Reiche internationale Investment-Gesellschaften (Immobilien-Fonds, Hedge-Fonds, Private Equity Fonds, Opportunity Fonds), die nur etwas vom Geldmachen verstehen, fallen wie die Geier auch über den deutschen Wohnungsmarkt her. Und die dafür eigentlich nicht authorisierten deutschen Politiker sind wg. ihrer Finanznöte bereit, das Sozialgut des städtischen Wohnungsbestands für einen Judas-Lohn an diese Heuschrecken zu verscherbeln ohne an die wahren Folgen für die Mieter zu denken, geschweige denn die im geheimen getroffenen Vereinbarungen (Kaufverträge) öffentlich zu machen.In Berlin ist dafür das Parade-Beispiel der Verkauf der gemeinnützigen GSW (Motto bis 2004: Gut und sicher wohnen) mit fast 70.000 Wohnungen an die Cerberus-Gruppe. Zwar behauptet der Senat von Berlin, daß der Verkauf städtischer Wohnungen für Mieter keine Nachteile bringe, was sich bei der Wohnungsgesellschaft GSW gezeigt habe. Aber das ist unwahr. Denn die Praxis der Machenschaften vor Ort bei den Mietern sieht seit Mai 2004 völlig anders aus. Dazu und den Hintergründen sind hier dokumentiert und mit [Ed: ...] kommentiert:
Älteres zum Privatisierungs-Chaos (13. Teil) [Gesamt-Übersicht] 23.08.2007: Finanzinvestoren: Und tschüs. (Heuschrecken) 01.10.2007: Wo Cerberus überall mitmischt. (Cerberus) 14.10.2007: Von den Folgen des GSW-Verkaufs. (Cerberus-GSW, Beispiel Thermometer-Siedlung) 15.10.2007: Cerberus: Futter für den Höllenhund. (Wie Cerberus agiert) 25.10.2007: Cerberus will angeblich deutsche Woolworth-Filialen kaufen. (Cerberus) 30.10.2007: Bessere Rahmenbedingungen gegen die Wohnungsbaukrise gefordert. Noch mehr Privatisierungs-Chaos (15. Teil) [Gesamt-Übersicht]
H E U S C H R E C K E N A T W O R KUnd tschüs
Finanzinvestoren hatten den deutschen Immobilienmarkt erobert mit schlimmen Folgen für viele Mieter. Jetzt ziehen einige der neuen Eigner weiter, denn die Zeit des schnellen Profits ist vorbei.
Aus: DIE ZEIT Nr. 35/2007, 23. August 2007, Seite ?? (Wirtschaft) von CLAAS PIEPER. [Original]Als der künftige Herr über knapp 100.000 Wohnungen 2003 die ersten Deals für den Finanzinvestor Cerberus einfädelte, da hatte er noch nicht einmal ein Büro. Zu schnell fing alles an. "Wir haben das vom Hilton Hotel in Frankfurt aus gemacht", sagt Ralph Winter, obwohl er eigentlich wusste, "wer in Deutschland Geschäfte machen will, der muss hier ansässig sein und kann nicht aus 10.000 Metern Höhe auf die Immobilien runterschauen, wenn er wieder nach New York abdüst". Aber die Zinsen und die Immobilienpreise waren zu niedrig, um noch abzuwarten. Zusammen mit der Investmentbank Goldman Sachs kaufte Cerberus im Frühjahr 2004 rund 90 Prozent der Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) in Berlin. 65.700 Wohnungen standen dahinter, fast 200.000 Menschen leben in den Wohnungen.
Heute ist Winter davon überzeugt, dass der GSW-Kauf wegweisend für die Branche war. Die Manager der Konkurrenz hätten zunächst abgewartet und dann gesagt: "Okay. So funktioniert das." Sie schnappten sich den nächsten Flieger in Richtung Frankfurt oder Berlin und machten auch ein Büro auf. So erinnert sich der heute in der Schweiz arbeitende Immobilienmanager an die heiße Anfangsphase.
Bei Cerberus ist Winter im vergangenen Jahr ausgestiegen er glaubte nicht mehr an die hohen Renditen. Und auch andere Manager von Finanzinvestoren stehen schon wieder vor dem Abflug ins nächste Land. Blackstone verkaufte Branchenschätzungen zufolge mehr als drei Viertel seiner 31.000 Wohnungen für 1,6 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte das Unternehmen 2004 für den gesamten Bestand rund 1,4 Milliarden Euro gezahlt. Cerberus trennte sich im Juli für 1,7 Milliarden Euro von der Baubecon und damit von rund 27.000 Wohnungen. Einst hatte der Preis für die früher gewerkschaftseigene Gesellschaft mit 20.000 Wohnungen geschätzt 1 Milliarde Euro betragen. Nur wenige Jahre nach ihrem Einstieg in den deutschen Wohnungsmarkt machen diese Finanzinvestoren Kasse.
Sie haben genug verdient. Im Fall der Baubecon sollen es, so ein Brancheninsider, auf das Jahr gerechnet durchschnittlich rund 80 Prozent Rendite auf das ursprünglich eingesetzte Eigenkapital sein. Cerberus selbst will sich dazu nicht äußern.
Geschafft haben das die Investoren meist mit einer Mischung aus Mietsteigerungen, Teilverkäufen, Arbeitsplatzabbau in den Wohnungsgesellschaften sowie mit Sanierungen, die mit bis zu 11 Prozent Mieterhöhung pro Jahr umgelegt werden können. Großen Anteil am Gewinn haben aber auch die fantasievollen Finanzierungsmethoden. Die Kreativität der Immobilienkäufer wurde in der Vergangenheit höchstens noch von Jongleuren in den USA getoppt. Doch während dort der Immobilienmarkt gerade kollabiert, haben Cerberus & Co. der hiesigen Immobilienbranche eine Euphorie beschert. Die Mieter profitierten davon noch am wenigsten.
Rund 800.000 Wohnungen wurden seit 2004 verkauft
Ausgangspunkt der Verkaufswelle war eine Konjunkturkrise. Um die zu beseitigen, hielt die Europäische Zentralbank (EZB) 2004 die Zinsen in der EU niedrig. So sollten Investitionen von Unternehmen angekurbelt werden. Wer damals kaufen wollte, konnte sich das Geld günstig leihen. Die Verkäufer wiederum konnten dieses Geld gut gebrauchen. Den Kämmerern in den Städten war in der Krise die Gewerbesteuer weggebrochen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung wurden allein zwischen 2004 und dem ersten Halbjahr 2006 bundesweit rund 807.000 Wohnungen für insgesamt fast 35 Milliarden Euro verkauft. Mehr als die Hälfte davon gehörten einst den Städten. Viele der Wohnungen waren günstig zu haben: Zu Beginn des Booms zahlten Investoren laut Ministerium durchschnittlich 590 Euro je Quadratmeter. Bereits ein Jahr später waren es 760 Euro, in Berlin gar bis zu 1.000 Euro. Aber wer wollte, der hatte wie die Finanzinvestoren Terra Firma, Fortress, Blackstone und eben Cerberus schon zugegriffen.Ihr Profitstreben hat die deutsche Mietwelt verändert. Die schwarze Null ist bei der Bewirtschaftung von Immobilien Vergangenheit. Sie reichte noch, als Lokalpolitiker in den Verwaltungen saßen. "Möglichst viel Rendite" heißt die Devise heute. "Die Wohnung verkommt zu einem Handelsgut, und alles wird darauf ausgelegt, diesen Handel möglichst reibungslos abzuwickeln", sagt Joachim Oellerich, Sprecher der Berliner Mietergemeinschaft, einer Interessenorganisation.
Spricht Winter von den damals rund tausend Mitarbeitern der GSW, fallen Worte wie "incentives", Leistungsanreize, die ihnen fehlten, oder "profit", auf den sie angeblich nicht gedrillt waren. Ein gefundenes Fressen für Cerberus, den nach dem dreiköpfigen Höllenhund der griechischen Mythologie benannten Investor. Erst wurde laut Winter das "Mieterhöhungspotenzial" ausgeschöpft, dann wurden kostenintensive Einheiten verkauft und die bei der GSW angestellten Architekten "outgesourct". Heute arbeiten bei der GSW 429 Menschen, diese Zahl hat sich der Pressesprecher auf einen Zettel geschrieben. Er hat sie noch nicht im Kopf, seit Jahresbeginn sind es ja auch schon wieder rund 40 weniger. Zuletzt wurde die Heiztechnik ausgegliedert.
Es dauerte nur kurz, bis sich nach dem Verkauf der GSW wütende Anlieger bei der Berliner Mietergemeinschaft meldeten. Sie lebten in jenen 1529 Wohnungen der GSW, die Cerberus schon ein halbes Jahr nach der Übernahme wieder an die Vivacon AG verkaufte. Zwei Monate später hieß der Eigentümer von 886 dieser Wohnungen wiederum conwert Immobilien-Invest AG. Das österreichische Unternehmen, das sich dahinter verbirgt, wollte die Miet- möglichst schnell zu Eigentumswohnungen umwandeln. Es kündigte eine Modernisierung an diese erhöht die Chancen auf einen Verkauf. Von außen sollte ein Balkon angebaut werden und drinnen die Monatsmiete um 50 Euro steigen. "So etwas konnten sich vor allem die sozial schwachen Mitbewohner gar nicht leisten", sagt Oellerich. Wer seit Jahrzehnten dort lebte, verstand die neue Wohnwelt nicht mehr. Mietern mit sehr alten Verträgen hatte die GSW einst sogar kostenlos die Zimmer gestrichen. Diese Zeiten das wussten jetzt alle waren vorbei.
Die meisten der 65.000 GSW-Wohnungen behält Cerberus noch. Ganz anders ging der Investor bei der hannoverschen Baubecon vor. Die haben Winters Nachfolger komplett weitergereicht. Nach nur 18 Monaten.
Eineinhalb Jahre waren aber genug, um das Unternehmen dauerhaft zu verändern. Dabei hatte alles so friedlich angefangen. "Cerberus selbst sieht sich als langfristiger strategischer Investor der Baubecon-Gruppe, der nicht nur am Standort Hannover die Baubecon als Plattform für seine Immobilienaktivitäten nutzen und ausbauen will", sagte der langjährige Baubecon-Geschäftsführer Jürgen Kretschmer kurz nach dem Verkauf in einem Interview mit wohnen und mehr, der damaligen Mieterzeitung der Baubecon. Ein wenig beruhigte das die Menschen in den Mietshäusern, Kretschmers Tage hingegen wurden unruhig und waren bald gezählt. Das Interview war eine seiner letzten Amtshandlungen, er sei "nur noch ein Schatten seiner selbst gewesen", sagt ein Weggefährte. Wenige Wochen später, Anfang 2006, war Kretschmer seinen Job los.
H E U S C H R E C K E N A T W O R K W I E E S W I R K L I C H A U S S I E H TWo die Cerberus Capital Management L.P. überall mitmischt
Aus: Cerberus-Homepage, New York, 1. Oktober 2007 (Profiles). [Original]
W I E C E R B E R U S A G I E R TVon den Folgen des GSW-Verkaufs
Beispiel Berliner Thermometer-Siedlung / Nichts ist besser geworden / Das blanke Privatisierungs-Chaos regiert
Aus: khd-Page Nr. 535, Berlin/San José/Toronto, 14. Oktober 2007, 00.00 Uhr MESZ (Heuschrecken at work) von KARL-HEINZ DITTBERNER. [Zum Artikel]
- Ein Riesenfehler der Berliner Politik.
- Ausverkauf von GSW-Wohnungen.
- Erfahrungen aus der Thermometer-Siedlung.
- Schilda läßt grüßen.
- Eigennützige GSW kümmert sich nicht um Einkaufsmöglichkeiten.
- Ein Call-Center statt mieterfreundlicher Geschäftsstellen.
- Störfaktor Mieter Briefpost offensichtlich unerwünscht.
- Angst vor Mieterhöhungen geht um.
- Fahrstühle nur noch im Schneckentempo.
- Kostenabrechnungen nicht nachvollziehbar.
- Funktionierendes Hauswartsystem weitgehend abgeschafft.
- Aber Kosten für Häuptlinge spielten keine Rolle.
- Intransparenz völlig inakzeptabel.
- Demokratie unerwünscht? (Mieterbeiräte)
- Nachhaltiges Fortführungskonzept der GSW von 2004.
- Kreative GSW-Begründungen.
G E M I S C H T W A R E N H Ä N D L E R C E R B E R U SFutter für den Höllenhund
Kein Finanzinvestor verhandelt härter, keiner wagt sich an größere Risiken heran. Gelingt Cerberus-Chef Stephen Feinberg die Chrysler-Sanierung, erlangt er Star-Status. Scheitert er, ist sein Ruf schwer ramponiert.
Aus: Manager-Magazin 9/2007, 15. Oktober 2007, Seite ?? (Finanz-Investoren/Heuschrecken) von MICHAEL FREITAG und ULRIC PAPENDICK. [Original]Bankenrunde. Das Wort verheißt nichts Gutes. Es kündet von Nachforderungen, von Liquiditätsengpässen, im Extremfall von Pleitegefahr, jedenfalls aber von unerfreulichen Überraschungen.
So ist auch den gut 30 Unterhändlern wenig feierlich zumute, die Ende Juli dieses Jahres in New York zusammenkommen. Die Abordnungen 5 amerikanischer Großbanken prallen auf die Spezialisten des Automobilkonzerns DaimlerChrysler und des Finanzinvestors Cerberus. Ort des Geheimtreffens: die Cerberus-Büros hoch über der New Yorker Park Avenue.
Es geht um Kredite über 62 Milliarden Dollar, um die Konditionen der größten privaten Finanztransaktion in der Geschichte der USA und nicht zuletzt um die spektakulärste Scheidung der Wirtschaftsgeschichte: den Verkauf der maroden Daimler-Tochter Chrysler.
Es sieht nicht gut aus für den Megadeal an diesem heißen Nachmittag in New York: An der Wall Street geht die Angst um vor den Folgen der amerikanischen Immobilienkrise. Kredite, zuvor so einfach zu handeln wie die Hot Dogs unten auf der Straße, sind plötzlich heiße Ware. Wer sie weiterreichen will, muss gehörige Abschläge in Kauf nehmen oder auf bessere Zeiten warten.
Unter diesen Vorzeichen eine Milliardenübernahme perfekt zu machen scheint beinahe hoffnungslos. Die Banker fürchten Verluste in dreistelliger Millionenhöhe, verlangen Nachbesserungen oder einen Aufschub bis in den Herbst. Die Daimler-Emissäre wollen die Transaktion sofort über die Bühne bringen. "Der komplette Deal", erinnert sich einer der Verhandlungsführer, "stand auf des Messers Schneide."
Als die Unterhändler nachts um 3 Uhr auseinandergehen, ist der Verkauf von Chrysler dennoch perfekt. Die Banken haben nachgegeben die Ausstiegsklauseln in den bereits unterschriebenen Verträgen waren nicht belastbar. Daimler hat eine weitere Kreditlinie von 1,5 Milliarden Dollar zugesagt, um den Verkauf der maroden Tochter zu sichern.
Das Phantom der Finanzwelt
Nur einer hat kaum Konzessionen gemacht: der Käufer. Obwohl Cerberus-Chef Stephen A. Feinberg (47) Chrysler unbedingt kaufen will, hat er die Nerven behalten. Gerade mal 500 Millionen Dollar zusätzlich bewilligt Feinberg.Wenige Tage später wird unterschrieben. Der Mann, der sein Unternehmen nach dem dreiköpfigen Höllenhund der griechischen Mythologie benannt hat, beerbt die Daimler-Chefs Jürgen Schrempp (62) und Dieter Zetsche (54). Stephen Feinberg ist so etwas wie das Phantom der Finanzwelt. Will ein Konzernchef von Angesicht zu Angesicht mit ihm sprechen, muss er nach New York kommen. Es gibt lediglich zwei bekannte Fotos von ihm, eins davon noch aus seiner Zeit an der Universität. Feinberg verbarrikadiert sich in Manhattan und ist doch überall da präsent, wo ein großes Unternehmen verkauft wird.
Der Mann hat Dieter Zetsche vor einem Desaster bewahrt. Gäbe es Cerberus nicht, wäre Daimler Chrysler erst einmal nicht losgeworden. Niemand sonst, das spricht man in Stuttgart offen aus, hätte diesen Deal so schnell und zu diesen Konditionen gemacht. Nicht die kraftstrotzenden Firmenjäger von Blackstone oder KKR. Schon gar nicht ein Autokonzern wie GM, der sich ebenfalls für Chrysler interessiert hatte. So aber steht Daimler wieder glänzend da.
Als ringsherum die Aktienkurse einbrechen, als Übernahmen abgesagt werden, die Banken auf Kreditpaketen im Wert von Hunderten Milliarden Euro sitzen bleiben und die Private-Equity-Szene sich auf eine Art Winterschlaf vorbereitet, landet ausgerechnet der Emporkömmling Cerberus den wohl vorerst letzten großen Deal.
Dabei galt das 1992 von Feinberg und einem Partner gegründete Unternehmen bis vor ein paar Jahren als Aasgeier, als Fonds, der nicht viel mehr kann, als Kredite zu handeln und Firmen zu zerschlagen. Immer wieder haben die Cerberus-Leute in Deutschland Vorstände durch übertriebene Aggressivität verprellt. Immer wieder ließen sie Geschäfte kurz vor der Unterschrift platzen. Aber Feinbergs Truppe hat offenbar dazugelernt. Heute verwaltet Cerberus ein Eigenkapital von gut 26 Milliarden Dollar. Feinbergs Firmenimperium umfasst weltweit rund 50 Beteiligungen, darunter die Fluglinie Air Canada und GMAC, die ehemalige Finanzsparte des Autokonzerns General Motors. Die rund 250.000 Mitarbeiter dieses Konglomerats erwirtschaften einen Jahresumsatz von mehr als 120 Milliarden Dollar.
Cerberus geht immer bis an die Grenzen. Kein anderer Investor prüft Firmen vor einer Übernahme so penibel, keiner verhandelt so verbissen um das kleinste Detail. Andererseits: Kaum ein Konkurrent riskiert so viel und unterschreibt selbst riesige Transaktionen ohne Finanzierungsvorbehalt.
"Er will einfach der Größte werden"
Das Ergebnis sind gigantische Gewinne: Sämtliche Gebühren abgezogen, kassierten Anleger des 2001 aufgelegten Cerberus-Fonds Serie 2 eine Rendite von satten 27 Prozent, bei der 2003 aufgelegten Serie 3 laufen die Prognosen kurz vor Abschluss des Fonds auf 23 Prozent hinaus. Pro Jahr, versteht sich.Hauptprofiteur ist Feinberg persönlich: Auf 800 bis 900 Millionen Euro schätzt das Fachblatt "Trader Monthly" sein Einkommen im Jahr 2006. Der Cerberus-Chef sei "doppelt so schwer wie Blackstone-Gründer Stephen Schwarzman", schätzt ein Kenner des Unternehmens. Der Mann redet von Vermögen, nicht von Körpergewicht. Demnach besitzt Feinberg rund 14 Milliarden Dollar. Den Chef treibe allerdings nicht allein die Gier, sagt ein ehemaliger Kollege. "Der Mann hat eine andere Vision, und das ist jetzt nicht böse gemeint: Er will einfach der Größte werden."
Chrysler kommt da gerade recht. Bei dem angeschlagenen Autohersteller kann Feinberg der Welt beweisen, dass Cerberus zu den ganz Großen der Private-Equity-Szene zählt.
Wie aber funktioniert der Fonds mit dem martialischen Namen? Warum ist diese perfektionierte Investmentmaschine ausgerechnet in Deutschland für stümperhaftes Auftreten bekannt? Übernimmt sich Stephen Feinberg am Ende gar mit Chrysler?
Wer die gescheiterten wie geglückten Cerberus-Deals genauer untersucht, findet erstaunliche Antworten.
Im Frühjahr 2005 betrat ein Mann die Kölner Marienburg, dessen Aussehen das Personal der prachtvollen Gründerzeitvilla an Al Capone denken ließ: eher klein von Statur, das dunkle Haar mit viel Gel nach hinten gekämmt. Er stellte sich als Frank Bruno vor, Senior Managing Director der New Yorker Investmentfirma Cerberus.
Der Italoamerikaner kam mit einem klaren Auftrag in das Herrenhaus am Rheinufer, das seit Jahrzehnten dem Gerling-Konzern gehört: Cerberus, eröffnete er Aufsichtsratschef Joachim Theye, wolle den deutschen Traditionsversicherer kaufen. Man werde nicht nur einen guten Preis zahlen, sondern Gerling auch langfristig weiter führen.
Dem markigen Auftritt folgte ein monatelanges Tauziehen. Hundertschaften von Anwälten, Wirtschaftsprüfern und Unternehmensberatern durchpflügten im Auftrag des US-Fonds die Kölner Gerling-Zentrale. Die geballte Präsenz dunkler Anzüge und schwarzer Rollköfferchen, der laute US-Akzent auf den Fluren dominierten den Gerling-Alltag. Der Cerberus-Projektleiter vor Ort, ein etwa 30-jähriger Investmentbanker namens Markus Ehrhardt, ließ Theye kaum aus den Augen, folgte dem Gerling-Aufseher sogar in dessen Kölner Bleibe, das Hotel "Excelsior". Waren jedoch verbindliche Entscheidungen gefragt, musste Ehrhard passen wie das gesamte deutsche Team.
Cowboys auf Tauchstation
Schließlich bemühte sich Theye selbst nach New York, um den Verkauf mit Cerberus-Chef Feinberg persönlich zum Abschluss zu bringen. Und tatsächlich, wenig später unterzeichneten Firmeneigner Rolf Gerling und Theye in Zürich den Kaufvertrag; die Verhandlungsteams stießen mit Champagner an.Voreilig, wie sich herausstellte. Plötzlich bombardierten die Cerberus-Anwälte Freshfields und Linklaters die Gerling-Seite mit neuen Detailfragen. Wenig später gingen die Amerikaner sogar komplett auf Tauchstation. Tagelang brach der Kontakt ab. Als Gerling-Vorstandschef Björn Jansli (60) den Cerberus-Emissär Bruno zufällig in der Londoner U-Bahn traf, wich dieser seinen Fragen aus.
Das reichte den Kölnern. Im November 2005 verkauften Theye und Gerling den Konzern an den Hannoveraner Konkurrenten Talanx.
Unzuverlässig, unberechenbar, ohne schlagkräftige Organisation die Gründe für das Scheitern des Gerling-Deals waren symptomatisch für die ersten Cerberus-Auftritte in Deutschland. Immer wieder meldete Cerberus Interesse an, wenn irgendwo in der Republik Firmen zum Verkauf standen. Doch allzu oft disqualifizierten die Amerikaner sich mit rauen Cowboy-Manieren.
Beim Verkauf des WestLB-Anteils an der HSH Nordbank etwa verlangten sie, die Bank müsse ihren Doppelsitz aufgeben und wurden erst gar nicht in den Datenraum gelassen. Beim Verkauf der Breitbandnetze von Bosch zogen sie sich als einer der letzten verbliebenen Bieter trotz gegenteiliger Absprachen urplötzlich zurück. Die stets korrekten Bosch-Manager waren konsterniert.
Einige Deals gelangen ihnen, etwa die Übernahmen der Daimler-Tochter Debis Air Finance, der Bayer-Blutplasmasparte und des mittelständischen Autozulieferers Peguform; dazu einige Käufe von Wohnungsbaugesellschaften. Doch auch im Immobiliengeschäft zahlte Cerberus Lehrgeld: Die Gewerkschaftstochter Baubecon mit ihren rund 27.000 Wohnungen erwarben die Fondsmanager 2005 derart überteuert, dass nach dem Wiederverkauf vor 3 Monaten praktisch kein Gewinn übrig blieb. Baubecon sei ein "Geldwechselgeschäft" gewesen, gesteht ein Cerberus-Mann ein. Gemessen am Standard der New Yorker Zentrale, ist so etwas ein Fiasko. Die Folge: "Zu diesen Preisen keine Deals mehr", stoppte Feinberg weitere Immobilienkäufe in Deutschland. Der für das Geschäft zuständige Ralph Winter (44) und sein Team waren bald darauf verschwunden.
Feinberg hat aus den Fehlern gelernt. Als er Ende 2006 erneut ein Team schickte, um ein Finanzinstitut in Europa zu kaufen, war jener Markus Ehrhardt nicht mehr dabei, der die Gerling-Leute so genervt hatte. "Wenn der kommt, machen wir nicht mit", hatten Berater zu verstehen gegeben.
Das Feinberg-Imperium
Ausgewählte Cerberus-Beteiligungen
Stand: Siehe Fußnoten
Quelle: Unternehmensangaben + mm-Recherche.Unternehmen Branche Umsatz 1) Mitarbeiter 2) Anm. AerCap Finanzen 0,81 233 3) Air Canada Luftfahrt 10,07 27.774 Albertsons Einzelhandel 8,00 k. A. Anchor Glass Glasproduktion 0,75 2.840 4) Aozora Bank Finanzen 5) 0,93 6) 1.359 Bawag Finanzen 7) 1,99 6.670 BlueLinx Bauprodukte 4,90 3.300 Chrysler Auto 62,21 80.735 GMAC Financial Serv. Finanzen 35,72 k. A. IAP Militärlogisitk > 1,00 > 5.000 NewPage Papier 2,04 4.300 Peguform Auto 1,72 6.500 3) Scottish Re Versicherungen 2,45 k. A. Talecris Biotechnik > 1,00 3.000 Tower Automotive Auto 2,54 10.477 1) In Milliarden US-Dollar, Stand: 2006.
2) Stand: Ende 2006.
3) Stand: Ende 2005.
4) jeweils Stand: Ende 2004.
5) Erträge Geschäftsjahresende 2006/07 (31.3.2007).
6) Stand: 31.3.2006.
7) xxx.
Prominente Schattenspender
Stattdessen sandte Feinberg gleich eine ganze Division Diplomaten aus. Als Kopf fungierte John Snow (68). Der ehemalige US-Finanzminister dient Cerberus seit Oktober 2006. Offiziell als Chairman, als Chef des Aufsichtsrats also. Inoffiziell als prominenter Türöffner, der Cerberus Zugang zu Kreisen verschafft, die Finanzinvestoren sonst gern als "Heuschrecken" abqualifizieren und meiden. "Snow sagt, was die New Yorker ihm aufschreiben", stellt ein Cerberus-Kenner die Verhältnisse klar.Aber immerhin: Der Höllenhund hat sich ein weiteres Gesicht gegeben, zusätzlich zum früheren US-Vizepräsidenten Dan Quayle (60). Die Politiker stellen sich dem Licht der Öffentlichkeit, die Finanzriege wirkt ungestört in deren Schatten. In Österreich jedenfalls hinterließ es einen bleibenden Eindruck, dass Cerberus einen leibhaftigen Finanzminister aufbot. Die diplomatische Hilfe tat not. Immerhin ging es um die Bawag, die Bank für Arbeit und Wirtschaft. Das Institut war zwar so gut wie pleite. Aber es gehörte dem Gewerkschaftsbund ÖGB. Ausgerechnet die Bawag an einen Finanzinvestor wie Cerberus zu verkaufen, das war ein schmerzhafter Gedanke für die österreichische Linke.
Der verantwortliche Cerberus-Mann David Teitelbaum (35) und seine Berater von Lehman Brothers erwiesen sich als trickreich. Sie engagierten Hannes Androsch (69), früher österreichischer Finanzminister und wichtiger Mann der rot-weiß-roten Sozialdemokratie. Der wiederum, inzwischen schwerreicher Unternehmer, holte den Ex-Chef des Baukonzerns Wienerberger, Erhard Schaschl (64), und den Fruchtsaftfabrikanten Franz Rauch (43) an Bord. Die beiden verfügen über erstklassige Beziehungen zur konservativen Partei ÖVP.
Die Industriellenriege versprühte ihren Charme nicht allein aus Spaß an der Freud. Cerberus versprach seinen Sonderbotschaftern Beteiligungen von bis zu 1 Prozent an der Bawag.
Der Plan ging auf. Konkurrent LoneStar missachtete alle Ratschläge seines österreichischen Partners, der Bank Kommunalkredit, verzichtete auf politisches Powerplay und verlor.
Für Cerberus war die Bawag-Übernahme der erste richtig große Deal in Europa und zugleich ein Beleg dafür, dass die Amerikaner mittlerweile auch in Europa vorankommen. Dafür hat sich Feinberg die Dienste zahlreicher neuer Leute gesichert. Verantwortlich für das Europa-Geschäft ist heute neben dem langjährigen Cerberus-Direktor Teitelbaum Kenneth Leet (49), ein ehemaliger hochrangiger M&A-Experte von Goldman Sachs. Die deutsche Nummer eins ist der frühere McKinsey-Partner und Deutschbanker Michael Sautter (48). Sautters Mission: Ein Team aufzubauen, das Cerberus dort Zugang verschafft, wo es der Fonds bislang schwer hat: bei den Vorständen der Dax-Konzerne. Denn nach wie vor spielt Cerberus hierzulande nur in der zweiten Liga.
Eher Dorfpolizist als Wall-Street-Legende
Um endlich auch von der ersten Liga der Business-Community ernst genommen zu werden, hat Cerberus-Mann Sautter eine Riege von Beratern aus Politik und Wirtschaft angeheuert, darunter den früheren Rewe-Chef Hans Reischl (67) und Ex-Allianz-Vorstand Reiner Hagemann (59). Der frühere Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann (60) übernahm für Cerberus sogar den Aufsichtsratsvorsitz bei der Bawag.Auch die ehemaligen Verteidigungsminister Volker Rühe (64) und Rudolf Scharping (59) stehen heute in Diensten von Cerberus. Etwa 125.000 Euro erhalten Berater in der Regel pro Jahr, plus Prämie, falls eine ihrer Geschäftsideen umgesetzt wird. Die illustre Runde wird alle zwei Wochen zu einer Telefonkonferenz zusammengeschaltet; alle 6 Wochen diskutieren sie in Frankfurt Strategien und anstehende Projekte.
Wenn es wichtig wird, fliegt zusätzlich die Politprominenz aus den USA ein. So erinnert sich Insolvenzverwalter Jobst Wellensiek (75) bestens daran, wie ihn Dan Quayle 2004 mit einem krachenden Schlag auf die Schulter begrüßte. Es ging um Peguform. Cerberus kaufte den Automobilzulieferer aus der Insolvenz. Heute steht er wieder passabel da.
Den Ehrgeiz eines Stephen Feinberg wird die Bilanz seiner deutschen Truppe noch nicht zufriedenstellen. Der Mann will gewinnen, immer. Als Student brachte er es zum Tennischampion seines Universitätsteams. Vor Jahren wettete er, den New-York-Marathon in weniger als 4 Stunden zu laufen, ohne vorher zu trainieren. Ins Ziel gekommen ist er, wenn auch in fünf Stunden. Feinberg sei "odd", sagen Banker, die ihn erlebt haben, skurril also. Mit seinem Schnauzbart wirke er eher wie ein Dorfpolizist, nicht wie eine Wall-Street-Legende. Wer ihm eine Geschäftsidee präsentieren will, muss mitunter bis nach Mitternacht warten. Dann aber bekommt er eine klare Ansage: Deal weiterverfolgen oder stoppen!
Feinberg fliegt kaum, er reist ungern. Als ihn vor Jahren bei einer anstehenden Transaktion in Japan die dortigen Aufsichtsbehörden unbedingt persönlich sprechen wollten, ließ er lieber den Deal sausen, als sich ins Flugzeug zu setzen.
1992 gründete er sein eigenes Unternehmen und wählte einen Namen, der für die Sicherheit des bei ihm angelegten Gelds stehen sollte. Ähnlich hatten es andere Hedgefonds gemacht, die sich "Tiger Fund" oder "Citadel" nannten. Als Feinberg merkte, dass der dreiköpfige Höllenhund als Identifikationsfigur eher ungeeignet ist, war der Fonds für eine Namensänderung bereits zu groß.
Zähnefletschen der Fall GDX
Wenn die Zahlen nicht stimmen, versteht Cerberus keinen Spaß. So auch beim Autozu- lieferer GDX, einer Cerberus-Firma mit etwa 7000 Mitarbeitern. Als GDX nicht aus den roten Zahlen kam, verweigerte Cerberus frisches Geld - und ließ die Kunden bluten. Per Brief forderte GDX im Frühjahr 2007 diverse Autohersteller auf, künftig die Löhne zu tragen.
Die Konzerne, vor allem GM und Ford, sind auf die Dichtungen des Zulieferers angewiesen. Sie zahlen, und zwar voraussichtlich rund 50 Millionen Euro. Neue Aufträge wird GDX so kaum noch erhalten. Cerberus aber kommt etwas billiger davon.Der Cerberus-Chef ist extrem auf Sicherheit bedacht, für ihn zählen letztlich nur Zahlen. Stimmen die nicht, reagiert er radikal; etwa beim maroden Autozulieferer GDX (siehe Kasten). "Wenn man ihm einen Deal vorschlägt, den er als zu teuer empfindet, fühlt er sich körperlich unwohl", berichtet ein Ex-Mitarbeiter.
Feinberg ist selbst in der eigenen Firma um Abstand bemüht. Nur wenige Mitarbeiter genießen sein Vertrauen, außer seinen beiden "Leutnants" Lenard Tessler (55) und Frank Bruno vielleicht noch eine Handvoll Leute.
Das spiegelt sich auch im Aufbau von Cerberus wider: Feste Strukturen mit Abteilungsleitern und klar definierten Aufgabenbereichen gibt es nicht. Stattdessen scharen sich die Investmentprofis eher als loses Team um ihren Chef. Angespornt durch üppige Geldprämien, versucht jeder, die besten Deals anzuschleppen. "Wem das gelingt, der steigt in Feinbergs Ansehen auf", beobachtet ein Banker, der mit Cerberus schon lange Geschäfte macht.
Zwar gibt es einige einflussreiche Stabsleute im Hintergrund Seth Plattus (45) etwa, der als Chief Administrative Officer die internen Abläufe dirigiert, und Syndikus Mark Neporent (50). Auch hat Feinberg rund 100 frühere Topmanager aus der Industrie angeheuert. Sie prüfen vor Übernahmen die angebotenen Firmen und führen die gekauften Unternehmen später teilweise. Doch das Herz des Fonds sind die Dealmaker um Feinberg, Tessler und Bruno. Ein Team, das selbst in der rauen Private-Equity-Zunft verrufen ist wegen seiner Verhandlungsmethoden. Dafür, erst alle Konkurrenten auszustechen und dann richtig loszufeilschen.
W O H N U N G S B A U K R I S ECerberus will angeblich deutsche Woolworth-Filialen kaufen
Aus: AFP-Meldung, 25. Oktober 2007, 16.05 Uhr MESZ (Wirtschaft). [Original]BERLIN (AFP). Der US-Investor Cerberus will einem Bericht zufolge die Immobilien von 100 Woolworth-Filialen in Deutschland kaufen. Das berichtete die Tageszeitung Die Welt unter Berufung auf Branchenkreise. Der jetzige Eigner, der britische Finanzinvestor Electra, hatte die deutschen Woolworth-Niederlassungen 1998 vom Mutterkonzern übernommen. Von den 330 Filialen in Deutschland und Österreich arbeite ein Viertel unrentabel, hieß es. Cerberus sei jedoch nur an jenen Warenhäusern interessiert, die langfristig weiterbetrieben werden könnten, sagte ein mit dem Vorgang vertrauter Investmentbanker dem Blatt. [mehr]
Spitzenverbänden der Bau- und Immobilienwirtschaft fordern: Bessere Rahmenbedingungen gegen die Wohnungsbaukrise
Aus: Presseportal, 30. Oktober 2007, 9.10 Uhr MEZ (Pressemitteilung). [Original]BERLIN (ots). Dramatische Einbrüche im Wohnungsbau verzeichnet die Bauwirtschaft und warnt vor sozialen und gesamt-volkswirtschaftlichen Konsequenzen verbunden mit einem erheblichen Abbau von Arbeitsplätzen. In einem gemeinsamen Positionspapier forderten jetzt 25 in der Aktion "Impulse für den Wohnungsbau" zusammengeschlossene Verbände der Bau- und Wohnungswirtschaft sowie die IG Bau von der Politik verbesserte Rahmenbedingungen zum Abbau von Investitionshemmnissen im Wohnungsbau.
Schon seit Jahresbeginn warnen Spitzenverbände der Bau- und Immobilienwirtschaft, dass die sinkende Bautätigkeit im Wohnungsbau den gesamten Konjunkturaufschwung gefährden kann. Jetzt korrigierten auch die führenden Wirtschaftsinstitute in ihrem Herbstgutachten für das kommende Jahr ihre Erwartungen nach unten. "Die geringe Wohnbautätigkeit", so Dr. Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau (DGfM), "ist das Ergebnis von politischen und steuerlichen Fehlentscheidungen, die die Rahmenbedingungen für Investitionen im Wohnungsbau verschlechtern.
Renditen im Wohnungsbau", kritisiert Rast, "liegen deutlich unterhalb anderer Kapitalanlagen." Hinzu kommt, dass die Immobilienpreise und Zinsen derzeit kräftig anziehen. Für viele Familien wird Wohnungseigentum damit zu teuer. Auch wenn Unionsfraktionschef Volker Kauder erst unlängst im Deutschlandfunk selbst genutztes Wohneigentum als wichtige Altervorsorgemaßnahme würdigte, steht das bereits für Januar zugesagte Gesetz zur Integration von Immobilien in die Altersvorsorge immer noch aus. "Wir erwarten hier," so Rast, "eine kurzfristige Regelung."
Damit die geringe Bautätigkeit nicht zur ernsthaften Gefährdung der Gesamtkonjunktur und zum Ausgangspunkt neuer sozialer Probleme wird, fordern die Vertreter der Bau- und Wohnungswirtschaft die Politik zur Umsetzung eines mittel- und langfristigen Maßnahmenkatalog auf. Seniorengerechte Baumaßnahmen sollen künftig in die KfW-Förderprogramme eingebunden werden. Von den Ländern werden Maßnahmen zur Belebung des Wohnungsbaus sowie die Bereitstellung von finanzierbarem Bauland erwartet. Entsprechende Regelungen bei der Erbschaftssteuer sollen privates Eigentum schützen und die Funktionsfähigkeit der Betriebe der Bau- und Wohnungswirtschaft sicherstellen.
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