Bahn 4 Verbindungen statt 2. Außerdem entfällt der Zuschlag für den Schnellbus zwischen dem Bahnhof Südkreuz und dem Flughafen Schönefeld. Heute will die Bahn den "Basisfahrplan" der S-Bahn für Juli vorstellen. [mehr]
] (DER TAGESSPIEGEL)Link-Liste zum Berliner S-Bahn-Chaos Teil 1
Compiliert von: khd-research, Toronto, ab 10. Juli 2009.Mehr zum Thema S-Bahn-Chaos in Berlin: (bei fehlenden Links Suchmaschine benutzen)
[15.10.1955: Berliner S-Bahn-Netz] (DEUTSCHE REICHSBAHN)
[00.06.2001: Drehscheibe Berlin Bauen für die S-Bahn] (S-BAHN BERLIN GMBH)
[09.06.2002: Berliner S-Bahnring wird geschlossen] (khd-Page)
[30.07.2002: So viele S-Bahn-Pannen gab's noch nie] (B.Z.)
[20.10.2003: Aus für Berliner S-Bahnstrecken?] (khd-Page)
[03.12.2003: Einigung statt Entgleisung] (DER TAGESSPIEGEL)
[12.09.2004: Schienennetz der Bahn droht zu verrotten] (DER TAGESSPIEGEL)
[30.06.2005: Signalstörung S-Bahn-Züge fielen aus] (BERLINER ZEITUNG)
[13.09.2005: Berliner bluten für den Börsengang!] (Flugblatt der S-Bahner)
[17.11.2005: Mehdorn: Was tut die Bahn für Berlin was tut Berlin für die Bahn?] (BERLINER ZEITUNG)
[31.12.2005: Erster Schnee: Zugverkehr unregelmäßig] (BERLINER ZEITUNG)
[13.01.2006: Signalstörung im Tunnel nervt S-Bahn-Fahrgäste] (BERLINER ZEITUNG)
[04.03.2006: Störanfälliges Netz] (DER TAGESSPIEGEL)
[06.03.2006: Fahren auf Verschleiß] (DER TAGESSPIEGEL)
[01.04.2006: Die Bahn macht sich schön für die Börse] (DER TAGESSPIEGEL)
[15.06.2006: Weniger Schiene für Deutschland] (DER TAGESSPIEGEL)
[25.08.2006: Privatisierung der Bahn Die Gleise des Volkes] (DER TAGESSPIEGEL)
[20.11.2006: 33 Verletzte bei Zugunglück im Bahnhof Südkreuz] (BERLINER MORGENPOST)
[13.07.2007: Eine vorsorgliche Maßnahme] (DDP)
[17.09.2007: Schleichfahrt weil die Bahn Auflagen ignoriert] (DER TAGESSPIEGEL)
[19.11.2007: S-Bahn geht gegen Sicherheitsmängel im Nord-Süd-Tunnel vor] (HEISE-TICKER)
[28.11.2007: Störungen auf fast allen S-Bahn-Linien] (DER TAGESSPIEGEL)
[17.07.2008: Bahn wollte Auflagen des Eisenbahnbundesamtes verhindern] (KÖLNER STADT-ANZEIGER)
[26.07.2008: S-Bahnzüge haben Risse im Boden und fahren weiter] (DER TAGESSPIEGEL)
[15.08.2008: Mehdorn attackiert Eisenbahnbundesamt] (DDP)
[05.10.2008: Mängel an den Bremsen] (DER TAGESSPIEGEL)
[01.11.2008: S-Bahn verkürzt Prüfintervalle für Zugachsen] (DDP)
[06.11.2008: S-Bahn lässt Fahrgäste zusammenrücken] (DER TAGESSPIEGEL)
[01.12.2008: Auch S-Bahn: Fortschritt ins Risiko] (DER SPIEGEL 49/2008, Seite 4650)
[02.12.2008: Harter Stahl beschleunigt Achsenbruch] (DER TAGESSPIEGEL)
[07.01.2009: Langes Warten auf die S-Bahn bei klirrender Kälte] (DER TAGESSPIEGEL)
[16.01.2009: S-Bahn-Chef entschuldigt sich bei Fahrgästen] (DER TAGESSPIEGEL)
[26.02.2009: S-Bahn in Wannsee ausgebrannt] (DER TAGESSPIEGEL)
[27.02.2009: S-Bahn: Brennendes Problem] (DER TAGESSPIEGEL)
[27.03.2009: Gewerkschaften fordern Mehdorns Rauswurf] (SPIEFEL ONLINE)
[04.04.2009: Berliner Senat kürzt Zahlungen an S-Bahn und BVG] (BAHN-INFO)
[06.04.2009: Berliner ärgern sich über S-Bahn] (DER TAGESSPIEGEL)
[14.05.2009: S-Bahn-Probleme beschäftigen den Bundestag] (DER TAGESSPIEGEL)
[02.06.2009: In der S-Bahn ist nicht mal ein Stehplatz garantiert] (DER TAGESSPIEGEL)
[30.06.2009: S-Bahn schickt Züge nicht zum TÜV] (DER TAGESSPIEGEL)
[01.07.2009: S-Bahn-Chaos überraschte Berliner] (DER TAGESSPIEGEL)
[02.07.2009: Berlins Bahn-Nieten mußten gehen] (khd-Kommentar)
[03.07.2009: Kommentar: Nicht nur neue Köpfe] (DER TAGESSPIEGEL)
[03.07.2009: Das strenge Sparregime] (NEUES DEUTSCHLAND)
[04.07.2009: S-Bahn: Rollende Zeitbomben] (JUNGE WELT)
[07.07.2009: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen S-Bahn] (khd-research)
[09.07.2009: Berliner S-Bahn droht das Aus] (khd-Page)
[09.07.2009: Berlin droht völlige Einstellung des S-Bahn-Betriebs] (DER TAGESSPIEGEL)
[09.07.2009: Berliner S-Bahn Eine Pressschau] (LABOURNET)
[11.07.2009: S-Bahn-Schnösel geht bei vollem Gehalt spazieren] (B.Z.)
[12.07.2009: Berliner S-Bahn-Krise: Fakten und Hintergründe] (MOPO + khd-research)
[12.07.2009: Wowereit hat mit dem Bahnchef viel zu klären] (DER TAGESSPIEGEL)
[12.07.2009: S-Bahn-Chaos: Radbruch-Detektor als Lösung?] (B.Z.)
[13.07.2009: S-Bahn-Chaos: Bringt der Gipfel eine Lösung?] (DER TAGESSPIEGEL)
[13.07.2009: Bahnchef Grube schickt Ermittler zur S-Bahn] (BERLINER MORGENPOST)
[13.07.2009: S-Bahn-Chefs verheimlichten Rad-Schaden] (BERLINER MORGENPOST)
[13.07.2009: Bahnchef: S-Bahn erhält volle Unterstützung] (DER TAGESSPIEGEL)
[13.07.2009: Das teure Ende der Geheimiskrämerei Der Bahn-Gipfel] (BERLINER MORGENPOST)
[14.07.2009: Bahn muss Strecken an Hamburg abgeben] (DER TAGESSPIEGEL)
[14.07.2009: Kommentar: Mehdorns Erbe] (TAZ)
[16.07.2009: S-Bahn: Es geht noch schlimmer] (NEUES DEUTSCHLAND)
[16.07.2009: S-Bahn: Das Schlimmste kommt noch] (DER TAGESSPIEGEL)
[16.07.2009: S-Bahn droht Stillegung] (JUNGE WELT)
[16.07.2009: Ab 20.7.2009 weitere Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr] (BERLINER MORGENPOST)
[17.07.2009: S-Bahn: Drei Wochen Ausnahmezustand] (MÄRKISCHE ALLGEMEINE ZEITUNG)
[17.07.2009: S-Bahn stellt Ost-West-Verkehr komplett ein] (DER TAGESSPIEGEL)
[17.07.2009: Keine S-Bahn mehr zwischen Zoo und Ostbahnhof] (DER TAGESSPIEGEL)
[18.07.2009: Prüfer entdecken weiteren Radriss in S-Bahn] (RHEINISCHE POST)
[18.07.2009: Die Berliner S-Bahn ist zum Schreien] (DIE WELT)
[19.07.2009: S-Bahn-Chefs, erfolgreich wie eine Armee] (DER TAGESSPIEGEL)
[22.07.2009: Die S-Bahn verliert jeden 2. Fahrgast
B A H N - M A N A G E R N I C H T S G E L E R N TWowereit hat mit dem Bahnchef viel zu klären
S-Bahn-Chaos, fehlende BBI-Anbindung: Beim Gipfel geht es auch um Grundsätzliches / [Ed: aber Wowereit klärte eigentlich nichts].
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 12. Juli 2009, Seite 10 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]BERLIN (Tsp). Das derzeit komplizierte Verhältnis zwischen dem Unternehmen Bahn und der Stadt Berlin sollte am Montag [13.7.2009] wieder etwas entspannt werden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der neue Bahnchef Rüdiger Grube hatten gleich nach dessen Amtsübernahme Anfang Mai ein Treffen vereinbart. Vorwiegend sollte es dabei um den Schienenanschluss zum künftigen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld gehen. Jetzt kommen die Probleme mit der S-Bahn hinzu, die den Nahverkehr der Stadt seit fast 2 Wochen strapazieren, weil nur noch knapp die Hälfe der Fahrzeuge einsetzbar ist. Kurzfristige Lösungen kann die Bahn nicht anbieten.
Spannend ist, ob es Wowereit gelingen wird, Grube vom Plan, die Bahn um jeden Preis "börsenfähig" zu machen, abzubringen. Dem Börsengang hatte auch die SPD zugestimmt. Unter Vorgänger Hartmut Mehdorn wurde die Berliner S-Bahn vom Konzern richtig ausgepresst, um schöne Zahlen für die Bilanz zu erhalten. Ursprünglich sollte sie 2010 einen Gewinn in Höhe von 125,1 Millionen Euro abführen; 2008 waren es immerhin tatsächlich 56 Millionen Euro.
Die Folge: Seit dem Abschluss des Verkehrsvertrags mit dem Senat im Jahr 2004 hat die S-Bahn 4 von 7 Werkstätten geschlossen, einsetzbare Fahrzeuge verschrottet und Mitarbeiter versetzt oder vergrault. Gegangen wurden oder sind vor allem Fachleute, die dem Betrieb jetzt fehlen.
Ob die S-Bahn nun wieder bei sich selbst investieren darf, wird sich zeigen. Planmäßig sollten die Investitionen von 15,4 Millionen Euro im Jahr 2006 auf nur noch 3 Millionen Euro im nächsten Jahr zurückgehen.
Allerdings sind die Pläne durch das Desaster in diesem Jahr völlig aus den Fugen geraten. Die S-Bahn muss Millionensummen aufbringen, um zu schnell verschleißende Räder an ihren Zügen tauschen und die zusätzlichen Sicherheitskontrollen finanzieren zu können. Angaben zu den Gesamtkosten gibt es noch nicht; aber allein das Entschädigungsangebot mit einem Monat Freifahrt für Abonnenten und Jahreskartenkäufer wird bis zu 25 Millionen Euro kosten.
Bei denjenigen, die im Dezember ein Abonnement für den Tarifbereich ABC haben egal, ob bei der S-Bahn, der BVG oder einem anderen Unternehmen und den Betrag monatlich abziehen lassen, wird automatisch auf einen Monatsbeitrag verzichtet. Jahreskartenkäufer, die im Voraus bezahlt haben und als Kunde registriert sind, erhalten eine Gutschrift. Wer sich Jahreskarten ohne Nachweis besorgt hat, muss die Dezembermarke vorlegen, dann gibt es ebenfalls Geld zurück.
Ob Kunden im nächsten Jahr höhere Preise zahlen müssen, ist dagegen noch nicht entschieden. Bevor die S-Bahn wieder regulär fährt, will man darüber nicht reden. Damit ist eine Preiserhöhung Anfang 2010 so gut wie ausgeschlossen. Mitte des Jahres könnte sie dann aber kommen. Finanzsenator Ulrich Nußbaum hat es schon gefordert. [mehr]
B A H N A U F N I V E A U V O N 1 9 4 5 A N G E K O M M E NS-Bahn: Es geht noch schlimmer
Unternehmen befürchtet neue Prüfauflagen / Abgeordnete kritisieren "Kaputtsparen".
Aus: Neues Deutschland, Berlin, 16. Juli 2009, Seite ?? (Berlin/Brandenburg). [Original]
Berliner S-Bahn-Krise:
Fakten und Hintergründe Teil 2
Basiert auf: Eigen-Recherchen ab 15.7.2009. Bahn-Börsengang:
Bislang hat die Politik nicht darauf gehört, daß das Volk mehrheitlich keinen Verkauf der Deutschen Bahn an Shareholder wünscht. Denn die Bürger wußten, daß das in einer Katastrophe enden wird. Das Berliner S-Bahn-Chaos zeigt nun, sie hatten recht gehabt. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit sieht das jetzt so. Er warnt die Deutsche Bahn davor, das Ziel einer Privatisierung weiter zu verfolgen. Für die SPD sei nunmehr klar: Das Thema ist beendet! Die Frage ist, ob das auch Bundesverkehrsminister Tiefensee (SPD) weiß, da dieser unlängst jede Verantwortung des Bundes am Berliner S-Bahn- Chaos zurückgewiesen hatte. Aber wer hatte die Privatisierung der Bahn beschlossen?
Weitere Radrisse:
Bei der Überprüfung der Berliner S-Bahnen wurde an einem Rad eines Zugs der Baureihe 481 ein gefährlicher Riß von etwa 5 cm Länge entdeckt. Das zeigt, daß die Überprüfungsanordnung des Aufsichtsamts EBA vollauf berechtigt war. Berlins S-Bahnen sind offensichtlich durchweg mit Billigrädern ohne Dauerfestigkeit ausgestattet. Vermutlich müssen sie alle ersetzt werden.
Wer hat Schuld?
Die Deutsche Bahn AG trage die Schuld am S-Bahn-Chaos in Berlin, sagte der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin- Brandenburg (VBB), Hans Werner Franz. Die Bahn als Mutterkonzern habe die S-Bahn ausgenutzt, sagte Franz am 18.7.2009 im DeutschlandRadio Kultur. Eindeutig hat sie die Kuh gemolken und gemolken und hat vergessen, ihr zu fressen zu geben. Seit 2 Jahren sei die Qualität kontinuierlich abgesackt. Bei den Werkstätten sei Personal reduziert worden, und mehr als 10 % der Fahrzeuge seien stillgelegt worden.
Nur noch 320 Wagen:
Am 21. Juli 2009 standen der Berliner S-Bahn nur noch 320 Wagen (160 Viertelzüge) zum Betrieb zur Verfügung. Das sind rund 25 % der vorhandenen Kapazität (1260 Wagen). Der Bahnbetrieb fiel dementsprechend miserabel aus. Normalerweise werden zu Spitzenzeiten 1104 Wagen benötigt. Durch ihr Mißmanagement hat die S-Bahn bereits jeden 2. Fahrgast verloren, berichtet der Tagesspiegel. Dennoch hält das Miß- management bei der Bahn an. Es wurde noch immer keine der geschlossenen Werkstätten wiedereröffnet, um so den Rad- tausch zu beschleunigen. Offensichtlich will die Bahn ihr fehlerhaftes Handeln aussitzen und nicht vom eingeschlagenen Sparkurs abrücken. Vermutlich braucht die Bahn Nachhilfe durch die Bürger.
Solider Bahnbau?
Managementfehler hin oder her: Es stellt sich auch die Frage, warum heutzutage die Bahn- Industrie ganz offensichtlich nicht mehr in der Lage ist, wirklich solide (Eisen-) Bahnen zu bauen. Denn mit allem rollenden Material, das in den letzten 20 bis 30 Jahren konstruiert worden ist, gab es im praktischen Betrieb immer wieder schwere Unfälle: Man denke nur an die ICE- Unglücke von Eschede (1998) und von Köln (2009) oder die Combino-Straßenbahnen. Da stehen nicht irgendwelche juristischen Sottisen wie die Gewährleistung im Vordergrund, sondern sehr ernste Sicherheitsfragen für den Betrieb. Sehen die Ingenieure heute bei der CAD-gestützten Konstruktion am Computer nicht mehr ausreichend große Sicherheitsfaktoren vor, um Kosten einzusparen? Fordern die Bahngesellschaften besonders kostengünstige Konstruktionen?
BERLIN (ND). Auch wenn das für die Fahrgäste kaum vorstellbar ist: Die Zustände bei der S-Bahn könnten noch chaotischer werden. "Wir müssen uns auf noch schlimmere Szenarien vorbereiten", sagte gestern der neue S-Bahnchef Peter Buchner im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses, der wegen der Situation zu einer Sondersitzung zusammengekommen war. Zu dieser Zuspitzung könnte es kommen, wenn das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) aus Sicherheitsgründen neue Prüfintervalle und Fristen für das Auswechseln der Radsätze der S-Bahnen anordnet. Dann dürfte auch der derzeitige Notfahrplan Makulatur sein.
Die Entscheidung des EBA erwartet der Bahnvorstand für den Personenverkehr, Ulrich Homburg, für heute oder morgen. Erst dann werde man wissen, wann und wie die abgestellten Züge wieder in Betrieb gehen könnten. Derzeit hat die S-Bahn nur etwa 300 Viertelzüge im Einsatz, normalerweise sind es fast doppelt so viele. Homburg sprach von "Flottenmangel" und "absoluter Ausnahmesituation".
Eine Lösung könne erst erreicht werden, wenn die Industrie "dauerfeste" Radsätze liefert. Bis dahin finde eine "Materialschlacht" statt mit kurzen Überprüfungsintervallen und ständigem Austausch von Radscheiben und Radsatzwellen. An Werkstattkapazitäten mangele es nicht, behaupteten die Bahnvertreter, dafür an technischem Prüfgerät wie Wirbelstrom- und Ultraschallmessgeräten sowie dafür ausgebildetem Personal.
Dem widersprach der S-Bahn-Betriebsratsvorsitzende Heiner Wegner heftig. Die Werkstattkapazitäten reichten nicht aus. 324 Arbeitsplätze seien in diesem Bereich abgebaut worden, "Ultraschaller, Alu-Schweißer, lauter Personal, das jetzt gesucht wird". Sie seien durch "Controller und Pfennigfuchser" ersetzt worden. Die Konzernvorgaben hätten die Lebensader der Stadt fast getötet.
Hans-Werner Franz, Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), warf der Bahnspitze ein Ablenken von der eigenen Verantwortung vor. Der Kauf neuer Fahrzeuge liege in ihrer Verantwortung, da müsse man definieren, was man haben wolle. Technische Mängel könne es immer mal geben, jetzt fehle es aber an Reserven, um darauf reagieren zu können. Bei der S-Bahn gehe es schon seit Jahren bergab. So stieg die Zahl der Zugausfälle durch Weichenstörungen zwischen 2003 und 2008 von 2500 auf 4700. "Sie sind noch nicht am Grund der Problemlage angekommen", kritisierte Franz.
Auch von den Abgeordneten mussten sich die Bahnvertreter einiges anhören. Claudia Hämmerling (Grüne) sprach von einem "planmäßigen Kaputtsparen eines einst leistungsfähigen Unternehmens". In England habe das wenigstens bis nach der Privatisierung gedauert. Sie legte ein Papier vor, wonach die S-Bahn in diesem Jahr 97 Millionen Euro an den Konzern abführen sollte.
Als Homburg zu erklären versuchte, dass die Verzinsung des eingesetzten Kapitals bei der S-Bahn unter 4 Prozent liege, platzte selbst dem CDU-Verkehrsexperten Rainer Ueckert der Kragen: "Sie haben Geld in die Hand zu nehmen, damit die Notlage behoben wird." Das versprachen denn auch die beiden Bahnvertreter. "Wir arbeiten ausschließlich an diesem Thema", versicherte Buchner.
Forderungen der Opposition nach Kündigung des Verkehrsvertrages und sofortigen Nachverhandlungen wies Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) zurück. Die Entscheidung darüber, ob die S-Bahnstrecken nach Auslaufen des Verkehrsvertrages 2017 ausgeschrieben werden, falle erst 2011. Bis dahin setze sie in der Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn auf Vertrauen. Gegenwärtig werde auch geprüft, ob eventuell die BVG Ersatzverkehr übernehmen könnte. Die S-Bahn rekrutiert bereits weitere Regionalbahnfahrzeuge aus dem Bundesgebiet, um auf Parallelstrecken zur S-Bahn zusätzliche Züge einsetzen zu können.
B A H N A U F N I V E A U V O N 1 9 4 5 A N G E K O M M E NChaos perfekt: Ab Montag [20.7.2009] weitere Einschränkungen im Berliner S-Bahn-Verkehr
Fahrgäste der Berliner S-Bahn müssen ab nächster Woche mit weiteren Einschränkungen im Fahrplanangebot rechnen. Nur noch ein Drittel der Flotte wird in Betrieb sein. Aber es besteht angeblich Hoffnung...
Aus: Berliner Morgenpost, 16. Juli 2009, 17.05 Uhr (Berlin). [Original]BERLIN (BM). Ab August wird die Fahrzeugverfügbarkeit nach DB-Angaben wieder kontinuierlich im Wochenrhythmus zunehmen. Bis Anfang Dezember [Ed: also in 4 Monaten!] soll den S-Bahn-Kunden wieder der komplette Fahrplan geboten werden. Dafür setzen wir alle verfügbaren Kräfte ein und prüfen jede Option zur schnellstmöglichen Verbesserung der betrieblichen Lage, sagte Ulrich Homburg, DB-Vorstand Personenverkehr [Ed: es fragt sich nur, wann diese Bahn endlich reichlich Geld in die Hand nimmt, um ihre seit 2000 begangenen Fehler alle zu korrigiren].
Das Unternehmen hat am Donnerstag [16.7.2009] einen weiteren Bescheid des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) erhalten, der zusätzliche Sicherheitsüberprüfungen an den Fahrzeugen der Baureihe 481 vorsieht. Damit steht ab kommendem Montag [20.7.2009] nur noch ein Drittel der Fahrzeugflotte des Unternehmens für den Betriebseinsatz zur Verfügung [Ed: das sind 165 Viertelzüge].
Wir bedauern diese neuen Beeinträchtigungen für unsere Fahrgäste außerßordentlich. Es ist nach allen uns vorliegenden Informationen jedoch davon auszugehen, dass mit dieser weiteren Verschlechterung des Angebots die Talsohle erreicht ist und keine weiteren Einschränkungen zu befürchten sind, so Homburg weiter. Gemäß unserer Maxime einer uneingeschränkten Betriebssicherheit tragen wir den EBA-Bescheid selbstverständlich voll mit und setzen ihn unverzüglich um.
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Berliner S-Bahn Zug der modernsten Baureihe 481. Diese unsicheren Züge baute Bombardier. Es sind aber nicht nur die Räder, im Winter kann schon mal so manches einfrieren... Hat die Berliner S-Bahn zu billige Züge eingekauft? (Repro: 2007 khd)
Zunächst können Fahrgäste der S-Bahn Berlin auf folgenden Fahrplan zurückgreifen: Die Ringbahnlinien S41/S42 fahren tagsüber grundsätzlich im 10-Minuten-Takt und bilden in der Innenstadt das Basisangebot der S-Bahn. Auf der Stadtbahn zwischen Zoologischer Garten und Ostbahnhof übernehmen 7 Regionalzüge pro Stunde und Richtung die Verkehrsaufgaben der S-Bahn. Im Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn fahren die Linien S1 und S2 jeweils alle 20 Minuten. Von Südkreuz über Potsdamer Platz und Hauptbahnhof nach Gesundbrunnen sind 4 Mal pro Stunde und Richtung Ersatz-S-Bahnen durch den Nord-Süd-Tunnel der Fernbahn unterwegs.
Zur Entlastung fahren auf der Linie RE 1 zwischen Berlin Ostbahnhof und Potsdam Hauptbahnhof montags bis freitags bis 20 Uhr 4 Regionalzüge pro Stunde und Richtung. Auf der RB 10 werden alle Züge der Verbindung Nauen Berlin-Spandau bis Berlin-Charlottenburg verlängert ab 20. Juli dann nicht nur werktäglich, sondern auch am Wochenende.
Die S-Bahn-Streckenabschnitte zwischen Olympiastadion und Spandau, Westkreuz und Nikolassee, Mühlenbeck-Mönchmühle Blankenburg, Springpfuhl und Wartenberg, Adlershof und Flughafen Schönefeld sowie Strausberg und Strausberg Nord werden nicht befahren.
In Spandau stehen alternativ die Regionalverkehrslinien RE2, RE4, RB10, RB14 sowie die U-Bahn-Linie U7 und Buslinien der BVG zur Verfügung. Der Bereich Hohenschönhausen und Wartenberg wird durch zusätzliche Tramangebote der BVG abgedeckt. Zum Flughafen Schönefeld fahren alle 30 Minuten AirportExpress-Züge des Regionalverkehrs.
Zwischen Südkreuz und dem Flughafen-Terminal fahren die Schnellbusse des SXF1 im 20-Minuten-Takt. Diese können zuschlagfrei benutzt werden. Zusätzlich fahren Ersatzbusse zwischen Grünau und dem Flughafen. Busse binden Mühlenbeck-Mönchmühle an die Züge der NE27 (Heidekrautbahn) in Schönerlinde an.
Die Strecken Westkreuz Nikolassee und Strausberg Strausberg Nord werden ebenfalls durch Busse ersetzt. Die Einrichtung weiterer Schienenersatzverkehre und die Verstärkung von BVG-Angeboten werden derzeit abgestimmt.
Wie S-Bahn-Kunden nach dem wochenlangen Chaos angemessen entschädigt werden sollen, ist noch nicht bekannt [Ed: es wird nicht ausreichen, nur Abonnenten 1 Monat gratis fahren zu lassen da muß viel mehr her].
S-Bahn-Chefs, erfolgreich wie eine Armee
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 19. Juli 2009, Seite 1 (Kolumne) von HARALD MARTENSTEIN [Original]E in paar Jahre lang sah es beinahe so aus, als ob Berlin, die alte Skandalnudel, eine normale Großstadt geworden wäre. Jetzt hält die Geschichte für Berlin wieder heroische Momente bereit. Denn dass in einer europäischen Millionenstadt der öffentliche Nahverkehr zusammenbricht, nicht etwa infolge von Streik oder Krieg, sondern einfach nur
durch Missmanagement, so etwas kommt, historisch gesehen, ähnlich selten vor wie die Teilung einer Millionenstadt durch eine Mauer. Wir sind wieder wer! Die Süddeutsche Zeitung spricht von "indischen Verhältnissen", die im Berliner Nahverkehr herrschen.
  Die Deutsche Bahn AG hat mit dem produzierten Chaos auf Jahre jegliches Recht verloren, Preise zu erhöhen oder jedwede Leistungen zu kürzen.
Das sagen ältere Berliner, die noch selbst das Kriegsende 1945 und die Nachkriegszeit in Berlin erlebten. Sie wollten nie Unternehmen wie die Post oder die Telekom oder die Bahn, bei denen Lug & Trug Einzug halten durften. Nun sei Wiedergutmachung angesagt noch vor der Wahl.1945, bei der letzten vergleichbaren S-Bahn-Krise, verkehrten die Züge bis zum 25. April, wenige Tage vor der Kapitulation, trotz ständiger Luftangriffe und trotz Artilleriebeschuss. Am 25. April 1945 waren 75 Prozent der Wagen wegen der Russen nicht mehr funktionsfähig. Heute sind 70 Prozent der Wagen wegen des Managements nicht mehr funktionsfähig. Das heißt, die Auswirkungen des ehemaligen Bahnchefs Mehdorn auf den Berliner Nahverkehr sind, rein quantitativ, durchaus mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges zu vergleichen.
Denn im Hintergrund der S-Bahn-Katastrophe stehen ja die Pläne Mehdorns, die Bahn durch rücksichtslosen Kampf bis zum letzten Fahrgast hochprofitabel zu machen. Unsere Radsatzwellen brechen, unsere Börsenpläne nie! Alle Räder stehen still, weil Mehdorn an die Börse will. Besonders faszinierend ist der Gedanke, dass Berlin, obwohl extrem verschuldet, die S-Bahn mit hohen Millionenbeträgen aus Steuermitteln subventioniert hat, während die S-Bahn gleichzeitig Gewinne an ihren Mutterkonzern überwiesen hat. Was wird eigentlich aus diesem Steuergeld? Ist "Betrug" das richtige Wort, oder muss man das irgendwie anders nennen?
Um die Berliner S-Bahn im April 1945 zum Stehen zu bringen, benötigte die Rote Armee 2,5 Millionen Soldaten, 6000 Panzer, 7500 Flugzeuge und 10.000 Geschütze. Der Bahn ist das Gleiche durch den Einsatz von lediglich 4 Managern gelungen [Ed: eigentlich ja 5 Manager, denn auch Hauptakteur Mehdorn spielte eine Rolle mit erheblicher Tragweite]. Gegen sie wird jetzt vom Staatsanwalt wegen "gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr" ermittelt.
Was die 4 Manager erreicht haben, war also möglicherweise illegal, aber es war zweifellos auch ein militärisches Wunder. Deswegen läge es nahe, die 4 Manager nach Afghanistan zu schicken, damit sie dort, auf ihre bewährte Weise, diesmal aber völlig legal, die Infrastruktur, den Nachschub und die Versorgungswege der Taliban lahmlegen. Kein einziger Militärtransport der Taliban in Ost-West-Richtung erreicht mehr sein Ziel, genau wie bei der Berliner S-Bahn! Leider sind die 4 Manager finanziell so gut versorgt, dass sie ein Engagement bei der Bundeswehr nicht nötig haben.
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