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Top-Forscher fordern dritte industrielle Revolution
Kann die Menschheit die Klimakatastrophe abwenden, Atomwaffen abschaffen und die Armut lindern? Top-Wissenschaftler suchen auf der größten Forschertagung der Welt nach Antworten und sind weitgehend ratlos.
Aus: Spiegel Online 18. Februar 2007, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert) von MARKUS BECKER. [Original]SAN FRANCISCO. Die Welt hat Probleme nicht eines, nicht zwei, sondern gleich fünf. Jedes einzelne hat das Potential, der Zivilisation ein gewaltsames Ende zu bereiten. Eine schnelle Lösung ist für keines in Sicht, geschweige denn für alle fünf, die obendrein auf komplizierte Art miteinander verwoben sind. So in etwa könnte man die Rede zur Lage des Planeten zusammenfassen, die John Holdren bei der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) gehalten hat. Die Konferenz, die derzeit in San Francisco stattfindet, ist das größte Wissenschaftlertreffen der Welt, und Holdren als amtierender AAAS-Präsident einer der einflussreichsten Forscher überhaupt. Doch angesichts der Herausforderungen der Gegenwart raufen sich die Wissenschaftler in San Francisco kollektiv die Haare: Es herrscht eine Atmosphäre wissenschaftlich wohlbegründeter Ratlosigkeit.
Der Titel der Konferenz ist so sperrig wie ihr Inhalt. "Wissenschaft und Technologie für nachhaltiges Wohlergehen" lautet er, auch wenn manches Thema mutwillig unter diese Überschrift gezerrt wurde. Etwa die Eröffnungspressekonferenz über Wasserspuren auf dem Mars, ein Symposium über mathematische und statistische Beweise für Betrug bei der letzten US-Präsidentschaftswahl oder eine Sitzung über die neurobiologischen Aspekte des Schokoladen-Genusses.
Wer auf der AAAS-Tagung aber nach Anlässen sucht, sich ernsthafte Sorgen um die Zukunft der Menschheit zu machen, wird reichlich fündig. Immerhin analysieren hier die führenden Wissenschaftler der Welt den Zustand des Planeten, und der ist bekanntlich nicht der beste. Zugleich betonen sie, dass sie nur für die Beschaffung der Fakten verantwortlich sind, nicht aber für das politische Handeln. Von der AAAS aber, mit weltweit rund 120.000 Mitgliedern nicht zuletzt auch eine Lobby-Organisation, ist in dieser Hinsicht wenig Hilfe zu erwarten. Die Organisation habe den Zenith ihrer Macht längst überschritten, argwöhnen Teilnehmer, die bereits seit Jahrzehnten jährlich die Konferenz besuchen. Früher sei die Resonanz in der Öffentlichkeit bei weitem größer gewesen als heutzutage und auch die Reaktionen der Politik.
Eiszeit zwischen Wissenschaftlern und US-Regierung
Das Verhältnis zwischen der AAAS und dem Weißen Haus dürfte sich derzeit auf einem historischen Tiefstand befinden. Nach 6 konfliktreichen Jahren unter US-Präsident George W. Bush ist unter den Konferenzteilnehmern Frust spürbar. Kaum jemand hätte erwartet, dass eine US-Regierung den Rat der besten Experten des Landes derart missachten würde sei es in der Klimapolitik oder bei der Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak. "Fact-averse government" lautet Holdrens Lieblingsbezeichnung für die Machthaber im Weißen Haus eine "faktenscheue Regierung".Angesichts der schieren Größe der globalen Probleme aber wäre die Unterstützung der Supermacht dringend notwendig. Laut Holdren sind die 5 größten Herausforderungen für die Menschheit:
- die Grundbedürfnisse der Armen zu erfüllen,
- die Produktivität des Planeten und den Wettlaufs um Land, Boden und Wasser zu steuern,
- ausreichend Energie für die Sicherung des Wohlstands zu produzieren, ohne zugleich Umwelt und Klima zu ruinieren,
- die Welt von Atomwaffen zu befreien,
- die Ozeane zu schützen.
"Das sind die absolut wesentlichen Dinge", sagt Holdren im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Versage man bei der Erfüllung dieser Aufgaben, sei das Ende des heutigen Wohlstands in den Industrieländern noch das kleinste Problem.
Erschwert wird eine Lösung durch die Tatsache, dass jeder der 192 Staaten der Erde von mindestens einem der 5 Probleme direkt betroffen ist, und jeder verfolgt unterschiedliche Interessen. "Wir müssen aber nicht in jedem Fall einen Konsens aller 192 Staaten erreichen", meint Holdren. "Beim Klimaschutz etwa müssen wir nur 13 Länder ins Boot holen." Das seien neben den G8-Staaten China, Indien, Mexiko, Indonesien und Brasilien. Problem: Die US-Regierung verweigert bis heute die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls und Chinas offizielle Politik ist, erst einmal gar nichts zu tun. Zuerst, so argumentiert Peking, müssten sich die westlichen Industriestaaten im Klimaschutz bewegen. Die aber sind siehe Kyoto-Protokoll zerstritten.
H I S T O R I S C H E R R E K O R DHitzewelle in Süd- und Südosteuropa hält an
Die Hitzewelle hat Teile Süd- und Südosteuropas weiter fest im Griff. In Griechenland sagen die Meteorologen bis zum Ende der Woche Höchstwerte bis zu 45 Grad voraus.
Aus: Nachrichten.ch, 23. Juli 2007, 18.24 Uhr MESZ (News). [Original=282159.htm]
ATHEN/SOFIA/ROM (smw/sda). Die Hitzewelle machte am Montag [23.7.2007] erneut vielen Menschen in Griechenland schwer zu schaffen: Dutzende mussten wegen Atemproblemen oder einem Hitzekollaps ärztlich behandelt werden. Weil die Temperaturen im Laufe der Woche weiter steigen sollen, wurden Ärzte und Pflegepersonal in den 132 Spitälern des Landes in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Starke Winde und die hohen Temperaturen erschwerten die Arbeit der Einsatzkräfte beim Kampf gegen die Waldbrände. Nach Angaben der lokalen Behörden konnten die meisten Feuer inzwischen aber zumindest teilweise unter Kontrolle gebracht werden. Im Laufe des Juli wurden in Griechenland 1500 Feuer registriert.
Zahlreiche Hitzebrände
Auch in Bulgarien kämpfen die Menschen weiter mit hohen Temperaturen und vielen Hitzebränden. Dieses Jahr werde in Bulgarien "das wärmste seit 120 Jahren", prognostizierte die Akademie der Wissenschaften am Montag in Sofia laut Angaben der Nachrichtenangentur BTA. Sollte es in dieser Woche keinen Regen geben, drohten erste Flüsse auszutrocknen, hiess es. In Italien wurden vor allem im Süden des Landes am Montag Rekordtemperaturen verzeichnet. In der sizilianischen Stadt Catania stieg die Quecksilbersäule auf 42 Grad, während in anderen Gebieten der Insel bis zu 45 Grad gemessen wurden.
Weinlese beginnt 2007 früher
Aus: DDP-Meldung, 24. Juli 2007, 3.48 Uhr MESZ (Vermischtes). [Original]MAINZ (ddp-rps). Die Weinlese in Rheinland-Pfalz wird in diesem Jahr so früh beginnen wie noch nie zuvor. "Wir werden zwischen dem 15. und 20. August mit den frühreifen Rebsorten loslegen", sagte der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Süd, Norbert Schindler, in Mainz der Nachrichtenagentur ddp. Dazu zählten die Sorten Ortega, Bacchus und Siegerrebe, aus denen der süßliche Federweiser gewonnen werde.
Die vorgezogene Weinlese sei flächendeckend in allen rheinland-pfälzischen Anbauregionen zu erwarten. "Das ist ein historischer Rekord", betonte Schindler. Infolge des heißen Aprils habe die Rebblüte 2 Wochen früher eingesetzt als üblich. Die frühe Hitzeperiode sei dann durch die üppigen Regenfälle der vergangenen Wochen ausgeglichen worden, so dass sich insgesamt eine optimale Traubenreife entwickelt habe. "Nach dem ausbleibenden Niederschlägen im Frühjahr hatten wir eigentlich schon mit dem Schlimmsten gerechnet", betonte der Präsident des Winzerverbandes.
Die Qualität des Jahrgang 2007 wird laut Schindler mit Sicherheit "deutlich über dem Durchschnitt liegen". Bereits jetzt bestehe eine große Nachfrage durch Gaststätten und Weinhändler. So setzten die Großproduzenten von Federweißem, die dafür normalerweise Weinmost aus Südeuropa einkaufen, in diesem Jahr vor allem auf den heimischen Rebensaft. Grund sei, dass die südländischen Trauben in diesem Jahr aufgrund lang anhaltender Hitze zu wenig Säuregehalt hätten, erläuterte Schindler.
Im Norden des Landes, an Mosel und Mittelrhein, soll die Weinlese zwar einige Tage später beginnen als im Süden, voraussichtlich Ende August. Dies wäre nach Angaben des Bauern- und Winzerverbands Nord aber ebenfalls noch 3 Wochen früher als in den vergangenen Jahren.
F R I E D E N S N O B E L P R E I S F Ü R A L G O R EFriedensnobelpreis für Al Gore und Weltklimarat
Aus: AFP-Meldung, 12. Oktober 2007, 13.51 Uhr MESZ (Ausland). [Original]OSLO (AFP). Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an Vorkämpfer des Klimaschutzes, den früheren US-Vize-Präsidenten Al Gore und den Weltklimarat (IPCC). Das Nobel-Komitee teilte in Oslo mit, beide erhielten den Preis für ihre Bemühungen, das Wissen um den vom Menschen verursachten Klimawandel zu verbreiten und Grundlagen für Gegenmaßnahmen zu schaffen. Gore kündigte an, seinen Anteil des Preisgeldes der von ihm geführten Klimaschutzallianz zur Verfügung zu stellen. IPCC-Chef Rajendra Pachauri sagte, er hoffe auf eine erhöhte Aufmerksamkeit für den Kampf gegen den Klimawandel.
"Ich bin zutiefst geehrt, den Nobelpreis zu erhalten", erklärte Al Gore in Washington. Die Auszeichnung sei für ihn noch bedeutender, weil er sie gemeinsam mit dem Weltklimarat erhalte, dessen Mitglieder über viele Jahre ausdauernd und selbstlos gearbeitet hätten. Gore nannte die Erderwärmung einen "Notfall für den Planeten".
Al Gore kündigte an, sein Preisgeld der Klimaschutzallianz zu spenden, die in den USA für einen Wandel der öffentlichen Meinung zum Thema Erderwärmung kämpft. Gore mit vollem Namen Albert Arnold (Al) Gore Jr. war 1993 bis 2001 Stellvertreter des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Bei der Präsidentschaftswahl für Clintons Nachfolger unterlag er dem amtierenden Präsidenten George W. Bush. Er hatte zuletzt mit einem Dokumentarfilm über den Klimawandel auch einen Oscar gewonnen.
"Ich kann es nicht glauben. Ich bin überwältigt", sagte Pachauri vor seinem Büro in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Er erwarte, dass der Klimawandel nun in den Vordergrund rücke und dass ein "Gefühl der Dringlichkeit" entstehe.
Es sei eine Ehre, den Preis mit Al Gore zu teilen, sagte Pachauri. Das IPPC ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, bei der rund 3000 Meereskundler, Wirtschaftswissenschaftler und andere Experten angestellt sind. Unter der Leitung von Pachauri hatte die Organisation in diesem Jahr einen lang erwarteten Bericht über die Erderwärmung veröffentlicht. Demnach ist der Klimawandel zu 90 Prozent vom Menschen verursacht.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon war nach Angaben seines Sprecher hocherfreut über die Entscheidung des Nobel-Komitees. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) gratulierte Gore und dem Weltklimarat im Namen der Bundesregierung zur Auszeichnung. Der Friedensnobelpreis ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert.
Zu groß fürs Weiße Haus
Klima-Papst, Beinahe-Präsident, Friedensnobelpreisträger die Ehrung für Al Gore heizt alte Spekulationen neu an: Wird der Politik-Superstar doch noch mal fürs Weiße Haus kandidieren? Doch Gore steht längst weit über den Niederungen der Wahlkampfpolitik erst recht seit heute.
Aus: Spiegel Online 12. Oktober 2007, ??.?? Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert) von MARC PITZKE. [Original]NEW YORK. Jetzt oder nie. Monatelang haben sie sich das geschworen, haben geharrt und gehofft auf den heutigen Tag, seine Fans, denen das Wahldebakel von 2000 immer noch nachhängt. "Wie früher, als wir warteten, dass Grateful-Dead-Tickets in den Verkauf kamen", sagte der Kalifornier Eric Schiller, ein Aktivist für America for Gore, eine der rund ein Dutzend Gruppen, die ihn zur Kandidatur drängen.
Der Friedensnobelpreis, finden sie, erzwinge es nun geradezu, dass der vom Loser zu Vater Courage Mutierte doch noch mal einen Anlauf aufs Weiße Haus mache. "Amerika und die Erde brauchen jetzt einen Helden", flehten sie ihn vorgestern in einer Großanzeige in der "New York Times" an. "Jemanden, der die gewöhnliche Politik transzendiert und unserem Land und der Welt echte Hoffnung bringt."
Doch genau das ist der Haken. Al Gore Beinahe-Präsident, Klima-Papst und seit heute also Friedensnobelpreisträger transzendiert die Politik. Schwebt längst und jetzt erst recht weit über den Niederungen des Wahlkampfes, mit seinen Schlammschlachten, Valium-Debatten und Volksnähe-Scharaden in der Provinz. Er ist von ganz anderem Kaliber: ein Staatsmann, der nie Staatschef war.
Bei seinem letzten Auftritt vor großem Publikum, da saß er zufrieden glänzend auf einer Bühne mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, der philippinischen Präsidentin Gloria Macapagal-Arroyo und Erzbischof Desmond Tutu, dem Friedensnobelpreisträger von 1984. So einer gibt sich nicht mehr mit Fragen nach seiner Position im Abtreibungshickhack ab oder danach, welche Steuern er wem kürzen werde.
Und so werden ihre Hoffnungen wohl unerfüllt bleiben, auch und vor allem jetzt, da Gore dafür ausgezeichnet wurde, "am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker gewirkt" zu haben, wie es in Alfred Nobels Testament hieß. Es ist die ultimative Wiedergutmachung für die Demütigung von 2000. Ein neuer Grabenkampf ums Amt des US-Präsidenten wäre da nur ein Rückschritt. Egal, wie sehr sie sich an seine kunstvoll formulierten Nicht-Dementis klammern.
Er ist ein Meister der Häutung: vom Jahrhundertwahlverlierer zum Posterboy der Generation Grün in nicht mal sieben Jahren. Vom zickigen Pedanten, der die Wähler mit seinen besserwisserischen Seufzern nervte, zum Entertainer, der beim Oscar-Gewinn für seinen Klima-Film "Eine unbequeme Wahrheit" wie auch neulich, als er für seinen Kabelsender Current den TV-Emmy bekam, mit Ovationen überschüttet wurde und Witze riss, als sei er auf der Showbiz-Bühne geboren. Sein Remake setzt Rekorde in politischer Metamorphose.
Nicht alle sehen das so. "Verdient Al Gore den renommierten Friedensnobelpreis?", betitelte der republikanernahe Nachrichtensender Fox News eine Diskussionsrunde, der Tenor war klar. Da saß neben dem obligatorischen Greenpeace-Mann auch James Taylor im Studio, ein berüchtigter Klimakrisen-Leugner vom erzkonservativen Heartland Institute.
"Er verzerrt die Wissenschaft", zeterte Taylor über Gores zweites Leben als Umweltaktivist. "Er schäumt ein Problem auf, das uns wissenschaftlich nicht bedroht, doch er selbst droht dabei, unseren Kindern und Enkeln den Lebensstandard wegzunehmen." [weiter beim SPIEGEL]
D A S G A B ’ S N O C H N I EWeltklimarat verschärft Warnungen vor Klimawandel
Aus: AP-Meldung, 13. Oktober 2007, 11.34 Uhr MESZ (Wissenschaft). [Original]FRANKFURT/MAIN (AP). Der gerade mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete UN-Weltklimarat verschärft in seinem abschließenden Bericht noch einmal seine Warnung vor dem Klimawandel. Die Erde trete in eine neue Klimaepoche ein, zitiert die Welt am Sonntag aus dem Bericht, über den Mitte November im spanischen Valencia beraten wird. Die Erderwärmung sei mit größter Wahrscheinlichkeit auf den Menschen zurückzuführen. Bis 2099 könne die Erdtemperatur sogar um 6 Grad Celsius steigen, ein Anstieg der Meeresspiegel sei nicht mehr zu verhindern.
In den bisher 3 Klimaberichten des Rates warnen die Wissenschaftler eindringlich vor dem Klimawandel und seinen Folgen. Der 4. Bericht, über den vom 12. bis 17. November beraten wird, fasst Daten und Fakten vor dem Hintergrund anstehender politischer Entscheidungen zusammen.
In dem der Zeitung vorliegenden Bericht heißt es demnach, dass 11 der vergangenen 12 Jahre die wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichnung im Jahr 1850 gewesen seien. "Der globale Temperaturanstieg seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit auf den durch den Menschen verursachten Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen zurückzuführen", schreibt der Weltklimarat. In den schlimmsten Szenarien könne die Temperatur im Mittel bis 2099 um mehr als 6 Grad Celsius steigen. Selbst wenn überhaupt keine Treibhausgase mehr emittiert würden, stiege die Temperatur noch um bis zu 0,9 Grad.
Ein Anstieg des Meeresspiegels sowie das Abschmelzen ganzjähriger Eis- und Schneeflächen seien nicht mehr zu verhindern, lediglich das Ausmaß könne noch beeinflusst werden, schreiben die Wissenschaftler demnach. In Europa würden deutlich mehr Menschen durch Hitze sterben, und man müsse mit einer weiteren Ausbreitung ansteckender Krankheiten rechnen. Niederschlagsverschiebungen führten künftig vor allem in den heißen Regionen der Welt zu dramatischen Problemen in der Landwirtschaft.
"Über 29.000 Datenserien aus 75 Studien belegten den signifikanten Wandel in vielen physikalischen und biologischen Systemen", zitiert die Zeitung aus dem Bericht. Fast 90 % dieser Ergebnisse ließen den Schluss zu, dass die Veränderungen eine Folge der zunehmenden Erderwärmung seien.
Auch bei einem nur mäßigen weiteren Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen sehe der Klimarat auf lange Sicht 4 zentrale Gefahren, heißt es. Einzigartige, bedrohte Systeme und Tierarten würden aussterben. Zweitens nähmen extreme Wetterereignisse in ihrer Häufigkeit und an Stärke zu. Drittens schaffe der Klimawandel neue Verliererregionen und Verlierergesellschaften. Und viertens nehme das Risiko großer "Singularitäten" wie das Abrutschen großer Eismassen in der Arktis oder der Abriss des Golfstroms zu.
Dennoch sei all dies kein Grund zur Resignation, schreibt der Klimarat der Zeitung zufolge. Immerhin habe das Kyoto-Protokoll "eine globale Verantwortung für den Klimawandel hergestellt" und so "das Feld für nationale Schritte bereitet". Es gebe allen Grund zur Annahme, dass mit dem internationalen Kohlendioxid-Handel die Basis für eine weitere Reduzierung von Treibhausgasemissionen gelegt sei. Auch neue Investitionen in die Energieversorgung in Schwellen- und Entwicklungsländern würden die Welt diesem Ziel ein Stückchen näher bringen. Weltweit sei das ökonomische Potenzial für solche Schritte vorhanden.
H I T Z E - R A N G L I S T EKanadisches Foxe Basin Ende September 2007 eisfrei
Aus: ESA-Foto, 15. Oktober 2007, ??.?? Uhr MESZ (Envisat-Satellit). [Original=xxx]
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Das Fox-Becken im Norden Kanadas (nördlich des Hudson Bay) ist im September 2007 vollständig eisfrei. Normal ist das nicht. In früheren Sommern war das Becken immer zum großen Teil mit Eis bedeckt. Auch die Nordwest-Passage zwischen Atlantik und Pazifik war in diesem Sommer eisfrei und von Schiffen befahrbar. (Foto: 23.9.2007 esa)
Wie heiß 2007 wirklich war
Subtropische Temperaturen in Moskau, 50 Grad in Indien und eine ungeheure Eisschmelze in der Arktis: Ist das Jahr 2007 auf Hitze-Rekordkurs? Zumindest in Deutschland könnte es einen neuen Spitzenwert geben, zeigen neue Berechnungen.
Aus: Spiegel Online 6. November 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert) von VOLKER MRASEK. [Original]HAMBURG. Der Januar und der April waren so mild wie nie seit Beginn der weltweiten Wetteraufzeichnungen. Im Mai lastete eine beispiellose Hitzewelle auf West- und Zentralrussland, in Moskau schoss das Thermometer auf fast 33, in Indien zur selben Zeit sogar auf 45 bis 50 Grad. Im September beobachteten Satelliten weniger Meereis denn je in der Arktis.
Und dennoch: 2007 wird obwohl es lange danach aussah nicht als neues Rekordwärme-Jahr in die Klima- und Wettergeschichte eingehen. Darauf legt sich Phil Jones, Direktor der Klimaforschungsabteilung an der University of East Anglia im englischen Norwich, schon heute fest: "In unseren Aufzeichnungen wird 1998 das wärmste Jahr bleiben, gefolgt von 2005, 2003, 2002 und 2004", sagt der Umweltwissenschaftler auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Jones geht nach dem jetzigen Stand davon aus, dass 2007 "marginal wärmer" ausfällt als 2006 und das Vorjahr damit von Rang 6 unter den Top Ten verdrängen wird.
Gemeinsam mit dem britischen Wetterdienst gibt Jones' Arbeitsgruppe jeden Januar eine Temperatur-Vorhersage für die kommenden 12 Monate heraus. 2007 sollte demnach zum neuen Rekordjahr werden. Die Briten erwarteten mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit, dass die globale bodennahe Mitteltemperatur um 0,54 Grad über dem Jahresdurchschnittswert von 14 Grad der Vergleichsperiode 19611990 liegen würde.
Die 10 heißesten Jahre in Deutschland seit 1901
Stand: Oktober 2007
Quelle: xxx.Platz Jahr Mittlere
Temperatur1 2000 9,87 Grad 2 1994 9,71 Grad 3 1934 9,59 Grad 4 2002 9,56 Grad 5 2006 9,55 Grad 6 1990 9,49 Grad 6 1999 9,49 Grad 8 1989 9,48 Grad 9 1992 9,38 Grad 9 2003 9,38 Grad Mittelwert:
196119908,24 Grad
Heiße Zeiten: Abweichung von der Durchschnittstemperatur der Jahre 1961 bis 1990
Hätte die Prognose gestimmt, wäre 1998 als Rekordhalter (0,52 Grad über dem Mittel) entthront worden. Doch offenbar haben sich die Forscher geirrt. Nach Berücksichtigung der faktischen Witterungsentwicklung bis einschließlich September rechnen sie jetzt nur noch mit einem Temperaturüberschuss von 0,42 Grad zu wenig für die Pole-Position.Durchkreuzt wird die Prognose von der stärksten natürlichen Klimaschwankung, die sich auf der Erde episodisch einstellt dem Wechsel zwischen einer warmen ("El Niño") und einer kalten Phase ("La Niña") im tropischen Pazifik. "El Niño endete früher als erwartet, und jetzt haben wir eine ziemlich stark ausgeprägte La Niña, die große Mengen kalten Wassers an die Meeresoberfläche bringt und so die Tropen kühlt", erläutert Geert Jan van Oldenborgh, Physiker beim Königlich-Niederländischen Meteorologischen Institut in De Bilt.
W E L T K L I M A K O N F E R E N ZWeltklimarat hält Klimawandel für unumkehrbar
Aus: DPA-Meldung, 14. November 2007, 10.20 Uhr MEZ (Inland). [Original]BERLIN (dpa). Der Weltklimarat der Vereinten Nationen hält die Folgen des Klimawandels für unumkehrbar. "Selbst unter den striktesten Klimaschutzszenarien sind eine weitere Erwärmung und einige der damit verbundenen Auswirkungen im Laufe des 21. Jahrhunderts bereits unvermeidlich".
So heißt es in dem Entwurf für den neuesten Weltklimabericht, der der Berliner Zeitung vorliegt. Derzeit beraten im spanischen Valencia die Vertreter der 145 Staaten des Weltklimarates (IPCC) hinter verschlossenen Türen über die Endfassung des Papiers.
Zu den unvermeidlichen Folgen gehören laut Entwurf ein zunehmender Wassermangel, mehr Dürren, ein erhöhtes Risiko von Waldbränden sowie ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels. Ohne durchgreifende Änderungen in der Klimapolitik würden bis 2100 hunderte Millionen Menschen unter Wassermangel leiden, mehr als 40 % aller Arten aussterben und 30 % aller Küstenfeuchtgebiete verlorengehen.
Bei den Handlungsempfehlungen spricht sich der Rat indirekt für eine Fortführung des besonders in den USA umstrittenen Klimaschutzprotokolls von Kyoto aus. Der Vertrag, in dem sich viele Staaten erstmals zu konkreten Emissionsminderungen verpflichtet hatten, habe "bemerkenswerte Errungenschaften" vorzuweisen, die eine Grundlage für eine künftige Klimapolitik sein könnten. [mehr]
D E U T S C H L A N DUN: Den Klimawandel zu leugnen ist kriminell
Yvo de Boer: Nichts zu tun sei "kriminell verantwortungslos" [Ed: das hieße ja, die USA...].
Aus: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. November 2007, Seite ?? (Wissen) von LEO WIELAND. [Original]VALENCIA 14. November 2007 (faz.net). Den Klimawandel zu leugnen und nichts zu tun, um ihn zu bremsen, sei "kriminell verantwortungslos". Das hat der Exekutivsekretär der Vereinten Nationen Yvo de Boer auf der Konferenz des Weltklimarats IPCC in Valencia gesagt. 450 Delegierte aus 130 Ländern wollen in der spanischen Stadt bis zum Samstag [17.11.2007] ihren 4. Klimabericht mit Empfehlungen für die Regierungen fertigstellen. Der vorliegende 20 Seiten lange Entwurf, der von den Teilnehmern Zeile für Zeile diskutiert wird, fasst die zuvor in diesem Jahr in Paris, Brüssel und Bangkok formulierten Ergebnisse von drei Arbeitsgruppen des Weltklimarats zusammen.
Die gebilligte Version soll dann an UN-Generalsekretär Ban Ki-moon übergeben werden und als Grundlage für den Klimagipfel im Dezember in Bali dienen. Der Gipfel in Bali soll wiederum die Vereinbarungen von Kyoto fortschreiben, die bis zum Jahr 2012 gelten. Der Weltklimarat, der im Oktober zusammen mit dem ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore den Friedensnobelpreis erhalten hat, will von den Regierungen vor allem in den Industriestaaten verlangen, bis zu 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Eindämmung von Treibhausgasen zu investieren.
Dürren, Brände, Hungersnöte
Die Delegierten der Vereinigten Staaten erhoben bis zum Mittwoch [14.11.2007] keine Einwände gegen den Text und signalisierten auf diese Weise eine kooperativere Haltung der Regierung von Präsident George Bush mit Blick auf den Umweltschutz als zuvor. Die Volksrepublik China versucht derweil, mit einem Zusatzantrag einen besonderen Hinweis einzubringen, wonach die Erderwärmung auf die von den Industrieländern verursachten Emissionen des vorigen Jahrhunderts zurückgehe. Die Amerikaner legten demgegenüber Wert auf die Feststellung, dass der Ausstoß von Kohlendioxid seit dem Jahr 2000 aufgrund des schnellen Wirtschaftswachstums in Entwicklungsländern erheblich gestiegen sei.Die Schlussfolgerungen der Regierungsvertreter, die in Valencia von Repräsentanten verschiedener Nichtregierungsorganisationen unterstützt, zum Teil aber auch schon als "zu schwach und unzulänglich" kritisiert wurden, umfassen 3 Kernpunkte: Der Klimawandel sei "irreversibel"; der Temperaturanstieg seit der Mitte des 20. Jahrhunderts sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zum größten Teil von den Menschen selbst durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe verursacht worden; eine weitere Erwärmung mit ihren verheerenden Folgen Dürren, Brände, Hungersnöte, Überschwemmungen, Zwangsmigration sei nur noch durch gemeinsames Handeln abzuschwächen.
Verschwinden der Gletscher
Der Weltklimarat, der sich nach eigenen Angaben auf Daten und Analysen von 3000 Wissenschaftlern stützt, legte in Valencia auch Zahlen und Prognosen vor. So zählten 11 der vergangen 12 Jahre zu den heißesten seit Beginn der Messungen im Jahr 1850. Die Temperaturen hätten sich im vorigen Jahrhundert um 0,74 Grad Celsius erhöht. Seit 1990 werde ein besonders deutlicher Anstieg verzeichnet. In den nächsten 2 Jahrzehnten sei jeweils mit einem weiteren Anstieg von 0,2 Grad, bis zum Ende des 21. Jahrhunderts also mit einer Erhöhung von fast 2 Grad zu rechnen.Die Temperaturen in der Arktis seien doppelt so schnell gestiegen wie der Durchschnitt. Das Eis sei in den vergangenen 25 Jahren im Sommer um durchschnittlich 7,4 Prozent pro Jahrzehnt geschmolzen [siehe aktuelles Nordkanada-Foto]. Der Meeresspiegel sei aus diesem Grund zwischen 1961 und 2003 jährlich um 1,8 Millimeter gestiegen, seit 1993 sogar beschleunigt um jährlich 3,1 Millimeter. Bis Ende dieses Jahrhunderts sei daher mit einem Verschwinden der Gletscher und einem Anstieg des Meeresspiegels um bis zu einem halben Meter zu rechnen. Der neue Klimabericht sagt für die nahe Zukunft weitere "extreme" Entwicklungen voraus. Ein Drittel der Flora und Fauna der Welt seien in den kommenden Jahrzehnten vom Aussterben bedroht.
[ Grafiken zu den IPCC-Reports ]
A L A R M I E R E N D E R B E R I C H TDeutsches Klimaschutzprogramm soll auf geschönten Zahlen beruhen
Aus: Spiegel-Pressemeldung 17. November 2007, ??.?? Uhr MEZ zum Artikel "xxx" im SPIEGEL 47/2008, 19. November 2007, Seite xxxxxx (xxx).HAMBURG. Eine Studie der Umweltorganisation Greenpeace kommt zu dem Ergebnis, dass das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung offenbar auf geschönten Zahlen beruht. Nach der Studie, die diese Woche in Berlin vorgestellt wird, führen die 29 Maßnahmen, die das Bundeskabinett bei einer Klausur in Meseberg beschlossen hat, keinesfalls zu einer Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes von 270 Millionen Tonnen.
Es würden lediglich 160 Millionen Tonnen bis zum Jahre 2020 eingespart. So seien insbesondere bei der Kraft-Wärme-Kopplung und den Stromsparmaßnahmen in der Industrie "deutlich zu hohe" oder "optimistische" Werte angesetzt worden, die selbst von den internen Berechnungen des Umweltbundesamts abweichen.
Uno-Klimaexperten zeigen angsterregende Szenarien auf
Gletscher könnten abschmelzen, Tier- und Pflanzenarten aussterben. Bei steigender Temperatur drohen Überschwemmungen, Dürren, mehr Infektionskrankheiten: Der heute veröffentlichte Uno-Klimabericht zeichnet ein düsteres Bild. Die Erderwärmung ist nicht mehr zu stoppen allenfalls zu bremsen.
Aus: Spiegel Online 17. November 2007, ??.?? Uhr MEZ (nur elektronisch publiziert). [Original]VALENCIA (anr/dpa/AP). Der Klimawandel hat nach Angaben des Weltklimarats unzweifelhaft begonnen. Dies bewiesen Messungen der Luft- und Meereswassertemperaturen sowie steigende Meerespegel, erklärten die Experten heute bei der Vorstellung des neuen Klimareports des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) in Valencia. "Die schlimmsten Szenarien des IPCC sind so angsterregend wie ein Science-Fiction-Film", sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon bei der Vorstellung des Dokuments in Valencia.
Der jetzt fertiggestellte Report bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Uno-Klimakonferenz im Dezember auf Bali. Das Dokument fasst die schon bekannten 3 Teilberichte zusammen die Forscher warnen vor "abrupten und unumkehrbaren" Folgen des Klimawandels: Gletscher könnten sehr schnell abschmelzen, Tier- und Pflanzenarten aussterben.
Bei steigender Temperatur drohen Überschwemmungen, Dürren, der Verlust küstennaher Landstriche, mehr Infektionskrankheiten und ein großflächiges Korallensterben. Der Report verweist auf den Menschen als Verursacher der Erderwärmung. Katastrophale Folgen drohten, wenn sich die Atmosphäre um mehr als 2 Grad Celsius erwärmt. Rund 0,7 Grad seien schon erreicht. Die Erderwärmung ist laut IPCC nicht mehr zu stoppen sondern allenfalls zu bremsen.
Der 4. und abschließende Teil des Weltklimaberichts zeigt nach Ansicht Ban Ki Moons Strategien im Umgang mit den dramatischen Folgen des Klimawandels auf. Ban sagte, der IPCC-Bericht zeige, dass es "realistische und finanzierbare Wege gibt, mit dem Klimawandel umzugehen". Auf der Klimakonferenz in Bali müssten ein Durchbruch und ein "globales Abkommen zwischen allen Nationen" erzielt werden.
Die Delegierten in der ostspanischen Küstenstadt hatten sich am Freitag [16.11.2007] auf einen Entwurf für die Zusammenfassung der 3 voraufgegangenen Teile des Berichts geeinigt. Die Daten des Weltklimarats liefern die wissenschaftliche Grundlage für die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen des Klimaschutzprotokolls von Kyoto, die am 3. Dezember auf der indonesischen Insel Bali beginnen.
In Washington wurde der Uno-Klimabericht begrüßt. "Wir haben eine sehr ausgewogene Position erreicht", sagte die US- Delegationsleiterin bei den Verhandlungen des Klimarates IPCC, Sharon Hayes. Ziel der USA sei es gewesen, "sicherzustellen, dass die Inhalte des Abschlussberichts mit dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft übereinstimmen", sagte sie vor Journalisten.
Zugleich äußerten sich die USA optimistisch über mögliche Fortschritte beim Kampf gegen den Klimawandel. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Verhandlungen vorankommen", sagte der Verantwortliche für Umweltpolitik im Weißen Haus, Jim Connaughton, mit Blick auf Bali. "Es scheint, als gebe es eine Menge Einigkeit", sagte Connaughton vor Journalisten in Washington. Zugleich betonte er, dass rasches Handeln notwendig sei. Allerdings nannte Connaughton keine konkreten Zahlen oder Daten beim Vorgehen gegen die Erderwärmung.
Das Treffen in Spanien war das erste, nachdem der IPCC mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Umweltschützer hoffen auf eine starke Wirkung des Berichts. Der Mensch sollte dem von ihm verursachten Klimawandel entschieden entgegentreten und den Ausstoß von Treibhausgasen so schnell und so weit wie möglich verringern, forderten Teilnehmer der Sitzung des Uno-Klimarates. "Kein Politiker wird jetzt mehr sagen können, er wisse nicht, was los sei", sagte der Klimaexperte Han Verolme von der WWF gestern. Die Beratungen in Valencia seien ein Meilenstein und würden den Kurs der Politik auf Jahrzehnte beeinflussen. "Eine starke Wortwahl des IPCC macht entschlossenes Handeln der Regierungen erforderlich. Der Ball liegt jetzt im Feld der Politik", sagte Verolme.
Weil immer noch viele Menschen vor dem Klimawandel die Augen verschlössen, hat die WWF unterdessen ein Klimazeugenprogramm gestartet: Geprüfte Berichte von Menschen aus aller Welt sollen zeigen, dass der Klimawandel bereits jetzt das Leben der Menschen beeinträchtigt. Ein Unternehmen für Tauchtouristen fürchtet demnach durch die vom Klimawandel ausgelöste Korallenbleiche ebenso um seine Existenz wie ein Rentierzüchter aus Norwegen.
Auf Bali wird das Nachfolge-Abkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls verhandelt. Darin hatten sich die Industriestaaten erstmals zur Reduktion ihrer Treibhausgas-Emissionen verpflichtet. Die USA aber auch aufstrebende Wirtschaftsmächte wie China sind dem Abkommen nicht beigetreten. Die Forscher betonen, dass künftige Regelungen deutlich stärker ausfallen müssen.
[ Grafiken zu den IPCC-Reports ]
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