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Zur WM keine [U 55-]Bahn zum Pariser Platz
Neue Untergrund-Linie wird nicht rechtzeitig fertig / Am Brandenburger Tor soll Baugrube verschwinden
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 27. Oktober 2005, Seite 11 (Berlin) von JÖRN HASSELMANN. [Original]BERLIN (Tsp). Die BVG kapituliert vor zu viel Wasser. Die Stummel-Linie U55 vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor wird nicht wie angekündigt und vom Senat dringend gefordert zur Fußballweltmeisterschaft fertig werden. Gestern Mittag teilte die BVG überraschend mit, dass die Baufirma vom hohen Grundwasserstand am Pariser Platz überrascht worden sei und deshalb der Bahnhof "Brandenburger Tor" nicht rechtzeitig fertig gestellt werden könne. Diese Einschätzung der Firma hätten externe Gutachter und Bauverwaltung geprüft und seien zum gleichen Ergebnis gelangt.
Dem Wasser sei Dank
Über die Peinlichkeit, die der WM-Stadt Berlin nun erspart bleibt.
Ein Kommentar von PETER NEUMANN.
Aus: Berliner Zeitung, 27.10.2005. Schön, dass es so viel Grundwasser in Berlin gibt. Indem es in die Baugrube für den U-Bahnhof Brandenburger Tor eindrang und das Projekt bis 2007 verzögerte, hat es die Stadt vor einer großen Peinlichkeit bewahrt. Oder gibt es eine andere Bezeichnung für eine halbfertige U-Bahn- Strecke, auf der nur ein Zwei-Wagen- Züglein rollen kann? So und nicht anders hätte der putzige "WM-Shuttle" ausgesehen, der während der Weltmeisterschaft zwischen Hauptbahnhof und Pariser Platz verkehren sollte. Das wäre eine tolle Vorstellung deutscher Effizienz geworden: Nach dem Fußballgucken im Spreebogenpark strömen tausende Fans zur neuen U 55 und dann kommt ein Bähnchen, wie es zwischen Pritzwalk und Putlitz angemessen wäre.
Wobei keineswegs sicher gewesen wäre, dass die Fans tatsächlich in die Stationen gekommen wären. In dem provisorisch hergerichteten U-Bahnhof Brandenburger Tor sollten BVG- Mitarbeiter den Zustrom der Fahrgäste dosieren, damit das Gedränge auf dem Mini- Bahnsteig nicht allzu groß wird. Ob das geklappt hätte? Zumal dieser Bahnhof 2006 nur einen Ausgang gehabt hätte was wohl kaum genehmigt worden wäre. So hat das Grundwasser Berlin viel Kritik erspart. Nun sollte man darüber nachdenken, die U 55 gleich zum Alexanderplatz zu verlängern und erst dann zu eröffnen.Nach BVG-Angaben drohten bei zu starkem Abpumpen Schäden an den Gebäuden am Pariser Platz. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer war überrascht: "Wir bedauern außerordentlich, dass es zu Verzögerungen kommt. Es ist enttäuschend, dass wir zur Fußball-WM dort keine U-Bahn haben." Wie berichtet will die Deutsche Bahn Ende Mai pünktlich zur WM den Hauptbahnhof und den Nord-Süd-Tunnel eröffnen.
Seit gestern gibt es damit eine weitere Pleite in der unendlichen Geschichte um die Verlängerung der U5 vom Alex zum Hauptbahnhof. Diesen Ausbau hatte das Land 2002 mitten in der Bauphase aus Geldmangel gestoppt; 2003 war die Idee der "Stummel- U-Bahn" entstanden, um die im Rohbau fertigen Bahnhöfe zu nutzen. Nur die Station Brandenburger Tor fehlte noch, dort begann der Bau im Sommer 2004, damit es zur Weltmeisterschaft zumindest diese Verbindung gibt. Erst vor einer Woche hatte die Bauverwaltung ebenso überraschend mitgeteilt, dass die U55 nach Ende der WM wieder gesperrt werde, damit die provisorischen Bahnhöfe in ganzer Länge fertig gestellt werden können. Zur WM sollte nur ein Zwei-Wagen-Zug pendeln, zu kurz für die erwarteten Fanmassen.
Nach BVG-Angaben soll nun im Jahr 2007 die Stummel-Strecke mit langen, also für sechs Wagen passenden Bahnsteigen eröffnet werden. Für den Rest der Strecke zum Alex ist ein Baubeginn nach 2010 und eine Fertigstellung 2020 geplant. Das Versprechen, dass der Pariser Platz zur WM baustellenfrei ist, will die BVG aber einhalten. Die BVG bietet nun an, zur WM nur zwischen den beiden Stationen Hauptbahnhof und Reichstag zu pendeln. Eine Entscheidung hat der Senat noch nicht getroffen.
Froh über einen völligen U55-Verzicht zur WM wäre die Feuerwehr: Dann könnte im U-Bahnhof Reichstag ein Lazarett angelegt werden, um Verletzte von der Fanmeile Spreebogen zu behandeln.
[27.10.2005: Die Wanne ist voll] (BERLINER ZEITUNG)
[27.10.2005: U55 fährt zur Fußball-WM nicht] (BERLINER MORGENPOST)
[28.10.2005: Verzögerung bei der U55: BVG verteidigt Baufirma] (DER TAGESSPIEGEL)
Gewinner und Verlierer
Der neue Bahn-Fahrplan ab 2006 steht jetzt im Internet / Wer im Norden oder Süden Berlins wohnt, profitiert
Aus: Berliner Zeitung, 4. November 2005, Seite ?? (Berlin) von PETER NEUMANN. [Original]BERLIN. Wer gewinnt Zeit? Und wer ist länger unterwegs, wenn die Deutsche Bahn (DB) in knapp 7 Monaten zahlreiche Züge auf neu gebauten Strecken durch Berlin leitet? Auf diese Fragen bekommen Fahrgäste ab sofort eine Antwort auf die Minute genau im Internet. Denn seit kurzem sind auf der Internetseite der Bahn die Fahrpläne nachzulesen, die vom 28. Mai 2006 an gelten werden. Damit lässt sich nun exakt sagen, welche Berliner von dem Bau der neuen Nord-Süd- Verbindung und des Hauptbahnhofs profitieren und welche nicht.
Wer in Prenzlauer Berg, Pankow oder Reinickendorf lebt, kann sich schon einmal zu den Gewinnern des Fahrplanwechsels im nächsten Mai zählen. Denn dann eröffnet am Gesundbrunnen ein Fern- und Regionalbahnhof. Zwar wird er kein Empfangsgebäude haben, weil die Bahn eine solche Investition für unrentabel hält. Und der Name Nordkreuz, den die Station erhalten soll, stößt bei traditionsbewussten Berlinern auf Kritik. Doch dafür besitzt der neue Bahnhof einen großen Einzugsbereich dank guter S- und U-Bahn-Verbindungen. Vom Nordkreuz wird man ohne Umsteigen mit dem Intercity nach Binz auf Rügen, Stralsund, Weimar und Erfurt reisen können. Weitere Fernzüge fahren direkt nach München, Prag, Frankfurt am Main und Chemnitz. Nicht zu vergessen der Regionalverkehr: Ausflügler erreichen die Müritz in etwas mehr als 100 Minuten.
Service-Wüste Deutsche Bahn
LICHTERFELDE-OST 2.11.2005 (khd). Sensibel sind sie schon, diese nachträglich in vielen Berliner S-Bahnhöfen eingebauten Hydraulik- Fahrstühle. Allzuoft stehen die Bahnkunden vor verschlossenen Türen oder auf Knopfdruck bewegt sich nichts oder unten oder oben angekommen geht die Fahrstuhltür nicht auf. Die Dinger sind wieder einmal kaputt.
Besonders ärgerlich ist dieses für Behinderte in Rollstühlen und Gehbehinderte, aber auch für Menschen, die mit einem schwerbeladenen Einkaufswagen nach Hause fahren wollen. Das Hochziehen über die normale Treppe wird dann zur Tortur. Offensichtlich ist das Managern der Bahn nicht so klar, was sie da mit Sparvorgaben wg. des geplanten Börsengangs anrichten. Ansonsten würden sie endlich dafür sorgen, daß dringend notwendige Reparaturen unverzüglich spätesten innerhalb von 24 Stunden erledigt werden. Nur das wäre guter Kundenservice. Vielleicht könnte die Bahn auch im Internet die aktuellen Fahrstuhl- Ausfälle notieren, so daß sich die Kunden vorher orientieren können, ob sie barrierefrei die S-Bahn nutzen können.
Den Vogel an Kundenunfreundlichkeit schoß die Bahn aber heute im S-Bahnhof Lichterfelde-Ost ab. Hing doch unten am sehr viel benutzten Fahrstuhl ein Zettel, auf dem lakonisch mitgeteiilt wurde, daß er in der 45. KW repariert werden wird. Dafür warb die Bahn bei den verduzten und sich was-heißt-bloß-45.-KW-fragenden Kunden um Verständnis.
9.11.2005 (khd). Nun fängt die 45. Kalenderwoche (KW) des Jahres 2005 am 7.11.2005 an. Aber am 9. November war der Fahrstuhl noch immer gesperrt. Ein neues Schild der Bahn kündigt nun eine Reparatur für den 14.11.2005 an. Das wären dann mindestens 12 Tage ohne Fahrstuhl gewesen.
[Defekte Fahrstühle schaffen Barrieren]Auch viele Bewohner des Berliner Südens werden zu den Profiteuren des neuen Fahrplans gehören. Ebenfalls Ende Mai 2006 werden auch am Südkreuz, das am S-Bahnhof Papestraße entsteht, Fern- und Regionalzüge halten. Hier sorgen der S-Bahn-Ring, die Nord-Süd- S-Bahn sowie fünf Buslinien für Anschluss. Ohne Umsteigen geht es im Intercity Express (ICE) vom Südkreuz nach Hamburg, Leipzig oder München. Andere Fernzüge steuern Dresden, Prag, Budapest, Stralsund, Erfurt und Chemnitz an. Regionalexpresszüge schaffen neue Schnellverbindungen, auch innerhalb Berlins. Die Fahrt zum Nordkreuz dauert 11, nach Spandau 24 Minuten.
Wer dagegen im Osten Berlins lebt, braucht zu vielen Zielen mehr Zeit als heute. Ein Beispiel: Weil die Züge nach Dresden durch den Tiergartentunnel geleitet werden, kommen sie nicht mehr zum Ostbahnhof. Reisende müssen mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof weiterfahren und umsteigen. Wer direkt am Ostbahnhof einsteigt, ist zwei Stunden und 41 Minuten unterwegs, 27 Minuten länger als heute. Damit fällt die DB sogar hinter das Angebot der Reichsbahn von 1977 zurück um 38 Minuten. Nach Norddeutschland gibt es vom Ostbahnhof ebenfalls keine Züge mehr. Folge auch hier: längere Reisezeit im Fall von Stralsund 26 Minuten. "Der Ostbahnhof und seine Klientel gehört eindeutig zu den Verlierern", sagt Christfried Tschepe, Vorsitzender des Fahrgastverbandes IGEB.
Im Westen Berlins ist das Bild geteilt: Wer im Einzugsbereich des Bahnhofs Spandau wohnt, kann unter mehr Verbindungen als heute wählen viele ICE-Züge, die heute ohne Stopp passieren, werden dort künftig halten. Die City West ist dagegen wie angekündigt vom 28. Mai 2006 an mit dem DB-Fernverkehr nicht mehr direkt erreichbar. Lediglich die Nachtzüge nach Zürich und München werden auch künftig am Bahnhof Zoo noch Reisende aufnehmen. Alle anderen Fernzüge rollen durch. Nicht einmal der Intercity Cottbus- Norddeich, der am vergleichsweise unbedeutenden Bahnhof Wannsee anhält, legt am Zoo einen Stopp ein. Das würde 4 Minuten Reisezeit kosten, so die Bahn.
Helga Frisch, die 72.000 Unterschriften für den Fernbahnhof Zoo gesammelt hat, vermutet stattdessen, dass die DB den Hauptbahnhof für Ladenmieter attraktiver machen will. Die Pastorin erwägt nun, zum Kaufboykott aufzurufen: Kunden sollen den neuen Bahnhof meiden.
Berlins Bahnhöfe ab 2006
Aus: Berliner Zeitung, 4. November 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]Hauptbahnhof [Lehrter Bahnhof]: 700 Millionen Euro so viel kostet nach bisherigen Schätzungen das Gebäude, das derzeit am Rand des Regierungsviertels entsteht und am 28. Mai 2006 eröffnet wird. Vom Untergeschoss ist es ein weiter Weg zu den Bahnsteigen auf der Stadtbahn die DB empfiehlt 8 Minuten Umsteigezeit. Von hier aus dauert eine ICE-Fahrt nach Leipzig normalerweise 73 Minuten, nach Hamburg 96 und nach Hannover 99 Minuten. Nach Dresden dauert die Reise 2 Stunden, 11 Minuten, nach Stralsund 2 Stunden, 47 Minuten.
Nordkreuz [Gesundbrunnen]: Bis 1952 konnte man vom Gesundbrunnen an die Ostsee reisen das ist ebenfalls vom 28. Mai 2006 an wieder möglich. Von dem Bahnhof, der dort gebaut wird, brauchen die Züge nach Stralsund 2 Stunden, 41 Minuten, nach Rostock 3 Minuten weniger.
Südkreuz [Papestraße]: Für 115 Millionen Euro wird am heutigen S-Bahnhof Papestraße ein Fern- und Regionalbahnhof gebaut. Als Besonderheit bekommt die Station in Sichtweite der Stadtautobahn A 100 ein Parkdeck für mehrere hundert Autos. Von hier aus fährt der ICE nach Hamburg (110) und Leipzig (66 Minuten).
Ostbahnhof: In der Station, die auf das Jahr 1842 zurückgeht und schon 5 Mal den Namen gewechselt hat, fahren ab Mai 2006 keine Fernzüge nach Nord- und Süddeutschland mehr ab. Weiterhin bleiben zum Beispiel Hannover (110 Minuten) und Frankfurt am Main (4 Stunden, 19 Minuten) direkt erreichbar.
Zoo: 1884 hielt hier erstmals ein Fernzug, Mai 2006 ist mit dem Fernverkehr mit wenigen Ausnahmen Schluss. Eine Bürgerinitiative fürchtet die Verödung des westlichen Zentrums. Initiatorin Helga Frisch lädt für den 15. November zur Podiumsdiskussion: "Fährt die Bahn an ihren Kunden vorbei?" (18 Uhr, TU, Straße des 17. Juni 135, Raum 104).
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W E N N S C H I L B Ü R G E R P L A N E NBörsengang mit oder ohne Schienen?
Aus: Spiegel-Pressemeldung 5. Novcember 2005, 16.19 Uhr MEZ zum Artikel "Börsengang mit oder ohne Schienen?" im SPIEGEL 45/2005, 7. November 2005, Seite 97 (Trends).HAMBURG. Wolfgang Tiefensee (SPD), designierter Verkehrsminister, ist noch nicht vereidigt, da beginnt in Berlin bereits das politische Gezerre um die Zukunft der Bahn.
Hintergrund ist ein Gutachten der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, das erst nach Tiefensees Amtsantritt veröffentlicht werden soll. Darin geht es um die Frage, ob ein künftiger Börsengang des Unternehmens mit oder ohne Schienennetz erfolgen soll. In einem internen Papier äußern sich nun Beamte seines künftigen Ministeriums kritisch über den von Bahnchef Hartmut Mehdorn favorisierten integrierten Börsengang. Sie fürchten in diesem Fall neue Finanzlasten für den Bund.
Nach Ansicht der Verkehrsexperten wird ein künftiger Privatinvestor im Bereich der DB Netz "eine marktübliche hohe Rendite" nicht erreichen, weil die Trassen "weder heute" noch "mittelfristig" rentabel zu betreiben sein würden. Wolle Vater Staat daher seiner grundgesetzlich verankerten Verantwortung für die Bahn-Infrastruktur nachkommen, ließe sich das "nur durch Zuzahlung des Bundes" herbeiführen, die den "Renditeerwartungen eines Privatinvestors entsprechen müssten".
Die Beamten fragen deshalb, ob die "langfristig nur durch staatliche Subventionen lebensfähigen Bereiche geeignet sind, im Rahmen eines integrierten Konzerns mitprivatisiert zu werden". Die Bahn dagegen lehnt weiter jede Trennung von Netz und Betrieb kategorisch ab. In einem Brief an die Verkehrsexperten des Bundestags warnte Bahn-Vorstand Klaus Daubertshäuser nachdrücklich vor einer Abtrennung der Schienenwege. Neben Synergieverlusten und den "hohen Trennungskosten" sei unter anderem "mit einer mehrjährigen Verzögerung des Börsengangs zu rechnen".
Fußgänger-Maut auf Bahnsteig
S-Bahn verlangt im Fernbahnhof Südkreuz auch von Passanten Kauf eines Fahrscheins
Aus: Berliner Morgenpost, 6. November 2005, Seite ?? (Bezirke) von ISABELL JÜRGENS. [Original]BERLIN-TEMPELHOF/SCHÖNEBERG (BM). Müssen Fußgänger, die den neuen Fernbahnhof Südkreuz (ehemals S-Bahnhof Papestraße) durchqueren, um vom Werner-Voß-Damm (Tempelhof) zur Naumannstraße (Schöneberg) zu gelangen, einen S-Bahn-Fahrschein lösen? Das jedenfalls befürchtet die Bürgerinitiative "Neue Wege für Neu-Tempelhof" und spricht empört von einer "Fußgänger-Maut".
Hintergrund: Seit einigen Wochen müssen Fußgänger, die den neuen Bahnhof durchqueren wollen, die neue Ringbahnhalle der Länge nach passieren. Die alte Unterführung, die jahrzehntelang die beiden Ortsteile verbunden hat, gibt es nicht mehr. "Bei mir hat sich eine Dame gemeldet, die von einem S-Bahn-Kontrolleur nach einem Fahrausweis gefragt wurde", berichtet Christoph Götz von der Bürgerinitiative. Das Betreten des Bahnsteigs, so sei ihr mitgeteilt worden, sei grundsätzlich nur mit gültigem Fahrausweis möglich.
Stimmt das überhaupt, wollte die Berliner Morgenpost von der S-Bahn GmbH wissen. Deren Sprecher Ingo Priegnitz bestätigt zunächst: "Wer auf Bahnsteigen über die Entwerter-Automaten hinausgeht, benötigt einen Fahrausweis." Von Kontrollen würde aber "eigentlich abgesehen". Er wolle den Vorgang prüfen.
Auch der Fahrgastverband IGEB ist überzeugt: "Eigentlich darf die Bahnhofsanlage nur betreten, wer einen gültigen Fahrausweis hat", so Vorstandsmitglied Jens Wieseke. Er fordert Bahn und Senat auf, im Falle der Ringbahnhalle zu einer akzeptablen Lösung zu kommen, "damit stadtplanerische Probleme nicht auf dem Rücken der Berliner ausgetragen werden." Wiesekes Vorschlag: Die S-Bahn hängt Hinweisschilder auf, mit dem Text: "Betreten zur Querung gestattet, betreten auf eigene Gefahr."
In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die seinerzeit entschieden hatte, auf die Unterführung zu verzichten, weil das Land Berlin sonst 50 % der Baukosten hätte tragen müssen, ist man "überrascht". Sprecherin Petra Rohland: "Ich habe beim VBB angerufen und mich erkundigt." Demnach gebe es rechtlich keine Verpflichtung zum Kauf eines Tickets, wenn man lediglich passieren wolle. Rohland: "Offenbar kennen die Kontrolleure die Gesetze nicht." Gerade der Bahnhof Südkreuz sei im Übrigen so konzipiert worden, daß der Bahnsteig zugleich die Funktion einer Fußgängerpassage übernehme.
Inzwischen hat auch die S-Bahn GmbH nachgeforscht und neue Erkenntnisse zutage gefördert: "Seit 1. August 2005 gelten neue Beförderungsrichtlinien", so Sprecher Priegnitz. "Seitdem sind auf allen Bahnsteigen keine Fahrkarten mehr nötig", ist er sich nunmehr sicher.
Doch ein Anruf beim S-Bahn-Kundentelefon am gleichen Tag (Freitag [4.11.2005]) bringt wieder andere Ergebnisse. Eine freundliche Dame dort teilt mit: "Laut Tarif muß der Fahrgast sich vor Betreten der Bahnsteige eine Fahrkarte besorgen." Sie bemüht sich, die entsprechende Formulierung in den 14seitigen "Beförderungsbedingungen", die auch im Internet veröffentlicht sind, aufzuspüren. Und tatsächlich: Unter Paragraph 6, Absatz 4, findet sich endlich die gesuchte Regelung: "Der Fahrgast hat den Fahrausweis bis zur Beendigung der Fahrt aufzubewahren und dem Betriebspersonal auf Verlangen zur Prüfung auszuhändigen." Und weiter: "Die Fahrt gilt dann als beendet, wenn der Fahrgast an seiner Zielhaltestelle das Fahrzeug sowie ggf. die Bahnsteiganlagen verlassen hat."
Die grüne Stadtplanungsdezernentin Elisabeth Ziemer findet das Ticket- Wirrwarr um den Fernbahnhof "völlig absurd". Die Durchquerung sei immer eingeplant gewesen. "Daß die Fußgänger durch die Halle müssen, war ja von der Bahn gewollt", erinnert sie sich. Die 40 Meter breite Ringbahnhalle ersetze im Konzept Südkreuz die Bahnhofshalle. Ziemer: "Wenn die dort ernsthaft einen Fahrschein verlangen, mach ich ein Faß auf."
Neue Strecke der Bahn bleibt ungenutzt
[Ed: aber die viel wichtigere Strecke der S 21 und die der Dresdner Bahn wurden nicht gebaut]
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 7. November 2005, Seite ?? (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]BERLIN (Tsp). Ohne großen Pomp nimmt die Bahn heute eine neu elektrifizierte und sanierte Strecke in Betrieb. Unter Strom stehen dann die Gleise der Fernbahn zwischen Pankow, Gesundbrunnen, Moabit, Jungfernheide [vorbei am ICC] und Grunewald. Auf einem Teil der für viel Geld erneuerten Strecke werden aber zumindest vorläufig kaum Züge fahren. Vorwürfe, die Strecke sei zu aufwändig ausgebaut worden, weist die Bahn zurück. Angaben zu den Kosten gab es nicht. Der Millionenbetrag sei im Gesamtetat für den Ausbau des Bahnknotens Berlin enthalten, der mit 10 Milliarden Euro veranschlagt ist, sagte ein Sprecher.
Während die sanierten und mit einer Oberleitung ausgestatteten Gleise auf dem Nordring zwischen Jungfernheide und Gesundbrunnen vom Mai 2006 an den Verkehr zum unterirdischen Teil des künftigen Hauptbahnhofs aufnehmen, gibt es auf dem Abschnitt Jungfernheide Grunewald [Ed: an der Ost-West-Trasse der Stadtbahn] kaum Betrieb. Fahrplanmäßiger Verkehr ist dort nicht vorgesehen.
Die Gleise werden nach Angaben eines Bahnsprechers von einigen Güterzügen genutzt. Zudem sollen hier Züge des Regional- und Fernverkehrs in den Abstellbahnhof Grunewald fahren können. Wichtig sei die Verbindung auch bei Umleitungen, so der Bahnsprecher weiter.
Konzipiert worden war der Aufbau der zweigleisigen Verbindung von Grunewald nach Jungfernheide [als westlicher Teil des ‚Pilzhutes‘] im so genannten Pilzkonzept, das die Bahn, Berlin und der Bund Anfang der 90er beschlossen hatten [Ed: aber ab 2006 nicht mehr praktizieren will]. Vorgesehen war unter anderem, hier den Airport-Express fahren zu lassen. Er sollte von Potsdam über Wannsee am Messegelände vorbei bis Jungfernheide und weiter auf dem Nordring zum unterirdischen Teil des Hauptbahnhofs fahren, um dann von dort in etwa 20 Minuten den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld zu erreichen. Doch der Flughafen wird frühestens 2011 fertig.
Im brandenburgischen Rathenow ist sogar für 7 Millionen Euro eine Strecke saniert worden, auf der nur hin und wieder ein Güterzug rollt. Kurz vor Abschluss der Arbeiten hatte die Landesregierung beschlossen, auf dem erneuerten Abschnitt zwischen dem Bahnhof Rathenow und Rathenow Nord doch keine Regionalzüge mehr fahren zu lassen.
Hauptbahnhof bleibt schlecht angebunden
Aus: Berliner Morgenpost, 7. November 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]
BERLIN (apu). Die Anbindung des Hauptbahnhofes/Lehrter Bahnhof mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln wird insbesondere auf dem Schienenweg noch lange Zeit unbefriedigend bleiben. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Stephan Tromp (CDU) hervor.
Berlin bekommt erstmals in seiner Geschichte einen zentralen Hauptbahnhof.
Er bietet komfortables Umsteigen (Fern- und Nahverkehr, Stadtbahn).
Das schreibt die Bahn in ihrer am 6. Juli 2005 an die Presse verteilten Information Bahnverkehr Berlin 2006. Sie verschweigt, daß der Lehrter Bahnhof (Hauptbahnhof) höchst miserabel an den Stadtverkehr angebunden wurde, obwohl dafür genug Zeit war.Der neue Hauptbahnhof soll am 28. Mai 2006 ans Netz gehen. Die Anbindung zwischen Nordring und Hauptbahnhof mit der S 21 Nord [Ed: das heißt eine verstümmelte S 21 !!!] wird jedoch erst im Jahr 2012/2013 fertig werden. Die Inbetriebnahme der verlängerten U 5 von Alexanderplatz über Brandenburger Tor zum Hauptbahnhof muß so ist es vertraglich zwischen Land und Bund vereinbart bis 2020 erfolgen, weitergebaut werden muß ab 2010. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie M 10 von Eberswalder Straße zum Nordbahnhof und zum Hauptbahnhof ist 2006 nur bis zum Nordbahnhof fertig, der nächste Abschnitt von dort über die Invalidenstraße zum Hauptbahnhof ist "für 2008/9 vorgesehen", heißt es in der Antwort von Maria Krautzberger, Staatssekretärin in der Senatsverwaltung.
"Ein Armutszeugnis für Berlin", urteilt Stephan Tromp. "Erst sollte die S 21 bis 2006 fertig sein, dann bis 2009, seit neuestem ist 2013 im Gespräch." Man habe "irgendwo im Nirgendwo" einen Hauptbahnhof gebaut und binde ihn nun nicht vernünftig an den Nahverkehr, insbesondere die Schiene an.
Bahnhof soll weiter Gesundbrunnen statt Nordkreuz heißen
Gesundbrunnen Parteiübergreifende Initiative gegen geplante Umbenennung
Aus: Berliner Morgenpost, 7. November 2005, Seite ?? (Bezirke) von THOMAS FÜLLING. [Original]WEDDING. Der Bahnhof Gesundbrunnen soll künftig "Berlin-Nordkreuz" heißen. Gegen diesen Beschluß der Bahn AG formiert sich immer stärkerer Widerstand. Nun wollen die Abgeordneten Bernd Schimmler (SPD) und Stephan Tromp (CDU) gemeinsam versuchen, die Umbenennung noch zu verhindern.
"Es geht hier um die Identität eines ganzen Stadtteils", begründet der langjährige Weddinger Stadtrat Schimmler die parteiübergreifende Initiative. Es könne nicht sein, daß die Bahn über die Köpfe der Berliner hinweg einen über 300 Jahre gewachsenen Namen einfach ignoriere, sagt Tromp, Kreisvorsitzender der CDU von Mitte. Die Bahn AG hatte, wie berichtet, Mitte Oktober überraschend angekündigt, mit Fahrplanwechsel am 28. Mai 2006 und der gleichzeitigen Aufnahme des Fernverkehrs in Gesundbrunnen den Bahnhof in Nordkreuz umzubenennen [Ed: vernünftig wäre aber: Gesundbrunnen (Nordkreuz) und dann auch Papestraße (Südkreuz) und natürlich auch Lehrter Bahnhof (Hauptbahnhof)]. Eine Verständigung erfolgte dazu nur mit S-Bahn und BVG, damit diese ihre Stationen zeitgleich neu benennen.
Noch im Juni hatte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn indes derartige Absichten ausdrücklich verneint. Begründet wurde der Sinneswechsel von der Bahn AG mit dem "Monopoly-Prinzip". Fahrgäste von auswärts würden sich besser zurechtfinden, wenn es im Berliner Verkehrsnetz nicht nur ein Ost- und ein Westkreuz, sondern auch ein Südkreuz (derzeit Bahnhof Papestraße) und ein Nordkreuz (Gesundbrunnen) geben würde.
Für Schimmler und Tromp eine nicht nachvollziehbare Logik. "Niemand in London kommt auf die Idee, die Waterloo-Station umzubenennen, nur weil sie im Süden liegt", sagt Tromp. Und in Paris gebe es zwar einen "Gare du Nord" (Nordbahnhof), aber ebenso einen "Gare Montparnasse". Auch sei der Bahnhof Gesundbrunnen über Berlin hinaus bekannt und habe eine lange Tradition. Durch seine zentrale Lage präge er den gleichnamigen Stadtteil, der mit einem Migrantenanteil von 30 % heute zu den sozial schwierigsten in Berlin gehöre. "Gerade wenn wir Identität der Bewohner mit ihrer Stadt erreichen wollen, muß man an historisch gewachsenen Namen festhalten", betont Schimmler. Einzelhandelsexperte Tromp hält die Umbenennung auch ökonomisch für falsch: "Der positiv besetzte Name Gesundbrunnen läßt sich wesentlich besser vermarkten als ein gesichtloses Nordkreuz."
Eine bessere Vermarktung des derzeit von einer Buden-Stadt geprägten Vorplatzes sehen Tromp und Schimmler auch als Weg an, doch noch zu einem Bahnhofsgebäude zu kommen. Ursprünglich hatte die Bahn eine dreistöckige, repräsentative Empfangshalle geplant, nun ist nur noch von zwei kleinen Pavillons die Rede. "Das kann ich mir für Celle-Süd, nicht aber für eine der am stärksten frequentierten Bahnhöfe von Berlin vorstellen", sagt Schimmler. "Die Bahn sollte den Bau des Gebäudes privat ausschreiben", schlagen beide Politiker alternativ vor.
Nordanbindung zum neuen Hauptbahnhof fertiggestellt
Bahn prüft 30-Minuten-Takt auf Hamburg-Berlin-Strecke / Teilstück früher fertig als geplant.
Aus: Berliner Morgenpost, 9. November 2005, Seite ?? (Berlin) von ANDREA PUPPE. [Original]BERLIN (BM). Der Berliner Nordring der Deutschen Bahn ist fertig. 17 Kilometer lang ist das Teilstück des Berliner Innenrings und bildet mit dem Regionalbahnhof Jungfernheide und dem Fernbahnhof Gesundbrunnen den "Hut" des sogenannten Pilzkonzeptes der Bahn. Etwa eine Milliarde Euro wurde insgesamt in den Ausbau der Strecke investiert.
Ab 28. Mai 2006 (und damit fünf Monate früher als geplant) sollen über die nach 13 Jahren Planung und Bauzeit neu fertiggestellte Trasse die ICE-Linie Hamburg München und die EC/IC-Linie Hamburg Prag zum neuen Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof geführt werden. Bis dahin wird auch der Tiergartentunnel ans Netz gehen, und die Züge halten danach am Bahnhof Papestraße (künftig: Südkreuz). Die Bahn trägt dann auch der Beliebtheit der Hamburg-Verbindung Rechnung: Die ICE verkehren ab Mai 2006 im Ein-Stunden-Takt (bisher alle 2 Stunden). Wie auch für die Verbindung Köln Frankfurt wird geprüft, den Takt sogar auf 30 Minuten zu verdichten, bestätigt ein Bahnsprecher. Start könnte im Jahr 2007 sein.
Die unendliche Baugeschichte des Pilz-Teilstücks begründet Volker Weiß, Technischer Leiter des Projektzentrums: "Es gab allein 20 Planfeststellungsbeschlüsse, auch Klagen von Anwohnern wir mußten die Logistik ständig neu anpassen." Auch der Baugrund am Gesundbrunnen sei, wie der Name vermuten läßt, wegen des hohen Grundwasserstandes extrem schwierig gewesen. Der Bahnhof Gesundbrunnen (ab Mai: Nordkreuz) sei in "Lasagne- Technik" von unten nach oben aufeinandergeschichtet worden. An den 3 Fernbahngleisen sollen pro Tag künftig 20 Fernverkehrs- und 76 Regionalverkehrszüge halten: Stralsund (40 Minuten schneller als bislang), Halle und Erfurt heißen die Ziele.
Zum Vergleich: In Spandau stoppen dann täglich 100 Fern- und 212 Regionalzüge, am Bahnhof Papestraße (Südkreuz) 50 Fern- und 116 Regionalzüge und am Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof 164 Fern- und 314 Regionalzüge. Mit dem Ausbau des Berliner Innenrings und der Inbetriebnahme des Tiergartentunnels ergeben sich viele Fahrzeitverkürzungen je nach dem, in welchem Stadtteil die mit der Bahn reisenden Berliner wohnen. Für die Strecke zwischen Berlin und Leipzig werden von der Bahn zum Beispiel als reine Fahrzeit 60 Minuten (zuvor 110 Minuten) angegeben. Direkt erreicht man die Strecke an den Bahnhöfen Gesundbrunnen, Hauptbahnhof und Papestraße, je nach Wohnort mit mehr oder weniger Umsteigen. Auch die Spandauer können sich freuen: anstatt bisher 66 halten künftig 100 Fernzüge im Nordwesten. Und bereits zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember gibt es gute Nachrichten für Köln-Fans: Der bisher nur montags fahrende Frühzug um 4.19 Uhr ab Ostbahnhof verkehrt dann an allen Wochentagen. [Eisenbahnknoten Berlin ab Mai 2006]
Das Kreuz mit dem Nordkreuz
Der Bahnhof Gesundbrunnen wird umbenannt.
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 9. November 2005, Seite ?? (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]BERLIN (Tsp). Noch trägt der Bahnhof auch im Fahrplanentwurf 2006 seinen vertrauten Namen: Gesundbrunnen. Doch das soll sich bald ändern: Die Bahn will Ende Mai kommenden Jahres aus Gesundbrunnen das Nordkreuz machen. Dass der Bahnhof in dem im Internet eingestellten Fahrplanentwurf noch immer Gesundbrunnen heißt und unter Nordkreuz nichts zu finden ist, sei ein Fehler, der rasch behoben werde, sagte ein Bahnsprecher. Der Protest gegen die Umbenennung geht aber weiter.
Erst vor kurzem hatte die Bahn überraschend den Namenswechsel mitgeteilt. Wenige Wochen vorher hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn noch verkündet, neben dem Lehrter Bahnhof, der zum Hauptbahnhof wird, werde nur noch aus dem Bahnhof Papestraße das neue Südkreuz. Gesundbrunnen solle seinen Namen behalten. Die neue Bezeichnung Nordkreuz sei logisch, argumentiert die Bahn jetzt. Schließlich gebe es bereits ein West- und ein Ostkreuz sowie von 2006 an dann auch das Südkreuz. Die Umbenennungen seien mit dem Senat abgestimmt worden.
Die politischen Gegner im Abgeordnetenhaus, Bernd Schimmler (SPD) und Stephan Tromp (CDU), wehren sich gemeinsam gegen die Umbenennung. Sie wollen einen Brief an Bahnchef Hartmut Mehdorn schreiben. Zudem planen sie, eine gemeinsame Initiative im Abgeordnetenhaus zu initiieren. Und zudem wollen sie Unterschriften für den alten Namen sammeln. Bahnchef Mehdorn hat sich allerdings auch durch 60.000 Unterschriften nicht davon abbringen lassen, den Bahnhof Zoo als Fernbahnstation aufzugeben.
Die Bahn stört es auch nicht, dass es zwei Stationen vom künftigen Nordkreuz entfernt den Nordbahnhof gibt. Auch dem Ostbahnhof folge zwei Stationen weiter das Ostkreuz. Und aus dem 114-Millionen-Euro-Projekt Nordkreuz wird vielleicht sogar noch ein richtiger Bahnhof. Die Bahn sucht weiter Investoren für ein Empfangsgebäude mit Läden oder Büros. Vorläufig gebe es nur zwei vorzeigbare Pavillons für den Reisebedarf. Keinen Widerstand gegen die Umbenennung gibt es aus dem Gesundbrunnen-Center. Es behält seinen ortsteilbezogenen Namen.
April, April...
31.12.2005 (khd/mopo). Die Bahnmanager haben inzwischen ihr Hirn eingeschaltet und offensichtlich dann festgestellt, daß das Nordkreuz ja gar kein (Eisenbahn-)Kreuz ist. Die Berliner Morgenpost schreibt heute dazu:Der Bahnhof Gesundbrunnen wird seinen bisherigen Namen behalten. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, hat entschieden, den Bahnhof nun doch nicht in "Nordkreuz" umzubenennen. Dies hat er den beiden Berliner Abgeordneten Bernd Schimmler (SPD) und Stephan Tromp (CDU) in einem Brief mitgeteilt. Die Politiker hatten sich für die Beibehaltung des Namens Gesundbrunnen eingesetzt. Zahlreiche Berliner hatten ebenfalls heftig gegen "Nordkreuz" protestiert: Dieser Name sei unpersönlich und ignoriere gewachsene Strukturen.
"Aus Sicht der Deutschen Bahn AG bestehen keine ausreichenden betrieblichen oder sonstigen Gründe, den Bahnhof umzubenennen", schreibt Mehdorn nun. Entsprechende Überlegungen würden "nach eingehender Überprüfung nicht weiter verfolgt". Der Bahnchef hat in seinem Brief an Schimmler und Tromp außerdem mitgeteilt, wie die Namen der übrigen Fernbahnhöfe lauten sollen, die zeitgleich mit der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs im Mai wirksam werden: Berlin Hauptbahnhof (Lehrter Bahnhof), Spandau, Südkreuz (Papestraße) und Ostbahnhof. [Gesundbrunnen forever]
Im Bahnhof Zoo hält künftig doch ein Fernzug
Die Vogtlandbahn stoppt in der City-West / Connex-Züge dürfen dagegen nicht nach Berlin
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 12. November 2005, Seite 11 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]BERLIN (Tsp). Der Bahnhof Zoo bleibt nach dem Fahrplanwechsel am 28. Mai 2006 nach derzeitigem Stand fast komplett ohne Fernverkehr. Die Bahn AG lässt ihre Züge ohne Halt durch den Bahnhof fahren, und das private französisch-deutsche Unternehmen Connex kann auch nicht, wie vorgesehen, mit seinen Zügen aus Westerland zum Bahnhof Zoo fahren. Die Bahn hat die Fahrt durch den Hauptbahnhof in Hamburg verweigert. Für die Connex-Züge gebe es dort keinen Platz. Dafür hält aber mit dem Vogtlandexpress aus Hof/Plauen wenigstens einmal am Tag noch ein Zug des Fernverkehrs.
Der Geschäftsführer der Vogtlandbahn, Tobias Richter, setzt dabei voll auf die Attraktivität des Bahnhofs Zoo. Er erwartet, dass die Zahl der Fahrgäste steigen wird, wenn der Vogtlandexpress statt wie jetzt nach Lichtenberg über die Stadtbahn bis zum Bahnhof Zoo fährt. Stopps gibtš s im Ostbahnhof sowie in den Stationen Alexanderplatz und Friedrichstraße. Den neuen Hauptbahnhof dagegen will Richter mit seinen Zügen ohne Halt passieren. "Dort gibt es keine Nachfrage für uns", sagt Richter. Aus- und Einsteiger gebe es in dieser städtebaulichen Brache nicht. Ans Nahverkehrsnetz der Stadt sei der Hauptbahnhof nur über die Regionalbahn und die S-Bahn sowie durch Busse angeschlossen. Die Bahnhöfe Alexanderplatz, Friedrichstraße und Zoo seien dagegen auch bequem mit der U-Bahn zu erreichen. "Das ist für uns viel attraktiver", so Richter. Zudem verlange die Bahn zu viel Geld für den Stopp im Hauptbahnhof.
Weiter zum Bahnhof Zoo zieht es auch Connex. "Wir haben noch nicht aufgegeben", sagte Unternehmenssprecher Matthias Röser. Ein Gutachter habe nachgewiesen, dass die Connex-Züge aus Westerland den Hauptbahnhof in Hamburg passieren könnten, wenn die Bahn bei der Gleisnutzung flexibler sei. Im Hamburger Hauptbahnhof sind die Gleise häufig blockiert, weil zahlreiche Züge dort enden und bis zur Rückfahrt im Bahnhof stehen bleiben.
Connex will zwei oder drei Mal am Tag seine Regionalzüge aus Westerland bis Berlin verlängern. Das Unternehmen hat den Zuschlag für die Strecke Westerland Hamburg erhalten, weil es das günstigste Angebot abgegeben hatte. Bisher fahren dort die Züge der Bahn AG.
Ziel sei es, so Röser, schneller als der Bus und nicht so teuer wie der ICE zu sein. Die Fahrzeit nach Hamburg wäre aber länger als beim ICE. Dass Kunden auf günstige Preise reagierten, zeige der Buslinienverkehr zwischen Berlin und Hamburg. Bis zu 12 tägliche Verbindungen gibt es hier; Hin- und Rückfahrten sind ab 30 Euro im Angebot. Die einfache Fahrt mit dem ICE kostet derzeit 55 Euro. Auch die Vogtlandbahn lockt mit günstigen Preisen. Die Fahrt nach Hof soll 28 Euro kosten, die Bahn verlangt zwischen 40 Euro und 54 Euro.
Weitere Panne am Südkreuz
Neue Verbindungsstraße am Bahnhof wird nicht bis zur Eröffnung fertig
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 12. November 2005, Seite 11 (Berlin). [Original]BERLIN (kt). Am künftigen Bahnhof Südkreuz an der Papestraße in Schöneberg-Tempelhof rächt sich jetzt eine weitere Planungspanne. Weil die neue Verbindungsstraße zwischen dem Werner-Voß-Damm und dem Sachsendamm nicht rechtzeitig zur Bahnhofseröffnung am 28. Mai 2006 fertig wird, muss die BVG für die Busse der Linie 248 eine Zwischenlösung suchen.
Der Bau der neuen Verbindungsstraße, die den Bahndamm unterquert, war erst in letzter Minute vereinbart worden. Lange habe der Senat gezögert, diese Verbindung bei der Bahn zu bestellen, heißt es bei den Planern. Denn bestellen heißt auch bezahlen; und davor schreckte der Senat lange zurück. Erst mehrere Spitzengespräche führten dann doch zum Bau. Wäre die Straße später gebaut worden, hätten sich die Kosten für die Brücken der Bahn erheblich erhöht. Von Anfang an sei dabei klar gewesen, dass die Straße nicht zur Bahnhofseröffnung im nächsten Jahr fertig werden könne, sagte ein Sprecher. Die Experten rechnen mit einer Verspätung von einem halben Jahr.
Der neue Bahnhof, an dem Fern- und Regionalzüge sowie die S-Bahnen der Nord-Süd- Strecken und der Ringbahn halten, bleibt zur Eröffnung ohnehin ein Provisorium. Weil Bahn und Senat sich streiten, wer die Kosten für den Bau der Vorplätze übernehmen soll, ist unklar, wie diese am Ende aussehen werden. "Die Plätze werden nutzbar, aber nicht fertig sein", so der Sprecher. Busse könnten aber halten.
Auch der Bau der geplanten beiden Parkhäuser über den Gleisanlagen lässt auf sich warten. Sie werden nur in die Höhe gezogen, wenn sich ein Investor findet. So weit ist die Bahn aber noch nicht.
Immerhin ist ein anderes Problem gelöst. Weil die neue Ringbahnhalle auch als Verbindungsweg von Schöneberg nach Tempelhof vorgesehen ist, hatte man befürchtet, dass Passanten für das Durchqueren der Halle einen Fahrschein kaufen müssen. Bahnsteige dürfen jetzt aber ohne Fahrschein betreten werden.
Einkaufszentrum mit Gleisanschluss
Noch 200 Tage / Endspurt für den Hauptbahnhof Mehdorn: Alle Geschäfte bereits vermietet
Aus: Der Tagesspiegel, Berlin, 15. November 2005, Seite 9 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]BERLIN (Tsp). Endspurt im künftigen Hauptbahnhof. "Jetzt zählt jeder Tag", feuerte Bahnchef Hartmut Mehdorn gestern die rund 800 Bauarbeiter und Ingenieure auf der Superbaustelle an. In knapp 200 Tagen, am 28. Mai 2006 sollen die Züge des Fern- und Regionalverkehrs erstmals dort halten. "Der Termin steht", ist sich Mehdorn sicher. 160 Fernzüge, 310 Züge des Regionalverkehrs und über 800 S-Bahnen täglich sind vorgesehen. Rund 300.000 Menschen werden nach den Prognosen der Bahn pro Tag durch den Bahnhof laufen.
Dort sollen sie auch einkaufen; denn der neue Bahnhof wird auch ein Einkaufszentrum. Die rund 80 Geschäfte mit zusammen 15.000 Quadratmetern seien vermietet, so der Bahnchef. Jetzt beginnt der Aufbau der Läden. Angeboten werden soll ein breiter Branchenmix mit überregionalen Filialisten und lokalen Einzelhändlern. Die Palette reicht von der Autovermietung über den Friseur, die Postfiliale, das Reisebüro bis zum Wellnessbereich. Ob es auch einen Check-In-Schalter für den Flughafen in Schönefeld gibt, steht dagegen immer noch nicht fest. Sollte der Flughafen ausgebaut werden, soll ein Airport-Express den Bahnhof mit dem neuen Terminal verbinden.
Bahnwissen
Klaus Kurpjuweit
wundert sich über Mehdorns Ahnungslosigkeit.
Aus: Der Tagesspiegel, 15.11.2005 (Von Tag zu Tag). Wissen ist Macht. Aber muss man deshalb immer alles wissen? Gut ist es, wenn man Bescheid weiß, falls man sich in einer heiklen Diskussion äußert. Bahnchef Hartmut Mehdorn muss derzeit verteidigen, dass er am Bahnhof Zoo keine Fernzüge mehr halten lassen will. Und wenn er dabei argumentiert, der Zoo sei niemals als Fernbahnhof konzipiert gewesen, weiß er es eben nicht genau.
Schon 1884 wurde die Station ein Halt für Fernzüge. Jetzt hat Mehdorn noch draufgesattelt. Ab dem nächsten Jahr werde auf der Stadtbahn zwischen Charlottenburg und dem Ostbahnhof fast gar kein Fernzug mehr fahren, verkündete der Bahnchef gestern. Alle Fernzüge würden durch den neuen Tunnel geleitet.
So hätte es Mehdorn auch gern. Das wäre nämlich wunderbar für ihn, denn dann würde tatsächlich kein 1.-Klasse-Kunde bei Regen nass, wenn er am neuen Hauptbahnhof aus einem langen ICE steigt. Der hält zum Teil im Freien, weil Mehdorn das Dach verkürzt hat. Doch die Züge im Ost-West-Verkehr bleiben in Wirklichkeit auf der Stadtbahn, was Mehdorn nicht gewusst hat.
Was weiß er überhaupt vom Berliner Bahnverkehr, dem er den Halt am Zoo so einfach gestrichen hat?Um den neuen Bahnhof, den größten Turmbahnhof Europas mit 4 Fernbahngleisen an der oberirdischen Ost-West-Stadtbahn und 8 Gleisen für die unterirdische Nord-Süd-Verbindung, werde Berlin in der ganzen Welt beneidet, so Mehdorn. Kritik an dem Mammutbau, der etwa 700 Millionen Euro kosten wird, wies er zurück.
Bei der Betriebsaufnahme im nächsten Jahr sei der Bahnhof sicher noch "etwas großzügig", sagte Mehdorn. Doch ein neuer Bahnhof sei für die nächsten Jahrzehnte gebaut. Und Berlin werde wachsen, auch rings um den Bahnhof werde es neue Bauten geben, gibt sich Mehdorn zuversichtlich. Deshalb sei der Hauptbahnhof "richtig dimensioniert".
Seiner Zeit weit voraus war Mehdorn mit der Aussage, auf der oberirdischen Stadtbahn werde kein Fernzug mehr fahren. Der Bahnchef versucht zwar, möglichst alle Züge durch den neuen Tunnel zu schicken, damit die Kapazität der 4 Röhren voll genutzt werden kann, doch auch nach dem Fahrplanwechsel fahren die ICE-Züge aus dem Ruhrgebiet sowie aus Basel/Frankfurt (Main) weiter über die Stadtbahn. Im Dezember 2006 sollen allerdings nach Mehdorns Ideen auch die Züge aus Basel/Frankfurt (Main) im Tunnel verschwinden und am Bahnhof Südkreuz an der Papestraße enden.
Klage Gerkans vor dem Landgericht
"Kein Verständnis" hat Mehdorn für die Kritik an der Deckenkonstruktion der unterirdischen Halle. Hier hat die Bahn, wie berichtet, die Pläne des Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner geändert. Die Klage Gerkans vor dem Landgericht soll in der nächsten Woche entschieden werden. Die Architekten wollten einen "kathedralenhaften" Eindruck schaffen; die Bahn hat sich für eine herkömmliche, abgehängte Decke entschieden. Nur zum Teil ist noch Gerkans Handschrift zu sehen. Die geänderte Decke sei billiger und schneller zu bauen gewesen als Gerkans Entwurf, so Mehdorn. Zuvor hatte er bereits das oberirdische Hallendach von 430 auf 321 Meter kürzen lassen.Der Bahnhof sei teuer genug geworden. Er sei ein Zweckbau und kein Monument. Trotzdem sei die Architektur "vom Feinsten", schlug Mehdorn auch versöhnliche Töne an. Am Terminplan will er festhalten, selbst wenn die Bahn den Streit vor Gericht verlieren sollte. Dann wird eben weiter geklagt. [mehr]
S T A N D P U N K TBahnhof Zoo ist ein Fall für das Kartellrecht
Juristen werfen der Bahn Machtmissbrauch vor
Aus: Berliner Zeitung, 17. November 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]BERLIN (pn). Mit der geplanten Streichung fast aller Fernzughalte am Bahnhof Zoo verstößt die Deutsche Bahn (DB) gegen das Kartellrecht. Zu diesem Ergebnis kommen Dennis Adelsberger und Matthias Berberich von der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität in einem Aufsatz für die Fachpresse. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter verweisen unter anderem auf den Paragrafen 19 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen. "Darin ist festgelegt, dass marktbeherrschende Unternehmen ihre Macht nicht missbrauchen dürfen", sagte Adelsberger. "Wenn die Bahn trotz massiver Fahrgastnachfrage vom 28. Mai 2006 an keine Fernzüge mehr am Zoo halten lässt, verstößt sie gegen diese kartellrechtliche Generalklausel." Im Fernzugverkehr sei die DB marktbeherrschend, da es fast keine Konkurrenz gibt. Kartellrechtlich bedenklich wäre es auch, dass die DB diese Macht durch den umfangreichen Neubau von Gewerbeflächen im Hauptbahnhof auf den Immobilienbereich ausdehnen will.
Helga Frisch, Theologin aus Grunewald, hat mehr als 80.000 Unterschriften für den Erhalt des Fernbahnhofs Zoo gesammelt. Ein Bürger habe ihr geschrieben, dass er die Läden im Hauptbahnhof boykottieren will. Frisch: "Eine ausgezeichnete Idee. Vielleicht die einzige Sprache, die Bahn-Chef Hartmut Mehdorn versteht." Der neue Bahnhof liege "in der Pampa", sagte die Grünen-Politikerin Franziska Eichstädt-Bohlig. Mehdorn wies die Kritik zurück: "Der Bahnhof Zoo wird nicht abgehängt." Für den Regionalverkehr und die S-Bahn bleibe er bedeutend. Fernreisende könnten ihre Züge mit der S-Bahn erreichen: "Das ist doch nicht schwierig."
Was tut die Bahn für Berlin was tut Berlin für die Bahn?
Aus: Berliner Zeitung, 17. November 2005, Seite ?? (Wirtschaft) von HARTMUT MEHDORN. Hartmut Mehdorn ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG. [Original]Die Bahn und Berlin das ist ein Kapitel für sich und zwar ein positives, weil Berlin wie keine andere Stadt der Republik von der Bahn profitiert. Die DB AG ist der größte Arbeitgeber der Stadt. Wir sind das einzige große, international bedeutsame Unternehmen, das nach der Wiedervereinigung seinen Firmensitz nach Berlin verlegt hat. Und damit nicht genug. Auch die Zentralen der großen Geschäftsbereiche, "Personenverkehr", "Bahnhöfe", "Transport und Logistik", haben wir nach Berlin verlegt. Rund 19.000 Menschen sind bei uns beschäftigt. In Brandenburg sind es weitere 9.000. Durch Aufträge und Kaufkraft kommen rund 50.000 weitere Arbeitsplätze hinzu. Wir stehen hier für knapp 80.000 Arbeitsplätze. Außerdem ist die DB einer der größten Ausbilder der Stadt. Und wir sind auch mit Abstand der größte Investor. Rund 10 Milliarden Euro investieren wir hier; 1,5 Milliarden Euro davon aus Eigenmitteln.
Händler bangen um Existenz
Bahnhof Zoo: Widerstand gegen Abkoppelung vom Fernverkehr wächst / Weniger Umsatz befürchtet
Aus: Berliner Morgenpost, 17. November 2005, Seite ?? (Bezirke) von BRIGITTE SCHMIEMANN. [Original]BERLIN-CHARLOTTENBURG. Die Protestbewegung gegen die Abkoppelung des Bahnhofs Zoo vom Fernverkehr findet immer mehr Anhänger. Nachdem das Bezirksamt Charlottenburg- Wilmersdorf sich für den Erhalt des Fernbahnhofs stark macht und von den Geschäftsleuten der AG City unterstützt wird, schlagen sich jetzt auch die Technische Universität und die Verbraucherzentrale auf die Seite der Gegner. Die Initiatorin der Bürgerinitiative Helga Frisch (Tel.: 892 10 07) will Bahnchef Hartmut Mehdorn im nächsten Jahr mit einer Viertelmillion Unterschriften in die Knie zwingen, damit er weiterhin ICE-Züge aus dem Ruhrgebiet und dem süddeutschen Raum auf der Ost-West- Strecke am Zoo stoppen läßt. 80.000 Unterschriften hat sie bereits. Und sie versichert, die Protestbewegung werde immer mächtiger, auch wenn die Planung der Bahn ab 28. Mai 2006 keinen Halt für Fernzüge mehr in der City West vorsieht: "Nichts läßt sich so leicht ändern wie ein Fahrplan. Wenn im Mai 2006 das große Chaos am Lehrter Bahnhof ausbricht, weil die Verkehrsanbindungen dort katastrophal sind, kann man den Halt am Zoo zur Not einfach ausrufen", so die engagierte Pfarrerin im Ruhestand.
Die Stimmung in etlichen Geschäften im Bahnhof Zoo ist derweil gedrückt. Auch Apothekerin Almut Hanusch rechnet mit Veränderungen. Reserven für Personaleinsparungen hat sie aber nicht: "Wir haben 13 Stunden am Tag geöffnet. Das muß abgedeckt sein." Bahnsprecher Holger Auferkamp hält die Sorgen für unbegründet. Mit mehr als 100.000 Passagieren jetzt 160.000 pro Tag bleibe der Zoo ein wichtiger Bahnhof. Alle 26 Geschäfte seien vermietet.
Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentrale fordert, daß der Zoo solange Fernhaltestopp bleiben soll, wie die Bürger ihn annehmen: "Es ist doch lächerlich und kleinlich, ihn wegen einer Zeitersparnis von vier Minuten abzukoppeln." In einem noch unveröffentlichten juristischen Fachaufsatz haben sich Dennis Adelsberger und Matthias Berberich, wissenschaftliche Mitarbeiter an der juristischen Fakultät der HU, mit dem Streit aus kartellrechtlicher Sicht befaßt. Sie kommen zu dem Ergebnis, daß die Bahn ihre marktbeherrschende Position mißbraucht. Indem sie die Verkehrsströme zum Lehrter Bahnhof lenke, vernachlässige sie die Nachfrage der Passagiere und behindere zugleich die Geschäftsleute in der City West, um am Lehrter Bahnhof erhöhte Erträge aus der Immobilienvermietung zu erzielen. Das wäre bei funktionierendem Wettbewerb nicht möglich und stellt ihrer Ansicht nach einen Verstoß gegen das Kartellrecht dar. Ob und inwieweit die betroffenen Unternehmen gerichtlich erfolgreich dagegen vorgehen können, bleibe abzuwarten.
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