Infos zur Veränderung des Klimas – Teil 4 khd
Stand:  12.3.2007   (44. Ed.)  –  File: Sci/Nat/K/Klima_04.html



Hier werden einige ausgewählte und besonders interessante Texte zum gefährlichen Klimawandel und dessen Folgen gespiegelt und damit auf Dauer dokumentiert, manches wird auch in [Ed: ...] kommentiert. Tipp- und Übertragungsfehler gehen zu meinen Lasten.

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Hurrikane werden gefährlicher

Forscher sehen Zusammenhang mit Erwärmung der Meerwassers

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 16. September 2005, Seite xx (Wissen & Forschen). [Original]

Nach „Katrina“ kamen „Maria“ und „Nate“, jetzt tobt „Ophelia“ [Ed: und dann kam noch „Rita“]. Der Eindruck wird verstärkt, Hurrikane seien häufiger geworden, sie richteten mehr Unheil an als früher. Vielleicht täuscht das. Mag sein, dass wir durch intensivere Berichterstattung sensibler geworden sind und unzulässigerweise verallgemeinern.

Wissenschaftlich fundierte Antworten liefert nun eine Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Science (Band 309, Seite 1844) erschienen ist. „Die Gesamtzahl der Hurrikane ist etwa gleich geblieben, ihre Intensität ist aber gestiegen“, sagt Peter Webster. Der Klimaforscher hat zusammen mit Kollegen vom Georgia-Institut für Technologie und dem amerikanischen Nationalen Zentrum für Atmosphärenforschung in Boulder, Colorado, eine Bilanz der letzten 35 Jahre gezogen.

Der Studie zufolge gab es zwischen 1975 und 1989 im westlichen Atlantik und der Karibik insgesamt 16 Hurrikane der Stärke 4 oder 5. Zwischen 1990 und 2004 waren es schon 25. Im östlichen Pazifik, wo die Wirbelstürme als Taifune bezeichnet werden, wurde in den entsprechenden Zeiträumen ein Anstieg von 36 auf 49 registriert, im westlichen Pazifik von 85 auf 116. Im südwestlichen Pazifik betragen die Vergleichszahlen 10 und 22, im Indischen Ozean 24 und 57.

Besonders interessant wird es beim Zeitraum ab 1990. Hier hat die Gesamtzahl der Hurrikane leicht abgenommen, dagegen sind deutlich mehr sehr heftige Wirbelstürme zu registrieren. „Weltweit hat sich die Zahl von Wirbelstürmen der Kategorien 4 und 5 seit den 1970er Jahren bis jetzt fast verdoppelt, von jährlich rund 10 auf etwa 18“, sagt Webster. Der Anteil der schwersten Stürme an der Gesamtzahl von Hurrikanen habe sich von 20 auf 35 % erhöht, so Koautorin Judith Curry.

Woher kommt die gewachsene Zerstörungskraft? Als Hauptverdächtiger gilt die Temperatur der Meeres. Denn von dessen Oberfläche beziehen die Wirbelstürme ihre Energie. Auf etwa 27 Grad muss sie aufgeheizt sein, um den Zyklus einleiten zu können. Wasser verdampft, feuchte Luft wird nach oben gesaugt, kondensiert in den Wolken und setzt dabei Wärme frei, die in Bewegungsenergie umgewandelt wird. Ein Hurrikan entsteht, dem oft erst nach Wochen über kühlerem Meereswasser oder über Land die Puste ausgeht.

Nun ist den Autoren zufolge das Meer seit 1970 weltweit um etwa ein halbes Grad Celsius wärmer geworden, in der tropischen Zone gar um ein Grad. Das dient als Indiz für den Zusammenhang zwischen erhöhter Wassertemperatur und der Intensität der Hurrikane. So sieht es auch der amerikanische Forscher Kerry Emanuel vom Massachusetts- Institut für Technologie (MIT), der kürzlich in Nature (Band 436, Seite 686) die gestiegene Meerestemperatur als Ursache der zunehmenden Zerstörungskraft der Hurrikane bezeichnet. Die Energiemenge, die von tropischen Wirbelstürmen im Nordatlantik und im Südpazifik freigesetzt wird, hat Emanuel zufolge seit den siebziger Jahren stark zugenommen, Windgeschwindigkeit und Sturmdauer hätten sich durchschnittlich um 20 % gesteigert.

„Die Oberflächentemperatur kann aber nicht der einzige Faktor für Auftreten und Intensität von Hurrikanen sein“, erklärt Webster. Sonst hätten auch Gesamtzahl und Dauer der Hurrikane zunehmen müssen. Mit einer solchen vorsichtigen Interpretation der Zusammenhänge zeigt sich der Leipziger Meteorologe Christoph Jacobi einverstanden.

Es sei fraglich, ob sich die Aussagen zum Auftreten von Hurrikanen auch statistisch untermauern ließen. Für Aussagen über Klimaentwicklung sieht Jacobi bei Auswertungen über lediglich 35 Jahre wenig Raum. Da müsse man Jahrhunderte heranziehen. Er verweist auf die natürlichen Zyklen der tropischen Wirbelstürme, die sich etwa alle 30 Jahre ändern. So habe es in den 1940er und 1950er Jahren vergleichsweise mehr schwere Hurrikane gegeben, dann habe deren Zahl bis zu den 1990er Jahren wieder abgenommen. Und ab 1990 nehme sie wieder zu.

Auch die Meerestemperatur folgt offenbar natürlichen Zyklen. Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung verweist auf das amerikanische Nationale Hurrikan-Zentrum, das natürliche Temperaturschwankungen des Oberflächenwassers um ein Fünftelgrad festgestellt hat. Die Unterschiede zwischen wärmster und kältester Phase können sich also auf 0,4 Grad addieren, fast so viel wie die jetzt von Webster reklamierte Erhöhung um ein halbes Grad.

Doch bei aller Vorsicht sind sich die Experten einig: Es ist in den vergangenen 100 Jahren deutlich wärmer geworden. „Durchschnittlich um 0,6 Grad“, so der Kieler Meteorologe Mojib Latif. Zwei Drittel dieser Erwärmung, die zweifellos auch das Meereswasser betreffe, gingen auf menschliches Handeln zurück. „Natürliche und anthropogene Beiträge überlagern sich“, sagt Rahmstorf. Seine Klimamodelle berechnen den Beitrag des Menschen zur Erhöhung der Oberflächentemperatur von etwa 0,6 Grad in den letzten 100 Jahren auf 0,2 bis 0,5 Grad. Um die Wahrscheinlichkeit für weitere schwere Wirbelstürme zu verringern, müsse der Ausstoß von Treibhausgasen verringert werden.



Wissenschaftler diskutieren Zusammenhänge zwischen Hurrikans und Erderwärmung

Aus:
Heise-Newsticker, 16. September 2005, 13.13 Uhr MESZ (Natur). [Original]

HANNOVER (wst/Technology Review). In den vergangenen 30 Jahren, so berichten Forscher um Paul Webster vom Georgia Institute of Technology jetzt in der Fachzeitschrift Science (P. J. Webster, G. J. Holland, J. A. Curry, H.-R. Chang: Changes in Tropical Cyclone Number, Duration, and Intensity in a Warming Environment), erwärmte sich das Oberflächenwasser der Meere weltweit um durchschnittlich 0,5 Grad Celsius. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der stärksten tropischen Wirbelstürme nahezu. Die allgemeine Großwetterlage, aber auch Klimazyklen wie El Niño haben zwar einen großen Einfluss auf diese Häufigkeiten. Bei den stärksten Stürmen erkennen die Forscher um Webster allerdings einen deutlich ansteigenden Trend, der eng mit den steigenden Temperaturen des Meerwassers und damit auch der globalen Erwärmung zusammenhängt.

Die Diskussion um die globale Erwärmung und die politische Notwendigkeit des Klimaschutzes basiert nicht zuletzt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Auswirkungen von Treibhausgasen auf die Atmosphäre: Als gesichert gilt, dass Gase wie CO2 zur globalen Erwärmung beitragen, indem sie vom Erdboden reflektierte Wärmestrahlung wie ein Treibhausdach festhalten und auf die Erde zurückwerfen. Gleichwohl herrscht unter Klimaforschern Uneinigkeit über Ausmaß und Konsequenzen des weltweiten Temperaturanstiegs. Dem Intergovernmental Panel on Climate Chance von (IPCC) wurde immer wieder vorgeworfen, Unsicherheiten in seinem Bericht herunterzuspielen und manche Forschungsergebnisse überzubewerten. Ein Beispiel dafür ist das so genannte Hockeyschläger-Diagramm des amerikanischen Paläoklimatologen Michael Mann und seiner beiden Kollegen Raymond Bradly und Malcolm Hughes.

Aus Jahresringen von Bäumen, Eisbohrkernen, Korallen und ähnlichen Daten hatten die drei den Temperaturverlauf für die vergangenen tausend Jahre rekonstruiert. Ihrer Kurve zufolge lag die Durchschnittstemperatur auf der Nordhalbkugel in den vergangenen zwei Jahrzehnten höher als im gesamten Jahrtausend zuvor. Die beiden kanadischen Wissenschaftler Stephen McIntyre (Bergbau- Berater und Mathematiker) und Ross McKitrick (Ökonom) veröffentlichten im Fachmagazin Geophysical Research Letters einen Artikel, in dem sie auf Fehler in der statistischen Analyse von Michael Mann hinweisen.

Das Brisante an diesem Disput: Was eigentlich nichts anderes als Ausdruck einer gesunden wissenschaftlichen Diskussion sein sollte, wird in der Klimaforschung sofort politisch überhöht und von den verschiedenen Parteien oder Interessenverbänden für ihre Zwecke ausgeschlachtet. Die Mehrzahl der Experten hält dagegen: Selbst wenn das Diagramm falsch sei, ändere das nichts an der Tatsache eines menschenverursachten Klimawandels im vorigen Jahrhundert, argumentieren sie. Doch auch wenn Änderungen an der Hockeyschläger-Kurve keine gravierenden Folgen für die Grundaussagen der Klimaforschung haben – der Streit könnte das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Zukunftsszenarien der Experten erschüttern.

Zur Klimadiskussion siehe auch Technology Review (TR):



K L I M A W A N D E L

Rekordhitze von 2003 bremste Pflanzenwachstum

Der heiße und trockene Sommer 2003 hat das Wachstum von Pflanzen in Europa um 30 % reduziert. Dies habe den Treibhauseffekt weiter verstärkt, berichten Wissenschaftler, und warnen vor einer Beschleunigung des Klimawandels.

Aus:
Spiegel Online – 22. September 2005, 17.08 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

LONDON. Der Treibhauseffekt verstärkt sich selbst. Diese alarmierende These hat jetzt ein internationales Wissenschaftlerteam im Magazin "Nature" aufgestellt. Die Forscher hatten die Folgen des Rekordsommers 2003 auf das Pflanzenwachstum in ganz Europa untersucht. Die damalige Hitzewelle mit dem wärmsten Monat August seit Beginn der Messungen und Temperaturen bis zu 40 Grad hatte gewaltige Waldbrände ausgelöst. 35.000 Menschen starben infolge der extremen Hitze.

Der heiße und trockene Jahrhundertsommer habe das Wachstum von Pflanzen in Europa um etwa 30 % reduziert, berichten die Forscher um Philippe Ciais vom Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement in Gif sur Yvette. Dies habe zur Verstärkung des Treibhauseffekts geführt, weil die Pflanzen entsprechend weniger Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufgenommen haben.

Erst vor zwei Wochen hatten britische Forscher Hinweise dafür veröffentlicht, dass sich der Klimawandel selbst befeuert. Seit Jahrzehnten gibt der Boden in England mehr Kohlenstoff ab, als er bindet – und zwar so viel, dass alle CO2-Sparanstrengungen der Briten dadurch ausgeglichen werden. Als Ursache für den Kohlenstoffüberschuss gilt das wärmere Klima.

Ökossysteme produzieren CO2

Wissenschaftler machen erhöhte CO2-Konzentrationen für steigende Temperaturen auf der Erde verantwortlich – so auch für den Rekordsommer 2003. Bislang war man davon ausgegangen, dass höhere Temperaturen das Pflanzenwachstum beschleunigen und somit die CO2-Aufnahme erhöhen. Diesen bremsenden Effekt scheint es jedoch zumindest im August 2003 nicht gegeben zu haben – ein Widerspruch zu zahlreichen Klimamodellen.

"Geringe Niederschläge in Osteuropa in Verbindung mit extrem hohen Temperaturen in Westeuropa behinderten das Pflanzenwachstum so stark wie noch nie in den vergangenen hundert Jahren", schreiben die Forscher. Sie warnen davor, dass angesichts dieser Erkenntnisse bei Trockenheiten in Zukunft der Klimawandel beschleunigt würde, weil die Ökosysteme "Kohlendioxid produzieren, statt es abzubauen".

Ciais und seine Kollegen hatten die Wechselwirkung von Klima und Biosphäre am Computer simuliert und diese Daten mit CO2-Messungen, Satellitenaufnahmen und Erntestatistiken aus dem Sommer 2003 kombiniert.

Wald bei Dresden schluckte 50 % weniger CO2

Forscher der Technischen Universität Dresden, die an der "Nature"-Studie beteiligt waren, hatten sich speziell mit der Kohlenstoffbilanz der europäischen Wälder beschäftigt. Nach ihren Erkenntnissen konnten die Wälder infolge der extremen Temperaturen nur noch 50 % der ursprünglichen CO2-Menge speichern. Damit habe sich die dämpfende Wirkung der Wälder auf die Erderwärmung verringert, erklärten Christian Bernhofer und Thomas Grünwald vom Dresdner Institut für Hydrologie und Meteorologie. Somit könne die globale Erderwärmung noch weit größere Folgen haben als bisher vermutet.

Die Dresdner Wissenschaft gehen davon aus, dass in 50 bis 100 Jahren ein Sommer wie der im Jahr 2003 zur Normalität wird. Damit gäben die 2003 gewonnenen Erkenntnisse einen Blick in die "Klimazukunft". Mitarbeiter der TU Dresden betreuen bereits seit zehn Jahren Messstationen des Tharandter Waldes südostlich der Stadt. Diese lieferten wichtige Daten und Erkenntnisse zu dem bei Hitze veränderten CO2-Haushalt der Wälder.



H U R R I K A N E   U N D   K L I M A W A N D E L

Münchner Rück rechnet mit Preiserhöhung

Die katatastrophale Hurrikan-Saison wird nach Einschätzung der Münchner Rück die Versicherungswirtschaft noch teurer kommen als erwartet. Bei dem Rückversicherer rechnet man mit bis zu 60 Milliarden Dollar Schaden. Die Preise müssten angepasst, der Klimawandel mit einkalkuliert werden.

Aus:
Spiegel Online – 24. September 2005, 19.29 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

MÜNCHEN. Die diesjährige Hurrikan-Saison werde für die Versicherungswirtschaft noch deutlich teurer werden als die bisherige Rekordsaison 2004, glaubt man bei der Münchner Rück. "Die versicherten Schäden werden zur Zeit zwischen 20 und 60 Milliarden Dollar geschätzt", sagte der Leiter der Georisikoforschung des weltgrößten Rückversicherers, Peter Höppe, dem "Tagesspiegel am Sonntag". Im Vorjahr musste die Branche insgesamt Schäden in Höhe von etwa 30 Milliarden Dollar tragen. Wie groß der Schaden durch den Hurrikan "Rita" sein wird, lässt sich laut Höppe noch nicht beziffern.

Der Konzern will mit einer verschärften Preispolitik und verbesserten Risikoberechnungen auf die Häufung von Naturkatastrophen reagieren. "Unser Geschäft bleibt auch weiterhin möglich, aber wir müssen Preise und Bedingungen den Veränderungen des Klimas anpassen", sagte Höppe. Künftig wollen die Georisiko-Experten bei Schadenberechnungen nicht mehr ausschließlich mit langjährigen Mittelwerten kalkulieren, sondern durch die Klimaänderung hervorgerufene Trends der vergangenen Jahre und sich abwechselnde natürliche Kälte- und Wärmephasen in der Geschichte verstärkt berücksichtigen.



U N O - S T U D I E

CO2-Lagerung unter der Erde machbar

Wissenschaftler der Uno wollen den Treibhauseffekt mit riesigen Kohlendioxid-Lagern unter der Erde bekämpfen. Bis zu 40 % des weltweiten CO2-Ausstoßes könnten so der Atmosphäre erspart bleiben.

Aus:
Spiegel Online – 27. September 2005, 10.55 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

MONTREAL. Die Lagerung von Kohlendioxid (CO2) in großen Tiefen unter der Erde oder im Meer kann nach Ansicht von Wissenschaftlern den Treibhauseffekt erheblich verringern. Zwischen 20 und 40 % der weltweiten CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 könnten mit diesem Verfahren am Aufstieg in die Atmosphäre gehindert werden, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), eines länderübergreifenden Experten-Gremiums der Vereinten Nationen zum Klimawandel.

Die Lagerung von CO2 sei "eine Option in einer Reihe von Maßnahmen zur Verringerung" des Ausstoßes eines der Haupt-Treibhausgase.

Zwischen 220 und 2200 Milliarden Tonnen Kohlendioxid könnten bis 2100 zu akzeptablen Kosten in der Erde oder im Meer gelagert werden, schreiben die Wissenschaftler. Das komprimierte Gas würde bei dem Verfahren tief in den Untergrund gepumpt, in natürliche verbrauchte Kohlenwasserstoff- Reservoirs im Meer sowie in mineralischen Felskammern an Land und in den Ozeanen.

Die Experten gehen von Lagerstätten in einer Tiefe von 800 Metern unter dem Erd- oder Ozeanboden aus. Eine zweite Variante wäre die Lagerung in mindestens tausend Metern Tiefe im Meer oder in rund 3000 Metern über dem Meeresboden. Drei Pilotprojekte in der Nordsee, in Kanada und Algerien seien erfolgreich.

Umweltschützer äußerten sich kritisch. Die Organisationen Greenpeace und WWF erklärten, dass eine CO2-Lagerung nicht ausreiche, um den Klimawandel zu bekämpfen. Außerdem berge ein solches Verfahren neue Risiken für die Umwelt. Hinzu kämen immense Kosten.

Die Uno-Experten rechnen mit 15 bis 75 Dollar pro Tonne bei der Ausfilterung an den Anlagen der Produzenten und der Gas-Kompression. Für den Transport veranschlagen sie weitere ein bis acht Dollar je 250 Kilometer. Die Kosten für die Verbringung unter die Erde belaufen sich zudem je nach Methode auf 50 Dollar-Cent bis 100 Dollar je Tonne.

Der Chef des Uno-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, bezeichnete den Bericht als "notwendig", da es "unvernünftig" sei, nicht über alle möglichen Lösungen nachzudenken. Die beste Lösung des Klimaproblems liege jedoch in einer effizienteren Energienutzung und der Nutzung sauberer Energiequellen.



Klimaschutz [bislang] ohne Erfolg

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 29. September 2005, Seite 6 (Aussenpolitik) von DAGMAR DEHMER. [Original]

BERLIN (Tsp). Der Befund ist niederschmetternd: Der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase ist weltweit seit 1990 um etwa ein Viertel gestiegen. Im neuesten Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stellt der Klimaexperte Hans-Joachim Ziesing fest: "Alles in allem steht ein messbarer Erfolg der internationalen Klimaschutzpolitik nach wie vor aus."

Da aber seit Februar 2005 das Kyoto- Protokoll zum Klimaschutz in Kraft ist, besteht für die Vertragsstaaten nun eine "verbindliche Verpflichtung" zur Emissionsminderung. Bis 2012 soll der Ausstoß von Treibhausgasen weltweit im Vergleich zu 1990 um 5,2 % sinken. Die Europäische Union hat eine Minderung um 8 % versprochen, davon trägt Deutschland allein 21 %. Doch außer Deutschland und Großbritannien hat kein weiterer EU-Staat seine Emissionen bisher tatsächlich verringert. Einige Staaten sind so weit von ihren Zielvorgaben entfernt, dass sie ihre Kyoto-Verpflichtungen kaum noch einhalten können. Zum Beispiel Spanien: Zwar darf Madrid seine Treibhausgasemissionen bis 2012 sogar um 15 % erhöhen. Doch die Emissionen lagen bereits 2004 um 45,5 % höher als 1990. Ähnlich schlecht sieht die Bilanz in Italien aus. Das Land muss seine Emissionen um 6,5 % mindern, lag 2004 aber bei plus 12,5 %. Österreich hat sich verpflichtet, seinen Ausstoß um 13 % zu reduzieren, tatsächlich ist er um 15,3 % gestiegen.

Die Bilanz der USA und Australiens, die das Kyoto-Protokoll ablehnen, sieht noch schlechter aus. Und auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern sind die Emissionen deutlich gestiegen: allein von 2003 auf 2004 um 9 %. Den Löwenanteil macht China mit seinem dynamischen Wirtschaftswachstum aus. Ziesing fordert verstärkte Anstrengungen für den Klimaschutz. Die EU könnte ihr Klimaziel eigentlich nur noch schaffen, wenn sie für den Emissionshandel ehrgeizige Kohlendioxidminderungen vorgibt.



Erde wird immer wärmer

Das Weltklima erwärmt sich so schnell wie nie zuvor. Die globale Temperatur werde bis zum Endedes Jahrhunderts um bis zu 4 Grad Celsius steigen, berechneten Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 29. September 2005, 15.47 Uhr MESZ (Weltspiegel). [Original]

  Die wichtigsten Grafiken des
Klima-Reports 2007 der UN
 
HAMBURG. Der Meeresspiegel könne im Durchschnitt bis zu 30 Zentimeter klettern, in der Nordsee sogar etwas mehr. "Das ist der stärkste Klimawandel, der in den letzten Millionen Jahren auf der Erde im globalen Mittel aufgetreten ist", betonte Klimaforscher Prof. Hartmut Graßl am Donnerstag [29.9.2005].

Die Sommer in Mitteleuropa werden den Berechnungen zufolge trockener und wärmer, die Winter ebenfalls wärmer, aber feuchter, sagte Projektleiter Erich Roeckner. Die Gefahr von starkem Regen und Überschwemmungen nimmt den Berechnungen zufolge deutlich zu. Heiße Trockenperioden sollen auch in Deutschland bald zum durchschnittlichen Sommer gehören. In den Wintern werden Kälte bringende Hochdrucklagen seltener, atlantische Westwindlagen sollen dominieren.

Der Geschäftsführende Institutsdirektor Prof. Jochem Marotzke betonte, die Berechnungen hätten keine grundlegend neuen Erkenntnisse gebracht, die bisherigen Annahmen aber untermauert. "Viele Ergebnisse sind deutlich stabiler." Das gelte zum Beispiel für das erwartete sommerliche Abschmelzen des Meereises in der Arktis. Damit sei aber kein Kollaps der so genannten thermohalinen Zirkulation verbunden, die den Golfstrom antreibt, sagte Marotzke. Allerdings verändern sich die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere dramatisch, so etwa für Eisbären, die vom Eis aus auf die Jagd gehen.

Als großen Erfolg werteten die Forscher die genaue Abbildung des Klimas der vergangenen Jahrhunderte durch das Rechenmodell. "Auf diese Weise konnten die theoretischen Modelle der Wirklichkeit angepasst werden", sagte Marotzke.

Nach Roeckners Angaben wurden für die aktuellen Berechnungen 25 Mal mehr Daten verarbeitet als für den vorangegangenen IPCC-Bericht von 2001. "Die Modelle sind verbessert worden, die Maschenweite der Modelle verdichtet", sagte der Wissenschaftler. Damit seien erstmals genaue Aussagen auf regionaler Ebene möglich. Nach Marotzkes Angaben waren 50 Mitarbeiter an den Berechnungen beteiligt. Ein Jahr lang war der Hamburger Klimarechner, einer der größten in Europa, zu einem Viertel nur damit beschäftigt, die Klimamodelle zu berechnen. Die Kosten des Projekts betragen nach Institutsangaben für zwei Jahre etwa zehn Millionen Euro. Der IPCC-Bericht mit den neuen Hamburger Klimadaten soll 2007 erscheinen. Er dient Politikern in aller Welt als Grundlage für klimapolitische Entscheidungen.

Angesichts der verheerenden Hurrikans in den USA vermutete Marotzke, dass es künftig zu einer Zunahme und Verstärkung der Wirbelstürme kommen könne. Denn die Wassertemperatur im Golf von Mexiko werde in den kommenden Jahrzehnten auf mehr als 30 Grad im Sommer steigen. Konkrete Aussagen seien aber nicht möglich, da Hurrikans nicht Bestandteil des Rechenmodells seien.

Dramatische Auswirkungen erwarten die Forscher für die Mittelmeerregion. Zum Beispiel müsse Spanien sich auf früher einsetzende und länger dauernde sommerliche Dürreperioden einstellen. Zudem werden die winterlichen Niederschläge geringer, weil es zu weniger Stürmen über dem Mittelmeer kommen werde, sagte Roeckner. Für Südafrika und Australien prognostizieren die Rechenmodelle sogar eine Ausbreitung der Wüsten. [mehr]



N E U E   K L I M A P R O G N O S E N

Erwärmung überschreitet kritischen Wert

Neue Computersimulationen lassen vermuten, dass die Erderwärmung noch in diesem Jahrhundert eine kritische Temperaturschwelle überschreiten wird. Das globale Klima droht, gänzlich aus dem Ruder zu laufen – in einem unumkehrbaren Prozess.

Aus:
Spiegel Online – 29. September 2005, 17.52 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

HAMBURG. Wissenschaftler sprechen inzwischen von einer "kritischen Schwelle" der Klimaerwärmung, die Europäische Union hat sie sogar ganz offiziell zur Richtschnur ihrer Klimaschutzpolitik erkoren: "Das Ziel ist die Vermeidung einer Temperaturzunahme um mehr als zwei Grad Celsius im globalen Mittel", so Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam- Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und langjähriger Berater der Bundesregierung.

Um etwa 0,6 Grad hat sich die bodennahe Erdatmosphäre seit dem Eintritt ins Industriezeitalter bereits erwärmt. Mehr als 1,4 °C dürfen nach dem Credo vom kritischen Schwellenwert also nicht mehr hinzukommen. Denn "wenn wir über zwei Grad hinausgehen, dann, sind die globalen Schäden vermutlich so groß, dass man sie kaum noch beherrschen kann", fürchtet Schellnhuber.

Nach den jüngsten Simulationen mit globalen Klimamodellen steuert die Erde geradewegs auf einen solchen Zustand zu. 15 Arbeitsgruppen weltweit errechneten verschiedene Entwicklungsszenarien für das 21. Jahrhundert. Hinter der konzertierten Aktion steht der Zwischenstaatliche Ausschuss für den Klimawandel (IPCC) der Vereinten Nationen. Der Welt-Klimarat, wie man ihn nennen könnte, will 2007 seinen nächsten Sachstandsbericht vorlegen. Daher die neuen Simultan-Simulationen in den führenden Klimarechenzentren in Europa, Japan, China, Kanada, Australien und den USA.

"Über 4 Grad plus bis Ende des Jahrhunderts"

Die Modelläufe von Briten, Franzosen, Norwegern und Deutschen im Rahmen des EU-Projektes "Ensembles" sind bereits ausgewertet, die Ergebnisse lassen Schlimmes befürchten: "Wir landen bei etwas über 4 Grad plus am Ende dieses Jahrhunderts und im besten Fall bei 2,5 Grad", resümiert Erich Roeckner vom Max-Planck-Institut (MPI) für Meteorologie in Hamburg. Vier Modelle zeigten übereinstimmend und unabhängig voneinander eine solche Temperaturentwicklung in den nächsten hundert Jahren, darunter auch das des MPI. Die Simulation des französischen Wetterdienstes zeigt laut Roeckner eine etwas schwächere Erwärmung gegen Ende des Jahrhunderts. Allerdings beziehen sich die Zahlen auf die Jahre 1961 bis 1990 als übliche Referenzperiode für die Modellierungen. "Wenn man auf vorindustrielle Zeiten zurückgeht, müsste man noch etwa ein halbes Grad hinzuaddieren", betont der Koordinator der Modellrechnungen am MPI.

Alle Forschergruppen benutzten bei ihren Simulationen dieselben 3 IPCC-Szenarien, darunter eines für den schlimmsten und eines für den günstigsten Fall. Bei plus 4 Grad Celsius landen die Modelle unter der Annahme, dass sich klimawirksames Kohlendioxid aus der Verbrennung fossiler Energieträger weiter ungebremst in der Atmosphäre anreichert und sich sein Gehalt im Vergleich zu heute mehr als verdoppelt. Auf plus 2,5 °C läuft es hinaus, wenn die Industriestaaten ihre CO2-Emissionen wenigstens um einige Prozentpunkte drosseln, also in etwa so, wie es das Kyoto-Protokoll vorsieht. In diesem Fall würde Kohlendioxid in der Außenluft immer noch um rund 40 % zunehmen.

Welchen dieser Wege die Welt auch einschlägt – nach den neuen Modellrechnungen der Europäer wird sich die Erde auf jeden Fall um mehr als zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit aufheizen. Das Klimaschutzziel der EU entpuppt sich demnach als unrealistisch. Für Erich Roeckner "sieht es momentan nicht so aus, als wäre es erreichbar".

"Schlafende Riesen werden geweckt"

Doch was droht der Erde, wenn der Klimawandel die ominöse Zwei-Grad-Marke passiert? PIK-Chef Schellnhuber formuliert es so: "Dann wird eine ganze Reihe von bisher schlafenden ökologischen Riesen geweckt." Details sind im ersten Entwurf für den neuen IPCC-Bericht nachzulesen. Die dramatischste Folge: Grönlands Eispanzer würde anfangen, komplett und unaufhaltsam abzuschmelzen. Ein solcher Prozess zöge sich zwar über zwei oder drei Jahrtausende hin. Am Ende läge der Meeresspiegel aber rund sieben Meter höher als heute. Der Grundstein für eine solche Entwicklung könnte bereits gelegt sein. "Grönlands Eisschild kühlt sich selbst, indem die Schneedecke Sonnenlicht reflektiert", erläutert Richard Betts vom Hadley-Zentrum für Klimavorhersage und -forschung in Exeter, "doch beginnt das Eis abzutauen, dann lässt auch der Kühleffekt nach, und der Schmelzprozess wird am Ende unumkehrbar."

Die Kurve vor dem Klima-Gau

Nach dem Berichtsentwurf wird auch der riesige Eisschild im Westen der Antarktis instabil, wenn die Außentemperatur im Mittel um weitere 1,4 °C ansteigt. Dann dürften auch die Korallenriffe im Ozean unter einen Hitzestress geraten, den sie nicht mehr verkraften. Schon ein Grad Celsius mehr als in vorindustrieller Zeit reichten vermutlich aus, um sie großflächig auszubleichen, heißt es in der sogenannten Nullversion des kommenden IPCC-Reports.

Die Klimaexperten plädieren nun umso energischer für eine rasche Energiewende. "Eine weitere Zunahme des Verbrauchs von fossilen Energieträgern ist vom Klimastandpunkt aus nicht mehr vertretbar", sagt Max-Planck-Forscher Roeckner klipp und klar. Derweil glaubt PIK-Direktor Schellnhuber noch an eine hauchdünne Chance, die Kurve gerade noch so vor dem Klima-Gau zu kriegen: "Aber das bedeutet, dass die Industrieländer ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um mindestens 60 % reduzieren." "In den nächsten zehn bis 15 Jahren" seien die entsprechenden Investitionsentscheidungen zu treffen, mahnt Schellnhuber: "Wenn das nicht gelingt, schießen wir weit über die zwei Grad hinaus." Der Physiker hofft noch immer, dass es nicht so weit kommt, denn "dann können wir Wissenschaftler nicht mehr garantieren, dass der Klimawandel noch beherrschbar sein wird". [mehr]



F O L G E N   D E S   K L I M A W A N D E L S

Die Arktis schmilzt rapide

Neue Studie zum weltweiten Klimawandel / Meeresspiegel steigen um bis zu 30 Zentimeter / Immer öfter Wetterextreme in Europa

Aus:
Berliner Zeitung, 30. September 2005, Seite xx (Wissenschaft). [Original=487630.html]

Vor dem Untergang
Aus: Der Tagesspiegel, 1.10.2005, Seite 8.
BERLIN (deh). Dass wir bereits mitten im Klimawandel stecken, ist fast schon eine Binsenweisheit. Doch wie schnell die Erde sich aufheizt, zeigen die neuesten Daten des Max- Planck- Instituts für Meteorologie. Das hat errechnet, dass die durchschnittliche Erwärmung selbst im günstigsten Fall bis 2100 bei 2,5 Grad liegen wird. Bis zu 2 Grad Erwärmung im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung halten Wissenschaftler für vielleicht noch beherrschbar – doch 2,5 Grad schon nicht mehr.

Denn das kann heißen, dass die Niederlande anfangen sollten, in Deutschland und Belgien Land zu pachten, um ihre Bevölkerung in Sicherheit zu bringen, wenn der Meeresspiegel der Nordsee bis dahin um 43 Zentimeter steigt. Die Niederlande liegen überwiegend unter dem heutigen Meeresspiegel. Die Lage ist so ernst, wie es viele Klimaforscher, allerdings auf der Basis von weniger soliden Zahlen, schon seit Jahren gesagt haben.

Das muss für die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen heißen, dass nicht mehr der hohe Energiepreis das Hauptthema sein darf. Es muss darum gehen, wie Deutschland mehr tun kann, um den Ausstoß von Kohlendioxid zu vermindern. Und wie Deutschland die anderen Europäer und schließlich auch die USA davon überzeugen kann, dass es jetzt nicht mehr ums Forschen sondern ums Handeln geht.

HAMBURG – 29. September. Das Klima auf der Erde wird sich nach neuesten Erkenntnissen deutscher Wetterforscher in den nächsten hundert Jahren so schnell ändern wie nie zuvor. Bis zum Jahr 2100 könnte die Jahresdurchschnittstemperatur weltweit um insgesamt 2,5 bis 4 Grad Celsius steigen. Die Folge wäre eine Zunahme extremer Wettererscheinungen – auch in Deutschland. Das haben Modellrechnungen am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPIM) ergeben, die am Donnerstag [29.9.2005] in der Hansestadt vorgestellt wurden. "Das wäre der stärkste Klimawandel seit Millionen Jahren", sagte dazu der renommierte Klimaforscher Hartmut Graßl, bis zum Frühjahr Direktor am MPIM. [...
weiter bei der BZtg]

[03.11.2004: Dramatische Arktis-Erwärmung]  (khd-Page)

  Die wichtigsten Grafiken des
Klima-Reports 2007 der UN
 




Mehr Geld für Hurrikan-Vorhersage gefordert

Aus:
Heise-Newsticker, 30. September 2005, 12.12 Uhr MESZ (Wisenschaft). [Original]

USA (wst/Technology Review). Die Evakuierung der texanischen Metropole Houston war chaotisch und teuer – und letztlich unnötig, weil der Hurrikan Rita die Stadt verschont hat. Die Geschichte offenbart das Dilemma der Verantwortlichen: Wenn ein Hurrikan innerhalb der nächsten 48 Stunden an einem bestimmten Punkt erwartet wird, beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass der Wirbelsturm tatsächlich diese Route nimmt, nur 25 %. Würde man ausharren, bis die Vorhersage wenigstens mit 50 prozentiger Wahrscheinlichkeit eintritt, wäre es zu spät zu fliehen.

Alexander E. MacDonald, Direktor der Wetterprognoseabteilung der US- Forschungsbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), spricht im Interview mit Technology Review aktuell über die Computermodelle, mit denen die US-Regierung derzeit den Verlauf von Wirbelstürmen wie Rita vorhersagt. Diese Modelle orientierten sich derzeit noch an zu großen Wettersystemen, so MacDonald. Es brauche präzisere Modelle, mehr Input-Daten und mehr Rechenleistung für eine wirklich leistungsfähige Hurrikan-Vorhersage: "Derzeit stecken ungefähr 50 Millionen Dollar in den Hurrikan-Zentren und den Modellen [Ed: hm, aber viele Milliarden Dollar in einem letztlich sinnlosen Irak-Krieg verpulvern...]. Es handelt sich hier aber um ein außergewöhnliches Problem, das, wie beispielsweise bei Katrina, 100 Milliarden Dollar kosten kann. Sobald das den Leuten klar wird, werden sie verstehen, dass sich ein paar zusätzliche 100 Millionen Dollar im Jahr schnell auszahlen." [War Rita vorhersagbar?]



K L I M A

Kann das noch Zufall sein?

Die Hurrikane „Katrina“ und „Rita“ entfachen in den USA eine Klimaschutz-Debatte. Während Wissenschaftler noch über eine Verbindung zur globalen Erwärmung streiten, wollen Umweltschützer den US-Präsidenten zwingen, die Emission von Treibhausgasen zu begrenzen.

Hinweis auf:
Der Spiegel – 40/2005, 1. Oktober 2005, Seite 180–182 (Wissenschaft) von FRANK HORNIG, GEORG MASCOLO und GERALD TRAUFETTER. [Original]



Umweltrat hält Kohle für Fehlinvestition

Regierungsberater fordern von Deutschland auch künftig eine Vorreiterrolle im Klimaschutz

Atomkraft als Klimaretter? – „Eine Illusion“
Aus: Der Tagesspiegel, 6.10.2005, Seite 4 (Politik).
BERLIN (deh). Der Umweltrat sieht in der Atomkraft keinen Beitrag zum Klimaschutz. Schon allein aus Kosten- gründen könne die Nuklearenergie keinen ernsthaften Beitrag zur Minderung der Treibhausgas- Emissionen leisten, argumentiert das Umweltratsmitglied Martin Jänicke. Außerdem sei die Entsorgungsfrage nach wie vor ungeklärt.

Jänicke hält die Atomkraft aber auch mit Blick auf den internationalen Terrorismus für zu riskant. Die älteren deutschen Meiler seien nicht gegen mögliche Angriffe mit Flugzeugen geschützt "und müssten eigentlich so schnell wie möglich vom Netz genommen werden", sagt Jänicke. Außerdem produzierten Atomkraftwerke vor allem Strom für die so genannte Grundlast. Das habe schon immer eher zur Verschwendung beigetragen, kritisiert Jänicke.

Sollten die Laufzeiten für die deutschen Atomkraftwerke verlängert werden, bremse das den Strukturwandel hin zu einer klimafreundlicheren Energieversorgung. Und angesichts der neuesten Prognosen über das Tempo der globalen Erwärmung dürfe dabei keine Zeit verschwendet werden, findet Jänicke. Der Umweltforscher hält es darüber hinaus für entscheidend, die Privilegien des Flugverkehrs schnell abzubauen. Das sei ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Außerdem verlangt er strenge Vorgaben für den durchschnittlichen Verbrauch der neu gebauten Autos.

Aus:
Der Tagesspiegel, Berlin, 6. Oktober 2005, Seite 4 (Politik). [Original]

BERLIN (Tsp). Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) rät der nächsten Bundesregierung, ihre Vorreiterrolle beim Klimaschutz beizubehalten. Die sieben Umweltweisen haben am Mittwoch [5.10.2005] eine Stellungnahme zur Klimapolitik vorgelegt, in der sie vor allem die Festlegung von mittel- und langfristigen Zielen zur Verminderung von Treibhausgasen fordern. Demnach soll Deutschland seinen Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 um 40 % im Vergleich zu 1990 reduzieren, wenn die Europäische Union sich auf eine Minderung von 30 % einlässt. Bis 2050 soll Deutschland seine Emissionen um 80 % senken. Nur wenn diese Ziele schnell und verbindlich festgelegt würden, könne sich die Industrie auf den notwendigen Strukturwandel einstellen, sagte Professor Martin Jänicke, Leiter der Forschungsstelle Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin.

Angesichts der jüngsten Prognosen des Max-Planck-Instituts (MPI) für Meteorologie in Hamburg sei eine anspruchsvolle Klimapolitik noch dringlicher geworden, sagte Jänicke. Das MPI hat errechnet, dass die globale Erwärmung im günstigsten Fall bis 2100 bei durchschnittlich 2,5 Grad liegen dürfte, im ungünstigen Fall bei 4,1 Grad. Die meisten Klimaforscher halten eine Erwärmung um 2 Grad für gerade noch beherrschbar. Da sich die Erde schneller aufheizt, als bisher angenommen, sieht der SRU "keinen Anlass, das Tempo der deutschen Klimapolitik zu verlangsamen und die deutsche Vorreiterrolle im Klimaschutz aufzugeben".

Jänicke traut dabei einer großen Koalition einiges zu: "Die Energieversorgung muss klimafreundlich werden. Eine große Koalition muss da nicht so viele Rücksichten nehmen." Jänicke spielte damit auf den Einfluss der Kohle-Lobby auf den SPD-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement bei der Ausarbeitung des nationalen Zuteilungsplans von Kohlendioxid (CO2) für den Emissionshandel an. In der zweiten Handelsperiode von 2008 bis 2012 müsse der Ausstoß von CO2 drastisch gesenkt werden. Schon jetzt sei absehbar, dass Emissionszertifikate "knapp werden". Denn die deutschen Energiekonzerne setzen weiter auf Kohlekraftwerke. Im Gutachten nennt der SRU die Braunkohlekraftwerke in Grevenbroich-Neurath, wo RWE 2 Kraftwerksblöcke mit einer Leistung von je 1050 Megawatt plant, und in Boxberg, wo Vattenfall einen Meiler mit einer Leistung von 660 Megawatt bauen will. Zudem planen Eon, Vattenfall und Steag neue Steinkohlekraftwerke, die nur unwesentlich klimafreundlicher sind. Jänicke sagt: "Wer heute in Kohle investiert, ohne dass eine Technik zur Abscheidung von CO2 und der Verpressung in tiefe Erdschichten wirtschaftlich zur Verfügung steht, ist in großer Gefahr, eine Fehlinvestition zu tätigen."

Der Umweltrat plädiert dafür, vor allem auf effiziente Gaskraftwerke und erneuerbare Energien zu setzen. Vor allem beim Energiesparen seien noch lange nicht alle Potenziale ausgeschöpft. Investitionen in klimafreundliche Techniken hätten den Vorteil, dass die Energiekosten sinken, und Arbeitsplätze geschaffen werden. Jänicke hält es trotz der bisher mageren Bilanz der EU beim Klimaschutz durchaus für möglich, dass sie ihre im Kyoto-Protokoll zugesagten Ziele noch einhalten kann. Der Grund: der hohe Ölpreis und der Emissionshandel.



D I E   U N I O N   H A T   U N R E C H T

Ökosteuer schafft Arbeitsplätze

Mit Hilfe von gleich drei Studien hat das Umweltbundesamt die ewigen Nörgler an der Ökosteuer widerlegt. Selbst das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt in einer der Studien zu dem Schluss: Die ungeliebte Steuer schafft Arbeitsplätze.

Aus:
Spiegel Online – 6. Oktober 2005, 19.24 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

DESSAU. Durch die Ökosteuer sparten die Deutschen allein im Jahr 2003 mehr als 20 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid. Zudem seien rund 250.000 Arbeitsplätze entstanden – vor allem bei personalintensiven Unternehmen und Anbietern von Energiespartechnik. "Die Zahlen helfen, die Debatte über die Ökosteuer zu versachlichen", so UBA-Präsident Andreas Troge. "Es war 1999 richtig, die Ökosteuer einzuführen. Und es wäre für den Klimaschutz und den Arbeitsmarkt ein falsches Signal, jetzt auf sie zu verzichten."

Die Verteuerung von Strom sowie von Heiz- und Kraftstoffen durch die Ökosteuer gebe den Verbrauchern Anreize, Energie zu sparen und rationeller einzusetzen, so das UBA. Das Aufkommen der Ökosteuer fließe zu rund 90 % in die Rentenkassen und verringere so die Rentenbeiträge, die die Beschäftigten und Arbeitgeber zu entrichten hätten. Die Ökosteuer mache Arbeit also billiger und schaffe so Impulse für mehr Beschäftigung. Die vom DIW ermittelte Zahl von netto 250.000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2003 belege, dass die Ökosteuer Arbeitsplätze schaffe und nicht – wie manche behaupten – zum Abbau beitrage.



M O N S T E R S T U R M   " W I L M A "

„Wir haben sehr große Angst“

Die Menschen in den Anrainerstaaten der Karibik sind einiges gewohnt, aber wohl noch nie war ein Hurrikan so bedrohlich wie "Wilma". Der gigantische Sturm hat blitzartig an Kraft gewonnen und bedroht Mexiko, Kuba und Florida. Zwölf Menschen starben bereits, Tausende fliehen.

Aus:
Spiegel Online – 19. Oktober 2005, 22.17 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original]

MEXIKO-STADT/HAVANNA. "Wilma" war heute Morgen zum Sturm der Kategorie 5 hochgestuft worden. Die Meteorologen des Hurrikanzentrums in Miami (US-Bundesstaat Florida) ordneten den Wirbelsturm in ihrem jüngsten Bericht als "extrem gefährlich" ein. Schneller habe sich noch kein Sturm zum Hurrikan entwickelt, sagte der Meteorologe Hugh Cobbs. Seitdem herrschte etwa im Ferienzentrum von Cancun an der Nordspitze Mexikos große Besorgnis. Dem Sturm fielen bereits 12 Menschen zum Opfer.

Die Vorbereitungen zum Schutz vor dem Hurrikan liefen an Mexikos Küste auf vollen Touren. Die Schiffe wurden in den riesigen Mangrovenwäldern in Sicherheit gebracht, Häuser abgesichert, die Halbinsel Holbox evakuiert und Veranstaltungen abgesagt. Touristen in Cancun strömten zum Flughafen, um sich über mögliche Rückflüge zu informieren. Der Musiksender MTV sagte die Preisverleihung zu den Latin Music Awards ab, die in einem Park an der Küste südlich von Cancun stattfinden sollte. Die Feier wurde auf einen unbestimmten Termin verschoben.

Die meisten modernen Hotels in Cancun sind sehr stabil gebaut und gelten als hurrikansicher. Doch für Sturmgeschwindigkeiten von 280 Stundenkilometern gibt es keinerlei Erfahrungen. "Hoffentlich zieht der Sturm an uns vorbei", sagte ein Einwohner von Cancun. "Wir haben dieses Mal sehr große Angst."

Wie der Hurrikan-Experte Thomas Sävert vom Wetterdienst Meteomedia in Deutschland mitteilte, lag heute der Luftdruck im Zentrum des Sturmes mit 884 Hektopascal noch tiefer als bei dem bisherigen Spitzenreiter "Gilbert" aus dem Jahr 1988. Damals waren 888 Hektopascal gemessen worden. Weltweit waren bisher lediglich einige Taifune stärker. Den Rekord hält laut Sävert der Taifun "Tip", für den am 12. Oktober 1979 ein Luftdruck von 870 Hektopascal geschätzt [!] wurde.

"Wilma" stand heute mehrere hundert Kilometer östlich der mexikanischen Halbinsel Yucatan und südlich von Kuba und Jamaika. Er entwickelt Windgeschwindigkeiten von 280 Kilometern pro Stunde. Sein Zentrum bewegt sich nach Angaben der regionalen Wetterdienste mit 13 Stundenkilometern nach Nordwesten auf den Golf von Mexiko zu. Nach Berechnungen der US-Marine in Norfolk wird "Wilma" am Freitag oder Samstag zwischen der Nordspitze von Yukatan und Westkuba den Golf erreichen. Dann werde er sich auf Südflorida zubewegen, wo er nach dem Wochenende erwartet wird.

      Weg des Hurrikans Wilma
^   Standort und vermutlicher Weg des Monster-Hurrikans der Kategorie 5 „Wilma“ durch die Karibik. Und falls er an der Yucatan-Ecke (Rot markiert) geradeaus weiterlaufen sollte, könnte er New Orleans nochmals zerstören. Das entscheidet sich im Laufe des Samstags (22.10.2005). „Wilma“ zog dann von Yucatan direkt über Florida hinweg und erreicht als Tiefdruckgebiet am 28.10.2005 eine südwestliche Position vor Island. [mehr(Grafik: 20.10.2005 – NHC)
"Wilma" ist nach "Katrina" und "Rita", die in den USA große Verwüstungen angerichtet hatten, der dritte Wirbelsturm der höchsten Kategorie in diesem Jahr. Der Wirbelsturm ist der zwölfte Hurrikan der Saison. Diese Anzahl der Wirbelstürme wurde in der bis 1851 zurückreichenden Statistik bisher nur 1969 beobachtet.

Bereits am Dienstag [18.10.2005] waren Teile Kubas, Haiti, die Dominikanische Republik und Jamaica von schweren Regenfällen heimgesucht worden. Wegen Überschwemmungen wurden nach Angaben der Behörden des Karibikstaates Kuba rund 5.000 Menschen in den östlichen Landesteilen in Sicherheit gebracht. Rund 200 Gebäude seien beschädigt worden.

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern warnt in einer neuen Studie zur globalen Erderwärmung vor neuen Fluten, Dürreperioden und Hitzewellen in den USA. Extreme Wetterlagen würden sich in den nächsten 100 Jahren verschärfen, heißt es in dem Bericht von Forschern der Purdue University (US-Bundesstaat Indiana) und des Internationalen Zentrums für Theoretische Physik in Triest (Italien).

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^   Satelliten-Foto (GOES-E, Infrarot) des Hurrikans „Wilma“ vom 19. Oktober 2005 um 23.00 MESZ. Der Monstersturm der Kategorie 5 ist auf dem Weg zur Halbinsel Yucatan (Mexiko) sowie vermutlich nach Kuba und Florida (USA).   (Sat-Foto: 19.10.2005 – NERC/Dundee/khd)   [Gesamt-Foto]

[
US National Hurricane Center]   (Florida)
[National Oceanic Atmospheric Administration]   (Satelliten-Fotos)
[Sturm-Blogs von Dr. Jeff Masters]   (Meteorologe)
[Sturm-Blogs von Steve Gregory]   (Meteorologe)
[Wilma kommt nach Europa]  (khd-research)



D Ü R R E N   U N D   F L U T E N

Klimawandel bedroht Europa

Die globale Erwärmung wird einer aktuellen Studie zufolge immer mehr Dürren, Überschwemmungen und Brände im Mittelmeerraum auslösen. Auch die Gebirge seien bedroht. In den Alpen etwa eroberten immer mehr Arten die auftauenden Gipfel.

Aus:
Spiegel Online – 28. Oktober 2005, 17.35 Uhr MESZ (nur elektronisch publiziert). [Original mit Bildern]

EUROPA. In diesem Jahr haben die mediterranen Länder teils katastrophale Trockenheiten erlebt – wie schon 2003. Solche heftigen Dürren könnten sich in Zukunft besonders im Mittelmeerraum häufen, warnt ein Team aus 16 europäischen Forschungseinrichtungen unter Leitung des Potsdam- Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Der Wasserverbrauch durch Tourismus und Landwirtschaft verschärfe die Bedrohung durch Trockenheiten, so die Studie. Auch die Waldbrandgefahr steige.

Während im Sommer viele Flussläufe austrocknen und nicht mehr schiffbar sein könnten, sagen die Forscher für die Wintermonate mehr Überschwemmungen voraus. Statt Schnee könnte in den Bergen mehr Regen fallen und die Flüsse anschwellen lassen.

Die Durchschnittstemperaturen könnten sich in Europa bis 2080 zwischen 2,1 und 4,4 Grad Celsius erhöhen, was insbesondere Nordeuropa stark zu spüren bekommen werde. Zugleich könnten die Niederschlagsmengen im Norden stark steigen, während sie sich im Mittelmeerraum verringern. Bis zum Jahr 2080 könnten 14 bis 38 % mehr Menschen in Gebieten mit erhöhtem Wassermangel leben.

Die Wissenschaftler untersuchten den Klimawandel auch im Zusammenhang mit der Landnutzung. Hier machten sie neben den negativen auch positive Trends aus. So würden die Wälder und die landwirtschaftlichen Flächen zunehmen, die man für die Produktion von Bioenergie nutzen könne.

Dennoch sagt die im Fachblatt Science publizierte Studie "Probleme in der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, der Energie- und Wasserwirtschaft sowie im Tourismus" voraus. Das Erholungsangebot der Mittelmeerländer werde sich reduzieren und die Ernten würden geringer ausfallen. Betroffen seien auch die Gebirge, wo ein Rückgang der Schneedecke den Wintersport beeinträchtigen werde.

Flora der Alpen verändert sich

Der klimatische Wandel macht sich auch in der Tier- und Pflanzenwelt bemerkbar. "Besonders die Tiere und Pflanzen der Gebirge und des Mittelmeergebietes sind empfindlich", schreibt das Team um PIK-Forscherin Dagmar Schröter in Science. Eine flexiblere Bewirtschaftung von Naturschutzgebieten könne möglicherweise Verlusten entgegenwirken.

Schon jetzt verändert sich die Flora in den Alpen. Immer mehr Arten drängen auf die Gipfel, die offenbar aufgrund steigender Temperaturen weniger lebensfeindlich werden. Um 30 bis 50 % habe die Artenzahl seit den achtziger Jahren zugenommen, wie Geobotaniker und Geographen der Universitäten Hannover und Zürich heute mitteilten. Die Wissenschaftler hatten zehn Berggipfel im Osten der Schweizer Alpen untersucht. Noch sei genug Platz in den spärlich besiedelten Höhen, eine Verdrängung von Arten finde wahrscheinlich in tieferen Lagen statt.

Auch in Japan werden die Temperaturen in den kommenden 100 Jahren vermutlich um 2 bis 3 Grad steigen. Dies geht aus einer am heutigen Freitag [28.10.2005] veröffentlichten Studie des japanischen Meteorologischen Amtes hervor. Sollte sich diese Prognose erfüllen, wäre der Temperaturanstieg doppelt so hoch wie im vorigen Jahrhundert, in dem es in Japan im Schnitt um 1,06 Grad wärmer wurde.

Extreme Dürre im Amazonasgebiet

Im Amazonasbecken herrscht derweil die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. 160.000 Menschen leiden unter dem Wassermangel. Täglich werden Hilfsgüter in den brasilianischen Bundesstaat Amazonas geliefert, der bereits über 61 Städte den Notstand verhängt hat. In Hunderten Dörfern, die an ausgetrockneten Seen und kleinen Flüssen liegen, sind Trinkwasser und Lebensmittel knapp.

Einige Forscher haben die Katastrophe mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht. Da der Nordatlantik in diesem Jahr besonders warm sei, so ihre Hypothese, regnen sich die Wolken bereits weiter im Norden ab und schaffen es nicht mehr bis ins Amazonasgebiet. Brasilianische Meteorologen betonten dagegen, die derzeitige Dürre habe nichts mit der globalen Erwärmung zu tun, sondern lediglich ein Resultat der extremen Variabilität des Wetters in der Region.

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