Infos zur Veränderung des Klimas – Teil 7 khd
Stand:  15.3.2006   (32. Ed.)  –  File: Sci/Nat/K/Klima_07.html



Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Texte zum gefährlichen Klimawandel und dessen Folgen gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert, manches wird auch in [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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E X T R E M E   W E T T E R L A G E N 

Schwarzenegger ruft den Notstand aus

Regenfluten haben in weiten Teilen Kaliforniens viele Häuser überschwemmt. Drei Menschen wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen.

Aus:
Berliner Morgenpost, 3. Januar 2006, 8.03 Uhr MEZ (Aktuell). [Original]

GUERNEVILLE/USA (morgenpost.de). Nach den heftigen Überschwemmungen in Kalifornien hat Gouverneur Arnold Schwarzenegger für Teile des Staates den Notstand ausgerufen. Kalifornien müsse sich besser gegen künftige Unwetter wappnen, um nicht von einer Katastrophe im Ausmaß des Hurrikans "Katrina" getroffen zu werden, sagte Schwarzenegger bei einem Besuch im Überschwemmungsgebiet. Er rief für insgesamt 7 Bezirke im Norden des Staates den Notstand aus. Die Regenfluten setzten Hunderte Häuser unter Wasser und kosteten mindestens 3 Menschen das Leben, die von umstürzenden Bäumen erschlagen wurden. Der Schaden wurde auf mehr als 100 Millionen Dollar (85 Millionen Euro) geschätzt.

Der US-Sonnenstaat versinkt derweil weiter im Regen. Während am Montag [2.1.2006] in überfluteten Ortschaften der Weingebiete Napa und Sonoma nördlich von San Francisco zumindest teilweise die Aufräumarbeiten begannen, fing im Süden des Staates das Bangen an. Nachdem dort heftige Niederschläge eingesetzt hatten, wurden in zuvor von Waldbränden heimgesuchten Hügelregionen an der Küste Erdrutsche und Springfluten erwartet – ein blitzschnelles gefährliches Anschwellen von Bächen und Flüssen.

Für die Region von Santa Barbara, einem beliebten Prominentenort an der südlichen Pazifikküste, wurde eine Springflutwarnung ausgegeben, nachdem sich dort in der Nacht zum Montag Bäche von Rinnsalen in reißende Fluten verwandelt hatten. Sorgenvoll blickten auch Villenbewohner in den Hügeln nahe der Stadt gen Himmel: Viele haben ihre Luxusdomizile wegen der schönen Aussicht auf Abhängen gebaut, die nach den massiven Regenfälle abrutschen könnten. Besonderes Augenmerk galt auch der Küstenautobahn von Malibu bei Los Angeles, wo viele Prominente wohnen. Hier waren Hügelabhänge entlang der Straße bereits am Montagmorgen so stark mit Wasser voll gesogen, daß eine Blockade dieser wichtigen Küsten-Verkehrsader wegen abrutschender Erdmassen befürchtet wurde.

In der Stadt Pasadena rund 25 Kilometer von Los Angeles entfernt wurde ungewollt Wetter-Geschichte geschrieben: Zum ersten Mal seit 51 Jahren regnete es während der traditionellen Rosenparade, einem Festumzug zum neuen Jahr ähnlich den Rosenmontagsumzügen. Wie aus Gießkannen schüttete es auf die marschierenden Musikanten und geschmückten Wagen mit kostspieligen kunstvollen Riesen- Blumenarrangements. Angesichts der Wettervorhersagen hatten die Veranstalter vorsichtshalber schon in den vergangenen Tagen Plastik- Regencapes für die Musikanten und rutschsichere "Schuhe" für die Paradepferde bestellt.

Im Norden Kaliforniens, wo nach ununterbrochenem Regen seit Freitag [30.12.2005] Flüsse über die Ufer getreten und Wohnmobil- Siedlungen und Ortsteile überflutet worden waren, wateten die Menschen am Montag durch dicken Schlamm auf den Straßen. Am Sonntag [1.1.2006] hatte ihnen eine zweite schwere Schlechtwetterfront innerhalb von nur 2 Tagen neue heftige Niederschläge und damit weitere Überschwemmungen beschert. Betroffen waren auch ein Flußmündungsgebiet nahe der kalifornischen Hauptstadt Sacramento: Hier nach der Überflutung eines Damms Hunderte Menschen aus ihren Häusern fliehen.

Nicht nur in vielen malerischen kleinen Ortschaften der Weinanbaugebiete von Napa und Sonoma stand das Wasser Zentimeter hoch in Häusern, auf Straßen und Wegen. Auch in den Weinbergen selbst richtete der Regen Verwüstungen an. In manchen Häusern waren Wassermassen mit so starker Wucht in die Wohnungen gestürzt, daß Möbelstücke zertrümmert wurden.



K L I M A W A N D E L

Arktisforscher messen Wärmerekord

Während in Russland extreme Minustemperaturen herrschen, erlebt die Arktis derzeit einen Wärmerekord. Forscher registrierten die höchsten je im Januar gemessenen Temperaturen. Der Monat ist bisher fast 10 Grad wärmer als im Durchschnitt.

Aus:
Spiegel Online – 20. Januar 2006, 12.16 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

SPITZBERGEN. Von der Koldewey-Forschungsstation an der Westküste Spitzbergens sind es nur 1200 Kilometer bis zum Nordpol. Seit 15 Jahren sammeln Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Koldewey Klimadaten. Doch einen so warmen Januar wie in diesem Jahr haben sie noch nie erlebt.

Normalerweise herrscht in Ny-Ålesund, der nördlichsten Siedlung der Welt, in diesen Tagen Frost um minus 12 Grad Celsius. Seit dem 4. Januar liegen die Temperaturen aber über dem Gefrierpunkt. Der bisher wärmste Tag war der 16. Januar mit einer Höchsttemperatur von plus 6,5 Grad Celsius – 2 Grad mehr als der bisherige Januar-Höchstwert.

An 10 Tagen wurden die bisherigen Tagesrekorde um bis zu 3 Grad Celsius überschritten, teilte das Institut mit. Im Mittel sei der Januar bisher fast 10 Grad wärmer als im Durchschnitt. Gleichzeitig ist nach Messungen des norwegischen Polarinstituts in der ersten Januarhälfte dreimal so viel Niederschlag gefallen wie sonst im gesamten Monat.

Die hohen Temperaturen lassen große Mengen des im Winter gefallenen Schnees schmelzen. Zwischen Restschnee und Dauerfrostboden entstehen gefährliche, weil nicht sichtbare Schmelzwasserabflüsse. "Wir können den Ort praktisch nicht mehr verlassen, um an unseren Messgeräten außerhalb zu arbeiten", erklärt Kai Marholdt, Ingenieur an der Forschungsbasis.

"Auch zwischen den Gebäuden sind regelrechte Bäche mit Schmelzwasser entstanden", berichtet Siegrid Debatin, "so etwas habe ich im Januar in diesem Ausmaß noch nicht erlebt". Die Meteorologie-Technikerin besucht die Koldewey-Station seit über 10 Jahren regelmäßig für Messungen im Winter.

"Schon seit vielen Jahren sagen die Klimamodelle eine Erwärmung besonders in der Arktis voraus", erklärt der Bremerhavener Klimaexperte Peter Lemke. Ein Aufwärtstrend der Temperaturen sei dort tatsächlich seit mehr als 20 Jahren zu beobachten. Laut Lemke wird es aber auch in Zukunft in der Arktis immer wieder zu kalten Wintern kommen. Dies sei Folge der normalen Wetterschwankungen.



E I S Z E I T   I N   E U R O P A

Mittendrin im Klimawandel

Eine Kältewelle hat Europa im Griff, während in der Arktis ungewöhnlich hohe Temperaturen herrschen. Einen unmittelbaren Zusammenhang zum Klimawandel bestreiten Forscher zwar. Aber sie verweisen auf eine Zunahme der Wetterextreme, zu denen auch die derzeitige Kälte gehört.

Aus:
Spiegel Online – 23. Januar 2006, 17.11 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

Der Mensch ist ein Meister im Interpretieren. Wenn eine Beobachtung gut zu einer These passt, dann wird sie als Bestätigung der These gewertet. So kommen schnell falsche Urteile zustande, etwa derart, dass eine Ampel praktisch immer auf Rot steht, wenn man gerade über die Straße will.

Bei Wetterphänomenen konnte man in den vergangenen Jahren ähnliches beobachten: Der Wirbelsturm "Katrina", das Elbe-Hochwasser von 2002 und sintflutartige Regenfälle in Asien – all das wird gern als Beweis für den stattfindenden Klimawandel angeführt.

Ganz so einfach ist die Lage freilich nicht. Auch die gegenwärtige Kältewelle, die Russland, Polen, Deutschland und weitere Länder fest im Griff hat, taugt kaum als schlüssiger Beweis für den Klimawandel. "Nur weil es zwei, drei Tage mal richtig kalt ist, denken die Leute gleich, die nächste Eiszeit ist da", sagt Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe, Meteorologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Kältewelle als Vorbote des Klimawandels, davon will Gerstengarbe nichts wissen. "Es geht nicht um Vorboten, wir sind mittendrin im Klimawandel", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Dies lasse sich anhand von Klimadaten aus den vergangenen hundert Jahren klar belegen.

"Die Klimatologen sind sich sicher, dass Witterungsextreme zunehmen", so Gerstengarbe. Man müsse die Sache nur global analysieren, wie es bei großen Versicherungsunternehmen schon lange üblich sei.

Gerstengarbe warnt jedoch davor, ein einzelnes Ereignis wie den derzeitigen Frost herauszugreifen. "Das besagt gar nichts; Kältewellen sind nichts Besonderes."

Kälterekord minus 37,8 Grad im Jahr 1929

In den vergangenen Jahrzehnten habe Deutschland zudem schon deutlich tiefere Temperaturen erlebt. "Heute haben wir in Potsdam minus 18 Grad Celsius, 1929 waren es minus 26 Grad." Die derzeitige Großwetterlage Hoch Nordmeer-Fennoskandien sei nicht ungewöhnlich. "Diese tritt jedes Jahr mehrfach in Mitteleuropa auf – allerdings mit unterschiedlichen Auswirkungen", betont der Meteorologe. Die extreme Kälte in Russland habe die tiefen Temperaturen hierzulande verursacht.

Der absolute Minusrekord für Deutschland liegt allerdings schon 77 Jahre zurück und wurde am 12. Februar 1929 gemessen: Minus 37,8 Grad zeigte das Thermometer damals in Hüll, einem Ort im Kreis Pfaffenhofen an. Extreme Kälte ließ die Deutschen auch in den Jahren 1947, 1956 und 1963 zittern. "Was wir gerade erleben, löst bei mir nur ein Schulterzucken aus", sagt Gerstengarbe, der als Professor an der Humboldt-Universität in Berlin lehrt."Anders wäre es, wenn die Kältewelle drei bis vier Wochen andauern würde."

Dass die Wetterextreme zunehmen, ist für den Potsdamer Forscher jedoch Tatsache. Zu den Extremen gehören auch Kältewellen, denn der Klimawandel führt nicht nur zu einer Erhöhung der Durchschnittstemperaturen, sondern zu einer Häufung extremer Temperaturen und Regenfälle – und zwar in beide Richtungen. Trockene Regionen leiden noch mehr unter Dürre, in Gegenden mit feuchtem Klima regnet es noch mehr.

Ein solches Extrem dürfte auch die relative Wärme in der Arktis darstellen, die Wissenschaftler derzeit auf der Forschungsstation Koldewey an der Westküste Spitzbergens beobachten. Sie registrierten die höchsten je im Januar gemessenen Temperaturen. Der Monat ist bisher fast 10 Grad wärmer als im Durchschnitt.

"Schon seit vielen Jahren sagen die Klimamodelle eine Erwärmung besonders in der Arktis voraus", erklärt der Bremerhavener Klimaexperte Peter Lemke. Ein Aufwärtstrend der Temperaturen sei dort tatsächlich seit mehr als 20 Jahren zu beobachten.

"Im Gesamtkontext ist das wieder ein Extrem mehr", meint Gerstengarbe. Ob die derzeitige Kälte tatsächlich als Extrem zu werten ist, wird sich wohl erst in den nächsten Tagen zeigen. [weiter beim SPIEGEL]

[22.01.2006: Grimmige Kälte erreicht Deutschland]  (SPIEGEL ONLINE)



K L I M A - S T U D I E 

2005 war wärmstes Jahr seit über einem Jahrhundert

Die Temperaturen des vergangenen Jahres waren im Durchschnitt die höchsten seit Beginn der Klimaaufzeichnungen vor mehr als hundert Jahren, wie eine Studie der Nasa besagt. Möglicherweise sei 2005 gar das wärmste Jahr seit Jahrtausenden gewesen.

Aus:
Spiegel Online – 24. Januar 2006, 10.43 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

NEW YORK. Im vergangenen Jahr sei die höchste jährliche weltweite Oberflächen-Durchschnittstemperatur gemessen worden, sagte James Hansen, Direktor des Nasa Goddard Institute for Space Studies. 2005 war demnach noch etwas wärmer als das bisherige Rekordjahr 1998.

Unter Heranziehung indirekter Werte aus der Zeit davor könne man sogar feststellen, dass das vergangene Jahr das wärmste seit einigen tausend Jahren gewesen sei, sagte Hansens Mitarbeiter Drew Shindell. Damit lägen nun die fünf wärmsten Jahre insgesamt nur kurze Zeit zurück – dem Rekordjahr 2005 folgen 1998, 2002, 2003 und 2004.

Die Temperatur in der Arktis wurde wegen fehlender direkter Daten geschätzt, wobei die Werte nahe gelegener Wetterstationen benutzt wurden. Einige Experten hätten erwartet, dass es im bisherigen Rekordjahr 1998 wärmer gewesen sei als 2005. Doch dies sei nicht der Fall, sagte Shindell. Damals habe es einige Sonderfaktoren gegeben, etwa besonders warme Strömungen im Pazifik durch El Niño. Doch sei seitdem die Erwärmungsrate so stark angestiegen, dass es inzwischen auch ohne Sonderfaktoren zu Temperaturen in zuvor nicht gekannter Höhe komme.

Im Einklang mit anderen Experten machten Hansen und Shindell für die zunehmende Erwärmung vor allem Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan verantwortlich. Hauptsächlich würden die Gase durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetzt.

Nach Angaben der Nasa stieg die Temperatur auf der Erde in den vergangenen 100 Jahren um 0,8 Grad Celsius, wobei allein 0,6 Grad auf die vergangenen 30 Jahren entfielen. Für das 21. Jahrhundert werde ein weltweiter Temperaturanstieg von 3 bis 5 Grad erwartet. Damit würden die Temperaturen auf Werte ansteigen, die es auf der Erde sicher seit einer Million Jahre nicht mehr gegeben habe, sagte Shindell.



D I E   U S A   U N D   D A S   K L I M A - P R O B L E M

Climate Expert Says NASA Tried to Silence Him

Aus:
New York Times, 29. Januar 2006, Seite xx (Science) von ANDREW C. REVKIN. [Original 1] [Original 2] [Translation-Service]

The top climate scientist at NASA says the Bush administration has tried to stop him from speaking out since he gave a lecture last month calling for prompt reductions in emissions of greenhouse gases linked to global warming.

The scientist, James E. Hansen, longtime director of the agency's Goddard Institute for Space Studies, said in an interview that officials at NASA headquarters had ordered the public affairs staff to review his coming lectures, papers, postings on the Goddard Web site and requests for interviews from journalists. Dr. Hansen said he would ignore the restrictions. "They feel their job is to be this censor of information going out to the public," he said.

Dean Acosta, deputy assistant administrator for public affairs at the space agency, said there was no effort to silence Dr. Hansen. "That's not the way we operate here at NASA," Mr. Acosta said. "We promote openness and we speak with the facts." He said the restrictions on Dr. Hansen applied to all National Aeronautics and Space Administration personnel. He added that government scientists were free to discuss scientific findings, but that policy statements should be left to policy makers and appointed spokesmen.

Mr. Acosta said other reasons for requiring press officers to review interview requests were to have an orderly flow of information out of a sprawling agency and to avoid surprises. "This is not about any individual or any issue like global warming," he said. "It's about coordination." Dr. Hansen strongly disagreed with this characterization, saying such procedures had already prevented the public from fully grasping recent findings about climate change that point to risks ahead. "Communicating with the public seems to be essential," he said, "because public concern is probably the only thing capable of overcoming the special interests that have obfuscated the topic."

Dr. Hansen, 63, a physicist who joined the space agency in 1967, directs efforts to simulate the global climate on computers at the Goddard Institute in Morningside Heights in Manhattan. Since 1988, he has been issuing public warnings about the long-term threat from heat-trapping emissions, dominated by carbon dioxide, that are an unavoidable byproduct of burning coal, oil and other fossil fuels. He has had run-ins with politicians or their appointees in various administrations, including budget watchers in the first Bush administration and Vice President Al Gore.

In 2001, Dr. Hansen was invited twice to brief Vice President Dick Cheney and other cabinet members on climate change. White House officials were interested in his findings showing that cleaning up soot, which also warms the atmosphere, was an effective and far easier first step than curbing carbon dioxide. He fell out of favor with the White House in 2004 after giving a speech at the University of Iowa before the presidential election, in which he complained that government climate scientists were being muzzled and said he planned to vote for Senator John Kerry.

But Dr. Hansen said that nothing in 30 years equaled the push made since early December to keep him from publicly discussing what he says are clear-cut dangers from further delay in curbing carbon dioxide. In several interviews with The New York Times in recent days, Dr. Hansen said it would be irresponsible not to speak out, particularly because NASA's mission statement includes the phrase "to understand and protect our home planet."

      NASA climate scientist Dr. Hansen      
^   James E. Hansen, top NASA climate scientist, on Friday at the Goddard Institute in Upper Manhattan.   (Foto: 27.1.2006 – Fred R. Conrad/The New York Times)

He said he was particularly incensed that the directives had come through telephone conversations and not through formal channels, leaving no significant trails of documents. Dr. Hansen's supervisor, Franco Einaudi, said there had been no official "order or pressure to say shut Jim up." But Dr. Einaudi added, "That doesn't mean I like this kind of pressure being applied."

The fresh efforts to quiet him, Dr. Hansen said, began in a series of calls after a lecture he gave on Dec. 6 at the annual meeting of the American Geophysical Union in San Francisco. In the talk, he said that significant emission cuts could be achieved with existing technologies, particularly in the case of motor vehicles, and that without leadership by the United States, climate change would eventually leave the earth "a different planet."

The administration's policy is to use voluntary measures to slow, but not reverse, the growth of emissions. After that speech and the release of data by Dr. Hansen on Dec. 15 showing that 2005 was probably the warmest year in at least a century, officials at the headquarters of the space agency repeatedly phoned public affairs officers, who relayed the warning to Dr. Hansen that there would be "dire consequences" if such statements continued, those officers and Dr. Hansen said in interviews.

Among the restrictions, according to Dr. Hansen and an internal draft memorandum he provided to The Times, was that his supervisors could stand in for him in any news media interviews.

Mr. Acosta said the calls and meetings with Goddard press officers were not to introduce restrictions, but to review existing rules. He said Dr. Hansen had continued to speak frequently with the news media. But Dr. Hansen and some of his colleagues said interviews were canceled as a result.

In one call, George Deutsch, a recently appointed public affairs officer at NASA headquarters, rejected a request from a producer at National Public Radio to interview Dr. Hansen, said Leslie McCarthy, a public affairs officer responsible for the Goddard Institute. Citing handwritten notes taken during the conversation, Ms. McCarthy said Mr. Deutsch called N.P.R. "the most liberal" media outlet in the country. She said that in that call and others, Mr. Deutsch said his job was "to make the president look good" and that as a White House appointee that might be Mr. Deutsch's priority. But she added: "I'm a career civil servant and Jim Hansen is a scientist. That's not our job. That's not our mission. The inference was that Hansen was disloyal."

Normally, Ms. McCarthy would not be free to describe such conversations to the news media, but she agreed to an interview after Mr. Acosta, at NASA headquarters, told The Times that she would not face any retribution for doing so. Mr. Acosta, Mr. Deutsch's supervisor, said that when Mr. Deutsch was asked about the conversations, he flatly denied saying anything of the sort. Mr. Deutsch referred all interview requests to Mr. Acosta. Ms. McCarthy, when told of the response, said: "Why am I going to go out of my way to make this up and back up Jim Hansen? I don't have a dog in this race. And what does Hansen have to gain?"

Mr. Acosta said that for the moment he had no way of judging who was telling the truth. Several colleagues of both Ms. McCarthy and Dr. Hansen said Ms. McCarthy's statements were consistent with what she told them when the conversations occurred. "He's not trying to create a war over this," said Larry D. Travis, an astronomer who is Dr. Hansen's deputy at Goddard, "but really feels very strongly that this is an obligation we have as federal scientists, to inform the public." Dr. Travis said he walked into Ms. McCarthy's office in mid-December at the end of one of the calls from Mr. Deutsch demanding that Dr. Hansen be better controlled.

In an interview on Friday, Ralph J. Cicerone, an atmospheric chemist and the president of the National Academy of Sciences, the nation's leading independent scientific body, praised Dr. Hansen's scientific contributions and said he had always seemed to describe his public statements clearly as his personal views. "He really is one of the most productive and creative scientists in the world," Dr. Cicerone said. "I've heard Hansen speak many times and I've read many of his papers, starting in the late 70's. Every single time, in writing or when I've heard him speak, he's always clear that he's speaking for himself, not for NASA or the administration, whichever administration it's been."

The fight between Dr. Hansen and administration officials echoes other recent disputes. At climate laboratories of the National Oceanic and Atmospheric Administration, for example, many scientists who routinely took calls from reporters five years ago can now do so only if the interview is approved by administration officials in Washington, and then only if a public affairs officer is present or on the phone.

Where scientists' points of view on climate policy align with those of the administration, however, there are few signs of restrictions on extracurricular lectures or writing. One example is Indur M. Goklany, assistant director of science and technology policy in the policy office of the Interior Department. For years, Dr. Goklany, an electrical engineer by training, has written in papers and books that it may be better not to force cuts in greenhouse gases because the added prosperity from unfettered economic activity would allow countries to exploit benefits of warming and adapt to problems.

In an e-mail exchange on Friday, Dr. Goklany said that in the Clinton administration he was shifted to nonclimate-related work, but added that he had never had to stop his outside writing, as long as he identified the views as his own. "One reason why I still continue to do the extracurricular stuff," he wrote, "is because one doesn't have to get clearance for what I plan on saying or writing." [mehr]



K L I M A W A N D E L

US-Regierung soll Nasa-Experten zensiert haben

Hat die Bush-Administration Angst vor den Forschungsergebnissen ihrer eigenen Wissenschaftler? In der New York Times erhob der Nasa-Klimaexperte James Hansen schwere Vorwürfe: Die Regierung wolle ihn mundtot machen.

Aus: Spiegel Online – 29. Januar 2006, 15.33 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

NEW YORK. Erst letzte Woche hatte James Hansen erklärt, im vergangenen Jahr sei die höchste jährliche weltweite Oberflächen- Durchschnittstemperatur gemessen worden. Für die zunehmende Erwärmung machte der Klimaexperte der US-Raumfahrtbehörde Nasa vor allem Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan. Die Emissionen kämen hauptsächlich durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe zustande.

Gestern hat Hansen, der als Direktor des Goodard Instituts für Weltraumstudien bei der Nasa fungiert, in der New York Times die Bush-Regierung scharf angegriffen. Er sei von der Abteilung für öffentliche Angelegenheiten unter Druck gesetzt worden. Das Nasa- Hauptquartier habe angeordnet, sowohl seine geplanten Veröffentlichungen und Vorlesungen als auch Einträge auf der Goddard-Website zu begutachten. Auch Interview- Anfragen von Journalisten müssten abgesegnet werden. "Sie halten es für ihre Aufgabe, die an die Öffentlichkeit gehenden Informationen zu zensieren", erklärte Hansen in der New York Times.

Dean Acosta, ein Koordinator des Öffentlichkeitsbüros der Nasa, widersprach umgehend. Es gebe keinerlei Bestrebungen, Hansen mundtot zu machen. Allerdings sollten politische Statements Politikern und ihren Sprechern überlassen werden. Letztlich gehe es aber nicht um Einzelthemen wie Erderwärmung, sondern um "Koordination" von Informationen.

Hansen widersprach deutlich: Solche Maßnahmen hätten schon zuvor verhindert, dass die Öffentlichkeit in vollem Ausmaß die Risiken des aktuellen Klimawandels erfassen könnte. "Kommunikation mit der Öffentlichkeit ist wesentlich", sagte der Wissenschaftler dem Blatt. "Die öffentliche Besorgnis ist vielleicht das einzige, was die Durchsetzung von Einzelinteressen in dieser Sache verhindern kann."

Hansen ist unter anderem für Computersimulationen des globalen Klimas zuständig. Seit 1988 warnte er der Zeitung zufolge wiederholt öffentlich vor den Gefahren von Ausstößen, die zur Erderwärmung beitragen. Der Druck auf ihn habe nach einem Vortrag vor der Amerikanischen Union für Geophysik begonnen, in dem er erklärte, eine deutliche Verringerung der Emissionsmengen könnte mit bereits vorhandener Technik erreicht werden.

      Die Erderwärmung im Jahr 2005      
^   Erdkarte mit den Anomalien der Oberflächentemperaturen. Vor allem die nördliche Hemisphäre hat sich wesentlich erwärmt. Das Jahr 2005 war das wärmste Jahr seit über einem Jahrhundert. Und die Frage ist: Ist diese Erderwärmung reversibel? Die Zweifel daran werden immer lauter. Ginge es nach der amerikanischen Bush-Regierung würden solch brisante wissenschaftlichen Erkenntnisse überhaupt nicht publiziert.   (Grafik: 2005 – nasa)

Nach Anrufen aus dem Nasa-Hauptquartier hätten ihn Vertreter der Abteilung für Öffentliche Angelegenheiten Konsequenzen angedroht, sollte er solche Aussagen wiederholen. Zu den Restriktionen, von denen Hansen der New York Times berichtete und die in einem der Zeitung zugänglichen Papier vorliegen, gehöre die Möglichkeit, den Wissenschaftler bei öffentlichen Auftritten zu ersetzen.



B R I T I S C H E   S T U D I E

Blair warnt vor dramatischem Klimawandel

Die Folgen des Klimawandels sind möglicherweise noch dramatischer als bislang angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine umfassende Sammlung von Studien britischer Forscher. Großbritanniens Premier Tony Blair äußerte sich im Vorwort des Berichts höchst besorgt.

Aus:
Spiegel Online – 30. Januar 2006, 17.11 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

LONDON. "Die hier dargestellten Ergebnisse machen deutlich, dass die Risiken des Klimawandels deutlich größer sein könnten, als wir dachten", schreibt Blair im Vorwort zu dem Bericht mit dem Titel "Avoiding Dangerous Climate Change". Beunruhigend ist der jetzt publizierte Konferenzband vor allem deshalb, weil er bisherige Ergebnisse über die Auswirkungen der globalen Erwärmung geradezu harmlos aussehen lässt. Der Bericht fasst Arbeiten zusammen, die bei einer Konferenz des britischen Meteorological Office bereits im Februar 2005 vorgetragen wurden.

Die Europäische Union hat sich als Klimaziel gesetzt, die globalen Temperaturen um nicht mehr als 2 Grad Celsius ansteigen zu lassen. Ein Anstieg um 2 Grad werde aber bereits katastrophale Auswirkungen haben, schließen die britischen Wissenschaftler.

Zu den Folgen könnten geringere Ernteerträge in Industrie- und Entwicklungsländern ebenso gehören wie die Ausbreitung der Wüsten und damit einhergehende Migrationsbewegungen in Nordafrika, Wasserknappheit für bis zu 2,8 Milliarden Menschen, Verlust von 97 Prozent der Korallenriffe, Aussterben von Eisbären und Walrossen aufgrund der Eisschmelze in der Arktis und die Ausbreitung von Malaria in Afrika und Nordamerika. Auch das Grönlandeis könnte bei einem solchen Anstieg um 2 Grad Celsius bereits schmelzen, warnen die Forscher.

Noch der letzte große Klimareport des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Uno aus dem Jahr 2001 war beispielsweise davon ausgegangen, dass das Eis der Antarktis stabil sei. Nun sagte Chris Rapley, Vorsitzender der British Antartic Survey der Tageszeitung The Independent: "Der letzte Bericht des IPCC beschrieb die Antarktis hinsichtlich des Klimawandels als schlafenden Riesen – ich würde sagen, jetzt ist sie ein erwachter Riese. Das ist wirklich bedenklich." Der Eispanzer der Westantarktis beginne womöglich bereits sich aufzulösen. Und sollte auch das Festlandeis Grönlands schmelzen, könnten die Meeresspiegel weltweit um bis zu 7 Meter ansteigen – innerhalb der nächsten tausend Jahre.

Die marine Nahrungskette droht zu reißen

Ein weiterer Bereich, in dem die britischen Wissenschaftler schlimmere Entwicklungen fürchten, ist die Übersäuerung der Weltmeere. Schon seit einiger Zeit häufen sich Forschungsberichte, die zeigen, dass im Meerwasser gelöstes Kohlendioxid die Lebensgrundlage vieler Tiere in Gefahr bringt. Beispielsweise zerstört der dadurch in Gang gebrachte Prozess die Schale von Kleinstlebewesen oder verhindert deren Entwicklung. Weil diese Veränderungen das untere Ende der Nahrungskette angreifen, werden sie sich nach und nach fortpflanzen und schließlich vermutlich auch dem Menschen als Nahrung dienende Fische betreffen. Organismen wie Korallen leiden mancherorts bereits jetzt massiv unter der Verschiebung des pH-Wertes der Ozeane.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die aktuellen Erkenntnisse, verglichen mit denen des IPCC aus dem Jahr 2001, sich durch "größere Klarheit und reduzierte Unsicherheit hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels" auszeichnen. "In vielen Fällen sind die Risiken größer als bislang angenommen."

Weiterhin heißt es in der Zusammenfassung: "Eine Reihe von kritischen Temperaturen und Veränderungsgeschwindigkeiten im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten wurden festgestellt." Zum Beispiel könnten lokale Temperaturzunahmen von 2,7 Grad Celsius "eine Schwelle sein, die Grönlands Eiskappe zum Schmelzen bringt". Schon eine Zunahme der globalen Durchschnittstemperatur um 1 Grad Celsius würde wahrscheinlich zu "extensivem Korallensterben" führen.

Angst um Europas Warmwasserheizung

Zudem werde es mit einem weiteren Temperaturanstieg immer wahrscheinlicher, dass der nördliche Arm des Golfstromes seinen Dienst einstellt. Eine andere Studie hatte erst vor kurzem gezeigt, dass sich diese für das gemäßigte Klima in Mitteleuropa verantwortliche Meeresströmung tatsächlich bereits abschwächt.

Die britische Umweltministerin Margaret Beckett sagte der BBC, der Bericht werde viele Menschen vermutlich schockieren: "Was der Öffentlichkeit vielleicht noch nicht so bekannt ist, ist der Gedanke, dass wir an einen Wendepunkt kommen könnten, an dem die Veränderung unumkehrbar wird."



N E W   O R L E A N S   F L U T K A T A S T R O P H E

Schwere Vorwürfe gegen Bush wegen "Katrina"

Ein neuer Bericht des US-Kongresses besagt, die Regierung habe frühe Warnungen vor einer Überschwemmung New Orleans nicht ernst genommen. Notfallpläne seien zu spät, zu ineffektiv oder überhaupt nicht in Kraft getreten.

Aus: Spiegel Online – 12. Februar 2006, 11.15 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

WASHINGTON. Der US-Kongress hat der Washington Post zufolge Präsident George W. Bush und seiner Regierung vorgeworfen, die Schwere von Hurrikan "Katrina" unterschätzt zu haben. In einem Bericht des Kongresses würden 90 Punkte aufgelistet, in denen die Reaktion der Regierung unzureichend gewesen sei, berichtete die Zeitung am Sonntag.

Fehleinschätzungen habe es auf allen Regierungsebenen gegeben, insbesondere bei Heimatschutzminister Michael Chertoff. Dieser sei zu weit von den Ereignissen entfernt gewesen und habe die Notfallinstrumentarien "zu spät, zu ineffektiv oder überhaupt nicht" in Gang gesetzt. So sei der Einsatz von Soldaten und die Lieferung von Hilfsgütern um bis zu 3 Tage verzögert worden.

Zudem hätten verschiedene Einrichtungen nicht mit- sondern gegeneinander gearbeitet, heißt es der Zeitung zufolge in dem Bericht. Bush hätte als einziger die Möglichkeit gehabt, die bürokratischen Widerstände zu brechen. Er habe aber nichts unternommen, um die Reaktion auf die Katastrophe zu beschleunigen. Der Umgang mit dem Hurrikan zeige, dass die Regierung nicht die nötigen Konsequenzen aus den Anschlägen vom 11. September 2001 gezogen habe.

Der 600 Seiten starke Bericht eines Komitees von 11 Republikanern unter Thomas Davis schlägt allerdings nur wenige konkrete Änderungen für die Zukunft vor. Der größte Fehler der Regierung habe darin bestanden, die Folgen des Hurrikans nicht vorauszusehen. Experten hatten offenbar schon im Jahr 2004 in einem Katastrophenbereitschaftsplan eine Überschwemmung New Orleans als eines der schlimmsten Szenarien gewertet.

Frühe Warnung des Wetterdienstes

56 Stunden bevor "Katrina" die Küste erreichte, habe der Wetterdienst die Wahrscheinlichkeit einer Überflutung New Orleans bereits als "extrem hoch" eingeschätzt, so der Bericht. In diesem Zusammenhang wirke Bushs Aussage in einer Fernsehansprache am 1. September, niemand habe den Bruch der Dämme vorhersehen können, unglaubwürdig.

Ein Sprecher Chertoffs verteidigte das Vorgehen des Heimatschutzministeriums. Die Probleme bei der Ausführung des Notfallplans haben vielmehr in der Person des ehemaligen Behördenchefs Michael Brown gelegen. Dessen absichtliche Gehorsamsverweigerung habe die Reaktion auf die Katastrophe erschwert, zitiert die Washington Post den Sprecher Russ Knocke.

Brown war seinerzeit für die Koordination der Hilfsmaßnahmen zuständig und nach heftiger Kritik an seinem eigenen Versagen zurückgetreten. Nachdem er selbst zunächst die Behörden in den Katastrophengebieten für die Versäumnisse vor und nach dem Hurrikan verantwortlich gemacht hatte, attackierte er am Freitag vor dem Ausschuss in massiver Form seine Vorgesetzten, das heißt, das Weiße Haus und das Heimatschutzministerium.

Nach den Anschuldigungen Browns wussten das Weiße Haus und das Heimatschutzministerium früher als behauptet von den Dammbrüchen in New Orleans – und ließen sich Zeit mit der Reaktion. Die Regierung sei zu stark mit dem Kampf gegen den Terrorismus beschäftigt gewesen und habe daher die Vorbereitung auf Naturkatastrophen sträflich vernachlässigt, sagte der frühere Leiter des Amts für Katastrophenmanagement (Fema), Michael Brown, am Freitag [10.2.2006] vor einem Senatsausschuss in Washington.

Hurrikan "Katrina" hatte am 29. August die Golfküste der USA heimgesucht. Dabei waren mehr als 1200 Menschen ums Leben gekommen. Weite Teile der Stadt New Orleans wurden überflutet.



E X T R E M - W E T T E R   I N   D E N   U S A

Schneesturm legt den Nordosten lahm

Der erste Schneesturm der Saison hat den Nordosten der USA heimgesucht. Heftige Schneefälle und Windgeschwindigkeiten bis 120 Stundenkilometer haben das öffentliche Leben weitgehend lahmgelegt.

Aus:
Spiegel Online – 12. Februar 2006, 20.29 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

Extrem-Wetter! WASHINGTON. Der Washington National Airport vor den Toren der US-Hauptstadt stellte am Morgen nach schweren Schneefällen seinen Betrieb ein. Hunderte Flüge von und nach New York, Boston und Washington wurden gestrichen oder starteten mit Verspätung. Die starken Schneefälle gingen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern einher.

Die Meteorologen prognostizieren für den Großraum New York bis zu 60 Zentimeter Neuschnee. Der Central Park lag schon am Mittag (Ortszeit) unter einer 30 Zentimeter dicken weißen Decke [Ed: die dann auf 70 cm anwuchs – so viel Schnee hatte es in New York noch nie gegeben], auch das Weiße Haus in Washington war schneebedeckt. Der Nationale Wetterdienst gab eine Sturmwarnung für den Großraum New York und weite Teile des Nordostens aus.

Im Bundesstaat New Jersey fiel in hunderten Häusern der Strom aus, wie der Fernsehsender ABC berichtete. Auch im Bundesstaat Maryland waren tausende Menschen ohne Strom. In New York bildeten sich vor Supermärkten lange Warteschlagen, weil sich die Bewohner mit Vorräten eindecken wollten.



G L E T S C H E R S C H W U N D

Schnee am Kilimandscharo schmilzt immer schneller

Die Gletscher auf Afrikas höchstem Berg verschwinden noch schneller als befürchtet. Neue Untersuchungen am Kilimandscharo haben ergeben, dass das Wahrzeichen Tansanias schon in zehn Jahren eisfrei sein könnte.

Aus:
Spiegel Online – 14. Februar 2006, 18.33 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

      Kilimandscharo mit Schnee
^   Noch gibt es etwas Schnee auf Afrikas Kilimandscharo.   (Foto: 2.2.2005 – tsp)
TANSANIA (hda). Der "Science"-Artikel im Oktober 2002 hatte die Welt aufgeschreckt: 2015, prophezeite Lonnie Thompson von der Ohio State University, spätestens aber 2020 werde der Kilimandscharo eisfrei sei. Der Geowissenschaftler hatte den Gletschern auf dem höchsten Berg Afrikas sechs Eiskerne entnommen. Die Analyse ergab, dass der Gipfel seit fast 12.000 Jahren mit Eis bedeckt ist, das jedoch zu schmelzen droht.

Doch die Lage am 5892 Meter hohen Wahrzeichen Tansanias ist offenbar viel dramatischer, als sie Thompson vor dreieinhalb Jahren beschrieben hat. Die mächtigen Gletscher könnten schon viel früher verschwinden, erklärte der Forscher nun, nachdem er den Berg erneut untersucht hat.

"Die Veränderungen sind dramatisch", sagte Thompson. Man könne dies vor Ort sehen – aber auch auf Luftaufnahmen. "Der Abbau des Eises könnte sich sogar noch beschleunigt haben."

Das schnelle Verschwinden der Gletscher, das auch in den Alpen und in anderen Hochgebirgen weltweit beobachtet wird, führen die meisten Wissenschaftler auf den Klimawandel zurück. Steigende Temperaturen bringen das Eis zum Schmelzen. Zudem fehlt es an Neuschnee, dessen Weiß die Sonnenstrahlung gut reflektiert und so den Gletscher vor dem Aufwärmen schützt.

Seit 1912, als die Gletscher am Kilimandscharo erstmals vermessen und erfasst wurden, sind 82 Prozent der Eisfelder verschwunden. Zwischen 1962 und 2000 schrumpfte die Gletscherhöhe um 17 Meter – das entspricht rund einem halben Meter pro Jahr.

Neue Messungen von Thompsons Team zeigen, dass das nördliche Eisfeld an drei Stellen am Rand seit 2002 fünf Meter Höhe verloren hat. Der sogenannte Furtwängler-Gletscher droht gespalten zu werden, denn in seiner Mitte hat sich ein riesiges Loch gebildet, das bis auf den felsigen Grund reicht. Bereits in sechs Monaten könne die Teilung vollzogen sein, fürchtet Thompson.

Der Furtwängler-Gletscher hat seit dem Jahr 2000 ein Drittel seiner Dicke eingebüßt – damals war er noch 9 Meter hoch. Die südlichen Eisfelder haben sogar 4 bis 5 Meter verloren. "Das ist ein enormer Eisverlust", erklärte Thompson. "Es gab keine Bildung von neuem Eis an den Gletschern seit dem Jahr 2000."

Mit Hilfe von Luftaufnahmen will der Geoforscher den Schwund des Eisvolumens genauer berechnen. Er befürchtet dramatische Folgen für die Bewohner der Region. Zum einen ist das Tourismusgeschäft bedroht. Zum anderen könnte auch eine wichtige Wasserquelle versiegen.

Thompson will jetzt mit einer Isotopenanalyse herausfinden, wie hoch der Anteil des Schmelzwassers am gesamten Verbrauch der Menschen in der Nähe des Kilimandscharos ist. Noch will er nicht ausschließen, dass das genutzte Wasser überwiegend aus den Regenwäldern des Berges stammt. [Forscher sehen Afrika als Opfer der Klimaerwärmung]



G L E T S C H E R S C H M E L Z E

Grönlands Eispanzer schrumpft schneller als befürchtet

Schmelzwasser und ins Meer stürzende Eisbrocken lassen die Gletscher Grönlands schrumpfen - und zwar schneller als gedacht. Die Schmelzwassermenge verdoppelte sich in den letzten 5, die Menge abgebrochenen Eises in den letzten 10 Jahren.

Aus:
Spiegel Online – 18. Februar 2006, 10.02 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

GRÖNLAND. Er birgt mehr als 6 Prozent der weltweiten Süßwasservorräte und ist beinahe fünfmal so groß wie Deutschland: Der Eispanzer, der auf der Insel Grönland ruht. Dass er schrumpft, ist Wissenschaftlern seit langem bekannt. Doch der Umfang dieser Schmelze ist sogar noch größer als bisher angenommen.

Fast doppelt so viel Schmelzwasser wie noch vor fünf Jahren fließt von Grönlands Gletschern in den Ozean. Außerdem bewegen sich die Eispanzer schneller als bisher Richtung Meer. Das berichten Forscher in 2 Studien, die das Fachmagazin Science veröffentlichte.

Am Nasa-Forschungsinstitut in Pasadena verglichen Eric Rignot und Pannir Kanagaratnam, wie schnell die Gletscher Grönlands Richtung Meer rutschen. Ihr Ergebnis: Das Eis wird schneller. Dies zeigten die Forscher an der Menge der Eisbrocken, die jährlich am Gletscherrand abbrechen und in den Atlantik stürzen. Waren es im Jahr 1996 noch rund 35 Kubikkilometer, so betrug die Jahrsmenge 2005 schon 86,4 Kubikkilometer – deutlich mehr als eine Verdopplung binnen 10 Jahren.

Warme Luft setzt Gletschern zu

Diesen Verlust an Gletschermasse könnte nur verstärkter Schneefall über der größten Insel der Welt ausgleichen, schreiben die Forscher. Sie führen den Gletscherschwund auf die hohen Lufttemperaturen zurück. Im Durchschnitt ist es in den letzten 20 Jahren im Südosten Grönlands 3 Grad wärmer geworden. Eine der Folgen sei, dass bei höheren Temperaturen mehr Schmelzwasser in die Betten eindringt, in denen die Gletscher über den Fels gleiten. Das Wasser wirkt dort zwischen Eis und Fels wie ein Schmiermittel und beschleunigt so die Bewegung.

Würde das Grönlandeis komplett abschmelzen, stiege der Meeresspiegel um 7 Meter an. Schon ein deutlich geringerer Anstieg bedroht viele küstennahe Großstädte und niedrig gelegene Länder.

Rignot und Kanagaratnam haben ausgerechnet: Gegenwärtig trägt schmelzendes Eis aus Grönland jährlich rund einen halben Millimeter zum Anstieg des Meeresspiegels bei, der aktuellen Messungen zufolge rund 3 Millimeter pro Jahr beträgt.

Noch schmilzt vor allem im Süden das Eis

Der britische Klimaforscher Julian Dowdeswell von der University of Cambridge berechnete indes anhand neuer Satellitenmessungen die Menge des Schmelzwassers, das aus den Gletschern Grönlands in den Atlantik fließt. Das Ergebnis: Zwischen 2000 und 2005 hat sie sich nahezu verdoppelt. Bezogen auf die Menge von 1996 hat sich die Menge des Schmelzwassers gar verdreifacht, hatten Dowdeswells US-Kollegen berechnet.

Alle 3 Wissenschaftler beobachteten vor allem in der Südhälfte der Insel eine Zunahme von Gletscherschmelze und Eisabstürzen ins Meer. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass dieser Effekt sich mit weiter steigenden Temperaturen auch im Norden Grönlands stärker bemerkbar macht.

Nach ihren Berechnungen hat sich dort die Menge des Schmelzwassers zwischen 1996 und 2005 verdreifacht. Die Ursache, so schrieb Dowdeswell, könnte der globale Klimawandel sein.



M E T H A N

Meeresboden setzt Klimagas frei

Schlammvulkane in der Tiefsee blasen große Mengen Methan in die Atmosphäre, wie Messungen deutscher Forscher ergeben haben. Das Treibhausgas vom Meeresgrund trägt demnach stärker zur globalen Erwärmung bei als bisher angenommen.

Aus:
Spiegel Online – 2. März 2006, 15.34 Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

BREMERHAVEN. Methan vom Meeresgrund, so glaubten Wissenschaftler bisher, habe kaum einen nennenswerten Anteil am globalen Methan-Haushalt: Das Treibhausgas werde sofort von Mikroben zersetzt und unschädlich gemacht und gelange deshalb erst gar nicht in die Atmosphäre.

Das aber dürfte ein Irrglaube gewesen sein, wie Wissenschaftler unter Leitung des Alfred-Wegener- Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven jetzt herausgefunden haben. Ihren Messungen zufolge gelangen sehr wohl große Mengen des Tiefsee-Methans in die Luft und haben daher auch einen größeren Anteil an der globalen Erwärmung als bisher vermutet.

Das deutsch-französische Forscherteam entdeckte am aktiven Schlammvulkan Håkon Mosby zwischen Spitzbergen und Norwegen eine Wolke aus Methanblasen. Sie breitete sich 800 Meter über dem Tiefseeboden in 1.250 Metern Tiefe aus. Allein an dieser Stelle fördern die Bläschen einige hundert Tonnen Methan pro Jahr in höhere Wasserschichten und von dort aus an die Meeresoberfläche, schreiben die Forscher im Fachblatt Earth and Planetary Science Letters.

Methan und Kohlendioxid sind für den natürlichen und den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt mitverantwortlich. Die Gase verhindern, dass Wärme von der Erde ins Weltall abstrahlt. Ein Methanmolekül ist dabei 20-mal wirkungsvoller als ein Kohlendioxidmolekül. Allerdings ist CO2 aufgrund seiner größeren Menge nach wie vor das Treibhausgas Nummer eins.

"Weltweit wird die Zahl der untermeerischen Schlammvulkane auf mehrere Tausend geschätzt", sagte AWI-Geochemiker Eberhard Sauter. Ihr Beitrag zum Methan- Haushalt könne neben den von Menschen verursachten Emissionen durchaus von Bedeutung sein. Erst im Januar hatten Forscher des Max-Planck-Instituts für Kernphysik überraschend festgestellt, dass auch die Pflanzen einen großen Anteil am weltweiten Methan-Haushalt haben.

Derzeit versuchen die AWI-Wissenschaftler, eine akustische Methode zur Bestimmung der Methanmenge vom Meeresboden zu entwickeln. Damit sollen Methanquellen künftig leichter gefunden und charakterisiert werden können.



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      Zum Teil 8

    © 2006-2009  – Dipl.-Ing. Karl-Heinz Dittberner (khd) – Berlin   —   Last Update: 14.12.2009 16.25 Uhr