Die Bahn in den Medien – Teil 12 khd
Stand:  4.8.2006   (25. Ed.)  –  File: Bahn/in_Me/dien_12.html




Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Artikel und andere Texte zum Thema "Bahnen" gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert. Manches ist auch mit [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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S T R E I T   U M   B E R L I N E R   H A U P T B A H N H O F

„Schildbürgerstreich erster Güte“

Er baute den neuen gefeierten Berliner Hauptbahnhof, aber mit dem Ergebnis ist er nicht glücklich: Star-Architekt Meinhard von Gerkan beklagt im Interview mit SPIEGEL-Online das mangelnde ästhetische Bewusstsein von Bahnchef Mehdorn und die unnötigen Abweichungen von seinem Entwurf.

Aus:
Spiegel Online – 26. Mai 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). Das Interview führte SEVERIN WEILAND. [Original]

SPIEGEL-Online: Herr von Gerkan, werden Sie heute Abend bei der Eröffnung Ihres Bahnhofs in Berlin dabei sein?

von Gerkan: Das werde ich noch entscheiden.

SPIEGEL-Online: Wovon hängt das ab?

von Gerkan: Vom Wetter (lacht).

SPIEGEL-Online: Wegen baulicher Veränderungen liegen Sie seit Jahren im Streit mit der Bahn und deren Chef Hartmut Mehdorn. Die Bahn wollte sie nicht als Redner zur Eröffnung, angeblich aus Zeitgründen. Man hat Ihnen nur ein Interview im Bahnmagazin angeboten. Sind Sie enttäuscht?

von Gerkan: Das spiegelt nur die grundlegende Einstellung wieder, in der die Rolle der Architekten und Ingenieure keinen Platz hat. Nach der Auffassung der Bahn ist die Eröffnung eine politische Angelegenheit – um den Bahnhof als solchen geht es schon lange nicht mehr. Der Bahnhof dient als Selbstdarstellung der wirtschaftlichen Stärke des Unternehmens.

SPIEGEL-Online: Die Bahn hat das Dach verkürzt, angeblich aus Kosten- und Zeitgründen, hat im Untergeschoss die filigrane Deckenkonstruktion durch eine schlichtere Variante ersetzt. Im November soll in einem Urheberrechtsstreit das Landgericht in Berlin bei den Fällen entscheiden. Aber hat Herr Mehdorn nicht nur das getan, was ohnehin zwischen Bauherrn und Architekt im Verlaufe eines Projektes üblich ist?

von Gerkan: Er hat ästhetisches Gefühl gar nicht erst entwickelt und dem auch keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Herr Mehdorn ist Empfehlungen gefolgt, die er nicht überprüft hat und die auf falschen Angaben basieren. Es wurden einseitige und willkürliche Entscheidungen getroffen, obwohl die Bahn uns vor 10 Jahren zugesichert hat, dass der Bahnhof so gebaut wird, wie wir es vorgesehen hatten. Herr Mehdorn hat diese Vereinbarungen gebrochen – aber auch das hat ihn nicht weiter erschüttert. Die Verkürzung des Daches ist ein Schildbürgerstreich ersten Ranges – heute werden sogar ältere Bahnhöfe mit kürzeren Dächern wieder mit Provisorien verlängert.

SPIEGEL-Online: Stehen Sie denn noch zu Ihrem Bau?

von Gerkan: Aber selbstverständlich. Es ist so, als hätten sie ein Kind, dem 2 Kinderkrankheiten mutwillig zugefügt worden sind. Das geben sie ja auch nicht auf. Die Tatsache, dass es einen Schaden hat, ist ja Veranlassung, sich ihm besonders zuzuwenden. Deshalb werde ich nicht ermüden, diese Verunstaltungen wieder rückgängig zu machen.

SPIEGEL-Online: Wer soll das bewerkstelligen – der Vater Staat als Aufsichtsbehörde der Bahn?

von Gerkan: Die Bundesrepublik Deutschland kann sich eine solche Verstümmelung des Bahnhofs nicht leisten. Das ist weder im Interesse der deutschen Baukultur noch unserer Politik. Ich vertraue darauf, dass die momentane Aufmerksamkeit, die der Bahnhof durch die Eröffnung erfährt, auch die Politiker dafür interessieren wird, diesen Makel zu beseitigen.

SPIEGEL-Online: Rechnen Sie damit, dass sich die Kanzlerin einschaltet, die heute Abend die Eröffnungsrede hält?

von Gerkan: Ja, sicher denke ich an Frau Merkel. Aber nicht nur an sie. Ich habe ja schon in der Vergangenheit darüber mit Schröder, Stolpe, Steinbrück, Tiefensee und Steinmeier gesprochen. Jetzt muss ich es halt mit den Neuen im Kabinett nochmals versuchen.

SPIEGEL-Online: Haben Sie schon Signale erhalten?

von Gerkan: Noch nicht.

SPIEGEL-Online: Der neue Bahnhof liegt noch in einer städtischen Brache. Zugleich ist Berlin eine arme Stadt, es gibt immensen Büroleerstand. Haben Sie wirklich Hoffnungen, dass die Leere gefüllt wird?

von Gerkan: Es ist bedauerlich, dass trotz eines verbindlichen Bebauungsplans seit 10 Jahren nichts realisiert worden ist. Das hängt nicht nur mit der Immobiliensituation in Berlin zusammen, sondern auch daran, dass man ungern neben einer Großbaustelle baut. Mit der Fertigstellung des Bahnhofs dürfte die Gegend aber wieder sehr interessant für Investoren werden. Ich rechne damit, dass über kurz oder lang die Bautätigkeit dort einsetzt und wir in einigen Jahren dann dort ein urbanes Quartier vorfinden.

SPIEGEL-Online: Ein wenig hat man den Eindruck, die Bahn habe aus Ihrem Bahnhof ein gigantisches Einkaufszentrum mit Gleisanschluss gemacht.

von Gerkan: Das ist ein Dilemma, das sie bei den meisten Bahnhöfen und Flughäfen heute haben. Die Einnahmen, die nicht unmittelbar aus dem Betrieb stammen, gewinnen immer mehr an Bedeutung. Das ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite sollte ein Bahnhof auch Leben ausstrahlen. Und da sind die 80 Geschäfte mehr oder weniger gut integriert. Weder verstellen noch dominieren sie den Bahnhof.

SPIEGEL-Online: Was halten Sie von den großen Werbeflächen im Eingangsbereich, wie sie die Bahn vorsieht?

von Gerkan: Das macht mir auch Sorgen. Ich hoffe nicht, dass die Großzügigkeit, die gute Orientierung im Gebäude selbst verstellt wird.

SPIEGEL-Online: Mit der Eröffnung des Hauptbahnhofs wird der Bahnhof Zoo vom ICE-Netz genommen. Tausende Berliner haben gegen die Entscheidung Mehdorns mit Unterschriften protestiert. Haben Sie Verständnis dafür?

von Gerkan: Ja, zumal ich als Student lebhafte Erinnerungen an den Bahnhof Zoo habe. Nur, kaum eine Großstadt leistet sich den Luxus, schon nach wenigen Kilometern eine Station zu haben, in der überregionale Züge in kurzer Folge halten. Insofern ist es verständlich, dass man den Umschlagsplatz an dieses neue Drehkreuz verlagert. Das wird natürlich im Umfeld des Bahnhofs Zoo Auswirkungen haben.

SPIEGEL-Online: Wenn Sie einem der Hundertausenden, die am Wochenende sich den Bahnhof ansehen, Ihre Lieblingsstelle zeigen müssten, welche wäre das?

von Gerkan: Es sind zwei. Die eine ist auf dem oberen Bahnsteig, in der Mitte der Kreuzungsvierung, wo man den gesamten Bahnhof von minus 15 Meter bis unter die große, lange Halle erfassen kann. Die andere Stelle ist die vorgelagerte Terrasse nach Süden mit dem Blick auf das Kanzleramt, das Reichstagsgebäude und in der Ferne den Potsdamer Platz. In diesem Moment vergesse ich, dass drumherum noch eine Wüste existiert.

SPIEGEL-Online: Und für einen Augenblick auch den Streit mit der Bahn?

von Gerkan: Der ist leider immer im Bauch, das ist nun mal im Leben so.

[Die ungehaltene Eröffnungsrede von Meinhard von Gerkan]



D I E   N I C H G E H A L T E N E   E R Ö F F N U N G S R E D E

Von Gerkans Rede-Text zur Hauptbahnhof-Eröffnung

Der Architekt Meinhard von Gerkan wollte diese Rede anläßlich der Eröffnung halten. Aber die Deutsche Bahn AG wollte nicht, daß der ‚Creator‘ spricht.

Aus: FoundInNet, 26. Mai 2006, 17.48 Uhr MESZ (Ungehaltenes) von MEINHARD VON GERKAN. [
Übersetzungs-Service]

Nach 14-jähriger Planungs- und Bauzeit wird heute der Hauptbahnhof Berlin eröffnet. Die Bahn AG und einige Kommentatoren schwelgen in quantitativen Superlativen: Das größte Bauwerk Berlins, die größte unterirdische Halle der Welt, die größte Photovoltaikanlage Deutschlands, 85.000 Tonnen Stahl, 500.000 Kubikmeter Beton, sie werden nicht müde ihre „Kathedrale“ zu preisen und sich dabei unablässig auf die eigene Schulter zu klopfen.

Der Bahnchef selbst verweist in seinem Einladungstext zur Eröffnung auf 3 aus seiner Sicht besonders herausragende Leistungen bei diesem Projekt: Auf die Umlenkung der Spree, auf Betonarbeiten unter Wasser und auf den Klappvorgang der Bügelbauten.

Dieser Geist der Bahn, der nur Zahlen und populistische Attraktionen kennt, residiert seit 1997 Jahren in einer der teuersten Büroetagen Berlins [Ed: Sony-Center am Potsdamer Platz]. Es ist der geistige Humus, auf dem das Bauwerk gewachsen ist.

Das Ganze scheint wie vom Himmel gefallen. Weder der Senatsbaudirektor Stimmann, der in einem geistigen Wettstreit zwischen Architekten den städtebaulichen Rahmen geschaffen hat, noch die Vision des ersten Bahnchefs Heinz Dürr, der wegen der unwürdigen Zustände der Bahnhöfe diesen eine Renaissance verordnet hatte, geschweige denn die Leistungen von Architekten und Ingenieuren finden irgendeine Anerkennung. Der heutige Bahnchef tut so, als hätten sie alles allein aus dem Hut gezaubert. Dabei ist das, was heute eingeweiht wird, derjenige Teil eines Gesamtwerkes, der die Zerstörungsaktionen der Bahn überstanden hat.

Die beiden schlimmsten Verstümmelungen sind hinlänglich bekannt:

Erstens die mutwillige Verkürzung des Bahnhofsdaches, die zu gravierenden funktionalen, städtebaulichen und architektonischen Mängeln geführt hat. Alle Behauptungen der Bahn, dadurch seien Kosten und Zeit gespart worden haben sich mittlerweile ins Gegenteil verkehrt. Die Dachverkürzung verursachte Mehrkosten von rund 40 Millionen Euro. Auch die Bauzeit verlängerte sich dadurch.

Zweitens: Die verbeulte Flachdecke mit der banalen 08/15-Beleuchtung im Inneren des Gebäudes. Sie wurde heimlich mit einem dritten Architekten geplant – und macht das beabsichtigte einmalige Raumerlebnis in der unteren Bahnhofshalle zunichte. Die innovative Außenbeleuchtung von dem Büro Angerer und Andres wurde durch eine Zirkusdekoration ersetzt [Ed: hm, daraus könnte Berlins Volksmund „Mehdorns Zirkus“ machen].

Diese Skandale hätten spätestens dann personelle Konsequenzen nahe gelegt, als der Bahnchef den Bahnhof öffentlich mit seinem eigenen Schlafzimmer verglich, in dem er beanspruchte, alleine die Auswahl der Tapeten bestimmen zu können.

Allen Bemühungen meinerseits, Politiker in den höchsten Rängen zu bewegen, diesem Unwesen Einhalt zu gebieten, war kein Erfolg beschieden. Gerhard Schröder meinte: „Mensch, Gerkan, die Wurst ist lang genug; ich sehe sie jeden Tag.“ Zwei Jahre später, bei seiner Kanzler- Abschiedsparty bekannte er: „Der Architekt hat recht, die Wurst ist abgebissen – vorne und hinten.“

Warum schreibe ich an einem Tag, da Schmeicheleien zur Etikette gehören, derart unfreundliche Worte? Nein, ich bin kein Masochist, aber es darf nicht im Glamour von Feuerwerk und Selbstbelobigungen untergehen, daß unsere Baukultur einer unerträglichen Zerreißprobe unterliegt, in der Kommerz und Management in Selbstherrlichkeit ihren Bogen seit langem weit überspannen.

Natürlich bin ich in meiner baukünstlerischen Ehre schwer verletzt. Warum ich aber zum Anlaß der Eröffnung einen dringenden Appell an die Politik ausspreche, geht über die persönliche Betroffenheit weit hinaus.

Bei dem Bahnhof handelt es sich immerhin um das größte Bauwerk Berlins, den öffentlichsten Ort Deutschlands mit 300.000 Besuchern pro Tag. Er ist die Visitenkarte des Regierungsviertels und wird als Zeugnis der politischen Verantwortung unserer Regierung gegenüber der Baukultur gesehen und bewertet werden.

Mein eindringlicher Appell an die Bundesregierung, Frau Merkel und die Öffentlichkeit lautet: Bitte sorgen Sie dafür, daß die schweren Verunstaltungen des Bahnhofs repariert werden. Die Teile des fehlenden Dachabschnittes sind bezahlt und eingelagert; sie können in wenigen Wochen montiert werden. Ebenso leicht kann die ordinäre Blechdecke gegen die vorgesehene Gewölbedecke mit einer faszinierenden Lichtinszenierung ausgetauscht werden.

Mit diesem Appell trage ich meinem Verständnis von der Verantwortung des Architekten gegenüber der Gesellschaft Rechnung. Ich fordere damit zugleich die Verantwortung unseres Souveräns ein, Zeugnisse zeitgenössischer Baukultur nicht der Willkür engstirniger Manager zu überlassen.

Diesen Schaden im Ansehen der deutschen Baukultur dürfen und können wir uns nicht leisten, auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht. Unser Büro exportiert deutsches Architekten-Know-how in großem Umfang ins Ausland, vor allem nach China. Mehr als 50 Projekte befinden sich dort im Bau oder in der Planung. Das verdanken wir nicht zuletzt der Wertschätzung „Made in Germany“.

Kein einziger unserer fernöstlicher Bauherren hat unserer Architektur auch nur annähernd das angetan, was wir bei der Bahn AG hinnehmen mussten. Nur ein beherzter Schritt vermag dem jetzt abzuhelfen.

Ob ich mich denn angesichts der Verunstaltungen vom eigenen Werk distanziere, werde ich immer wieder gefragt. Nein mitnichten. Deswegen werde ich auch nicht müde, mit allen Mitteln darum zu kämpfen, daß die Krankheiten geheilt werden. Ich bin sogar stolz, daß das architektonische Konzept sich so überzeugend behaupten kann.

Das Ziel, in dem komplexen Bauwerk ein lichtdurchflutetes, übersichtliches Raumkontinuum zu schaffen, das optimale Orientierung ermöglicht, scheint sich zu erfüllen. Es ist auch gelungen, 80 Läden und Restaurants so einzugliedern, daß sie den Bahnhof weder dominieren noch behindern.

Leider hat man uns die bauliche Integration der Werbung vorenthalten. Es bleibt zu hoffen, daß sie nicht das vernichtet, was die Architektur geschaffen hat: Weiträumigkeit, Übersichtlichkeit und gute Orientierung. Hans Stimmann, der als Senatsbaudirektor am Zeugungsprozess des Bahnhofs mitgewirkt hat, hat trotzt seines Eintretens für das „steinerne Berlin“ die konstruktive Struktur des Gebäudes aus Stahl und Glas gutgeheißen.

Die Ausdruckskraft des Bahnhofs wird durch das konstruktive System ermöglicht. Diese symbiotische Verschmelzung von Architektur und Konstruktion ist der hervorragenden Zusammenarbeit mit Jörg Schlaich, Hans Schober und deren Ingenieurbüro zu verdanken.

Die einzige Person, die seit mehr als 14 Jahren mit diesem Vorhaben befaßt ist, bin ich selbst. In diesem Zeitraum waren 165 Mitarbeiter, teilweise 10 Jahre lang sehr engagiert beteiligt, allen voran unser Partner Jürgen Hillmer und die beiden Projektleiter Prisca Marschner und Hans-Joachim Glahn.

Mit Heinz Dürr habe ich gemeinsam die Renaissance der Bahnhöfe propagiert. Ich hoffe, er freut sich über das erste Ergebnis. Trotz allem.



Der reine Bahnsinn

Teurer, komplizierter, zeitraubender – der Weg zum neuen Hauptbahnhof war härter und länger als geplant.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 27. Mai 2006, Seite 10 (Berlin). [Original]

BERLIN (Tsp). Planmäßig fahren die Züge erst morgen, doch gefeiert wurde schon gestern. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bahnchef Hartmut Mehdorn eröffneten am Abend [26.5.2006] offiziell den Hauptbahnhof. Zum ersten Mal hat Berlin damit einen zentralen Fernbahnhof, in dem Fahrgäste in Züge, die in alle Himmelsrichtungen fahren, umsteigen können. Rund 750 Millionen Euro soll der Bahnpalast gekostet haben.

Gestern waren alle Beteiligten stolz auf ihr Werk. Zumindest vorübergehend waren die Querelen und Probleme der Vergangenheit vergessen. Der Bau des Bahnhofs war viel teurer als ursprünglich geplant. Und er wurde erst viel später fertig als vorgesehen. Dabei war man sich am Anfang einig. Als nach der Wende die Verkehrsplaner aus Ost und West zusammenkamen, um gemeinsam über die Zukunft der vereinten Stadt zu sprechen, zogen der Vertreter des Magistrats (Ost) und des Senats (West) Pläne aus der Tasche, die identisch waren. Sie sahen vor, durch die Stadt eine neue Nord-Süd- Verbindung zu bauen, die sich am Standort des ehemaligen Lehrter Bahnhofs mit der Ost-West-Stadtbahn kreuzte.

Nach einigem Hin und Her konnte auch der damalige Bundesverkehrsminister Günter Krause (CDU) von dem Standort überzeugt werden. Er hatte vorgeschlagen, den Bahnhof Friedrichstraße zum Kreuzungsbahnhof auszubauen [Ed: was den Vorteil der reichhaltigen Anbindung des Hauptbahnhofes an das bestehende Nahverkehrsnetz (S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahn) gehabt hätte – vor 1945 galt der Bahnhof Friedrichstraße bereits als Berlins heimlicher Hauptbahnhof]. Die Stadtplaner befürchteten jedoch ein Verkehrschaos in der dicht bebauten Innenstadt.

Den ersten Zwist gab es, weil die Bahn für den größten Bahnhofsneubau der Nachkriegszeit in Deutschland auf einen Architektenwettbewerb verzichtete. Sie forderte nur die Büros von Meinhard von Gerkan, Marg und Partner sowie von Josef Paul Kleihues auf, Entwürfe abzuliefern. Kleihues entschied sich für einen quadratischen Block beim Bahnhofsgebäude, während Gerkan eine lange Glashalle über den Ost-West-Gleisen vorsah, die von 2 Bürogebäuden überspannt werden, die den unterirdischen Teil der neuen Nord-Süd-Verbindung symbolisieren. Dieser Gedanke fand Gefallen beim damaligen Bahnvorstand Heinz Dürr und setzte sich durch. Aus Gerkans Entwurf wurde ein filigranes, fast schwebendes Bauwerk, dessen Umsetzung die höchste Kunst der Ingenieure erforderte. Die Feinplanung sowie der komplizierte Baugrund für die unterirdische, 430 Meter lange Halle, erforderten jedoch viel mehr Zeit als gedacht.

Mehrfach mussten die Pläne geändert werden, weil vorübergehend auch daran gedacht war, den Transrapid [aus Hamburg kommend] in den Bahnhof schweben zu lassen. Zudem gab es ein langes Hick-Hack um den Bau einer Nord-Süd-Verbindung der S-Bahn über den neuen Bahnhof. Ursprünglich sollte ein gemeinsamer Bahnhof mit der U-Bahn entstehen. Nach dem vorübergehenden Verzicht auf den S-Bahn-Bau kann dieser Bahnhof jetzt nur noch neben der nahezu fertigen U-Bahn-Station [Ed: unter dem Humboldt-Hafen?] gebaut werden, was die Umsteigewege verlängert. Die Bahn hofft, 2007 mit dem Bau der S-Bahn-Verbindung S 21 beginnen zu können.

Mehrere Projektleiter für den Bau des Hauptbahnhofs, dessen Grundstein 1998 gelegt worden war, wurden abgelöst oder gaben auf. Zu groß waren die Herausforderungen. Erst als der gebürtige Ägypter Hany Azer, der zuvor den Bau des Nord-Süd- Tunnels geleitet hatte, auch die Projektleitung für den Bahnhof übernahm, ging es voran. Azer war auch mit einem Wassereinbruch [am Gleisdreieck] in den Rohbau des Tunnels fertig geworden.

Proteste gab – und gibt – es, weil die Bahn nach der Eröffnung des Hauptbahnhofs keine Fernzüge mehr im Bahnhof Zoo halten lässt. Heute will die CDU gegen 11.30 Uhr auf dem Hardenbergplatz 1000 „Trauerballons“ steigen lassen. In der Nacht zu Sonntag [28.5.2006] verabschieden Charlottenburgs Bürgermeisterin Monika Thiemen und Helga Frisch, die über 100.000 Unterschriften gegen das Abkoppeln des Bahnhofs Zoo sammelte, die letzten dort haltenden Fernzüge. Für Dienstag [30.5.2006] ist um 18.30 Uhr eine Protestkundgebung auf dem Breitscheidplatz geplant.



B E R L I N E R   H A U P T B A H N H O F

Wo Merkel Döner essen geht

Hunderttausende Berliner erlebten die spektakuläre Lichtshow zur Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs. Ganz ohne Panne konnte die Zeremonie aber nicht ablaufen. Und in den Fast-Food-Läden werden ab sofort die Augen für die Kanzlerin offengehalten.

Aus:
Spiegel Online – 27. Mai 2006, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BERLIN. "Heute alle Bahnhof staunen!", hatte die Boulevardzeitung B.Z. am Morgen in großen Lettern den Berlinern befohlen. Und sie kommen. In Scharen pilgern sie am frühen Freitagabend [26.5.2006] über die Wiesen vor dem Kanzleramt, flanieren über die Spreebrücken und verlaufen sich in den Fressbuden auf dem neuen Bahnhofsvorplatz, der nach George Washington benannt ist.

      Lichtspektakel 2 am Hauptbahnhof
^   Das große Lichtspektakel zur Eröffnung des riesigen Kreuzungsbahnhofs in der Mitte des geeinten Europas.   (Foto: 26.5.2006 – pep)
Dabei verläuft nicht jede Annäherung an die gläserne Kathedrale mit der gebotenen Ehrfurcht. "Guck mal, die Klos", sagt eine Frau zu ihrem Mann. Und wirklich, eine lange Schlange blauweißer Klohäuschen zieht sich über die sanft geschwungene Brücke ganz nah an das architektonische Kunstwerk heran. Es wirkt fast wie Majestätsbeleidigung.

Es gehört zu Berlin, dass während der gesamten elfjährigen Bauphase über die Großbaustelle gemeckert worden war. Milliardengrab! Niemandsland! Der arme Bahnhof Zoo! Doch rechtzeitig zur Eröffnung schlug die Stimmung um. In der wochenlangen Vorberichterstattung ließ sich das Publikum von den Superlativen gnädig stimmen. Der teuerste Bahnhof der deutschen Geschichte, der größte Kreuzungsbahnhof Europas, der modernste Bahnhof der Welt, irgendwann zeigte die Bahn-Propaganda selbst beim bodenständigsten Berliner Wirkung.

"Ein toller Bau", lautet denn auch die vorherrschende Meinung an diesem Eröffnungsabend im Spreebogen. Wobei einige sofort nachschieben: "Wäre aber nicht nötig gewesen". Schließlich hätte man die 700 Millionen Euro auch sinnvoller ausgeben können. Soll bloß keiner glauben, die Begeisterung könne den Verstand der Hauptstädter ganz ausschalten.

Der Architekt ist da – und zürnt

Selbst der Architekt ist gekommen. Meinhard von Gerkan steht auf Ebene Null, das ist die mittlere der fünf Etagen, und ist von Journalisten umlagert. Bis zuletzt war nicht klar, ob er kommen würde, weil er der Bahn zürnt. Dafür, dass sie ihn nicht auf die Rednerliste gesetzt hat und dafür, dass sie sein Baby verstümmelt hat. 130 Meter Glasdach hat Bahnchef Hartmut Mehdorn mit exekutiver Geste einfach kappen, die Deckengestaltung in der unteren Gleisebene ändern lassen [Ed: wofür er Gründe angab, bei denen man sofort die Ausrede erkannte]. "Ein Skandal", diktiert Gerkan auch an diesem Abend wieder in die Reporterblöcke.

Er sei nur da, um den Journalisten einen Gefallen zu tun, behauptet Gerkan. Die wollen schließlich alle mit ihm sprechen. Doch er wollte wohl an diesem Abend einfach nicht fehlen. Zu den tausend geladenen Gästen aber gesellt er sich nicht. So viel Protest muss sein.

      Lichtspektakel 3 am Hauptbahnhof
^   Der rund 1 Mrd. Euro teure neue Berliner Hauptbahnhof – Berlins ‚Lehrter‘ – liegt malerisch an der Spree.   (Foto: 26.5.2006 – pep)
Er habe sich sehr über die Rezensionen seines Bauwerks sehr gefreut, bekennt der Architekt. Die Presse war bisher außergewöhnlich großzügig. Ein "gläsernes Denkmal für die Einheit Europas", schwärmt die "FAZ". Ein "Werk der Entschlossenheit", lobt die "Berliner Zeitung". Einen Hauch von "Brasilia an der Spree" spürt die "taz" und meint das durchaus nicht negativ.

Um 18.03 fährt auf der neuen Nord-Süd-Trasse auf Ebene Minus Zwei der Sonderzug aus Leipzig ein. Heraus quellen die prominenten Gäste, angeführt von Kanzlerin Angela Merkel. Sie wirken zunächst verwirrt von den vielen Ebenen und Rolltreppen. Auf Ebene Zwei, ganz oben, hat ein Bahn-Mitarbeiter seine Digitalkamera in den Abgrund unter sich gerichtet. Dort, auf der untersten Rolltreppe, soll die Kanzlerin erscheinen. Der Mann mit der roten Mütze findet seinen neuen Arbeitsplatz aufregend. Vorher war er in Neustrelitz, seit einer Woche arbeitet er im Hauptbahnhof. "Wir mussten uns ja schon mal mit dem Ganzen hier vertraut machen", erklärt er.

Im Südfoyer, wo die Reden gehalten werden, hängt ein riesiges Plakat von der Glasdecke. "Willkommen im modernsten Bahnhof der Welt", steht darauf. Zwei Wochen vor der WM fühlt sich die Bahn bereits als Weltmeister. Unternehmenschef Hartmut Mehdorn schwärmt vom "neuen Tor nach Berlin". Er erwähnt den Bauleiter, aber nicht den Architekten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ist noch überschwänglicher: "Dieser Bahnhof wird Geschichte schreiben". Er erwähnt den Architekten und auch, dass ihm Streit mit Mehdorn selbst nicht fremd ist. Sie hatten eine Auseinandersetzung über den geplanten und wieder verworfenen Umzug der Bahnzentrale nach Hamburg. Merkel lauscht in der ersten Reihe, im Blick "Zanetti Eis" und "Pizza Hut". Während der Reden rauschen oben auf der Ost-West-Trasse die Züge vorbei.

Draußen bekommt man von all dem nichts mit. Wolfgang Wolf hat es sich mit seiner Frau in Liegestühlen an der Spree gemütlich gemacht. "Wir sind enttäuscht", sagt der 67-jährige Rentner. "Die Reden hätten sie doch irgendwie übertragen können."

Dann hätte er gehört, wie Merkel sagt: Der Berliner, "der ja eher Kiezmensch ist", werde den Bahnhof schon irgendwann zu schätzen wissen. Auch sie selbst werde vielleicht mal vom benachbarten Kanzleramt aus vorbeischauen, "auf einen Döner oder bei McDonald's". Natürlich erwähnt jeder Redner auch, dass auf dem Bahnhofsareal früher die Mauer verlief [Ed: was garnicht stimmt – die Mauer stand auf der Ostseite des Humboldt Hafens, auch wenn dieser komplett zu Ost-Berlin gehörte] und dass Bahnhöfe Menschen verbinden. Dieser neue sogar ganz besonders: Nord und Süd und Ost und West.

Vor der Lightshow: Stromausfall

Dieses Motiv wird auch in der spektakulären Lichtshow aufgegriffen, die nach Einbruch der Dunkelheit beginnt. Zwei Güterzüge, auf denen Scheinwerfer montiert sind, fahren von Ost und West in die 321 Meter lange Glashalle ein. Bilder von europäischen Flaggen und Städten flackern über der Großbildleinwand, dazu ertönt "Freude schöner Götterfunken".

Die vierteilige "Lichtsinfonie" taucht den Bahnhof in blutrot, blau und grün. Feuerwerksfontänen schießen in die Höhe, Laser tasten die Glasfronten ab. Die Sinfonie will die verschiedenen Bauphasen nachzeichnen. Schließlich pulsiert der ganze Koloss in rot: Das neue Herz Berlins, es schlägt. Dann geht das große Shoppen los: Bis 3 Uhr nachts sind die 80 Läden geöffnet, die Massen drängen in den neuen Einkaufstempel.

Ganz ohne Panne jedoch läuft die Eröffnung nicht ab. Gerade als Merkel, Mehdorn und Wowereit den symbolischen Knopfdruck vornehmen, werden die Großbildleinwände schwarz, Scheinwerfer und Lautsprecher geben ihren Geist auf. Der Strom ist weg, 3 Minuten dauert der Blackout [Ed: eine Sicherung hatte ausgelöst]. Ein schlechtes Omen sei das nicht, beruhigt Bischof Wolfgang Huber die Anwesenden. Bei der Einweihung der Dresdner Frauenkirche sei das Gleiche passiert.



800.000 Besucher im neuen Glaspalast

Auch nach dem Amoklauf war das Interesse an den Eröffnungsfeiern groß.

Aus:
Berliner Morgenpost, 28. Mai 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (BM). Der neue Hauptbahnhof hat gestern einen riesigen Besucheransturm erlebt. Allein bis zum frühen Abend strömten 800.000 bis 900.000 Neugierige in den größten Kreuzungsbahnhof Europas, der heute um 0.29 Uhr mit einem Regionalexpreß nach Eberswalde offiziell in Betrieb gehen sollte. Bis zum Ende der Festes um Mitternacht erwartete die Bahn mehr als eine Million Gäste.

Dicht gedrängt schoben sich die Besuchermassen entlang der Ladenzeilen, über Bahnsteige und Rolltreppen. Auf Einlaßkontrollen hatte die Bahn verzichtet, trotz des Amoklaufs in Bahnhofsnähe in der Nacht zuvor. Ingulf Leuschel, Bahnbevollmächtigter für Berlin betonte, der Sicherheitsstandard sei "unverändert hoch".

Weder die Nachrichten aus der Nacht noch das Gedränge beeinträchtigten die Lust am und die Neugier auf den neuen Bahnhof. "Das ist ein einmaliges Erlebnis", sagte Besucher Günter Jäger aus Zehlendorf. "Dieser Bahnhof wird ein Anziehungspunkt allerersten Ranges werden." Wie er waren viele gekommen, um den gewaltigen Neubau zu bewundern. Andere kamen, um die Shopping-Angebote zu erkunden wie Nadine (17) und Caroline (17) aus Luxemburg. Wieder andere, um die Ausstellung mit historischen Fahrzeugen zu bestaunen. Der legendäre "Rheingold" war ebenso zu sehen wie der Urvater der Hochgeschwindigkeitszüge, ein Triebwagen des "Fliegenden Hamburgers" aus den 30er Jahren. Ein Fest für Bahnfans, für das sie auch Wartezeiten und drangvolle Enge ertrugen.

Schon seit 10 Uhr verkehrten Shuttlezüge durch den Nord-Süd-Tunnel zwischen den neuen Fernbahnhöfen Südkreuz und Gesundbrunnen. Spätestens am Nachmittag kam Ölsardinen-Gefühl auf. 800 bis 900 Menschen quetschten sich in jeden der Regionalzüge. "Wär ich mal früher aufgestanden", ärgerte sich ein Fahrgast. Für Bahnchef Hartmut Mehdorn war die enorme Publikumsresonanz auch ein Zeichen dafür, daß die Berliner ihren neuen Hauptbahnhof annehmen. "Das ist ein großer Tag für die Bahn", sagte Mehdorn. Mit dem Bahnhof verkürzten sich nicht nur viele Fahrzeiten. Er sei zudem eine neue Touristenattraktion, "auch für jene, die nicht Bahn fahren".

Bereits in der Nacht zu gestern hatten etwa 500.000 Menschen am Bahnhof gefeiert. Nach der spektakulären Lichtsinfonie wurden von 23 bis 3 Uhr die Türen erstmals für jedermann geöffnet – zumindest theoretisch. Wegen des großen Ansturms mußten Zugänge zeitweise wieder gesperrt werden. Besucher berichteten von teilweise chaotischen Zuständen. Zum Ärger mancher Geschäftsleute: "Es war einfach übervoll", sagte Ladeninhaber Ronald Koch. "Bekannte wollten zur Geschäftseröffnung zu mir kommen und kamen im Gedränge nicht durch."



Investition in Bahnhof Zoo

[Ed: Offensichtlich nerven Bahn-Chef Mehdorn die nicht enden wollenden Proteste um die Fernbahn-Zukunft des Bahnhofs Zoo so sehr, daß er nunmehr einen (untauglichen) ‚Entlastungsangriff‘ startet]

Aus:
Berliner Morgenpost, 28. Mai 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (fal). Mit einem Trauerflor sollten gestern abend die letzten Fernverkehrszüge am Bahnhof Zoo in Charlottenburg verabschiedet werden. Für Bahnchef Hartmut Mehdorn ist die anhaltende Kritik an der Abkopplung des Bahnhofs allerdings unbegründet, wie er gestern noch einmal betonte. "Vieles wird im Eifer des Gefechts gesagt", sagte Mehdorn. Mit 700 Zügen täglich sei der Bahnhof Zoo eine vielfrequentierte Station.

Die Bahn setze weiter auf den traditionsreichen Bahnhof und wolle dort investieren. "Durch die Entlastung auf der Stadtbahntrasse können wir dort endlich das tun, was schon lange hätte getan werden müssen", so Mehdorn. Derzeit liefen die Planungen für das zukünftige Gesicht des Bahnhofs. Zu Details wollte Mehdorn sich noch nicht äußern [Ed: denn vermutlich muß er sich nun erst einmal um die mißratenen Details am ‚Lehrter‘ kümmern]. [mehr]



Mehdorn will Standort Zoo ausbauen

Auch ohne Fernzüge soll die Station wichtig bleiben / Bahn überlässt Hochhauspläne anderem Investor.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 28. Mai 2006, Seite ?? (Berlin) von KLAUS KURPJUWEIT. [Original]

BERLIN (Tsp). Der Bahnhof Zoo, in dem vom heutigen Sonntag an keine Fernzüge der Bahn AG mehr halten, soll weiter ausgebaut werden. Dieser Bahnhof bleibe auch ohne den Fernverkehr ein wichtiger Knoten im Netz, sagte gestern Bahnchef Hartmut Mehdorn. Auch in Zukunft hielten dort mehr als 600 S-Bahnen sowie 198 Regionalzüge täglich; die Zahl der Fahrgäste liege täglich weiter über 100.000.

Guten Morgen, Herr Mehdorn!
Aus: Berliner Morgenpost, 29.5.2006. Von Sabine Gundlach.
Glückwunsch! Als Bahnchef konnten Sie jetzt einen Hauptbahnhof eröffnen, der dank der herausragenden Architektur ein neues Highlight der Hauptstadt ist. Daß damit jedoch zeitgleich der Bahnhof Zoo aufs Abstellgleis rangiert wurde, hätten Sie verhindern können. Sie haben es nicht getan. Damit endet eine Ära. Der Zug ist abgefahren, schon der erste Tag nach der Abkopplung vom Fernverkehr zeigt, daß die Händler an diesem Standort um ihre Zukunft kämpfen müssen. Viele Angestellte fürchten um ihre Arbeit.

Daß Sie gerade jetzt von Ausbauplänen und neuen Geschäften im Bahnhof Zoo sprechen, mag da in den Ohren vieler wie Hohn klingen. Wo künftig zwangsläufig weniger Fahrgäste verweilen, wird vermutlich kaum mehr Kaufkraft zu erwarten sein. Vielleicht wäre es ehrlicher, Sie würden es offen sagen: Die gute Zeit des Bahnhofs Zoo ist vorbei. Macht da Geld für neue Geschäfte wirklich Sinn?

Weil jetzt weniger Züge im Bahnhof Zoo halten, gebe es endlich Platz, um umfangreiche Arbeiten vornehmen zu können, so der Bahnchef. In der Vergangenheit seien solche Arbeiten oft gefährlich für die Fahrgäste gewesen, weil es auf den Bahnsteigen dann sehr eng geworden sei ­ etwa beim Einbau von Aufzügen. Eigentlich hätte man die Bahnsteige während der Arbeiten sperren müssen, sagte Mehdorn, doch das sei nicht möglich gewesen, als Zoo noch zentraler Bahnhof für die Stadt war.

Nach der heutigen Aufnahme des Betriebs im neuen Hauptbahnhof entspanne sich die Lage im Bahnhof Zoo erheblich, der nie für den Andrang, wie er in den vergangenen Jahren oft herrschte, gebaut worden sei. Nach dem Konzept der Reichsbahn vor dem Krieg war Zoo nur einer von mehreren Fernbahnhöfen auf der Stadtbahn. Die Züge hielten auch im Ostbahnhof, der damals noch Schlesischer Bahnhof hieß, am Alexanderplatz, an der Friedrichstraße und meist auch noch in Charlottenburg. Nach dem Krieg aber musste der Bahnhof Zoo nicht nur die Aufgaben der Bahnhöfe auf der Stadtbahn übernehmen, sondern auch noch den Verkehr der geschlossenen Kopfbahnhöfe.

Zu den genauen Ausbauplänen für den Regionalbahnhof Zoo äußerte sich Mehdorn gestern nicht. Er könne sich aber vorstellen, dass es mehr Geschäfte gebe und die Station durch das Entfernen der Zwischendecke übersichtlicher werde. Der Umfang der Arbeiten werde auch davon abhängen, ob unter dem Hardenbergplatz eine Tiefgarage gebaut werde. Dann werde der Bahnhof Zoo auch für Autofahrer interessant, die dort bisher nur selten einen Parkplatz fänden.

Fernzüge sollen nach dem Willen Mehdorns aber auch nach einem Umbau, der mehr Platz schaffen könnte, nicht mehr im Bahnhof Zoo halten. Deshalb gehen die Proteste gegen das Abkoppeln des Bahnhofs vom Fernverkehr weiter. Am Dienstag [30.5.2006] findet um 18.30 Uhr eine Protestaktion auf dem Breitscheidplatz statt.

Mehdorn selbst sieht seine Zukunft eher im neuen Hauptbahnhof. Denkbar sei, dass die Konzernzentrale in die so genannten Bügelbauten des Bahnhofs einziehe, wenn 2009 der Mietvertrag für den Sony-Tower auslaufe. Ein Hochhaus wolle die Bahn am Hauptbahnhof für sich nicht bauen lassen. Dieses Feld will Mehdorn einem anderen Investor überlassen. [mehr]



Neue Bahnhöfe gehen reibungslos in Betrieb

Erster Tag für Hauptbahnhof, Südkreuz und Gesundbrunnen im Fern- und Regionalverkehr: "Keine gravierenden Verspätungen".

Aus:
Berliner Morgenpost, 29. Mai 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]

BERLIN (BM). Der neue Hauptbahnhof hat gestern ohne größere Probleme den regulären Betrieb aufgenommen. Planmäßig startete um 0.29 Uhr auf dem unterirdischen Gleis 6 der Regionalexpreß nach Eberswalde, wie Bahnsprecher Burkhard Ahlert bestätigte. Kurz vor Mitternacht war auf dem oberen Bahnsteig bereits ein Regionalexpreß nach Brandenburg/Havel abgefahren - allerdings mit 13 Minuten Verspätung. "Gravierende Verspätungen" habe es aber den ganzen Tag über nicht gegeben, sagte Ahlert am Nachmittag. Und das, obwohl der Besucheransturm im Hauptbahnhof auch gestern ungebrochen war.

Zu den Tausenden Schaulustigen gesellen sich erstmals auch die Fahrgäste des Fern- und Regionalverkehrs. Einfuchsen in den neuen Bahnhof müssen sich die meisten. Das Zurechtfinden sei "schon etwas schwierig", sagt Joanna Janzen, aber das werde sich schnell ändern und sei ohnehin nur ein kleines Minus. Dafür freut sie sich um so mehr, daß der neue Bahnhof ihre Fahrt von Stettin nach Magdeburg erheblich komfortabler macht, weil sie nun nur noch einmal umsteigen muß.

  Ein Hauptbahnhof mit Macken
Im Alltagsbetrieb stellten sich dann in den ersten Tagen ganz schnell die Fehler der Bahn und der Planer heraus. Angesichts der prächtigen Architektur des Kreuzungsbahnhofs hätte die Bahn aber auch auf diese Details achten müssen, um den Kunden einen Rundum-Service zu bieten. (√ = erledigt)
Stand: 31.5.2006 — Last Update: 28.7.2006 (khd)
  • Lange Schlangen vor den DB-Ticket-Schaltern.
  • 6
  • Umsteigezeiten sind zu knapp bemessen.
  •   1
  • An Fahrstühlen bilden sich lange Schlangen.
  •   11
  • Von 2 Tief-Bahnsteigen gibt es keine Fahrstühle zum
       oberen Bahnhof.
  •   7
  • Rolltreppen bleiben allzuoft stehen.
  •  
  • 2–3 ICE-Wagen stehen im Regen.
  •   2
  • Zug-Anzeigen sind nicht immer eindeutig.
  •    
  • Totale Transparenz kann Schwindel-Attacken erzeugen.
  •   9
  • Aber es gibt zu wenig Sitzbänke zum Ausruhen.
  •    
  • Es gibt nicht genug Fahrplan-Aushänge.
  •  
  • Es fehlen auch noch reichlich Hinweisschilder.
  •    
  • Es gibt keine Gepäck-Schließfächer wie am Bhf. Zoo.
  •   3
  • Es gibt nur 1 Toilette. Die Folge: Lange Schlangen.
  •   10
  • Mit 80 Cent ist die Toiletten-Benutzung zu teuer.
  •    
  • Es gibt kein Postamt mit vollem Service.
  •   4
  • Es gibt keine Briefmarken-Automaten.
  •   4
  • Es gibt keine Briefkästen.
  •   4
  • Chaotische Parkplatz-Situation.
  •   8
  • Der Weg ins Keller-Parkhaus ist miserabel beschildert.
  •    
  • BVG-Busse halten zu weit vom Hbf-Eingang entfernt.
  •    
  • Chaos bei der An- und Abfahrt der Taxis.
  •    
  • Es gibt keine Fahrradständer.
  •    
  • Es gibt kein Hotel in Bahnhofsnähe.
  •   5
  • Es gibt kein Bahnhofs-Kino.
  •    
  • Es gibt keine Currywurst-Bude vor dem Bahnhof.
  •    
      1) Zwischen den unteren und den oberen Bahnsteigen.
      2) Das ist peinlich und eindeutig Mehdorns Schuld.
      3) Nur eine teure Gepäckabgabe, aber nicht rund um die Uhr.
      4) Das wird aber an der Nicht-Kundenorientierung der Post liegen.
      5) Es soll mal eines gebaut werden, in die Bügelbauten wollte keines.
      6) Denn nicht alle Schalter sind geöffnet.
      7) Von den Tunnelgleisen 1/2 und 7/8 muß umgestiegen werden.
      8) Wg. miserabler ÖPNV-Anbindung sind viele aufs Auto angewiesen.
      9) Wg. der Kreislaufbelastung ist deshalb Vorsicht angesagt.
    10) Bei 2 Bahnhöfen übereinander gehören auch 2 Toiletten dazu.
    11) Bahnkunden haben schon 15 Minuten warten müssen. Der Zug war weg.
    Bevor der Blick auf Wegweiser und Fahrpläne fällt, schweift er meist ohnehin über die eindrucksvolle Architektur. Surrend rollt Regionalexpreß 38349 in die untere Halle ein. Drangvolle Enge, Sitzplätze sind Mangelware. Als die Türen sich öffnen, leert sich der Zug schlagartig. Kaum jemand will nach Elsterwerda.

    Auch Margit Stähr und Barbara Quevedo aus Bernau nicht. Als "kritische Bahnkunden" wollen sie – wie die meisten sonntäglichen Fahrgäste – den neuen Verkehrsknoten unter die Lupe nehmen. Die Kritik hat aber gestern Pause angesichts der Wucht der Architektur. "Wow", entfährt es einem Fahrgast spontan. Margit Stähr formuliert es etwas förmlicher: "Das ist schon sehr beeindruckend."

    Das findet auch die muntere Delegation aus Lehrte, die samt Jazzband angereist ist, um "ihren" Lehrter Bahnhof zu besichtigen, den die Bahn in Hauptbahnhof umbenannt hat. Ein bißchen wehmütig sei man schon, sagt Astrid Lippke. Aber wenigstens auf den S-Bahnsteigen sei der alte Name ja – wenn auch nur als Zusatz – erhaltengeblieben.

    Immer größer wird der Andrang. Viele Berlin-Touristen müssen nach dem langen Wochenende wieder heim. Im oberen Reisezentrum bilden sich gegen Mittag lange Schlangen vor den Schaltern. Reisende mit Kofferbergen, Streß, Sprachengewirr. Fast 40 Minuten habe sie gewartet, meckert eine Frau sichtlich gereizt. Zwei Ebenen tiefer ist das zweite Reisezentrum fast leer – bloß weiß das hier oben niemand. Auch ein paar Meter weiter ist Warten angesagt, weil mehr Menschen mit den gläsernen Aufzügen fahren wollen als jene fassen können. All das werde sich einspielen, wenn sich die Kunden erst einmal im Bahnhof zurechtfinden, sagt Bahnsprecher Ahlert. Zumindest zeige der Andrang aber, daß der Bahnhof – aller Kritik im Vorfeld zum Trotz – keineswegs überdimensioniert sei. Das findet auch Bahnkunde Ralf Kunze, als er sich mit dem Kofferkuli durch die Menschenmassen schlängelt. "Zu groß?", sagt er und tippt sich an die Stirn. "Der Bahnhof ist eher zu klein."

    Kritische Stimmen bleiben aber in der Minderheit am Hauptbahnhof und auch an den neuen Fern- und Regionalbahnhöfen Südkreuz und Gesundbrunnen. Auch dort sei der Betrieb planmäßig angelaufen, sagt Ahlert. Für Gottfried Einofski samt Enkeln Ole und Paul eine gute Gelegenheit, das neue Streckennetz mit einer Tageskarte zu erkunden. Vom Südkreuz zum Gesundbrunnen und zurück ins Gewühl am Hauptbahnhof. "Es ist schön, daß die Stadt so näher zusammenrückt", sagt der Großvater.



    Kränze für den Bahnhof Zoo

    Demonstranten gaben ICE-Zügen das letzte Geleit.

    Aus:
    Berliner Zeitung, 29. Mai 2006, Seite ?? (Berlin) von PETER NEUMANN. [Original]

    BERLIN. Es war eine Trauerfeier im kleinen Kreis. Knapp 40 Menschen empfingen in der Nacht zum Sonntag die letzten ICE- und Intercity-Züge, die am Bahnhof Zoo hielten – mit Kränzen, Trauerflor und Leichenbittermienen. Sie demonstrierten gegen die Entscheidung der Deutschen Bahn (DB), den Bahnhof am Hardenbergplatz nach 122 Jahren größtenteils vom Fernverkehr abzukoppeln. Doch hoffnungslos war die Stimmung an den Gleisen 1 und 2 nicht. Denn noch immer hofft die Initiatorin der Proteste, die Grunewalder Pastorin Helga Frisch, dass die Entscheidung revidiert wird. "Wir wissen nicht, wie lange es Herrn Mehdorn an der DB-Spitze noch gibt", sagte die Theologin.

    Plakate warben für die "tollste Party des Jahres" – im neuen Hauptbahnhof. Aber die Demonstranten ließ das kalt. Viele von ihnen bekundeten stolz, bisher keinen Fuß in den Glaspalast gesetzt zu haben. "Die ganzen Menschenmassen – nein, da zieht mich nichts hin", sagte Helga Frisch. Abgesehen davon, dass die Anfahrt auch nicht so einfach sei: "Abgesehen von einer Linie zum Zoo gibt es dort keine Busverbindung in den Westen der Stadt."

    DB will den Bahnhof ausbauen

    "Hauptbahnhof – wenn ich das schon höre. Das wirkt doch richtig provinziell. Essen hat so etwas – warum jetzt auch Berlin?" fragte die Stadtführerin Brigitte Kohlhas. Sie nutze nun verstärkt Mitfahrgelegenheiten. Das DB-Argument, der Verzicht auf den Halt am Zoo spare Zeit, sticht bei ihr nicht: "Es ging darum, die Geschäfte im Hauptbahnhof besser auszulasten." Dafür nehme das Unternehmen in Kauf, dass für mehr als eine Million Berliner der Weg zum Zug viel länger wird.

    Die Demonstranten wissen, dass der Bahnhof Zoo zu Mauerzeiten in West-Berlin als Drogenhölle und Schmuddelecke verpönt war. "Man kann über etwas meckern. Doch wenn es einem weggenommen werden soll, ist das eine andere Sache", hieß es. "Mir geht es geht nicht um Nostalgie, sondern um bequemes Reisen", sagte Helga Frisch. Darum sammelt sie weiter Unterschriften. Rund 112.000 habe sie bereits, eine Viertelmillion sollen es nun werden.

    Fahrgäste stimmten ihr zu. "Ich finde es bedauerlich, dass der ICE nicht mehr am Zoo hält. Für mich liegt der Hauptbahnhof ungünstiger", sagte Ulrike Kaufmann, die mit dem Zug 645 aus Köln eintraf.

    Die DB entgegnet, dass die 6 Bahnhöfe, die am Sonntag [28.5.2006] den Betrieb aufnahmen, ausnahmslos im ehemaligen Westteil liegen. Bahnchef Hartmut Mehdorn will bei seiner Entscheidung bleiben. Der Bahnhof Zoo sei zu klein: "Es war oft fast schon gefährlich auf den Bahnsteigen, so voll waren sie." Für den S-Bahn- und Regionalverkehr bleibe die Station wichtig. Darum erwäge die DB jetzt auch, ihre zurückgestellten Um- und Ausbaupläne wieder aufzunehmen. Sie sehen unter anderem vor, die Halle nach Osten zu erweitern. Mehdorn: "Die Zwischendecke müsste raus, mehr Licht und Luft rein. Wir denken darüber nach, ob wir nun investieren."

    Das hänge aber davon ab, ob unter dem Hardenbergplatz eine Tiefgarage gebaut werden darf. Die jetzigen Parkplätze reichten nicht aus.



    Bahnchef: Jetzt kommt der Rundschliff

    Im regulären Betrieb des neuen Hauptbahnhofs zeigen sich Mängel.

    Aus:
    Berliner Morgenpost, 30. Mai 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]

    BERLIN (BM). Auf den Begeisterungstaumel über den neuen Hauptbahnhof folgt die Ernüchterung. Zwei Tage nach der Inbetriebnahme zeigen sich erste Mängel. Schon vor dem Bahnhof stehen sich die Taxen gegenseitig im Weg, während die Fahrer laut fluchen. An der Südseite ist gar keine Taxihalte ausgeschildert, was die Fahrer jedoch nicht daran hindert, die wartenden Kunden dort abzuholen. "Das ist wohl der größte Bahnhof mit der kleinsten Taxi-Auffahrt", schimpft Bodo Düring. Die Planung sei eine absolute Katastrophe. Schließlich seien die Taxis gezwungen auf der schmalen Straße am Friedrich-List-Ufer eine Reihe zu bilden, wo sie notgedrungen zum Verkehrshindernis würden. Dort ist auch der Eingang für den Lieferverkehr, außerdem nutzen Privatautos und der Linienbus die viel zu enge Straße.

    Ähnlich chaotisch kreisen die Autos vor dem Nordeingang und parken wild auf der Freifläche vor dem Bahnhof. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung müsse für eine ordentliche Beschilderung sorgen, sagt Bahn-Sprecher Burkhard Ahlert.

    Wer hier aussteigt, muß seinen Koffer über Rollsplitt ziehen, in dem sich schon etliche Zigarettenkippen sammeln. Denn auch Aschenbecher vor dem Nichtraucher-Bahnhof fehlten bisher.

    Im Inneren des Glaspalastes bildet sich eine lange Schlange an der Gepäckaufbewahrung. Jede Reisetasche wird aus Sicherheitsgründen durchleuchtet, Schließfächer gibt es nicht. Drei Euro pro Tag und pro Gepäckstück ist der Preis für den Service, der von sechs bis 22 Uhr angeboten wird.

    Ähnlich lange Schlangen bilden sich am WC-Center. Die einzigen öffentlichen Toiletten auf dem Bahnhof waren gestern hoffnungslos überfüllt und das Schloß zum Behinderten-WC war defekt. Die beherzte Toilettenfrau verschaffte den Wartenden Erleichterung, in dem sie die Damen auch auf die Herren-Kabinen ließ und mit Wechselgeld aushalf.

    "Der Preis ist ein Hohn", sagt Manfred Hermann aus Spandau. Wer habe schon 80 Cent passend und Rückgeld gebe der Automat nicht. Nach einer Post suchen die Reisenden vergeblich. Schließlich entdeckt das Paar aus Hannover doch noch ein Geschäft, wo es seine Urlaubsgrüße loswerden kann. Ein winziger Foto-Shop hat den Service-Point der Post übernommen und kann den Kundenansturm kaum bewältigen.

    Weiterer Kritikpunkt: Beim ICE nach Köln stehen die ersten drei Wagen unter freiem Himmel. Das bedeutet Regen für Erste-Klasse-Fahrgäste, weil das Glasdach zu kurz ist.

    Die Bahnkunden am neuen Fernbahnhof Südkreuz an der General-Pape-Straße wurden gestern mittag durch falsche Anzeigen sowie verspätete Durchsagen verwirrt. Während die Reisenden auf den EC von Prag zur Weiterfahrt nach Hamburg warteten, wurden Stralsund oder andere Ziele angezeigt, der Zug in die Hansestadt dagegen tauchte kein einziges Mal auf.

    Nach den Worten von Bahnchef Hartmut Mehdorn hat der neue Hauptbahnhof seine Feuertaufe im regulären Betrieb bestanden. "Jetzt kommt der Rundschliff", sagte Mehdorn gestern. Kleinere Mängel würden nun behoben. [Liste der Bahnhofs-Macken]



    Planungsstart für Lehrter Quartier

    [Ed: diese Trödelei von Senat plus staatlicher Vivico (ex-VdeR) ist rational kaum erklärbar]

    Aus:
    Berliner Morgenpost, 30. Mai 2006, Seite ?? (Bezirke). [Original]

    MITTE (sg). Startschuß für die Gestaltung des Stadtquartiers am neuen Hauptbahnhof. Die Grundstückseignerin Vivico Real Estate führt jetzt in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einen begrenzt offenen Architektur-Wettbewerb für die Bebauung am neuen Hauptbahnhof durch. In den geplanten 5 Blöcken südlich der Bahntrasse sollen Büros, Hotels, Läden, Gastronomie und ergänzende Dienstleistungen unterkommen.

    Wie Vivico-Sprecher Markus Diekow gestern bestätigte, werden 30 Architekturbüros angeschrieben. Eine Jury, der als Preisrichter auch Senatsbaudirektor Hans Stimmann (SPD) angehört, wählt sieben Architekturbüros zur Teilnahme am Wettbewerb aus. Die Auslobung startet im Juni, das Preisgericht tagt im September. [mehr]



    Dresdner Bahn: Bauzusage im Herbst erwartet

    Betroffene Anwohner drohen mit Klage.

    Aus:
    Berliner Morgenpost, 30. Mai 2006, Seite ?? (Berlin). [Original]

    BERLIN (schoe). Der Planfeststellungsbeschluß und damit die Baugenehmigung für den Ausbau der Dresdner Bahn werden voraussichtlich im Herbst dieses Jahres vorliegen. Nach Ansicht der Lichtenrader Bürgerinitiative "Dresdner Bahn" und des Anwalts betroffener Anwohner, Frank Boermann, ist zu befürchten, daß der Ausbau der Dresdner Bahn [Ed: wie schon im Mai 2001 in Lichterfelde-Süd bei der Anhalter Bahn] ohne Tunnel planfestgestellt wird. Für diesen Fall kündigten sowohl Boermann wie auch der stellvertretende Vorsitzende der BI, Manfred Beck, Klagen an.

    Im Sinne des Lärmschutzes fordert die BI seit Jahren einen 3,5 Kilometer langen Tunnel vom Bahnhof Schichauweg bis zur Landesgrenze und erarbeitete in Abstimmung mit der Bahn ein entsprechendes Tunnel- und Finanzierungskonzept. "Dieses Konzept aber war überraschender Weise in den vorgelegten Unterlagen der Bahn während der Anhörung im Rahmen des Planfeststellungsverfahren im März, April dieses Jahres nicht enthalten", so Boermann. "Wir werden uns im Fall einer Klage nicht auf das Kippen der Bahnstrecke, sondern auf Schallschutz und Erschütterung konzentrieren", so Boermann.

    Dabei will sich der Anwalt auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgericht vom September 2003 stützen, wonach die Bahn im Zuge der Wiedereinrichtung der Anhalter Bahn verpflichtet wurde, über eine Ergänzung des Planfeststellungsbeschlusses durch weitergehende Schallschutzmaßnahmen erneut zu entscheiden.

    Die Lichtenrader Bürgerinitiative hofft zunächst noch auf eine politische Lösung und kündigt für Anfang September, vor den Abgeordnetenhauswahlen, eine Demonstrationsveranstaltung in Lichtenrade an. [mehr]



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      Zum Teil 13

    © 2006-2007 – Dipl.-Ing. Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 13.12.2009 12.20 Uhr