Die Bahn in den Medien – Teil 3 khd
Stand:  26.5.2006   (31. Ed.)  –  File: Bahn/in_Me/dien_03.html




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B Ü R G E R I N I T I A T I V E

Unterschriften für den Bahnhof Zoo

ICE-Stopp: Initiative will Mehdorn [mit Zahlen] überzeugen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 22. Juli 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (CD). Gegen die Ankündigung der Deutschen Bahn AG, den Bahnhof Zoo ab Mai 2006 vom Fernverkehr abzukoppeln, wird jetzt eine Unterschriftenaktion gestartet. Eine Bürgerinitiative um die Theologin Helga Frisch und auch das Bezirksamt Charlottenburg- Wilmersdorf wollen der Kritik aus der Bevölkerung Nachdruck verleihen. Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) sagte, sie rechne bis zum Herbst mit mehreren hunderttausend Unterzeichnern. Bisher hatte sich Bahn-Chef Hartmut Mehdorn unbeeindruckt von aller Kritik gezeigt.

  Unterschriften-Liste:
Bürgerprotest gegen die
Schließung des Fernbahnhofs Zoo
  In PDF
Unterschriftenlisten liegen in den Rathäusern des Bezirks, Bürgerämtern und anderen Einrichtungen aus. Auch Geschäfte und andere Anlieger in der Umgebung des Bahnhofs Zoo wollen Unterschriften sammeln. Die Initiatorin Helga Frisch ist ehemalige Pfarrerin der Grunewaldkirche. Bundesweit bekannt wurde sie 1975 [und 1996] durch ihre "Aktion billiges Telefon". Mit 600.000 Protest-Unterschriften gelang es ihr, den Vier-Minuten-Takt bei Telefonaten zu verhindern. In der Initiative für den Bahnhof helfen ihr Studenten und Herbert Lorenz, Ex-Superintendent des Kirchenkreises Wilmersdorf. Lorenz ist der Auffassung, lange Wege seien für die vielen älteren Einwohner der City-West unzumutbar.

Die Bahn argumentiert, ein ICE­Halt am Zoo verlängere die Fahrtzeit zum neuen Hauptbahnhof um vier Minuten. Dagegen wies Helga Frisch auf die um 20 bis 30 Minuten längere Fahrzeit für Reisende hin, die in die City-West gelangen wollen. Sie müssten samt Gepäck umsteigen. Bahnchef Hartmut Mehdorn gehe es nur darum, den Hauptbahnhof und geplante Läden "doch noch profitabel zu machen".

Wer Unterschriften sammeln will, kann die Papiere unter Telefon [030-] 892 10 07 anfordern [Ed: oder gleich hier runterladen und ausdrucken (siehe Kasten)]. Ab Montag [25.7.2005] gibt es den Aufruf im Internet zum Ausdrucken (www.charlottenburg-wilmersdorf.de).

Zum Bürgerprotest gegen die Schließung des Fernbahnhofs Zoo:
[11.07.2005: Der Bahnhof Zoo liegt nicht in der Provinz]  (Brief des Bezirksamts an Bahn-Chef Mehdorn)
[13.07.2005: Mehdorn will Zentralen-Busbahnhof nach Mitte verlegen]  (BERLINER MORGENPOST)
[22.07.2005: Unterschriften für den Bahnhof Zoo]  (DER TAGESSPIEGEL)
[22.07.2005: Unterschriftenaktion für den Fernbahnhof Zoo]  (BERLINER ZEITUNG)
[22.07.2005: Unterschriften für den Bahnhof Zoo ICE-Stopp]  (DER TAGESSPIEGEL)
[28.07.2005: Grüne für Fernbahnhof Zoo]  (BERLINER MORGENPOST)
[28.07.2005: Grüne sammeln für den Bahnhof Zoo]  (BERLINER ZEITUNG)

[03.08.2005: Protest der Bürger wächst]  (BERLINER MORGENPOST)
[06.08.2005: Bahnhof Zoo: Auch SPD ruft zu Protesten auf]  (BERLINER MORGENPOST)
[09.08.2005: Eine Ex-Pastorin hat schon mehr als 10.000 Unterschriften für den Bahnhof Zoo gesammelt]  (BERLINER ZEITUNG)
[10.08.2005: Ab Mai hält jeder zweite Regionalzug nicht mehr am Zoo]  (BERLINER MORGENPOST)
[10.08.2005: 10.000 Unterschriften für Stop in der City West gesammelt]  (BERLINER MORGENPOST)
[11.08.2005: CDU sammelt Berlin-weit für den Bahnhof Zoo]  (BERLINER ZEITUNG)
[20.08.2005: Senat wirft Bahn falsche Darstellung vor]  (DER TAGESSPIEGEL)
[21.08.2005: Senat und Grüne fordern Fernzüge am Bahnhof Zoo]  (BERLINER MORGENPOST)
[22.08.2005: Bahnchef soll Steuergeld zurückzahlen]  (BERLINER MORGENPOST)
[27.08.2005: Bahn bewegt sich keinen Millimeter]  (DER TAGESSPIEGEL)
[27.08.2005: Berlin ist nicht Hamburg – und schon gar nicht das Ruhrgebiet]  (BERLINER ZEITUNG)
[29.08.2005: "Bahnchef Mehdorn ist berlinfeindlich"]  (BERLINER ZEITUNG)

[01.09.2005: Demo für den Bahnhof Zoo]  (BERLINER ZEITUNG)
[01.09.2005: Bahn muss Zusagen zum Fernverkehr einhalten]  (ABGEORDNETENHAUS VON BERLIN)
[02.09.2005: Die Bahn auf Crashkurs gegen Berlin ]  (BERLINER ZEITUNG)
[08.09.2005: Auch der Ostbahnhof stirbt]  (BERLINER ZEITUNG)
[11.09.2005: Zu wenige Busse zum Hauptbahnhof]  (BERLINER MORGENPOST)
[29.09.2005: Deutsche Bahn soll [endlich] sauber machen]  (BERLINER ZEITUNG)

[04.10.2005: Riesenposter für den Bahnhof Zoo]  (BERLINER ZEITUNG)
[06.10.2005: Im Größenwahn abgekoppelt]  (DER TAGESSPIEGEL)
[13.10.2005: Protestplakate gegen Aus für Fernzüge am Zoo]  (BERLINER MORGENPOST)
[17.10.2005: Fernbahnhof Zoo ist im neuen Fahrplan stillgelegt]  (DER TAGESSPIEGEL)
[24.10.2005: Abschied vom Bahnhof Zoo]  (SPIEGEL ONLINE)
[25.10.2005: Nein – es ist nicht Westalgie]  (khd-Kommentar)

[04.11.2005: Gewinner und Verlierer]  (BERLINER ZEITUNG)
[04.11.2005: Berlins Bahnhöfe ab 2006]  (BERLINER ZEITUNG)
[07.11.2005: Hauptbahnhof bleibt schlecht angebunden]  (BERLINER MORGENPOST)
[12.11.2005: Im Bahnhof Zoo hält künftig doch ein Fernzug]  (DER TAGESSPIEGEL)
[15.11.2005: Einkaufszentrum mit Gleisanschluss]  (DER TAGESSPIEGEL)
[17.11.2005: Bahnhof Zoo ist ein Fall für das Kartellrecht]  (BERLINER ZEITUNG)
[17.11.2005: Händler bangen um Existenz]  (BERLINER MORGENPOST)

[10.01.2006: Bahnhof Zoo: Protest hält an]  (BERLINER ZEITUNG)
[28.02.2006: 100.000 Unterschriften für Rettung des Bahnhofs Zoo]  (BERLINER MORGENPOST)
[28.02.2006: Initiative mobilisiert Politiker für Rettung des Bahnhofs Zoo]  (BERLINER MORGENPOST)
[28.02.2006: Warten aufs Machtwort]  (DER TAGESSPIEGEL)

[01.03.2006: Bahnhof Zoo wird Wahlkampfthema] ; (BERLINER MORGENPOST)
[01.03.2006: Im Streit um den Schienenplan setzt sich Mehdorn durch]  (BERLINER MORGENPOST)
[02.03.2006: Keine Hoffnung für den Fernbahnhof Zoo]  (BERLINER ZEITUNG)
[02.03.2006: Nur 20 Minuten zu spät]  (BERLINER MORGENPOST)
[26.04.2006: Demo für Bahnhof Zoo]  (DER TAGESSPIEGEL)
[28.04.2006: Protest gegen Schließung des Fernbahnhofs Zoo]  (BERLINER MORGENPOST)

[03.05.2006: Kränze für den ICE am Zoo]  (BERLINER ZEITUNG)
[07.05.2006: Auf Wiedersehen am Zoo]  (DER TAGESSPIEGEL)
[22.05.2006: Ein DDR-Plan wird jetzt Wirklichkeit]  (DER TAGESSPIEGEL)



Mit neuer Technik wäre der Tunnel S-Bahn-tauglich

In anderen Städten gibt es bereits Züge mit Duo-Antrieb, der für Berlin zu teuer sein soll.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 25. Juli 2005, Seite 10 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

BERLIN (tsp). Um den teuer gebauten Hauptbahnhof und den ähnlich kostspieligen neuen Tunnel für den Nord-Süd-Verkehr einigermaßen wirtschaftlich nutzen zu können, zwingt Bahnchef Hartmut Mehdorn die Fernzüge zur Fahrt durch die vier Röhren unter der Erde und koppelt damit die oberirdische Ost-West-Stadtbahn weit gehend vom Fernnetz ab. Eine andere Lösung gebe es aus seiner Sicht nicht, machte Mehdorn auch dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) klar. Von einer innovativen technischen Lösung wollen Bahn und Senat weiter nichts wissen. Was in Berlin als zu teuer bezeichnet wird, praktizieren aber andere Städte zum Teil seit Jahren erfolgreich: die so genannte Duo-S-Bahn.

In Berlin können sich Fern- und Regionalbahnen bis auf wenige Ausnahmen das Gleis nicht mit der S-Bahn teilen, weil sie mit unterschiedlichen Stromsystemen fahren. Fern- und Regionalzüge beziehen Wechselstrom aus der Oberleitung, die S-Bahn dagegen Gleichstrom aus einer seitlichen Stromschiene.

Das Trennen der Systeme ist technisch sehr aufwändig. Deshalb setzt man woanders auf so genannte Duo-Fahrzeuge, die verschiedene Antriebsarten "vertragen". Seit Jahren fahren so im Karlsruher Raum Straßenbahnen in der Innenstadt mit Gleichstrom und außerhalb auf Gleisen der Bahn mit Wechselstrom. Dieses S-Bahn-ähnliche Netz umfasst inzwischen weit mehr als 400 Kilometer. Ähnliche Konzepte gibt es in Saarbrücken und Kassel.

Auch ein Duo-Antrieb mit Strom und Dieselmotor ist möglich. In Nordhausen fahren die Straßenbahnen innerstädtisch mit Strom und auf der Überlandstrecke der Harzer Schmalspurbahn per Dieselmotor. Einen solchen Versuch hat die S-Bahn in Berlin vor Jahren schnell wieder aufgegeben.

Hamburg erweitert jetzt ebenfalls sein S-Bahn-Netz mit Duo-Fahrzeugen. Die im Normalfall wie in Berlin mit Gleichstrom betriebenen Züge fahren dann auf Bahngleisen mit Wechselstrom weit über Hamburg hinaus bis Stade.

Für den Einsatz solcher Fahrzeuge auch in Berlin hat sich jetzt nach den Grünen auch der Fahrgastverband IGEB eingesetzt. Damit würde es nicht nur den gewünschten Mehrverkehr im Tunnel, sondern auch viele zusätzliche Direktverbindungen zum Hauptbahnhof geben, argumentiert IGEB-Vorsitzender Christfried Tschepe, der hauptberuflich Stadtplaner ist. Im bisherigen S-Bahn-Tunnel aus den 30er Jahren fahren die Züge am neuen Hauptbahnhof vorbei und halten stattdessen im Bahnhof Friedrichstraße, wo die Fahrgäste dann Richtung Hauptbahnhof umsteigen müssen. Die Duo-S-Bahnen könnten auch Bahnhöfe erreichen, zu denen keine Stromschienen führen – etwa Werder, Rangsdorf oder Wünsdorf sowie Velten.

Solche Duo-S-Bahnen könnten verhältnismäßig einfach auf der Wannseebahn nördlich vom Bahnhof Schöneberg für die Fahrt durch den Tunnel auf die Fernbahngleise wechseln. Hierfür wäre nur eine kurze Gleisverbindung erforderlich. "Zu teuer", sagen hierzu Bahnsprecher Burkhard Ahlert sowie die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Manuela Damianakis, übereinstimmend. Auch der Bau der Duo-Fahrzeuge sei zu aufwändig. Hierfür gebe es kein Geld.

Eine Einfahrt in den neuen Tunnel, die genutzt werden könnte, gibt es allerdings bereits. Sie ist – für 26 Millionen Euro – für Züge der so genannten Stammbahn gebaut worden. Doch ob diese erste preußische Eisenbahnstrecke von Griebnitzsee über Dreilinden, Kleinmachnow und Zehlendorf Richtung Innenstadt wieder aufgebaut wird, ist ungewiss.

Sollte das Bauwerk am Tunnel nicht genutzt werden, müsste die Bahn die 26 Millionen Euro an den Bund zurückzahlen, der das Geld vorgeschossen hat. Bereits seit Jahren wird deshalb verhandelt.



V E R S C H W E N D U N G   Ö F F E N T L I C H E R   G E L D E R

Brücke ins Nichts

Eine rund 20 Millionen Euro teure Brücke wird dieser Tage bei Rödental in Oberfranken fertig gestellt – vorerst jedoch ohne Aussicht auf Nutzung.

Aus:
Der Spiegel – 30/2005, 25. Juli 2005, Seite 15 (Panorama Deutschland). [Original]

Die Itztalbrücke ist für die ICE-Strecke Nürnberg-Erfurt gedacht, doch der Bund legte das 1991 groß angekündigte "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nummer 8" aus Geldmangel auf Eis. Nur die 868 Meter lange Itztalbrücke wurde schon mal gebaut – und nun an beiden Seiten mit großen Toren verschlossen, damit niemand darauf herumturnt. Bis zum ersten Mal ein Zug über das 30 Meter hohe Bauwerk fährt, kann es drei Jahrzehnte dauern.

Die Gemeinde Rödental befürchtet, dass das Millionenprojekt dann schon wieder sanierungsbedürftig sein könnte. Die Anregung der Gemeinde, auf die Brücke einen schicken ICE-Waggon mit Restaurant zu setzen und den Gästen von dort den Ausblick über das idyllische Itztal zu ermöglichen, fand bei der Deutschen Bahn bislang keinen Anklang. Das Gleiche gilt für den Vorschlag, auf der ungenutzten Überquerung eine Skater- Strecke einzurichten.



Kampf um den Transrapid

Nordrhein-Westfalen (CDU) und Bayern (CSU) wollen die Schnellbahn Projekt erfordert hohe Bundeszuschüsse / Union verspricht eine Strecke / [Ed: aha, auch deshalb soll die Mehrwertsteuer erhöht werden]

Aus:
Berliner Zeitung, 28. Juli 2005, Seite ?? (Politik) von DANIELA VATES. [Original]

BERLIN – 27. Juli. Die neue nordrhein-westfälische Landesregierung hat Anspruch auf Fördermittel des Bundes zum Bau einer Transrapid-Strecke angemeldet und macht damit Bayern Konkurrenz. NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) sagte der Berliner Zeitung: "Wir möchten das Rhein-Ruhr-Gebiet mit einem der wichtigsten europäischen Wirtschaftsräume in Holland verbinden." Die Strecke zwischen Amsterdam und Düsseldorf oder Duisburg habe noch keine ICE-Verbindung. "Wir sind dafür, da die neue Technik anzuwenden." Nötig sei dafür aber finanzielle Unterstützung durch den Bund, für den die NRW-Pläne attraktiver sein müssten als das bayerische Transrapid-Projekt. In Bayern soll der Münchner Flughafen mit der Innenstadt verbunden werden. Im Wahlprogramm der Union wird der Bau einer Transrapid-Strecke in Deutschland angekündigt, der Ort aber nicht weiter spezifiziert.

Wittke sagte, die 37 Kilometer lange bayerische Strecke sei eine "solitäre Lösung" und lediglich eine Nahverkehrsverbindung. "Das ist nicht das, wofür die Magnetschwebebahn eigentlich konzipiert worden ist." Ziel dieser Technik sei es, innerdeutsche Flüge überflüssig zu machen. Die NRW-Planung für eine Strecke von rund 200 Kilometern sei als erstes Teilstück einer gesamteuropäischen Lösung zu sehen. "Man könnte die Strecke später weiterbauen nach Berlin, Brüssel und Paris", sagte Wittke. Der Minister räumte ein, dass über die Pläne seiner Regierung "sicher nicht in den nächsten zwei Jahren" entschieden werden könne.

In der CSU zeigte man sich deswegen überzeugt, dass München die erste deutsche Transrapid-Strecke bekommen wird. Der Vorsitzende des Bundestags- Verkehrsausschusses, Eduard Oswald (CSU), sagte dieser Zeitung, die bayerische Strecke sei das "aussichtsreichste Transrapid-Projekt". Wenn das Verfahren normal verlaufe, könne bereits 2006 das Baurecht für die Strecke erlangt werden. "Dieser zeitliche Vorsprung ist sicherlich ein nicht unbedeutender Vorteil der bayerischen Strecke." Oswald warnte, bei der Suche nach den besten Verkehrssystemen dürfe es in Deutschland kein Konkurrenzdenken geben. Der CSU-Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag, Peter Ramsauer, sagte, das Unions-Wahlprogramm beziehe sich eindeutig auf Bayern: "Jedem von uns ist die Assoziation München klar."

Auch die Wirtschaft setzt auf Bayern. Es sei erfreulich, dass auch andere Strecken diskutiert würden, sagte der Sprecher der Vermarktungsgesellschaft Transrapid International, Peter Wiegelmann. Angesichts des fortgeschrittenen Planungsstands habe aber München "höchste Priorität". Allerdings will die SPD-Regierung der Landeshauptstadt den Flughafen-Transrapid verhindern. Außerdem gibt es bei dem 1,6-Milliarden-Euro-Projekt noch eine Finanzierungslücke von mehreren 100 Millionen Euro. Der Transrapid wird von einem Konsortium aus Siemens und Thyssen-Krupp gebaut.

Mehrere Magnetbahn-Projekte in Deutschland sind in den vergangenen Jahren geplatzt, darunter eine Verbindung von Berlin nach Hamburg. Der "Metrorapid" zwischen Düsseldorf und Dortmund scheiterte am Widerstand der Grünen in der vorigen NRW-Landesregierung. Dieses Projekt will die neue CDU-Regierung in Nordrhein-Westfalen nicht wieder aufnehmen. "Das war eine Bimmelbahn auf Magnetschienen", sagt Minister Wittke.



Ab Mai hält jeder zweite Regionalzug nicht mehr am Zoo

10.000 Unterschriften für Stop in der City West gesammelt

Aus:
Berliner Morgenpost, 10. August 2005, Seite ?? (Bezirke) von BRIGITTE SCHMIEMANN und ELA DOBRINKAT. [Original]

BERLIN-CHARLOTTENBURG. Am Bahnhof Zoologischer Garten werden mit dem neuen Fahrplan im kommenden Mai nicht nur keine Fernzüge mehr halten. Auch die Regionalexpreßlinien (RE) werden ausgedünnt – auf etwa die Hälfte. Halten werden dort dann nur noch die RE 1, 2 und 7. Die Linien 3 (Stralsund/Schwedt-Dessau), 4 (Rathenow-Lutherstadt Wittenberg) und 5 (Rostock-Senftenberg) werden abgezogen. "Mit dem Pilzkonzept war klar, daß diese Linien über die Nord-Süd-Verbindung geführt werden. Das ist aber immer so vereinbart gewesen und planmäßig", sagte Georg Müller, der Leiter des Referats Öffentlicher Personennahverkehr in der Senatsverkehrsverwaltung, die die Regionallinien bei der Bahn bestellt. Die Stops sind dann beispielsweise Gesundbrunnen, Potsdamer Platz, Südkreuz und natürlich der Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof.

Joachim Neu von der Bürgerinitiative "Stuttgarter Platz" bemängelt vor allem, daß die 3 auf der Stadtbahn verbleibenden Regionalexpreßlinien nicht alle am Bahnhof Charlottenburg halten sollen: "Charlottenburg wird nicht nur vom ICE abgehängt, sondern auch vom Regionalverkehr." Schwarz auf weiß erfuhr er von Staatssekretärin Maria Krautzberger aus der Senatsverkehrsverwaltung, daß die Bahn nur noch den Regionalexpreß RE 7 (Dessau über Flughafen Schönefeld nach Wünsdorf) am Bahnhof Charlottenburg stoppen lassen will. Aus fahrplantechnischen Gründen. Die Senatsverkehrsverwaltung habe für Charlottenburg drei RE-Linien mit Halt bestellt. Krautzberger will nun darauf dringen, daß zumindest eine weitere in Charlottenburg hält.

"Das entspricht nicht den Zusagen der Bahn und des Landes, die man uns vor noch nicht allzu langer Zeit gemacht hat. Mit der Fertigstellung des Hauptbahnhofs wurden uns auf der Stadtbahn im Regionalverkehr viel mehr Möglichkeiten als jetzt versprochen", ärgert sich auch Karstadt-Geschäftsführer Fred Lehmann, der Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der Händler Wilmersdorfer Straße ist. Sollte es bei den jetzigen Planungen bleiben, werde die Kundschaft, die gezielt zur Fußgängerzone fahre, nicht mehr kommen.

Die Regionalbahn 10 (aus Richtung Nauen) wird nach Auskunft von Müller weiterhin mit Stop in Charlottenburg verkehren. Neu bestellt sei außerdem die Regionalbahn 14 als Flughafenverbindung von Schönefeld bis Charlottenburg, die auch am Zoo halten wird.

Die von der Bahn angeführten fahrplantechnischen Gründe seien nur vorgeschoben, sagt Christfried Tschepe, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Igeb. Es gebe sowohl bei DB Regio als auch beim Land Brandenburg ein Interesse, die Anzahl der Haltestellen zu reduzieren. Angeblich empfänden Regionalexpreß-Kunden jeden zusätzlichen Halt als Bremse. Dies stimme jedoch nicht. Ein Stop in Charlottenburg dauere nicht einmal drei Minuten.

"Von wegen weniger Regionalzüge", sagt Helga Frisch (Telefon: 892 10 07). Die ehemalige Pastorin, die vor allem für den Erhalt des Fernbahnhofs Zoo kämpft, hat schon mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt. "Wenn der Ansturm auf die Listen so weitergeht, haben wir bis Ende September weit mehr als 100.000", sagt sie. Die Pläne für das Aus des Fernbahnhofs hätten einen regelrechten "Volkszorn" geweckt. "Überzeugungsarbeit ist jedenfalls nicht nötig", beschreibt sie das Sammeln der Protestnoten. Bahnchef Hartmut Mehdorn werde sich noch über den Protest wundern. Es sei haarsträubend, wie man ohne Rücksicht auf die Kunden solche Entscheidungen fälle, "nur weil der Lehrter Bahnhof floppen könnte". Die CDU will an ihren Wahlkampfständen Unterschriften sammeln und sie an Helga Frisch übergeben. CDU-Landeschef Ingo Schmitt: "Der Bahnhof Zoo darf nicht zum Durchfahrtsgleis verkommen."



Bahnhof Zoo: Senat wirft Bahn falsche Darstellung vor

Der Streit um den Bahnhof Zoo eskaliert.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 20. August 2005, Seite ?? (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

BERLIN (Tsp). In einem internen Papier wirft die Stadtentwicklungsverwaltung der Bahn vor, sie manipuliere die Darstellung zum Berliner Bahnkonzept, um den Verzicht auf den Stopp von Fernzügen am Bahnhof Zoo zu rechtfertigen. Die Bahn wiederum droht dem Senat unterschwellig mit einem Abzug von Unternehmensteilen aus Berlin, zum Beispiel nach Potsdam. Berlin profitiere von einer starken Bahn. Dennoch versuche das Land, unternehmerische Freiheit und Wachstumschancen der Bahn einzuschränken, heißt es in einem internen Papier der Bahn.

Doch auch Friedenssignale werden ausgesandt. Gerade weil die Beispiele der Bahn zum Teil „groteske Züge“ hätten oder sogar „bewusst falsch“ dargestellt seien, sei es dringend geboten, eine atmosphärische Verbesserung herbeizuführen, schreibt die Stadtentwicklungsverwaltung in ihrer Stellungnahme.

Die Bahn will aber dabei bleiben, in Zukunft keine Fernzüge mehr am Bahnhof Zoo halten zu lassen. Dies machte gestern der Vorstand für den Personenverkehr, Karl-Friedrich Rausch, auf einer Diskussionsveranstaltung der Grünen im Ludwig-Erhard- Haus klar. Nach der Inbetriebnahme des Nord-Süd-Tunnels mit dem Hauptbahnhof und dem neuen Bahnhof Südkreuz (Papestraße) erreiche der Fernverkehr ohne Umwege das Zentrum der Stadt, argumentiert die Bahn. Dieses Konzept sei vom Senat vor 8 Jahren beschlossen worden. Dem widerspricht die Stadtentwicklungsverwaltung. Im so genannten Pilzkonzept, das den Bahnverkehr auf mehrere Stationen aufteilt, sei auch der Bahnhof Zoo als Haltepunkt für die Züge des Ost-West-Verkehrs vorgesehen gewesen, heißt es in der Stellungnahme. Der Chef der AG City, Kurt Lehrke, befürchtet, dass die City West ohne Fernbahnhof stark geschwächt wird. Die Bahn hat es schon vorweggenommen: In ihrem Papier fehlen bereits die Fernverbindungen von Wannsee und Spandau zum Zoo.



Grüne: Bahnchef soll Steuergeld zurückzahlen

„Die Idee, die Züge zu füllen, indem man die Bahnhöfe schließt, krönt das Preischaos und das Schlangestehen an den Schaltern.“

Aus:
Berliner Morgenpost, 22. August 2005, Seite ?? (Bezirke). [Original]

BERLIN-CHARLOTTENBURG (bsm). Franziska Eichstädt-Bohlig, Grünen-Mitglied im Verkehrsausschuß des Bundestages, fordert von Bahnchef Hartmut Mehdorn Steuergeld zurück. Hintergrund sind die Pläne der Bahn, den Bahnhof Zoo komplett vom Fernbahnverkehr abzukoppeln. Die Grünen hätten Mehdorn politisch für den Ausbau der Bahnstrecken viel Geld verschafft und seien jetzt enttäuscht, sagte Eichstädt-Bohlig bei einer Diskussionsveranstaltung ihrer Partei. Sie schätzt, daß der ICE-gerechte Ausbau der Stadtbahn rund 900 Millionen Euro gekostet hat. Wenn Mehdorn nun alle Züge durch den Nord-Süd-Tunnel führe, müßte er die Steuergelder zurückzahlen.

Pfarrerin Helga Frisch (Telefon 892 10 07), die bereits mehr als 10.000 Unterschriften für den Erhalt des Fernbahnhofs Zoo gesammelt hat, ist zuversichtlich, die Bahn noch umstimmen zu können: "Die Bahn behauptet von uns Berlinern im Westen gern, wir seien die ‚Ewig-Gestrigen‘. Aber die Berliner können sehr stolz sein auf das, was sie geleistet haben. Der Bahnhof Zoo ist weltberühmt." Wer die Traditionen dieser Stadt nicht begreife und ihre Symbolkraft mißachte, könne auch keine Zukunftsvisionen entwickeln. "Die Idee, die Züge zu füllen, indem man die Bahnhöfe schließt, krönt das Preischaos und das Schlangestehen an den Schaltern", so Frisch.

Die SPD Charlottenburg-Wilmersdorf lädt heute ab 19.30 Uhr zur Diskussion zum Thema "City-West ohne Fernbahnanschluß?" ins DGB-Haus an der Kleiststraße 19-21 (U-Bahnhof Wittenbergplatz). Es sollen Hintergründe und Gegenstrategien zu den Absichten der Bahn debattiert werden.



Neustart für den Zug zum Flughafen

Pläne für Dresdner Bahn: Kein Tunnelbau geplant.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 22. August 2005, Seite ?? (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

BERLIN (Tsp). Nach Jahren des Stillstands kommt jetzt wieder Bewegung in den Wiederaufbau der Dresdner Bahn. Die Eisenbahnstrecke durch Marienfelde und Lichtenrade soll nicht nur eine schnelle Verbindung Richtung Sachsen und Tschechien ermöglichen, sondern ist auch für den Flughafen-Express vorgesehen. Dieser soll einmal den künftigen Hauptbahnhof mit dem Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in gut 20 Minuten Fahrtzeit verbinden; Baukosten: 437 Millionen Euro.

Die Pläne sind ab heute bis zum 22. September im Gemeinschaftshaus Lichtenrade (Lichtenrader Damm 212) ausgelegt. Dabei bleibt es im Wesentlichen bei der von der Bahn von Anfang an gewollten Variante: die Gleise für den Fern- und Regionalverkehr sollen parallel zur S-Bahn ebenerdig gebaut werden. Die Bahnübergänge an der Säntisstraße und der Bahnhofsstraße in Lichtenrade werden durch Unterführungen für den Autoverkehr ersetzt; am Übergang Golzstraße bleibt nur noch eine Fußgängerbrücke.

Im jetzigen Verfahren, das nach Angaben eines Bahnsprechers wegen der jahrelangen Verzögerung angepasst werden musste, ändert die Bahn vor allem die ursprünglichen Lärmschutzmaßnahmen. Auf ein "besonders überwachtes Gleis", das häufiger instand gesetzt wird als ein herkömmliches, will sie verzichten. Weil mehr Nachtfahrten vorgesehen sind, sollen mehr Häuser mit Lärmschutzfenstern ausgestattet werden. Und einen besonderen Erschütterungsschutz soll es nur noch bei den Fernbahngleisen geben; bei der S-Bahn verzichtet die Bahn jetzt darauf.

Seit Jahren fordert eine Bürgerinitiative den Bau eines Tunnels für die Fernbahn. Die vorgesehenen Lärmschutzwände in Lichtenrade würden den Ort teilen – wie einst die Mauer Ost- und West-Berlin trennte, kritisiert Boto Mertins von der Initiative. Nur wären die Lärmschutzwände höher als die frühere Mauer. Jahrelang hatte sich der Senat für die Tunnelpläne der Bürgerinitiative eingesetzt und dafür Geld zurückgelegt, das für den Ausbau von Gleisanlagen vorgesehen war. Mehrfach hatten auch unterschiedliche Bundesverkehrsminister in internen Geprächen dem Senat zugesagt, die Mehrkosten für einen Tunnel zu übernehmen. Heute ist davon keine Rede mehr.

Weil sich Bahn und Senat nicht einigen konnten, ließ die Stadtentwicklungsverwaltung die eingereichten Pläne der Bahn einfach liegen und blockierte damit mehrere Jahre das Planungsverfahren. Erst 2004 war der Senat dann bereit, das Verfahren mit der ebenerdigen Variante fortzusetzen. Ob am Ende doch ein Tunnel gebaut wird, soll sich nun im Planfeststellungsverfahren oder spätestens vor Gericht entscheiden.



Protest gegen Dresdner Bahn

Anwohner fordern Tunnel durch Lichtenrade / Trassenpläne liegen aus

Aus:
Berliner Morgenpost, 23. August 2005, Seite ?? (Bezirke) von KATRIN SCHOELKOPF und ELA DOBRINKAT. [Original]

BERLIN. Die erneute Auslegung der Pläne für die Dresdner Bahn weckt Protest in Lichtenrade. Während Bund und Bahn eine oberirdische Lösung für die Trasse favorisieren, bestehen die Anwohner nach wie vor auf einem Tunnel, "damit Lichtenrade nicht in zwei Teile zerschnitten wird", sagt Manfred Beck von der Bürgerinitiative Lichtenrade Dresdner Bahn.

Vor 5 Jahren waren bereits 4.000 Einwände gegen die geplante Bahntrasse eingereicht worden. Zu einer Anhörung kam es jedoch nie. Deshalb liegen jetzt erneut "Ergänzungsunterlagen" aus, zu denen sich die Anwohner äußern können.

"Wir hoffen, daß bis spätestens 6. Oktober so viele Bedenken wie möglich eingereicht werden, damit diese Trasse nicht realisiert wird", sagt Beck. 2012 soll sie gebaut werden – mit einem Zubringer zum Airport Schönefeld ab Mahlow. "Dann sollen innerhalb von 24 Stunden inklusive S-Bahn 634 Züge über diese Strecke donnern, sagt Beck. Die Lichtenrader befürchten, daß die 4 Meter hohe Lärmschutzwand das Zentrum des Ortes zerstören wird.

Mit den fehlenden Planfeststellungsbeschlüssen für den Ausbau ist nicht nur die Fertigstellung der so wichtigen Fernbahnanbindung des künftigen Single-Airports BBI in Schönefeld und damit auch der Einsatz des Flughafen-Shuttle offen, sondern auch die Finanzierung. Eine Finanzierungsvereinbarung für den bislang mit 437 Millionen Euro veranschlagten Ausbau der Dresdner Bahn zwischen Bahn und Bund gibt es nach Auskunft von Bahn-Sprecher Michael Baufeld bislang noch nicht. Dafür müsse es erst Baurecht geben.

Grundsätzlich aber habe der Bund die Finanzierung zugesagt. Dort heißt es jetzt, "erforderlich seien nach letztem Preisstand 270 Millionen Euro Bundesmittel", wovon 90 Millionen Euro aus dem vom Bundesverkehrsministerium aufgelegten Zwei-Milliarden-Euro- Infrastrukturprogramm fließen. Ob die Bahn die Lücke zu den 437 Millionen Euro schließen soll oder EU-Mittel dafür beantragt werden, läßt der Bund offen. Auch die Bahn ist nicht in der Lage, Auskunft zu geben. Der Bund hält daran fest, den Flughafen-Shuttle zur Eröffnung des Flughafens 2011 über die Dresdner Bahn führen zu können.

Die Pläne liegen im Gemeinschaftshaus Lichtenrade, Lichtenrader Damm 212, Raum V 2.07, Mo.–Mi., 8–12 und 13–16 Uhr, Do., 10–14 und 15–19 Uhr, sowie Fr., 8–14 Uhr, aus. Die Bürgerinitiative ist unter Tel.: 745 26 63 zu erreichen.



Mehdorns neues Nadelöhr

Konzept des Bahnchefs für Berlin stößt auf Kritik im eigenen Haus: Die Station Papestraße ist für die ICE-Wartung nicht geeignet.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 24. August 2005, Seite ?? (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

Giftpilzkonzept
Aus: Der Tagesspiegel, 24.8.2005 (Kommentar).
BERLIN (gn). Da kommt was ins Rollen. Erst erklärt Bahnboss Hartmut Mehdorn den verdutzten Berlinern, durch das beschlossene „ Pilzkonzept“ sei seit 10 Jahren klar, dass die Fernzüge in Zukunft nicht mehr über den Bahnhof Zoo fahren werden. Nun, nach einem Proteststurm gegen die Degradierung des Bahnhofs zum Haltepunkt für Regionalzüge, stellt sich heraus, dass die eindrucksvolle Langzeitplanung der Bahn lediglich ein paar Kilometer weit reicht – nämlich nur bis zum Bahnhof Papestraße.

Dort können die ICEs auf ihrer neuen Strecke über den Hauptbahnhof zwar hinfahren, es fehlt allerdings einiges, was zu einem funktionierenden Bahnbetrieb gehört. Ein Ausbesserungs- werk etwa, um die Züge der Bahn künftig hier zu warten und zu reparieren. Das wiederum gibt es in Rummelsburg, also just an jener Trasse, die die Bahn künftig nicht mehr mit ihren Fernzügen befahren möchte.

Was das bedeutet? – Nicht alles, was angeblich so gut geplant daherkommt, ist wirklich durchdacht. Das könnte nun sogar Hartmut Mehdorn zum Nachdenken bringen. Etwa darüber, dass es sich ein Unternehmen nicht leisten kann, die Kunden nicht dort abzuholen, wo sie leben, nämlich in der Gegend um den verkehrsgünstig gelegenen Bahnhof Zoo.

Der Plan, mit der Linienänderung vor allem den Hauptbahnhof im Regierungsviertel mit Fahrgästen zu füllen, die sonst dort kaum aussteigen würden, war auch zu durchsichtig. Die beharrlichen Proteste von Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und die erfolgreiche Unterschriftenaktion haben offenbar ein behutsames Nachdenken der Bahnmanager befördert.
BERLIN (Tsp). Der Widerstand gegen das neue Bahnkonzept für Berlin von Bahnchef Hartmut Mehdorn wächst – im eigenen Haus und draußen. Bedenken von Bahn-Fachleuten gibt es nach Tagesspiegel-Informationen vor allem gegen das künftige Betriebskonzept am neuen Bahnhof Südkreuz (Papestraße). Dort soll laut Mehdorn nicht nur ein neuer Bahnhof entstehen, sondern gleichzeitig eine Art Miniwerkstatt, um die Züge an Ort und Stelle inspizieren und reinigen zu können. Dafür ist der Bahnhof aber nicht konzipiert. "Er kann dann schnell zum Nadelöhr für den Nord-Süd- Verkehr werden", sagt ein Fachmann der Bahn [Ed: es sei denn man fährt die leeren ICEs über die Anhalter Bahn nach Süden und über die Großbeerener Kurve (der Bau der Dresdner Bahn ist ja bislang vermieden worden) und den südlichen Eisenbahn- Außenring – quasi durch die Hintertür – zum ICE-Betriebswerk in Rummelsburg, was dann allerdings auch (wg. des riesigen, zeitfressenden Umwegs) die Fehlplanung – die totale Schildbürgerei – des Bahnknotens Berlin offenlegen würde].

Um den künftigen Hauptbahnhof im städtebaulichen Niemandsland am ehemaligen Lehrter Bahnhof mit Menschen zu füllen, wollte Mehdorn ursprünglich den gesamten Fernverkehr durch den Nord-Süd-Tunnel führen, der Ende Mai 2006 eröffnet werden soll. Dafür reicht die Kapazität am Südkreuz aber nicht aus.

Dort sind für den Fern- und Regionalbahnverkehr drei neue Bahnsteige geplant. Da sie vorläufig nicht alle gebraucht würden, wollte die Bahn zunächst nur zwei Bahnsteige komplett ausbauen. Jetzt will Mehdorn auch den dritten aktivieren, was jedoch erst Ende des Jahres möglich ist. Dann will der Bahnchef zumindest die Züge aus Frankfurt (Main) am Südkreuz enden lassen.

Die ICE-Einheiten erreichen so aber nicht mehr das für sie gebaute Betriebswerk in Rummelsburg, wo die Züge nicht nur gereinigt, sondern auch überprüft und repariert werden können. Dorthin geht es nur über die Stadtbahntrasse, an der auch der Bahnhof Zoo liegt. Um Zeit zu sparen und die teuren Züge schnell wieder einsetzen zu können, erhalten die ICE-Werke Fehlermeldungen schon aus dem fahrenden Zug. Diesen Vorteil gebe man bei Mehdorns Konzept auf, sagt der Fachmann, der namentlich nicht genannt werden will. Auch für das Leeren der Toiletten müsse am Südkreuz erst eine Lösung gefunden werden. Die Bahn hat nach Angaben eines Sprechers noch kein detailliertes Konzept dafür entwickelt.

Für desaströs hält Werner Franz, Chef des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), den Plan, von Mai 2006 an die Fernzüge auf der Stadtbahn nicht mehr am Bahnhof Zoo halten zu lassen. Es sei ein "ungeheures Risiko", sich kurz vor der Fußball-WM nur auf den dann noch nicht komplett fertigen Hauptbahnhof konzentrieren zu wollen, sagte er bei einer Diskussion der SPD am Montag.

Nach Ansicht von Christian Wiesenhütter von der IHK kann man alles machen, nur nicht an den Kunden vorbeifahren. Er forderte, dass zumindest morgens und abends weiter Züge am Zoo halten. Für den Fernbahnhof Zoo hat die frühere Pfarrerin Helga Frisch bereits rund 20.000 Unterschriften gesammelt.



Bahn bewegt sich keinen Millimeter

Trotz Protestes sollen am Zoo keine Fernzüge mehr halten. Politischer Druck Berlins lässt nach [Ed: und schuld daran hat wieder mal die SPD, die noch immer meint, der Bahn-Börsengang sei eine schlaue Idee...]

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 27. August 2005, Seite ?? (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

BERLIN (Tsp). Was unterscheidet die Bahnhöfe in Montabaur (12.450 Einwohner) und Limburg (33.600 Einwohner) vom Bahnhof Zoo in Berlin? In den beiden Kleinstädten an der Schnellfahrstrecke Köln — Frankfurt (Main) halten regelmäßig schnelle ICE-Züge, am Bahnhof Zoo dagegen sollen sie nach dem Willen der Bahn in Zukunft ohne Stopp durchfahren.

Der ICE-Stopp in Limburg und Montabaur sei auf politischen Druck von Hessen und Rheinland-Pfalz durchgesetzt worden, sagte dazu jetzt der Fahrplanchef der Bahn AG, Ingulf Leuschel. In Berlin dagegen hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) akzeptiert, dass der Bahnhof Zoo vom Fahrplanwechsel im Mai 2006 an keine Fernbahnstation mehr sein wird .

Politischen Widerstand gegen die Bahnpläne gibt es nur noch in der Stadtentwicklungsverwaltung unter Senatorin Ingeborg-Junge-Reyer (SPD) sowie von Parteien – auch von Wowereits SPD in Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Bezirksverordnetenversammlung dort unterstützt eine von der FDP angemeldete Demonstration für den Halt der Züge im Bahnhof Zoo am 1. September. Sie soll um 17 Uhr an der Uhlandstraße beginnen.

Die Bahn wolle den Fernverkehr "straffen" und im neuen Hauptbahnhof bündeln, wo alle Züge des Fernverkehrs halten werden, argumentiert Bahn-Mann Leuschel. Da der neue Bahnhof "sehr schick" werde, kämen die Kunden auch dorthin. Ankommende Fahrgäste würden dann, anders etwa als in Paris oder London, "in der Mitte der Stadt begrüßt". Die Konzentration auf einen Bahnhof schaffe "Klarheit und Wahrheit" bei den Abfahrtsstationen. Kritiker entgegnen, dass Fahrgäste durchaus verstehen würden, dass Züge in Nord-Süd-Richtung in den neuen Bahnhöfen Hauptbahnhof und Südkreuz halten und es im Ost-West-Verkehr Stopps auf der Stadtbahn gebe – einschließlich Bahnhof Zoo.

Doch davon wollen die Bahnoberen, auch gegen Widerstand von Fachleuten im eigenen Haus, nichts wissen. Sie halten auch daran fest, vom Dezember an die Züge aus München/Frankfurt (Main) nur im Hauptbahnhof und in Südkreuz halten zu lassen; eine ICE-Weiterfahrt zum künftigen Flughafen komme später nicht in Frage, bekräftigte Leuschel. In Südkreuz sollen die ICE nur kurz gereinigt werden, auf die bisher mögliche Untersuchung im Betriebswerk Rummelsburg will die Bahn verzichten. So müsse die Bahn einen ICE-Zug am Tag weniger einsetzen, sagte Leuschel. Und das spare Geld. Mehr Züge soll es von Ende Mai an Richtung Hamburg geben. Dann wird stündlich ein ICE beide Städte verbinden.

Auch das private Unternehmen Connex wird wohl nicht am Bahnhof Zoo halten. Für den einen pro Tag geplanten Zug von Westerland nach Berlin gibt es laut Bahn in Hamburg keine freien Gleise [Ed: was natürlich klar gelogen ist].

Auch wenn die Fernzüge in Zukunft auf der Stadtbahn nur noch im Haupt- und im Ostbahnhof stoppen, soll als Ziel auf den Fahrscheinen weiter "Stadtbahn" stehen. Hier will die Bahn traditionsbewusst bleiben.



Berlin ist nicht Hamburg – und schon gar nicht das Ruhrgebiet

Es bleibt dabei: Zoo kein Fernbahnhof mehr / DB verteidigt ihr Konzept

Aus:
Berliner Zeitung, 27. August 2005, Seite ?? (Berlin) von PETER NEUMANN. [Original=477644.html]

BERLIN. Sind die Berliner undankbar? So krass würde es Ingulf Leuschel, der oberste Fahrplanchef der Deutschen Bahn (DB), nicht ausdrücken. Das verbietet dem Manager, der in Wedel bei Hamburg aufwuchs, allein schon die hanseatische Höflichkeit. Doch Leuschel macht keinen Hehl daraus, dass ihn die hitzige Diskussion um das Bahnkonzept 2006 irritiert – weil es immer nur um die Zukunft des Bahnhofs Zoo geht.

"In München, Köln, Hamburg erlebe ich einen unheimlichen Neid auf die Berliner", sagt er. Dort reichen die Trassen für die vielen Züge kaum aus, fehle Geld für Investitionen. "Dagegen hat Berlin mit dem Hauptbahnhof, den anderen neuen Stationen und der Nord-Süd-Verbindung mit dem Tiergartentunnel einen großen Sprung nach vorn gemacht. Wenn auch noch das Ostkreuz saniert worden ist, werden der Bund und die Bahn zehn Milliarden Euro investiert haben." Viele Berliner hätten das offenbar nicht erkannt. Stattdessen fordern sie, dass auch nach dem Fahrplanwechsel zum 28. Mai 2006 Fernzüge am Zoo halten – "aus Gewohnheit", wie der Manager bedauernd feststellt.

Grüne gegen "Zwangsbeglückung"

Der Europa-Abgeordnete Michael Cramer nennt den Plan, die Reisenden auf andere Bahnhöfe zu verteilen, "sozialistische Zwangsbeglückung". Der Grünen-Politiker erwartet, dass Kunden der DB den Rücken kehren werden. Leuschel widerspricht. Denn so einzigartig sei das, was 2006 geschieht, nicht. "In Kassel wurde der Fernverkehr vom Hauptbahnhof nach Wilhelmshöhe verlagert – die Fahrgastzahlen stiegen. In Brüssel hält in Central kein Fernzug mehr, dieser Verkehr wurde im Bahnhof Midi konzentriert – auch dort gab es Fahrgastzuwachs."

Bahn-Kritiker vergleichen Berlin wegen seiner Ausdehnung mit dem Ruhrgebiet, wo der ICE ebenfalls häufig anhalte. Doch Leuschel hält auch dies nicht für stichhaltig: "Im Ruhrgebiet ist der kürzeste Bahnhofsabstand der zwischen Bochum und Essen – 16 Kilometer." Da lägen die Fernbahnhöfe in Berlin immer noch dichter zusammen. Und mit Hamburg, wo der ICE auch in der kleinen Station Dammtor stoppt, könne Berlin ebenfalls nicht verglichen werden. Denn der Halt sei aus der Not geboren: Im Hauptbahnhof sei der Bahnsteig an den Gleisen 13 und 14, an dem viele Fernzüge abfahren, zu schmal – Dammtor werde zur Entlastung gebraucht. Im Berliner Hauptbahnhof seien dagegen die Bahnsteige breit genug.

Vier Minuten Fahrzeit würden gespart, wenn Fernzüge am Zoo nicht mehr halten. Im Wettbewerb mit dem Auto und den Billigfliegern könne das entscheidend sein, sagt Leuschel. Aber warum will die Bahn dann an dem Fahrgastpotenzial im Westen Berlins vorbeifahren? Sicher seien Fahrgäste 15 Minuten länger unterwegs, wenn sie statt des Zoos andere Bahnhöfe ansteuern – der DB-Mann beziffert ihre Zahl auf "weniger als 10.000 pro Tag". "Doch die Masse der Berliner wird gewinnen." Mit der Zahl der Fernbahnhöfe steige auch die Zahl der Zughalte.

Am Gesundbrunnen stoppt ab Mai 2006 der Intercity Stralsund-Düsseldorf, morgens außerdem der ICE nach München. "Das Südkreuz, das am S-Bahnhof Papestraße entsteht, wird ein Treffer" – dort hält der ICE Berlin-Hamburg. Von Dezember 2006 an endet am Südkreuz auch der ICE aus Basel und Frankfurt am Main, um nach einer Viertelstunde wieder zurückzufahren.

"Durch diese Änderung sparen wir einen Triebzug, also Geld", sagt Leuschel. Diese Züge fahren nicht mehr wie heute erst mal ins Betriebswerk Rummelsburg. "Das ist vielerorts so üblich, zum Beispiel in Bonn oder Stuttgart. Probleme gibt es nicht – warum gerade in Berlin?"



Wowereit: Der ICE muss am Flughafen halten

Regierungschef kritisiert Deutsche Bahn scharf

Aus:
Berliner Zeitung, 30. August 2005, Seite ?? (Berlin) von CHRISTINE RICHTER. [Original=478496.html]

BERLIN. Der ICE muss nach Ansicht des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) am Großflughafen Schönefeld halten. "Das kann nicht das letzte Wort sein", sagte Wowereit am Montag bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer zu den Plänen der Deutschen Bahn (DB), den ICE an Schönefeld vorbeifahren zu lassen.

Der Bahnhof am Airport Berlin-Brandenburg, der im Jahr 2011 in Betrieb gehen soll, werde nicht nur für Regionalzüge gebaut, sagte Wowereit. Dort sollten auch Fernzüge halten, nur dies rechtfertige die Dimension des Bahnhofes. Wowereit übte scharfe Kritik an der DB, die immer wieder ihre Pläne ändere. Er werde sich auch nicht von den Drohungen der Bahn, aus Berlin wieder wegzuziehen, beeindrucken lassen. "Das kann ich schon gar nicht mehr hören", sagte Wowereit. Es sei im Interesse der Deutschen Bahn, den ICE in Schönefeld stoppen zu lassen, da dieser Flughafen auch für Passagiere aus Osteuropa interessant werde.

In den Streit um die Zukunft des Bahnhofs Zoo will sich Wowereit nicht mehr groß engagieren. Es sei klar, dass es in Berlin zu Veränderungen kommen müsse, wenn ein neuer Hauptbahnhof am Lehrter Bahnhof entstehe und die Bahnhöfe Gesundbrunnen und Papestraße ausgebaut seien. Die DB-Manager sollten sich aber überlegen, ob es nicht sinnvoll sei, am Bahnhof Zoo auch künftig noch den einen oder anderen Fernzug halten zu lassen. "Das hat etwas mit Kundenfreundlichkeit zu tun", sagte Wowereit.

BND soll nach Berlin

Bei der Debatte mit rund 150 Unternehmern sprach sich der Regierende Bürgermeister außerdem für den Umzug des Bundesnachrichtendienstes (BND) nach Berlin aus. "Die Entscheidung war richtig", sagte Wowereit. Der Beschluss, die Behörde mit rund 4.000 Beschäftigten von Pullach bei München in die Hauptstadt zu verlegen, dürfe auch bei einem Regierungswechsel nicht in Frage gestellt werden. Zu einer Verlagerung aller Bundesministerien mit ihren Mitarbeitern in die Hauptstadt wollte sich Wowereit nur indirekt äußern. "Wenn man mich fragen würde, ob ich das gut finden würde, würde ich mit Ja antworten", sagte der Regierungschef.

Drei Wochen vor der Bundestagswahl verteidigte Wowereit die Arbeitsmarktreform Hartz IV nachdrücklich. "Ich halte noch radikalere Reformen für richtig", sagte der Regierende Bürgermeister. Die Sozialversicherungssysteme müssten reformiert werden, auch wenn sich die Wirkungen erst in 30 Jahren zeigen würden. "Es muss sich etwas verändern", so Wowereit. Er kritisierte in diesem Zusammenhang erneut die Linkspartei mit ihren Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine und Gregor Gysi. "Die Populisten von der Linkspartei versprechen alles, Verantwortung wollen sie aber gar nicht übernehmen", sagte der SPD-Politiker. Dass er eine Koalition mit der Linkspartei für die Zeit nach dem Jahr 2009 nicht ausschließt, wiederholte Wowereit am Montag nicht. Und keiner der anwesenden Unternehmer fragte ihn nach dieser rot-roten Vision.



In die Röhre geschaut

U 55 im Rohbau fertig / Zur Fußball-WM rollt Shuttlezug

Aus:
Berliner Morgenpost, 31. August 2005, Seite ?? (Berlin) von SABINE FLATAU. [Original=776486.html]

BERLIN-MITTE. Die BVG ist wild entschlossen, ihre Zusage zu halten: Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fährt der erste Zug der sogenannten Kanzlerlinie U 55 zwischen Pariser Platz und Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof – wenn auch im provisorischen Shuttlebetrieb mit zwei Wagen. Wenn der Ball rollt, wird auch der Pariser Platz ohne Baustelle sein. "Zumindest, was die BVG angeht", verspricht Thomas Necker, BVG-Vorstand Betrieb. Verantwortliche der Verkehrsbetriebe informierten gestern über den Stand der Arbeiten im Tunnel, der bereits im Rohbau fertig ist.

Fast 2 Kilometer lang ist die Strecke. Maschinen, Bauteile und Beton gelangen durch eine 18 mal 4 Meter große Öffnung nördlich vom Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof in die Tiefe von rund 12 Metern. Eine Meisterleistung vollbringen die Fahrer der Betonmischer, die ihren Lkw vollbeladen und bis unter den Pariser Platz rückwärts durch die Röhren fahren. Nur wenige Zentimeter liegen zwischen Wänden und Außenspiegel. Auch die U-Bahnwagen sollen durch die große Öffnung eingelassen werden und acht Jahre lang, bis zur nächsten technischen Hauptuntersuchung, in der Tiefe bleiben. Für sie wird eine unterirdische Werkstatt angelegt. Nur rund 2,5 bis 3 Minuten dauert eine Fahrt.

Ein imposantes, wenn auch überdimensioniertes Bauwerk ist die 140 Meter lange und 19 Meter breite Bahnsteighalle des U-Bahnhofs Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof. Ihre Höhe beträgt elf Meter, erforderlich wären nur etwa vier Meter. "Eine großzügige Architektur", sagt Uwe Kutscher, Leiter der Bauabteilung U-Bahn. Allerdings bereite sie einige Probleme, etwa bei der Gestaltung der großen Wände und beim aufwendigen Graffitischutz. Bis zu einer Höhe von fünf Metern werden die Wände mit Emailleplatten belegt. Zwölf Motive von Berliner Fernbahnhöfen werden aufgedruckt.

Wo der Tunnel unter der Spree verläuft, sind Wehrtore eingebaut, die bereits funktionsfähig sind und das Bauwerk gegen eindringendes Wasser abschotten können.

Die U-Bahn wird 2007 fertiggestellt und eingleisig fahren. Die Schienen werden ab Herbst 2005 bis Anfang 2006 verlegt. Größtenteils verläuft die Kanzlerlinie unter sensiblen Bauwerken, etwa am Pariser Platz und am Reichstag. Deshalb sorgt das sogenannte Masse-Feder-System für einen besonderen Lärmschutz. Tröge aus Stahlbeton werden auf einer elastischen Schicht aufgebracht, so daß Schwingungen nicht an die Tunnelwände weitergegeben werden. Die Tröge nehmen Schotter, Holzschwellen und Schienen der U-Bahn auf.

Tunnel der Stummel-U-Bahn U 55 in Berlin-Mitte
^   Die Tunnelröhre der neuen Berliner (Stummel-)U-Bahn U 55, die im Schildvortrieb gebaut wurde. Die Röhre reicht vom neuen Lehrter Bahnhof (Hauptbahnhof) bis zum Pariser Platz am Brandenburger Tor. Ab Herbst 2005 werden hier die Gleise verlegt.   (Foto: 31.8.2005 – mopo/dpa)

Den Rohbau des U-Bahnhofs Reichstag hat Architekt Axel Schultes aus poliertem Sichtbeton gebaut. 30 Oberlichter ermöglichen, daß man tagsüber Energie einsparen kann. Der Boden wird aus hellgrünem Gneis angelegt. [mehr]



Abgeordnetenhaus: Bahn muss Zusagen zum Fernverkehr einhalten

Aus:
Yahoo-News, 1. September 2005, 17.05 Uhr MESZ (Vermischtes). [Original]

BERLIN (ddp-bln). Das Abgeordnetenhaus fordert von der Deutschen Bahn den Erhalt des Fernverkehrs am Bahnhof Zoo. Auch der künftige Großflughafen Schönefeld müsse mit seiner Inbetriebnahme 2011 an das ICE-Netz angeschlossen werden, heißt es in einem Entschließungsantrag aller Fraktionen, der am späten Donnerstagabend [1.9.2005] beschlossen werden sollte [Ed: und dem alle Fraktionen zustimmten]. Darin appellieren die Abgeordneten an die „Verantwortlichen, zu einer gedeihlichen Partnerschaft zwischen der Bahn und dem Land Berlin zurückzukehren“.

Die Absicht der Bahn, den Bahnhof Zoo als Fernbahnhalt stillzulegen, widerspreche dem vereinbarten Konzept, wird in dem Antrag betont. Die Konsequenz wären längere Wege für viele Bürger und eine Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Entwicklung der West-City. Die Abgeordneten appellieren an die Bahn, sich einer kundenfreundlichen und stadtverträglichen Lösung „nicht weiter zu verweigern“. Das Unternehmen begründet seine Haltung mit dem teuren Ausbau des Hauptbahnhofs/Lehrter Bahnhofs, an dem der Fernverkehr künftig aus Kostengründen konzentriert werden soll.

Auch beim künftigen Großflughafen Schönefeld müsse die Bahn ihr Versprechen aus dem Jahr 1996 halten, dort eine ICE- Schienenanbindung einzurichten, heißt es in dem Antrag weiter. Eine Weigerung würde dem wichtigsten Infrastrukturprojekt in der Region „schweren Schaden zufügen“. Der kürzlich auf „massiven politischen Druck“ hin erfolgten Zusage des Unternehmens, spätestens mit der Eröffnung des Flughafens dort auch ICE-Züge halten zu lassen, misstrauen die Abgeordneten. Sie fordern deshalb eine verbindliche Vereinbarung.



Die Bahn auf Crashkurs gegen Berlin

Hartmut Mehdorn greift Regierenden Bürgermeister an

Aus:
Berliner Zeitung, 2. September 2005, Seite ?? (Berlin) von CHRISTINE RICHTER und PETER NEUMANN. [Original=479384.html]

BERLIN. Die Stimmung zwischen Bahnchef Hartmut Mehdorn und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist auf dem Tiefpunkt. Nach dem Streit um den Halt des Intercity Express (ICE) am künftigen Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld warf Mehdorn dem Regierungschef in einem Brief nun vor, er lasse sich von nicht-bahnfreundlichen Meldungen zu schnell auf die Spitze bringen.

Nach Berichten über Pläne der Deutschen Bahn (DB), den ICE nicht in Schönefeld halten zu lassen, hatte der Regierende Bürgermeister am vergangenen Wochenende keinen telefonischen Kontakt zu Mehdorn gesucht, stattdessen aber am Montag die DB heftig kritisiert. Es könne nicht das letzte Wort sein, dass die Fernzüge in Schönefeld nicht stoppen sollten, so Wowereit. Einen Tag später stellte ein Sprecher der Bahn klar, zwar würden ICE vom 28. Mai 2006 an nicht mehr in Schönefeld halten, sehr wohl aber, wenn der Großflughafen in Betrieb gehen soll – also nach jetzigem Stand ab 2011.

In dem Schreiben Mehdorns von Dienstag [30.8.2005], das der Berliner Zeitung vorliegt, heißt es nun: "Es sei hier nur angemerkt, dass die DB AG niemals gesagt hat, dass wir nicht zum BBI fahren. Selbstverständlich tun wir das und sehen eine ICE-Anbindung des BBI vor." Die Bahn habe lediglich erklärt, dass sie über den Fahrplan im Jahr 2011 noch keine Auskunft geben könne, da dieser noch nicht erstellt sei. Sein Schreiben beendete Mehdorn mit deutlichen Worten an Wowereit: "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sich nicht von jeder Pressemeldung, die ja leider nicht so besonders bahnfreundlich sind, auf die Spitze bringen ließen." Der Regierende Bürgermeister wollte sich zu dem Konflikt nicht äußern. Er kommentierte das Schreiben gestern nur mit einem Satz: "Ich danke für die Klarstellung der Bahn."

Demo für den Bahnhof Zoo

Es ist nicht das erste Mal, dass Bahn-Manager und Berliner aneinander geraten. Gestern Nachmittag begann in Charlottenburg eine Demonstration für den Bahnhof Zoo – vorläufiger Höhepunkt einer Protestwelle, die sich gegen die von der DB geplante Abkopplung dieser Station vom Fernzugnetz stellt. West-Berliner befürchten, dass sie vom 28. Mai 2006 an länger unterwegs sein werden, wenn sie erst zum Hauptbahnhof fahren müssen. Die Bahn entgegnet, dass es mit Spandau, dem Südkreuz und Gesundbrunnen noch andere Fernbahnhöfe gibt. Außerdem spare sie bei jeder Fahrt 4 Minuten, wenn nicht mehr am Zoo gehalten wird.

Im Frühjahr hatte die Bahn den Senat mit der Ankündigung überrascht, dass sie kein Geld für die geplanten Vorplätze am neuen Bahnhof Südkreuz hat. Damit die Fahrgäste nicht durch Schlamm waten müssen, prüft der Bund auf Bitten des Senats, ob er einen Zuschuss zahlen könnte. Der Senat kritisiert auch, dass immer noch nicht absehbar ist, wann das Ostkreuz saniert wird. Aber auch die DB hatte Grund zur Kritik: Das Land ist verantwortlich dafür, dass das Genehmigungsverfahren für den Wiederaufbau der Dresdener Bahn jahrelang ruhte – die Verwaltung wollte sich nicht mit Lichtenrader Anliegern [Ed: darunter der ‚Regierende‘ Wowereit] anlegen.



ICE nach Schönefeld – 500 Millionen Euro bewilligt

Unterirdischer Bahnhof geplant – Bund und Länder einigen sich auf Finanzierung

Aus:
Berliner Morgenpost, 6. September 2005, Seite ?? (Brandenburg) von DIETER SALZMANN. [Original]

POTSDAM/BERLIN (BM). Der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg haben sich nun doch auf eine ICE-Anbindung des künftigen Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld geeinigt und deren Finanzierung in einer Rahmenvereinbarung zum Ausbau des BBI mitgeregelt. Danach übernimmt der Bund mit 436 Millionen Euro den Löwenanteil der auf 500 Millionen Euro veranschlagten Kosten. Berlin und Brandenburg sind mit jeweils 30 Millionen Euro beteiligt.

"Der Bund ist den beiden Ländern sehr weit entgegen gekommen", sagte Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD), der die Vereinbarung gestern in Berlin vorgestellt hat. Durch die Regelung sei die Basis geschaffen, um an der Realisierung des Flughafenprojektes weiterarbeiten und die bestehenden Flughäfen Tegel und Tempelhof schließen zu können. Die Bahn habe nun "größtmögliche Planungssicherheit" bezüglich der Schienenanbindung Schönefelds, sagte Stolpe.

Der Minister räumte damit endgültig Irritationen aus dem Weg, die in der vergangenen Woche durch einen Bahn-Manager hervorgerufen worden waren. Dieser hatte den Anschluß des geplanten Hauptstadt-Airports an das Fernbahnnetz in Frage gestellt.

In dem unterirdisch angelegten zukünftigen BBI-Bahnhof sollen auch die S-Bahn, Regionalzüge und Shuttle-Züge zum künftigen neuen Berliner Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof halten. Mit der Errichtung des Rohbaus der Schienenstrecke innerhalb des Flughafengeländes soll "zur Realisierung von Synergieeffekten" die Flughafengesellschaft beauftragt werden; die übrigen Teile der Schienenanbindung und die technische Ausrüstung der Gesamtstrecke werden von der Bahn AG realisiert.

Über die Bahn-Finanzierung hinaus wurde in der Vereinbarung zwischen Bund, Berlin und Brandenburg der bereits im Konsensbeschluß zugesagte Bundeszuschuß in Höhe von bis zu 74 Millionen Euro für die Straßenanbindung des Flughafens festgeschrieben. Das Geld würde bedarfsgerecht entsprechend dem Baufortschritt bereitgestellt, teilte das Ministerium mit.

"Das wichtigste Infrastruktur-Projekt in Ostdeutschland hat damit eine verbindliche Grundlage", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Die Vereinbarung sei "ein Meilenstein". Sobald das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden habe, daß der neue Hauptstadtflughafen gebaut werden könne, gehe es los.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht "die Weichen zum Großflughafen gestellt". Nach diesen grundlegenden Verständigungen stehe dem Bau nun seitens des Bundes und der beiden beteiligten Länder nichts mehr im Wege. "Ich freue mich, daß nunmehr auf politischer Ebene alles klar ist", sagte Wowereit. Der neue Flughafen, der anstelle des jetzigen Flughafens Schönefeld errichtet werden soll, soll nach bisherigen Planungen im Jahr 2011 in Betrieb gehen.

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