Infos zur Veränderung des Klimas – Teil 12 khd
Stand:  27.7.2007   (17. Ed.)  –  File: Sci/Nat/K/Klima_12.html



Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Texte zum gefährlichen Klimawandel und dessen Folgen gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert, manches wird auch in [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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I N   " K Y R I L L S "   W I N D S C H A T T E N

Meteorologen warnen vor "Lancelot"

"Kyrill" ist fort – schon naht ein neues Sturmtief über der Nordsee: "Lancelot" gefährdet erneut Inseln und Küstengebiete, bringt Kälte und Schnee. Noch immer sind wegen des Orkans Zehntausende ohne Strom, bei der Bahn wird die Lage nur langsam besser.

Aus:
Spiegel Online – 19. Januar 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

DWD Warnung -- 19.1.2007 -- 22.11 Uhr      
^   Warnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 19. Januar 2007 um 22.11 Uhr MEZ. Die Bedeutung der Farben gibt es beim DWD.   (Grafik: 19.1.2007 – dwd)
FRANKFURT AM MAIN (ffr/AP/dpa). Der Deutsche Wetterdienst erwartet das Sturmtief namens "Lancelot" morgen über der Nordsee und gab für die Küstenregionen eine Sturmvorwarnung heraus. Details zur Stärke des Sturms gibt es aber noch nicht. Fest steht aber: Das neue Tief bringt weiter Regen und heftigen Wind nach Deutschland. Am Sonntag sind laut Meteomedia auch Schneeschauer möglich, denn es soll nun kälter werden.

"Kyrill" in Deutschland: Der Tag danach

  Aktuelle Wetter-Warnungen
des Deutschen Wetterdienstes
 
Nachdem der schwere Orkan "Kyrill" abge- zogen ist, waren heute bundesweit Zehntausende Helfer im Einsatz, um die Sturmschäden zu beseitigen. Umgefallene Bäume, beschädigte Autos, abgedeckte Dächer und Stromausfälle sorgten nach Einschätzung des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft für einen versicherten Schaden von rund 1 Milliarde Euro. "Kyrill" hatte in der Nacht mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 202 Kilometern pro Stunde praktisch in ganz Deutschland gewütet und eine Spur der Verwüstung hinterlassen.

Dutzende Tote in ganz Europa

Allein in Deutschland wurden 12 Menschen getötet, zahlreiche weitere bei sturmbedingten Unfällen zum Teil schwer verletzt. In ganz Europa waren 43 Tote zu beklagen. In Bayern wurden ein Kleinkind von einer Terrassentür und ein 73-Jähriger von einem Scheunentor erschlagen. In Sachsen- Anhalt stürzte der Giebel eines Kiosks ein und begrub einen 40-Jährigen. In Nordrhein-Westfalen kamen 2 Feuerwehrmänner ums Leben, zudem wurde ein Motorradfahrer von einem Baum erschlagen, ein 22-Jähriger und eine 23-Jährige starben bei Unfällen in ihren Autos. Auch in Niedersachsen, Brandenburg und Baden-Württemberg kam jeweils ein Autofahrer bei Unfällen ums Leben. In Hessen erlitt ein 49-Jähriger einen tödlichen Herzanfall, als er versuchte, einen umgestürzten Baum zu beseitigen.

Die stärkste Orkanböe wurde mit 202 Stundenkilometern auf dem Wendelstein in Bayern gemessen. Im Flachland tobte der Wind am stärksten im thüringischen Artern mit 144 Stundenkilometern. Glimpflicher davon kamen etwa das Rhein-Main-Gebiet, das nördliche Niedersachsen oder der äußerste Südwesten davon, wo "nur" Sturmböen zwischen 75 und 100 Kilometer pro Stunde gemessen wurden.

Extrem-Wetter! Heute sorgten umgestürzte Bäume und andere Hindernisse für Straßen- und Gleissperrungen. Die Bahn hatte gestern erstmals in der Nachkriegsgeschichte [Ed: also seit 1945] den Schienenverkehr komplett eingestellt, was auch nach der Wiederaufnahme nachhaltige Störungen im Bahnverkehr verursachte. Tausende Menschen saßen auf Bahnhöfen und in Zügen fest, Wartezeiten von etlichen Stunden mussten in Kauf genommen werden. Die Verkehrssituation entspannte sich im Tagesverlauf. Auch der Schienenverkehr sollte sich nach den Worten von Bahnchef Hartmut Mehdorn bis in die Nacht normalisieren. Freuen konnten sich die Autovermieter, die von den Ausfällen profitierten.

Zehntausende ohne Strom

Der Luftverkehr entspannte sich, nachdem am Vortag am Flughafen Frankfurt am Main rund 200 von 1.400 Flügen gestrichen worden waren. Die Lufthansa hatte europaweit 331 Flüge streichen müssen. Davon waren nach Worten eines Sprechers rund 18.900 Fluggäste betroffen. Auch die Nordseefähren nahmen den Betrieb wieder auf. In den meisten Wäldern richtete der Orkan nach ersten Einschätzungen weniger Schaden an als erwartet.

"Kyrill" in Europa: Fliegende Dächer, kenternde Frachter

Mehr als 1 Million Menschen waren zeitweise ohne Strom, Zehntausende Haushalte warteten am Abend noch immer auf Elektrizität. Die am stärksten betroffenen Regionen waren nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes die Gebirge und Küsten, sowie Ostdeutschland, die Kölner Bucht und Südostbayern.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zeigte sich erleichtert, dass der Orkan relativ glimpflich vorüberging. "Wir sind gut vorbereitet gewesen", sagte der SPD-Politiker.

Nachdem schon gestern in weiten Teilen des Landes Schüler wegen des Orkans "Kyrill" früher nach Hause geschickt worden waren, fiel teilweise auch heute noch vielerorts der Unterricht aus. Grund waren vor allem Probleme im Nahverkehr – die Schüler konnten nicht in den Unterricht kommen. [Teuerste Stürme in Europa]



G L O B A L E   E R W Ä R M U N G

US-Regierung erwägt drastische Klimaschutz-Aktionen

Die US-Regierung denkt einem Zeitungsbericht zufolge daran, den Klimawandel mit weitreichenden Maßnahmen zu bekämpfen: Gewaltige Spiegel im Weltraum oder Staub in der Atmosphäre sollen das Sonnenlicht reflektieren und so der globalen Erwärmung entgegenwirken.

Aus:
Spiegel Online – 27. Januar 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

USA (mbe). In den USA ist der Klimawandel im öffentlichen Bewusstsein angekommen: In der Bevölkerung wächst die Angst vor katastrophalen Folgen der Erwärmung, Politiker entdecken den Umweltschutz als Wahlkampfthema, und selbst Energiekonzerne drängen die US-Regierung inzwischen zum Handeln. Im Weißen Haus verhallen diese Rufe nicht mehr ungehört, glaubt man einem Bericht der britischen Zeitung "The Guardian".

Am kommenden Freitag [2.2.2007] wird das Uno-Expertengremium Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) erstmals seit 6 Jahren wieder einen neuen Bericht zum Stand des Klimawandels veröffentlichen. Dem "Guardian" zufolge bemüht sich Washington, einige drastische Maßnahmen in die Empfehlungen des IPCC-Papiers aufzunehmen – darunter die Installation gigantischer Spiegel im All oder das Ausbringen großer Mengen von Staub in die Atmosphäre, um das Sonnenlicht zu reflektieren.

Der Zeitung zufolge hat die US-Regierung auch zu verhindern versucht, dass der IPCC-Bericht die Forderung nach einem neuen internationalen Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen enthält. Dies wäre ein Nachfolge-Vertrag zum Kyoto-Protokoll, das die USA bis heute nicht unterzeichnet haben und das ab 2012 ausläuft.

Vergangenes Jahr haben die Regierung[en] eine Vorabversion des IPCC-Berichts erhalten, deren wissenschaftliche Details der endgültigen Version weitgehend entsprechen dürften. Dem "Guardian" liegt nach eigenen Angaben nun die Antwort der US-Regierung an die Vereinten Nationen vor. Sie enthalte die Forderung, dass der Teil des IPCC-Berichts mit Empfehlungen an die Politik die Möglichkeit einer direkten Einflussnahme auf die Sonneneinstrahlung beinhalten solle.

Direkter Eingriff in die Atmosphärenchemie

"Die Veränderung der Sonneneinstrahlung könnte eine wichtige Strategie sein, falls die Senkung der Treibhausgas-Emissionen scheitert", lautet der US-Vorschlag dem Bericht zufolge im Wortlaut. "Es ist eine wichtige Rückversicherung, die notwendige Forschung und Entwicklung zu leisten, um die Folgen der Anwendung einer solchen Strategie abzuschätzen."

Weiterhin beschwere sich Washington darüber, dass der IPCC-Bericht "die negativen Folgen des Klimawandels übertreibt". Die US-Regierung dränge auch auf eine Passage, die die Wirksamkeit freiwilliger Verpflichtungen in der Wirtschaft betont – obwohl inzwischen selbst US-Konzerne gesetzliche Regelungen fordern, um endlich "sichtbare Ziele beim Klimaschutz zu haben", wie General-Electric-Chef Jeffrey Immelt jüngst betonte.

Die Argumentation in der US-Stellungnahme ist zwar teilweise abstrus – wie etwa die Bemerkung, es sei eine große Schwäche des Kyoto-Protokolls, dass "einige große Treibhausgas-Emittenten" dem Vertrag nicht beigetreten seien. Die USA sind der mit Abstand größte CO2-Verursacher der Welt und haben bis heute ihren Beitritt zu dem Abkommen verweigert.

Sonnenschirm für die Erde

Dennoch wird die Möglichkeit drastischer Maßnahmen zum Klimaschutz inzwischen immer ernsthafter von Wissenschaftlern diskutiert. So existieren Berechnungen, denen zufolge der Klimaeffekt aller seit der industriellen Revolution ausgestoßenen Treibhausgase kompensiert werden könnte, indem man 1 % des Sonnenlichts ins All reflektiert. Dazu kursieren mehrere Szenarien:



R E G I O N A L E S   M O D E L L

Wo es in Deutschland am heißesten wird

Regenfluten im Südwesten, Tropennächte an der Küste: Ein neues Klimamodell zeigt, wie sich zwischen Eifel, Rügen und Oberbayern das Wetter ändern könnte. Den tiefstgreifenden Wetterwandel haben Norddeutsche und Bewohner des Voralpenlandes zu erwarten.

Aus:
Spiegel Online – 29. Januar 2006, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

HAMBURG (stx/AP/ddp). Eifel und Hunsrück, jene Mittelgebirge zwischen denen die Mosel Richtung Rhein fließt, steht eine Zukunft mit Regen bevor. Mit viel Regen. Es wird dort im Zeitraum zwischen 2071 und 2100 auch deutlich wärmer sein als gegenwärtig. Nicht überall gehen warm und feucht einher: Die möglichen Auswirkungen des Klimawandels unterscheiden sich in den unterschiedlichen deutschen Landschaften zum Teil drastisch.

  Regionales Klima:
Deutschland-Wetter
der Jahre 2071 bis 2100

(SPIEGEL-Fotostrecke)
 
Während in Rheinland-Pfalz mehr Regen fallen könnte, wird es besonders im Nordosten Brandenburgs und Vorpommerns auf Grund heißer, regenarmer Sommer deutlich trockener werden – so erzählen es die Ergebnisse einer neuen regionalen Modellrechnung im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA).

Deutschland droht demnach bis zum Jahr 2100 ein merklicher Temperaturanstieg. Im Vergleich zum Zeitraum von 1961 bis 1990 müsse von einer Erhöhung der Tagesmittelwerte zwischen 1,8 und 2,3 Grad Celsius ausgegangen werden, so die Behörde. Die stärkste absolute Erwärmung könnte es in Norddeutschland abseits der Küsten sowie in den Voralpen geben.

Der "Wettreg" genannten Studie zufolge nehmen die Niederschläge von 2071 an deutschlandweit um 17 bis 22 Prozent ab, im ohnehin schon trockenen norddeutschen Tiefland gar um bis zu 50 Prozent. Für die Winter in den Gebirgsregionen werden hingegen deutlich höhere Niederschläge erwartet.

Mögliches Wetter von Morgen simuliert

Andreas Troge, der Präsident des Umweltbundesamtes, sprach davon, dass die Berechnungen verdeutlichten, "was mit dem Klimawandel auf uns zu kommen dürfte". Zugleich könne man sich rechtzeitig auf diese unabwendbaren Folgen einstellen.

Tatsächlich tauchen in den Szenarien aus dem Supercomputer viele Prognosen auf, die nicht zum ersten Mal geäußert werden: Es wird im Durchschnitt wärmer. Die Sommer werden trockener, die Winter feuchter und milder. Hitzesommer wie jene in den Jahren 2003 und 2006 werden wohl häufiger werden, inklusive vieler sogenannter Tropennächte mit mehr als 20 Grad Celsius und Niedrigwasser in deutschen Flüssen.

"Für Leute, die mit Klimamodellierung zu tun haben, ist das jetzt nicht die Neuigkeit schlechthin", sagt UBA-Sprecherin Claudia Mäder zu SPIEGEL ONLINE. Erst im vergangenen April hatte das Amt eine Studie zu den regionalen Auswirkungen des Klimawandels veröffentlicht. Das Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie hatte mit einem Computermodell namens Remo mediterrane Temperaturen für die Ostseeküste, heiße Nächten in Freiburg und teilweise deutliche Zunahmen der Winterniederschläge prognostiziert.

Statistischer Vergleich statt Schachbrett-Hochrechnung

Im Oktober stellte sich dann bei einer Fachkonferenz in München heraus: Ein Rechenfehler in dem komplizierten Formelwerk hatte für den Alpenraum zu Über- und Unterschätzungen der Niederschlagsmenge geführt. Teilweise waren in einem Planquadrat der Simulation die Regenmengen stark gestiegen, im nächsten Nachbarquadrat hingegen stark gesunken. Forscher sprechen von einem Schachbretteffekt.

"So etwas passiert bei Wettreg definitiv nicht", sagt Mäder. Anders als bei Remo sei Deutschland diesmal nicht in Planquadrate unterteilt worden, in denen Algorithmen die gesamte Hydro- und Thermodynamik des Wettergeschehens simulieren sollten. Vielmehr hat für Wettreg die Firma Climate & Environment Consulting (CEC) aus Potsdam die Wetterdaten von 282 aus Klima und 1700 Niederschlag-Messstationen in ganz Deutschland ausgewertet.

Als statistisches Klimamodell basiert Wettreg auf der Annahme: Wenn man die jeweils herrschende Großwetterlage mit den Parametern des Mikroklimas in einer Region vergleicht, so erhält man eine wahrscheinliche Voraussage, welches regionale Wetter dieselbe Großwetterlage in der Zukunft verursachen wird.

Und über Rechenmodelle zur Vorhersage der globalen Klimaveränderungen verfügen Forscher bereits seit Jahren. Eines davon, das sogenannte Echam5-Modell (ebenfalls vom Hamburger MPI), diente der Wettreg-Studie als Grundlage.

Mit nur einem Regionalmodell "ziemlich schlecht beraten"

"Diese statistische Regionalisierung ist in der Meteorologie weit verbreitet", sagt Uwe Ulbrich von der Freien Universität Berlin zu SPIEGEL ONLINE. Doch er schränkt ein: "Kann man die für das jetzige Klima gültigen Ansätze auch auf das zukünftige Klima übertragen?" Von der Großwetterlage auf die regionale Witterung zu schließen, sei prinzipiell sicher zulässig. Ob das aber auch für einzelne Parameter wie Niederschlagsmenge und Temperatur gelte, sei nicht zwangsläufig gesagt.

Auch Claudia Mäder vom Umweltbundesamt spricht beim aktuellen Regionalmodell von einem "weiteren Steinchen". "Wenn man sich alleine darauf verlassen würde", sagt Wetterexperte Ulbrich, "wäre man ziemlich schlecht beraten". Im April erwartet das Dessauer Amt die Resultate einer Forschungsarbeit, in der die Ergebnisse von Wettreg und Remo miteinander verglichen werden.

Jetzt schon könne man aber sagen, dass die neuen Ergebnisse im Großen und Ganzen mit dem in Remo aufgezeigten Trend vergleichbar seien, sagte Mäder. Dennoch zeigen auch die heute vorgestellten Ergebnisse nur mögliche Versionen der Zukunft – und nur solche, die sich berechnen ließen.

Das Beratergremium International Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen hatte im Jahr 2000 eine eigene, recht kryptische Bezeichnung für Was-passiert-wenn-Gedankenspiele zum Weltklima vorgestellt: Verschiedenen Szenarientypen werden darin mit den Bezeichnungen A1, A2, B1 und B2 unterschieden und teilweise nach weiteren Aspekten untergliedert. [Beschreibung dieser Klima-Szenarien]

Alle verwendeten sind eigentlich Horror-Szenarien

Drei dieser möglichen Zukünfte haben die Klima-Modellierer von CEC für ihre Rechenläufe berücksichtigt: A1 bezeichnet dabei die Annahme, dass bei weiter starkem Wirtschaftswachstum auch die Kohlendioxidemissionen deutlich steigen werden. UBA-Sprecherin Mäder bezeichnet den Ausstoß des Klimagases als "relativ hoch". Das Szenario B1 hingegen betont die Nutzung erneuerbarer und klimaschonender Technologien stärker. Mäder spricht von einem Szenario mit niedrigerem CO2-Ausstoß. Das Szenario A2 stellt eine zunächst moderate, aber langfristig gesehen besonders erwärmungsträchtige Entwicklung dar. Weil die Ergebnisse bis zum Jahr 2100 bei A2 aber zwischen den beiden anderen Szenarien lagen, werden sie in der Kurzdarstellung des Umweltbundesamtes gar nicht mehr berücksichtigt.

Alle verwendeten Modelle beschreiben zukünftige Entwicklungen, die nicht wirklich erstrebenswert sind. "Das ist nicht, was wir im Klimaschutz erreichen wollen", betont Mäder, "wir wollen eine Erwärmung von mehr als 2 Grad Celsius im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten vermeiden".

Am Freitag [2.2.2007] wird das IPCC bei der Klimakonferenz der Uno in Paris die neueste Fassung seines Reports vorstellen, dessen wichtigste Ergebnisse bereits im vergangenen Jahr durchgesickert waren.



V O R W Ü R F E   V O N   W I S S E N S C H A F T L E R N

US-Regierung soll Berichte über Klimawandel manipuliert haben

Amerikanische Wissenschaftler erheben schwere Vorwürfe gegen die US-Regierung. Sie seien bedrängt worden, aus Berichten Begriffe wie "Klimawandel" oder "Erderwärmung" zu entfernen.

Aus:
Spiegel Online – 30. Januar 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

WASHINGTON (als/AP/dpa). Es gebe "neue Beweise für die Unterdrückung und Manipulation von Klima-Wissenschaftlern", erklärten zwei Interessengruppen. Die Organisationen Union of Concerned Scientists und das Government Accountability Project legten einem Kongressausschuss heute einen entsprechenden Bericht vor.

Die Regierung habe versucht, die Bedrohungen durch die globale Erwärmung herunterzuspielen und Wissenschaftler systematisch unter Druck gesetzt. Betroffen seien 7 Bundesbehörden. Fast die Hälfte von über 300 befragten Experten, die für verschiedene Behörden der Regierung gearbeitet haben, berichteten demnach über Manipulationsversuche in den vergangenen 5 Jahren.

Sie seien gedrängt worden, Begriffe wie "Klimawandel" oder "Erderwärmung" aus ihren Texten zu entfernen, betonte ein Sprecher der Organisationen bei einer Anhörung im Kongress. Kontakte zu den Medien seien streng reglementiert worden.

Der Kongressausschuss hat für die Anhörung mehr als 3 Dutzend Dokumente zu den Klimaprogrammen des Weißen Hauses und der US-Umweltschutzbehörde angefordert. Als Zeuge aussagen sollte unter anderem ein Mitarbeiter der Raumfahrtbehörde Nasa. Erwartet wurde auch ein ehemaliger ranghoher Mitarbeiter des Büros, das die Klimaprogramme der Regierung koordiniert. Rick Piltz hatte seine Stelle im Jahr 2005 gekündigt, weil nach seiner Darstellung die Unterlagen von Wissenschaftlern zu Klima-Themen von Beamten redigiert wurden, um ihren Inhalt abzuschwächen.



I P C C - R E P O R T

Harte Kämpfe um die Klima-Bibel

Der Klima-Report der Vereinten Nationen wird in wenigen Stunden veröffentlicht – und Delegierte aus 130 Staaten ringen bis zur letzten Minute um jedes Wort. Mit gutem Grund: Was morgen präsentiert wird, bestimmt die Debatte über den Klimawandel für die kommenden Jahre.

Aus: Spiegel Online – 1. Februar 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert) von BERNHARD PÖTTER. [Original]

PARIS. An der Wand können die Delegierten ablesen, dass sie sich sputen müssen: 80 Prozent der Zeit sei bereits verstrichen, aber erst 40 Prozent der Arbeit getan, mahnt die Projektion an der Wand des großen Saals im Unesco-Hauptquartier in der Avenue Suffren in Paris, als die Wissenschaftler und Regierungsvertreter nach einer langen Nacht zur entscheidenden Verhandlungsrunde antreten.

Nicht nur im Kampf gegen den Klimawandel wird die Zeit knapp. Auch beim Verhandeln über den neuen Uno-Klimabericht rennen den etwa 240 Delegierten aus 130 Staaten die Stunden davon. Gestern wurde bis nach Mitternacht um Formulierungen und Interpretationen gefeilscht – auch wenn die zentralen wissenschaftlichen Details des Berichts schon im Frühjahr 2006 durchgesickert sind. Am heutigen Donnerstag ist die Mittagspause gestrichen, und auch in der Nacht wird es für die Unterhändler kaum Schlaf geben: Am Freitagmorgen [2.2.2007] um 9.30 Uhr soll der neue Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), des Klimagremiums der Vereinten Nationen, auf der Website der Organisation veröffentlicht werden.

Erwartet wird nicht weniger als die Vorhersage, ob die Menschheit der Klimakatastrophe noch entgehen kann. Der IPCC-Report wird in den kommenden Jahren die Grundlage für hitzige politische Debatten sein, Zeitungen werden ihn nach Naturkatastrophen zitieren, Versicherungen werden ihn für die Berechnung künftiger Milliardenschäden benutzen.

Nur die Überschrift ohne Einwände akzeptiert

Die Unterhändler sitzen in vertraulicher Runde und abgeschirmt von Journalisten im holzgetäfelten Konferenzraum der Unesco, auf den Tischen glimmen die Bildschirme von Laptops. Der Bericht der Wissenschaftler wird Absatz für Absatz an die Wand projiziert – schon versehen mit Vorschlägen, wie er zu ändern sei. Die Regierungen ringen um jeden Satz, jedes Wort. "Wir haben auch schon über einzelne Kommata verhandelt", erzählt ein Teilnehmer. "Schließlich kann ein Komma den Sinn verändern."

Es klingt lustig, ist aber kein Witz: Das einzige Wort, das bisher ohne Einwände abgesegnet worden sein soll, ist die Überschrift: "Introduction", "Einführung". Dabei sind sich die Wissenschaftler im Grundsatz einig: Der Klimawandel findet statt, der Mensch ist verantwortlich und muss schleunigst handeln, um wenigstens das Schlimmste zu verhindern.

Im Hochglanz-Prospekt des IPCC sieht alles einfach aus: "2500 Experten, 800 Autoren, 450 Redakteure, 130 Länder und 6 Jahre Arbeit ergeben den Bericht 2007." Die Wirklichkeit ist komplizierter. Denn das, worauf sich die Wissenschaftler in sechs Jahren harter Arbeit geeinigt haben, wird in Paris von den Vertretern der Regierungen binnen vier Tagen und drei Nächten bewertet. Die Delegationen sitzen von früh bis spät im Plenum und machen Änderungsvorschläge. Die Redakteure wägen ab, vermitteln, suchen Kompromisse oder weisen die Vorschläge zurück.

Die Politik will nur die Zusammenfassung

Gegen ihren Willen wird keine Formulierung geändert, so ist es Brauch. "Die Argumente, die ausgetauscht werden, sind wissenschaftlicher und nicht politischer Natur", sagt der französische Klimaforscher Jean Jouzel, Vizepräsident IPCC-Arbeitsgruppe I, deren Bericht über die wissenschaftlichen Details derzeit in Paris debattiert wird. Doch wie sehr Wissenschaftler mitunter von ihren Regierungen bedrängt werden, zeigt ein Bericht der "Union of Concerned Scientists", der vorgestern in Washington veröffentlicht wurde: Demnach mischte sich die US-Regierung in den vergangenen Jahren mindestens 435 Mal in die Arbeit von insgesamt 150 Klimaforschern ein.

Dass Regierungen und Wissenschaftler im Saal II der Unesco um jedes Wort kämpfen, hat seinen Grund. Denn so wichtig der IPCC-Bericht auch ist: Die Delegierten wissen sehr wohl, dass kaum ein Entscheidungsträger den gesamten Report liest, sondern nur die jetzt so hart umkämpfte Zusammenfassung. Also wird noch einmal debattiert, ob ein Einfluss des Menschen auf das Klima nun "wahrscheinlich" oder "sehr wahrscheinlich" sei.

Der Streit über die Formulierung, dass die Hurrikane im Atlantik wegen der gestiegenen Wassertemperaturen an Stärke zunehmen, ist bereits entschärft, sagen Teilnehmer des Treffens. Es soll nun heißen, die seit 1970 beobachtete Zunahme an Zerstörungskraft von tropischen Wirbelstürmen sei "wahrscheinlich" auf den Einfluss des Menschen zurückzuführen.

Seltenes Lob für USA und Saudi-Arabien

Doch die nächste Klippe wartet bereits: Messungen der Eisschmelze in Grönland und der Antarktis zeigen, dass das Festlandeis schneller zurückgeht, als es die Klimamodelle berechnet haben. Manche Delegationen wollen, dass in der Zusammenfassung darauf deutlich eingegangen wird. Manche Wissenschaftler aber finden die Daten unzureichend oder verteidigen ihre Modelle.

"Es gibt eigentlich keine Bremsmanöver aus ideologischen Gründen", sagt eine Teilnehmerin aus Großbritannien. "Wenn die USA oder Saudi-Arabien Einfluss ausgeübt haben, dann im Vorfeld und nicht hier unter den Augen der Öffentlichkeit." Die Delegierten loben sogar das Auftreten der US-Delegation und die "konstruktiven Vorschläge" der Saudis. Als Schrittmacher gelten die Regierung aus Großbritannien, Deutschland, Österreich und der Schweiz – aber durchaus auch China, das mit der größten Delegation angereist ist.

Die Verhandlungen sind vielleicht auch deshalb so zäh, vermutet ein anderer Teilnehmer, weil manche Wissenschaftler unerfahren im Umgang mit den Regierungsvertretern seien – immerhin sind 75 Prozent der Autoren des IPCC-Berichts zum ersten Mal dabei.

  Summary des IPCC-Reports 2007
(2,2 MByte in PDF, gespiegelt)
 
Wenigstens gibt es Fortschritte, die im Licht der bisherigen Debatten schon gewaltig wirken, obwohl sie doch banal sind: Die Delegierten sollen sich mittlerweile darauf geeinigt haben, dass die Menschheit nicht nur wahrscheinlich, sondern "sehr wahrscheinlich" für den Klimawandel verantwortlich ist.



Klimawandel in der heißen Phase

Bericht der UN warnt vor dramatischen Folgen der Erderwärmung / Forscher sicher: Der Mensch ist am Klimawandel schuld / Die Meerespegel könnten einen Meter steigen.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 3. Februar 2007, Seite 1 (Hauptartikel, 4-spaltig) von DAGMAR DEHMER. [Original]

BERLIN (Tsp). Die Welt muss sich auf mehr Dürren und Hitzewellen, Überschwemmungen und Wirbelstürme gefasst machen. Denn die globalen Durchschnittstemperaturen werden im günstigsten Fall bis 2100 um 1,8 Grad im Vergleich zu 1980, im schlimmsten Fall um 6,4 Grad steigen. Das geht aus dem 4. Bericht des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC) hervor, der am Freitag [2.2.2007] in Paris veröffentlicht wurde [Ed: „Climate Change 2007 — The Physical Science Basis“ (2,2 MByte in PDF)]. Die Meeresspiegel dürften bis zum Ende des Jahrhunderts um 28 bis 59 Zentimeter steigen. Der Direktor des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, rechnet sogar mit einem Anstieg um bis zu 1 Meter.

  Die wichtigsten Grafiken des
Klima-Reports 2007 der UN
 
Der IPCC hat keine ernsthaften Zweifel mehr daran, dass vor allem die Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Brennstoffen wie Öl, Kohle und Gas die globale Erwärmung ausgelöst haben: Der Mensch ist mit einer 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit schuld am Klimawandel. Dem wissenschaftlichen Bericht, an dem 2.500 Forscher beteiligt waren, haben 100 Regierungen zugestimmt. Der Bericht genieße „die Akzeptanz aller Regierungen der Welt“, sagte IPCC-Präsident Rajendra Pachauri. „Die Debatte muss ab heute zu Ende sein, die Politik muss zu handeln beginnen“, sagte der Chef des UN-Umweltprogramms (Unep), Achim Steiner.

An der Verantwortung des Menschen für die „beispiellose“ Klimaveränderung gebe es keinen Zweifel mehr, sagte die amerikanische Wissenschaftlerin Susan Solomon. „Die Zunahme des Treibhausgases ist auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen.“ Die Veränderungen in der Atmosphäre, den Weltmeeren und der Verlust von Packeis seien ohne äußere Einwirkung nicht zu erklären, heißt es in dem UN-Bericht. Hans Joachim Schellnhuber, der Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Klimafragen berät, sagte dem Tagesspiegel: „Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen, der Täter überführt.“ Damit sei eine Debatte beendet, „die uns mindestens ein Jahrzehnt gekostet hat“. Wenn es nach dem American Enterprise Institute geht, soll aber noch mehr Zeit verschwendet werden. Das vor allem vom US-Mineralölkonzern Exxon finanzierte Institut lobte einen Preis von 10.000 Dollar für Klimaforscher aus, die dem UN-Bericht widersprechen, berichtet der „Guardian“.

Der Chef des UN-Klimasekretariats Yvo de Boer sagte, der Bericht lasse keinen Zweifel daran, dass nun „ohne Zögern gehandelt werden muss“. Der frühere Unep-Chef Klaus Töpfer nannte den Bericht einen „nachhaltigen Warnruf“. Der zweite Klimaberater der Kanzlerin, der Chef des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, Lars Göran Josefsson, sagte dem Tagesspiegel: „Der IPCC-Bericht muss aufrütteln. Wir werden das Problem nur global lösen können, und daher ist es allerhöchste Zeit, ein neues Weltabkommen zur Reduzierung von Treibhausgasen auf den Weg zu bringen. Mit dem Vorsitz der G-8-Gruppe und der EU-Ratspräsidentschaft kommt Deutschland dabei 2007 eine Schlüsselrolle zu.“ Das sieht auch Yvo de Boer so. Er forderte starke Emissionsminderungen der Industriestaaten und Anreize für Entwicklungsländer, ihren Ausstoß an Treibhausgasen ebenfalls zu begrenzen. Darüber hinaus müssten die Entwicklungsländer bei der Anpassung an den nicht mehr abwendbaren Klimawandel unterstützt werden. Der IPCC- Report rechnet vor, dass selbst wenn die Treibhausgasemissionen im Jahr 2000 auf dem damaligen Niveau stabilisiert worden wären, noch mindestens 200 Jahre mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen um 0,1 Grad pro Jahrzehnt zu rechnen wäre.

Unep-Chef Steiner forderte einen Weltklimagipfel der Staats- und Regierungschefs, an dem neben dem amerikanischen Präsidenten auch die Präsidenten der Schwellenländer China, Indien und Brasilien teilnehmen sollten. Bei der nächsten Klimakonferenz Ende des Jahres auf Bali müsse der Rahmen für ein neues Klimaschutzabkommen beschlossen werden. Das forderte auch Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Er verlangte eine weltweite Minderung der Treibhausgase bis 2020 um 30 Prozent im Vergleich zu 1990. Er warb dafür, das von der EU-Kommission vorgeschlagene Klimaziel von 30 Prozent Minderung, wenn auch andere Industriestaaten mitziehen, auf jeden Fall aber eine Verringerung der Emissionen um mindestens 20 Prozent bis 2020 zu unterstützen. Er nannte die Zustimmung aller EU-Staaten einen „politischen Kraftakt“.

Trotz aller Einsicht in die Notwendigkeit zu handeln streitet sich die Bundesregierung immer noch mit der Kommission darüber, wie viel Kohlendioxid (CO2) die deutsche Industrie im Rahmen des Emissionshandels von 2008 bis 2012 jährlich ausstoßen darf. Die Kommission will Deutschland 453 Millionen Tonnen CO2 zugestehen, in einem neuen Brief an die Kommission bietet die Regierung nun 465 Millionen Tonnen an, vor wenigen Wochen waren es noch 467 Millionen Tonnen. Hans Joachim Schellnhuber nannte die Kontroverse einen „Streit um Kaisers Bart“. Er sieht darin aber die Gefahr, dass Deutschland seine „politische Glaubwürdigkeit“ verliert, wenn es auf einem größeren Emissionsbudget beharrt. Beim Streit über die Begrenzung des CO2-Ausstoßes von Autos sieht er dieses Risiko nicht. Schließlich müsse man sehen, was in 5 Jahren erreichbar sei, sagte er. „Ich wäre ja schon froh, wenn wir 2012 auf 130 Gramm CO2 pro Kilometer kämen“, meinte er. Die EU-Kommission diskutiert über einen Grenzwert von 120 Gramm pro Kilometer.



Narben dieser Erde

Der UN-Bericht zum Klimawandel liegt vor. Wie wird sich die Welt verändern?

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 3. Februar 2007, Seite 2 (Fragen des Tages) von DAGMAR DEHMER. [Original]

So klar wie nie zuvor belegt der vierte Bericht des UN-Klimarats den Einfluss des Menschen auf das Weltklima. An der Studie haben 2500 Experten 6 Jahre lang gearbeitet. Der Rat, der 1988 gegründet wurde, forscht nicht selbst, sondern soll wissenschaftlichen Daten zum Klimawandel sammeln und auswerten.

WASSER

Die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Wasserversorgung sind dramatisch. Durch das Schmelzen der Gletscher in den Gebirgen drohen die Quellen großer Flüsse auszutrocknen. Das gefährdet die Wasserversorgung von Millionen von Menschen vor allem in Asien. Zunächst aber fließt mehr Wasser ab und erhöht so das Risiko verheerender Überschwemmungen. Das gilt vor allem dann, wenn Gletscherseen, die an den schmelzenden Eismassen entstanden sind, überlaufen oder ihre natürlichen Dämme brechen. Dann könnten große Wassermassen auf einen Schlag zu Tal rasen. Schon jetzt ist absehbar, dass die Gletscher der afrikanischen Berge schon in der Mitte des Jahrhunderts verschwunden sein werden. Schon heute leiden Millionen Menschen unter den Folgen, weil Flüsse deutlich weniger Wasser führen.

Die zweite Folge der Erwärmung sind steigende Meeresspiegel, weil sich das warme Wasser ausdehnt und gleichzeitig vor allem in der Arktis schnell große Mengen Eis schmelzen. Nach Ansicht des Klimaexperten Herrmann Ott wird das Abschmelzen der Polkappen auf lange Sicht „Städte wie Rostock, Hamburg und Kiel unbewohnbar“ machen. Gerade deutsche Küstenstädte wären besonders betroffen, weil sie meist nahe der Küstenlinie gebaut sind. Und in Afrika drohen Megastädte wie das nigerianische Lagos vollständig im Meer zu versinken.

Das bisher von Eis bedeckte Grönland könnte bis 2100 komplett grün sein, heißt es im IPCC-Report. Im Pazifik könnten ganze Inselstaaten wie beispielsweise Tuvalu von der Landkarte verschwinden. Besonders dramatisch entwickelt sich die Lage für Bangladesch, das im Delta zweier großer Flüsse aus dem Himalaja liegt und zusätzlich vom steigenden Meeresspiegel bedroht ist.

LUFT

Die Erwärmung der Luft führt in Mitteleuropa vor allem zu einem zunehmenden Verlust von kalten Tagen und Nächten. Schneereiche Winter werden seltener. Auf der anderen Seite stehen mehr heiße Tage und Nächte sowie regelrechte Hitzewellen. Der Sommer 2003, in dem in Europa tausende Menschen wegen der Hitze gestorben sind, wird keine Ausnahme bleiben. Solche Sommer dürften häufiger werden. In Deutschland werden vor allem im Osten des Landes die Sommer noch trockener.

LAND

Bei ungebremstem Klimawandel wird es bis 2100 in Ostdeutschland eine Tendenz zur Versteppung geben. Bei einem Schreckensszenario von einer Erderwärmung um 5 Grad Celsius könne die Sahara bis nach Berlin reichen, sagt der Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber. In der Mittelmeerregion werden Regenfälle noch seltener werden, im schlimmsten Fall kann es zur Wüstenbildung kommen. Im Südosten Irlands rechnen Experten wegen des Klimawandels bereits 2020 mit Dürreperioden. In Sibirien taut der Permafrost auf. Dort ist die Durchschnittstemperatur bereits um 3 Grad gestiegen, rund 7 Prozent der immer gefrorenen Böden sind schon verloren. Die Folgen können dramatisch sein, weil im Permafrost große Mengen Methan gespeichert sind. Werden sie freigesetzt, steigt das Tempo des Klimawandels weiter. Methan hat eine viermal größere Treibhauswirkung als Kohlendioxid, das bei der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle freigesetzt wird.

NATUR

Den Eisbären schmilzt ihr Lebensraum weg. Die Folgen erleben Menschen an der Küste im hohen Norden schon heute. Immer mehr hungrige Eisbären plündern Mülltonnen und werden zu einer echten Gefahr für die Menschen. In Deutschland haben neue Studien gezeigt, dass Vögel, die bisher am Mittelmeer verbreitet waren, nun auch in Süddeutschland brüten. Ein Beispiel sind Bienenfresser. Dagegen weichen Vögel, die kältere Regionen bevorzugen, immer weiter in den Norden aus. In Afrika rechnen die Wissenschaftler damit, dass durch den Klimawandel 25 bis 40 Prozent der Lebensräume für Tiere verloren gehen.



Glühende Landschaften

Ein UN-Report beschreibt die dramatischen Folgen des Klimawandels. Wie könnte Deutschland 2100 aussehen?

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 5. Februar 2007, Seite 2 (Fragen des Tages) von DAGMAR DEHMER. [Original]

Im UN-Klimareport werden insgesamt 6 Szenarien dargestellt, wie sich die Welt verändern könnte. Das ungünstigste Szenario geht davon aus, dass Weltwirtschaft und Weltbevölkerung schnell wachsen und kaum Anstrengungen zum Klimaschutz unternommen werden. Nach dieser Vorgabe ist mit einer durchschnittlichen Erwärmung von mehr als 6 Grad zu rechnen. Das günstigste Szenario geht davon aus, dass alle Regierungen den Weckruf aus Paris vernommen haben und in den kommenden 10 bis 15 Jahren so umsteuern, dass der Ausstoß von Treibhausgasen von der Mitte des Jahrhunderts an deutlich um mindestens die Hälfte sinkt. Dann könnte der Temperaturanstieg knapp unter 2 Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung gehalten werden. Das Umweltbundesamt hat diese Studien ausgewertet und für Deutschland berechnet, welche Trends sich ableiten lassen.

Den höchsten Temperaturanstieg in Deutschland dürfte danach der Norden erleben, allerdings mit Ausnahme der Küsten. An der Nord- und Ostseeküste sowie in den Mittelgebirgen und im Osten Bayerns dürfte die Erwärmung am geringsten ausfallen. Das wiederum hat für die Niederschläge dramatische Folgen. Im Osten und Nordosten Deutschlands werden vor allem die Sommer sehr trocken werden. Brandenburg, das schon heute Merkmale von Versteppung aufweist, könnte im schlimmsten Fall zur Wüste werden. Dann wächst in Brandenburg, das traditionell auch noch schlechte Böden hat, vermutlich nicht einmal mehr Roggen. Dafür muss sich der Norden im Winter auf mehr und stärkere Regenfälle einrichten – Schnee allerdings dürfte immer seltener werden.

Mit starken Regenfällen im Sommer muss dagegen im Südwesten Deutschlands, im Voralpenraum und den Alpen gerechnet werden. Die Folgen sind vor allem für die Alpen dramatisch. Durch die Erwärmung schmelzen in den Alpen schon heute die Gletscher in einem hohen Tempo. Gleichzeitig leiden manche Baumbestände unter der Wärme, werden schneller krank und sterben. Die Folgen: Erosion. Unter diesen Bedingungen kann jeder starke Sommerregen das Problem vergrößern und noch mehr Erde von den Bergen schwemmen. Dadurch steigt auch das Risiko von Schlammlawinen und Erdrutschen für Gebirgsdörfer. Zudem könnten Gletscherseen, in denen sich das Schmelzwasser sammelt, bei Starkregenereignissen überlaufen und so ganze Täler mit Hochwasser bedrohen. Da es gleichzeitig im Winter seltener schneit, können die Wasserverluste der schmelzenden Gletscher nicht mehr aufgeholt werden. Langfristig bedeutet das, dass die Flüsse weniger Wasser führen werden. Wo die Trinkwasserversorgung von Flüssen abhängt, könnte es für die Bewohner ungemütlich trocken werden.

Einer der großen Verlierer des Klimawandels wird die Fichte sein. Der bisherige Brotbaum der deutschen Wälder tut sich mit den steigenden Temperaturen besonders schwer. Die Förster müssen sich schon heute Gedanken darüber machen, welche Bäume ihre Nachkommen einmal ernten sollen.

Nicht alle Folgen des Klimawandels sind in Deutschland ausschließlich negativ. Die Winzer freuen sich auf immer bessere Rotweine. Die Burgundersorten, die dafür notwendig sind, wachsen schon heute am Oberrhein und im Kaiserstuhl zum Teil besser als in Frankreich, wo sie herkommen. Dafür wird Deutschland möglicherweise bald keine anständigen Rieslinge mehr produzieren. Für diese Trauben wird es einfach zu warm.

An der Ostseeküste können sich die Tourismusmanager auf mehr Sonnentage freuen. Sie könnte einer der großen Gewinner im Kampf um Urlauber werden. Denn Spanien muss sich auf Wüstenbedingungen gerade im Süden des Landes einrichten. Schon heute sind die Haupttourismuszentren in Spanien sehr wasserarm. Doch mit dem fortschreitenden Klimawandel wird es dort immer weniger Regen geben. Zumal die Wasserversorgung bereits derzeit mit der Verdopplung bis Verdreifachung der Einwohnerzahl in der Hauptsaison leicht überfordert. Da dürften sich in Zukunft die Hotelbettenburgen in Südspanien als Ladenhüter erweisen.



K A N Z L E R I N   A N G E L A   M E R K E L

Kernkraft ist "kein Ausweg" aus dem Klimawandel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnt vor einer Überschätzung der Kernenergie. Atomkraftwerke könnten die Klimaprobleme nicht lösen, sagte sie, und forderte die Autoindustrie auf, sparsamere Autos zu bauen.

Aus:
Spiegel Online – 10. Februar 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert) von STEFAN UHLMANN. [Original]

BERLIN (ddp). Merkel bedauerte auf der Münchner Sicherheitskonferenz zwar, dass im Rahmen des vereinbarten Atomausstiegs in Deutschland auch Kernkraftwerke abgeschaltet werden sollen, die sicher seien. Tatsache sei aber auch, dass die Kernkraft nicht "der Ausweg" aus dem Klimawandel sein könne.

Ähnlich äußerte sich der frühere Chef des Uno-Umweltprogramms Klaus Töpfer (CDU). Die Atomenergie sollte heute und künftig nur eine "sehr begrenzte" Rolle spielen. "Die Kernenergie kann die Klimaproblematik nicht lösen", betonte der frühere Bundesumweltminister. Am Freitag [9.2.2007] hatte sich CDU-Präsidiumsmitglied Friedbert Pflüger sogar ganz für eine Abkehr von der Kernenergie ausgesprochen.

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas ermahnte unterdessen Deutschland, den Atomausstieg klimafreundlich zu gestalten. Es wäre zu begrüßen, wenn Kernkraftwerke, die vom Netz genommen werden, durch kohlendioxidarme Kraftwerke – zum Beispiel erneuerbare Energien oder hocheffiziente und saubere Gas- und Kohlekraftwerke – ersetzt würden.

Merkel nannte die Berichte über den Klimawandel "mehr als alarmierend". Sie mahnte verstärkte Anstrengungen in Forschung und Entwicklung von Umwelttechnologien an. Dabei richtete die Kanzlerin einen besonderen Appell an die Autohersteller. Deutschland dürfe hier Entwicklungen "nicht hinterherlaufen."

Als Beispiel nannte sie die Hybridtechnologie. "Ich fordere alle Entwicklungsingenieure in der starken Automobilbranche in Deutschland auf, alles daran zu setzen, neben vielen anderen Aspekten für ein gutes Auto auch den Aspekt effizienten Verbrauchs von Sprit bei der Entwicklung des Autos zu bedenken und ganz oben auf die Prioritätenliste zu setzen." Dies werde auch Arbeitsplätze sichern.

Nach einer Untersuchung der Autozeitschrift "auto motor und sport" liegen derzeit 113 aktuelle Fahrzeug-Modelle in Deutschland unter der von der EU geforderten Obergrenze des Kohlendioxidausstoßes von 130 Gramm pro Kilometer. Darunter sind 25 deutsche Modelle.

Ex-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) riet derweil zum Umstieg auf Erdgas-Autos. "Die sind solide und stoßen 25 Prozent weniger Treibhausgase aus als ein Benziner", sagte er. Die höheren Anschaffungspreise holten Verbraucher durch die geringeren Spritkosten wieder herein, "Vielfahrer schnell, Wenigfahrer später".



T R E I B H A U S G A S

Ozeane speichern CO2 tiefer als gedacht

Die Aufnahmekapazität der Meere für Kohlendioxid ist offenbar größer als gedacht. Wissenschaftler haben jetzt nachgewiesen, dass gelöstes Treibhausgas bis in 4500 Meter Tiefe absinkt. Damit einher geht auch eine Versauerung des Wassers – eine große Gefahr für das biologische Gleichgewicht.

Aus:
Spiegel Online – 13. Februar 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert) von HOLGER DAMBECK. [Original]

HAMBURG. Gäbe es die Ozeane nicht, dann wäre der vom Menschen verursachte Klimawandel bereits heute viel stärker spürbar. Seit Jahrzehnten pusten Schornsteine und Autos schädliches Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre – aber immerhin die Hälfte des Gesamtausstoßes ist Schätzungen zufolge im Meer gelandet. "Ohne die Ozeane wäre der CO2-Anstieg doppelt so hoch", sagte Toste Tanhua vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Tanhua und seine Kollegen haben die CO2-Aufnahme nun im Atlantik genauer untersucht. Mit dem Forschungsschiff "Meteor" folgten sie einer Route von der Karibik bis nach Lissabon, die US-Kollegen bereits 1981 genommen hatten. Wie damals auch maßen die Forscher die Konzentration gelösten Kohlendioxids in verschiedenen Wassertiefen.

Dass die CO2-Werte im Vergleich zu 1981 gestiegen sind, überraschte die Wissenschaftler kaum. Dafür aber die Tatsache, dass dies selbst in Tiefen bis 4500 Meter der Fall ist. "Der Aufnahmepuffer für CO2 in den oberen Meeresschichten verkleinert sich nicht so schnell wie gedacht", sagte Tanhua. "Das ist sogar eine gute Nachricht."

Kalk im Ozean löst sich auf

Die Fähigkeit der Ozeane, als Puffer für das Erdklima zu dienen, sinkt, je mehr CO2 in der obersten Wasserschicht gelöst ist. Wenn aber mehr CO2 als angenommen in Tiefen von 3000 bis 4500 Metern gelangt, dann vergrößert sich dieser Puffer.

Der eigentlich nützliche Effekt hat jedoch auch negative, bislang kaum überschaubare Auswirkungen auf das Leben unter Wasser. Gelöstes CO2 führt zu einer Versauerung des Wassers – mit alarmierenden Folgen für die Organismen. Kalkbildner wie Korallen, aber auch manche mikroskopisch kleinen Planktonarten haben immer mehr Schwierigkeiten, ihre Skelette zu bilden, berichten die Wissenschaftler im Magazin "PNAS" (Online-Vorabveröffentlichung). Weil diese am Anfang der Nahrungskette stünden, habe die Entwicklung weitreichende Folgen für ganze Ökosysteme im Meer.

Die neue Studie weise erstmals nach, mit welch hohem Tempo dieser Prozess schon vorangeschritten ist. "Unsere Daten zeigen, dass sich die Tiefe, unter der sich Kalk im Ozean auflöst, in den letzten 200 Jahren um ganze 400 Meter nach oben verlagert hat", erklärte Douglas Wallace, Mitautor der Studie. "Wir sind dabei, die Chemie des Ozeans auf eine dramatische Art und Weise zu verändern." Im Pazifik schafften es einige Korallenarten, mit der Versauerung umzugehen, sagte Tanhua. Wie die Lage im Atlantik sei, wisse man aber noch nicht.

Greift der Klimaschutz wirklich?

Bei ihren Messungen nutzten die Forscher eine in Kiel entwickelte Methode, die eine Art CO2-Kartierung des Ozeans erlaubt. "Wir waren überrascht, wie überzeugend unsere Methode zeigte, dass CO2 tatsächlich aus der Oberfläche in tiefere Schichten gelangt und dort gespeichert wird", sagte Tanhua.

Das viele Kohlendioxid, das in den vergangenen Jahrzehnten im Meer gespeichert wurde, wird dort nicht auf alle Ewigkeit gelöst bleiben. "Das CO2 kommt auf jeden Fall wieder zurück in die Atmosphäre", erklärte Tanhua. Dies dauere wegen der langen Zyklen jedoch Hunderte oder Tausende Jahre.

Die Kieler Wissenschaftler wollen ihre Messmethode auch bei Fahrten in anderen Ozeanen nutzen, um dort Veränderungen des CO2-Haushaltes zu erfassen. Mit fortlaufenden Messungen könne man die Verteilung und Konzentration von CO2 im Ozean der Zukunft beobachten, sagte Wallace. "Dies dient als Hinweis dafür, ob globale Maßnahmen zur Eindämpfung des Treibhauseffekts tatsächlich greifen oder nicht."



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      Zum Teil 13

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