Die Bahn in den Medien – Teil 2 khd
Stand:  15.11.2005   (34. Ed.)  –  File: Bahn/in_Me/dien_02.html




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B A H N   V E R A B S C H I E D E T   S I C H   V O M   P I L Z K O N Z E P T

Es kracht zwischen Bahn und Senat

Berlin fühlt sich durch geänderte Fernverkehrs-Pläne hintergangen – und es gibt noch mehr Streitpunkte.

Neues Konzept der Bahn        
^   Das von der Deutschen Bahn zum Nachteil ihrer Kunden veränderte Pilzkonzept. Am Bahnhof Zoo und am Ostbahnhof werden u. a. keine ICEs mehr halten.   (Text+Repro: 2.6.2005 – khd)
Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 2. Juni 2005, Seite 9 (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

BERLIN. Die Stadtentwicklungssenatorin fühlt sich hintergangen und auch sonst kracht es zwischen der Bahn und dem Senat gewaltig. Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ist in diesen Tagen nicht als Einzige überrascht vom Verhalten des Unternehmens. Sie hatte die Pläne der Bahn, den Fernverkehr auf der Stadtbahn zwischen Ostbahnhof und Bahnhof Zoo fast komplett zu streichen kritisiert. Außerdem hat die Bahn die Landesregierung damit überrascht, sich nicht am Bau des Vorplatzes für den künftigen Bahnhof Südkreuz an der Papestraße zu beteiligen. Und auch beim Bau der geplanten S-Bahn-Strecke S 21 vom Nordring zum neuen Hauptbahnhof sieht der Senat die Bahn als Bremser.

Bahnchef Hartmut Mehdorn und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) versuchten gestern in einem Gespräch, die Wogen zu glätten. Das Zusammentreffen war schon vor einiger Zeit vereinbart worden. Zum Ergebnis wollten sich beide Seiten gestern nicht äußern.

Erst vor kurzem hatte sich Mehdorn beklagt, der größte Arbeitgeber der Stadt werde vom Senat nicht ausreichend unterstützt. Im Gegenteil: Bei der S-Bahn habe der Senat einen Vertrag durchgesetzt, der in den nächsten Jahren zu einem finanziellen Verlust führen werde. Vor wenigen Jahren hatte die S-Bahn bilanzmäßig noch einen Gewinn für die Bahn eingefahren.

Jetzt haben die neuen Pläne der Bahn die Berliner Verkehrspolitiker in Rage gebracht. Junge-Reyer will sich nicht damit abfinden, dass Fernzüge in Zukunft die Stadtbahn mit den Bahnhöfen Ostbahnhof und Zoo meiden. Auch sie sucht das Gespräch mit der Bahn. Diese will, wie berichtet, den Fernverkehr auf den Nord-Süd-Tunnel konzentrieren, der Ende Mai 2006 eröffnet werden soll. Bis auf wenige Ausnahmen würden ICE- und IC-Züge dann nur noch im unterirdischen Teil des künftigen Hauptbahnhofs und im neuen Bahnhof Südkreuz an der Papestraße sowie zum Teil in Spandau halten.

Die Bahn habe damit die gemeinsam mit dem Senat Anfang der Neunzigerjahre entwickelte Planung verlassen, kritisierte die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Rohland.

Aus fürs Pilzkonzept
BERLIN (khd). Nach den bisherigen Plänen sollte der Fernverkehr in Berlin auf mehrere Bahnhöfe (Ostbahnhof, neuer Lehrter Bahnhof, Bahnhof Zoo, Spandau und neuer Bahnhof Papestraße) verteilt werden. Dazu hatten der Bund, die Deutsche Bahn und der Berliner Senat das sogenannte Pilzkonzept entwickelt und verbindlich beschlossen.

Der nördliche Eisenbahn-Innenring bildet dabei den Hut, von dem die Züge in den neuen Nord-Süd- Tunnel abzweigen – den Stiel des Pilzes. Als Krempe sollte die Stadtbahn mit den Bahnhöfen Ostbahnhof und Zoo fungieren, die auch einen direkten Anschluß zum ICE- Betriebswerk in Rummelsburg hat.

Nun will die Deutsche Bahn fast alle Fernzüge über Spandau und den Nordring in Wedding in den Tunnel führen, um ihr neues Konzept eines einzigen Zentralbahnhofs zu realisieren. Auf der Stadtbahn gäbe es dann neben der S-Bahn fast nur noch Regionalzüge.

Und die Anwohner der Anhalter Bahn wären stärkerem Lärm ausgesetzt, da hier ab 2006 mehr Züge – als in den rechtskräftigen Plan- feststellungsbeschlüssen vom 2001 und 2002 vorgesehen – verkehren würden. Auf die Bahn könnte eine Klagewelle zurollen.
Demnach sollten die Züge im Nord-Süd-Verkehr durch den Tunnel und diejenigen im Ost-West-Verkehr Richtung Ruhrgebiet und Frankfurt (Main) über die Stadtbahn fahren. Dort will die Bahn jetzt nur noch je drei Züge am Tag nach Amsterdam und Warschau einsetzen sowie einige ICE-Züge am frühen Morgen und am Abend, wenn die Züge ohnehin aus dem Betriebswerk Rummelsburg kommen oder dort hinfahren müssen.

Aus dem Nord-Süd-Tunnel können die Züge das Betriebswerk in Rummelsburg nur über Gesundbrunnen und den östlichen Teil des Innenrings erreichen. Diese Strecke wird derzeit ausgebaut.

Mit der Konzentration auf den Nord-Süd-Tunnel wolle die Bahn Fahrgäste zu den neuen Bahnhöfen Südkreuz und Hauptbahnhof zwingen, damit vor allem im Hauptbahnhof die dort vorgesehenen Geschäfte genügend Kunden finden, wirft Christfried Tschepe, der Vorsitzende des Fahrgastverbandes IGEB, der Bahn vor.

Zudem seien die teuer gebauten Röhren ohne zusätzliche Züge nicht ausgelastet, so lange es keinen Zubringer-Verkehr zum Flughafen in Schönefeld gebe. Die Bahn wollte sich zu ihren Plänen nicht weiter äußern. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, sagte ein Sprecher. [mehr]

[19.05.2005: Ein Meilenstein der Infrastruktur: Berlin Hauptbahnhof]  (DEUTSCHE BAHN)




B E R L I N    A N    D E R    B A H N

Aus den Gleisen geraten

Leitartikel von Gerd Appenzeller

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 25. Juni 2005, Seite 1 (Leitartikel) von GERD APPENZELLER. [Original]

Für Hartmut Mehdorn ist die Sache gelaufen. An den beiden östlichen Bahnsteigen jenes Bahnhofs, den weiter Lehrter Bahnhof zu nennen man uns am liebsten untersagen möchte, wird der künftige Reisende bereits heute mit einer großen Hinweistafel freundlich begrüßt: „Herzlich Willkommen auf dem Berliner Hauptbahnhof“, kann man vom S-Bahnsteig aus lesen. Wenn es nach Bahnchef Mehdorn geht, kommen auch künftige Adressaten des Grußes eher aus Brandenburg an der Havel und Kyritz an der Knatter als aus München oder Hamburg. Entgegen allen Planungen will die Bahn den Fernverkehr plötzlich in den Nord-Süd- Tunnel schicken und unter dem schicken Glasdach nur noch Stadt- und Regiobahnen halten lassen.

Ist dies schon angesichts der Zwei-Milliarden-Mark- Investition in die Stadtbahn und des ICE-tauglichen Umbaus mehrerer Bahnhöfe reichlich absurd, bringt eine weitere Folge der Mehdorn'schen Überrumpelungstaktik die Berliner in Ost und West in Rage. Sowohl der Bahnhof Zoo als auch der Ostbahnhof sollen vom Fernverkehr abgehängt werden. Der neue Hauptbahnhof soll einziger Fernbahnhof werden.

Diesem Konzept könnten auch Stadtplaner noch folgen, wenn der neue Hauptbahnhof gut an den Nahverkehr angebunden und für den Individualverkehr leicht erreichbar wäre. Nichts davon trifft zu. Der Hauptbahnhof liegt zwar zentral, aber mitten in einer menschenleeren Einöde, zwischen dem Zentrum Ost und dem Zentrum West. Weder gibt es auf große Verkehrsmengen ausgelegte Straßen noch ausgewiesene Parkflächen oder eine U-Bahnanbindung, wenn man von der geplanten Bonsaibahn zum Brandenburger Tor einmal absieht.

Nun hat auch die Bahn ein Recht auf Fehlplanungen, wie es von den Banken über die Immobilienmakler bis zu den Wachstumsprognostikern jeder in Berlin Engagierte für sich beanspruchen darf. Es ist halt nicht alles so groß gekommen, wie gedacht. Aber dass man aus den falschen Annahmen von gestern, angesichts der Realität von heute, auch noch die Fehler von morgen ableiten möchte, geht zu weit. Nüchtern betrachtet, ist der neue Hauptbahnhof im Moment vielleicht sogar überflüssig. Das rechtfertigt aber nicht, funktionierende Verkehrsstrukturen zu zerschlagen, um dem Neubau seinen Sinn zu geben.

      Lehrter Bahnhof 2004 im Bau
^   Geht es nach dem Willen der Deutschen Bahn, dann dürfen ab 2006 keine Fernreisenden in dieser grandiosen Halle des neuen Lehrter Bahnhofs in Berlin ankommen.   (Foto: 2004 – bahn)
[ Tagesspiegel: Statt der Schaustelle nur ein Blick in die Röhre... ]
Der Widerstand dagegen hat nicht nur mit Sentimentalität zu tun. Natürlich darf man als West-Berliner beim Anblick des wahrlich nicht schönen Bahnhofs Zoo rührselige Gefühle bekommen. Die Ankunft in diesem Bahnhof war früher, wie die Fahrt über die Avus Richtung Funkturm, nach dem Passieren des Kontrollpunktes Dreilinden, so etwas wie die Vergewisserung, wieder daheim, frei zu sein. Es geht aber nicht um Nostalgie, sondern um den gesunden Menschenverstand. Was den West-Berlinern der Bahnhof am Zoo, ist den Ostberlinern der Ostbahnhof. Auch er liegt zentral, auch hier pulsiert das Leben. Von hier fahren, wie vom Zoo, alle Fernzüge ab. Bahnchef Mehdorn will der jeweiligen Hälfte der Stadt „ihren“ Zentralbahnhof streichen, das ist die simple Wahrheit.

Die Bahn hat in Berlin vieles gebaut, auf das sie stolz sein kann. Sie hat die Stadt bereichert. Die Bahn ist ein Unternehmen mit Tradition. Aber nicht alle Entscheidungen werden für die Ewigkeit getroffen. Die Frage, wo ein Zug hält, gehört zum Beispiel nicht zu den irreversiblen Entscheidungen. Zwar ist der neue Hauptbahnhof als zentrale Station Berlins gesetzt. Daneben aber können die Züge sowohl im Ostbahnhof als auch am Zoo halten. Andere Millionenstädte – siehe Hamburg – haben ebenfalls mehr als einen Haltepunkt im Fernverkehr. Wenn sich in einigen Jahren der Verkehr zur Mitte hin konzentriert, auch, weil es rund um den heutigen Lehrter Bahnhof nicht mehr nur Sandflächen gibt, sondern dort reges Leben pulsiert, kann man Haltepunkte aufheben.

Dass man einen Trumpf verspielt, wenn man sich unterirdisch in eine Metropole einschleicht, statt die Einfahrt als grandioses Erlebnis zu inszenieren, wird die Bahn hoffentlich schneller merken. [mehr]

[21.05.2005: Berlins Eisenbahn-Knoten im Schlußspurt / Interessen der Bahn-Kunden nicht berücksichtigt]  (khd-Page)
[31.05.2005: Der Hauptbahnhof wird ein Geisterbahnhof]  (BERLINER ZEITUNG)
[31.05.2005: Fernzüge am Zoo: Bahn will höchstens noch 5 pro Tag]  (BERLINER MORGENPOST)
[01.06.2005: Bahn will auch Ostbahnhof vom ICE-Verkehr abkoppeln]  (DER TAGESSPIEGEL)
[02.06.2005: Es kracht zwischen Bahn und Senat]  (DER TAGESSPIEGEL)
[02.06.2005: ICE nur zum Lehrter Bahnhof]  (BERLINER MORGENPOST)
[02.06.2005: Auf dem falschen Gleis]  (BERLINER MORGENPOST)
[03.06.2005: Gegen die Fahrgäste]  (BERLINER ZEITUNG)
[05.06.2005: Die unergründlichen Wege der Bahn]  (DER TAGESSPIEGEL)



B A H N    I N    B E R L I N

Anschluss verpasst

SPD und CDU kämpfen für den Fernbahnhof Zoo / Das war nicht immer so, halten ihnen die Grünen vor / [Ed: ein Beispiel dafür, was (gedächtnislose) Parteien so erzählen, wenn's ihnen in den Kram paßt]

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 27. Juni 2005, Seite ?? (Berlin) von RAINER W. DURING. [Original]

BERLIN. Im Streit um die künftige Anbindung des Bahnhofs Zoo hat der grüne Europa-Abgeordnete Michael Cramer Politikern von CDU und SPD Scheinheiligkeit vorgeworfen. Die beiden Parteien hätten während der großen Koalition Anfang der 90er Jahre selbst dazu beigetragen, Bahnhof Zoo und Ostbahnhof vom Fernbahnnetz abzukoppeln. Diejenigen, „die jetzt Krokodilstränen weinen“, hätten es in der Hand gehabt, beide Stationen zu stärken, sagte Cramer dem Tagesspiegel.

Dem neuen CDU-Landeschef Ingo Schmitt wirft der Berliner Europa- Parlamentarier „ein schlechtes Gedächtnis“ vor. Schmitt, der heute für den Fernbahnhalt am Zoo kämpfe, habe damals selbst dem so genannten Pilzkonzept zugestimmt. Dies sieht vor, dass der Hauptbahnhof der zentrale Knoten für Fern-, Regional- und S-Bahnen ist. Christdemokrat Schmitt war seinerzeit Verkehrs- Staatssekretär unter dem damaligen Senator Herwig Haase und dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (beide CDU). Auch die SPD mit ihrem früheren Fraktionschef Ditmar Staffelt hatte die Pläne 1992 befürwortet.

Dabei ist laut Cramer „schon damals klar gewesen, dass mit dem Pilzkonzept Zoo und Ostbahnhof abgekoppelt werden“. Den Fernverkehr auf den Nord- Süd- Tunnel und damit auf den Hauptbahnhof und den Bahnhof Papestraße zu konzentrieren, entspreche dem Wunschdenken der Bahn, die schnellsten Verbindungen zu bieten. Die Grünen hätten schon damals darauf hingewiesen, dass sich die Reisezeit der Fahrgäste um bis zu 30 Minuten verlängern werde.

Das Pilzkonzept sei vergleichbar mit der Vorstellung, dass man in Wanne-Eickel einen Zentralbahnhof [für das Ruhrgebiet] baut und dafür die Hauptbahnhöfe in Essen, Dortmund und Bochum vom ICE-Fernverkehr abkoppelt, sagte Cramer. „Über diesen Vergleich haben Schmitt, Diepgen und Staffelt damals gelacht.“ CDU und SPD hätten nach dem Mauerfall von einem europäischen Bahndrehkreuz in Berlin geträumt. Tatsächlich sei die Stadt aber für 95 % der Reisenden Start- oder Endpunkt.

Mit ihrem alternativen, dezentralen Ringkonzept unter Einbeziehung auch des Südrings hatten sich die Grünen zu Beginn der 90er Jahre nicht durchsetzen können. „Statt Zentralbahnhof und 4 Gleise im Nord-Süd- Tunnel milliardenschwer zu bauen, hätten für 20 Millionen D-Mark die Bahnsteige am Bahnhof Zoo verlängert werden können“, sagt Cramer. „Dort ist zudem auch schon die Anbindung an den Nahverkehr vorhanden, für die am Lehrter Bahnhof – wie von uns prognostiziert – heute das Geld fehlt.“ Auch der Flughafen Schönefeld ließe sich laut Cramer besser über Stadtbahn und Außenring anbinden als über den Nord-Süd- Tunnel und die für 100 Millionen Euro zu bauende Mahlower Kurve.

Ingo Schmitt weist die Vorwürfe zurück. Das von den Grünen vorgeschlagene System der Kopfbahnhöfe sei nicht mehr zeitgerecht, sagte der CDU-Landeschef [Ed: und er sagt damit klar die Unwahrheit, denn das „Ringkonzept“ ist eben kein „System der Kopfbahnhöfe“]. Klare Absprache mit der Bahn wäre es seinerzeit aber gewesen, dass beim Pilzkonzept jeweils ein Teil des Fernverkehrs durch den Tunnel und über die Stadtbahn rollt. Schon deshalb sei eine dezentrale Struktur mit den Bahnhöfen Gesundbrunnen, Zoo, Papestraße und Ost sowie dem Lehrter Bahnhof in der Mitte vorgesehen worden. Diesen habe man damals bewusst nicht Hauptbahnhof genannt, um deutlich zu machen, „dass Berlin mehrere Hauptbahnhöfe hat“. [mehr]

[27.07.2000: Pilzkonzept mit Wurmbefall]  (BERLINER ZEITUNG)
[21.05.2005: Berlins Eisenbahn-Knoten im Schlußspurt / Interessen der Bahn-Kunden nicht berücksichtigt]  (khd-Page)
[02.06.2005: Es kracht zwischen Bahn und Senat]  (DER TAGESSPIEGEL)
[03.06.2005: Gegen die Fahrgäste]  (BERLINER ZEITUNG)
[09.06.2005: Verkehrsausschuß: Scharfe Kritik am Konzept für den Bahnhof Zoo]  (BERLINER MORGENPOST)
[23.06.2005: Unterschriften gegen Abbau West]  (BERLINER ZEITUNG)



Bahn modernisiert ICE

Fußstütze weg, Radio weg, Sitze enger

Aus:
Spiegel Online – 1. Juli 2005, 19.13 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

ESSEN. Die Deutsche Bahn plant, die Ausstattung ihrer modernisierten ICE-Züge radikal umzustellen. Künftig verzichtet sie in den Zügen auf Musik- und Fernsehprogramme und stellt Sitze enger zusammen. Dafür soll es Steckdosen an jedem Doppelplatz geben.

Bahnsprecher Gerd Felser bestätigte gegenüber der Essener Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung die Veränderung. Das neue Innenraumkonzept verwendet die Bahn dem Bericht zufolge beim derzeit laufenden Umbau der ersten ICE-Generation.

Bisher können Reisende in der zweiten Klasse per Kopfhörer an ihrem Platz Musik hören. In der ersten Klasse gibt es Video- Bildschirme. Diese Investitionen will sich die Bahn nun sparen. "Es besteht heute kein Bedarf mehr an den Audio- und TV-Programmen", sagte Felser der Zeitung. Viele Reisende würden mit ihrem MP3-Player Musik hören oder sich Filme auf ihrem Laptop anschauen.

Von weniger Komfort könne aber keine Rede sein, sagte der Sprecher. Felser verwies auf Steckdosen, die künftig an jedem Doppelplatz die mitgebrachte Unterhaltungselektronik mit Strom versorgen sollen.

Auch beim Sitzkomfort müssen sich Bahngäste künftig umgewöhnen: In der zweiten Klasse gibt es bald keine Fußstützen mehr, und der Sitzabstand verringere sich "de facto um etwa vier Zentimeter", sagte der Sprecher. "Wir gehen davon aus, dass die meisten Kunden das gar nicht merken." Der Platz sei immer noch größer als in vergleichbaren Zügen im Ausland.

Aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn sind die Änderungen "schon ein gewisser Komfortverlust, den wir aber nicht als dramatisch ansehen", erklärte ein Sprecher. Er teile die Einschätzung der Bahn, dass die meisten Reisenden das Unterhaltungsangebot nicht nutzten. Der erste modernisierte Zug solle noch im Juli die Werkstatt verlassen.



Proteste blieben erfolglos – am Zoo hält kein ICE mehr

Konzept der Bahn: Ab Mai 2006 halten täglich 164 Fernzüge am Hauptbahnhof. Einige fahren weiter über die Stadtbahn – und stoppen am Ostbahnhof

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 7. Juli 2005, Seite ?? (Berlin) von JÖRN HASSELMANN. [Original]

BERLIN. Die Entscheidung ist gefallen: Am Bahnhof Zoo hält künftig kein ICE mehr. Die Station wird zum Fahrplanwechsel im Mai 2006 zum reinen Regionalbahnhof herabgestuft. Bislang halten 146 Fernzüge am Zoo. Gestern stellte die Bahn das neue Eisenbahnkonzept für Berlin vor, das ab 28. Mai 2006 gelten soll. Dann werden der neue Hauptbahnhof, der Nord-Süd-Tunnel und die Stationen Gesundbrunnen und Südkreuz (bislang Papestraße) für den Fernverkehr eröffnet. Entgegen vorherigen Ankündigungen der Bahn werden damit weiterhin Fernzüge auf den Stadtbahngleisen fahren und auch unter dem Glasdach des Hauptbahnhofs halten. Der Ostbahnhof soll nicht vom ICE-Verkehr abgekoppelt werden. Alle Appelle zugunsten eines Fernbahnhofs Zoo haben die Bahn dagegen nicht beeindruckt.

Am Hauptbahnhof werden nach Angaben der Bahn künftig 164 Fernzüge halten – etwas mehr als die heutigen 146 am Zoo. Bahnvorstand Karl-Friedrich Rausch feierte den Hauptbahnhof gestern als "modernsten und größten Kreuzungsbahnhof Europas" und als "krönenden Abschluss" des Bahnbaus in Berlin. Rausch nannte bis zu 40 Prozent kürzere Reisezeiten von und nach Berlin. So werden die Züge nach Leipzig wegen des Tunnels 40 Minuten weniger benötigen, auch viele Regionalverbindungen werden beschleunigt. Die Bahn erwartet einen Fahrgastzuwachs von 2006 bis 2010 um 6 Millionen auf 19 Millionen.

Wie berichtet, hatte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn vor Wochen angekündigt, keine Fernzüge mehr über die Stadtbahn zu schicken – und damit heftige Proteste ausgelöst. Dabei hatte die Bahn den neuen Hauptbahnhof extra als Kreuzungsbahnhof konstruiert, auch der obere Bahnsteig an der Stadtbahn war auf ICE-Länge von über 400 Metern ausgebaut worden. Bahn-Insider und Politiker vermuten als Hintergrund das Bestreben der Bahn, dass möglichst viele Reisende am Hauptbahnhof ein- oder aussteigen. Denn dort sind 16.000 Quadratmeter Ladenfläche zu vermieten.

Offiziell nennt die Bahn für die Durchfahrt am Bahnhof Zoo zwei andere Gründe: Die Fahrzeit sinke um vier Minuten und für den Reisenden gebe es eine "klarere Struktur". Dass die täglich 98 ICE-Züge der Linien nach Köln und Frankfurt am Main sowie einige andere Ziele nun doch über die Stadtbahn fahren, liegt an den fehlenden Kapazitäten am Südkreuz. Diese Züge halten am Ostbahnhof, fahren am Zoo aber durch.

Im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses hatten im Juni sämtliche Fraktionen dafür plädiert, am Zoo auch Fernzüge halten zu lassen. CDU, SPD, Grüne sowie die Industrie- und Handelskammer wiederholten gestern die Forderung. "Wir werden uns das nicht bieten lassen", sagte SPD-Vizefraktionschef Christian Gaebler dem Tagesspiegel. CDU-Verkehrsexperte Alexander Kaczmarek sprach von einer Millionenverschwendung. Denn auch die Bahnsteige am Zoo seien auf ICE-Länge ausgebaut worden. [mehr]



Zoo auf dem Abstellgleis

Deutsche Bahn stellt offiziell ihr neues Fernbahnkonzept für die Hauptstadt vor

Aus:
Berliner Morgenpost, 7. Juli 2005, Seite ?? (Berlin) von ANDREA PUPPE. [Original=764951.html]

BERLIN. Mit den Spekulationen ist nun Schluß: Die Deutsche Bahn wird den Bahnhof Zoologischer Garten zum Regionalbahnhof degradieren. Ab 28. Mai 2006 wird in der West-City kein Fernzug mehr halten.

Die Deutsche Bahn hat gestern ihr Fernbahnkonzept für Berlin vorgestellt. Danach werden auch weiterhin Züge über die Stadtbahntrasse rollen, jedoch lediglich am neuen Hauptbahnhof und am Ostbahnhof halten. Weitere Fernbahnhöfe sind Spandau, Gesundbrunnen, Lichtenberg, Papestraße (künftig: Südkreuz) und Wannsee.

Als "Drehscheibe im europäischen Fernverkehr" und "modernsten Kreuzungsbahnhof" bezeichnete Karl-Friedrich Rausch, Vorstand Personenverkehr der Bahn AG, den neuen Hauptbahnhof, der am 28. Mai 2006 ans Netz gehen soll. Pünktlich zur Fußball Weltmeisterschaft.

      ICEs halten im Bhf. Zoo
^   Noch halten die ICEs im Bahnhof Zoo. Ab 28.5.2006 werden hier die ICEs auf dem Wege nach Frankfurt am Main nur noch durchrauschen – um 4 Minuten einzusparen...   (Foto: 2005 – mopo)
Mit der gleichzeitigen Eröffnung des Tiergarten- Tunnels, der neuen Nord-Süd- Verbindung, verkürzen sich auf vielen Strecken die Fahrtzeiten: Berlin-Leipzig etwa von knapp zwei Stunden um 40 Minuten auf 70 Minuten. Auch nach Stralsund ist man ab Berlin künftig 40 Minuten schneller.

Um in Konkurrenz zum Luftverkehr bestehen zu können, so Rausch, kämpfe man "um jede Minute". Neue Regionalbahnbeziehungen, die nun durch den Tiergartentunnel geführt würden, so erläuterte Ingulf Leuschel, Vorstandschef der DB Station & Service AG, entlasteten die Stadtbahntrasse, die an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen sei. "Die Berliner werden sich umorientieren müssen", sagte Leuschel. Die Zeit, die eingespart wird, wenn Fernzüge nicht mehr am Zoo anhalten, bezifferte Leuschel auf vier Minuten.

In einem zweiten Schritt zum 11. Dezember 2006 wird das Fernbahnkonzept vervollständigt: Die ICE-Linie Berlin-Frankfurt/M.-Basel, die ab Mai 2006 noch über die Stadtbahn zum Ostbahnhof geführt wird, verkehrt dann über Jungfernheide durch den Nord-Süd-Tunnel zum Bahnhof Papestraße (vgl. Grafik). "Das liegt daran, daß der dritte Bahnsteig erst dann fertig ist", sagte Leuschel.

"Bislang waren am Bahnhof Papestraße nur zwei Bahnsteige geplant", sagt Christfried Tschepe, Vorsitzender des Fahrgastverbandes IGEB. Der dritte würde nun anscheinend den Wünschen von Bahnchef Hartmut Mehdorn folgend "blitzartig" ausgebaut und deshalb erst im Dezember fertig. Immerhin würde nicht der gesamte Fernverkehr durch den Nord-Süd-Tunnel geführt, wie es kurzzeitig im Gespräch war. Tschepe kritisiert, daß zwar Brandenburger künftig flotter nach Berlin gelangen und in die Fernbahn umsteigen können, die Erreichbarkeit des Hauptbahnhofes für die Berliner jedoch dürftig sei. "Im Regierungsviertel gibt es an etwa 100 Tagen im Jahr erhebliche Einschränkungen durch Staatsgäste. Das macht es für die Busse der BVG schwer, den Hauptbahnhof immer pünktlich zu erreichen", prognostiziert er.

Mit Sorge betrachtet auch die IHK die Anbindung des Hauptbahnhofs in das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs. Der Bau der U-Bahn-Linie 5 müsse beschleunigt werden, forderte der Stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer, Christian Wiesenhütter. Das gelte auch für die geplante S-Bahn-Linie 21. Daß der Bahnhof Zoo gänzlich vom Fernverkehr abgekoppelt werde, liege nicht im Interesse der Wirtschaft. Die Bahn- Entscheidung sei um so fragwürdiger, da einige Fernzüge weiterhin über die Stadtbahn rollen und der Zeitverlust bei einem Zwischenstopp marginal wäre.

"Ein Abkoppeln des gesamten Westteils Berlins darf aber genauso wenig stattfinden, wie der Ostbahnhof als Haltepunkt im Fernbahnverkehrsnetz erhalten bleiben muß", sagt Alexander Kaczmarek, Verkehrsexperte der CDU. Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling, forderte den Regierenden Bürgermeister auf, seinen Einfluß geltend zu machen, damit "sein Parteifreund Mehdorn" die Pläne verändert. [mehr]



Countdown für den Bahnhof Zoo

In elf Monaten hält kein ICE mehr in der City West / Fernzüge fahren weiter vom Ostbahnhof

Aus:
Berliner Zeitung, 7. Juli 2005, Seite ?? (Berlin) von PETER NEUMANN. [Original=463907.html]

BERLIN. Was seit Wochen absehbar war, ist gestern offiziell bestätigt worden. Nach lautstarker Kritik aus Berlin hat die Deutsche Bahn (DB) offensichtlich einen Rückzieher gemacht – und lässt nach dem Fahrplanwechsel am 28. Mai 2006 weiterhin Fernverkehrszüge über die Stadtbahn in den Osten Berlins fahren. "Der Ostbahnhof ist ICE-Bahnhof, der Ostbahnhof bleibt ICE-Bahnhof", sagte Ingulf Leuschel, Leiter der Infrastruktur des Personenverkehrs, gestern bei Vorstellung des Verkehrskonzepts für Berlin. Das Schicksal des Bahnhofs Zoo ist dagegen endgültig besiegelt. In weniger als elf Monaten wird dort zum letzten Mal ein ICE oder ein anderer Fernzug stoppen. Durch den Verzicht auf den Halt ließen sich vier Minuten Fahrzeit sparen, so die DB. "Wenn Fahrgäste künftig Umwege fahren müssen, um in den ICE zu steigen, sinkt die Qualität des Bahnverkehrs", kritisierte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD).

      Neues Konzept der Bahn
^   Das von der Deutschen Bahn zum Nachteil vieler Kunden veränderte Pilzkonzept. Am Bahnhof Zoo werden u. a. keine ICEs mehr halten.   (Text+Repro: 7.7.2005 – khd)

Gute Anschlüsse am Südkreuz

Im Mai waren Ankündigungen der Bahn, fast den gesamten Fernverkehr auf die neue Nord-Süd-Verbindung und in den Tiergartentunnel zu verlagern, in Berlin auf Kritik gestoßen. Dadurch wäre der Ostbahnhof größtenteils vom ICE-Verkehr abgekoppelt worden. "Das war eines von mehreren Szenarios, das wir damals vorgestellt hatten", sagte DB-Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch. "Inzwischen haben wir unser Konzept konkretisiert." Von den derzeit täglich 148 Fernzügen am Ostbahnhof blieben immerhin 98 übrig. Dazu gehören die ICE nach Hannover und Köln sowie über Frankfurt am Main nach Stuttgart und Basel.

Für Christfried Tschepe ist die Änderung des Konzepts allerdings nur ein "halber Sieg". Denn zum darauffolgenden Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2006 soll der Ostbahnhof die ICE-Linie in Richtung Frankfurt am Main doch noch verlieren. Dann werden diese Züge auf der neuen Nord-Süd-Verbindung zum Südkreuz fahren, das derzeit am S-Bahnhof Papestraße entsteht. "Bis dahin wird der mittlere Bahnsteig fertig, an dem die Züge kehren werden", sagte Leuschel.

"Überhaupt wird das Südkreuz ein sehr wichtiger Fernverkehrsbahnhof für Berlin sein", kündigte er an. "Weil diese Station hervorragend an den Ring und die Nord-Süd-Linien der S-Bahn angebunden ist, wird sich für viele Fahrgäste die Reisezeit verkürzen." Vom 28. Mai 2006 an stoppen dort alle Züge nach Hamburg, Leipzig-München und Dresden-Prag. "Insgesamt 50 Fernzüge pro Tag", so der Planer.

Im Westen der Stadt gewinnt der Bahnhof Spandau erheblich an Bedeutung. Leuschel: "An diesem wesentlichen Verknüpfungspunkt werden wir den ICE-Verkehr vor allem in Richtung Westen deutlich ausweiten" – die Zahl der täglichen Fernverkehrshalte steigt von 66 auf 100. Dagegen bleibt der neue Fernbahnhof Gesundbrunnen hinter manchen Erwartungen zurück. Dort werden zunächst nur 20 Fernzüge stoppen – die Intercitys der Linie Stralsund-Dortmund. Ende des kommenden Jahres, wenn die Strecke von Berlin nach Rostock für Tempo 160 ausgebaut ist, könnten allerdings noch einzelne Fernzüge in die Hansestadt hinzukommen. "Wir haben in Berlin für die nächsten 50 Jahre gebaut", sagte Rausch. Der größte Betrieb soll jedoch am neuen Hauptbahnhof herrschen. In der mehrstöckigen Anlage, deren Kosten die DB nicht nennen will, werden vom 28. Mai 2006 an Tag für Tag 164 Fern- und 314 Regionalverkehrszüge halten.

Der künftige Hauptbahnhof sei eine "Einkaufslandschaft, eine Erlebnislandschaft, die von sich aus attraktiv ist, eine Mobilitätsimmobilie", schwärmt Wolf-Dieter Siebert, der Vorstandsvorsitzende von DB Station & Service. Das Interesse des Einzelhandels an den 80 Geschäften, die dort auf einer Fläche von mehr als 16.000 Quadratmeter vermietet werden sollen, sei groß. Siebert: "Ich gehe davon aus, dass die Flächen bei der Eröffnung 2006 zu 100 % vermietet sind." [mehr]

[19.05.2005: Ein Meilenstein der Infrastruktur: Berlin Hauptbahnhof]  (DEUTSCHE BAHN)
[06.07.2005: Schneller und bequemer Bahn fahren für Berliner und Hauptstadtbesucher ab Mai 2006]  (DEUTSCHE BAHN)




Dem Hauptbahnhof fehlt der Anschluss

Am neuen Zentralbahnhof fehlt auch der Platz für Bushaltestellen. Tourismus-Chef Hanns Peter Nerger kritisiert die Planung als nicht kundenfreundlich.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 8. Juli 2005, Seite 10 (Berlin) von JÖRN HASSELMANN. [Original]

BERLIN. Die Bahn bleibt hart. Trotz der zahlreichen Appelle und Forderungen, auch künftig Fernzüge am Bahnhof Zoo halten zu lassen, will sie ihr am Mittwoch vorgestelltes Verkehrskonzept für Berlin nicht ändern. Das sagte ein Bahnsprecher gestern. Wie berichtet, wird also der Bahnhof Zoo ab Mai nächsten Jahres zum reinen Regionalbahnhof herabgestuft. Am 28. Mai 2006, kurz vor der Fußball-WM, werden der neue Hauptbahnhof, der Nord-Süd-Tunnel und die Stationen Gesundbrunnen und Papestraße für den Fernverkehr in Betrieb genommen.

Die Proteste gegen die Abkoppelung des Bahnhofs Zoo reißen nicht ab. Derzeit halten dort 146 IC- und ICE-Züge täglich, ab kommendem Jahr kein einziger mehr. SPD-Fraktionsvize Christian Gaebler kritisierte, dass die Bahn viele Reisende "zum Umsteigen zwingt". Denn der Bahnhof Zoo war durch zwei U-Bahn-Linien und eine Fülle von Bussen direkt angebunden. Am Hauptbahnhof wird – vielleicht pünktlich zur WM – die Stummel-U-Bahn zum Brandenburger Tor halten. Die allerdings bringt höchstens Touristen zum Pariser Platz, hat aber sonst keinen Nutzen. Wann eine Straßenbahn zum Hauptbahnhof fährt, ist ungewiss. Derzeit ist nur klar, dass die Buslinie M41 verlängert wird bis zur neuen Zentralstation. Denn es fehlt der Platz für Haltestellen.

Verkehrssenatorin Junge-Reyer bedauere das Aus für den Zoo, sagte ihre Sprecherin Manuela Damianakis. Möglicherweise überlege die Bahn es sich in den kommenden Jahren ja noch anders. Tourismus-Chef Hanns Peter Nerger forderte gestern, auch weiterhin Fernzüge am Zoo halten zu lassen. Die Bahnplanung sei nicht kundenfreundlich. Der neue Zentralbahnhof stehe in einer "urbanen Wüste" und habe keine gute Verkehrsanbindung, sagte Nerger. "Es ist ein unglaublicher Vorgang, wie von einem Monopolisten in die Stadtplanung eingegriffen wird."

Viele Experten vermuten, dass Bahnchef Mehdorn mit dieser Entscheidung vor allem zusätzliche Fahrgäste in den Hauptbahnhof locken möchte. Denn dort müssen noch mehrere tausend Quadratmeter Ladenfläche vermietet werden. Auch einen Hotelpächter für einen der Bürotürme hat die Bahn noch nicht. Offiziell nennt die Bahn als Begründung für die Zoo-Abkoppelung einen Fahrzeitgewinn von vier Minuten pro Zug. Bei Fahrgastverband IGEB hieß es, dass derzeit etwa 60 Prozent der Reisenden am Bahnhof Zoo in ihren ICE oder IC einsteigen – sie alle müssten sich umorientieren.

CDU-Verkehrsexperte Alexander Kaczmarek forderte Mehdorn auf, die Pläne zu überdenken. Die Industrie und Handelskammer sähe es gern, wenn zumindest morgens und abends Züge am Zoo hielten.

Nach Angaben der Bahn können künftig viele der verhinderten Zoo-Reisenden am Bahnhof Spandau einsteigen. Dort sollen fast alle Züge halten. Am Zoo verbleiben Regionalzüge von drei Linien. Und auch das Berliner Regionetz wird zur Eröffnung des Hauptbahnhofs völlig umgestellt. [mehr]



Aus RegTP wird BNetzA

Grund ist Erweiterung der Zuständigkeiten für das Eisenbahnwesen

Aus:
Teltarif-Newsletter, Nummer xxx/05, 12. Juli 2005, 19.20 Uhr MESZ (Regulierung) von HENNING GAJEK. [Original]

BONN (telt). Am gestrigen Tage wurde das Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts im Bundesgesetzblatt (BGBl 2005 Teil I Nr. 42, Seite 1970 ff.) verkündet und tritt damit heute in Kraft. Im Artikel 2 des neuen Gesetzes wird die Bundesbehörde von Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (kurz: RegTP) in Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen umbenannt – kurz Bundesnetzagentur.

Die Bundesnetzagentur bleibt weiterhin eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWA) mit offiziellem Sitz in Bonn und einer großen Außenstelle in Mainz (ehemaliges BAPT) sowie weiteren Außenstellen in größeren Städten und Regionen.

Die neue Homepage der Bundesnetzagentur wird in Kürze unter http://www.bnetza.de/ freigeschaltet. Die alte Domain http://www.regtp.de/ bleibt noch eine Weile übergangsweise geschaltet.



Reisebusse sollen zum Hauptbahnhof

Bahn will Busterminal vom Funkturm zur Lehrter Straße verlegen. Senat lehnt ab.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 14. Juli 2005, Seite 12 (Berlin) von JÖRN HASSELMANN. [Original]

BERLIN (Tsp). Die Bahn AG möchte den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) vom Funkturm zum Hauptbahnhof verlegen. Dafür erntet sie vor allem Kopfschütteln. „Der Senat lehnt einen Umzug ab“, sagt Manuela Damianakis, Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung. Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, Claudia Hämmerling, sieht darin „eine Schnapsidee“. Die Bahn AG lehnte jede Stellungnahme ab. Wohin genau der ZOB nach den Vorstellungen der Bahn ziehen soll, bleibt unklar. Platz wäre auf der Fläche des früheren Containerbahnhofs nördlich der Invalidenstraße. Für Verkehrsexperten macht ein Umzug des ZOB keinen Sinn, da es zwischen Bussen und Fernzügen kaum Umsteiger gebe. Die ZOB-Verlegung sei wie das ICE-Aus für den Bahnhof Zoo lediglich der Versuch der Bahn, Kunden zum Hauptbahnhof zu zwingen. Dort sucht sie für viele tausend Quadratmeter Geschäfts- und Büro-Fläche immer noch Mieter.

Nach dem derzeitigen Planungsstand sollen nur fünf BVG-Buslinien am neuen Bahnhof halten. Geplant ist, M41, TXL, 123, 240 und 245 am Hauptbahnhof stoppen zu lassen. Das klingt aber nur nach einer guten Anbindung. Die Linien 123 und 245 sind vor allem Moabiter Kiezbusse. Die Linie 240, die derzeit in der Invalidenstraße beginnt, 500 Meter vom Bahnhof entfernt, soll künftig vor dem Empfangsgebäude halten. Diese Linie verläuft bis Storkower Straße parallel zur Stadtbahn, nützt also Fahrgästen, die am Hauptbahnhof ankommen, wenig. Der TXL, Schnellbus vom Flughafen Tegel in die Innenstadt, bräuchte nur eine Haltestelle. Immerhin erhält die neue Zentralstation damit eine direkte Anbindung an den Flughafen Tegel, die so gut ist wie die vom Zoo. Der M41 aus Neukölln soll zum neuen Bahnhof verlängert werden, derzeit endet die Linie an der Philharmonie. Für sie entsteht eine Wendeschleife. Wo genau die sein wird, steht noch nicht fest, sagte BVG-Direktor Tom Reinhold. Kritik, dass zu wenige Busse fahren werden, weist Reinhold zurück. „Wir haben den Bedarf berechnet.“ Die Pläne müssen noch vom Senat genehmigt werden.

Für weitere Busse fehle es der BVG am Platz, sagte Christfried Tschepe vom Fahrgastverband IGEB. Derzeit wird an der Invalidenstraße, nördlich des Bahnhofs, nur ein Buswartehäuschen gebaut. U-Bahn-Linien (sieht man einmal von der in Bau befindlichen Miniatur-Linie zum Brandenburger Tor ab) gibt es nicht. „Wir brauchen eine Anbindung mit U-Bahn und Straßenbahn“, sagte Reinhold.

Am Bahnhof Zoo halten mit U2 und U9 zwei stark frequentierte Linien, zudem gibt es am Zoo einen Busbahnhof mit zwei Dutzend Linien – Tag und Nacht. „Der entscheidende Mangel des Hauptbahnhofs ist seine schlechte Erreichbarkeit von Norden und Süden“, sagte Christfried Tschepe. Es sei ein Fehler gewesen, die Nord-Süd-S-Bahn (S21) zu großen Teilen nicht zu bauen. So bleibt dem Hauptbahnhof die gute Ost-West-Anbindung über die Stadtbahn – die hat der Zoo aber auch. Die Straßenbahn wird noch Jahre brauchen, bis sie den Hauptbahnhof erreicht, ungewiss ist, wann die U5 zum Alexanderplatz fährt. Für Autofahrer hat der neue Bahnhof aber Vorteile: Es entsteht ein unterirdisches Parkhaus mit 900 Plätzen. [mehr]



Nächster Halt: Zoo

Bahn-Konkurrent Connex will Fernzüge auch am Bahnhof in der West-City halten lassen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 14. Juli 2005, Seite 12 (Berlin) von RAINER W. DURING. [Original]

      Das Kippen der aufwendigen Bügelbauten am Lehrter Bahnhof
^   Mit einer höchst aufwendigen Technik werden Ende Juli die Bügelbauten am Lehrter Bahnhof gekippt. Die Bahn sucht noch Mieter für die damit über der Bahnhofshalle entstehenden Büroräume. [mehr]   (Foto: 14.7.2005 – mopo)
BERLIN (Tsp). Die Connex-Gruppe will im kommenden Frühjahr den Verkehr von Berlin nach Hamburg und Köln aufnehmen und ihre Züge auch im Bahnhof Zoo halten lassen. Bisher verweigert die Deutsche Bahn dem Konkurrenten allerdings die notwendigen Trassenrechte. Die DB will die Station, wie berichtet, trotz massiver Proteste mit Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs Ende Mai vom Fernverkehrsnetz abkoppeln.

Die Connex-Tochter Nord-Ostsee-Bahn übernimmt im Dezember die Nahverkehrsstrecke zwischen Sylt und Hamburg. Sie will im Frühjahr dann täglich drei Züge weiter nach Berlin und zurück fahren lassen. Außerdem hat man Streckenrechte für eine tägliche Verbindung zwischen Berlin und Köln beantragt, so Firmensprecher Andreas Winter. Das sei schon lange vor der Präsentation des Bahnkonzeptes geschehen. Die Entscheidung der DB gegen den Bahnhof Zoo verbessere aber die Marktchancen von Connex. Vorgesehen sind weitere Halte am Bahnhof Friedrichstraße und am Ostbahnhof. Eventuell soll es eine Weiterführung zum Bahnhof Lichtenberg geben, über den bereits die Connex-Strecken Gera — Rostock und Dresden — Berlin — Stralsund verlaufen. Bisher hat die Deutsche Bahn laut Connex allerdings erklärt, dass es auf den benötigten Trassen keine freien Kapazitäten gibt. Man hoffe aber noch auf eine einvernehmliche Lösung, sagte Winter. Allerdings hat das Kölner Verwaltungsgericht erst kürzlich in erster Instanz mehrere Widerspruchsbescheide des Eisenbahnbundesamtes gegen die DB ausgesetzt. Hier ging es um die Nutzung der Trasse Sylt-Hamburg und des Hamburger Hauptbahnhofes durch Connex.

„Wir begrüßen jede Idee, die den Bahnhof Zoo stärkt“, so Manuela Damianakis von der Stadtentwicklungsverwaltung. Der Verkehrsexperte der CDU-Fraktion, Alexander Kaczmarek, warf der Deutschen Bahn eine „Marktbeherrschungs- und Monopolstrategie“ vor. „Es gibt Trassen in Hülle und Fülle.“ Wenn die DB Connex den Zugang verweigere, sei das ein Fall für die Aufsichtsbehörden. Claudia Hämmerling ( Grüne) sprach von „Schutzbehauptungen“ der Bahn und forderte eine Überprüfung der tatsächlichen Trassenbelegung. Wenn die obendrein noch preiswerteren Connex-Züge über Zoo verkehren, werde die DB „viele Berliner Kunden verlieren“. [mehr]

Nur noch dreister Dummschwatz...

15.7.2005 (khd). Der gesamte Vorgang um den Lehrter Bahnhof (Hauptbahnhof) macht noch einmal überdeutlich, wie wichtig es ist, die Deutsche Bahn (DB) in 2 Unternehmen zu trennen: Eines ist für das gesamte Eisenbahnnetz zuständig und das andere für einen Zugbetrieb in Konkurrenz zu anderen Eisenbahn-Unternehmen. Und der Fall der DB-Verweigerung der Stadtbahn- Trasse für den Betrieb von Connex- Zügen setzt da nur noch das I-Tüpfelchen auf. Einer künftigen Bundesregierung sei daher dringend angeraten, hier unverzüglich endlich die richtigen Weichenstellungen gesetzlich vorzunehmen. Der Telekom-Kardinalfehler darf sich nicht wiederholen.

Inzwischen kann aber auch die neue Bundes-Netzagentur schon mal zeigen, was sie zu leisten im Stande ist. Denn es sieht so aus, daß der Immer-noch-Monopolist DB sich einen Geschäftsvorteil mit Dummschwatz („Schutzbehauptungen“) erkaufen will. Und überhaupt: Dieser dreiste Dummschwatz der Deutschen Bahn in den letzten Wochen ist für mitdenkende Bürger und Bahnkunden unerträglich geworden. Warum hat sie denn den neuen Berliner Zentral-Bahnhof so teuer und aufwendig mit Tunnel, Krokodil-Dach und Bügelbauten gebaut? Warum hat sie die so wichtige Nord-Süd-Anbindung dieses Bahnhofes mit der S-Bahnlinie S 21 unterlassen?

Geld aus dem Steuertopf war ja wohl genügend vorhanden. Nur wurden unternehmerisch die falschen Entscheidungen gefällt – zum Nachteil vieler Bahnkunden. Und hat man als reines Dienstleistungsunternehmen erneut einen solchen kapitalen Bock geschossen, dann muß man auch die Folgen tragen. Dann steht eben ein Großteil der 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche im neuen Lehrter Bahnhof leer. So what... Wir haben Marktwirtschaft! Und diese bewirkt dann, daß die Mieten sinken und damit letztendlich die dort verkauften Waren nicht so teuer werden.




M E H D O R N S   S U P E R M A R K T

Star-Architekt verklagt Deutsche Bahn

Streit um Gestaltung der unteren Halle des neuen Hauptbahnhofs / Gerkan: "Das Maß ist jetzt voll".

Aus:
Berliner Morgenpost, 18. Juli 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]

      Neuer Lehrter Bahnhof 2005
^   Die selbsttragende Bahnhofshalle wurde eigenmächtig von Bahn-Chef Mehdorn um 100 Meter gekürzt – man sieht's. Die bereits fabrizierten teuren Glaselemente vergammeln irgendwo.   (Foto: 2005 – ap)
BERLIN (gd). Der Dauerstreit zwischen Stararchitekt Meinhard von Gerkan und der Deutschen Bahn um den Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof beschäftigt nun auch das Berliner Landgericht. Wie das Nachrichtenmagazin Focus in seiner aktuellen Ausgabe meldet, soll von Gerkan wegen eines Streites um die Innengestaltung im Untergeschoß des Bahnhofs Klage wegen Urheberrechtsverletzung gegen die Bahn eingereicht haben. Meinhard von Gerkan war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Architekt und Planer des Lehrter Bahnhofs ließ die Klage bereits seit vergangenem Herbst prüfen. Zu diesem Zeitpunkt war das Verhältnis zwischen Bauherr und Architekt ohnehin längst an einem Tiefpunkt angelangt, nachdem Bahnchef Hartmut Mehdorn in einer Nacht-und-Nebel- Aktion eigenmächtig und zum großen Ärger von Gerkans das imposante Hauptdach der Stadtbahnhalle hatte kürzen lassen.

Als im vergangenen Jahr schließlich deutlich wurde, daß die Bahn auch die ambitionierte Gewölbekonstruktion der unteren Bahnhofshalle mit ihren geplanten spektakulären Lichteffekten nicht mehr umsetzen will und statt dessen das Gewölbe mit grauen Deckenplatten abhängt, war das Verhältnis zwischen der Bahn und Stararchitekten endgültig zerstört.

Von Gerkans Partner Jürgen Hillmer stellte schon im Januar gegenüber der "Morgenpost" klar, daß dies "nicht mehr unser Dach ist". Meinhard von Gerkan sieht denn auch in der nun gebauten "Supermarktdecke" nichts anderes als eine Gefährdung seines guten Rufes. Der Architekt protestierte sogar im Kanzleramt gegen "die Verschandelung des Lehrter Bahnhof" und forderte ein Eingreifen. Doch weder der Kanzler noch Deutsche Bahn reagierten. Jetzt zieht Meinhard von Gerkan vor Gericht, denn das Maß sei voll, so von Gerkan zum "Focus".

20.07.2005 (info-radio). Im InfoRadio Berlin-Brandenburg spricht der Architekt Meinhard von Gerkan heute von „Verunstaltung“ des Bahnhofes durch die Bundesbahn. Diese hatte ein anderes Architekturbüro mit der Deckenänderung beauftragt, ohne dieses mit dem Urheber abzusprechen. Es wird erwartet, daß das Berliner Landgericht der Klage stattgibt. Damit müßte der Bahnhof umgebaut werden, was kaum bis zu seiner Inbetriebnahme am 28. Mai 2006 möglich sein wird. [mehr]

[21.07.2005: Jetzt klagt der Architekt des Hauptbahnhofs]  (BERLINER ZEITUNG)
[21.07.2005: Hauptbahnhof: Architekt klagt gegen die Bahn]  (DER TAGESSPIEGEL)
[21.07.2005: Architekt von Gerkan über das veränderte Dach des Hauptbahnhofs und seine Klage gegen die Bahn]  (BERLINER MORGENPOST)




B A H N   H A T   B A H N H O F   Z O O   B E R E I T S   A B G E S C H R I E B E N

Erst warten, dann reisen

Am Bahnhof Zoo lernen Touristen den Servicestandort Berlin kennen / Die meisten Schalter sind zu

Aus:
Berliner Zeitung, 19. Juli 2005, Seite ?? (Berlin) von PETER NEUMANN. [Original]

BERLIN. Frage: Wie viel halten Menschen aus, die unbedingt mit dem Zug reisen wollen? Antwort: eine Menge. Beweis: das Reisezentrum des Bahnhofs Zoologischer Garten. Tag für die Tag drängen sich in dem warmen Raum mit der niedrigen Decke die Fahrgäste, die ihre Tickets partout nicht im Internet oder am Automaten kaufen wollen. Während der Publikumsbereich überfüllt ist, herrscht hinter den meisten Schaltern Leere – sie sind unbesetzt. "Wer hier seine Ferienreise buchen will, muss erst mal einen halben Tag Urlaub nehmen", ulkt Wolfgang Noltkämper aus Göttingen. Er will "nur mal eben" Reservierungen für die Rückreise ändern lassen. Daraus wird nichts: "Wir stehen schon eine halbe Stunde in der Schlange, doch vom Schalter sind wir immer noch weit entfernt." Nicht gerade eine Visitenkarte für die Touristikmetropole Berlin, meint der Niedersachse.

In der Tat sind es vor allem Touristen, die hier eine eindrucksvolle Lektion bekommen. "Servicewüste", sagt einer. Andere wundern sich auf Englisch, Spanisch, Italienisch oder Französisch darüber, warum ein Ticketkauf so lange dauert. Eine Stichprobe gestern gegen 10.40 Uhr ergab: In drei Warteschlangen stehen rund 90 Menschen an. Eine Reihe reicht in die Bahnhofshalle hinein. Von den 18 Schaltern, an denen es Fahrkarten für die Normalkunden der zweiten Klasse geben soll, sind fünf geöffnet – nicht mal ein Drittel. Ein weiterer Tresen mit der schönen Aufschrift "Kundendienst" ist offenbar dauerhaft dicht. Im BEX- Reisebüro, das ebenfalls Fahrkarten für die Deutsche Bahn (DB) verkauft, ist einer von drei Bedienplätzen besetzt. Nur wer ein Erste-Klasse-Ticket wünscht oder sich als Dauerkunde Privilegien erwerben konnte, hat es gut: Die zwei "Bahn-Comfort"- Schalter sind auf.

Erinnerungen werden wach: Zu Mauerzeiten befand sich in diesem Teil des einzigen nennenswerten West-Berliner Fernbahnhofs die Platzreservierungsstelle der Deutschen Reichsbahn. Auch damals kam kaum ein Bittsteller unter einer halben Stunde davon – für Reisen in den Osten gab es ein einziges Telefon mit Standleitung in die Hauptstadt der DDR. Inzwischen wurde dieser Bereich umgebaut. Doch dafür gibt es dank eines kontinuierlichen Personalabbaus nicht genug DB-Mitarbeiter, die den Andrang bewältigen könnten. Dabei wurde schon ein Teil der Schalter entfernt. Dort stehen nun Ticketautomaten.

Fast 10 Monate, bevor die DB alle Fernzüge am Zoo durchfahren lässt, haben manche Fahrgäste den Eindruck, dass das Unternehmen diesen Bahnhof bereits abgeschrieben hat. Doch die Warteschlangen hätten andere Gründe, sagt Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert: "Der Krankenstand bei den Mitarbeitern hatte sich in letzter Zeit erhöht." Auch gebe es in der Ferienzeit immer "großen Andrang". Als Abhilfe frage nun ein "Empfangsmanager" die Kunden, was sie wünschen – und lotst sie, wenn es um wenig komplizierte Angelegenheiten geht, zu den Automaten. Gestern gegen elf Uhr war der Stehtisch mit der Aufschrift "Empfang" aber verwaist.

"Der Abbau von Stellen im Vertrieb ist der falsche Weg zu sparen. Nichts ist angesichts des derzeitigen Tarifsystems so wichtig wie eine gute Beratung", sagt Oliver Kaufhold, Sprecher der Gewerkschaft Transnet. Inzwischen habe die DB offenbar eingesehen, dass der Stellenabbau nicht so weitergehen kann. Anfangs wollte die Regionalvertriebsleitung Ost, zuständig für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die Zahl ihrer Vollzeitstellen bis Jahresende von 266,7 auf 238,7 senken. Jetzt sollen nur noch knapp 6 entfallen.



Bald Connex-Züge von Bahnhof Zoo nach Hamburg?

Aus:
Berliner Morgenpost, 20. Juli 2005, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (apu). Wird der private Nahverkehrsdienstleister Connex künftig einen Teil der Lücke schließen, die die Deutsche Bahn AG am Bahnhof Zoo hinterläßt? Wie berichtet, will die Bahn mit der außerordentlichen Fahrplanänderung am 28. Mai kommenden Jahres am Zoo keine Fernzüge mehr halten lassen.

Connex plant bereits seit 2002 eine Verbindung Hamburg-Westerland/Sylt. "Schon damals gab es die Idee, die Linie nach Süden zu verlängern", sagt Connex-Sprecher Matthias Roeser. Die Ankündigung der Bahn AG, künftig deutlich weniger Züge über die Stadtbahntrasse rollen zu lassen, sei "ein glücklicher Zufall" für Connex, so Roeser.

Über die Vergabe der Trassenrechte entscheidet die 100prozentige Bahntochter DB Netz AG. Für das Jahr 2006 hat die DB Netz über 48 000 Trassennutzungswünsche von 310 Eisenbahnunternehmen zu entscheiden. Im Spätsommer ist mit einem abschließenden Ergebnis zu rechnen, wobei die DB Netz vom Eisenbahnbundesamt in seinen Entscheidungen kontrolliert wird. Connex würde nach Hamburg niederflurige Nahverkehrszüge einsetzen, die 160 Kilometer pro Stunde fahren können. Mit bis zu zweieinhalb Stunden Fahrtzeit – je nach Streckenführung und Anzahl der Zwischenstopps – wäre Connex zwar langsamer als der 230 km/h schnelle ICE der Bahn AG in der Hansestadt, würde aber "den Fahrpreis unterbieten", wie Matthias Roeser ankündigt. Noch sei nicht klar, ob Connex über die Ludwigsluster Strecke oder über Uelzen und Stendal fahren würde.

Die Strecke Hamburg-Berlin könnte Connex frühestens mit dem Fahrplanwechsel im Mai bedienen – vorbehaltlich einer Trassenzuteilung durch die DB Netz AG. [mehr]

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    © 2005-2005 – Dipl.-Ing. Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 15.04.2007 00.47 Uhr